Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754.

Bild:
<< vorherige Seite

II. Th. 7. H. Von dem Versprechen
Vertrage abgehen wollen, den andern
dazu anzuhalten, was er vermöge des
Vertrags zu leisten schuldig ist.
Da
wir nun aber, vermöge dessen, was erwiesen
worden, das Recht haben vom Vertrage ab-
zugehen; so handeln wir nicht wider
Treue und Glauben, wenn wir des-
wegen vom Vertrage abgehen, weil
der andere zuerst davon abgegangen

(§. 389.). Und weil es solchergestalt alsdenn
bey uns stehet, ob wir den Vertrag wollen
gelten lassen, oder nicht; so sind wir nicht
gehalten, wenn es den andern gereuet,
der zuerst abgegangen, und er will den-
selben gelten lassen, dieses anzuneh-
men.
Weil der Grund, warum es erlaubt
ist von einem Vertrage abzugehen, nicht vor-
handen, wenn einer wider Treue und
Glauben in einem andern Vertrage
vorher gehandelt; so ist auch deswe-
gen von einem andern Vertrage, als
jenem, abzugehen nicht erlaubt.

§. 443.
Wenn je-
mand
von ei-
nem Ver-
trag als-
dann ab-
gehet,
wenn
vermöge
desselben
schon et-

Wenn ein anderer alsdenn vom Ver-
trag abgehet, wenn wir ihm schon et-
was geleistet haben;
wir aber dadurch
vorsätzlich in Schaden gesetzt würden, wenn
wir verbunden wären den Verlust desselben
über uns zu nehmen (§. 17. 269.); so muß
er uns, wenn wir gleichfalls abgehen,
was gegeben worden, wiedergeben,
oder der Werth desselben ersetzet

werden

II. Th. 7. H. Von dem Verſprechen
Vertrage abgehen wollen, den andern
dazu anzuhalten, was er vermoͤge des
Vertrags zu leiſten ſchuldig iſt.
Da
wir nun aber, vermoͤge deſſen, was erwieſen
worden, das Recht haben vom Vertrage ab-
zugehen; ſo handeln wir nicht wider
Treue und Glauben, wenn wir des-
wegen vom Vertrage abgehen, weil
der andere zuerſt davon abgegangen

(§. 389.). Und weil es ſolchergeſtalt alsdenn
bey uns ſtehet, ob wir den Vertrag wollen
gelten laſſen, oder nicht; ſo ſind wir nicht
gehalten, wenn es den andern gereuet,
der zuerſt abgegangen, und er will den-
ſelben gelten laſſen, dieſes anzuneh-
men.
Weil der Grund, warum es erlaubt
iſt von einem Vertrage abzugehen, nicht vor-
handen, wenn einer wider Treue und
Glauben in einem andern Vertrage
vorher gehandelt; ſo iſt auch deswe-
gen von einem andern Vertrage, als
jenem, abzugehen nicht erlaubt.

§. 443.
Wenn je-
mand
von ei-
nem Ver-
trag als-
dann ab-
gehet,
wenn
vermoͤge
deſſelben
ſchon et-

Wenn ein anderer alsdenn vom Ver-
trag abgehet, wenn wir ihm ſchon et-
was geleiſtet haben;
wir aber dadurch
vorſaͤtzlich in Schaden geſetzt wuͤrden, wenn
wir verbunden waͤren den Verluſt deſſelben
uͤber uns zu nehmen (§. 17. 269.); ſo muß
er uns, wenn wir gleichfalls abgehen,
was gegeben worden, wiedergeben,
oder der Werth deſſelben erſetzet

werden
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0310" n="274"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#aq">II.</hi><hi rendition="#b">Th. 7. H. Von dem Ver&#x017F;prechen</hi></fw><lb/><hi rendition="#fr">Vertrage abgehen wollen, den andern<lb/>
dazu anzuhalten, was er vermo&#x0364;ge des<lb/>
Vertrags zu lei&#x017F;ten &#x017F;chuldig i&#x017F;t.</hi> Da<lb/>
wir nun aber, vermo&#x0364;ge de&#x017F;&#x017F;en, was erwie&#x017F;en<lb/>
worden, das Recht haben vom Vertrage ab-<lb/>
zugehen; &#x017F;o <hi rendition="#fr">handeln wir nicht wider<lb/>
Treue und Glauben, wenn wir des-<lb/>
wegen vom Vertrage abgehen, weil<lb/>
der andere zuer&#x017F;t davon abgegangen</hi><lb/>
(§. 389.). Und weil es &#x017F;olcherge&#x017F;talt alsdenn<lb/>
bey uns &#x017F;tehet, ob wir den Vertrag wollen<lb/>
gelten la&#x017F;&#x017F;en, oder nicht; &#x017F;o <hi rendition="#fr">&#x017F;ind wir nicht<lb/>
gehalten, wenn es den andern gereuet,<lb/>
der zuer&#x017F;t abgegangen, und er will den-<lb/>
&#x017F;elben gelten la&#x017F;&#x017F;en, die&#x017F;es anzuneh-<lb/>
men.</hi> Weil der Grund, warum es erlaubt<lb/>
i&#x017F;t von einem Vertrage abzugehen, nicht vor-<lb/>
handen, <hi rendition="#fr">wenn einer wider Treue und<lb/>
Glauben in einem andern Vertrage<lb/>
vorher gehandelt; &#x017F;o i&#x017F;t auch deswe-<lb/>
gen von einem andern Vertrage, als<lb/>
jenem, abzugehen nicht erlaubt.</hi></p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 443.</head><lb/>
              <note place="left">Wenn je-<lb/>
mand<lb/>
von ei-<lb/>
nem Ver-<lb/>
trag als-<lb/>
dann ab-<lb/>
gehet,<lb/>
wenn<lb/>
vermo&#x0364;ge<lb/>
de&#x017F;&#x017F;elben<lb/>
&#x017F;chon et-</note>
              <p><hi rendition="#fr">Wenn ein anderer alsdenn vom Ver-<lb/>
trag abgehet, wenn wir ihm &#x017F;chon et-<lb/>
was gelei&#x017F;tet haben;</hi> wir aber dadurch<lb/>
vor&#x017F;a&#x0364;tzlich in Schaden ge&#x017F;etzt wu&#x0364;rden, wenn<lb/>
wir verbunden wa&#x0364;ren den Verlu&#x017F;t de&#x017F;&#x017F;elben<lb/>
u&#x0364;ber uns zu nehmen (§. 17. 269.); &#x017F;o <hi rendition="#fr">muß<lb/>
er uns, wenn wir gleichfalls abgehen,<lb/>
was gegeben worden, wiedergeben,<lb/>
oder der Werth de&#x017F;&#x017F;elben er&#x017F;etzet</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">werden</hi></fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[274/0310] II. Th. 7. H. Von dem Verſprechen Vertrage abgehen wollen, den andern dazu anzuhalten, was er vermoͤge des Vertrags zu leiſten ſchuldig iſt. Da wir nun aber, vermoͤge deſſen, was erwieſen worden, das Recht haben vom Vertrage ab- zugehen; ſo handeln wir nicht wider Treue und Glauben, wenn wir des- wegen vom Vertrage abgehen, weil der andere zuerſt davon abgegangen (§. 389.). Und weil es ſolchergeſtalt alsdenn bey uns ſtehet, ob wir den Vertrag wollen gelten laſſen, oder nicht; ſo ſind wir nicht gehalten, wenn es den andern gereuet, der zuerſt abgegangen, und er will den- ſelben gelten laſſen, dieſes anzuneh- men. Weil der Grund, warum es erlaubt iſt von einem Vertrage abzugehen, nicht vor- handen, wenn einer wider Treue und Glauben in einem andern Vertrage vorher gehandelt; ſo iſt auch deswe- gen von einem andern Vertrage, als jenem, abzugehen nicht erlaubt. §. 443. Wenn ein anderer alsdenn vom Ver- trag abgehet, wenn wir ihm ſchon et- was geleiſtet haben; wir aber dadurch vorſaͤtzlich in Schaden geſetzt wuͤrden, wenn wir verbunden waͤren den Verluſt deſſelben uͤber uns zu nehmen (§. 17. 269.); ſo muß er uns, wenn wir gleichfalls abgehen, was gegeben worden, wiedergeben, oder der Werth deſſelben erſetzet werden

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754/310
Zitationshilfe: Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754, S. 274. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754/310>, abgerufen am 25.08.2019.