Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754.

Bild:
<< vorherige Seite

Contracten.
der Gevollmächtigte den Schaden er-
setzen, wenn er einigen durch sein Ver-
sehn, oder mit Vorsatz verursacht hat

(§. 270.).

§. 558.

Wenn vielen zusammen genommenWenn zu
einem
Geschäf-
te vielen
zusam-
men Voll-
macht er-
theilet
wird.

zu einem Geschäfte Vollmacht gege-
ben wird.
Da alle zusammen genommen ei-
ne Person vorstellen, folglich man annimmet,
daß alle gethan, was einer ohne Widerspruch
der andern gethan hat; so wird den übri-
gen das zugerechnet, was aus Nach-
läßigkeit des einen geschieht, welche
die übrigen verhüten konten,
und daher
auch sollten (§. 551.). Weil aber die Ur-
sache der Zurechnung wegfällt, wenn etwas
vorgenommen werden muste, welches
die übrigen einem auftragen musten,
und diese bey dem Auftragen allen
Fleiß angewendet,
folglich ihrer Verbind-
lichkeit von ihrer Seite ein Genüge gethan (§.
cit.); so nehmen sie keinen Theil an dem
Versehen, welches bey der Ausführung
begangen worden.
Nemlich ein jeder
steht vor das, was er mit Vorsatz oder
aus Versehen gethan, daran die an-
dern keinen Theil haben; vor das aber,
was gemeinschaftlich geschehen, stehen
alle zusammen genommen, und
also ein
jeder vor seinen Antheil, wenn man
nicht ausdrücklich ausgemacht hat,
daß ein jeder für alle gehalten seyn

soll
Nat. u. Völckerrecht. Z

Contracten.
der Gevollmaͤchtigte den Schaden er-
ſetzen, wenn er einigen durch ſein Ver-
ſehn, oder mit Vorſatz verurſacht hat

(§. 270.).

§. 558.

Wenn vielen zuſammen genommenWenn zu
einem
Geſchaͤf-
te vielen
zuſam-
men Voll-
macht er-
theilet
wird.

zu einem Geſchaͤfte Vollmacht gege-
ben wird.
Da alle zuſammen genommen ei-
ne Perſon vorſtellen, folglich man annimmet,
daß alle gethan, was einer ohne Widerſpruch
der andern gethan hat; ſo wird den uͤbri-
gen das zugerechnet, was aus Nach-
laͤßigkeit des einen geſchieht, welche
die uͤbrigen verhuͤten konten,
und daher
auch ſollten (§. 551.). Weil aber die Ur-
ſache der Zurechnung wegfaͤllt, wenn etwas
vorgenommen werden muſte, welches
die uͤbrigen einem auftragen muſten,
und dieſe bey dem Auftragen allen
Fleiß angewendet,
folglich ihrer Verbind-
lichkeit von ihrer Seite ein Genuͤge gethan (§.
cit.); ſo nehmen ſie keinen Theil an dem
Verſehen, welches bey der Ausfuͤhrung
begangen worden.
Nemlich ein jeder
ſteht vor das, was er mit Vorſatz oder
aus Verſehen gethan, daran die an-
dern keinen Theil haben; vor das aber,
was gemeinſchaftlich geſchehen, ſtehen
alle zuſammen genommen, und
alſo ein
jeder vor ſeinen Antheil, wenn man
nicht ausdruͤcklich ausgemacht hat,
daß ein jeder fuͤr alle gehalten ſeyn

ſoll
Nat. u. Voͤlckerrecht. Z
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0389" n="353"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Contracten.</hi></fw><lb/><hi rendition="#fr">der Gevollma&#x0364;chtigte den Schaden er-<lb/>
&#x017F;etzen, wenn er einigen durch &#x017F;ein Ver-<lb/>
&#x017F;ehn, oder mit Vor&#x017F;atz verur&#x017F;acht hat</hi><lb/>
(§. 270.).</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 558.</head><lb/>
              <p><hi rendition="#fr">Wenn vielen zu&#x017F;ammen genommen</hi><note place="right">Wenn zu<lb/>
einem<lb/>
Ge&#x017F;cha&#x0364;f-<lb/>
te vielen<lb/>
zu&#x017F;am-<lb/>
men Voll-<lb/>
macht er-<lb/>
theilet<lb/>
wird.</note><lb/><hi rendition="#fr">zu einem Ge&#x017F;cha&#x0364;fte Vollmacht gege-<lb/>
ben wird.</hi> Da alle zu&#x017F;ammen genommen ei-<lb/>
ne Per&#x017F;on vor&#x017F;tellen, folglich man annimmet,<lb/>
daß alle gethan, was einer ohne Wider&#x017F;pruch<lb/>
der andern gethan hat; <hi rendition="#fr">&#x017F;o wird den u&#x0364;bri-<lb/>
gen das zugerechnet, was aus Nach-<lb/>
la&#x0364;ßigkeit des einen ge&#x017F;chieht, welche<lb/>
die u&#x0364;brigen verhu&#x0364;ten konten,</hi> und daher<lb/>
auch &#x017F;ollten (§. 551.). Weil aber die Ur-<lb/>
&#x017F;ache der Zurechnung wegfa&#x0364;llt, <hi rendition="#fr">wenn etwas<lb/>
vorgenommen werden mu&#x017F;te, welches<lb/>
die u&#x0364;brigen einem auftragen mu&#x017F;ten,<lb/>
und die&#x017F;e bey dem Auftragen allen<lb/>
Fleiß angewendet,</hi> folglich ihrer Verbind-<lb/>
lichkeit von ihrer Seite ein Genu&#x0364;ge gethan (§.<lb/><hi rendition="#aq">cit.</hi>); &#x017F;o <hi rendition="#fr">nehmen &#x017F;ie keinen Theil an dem<lb/>
Ver&#x017F;ehen, welches bey der Ausfu&#x0364;hrung<lb/>
begangen worden.</hi> Nemlich <hi rendition="#fr">ein jeder<lb/>
&#x017F;teht vor das, was er mit Vor&#x017F;atz oder<lb/>
aus Ver&#x017F;ehen gethan, daran die an-<lb/>
dern keinen Theil haben; vor das aber,<lb/>
was gemein&#x017F;chaftlich ge&#x017F;chehen, &#x017F;tehen<lb/>
alle zu&#x017F;ammen genommen, und</hi> al&#x017F;o <hi rendition="#fr">ein<lb/>
jeder vor &#x017F;einen Antheil, wenn man<lb/>
nicht ausdru&#x0364;cklich ausgemacht hat,<lb/>
daß ein jeder fu&#x0364;r alle gehalten &#x017F;eyn</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#fr">Nat. u. Vo&#x0364;lckerrecht.</hi> Z</fw><fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">&#x017F;oll</hi></fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[353/0389] Contracten. der Gevollmaͤchtigte den Schaden er- ſetzen, wenn er einigen durch ſein Ver- ſehn, oder mit Vorſatz verurſacht hat (§. 270.). §. 558. Wenn vielen zuſammen genommen zu einem Geſchaͤfte Vollmacht gege- ben wird. Da alle zuſammen genommen ei- ne Perſon vorſtellen, folglich man annimmet, daß alle gethan, was einer ohne Widerſpruch der andern gethan hat; ſo wird den uͤbri- gen das zugerechnet, was aus Nach- laͤßigkeit des einen geſchieht, welche die uͤbrigen verhuͤten konten, und daher auch ſollten (§. 551.). Weil aber die Ur- ſache der Zurechnung wegfaͤllt, wenn etwas vorgenommen werden muſte, welches die uͤbrigen einem auftragen muſten, und dieſe bey dem Auftragen allen Fleiß angewendet, folglich ihrer Verbind- lichkeit von ihrer Seite ein Genuͤge gethan (§. cit.); ſo nehmen ſie keinen Theil an dem Verſehen, welches bey der Ausfuͤhrung begangen worden. Nemlich ein jeder ſteht vor das, was er mit Vorſatz oder aus Verſehen gethan, daran die an- dern keinen Theil haben; vor das aber, was gemeinſchaftlich geſchehen, ſtehen alle zuſammen genommen, und alſo ein jeder vor ſeinen Antheil, wenn man nicht ausdruͤcklich ausgemacht hat, daß ein jeder fuͤr alle gehalten ſeyn ſoll Wenn zu einem Geſchaͤf- te vielen zuſam- men Voll- macht er- theilet wird. Nat. u. Voͤlckerrecht. Z

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754/389
Zitationshilfe: Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754, S. 353. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754/389>, abgerufen am 06.12.2019.