Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Woyt, Johann Jacob: Gazophylacium Medico-Physicum, Oder Schatz-Kammer Medicinisch- und Natürlicher Dinge. 9. Aufl. Leipzig, 1737.

Bild:
<< vorherige Seite

BA
welcher von sich selbsten aus den zuvor geritzten Bäumen fliesset, und
Balsamum incisionis genennet wird; 2. einen andern und härtern, wel-
cher aus den abgeschnittenen Aesten tröpffeln soll, heisset Balsamum siccum[:]
3. noch einen andern schwartzen, so die Einwohner aus dem Holtz und
Aesten des Baums kochen sollen, und Balsamum lotionis heissen, welcher
nichts anders ist, als der bekannte schwartze Peruvianische Balsam, wel-
chen einige auch aus vielen andern Hartzen und Gewürtzen nachmachen.
Jndessen ist doch insgemein der schwartze, oder Balsamum Peruvianum
nigrum,
mehr im Gebrauch, wird auch für den kräfftigsten und stärcksten
gehalten, vornemlich wenn er dick, recht schwartz und von gutem Geruch
ist, auch zusammen bleibt. Zum innerlichen Gebrauch kommt er dem
Orientalischen an Kräfften gleich, äusserlich heilet er alle frische Wun-
den, und wehret dem faulen Fleisch darinnen, reiniget den Krebs- und
andere Schäden: so werden auch einige Praeparata davon gemacht: wenn
er mit Sale ri vermischet, und darauf gegossen wird, so giebet er eine
schöne Tiuctur.

Balsamum de Tolu, Tolutanischer Balsam, ist entweder ein weis-
ser oder Gold-gelber und sehr leimichter zäher Balsam, von einer mittel-
mäßigen Consistenz, gutem und süssem Geschmack, auch lieblichen und den
Limonien oder Jasmin gleichenden Geruch, kommt aus Neu-Spanien in
Portugall und Engeland; der Baum, woraus er fliesset, soll eine Art
Fichten seyn. Nachdem nun die Einwohner gewisse kleine Gefässe von
schwartzen Wachs unten an die Stämme gehänget, und diese geritzet ha-
ben, fliesset der Balsam heraus, und gerinnet alsobald, daß er wie frisch
gemachter Leim sich ziehen lässet. Muß frisch eligirt und gesuchet werden.
Seine Tugenden kommen mit dem rechten Orientalischen Balsam über-
ein, indem er alle dessen Proben hält, auch zu allem, worinn dieser gerüh-
met wird, gebrauchet wird: könte deswegen billig dessen succedaneum
seyn, wenn er nur ohnverfälscht zu haben wäre. Er resolviret, erwärmet
und heilet alle innerliche und äusserliche Schäden.

Balsamum picis, siehe Pix nigra.

Balsamum verum, oder Opobalsamum, der rechte Orientalische
Balsam,
ist ein heller ölichter Safft, so Anfangs weich, nachmalen aber
hart ist, entweder gantz weiß, oder gelbicht, eines scharffen und aromati-
schen Geschmacks, auch sehr starcken doch angenehmen Geruchs; wird zu-
weilen, aber gar selten, in kleinen bleyernen Fläschlein aus der Turckey, von
Alcair über Marseille und andere Orte gebracht. Die Pflantze, woraus

dieser
P 2

BA
welcher von ſich ſelbſten aus den zuvor geritzten Baͤumen flieſſet, und
Balſamum inciſionis genennet wird; 2. einen andern und haͤrtern, wel-
cher aus den abgeſchnittenen Aeſten troͤpffeln ſoll, heiſſet Balſamum ſiccum[:]
3. noch einen andern ſchwartzen, ſo die Einwohner aus dem Holtz und
Aeſten des Baums kochen ſollen, und Balſamum lotionis heiſſen, welcher
nichts anders iſt, als der bekannte ſchwartze Peruvianiſche Balſam, wel-
chen einige auch aus vielen andern Hartzen und Gewuͤrtzen nachmachen.
Jndeſſen iſt doch insgemein der ſchwartze, oder Balſamum Peruvianum
nigrum,
mehr im Gebrauch, wird auch fuͤr den kraͤfftigſten und ſtaͤrckſten
gehalten, vornemlich wenn er dick, recht ſchwartz und von gutem Geruch
iſt, auch zuſammen bleibt. Zum innerlichen Gebrauch kommt er dem
Orientaliſchen an Kraͤfften gleich, aͤuſſerlich heilet er alle friſche Wun-
den, und wehret dem faulen Fleiſch darinnen, reiniget den Krebs- und
andere Schaͤden: ſo werden auch einige Præparata davon gemacht: wenn
er mit Sale 🜿ri vermiſchet, und 🜈 darauf gegoſſen wird, ſo giebet er eine
ſchoͤne Tiuctur.

Balſamum de Tolu, Tolutaniſcher Balſam, iſt entweder ein weiſ-
ſer oder Gold-gelber und ſehr leimichter zaͤher Balſam, von einer mittel-
maͤßigen Conſiſtenz, gutem und ſuͤſſem Geſchmack, auch lieblichen und den
Limonien oder Jaſmin gleichenden Geruch, kommt aus Neu-Spanien in
Portugall und Engeland; der Baum, woraus er flieſſet, ſoll eine Art
Fichten ſeyn. Nachdem nun die Einwohner gewiſſe kleine Gefaͤſſe von
ſchwartzen Wachs unten an die Staͤmme gehaͤnget, und dieſe geritzet ha-
ben, flieſſet der Balſam heraus, und gerinnet alſobald, daß er wie friſch
gemachter Leim ſich ziehen laͤſſet. Muß friſch eligirt und geſuchet werden.
Seine Tugenden kommen mit dem rechten Orientaliſchen Balſam uͤber-
ein, indem er alle deſſen Proben haͤlt, auch zu allem, worinn dieſer geruͤh-
met wird, gebrauchet wird: koͤnte deswegen billig deſſen ſuccedaneum
ſeyn, wenn er nur ohnverfaͤlſcht zu haben waͤre. Er reſolviret, erwaͤrmet
und heilet alle innerliche und aͤuſſerliche Schaͤden.

Balſamum picis, ſiehe Pix nigra.

Balſamum verum, oder Opobalſamum, der rechte Orientaliſche
Balſam,
iſt ein heller oͤlichter Safft, ſo Anfangs weich, nachmalen aber
hart iſt, entweder gantz weiß, oder gelbicht, eines ſcharffen und aromati-
ſchen Geſchmacks, auch ſehr ſtarcken doch angenehmen Geruchs; wird zu-
weilen, aber gar ſelten, in kleinen bleyernen Flaͤſchlein aus der Turckey, von
Alcair uͤber Marſeille und andere Orte gebracht. Die Pflantze, woraus

dieſer
P 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0127" n="115"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#b"><hi rendition="#g">BA</hi></hi></hi></fw><lb/>
welcher von &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;ten aus den zuvor geritzten Ba&#x0364;umen flie&#x017F;&#x017F;et, und<lb/><hi rendition="#aq">Bal&#x017F;amum inci&#x017F;ionis</hi> genennet wird; 2. einen andern und ha&#x0364;rtern, wel-<lb/>
cher aus den abge&#x017F;chnittenen Ae&#x017F;ten tro&#x0364;pffeln &#x017F;oll, hei&#x017F;&#x017F;et <hi rendition="#aq">Bal&#x017F;amum &#x017F;iccum<supplied>:</supplied></hi><lb/>
3. noch einen andern <hi rendition="#fr">&#x017F;chwartzen,</hi> &#x017F;o die Einwohner aus dem Holtz und<lb/>
Ae&#x017F;ten des Baums kochen &#x017F;ollen, und <hi rendition="#aq">Bal&#x017F;amum lotionis</hi> hei&#x017F;&#x017F;en, welcher<lb/>
nichts anders i&#x017F;t, als der bekannte &#x017F;chwartze Peruviani&#x017F;che Bal&#x017F;am, wel-<lb/>
chen einige auch aus vielen andern Hartzen und Gewu&#x0364;rtzen nachmachen.<lb/>
Jnde&#x017F;&#x017F;en i&#x017F;t doch insgemein der <hi rendition="#fr">&#x017F;chwartze,</hi> oder <hi rendition="#aq">Bal&#x017F;amum Peruvianum<lb/>
nigrum,</hi> mehr im Gebrauch, wird auch fu&#x0364;r den kra&#x0364;fftig&#x017F;ten und &#x017F;ta&#x0364;rck&#x017F;ten<lb/>
gehalten, vornemlich wenn er dick, recht &#x017F;chwartz und von gutem Geruch<lb/>
i&#x017F;t, auch zu&#x017F;ammen bleibt. Zum innerlichen Gebrauch kommt er dem<lb/>
Orientali&#x017F;chen an Kra&#x0364;fften gleich, a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;erlich heilet er alle fri&#x017F;che Wun-<lb/>
den, und wehret dem faulen Flei&#x017F;ch darinnen, reiniget den Krebs- und<lb/>
andere Scha&#x0364;den: &#x017F;o werden auch einige <hi rendition="#aq">Præparata</hi> davon gemacht: wenn<lb/>
er mit <hi rendition="#aq">Sale &#x1F73F;ri</hi> vermi&#x017F;chet, und &#x1F708; darauf gego&#x017F;&#x017F;en wird, &#x017F;o giebet er eine<lb/>
&#x017F;cho&#x0364;ne <hi rendition="#aq">Tiuctur.</hi></p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Bal&#x017F;amum de Tolu,</hi><hi rendition="#fr">Tolutani&#x017F;cher Bal&#x017F;am,</hi> i&#x017F;t entweder ein wei&#x017F;-<lb/>
&#x017F;er oder Gold-gelber und &#x017F;ehr leimichter za&#x0364;her Bal&#x017F;am, von einer mittel-<lb/>
ma&#x0364;ßigen <hi rendition="#aq">Con&#x017F;i&#x017F;tenz,</hi> gutem und &#x017F;u&#x0364;&#x017F;&#x017F;em Ge&#x017F;chmack, auch lieblichen und den<lb/>
Limonien oder <hi rendition="#aq">Ja&#x017F;min</hi> gleichenden Geruch, kommt aus Neu-Spanien in<lb/>
Portugall und Engeland; der Baum, woraus er flie&#x017F;&#x017F;et, &#x017F;oll eine Art<lb/>
Fichten &#x017F;eyn. Nachdem nun die Einwohner gewi&#x017F;&#x017F;e kleine Gefa&#x0364;&#x017F;&#x017F;e von<lb/>
&#x017F;chwartzen Wachs unten an die Sta&#x0364;mme geha&#x0364;nget, und die&#x017F;e geritzet ha-<lb/>
ben, flie&#x017F;&#x017F;et der Bal&#x017F;am heraus, und gerinnet al&#x017F;obald, daß er wie fri&#x017F;ch<lb/>
gemachter Leim &#x017F;ich ziehen la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et. Muß fri&#x017F;ch <hi rendition="#aq">eligi</hi>rt und ge&#x017F;uchet werden.<lb/>
Seine Tugenden kommen mit dem rechten Orientali&#x017F;chen Bal&#x017F;am u&#x0364;ber-<lb/>
ein, indem er alle de&#x017F;&#x017F;en Proben ha&#x0364;lt, auch zu allem, worinn die&#x017F;er geru&#x0364;h-<lb/>
met wird, gebrauchet wird: ko&#x0364;nte deswegen billig de&#x017F;&#x017F;en <hi rendition="#aq">&#x017F;uccedaneum</hi><lb/>
&#x017F;eyn, wenn er nur ohnverfa&#x0364;l&#x017F;cht zu haben wa&#x0364;re. Er <hi rendition="#aq">re&#x017F;olvi</hi>ret, erwa&#x0364;rmet<lb/>
und heilet alle innerliche und a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;erliche Scha&#x0364;den.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Bal&#x017F;amum picis,</hi> &#x017F;iehe <hi rendition="#aq">Pix nigra.</hi></p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Bal&#x017F;amum verum,</hi> oder <hi rendition="#aq">Opobal&#x017F;amum,</hi> der <hi rendition="#fr">rechte Orientali&#x017F;che<lb/>
Bal&#x017F;am,</hi> i&#x017F;t ein heller o&#x0364;lichter Safft, &#x017F;o Anfangs weich, nachmalen aber<lb/>
hart i&#x017F;t, entweder gantz weiß, oder gelbicht, eines &#x017F;charffen und <hi rendition="#aq">aromati-</hi><lb/>
&#x017F;chen Ge&#x017F;chmacks, auch &#x017F;ehr &#x017F;tarcken doch angenehmen Geruchs; wird zu-<lb/>
weilen, aber gar &#x017F;elten, in kleinen bleyernen Fla&#x0364;&#x017F;chlein aus der Turckey, von<lb/><hi rendition="#aq">Alcair</hi> u&#x0364;ber <hi rendition="#aq">Mar&#x017F;eille</hi> und andere Orte gebracht. Die Pflantze, woraus<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">P 2</fw><fw place="bottom" type="catch">die&#x017F;er</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[115/0127] BA welcher von ſich ſelbſten aus den zuvor geritzten Baͤumen flieſſet, und Balſamum inciſionis genennet wird; 2. einen andern und haͤrtern, wel- cher aus den abgeſchnittenen Aeſten troͤpffeln ſoll, heiſſet Balſamum ſiccum: 3. noch einen andern ſchwartzen, ſo die Einwohner aus dem Holtz und Aeſten des Baums kochen ſollen, und Balſamum lotionis heiſſen, welcher nichts anders iſt, als der bekannte ſchwartze Peruvianiſche Balſam, wel- chen einige auch aus vielen andern Hartzen und Gewuͤrtzen nachmachen. Jndeſſen iſt doch insgemein der ſchwartze, oder Balſamum Peruvianum nigrum, mehr im Gebrauch, wird auch fuͤr den kraͤfftigſten und ſtaͤrckſten gehalten, vornemlich wenn er dick, recht ſchwartz und von gutem Geruch iſt, auch zuſammen bleibt. Zum innerlichen Gebrauch kommt er dem Orientaliſchen an Kraͤfften gleich, aͤuſſerlich heilet er alle friſche Wun- den, und wehret dem faulen Fleiſch darinnen, reiniget den Krebs- und andere Schaͤden: ſo werden auch einige Præparata davon gemacht: wenn er mit Sale 🜿ri vermiſchet, und 🜈 darauf gegoſſen wird, ſo giebet er eine ſchoͤne Tiuctur. Balſamum de Tolu, Tolutaniſcher Balſam, iſt entweder ein weiſ- ſer oder Gold-gelber und ſehr leimichter zaͤher Balſam, von einer mittel- maͤßigen Conſiſtenz, gutem und ſuͤſſem Geſchmack, auch lieblichen und den Limonien oder Jaſmin gleichenden Geruch, kommt aus Neu-Spanien in Portugall und Engeland; der Baum, woraus er flieſſet, ſoll eine Art Fichten ſeyn. Nachdem nun die Einwohner gewiſſe kleine Gefaͤſſe von ſchwartzen Wachs unten an die Staͤmme gehaͤnget, und dieſe geritzet ha- ben, flieſſet der Balſam heraus, und gerinnet alſobald, daß er wie friſch gemachter Leim ſich ziehen laͤſſet. Muß friſch eligirt und geſuchet werden. Seine Tugenden kommen mit dem rechten Orientaliſchen Balſam uͤber- ein, indem er alle deſſen Proben haͤlt, auch zu allem, worinn dieſer geruͤh- met wird, gebrauchet wird: koͤnte deswegen billig deſſen ſuccedaneum ſeyn, wenn er nur ohnverfaͤlſcht zu haben waͤre. Er reſolviret, erwaͤrmet und heilet alle innerliche und aͤuſſerliche Schaͤden. Balſamum picis, ſiehe Pix nigra. Balſamum verum, oder Opobalſamum, der rechte Orientaliſche Balſam, iſt ein heller oͤlichter Safft, ſo Anfangs weich, nachmalen aber hart iſt, entweder gantz weiß, oder gelbicht, eines ſcharffen und aromati- ſchen Geſchmacks, auch ſehr ſtarcken doch angenehmen Geruchs; wird zu- weilen, aber gar ſelten, in kleinen bleyernen Flaͤſchlein aus der Turckey, von Alcair uͤber Marſeille und andere Orte gebracht. Die Pflantze, woraus dieſer P 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/woyt_gazophylacium_1737
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/woyt_gazophylacium_1737/127
Zitationshilfe: Woyt, Johann Jacob: Gazophylacium Medico-Physicum, Oder Schatz-Kammer Medicinisch- und Natürlicher Dinge. 9. Aufl. Leipzig, 1737, S. 115. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/woyt_gazophylacium_1737/127>, abgerufen am 29.10.2020.