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Wundt, Wilhelm: Handbuch der medicinischen Physik. Erlangen, 1867.

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Von der Schwere.
Zwölftes Capitel.
Druck und Gleichgewicht der Gase.

94
Luftdruck. Ge-
wichtsverlust
der Körper in
der Luft.

Wir haben früher (in §. 69) nachgewiesen, dass jeder in eine
tropfbare Flüssigkeit gebrachte feste Körper ebensoviel an seinem Ge-
wichte verliert, als das Gewicht der von ihm verdrängten Flüssigkeit
beträgt. Da nun die Gase die Eigenschaft der vollkommenen Beweg-
lichkeit ihrer Theilchen und der dadurch bedingten Fortpflanzung des
Drucks nach allen Richtungen mit den tropfbaren Flüssigkeiten theilen,
so muss auch jeder in einem Gase, z. B. in der atmosphärischen Luft,
befindliche Körper ebenso viel an seinem Gewicht verlieren, als das
Gewicht des verdrängten Gases beträgt. Denn auch hier übertrifft
offenbar der Druck auf die untere Fläche des Körpers den Druck auf
die obere Fläche desselben genau um so viel, als die der Entfernung
beider Flächen entsprechende Gassäule schwer ist. Wenn wir da-
her einen Körper in der Luft abwägen, so erhalten wir streng genom-
men ebenso wenig sein absolutes Gewicht, als wenn wir ihn im Wasser
abwägten, sondern wir müssen, um das absolute Gewicht zu finden,
das Gewicht der verdrängten Luft hinzuaddiren. Dabei kommt jedoch
in Betracht, dass das Gewicht, welches wir zur Wägung des Körpers
anwenden, ebenfalls Luft verdrängt. Theils aus diesem Grunde, theils
weil überhaupt die Dichtigkeit der Luft im Vergleich zu derjenigen
der festen Körper ausserordentlich gering ist, kommt in gewöhnlichen
Fällen der hierdurch erzeugte Fehler nicht in Betracht. Nur wenn
man sehr voluminöse Körper von geringer specifischer Schwere abwägt,
oder wenn es auf äusserste Genauigkeit ankommt, kann es nothwendig
werden, jenes verdrängte Luftvolum zu bestimmen. Es geschieht dies
dadurch, dass man durch Abwägung in Wasser auf die früher ange-
gebene Weise das Volum des Körpers ermittelt; dies Volum mit dem
specifischen Gewicht der Luft multiplicirt gibt das Gewicht der ver-
drängten Luft an. Sei also p das durch die Abwägung gefundene Ge-
wicht des Körpers, v sein Volum, so ist sein wahres Gewicht, welches
wir mit P bezeichnen wollen, P = p -- v. 0,001293. Wollen wir
auch die durch das Abwägungsgewicht bewirkte Luftverdrängung in
Rechnung ziehen, so ist, wenn v' das Volum dieses Gewichtes bedeu-
tet, v'. 0,001293 von dem Gewicht des durch den abgewogenen Körper
verdrängten Luftvolums wieder abzuziehen, und man hat daher endlich
P = p -- 0,001293 (v--v').


95
Gasdruck. Das
Manometer.

Die Eigenschaft der tropfbaren Flüssigkeiten, ebenso wie Gase
den auf sie ausgeübten Druck fortzupflanzen, benützt man, um den
Druck, unter welchem ein Gas steht, oder welchen es selber ausübt,
zu messen. Will man den Druck kennen lernen, unter welchem ein

Von der Schwere.
Zwölftes Capitel.
Druck und Gleichgewicht der Gase.

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Luftdruck. Ge-
wichtsverlust
der Körper in
der Luft.

Wir haben früher (in §. 69) nachgewiesen, dass jeder in eine
tropfbare Flüssigkeit gebrachte feste Körper ebensoviel an seinem Ge-
wichte verliert, als das Gewicht der von ihm verdrängten Flüssigkeit
beträgt. Da nun die Gase die Eigenschaft der vollkommenen Beweg-
lichkeit ihrer Theilchen und der dadurch bedingten Fortpflanzung des
Drucks nach allen Richtungen mit den tropfbaren Flüssigkeiten theilen,
so muss auch jeder in einem Gase, z. B. in der atmosphärischen Luft,
befindliche Körper ebenso viel an seinem Gewicht verlieren, als das
Gewicht des verdrängten Gases beträgt. Denn auch hier übertrifft
offenbar der Druck auf die untere Fläche des Körpers den Druck auf
die obere Fläche desselben genau um so viel, als die der Entfernung
beider Flächen entsprechende Gassäule schwer ist. Wenn wir da-
her einen Körper in der Luft abwägen, so erhalten wir streng genom-
men ebenso wenig sein absolutes Gewicht, als wenn wir ihn im Wasser
abwägten, sondern wir müssen, um das absolute Gewicht zu finden,
das Gewicht der verdrängten Luft hinzuaddiren. Dabei kommt jedoch
in Betracht, dass das Gewicht, welches wir zur Wägung des Körpers
anwenden, ebenfalls Luft verdrängt. Theils aus diesem Grunde, theils
weil überhaupt die Dichtigkeit der Luft im Vergleich zu derjenigen
der festen Körper ausserordentlich gering ist, kommt in gewöhnlichen
Fällen der hierdurch erzeugte Fehler nicht in Betracht. Nur wenn
man sehr voluminöse Körper von geringer specifischer Schwere abwägt,
oder wenn es auf äusserste Genauigkeit ankommt, kann es nothwendig
werden, jenes verdrängte Luftvolum zu bestimmen. Es geschieht dies
dadurch, dass man durch Abwägung in Wasser auf die früher ange-
gebene Weise das Volum des Körpers ermittelt; dies Volum mit dem
specifischen Gewicht der Luft multiplicirt gibt das Gewicht der ver-
drängten Luft an. Sei also p das durch die Abwägung gefundene Ge-
wicht des Körpers, v sein Volum, so ist sein wahres Gewicht, welches
wir mit P bezeichnen wollen, P = p — v. 0,001293. Wollen wir
auch die durch das Abwägungsgewicht bewirkte Luftverdrängung in
Rechnung ziehen, so ist, wenn v' das Volum dieses Gewichtes bedeu-
tet, v'. 0,001293 von dem Gewicht des durch den abgewogenen Körper
verdrängten Luftvolums wieder abzuziehen, und man hat daher endlich
P = p — 0,001293 (v—v').


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Gasdruck. Das
Manometer.

Die Eigenschaft der tropfbaren Flüssigkeiten, ebenso wie Gase
den auf sie ausgeübten Druck fortzupflanzen, benützt man, um den
Druck, unter welchem ein Gas steht, oder welchen es selber ausübt,
zu messen. Will man den Druck kennen lernen, unter welchem ein

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[136/0158] Von der Schwere. Zwölftes Capitel. Druck und Gleichgewicht der Gase. Wir haben früher (in §. 69) nachgewiesen, dass jeder in eine tropfbare Flüssigkeit gebrachte feste Körper ebensoviel an seinem Ge- wichte verliert, als das Gewicht der von ihm verdrängten Flüssigkeit beträgt. Da nun die Gase die Eigenschaft der vollkommenen Beweg- lichkeit ihrer Theilchen und der dadurch bedingten Fortpflanzung des Drucks nach allen Richtungen mit den tropfbaren Flüssigkeiten theilen, so muss auch jeder in einem Gase, z. B. in der atmosphärischen Luft, befindliche Körper ebenso viel an seinem Gewicht verlieren, als das Gewicht des verdrängten Gases beträgt. Denn auch hier übertrifft offenbar der Druck auf die untere Fläche des Körpers den Druck auf die obere Fläche desselben genau um so viel, als die der Entfernung beider Flächen entsprechende Gassäule schwer ist. Wenn wir da- her einen Körper in der Luft abwägen, so erhalten wir streng genom- men ebenso wenig sein absolutes Gewicht, als wenn wir ihn im Wasser abwägten, sondern wir müssen, um das absolute Gewicht zu finden, das Gewicht der verdrängten Luft hinzuaddiren. Dabei kommt jedoch in Betracht, dass das Gewicht, welches wir zur Wägung des Körpers anwenden, ebenfalls Luft verdrängt. Theils aus diesem Grunde, theils weil überhaupt die Dichtigkeit der Luft im Vergleich zu derjenigen der festen Körper ausserordentlich gering ist, kommt in gewöhnlichen Fällen der hierdurch erzeugte Fehler nicht in Betracht. Nur wenn man sehr voluminöse Körper von geringer specifischer Schwere abwägt, oder wenn es auf äusserste Genauigkeit ankommt, kann es nothwendig werden, jenes verdrängte Luftvolum zu bestimmen. Es geschieht dies dadurch, dass man durch Abwägung in Wasser auf die früher ange- gebene Weise das Volum des Körpers ermittelt; dies Volum mit dem specifischen Gewicht der Luft multiplicirt gibt das Gewicht der ver- drängten Luft an. Sei also p das durch die Abwägung gefundene Ge- wicht des Körpers, v sein Volum, so ist sein wahres Gewicht, welches wir mit P bezeichnen wollen, P = p — v. 0,001293. Wollen wir auch die durch das Abwägungsgewicht bewirkte Luftverdrängung in Rechnung ziehen, so ist, wenn v' das Volum dieses Gewichtes bedeu- tet, v'. 0,001293 von dem Gewicht des durch den abgewogenen Körper verdrängten Luftvolums wieder abzuziehen, und man hat daher endlich P = p — 0,001293 (v—v'). Die Eigenschaft der tropfbaren Flüssigkeiten, ebenso wie Gase den auf sie ausgeübten Druck fortzupflanzen, benützt man, um den Druck, unter welchem ein Gas steht, oder welchen es selber ausübt, zu messen. Will man den Druck kennen lernen, unter welchem ein

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Zitationshilfe: Wundt, Wilhelm: Handbuch der medicinischen Physik. Erlangen, 1867, S. 136. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wundt_medizinische_1867/158>, abgerufen am 13.08.2020.