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Wundt, Wilhelm: Handbuch der medicinischen Physik. Erlangen, 1867.

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Von dem Lichte.

Eine andere Transposition der Lichtstrahlen, die sich durch eine successive Bre-

[Abbildung] Fig. 99.
chung und Reflexion im Prisma gewinnen lässt, wird durch
Fig. 99 dargestellt. Die von a, b, c ausgehenden Strahlen
werden von der Fläche A des Prismas nach a', b', c' ge-
brochen und gelangen von hier aus reflectirt und an der
Fläche B noch einmal gebrochen nach a, b, g. Ein hier
von oben auf das Prisma herabblickendes Auge sieht also
die Punkte a, b, c wieder in umgekehrter Ordnung; doch
ist diesmal die Ordnung in horizontaler Richtung umge-
kehrt. Hat man also z. B. bei a b c eine Druckschrift, so
sieht das Auge bei a b g dieselbe verkehrt. Ueberhaupt
verhält sich das Gesehene zu dem Object ebenso wie sich
ein Spiegelbild zu seinem Gegenstande verhält. Man kann
daher das Reflexionsprisma zur Hervorbringung stereosko-
pischer Effecte benützen. In vielen Fällen verhalten sich
nämlich die Ansichten, die jedes der beiden Augen von einem körperlichen Gegen-
stande empfängt, wie eine Zeichnung zu ihrem Spiegelbild. Betrachten wir irgend
einen regulären Körper, der sich in der Mittelebene zwischen beiden Augen befindet,
z. B. eine uns zugekehrte abgekürzte Pyramide oder ein Dodekaeder, so ist das Bild
eines jeden Auges das Spiegelbild zu dem Bilde des andern Auges. Entwirft man
also von dem Bilde des rechten Auges etwa eine Zeichnung, legt diese bei a b c
unter das Prisma in Fig. 99, und sieht nun mit dem linken Auge durch das Prisma,
während das rechte daran vorbei unmittelbar die Zeichnung betrachtet, so bekommen
beide Augen solche Ansichten, wie sie dieselben von dem körperlichen Gegenstande
empfangen würden. Hierbei genügt demnach die für ein Auge entworfene Zeichnung,
um den vollen stereoskopischen Effect zu erhalten.

Sechstes Capitel.
Lichtbrechung an Kugelflächen.

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Gang der Licht-
strahlen. Con-
jugirte Vereini-
gungspunkte.
Brennpunkte
und Brennebe-
nen.

Die Brechung des Lichts an kugelförmig gekrümmten Ober-
flächen beruht auf denselben Principien wie die Brechung an ebenen
Trennungsflächen; die abweichenden Erscheinungen, die bei jener zu
beobachten sind, haben nur darin ihren Grund, dass für jeden Punkt
der gekrümmten Oberfläche das Einfallsloth eine andere Richtung hat.

Bedeutet A B (Fig. 100) ein Stück einer mit dem Radius r h
beschriebenen kugelförmigen Oberfläche, die ein rechts von A B ge-
legenes dichteres Medium von einem links davon gelegenen dünneren

[Abbildung] Fig. 100.

Von dem Lichte.

Eine andere Transposition der Lichtstrahlen, die sich durch eine successive Bre-

[Abbildung] Fig. 99.
chung und Reflexion im Prisma gewinnen lässt, wird durch
Fig. 99 dargestellt. Die von a, b, c ausgehenden Strahlen
werden von der Fläche A des Prismas nach a', b', c' ge-
brochen und gelangen von hier aus reflectirt und an der
Fläche B noch einmal gebrochen nach α, β, γ. Ein hier
von oben auf das Prisma herabblickendes Auge sieht also
die Punkte a, b, c wieder in umgekehrter Ordnung; doch
ist diesmal die Ordnung in horizontaler Richtung umge-
kehrt. Hat man also z. B. bei a b c eine Druckschrift, so
sieht das Auge bei α β γ dieselbe verkehrt. Ueberhaupt
verhält sich das Gesehene zu dem Object ebenso wie sich
ein Spiegelbild zu seinem Gegenstande verhält. Man kann
daher das Reflexionsprisma zur Hervorbringung stereosko-
pischer Effecte benützen. In vielen Fällen verhalten sich
nämlich die Ansichten, die jedes der beiden Augen von einem körperlichen Gegen-
stande empfängt, wie eine Zeichnung zu ihrem Spiegelbild. Betrachten wir irgend
einen regulären Körper, der sich in der Mittelebene zwischen beiden Augen befindet,
z. B. eine uns zugekehrte abgekürzte Pyramide oder ein Dodekaëder, so ist das Bild
eines jeden Auges das Spiegelbild zu dem Bilde des andern Auges. Entwirft man
also von dem Bilde des rechten Auges etwa eine Zeichnung, legt diese bei a b c
unter das Prisma in Fig. 99, und sieht nun mit dem linken Auge durch das Prisma,
während das rechte daran vorbei unmittelbar die Zeichnung betrachtet, so bekommen
beide Augen solche Ansichten, wie sie dieselben von dem körperlichen Gegenstande
empfangen würden. Hierbei genügt demnach die für ein Auge entworfene Zeichnung,
um den vollen stereoskopischen Effect zu erhalten.

Sechstes Capitel.
Lichtbrechung an Kugelflächen.

146
Gang der Licht-
strahlen. Con-
jugirte Vereini-
gungspunkte.
Brennpunkte
und Brennebe-
nen.

Die Brechung des Lichts an kugelförmig gekrümmten Ober-
flächen beruht auf denselben Principien wie die Brechung an ebenen
Trennungsflächen; die abweichenden Erscheinungen, die bei jener zu
beobachten sind, haben nur darin ihren Grund, dass für jeden Punkt
der gekrümmten Oberfläche das Einfallsloth eine andere Richtung hat.

Bedeutet A B (Fig. 100) ein Stück einer mit dem Radius r h
beschriebenen kugelförmigen Oberfläche, die ein rechts von A B ge-
legenes dichteres Medium von einem links davon gelegenen dünneren

[Abbildung] Fig. 100.

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[216/0238] Von dem Lichte. Eine andere Transposition der Lichtstrahlen, die sich durch eine successive Bre- [Abbildung Fig. 99.] chung und Reflexion im Prisma gewinnen lässt, wird durch Fig. 99 dargestellt. Die von a, b, c ausgehenden Strahlen werden von der Fläche A des Prismas nach a', b', c' ge- brochen und gelangen von hier aus reflectirt und an der Fläche B noch einmal gebrochen nach α, β, γ. Ein hier von oben auf das Prisma herabblickendes Auge sieht also die Punkte a, b, c wieder in umgekehrter Ordnung; doch ist diesmal die Ordnung in horizontaler Richtung umge- kehrt. Hat man also z. B. bei a b c eine Druckschrift, so sieht das Auge bei α β γ dieselbe verkehrt. Ueberhaupt verhält sich das Gesehene zu dem Object ebenso wie sich ein Spiegelbild zu seinem Gegenstande verhält. Man kann daher das Reflexionsprisma zur Hervorbringung stereosko- pischer Effecte benützen. In vielen Fällen verhalten sich nämlich die Ansichten, die jedes der beiden Augen von einem körperlichen Gegen- stande empfängt, wie eine Zeichnung zu ihrem Spiegelbild. Betrachten wir irgend einen regulären Körper, der sich in der Mittelebene zwischen beiden Augen befindet, z. B. eine uns zugekehrte abgekürzte Pyramide oder ein Dodekaëder, so ist das Bild eines jeden Auges das Spiegelbild zu dem Bilde des andern Auges. Entwirft man also von dem Bilde des rechten Auges etwa eine Zeichnung, legt diese bei a b c unter das Prisma in Fig. 99, und sieht nun mit dem linken Auge durch das Prisma, während das rechte daran vorbei unmittelbar die Zeichnung betrachtet, so bekommen beide Augen solche Ansichten, wie sie dieselben von dem körperlichen Gegenstande empfangen würden. Hierbei genügt demnach die für ein Auge entworfene Zeichnung, um den vollen stereoskopischen Effect zu erhalten. Sechstes Capitel. Lichtbrechung an Kugelflächen. Die Brechung des Lichts an kugelförmig gekrümmten Ober- flächen beruht auf denselben Principien wie die Brechung an ebenen Trennungsflächen; die abweichenden Erscheinungen, die bei jener zu beobachten sind, haben nur darin ihren Grund, dass für jeden Punkt der gekrümmten Oberfläche das Einfallsloth eine andere Richtung hat. Bedeutet A B (Fig. 100) ein Stück einer mit dem Radius r h beschriebenen kugelförmigen Oberfläche, die ein rechts von A B ge- legenes dichteres Medium von einem links davon gelegenen dünneren [Abbildung Fig. 100.]

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Zitationshilfe: Wundt, Wilhelm: Handbuch der medicinischen Physik. Erlangen, 1867, S. 216. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wundt_medizinische_1867/238>, abgerufen am 13.08.2020.