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Wundt, Wilhelm: Handbuch der medicinischen Physik. Erlangen, 1867.

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Von der Elektricität.
horizontal zu stellenden Brette A mittelst eines Zapfenlagers a i aufgestellt ist, wird
[Abbildung] Fig. 239.
durch die Schraube s so gerichtet, dass
die Windungen dem Meridian parallel
sind. Der Bügel b trägt an seinem un-
tern in die Oeffnung des Rahmens ra-
genden Arm einen ringförmigen Magne-
ten m, an seinem oberen Arm d den Spie-
gel S, der an einem Coconfaden hängt
und an dem man aus der Ferne mittelst
Fernrohr und Scale (§. 133) die Ablen-
kungen des Magneten beobachtet. Auf
der Säule B befindet sich oben eine ver-
ticale Theilung T, an welcher zwei Brett-
chen M und M' auf- und abbewegt wer-
den können, welche die zur Astasirung
des Magneten m dienenden Hülfsmagne-
ten tragen. Auf M liegt ein grösserer,
auf M' ein kleinerer Magnet: die Pole
beider haben die entgegengesetzte Rich-
tung wie die Pole des Magneten m. Der
kleinere Magnet kann durch die Schraube
s' etwas aus der Ebene des Meridians
gedreht werden. Beiden Magneten gibt
man durch Probiren diejenige Stellung,
bei welcher der Magnet m möglichst
astatisch und in seiner Gleichgewichts-
lage den Windungen parallel ist. In
vielen Fällen ist es zweckmässig das
Drahtgewinde mit einer Kupferhülse zu
umgeben. In einer solchen werden näm-
lich, wie wir im §. 350 Anm. sehen wer-
den, bei der Bewegung des Magneten
elektrische Ströme inducirt: diese Ströme
wirken aber dämpfend auf die Bewegun-
gen des Magneten zurück, so dass der-
selbe schneller in seiner Gleichgewichts-
lage zur Ruhe kommt.

Achtes Capitel.
Elektromagnetismus und Diamagnetismus.

341
Magnetisirung
des Eisens und
Stahls durch den
elektrischen
Strom.

Wenn man einen Eisenstab mit spiralförmigen Drahtwindungen
umwickelt, so wird das Eisen im Moment, in welchem man den Strom
durch den Draht fliessen lässt, magnetisch, und im Moment, in wel-
chem man den Strom unterbricht, hört auch der Magnetismus wieder
auf. Lässt man auf dieselbe Weise einen Stahlstab umfliessen, so
dauert es einige Zeit, bis derselbe merklichen Magnetismus angenom-
men hat, aber er bleibt nach dem Aufhören des Stroms magne-

Von der Elektricität.
horizontal zu stellenden Brette A mittelst eines Zapfenlagers a i aufgestellt ist, wird
[Abbildung] Fig. 239.
durch die Schraube s so gerichtet, dass
die Windungen dem Meridian parallel
sind. Der Bügel b trägt an seinem un-
tern in die Oeffnung des Rahmens ra-
genden Arm einen ringförmigen Magne-
ten m, an seinem oberen Arm d den Spie-
gel S, der an einem Coconfaden hängt
und an dem man aus der Ferne mittelst
Fernrohr und Scale (§. 133) die Ablen-
kungen des Magneten beobachtet. Auf
der Säule B befindet sich oben eine ver-
ticale Theilung T, an welcher zwei Brett-
chen M und M' auf- und abbewegt wer-
den können, welche die zur Astasirung
des Magneten m dienenden Hülfsmagne-
ten tragen. Auf M liegt ein grösserer,
auf M' ein kleinerer Magnet: die Pole
beider haben die entgegengesetzte Rich-
tung wie die Pole des Magneten m. Der
kleinere Magnet kann durch die Schraube
s' etwas aus der Ebene des Meridians
gedreht werden. Beiden Magneten gibt
man durch Probiren diejenige Stellung,
bei welcher der Magnet m möglichst
astatisch und in seiner Gleichgewichts-
lage den Windungen parallel ist. In
vielen Fällen ist es zweckmässig das
Drahtgewinde mit einer Kupferhülse zu
umgeben. In einer solchen werden näm-
lich, wie wir im §. 350 Anm. sehen wer-
den, bei der Bewegung des Magneten
elektrische Ströme inducirt: diese Ströme
wirken aber dämpfend auf die Bewegun-
gen des Magneten zurück, so dass der-
selbe schneller in seiner Gleichgewichts-
lage zur Ruhe kommt.

Achtes Capitel.
Elektromagnetismus und Diamagnetismus.

341
Magnetisirung
des Eisens und
Stahls durch den
elektrischen
Strom.

Wenn man einen Eisenstab mit spiralförmigen Drahtwindungen
umwickelt, so wird das Eisen im Moment, in welchem man den Strom
durch den Draht fliessen lässt, magnetisch, und im Moment, in wel-
chem man den Strom unterbricht, hört auch der Magnetismus wieder
auf. Lässt man auf dieselbe Weise einen Stahlstab umfliessen, so
dauert es einige Zeit, bis derselbe merklichen Magnetismus angenom-
men hat, aber er bleibt nach dem Aufhören des Stroms magne-

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[526/0548] Von der Elektricität. horizontal zu stellenden Brette A mittelst eines Zapfenlagers a i aufgestellt ist, wird [Abbildung Fig. 239.] durch die Schraube s so gerichtet, dass die Windungen dem Meridian parallel sind. Der Bügel b trägt an seinem un- tern in die Oeffnung des Rahmens ra- genden Arm einen ringförmigen Magne- ten m, an seinem oberen Arm d den Spie- gel S, der an einem Coconfaden hängt und an dem man aus der Ferne mittelst Fernrohr und Scale (§. 133) die Ablen- kungen des Magneten beobachtet. Auf der Säule B befindet sich oben eine ver- ticale Theilung T, an welcher zwei Brett- chen M und M' auf- und abbewegt wer- den können, welche die zur Astasirung des Magneten m dienenden Hülfsmagne- ten tragen. Auf M liegt ein grösserer, auf M' ein kleinerer Magnet: die Pole beider haben die entgegengesetzte Rich- tung wie die Pole des Magneten m. Der kleinere Magnet kann durch die Schraube s' etwas aus der Ebene des Meridians gedreht werden. Beiden Magneten gibt man durch Probiren diejenige Stellung, bei welcher der Magnet m möglichst astatisch und in seiner Gleichgewichts- lage den Windungen parallel ist. In vielen Fällen ist es zweckmässig das Drahtgewinde mit einer Kupferhülse zu umgeben. In einer solchen werden näm- lich, wie wir im §. 350 Anm. sehen wer- den, bei der Bewegung des Magneten elektrische Ströme inducirt: diese Ströme wirken aber dämpfend auf die Bewegun- gen des Magneten zurück, so dass der- selbe schneller in seiner Gleichgewichts- lage zur Ruhe kommt. Achtes Capitel. Elektromagnetismus und Diamagnetismus. Wenn man einen Eisenstab mit spiralförmigen Drahtwindungen umwickelt, so wird das Eisen im Moment, in welchem man den Strom durch den Draht fliessen lässt, magnetisch, und im Moment, in wel- chem man den Strom unterbricht, hört auch der Magnetismus wieder auf. Lässt man auf dieselbe Weise einen Stahlstab umfliessen, so dauert es einige Zeit, bis derselbe merklichen Magnetismus angenom- men hat, aber er bleibt nach dem Aufhören des Stroms magne-

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Zitationshilfe: Wundt, Wilhelm: Handbuch der medicinischen Physik. Erlangen, 1867, S. 526. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wundt_medizinische_1867/548>, abgerufen am 20.04.2019.