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Ritterhold von Blauen [i. e. Zesen, Philipp von]: Adriatische Rosemund. Amsterdam, 1645.

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Ehren-getichte.
was Got befühlt/ ist guht: es ist zwahr ihre träu
und eh-pflücht lobens währt/ so si gedänkt zu hal-
ten/
bis in den bittren tohd. sol aber so veralten
das götliche geschöpf/ und andern dinen nicht?
das ist selbst wider Got und wider mänschen-
pflücht.
Got gäb ihr' widerum/ was sie zufohr erlanget/
ihr würds geräuen nicht/ wan si mit kindern pran-
get.
ei! lacht si widerum? ja dises folgt darauf/
solch gäld gibt auf di hand der keuschen libe
kauf.
Si kan mit Kindern ja gahr fein und lihblich
schärzen/
das wär' ein spihl führ si; si könte dan ja härzen/
und trükken an den mund' ihr eignes libes kind:
was gülts/ ihr stiller sun ist anders schohn ge-
sünnt!
Jch bin geflissen stähts ein hohchzeit-lihd zu schrei-
ben/
(o wäre dis der tahg) ich wolte noch verbleiben
ein wenig dises orts/ zu sähen an di lust/
di mihr schohn (wi mich deucht) almählich ist be-
wust;
und ubers jahr wolt' ich nahch näuer zeitung fra-
gen/
wan ich zu Leipzig währ' (ein ihder würd' es sagen)
ob schihr ein junges spihi im fohrhang würde
sein;
so wolt ich süngen drauf ein libes lidelein/
zu wünschen glük dahrzu: di lerche wurde schwün-
gen
vihl lustiger sich auf/ und susanninne sungen/
o sause/ sause/ saus'/ o libes kindelein/
das würd' o jungefrau ihr libes lihdlein sein.
Der
P 6
Ehren-getichte.
was Got befuͤhlt/ iſt guht: es iſt zwahr ihre traͤu
und eh-pfluͤcht lobens waͤhrt/ ſo ſi gedaͤnkt zu hal-
ten/
bis in den bittren tohd. ſol aber ſo veralten
das goͤtliche geſchoͤpf/ und andern dinen nicht?
das iſt ſelbſt wider Got und wider maͤnſchen-
pfluͤcht.
Got gaͤb ihr’ widerum/ was ſie zufohr erlanget/
ihr wuͤrds geraͤuen nicht/ wan ſi mit kindern pran-
get.
ei! lacht ſi widerum? ja diſes folgt darauf/
ſolch gaͤld gibt auf di hand der keuſchen libe
kauf.
Si kan mit Kindern ja gahr fein und lihblich
ſchaͤrzen/
das waͤr’ ein ſpihl fuͤhr ſi; ſi koͤnte dan ja haͤrzen/
und trükken an den mund’ ihr eignes libes kind:
was guͤlts/ ihr ſtiller ſun iſt anders ſchohn ge-
ſuͤnnt!
Jch bin gefliſſen ſtaͤhts ein hohchzeit-lihd zu ſchrei-
ben/
(o waͤre dis der tahg) ich wolte noch verbleiben
ein wenig diſes orts/ zu ſaͤhen an di luſt/
di mihr ſchohn (wi mich deucht) almaͤhlich iſt be-
wuſt;
und ůbers jahr wolt’ ich nahch naͤuer zeitung fra-
gen/
wan ich zu Leipzig waͤhr’ (ein ihder wuͤrd’ es ſagen)
ob ſchihr ein junges ſpihi im fohrhang wuͤrde
ſein;
ſo wolt ich ſuͤngen drauf ein libes lidelein/
zu wuͤnſchen gluͤk dahrzu: di lerche wůrde ſchwuͤn-
gen
vihl luſtiger ſich auf/ und ſuſanninne ſůngen/
o ſauſe/ ſauſe/ ſauſ’/ o libes kindelein/
das wuͤrd’ o jungefrau ihr libes lihdlein ſein.
Der
P 6
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[347/0363] Ehren-getichte. was Got befuͤhlt/ iſt guht: es iſt zwahr ihre traͤu und eh-pfluͤcht lobens waͤhrt/ ſo ſi gedaͤnkt zu hal- ten/ bis in den bittren tohd. ſol aber ſo veralten das goͤtliche geſchoͤpf/ und andern dinen nicht? das iſt ſelbſt wider Got und wider maͤnſchen- pfluͤcht. Got gaͤb ihr’ widerum/ was ſie zufohr erlanget/ ihr wuͤrds geraͤuen nicht/ wan ſi mit kindern pran- get. ei! lacht ſi widerum? ja diſes folgt darauf/ ſolch gaͤld gibt auf di hand der keuſchen libe kauf. Si kan mit Kindern ja gahr fein und lihblich ſchaͤrzen/ das waͤr’ ein ſpihl fuͤhr ſi; ſi koͤnte dan ja haͤrzen/ und trükken an den mund’ ihr eignes libes kind: was guͤlts/ ihr ſtiller ſun iſt anders ſchohn ge- ſuͤnnt! Jch bin gefliſſen ſtaͤhts ein hohchzeit-lihd zu ſchrei- ben/ (o waͤre dis der tahg) ich wolte noch verbleiben ein wenig diſes orts/ zu ſaͤhen an di luſt/ di mihr ſchohn (wi mich deucht) almaͤhlich iſt be- wuſt; und ůbers jahr wolt’ ich nahch naͤuer zeitung fra- gen/ wan ich zu Leipzig waͤhr’ (ein ihder wuͤrd’ es ſagen) ob ſchihr ein junges ſpihi im fohrhang wuͤrde ſein; ſo wolt ich ſuͤngen drauf ein libes lidelein/ zu wuͤnſchen gluͤk dahrzu: di lerche wůrde ſchwuͤn- gen vihl luſtiger ſich auf/ und ſuſanninne ſůngen/ o ſauſe/ ſauſe/ ſauſ’/ o libes kindelein/ das wuͤrd’ o jungefrau ihr libes lihdlein ſein. Der P 6

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Zitationshilfe: Ritterhold von Blauen [i. e. Zesen, Philipp von]: Adriatische Rosemund. Amsterdam, 1645, S. 347. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/zesen_rosemund_1645/363>, abgerufen am 18.11.2019.