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Ritterhold von Blauen [i. e. Zesen, Philipp von]: Adriatische Rosemund. Amsterdam, 1645.

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Der Adriatischen Rosemund

Jch muß gestähen/ mein lihbster Härz-währt/
(gahb Markhold zur antwort) daß solches ohne
sonderliches verhängnüs nicht geschähen ist; ihdoch
mus ich auch bekännen/ daß es vihlmehr ein an-
fang unserer künftigen unglüksähligkeit/ als wohl-
eingebildeten gluksähligkeit gewäsen ist. Damit ich
aber meinem Fräunde di ganze begähbnüs mit al-
len ihren ümständen/ und ohn einiges mänschen
dahrzwischen-kunft/ in geheim erzählen möge/ so
wollen wihr zufohr di förder-tuhre verrügeln lahs-
sen.

Als nuhn solches geschähen wahr/ so nähert' er
sich zu seinem Härz-währt'/ und huhb folgender ge-
stalt an zu räden.

Di Begähbnüsse
des Markholds
und
der Rosemund.

ES würd sich mein Fräund ohne zweifäl noch
wohl zu besünnen wüssen/ daß Adel-währt
ein tapferer und aufgewäkter Jüngling in dem
Erz-schreine der lihblichen Salahnen eine sonderli-
che fräundschaft mit mihr gepflogen/ und nahch
dchrselben zeit im kriges-wäsen sein heil versuchet
hat; da ihm dan das glükke so günstig gewäsen ist/
daß er straks Walt-haubt-man worden/ und nahch
einer ritterlichen Siges-eroberung auch in einem
vihrteil jahre eines Haupt-mans plaz beträten/ bis
er ändlich in einem jahre dahrnahch/ als er sich in
einer Schlacht so tapfer gehalten hatte/ gahr zum
Schalt-obersten ist gemacht worden. Diser
Schalt-oberster Adel-währt nuhn ist di haubt-
uhrsachche/ und seine Lihbste das mittel/ dadurch ich
mit der über-irdischen Rosemund in kundschaft ge-

rahten
Der Adriatiſchen Roſemund

Jch muß geſtaͤhen/ mein lihbſter Haͤrz-waͤhrt/
(gahb Markhold zur antwort) daß ſolches ohne
ſonderliches verhaͤngnuͤs nicht geſchaͤhen iſt; ihdoch
mus ich auch bekaͤnnen/ daß es vihlmehr ein an-
fang unſerer kuͤnftigen unglükſaͤhligkeit/ als wohl-
eingebildeten glůkſaͤhligkeit gewaͤſen iſt. Damit ich
aber meinem Fraͤunde di ganze begaͤhbnuͤs mit al-
len ihren ümſtaͤnden/ und ohn einiges maͤnſchen
dahrzwiſchen-kunft/ in geheim erzaͤhlen moͤge/ ſo
wollen wihr zufohr di foͤrder-tůhre verruͤgeln lahſ-
ſen.

Als nuhn ſolches geſchaͤhen wahr/ ſo naͤhert’ er
ſich zu ſeinem Haͤrz-waͤhrt’/ und huhb folgender ge-
ſtalt an zu raͤden.

Di Begaͤhbnuͤſſe
des Markholds
und
der Roſemund.

ES wuͤrd ſich mein Fraͤund ohne zweifaͤl noch
wohl zu beſuͤnnen wuͤſſen/ daß Adel-waͤhrt
ein tapferer und aufgewaͤkter Jüngling in dem
Erz-ſchreine der lihblichen Salahnen eine ſonderli-
che fraͤundſchaft mit mihr gepflogen/ und nahch
dchrſelben zeit im kriges-waͤſen ſein heil verſuchet
hat; da ihm dan das gluͤkke ſo guͤnſtig gewaͤſen iſt/
daß er ſtraks Walt-haubt-man worden/ und nahch
einer ritterlichen Siges-eroberung auch in einem
vihrteil jahre eines Haupt-mans plaz betraͤten/ bis
er aͤndlich in einem jahre dahrnahch/ als er ſich in
einer Schlacht ſo tapfer gehalten hatte/ gahr zum
Schalt-oberſten iſt gemacht worden. Diſer
Schalt-oberſter Adel-waͤhrt nuhn iſt di haubt-
uhrſachche/ und ſeine Lihbſte das mittel/ dadurch ich
mit der uͤber-irdiſchen Roſemund in kundſchaft ge-

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[48/0064] Der Adriatiſchen Roſemund Jch muß geſtaͤhen/ mein lihbſter Haͤrz-waͤhrt/ (gahb Markhold zur antwort) daß ſolches ohne ſonderliches verhaͤngnuͤs nicht geſchaͤhen iſt; ihdoch mus ich auch bekaͤnnen/ daß es vihlmehr ein an- fang unſerer kuͤnftigen unglükſaͤhligkeit/ als wohl- eingebildeten glůkſaͤhligkeit gewaͤſen iſt. Damit ich aber meinem Fraͤunde di ganze begaͤhbnuͤs mit al- len ihren ümſtaͤnden/ und ohn einiges maͤnſchen dahrzwiſchen-kunft/ in geheim erzaͤhlen moͤge/ ſo wollen wihr zufohr di foͤrder-tůhre verruͤgeln lahſ- ſen. Als nuhn ſolches geſchaͤhen wahr/ ſo naͤhert’ er ſich zu ſeinem Haͤrz-waͤhrt’/ und huhb folgender ge- ſtalt an zu raͤden. Di Begaͤhbnuͤſſe des Markholds und der Roſemund. ES wuͤrd ſich mein Fraͤund ohne zweifaͤl noch wohl zu beſuͤnnen wuͤſſen/ daß Adel-waͤhrt ein tapferer und aufgewaͤkter Jüngling in dem Erz-ſchreine der lihblichen Salahnen eine ſonderli- che fraͤundſchaft mit mihr gepflogen/ und nahch dchrſelben zeit im kriges-waͤſen ſein heil verſuchet hat; da ihm dan das gluͤkke ſo guͤnſtig gewaͤſen iſt/ daß er ſtraks Walt-haubt-man worden/ und nahch einer ritterlichen Siges-eroberung auch in einem vihrteil jahre eines Haupt-mans plaz betraͤten/ bis er aͤndlich in einem jahre dahrnahch/ als er ſich in einer Schlacht ſo tapfer gehalten hatte/ gahr zum Schalt-oberſten iſt gemacht worden. Diſer Schalt-oberſter Adel-waͤhrt nuhn iſt di haubt- uhrſachche/ und ſeine Lihbſte das mittel/ dadurch ich mit der uͤber-irdiſchen Roſemund in kundſchaft ge- rahten

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Zitationshilfe: Ritterhold von Blauen [i. e. Zesen, Philipp von]: Adriatische Rosemund. Amsterdam, 1645, S. 48. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/zesen_rosemund_1645/64>, abgerufen am 15.10.2019.