[0047]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No. 11. Köln, Sonntag 11. Juni 1848.
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Die „Neue Rheinische Zeitung“ erscheint vom 1. Juni an täglich. Der Raum des Blattes wird so oft es nöthig durch Beilagen erweitert. Der Abonnementspreis beträgt : Für das mit dem 1. Juli beginnende Vierteljahr in Köln 1 Thlr. 15 Sgr.; für alle übrigen Orte Preußens 2 Thlr 3 Sgr. 9 Pf. Außerhalb Preußens mit Zuschlag des fremden Zeitungsporto's. Das Abonnement für den Monat Juni kann nur unter gleichzeitiger Bestellung des nächsten Quartals (Juli, August, September) geschehen. Der Preis dieses viermonatlichen Abonnements beträgt : Für Köln 2 Thlr.; auswärts 2 Thlr. 25 Sgr. Man abonnirt bei allen Postanstalten und Buchhandlungen des In- und Auslandes; ‒ für Köln in der Expedition der Zeitung bei Hrn. W. Clouth, St. Agatha 12, Köln, woselbst auch fernere Aktienzeichnungen entgegen genommen werden. Briefe und Zusendungen an die Redaktion sowie die Expedition werden von unbekannten Absendern nur frankirt angenommen. ‒ Insertionsgebühren. Für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 1 Sgr. 6 Pf.
Die Expedition der „Neuen Rheinischen Zeitung.“
Wegen des heutigen Festtages erscheint morgen keine Zeitung.
Pfingstlied.
Sie herzten sich und sie küßten sich
Mit liebevoller Geberde.
Der junge Herr Frühling wonniglich,
Der besuchte die alte Frau Erde.
Er ist der guten, ehrlichen Frau
Mit eins an den Hals gesprungen,
Daß bis hinauf in den Himmel blau
Nur Lust und Jubel erklungen.
„Mein Sohn, es freut mich, daß du hier!
Lang währte des Winters Tosen.
Meine Felder brauchen die goldne Zier,
Meine Gärten Lilien und Rosen.“
„Verstummt sind all' meine Nachtigall'n
Seit ich dich verloren hatte;
Drum schmücke den Vögeln die grünen Hall'n
Und den Hirschen die blumige Matte.“
„Ich habe so oft an dich gedacht;
Wenn es stürmte wilder und wilder,
Doch sprich, was hast du mir mitgebracht
Für die lieblichen Menschenbilder?“
„„Für die Menschenbilder ?““ versetzte da
Der junge Herr Frühling stutzend ‒
In die Tasche griff er behend: „„Voilà!
Revolutionen ein Dutzend.““
[Georg Weerth.]
Uebersicht.
Deutschland. Köln (Köln in Gefahr. ‒ Die Nationalversammlung zu Frankfurt). Frankfurt (Versöhnungsfest. ‒ Sitzung der Nationalversammlung vom 8. Juni. ‒ Beschluß wegen Schleswig-Holstein). Berlin (Vereinbarungsdebatten. ‒ Der Prinz von Preußen in der Versammlung). Weimar (Bankerut). Wien (die Arbeiter. ‒ Das Ministerium v. Wessenberg. ‒ Erklärung des Kriegsministeriums. ‒ Arbeitern des Stadtraths. ‒ Ostfriesland).
Französische Republik. Paris (Nationalversammlung vom 7. Juni. ‒ Annahme des Dekretsentwurf über die Zusammenschaarungen. ‒ Wahlen. ‒ Arbeiterbanket. ‒ Aufenthalt des Herzogs von Bordeaux in Paris. ‒ Gründung eines neuen kontrerevolutionären Blattes. ‒ Der Constitutionnel gegen das Arbeiterbanket. ‒ Perrot Gouverneur von Vincennes. ‒ Wahlintriguen. ‒ Algier. ‒ Neueste Nachrichten).
Spanien. Madrid (revolutionäre Proklamation in Portugal).
Italien. ‒ Genua (die Citadelle von Messina in der Gewalt des Volks. ‒ Agitation in den neapolitanischen Provinzen). Mailand (Stellung der Armeen).
Großbritannien. London (Lord Brougham über die afrikanischen Sklaven. ‒ Die Chartisten. ‒ Ernest Jones. ‒ Der Northern Star und die Times. ‒ Dublin).
Amerika. Handelsnachrichten von Montevideo.
Neueste Nachrichten. (Aufruhr in London).
Deutschland.
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Edition: [Friedrich Engels: Köln in Gefahr. In: MEGA2 I/7. S. 98.]
[**] Köln, 10. Juni.
Pfingsten, das liebliche Fest,
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[19] Köln, 10. Juni.
(Die Frankfurter Nationalversammlung.) Das linke Centrum besteht nach seinem Programm aus denjenigen, welche „fest an ihren Grundsatzen halten, aber bei Durchführung derselben mit Würde und Besonnenheit handeln, und so viel als möglich Alles vermeiden, was nach einer oder der andern Seite verletzen könnte.“ Fest in Gesinnung, stark an Würde, aber mild und gefühlvoll im Kampf, nach der Melodie:
Donn're, schmettre, tödte täglich,
Doch ‒ so allgemein wie möglich.
Hr. Stedtmann aus Koblenz gehört zu den ersten dieser zarten Kämpfer. Mit herzgewinnender Rührung erklärt derselbe, daß er in dem Bundestagsgesandten Welcker seinen Freund, ja noch mehr, seinen „politischen Lehrer“ verehre, und bittet um Entschuldigung, wenn er dennoch mit dessen Ansicht „nicht so ganz einverstanden“ sein könne; wenn er dann von der Tribüne kömmt, tritt ihm der „Freund und Lehrer“ mit faunenartiger Freundlichkeit entgegen, und die Biedermänner schütteln sich zur Erbauung der Zuschauer die Hände. Sitzend auf einer „breiten Basis“ und des Friedens halber „zu jeder nur möglichen Konzession an andere Parteien“ entschlossen, hat sich Herr Stedtmann in letzter Zeit, dem Programm seiner Gefühlvollen treu, der Rechten genähert und bekanntlich an dem berühmten Antrag auf Bildung eines bayrisch-preußisch-österreichischen Triumvirats betheiligt. Den Bürger Jucho zählt er zu seinen Freunden und Bundesgenossen. Wer aber ist Bürger Jucho? Bürger Jucho ist gleich dem Biedermann Eisenmann „Dulder“ gewesen. Sein Verdienst um das gedrückte Vaterland, um dessentwillen er die Dulderkrone gewann, bestand darin, daß einige Polizisten der Republik Frankfurt ein verbotenes Zeitungsblatt bei ihm fanden.
In der Linken haben sich die verschiedensten Elemente zusammengefunden, die bis jetzt nur durch den Terrorismus der Majorität zusammengehalten werden. Zwei Manifeste sind aus ihr hervorgegangen, beide zwar im wesentlichen Inhalt nicht von einander verschieden, aber den Zwiespalt der doktrinären Opposition mit der sogenannten äußersten Linken bekundend; eine dritte Abstufung, die nahe mit dem linken Centrum zusammenhängt, hat sich ebenfalls aus der großen Phalanx der „Opposition gegen die Majorität“ noch nicht ausgeschieden. Die Partei der „Gesinnungstüchtigen“ der Linken, die dem Centrum zunächst stehende Fraktion, sieht ihre Vertreter am häufigsten auf der Tribüne; ihre Deklamationen fließen über von Stichworten des Tages, von der deutschen Einheit, den großen Berechtigungen des Volkes und dem hohen Beruf der Versammlung. Ihr bedeutsamstes Mitglied ist der k. preußische Flüchtling Jakob Venedey. Wenn er auf der Tribüne steht, senkt sich sein Haupt wehmüthig zur Seite, Weltgefühle sprießen in seiner Brust, und seine Lippen strömen gesetzliche Proteste gegen jedes fait accompli der bisherigen Weltgeschichte. Herr Venedey steht nicht auf dem Boden der Revolution; er ruft es selbst, daß die Republik, wenn sie mit Gewalt eingeführt werden solle, nur über seine, des Herrn Venedey, Leiche gehe. Die Bedeutung seiner gesetzlichen Wirksamkeit hat bereits die gebührende Anerkennung gefunden. Als der Graf Arnim nach dem Sturz Bodelschwinghs sein achttägiges Ministerium antrat, war seine erste Handlung, sich nach der Ankunft Venedeys in Köln zu erkundigen, um denselben aufzufordern, in Berlin ein „volksthümliches Ministerialblatt“ herauszugeben. (Schl. folgt.)
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[15] Frankfurt, 7. Juni.
Die heutige Sitzung begann mit einer schönen Versöhnungsscene, wie sie nur bei der hier betriebenen Gemüthspolitik zu Stande kommen konnte. Es sind zwar einige Charaktere, die rechts und links zu scharf ausgeprägt sind, als daß sie, wenn ihre Worte auch noch so mild wären, bis in die Herzensregion ihrer Gegner vordringen könnten; aber Jacob Benedey gehört nicht zu diesen Ecksteinen des Anstoßes, und obwohl er sich brav zur Linken hält, verzog doch das ehrenwerthe Gros der Rechten keine Miene zum Lachen, als er das blonde Lockenhaupt zu ihr hinwiegte und von dem „tiefen Schmerze“ sprach, mit dem sein Gemüth die Tribüne betrete. Er reklamirte nämlich gegen das Protokoll, in welchem stand, daß er wegen ausgestoßener Drohungen zur Ordnung gerufen sei. Benedey sollte gedroht haben? Unmöglich! Es war zwar ein bedenklicher Anlaß; aber Venedey hatte wirklich nicht gedroht; mein Himmel, wie konnte man ihn so mißverstehn! er hatte nur eine Erinnerung an die Geschichte der französischen Revolution der Rechten an's Herz legen wollen. Der Rechten? o nein, wir Alle sind Sünder oder könnten es werden. Lassen Sie uns weder rechts noch links die Redner niedertrommeln, Sie sehen aus der französischen Revolution, wohin das geführt hat; „und wir werden hoffentlich etwas anderes zu Stande bringen als die Franzosen!“
Das verfehlte freilich seine Wirkung nicht. Die Rechte ärgerte sich über die erneute Mahnung, aber sie freute sich, daß wieder einmal von der deutschen Tribüne gegen die Franzosen und gegen die Revolution gesprochen war. Sie applaudirte demnach so lebhaft, daß Gagern den Ordnungsruf zurücknahm.
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[*]Frankfurt, 8. Juni.
Mancherlei Anträge waren schon früher und später über die Sicherstellung der Nationalversammlung gegen etwelche Attentate eingereicht, heute kam darüber der Bericht zur Verlesung und Herr Wippermann, dem dies Amt oblag, fügte hinzu : Allerdings sei Gefahr vorhanden und Dringlichkeit heischender denn je. Er wisse es, denn in seinem eigenen Vaterlande sei der Aufruf ergangen, alle demokratischen Vereine sollten nach Frankfurt kommen zu Pfingsten, und ihre Parole sei für das Parlament, wenn es demokratisch, sonst gegen das Parlament. Desgleichen fordre der Aufruf zur Sensenbewaffnung auf und wer wisse, wie viele Sensen bereits gen Frankfurt zögen? Der Tag sei ausgeschrieben: dringende Noth erheische, sich an den Senat in Frankfurt zu wenden und von den umliegenden Regierungen die nöthigen Bajonnette zu begehren.
Zwar spottete allgemeines Gelächter des Ehren-Wippermann, allein Wohlderselbe fühlte bereits die Sense, dies barbarische Instrument, in seinem Fleische wühlen, und mit ihm Schüler aus Jena. Schüler meinte nämlich, die Linke zu gewinnen, wenn er zwar keine Bitte um Waffenaufgebot an den Frankfurter Senat wolle, wohl aber eine Aufforderung an die Demokraten, sich der Herzensangst des Parlaments zu erbarmen und doch ja nicht nach Frankfurt zu kommen; denn es liege im Interesse der Linken, keinen falschen Schein auf sich zu laden. Dieser beschwichtigende Vorschlag verfehlte seinen Zweck. Der ehemalige Mitarbeiter des politischen Wochenblattes, Radowitz, erhebt sich: Man möge sich ja nicht über die Gefahr täuschen, sie sei in der That größer als man glaube. Man könne nicht läugnen, daß die Nationalversammlung eine große Partei, und zwar eben die demokratische, bereits über die Hoffnungen, welche man vom Parlament gehegt, enttäuscht habe. Auch ein nöthiges Losungswort sei bereits gefunden, es heiße : Nieder mit der Reaktion. Ehemals habe man als Stichwort Demagoge gebraucht, aber jetzt hieße es Reaktionär, und unter dieser Bezeichnung verstehe man Alle, die den Wünschen und Forderungen des Volks aus höhern Rücksichten nicht willfahren wollen. Er fürchte nicht für die Personen der Nationalversammlung, sondern für die Folgen eines Angriffs. Diese wären unfehlbar : Provisorische Regierung, Proklamirung der Republik, Bürgerkrieg, Krieg mit Außen. Drum sei es heilige Pflicht der Volksvertreter, einen Sicherheitsausschuß von 3 Personen zu wählen, die sich erkundigten, wie stark die Streitkräfte Frankfurts, und danach Truppen von außen reklamirten.
Sie sehen also, daß man es bereits bedauert, nicht in Potsdam zu tagen. Ja, ein Wiener, Meyer, denkt schon als Militär auf den Rückzug, und beantragt zuerst das englische Gesetz, daß im Umkreis von drei Meilen keinerlei größere Versammlungen statt finden sollen, und daß im Fall einer Zersprengung die Nationalversammlung sich in Regensburg unter baierischer Obhut oder in Wien, wo man bis dahin die alte gute Ordnung der Dinge wieder hergestellt zu sehen hofft, auf's neue vereinigen möge.
Wie Radowitz andeutete: die Vertreter des Volks können sich nicht länger verhehlen, daß ihr gefährlichster Antagonist eben das Volk ist. Simon aus Trier sagte ihnen dies ziemlich deutlich: Wie es denn so auf einmal komme, daß die Nationalversammlung Polizei spielen wolle. Man habe doch früher bei der Mainzer Angelegenheit und bei der Ausweisung deutscher Ausländer so sehr damit gepocht, daß man keine Polizei sein dürfe; woher diese Inkonsequenz? Wenn man sich in der That gestehen müsse, daß man bereits mit der Volkspartei so sehr im Widerspruch stehe, um deren Zorn zu fürchten, nun, dann sei auch wohl nicht viel an der Nationalversammlung verloren. Die Waffen fürchte man, warum denn nur die der Demokraten, die doch nur höchstens zu dreihundert hierherzögen, warum nicht die Bayonnette, die man zu vielen tausenden berufe?
Ein donnender Beifall begleitete (trotz der aufgestellten Klaque und der Censurmaßregeln des Hrn. Biedermann, bis auf ein Drittel der Gallerie nur Billete auf Empfehlung von Deputirten den Eintritt zu gewähren, wobei die Empfehlungen der linken Seite selten berücksichtigt werden) Heute berieth die Rechte abermals, wie man die Gallerie ersprießlicher besetzen könne, und da sie erst seit den letzten drei Sitzungen jene Sperre von zwei Drittheilen der Emporbühne angeordnet hat, ohne den erwünschten Erfolg, meinte sie, man müsse einmal die Tribünen räumen. ‒ den Redner und die Worte des nach ihm folgenden Wesendonck. Die Linke forderte wiederholt den Uebergang zur Tagesordnung, allein der Präsident suchte diesen Antrag zu unterdrücken und nur eine Ueberweisung der Anträge an eine Kommission (d. h. eine abermalige, die es besser verstände, die Sache plausibel zu machen) zur Abstimmung zu bringen. Als ihm dies nicht gelang und wirklich der Uebergang zur Tagesordnung beschlossen wurde, bemühte er sich, wenigstens aus den Anträgen eine Habeas-Corpus-Akte für die Abgeordneten nebst etlichen andern Anträgen zu stellen, Trotz des Rufs: zur Tagesordnung! konnte er sich nicht überwinden, wenigstens eine Vertagung derselben zu erbitten, in deren Folge Soiron den Vorschlag machte, die ganze Angelegenheit an die Prioritäts-Kommission zurückzuweisen. Dies wurde mit dem Wesendonckschen Zusatze, „insoweit die Anträge nicht durch den Uebergang zur Tagesordnung erledigt sind,“ genehmigt, und so behalten die muthigen Bayonnettliebhaber wenigstens den Trost, sich demnächst eine Habeas-Corpus-Akte dekretiren zu können.
Nun die Blumsche Angelegenheit.
Zuvörderst sucht Eisenmann zu ermitteln, jede Partei könne blamirt werden, darum sei besser, keine werde blamirt. Aber davon will Blum nichts wissen, obgleich ihm unbekannt sey, was Auerswald eigentlich mit seiner Anklage bezwecke, da er keinen Antrag gestellt habe. In der Erklärung des preußischen Ministers, welche Auerswald erzielt habe, heiße es:
1) Die preußische Regierung habe in Beziehung auf das Verfassungswerk niemals einen Rath (an die fraglichen Regierungen), geschweige einen solchen Rath gegeben, wie hier in Rede sey. (Er fragt, ob hierin ein Widerspruch gegen die von ihm gegebene Mittheilung liege?)
2) Wenn nun in Frankfurt behauptet werde, die preußische Regierung habe sich durch solch einen Rath eines Verraths schuldig gemacht, so sei dies eine Verläumdung. (Blum setzt hinzu, das würde es in der That sein und fährt fort):
Hieraus möge man schließen, wie an das Ministerium berichtet sei. Er habe den stenographischen Protokollen gemäß nur folgendes gesagt : das Einzige Gegengewicht gegen die konstituirende Nationalversammlung, der preußischen Antwort zufolge, sei, daß man möglichst viele Ständeversammlungen berufe, und er habe hinzugesetzt : Meine Herren, ich habe Ihnen für die Genauigkeit nichts einzusetzen, als „ein Ehrenwort,“ daß es mir so mitgetheilt ist: denn mir stehen keine diplomatische Archive zu Gebote, aber es wird nicht schwer fallen, falls man mehr wissen will, nähere Erkundigungen einzuziehen.
Jetzt, da man auf diese unverfängliche Mittheilung eine Anklage, eine Verdächtigung gründe, und es nur Mann gegen Mann genüge, ein Ehrenwort zu Pfand zu setzen, erkläre er, jedoch nur der Nationalversammlung, daß zwei Zeugen aus der Nationalversammlung seine Aussagen unterstützen könnten, da er sich in dem delikaten Falle befinde, den Namen seiner Quelle nicht preisgeben zu können. Thatsächlich unterstützten ihn aber die wirklich stattgefundenen Einberufungen der verschiedenen Ständeversammlungen und eine merkwürdige Anmerkung der Redaktion der Vossischen Zeitung zu dem unklaren Berichte ihres Korrespondenten in Nro. 173. Leid thue ihm bei der ganzen Geschichte am allermeisten, daß der preußische Minister nicht geantwortet habe wie der sächsische, er werde sich nie zu solchen Maßregeln verstehen.
Gagern (der Präsident) bemerkt zur Aufklärung, der 50r-Ausschuß habe ein Gesuch an den Bundestag gerichtet, dahin zu wirken, daß während der Nationalversammlung keine andre Versammlung einberufen werde, und der Bund habe dies den Regierungen mitgetheilt; vielleicht sei hieraus jene Mittheilung mißverständlich entstanden. Da Blum dies verneint und eine Deutung Auerswalds, als als habe er versöhnend einlenken wollen, gleichfalls zurückweist, so stellt Auerswald den Antrag seiner gestrigen Beschwerde dahin: daß die Nationalversammlung ihre Mißbilligung über Blum's „Anklage“ äußern möge. (Heftiges Zischen.) Er sucht hierauf zu beweisen, daß der Minister des Auswärtigen, Arnim, ihm im Auftrage auf seine „höhern Orts“ eingereichte Beschwerde geantwortet habe und dessen Bescheid vollgültig sey und theilt, nachdem er im Ablesen längerer Zeitungsartikel durch den Ruf „zur Sache“ und „Wie langweilig“ unterbrochen, ein Schreiben Arnim's vom 4. Mai an den Herrn von Röder mit, dahin lautend :
„Man könne den Vorschlag, das Plenum des Bundestags, und zwar namentlich mit Prinzen zu beschicken, damit diese als Kandidaten für die zu erwählende Centralgewalt aufträten, nicht zweckmäßig finden, ehe nicht der Bund selbst neu organisirt sei.
Dies Dokument wird zu den Akten eingereicht und der Prässdent sieht sich auf heftiges Verlangen gemüßigt, zu erklären, daß ein Antrag auf Mißbilligung gegen ein Mitglied der Versammlung überall unstatthaft sei, da nur ihm eine Zurechtweisung auf frischer That zustehe.
Jetzt sucht noch Lichnowsky eine Lanze für Auerswald zu brechen und Blum zu verdächtigen. Allein der Donquixote des Parlaments erreicht nur seinen regelmäßigen Zweck, zur Heiterkeit des Publikums zu dienen und sich ein „von der Tribüne!“ zu erringen. Schaffrath zürnt, daß Blum überhaupt auf eine solche Anschuldigung geantwortet und nicht lieber den Stolz des Schweigens entgegengesetzt habe. Das Volk würde schon entschieden haben, wem es Glauben beimessen solle, einem Auerswald oder einem Blum. Hier dürfe Niemand beschuldigt werden, bis die Beweise einer Unwahrheit vorlägen. Ihm scheine als seien die Feinde der Preßfreiheit auch Feinde der Redefreiheit. Draußen übten sie Censur der Presse, in der Paulskirche wollten sie Censur der Rede üben. Blum habe nichts zu beweisen, da er nur eine Mittheilung berichtet habe, ihm scheinen sogar die Berufung auf zwei Ehrenmänner zuviel zugestanden. (Diese nennen sich: Dr. Joseph Hermann, und Dr. J. Georg Günther).
Es wurde nun zur Tagesordnung übergegangen, die Sitzung wurde geschlossen. Nachdem man über 4 Stunden wiederum nur Redeübung gehalten hatte. Doch nein, ein Resultat ging vorauf, nämlich der Bericht des Marine-Ausschusses. Dieser ist zu dem Ergebniß gekommen,
a) 4 Hauptfragen für seine Aufgabe aufzustellen:
1. Welche Bedingungen die deutsche Kriegsmarine zu erfüllen habe,
2. welche Mittel in Bezug auf Zahl und Art der Schiffe dazu geeignet seien,
3. welche Geldmittel erfordert werden,
4. In welche natürliche Zeitabschnitte die gesammte Bildung der deutschen Flotte zerfalle?
b) In Erwägung, daß der Ausschuß diese Fragen sobald nicht beantworten könne, stelle er den Antrag:
„Hohe National-Versammlung wolle beschließen, daß die hohe Bundes-Versammlung zu veranlassen sei, die Summe von 6 Millionen Thalern auf verfassungsmäßigem Wege verfügbar zu machen, und zwar 3 Millionen sofort und die ferneren 3 Millionen nach Maßgabe des Bedürfnisses.“
Diese 3 Millionen Thaler sollen, da man vorerst der Linienschiffe nicht bedürfe, folgendermaßen verwendet werden:
2 Fregatten zu 42 bis 56 Kan. à 450,000 Rth. ‒ 900,000 Rth.
4 Korvetten zu 22 bis 32 Kan. à 220,000 Rth. ‒ 880,000 Rth.
2 Dampfschiffe zu 500 Pferdekraft à 400,000 Rth. ‒ 800,000 Rth.
4 Dampfschiffe zu 350 Pferdekraft à 300,500 Rth. ‒ 1,200,000 Rth.
200 Kanonen à 7,000 Rth. ‒ 1,400,000 Rth.
Der Rest mit 780,000 bis 800,000 Rthlr. sei für Hafen und Arsenalanlagen zu verwenden.
Wir müssen abwarten, ob die drei Millionen und die Flotte so schnell flott werden, wie die Rechnung in Aussicht stellt.
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Frankfurt, 9. Juni, 21/2 Uhr.
Die Nationalversammlung hat so eben folgenden Beschluß gefaßt: „Die deutsche Nationalversammlung erklärt, daß die schleswigsche Sache, als eine Angelegenheit der deutschen Nation, zu dem Bereich ihrer Wirksamkeit gehört, und verlangt, daß energische Maßregeln getroffen werden, um den Krieg zu Ende zu führen, daß aber bei dem Abschluß des Friedens mit Dänemark das Recht der Herzogthümer Schleswig und Holstein und die Ehre Deutschlands gewahrt werde.“ Ueber den beantragten Zusatz: „und daß der abgeschlossene Friede der Nationalversammlung zur Genehmigung vorgelegt werde,“ ist in diesem Augenblick noch nicht abgestimmt.
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[7]Berlin, 8. Juni.
Mitten in einer Debatte über den Verfassungsentwurf, ob der von dem Ministerium vorgelegte zur Grundlage genommen werden solle oder nicht, erschien heut der Prinz von Preußen in der Vereinbarungs-Versammlung. Einige Mitglieder der Rechten erhoben sich; von allen Seiten hören wir aber sogleich die Stimmen: Sitzen bleiben! Sitzen bleiben! Der Präsident Milde gibt dem Prinzen als Abgeordneten des Wirsitzer Kreises in einer persönlichen Angelegenheit das Wort. Derselbe besteigt die Tribune und hält, wir möchten sagen, eine Thronrede: „Vermöge der auf mich gefallenen Wahl, bin ich berechtigt, in Ihrer Mitte zu erscheinen; bereits gestern würde ich hierher geeilt sein, wenn es nicht ein Tag unauslöschlicher Trauer gewesen wäre, der mich im Schooße meiner Familie zurückhielt. Heute bin ich hierher geeilt, um zuerst meinen Dank auszusprechen für das Vertrauen, welches mich hierhergeführt, dann aber Sie, meine Herren, welche aus allen Ständen des Velkes, aus allen Provinzen und allen Klassen hier vereinigt sind, herzlich willkommen zu heißen. Nicht Preußen allein, sondern die Welt sieht auf unsere Versammlung!!: wir sollen das Verfassungswerk mit unserem Könige vereinbaren, welches für lange Zeit die Schicksale der preußischen Nation und ihrer Könige feststellen wird. Welch hoher Beruf! Aber je höher dieser Beruf, je heiliger muß der Geist und die Gesinnung sein, welche unsere Berathungen leiten werden. Die konstitutionelle Monarchie ist die Regierungsform, welche der König uns vorgezeichnet hat; dieser werde ich alle meine Kräfte weihen, wie ich dieselben den früheren Verhältnissen stets gewidmet habe. Mein Charakter liegt Ihnen offen vor, alle meine Kräfte sind dem Heile des Vaterlandes geweiht gewesen. So stehe ich jetzt wieder in Ihrer Mitte, um mitzuwirken, daß die uns gestellte Aufgabe zu einem glücklichen Ziele geleitet werde.“ Der Prinz fordert den Präsidenten auf, da seine anderweitigen Geschäfte es ihm nicht gestatten, regelmäßig den Versammlungen beizuwohnen, seiner Stellvertreter einzuberufen. Er schließt seine Rede dann mit den Phrase: „Uns alle aber, meine Herren, leitet den Ruf und Wahlspruch der Preußen, der sich so oft bewährt hat: Mit Gott für König und Vaterland!“ Der Prinz scheint ein Hurrah zu erwarten. Einzelne Stimmen erheben sich auf der Rechten, werden aber sogleich durch das Zischen von verschiedenen Seiten erdrückt. Der Prinz verläßt die Versammlung und wird auf der Straße von einigen, wahrscheinlich bestellten Leuten mit Hurrah empfangen; dies zieht sogleich die Vorübergehenden und die im Kastanienwalde sich aufhaltende Menge herbei, die ihm durch Pfeifen und Zischen ihre Sympathien zu erkennen gibt. Seine Kalesche fliegt davon. ‒ Der Abgeordnete d'Ester besteigt, nachdem der Prinz den Saal verlassen, die Tribüne und knüpft wieder an die über den Verfassungsentwurf abgebrochene Debatte an. Der Präsident Milde hatte nämlich beantragt: die Abtheilungen möchten den Titel II des vorgelegten Entwurfs zuerst berathen, wurde aber vom Abgeordneten Temme darauf hingewiesen, daß es eben noch ganz ungewiß sei, ob nicht ein neuer Entwurf als Grundlage für die Berathungen verfaßt werden würde. D'Ester will also die Frage gestellt wissen: ob die Versammlung den vom Ministerium vorgelegten Entwurf beibehalten wolle oder nicht. Der Präsident zog, nachdem noch einige Redner gegen seinen Antrag gesprochen, denselben zurück. Darauf wieder ein in unserer Vereinbarungs-Versammlung ganz gewöhnlicher Vorfall. Der Abgeordnete Ruhr klagt den Präsidenten an, er habe einige Petitionen, die er ihn an die Versammlung zu vertheilen bat, zurückgewiesen. Es entsteht daraus ein fürchterlicher Lärm, bei dem sich besonders wie immer Hr. v. Wangenheim, Abg. aus Saatzig, der sich nur auf die linke Seite gesetzt zu haben scheint, um dort Skandal zu machen, ganz besonders auszeichnet. Endlich wird wieder die Ruhe hergestellt und man geht zur Tagesordnung über. Berends aus Berlin hat das Wort. Er stellt den Antrag: Die Versammlung soll ein Anerkennung der Revolution zu Protokoll erklären, daß die Kämpfer des 18. und 19. März sich um das Vaterland verdient gemacht haben. Der Antrag wird sehr zahlreich unterstützt und Herr Berends entwickelt denselben. Er opponirt gegen die Ansicht des Ministerpräsidenten, daß die neue Verfassung des Staates an die alte angeknüpft werden müsse. Hierin liege die Meinung, daß eine wirkliche Revolution nicht stattgefunden habe, daß sie nicht nöthig gewesen sei, ferner daß die Rechte des Volkes vom Könige bewilligt oder vom vereinigten Landtage ausgegangen sind. Der Redner erinnert hierauf an die Bewegung, welche durch ganz Preußen, durch ganz Deutschland zitterte, daß der Kampf nicht überflüssig gewesen, weil erstlich nicht Alles bewilligt, zweitens die Verheißungen dem Volke keine Garantien gewesen. Die Garantien für die Unverletzlichkeit der Volksrechte hat dasselbe sich erobert, indem es am 19. März die Bürgerbewaffnung durchsetzte. Der Kampf war eine gewaltige Katastrophe und erst durch diese Katastrophe ist die Umgestaltung des Staatslebens zur wirklichen Wahrheit geworden. Deßhalb fordert der Redner, daß die Kämpfer vom 18. und 19. März sich um das Vaterland verdient gemacht haben. Wir müssen hier bemerken, daß die Versammlung zu unserem Erstaunen nach dem Vortrage eines Abgeordneten der Linken, dem ein sehr lebhafter Beifall zu Theil wurde, heute zum Erstenmal eine sehr ernste, parlamentarische, der Frage angemessene Haltung annahm. Diese behielt sie bis zum Schluß der Sitzung. Herr Reygers stellt einen Antrag auf Tagesordnung. Er findet keine Unterstützung. Wir haben dieses Resultat sicher unserer Sonntagsdemonstration zuzuschreiben. Ein sehr breites, konfuses Amendement des Abg. Brehmer wird gleich verworfen. Der Abg. Schultze will einen Zusatz, wonach auch das Berliner Volk wegen seiner Haltung nach dem Kampfe eine Anerkennung erhalten sollte. Es erhebt sich hierauf eine sehr interessante Debatte, an welcher sich auch die Minister betheiligen. Camphausen fürchtet, daß die Annahme des Antrages zu neuen Unruhen anstatt zur Versöhnung führen könnte. Er sieht in der Form des Antrages eine Nachahmung ähnlicher Anträge, die in der englischen und französischen Revolution gestellt worden, in Revolutionen, die nothwendig zur Diktatur führen müßten. Er protestirt dagegen im Namen des Volkes von Berlin, unter dessen Schutz sich der König gestellt. Er will also eine andere Form für den Antrag. Hansemann möchte ihn bis morgen vertagen. Die Minister, die die Versammlung für den Antrag geneigt sahen, bekamen entschieden Angst und Herr Schwerin äußert unverhohlen, er werde ja nach der Abstimmung wissen, was er zu thun habe. Es scheint uns jetzt ziemlich sicher, daß das Kabinet in seiner jetzigen Zusammensetzung nicht lange bestehen wird. Für den Antrag haben mit gutem Erfolge Jacoby, Reichenbach, Schulz aus Wanzleben, v. Berg und Stein gesprochen. Die Debatte wird in der morgigen Sitzung wieder aufgenommen. Es steht ziemlich fest, daß die demokratische Partei hier den ersten Sieg erringen wird, denn die Rechte ist zu feig, ein historisches Faktum, die Revolution gradezu zu läugnen. Die Linke wird, wenn es nöthig wäre, auf namentliche Abstimmung dringen.
Morgen Abend bringen die Studenten und der Handwerkerverein dem französischen Gesandten ein Ständchen.
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@facs0048
Breslau, 31. Mai.
Wie fast überall, so hatte auch hier in der letzten Zeit die Energie des Bürgerthums sehr nachgelassen. Die schwankenden Zustände, die Lähmung des Handels und der Gewerbe, die fortdauernden Störungen der Ruhe, das Wachestehen, Patroulliren etc., hatte nach und nach entmuthigend auf sehr viele Bürger gewirkt. Und da in dieser Zeit der demokratische Verein in Breslau ausschließlich seine entschlossene Haltung behielt, so begannen auch von Seiten des Breslauer Bürgerthums offene und geheime Angriffe gegen ihn. Die Bekanntmachung des neuen Verfassungsentwurfs und die Adressen des Militärs an den demokratischen Verein in Breslau, welche dieser in Folge eines Aufrufs an die Soldaten, gegen den das Associations- und Petitionsrecht beschränkenden Ministererlaß zu protestiren, veranlaßte, haben die demokratische Partei Schlesiens wesentlich verstärkt. Den reaktionären Erklärungen gegenüber verdient die von Soldaten des zehnten Infanterieregiments und namentlich die von 1145 Landwehrmännern besondere Aufmerksamkeit. Letztere sagen u. A.: „Wir werden denen nicht folgen, welche gern die alten knechtischen Zustände herbeiführen möchten, unter denen ihnen so wohl war. Wir haben auch dem Könige den Soldateneid geschworen; aber wir müßten keinen Funken von Ehrlichkeit, von Bewußtsein unserer Menschenwürde, von Bruderliebe haben, wir müßten uns im Zustande eines russischen Kosakenthums und der Knute befinden, wenn wir über diesem Eide die heiligen Pflichten gegen unsere Brüder, das Volk, oder, was dasselbe ist, gegen das Vaterland, vergessen sollten, die uns unsere jetzige Zeit mit Flammenschrift vor die Augen hält. Die Pflichten aber, welche wir jetzt gegen das Volk zu erfüllen haben, sind die Erhaltung und Sicherung seiner heiligen Rechte; nur dadurch hoffen wir zugleich die Stütze des Thrones zu sein. Wir bilden uns aber nicht thörichter und lächerlicher Weise ein, daß wir allein die Stützen des Thrones ohne das Volk sein könnten, wir kennen auch keinen Thron und Staat ohne das Volk. Wir Landwehrmänner sind nicht noch um 100 Jahre zurück und daher so bornirt und unwissend, daß wir nicht begreifen sollten, wir selbst seien ein Theil des Volkes, mit dem wir stehen und fallen. Daher betrachten wir auch diejenigen als unsere Feinde, welche die heiligen Rechte des Volkes und dadurch zugleich die des Königs angreifen oder auf Schrauben stellen wollen, u. s. w.“ Gegen jene Feinde, bemerken sie schließlich, würden sie eben so heldenmüthig kämpfen, als ihre Landwehrbrüder 1813, 1814 und 1815 dies gethan.
[(O.-P.-A.-Z.)]
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@facs0048
Breslau. 4. Juni.
Die mobile reitende Kompagnie ist aus der Gegend von Glatz heute hier eingerückt. Die beiden mobilen Fußbatterien Nr. 26 und 27 verlassen dagegen Breslau und werden in die nächste Umgegend verlegt. Auch, heißt es, sollen das 5. und 6. Husarenregiment in die Umgebungen der Stadt rücken, so wie auch ein Landwehrbataillon aus Oberschlesien. Es sind in dieser Truppen-Umzingelung alle Anzeichen vorhanden, daß ein großer Hand- [0049] streich von der Reaktion vorbereitet wird. Aber wir verlassen uns auf die Entschiedenheit und den Muth der Breslauer Demokraten.
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@facs0049
Weimar, 7. Juni.
Kaum, daß der Bankrutt der Lederhandlung des Benjamin König, eines weithin ausgebreiteten Geschäfts, die größte Sensation hervorgerufen, so hat nun auch, durch die Zeitumstände gedrängt, das Haus Müller und Dönigus, man sagt, mit 40,000 Thalern sich als fallit erklären müssen.
[(F. J.)]
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@facs0049
Wien, 4. Juni.
Das Kriegsministerium findet sich aufgefordert, hiermit auf das Bestimmteste zu erklären, daß ihm von einer Anhäufung von Truppen, in der Gegend von Lundenburg, noch sonst in der Umgegend Wiens, nicht das Mindeste bekannt sei. Die vorstehende Erklärung des Kriegsministeriums wird hoffentlich die aufgeregten Gemüther beruhigen und auch das Ihrige beitragen, die allgemein verbreitete Furcht vor einer auf Morgen angesagten Arbeiterdemonstration zu beseitigen.
[(Oestr. Z.)]
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@facs0049
Wien, 5. Juni.
Der neue Stadtrath hat zur Lösung der Arbeiterfrage eine besondere Kommission niedergesetzt. Dieselbe hat bereits die Resultate ihrer Sitzungen dem Ministerium vorgelegt und beantragt, daß nachstehende Bauunternehmungen sogleich in Angriff genommen werden : 1) Bau der Eisenbahn bei Sömring, (ein Berg, der bisher die Bahnverbindung mit Steyermark unmöglich machte) mit Umgehung von einem Umfang von 10 Meilen, wobei eine Steigung von 1‒50 stattfinden wird. 2) Der definitive Bau des letzt projektirten großen Donauhafens der Brigittenau bei Wien. 3) Ein kleiner Hafen im Donaukanal bei der Rasumovskybrücke innerhalb der Stadt. 4) Eine Circumvallations-Straße, vor den Linien um die Stadt herum, die bisher, merkwürdig genug fehlt. Diese großartige Unternehmung, die eine große Zahl von Arbeitern auf Jahre hinaus beschäftigen kann, und zu der die Pläne jahrelang vorbereitet waren, wurden an einem Tage definitiv beschlossen. Der Drang der Umstände zwingt unser Ministerium zu handeln, und jenes Aufschiebungssystem der metternich'schen Regierung, das Oesterreich zu solcher Stagnation verdammte, fahren zu lassen. ‒ Die beiden Reactionäre Montecuculi und Graf Brenner sind aus Linz verwiesen worden. ‒ In Pesth ist bereits sowohl von Seite des Militärs als der Nationalgarde der Eid auf die Constitution geleistet worden. ‒ Bei der akademischen Legion bildet sich eine „Todtenlegion“, die es sich zur Pflicht macht, bei großen Gefahren an die Spitze sich zu stellen. ‒ Einem Gerüchte zufolge soll in Hernals bei Wien Militär zum Einrücken in die Stadt in Bereit-Bereitschaft seyn. Die Stadt ist ruhig.
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@facs0049
Wien, 5. Juni.
Die Befürchtung wegen Ruhestörungen durch die Arbeiter war gestern und heute groß. Es hieß, sie hätten es auf Plünderung und Aufhebung der Klöster abgesehen gehabt. Auf Ermahnung des Bürgerausschusses und der Studirenden sind sie jedoch heute zu ihrer Arbeit wieder zurückgekehrt. Eine Art Ehrengericht ist unter ihnen veranlaßt worden, um die Excesse Einzelner zu brandmarken. Magistrat und Regierung thun aber auch das Möglichste, um dieser Klasse Bevölkerung unter die Arme zu greifen. Ueber 14,000 Arbeiter sind bei öffentlichen Bauten beschäftigt, und die wöchentlichen Ausgaben dafür belaufen sich auf gegen 50,000 Fl. C.-M. ‒ Eine seit gestern hier allgemein sich verbreitende Sage, der Kaiser und der Thronfolger, Erzherzog Franz Karl, würden zu Gunsten des ältesten Prinzen des letzteren, Erzherzog Franz Joseph , abdiciren und Erzherzog Johann in die Mitregentschaft treten, verdient keinen Glauben. Gewiß ist es, daß der Reichstag in Wien abgehalten und der Kaiser sich vorerst nach Persenbrug (nächst Moll) auf seine Familienherrschaften begeben wird. ‒ Die Zusammensetzung des Ministeriums Wessenberg ist entschieden.
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@facs0049
Edition: [Friedrich Engels: Erklärung des österreichischen Kriegsministeriums. In: MEGA2 I/7. S. 102.]
Innsbruck,4. Juni.
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Italien.
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@facs0049
Edition: [Friedrich Engels: Die Niederlage der Österreicher bei Peschiera. In: MEGA2 I/7. S. 104.]
[*]
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@facs0049
Edition: [Friedrich Engels: Die Niederlage der Österreicher bei Peschiera. In: MEGA2 I/7. S. 104.]
Verona, 4. Juni.
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@facs0049
Edition: [Friedrich Engels: Die Niederlage der Österreicher bei Peschiera. In: MEGA2 I/7. S. 104.]
Verona, 4. Juni.
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@facs0049
Mailand, 4. Juni.
Das amtliche Bülletin vom 3. d. stellt eine neue entscheidende Schlacht in nahe Aussicht. Die Oesterreicher haben sich in verschiedenen Dörfern vor Mantna aufgestellt und das piemontesische Heer schicke sich zu neuem Kampfe an. Es giebt den Verlust der Oesterreicher in den verschiedenen Gefechten vom 30. Mai auf etwa 1500 Todte und Verwundete und den der Italiener auf etwa 600 an. Unter den am 29. Mai gefallenen Toscanern zählt man zwei Professoren, die mit den Studenten von Pisa ausgezogen waren; zwei andere Professoren sind verwundet.
Ein Privatbrief vom 4. Bestätigt es, daß eine Hauptschlacht bevorstehe, indem die österreichische Macht sich außerhalb Mantua aufgestellt habe.
Laut einem amtlichen Bülletin vom 4. d., Nachmittags 2 Uhr, stehen beide Heere einander gegenüber, und die Schlacht wird nicht mehr lange ausbleiben, wenn die Oesterreicher sich nicht in Mantua einschließen. Die Piemontesen haben eine Front-Veränderung gemacht; ihre Linie, die gegen Verona sah, kehrt sich gegen Mantua; ihr rechter Flügel ist bis Guidizzolo ausgedehnt und der König hat sein Hauptquartier nach Volta, näher an Goito, verlegt. Die Oesterreicher hielten die Strecke von Rivalta bis Gazzoldo und Ceresara besetzt. Man erwartet die Schlacht am gleichen Tage.
[(Z. Z.)]
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@facs0049
Genua.
Man schreibt von Genua, d. d. 29. Mai der Patria von Florenz: Vorgestern, 91/2 Uhr Abends, kam der Dämpfer Mongibella von Neapel hier an. Er brachte die Neuigkeit, daß die Citadelle von Messina sich in der Gewalt des Volkes befindet, so wie Sorrent und Capua. Alle Provinzen sind agitirt. Die Insurgenten organisiren im ganzen Königreich Neapel eine Steuerverweigerung.
Französische Republik.
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@facs0049
Paris, 8. Juni.
Fast ohne Diskussion und mit sehr geringen Modifikationen hat die Nationalversammlung den Dekretentwurf über die Zusammenschaarungen votirtund zwar mit ungeheurer Majorität.
N. B. v. 7. Juni. Senard präsidirt. Auf die Interpellation Bonnet's, wann der Verfassungsentwurf zur Vorlage reif sein werde, erklärt Vaulabelle in 12 Tagen ungefähr werde das Comité ihn vorlegen. Senard: An der Tagesordnung sei der Dekretentwurf über die Zusammenschaarung, er werde nicht dulden, daß man wie gestern, die Debatte über diesen dringenden Gegenstand aufschiebe.
Camille Beranger: Der Dekretentwurf über die Zusammenschaarungen ist allerdings an der Tagesordnung; aber wie ist er darauf gekommen? Als der Entwurf, mit der Bitte, ihn für dringend zu erklären, eingebracht wurde, war die Kammer nicht vollzählig. Der Präsident erklärte, man würde einstweilen die Erklärung der Dringlichkeit voraussetzen, das heißt, denEntwurf drucken lassen und vertheilen; am andern Tage könne die Versammlung über die Frage der Dringlichkeit entscheiden. Der Dekretentwurf ist also noch nicht definitiv an der Tagesordnung. Es existirt durchaus keine Dringlichkeit, gegen unbewaffnete Zusammenschaarungen Gesetze zu machen.
Die Nationalversammlung erklärt sich für die Dringlichkeit. Die Diskussion beginnt.
Pelletier. Der Dekretentwurf, den man Euch vorlegt, ist ein dem Gesetzbuch Dracos entrissenes Blatt. (Murren.) Es wäre Karls IX. würdig, man schlägt Euch vor, die Republik umzubringen, und es sind ihre verzogene Kinder, die Euch das Messer präsentiren. (Gelächter und Murren). Nach dem Entwurf genügt es, daß die Polizei einen ihrer elenden Agenten bewaffnet in eine öffentliche Versammlung schickt, um aus harmlosen Bürgern Verbrecher zu machen. Man muß begreifen, daß das Volk, seitdem es von allen Seiten hört, der Prinz von Joinville halte sich in Paris auf, seitdem die Reaktion sich organisirt, sich versammelt um zu wachen. (Allons donc! Allons donc! ertönte es von allen Seiten, die äußersten Linke ausgenommen). Statt Gesetze gegen die Zusammenschaarungen zu machen, wäre es besser, die Umtriebe der Feinde der Republik zu überwachen.
St. Romme: Statt dieses drakonischen Dekretentwurfs hätte das Ministerium Paris unter den Schutz municipaler Institutionen stellen sollen, die in diesem Augenblicke nicht existiren. Laßt die Maires, Adjunkte und Municipalräthe durch das Volk ernnenen. Stellt den Kredit her, statt grausame Gesetze zu machen. Die Arbeit existirt nur durch den Credit. (Beifall auf der äußersten Linken).
Bertholon: Dieß Gesetz würde das Vereinigungsrecht anulliren. Sarrut: In dem Arsenal der französischen Gesetzgebung kann man für die Bedürfnisse des Augenblicks hinreichende Waffen finden. Ich trage an, den Vorschlag an eine Kommission zur Umarbeitung zurückzuweisen.
Mornay: Ich bin erstaunt, daß bei einer solchen Frage die Regierung die uns den Entwurf vorgelegt, stumm bleibt.
Marie: (Mit grotesker Prätention auf Guizot'sche Würde.) Die republikanische Regierungsform muß vor allem der Ordnung Garantien bieten. Die alten Gesetze sind härter, als der Ihnen vorgelegte Entwurf. Wir wollten nicht auf sie zurück gehen, wir wollten von dieser Versammlung, dem Product des allgemeinen Wahlrechts, republikanische Gesetze erhalten. Diese Gesetze beschützen die Freiheiten, alle Freiheiten, in erster Linie das Recht der Vereinigung; aber sie beschützen vor allem (also vor der ersten Schlachtlinie der Freiheiten,) die öffentliche Ordnung, ohne welche die Freiheiten nicht existiren würden. (Sehr gut! Sehr gut!) Wir legen ihnen kein Gelegenheitsgesetz vor, sondern ein reglementarisches Gesetz: aber gegenüber den Agitationen, die jeden Abend die öffentlichen Plätze durchwühlen, die Nationalgarde ermüden und die Armee, gegenuber dem aufrührerischen Geschrei, welches die Wiederherstellung des öffentlichen Credits verhindert, haben wir ganz besonders die Nothwendigkeit der Maßregeln, die wir vorgeschlagen, begreifen müssen. Wir haben sie ernst durchdacht, und sind von ihrer Nothwendigkeit überzeugt. Ich habe genug über das Ganze des Entwurfs gesagt, um seine Dringlichkeit nachzuweisen. Ich fordere die Versammlung auf, zur Deliberation der einzelnen Artikel zu übergehen.
Die Versammlung beschließt die Debatte der einzelnen Artikel. Nach Verwerfung des vorgeschlagenen Amendements wird der erste Artikel angenommen und so fuccessiv ein Artikel nach dem andern. Nur Artikel zwei wird verworfen. Er lautet: „Die bewaffnete Zusammenschaarung konstituirt ein Verbrechen, wenn sie nicht auf die erste Sommation sich auflöst. Sie konstituirt kein Verbrechen, wenn sie nicht auf die erste Sommation ohne Widerstand sich auflöst,“ Die Sitzung wird aufgehoben und die Herrn Repräsentanten verfügen sich in die respektiven Speiselokale, mit dem Selbstbewußtsein, das organische Grundgesetz der neuen Republik geschaffen zu haben.
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@facs0049
Paris, 8. Juni.
Von Paris mit Ausschluß der mobilen Garde und der Banlieue sind gewählt: Caussidiére mit 117,955 Stimmen, Moreau mit 94,910, Goudchaux mit 81329, Pierre Leroux mit 74,041, Changarnier mit 71,914, Thiers mit 71,287, Proudhon mit 63,844, Lagrange mit 62,411, Victor Hugo mit 61,032, Thoré mit 60,363, Boisel mit 59,624 Stimmen. Raspail hatte 59,250, Kersausie 57,248, Girardin 55,191, Cabet 53,638, Louis Bonaparte 51,954, Horace Say 44,538.
‒ Der ehrwürdige Constitutionnel, der unendliche Artikel gegen Guizot schleuderte, weil er die Reformbankets schließlich untersagte, denuncirt das beabsichtigte Arbeiterbanket, droht mit Befreiung von Barbès u. s. w. und placirt bei dieser Gelegenheit alle Auseinandersetzungen, die das Journal des Debats von wegen des Reform-Bankets ihm zu Gut kommen ließ.
‒ Die Regierung, aus Furcht, das Arbeiterbanket möge Barbès Befreiung herbeiführen, hat den Gouverneur von Vincennes abberufen und ihm den General Perrot zum Nachfolger gegeben. Dieser Perrot, meldet die Commune de Paris ist derselbe, der am 24. Februar Feuer kommandirte am Hôtel des Capucines.
‒ Der Representant du Peuple denuncirt mehre Wahlintriguen. Man hat z.B. die Stimmzettel für Thoré (Redakteur der Vraie République), Thoré Louis und Thoré ohne Zusatz gesondert und als Wahl von 3 verschiedenen Kandidaten behandelt. Ebenso die Stimmzettel für Lagrange von Lyon, Charles Lagrange und Lagrange ohne Zusatz. Bei den konservativen Kandidaten fand diese Sonderung nicht Statt. Viele Wähler haben ihren Protest gegen diese Intriguen in das Wahlprotokoll aufnehmen lassen.
‒ Bethmont ist an die Stelle von Cremieur zum Justizminister ernannt worden.
‒ Das Comité des großen Arbeiterbankets zeigt an, daß es Tag und Ort des Bankets noch nicht bestimmen könne.
‒ Nach der Reforme hat sich der Herzog von Bordeaux während drei Wochen nach der Februarrevolution in Paris aufgehalten. Eines Abends, als die Polizei das Hotel umzingelte, worin der Prinz hauste, huldigte er unfreiwillig dem Prinzip der Gleichheit, indem er in Bediententracht entwischte. Da der junge Repräsentant des Prinzips der Erblichkeit physisch sich nicht in der Lage befindet, für Erben zu sorgen, soll er den Grafen von Paris adoptiren, dem man als Gattin die Herzogin von Lucca bestimmt, die Nichte seines Adoptivvaters.
‒ Die Contrerevolutionäre beabsichtigen ein neues Organ herauszugeben, unter dessen Redakteure die Herren Léonce v. Lavergue, Gènie (der ehemalige Leibsekretär Guizots) und Mallac figuriren. Einstweilen herrscht noch Uneinigkeit unter den Ehrenmännern. Aumale oder Joinville? Die einen finden den ersten zu aristokratisch, die andern den zweiten zu revolutionär.
Großbritannien.
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@facs0049
[*]London, 8. Juni.
Lord Brougham, der Mann mit der großen rothen Nase und mit den karirten Hosen, der bei jeder dreistündigen Rede im Oberhause auch seine drei Flaschen Brandy und Wasser trinkt, der für die sechstausend Pfund Pension, welche er seit einer Reihe von Jahren bezieht, seine Landsleute, ja die halbe Welt, abwechselnd zu staunender Bewunderung und zu noch viel erstaunlicherm Gelächter hinreißt, der nicht zufrieden mit der Freundschaft eines Louis Philipp, auch noch nach der Ehre eines französischen Citoyen die Hand ausstreckt, der auf Kommando, in Zeit von einer halben Stunde nicht nur einen Vortrag über die Politik des letzten asiatischen Fürsten, sondern auch eine Rede über die gesellschaftlichen Zustände des kleinsten schottischen Dorfes halten würde, kurz, der Alles kann uns der Alles weiß, nur nicht das, worauf er sich gerade am allermeisten zu gute thut, das Rechtswesen nämlich, Lord Brougham, dieser „räsonirende Advokat“, wie ihn neulich Jemand nannte, er erhob sich natürlich auch von seiner Bank, als man am vorigen Dienstag abermals die Sache der afrikanischen Sklaven vor das arme, schläfrige Oberhaus brachte.
Die Sklavengeschichte ist von jeher ein Lieblingsthema Lord Henry's gewesen. Punch behauptete einst, Lord Brougham schwärme wahrhaft für die Schwarzen; er habe sich Bibel und Gesangbuch in die Haut eines Negers binden lassen . . . . . vortrefflicher Lord Henry!
„Es ist meine feste Meinung, sagte Lord Brougham am vorigen Dienstag, daß das Hinüberführen freier afrikanischer Neger nach den britisch-westindischen Kolonien, wenn es in irgend einer Ausdehnung geschieht ‒ und wenn es irgend etwas helfen soll, so müßte es doch auf großem Fuße geschehen ‒ schließlich wieder nur in den alten afrikanischen Sklavenhandel ausarten wird. Ich protestire daher auf's feierlichste gegen jeden Plan dieser Sklaveneinwanderung!“
Die kühne Behauptung und der energische Protest des edlen Lords sind gleich interessant. Wir wissen, wie sehr die ostindischen Kolonien heruntergekommen sind, wie sich namentlich seit der Aenderung der Zuckerzölle und seit der dadurch gefährlich gewordenen Konkurrenz der holländischen und brasilianischen Exporteure, die Lage der britischen Kolonien verschlechtert hat, wie der Werth des Bodens gesunken und wie bei den verwickelten Geldverhältnissen, fast die sämmtlichen ersten mit Mauritius in Verbindung stehenden Londoner Häuser in den zwei letzten Jahren ihrem Untergange entgegengegangen sind.
Die Protektionisten schoben alles den Freihandelsmännern in die Schuhe; die letztern klagten wieder die erstern an und nachdem man sich Tage und Wochen lang über das für und wider gestritten hatte, machten die Freihandelsmänner unter ihren Maßregeln auch vor allen Dingen geltend, daß eine regelrechte Einfuhr freier Sklaven nach den der Arbeiter bedürfenden Kolonien eingerichtet werde.
Wie wir sehen hat Lord Brougham dagegen protestirt. Es ist dies der Protest eines sogenannten philantropischen Tory gegen die handelsselige Politik der radikalen Whigs. „Entweder muß Herr Bright seine Hand in die Tasche stecken, oder Lord Brougham seine Augen bei einer Ladung Schwarzer zudrücken!“ ruft die Times aus, und trotz aller ihrer Moralität, trotz aller Philantropie, meint sie sich der letzteren Alternative zuneigen zu müssen, da am Ende die schwarzen „Ouvriers“ jetzt fast eine eben so angenehme und würdige Existenz führten, wie einige weißere Exemplare dieser Klasse. Wunderbare Welt! Die Moralität der Engländer richtet sich nach ihrem Handel; sie steigt und fällt mit dem Steigen und Fallen der Preise des Zuckers, der Baumwolle, kurz aller Artikel.
Die große Sklaven-Emanzipations-Komödie, welche Europa seiner Zeit so gewaltig in Erstaunen setzte, sie wird sehr wahrscheinlich damit enden, daß sich der todte Wilberforce noch im Grabe herumdreht.
‒ Die Chartisten-Führer Ernest Jones, John Fussel, Joseph Williams, Alexander Sharpe und Richard Vernon, gegen welche Verhaftsbefehle erlassen worden waren, sind sämmtlich arretirt.
Nachdem sie durch Hru. Henry verhört waren, brachte man sie nach Newgate, indem Jedem die Summe der zu einstweiligen Befreiung nöthigen Bürgschaft festgesetzt wurde. Herrn Ernest Jones, barrister-at-law, verhörte man gleich nach seiner Ankunft von Manchester und verlangte von ihm, da er ein besser erzogener Mann sei, als seine Mitschuldigen, eine Bürgschaft von zusammen 1000 Pfund Sterling.
Die Anklage gegen die Verhafteten lautet auf „böses, maliziöses und verführendes Reden und das Vorbringen scandalöser Worte gegen die Königin und das Gouvernement.“
Die Arrestation dieser Chartisten hat enorme Aufregung unter dem Volke hervorgebracht; Versammlungen werden an allen Orten gehalten und da für die Pfingsttage mehrere Monster - Meetings angekündigt sind, so muß man sich auf das Schlimmste gefaßt machen.
Ernest Jones ist ungefähr 27 Jahre alt, von mittlerer Größe und stark und kräftig gebaut. Seine Haare sind blond; seine [0050] Augen blau; sein Teint außerordentlich rein und weiß. Er ist Jurist und studirte auch in Göttingen eine Zeit lang, so daß er eben so gut deutsch als englisch spricht. Mit George Julian Harney steht Jones an der Spitze der revolutionären Partei in England; er ist Mitglied des Chartisten-Comite's; seine Poesien sind jedem Briten bekannt; am meisten zeichnet er sich aber durch seine hinreißende Beredsamkeit aus. O'Connor nannte ihn den Demosthenes der Partei.
‒ Im Unterhause wurden gestern Sachen von weniger Bedeutung verhandelt. Eine Debatte über die Jagdgesetze nahm fast den ganzen Abend fort und endete damit, daß eine Motion des Hrn. Drummond mit 90 gegen 11 Stimmen verworfen wurde.
‒ In Dublin geriethen die Repealer mit der Polizei in Konflikt. Die Einigung der Alt- und Jung-Irländer machte gute Fortschritte.
‒ Im Oberhause legte Lord Brougham gestern bei Gelegenheit der Tobago Relief Bill seine Entrüstung wegen des Sclavenhandels an den Tag und versicherte, daß er nach einer fünfzigjährigen Erfahrung seine Meinung nur dahin aussprechen könne, daß ein Plan für den ausgedehnteren Import von Afrikanern nach den britischen Kolonieen doch schließlich nur in afrikanischen Sclavenhandel ausarten würde.
‒ Das Programm der jetzt beginnenden Ascot-Rennen ist außerordentlich reichhaltig. Man befürchtet aber, daß das diesjährige Fest nicht so glänzend sein wird, da die Königin demselben nicht beiwohnen kann und die schlimmen Zeiten manche Leute zu Hause halten.
‒ Dubliner Briefen vom 8. Juni zufolge werden sich die Jung- und die Alt-Irländer vereinigen, so daß dann Hr. Smith O'Brien und Hr. John O'Connell wieder Hand in Hand gingen.
‒ 8. Juni 3 Uhr. Konsols 84 3/8.
Afrika.
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@facs0050
Algier, 30. Mai.
Der algierische Moniteur vom 30. Mai bringt folgende Neuigkeiten : Die Unterwerfung der Flittas ging nicht so leicht vor sich, als wir vorhersagen zu können glaubten. Den 16. zu Melaab-Mlta-Cheurfa angelangt, fand der General Pelettier die Insurgenten keineswegs in friedlicher Disposition. Den 17. Morgens ließ er durch 6 kleine Kolonnen, gebildet aus seinen eigenen Truppen und denen des Oberst Maissiat, das ganze unentwirrbar geglaubte Terrain besetzen, welches beide Ufer des Cued-Menasta begrenzt oberhalb des Punkts, wo er den Namen Ojuddiouia annimmt. Die Kavallerie und die arabischen Goums bewachten alle Ausgänge und ergriffen alles, was zu fliehen versuchte. Die fanatischen Bergbewohner merkten, daß die Abgründe und Waldungen, auf die sie sich bis dahin zu sehr verlassen hatten, sie nicht retten würden. Nach einem sehr lebhaften Treffen, worin 80 bis 90 ihrer Leute kampfunfähig gemacht und mehr als 50 nebst einer großen Zahl Hammelherden in die Hand des Generals gefallen waren, versuchten sie keinen längern Widerstand. Nach einem Waffenstillstand von 48 Stunden gingen sie auf alle ihnen gemachte Bedingungen ein. Die Provinz Oran ist jetzt vollständig ruhig und unterworfen. ‒ In Folge eines Zwistes mit seinen Onkeln hat Boulaskas-ben-Azzedin seine Familie verlassen, um Milah bewohnen zu kommen. Seine Flucht ist ein glückliches Ereigniß. Im günstigen Augenblick wird man ihn an die Spitze der Zouagha stellen, wo er, Dank dem Anhang, den er schon unter den Bewohnern der Gebirge hat, den Einfluß seiner Onkel wird paralysiren können. ‒ In dem Kreis von Biskara beschäftigt man sich jeden Tag mehr damit, die nomadischen Hirten der Sahara in Ackerbauer zu verwandeln. ‒ Der Flecken Oid, der commerziellste und reichste der Oasis von Souf, hat eine Deputation nach Biskara geschickt, um den Franzosen die Unterwerfung des Landes anzubieten. Es ist darauf Befehl gegeben worden, allen Karavanen von Oid freien Zutritt zu den Märkten von Ziban zu gewähren. ‒ Die Hamians-Gharabas, die einen Augenblick das algierische Gebiet verlassen hatten, um sich nach Maroko zu flüchten, sind von den Marokanern angegriffen und gezwungen worden, die algierische Gränze wieder zu überschreiten. Dieser Tribus hat darauf von den Franzosen die Autorisation verlangt, sich in Ras-el-Ma (der Beni-Matar) niederzulassen. Als Beweis der Unterwerfung haben sie angefangen, ihre Steuern zahlen und 400 Schaafe sind schon nach Tlemence transportirt worden.
Neueste Nachrichten.
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@facs0050
Privatnachrichten zufolge ist in London die Revolution ausgebrochen.
(Hierzu eine Beilage.
[Anzeigen]
@typejAn
@facs0050
Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
7. Juni. Joh. Wilh., S. v. Gottfr. Eckertz, Gymnasiallehrer, Waiseng. ‒ Herm. Hubert, S. v. Paul Maaß, Steinhauer, Thieboldsg. ‒ Anna Maria, T. v. Math. Schneider, Handlungsdiener, Casinostr. ‒ Christina, T. v. Peter Büstorf, Taglöhner, Altengraben. ‒ Joh. Jos., S. von Joh. Adam Radermacher, Schuster, Thürmchenswall. ‒ Wilh., S. v. Friedr. Ludw. Beyerlein, Reg.-Assist., Mariengarteng. ‒ Franziska Augusta, T. v. Arn. Gröbbels, Tapezierer, Weiherstr. ‒ Friedr. Wilh., S. v. Joh. Heinr. Wollbrinck, Sergeant im 25. Rgt., Apostelnaltemauer. ‒ Gertrud, Tochter von Arn. Stelzmann, Tapezierer, Blaubach. ‒ Christ. Jos. Hub., S. v. Kaspar Thywissen, Kaufmann, Eigelst. ‒ Anna Maria, T. v. Peter Lemberg, Hundeg. ‒ Gertr., T. v. Herm. Latz, Schreiner, Blaubach. ‒ Peter, S. v. Joh. Jos. Schmitz, Eisenbahnbremser, Thurnmarkt. ‒ Wilh. Jos. Hub., S. v. Jos. Cornelius Drügpoth, Lampenfabrikant, Hochstr. ‒ Zwei uneheliche Knaben.
Sterbefälle.
Rosina Schöddert geb. Eckart, 65 J. alt, Zug. ‒ Jos. Reul, 3 J. 3 M. alt, Ursulapl. ‒ Ursula Seiffer geb. Linnartz, 62 J. alt, Schafenstr. ‒ Gottfr. Theod. Offermann, Metzger, 72 J. alt, verh. Breitstraße. ‒ Agnes Röhrig, 2 J. 8 M. alt, Plankg. ‒ Adolph Cramer, Maurergesell, 47 J. alt, Minoritenspital. ‒ Laur. Schaerff, Tagelöhner, 34 J. alt, unverh. Cäcilienspital.
Heirathen.
6. Juni. Pet. Hub. Beißel, Kaufm. v. Haus Dorpe und Anna Maria Müller von hier.
7. Juni. Georg Andr. v. Bossel, Bildhauer von Bremen und Susanna Elis. Rommerskirchen von hier. ‒ Joh. Müller, Packetträger von Mülheim und Christ. Bollig von hier. ‒ Heinr. Krick, Taglöhner und Anna Maria Lucia Greven, beide von hier. ‒ Joh. Peter Roth, Kutscher v. Sottenbach und Marg. Esser v. Neuwied. ‒ Peter Nipp, Schuster, Wittwer, von Ipplendorf, und Maria Christ. Niesen von Zons. ‒ Johann Heinr. Scheuer, Lederhändler, Wittwer, von Gemünd und Maria Josepha Schütz von Siegburg. ‒ Pet. Jos. Weisweiler, Schreiner, Wittwer, v. hier und Elis. Kelter v. Sürth. ‒ Peter Kloever, Taglöhner, und Christina Stump, beide von hier. ‒ Jos. Bruckers, Maurer, und Ursula Degroot, beide von hier. ‒ Joh. Hubert Cremer, Zuckerarbeiter von Spiel und Maria Katharina Schreinemacher von Hunshoven. ‒ Kaspar Brambach, Seiler von hier und Marg. Schoß von Mülheim am Rhein. ‒ Peter Joseph Denrath, Fuhrknecht v. Hermülheim und Barb. Sybertz v. hier. ‒ Gerh. Odendahl, Fruchtträger, Wittwer, und Kath. Watteler, beide von hier.
@typejAn
@facs0050
Brodpreis der Stadt Köln.
vom 11. bis zum 18. Juni.
Ein Schwarzbrod, wiegend 8 Pfund soll
kosten 4 Sgr. 10 Pf.
Köln, den 11. Juni 1848.
Königliche Polizei-Direktion.
Müller.
@typejAn
@facs0050
Schiffahrts-Anzeige. Köln, 10. Juni 1848.
Angekommen: Joh. Budberg von Duisburg.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich J. A. Orts; Nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr C. Königsfeld; nach Andernach und Neuwied A. Boecking H. Schuhmacher nach Koblenz und der Mosel und Saar L. Tillmann; nach der Mosel, nach Trier und der Saar N. Pisbach; nach Bingen J. B. Mundschenk; nach Mainz Anton Bender; nach dem Niedermain Fr. Schulz; nach dem Mittel- und Obermain C. W. Müller; nach Heilbronn Fr. Müssig; nach Kannstadt und Stuttgart Peter Kühnle; nach Worms und Mannheim M. Oberdahn.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Peer, Köln Nr. 10.
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Coesen, Köln Nr. 2.
@typejAn
@facs0050
Wasserstand.
Köln, am 10. Juni Rheinhöhe 8′ 5″.
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@facs0050
Messingene, bleierne und eiserne
Saug- und Druckpumpen werden auf jede Brunnentiefe unter Garantie angefertigt, auch findet man in meinem Lager eine große Auswahl derselben vorräthig bei Aug. Hönig,
Altenmarkt Nro. 56 in Köln.
@typejAn
@facs0050
Es wünscht Jemand sich mit Abschreiben zu beschäftigen. Weingartengasse Nr. 6.
@typejAn
@facs0050
Banner und Compagnie-Fahnen mit dem Reichsadler und Stadt-Wappen, Benennung der Compagnie oder jeder sonstigen Inschrift, in Wolle und Seide, sind zu haben bei
Gebr. Seligmann.
@typejAn
@facs0050
Dauerhafte und bequeme Komptoir-Bücher liefert zu reellen Preisen Albert Dörzapff, Hochstraße Nr. 106.
@typejAn
@facs0050
Limburger Käse bester Qualität en gros & en detail billigst bei Mich. Woocker, St. Agatha Nr. 33 an der Schildergasse.
@typejAn
@facs0050
Ein ungewöhnlich großer Stör, den wir an 3. d. M. hier gefangen haben, ist noch lebend zu sehen bei
Gebr. Wattler am Thürmchen.
@typejAn
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Einladung
zu einer Konferenz der demokratischen Vereine Deutschlands.
Der unterzeichnete Verein hat bereits an die ihm bekannten demokratischen Vereine Deutschlands ein Rundschreiben erlassen, in welchem unter Anderm auch zu einer Konferenz der sämmtlichen demokratischen Vereine aufgefordert wird. Zur Beschleunigung der Sache schlagen wir hiermit eine Zusammenkunft zu Frankfurt a/M. in der Pfingstwoche an den 14. ‒ 15. Juni vor und fordern daher alle demokratischen Vereine auf, für die Tage Abgeordnete nach Frankfurt a/M. zu senden. Letztere Stadt dürfte in mehr als einer Beziehung als der geeignetste Ort der Konferenz erscheinen.
Das Weitere werden die Abgeordneten in dem Weidenbusch, Landsberg oder Wolfseck erfahren.
Die verschiedenen Redaktionen werden gebeten, vorstehende Einladung in ihrem Blatte aufzunehmen.
Marburg, den 25. Mai 1948.
Der demokratische Verein zu Marburg.
Zur Beglaubigung:
Bayrhoffer, Präsident.
@typejAn
@facs0050
„Neue Rheinische Zeitung.“
Zufolge Beschluß der Versammlung der Aktionäre werden die zweiten 10 pCt. der Aktien vor dem 10. dieses Monats gegen Interims-Quittung eingezogen werden.
Die auswärtigen Herren Aktionäre werden höflichst ersucht, baldigst diese 10 pCt. oder 5 Thlr. per Aktie dem unterzeichneten Geranten, St. Agatha Nr. 12, per Post einzusenden, wo alsdann sofort die Zusendung der Interims-Quittung franco erfolgen wird.
Köln, 4. Juni 1848.
Der Gerant H. Korff.
@typejAn
@facs0050
Gerichtlicher Verkauf.
Am 13. Juni 1848, Vormittags 11 Uhr, sollen durch den Unterzeichneten auf dem Waidmarkte zu Köln eine Theke mit Ladengestell, 1 Ofen, Tische, Stühle, Kommoden etc. gegen baare Zahlung öffentlich meistbietend verkauft werden.
Der Gerichtsvollzieher
Simons.
@typejAn
@facs0050
Gerichtlicher Verkauf.
Am 14. Juni 1848, Vormittags 11 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Altenmarkte zu Köln, verschiedene Mobilien, als: Ofen, Tische, Stühle, 1 Ladengestell nebst Theke etc. gegen baare Zahlung öffentlich meistbietend verkaufen.
Der Gerichttsvollzieher
Simons.
@typejAn
@facs0050
Gerichtlicher Verkauf.
Am 15. Juni 1848, Vormittags 11 Uhr, sollen durch den Unterzeichneten auf dem Waidmarkte in Köln 1 Sopha, ein großer geschliffener Ofen, Tisch, Stühle, 1 Ladengestell nebst Theke etc. gegen baare Zahlung öffentlich meistbietend verkauft werden.
Der Gerichtsvollzieher
Simons.
@typejAn
@facs0050
Verkaufs-Anzeige.
Am Mittwoch den vierzehnten Juni dieses Jahres, Vormittags elf Uhr, sollen auf dem Markte zu St Aposteln in Köln, verschiedene Hausmobilien, als: Tische, Stühle, Schränke, Siegel, Kommode, ein Sopha etc. etc. gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher
Clören.
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@facs0050
Verkaufs-Anzeige.
Am Mittwoch den vierzehnten Juni dieses Jahres, Vormittags zehn Uhr, sollen auf dem Markte zu St. Aposteln in Köln, verschiedene Hausmobilien, als: Tische, Stühle, Oefen, eine Taschenuhr gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher
Clören.
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Verkaufs-Anzeige.
Mittwoch, den 14. d. Mts. Juni, Morgens 10 Uhr, werden in dem Hause Buttermarkt Nr. 20 in Köln, Oefen, Tische, Stühle, Spiegel, Küchenschränke, Lehnbänke, Kommoden etc. etc. öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung durch den unterzeichneten Gerichtsvollzieher verkauft.
Köln, den 9. Juni 1848.
gez. Gentzsch.
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Einladung
auf Dienstag den 13. Juni, Nachmittags 6 Uhr (bei Herrn A. S. Hergarten großen Griechenmarkt in der Krone), zur Berathung für sämmtliche, die noch keine Grund-, Kommunal- und Gewerbesteuer bezahlt haben.
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Belle-vue zu Neuß.
Erst-Fluß-Bäder.
Die Unterzeichneten erlauben sich, dazu aufgefordert, die von dem Gastwirthe E. Deimann hier vor zwei Jahren am sogenannten Epanchoir solid und zweckmäßig eingerichteten Bäder von verschiedener Strömung bis zur kräftigen Douche als diätetisches Mittel zur Stärkung und Abhärtung mit dem Bemerken zu empfehlen, daß ein vorschriftsmäßiger Gebrauch derselben mit und ohne anderweitere Beihülfe, ihrer Erfahrung zufolge, gegen Haut-, Muskel- und Nerven-Schwäche nebst Folgezuständen, dann gegen Unterleibsvollblütigkeit und Hämorrhoidal-Leiden, ferner gegen Hysterie, Hypochondrie und ähnliche Zustände aus erhöhter Reizbarkeit, so wie gegen chronische Rheumatismen etc. sich nützlich und heilsam erwiesen haben.
Neuß, den 20. Mai 1848.
Dr. Hellersberg. Dr. C. Rheindorf.
F. W. Rheins.
Den oben entwickelten Ansichten und Bezeugungen schließe ich mich auf den Grund der ärztlichen Erfahrung an.
Neuß, 22. Mai 1849.
(L. S.) Dr. Jaeger,
Königl. Regimentsarzt und Sanitätsrath.
Mit meinen Herren Kollegen vollkommen einverstanden, erkläre ich die oben benannten Bäder als besonders empfehlenswerth.
Neuß, 25. Mai 1848.
Dr. Hecking.
Mich auf obige Atteste der hiesigen Herren Aerzte beziehend, erlaube ich mir meine bekannte Fluß-Badanstalt dem geehrten Publikum zur geneigten Benutzung zu empfehlen.
Für prompte und reinliche Aufwartung, so wie für jede mögliche Bequemlichkeit ist bestens gesorgt.
Neuß, den 7. Juni 1848.
E. Deimann.
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Demokratische Pfeifenköpfe
zu haben bei
H. N. Brocke, Schildergasse 47.
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100,000 Stück Pfälzer Cigarren, aus einer aufgelösten Fabrik, per mille 3 Thlr., bei H. N. Brocke, Schildergasse 47.
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In kürzester Zeit wird die Kartoffel-, Gries- und Gerste-Brodbäckerei nach der neuen Blech (??) auf 3 Monaten verlegt; dies zeigt hiermit an
Lügen-Schoß,
Soorländer aus Hafer-Spanien.
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Die Eröffnung meiner Gastwirthschaft zeige ich hiermit meinen Freunden und Bekannten ergebenst an und bitte um geneigten Zuspruch. Michael Richartz,
Domhof Nr. 5.
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Bei Gelegenheit der Pfingstfeiertage und Gereons-Kirmes,
Sonntag und Montag,
Morgens von 5 bis 8 Uhr,
große
Kaffeegesellschaft und Harmonie
von dem Musikchor des Königl. Preußischen
8. Husaren-Regiments in dem am städtischen Garten gelegenen elegant dekorirten
Kölner Zelte.
Franz Stollwerck.
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Bei Gelegenheit der Pfingstfeiertage und Gereons-Kirmes.
Sonntag, Montag und Dienstag,
Nachmittags von 3 Uhr an,
Harmonie
von dem Musikchorps des Königl. Preuß.
8. Husaren-Regiments
in dem am städtischen Garten gelegenen elegant dekorirten Kölner Zelte.
Täglich Kirnerbsen, Erdbeerkaltschaale und vorzüglicher Maiwein. Franz Stollewerck
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Anzeige.
Das Triersche Volksblatt, das mit dem Motto: „Jeder arbeite, aber der Arbeit werde ihr verdienter Lohn“ und mit der Losung: „Alles mit dem Volke, durch das Volk und für das Volk“ seit Ende April d. J. wöchentlich dreimal zu dem Abonnementsprese (vom 1. Mai bis Ende Juli) von 10 Silbergroschen, Postaufschlag 91/2 Sgr., erscheint und die politischen und socialen Interessen des Volkes in freier und verständlicher Sprache vertritt, kann bei allen Postämtern bestellt werden.
P. Ch. Sternberg,
Redakteur.
J. Schillinger,
Verleger.
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Gasthof Friedrichshof.
Das in der Mitte der Stadt am Augustinerplatz gelegene, auf das bequemlichste eingerichtete Hotel, empfiehlt bestens J. Joos.
Logis und Frühstück à 16 Sgr. Diner mit Wein 17 Sgr. J. Joos.
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Meine Restauration auf dem sog. Knabengarten, Lokal des Diorama's, ganz in der Nähe des Bahnhofes
hier zu Bonn
empfehle ich hiermit einem geehrten Publico bestens.
Joh. Gebh. Oehr.
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Eine schöne neue Copierpresse steht billig zu verkaufen, Gereonstraße Nro. 40.
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Von der 16. Bürgerkompagnie haben
der1.u.2.ZugamSonntagden11.ds.,
der3.u.4.ZugamMontagden12.ds.,
der5.u.6.ZugamDienstagden13.ds.,
Bannerwache, und erwarte ich vom Diensteifer, daß kein Wehrmann fehlt.
Der Hauptmann der 16. Komp.
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Theater.
Sonntag den 11. Juni,
Don Juan,
große Oper in zwei Aufzügen von Mozart.
  • Don Juan, Hr. Beck,
  • Donna Anna, Fräulein Weichselbaum,
  • Don Octavio, Hr. Grevenberg vom
    Hoftheater zu Oldenburg,
  • Leporello, Hr. Seebach,
  • als Gäste.
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Der Gerant Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.