[0057]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No. 14. Köln, Mittwoch 14. Juni 1848.
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Die „Neue Rheinische Zeitung“ erscheint vom 1. Juni an täglich. Der Raum des Blattes wird so oft es nöthig durch Beilagen erweitert. Der Abonnementspreis beträgt : Für das mit dem 1. Juli beginnende Vierteljahr in Köln 1 Thlr. 15 Sgr.; für alle übrigen Orte Preußens 2 Thlr. 3 Sgr. 9 Pf. Außerhalb Preußens mit Zuschlag des fremden Zeitungsporto's. Das Abonnement für den Monat Juni kann nur unter gleichzeitiger Bestellung des nächsten Quartals (Juli, August, September) geschehen. Der Preis dieses viermonatlichen Abonnements beträgt : Für Köln 2 Thlr.; auswärts 2 Thlr. 25 Sgr. Man abonnirt bei allen Postanstalten und Buchhandlungen des In- und Auslandes; ‒ für Köln in der Expedition der Zeitung bei Hrn. W. Clouth, St. Agatha 12, Köln, woselbst auch fernere Aktienzeichnungen entgegen genommen werden. Briefe und Zusendungen an die Redaktion sowie die Expedition werden von unbekannten Absendern nur frankirt angenommen. ‒ Insertionsgebühren. Für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 1 Sgr. 6 Pf.
Die Expedition der „Neuen Rheinischen Zeitung.“
Uebersicht.
Deutschland. Köln (Berliner Debatten über die Revolution). Berlin (Stimmung in Berlin. ‒ Die Berliner Arbeiter. ‒ Neue preußische Zeitung. ‒ Nachträgliches über den 9. Juni. ‒ Arago gefeiert. ‒ Die Clubs beschließen Steuerverweigerung. ‒ Heerschau der Prinzen von Preußen über die Volkswache des Teltover Kreises. ‒ Die Exminister zu Potsdam). Bielefeld (Reaktion. ‒ Das Kösliner Manifest). Oberschlesien (Annehmlichkeit der Patrimonialgerichtsbarkeit und Polizei). Posen (fünftes Schreiben des Erzbischofs an das Berliner Cabinet. ‒ Bekanntmachung Pfuels). Hamburg (Exceß).
Belgien. Brüssel (der Pauperismus).
Französische Republik. Paris (Angriff auf die Presse. ‒ Die Republikaner. ‒ Auflauf. ‒ Nationalversammlung vom 10. Juni. ‒
Italien. Mailand (Rückzug der Oestreicher).
Großbritannien. London (Sir Robert Peel in der Debatte über die Schifffahrtsgesetze).
Deutschland.
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Edition: [Friedrich Engels: Die Berliner Debatte über die Revolution. In: MEGA2 I/7. S. 109.]
[**] Köln, 13. Juni.
(Die Berliner Debatte über die Revolution.)
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[8]Berlin, 10. Juni.
Das gottlose Volk! selbst vor den hohen Personen der Minister hat es keine Respekt mehr, ja es ist frech genug, sich an ihnen zu vergreifen. Gestern hatte sich aus leicht erklärlichen Gründen vor dem Sitzungsgebäude der Abgeordneten eine Masse Menschen gesammelt, um das Resultat der höchst wichtigen Verhandlung zu erfahren. ‒ Minister Graf von Arnim verließ den Saal und mischte sich unter einen Volkshaufen, um die Gespräche der Leute zu behorchen. Man bat ihn, da man ihn für einen Abgeordneten hielt, um Auskunft über die Sitzung, durch welche Bitte jedoch der Herr Minister des Auswärtigen höchlich beleidigt, sich äußerte was denn die Leute hier wollten; ob es etwa Sonntag sei, sie möchten nach Hause gehen. Durch diese Aeußerung erbitterte er das Volk so, daß es auf ihn eindrang und ihn offenbar mißhandelt hätte, wenn nicht einige Studenten aus Mitleid sich seiner Person angenommen und ihn nach der Aula der Universität gebracht hätten, wohin eine Masse Menschen nachdrang. ‒ Der Minister, dem der Schreck in alle Glieder gefahren war, dankte für seine Rettung aus den Händen einer verblendeten Volksmasse (Scharren), versicherte, er sei stets ein Freund der Freiheit gewesen (Gelächter), und habe als Student für ein deutsches Reich geschwärmt. Dies zeuge für seine echt liberale Gesinnung. ‒ Ist das nicht prächtig? ‒ Die Abgeordneten Behrends und Jung, die ebenfalls in die Aula gefolgt waren, sprachen ihr Bedauern über den Vorfall aus. Ein Redner warf in seinem servilen Eifer dem Volke Gemeinheit vor, was Student von Salis unter großem Beifall mit Entrüstung zurückwies. Der Minister war noch gegenwärtig und mußte mit anhören, wie das Volk, das ihn hatte züchtigen wollen, in Schutz genommen wurde. ‒ Er dankte zum Schlusse nochmals, und da er seine Beschützer persönlich kennen zu lernen wünschte, so forderte er die ganze Versammlung auf, seine alle Dienstag geöffneten Salons zu besuchen. Ein angemessenes Stillschweigen war die Antwort auf diese kindische Kaptation. ‒ Doch, glaube ich, werden sich trotz dem manche finden, die dem Herrn Grafen die Aufwartung machen. ‒ Wie an allen Universitäten, so zeigt sich auch hier theilweise ein Servilismus, der den Beobachter an diesen jungen Leuten ganz irre machen könnte.
Während dies oben vorging, bemühten sich die Abg. von Breslau, Brill und Stein, das unten versammelte Volk zu beruhigen, was ihnen jedoch nicht ganz gelang, da auch dem Prediger Sydow von hier dasselbe widerfuhr, was dem Minister geschehen, wenn auch aus andern Gründen. Auch er flüchtete in die Universität.
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[*]Berlin, 10. Juni.
Gestern Abend brachten mehrere Tausend Patrioten der Residenz Hrn. Arago vor dem Hotel de Rome, unter dem Jubelruf : vive la republique! und unter Absingung der Marsaillaise ein wohlorganisirtes herzliches Lebehoch. Der Gesang blieb etwas schwerfällig, was wohl theils daher kam, weil es an einer Instrumentalbegleitung fehlte. Einer deutete dies an. Ein Anderer, ein guter Berliner, erwiderte: „des macht man nischt; in Potsdam ärgerts doch.“ Arago trat unterdessen heraus, dankte sehr lebhaft und bedauerte, in seiner Stellung als Gesandter sich nicht so ausdrücken zu können, wie er es in der Heimath thun würde. Er nehme die Aufmerksamkeit nicht als seiner Person, sondern ganz Frankreich geltend entgegen; er dürfe versichern, daß seine Nation die wärmsten Sympathien gegen Deutschland hege etc. ‒ Heute halten die Minister und Milde Konseil über Schutzmaßregeln. ‒ In den Klubs wurde beschlossen, keine Steuern mehr zu zahlen, bis die Revolution mit allen ihren Konsequenzen von der Regierung anerkannt sei. ‒ Die Durchgänge des tgl. Schlosses sollen mit starken Eisengittern, die bereits fertig sind, gesperrt werden, und zwar, um den „Schatz“ zu sichern, und zugleich den Dienst der Bürgerwehr zu erleichtern. Hiergegen erhebt sich, namentlich auch von der Bürgerwehr selbst, die lebhafteste Opposition. ‒ Bei Gelegenheit, als der Prinz von Preußen die Nationalversammlung besuchte, vertheilten zwei Herren von der Sing-Akademie Geld, um für den Prinzen von Preußen einige Hurrahs zu erhalten. Die Vertheiler wurden, wobei die Geschenkenehmer hülfreiche Hand leisteten, auf die Wache geschleppt, und es ergab sich, daß zwei in Civil verkleidete Offiziere aus Potsdam waren. ‒ Der Prinz hatte sich bei seiner Ankunft in Potsdam die Illumination verbeten. Einige Offiziere, die dennoch dem Drange des Herzens folgten, und beleuchteten, büßten dafür die Fensterscheiben ein. ‒ Morgen hält der Prinz von Preußen auf dem Babelsberge Heerschau über die Volkswehr des Teltower Kreises. Man hat den Bauern vorgespiegelt, die Metze Kartoffeln würde wieder 5 Sgr. (kostet jetzt nur 1 1/2 Sgr.) kommen, wenn der Prinz siegte. Was soll denn wohl erfochten werden? Die Herrschaft der Reaktion?
[Feuilleton]
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Barbès.
Ich setze den Fall, daß es eine der Republik feindliche Partei gibt, die Partei des Herzogs von Joinville oder die des Herzogs von Bordeaux; ‒ nehmen wir weiter an, daß diese beiden Parteien an einem schönen Tag, an einem Tag des Aufruhrs und der „Mißverständnisse,“ wie wir in neuerer Zeit deren mehrere gesehen haben, sich vereinigen, und daß den Manifestationen dieser beiden noch andere Parteien sich ungesäumt zugesellen; ‒ denn es gibt auch noch andere Parteien, es gibt da die Partei des Prinzen Louis, und in der Familie Louis-Philippe's können ebenfalls mehrere Prätendenten erstehen, die sich unter einander nicht in Einklang befinden. Zuerst Louis-Philippe, der noch am Leben ist, und sagen könnte, seine Abdankung habe keinen ernsthafteren Karakter als alle übrigen politischen Handlungen seines Lebens; ferner die Herzogin von Orleans und ihr Söhnlein, deren Interesse immer der Regentschaft des Herrn von Remours entgegengesetzt wäre; und endlich sehe ich nicht ein, warum die Herren von Montpensier und Aumale nicht auch ihre kleinen Anmaßungen und kleinen Parteien haben sollten. Da wir doch einmal mit Voraussetzungen im Zug sind, so kann das nichts verschlagen.
Nehmen wir also an, daß mitten in unserer fortschreitenden moralischen Anarchie alle diese Herren genug Kühnheit, genug Geld, genug Führer, und genug Gewandtheit besäßen, um die Bevölkerung von Paris aufzuregen, stm ihr zu versprechen, was man ihr immer verspricht und niemals hält, und was sie nicht aufhört zu hoffen, und daß endlich an einem heißen Tag voll Schwüle, Mißbehagen, Elend und übler Laune, eine aus diesen verschiedenen und heterogenen Elementen bestehende Emeute in die Nationalversammlung dringt, sie beleidigt und für gesprengt erklärt.
Um alles dies zu verwirklichen, bedarf es blos ein wenig mehr Scheu vor Arbeiten und Liebe zum Nichtsthun von Seiten der Nationalversammlung; ein wenig mehr Hinneigung zur Reaktion von Seiten der gemäßigten Republikaner, ein wenig mehr Elend, Unbehagen und Entmuthigung von Seiten des Volks, dessen große Masse zwar an diesem Verrath seiner Zukunft nicht Theil haben würde, aus dessen Schoos aber immer einige verirrte Haufen sich losreißen könnten. Und damit das volle Ungewitter von allen Enden des Himmels zusammenkäme, um sich über der völlig wehrlosen Nationalversammlung zu entladen, bedarf es blos einiger schlecht ertheilten, oder schlecht ausgeführten, oder schlecht aufgenommenen Befehle. Es bedarf weder der Verschwörung, des Verraths; es bedarf einzig, wie wir das gesehen haben, der Unordnung, des Zufalls und des Mißgeschicks auf einer oder der andern Seite.
Das Heiligthum der Nationalversammlung wird nie vor einem Handstreich gesichert sein, so lange man nicht eine Maßregel ergreift, welche einfach, ökonomisch, volksthümlich und gebieterisch ist. Diese Maßregel, welche wir heute in der Hoffnung, sie in 50 Jahren in Erwägung gezogen zu sehen, vorschlagen, besteht darin, daß man über den Eingang des Nationalpalastes die Worte schreiben möge: „Die Nationalversammlung hat keinen andern Schutz als die Gesetzlichkeit der Nation. Sie hat kein einziges Bajonett zwischen sich und dem Volke. ‒ Aber die Nation erklärt jeden Bürger für infam, der diese Schwelle ohne Bevollmächtigung überschreitet.“
Ohne grade zu großer Optimist und Romantiker zu sein, überrede ich mich, daß wenn an dem Morgen des beklagenswerthen 15. Mai als Schutzwache die vorgeschlagene Erklärung vor den Thüren der Nationalversammlung gestanden hätte, die Versammlung niemals ruhiger und würdevoller gewesen wäre.
Statt dessen aber, was sahen wir! einen militärischen Aufzug, als ob die Kosaken vor den Thoren von Paris gestanden hätten. Welche traurige Taktik! Die ganze Nationalgarde, noch dazu bis an die Zähne bewaffnet, auf den Beinen ‒ wißt ihr, was das heißt? Das heißt zu einem Theil des Volkes sagen, daß man ihm mißtraut, daß man Furcht vor ihm hat, daß man ihn verantwortlich macht für die Frevel, an denen er noch nicht hat Theil nehmen wollen!
Indeß ich komme zurück zu meiner Voraussetzung. Sie besteht darin, daß sich das ganze Schauspiel mit neuen Personen wiederhole und daß diese Personen statt einer kühnen socialistischen Berechnung eine weit furchtbarere monarchische Berechnung zur Ausführung bringen wollten. Ich setze den Fall, daß die klügsten dieser Agitatoren Hrn. Marrast, Hrn. Buchez oder jeden andern der gemäßigten Republikaner, um die öffentliche Meinung zu bestechen, in die Arme nehmen und ihn mit guter oder böser Miene aufs Stadthaus führen, und daß sie dort ihre neue Regierung mit Zuziehung gewisser republikanischer Namen proklamiren, ohne welche ihnen der Erfolg ihrer monarchischen Usurpation unmöglich scheint. Würde sich Herr Marrast oder Herr Buchez weigern, Mitglied einer scheinbar republikanischen Regierung zu sein, wo Herr Odilon-Barrot und andere „provisorische“ Uebergünge zwischen der Republik des „National“ und der Republik der Regentschaft die Diktatur üben sollten?“
Wenn Marrast oder Buchez Augen hätte, um durch die Mauern des Stadthauses zu sehen, wenn er draußen die ihn drängenden aufrührerischen Gruppen sähe, wenn er sich Rechenschaft gäbe über Ohnmacht der Emeute, welche ihn hierher geführt hat, so würde er ohne allen Zweifel gegen einen tollen Versuch protestiren und zu den nunmehrigen „anarchischen Wühlern“ sagen: „Ihr habt Unrecht gehabt, auf mich zu zählen. Ich gehöre zu den gemäßigten Heulern, es ist wahr; eine nichtsociale Republik wollte ich, aber ich wollte keine monarchische Republik. Laßt mich gehn, ich gehöre nicht zu den Euern.“
Laßt aber zufällig ein oder zwei Stunden lang das Stadthaus in der Gewalt der Insurgenten sich befinden, laßt die Nationalgarde nicht dazu kommen, laßt in Marrast'd (oder Buchez'd) Augen das Volk der monarchischen Republik seine Unterstützung geben, was würde dann Herr Buchez (oder Herr Marrast) maßgeblicher Weise thun? Der eine wie der andere würde einen Augenblick verzweifeln, aber in der Verzweiflung einen kühnen Entschluß fassen und ‒ zugreifen nach der Gewalt. (Schluß folgt.)
[Deutschland]
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@facs0057
[8]Berlin, 11. Juni.
„Ueber unsere Barrikaden sind sie gestiegen auf ihre Polster und heute wollen sie Nichts von uns wissen!“ „Wir haben die Barrikaden zu niedrig gebaut; sie konn- [0058] ten drüber wegsehen.“ „Wir werden wohl neue Barrikaden bauen müssen.“ So hörte ich viele Männer aus dem sogenannten niedern Volke reden. ‒ „Daran sind die indirekten Wahlen Schuld“ sagt ein an allen Ecken, die förmlich mit Zetteln überklebt sind, befindlicher Anschlag. ‒ Sie sehen, auch hier schwindet das Vertrauen; die Regierung hat es schon lange verloren, und jetzt fängt man auch an, die konstituirende Versammlung aufzugeben. ‒ Die Reaktion scheut natürlich kein Mittel, um sich durchzusetzen; mit reichlichen Geldmitteln versehen, arbeitet sie im Geheimen an ihren Plänen. Besonders thätig ist sie seit der Rückkehr des Prinzen von Preußen, über dessen stummen Empfang sich die in Civil gekleideten Herren Gardelieutenants schon gewaltig geärgert haben. An der Spitze der Reaktionspartei steht der neugebildete Preußen-Verein, dessen Mitglieder meist pensionirte Militärs, Aristokraten, Büraukraten und Geldsäcke sind; eine neue Polizei- und Denunziantenanstalt, die sich freiwillig dem Staatsanwalt zur Verfügung gestellt hat. ‒ Der Verein veranlaßt das Erscheinen einer Zeitung, „Preußen-Zeitung“, in der er seine Grundsätze verbreiten will. ‒ Seine Plakate häufen sich mit jedem Tage, aber ‒ o Jammer! ‒ das Volk mag Nichts wissen von solchen vorsündflutlichen Aktenstücken. ‒ ‒ Die Reaktion theilt auch Geld aus, womit sie jedoch selten ihren Zweck erreicht, höchstens ein Paar Hurrah's, wie sie dem Prinzen von Preußen von einigen bezahlten Kehlen geschrien wurden. Daß das Militär in ultra-royalistischem Sinne bearbeitet wird, versteht sich von selbst. ‒ Kompagnieweise ruft man die Soldaten zusammen, liest ihnen eine Erklärung der Treue zu „Gott, König und Vaterland“, gespickt und mit wüthenden Ausfällen gegen die „Wühler“ und „Aufwiegler“ vor; natürlich geben sie ihre Zustimmung dazu; denn wer würde es wagen zu widersprechen? Die Loyalitätserklärung wird dann im Namen des Regiments in die voss. Zeitung gesetzt. ‒ Leider will das Manövre nicht recht fruchten. Die Soldaten besuchen trotz ihrer Loyalitäts-Adressen, die Volksversammlungen und Klubs und lesen trotz des Verbots, die Maueranschläge der Demokraten. ‒ Die Reaktion operirt zu plump, als daß ihre Pläne nicht sogleich an den Tag kommen müßten. ‒ Wem bisher noch nicht die Augen aufgegangen waren, dem sind sie es jetzt. Die reaktionäre Masse wächst hier mit jedem Tage; die Demokratie gewinnt immer mehr Anhänger und täglich bilden sich neue Klubs mit demokratischen Prinzipien. ‒ Die friedlichen Spießbürger, die immer nur nach „Ruhe“ schrien; die Bürgerwehr, welche noch vor 4 Wochen so reaktionär war, daß sie z. B. die Literaten am liebsten an den Bayonetten aufgespießt hätte; sie sind durch die aufgedeckten volksfeindlichen Umtriebe der Regierung, die Bürgerwehr besonders durch die ihres frühern Kommandeurs, General von Aschoff, so vollständig umgestimmt, daß man glauben sollte, wir hätten eine neue Revolution gehabt. ‒ Die Hauptelemente der Demokratie sind hier die Arbeiter. Le peuple de Berlin est peuple de coeur! gleich dem Volke von Paris. Es ist wunderbar, wie diese Arbeiter von Berlin, die sich seit der Revolution in der größten Noth befinden, ihren guten Ruf so trefflich bewahrt haben. ‒ Die Reaktion suchte sie freilich fortwährend zu Excessen zu verleiten, um sie mit der Bürgerwehr in Konflikt zu bringen, um dann um so besser über beide herfallen zu können. ‒ Der gesunde Sinn des Volkes siegte stets über diese Versuchungen. „Keinen Krawall!“ sagen sie, diese Männer des Volks; „er könnte unsern Feinden nur in die Hände arbeiten. Keine Entzweiung in einem Augenblicke, wo es gilt, einig zu sein!“ Und eben dieser friedliche Sinn, dieser Geist der Brüderlichkeit ist es, welcher so viele, die immer noch dem Volke mißtrauten, auf seine Seite gebracht hat. ‒ Ist es nicht ein Zeichen der größten Humanität, wenn Tausende von Menschen im wahren Sinne des Worts aus Mangel an Arbeit hungern und dennoch ruhig bleiben, um nur nicht der Sache der Freiheit zu schaden?
An 4000 Arbeiter liefen brodlos umher, arbeitsfähig, aber ohne Arbeit. Vergebens hatten sie Beschäftigung verlangt, der Minister von Patow schickte sie zum Magistrat, der Magistrat zum Minister. Sie wurden geradezu von Pontius zu Pilatus gehetzt, ohne daß man ihr Verlangen erfüllt hätte, denn hier scheinen Ministerium, Kommune und Polizei unter einer Decke zu stecken. Wer nahm sich der Arbeiter an? Der demokratische Klub. Auch dadurch wird sein Anhang immer größer.
Allgemein ist man gespannt auf die nächste Sitzung der Vereinbarer. Bis Mittwoch haben dieselben Ferien. Man spricht von einem Gesetzesvorschlag gegen Attroupements; von Militärbesetzung des Sitzungssaales, ja sogar von Verlegung der Versammlung. Wohin? Vielleicht nach Potsdam oder Stettin? ‒ Die Physiognomie der Versammlung wird sicher jetzt eine noch ganz andere werden. Die Regierung will mit ihren verrätherischen Plänen offenbar hervortreten, weßhalb sie ihr Werkzeug an sicherer Stelle zu haben wünscht. ‒ Wahrscheinlich werden mehrere Abgeordnete, die den Erwartungen ihrer Wähler nicht entsprochen haben, von Seiten derselben zur Aufgabe ihres Mandats veranlaßt werden, von hier Prediger Sydow und Hofrath Bauer.
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[19]Bielefeld, 10. Juni.
Die Reaktion läßt sich keine Mühe verdrießen, um unsere armen Weber und Spinner gegen die „Freigeister und Republikaner“ zu fanatisiren, und man muß gestehen, ihre Bemühungen haben bis jetzt den günstigsten Erfolg davongetragen. Es ist etwas Trauriges um eine Gegend wie die unsrige mit einer untergehenden patriarchalischen Industrie. Die Leute entsinnen sich noch ihres Wohlstandes und hoffen noch immer auf die Wiederherstellung des alten Zustandes. Gleich nach der Revolution warfen sie sich der Bewegung in die Arme, wollten ihre mißliebigen Amtleute absetzen, wollten nur die entschiedensten Demokraten nach Berlin und Frankfurt senden, kamen mit der Absetzung aber nur bis zum Nachwächter, ließen sich dann von der Geistlichkeit kapern, und wählten zu Abgeordneten lautere Pietisten. Sie erwarteten von ihrem Abgeordneten wenigstens, daß er jedem armen Heuerling wieder eine Kuh in den Stall bringe, und schreiben jetzt, da nach so vielen Wochen in ihrer Lage noch gar keine Veränderung außer zum Schlechteren eingetreten ist, alles Unglück den Demokraten zu, die allein daran Schuld sind, daß Handel und Gewerbe noch nicht wieder blühen, wie früher. Gar zu lange werden wahrscheinlich auch die Pietisten kein Oberwasser behalten; je höher sie gestiegen sind, desto tiefer werden sie fallen, weil auch sie die gehegten Erwartungen nicht erfüllen können. Genug aber, für den Augenblick sind sie oben, und schüren das Feuer nach Kräften. Das berüchtigte Cösliner Manifest welches ich Ihnen zum etwaigen Abdruck beilege, wird in zahlreichen Exemplaren auf dem Lande verbreitet, ja sogar öffentlich in Kirchen, Schulen und Kasernen von Geistlichen, Beamten und Offizieren vorgelesen, und darnach verfaßte Adressen durch die Polizei zur Unterschrift in den Häusern umhergetragen. Es wird darin geradezu zum Bürgerkriege, zu einem gemeinschaftlichrn Zuge nach Berlin aufgefordert, „zur Vertilgung eines zweiten Paris aus dem preußischen Vaterlande.“ Es versteht sich von selbst, daß all diesen Radomontaden eine durchaus lügenhafte Schilderung unserer Revolution und der folgenden Ereignisse vorangeht, denn wie wollte diese Partei das Volk für sich stimmen, wenn nicht durch Lüge und Betrug. Die Herren wollen sich nicht länger „gängeln lassen von der Zuchtruthe der Freiheit, des Uebermuths, des Unverstandes, der Unreifheit!“ sie wollen lieber selbst das Volk wieder am Gängelbande führen, wie unter der glorreichen Herrschaft eines Bodelschwingh, sie wollen ihm wieder die Bissen höchsteigen zuzählen, damit es sich nicht an ungewohnter Kost den Magen verderbe. Die Versendung dieses Cösliner Manifestes, von einem Scharfrichter, einigen Beamten und Krautjunkern unterschrieben, durch das ganze Land, an alle Behörden, konnte dem Ministerium nicht unbekannt bleiben. Wenn aber Hr. Camphausen nach den Unterschriften dieser Adressen, die der Abgeordnete Maager der Berliner Nationalversammlung überreichen soll, die Stimmung des Landes beurtheilen will, so will ich ihm doch auch sagen, wie man derartige Unterschriften zu Stande bringt. Man erzählt den Leuten, die trotz des Vorlesens vom Inhalte meistentheils nichts verstehen, man wolle ihnen die Religion nehmen; wer das Vorgelegte nicht unterschreibe, der glaube nicht an Gott u. dgl.,; zum Ueberfluß thun denn einige Spirituosa noch wahre Wunder.
Besser als auf dem Lande ist es in unseren kleinen Städten; hier faßt die demokratische Entwickelung immer mehr festen Fuß. In unserer Stadt hat der „demokratische Klub“ wenn auch nicht numerisch, so doch faktisch die Oberhand. Der „Arbeiterklub“ in Hamm ist entschieden demokratisch; beide Klubs werden den demokratischen Kongreß in Frankfurt durch Abgeordnete beschicken. Die „Bildungsvereine“ in Herford und Minden tragen noch keine so entschiedene Farbe, obschon auch sie der Mehrzahl nach aus Arbeitern bestehen.
Preußische Brüder!
Seine Majestät der König, in alleiniger Machtvollkommenheit, verhieß uns, in freiem, hochherzigem Entschlusse, eine konstitutionelle Verfassung, auf den breitesten Grundlagen. ‒ Eine Bürgschaft dafür übernahm der Königliche Bruder und Thronfolger, der Prinz von Preußen, durch seine Unterschrift des Königl. Patents. ‒ Im ganzen weiten Vaterlande antwortete dem Könige der unermeßliche Jubel des dankbaren Volkes, und jeder ächte Preuße fühlte sich gehoben in der großartigen Entschließung Seines Königs, jeder wahre Preuße wußte nun, im Rückblick auf die Vergangenheit einer gesegneten Regierung von Jahrhunderten, daß das Vaterland in der besonnenen, naturgemäßen Entwickelung, und im ruhigen Fortschritt seiner ihm gegebenen freien Institutionen, glücklich und groß werden müsse. Sollte doch, ‒ das war die Königliche Absicht, das war ja unser Wunsch, ‒ die hohe Blüthe unserer Industrie, unserer Künste und Wissenschaften, unseres Handels und der Gewerbe, unsers gesammten materiellen Wohlbefindens, nunmehr von dem Einen, was ihm noch fehlte, ‒ von dem Odem der politischen Freiheit durchweht werden.
Aber in dem Becher unserer Freude mischten sich die Ereignisse, die Schrecken des 19. März und der folgenden Tage, angefacht durch böswillige, kurzsichtige und verblendete Menschen, welche in der ordnungsmäßigen, bedächtigen Entwickelung des Fortschritts und seiner beglückenden Folgen, das Ende ihrer verabscheuungswürdigen Umtriebe, welche in der auf Volksliebe getragenen hohen Glorie unsers Königs ihre Brandmarkung erblicken. ‒ Fortgerissen durch die Schreckensscenen jener Tage, ließen sich selbst biedere und loyale Bürger Berlins von dem Wahn bethören, als hätte die vorgebliche Revolution uns die politische Freiheit gebracht, ja, sie gingen in ihrer Verblendung so weit, das vaterländische brave Heer, unsere Söhne und Brüder zu beschimpfen, unsern Thronfolger, den Prinzen von Preußen zu beleidigen, und uns, alle treue Bewohner der Provinzen für fähig zu halten, die gemachte Revolution und ihre traurigen Folgen anzuerkennen! ‒ Der König, in Seinen heiligen Gefühlen tief verletzt, aber selbst da noch voll Liebe und Vertrauen zu Seinem Volke, wollte nicht an den Edelmuth und die Treue desselben appelliren. In Seiner eigenen hochherzigen Gesinnung suchte und fand Er die wahre Gesinnung des großen Volkes wieder, ‒ Er hoffte, Er wußte, diese mußte sich auch in Seinen Berlinern wieder klären und läutern zu der Reife der Ueberzeugung,
„daß das Ruder des schwankenden Staatsschiffes nicht von der Laune und dem Willen böswilliger Parteihäupter, verblendeter und roher Massen der Hauptstadt gelenkt werden dürfte, sollten sonst Ordnung, Friede und Glück unsere neuen Institutionen befestigen helfen.“
Diesen Königlichen Gesinnungen, dieser Mäßigung allein verdanken wir bisher die Verhinderung eines blutigen Bürgerkrieges.
Die Bewohner der treuen Provinzen verstanden und ehrten den Willen Ihres Königs, ‒ sie ließen sich mit blutendem Herzen die unsinnigsten Gewaltstreiche einer aufrührerischen Partei im Innersten des Landes, in der Residenz, schweigend gefallen, mit ihrem Könige hoffend:
„es werde, es müsse der alte Preußische Sinn, der alte Preußische Heldengeist auch in den irre geleiteten Parteimännern wieder erwachen, es müsse und werde selbst bei den widerwärtigsten, empörendsten Schritten derselben gegen die gesetzlichen Beschlüsse der ganzen Nation, endlich doch das Licht der Vernunft, das Gefühl der Ehre und die Liebe und Treue zum Vaterlande siegreich nach dem Stabe greifen, der allein uns retten kann, ‒ nach dem Stabe des Gesetzes.“
Allein die treuen Bewohner der Provinzen hatten sich leider! getäuscht. Die anarchischen Zustände, inmitten eines bisher gesegneten, zufriedenen Volkes, inmitten der Hauptstadt des Landes, die ihre Größe, ihre Blüthe, unsern Königen, die ihren Wohlstand den Provinzen verdankt, ‒ sie dauern fort, sie nehmen überhand, sie drohen uns Allen. Verderben und Untergang.
Ein kräftiges Ministerium, aus dem Herzen des Volkes hervorgegangen, kann seine Kraft, seine Thätigkeit und Umsicht nicht entwickeln, ‒ seine gesetzlichen Schritte, zur Befestigung des Vertrauens im Lande, zur Wiederherstellung der Ordnung und Ruhe, zur Wiederbelebung des gesunkenen Kredits, ‒ sie zerschellen macht- und erfolglos an den Klippen egoistischer Bestrebungen besitz- und gesinnungsloser Parteimänner, bartloser, unreifer Knaben und verführter Massen des Arbeiterstandes. ‒ Knaben, der Zuchtruthe kaum entwachsen, wagen es, in öffentlichen Blättern den Umsturz der gesellschaftlichen Ordnung zu predigen, sie wagen es, Männer unserer Hochachtung, Männer des Ministerii mit Verderben und Tod zu bedrohen; sie wagen es, ‒ Schmach für uns, daß wir es aussprechen müssen, ‒ der geheiligten Person unsers Königs in frecher, ekelerregender Pöbelhaftigkeit zu nahe zu treten! ‒ Ja, noch mehr! Männer, wir sagen absichtlich „Männer“ der Hauptstadt erkühnen sich, dem vom ganzen Lande mit Begeisterung aufgenommenen Beschlusse des Ministerii und dem Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Königs, zur baldigen Rückkehr des Prinzen von Preußen in unsere Mitte, sich frech entgegen zu stellen! Bedenkt, ihr treuen, biedern Preußischen Brüder, die anmaßende Keckheit Berliner Einwohner geht so weit, unserm Thronfolger, dem ersten, treusten Unterthan des Königs, dem heldenmüthigen Prinzen von Preußen, der in den Befreiungskriegen sein Leben für das Vaterland einsetzte, ‒ eine Stätte in diesem Vaterlande zu verweigern! Bedenkt die empörende Gewalt und ihre gräßlichen Folgen. ‒ Bedenkt, daß dadurch die ganze jetzt zu berathende Verfassung in Frage gestellt werden kann, daß die vollständigste Auflösung aller Ordnung die unmittelbare Folge davon sein muß. ‒ Ja, junge Männer haben sich erkühnt, dem Ministerpräsidenten gegenüber zu behaupten, daß auch die Bewohner der treuen Provinzen sich gegen die Rückkehr unsers Prinzen erklärt hätten, ‒ sie haben es gewagt, uns als Mitschuldige ihrer verrätherischen An schläge und Absichten zu verdächtigen! ‒ Und Berlin, die bevorzugte Stadt der Intelligenz, des Wohlstandes und bisher auch der Ehre, Berlin duldet solchen Frevel in seiner Mitte! ‒ Nun denn, in Gottes Namen, so wollen wir ihn denn nicht dulden! ‒ Auf! ihr Brüder, in allen Provinzen des Preußischen Vaterlandes, wappnet Euch endlich zur kräftigen Abwehr, des mit Riesenschritten auf uns zueilenden Elends. Genug haben wir ertragen, genug geduldet, genug entbehrt, genug des Frevels mitangesehen! Länger uns gängeln lassen von der Zuchtruthe der Frechheit, des Uebermuths, des Unverstandes, der Unreifheit, das hieße, unsre Namen „Preußen“ brandmarben! Auf! laßt uns in der Gesammtheit des Volkes unsern Willen durch diesen Aufruf zu erkennen geben, laßt uns ihn mit den Unterschriften aller redlichen wohlmeinenden Brüder bedecken. Die gewaltige Stimme des Volkes laßt uns erheben, ‒ die Stimme eines großen, nicht geknechteten, sondern freien Volkes, sie schalle wie Posaunenton in das Ohr der Volksverräther, sie bestimme in Berlin den wahren Volkswillen!
Aber damit kein Mißton des Zweifels den Zweck unserer Kundgebung störe und uns etwa selbst irre mache, an unserm Vorhaben, so sei unser Wahlspruch:
„Alles für und mit dem Volke,“
unser Zweck und Ziel aber:die schleunigste Befestigung der uns von unserem Könige verheißenen Konstitution, auf der breitesten Bahn, der naturgemäßen, besonnenen und friedlichen Entwicklung und die Brechung einer verderblichen Macht in der Hauptstadt, ‒ die Vertilgung eines zweiten Paris aus dem Preußischen Vaterlande. ‒
Erst dann, nach so großartiger Kundgebung unseres Willens, werden Ordnung und Kredit im Lande einkehren, erst dann wollen und können wir Alle das Letzte unserer Habe, gern an den Altar des Vaterlandes niederlegen! ‒
Und nun noch ein Wort an Euch, ihr bessern, ihr treuen Bürger und Bewohner Berlins! Wohl haben wir wahrgenommen, wie Ihr den alten Preußischen Geist, das alte Preußische Rechtsgefühl, den alten Preußischen Heldenmuth, in dem Bewußtsein Euch rein bewahrtet, für Preußen könne der heilige Wahlspruch:
„Mit Gott, für König und Vaterland,“
nie eine Unwahrheit werden, ‒ wohl haben wir wahrgenommen, wie auch Euer Preußisches Herz blutete, bei den empörenden Ereignissen in Eurer Mitte. ‒
Erkannt haben wir auch, daß vorzugsweise in der besonnenen und tapfern Haltung Eurer Bürgerwehr, der Ausdruck Eurer patriotischen Gesinnung sich wiederfand und mit Freude und Stolz haben wir Euch als unsere Brüder zu betrachten nie aufgehört. ‒ Doch Eure Langmuth, Eure Geduld, sie dauerten zu lange: schon längst hättet Ihr dem frevelhaften Beginnen Eurer verführten Mitbewohner kräftigen Widerstand entgegen setzen sollen. Wart Ihr nicht stark genug dazu, ‒ es bedurfte ja nur eines Winkes, ‒ und wir Alle, alle Eure Brüder in den Provinzen wäre bei Euch gewesen. ‒ Das Volk macht Euch von jetzt ab verantwortlich für die Aufrechthaltung der bestehenden Ordnung, insbesondere verpflichtet es Euch, die Ihr dem Throne so nahe seid, mit Eurem Herzblut jede fernere Beleidigung, jede freche Annäherung an denselben, abzuwehren. Bei allem, was Euch heilig ist, seid Ihr dem Volke dafür verantwortlich. Es wird einst eine schwere Rechenschaft von Euch fordern! ‒
Sollte aber auch diese erste und letzte Kundgebung unserer Gesinnungen, unsers Willens ungehört an tauben Ohren verhallen, sollten immer und immer auf's Neue Aufreizungen der Massen in Berlin und Störung der öffentlichen Ordnung, Hinderung der öffentlichen Gewalten in Ausübung ihrer Pflichten, die Hebung des gesunkenen Kredits, des Wohlstandes und der Gesetzlichkeit niederhalten; nun denn! in der Gesammtheit des Volkes nach Berlin, um an Ort und Stelle endlich den Volkswillen öffentlich zu proklamiren?
Alle Behörden, Korporationen, Gesellschaften und Personen, werden gebeten diesen Aufruf, der heute überall im Vaterlande verbreitet ist, zu veröffentlichen, ihn mit Unterschriften aller Patrioten bedecken zu lassen und ihn dann schleunigst an unsern Abgeordneten der Nationalversammlung Herrn Maager in Berlin gelangen zu lassen, der die Resultate der eingegangenen Unterschriften in den Zeitungen veröffentlichen und die gesammelten Dokumente dem Staatsministerium, als ein untrügliches Pfand des Volkswillens übergeben wird.
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Cöslin, den 23. Mai 1848.
v. Kleist-Warnin. Bucher, Prorektor d. Gymn. Freiherr v. Therme. Wehrenberg, Braueigen. v. Borwiz-Borntin. v. Tresckow. Steffenhagen-Balfanz. Erdt, Dep. Thierarzt. v. Hackewitz, Hauptm. a. D. Leopold, Just. Rath Kanitz, Schulvorsteher. v. Alten-Tietzow E. G. Hendeß, Buchhändler. v. Lettow auf Klenzin. Laurin, Seifenfabrik. W. Brendel, Fleischermstr. v. Gaedecke. Hildebrand, Justiz-Rath. Dr. Baumgardt, Gymnasiallehrer. F. Fuchs, Scharfrichter. J. H. Schmidt, Oekonom. Gusen, OLG Kanzlei-Direktor. v. Motz, Forstmeister. v. Reichenbach, Reg.-Rath. J. H. Jonaß, Kaufm. J. Caspary, Gerbermstr.
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Oberschlesien.
Hätten wir keine Gutsbesitzer, so gäbe es keine Ortspolizei; wäre keine Ortspolizei, so gäbe es keine Gerechtigkeit; wäre keine Gerechtigkeit, so gäbe es keine Prügel; es gibt aber Prügel, folglich muß es Gutsbesitzer geben. In Oberschlesien wird die ganze Tonleiter herauf und herunter geprügelt, von dem einfachen bis zu dem dreimal gestrichenen C, bald im sanften nachdrucksvollen Adagio, bald im rauschenden brillanten Allegro, das mitunter in eine stille tödtliche Pause übergeht. In dieser Hinsicht sind selbst die Liberalen Stockaristokraten, höchstens daß die Reaktionäre noch den Kantschu und die russische Knute vorziehen. Das Volk befindet sich, wie mir die meisten dieser schlagsüchtigen Herren versichern, unendlich wohl dabei, wie Nußbäume, welche geprügelt die besten Früchte tragen. Dieses patriarchalische Erziehungssystem hat unstreitig viel zur moralischen und sittlichen Hebung des Volkes beigetragen, Gefühle in ihm geweckt und ihm Begriffe beigebracht. Mit dem leisesten Ohr für die Schlag- und Stichwörter der Gegenwart begabt, hat es daher in der jüngsten Zeit leicht die Rolle übernommen, die man ihm übertragen. Den hohen Werth der oberschlesischen Adressen, welche an das Ministerium, den Prinzen von Preußen u. s. w. erlassen werden, wird man aus diesen Gründen hinlänglich zu würdigen wissen. Natürlich entwickelte sich durch die nahen Berührungen, in welchen der Gutsbesitzer zu seinen Einsassen lebt, ein wahrhaft liebevolles Verhältniß, das nur selten von Uebelgesinnten gestört wird. Diese gehören größtentheils zu den gänzlich Verarmten, da bekanntlich Hunger und Noth unzufrieden macht, es wird daher polizeilich für ihr Wohlergehen gesorgt und Obdach und Nahrung ihnen zeitweise kostenfrei verliehen. Aber die Undankbaren nennen diese freiwilligen Wohlthaten der Ortspolizei unerlaubte Einsperrung und eigenmächtige Detention und das Obergericht in Ratibor soll, was kaum zu glauben ist, ganz häufig derselben Meinung gewesen sein. Auch das Prügelsystem hat nicht bei der ganzen Bevölkerung den gewünschten Anklang gefunden und häufige Beschwerden sind oft deshalb erhoben worden. Um allen solchen Unannehmlichkeiten ein für alle Mal zu entgehen, soll ein Gutsherr auf die höchst sinnreiche Idee gekommen sein, jeden Mißliebigen in eine Wollzüche zu stecken, dieselbe ihm über den Kopf zuzubinden, und dann im Finstern drauf los zu hauen, ein Verfahren, das wir hiermit zur Benutzung öffentlich empfehlen, und das für die große Humanität des Erfinders spricht, der sich den Anblick selbst verdienter Leiden bei seinen Nebenmenschen gern erspart. Neben der Polizei übt der Gutsherr auch die Patrimonialgerichtsbarkeit durch einen Justizbeamten aus, den er allein zu wählen und zu besolden hat.
Am Gerichtstage sitzt der Patrimonialrichter in der Kanzlei, um Recht zu sprechen, neben ihm der Aktuar, zur Seite steht der Exekutor, beide sind alte Erbstücke, die durch öfteren Verkehr mit Spitzbuben in ihrem Amte einige Aehnlichkeit mit diesen erlangt, ein neuer Beweis für die Behauptung, daß ein längerer Umgang zwischen vertrauten Personen physiognomische Aehnlichkeiten hervorruft. Acht Termine sind bis zum Mittagsessen, das bei dem Gutsherrn eingenommen wird, zu beenden. Zunächst erscheinen zwei Holzdiebe, dieselben leugnen ihre That, trotzdem sie in der polizeilichen Voruntersuchung ihr Verbrechen eingestanden haben, sie geben ein durch Prügel erpreßtes Geständniß vor. Der Richter, dessen Frau sich homöopatisch behandeln läßt, denkt similia similibus und weiß ihr erloschenes Erinnerungsvermögen durch eine neue, aber nicht allzukleine Gabe anzuregen. Drei Kreuze werden als Unterschrift der Protokolls gemalt, das natürlich die Prügel nicht enthält, weil sich dieselben ganz von selbst verstehen.
Ein Grundstück soll verkauft werden, auf welchem das Dominium eine Forderung an Grundzins und Ablösungsgeldern stehen hat, eine Summe, welche durch die Zeit bedeutend angewachsen, da die Zinsen zum Kapital und außerdem die Gerichtskosten hinzukommen. Die Kauflustigen sind vorschriftsmäßig eingeladen, aber nicht erschienen. Der Gutsbesitzer ersteht das Grundstück zu dem niedrigsten Gebot, was ihm doppelt angenehm, da er es längst zu seinem Vorwerk schlagen wollte. Später eintreffende Käufer können nicht berücksichtigt werden, da ihre Uhren sämmtlich eine Viertelstunde zu spät zeigen.
Einige Injurienklagen, welche folgen, sind ohne Bedeutung und Interesse, mit Ausnahme der Sporteln, welche sie abwerfen. Verwickelter erscheint ein Erbschaftsprozeß und beide Parteien suchen den Richter, so gut es geht, in polnischer Sprache, vermittelst des Aktuar und vereideten Dolmetschers, von ihren Ansprüchen zu überzeugen. Der Aktuar aber weiß so trefflich zu übersetzen, besonders aus dem Deutschen in das Polnische, daß leicht ein Irrthum und ein Vergleich zu Gunsten der Partei zu Stande kommt, welche mit dem meisten Nachdruck und mit klingenden Beweisen spricht. Sämmtliche Parteien kommen aber darin überein, daß sie von den mit ihnen [0059] gepflogenen Verhandlungen so viel verstanden haben, wie unsere oberschlesischen Deputirten von dem Verfassungsentwurfe und den politischen Tagesfragen, und die einzige Opposition giebt sich durch ein Verrücken der Hüte und Kratzen hinter den Ohren kund, also viel bescheidener als das Scharren der wohlerzogenen Majorität zu Berlin, wenn die Linke spricht.
Nachdem nun der Exekutor noch die nöthigen Aufträge erhalten hat, die er gewissenhaft erfüllt, da er nur diejenigen pfändet, welche ihm nicht zahlen, setzt sich der Herr Patrimonialrichter, zufrieden mit seiner unparteiischen Thätigkeit, an den trefflichen Tisch des Gutsherrn und beide wünschen sich von Herzen : „wohl zu speisen.“
[(A. D.-Z.)]
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Posen, 8. Juni.
Die Posener Zeitung enthält nachstehende Bekanntmachung :
Da noch immer Waffen verborgen gehalten werden, so bestimme ich hiermit, daß Jeder, der dergleichen versteckte Waffen in einer solchen Weise anzeigt, daß sie aufgefunden werden,a) für eine Büchse oder ein Doppelgewehr 1 Thlr. b) für ein einfaches Gewehr 15 Sgr. c) für einen Säbel oder Pistole 5 Sgr. d) für eine Sense 1 Thlr. erhält.
Dieser Betrag kann von den betreffenden Truppentheilen, welche die Waffen auf Grund der gemachten Anzeige im Empfang nehmen, sogleich gezahlt und mit diesem meinem Erlasse belegt, extraordinär zur Liquidation gebracht werden. Denjenigen Personen, welche schon vor Erscheinen dieser Bekanntmachung in dem hier ausgesprochenen Sinne versteckte Waffen angezeigt haben, kann die angewiesene Belohnung nachträglich ausgezahlt werden.
Posen, den 5. Juni 1848.
Der königliche Kommissarius, General der Infanterie, v. Pfuel.
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Breslau, vom 8. Juni.
Schreiben des Erzbischofs von Posen an den Cultusminister Grafen v, Schwerin:
… Hier eine kurze, aber wahrhafte Skizze der hiesigen Vorgänge.
Am 20. März d. J. versammelte sich hier eine sehr geringe Anzahl ländlicher und städtischer Einwohner, um ein Comite zur Wahrung polnischer Interessen zu bilden; es wurden dabei auch polnische Kokarden vertheilt.
Dies Flämmchen war damals mit zwei Fingern auszulöschen, man brauchte nur dem Comite nachzugeben, zu reclamiren und petitioniren, ohne irgendwie zur That überzugehen. Aber die über eine bedeutende Truppenmacht verfügenden Civil- und Militärbehörde thaten, vom panischen Schrecken ergriffen, gar nichts; sie ließen Alles geschehen. Dies Geschehenlassen ward als ein Gewähren, als ein Genehmigen, als ein Aufgeben angenommen; man ließ das Heft freiwillig aus der Hand fallen und das Heft ward als res delicta vom Gegentheil aufgenommen.
Das Comite konstituirte sich öffentlich zum Central-Comite und ordnete den Landräthen Kreis-Comite's zu, es rief Massen auf, es ließ dieselben öffentlich unter den Augen der Civil- und Militär-Behörden einexerciren; Alles ließ man geschehen, Alles autorisirte man faktisch. Erst als 40,000 Mann Truppen im Großherzogthum versammelt waren, kehrte der Muth heim. Leider! Verwandelte sich derselbe sogleich in Wuth, in unauslöschlichen Rachedurst, wahrscheinlich aus Verdruß über das bis dahin so unbegreiflich Verabsäumte. Niederschmettern die nun verächtlichen Banden mit Kartätschen und Shrapnells ward nun die Losung und man eilte zur Ausführung.
Da erschien der General v. Willisen. Er brachte großmüthige Instruktionen vom großmüthigen Könige, er brachte Humanität und Edelmuth im eignen Herzen. Die Bewegung sollte in Güte beschwichtigt werden; es ward nationale Reorganisation des ganzen Großherzogthums, Bildung polnischen Militärs, vollständige Amnestie für die Betheiligten feierlich verheißen.
Diese Wendung empörte die erbitterten Polenfeinde, dem Königl. Friedensboten wurde öffentlich ein Pereat gebracht, hohe Beamten nahmen daran Theil, das Friedenswerk wurde dem Edlen auf alle Weise erschwert, mit großer Mühe gelang es ihm, eine nur dreitägige Frist zur Ausführung eines so schwierigen, so wichtigen Unternehmens sich zu erwirken. Offenbar war dabei die Hoffnung, das Unternehmen werde in so kurzer Zeit nicht gelingen, das Racheschwert werde dann freies Spiel haben.
Aber der unermüdliche, edle Willisen vermochte dennoch die Führer zu gewinnen, sie zu überzeugen, sie zur Entlassung der Massen zu bestimmen, sie zu vermögen, mit den zur Bildung des polnischen Militärs geeigneten Mannschaften bezeichnete Standörter zu beziehen.
Der etc. v. Willisen bezeugt öffentlich den Führern, daß sie mit Gefahr ihres Lebens das Auseinandergehen der Massen bewirkten, denn diese protestirten anfänglich, ernstlich warnend, die Verheißungen würden so wie immer so auch jetzt nicht gehalten werden.
Leider! verließ nun der edle v. Willisen die Provinz, offenbar durch die Auflehnung der Behörden, ja sogar des Militärs gegen seine friedliche Mission, dazu getrieben.
Es ist wohl ganz natürlich, daß bei dem Auseinandergehen so lose zusammenhängender Massen einzelne Unordnungen vorfallen mußten. Statt nun die einzelnen Urheber zur Verantwortung und Strafe zu ziehen, statt die Ausführung der diesfälligen Convention zu überwachen, zu leiten und friedlich, in dem Geiste des edlen v. Willisen, zu vollenden, erscholl nun das genehme Kriegsgeschrei: „Die Polen haben die Convention gebrochen,“ und sogleich wurde das Racheschwert geschwungen.
Nun folgten Gewaltthaten auf Gewaltthaten. Die eigenmächtige Erklärung der Stadt Posen in Belagerungszustand veranlaßte Exzesse auf Exzesse. Die in allen Richtungen ausgesendeten mobilen Kolonnen mißhandelten und mordeten Menschen, sie plünderten, entweihten Kirchen, wühlten Gräber auf, sie provocirten partielle Widerstände, ja neue Reunionen zur Selbstvertheidigung und auch zur Wiedervergeltung. Die von dem General v. Willissen den Cadern des künftigen polnischen Militärs angewiesenen Standorte wurden mit größter Uebermacht angefallen und die Cadern zersprengt; die dennoch von den so sehr verachteten Rotten bei Miloslaw und Wreschen erfahrenen herben Schläge erbitterten noch mehr; kurz, die Furie des Krieges waltete im Lande.
Da traf der Herr General v. Pfuel, als neuer Pacifikator und Organisator, ein. Sein erster Schritt war die Ausdehnung des Belagerungszustandes der Stadt Posen auf die ganze Provinz. Der zweite war die ganz neue Erfindung, die im Kampfe gegangenen Polen an Ohr und Hand mit Höllenstein zu marken. Der dritte, die nun zum achten Male wiederholte Löwentheilung polnischen Bodens. Der vierte, der Zuruf an das Landvolk, in dem hier eine Aufforderung zur galizischen Rache gefunden wird. Unterdessen dauerten und dauern noch jetzt fort alle möglichen Gräuelscenen in der Provinz, mit dem Zusatze, daß unter den Auspizien des neuen Pacifikators Bauern und Edelleute Kantschuhiebe erhalten. Die Einwohner der Provinz werden an die Zeiten der wilden tartarischen Horden erinnert. Unter so furchtbaren Umständen verlangte der Herr Pacifikator, ich solle durch ein Rundschreiben die Gemüther beruhigen. Ich antwortete, dies sei nicht möglich, so lange die entfesselte Brutalität der Soldateska nicht gezügelt werde Er verlangte ferner, ich solle öffentlich versichern, die katholische Religion und Kirche werde nirgends verletzt. Das konnte ich nicht nach meiner obigen Bemerkung. Doch scheint der Herr General nur fremdem Einflusse, nämlich dem Einflusse des hiesigen sogenannten deutschen Centralcomité's zu folgen.
Geruhen Ew. etc. etc. aus der hier beigefügten Posener Zeitung Nr. 115 geneigtest zu erfahren, daß das Comité sich dessen, bis jetzt unwidersprochen, selbst rühmt. Es zählt darin die herbeigeführten Erfolge prahlend auf und bezeichnet die noch von ihm zu erzielenden und die dazu veranstalteten Mittel. Darnach ist eigentlich das Comité die hier waltende Macht. Es entsendet auch seine Botschafter ins Ausland, um Mitschuldige für die Zertretung der unglücklichen Polen zu werben. Das hierbei kommende konstitutionelle Blatt enthält den Bericht eines solchen Botschafters, des hiesigen Professors Loew, über die Erfolge seiner Mission. Allerdings, war das Walten der Bureaukratie sehr betrübend. Aber die Tyrannei einer wilden Faktion ist doch bei weitem unheilvoller.
Geruhen Euer etc. etc. aus dieser sachgetreuen Schilderung geneigtest zu ersehen, daß das Militär allein die hiesigen Gräulscenen veranlaßt, ja verübt hat. Diese waren schon im vollen Schwunge, als mein Rundschreiben v. 21. v. M. erlassen wurde; es hat mit denselben nichts gemein. Uebrigens noch eine ganz ergebenste Bemerkung. Es wird mir immer und immer vorgerückt, auch Geistliche hätten bei der Bewegung sich betheiligt. Es läßt sich nicht abstreiten, daß der wilde Strom der europäischen Bewegung einige Geistliche in seinen Strudel gerissen hat. Ich, ein einzelner Priester, war dies zu verhindern außer Stande. Welche Macht hat denn diese Bewegung zu verhindern, welche bis jetzt ihr unübersteigliche Schranken zu setzen vermocht? Ich hatte die großen Weltangelegenheiten nicht zu lenken, die die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit ganzer Völker bedingen. Ich habe an der Zerreißung Polens nicht Theil genommen, welche die größten Männer Deutschlands in Frankfurt a. M. für schmachvolles Unrecht erklärt haben, ein Unrecht, daß aus keinem polnischen Herzen ausgetilgt werden kann.
Diese freimüthigen Worte trage ich kein Bedenken, in Ew. Excellenz humanes Herz vertrauungsvoll ganz ergebenst niederzulegen.
Posen,27. Mai 1848.
D. E. v. G. u. P
gez. X. Przylusti
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Hamburg, 10. Juni.
Eine durch das Gerücht schon seit einigen Tagen angemeldete Demonstration gegen die Thorsperre hat gestern Abend am Steinthore zu ernsten Exzessen geführt. Von der durch das unter dem Namen „der Lämmerabend“ bekannte Volksfest in großen Massen vor dem Thore versammelten Volksmenge wurden nach Eintritt der Thorsperre Versuche gemacht, das Thor auszuheben; die aus Bürgergardisten bestehende Thorwache machte vergebliche Versuche, die Ordnung aufrecht zu erhalten, und mußte sich zurückziehen. Die Masse drang darauf durch das Thor ein und steckte sowohl das Wachgebäude als das gegenüberliegende kleine Accisegebäude, in welchem sich die Sperrbude befand, in Brand. Mittlerweile war durch den Generalmarsch die Bürgergarde aufgeboten worden, und es gelang dem kräftigen Einschreiten derselben, die Ruhe herzustellen. Sowohl die Wache als das Accisegebäude sind durch das Feuer größtentheils zerstört. Mehrere der Tumultuanten sind verhaftet; Verletzungen von Bedeutung scheinen nicht vorgekommen zu sein. Heute ist die Ruhe wieder völlig hergestellt.
[(Börs.-Halle.)]
Italien.
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Edition: [Friedrich Engels: Die Österreicher scheinen die Lombardei aufzugeben. In: MEGA2 I/7. S. 124.]
[*]
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Mailand, 6. Juni.
Laut amtlichen Bülletins vom 5. und 6. d. M. hat am 4. Juni die erwartete Schlacht nicht stattgefunden. „Am 4. d. M.“, sagt das Bülletin vom 5. d. M. „setzten sich die Unsrigen in Bewegung, um den Feind anzugreifen. Bei Anbruch des Tages hörte man einige Kanonenschüsse. Als sie aber zu den Positionen gelangten, welche derselbe inne hatte, fanden sie dieselben verlassen. In der Nacht hatten sich die Oesterreicher nach Mantua zurückgezogen. Ihr Rückzug war so eilig, daß er einer Flucht glich.“ Dieses wird durch das Bülletin vom 6. d. M. vollkommen bestätigt. ‒ Die Sicherheit der Uebergabe von Peschiera soll Radetzky vermocht haben, sich in Mantua einzuschließen. Nur die Stellung bei Curtatone außerhalb Mantua wird noch von den Oesterreichern behauptet. Die Piemontesen sollen gegen Isola della Scala rücken, um die Verbindung zwischen Verona und Mantua abzuschneiden. ‒ Sodann heißt es in diesen Bülletins, daß die Piemontesen beim Vorrücken gegen Mantua die Felder mit Leichnamen bedeckt gefunden hätten, so, daß am 4. d. M. mit dem Feinde wegen Beerdigung der Leichen unterhandelt wurde. Die Zahl der Oesterreicher sei bedeutend größer. Der Verlust der Oesterreicher an Todten und Verwundeten in den letzten Maitagen wird vom Bülletin vom 6. d. M. auf etwa 5000 Mann angegeben. ‒ König Albert hat eine Menge Beförderungen in seinem Heere vorgenommen.
[(O.-P.-A.-Z.)]
Belgien.
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Brüssel, 12. Juni.
Der Prinz von Ligne, unser Gesandter zu Paris, äußerte in der Audienz, worin er seine Kreditivbriefen abgab, Belgien lebe seit 18 Jahren frei und glücklich mit seinen liberalen Institutionen. Frei und glücklich! Man sieht wohl, daß der Hr. Prinz nicht am Pauperismus leidet.
[(Voix du Peuple.)]
Ueber das Glück dieser Monarchie auf breitester demokratischer Unterlage folgende Notizen. In Brüssel sind mehr als 30,000 Arme eingeschrieben auf die Register der Wohlthätigkeitsbüreaus. Rechnet man dazu die Zahl der Nothdürftigen, die zu der Cambre, zu den Spitälern oder zu der Privatwohlthätigkeit ihre Zuflucht nehmen, so erreicht man eine Zahl von 40,000 Armen, d. h. ungefähr den dritten Theil der Bevölkerung von Brüssel. 1818 betrug die Zahl der Nothleidenden im östlichen Flandern 69,424, 1846 dagegen 214,166. Sie hat sich also mehr als verdreifacht in einem Vierteljahrhundert. Die Zahl der auf dem Lande wegen Mangel an Arbeit eingeschriebenen Individuen hat sich von 1818 bis 1846 vervierfacht. In dem westlichen Flandern ist das Elend noch allgemeiner. 1816 waren unter 642,600 Einwohnern 226,180 auf den Listen der Wohlthätigkeitsbureaus eingeschrieben, also mehr als ein Dritttheil der Bevölkerung. In dem kurzen Zwischenraume von 7 Jahren hat sich die Zahl der Nothleidenden um 100,000 vermehrt, ein Verhältn ß, das kaum in den unglücklichsten Distrikten von Irland erreicht wird. In dem östlichen Flandern betrug der Ueberschuß der Sterbefälle über die Geburten 1846: 1062, im westlichen Flandern 4010. Das Wachsthum des Elends führt größere Sterblichkeit im Gefolge; die Entbehrungen, die Leiden und der Hunger schlagen namentlich Greise und Kinder.
Eines der betrübendsten Symptome ist das Verlassen der heimatlichen Sitze. In einigen hat man selbst die lokalen Behörden die Auswanderung ihrer Paupers begünstigen sehn. Daher die Bettler und Vagabundenbanden, die ihr Elend und ihre Erniedrigung in den belgischen Städten zur Schau stellen kommen. In Folge davon hat sich die Bevölkerung der Gefängnisse seit zwei Jahren verdoppelt. Sie erhob sich von 5500 auf 11,000 und seit 3 Jahren sind mehr als 10,000 Kinder durch unsere Gefängnisse und Bettelhäuser gewandert, was der Zukunft eine hoffnungsvolle Generation verspricht.
Französische Republik.
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[*] Paris, 11. Juni.
In dem Augenblick, wo die Nationalversammlung ihre Abneigung gegen den Ankauf der Eisenbahnen von Seiten des Staats kund that und gleichzeitig in dem von Ihnen in einer Ihrer früheren Nummern beleuchteten Dekretentwurf über die Verwandlung der schwebenden Schuld in eine konsolidirte, mit der Agiotage liebäugelte, veröffentlichte das Journal „die Organisation der Arbeit“ die ersten Anfänge einer Vermögensstatistik von Paris. Die „Reforme“ in ihrer Nummer vom 10. Juni druckte aus dieser Statistik folgende Angaben ab:
Der Proletarier zu Paris, vor dem Februar, wenn er beschäftigt war, bezog im Durchschnitt einen Arbeitslohn von 2 Fr. 60 ‒
Seit dem Februar in Paris wie in den Departements 1 15 ‒
Louis Philippe besitzt ein Vermögen von Fr. 800,000,000
Der Herzog von Aumale 70,000,000
Madame Adelaide 70,000,000
Herzog von Montpensier 20,000,000
Baron von Rothschild 600,000,000
Baron Greffulhe 100,000,000
B. v. Mecklembourg 60,000,000
Hoop 40,000,000
Fould, Pritchardist und Kandidat für die National-Versammlung 30,000,000
Pellaprat 25,000,000
Hottinguer 25,000,000
Mallet 20,000,000
Halphen 20,000,000
Aquirrevengoa 20,000,000
Durand 20,000,000
Delessert (Bruder des letzten Polizeipräfekten) 20,000,000
Lafond 15,000,000
Rougemont de Loewenberg 15,000,000
Baudon 12,000,000
Delamarre, Martin Didier 10,000,000
Ferrère Lafitte 10,000,000
Also 2 Milliarden auf 20 Namen!
Die Veröffentlichung dieser Liste hat in der Sitzung der Nationalversammlung vom 10. Juni einen wahren Sturm heraufbeschworen. Proscriptionsliste! Direkter Aufruf zum Raubmord! Plünderung! So brandmarkte Bürger Jober, Volksrepräsentant, Flammen im Auge, mit bebenden Lippen, Entrüstung in jeder Gebärde, jeder Blick ein Blitz, Grabestiefe in der Stimme, Zornschnauben in den weitsichspaltenden Nüstern, die zwei frevelhaften Tagesblätter, die die Thatsache veröffentlicht hatten. Der Reichthum des Crösus auf der einen Seite! Die Armuth des Lazarus auf der andern! Ist eine solche Gegenüberstellung ein Verbrechen, so schafft die Statistik ab. Wenn die Statistik skandalöse, erbitternde Kontraste aufweist, liegt die Schuld an der Statistik oder an den Kontrasten? Aber die Herren sind sehr reizbar, die Herren, die an die Stelle Louis Philippes getreten sind. Man hat die Klubs geschlossen, die Maueranschläge gemaßregelt, ein drakonisches Gesetz gegen öffentliche Volksversammlungen dekretirt, es ist Zeit die große Giftmischerin, die Presse hinzurichten! Und darum denuncirt man die Presse der Arbeiter als infam, während man die Presse der Reaktion ungehindert die Republik, ihre Männer und ihre Ideen insultiren und verläumden läßt. Der Finanzminister Duclerc, ein Herr vom National, erklärt auf die Denunciation des braven Jober den angeschuldeten Artikel nicht zu kennen. Die Regierung respektire die Preßfreiheit, deren Machwerk die Revolution sei, aber, die Regierung werde ihre Pflicht thun, wenn ein Verbrecher begangen sei, wenn Provokation stattgefunden zum Mord oder selbst zum Haß. Zum Haß! Es ist dieß das Septembergesetz von 1835, das reaktionaire Gesetz von 1822. Der Justizminister Bethmont bestätigt diese Doktrin und Flocon selbst, der Sohn der Presse denuncirt wenn auch zunächst nur die Journale, die ihn persönlich angegriffen haben. Die Republik hat ihre Bellart, ihre Persil, ihre Plougoulm gefunden. Sie begreifen, welche Bestürzung hier herrscht, nicht unter der Arbeiterklasse, die daran gewöhnt ist, Revolutionen zu säen und Septembergesetze zu erndten, wohl aber unter den republikanischen Ideologen, unter den wahren Repulikanern, mögen sie sich nun auf Seite der Opposition, mögen sie sich auf den Bänken der Minister oder auf den Thronen unserer Pentarchen, unserer fünf Könige befinden.
Die Einen begreifen nicht, wie sie zu Werkzeugen der Reaktion geworden; die andern begreifen nicht, wie eine Errungenschaft der Revolution nach der andern in solcher Geschwindigkeit verloren geht. Wir lassen natürlich außer Acht die Männer des republikanischen Ceremonials, die Männer des National, einen Marrast, einen Marie, einen Garnier Pagès, die sich in ihrem Ideal übertroffen finden und wie alle hommes satisfaits, alle Zufriedengestellten, keine andere Wahl mehr haben, als zu sterben oder gegen das revolutionäre Leben zu reagiren. Wir haben doch direktes allgemeines Wahlrecht und das direkte allgemeine Wahlrecht ist doch die Form, worin sich die Volkssouveränität offenbart! Und dennoch ist das Produkt dieses allgemeinen Wahlrechts eine Versammlung die sich von der berüchtigten Chambre introuable von 1815 nur dadurch unterscheidet, daß sie die Kontrerevolution republikanisch einkleidet.
Aber die Herren vergessen die wirkliche Gestaltung der bürgerlichen Gesellschaft in Frankreich. Auf der einen Seite zwei Drittel der Bevölkerung Bauern, daneben eine Bourgeoisie, die in die verschiedensten Unterabtheilungen sich zerspaltet, von dem Finanzbaron bis zum Epicier und den Mitgliedern der Pariser Handwerker-Innungen hinab. Auf der anderen Seite ein nur in Paris und einigen wenigen Fabrikstädten koncentrirtes Proletariat. Dieß Proletariat hat die Februarrevolution gemacht. Hinterher wird sie natürlich nur so weit sanktionirt, als sie den Interessen der großen konservativen oder reaktionären Majorität des Landes zusagt. ‒ Eben das allgemeine Wahlrecht ist das Recht dieser großen Majorität. Spricht dieß gegen das allgemeine Wahlrecht? Keineswegs. Was helfen Künsteleien, welche der bürgerlichen Gesellschaft nicht gestatten, ihren entsprechenden politischen Ausdrucke zu finden? Das allgemeine Wahlrecht setzt die fortschrittfeindlichen aber der Zahl nach überwiegende Elemente der bürgerlichen Gesellschaft in die Luft der Oeffentlichkeit, wo sie bald verderben und absterben. Das allgemeine Wahlrecht ruft nicht den Zwiespalt der widerstrebenden Elemente hervor, aber es entfesselt ihn von den Schranken, die ihn in gebundenem Zustande halten und die wirkliche Lösung des Zwiespalts, wie den entschiedenen Kampf gewaltsam aufschieben. So zeigten schon die letzten Wahlen in Paris ein ganz anderes bewußtes Gegenübertreten der Klassen, als die ersten Wahlen, und die Illusionen der wahren Republikaner, denen es sich nicht um die Herrschaft der einen oder der andern Klasse, sondern um die Verwirklichung der Alle beglückenden Prinzipien „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ handelte, verhallen in schmerzlichen Klaggesängen. Wie wenig diese Männer des revolutionären Instinkts, der Aufopferung und der Begeisterung, die einfachsten Verhältnisse richtig zu beurtheilen und, zu behandeln wußten, bewies ihr Benehmen gegenüber der Bank, über deren wieder erwachenden Muth und wieder auflebende Macht sie jetzt Halloh schreien.
Sie erinnere sich: Gleich nach der Februarrevolution verweigerte die Bank nicht nur der provisorischen Regierung jede Anleihe. [0060] Noch mehr, die Herren, zunächst aus kontrerevolutionären Gründen, verweigerten auch allen Privatkredit. Wie gewöhnlich in den Krisen die Banquiers zuerst Alarm schlagen, aber auch die ersten Opfer ihres Alarmschlagens sind, indem ihre Verweigerung des Kredits auf sie zurückschlägt und das Publikum sie überrennt, theils um die Banknoten gegen baares Geld auszulösen, theils um das bei den Banken niedergelegte Gold und Silber zurückzuziehen ‒ so geschah es auch der Bank von Frankreich Sie. stand am Abgrund des Bankeruts. Die Bank wandte sich in ihrer Noth an die provisorische Regierung. Die provisorische Regierung hatte keine Verpflichtung gegen die ihr feindlich gesinnte und widerstrebende Bankaristokratie. Sie konnte sie ruhig, ohne irgend einen Eingriff in die geltende bürgerliche Gesetzgebung, Bankerut machen lassen und dann durch eine wirkliche, im Volksinteresse geregelte Nationalbank ersetzen. Was thut sie statt dessen? Sie erläßt ein Gesetz, wonach die Banknoten gezwungenen Kurs haben und Sie ertheilt der Bank dieß Privilegium, ohne ihr irgend welche neue Verpflichtung gegen den Staat aufzuerlegen. Die Bank hätte damals jede Konzession gemacht, um ihre Existenz zu retten. Vous me faites pitie avec votre générosité, rief einer unserer Freunde aus. (Eure Großmuth erregt mein Mitleid !) Die Bank dankt der Regierung für ihre Großmuth indem sie ihr den Kredit verweigert. Gestern Ihr, heute Wir. Und die Bank hat Recht.
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Paris, 10. Juni.
Gestern haben sich an der Port St. Denis beim Eintritt der Nacht wie gewöhnlich Gruppen gebildet, zwar weniger zahlreich wie an den vorigen Tagen, aber sehr aufgeregt. Neugierige besetzten die Erhöhung am Boulevard Bonne Nouvelle in der Nähe der P. St. Denis. Andere postirten sich zur Seite der Straße. Der größte Theil ging von Gruppe zu Gruppe und hörte, was gesagt wurde. Um das Monument herum waren die Massen sehr kompakt, und von 9 ‒ 11 Uhr wurde das Knäuel von Rednern und Schreiern von der bewaffneten Macht nicht gestört noch auseinandergetrieben.
1/4 nach 11 Uhr drangen starke Abtheilungen der Linie und der Garde Mobile durch das Boulevard St. Martin; sie kamen von der Douane, wo sie seit Einbruch der Nacht ein Piket gebildet hatten. Bei ihrem Auftreten stürzte man von allen Seiten auseinander; sobald die Truppen vorbeigezogen, bildeten sich die Gruppen von Neuem und fingen an jene auszupfeifen. Augenblicklich wurde die Trommel gerührt, und die Aufforderung erging, sich zurückzuziehen. Gut für diejenigen, die gehorchten, denn wenige Minuten später wurden alle Straßen, welche auf den Platz vor der Porte St. Denis führen, und die Boulevards von den Kompagnien der Linie besetzt; es wurde Befehl gegeben, Niemanden herauszulassen, und Aufwiegler und Neugierige wurden zusammen gänzlich eingeschlossen und gefangen.
Jetzt, wo wir dieses schreiben, dauert die Blokade fort. Ein großer Theil der Eingeschlossenen versucht vergebens aus dem Kreise zu entwischen, in den sie die bewaffnete Macht eingesperrt hat. Die Gefangenen laufen große Gefahr, bis zu Tagesanbruch bleiben zu müssen. Wir haben nicht gehört, daß irgend eine Unordnung an andern Punkten stattgefunden.
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@facs0060
Paris. Nationalversammlung vom 10. Juni
Die Sitzung wird eröffnet durch die Einstallirung des Haupts einer unschuldigen Dynastie. Georges Lafayette wird zum Vice-Präsidenten ernannt. Das Bureau zählt schon unter den Sekretairen Edmond Lafayette und unter den Questoren Buzeaux de Puzy, Schwiegersohn von Lafayette, ohne von den beiden Lasteyrie, Neffen Lafayette's, zu sprechen, die ebenfalls bald ins Bureau kommen werden. Es ist dies eine parlamentarische Dynastie. Bald wird eine mehr dynastische Dynastie an der Tagesordnung sein.
Die ganze Sitzung ist Berichterstattungen über Petitionen gewidmet. Dekretirt wurden dem Minister der öffentlichen Arbeiten 2,000,000 Fr. für die Fortsetzung der Eisenbahnarbeiten von Tours nach Nantes, eben so 2,960,000 Fr. für den Wiederaufbau von fünf Brücken. Ferner ging der gestern erwähnte Vorschlag von Pèan durch, wonach ein Antragsteller nur dann berechtigt ist, seinen Antrag zu entwickeln, wenn derselbe von 25 Stimmen un terstützt wird.
Die Sitzung war dagegen nicht leer an interessanten Zwischenvorfällen.
Bürger Jober. Ich denuncire der Versammlung eine sehr ernsthafte Thatsache. Das Journal, die Organisation der Arbeit, hat in seiner Nummer vom 8. Juni eine Liste der Bankiers von Paris veröffentlicht; den andern Morgen brachte es eine Liste der Notäre mit Angabe ihres Vermögens; es verspricht auch eine Liste der Grundeigenthümer zu veröffentlichen. So bezeichnet es diese Bürger dem Volkshaß. Dieser Artikel ist von der Reforme abgedruckt worden. Ich mache den Justizminister auf diese Thatsache aufmerksam. Ich frage ihn, ob es erlaubt ist, jeden Tag ungestraft zur Plünderung, zum Morde, zum Meuchelmord herauszufordern.
Duclerc, Finanzminister. Ich kenne diesen Artikel nicht. Die Regierung wird nie die Dienste vergessen, welche die Presse dem Lande erwiesen hat, aber wenn die Presse zu Verbrechen oder auch nur zum Haß aufreizt, so wird die Regierung ihre Pflicht thun.
Bethmont, Justizminister. Ich war im Augenblick der Interpellation nicht zugegen. Ich wiederhole, was mein ehrenwerther Kollege gesagt hat. Ich werde unmittelbar das öffentliche Ministerium mit Verfolgung des Urhebers dieses Artikels beauftragen.
Flocon, Handelsminister: Ich wollte nicht das Signal zu Preßverfolgungen geben. Begiebt man sich aber auf diesen Weg, so bestrafe man zuerst die kontrerevolutionären Journale, die selbst zum Meuchelmord gegen Mitglieder der Nationalversammlung aufgefordert haben. Duclerc, Finanzminister: Ich muß hinzu setzen, daß die executive Kommission gestern schon dem Polizeipräfekten Befehl ertheilt hat, gewisser Maueranschläge wegen Verfolgungen anzustellen.
Andrer interessanter Zwischenvorfall.
Bürger Auquerne. Ich verlange das Wort, um eine Interpellation an den Kriegsminister zu richten. In dieser Versammlung hat sich das Gerücht verbreitet, daß ein Infanterieregiment bei seinem Einzug in Troyes von der Nationalgarde mit dem Ruf: es lebe die Republik! empfangen wurde, dagegen antwortete: es lebe Louis Napoleon! (Aufregung) Ich bitte den Kriegsmi nister, uns über dies Gerücht aufzuklären! (Hört, Hört.)
Cavaignac, Kriegsminister. Mir ist nichts derartiges zu Ohren gekommen. Ich halte das Ganze für eine Verläumdung. Ich glaube, zur Ehre meines Landes, daß der Mann, dessen Name so unglücklich in diese Angelegenheit gemengt ist, unschuldig ist. Was mich anbetrifft, so weihe ich der öffentlichen Verfluchung den, der, statt sein Leben und seine Einsicht dem öffentlichen Dienst zu widmen, seinen Namen benutzen wollte, um auf das Unglück des Vaterlandes zu spekuliren.
Die Versammlung erhebt sich mit Enthusiasmus, und der Ruf: es lebe die Republik! ertönt von allen Seiten. Thiers wohnte heute der Sitzung bei. Er saß auf der zweiten Bank der rechten Seite.
Großbritannien.
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[*]London, 11. Juni.
Die Schifffahrtsdebatte im Hause der Gemeinen vom letzten Freitag wurde gegen Morgen plötzlich noch einmal ungewöhnlich interessant. Die unglücklichen ehrenwerthen Mitglieder, ermüdet durch die Diskussion eines ganzen Abends, einer halben Nacht, rafften alle ihre Kräfte zusammen, um noch den letzten Redner zu hören, der sich trotz alles Geschreis, trotz hundertstimmigen Forderns nach einer Theilung, mit wahrer Unbarmherzigkeit von der Bank der Opposition erhob, um den stundenlangen Reden seiner Kollegen auch noch die seinige folgen zu lassen. Es war Sir Robert Peel. Einst John Bull's geliebtester Sohn. In engen Hosen, in schneeweißer Weste und im blauen Rock, gerade so gekleidet wie am ersten Tage seines Erscheinens im Hause der Commons, so stand er da, der breitschultrige Held, jetzt die Rechte feierlich erhebend, jetzt seine grüne Papierbüchse schlagend mit der kräftigen Faust und jetzt eine jener Reden beginnend, denen Alt-England dreißig Jahre lang staunend zu horchen gewohnt war.
Sir Robert pflegt bei jeder großen Debatte erst unmittelbar vor der Abstimmung das Wort zu verlangen. Nächte lang sitzt er regungslos da, die Beine übereinandergeschlagen, die Hand in der Brusttasche seines Kleides, den Hut nicht selten tief herabhängend über das ernste Gesicht; er hat Alles gehört, er hat sich Alles gemerkt, was gesprochen wurde, da naht der Schluß der Debatte und auf springt er, den Raum des Hauses mit dem Tone seiner metallenen Stimme erfüllend. Sir Robert hat ein langes und schönes Leben hinter sich; er, der Sohn eines Baumwollspinners, den man einst von Rom herüberholte, damit er dem Vaterlande ein Ministerium gebe, er war daran gewöhnt, daß eine lautlose Stille seinem Erheben folgte. Wie einem Gewitter ging seiner Rede ein ängstliches Schweigen vorher; keines der ehrenwerthen Mitglieder verließ seinen Sitz, man horchte, man schaute ihn unverwandt an und hatte er geendet, da bebte das Haus von dem Applaudiren einer starken befreundeten Partei.
Wie sehr hat sich Alles das geändert! Als Sir Robert am vorigen Freitag sein Haupt erhob, da klang es: divide! divide! Von allen Seiten; man schrie, man scharrte. Der kleine Lord John bewegte sich unruhig auf seinem Platze; Lord George Bentinck's Lippen umspielte ein ironisches Lächeln und die Freihandelsleute par excellence, der Quäker Bright und Richard Cobden, sie sahen etwas spöttisch hinüber nach ihrem gelehrigen Schüler. Nur ein paar Dutzend stille Verehrer begrüßten den alten Herrn und Meister in gewohnter Weise ‒ es war ein trauriger Anblick. Dem armen Sir Robert mußte es mit Schrecken einfallen, daß er nicht mehr durchaus nöthig sei ‒ das Schlimmste, was einem Staatsmanne passiren kann!
Die Hauptsache ist, daß Sir Robert Peel bei der Abschaffung der Korngesetze vielleicht seinen letzten Triumph gefeiert hat. Der ehrenwerthe Abgeordnete für Tamworth war sein Leben lang ein Protektionist; die grundbesitzenden Tory's schauten auf ihn, wie die Matrosen auf die Magnetnadel. Sir Robert war der Hort aller Reichen und Schwachen. Da kam das Jahr 1839 mit der Manschester League. Hr Cobden erhob seine Sirenen-Stimme; Hr. Bright begann sein welthistorisches Gepolter und der Kolonel Thompson riß seine berühmten Freihandelswitze im Interesse der englischen Mittelklasse. Jahre lang gaben sie ihre Konzerte in allen Hallen, auf allen Bühnen und Platformen. Wer weiß wie lange sie vergebens musizirt hätten, wenn Gott selbst ihnen nicht zu Hülfe gekommen wäre und die große egyptische Plage der Kartoffelseuche gesandt ‒ das war das beste Argument für die League!
Halb England war damals für die Manchester Leute; die Freihandelsmänner entschieden die Debatten des Parlamentes, Sir Robert Peel hatte die Wahl ihnen zu folgen, oder auf der Stelle zu unterliegen. Er that das erstere. Er sagte den Tory's Lebewohl und warf sich in die Reihen der Mittelklasse; sein mächtiger Einfluß brachte die Sache zum Schluß ‒ die englischen Kornzölle wurden abgeschafft und Sir Robert Peel war für einen Monat lang der populärste Mann des Landes.
Aber ach, auch nur für einen Monat. Denn kaum war die Korn-Debatte vorüber, da standen ihm nicht nur die früher so befreundeten Tory's, schäumend vor Wuth über das Desertiren ihres Chef's, gegenüber, sondern auch die Whigs, mit ihrem ganzen Gefolge von radikalen, höchst zweifelhaften Größen, ließen ihn im Stich, da sie den armen Sir Robert nur momentan bei der Korn-Debatte benutzt hatten, und keineswegs willens waren, ihm auch noch in Zukunft als ihrem Führer zu folgen.
Das Schicksal Sir Robert's war entschieden. Er brachte die irische Zwangsmaßregel vor das Unterhaus und man ließ ihn durchfallen. Tod war der Riese und der kleine Lord John huschte in's Amt.
Wie die Sachen damals standen, so stehen sie auch noch heute. Sir Robert erhebt sich am letzten Freitag von seiner Bank; er nimmt das Wort in der Schiffahrts-Debatte; wie er sich für die Abschaffung der Korn-Zölle aussprach, so will er sich auch der Kornsequenz wegen, dem Angriffe auf die Navigations-Akte anschließen, eben weil die Abschaffung der letztern nur die Konsequenz einer Auflösung der erstern ist. Sir Robert spricht wie immer mit gewaltiger Stimme, er schlägt seine grüne Papierbüchse gerade so kräftig wie früher, er reißt seine Zuhörer mit sich fort, durch den Glanz seiner Wendungen, durch den Pathos seiner Beredsamkeit, ‒ aber dennoch bewegt sich der kleine Lord John unruhig auf seinem Platze, aber dennoch umspielt die Lippen Lord George Beutincks ein ironisches Lächeln und dennoch schauen der Quäker Bright und Richard Cobden fast spöttisch hinüber nach ihrem gelehrigen Schüler, denn die Tory's ärgern sich über ihren verlorenen Sohn und die Freihandelsmänner wissen recht gut, daß sie jetzt auch ohne Sir Robert siegen werden und als der unglückliche Mann endlich fertig ist, da folgt ihm nicht der donnernde Applaus einer starken, befreundeten Partei, nein, nur ein mageres: „Hört! Hört!“ ist der einzige Dank jener wenigen Getreuen aus einer bessern, dahingeschwundenen Zeit, und der ehrenwerthe Baronet setzt sich wieder, schägt die Beine über einander und läßt den Hut tief hinabhängen über das ernste Gesicht.
So ändert sich Alles und es ist rührend einen Helden alt werden zu sehen.
Vielleicht ist es aber gut, daß Herr Russell nicht wieder einst ein Herr Peel folgt. Ueberlassen wir den Chartisten die Sorge für die Zukunft.
[Anzeige]
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Schiffahrts-Anzeige. Köln, 11. Juni 1848.
Angekommen: Kapt. Scholten von Amsterdam mit 3715 Ctr. Kapt. Jurrius von Rotterdam mit 4418 Ctr. Kapt. Schneider von Dordt mit 4928 Ctr. H. W. Michels von Amsterdam mit 1981 Ctr. J. Wieler von Antwerpen mit 1183 Ctr.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich J. A. Orts; Nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr C. Königsfeld; H. Schuhmacher nach Koblenz und der Mosel und Saar L. Tillmann; nach der Mosel, nach Trier und der Saar N. Pisbach; nach Bingen J. B. Mundschenk; nach Mainz Anton Bender; nach dem Niedermain Fr. Schulz; nach dem Mittel- und Obermain C. W. Müller; nach Heilbronn Fr. Müssig; nach Kannstadt und Stuttgart Peter Kühnle; nach Worms und Mannheim M. Oberdahn.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Peer, Köln Nr. 10.
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Coesen Köln Nr. 2.
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Wasserstand.
Köln, am 13. Juni Rheinhöhe 8′ 4 1/2″
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Für Uhrmacher.
Ich zeige hiermit bestens an, daß ich stets einen Vorrath von sehr schönen französischen Uhrgläsern auf Lager habe, die sich durch feines Glas und billigen Preis auszeichnen.
Joh. Rik. Stiff, Wallrafsplatz 149.
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Glas- und Porzellan-Lager.
Unterzeichneter empfiehlt einem geehrten Publikum sein Lager von ordinären und feinen Glas- und Porzellan-Waaren, und bittet um einen großen Zuspruch.
Joh. Rik. Stiff, Walrafsplatz 149.
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Für Möbelschreiner.
Unterzeichneter hat stets einen Vorrath von farbigen Glasknöpfen mit Schrauben, für Kommoden, Schubladen etc. zu sehr billigen Preisen.
Joh. Rik. Stiff, Walrafsplatz 149.
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Maschinen-Chocolade-Fabrik
von
Joh. Rik. Stiff, Köln, Walrafsplatz 149.
Einem verehrten hiesigen und auswärtigen Publikum erlaube ich mir meine Chocolade-Fabrik in Erinnerung zu bringen. Alle Sorten Gesundheits-, Vanille- und Gewürz-Chocoladen sind stets in ihrer bekannten Güte vorräthig.
Weiß raffinirtes Schneetafelsalz en gros et en detail.
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Manufaktur-Waaren-Ausverkauf!
Hochstrasse Nr. 80, in der Handschuhfabrik bei A. Stern.
Eine Treppe hoch.
Das Lager besteht in Tuch, Bukskin [#] Stoffe zu Röcke und Hosen, 300 St. Sommerstoffe, Slipps, Tücher, Foullards, Westen, schwere Bettrills, Hausmacherleinen, Damentücher, Seide, Regen- und Sonnenschirme, Reisetaschen etc. ‒ Alle Waaren werden wegen Einstellung des Geschäfts weit unterm Einkaufspreis verkauft, so dass Aristokraten, Demokraten, Republikaner und Royalisten sämmtlich zufrieden gestellt werden können.
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Das Bürgerwehr - Musik-Chor
unter Leitung des Lehrers W. Herx
wird unter gefälliger Mitwirkung der Dilettanten und eines Sänger-Vereines
Donnerstag den 15. Juni 1848, Abends 6 Uhr,
ein großes
Vokal- und Instrumental-Konzert
im Garten des Herrn Rener, im Marienbildchen zu Deutz, veranstalten.
Das Programm wird ehestens veröffentlicht und am Eingange nebst den Liedertexten vertheilt werden.
Das vorbezeichnete Musik-Chor erlaubt sich, sämmtliche Bürgerwehrmänner, deren Angehörige, und Musikfreunde zur Betheiligung an diesem Konzerte ergebenst einzuladen, und bittet die betreffenden Bürgerhauptleute und Zugführer in ihren Kompagnieen die Subscriptionslisten zirkuliren zu lassen.
Da die Einnahme zur Anschaffung von nöthigten Instrumenten und Musikalien bestimmt ist, so glaubt das Musikchor bei seinen bisherigen Bestrebungen auf eine recht zahlreiche Theilnahme von Seiten der Bürgerwehrmänner hoffen zu dürfen.
Der Subscriptionspreis ist 5 Sgr. per Person. An der Kasse aber 71/2 Sgr.
Bei sämmtlichen Zugführern der Bürgerwehr-Kompagnieen sind Eintrittskarten zu haben.
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„Neue Rheinische Zeitung.“
General-Versammlung der Herren Aktionäre zur Berathung und Feststellung des Statuts und Abschluß des Gesellschafts-Vertrages auf:
Sonntag, den 18. Juni d. J., Morgens 10 Uhr,
bei Drimborn, Glockengasse Nro. 13 und 15.
Auswärtige können sich durch Bevollmächtigte vertreten lassen. Die Interims-Quittungen dienen als Eintrittskarten.
Köln, den 2. Juni 1848.
Das provisorische Comité.
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Ein ungewöhnlich großer Stör, den wir an 3. d. M. hier gefangen haben, ist noch lebend zu sehen bei
Gebr. Wattler am Thürmchen.
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Mann bittet den Herrn Lügen-Schoß-Sorländer aus Hafer Spanien sich in Nr. 11 der Rheinischen Zeitung naher auszudrücken über die Vergleichung der Katoffel- Gries- und Gerste-Bäckerei nach der neuen Blech. Da diese wirkliche bei welche die Vergleichung auch stattfinden wird, mit unser hanswurstlichen Ein und daselbe Firma führt.
(Nach dem Original gesetzt. [Anm. d. S.])
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Donnerstag den 15. Juni 1848, Vormittags eilf Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Waidmarkte zu Köln, Tische, Stühle, Schränke, eine Kommode, ein Schreibpult, ein Stubenofen, eine Appretir- und Klander-Maschine, eine große Balkenwaage, eine Handkarre, verschiedene Leinwand etc. etc. dem Meist- und Letztbietenden gegen gleich baare Zahlung öffentlich verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher,
Gassen.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Donnerstag den 15. Juni 1848, Morgens 10 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Waidmarkte zu Köln, Tische, Stühle, 1 Schreibpult, Schränke, 1 Kommode, Oefen, 1 Reisekoffer etc. öffentlich an den Meist- und Letztbietenden gegen gleich baare Zahlung verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher Lustig.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Samstag, den 17. Juni 1848, Vormittags 11 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Apostelnmarkte zu Köln, ein Sopha, einen Tisch, Stühle, eine Kommode, 1 Spiegel etc. etc. öffentlich an den Meist- und Letztbietenden gegen gleich baare Zahlung verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher Lustig.
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English newspapers in Brussels.
The Brussels Herald, established in 1827, is the only English newspaper in Belgium. It is published every Saturday. Price per quarter 5 francs, exclusive of postage out of Belgium. The Brussels Herald is an excellent medium for all advertisements addressed to English residents on the continent and English travellers. Office: ‒ 13 Rue des Boiteux, Brussels.
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Demokratische Pfeifenköpfe
zu haben bei
H. R. Brocke, Schildergasse 47.
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100,000 Stück Pfälzer Cigarren, aus einer aufgelösten Fabrik, per mille 3 Thlr., bei H. R. Brocke, Schildergasse 47.
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Der Gerant Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.