[0089]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No. 21. Köln, Mittwoch 21. Juni 1848.
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Die „Neue Rheinische Zeitung“ erscheint vom 1. Juni an täglich. Bestellungen für das nächste Quartal, Juli bis September, wolle man baldigst machen.
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Uebersicht.
Deutschland. Köln (der Berliner Adreßentwurf. ‒ Das Amendement Stupp. ‒ Neue Politik in Posen. ‒ Sitzung der Nationalversammlung vom 17. Juni). Bernkastel (der Abgeordnete Reichensperger). Berlin (die Vereinbarungsdebatte vom 17. ‒ Ministerielles. ‒ Natzmer und Griesheim). Breslau (Pinder legt auf der Bauern Gesuch sein Mandat nieder). Neisse (Vorbereitungen für den Belagerungszustand. ‒ Demokratischer Verein. ‒ Elend unter den Webern im Eulengebirge). Leipzig (Bombardement von Prag). Wien (Truppen nach Pesth. ‒ Prag bombardirt. ‒ Der päpstliche Nuntius). Triest (Blokade-Erklärung). Apenrade (Vertheidigungsmaßregeln). Flensburg (Truppenmärsche). Frankfurt (Bericht über die Centralgewalt). Waiblingen (Verhaftsbefehl gegen Hecker).
Italien. Wien (über Vicenza's Einnahme). Triest (Padua bombardirt). Insbruck (österreichische Bulletins. ‒ Walden vor Treviso). Mailand (Wahlgesetzvorschlag). Florenz (italienischer Bundestag). Ravenna (Rückzug der Neapolitaner). Bologna (Pepe.)
Französische Republik. Paris (Louis Philipp's Einladung an Henri V. ‒ Neue Jacquerie. ‒ Vermischtes).
Großbritannien. London (der Times-Korrespondent über die Bauern in der Vereinbarungs-Versammlung zu Berlin. ‒ Englische Heuchelei. ‒ Die westindische Frage. ‒ Die Chartisten-Bewegung). Dublin (Sympathie der Irländer für Ernest Jones).
Amerika. Boston (Kandidaten für die Präsident- und Vicepräsidentschaft. ‒ Kein Friede mit Mexiko. ‒ Industrieller Fortschritt der Sklavenstaaten im Süden der Union).
Handelsnachrichten.
Deutschland.
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[*] Köln, 20. Juni.
Wir erhalten so eben den folgenden Adreß-Entwurf, über den sich die Adreß-Kommission der Vereinbarungs-Versammlung zu Berlin am 18. d. M. endlich geeinigt hat. Dieser Entwurf wird heute wohl der Vereinbarungs-Versammlung zur Diskussion vorliegen.
Majestät!
Durchdrungen von dem Ernste der Gegenwart und mit freudiger Hoffnung für die Zukunft des Vaterlandes haben wir den königlichen Gruß vernommen. Die Ereignisse, welche in den letzten Monaten Europa tief erschütterten, haben auch Preußen unaufhaltsam in die allgemeine Bewegung gezogen. Insbesondere hat der gewaltsame Zusammenstoß in den Märztagen den bereits lange Zeit hindurch kundgegebenen Aeußerungen des Volkswillens öffentliche Geltung verschafft. ‒ Aus allgemeiner Volkswahl hervorgegangen, haben wir den Beruf zu erfüllen, mit Ew. Majestät eine Verfassung festzustellen, welche der Bildungsstufe des preußischen, wie des gesammten deutschen Volkes entspricht und volksthümliche Regierung im Staate, Selbstverwaltung bis hinab in die Gemeinden für immer sichert. Sie wird die gesetzlichen Bestimmungen beseitigen, welche bisher dem Grundsatze der gleichen Berechtigung aller Staatsangehörigen widerstrebten, um einzelnen Ständen besondere Vorrechte verliehen. Sie wird allgemeines Wahlrecht, Freiheit der Person, der Presse und der Rede, das Recht der freien Versammlung und Vereinigung, der Selbstständigkeit jeder Religionsgesellschaft gewährleisten. Sie wird eine volksthümliche, für den ganzen Staat gültige Gesetzgebung und Umbildung des Gerichts- und Heerwesens, so wie eine allgemeine Volksbewaffnung ins Leben rufen.
Auf solchen Grundlagen ruhend, wird die Verfassung die Bande, dauernd befestigen, welche die ruhmvollen Thaten hohenzollerischer Fürsten zwischen dem Volke und Ew. Majestät Hause geknüpft haben.
Die Gefahren, welche unser eigenes Vaterland bei einer längern Unsicherheit des öffentlichen Rechtszustandes bedrohten, haben es unerläßlich gemacht, daß wir gleichzeitig tagen mit den zu Frankfurt versammelten Vertretern des ganzen deutschen Volkes. Im Einklange mit Ew. Majestät stets bewährten Bestrebungen halten auch auch wir die Einheit Deutschlands als unverrückbares Ziel im Auge, und versichern unsere freudigste Mitwirkung zum Anschluß an das Werk, durch welches in Frankfurt die nationale Kräftigung des gesammten Volkes erreicht werden soll.
Der immer weiter um sich greifenden Noth werden Gesetze und Einrichtungen zur Hebung des Handels, der Gewerbe und des Ackerbaues, eine den Kräften der Einzelnen angemessene Besteuerung, Maßregeln zur Verbesserung der Lage des Arbeiterstandes entgegenwirken und das allgemeine Vertrauen wiederherstellen. Die Sorge des Staats für ein den Grundsatz der Lehrfreiheit festhaltendes öffentliches Unterrichtswesen wird die Bildung des gesammten Volkes erhöhen.
Die vollständige Darlegung der Finanzlage des Staats und der bisherigen Verwendung der Staatsmittel wird uns in den Stand setzen zu beurtheilen, in wie weit die Ersparnisse der Vergangenheit den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechen, und welche Maßregel zu ergreifen sein werden, diesem Bedürfniß zu genügen.
Die von Ew. Majestät eingeleitete Reorganisation des Großherzogthums Posen wird den beklagenswerthen Zuständen daselbst und den Zwiespalten der deutschen und polnischen Bevölkerung ein Ziel setzen. Möge dieser Akt der Gerechtigkeit die Wiederherstellung der nationalen Selbstständigkeit eines so lang unterdrückten Volkes begründen.
Der Kampf an den Nordmarken des deutschen Vaterlandes hat den alten Ruhm der Tapferkeit, Mannszucht und Menschlichkeit unserer Krieger neu bewährt. Wir hegen die zuversichtliche, von den Vertretern des deutschen Volkes getheilte Erwartung, daß die angeknüpften diplomatischen Unterhandlungen die siegreichen Erfolge der Waffen nicht preisgeben werden, daß Ew. Majestät Regierung durch eine feste und starke Politik die Ehre Preußens und Deutschlands wahren, und unserm Handelsstande den Ersatz der vorzugsweise von ihm der deutschen Sache gebrachten Opfer sichern wird.
Wir wünschen dem Land Glück, daß es Ew. Majestät gelungen, die friedlichen Beziehungen zu den übrigen fremden Mächten ungestört zu erhalten. Wir erkennen an, wie die in aufrichtiger Achtung der nationalen Entwickelungen beruhende Politik des neu umgestalteten westlichen Nachbarstaates hiezu wesentlich beigetragen hat. Je schneller und bestimmter diese nationale Entwicklung in Deutschland zu dem langersehnten Ziele, der Gründung eines freien und starken Bundesstaates führt, um so sicherer sind die Bürgschaften eines allgemeinen und dauernden Friedens, welcher die civilisirten Staaten in den Stand setzen wird, sich ihrer schönsten Aufgabe, der Förderung der Wohlfahrt, Kultur und Gesittung mit voller Kraft hinzugeben.
Berlin, den 18. Juni.
Die Nationalversammlung.
Die Adreßkommission.
(Folgen die Unterschriften.)
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Edition: [Karl Marx: Das Amendement Stupp. In: MEGA2 I/7. S. 143.]
[**] Köln, 20. Juni.
Hr. Stupp aus Köln hat zu dem Gesetze wegen Unverletzlichkeit der Abgeordneten
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[Feuilleton]
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Die Verhandlungen des National-Konvents über Louis Capet, Ex-König von Frankreich.
(Vergleiche den Moniteur vom Januar 1793.)
(Fortsetzung.)
Z. Dupont: Tod.
Potier: Das Gefühl der Menschlichkeit mag verletzt werden durch den schweren Spruch: das Gerechtigkeitsgefühl erheischt von mir, daß ich für den Tod stimme.
Ruelle: Ich erhole mir Raths in der Erklärung der Menschenrechte; ich eröffne das Strafgesetzbuch und finde eine schreckliche aber nothwendige Strafe: Die Todesstrafe. Nur bin ich der Meinung von Mailhe, und wünsche, daß die Versammlung untersuchen möge, ob sie in ihrer Weisheit es nicht räthlich fände, die Vollstreckung des Urtheils hinauszuschieben
Isabeau: Es widerstrebt meinem Charakter sowohl, als meinen Grundsätzen, einen Menschen zum Tode zu verurtheilen; aber ein Tyrann ist kein Mensch, und ich bin's ja nicht der verurtheilt, sondern das Strafgesetzbuch: übrigens ist dies das erste und letzte Mal, daß ich für die Todesstrafe stimme.
Bodie: Louis hat den Kontrakt mit dem Volke gebrochen: er hat seinen Eid gebrochen und eine Verschwörung gegen die Freiheit angezettelt. Dies sind seine Verbrechen, dies ist der Schuldige, über dessen Loos wir zu bestimmen haben, nicht als Richter, sondern als Staatsmänner, nicht in der Leidenschaft, sondern mit ruhiger Ueberlegung, wie es Männern geziemt, die über die Zukunft nachdenken, und die Vergangenheit zu Rathe ziehen. Die ganze Welt hat die Augen auf uns gerichtet, die Nachkommenschaft wird uns richten: das Heil des Staates hängt von unserm Beschlusse ab. Da nun die wahre Größe sich kund gibt, nicht durch die Größe der Hinrichtung, sondern durch die Größe der Menschlichkeit und der Mäßigung, durch die Thaten der Klugheit und nicht durch das Gefühl des Hasses und der Rache; da zu keiner Zeit ein Opfer von Menschenblut die Freiheit hat begründen können, so stimme ich für die Einsperrung Louis und seiner Familie, um später, in Friedenszeiten, depotirt zu werden.
Generois: Ich habe erklärt, daß Louis der Verschwörung gegen den Staat überwiesen ist; in Folge dessen stimme ich für den Tod. Ich erkläre außerdem, daß es mir für die öffentliche Sicherheit unbedingt nothwendig erscheint, dieses Urtheil so bald als möglich in Vollstreckung zu ziehen.
Servouat: Mag meine Meinung mir Schmähungen oder Verfolgung zuziehen: ich spreche sie frei aus. Louis ist allen Franzosen gehäßig; sein Leben kann unmöglich eine Gefahr sein. Wenn ihr ihn nun die Strafe seiner Schandthaten büßen laßt, so vermehrt Ihr dadurch die Macht eines andern Prätendenten, der sein Gold und seine Popularität für sich hat. Als Gesetzgeber und Staatsmann stimme ich dafür, daß Louis einstweilen eingesperrt und nach Beendigung des Krieges verbannt werde.
Amar: Louis ist überführt, Hand an die öffentliche Sicherheit, Hand an die Freiheit gelegt zu haben. Sein politisches Leben, seit der Revolution, ist ein Gewebe von Verbrechen: seine Existenz ist gehäßig, sein Tod ist nothwendig, um eine Revolution festzustellen, deren ewiger Feind er bleiben würde: Sein Tod: so will es die beleidigte Freiheit; sein Tod: so will es die Gleichheit der Rechte. Freiheit und Gleichheit der Rechte aber sind der einzige Despotismus, der uns regieren darf: ich schwöre es bei Brutus, ich schwöre es vor dem französischen Volke. Ich stimme für den Tod.
Real: Ein großes Volk ist immer großmüthig; es kennt keine Rache. Als Repräsentant des Volkes, glaube ich, daß die Meinung, die ich ausdrücke, die seinige ist. Ueberhaupt dünkt mir, daß die Todesstrafe aus dem Strafgesetzbuche auszumerzen ist. Ich stimme auf Einsperrung mit Vorbehalt, dieses Urtheil später in lebenslängliche Verbannung zu verwandeln.
Joussieux: Ich suche im Gesetzbuch die Strafe nach, welche Ludwig für seine Verbrechen verdient hat, und finde: den Tod. Nun frage ich mich, ob Louis Capet durch besondere Gesetzesbestimmungen ein Mittel finden kann, diese Strafe von seinem Haupte abzuwehren. Hier bietet sich die „Konstitution“ dar. Aber diese kann aus zwei Gründen hier nicht zugelassen werden. Erstens war Louis niemals konstitutioneller König gewesen, da er ja beständig gesucht hat, die Konstitution zu vernichten. Zweitens denke ich, daß das Recht, alle Verbrechen zu begehn, und zwar unbestraft zu begehn, dem gewesenen Könige nicht allein nicht gegeben worden, sondern daß es seinerseits Verbrechen gewesen wäre, ein solches Recht anzunehmen. Die sogenannte Unverletzlichkeit fällt also von vornherein weg. Ich frage mich nun, ob er nach den Regeln der Gerechtigkeit den Tod verdient hat, und meine Ueberzeugung ist: ja. Ich stimme demnach für den Tod.
Grenos: Louis ist der Verschwörung überführt. Die Strafe, welche das Gesetz über die Verschwörer verhängt, ist der Tod: ich trage auf Tod an.
Prost: Ich habe niemals gelernt, mit Königen zu unterhandeln: ich trage auf Tod an.
Babey: Ich stimme für Einsperrung und spätere Verbannung.
Ferroux: Louis ist der Verschwörung überwiesen: Staatsgründe können bei mir nicht die Stimme des Gewissens überstimmen: ich stimme für den Tod.
Loire-et-Cher.Brisson. Das Gesetz, ob schirmend, ob bestrafend, muß für alle gleich sein: so wollen es die ewige Vernunft, die ewige Gerechtigkeit, das Naturrecht. Die Erklärung der Rechte stimmt hiermit vollkommen überein. Das Strafgesetzbuch belegt mit Tod jeden Verschwörer gegen die innere und äußere Sicherheit des Staates. Auch schulden wir ein großes Beispiel sowohl den Völkern, welche zu allen Zeiten die Götzendiener der Könige, als den Königen, die ihrerseits stets die Tyrannen der Völker waren, aber von nun an es nicht mehr sein sollen. Ich stimme für den Tod Louis XVI.
(Fortsetzung folgt.)
[0090]
[Deutschland]
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Edition: [Friedrich Engels: Neue Politik in Posen. In: MEGA2 I/7. S. 147.]
[**] Köln. 20. Juni.
Wieder eine neue Wendung in der posenschen Angelegenheit!
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[19] Köln, 20. Juni.
Der Wilde, sagt man, zählt seinen Ruhm nach den eingebrachten Scalps, der christlich-germanische Kriegsmann den seinen nach den Tagesbefehlen, in denen er genannt worden, (Herr Pfuel nach der Zahl der geschorenen oder gebrannten Polenköpfe) ‒ und die Frankfurter Nationalversammlung rechnet ihre Ehre nach den gesegneten Ferientagen, welche sie feiert, denn dies sind stets die großen Momente, wo sie sich nicht kompromittirt.
Es ist eine wunderbar erbauende Geschichte um die parlamentarischen Schulübungen dieser erleuchteten Versammlung. Das Volk von Wien und Berlin, emporgejagt durch die Erschütterung der Pariser Februartage, zerschmettert das alte Joch seines von „Gottes Gnaden“ ihm auferlegten Despotismus und die zagenden Fürsten beugen sich vor der blutigen Errungenschaft seines souveränen Rechts; plötzlich schießen wie Pilze an allen Orten unbekannte Volksfreunde empor, sie halten Reden über die Größe der deutschen Nation, erklären dem Volk, daß es jetzt auf „gesetzlichem“ Wege seine Souveränetät und die Einheit des 34spaltigen Landes feststellen müsse, und das Volk sendet diese biedern theilnehmenden Freunde gen Frankfurt. Und was haben die Volksfreunde in Frankfurt gethan?
Die Versammlung hält seit länger als einem Monat Sitzungen, was für das Volk die Summe von circa 200,000 Thalern ausmacht, ‒ abgerechnet die geheimen Kosten. Und was hat die Versammlung bisher gethan?
Diese Frage ist im Volk laut und immer lauter geworden, bis sie in der Sitzung vom 17. die Versammlung selbst in ihrer Beschaulichkeit unterbricht. Hören wir, wie die Freunde der Volkssouveränetät ihr Gewissen erforschen.
Der Abgeordnete Jordan erinnert die Versammlung daran, daß es nicht darauf ankomme, ob sie sich selbst genug sei, sondern daß draußen ihre Mandatare auf sie warten. Er sagt: „Und was meinen Sie, was draußen über unser Feiern gesagt werde? Kaum sind die Feiertage vorüber, die der Kalender uns diktirt, so machen wir neue Feiertage.. Während Ereignisse sich wie Lawinen stürzen, legen wir, denen das Volk seine Zukunft anvertraut, die Hände in den Schooß, und machen Feiertage. Im Süden ein blutiger Konflikt zwischen einem König und seiner Hauptstadt, wo es noch ungewiß ist, ob das Haus der Bourbonen in Neapel überhaupt noch existirt, ‒ was thun wir? wir halten Feiertage. Eine deutsche Stadt im Süden ist bedroht vom Bombardement der Italiener, und wir? was geht es uns an, wir halten Feiertage. In Berlin betritt eine hohe Person in Generalsuniform die Rednerbühne und spricht das Motto des alten Systems aus, recht um den Unwillen zu provoziren, und schon ist Bürgerblut in den Straßen geflossen; doch das geht uns nichts an, wir, wir halten Feiertage. Diejenigen, welche seit 50 Jahren alle Lasten der Gesellschaft getragen, haben sich gewaltig geschüttelt, und drohen unsere ganze bisherige Kultur zerstören. Noch warten sie auf uns, aber ich fürchte, sie werden nicht mehr lange warten, und dann wird es heißen: es ist zu spät!“
Die Versammlung erschrickt. Die Erinnerung, daß nicht sie selbst, sondern daß das Volk draußen die Sauverainität übe, wirkt sogar auf die Rechte, welche diesmal zu trommeln und zu pfeifen vergißt. Der „edle Gagern“ versucht vergebens den Redner zu unterbrechen, der sich in seiner Anklage nicht beirren läßt.
Da erscheint Herr Jakob Venedey auf der Tribüne.
„Ein Hohn gegen unsere Versammlung, wie er dieser Tage hier in einer andern Versammlung ausgesprochen wurde, ist ein Verrath am Vaterlande!“
Herr Venedey rettet die bedrohte Souverainität der Versammlung; er erklärt, daß dem beschränkten Volksverstand draußen nicht das Recht zustehe, die weisen Maßregeln der souverainen „Konstituirenden“ mit Gelächter zu begrüßen; Jeder, der sich über die souverainen Bürger Venedey, Eisenmann, Jahn u. s. w. einen „unehrerbietigen Tadel“ erlaubt, ist als „Landesverräther“ dem preußischen Landrecht verfallen. Und um seinen Worten Nachdruck zu geben, fügt er mit salbungsvoller Rührung hinzu:
„Ich muß noch ein Wort sagen, was mir lange auf dem Herzen gelegen; ich bin 18 Jahre lang Flüchtling in Frankreich gewesen…“
Das Wort, welches Hr. Jakob Venedey so „lange auf dem Herzen“ getragen, verfeht seine Wirkung auf mildherzige Menschenfreunde nicht. Er hat es in Paris in der Demokratenversammlung im Salle-Valentino, im Kölner Gürzenich bei der Wahl zum Vorparlament, in Homburg bei den Wahlen zur Nationalversammlung überall mit gleichem Erfolg versucht. Kaum daß er jetzt seinen Busen geöffnet und den „Patriotismus mit allen seinen Geschwüren“ an den Tag gelegt, so strömt ihm der goldene Regen des Beifalls, die Pfennige der Popularität vor die Füße. Hoffen wir, daß das Ministerium Camphausen die Dulderschaft Venedey's taxiren möge, wie die Baiern den Biedermann Eisenmann taxirt haben; Herr Venedey wird dabei billig die Unterstützungen in Abzug stellen, welche er in Paris von den armen deutschen Arbeitern erhielt, als er seinen „Geächteten“ herausgab.
Die Versammlung fühlt sich unter dem Beistand solcher populären Dulder wiederum sicher gegen den „Hohn der Vaterlandsverräther,“ und als Kapp in der weiteren Verhandlung davon spricht, daß man „auf einem vulkanischen Boden“ stehe, können sich die Ritter der Rechten schon zu einem Hohngelächter aufraffen. Die „souveräne“ Versammlung ist sich selbst genug. Das Volk, dessen Souveränetät bei den Wahlen exploitirt wurde, ist nichts mehr, es hat zu erwarten, was die Konstituirenden, die Dulder und die Geduldeten über seine Zukunft beschließen.
„Diejenigen, welche alle Lasten der Gesellschaft getragen haben, warten auf uns; doch, was geht das uns an, wir, wir haben Feiertage!“
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[7] Bernkastel, 17. Juni.
Noch niemals habe ich die Volksmeinung sich mit solcher Einmüthigkeit und Entschiedenheit aussprechen hören, als es hier und in der ganzen Umgegend geschah bei der Nachricht, daß unser Deputirter, Hr. A. Reichensperger, Landgerichtsrath, gegen den Behrends'schen Antrag für die motivirte Tagesordnung gestimmt habe.
Von hier aus wurde mit aller Energie auf die Zusammenberufung einer Kreisvolksversammlung gedrungen, welche nächster Tage stattfinden und worin sich herausstellen wird, was man von dem genannten Herrn hält.
Nächstens der Bericht hierüber.
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[*] Berlin, 17. Juni.
Sie wissen schon, daß die Vereinbarungssitzung heute ausgesetzt und bis zum Dienstag vertagt werden mußte, weil der Ministerpräsident Camphausen erklärte, das Ministerium sei nicht mehr vollständig. Auch Patow soll abtreten.
Das neugestaltete Ministerium, streut man aus, wolle nur provisorisch gelten, da das ganze Ministerium Camphausen nur noch beabsichtige, die Adreßdebatte zu seiner Rechtfertigung abzuwarten und dann abzutreten. Hansemann arbeitet unterdessen durch Mittel jeder Art darauf hin, als Premier-Phönix aus der Asche des jetzigen Ministeriums hervorzugehn. Wie aber auch immer die ministeriellen Combinationen sich gestalten mögen, man wird sich aus dem linken Centrum ergänzen müssen. Schon die ziemlich sichre Kandidatur von Rodbertus weist darauf hin. Das linke Centrum, in viele kleine, sich gegenseitig bekämpfende Unterfraktionen gespalten, ist aber unfähig, ein Ministerium zu stützen. Die Leistung eines aus ihm hervor gegangenen Ministeriums würde von der Linken abhangen. Die Linke steigt daher an dem parlamentarischen Barometer.
Heute Morgen unterhielt man sich sehr lebhaft ‒ von dem Gerüchte, Petersburg habe ein Ultimatur, eine quasi Kriegserklärung erlassen. Die längst gehegte Ueberzeugung von einer Allianz zwischen dem preußischen und dem russischen Hofe, gab Anlaß zu leidenschaftlichen Aeußerungen. Nicht nur die pommerschen Gutsbesitzer, selbst rheinländische Conservative sollen auf den Listen des sogenannten Russenbundes, an dessen Spitze eine hochgestellte Person stehe, ihre Namen unterzeichnet haben. Wie dem auch sei, von allen Seiten ist man über einen Punkt einig, über das Ausbrechen eines Kriegs mit Rußland in kürzester Frist. Die Art und Weise, wie dieser Krieg geführt wird, muß manches Dunkel in unsern Staatsangelegenheiten aufhellen, namentlich auch die Stellungen einzelner Persönlichkeiten, ‒ ob sie Betrüger waren, ob Betrogene.
Der Kriegskommissarias Griesheim in seiner Erklärung über die Stürmung des Zeughauses betrachtet sie zuerst als politisches Ereigniß, um die Demagogen zu bezüchtigen. Durch politische Reden habe man die Masse aufgewiegelt. Hinterher wird aus dem politischen Ereigniß ein Kriminalfall, um die Masse zu brandmarken. Raub und Plünderung sei ihr Motiv gewesen. Man habe deßhalb auch hauptsächlich mit Silber beschlagene Waffen weggenommen, wobei der gute Herr freilich vergaß, daß es ganz dunkel im Zeughaus war, und durchaus die Zeit zu langer Untersuchung der Waffen fehlte. Es war ein wirklich genialer Einfall des Herrn Griesheim, die Uebergabe des Zeughauses an das Volk mit der Uebergabe der Festungen im Jahre 1806 an die Franzosen zu vergleichen.
Was übrigens den Hauptmann von Natzmer betrifft, so stellt sich nun hinaus, daß er alle Vertheidigungsmaßregeln ergriffen und sogar die Treppen hatte abbrechen lassen, daß er aber erklärte, abziehen zu wollen, als man drohte, das Zeughaus in Brand zu stecken. Er hat so Menschenleben gerettet und was Herrn Griesheim ungleich wichtiger erscheinen muß, er hat einen großen Theil der Kriegsmaterialien vor völliger Vernichtung gesichert. Durch den Verlust von 1100 neuen Gewehren, ist Herrn Griesheim zufolge der preuß. Staat schon in die größte Gefahr versetzt worden. Offenbar mußte er untergehn nach dem Verlust des sämmtlichen Materials, und Griesheim begrüßt den Hauptmann von Natzmer nicht als Retter des Vaterlands?
Die Linke und Rechte standen sich während dieser Auseinandersetzung drohend gegenüber, die heftigsten Unterbrechungen folgten sich. Viele verließen mit großer Entrüstung den Sitzungssaal. Was wohl Berlin sagen wird? Es ist vorherzusehen, daß die beruhigende Wirkung der Kammerbeschlüsse von vorgestern auf die Stadt, durch die Erklärung des Herrn Vicekriegsministers völlig paralysirt ist.
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[107] Breslau, 17. Juni.
Der Oberpräsident Pinder ist vorgestern wohlbehalten hierher zurückgekehrt. Man erzählt mir zugleich, daß dies in Folge einer Adresse der Bauern aus dem hiesigen Kreise, von welchen er zum Deputirten nach Berlin gewählt worden war, geschehen ist. Gewiß ist, daß er sein Mandat niedergelegt hat. Somit wird eine neue Wahl für den hiesigen Landkreis nothwendig. Das Benehmen Pinders hat den Leuten über ihre, durch allerlei Mittelchen, wie sie die Herren vom schlesischen konstitutionellen Centralverein gewohnt sind, zu Wege gebrachte Wahl die Augen geöffnet. Schon nach den ersten 14 Tagen kratzten sie sich hinter den Ohren und meinten : ja, die Andern hatten doch Recht, daß sie uns vor Milde, Pinder & Comp. warnten. Hoffentlich werden sie diesmal ihre Interessen besser wahrzunehmen wissen.
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@facs0090
[119] Neisse, 16. Juni.
Gestern wurde den hiesigen Offizieren mitgetheilt, daß Neisse aufs schnellste in Belagerungszustand versetzt werden soll. Zu diesem Zwecke sind bereits 5000 Arbeiter gedungen. Die Staatsforsten werden zur Herbeischaffung von Pallisaden bedeutend gelichtet werden. Hier kann man dies Räthsel nicht lösen; im Publikum zirkuliren die wunderbarsten Gerüchte. Heute wird hier ein demokratischer Verein gegründet; vorläufig sind allerdings erst 20 Personen unterschrieben; doch gerade in einem so reaktionären Nest, wie Neisse, ist der Anfang schwerer, als anderswo. ‒ Vorige Woche war ich in der Gegend um Langenbielau. Ich überzeugte mich von der Furchtbarkeit der dortigen Noth. War sie gleich schon seit vielen Jahren gräßlich, so hat sie doch jetzt den höchsten Gipfel erreicht. Es muß zum Biegen oder Brechen kommen. Die Fabrikanten haben jetzt zwei Drittel ihrer bisherigen Arbeiter entlassen; viele stellen ihr Geschäft ganz ein, sobald die noch vorräthigen Garne verwebt sind. Der fortwährende Hunger hat die Leute zum größten Theil schon so erschlafft, daß sie gleich dem Vieh ruhig ihre völlige Auflösung abwarten. Jetzt erst sehen wir ganz die Früchte jener heillosen väterlichen Regierung „von Gottes Gnaden“ vor unsern Augen. Jetzt erst treten die sonst von der Censur, Polizei und der Büreaukratie verheimlichten und in absichtliches, erzwungenes Dunkel gehüllten Thatsachen ans Tageslicht. Zu folgenden Thatsachen könnte ich noch tausend andere aus Vergangenheit und Gegenwart anführen.
Dem Weber Göbel auf dem Butterberge starb ein Kind vor Hunger und Frost. Man sah diese Familie um eine Suppe, aus warmen Wasser und etlichen Runkelrübenschnitten bestehend, versammelt. In den ersten Häusern gegen Weigelsdorf fand man in der Wohnung des Weber Weiß ein Weib mit 5 Kindern, kein Bett, keinen Stuhl, keinen Tisch, ein Paar Kinder nackt auf dem Stroh und ein einjähriges Kind ein und einen halben Tag ohne alle Nahrung dem Hungertode nahe. Der Weber Engel aus Ernsdorf ist vor Hunger halb blind geworden. In Steinkunzendorf wandeln viele Menschen bei lebendigem Leibe umher wie Leichen. Der Holzmacher Weber ist in einem Viehstalle vor Hunger gestorben. Außer diesem haben noch Mehre auf ähnliche Weise ihr unglückliches Leben ausgehaucht. Es sind Fälle vorgekommen, daß vor Hunger Gestorbene ohne Bahre auf Schiebkarren nach dem Kirchhofe gefahren wurden. Eine Mutter vergrub ihr Kind aus Mittellosigkeit selbst in einen Garten. Ein Vater erwürgte sein Kind in der Verzweiflung, weil es nicht Kleienbrei essen wollte. Kleien und erfrorene Kartoffeln tragen das Ihrige zum Hungertyphus bei. Die Sterbefälle aus Entkräftung wegen Hunger in Langenbielau, Steinkunzendorf, Steinseifersdorf, Schmiedegrund, Kaschbach, Friedrichshain, Stollbergsdorf, Tannhausen u. a. O. sind unzählig.
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@facs0090
Leipzig, 17. Juni.
Am 13. Juni gegen Mittag hatte das Militär in Prag vollständig die Oberhand und Fürst Windisch-Grätz beschloß, die Verbindung zwischen der Alt- und Neustadt zunächst herzustellen. Demzufolge ließ er die Kettenbrücke, die abgebrochen war, wieder herstellen und auf der kleinen Seite die Masse von Barrikaden, welche daselbst aufgeworfen waren, mit Sturm nehmen. Bei dieser Gelegenheit ist sehr viel Militär geblieben, denn abgesehen von dem Widerstand von den Barrikaden aus, wurde aus den Fenstern der Nachbarhäuser ununterbrochen auf dasselbe gefeuert. Dieser gegenseitige Kampf, der auch auf anderer Seite lebhaft fortgeführt wurde, dauerte bis Nachmittags gegen 6 Uhr, wo das Feuern eingestellt wurde. Es kam von der czechischen Partei zum Parlamentiren, und es wurde in Aussicht gestellt, daß die Studenten und die Menge die Waffen niederlegen würden. Allein, als es zur Ausführung kommen sollte, weigerte sich Alles und von czechischer Seite wurde im Gegentheil verlangt, daß Fürst Windisch-Grätz mit dem Militär die Stadt räumen sollte. Unterdessen war das Gerücht in der Stadt ausgebrochen, daß in der bevorstehenden Nacht alle Deutschen abgeschlachtet werden sollten. Großer Schrecken ergriff alle Gemüther und auf allen Straßen sah man ganze Familien auf der Flucht, die mit größter Lebensgefahr durch die Thore drängten, indem sie alles Hab und Gut der Plünderung preisgaben. Ueberall Verwirrung, Bestürzung, wohin sich das Auge nur wenden mochte. Nachdem die Friedensunterhandlungen also abgebrochen waren, zog sich die Menge nach Podskal, dem eigentlichen Sitz des Pöbels, zurück, wohin sie Jäger und Husaren verfolgten, um sie zu zerstreuen. Allein hier ist schrecklich gegenseitig gewüthet worden, 26 Husaren wurden vom Pöbel in die Moldau geworfen, und an diesem Platze dauerte der Kampf bis zum 14. Juni, früh halb 9 Uhr. An diesem Tage langte Graf Mensdorf von Wien an, um das Generalkomando zu übernehmen, in der Hoffnung, daß dadurch die Ruhe hergestellt werde, weil die Böhmen einmal gegen Windisch-Grätz einen unversöhnlichen Haß zu haben scheinen. Allein, es war dies eine vergebliche Hoffnung, der Tumult wiederholte sich von Zeit zu Zeit, der Kampf wurde erneuert und die czechische Partei hat die Altstadt vollständig in Händen und scheint Blut und Leben an den Kampf setzen zu wollen. Fürst Windisch-Grätz hat mit dem Militär die Stadt verlassen und sich mit demselben auf den Bergen aufgestellt, um von da aus die Altstadt zu beschießen. So ist der Lorenzoberg, die Marienschanze, der Ziskaberg mit Kanonen besetzt und das Clementinum, das Carolinum und Theresianum werden stark beschossen. Diese Nachrichten gehen bis zum 16. Juni früh; was von da an weiter geschehen, weiß ich nicht, hoffe aber gewiß, daß die Stadt von der wüthenden Czechenpartei befreit werden wird. Graf Franz Thun, der früher der Czechenpartei sich zuneigte, sich aber wieder von derselben lossagte, mußte auch seine Rettung vor deren Verfolgung in der Flucht suchen. Es gelang ihm, unter Entfernung seines Barthaares und in der Verkleidung als Hausknecht durch das Karolinenthal zu entfliehen. Es ist ein Jammer zu sehen, welche Gräuel verübt wurden. So wurde ein Papierhändler, Wilhelm Weiß, in wahrem Sinne des Worts gekreuzigt. Er hatte als Nationalgardist zwei Studenten erschossen; darauf demolirte man ihm das Haus und nagelte ihn selbst ans Holz. Haben sich die fliehenden Deutschen aus der Stadt mit Lebensgefahr gerettet, so stoßen sie gegen 5 bis 6 Stunden weit auf umherirrende Banden, die denselben von Demjenigen, was sie etwa gerettet, ohne Umstände Alles rauben, was ihnen gefällt. Prag ist fürchterlich verwüstet, in manchen Straßen ist kaum ein Haus von dem Bombardement verschont geblieben.
[(D. A. Z.)]
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@facs0090
[*] Aus der Mark, 19. Juni.
Es ist bemerkenswerth, mit welcher Miene phlegmatischer Unbekümmertheit unsere Reaktionäre die Nachrichten von den Bewegungen der russischen Truppen aufnehmen. Oefters scheint sogar auf ihren sonst so bekümmerten Gesichtern eine innere Befriedigung wieder zu strahlen, wenn sie da [0091] von hören, daß bald wohl „die Russen kommen werden.“ Manche mögen eine russische Intervention noch nicht gerade für nothwendig halten ‒ soviel ist gewiß: das letzte Argument, die ultimo ratio unserer Reaktionäre sind jetzt ‒ die Kosacken. Die Russen, so hört man unsere Philister sagen, die Russen sind noch lange nicht unsere ärgsten Feinde; die Russen sind noch immer die beste Einquartirung, sie machen sehr wenig Ansprüche; die russische Infanterie steht sehr fest im Feuer; die russische Kavallerie hat sehr gute Pferde u. s. w. Eines unserer neuesten, jetzt wie die Pilze aus dem Boden hervorschießenden Wochenblätter, hat sogar auf eine russisch-preußische Allianz, als auf den letzten Nothanker, hingewiesen!
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@facs0091
Wien, 15. Juni.
Das ungarische Infanterie-Regiment „Prinz Wasa“ ist gestern und heute von hier mit dem Dampfboot nach Pesth abgegangen. Die dortigen Auftritte reduziren sich übrigens auf einen Militärexceß, der indeß doch blutig gewesen ist, und in dessen Folge 4 Kompagnien des italienischen Regiments „Ceccopieri“ theilweise entwaffnet und nach Komorn verlegt worden sind.
Auch erfährt man, daß der päbstliche Nuntius von Innsbruck abgerufen sei. Dagegen ist Monsignor Morichini (ehemaliger Nuntius in München) vom Pabste dorthin gesandt, ohne diplomatischen Charakter, sondern mit einer Spezial-Mission betraut: um die Vermittelung des Pabstes zur Beendigung des italienischen Krieges anzubieten. Man glaubt, daß der Pabst als die Basis der Vermittelung die Abtretung Mailands aufstelle; und Viele meinen, Oesterreich werde nicht abgeneigt sein, Mailand zu opfern, wenn es dadurch Venedig sich erhalten könne.
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Wien, 16. Juni.
Die Wiener Zeitung meldet in ihrem amtlichen Theile: „Dem Ministerium ist im Laufe des gestrigen Tages nur eine telegraphische Anzeige des Bürgermeisters aus Prag zugekommen, nach deren Inhalte seit 8 Uhr Morgens die Stadt bombardirt wird und die Kommunikation mit dem Präsidium abgeschnitten ist. Das Ministerium bat dem Generale der Kavallerie, Grafen Mensdorff, und dem Hofrathe Klezansky bereits eventuelle Befehle ertheilt, und erwartet jeden Augenblick den Bericht und die Vorschläge der abgesendeten Kommissare, welche ermächtigt sind, die entsprechenden Maßregeln zur Herstellung der Ruhe unmittelbar in Anwendung zu bringen“
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Triest, 13. Juni.
Die Admirale Bua und Albini von der italiänischen Flotte haben folgende Blokade-Erklärung gegen Triest erlassen:
„Die beiden kommandirenden Admirale der sardinischen und venetianischen Schiffsdivisionen, geleitet von den philanthropischen Absichten ihrer Regierungen und erfüllt von der Achtung für das geheiligte Völkerrecht, welche die civilisirten Nationen ehrt und auszeichnet, hielten sich bei ihrer Kreuzung im Adriatischen Meere zur Vertheidigung der italiänischen Unabhängigkeitssache an den Grundgedanken, für den Handel keine Störung herbeizuführen, noch auch den Verkehr der Kauffahrteischiffe von irgend welcher Flagge, die österreichische mit inbegriffen, zu belästigen.
„Daher würden sie in Uebereinstimmung mit diesen Grundsätzen sich zu jeder Art von Nachsicht zu Gunsten der Stadt Triest verpflichtet halten, falls dieselbe, blos mit Handels-Angelegenheiten beschäftigt und in ihrem friedlichen Charakter verharrend, sich jeder militärischen Operation enthalten hätte.
„In Erwägung jedoch, daß die Stadt Triest, weit entfernt, ausschließlich eine Handelsstadt zu bleiben, die Function eines Kriegsplatzes übernommen hat,
indem es durch ein Kastell und mehrere Batterieen befestigt worden, und mit einer zahlreichen Garnison besetzt ist,
eine Division Kriegsschiffe aufgenommen hat, die fliehend vor dem italiänischen Geschwader durch Hülfe der österreichischen Lloyds-Dampfschiffe sich jetzt auf der Rhede in Angriffstellung befindet;
indem es die Küste und die Höhen mit Kanonen besetzt, um das System des Kreuzfeuers zu verstärken;
indem es sich der auf Kriegsfuß ausgerüsteten Dampfböte der Handelsgesellschaft des Lloyd bediente um die Blokade von Venedig aufrecht zu erhalten und jede Art kriegerischer Unternehmungen zu erleichtern;
indem es bisher Mittelpunkt der gegen die Küste von Venedig gerichteten Feindseligkeiten und Ausgangspunkt für alle Beförderung von Truppen, Proviant- und Kriegsmaterial gewesen ist;
indem es in der Nacht vom 6. Juni ohne die mindeste Herausforderung das Feuer gegen das italiänische Geschwader eröffnete, eben als dieses sich anschickte, Anker zu werfen, um den Tag darauf Unterhandlungen mit dem Gubernium einzuleiten;
indem es ungeachtet des Schweigens der Flotten-Batterieen fortfuhr, Kanonenschüsse abzufeuern, von denen einige beim Rückprallen die sardinische Fregatte „St. Michaele“ trafen;
in Erwägung, ferner, mit welcher Heftigkeit man sich von Seiten der österreichischen Armee auf italiänischem Boden schlägt, erklären die beiden Admirale, sich berufend auf ihr Kriegsrecht und gestützt auf die Aussprüche der geachtetsten und anerkanntesten Publizisten, der Stadt und Rhede von Triest die Blokade für alle Schiffe unter österreichischer Flagge, beginnend vom 15. des laufenden Monats Juni, indem sie schließlich den Anfang der Blokade für alle anderen Flaggen auf den 15. Juli festsetzen.
In Folge dieser Notifikation hat der Gouverneur Triest in Belagerungszustand erklärt.
[(J. d. öster. Lloyd.)]
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Triest, 13. Juni.
So eben (Abends um sechs Uhr) trifft das englische Dampfboot „Spitfire“, von Venedig kommend, mit der Nachricht ein, das Vicenza von unseren Truppen bereits genommen worden ist und Padua bombardirt wurde.
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Apenrade, 15. Juni.
Die preuß. Vorposten stehen 1/2 Stunde von hier. Hier hat man an einigen Stellen der Straßen das Pflaster aufgerissen und aus Bauholz, Steinen, Wagen etc. Barrikaden gemacht; ebenso an den verschiedenen Ausgängen der Stadt. Einige Zugänge hat man ganz verrammelt. Es werden überhaupt alle Vorkehrungen zur Vertheidigung der Stadt gegen etwaige Angriffe der Dänen getroffen.
[(B. Z.)]
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Flensburg, 16. Juni.
Die Insel Alsen soll fast gänzlich von dem dänischen Militär geräumt sein, welches nördlich nach dem Festlande geschifft zu sein scheint. ‒ Ein anderes Schreiben sagt: Unsere Stadt und die nähere Umgegend derselben wird täglich stärker mit Truppen besetzt; oldenb. und hannov. Batterien sind in diesen Tagen nach Norden durchpassirt, oldenb. Infanterie nach Angeln aus-, hannov. Infanterie dagegen von Süden einmarschirt und mehr Truppen werden nachkommen. Das nördliche Schleswig ist noch immer nicht unser.
[(B. Z.)]
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Waiblingen, 13. Juni.
Das k. Oberamt dahier hat unterm Heutigen dem Stadtschultheißenamt Winnenden die Weisung gegeben, Hecker, von dem die Rede ging, daß er durch Würtemberg nach Frankfurt gehe, im Betretungsfalle festzunehmen etc.
Schweiz.
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Chur, 14. Juni.
Die an der tiroler und italiänischen Grenze aufgestellten Schweizertruppen, sollten auf Anordnung der Tagsatzung entlassen werden. Eine Scharfschützenkompagnie ist auch bereits heute Mittag wieder hier angelangt. Die Bataillone waren auch bereits auf dem Rückmarsche begriffen, da begannen die Italiäner und Tiroler, die auf dem Stilfserjoch schon längere Zeit einander feindlich gegenüberstanden, die Feindseligkeiten. Deßwegen fand sich der eidgenössische Brigadier Gerwer veranlaßt, die Bataillone wieder zurückzurufen und sie in ihre frühern Standquartiere zu verlegen; mit diesem Schritt ist man hier so ziemlich allgemein zufrieden, da man überhaupt nicht begreifen konnte, daß man gerade jetzt, wo man stündlich einen Hauptschlag in Italien erwartet, die Grenzen entblößt.
[(Schw. M.)]
Italien.
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 21. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 149.]
[8] Mailand, 13. Juni.
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@facs0091
Florenz.
Die Patria von Florenz schreibt: Wenn wir nicht falsch berichtet sind, so ist der italienische Bundestag, der drei Reformstaaten (Regno Italico, d. h. Sardinien, Piemont, Lombardei, Parma, Reggio, Toskana und Kirchenstaat) bereits vereinbart. Die drei Staaten bereiten jetzt eine italienische Gesandtschaft an den ungarischen Reichstag vor, um ihm für die zu Gunsten der italienischen Nationalität ausgesprochenen Gefühle zu danken.
‒ Die römische Exoca schreibt aus Ravenna 31. Mai: Gestern kamen die Neapolitaner auf ihrem Rückmarsch hier an und zogen heute Morgen weiter nach Cervia. Der Padre Gavazzi kam um 9 Uhr und holte sie mit einigen jungen Leuten bei Classe fuori wieder ein, aber es gelang ihm nicht, ihre Feigheit zu besiegen, ja er konnte sich nicht lange bei ihnen halten, denn sie fingen an zu lärmen, zu schimpfen und zu drohen. Der neapolitanische Oberst, der diese Feiglinge befehligte, als er auf die Brücke von Bagnacavallo kam, sagte: Das ist das dritte Mal, unselige Brücke, daß ich dich mit Schande passire ‒ und schoß sich eine Kugel durch den Kopf.
‒ Der neapolitanische General Pepe, wird aus Bologna vom 7. Juni geschrieben, hat dagegen den Po passirt und ist mit 500 Freiwilligen der neapolitanischen Bürgergarde in Padua eingezogen.
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@facs0091
[*] Innsbruck.
Die neuesten österreichischen Armeebulletins verdecken die Ohnmacht des östreichischen Heeres mit unendlich breiten Schilderungen. Kleine Märsche, Gefechte und so wie zur Herstellung der Kommunikationen. Welden hat Treviso nicht genommen, sondern erst zur Uebergabe aufgefordert und mit Bombardement bedroht.
Französische Republik.
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Paris, 18. Juni.
Die Erhebung der Steuer von 45 Cent. hat die ganze Umgegend von Guéret in Aufregung gebracht. Die Bauern bedrohen mit Tod alle diejenigen, die sie zahlen oder erheben würden. Die Gendarmerie von Guéret wollte der Ortsbehörde Beistand leisten, um die Beitreibung der Steuern auf dem Lande zu bewirken. Es entstand daraus ein Kampf, in dem 4 Bauern gefangen genommen wurden. Mehr bedurfte es nicht, um den Aufstand allgemein zu machen. Die Sturmglocke wurde in allen umliegenden Gemeinden gezogen, und eine ungeheure Volksmasse strömte herbei, um auf Guéret zu ziehen, und die Gefangenen zu befreien.
Sofort wurde in der Stadt der Rappel geschlagen und 400 Mann standen alsbald unter Waffen. Die insurgirten Bauern mit Flinten und Sensen bewaffnet, waren indessen an den Thoren der Stadt angelangt. Alle Anstrengungen der anwesenden Volksrepräsentanten und des Prokurators der Republik, die Bauern zu besänftigen, blieben ohne Erfolg. Ein Schuß, der, wie es scheint, von Seiten der Insurgenten fiel, gab das Signal zum Angriff. Die Nationalgardisten gaben Feuer, und 15 Bauern fielen mit einem Male. Ein panischer Schrecken bemächtigte sich ihrer; sie flohen nach allen Seiten, und 30 Mann ungefähr wurden arretirt.
Die Nationalgarde ist immer noch unter Waffen; der Rappel wird geschlagen; denn man erwartet jeden Augenblick 6 bis 7 Gemeinden, die auf die Stadt ziehen.
Zu Ahun hatte man am Freiheitsbaume Drohbriefe angeheftet gegen alle diejenigen, welche die 45 Centimes Steuer zahlen würden. Neben diesen Drohbriefen befanden sich Stricke an den Aesten des Baumes.
Aehnliche Auftritte sind vorgefallen in den Departements der Haute-Garonne, der Tarn-et-Garonne u. s. w.; die Zulagesteuer von 45 Cts. auf das Grundeigenthum wird eine neue Jacquerie in's Leben rufen.
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[15] Paris, 18. Juni.
Im Ministerium des Innern ist man den rothen Fäden auf die Spur gekommen, welche die alten Bourbonen mit den neuen zusammen knüpfen sollen. Es scheint gewiß, daß Louis Philipp dem Frohsdorfer Wunderkinde eine sehr schmeichelhafte Einladung hat zugehen lassen.
‒ Gestern, nach dem Schluß der Sitzung der Nationalversammlung, bildete sich ein bedeutender Auflauf auf dem Platz Bourgogne und vor dem Eingangsgitter des Palastes der Nationalversammlung. Die Repräsentanten hörten bei ihrem Durchgang durch verschiedene Gruppen den Ruf: Die 25 Francsstücke sollen leben! Nieder mit den Repräsentanten! Es lebe Napoleon! Mehrere Arrestationen fanden auf dem Platze Statt. ‒ Die Mobilgarden und die Truppen, welche den Palast Bourbon bewachen, traten unter die Waffen. Der General Negrier, begleitet von seinem Adiutanten, hat ihre Reihen durchlaufen.
‒ Es bildet sich in diesem Augenblick eine Art Bourgeoisligue in den Reihen der Nationalgarde gewisser Städte des Nordens, um im Nothfall der Bourgeoisie von Paris zur Hülfe zu eilen. So z. B. zu Amiens und Cambrai. So in dem entfernteren Weichbild von Paris, in Brie-Comte-Robert. Ja ein Bataillonschef der Nationalgarde zu Paris veröffentlicht ein Schreiben an alle Nationalgarden von Frankreich und speziell an die der benachbarten Kommunen, worin er ihnen anempfiehlt, auf die Hauptstadt loszumarschiren, an dem Tage, wäre es auch nur ein einziger Tag, wo ihnen nur die Oppositionsjournale zukämen. Es ist dies ein offenbarer Aufruf zur Gesetzesverletzung, da die sedentaire Nationalgarde, im Unterschiede von der mobilen, unter keinem Vorwand die Gränzen ihres Bezirks überschreiten darf.
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@facs0091
Paris, 18. Juni.
Der Moniteur bringt die in der Sitzung vom 6. d. angenommenen Vervollständigungen des mangelhaften floconschen Gewerkverständigengesetzes (conseils des prud'hommes).
‒ Ein zweites Dekret erhöht die Zahl der Schiffslieutenants erster Klasse von 110 auf 325 im Gesammtumfange der franz. Marine.
‒ Ein drittes Dekret spricht sich über ihr Dienstverhältniß zur See aus. Sie allein sollen künftig nur die Fahrzeuge von 160 Pferdekräfte, die Kanonirbriggs, Goeletten, Kutter und andern Fahrzeuge der Geschwader befehligen.
‒ Der Moniteur vom 18 Juni enthält eine offizielle Tabelle über Produktion und Consumtion des Runkelrübenzuckers (su cre indigène) in ganz Frankreich vom Mai 1847 bis zum Ende d. Mai 1848. Hiernach beträgt die Gesammtmasse dieses vorzüglich in dem Aisne-, Nord, Oise, Pas de Calais, Somme und 14 anderen Departements gewonnenen Nahrungsstoffes während dieses Zeitraumes nicht weniger als 80,726,068 Kilogramme.
‒ Den um Paris liegenden Garnisonen ist der Befehl zugegangen, sich auf den Wink marschfertig zu halten.
‒ Der Verfassungsausschuß hat seine Arbeiten vollendet. Der neue Entwurf wird morgen gedruckt und vertheilt werden. Er zählt nicht weniger als 139 Artikel.
‒ Die Untersuchung gegen die sogenannten Staatsverbrecher in Vincennes ist zu Ende.
Thiers wurde gestern Abend, beim Verlassen des Sitzungssaales, persönlich von der Menge beleidigt.… Er hat die Wahl von Paris angenommen. In den übrigen Departements sind deshalb neue Wahlen vorzunehmen.
‒ Unter den von der Polizei ergriffenen Papieren der Napoleoniden befinden sich auch Offizierdiplome, die der Prinz schon in London für die neue republikanische Kaisergarde ausgestellt hatte.
‒ Seit gestern zeichnen sich die Anhänger des Prätendenten durch Medaillen aus, die sie an seidenem Bande auf dem Rockaufschlag tragen. Irrte sich unser Blick nicht, so sahen wir auf der einen Seite dieses Spielzeugs das Bildniß des Prinzen.
Großbritannien.
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@facs0091
[*] London, 17. Juni.
Ein frommer Engländer ist das posierlichste Wesen, was man sehen kann. Ein Engländer ist zu Allem fähig. Sechs Tage lang in der Woche schüttet er Sand in den Puderzucker und Cichorien in den Kaffe; sechs Tage lang kauft er die Milch mit Wasser und den edelsten Wein mit noch viel edlerem Schnapse; sechs Tage lang mischt er die Baumwolle zwischen die Wolle und das Eisen zwischen den Stahl; sechs Tage lang rudert er gleich einem geschäftigen Seeräuber auf allen Börsen herum, seiner Haut sich zu wehren und seine Zeit zu verkaufen so theuer als möglich; sechs Tage lang fabrizirt er wie jener Birminghamer Fabrikant Götzenbilder zum Export nach den Hochebnen Asiens oder nach den Inseln der Südsee; sechs Tage lang malträtirt er seine Arbeiter, seine „Hände“ wie er es nennt, schlimmer als der Westindianer seinen Sklaven, als der Russe seinen Leibeignen; sechs Tage lang kennt er weder Vater noch Mutter, weder Bruder noch Schwester, weder Weib noch Kind; sechs Tage lang kennt er nur die Höhe des Disconto, nur des Wohlwollen seines Banquiers, nur Pfund, Schilling und Pence; sechs Tage lang denkt er nicht an Moses und die Propheten, nicht an Josua und die Richter, nicht an Saul und die Könige; sechs Tage lang denkt er nur an sich, und nur wieder an sich und nur immer an sich; kurz sechs Tage lang in der Woche ist der Engländer der wahre Engländer, der nie aus seiner Rolle fällt, der mit derselben Gemüthsruhe und mit derselben Gewissenhaftigkeit gerade so gut lügt und betrügt wie jeder andere ehrliche Mensch auch, so weit das Meer um die Küsten der Kontinente rollt, so weit der Spruch bekannt ist, daß die Sünde zwischen Käufer und Verkäufer steckt wie ein Nagel in der Wand. Kommt aber der Samstag Abend heran, ja, schlägt es 12 Uhr Nachts, da wäscht der Brite plötzlich seine Hände, er verzieht das Gesicht in die feierlichsten Falten, er macht große, moralische Augen und ist es Sonntag Morgen, da sehen wir ihn in die Kirche gehen, so steif und so anmuthig, fromm wie ein Lamm Gottes unschuldig, und wir hören ihn seinen David'schen Psalm singen so lieblich säuselnd, wie er dem Busen entschwebt der holdseligsten Jungfrau. Die Heuchelei erstreckte sich von jeher bei den Engländern von dem Ersten bis zum Letzten; sie ging hinab von dem Lord des Parlamentes, der aus höchst ökonomischen Gründen für die Emanzipation der Sklaven schwärmte, bis zu dem ärmsten Krämer der die um jeden Bleistift, um jedes Stück Siegellack irgend ein-n Spruch seines freihandelslustigen Protektors wickelte. Vor allen Andern zeichnen sich indeß stets die Helden und die Hirten der anglikanischen Kirche in der Handwerkswuth der Heuchelei aus. Wir hatten davon in den letzten Tagen wieder das herrlichste Beispiel. Sie erinnern sich vielleicht noch der ragged schools der sogenannten Lumpenschulen von denen ich Ihnen neulich schrieb?
Diese echt englischen Anstalten, welche allen nackten, elternlosen und verlassenen Kindern größerer Städte zur beliebigen Benutzung offen stehen, sind gewiß in mancher Beziehung ein wahrer Segen für den unglücklichsten und verworfensten Theil der jugendlichen Bevölkerung. Die geistlichen Korporationen unterstützten sie auch; namentlich das Erziehungs-Bureau für die Londoner Diözese, den Bischof von London an der Spitze. Da wird aber neulich die jährliche Versammlung des Vorstandes gehalten und ehe man sich's versieht, tritt ein Herr Dodsworth, einer jener frommen Wütheriche auf, und legt den entschiedensten Protest dagegen ein, daß auch nur ein Pfennig zu weiterer Unterstützung hergegeben werde, wenn man nicht sofort in allen Lumpenschulen den Katechismus der anglikanischen Kirche einführe, und ihn zum Haupttexte des ganzen Unterrichtes mache. Die Kinder sollen weder schreiben, noch lesen, noch rechnen lernen, aber sie sollen wissen was in dem Katechismus der.Hochkirche steht; sie sollen lieber auf den Straßen, in den Schlupfwinkeln der Diebe, in dem Morrast der Bordelle zu elendigen Geschöpfen heranwachsen, wenn sie nicht gerade das lernen, was der einflußreiche Herr Dodsworth will, nämlich den Katechismus der Episkopal-Kirche. Wer ist dieser Herr Dodsworth? wer ist dieser große, grausame Philantrop? Zehn gegen eins gewettet, er hat auch schon einmal Sand in den Zucker gestreut und Cichorien in den Kaffe; sicher und gewiß hat er auch schon einmal Baumwolle zwischen die Wolle gemischt und Eisen zwischen den Stahl; sicher und gewiß geht er auch jeden Sonntag Morgen in die Hallen der Westminster Abtei um seinen davidschen Psalm zu singen; ja sicher und gewiß, der Herr Dodsworth wird nicht besser sein, wie alle seine frommen Kollegen ‒ selbst der Bischof von London wies den Antrag dieses Menschen mit Indignation zurück.
‒ In der Times vom 17. Juni befindet sich eine Korrespondenz aus Berlin vom 13., welche über einen Theil der dortigen Nationalversammlung sich also ausspricht:
„Die Wahl von unwissenden und ehrlichen Bauern“ hat lediglich dazu gedient, derjenigen Parthei die sich ihrer zuerst zu bemeistern wußte, einige willenlose Stimmen zu verschaffen. Die „Hampdens vom Dorf“ haben bis jetzt ihre örtliche Reputation, ohne die sie doch wohl nicht gewählt worden wären, durch nichts gerechtfertigt. Von einer Fähigkeit zur Erfüllung ihrer Pflichten ist noch keine Spur bei ihnen zu sehen gewesen. Ihr schäbiges und zurückstoßendes Aeußere zieht ihnen reichliche Sarkasmen auf den Hals. Man erzählt sich von ihnen allerlei unkultivirte oder als solche in einer verfeinerten Hauptstadt erscheinende Gewohnheiten, z. B. daß sie gekochtes Fleisch in Papier gewickelt in ihrem
(Siehe den Verfolg in der Beilage.)
[0092]
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@facs0092
Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
17. Juni. Anna Maria, T. v. Michael Rosen, Gärtner, Waiseng. ‒ Anna, T. v. Ludwig Alois Braun, Anstreich., Obenmarspforten. ‒ Marg. Hubert., T. v. Joh. Arnold Custodis, Barbier, Hahnenstr. ‒ Klara Ludovika Maria Charlotte Napol., T. v. Karl Jos. Flosbach, Adv., Kupferg.
Sterbefälle.
17. Juni, Louise Sader, 1 J. 7 M. alt, Follerstr. ‒ And. Heister, 5 W. alt, Katharinengr. ‒ Gertr. Franziska Maria Josepha Falke, 20 J. alt, unverh., Stolkgasse. ‒ Mathilde Speath, 7 M. alt, Kostg. ‒ Elis. Zaar, 3 W. alt, Follerstr. ‒ Maria Anna Elis. Fröhlich, Wwe. Steinbüchel, 37 J. alt, Entenpfuhl.
Heirathen.
17. Juni. Joh. Wilh. Beynens, Unteroffizier von Deutz und Anna Kath. Schmitz von hier.
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@facs0092
Schiffahrts-Anzeige. Köln, 20. Juni 1848.
Angekommen. Hegewein vom Obermain.
Abgefahren. Fr. Schulz nach dem Niedermain.
In Ladung: Nach Ruhrort b. Emmerich H. Lübbers; Nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr A. Meyer, C. Kaiser, C. Roesener und Math. Pera; nach Koblenz und der Mosel und Saar Jak. Tillmann; nach der Mosel, nach Trier und der Saar N. Pisbach; nach Bingen J. B. Mundschenk; nach Mainz Anton Bender; nach dem Niedermain Ph. Würges; nach dem Mittel- und Obermain B. Krans; nach Heilbronn H. Bechert; nach Kannstadt und Stuttgart Peter Kühnle; nach Worms und Mannheim J. B. Mundschenk I.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Jurrius, Köln Nr. 18.
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Schüller, Köln Nr. 30.
@typejAn
@facs0092
Wasserstand.
Köln, am 20. Juni. Rheinhöhe 8′ 5″.
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@facs0092
Bekanntmachung.
Bei dem Ablaufe des 2. Quartals werden die betreffenden Zeitungs-Interessenten darauf aufmerksam gemacht, daß die Bestellungen auf auswärtige Zeitschriften pro 3. Quartal resp. 2. Semester c. bis zum 22. d. M. bei der hiesigen Ober-Postamts-Zeitungsexpedition gemacht sein müssen, wenn eine rechtzeitige und vollständige Lieferung der Zeitungen erfolgen soll, und daß nur solche Bestellungen berücksichtigt werden können, für welche die Vorausbezahlung des Betrages stattgefunden hat.
Köln, den 14. Juni 1845.
Ober-Postamt.
Rehfeldt.
@typejAn
@facs0092
Bekanntmachung.
Dienstag den 27. Juni 1848, Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Flur der Brief- und Paket-Annahme circa 500 Pfund Makulatur-Papier und ein altes unbrauchbar gewordenes Felleisen öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden.
Köln, den 17. Juni 1848.
Ober-Postamt
Rehfeldt.
@typejAn
@facs0092
Auszug.
Das hiesige Landgericht hat durch das am gestrigen Tage in Sachen der Anna Barbara Fröhlich, Ehefrau des Geometers Gustav Eschweiler, ohne besonderes Gewerbe in Köln wohnhaft, Klägerin, vertreten durch Advokat-Anwalt Court, gegen ihren genannten Ehegatten, Gustav Eschweiler, Geometer, ebenfalls in Köln wohnhaft, Verklagter, ohne Anwalt, und gegen den in Köln wohnenden Johann Peter Weyer, ehemals Stadtbaumeister, jetzt Rentner, Intervenient, vertreten durch Advokat-Anwalt Zimmermann, erlassene Urtheil die zwischen der Klägerin und dem Verklagten bestandene eheliche Gütergemeinschaft mit allen gesetzlichen Folgen ausgesprochen, und der Notar Reusch zu Köln zur Liquidation und Auseinandersetzung committirt, welches ich hierdurch auf Grund des Art. 872 der Civil-Prozeßordnung zur öffentlichen Kunde gelangen lasse.
Köln, den 20. Juni 1848.
Court,
Anwalt der Klägerin.
@typejAn
@facs0092
Die so beliebten Kirschen-Torten sind täglich frisch zu 10 und 1 Sgr. das Stück zu haben, Schildergasse Nr. 49 und in meinen Nebengeschäften, Blindgasse und Cattenbug Nr. 12.
Franz Stollwerck, Hoflieferant
@typejAn
@facs0092
Eis täglich in und außer dem Hause à Portion 4 Sgr. bei
Franz Stollwerck, Hoflieferant.
@typejAn
@facs0092
Apfelsinen, billig und schön. St. Agatha 28.
@typejAn
@facs0092
Heirathsgesuch.
Ein junger Mann von angenehmem Aeußern, der durch seine Berufsgeschäfte verhindert ist, sich in Gesellschaften umzusehen, sucht auf diesem Wege eine Lebensgefährtin. Es wird weniger auf Reichthum als auf Jugend und häusliche Tugenden gesehen. Hierauf Reflektirende wollen ihre Adresse unter der Chiffre A. V. in der Expedition der Neuen Rheinischen Zeitung senden. Versicherung tiefster Discretion.
@typejAn
@facs0092
Laute Anfrage an die hochverehrl. Rhein. Eisenbahn-Gesellschaft!
Wann werden die Waggons der dritten Wagenklasse bedeckt? ‒ Sollen die Proletarier, die diese Wagenklasse zu ihren Reisen benutzen müssen, denn stets allen Fatalitäten der Witterung ausgesetzt sein??? Die meisten Eisenbahnen, die wir kennen, machen wenigstens in diesem Punkte keinen Unterschied!
Viele Benutzer der dritten Wagenklasse.
@typejAn
@facs0092
Ein evangelischer Kandidat sucht eine Stelle als Hauslehrer. Derselbe erbietet sich auch gegen freie Wohnung einzelne Privatstunden in den atlen Sprachen oder im Französischen zu ertheilen. Bescheid in der Schildergasse Nro. 78 im Unterhaus.
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@facs0092
Das Haus Malzbüchel Nr. 7 ist zu verkaufen oder zu vermiethen, oder auch nur das Unterhaus zu vermithen
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Frucht- und Gerißscheffel in großer Auswahl und sehr billigen Preisen, Bollwerk Nro. 21 bei J. B. Zündorff.
@typejAn
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Ein Omnibus und andere Wagen für Landpartien zu vermiethen, kleine Sandkaul Nr. 2 bei L. J. Küpper.
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@facs0092
„Neue Rheinische Zeitung.“
Versammlung der Herren Aktionäre zur ferneren Besprechung und Feststellung der Statuten und des Gesellschafts-Vertrages im hintern Saale bei Hrn. Drimborn, Glockengasse, heute Abend um 8 Uhr.
Die Geranten :
H. Korff. C. Wachter. G. Weerth.
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Die in Breslau erscheinende Allgemeine Oder-Zeitung hat im letzten Quartal ihre Auflage um die Hälfte verdoppelt; ein Beweis, daß es ihr gelungen ist, dem Aufschwunge der Zeit zu folgen und diese getreulich abzuspiegeln.
Durch eine ausgedehnte Korrespondenz wird die Oder-Zeitung in den Stand gesetzt, wie dem Westen Deutschlands, namentlich in Bezug auf slawische Verhältnisse ein reiches Material zu unterbreiten, so dem Osten die neuesten Ereignisse des europäischen Westens und Nordens aufs Schnellste zuzuführen. Dieselbe kann daher dem Publikum bestens empfohlen werden und bemerken wir, daß das Abonnement in Preußen bei freier Zusendung durch die Postanstalten:
vierteljährlich 2 Thlr. 71/2 Sgr. in Breslau 1 Thlr. 15 Sgr. beträgt.
Inserate werden mit 11/4 Sgr. für die viermal gespaltene Petitzeile gerechnet.
@typejAn
@facs0092
Im Verlage von W. Clouth in Köln ist erschienen und bei Schreiber & Waltgenbach daselbst, Rechtschule Nro. 12 zu haben:
Kölnisches Gebetbuch worin Morgen-, Abend-, Meß-, Beicht-, Communion-, Vesper- und Complet-Gebete, so wie die Festandachten des Kirchenjahres, nebst jenen der Stadt-Patronen und aller in Kölns Kirchen besonders verehrten Heiligen enthalten sind.
Gesammelt und herausgegeben vom Verfasser der „Hosianna“ etc. Mit hoher geistlicher Approbation.
gr. 12. XV und 740 Seiten. geh. Subscriptionspreis: Velinausgabe 1 Thlr.; weiß Druckpapier 20 Sgr. (Beide Ausgaben, welche in typographischer Anordnung und Ausstattung schön zu nennen sind, ziert ein Stahlstich als Titelbild.)
Dem Wunsche vieler unserer hochwürdigen Pfarrgeistlichen, so wie dem mehrfach ausgesprochenen Verlangen Seitens der frommen Korporationen und Bürger Kölns, in einem Buche die erbauenden und herrlichen, der öffentlichen Kirchenfeier der Stadt angehörigen Andachten und Gebete gesammelt zu sehen, war zunächst Veranlassung zur Herausgabe des „Kölnischen Gebetbuches“.
Sämmtliche Festandachten der Stadt enthaltend, bietet dasselbe Alles, was zu einem vollständigen Gebetbuche erforderlich, so wie in einem Anhange unter dem Titel: Marianische Woche oder Verehrung der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes an mehreren Gnadenörtern oder wunderthätigen Gnadenbildern, auch dem frommen Waller einen geistlichen Pilgerstab zu den Stätten christlichen Trostes. Durch die Aufnahme der verschiedenen Kommunion-Andachten, so wie der Frohnleichnams-Prozessionsfeier und der sog. Römerfahrt enthält dasselbe 130 Lieder, wo vielen der lateinische Text beigegeben, wodurch dasselbe auch als Festgeschenk für Neukommunikanten besonders zu empfehlen ist.
Ferner ist daselbst zu haben: Vollständiges Communionbuch auf die heilien Zeiten und Feste, nebst Morgen- und Abend-, Beicht- und Meßgebeten, so wie eine kirchliche Abendandacht zur Verehrun des allerheiligsten Altarssakramentes.
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Die Haupt-Agentur für Anzeigen in In- und Ausländische Zeitungen nimmt fortwährend Inserate zu den früher veröffentlichen Preisen an.
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Zollstraße Nr. 9.
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@facs0092
Ist denn nichts dagegen zu machen?
Die Bonn-Kölner Eisenbahn ist beim Bauen auf so wenig Terrainschwierigkeiten gestoßen, wie schwerlich irgend eine andere Bahn, und dennoch wurde vielleicht bei keinem Bahnbau so rücksichtlos verfahren. ‒ In Köln hat man mit den Bahnhof eine ganze Straße, welche seit langen Jahren existirte, ohne Weiteres verdorben wodurch beinahe ein halbes Stadtviertel getrennt wurde, und einem Theil der Pfarrgemeinde zu St. Pantaleon der Kirchengang verleidet ist. ‒
Die Straße mußte einige 10 Fuß vertieft resp. geschleift werden, was auf deren Länge leicht ausführbar ist, und mit einer Brücke überbaut werden; aber dadurch wären der Gesellschaft einige 1000 Thaler Kosten ergangen, und deshalb ist es unterblieben.
Weshalb halten die zunächst Betbeiligten nicht besser zusammen? Dann würde wohl etwas dagegen zu machen sein.
Einer, der oft den Bahnhof verwünscht.
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@facs0092
Frische Rheinfische sind zu den billigsten Preisen zu haben bei Joh. Lülsdorff, Lindgasse 21.
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Feinstes Provencer-Oel von der eben angekommenen ersten Sendung der neuen Erndte in vorzüglich frischer Qualität, zu ermäßigtem Preise und Echter Bordeaux-Weinessig, beides in versiegelten Krügen (faßweise bedeutend billiger) zu haben bei W. Hennekens, Breitstraße 159, und zu den nämlichen Preisen in dessen Niederlagen bei F. Wilhelmi, Malzmühle 2 und A. Imhoff, Bolzengasse 8.
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Bei M. Schloß in Köln, Sternengasse Nro. 27, sind folgende neuerschienene Musikalien zu haben:
Dels, C., Deutsche Marsaillaise. Lied f. 1 Singst. m. Pfte. Preis 5 Sgr.
Franke, S., Schwarz-Roth-Gold. Lied f. 4 Männerstim. Preis 5 Sgr.
Noch ist Polen nicht verloren. Lied f. 1 Singstimme m. Pfte. und Guit. Preis 5 Sgr.
Otto, Jul., Sachsenlied, für 4 Männerstimmen. Preis 15 Sgr.
Seelmann, Schutz und Trutz. Den Brüdern in Schleswig-Holstein gewidmet. Lied f. 4 Männerstimmen. Preis 10 Sgr.
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Buchen-Holz-Vorrath.
1 bis 5 Zoll dick, 21/2 Fuß breit (2zöllig 20-22 Pf.), so wie sämmtliches Nutzholz empfiehlt J. Kiegel, Komödienstraße 18.
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Vorzüglich guter alter limburger Käse, so wie schöner holländischer Maikäse, billigst, Sandbahn Nro. 6.
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Bei A. F. Groote in Arnsberg ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen vorräthig:
Aufruf zur Umgestaltung der deutschen National-Erziehung.
Von Dr. Friedrich Kapp, Direktor des Königl. Gynasiums zu Hamm.
Zweite, sehr vermehrte Auflage. Preis 3 Sgr.
Die in der Entwickelung begriffene Umgestaltung des deutschen Staatenbundes in einen einigen und freien Bundesstaat bedingt und fordert zugleich zu ihrer dauerhaftesten Begründung und wohlthuendsten Durchbildung auch eine durchgreifende Reorganisation des bisherigen Unterrichtssystems von der Volksschule bis zur Hochschule.
Der als Gelehrter und praktischer Schulmann rühmlichst bekannte Verfasser hat in dem vorstehenden Aufruf dazu seinen Beitrag gegeben; einer Schrift, die schon in ihrer ersten Auflage d. d. Hamm, den 31. März d. J. bei allen wahrhaften Vaterlandsfreunden so ungetheilten Anklang fand, daß theils in unmittelbarer Folge, theils im fachverwandten Sinne derselben sich die deutsche Schulreform bereits in mehreren Ländern und Provinzen der vereinigten Staaten von Deutschland von unten auf zu vollziehen begonnen hat.
Ferner erschien:
Rienza Cola.
Republikanisches Trauerspiel in fünf Akten.
Von Chr. Essellen.
Preis 25 Sgr.
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Neue Musikalien.
Bei F. Kistner in Leipzig ist erschienen und bei M. Schloss, Sternengasse Nro. 27 zu haben:
David, F., op. 19. Introd. u. Variat. üb. ein Original-Thema für Violine. Mit Orchester 2 Thlr. 10 Sgr.
Dieselben mit Pianoforte 1 Thlr. 00 Sgr.
Hagen, T., Zwei Lieder für eine Stimme mit Pfte. Nro. 1. Mädchen, sprich willst du mich lieben. ‒ Nro. 2. Der junge Knab' 71/2 Sgr.
Kücken, F., op. 46. Kriegerchor. Vor der Schlacht. Auf greift zum Schwert. Partitur und Stimmen 15 Sgr.
Kücken, F., Der Prätendent. Romantisch-komische Oper in 3 Akten. Klavier-Auszug 12 Thlr.
Kücken, F., Hieraus Ouverture und Gesangstücke einzeln zu 1 Thlr., 171/2, 121/2, 71/2, 5 Sgr.
Liszt, F., Lied. O lieb so lang du lieben kannst. Für eine Stimme mit Pfte 10 Sgr.
Löschhorn, A., op. 18. Six Bagatelles p. Piano 1 Thlr.
Mayer, Ch., op. 102. Allegro di Bravura p. Piano 1 Thlr.
Mayer, Ch., op. 103. Rhapsodie Nro. 1 p. Piano 10 Sgr.
Mayer, Ch., op. 104. Rhapsodie Nro. 2 p. Piano 10 Sgr.
Nowakowski, J., op. 26. 4 Mazurkas p. Piano 15 Sgr.
Rietz, J., Zwei Lieder für 4 Männerstimmen. Partitur u. Stimmen 10 Sgr.
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Bei mir ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:
Des Republikaners (Freibürgers) Rechte und Pflichten.
Köln. M. Becker (Mauritius-Steinweg).
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Rum, Cognac und Arrac
Sterngasse Nro. 9 u. 11.
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Limonade-Essenz
Sterngasse Nr. 9 u. 11.
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Die von dem Herrn Kommandanten und Offizieren der hiesigen Bürgerwehr genehmigte Auszeichnung, Schärpe und Porte d'èpées, nach dem von mir gelieferten Muster, empfehle ich hiermit bestens.
Lützenkirchen, Posamentirer, Schildergasse Nr. 19.
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English newspapers in Brussels.
The Brussels Herald, established in 1827, is the only English newspaper in Belgium. It is published every Saturday. Price per quarter 5 francs, exclusive of postage out of Belgium. The Brussels Herald is an excellent medium for all advertisements addressed to English residents on the continent and English travellers. Office: ‒ 13 Rue des Boiteux, Brussels.
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Elegantes Zimmer, Frühstück, Mittag-Essen an der table d'hôte nebst 1 Schoppen guten Wein zu 1 Thaler pr. Tag im
Pfälzer Hof bei Friedrich Knipper, Appellhofs Platz Nro. 17.
Table d'hôte und Abonnemens-Tisch um 1 Uhr und zu jeder Stunde vorzügliche der Saison angemessene billige Speisen a la carte, und einen billigen Wein.
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Echte westphälische Schinken wieder angekommen Höhle Nro. 28. (Ecke von St. Alban.)
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Ein Bäckergesell, welcher einer Bäckerei selbstständig vorzustehen vermag, und sich hierüber durch Zeugnisse ausweisen kann, wird gesucht. Die Expedition sagt wo.
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15 à 1600 Thlr. gegen dreifachen Werth auf erste Hypotheke gesucht. Die Expedition sagt wo.
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Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.