[0103]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No. 23. Köln, Freitag 23. Juni 1848
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Uebersicht.
Deutschland. Köln (Sturz des Ministeriums Camphausen. ‒ Erste That der deutschen Nationalversammlung zu Frankfurt). Berlin (Gescheiterte Rekrutirungsversuche des Ministeriums Camphausen. Ministerium des linken Centrums. Ursachen des Falls des Ministeriums. Pfuel nach Petersburg. ‒ Erklärung Hansemann's und Auerswald's. Reichenbach's Antrag. Rodbertus. Auswärtige Politik des Ministeriums Camphausen. ‒ Ratzmer. Wollmarkt. ‒ Die Vereinbarungssitzung. Beginnende Opposition des linken Centrums gegen die Linke. Esser I. Ministerialgelüste. Ratzmer soll sich erschossen haben. ‒ Abermals Camphausen's Abdankung). Frankfurt (die Geldsendungen von Paris. ‒ 10,000 Mann dem „edlen“ Gagern zur Verfügung gestellt. ‒ Der demokratische Kongreß. ‒ Sitzung der Nationalversammlung vom 20. Juni). Breslau (Büreaukratie in Reisse. ‒ Oberbürgermeisterwahl). Aus Oberschlesien (der Einmarsch der Russen für die nächsten Tage als sicher angekündigt; Vorbereitungen dazu). Altenburg (kleine Revolution). Leipzig (Ausgleichung in Altenburg). Wien (der Kaiser krank in Insbruck; Erzherzog Karl an seiner Stelle nach Wien abgeordnet ‒ Prag ergibt sich auf Gnade und Ungnade).
Polen. Lemberg (Kuliniky's Verhaftung).
Franz. Republik. Paris (Sitzung der Nat.-Versammlung vom 30. Juni. ‒ Die Schriftsetzer und Drucker von Paris gegen die Kautionen ‒ Gerücht über einen Aufstand in Savoyen. ‒ Die Exekutivkommission gegen Karl Albert. ‒ Die Paßmystifikation. ‒ Vermischtes).
Großbritannien. London (Kampf von Presse und Regierung gegen das Volk. ‒ Ober- und Unterhaus. ‒ Bevorstehende Ankunft eines Wiener Agenten).
Italien. Vicenza (Details über die Einnahme). Vom Brenner. (Treviso Oestreichisch). Padua (Einzug der Oestreicher). Venedig (die Regierung ruft Frankreich zu Hülfe). Rovigo (Pepe zieht seine Truppen zusammen). Neapel (Ausweisung der Sizilianer). Valeggio (Brutalitäten der Oestreicher).
Handelsnachrichten.
Deutschland.
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Edition: [Karl Marx: Sturz des Ministeriums Camphausen. In: MEGA2 I/7. S. 155.]
[**] Köln, 22. Juni.
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Edition: [Friedrich Engels: Erste Tat der deutschen Nationalversammlung zu Frankfurt. In: MEGA2 I/7. S. 157.]
[**] Köln,
Die deutsche Nationalversammlung hat sich endlich erhoben!
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[31] Berlin, 20. Juni.
Das Ministerium ist also gefallen, weil sich Niemand mehr fand, der gemeinschaftlich mit der Hauptperson desselben die Leitung der Staatsgeschäfte übernehmen wollte. In der That hat man sich alle mögliche Mühe gegeben, unter Andern Milde und namentlich Rodbertus für das Innere zu gewinnen, da v. Auerswald den Kultus übernehmen sollte. Beide haben ausgeschlagen. Hansemann ist vorgestern sogar persönlich zu Rodbertus in das Hôtel des Princes gegangen; Alles vergebens, Rodbertus war zu klug, das Anerbieten anzunehmen und sich dadurch für immer unmöglich zu machen. Bei Gelegenheit des Ministerwechsels wollte man sich auch Bornemann's entledigen, der die Herren wahrscheinlich als zu weit gehend genirte und man hatte seine Blicke auf Esser I. geworfen, aber diese Verbindung hat nun noch mehr die Leute abgeschreckt, namentlich hat Rodbertus erklärt, daß er mit Esser I. nie und nimmermehr zusammen eintreten würde. So mußte denn Herr Esser wieder über Bord geworfen werden. Wer mit der Bildung eines neuen Kabinets beauftragt ist, darüber verlautet noch nichts; wahrscheinlich wird es aber im linken Centrum gesucht werden. Ein Theil der Mitglieder der Rechten hat sich schon zum linken Centrum begeben, in der Voraussicht, daß es dort Portefeuilles regnet. Ob ein Ministerium aus dem linken Centrum sich halten kann, ist eine andere Frage, wenigstens ist es für sich allein die schwächste Partei der Kammer; das Ministerium muß sich also auf die eine oder andere Seite der Kammer stützen, um seine Existenz zu fristen. ‒ Zum Rücktritt des Ministeriums mögen mannich faltige Ursachen mitgewirkt haben. Der Adreßentwurf, der, obgleich mittelmäßig, dennoch nicht dem Ministerium zusagte, die Schlappe in der Kammer, der Umstand, daß die Verfassungs-Kommission nur 11 Mitglieder aus der Rechten, dagegen 13 aus der Linken und dem linken Centrum, wovon 7 von der äußersten Linken zählt und bereits faktisch den Entwurf der Regierung bei seinen Arbeiten beseitigt hat, der bevorstehende Krieg mit Rußland u. dgl. m. Kurz das Ministerium ist zur Einsicht gekommen, daß seine Stellung unmöglich sei. Gestern Abend erregte das Gerücht, die Russen hätten bei Oberschlesien die Gränze überschritten, großen Schrecken. So viel ist aber gewiß, daß der Kommandant von Neisse bereits die Einwohner aufgefordert hat, sich zu verproviantiren und diejenigen, denen dies unmöglich sei, die Stadt verlassen. Der Krieg mit Rußland scheint unausbleiblich.
Nachschrift. So eben erfahre ich, daß der General Pfuel (von Höllenstein) in einer geheimen Sendung nach Petersburg abgehen soll. Man spricht von einer Konspiration hoher Personen mit den Russen zum Zweck gewaltsamer Unterdrückung der Volksbewegung.
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[X] Berlin, 20. Juni.
Der Verfassungsentwurf war gestern von der Kommission vollständig verworfen worden, man hatte die Auflösung des Ministerius erwartet und dennoch frappirte die Nachricht, auf der Rechten brachte sie ein augenblickliches Erstarren hervor; die Linke athmete sichtbar auf, doch war sie betroffen genug, daß der Präsident Milde es wagen konnte, die Vertagung auf unbestimmte Zeit ohne vorherige Diskussion sogleich zur Abstimmung bringen zu
[Feuilleton]
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@facs0103
Bürgerliches.
von Ferdinand Wolff.
(Geschrieben vor der Märzrevolution.)
Vor einigen Jahren starb in Paris ein Mann, den man mit Recht den bürgerlichen Napoleon nennen könnte. Halphen hatte als fünfzehnjähriger Knabe seine Vaterstadt Metz verlassen, um wie Tausend andere seiner israelitischen Glaubensgenossen in Paris sein Glück zu versuchen. Von allen Mitteln entblößt, und wie alle Elsasser Juden, auf den Kleinhandel angewiesen, fing er mit dem kleinsten aller Handelsgegenstände an, um mit dem größten zu enden. Er fing an mit der Stecknadel, und hörte auf mit dem Diamanten. Er fing an mit einem Artikel, den man für das wenigste Geld in der größten Quantität haben kann, und endigte mit demjenigen, der für das meiste Geld in der kleinsten Quantität verabreicht wird. Er hatte den ganzen Zwischenhandel, die ganze Reihe von Artikeln durchgemacht, welche die Stecknadel vom Diamanten trennt: er hatte von allen Produkten Nutzen zu ziehen, von allen etwas zu erübrigen gewußt, von der kleinen Stecknadel sowohl, welche das Kapital in seiner kleinsten Einheit, als vom Diamanten, welcher es in seiner kondensirtesten Masse darstellt. Und ein zweiter Napoleon hat er diese ganze Laufbahn von der gemeinnützigsten und gemeinsten aller Industrieen bis zur ungemeinsten und nutzlosesten siegreich überwunden, und war endlich zu einer Höhe angelangt, daß der Diamantenhandel Europas und Asiens, der orientalischen und der occidentalischen Welt in seiner Familie sich koncentrirt hatte. Kein einziger Kronjuwel, kein einziger Diamantenschmuck, der Halphen's prüfendem Auge, Halphen's abwägender Hand entschlüpfen konnte. Man erzählt sich sogar, daß später, als er bereits steinreich geworden, sein größtes Vergnügen darin bestand, seine Gattin nächtlicher Weise mit den reichsten Steinen zu schmücken, die sein täglicher Handel in seine Hände gebracht, sie mit wahrhaft königlichem Schmucke auszustaffiren, also daß er auf seinem Nachtlager sich königlich ergötzte mit dem Gesteine, dem Weibe und der Perle. Dieses harmlose Vergnugen soll ihn vor Ausschweifung und Verführung aller Art geschützt haben, und so geschah es denn, daß er solcher Weise neun Kinder mit seinem Weibe zeugen, und jedem von ihnen mehrere Millionen an Kostbarkeiten und Werth hinterlassen konnte. ‒ In der Umarmung des Einen Weibes umarmte er die Weiber aller Mächte auf Erden: denn er hatte diesen Mächten die Macht abgerungen ‒ die Kleinodieen ‒ wodurch sie die Weiber errungen, und dieselben seinem Weibe übertragen. Und sein Herz entbrannte von immer neuen Liebe, wenn er sein Weib mit immer neuen Reizen ausgestattet sah, Reize, die er ihr verlieh, durch eine Kraftbewährung in seinem täglichem Handel; Reize, die sie für ihn nur entfaltete, fern von den Augen der Welt, im strahlenden Schlafgemache. Mit ihr spottete er der weltlichen Thorheiten, der irdischen Größen, die ihr Kostbartes auf Erden dem Juden verschachert hatten. Mit ihr spottete er der edlen Frauen, die nun alle in eine Jüdin vereinigt, sich ihm, einem Juden, hingaben. Wenn er Abends so alle Schätze hervorholte, und von jedem eine Geschichte zu erzählen wußte ‒ seltsame Geschichten von treubrüchigen Trauringen, abhanden gekommenen Siegelringen, verwaisten Perlen, fürstlichen, gräflichen, königlichen Diamanten und Kronen und wenn er mit jeder neuen Geschichte seine Theure mit immer neuen Insignieen beweiseshalber belegte, sie stufenweise durch alle gesellschaftlichen Stände durchführte, wenn sie dann mit jedem neuen Schmucke süß-schmunzelnd lächelte, mit jeder neuen Standeserhöhung koquettirte, und die Dame von Stande komisch ernst konterfeite, das war eine Seeligkeit, die keinem Christenkinde auf Erden vergönnt ist. Je freigebiger und großmuthiger der liberale Samuel, desto preciöser und pretensiöser die werthvolle Sara. Er nannte sie sein theures Kleinod, sein goldenes Schätzchen, seine Edeldame von Edelstein, seine diamantene Furstin, seine strahlende, juwelenblitzende Königin. Sie nannte ihn ihr goldenes Männchen, ihren kostbaren Schatzmeister, ihren edlen Herrn von Edelstein, ihren Erzgrafen, ihren Juwelenfürsten, ihren Perlenkönig, ihren Korallenkaiser: bis sie beide durch ihre gegenseitige Erhebung über sich selbst und über alle Mächte der Erde erhaben, siegestrunken eingingen in das Reich der Liebe.
Um sich einen Begriff von Halphen's Macht und Anseh'n zu machen, muß man wissen, daß er zu den edelsten aller Steine in demselben Verhältnisse stand, wie Rothschild zu dem edelsten aller Metalle. Man hat Unrecht, Rothschild als den alleinigen König der Juden zu bezeichnen: Es gibt zwei Juden-Könige in der modernen Welt, wie es deren zwei im antiken Sparta gab, und wenn man künftighin Rothschild nennt, so muß auch Halphen mitgenannt werden. Unsere Aufgabe ist es, Halphen zur Anerkennung zu bringen, und den Leser in den Stand zu setzen, das zweite Moment einer nichts weniger als spartanisch organisirten Welt gehörig zu würdigen. Von einer Rivalität zwischen diesen beiden Typen unserer Handels- und Industrie-Gesellschaft kann natürlich keine Rede sein, da beide sich in zwei verschiedenen Sphären bewegen: der Eine in der Sphäre der Produkte, der Andere in der Sphäre der Produktions-Werthzeichen. Halphen ist die zum Diamanten gewordene Stecknadel; Rothschild ist der zu einer Milliard angewachsene Liard (Heller). Beide sind Epiciers, Gewürzkrämer, aber bei dem Etnen christallisirt sich der Pfefferkuchen in den Edelstein, bei dem Andern nimmt er die Form des Wechsels an. Halphen konnte nur auf freiem, französischem Boden gedeihen; Rothschild ist ein deutsches Gewächs, er ist aus dem Geldhandel, dem sogenannten Chilef, d. h. aus dem unendlichen Wirrwar von blinden Stübern, falschen Groschen und Weißpfenningen hervorgegangen. In einem Lande, welches durch Münzen und Prinzen so getheilt ist wie Deutschland, dessen Einheit aber am besten durch die Einheit der Juden konstatirt wird, die sich allenthalben gleichen, mußte der beste Chilefhändler der erste Jude und zugleich der beste Deutsche werden. Und so wie nun der blinde Stüber und Groschen der Anfangspunkt des ersten europäischen Banquiers war, so ward die Nadel, das klassische Beispiel der modernen Industrie, die Grundlage des ersten Juwelenhändlers. In Deutschland finden wir zwar auch Israeliten, die nicht unmittelbar vom Gelde, sondern von der Waare ausgingen, um sich eine sociale Stellung zu erkämpfen. Aber gemeiniglich sind es bloß Juden vom Lande, die bei den Bauern herumgehen, um altes Eisen einzukaufen. Nur einige haben es zu berücksichtigungswerthen Stellungen gebracht, und dann war es immer [0104] der Viehhandel, als nächste Stufenleiter nach dem Eisen, welcher sie zu Besitzungen führte. Doch die meisten sind bei dem Vieh stehen geblieben, und haben es nie weiter als zu Nomaden gebracht. Nur zuweilen geschah es, daß bei der zweiten Generation, die statt mit Eisen direkt mit Chileff anfing, die Familie zu Geld, Macht und Ansehn gelangte. Dieser Reichthum geht selten über die dritte Generation hinaus; wenn er mit Abraham beginnt, so erreicht er in Jakob seine Spitze. Es ist, als ob die Sünden der Väter im dritten Geschlecht heimgesucht würden. Die Nerventhätigkeit, welche der Vater in der Erwerbung des Kapitals entwickelte, vererbt sich mit dem Kapital auf den Sohn, und findet keinen andern Stoff zu seiner Entäußerung, als die Verschwendung. Der Kraftaufwand, mit welchem Vater Abraham die Stecknadel zum Diamanten potentirte, wird beim Sohne Jakob Kraftentladung und Geldaufwand, um den Diamanten zur Stecknadel zu reduziren. Wie Vater Abraham sich in die Macht setzte, indem er die Nadel diamantirte, so wird der Sohn Jakob der Macht inne, indem er den Diamanten auf die Nadel reduzirt. Im christlichen Staate wird die Innewerdung der Geldmacht die Veranlassung zur Begründung der Bürger-Macht. In allen Staaten, wo die Juden von der bürgerlichen Machtausübung ausgeschlossen sind, sehn wir, daß die Judensöhne, welche mit dem Erworbenen den Erwerbstrieb ererbt, aber diesen Erwerbstrieb nicht mehr weiter treiben können, in die materiellen Genüsse hingetrieben werden, welche allein ihrer Geldmacht offen steh'n und werden sie erst recht dieser letzten Macht inne, dann geht ihnen das Geld aus. Im christlichen Bürger verbirgt sich das jüdische des Erwerbs hinter dem bürgerlichen des Rechts und dem christlichen der Religion. Beides wird ein Konservativmittel des Erworbenen und ein neues Erwerbsmittel. Das Parlament und die Kirche, die Magistratur und die Clerisei bilden ein neues Kapital, welches das erste erworbene, materielle Kapital befestigt; Bewerbung um Staatsmacht gibt dem Erwerb eine neue Richtung. Wie der christliche Vater die höchste materielle Macht erwirbt, so bewirbt sich der christliche Sohn um die Macht geistiger und geistlicher Stellen, welche die Geldmacht festsetzen, begründen, heiligsprechen. Was bei dem Vater Geldhandel war, wird bei dem Sohne Rechtshandel. Die Nerventhätigkeit ‒ bei dem Vater Erwerb, bei dem Sohne ererbt ‒ kann sich in der Ausübung dieser neuen Macht neu verarbeiten; es ist die Erlösung des Sohnes. Der Christ rettet den Juden, der christliche Bürger rettet den bürgerlichen Juden, der bürgerliche Christ rettet den jüdischen Bürger, das christliche Bürgerthum ist die Erlösung vom jüdischen Menschenthum. Jetzt, wo alle Bürger Juden geworden, wollen die Juden Bürger werden. Jetzt, wo alle Christen sich zu jüdischen Bürgern herangearbeitet, wollen die Juden zu bürgerlichen Christen herabsinken. Die Christen haben ihre Flegeljahre überstanden, die Juden beginnen sie. Es braucht wohl nicht in Erinnerung gebracht zu werden, daß wir von deutschen Juden hier sprechen: denn in Frankreich haben beide Theile, Christen und Juden, ihre Flegeljahre überstanden, und leben vereint, äußerlich unter ihrem Bürgerkönig Louis Philipp, und in der Wirklichkeit unter ihren beiden spartanischen Königen, Rothschild und Halphen.
Wir dürfen es mit dieser Absonderung nicht zu streng nehmen. Wir werden später auf die Varianten zu sprechen kommen, welche diese beiden Typen erlitten, und dann ausführlicher eingehn auf alle die verkrüppelten Halphens und Rothschilds, auf alle diejenigen, die in ihrem Entwickelungsgange gehemmt worden, und wo es jeden Augenblick Ansätze zu unsern Vorbildern absetzte, wo z.B. der Vater vom Chilef anfing und der Sohn auf's Vieh zurückgeworfen wurde, oder wo Vater Abraham vom Vieh begann, und Isaak beim Vieh verweilte etc. etc.
Als Halphen nach Paris kam, waren die Bourgeois noch im Kampfe mit der Aristokratie begriffen. Es war zur Zeit der Revolutionskriege. Er hatte seine Mutter bei sich, und mit ihr die patriarchalische Sitte, die kindliche Liebe, den bürgerlichen Haushalt. So vereinigte er in seinem Hause die beiden Elemente der streitenden Parteien; von den Aristokraten den genealogischen Stammbaum der Familie, von den Bürgern die ökonomische Sparsamkeit. Von irdischen Gütern besaß er weiter nichts, als seinen testamentarischen Gott und seine nationale Rührigkeit. Der testamentarische Gott, wie er im praktischen Leben der Juden seine Bedeutung erhält, ist das eigentliche moderne Monopol. Ein alter Gebrauch gebietet dem Juden, daß er jeden Morgen, bevor er an seine Geschäfte geht, sich diesen Gott, dieses Monopol, auf Pergamentstreifen eingeschrieben, und in lederne Riemen eingelegt, um die Stirne und den linken Arm windet, um sich ihn tief in's Herz einzuprägen. Halphen's Mutter wachte strenge darauf, daß ihr Sohn getreu dieses Gesetz befolgte, und jeden Morgen, nach verrichteter Andacht, unternahm er muthig seine Tagesgeschäfte, um seinen Gott und sein Monopol im Verkehr mit seinen Mitmenschen zu bewähren. Wenn er so die Woche hindurch seinen Gott bethätigt, und sich einen sechs Tage langen Riemen um's Herz und um die Seele gewunden hatte, dann ruhte er am siebenten Tage aus, er und seine Mutter, um den Sabbath in aller Feierlichkeit zu feiern. So ging es die eine Woche um die andere, viele Jahre hindurch.
Den Frieden im Hause, den Gott im Herzen und den Bündel auf der Schulter, zog er durch die Straßen und in die Häuser ‒ er hausirte und kolportirte. Hausiren und kolportiren ist das Element des Juden: er kann den Käufer nicht abwarten, er muß ihm entgegengeh'n, ihn aufsuchen in seiner Behausung. Er bringt in das Haus alle die kleinen Gegenstände mit, die sich an dem Hause und dem häuslichen Glücke anknüpfen, und den häuslichen Frieden befestigen ‒ Stecknadeln, Nähnadeln, Garn und Faden und Nachtmützen und Schnupftücher. Aber Halphen brachte noch etwas besonderes mit in's Haus, seine Socialität, sein Monopol, seinen testamentarischen Gott, sein biblisches Gemüth. Wenn er in seinem Handel von Hand zu Hand seine Waare zum Verkaufe anbot, so wußte er sie den Leuten mit so vieler Seele anzupreisen, sie ihnen dermaßen an's Herz zu legen, und die Leute selbst waren so froh, die geschäftige Rührigkeit des Hausirers zu seh'n, daß sie mit Freude von ihm kauften. Zu der Nützlichkeit des Gegenstandes gesellte sich die Freude des Kaufens; denn mit der Nadel bekam man das Gemüth mit in den Kauf.
(Schluß folgt.)
[Deutschland]
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@facs0104
[Fortsetzung] wollen. Da erhebt sich Herr Schulze von Wanzleben und macht einen Gegenantrag; man könne ja auch ohne die Anwesenheit eines Ministeriums berathen, man könne Dinge vornehmen wie das Geschäftsreglement (ohne Ironie) und dies zu Ende führen. Wir hätten gern gelacht, wenn Herr Schulze, der es übrigens sehr gut meint, seinen Antrag nicht mit einem so heiligen Ernst vorgebracht hätte. Und mit einem eben solchen Ernst, aber mit etwas schwacher, kleinlauter Stimme antwortete Herr Hansemann, der wahrscheinlich noch auf den Premier spekulirt, daß in einem Geschäftsreglement ebenfalls Dinge vorkommen könnten, bei deren Berathung das Ministerium gegenwärtig sein müsse. Er ist deshalb gegen den Antrag. Schnell will Herr Milde wieder abstimmen lassen, da rufen ebenso schnell mehrere Stimmen von der Linken um das Wort. Parrisius macht die Versammlung endlich darauf aufmerksam, daß sie den Präsidenten unmöglich berechtigen könne, sie auf unbestimmte Zeit zu vertagen, da dies einer Auflösung gleich sei. Reichenbach setzte hinzu, daß jetzt die Zeit des Mißtrauens sei. (Die Rechte zischt, die Linke klatscht ihm lebhaften Beifall.) Es können in den nächsten Tagen Fälle eintreten, wo die Versammlung der Abgeordneten unbedingt nothwendig sei, selbst ohne Minister. Er beantragt daher, daß die Kammer sich nur bis Freitag vertage. Sein Vorschlag wird von der äußersten Linken und einem Theile des linken Centrums unterstützt. Darauf erhebt sich aber Herr Seidel vom linken Centrum und verlangt eine Vertagung bis Montag. Das linke Centrum aspirirt jetzt nämlich auf das neue Ministerium und hält es deshalb schon von vorneherein für seine Pflicht, der Linken Opposition zu machen. Der Antrag Seidels fand die Majorität. Vor der Abstimmung hatte sich noch Herr Hansemann erhoben, um den Antrag Reichenbachs auf Vertagung bis Freitag zu verdrängen. „Meine Herren,“ begann er, „ein geehrter Abgeordneter hat vorhin geäußert, es sei die Zeit des Mißtrauens. In dem ernsten Augenblick, worin wir uns jetzt befinden, scheint es mir, daß es wohlgethan sei, nicht Mißtrauen in das Land zu bringen.“ Da unterbricht ihn Reichenbach mit fürchterlicher Stimme: „Und die russischen Heere an der Gränze!“ ‒ Diesmal vergißt selbst die Rechte zu poltern und zu scharren, sie ist wie versteinert und Herr Hansemann fährt stotternd fort: „Wenn irgend eine Gefahr für das Land vorhanden wäre, so würden selbst die Minister, die nur provisorisch hier sind, die Versammlung zusammenberufen, um mit ihr vereinigt zu handeln.“ Unterdessen hat sich die Rechte wieder erholt und klatscht dieser heldenmüthigen Phrase den gerechten Beifall. Die Plenarversammlungen sind also bis Montag vertagt, unterdessen soll in den Abtheilungen gearbeitet werden. ‒ Man ist noch sehr im Unklaren über das neue Ministerium. Was für eins wir auch erhalten, es wird besser sein als das gefallene; ein reaktionäres kann nur die äußerste Linke zur Herrschaft bringen. Herr Esser hat sich sehr bemüht, Minister zu werden, es ist ihm aber nicht gelungen, weil ihn Niemand an seiner Seite haben will.
Die Nachricht, daß der Hauptmann Natzmer, derselbe, welcher das Zeughaus der Plünderung überlassen, weil er nicht Bürgerblut vergießen wollte, und der deshalb vor ein Kriegsgericht gestellt war, sich erschossen habe, verbreitete sich heute in der Stadt und brachte eine nicht geringe Aufregung hervor.
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@facs0104
[25] Berlin, 20. Juni.
Der erste Akt des konstitionellen Drama's hat ausgespielt. Das Ministerium Camphausen hat abgedankt. Wer hätte geglaubt, daß bei der Zähigkeit, welche das Ministerium dem Volke entgegensetzte, so oft dieses seine Abdankung forderte, eine solche Krisis so plötzlich und unerwartet eintreten würde? ‒ Vermuthet man nicht vielmehr, daß sich das Ministerium um so eher halten würde, als die sogenannte konstituirende Versammlung, durch und durch seine Kreatur, ganz in seinen Händen war und ihm jedes nur mögliche Vertrauensvotum gab, das es verlangte? ‒ Es befand sich ohne Zweifel in einer höchst unangenehmen Lage. Gleich Buridans Esel, der zwischen zwei Heubündeln stehend, nicht recht wußte, von welchem er fressen solle, so war das Ministerium hingestellt zwischen ein auf seine Revolution eifersüchtiges Volk und einen intriganten Hof. ‒ Nur zu bald zeigte es sich, wie wenig das Ministerium sein Stellung begriff. Ganz abgesehen von Männern wie Schwerin, v. Arnim und Kanitz, von denen letzterer ein ganz und ganz unfähiges Subjekt, nichts weiter als ein politischer Stroh mann war, nicht im Stande drei Worte zu reden, haben sich auch die Herrn Camphausen und Hansemann, diese Koryphäen des V. Landtags, gänzlich unfähig gezeigt, das Staatsschiff zu lenken. ‒ In Zeiten wie die unsrigen müssen sich die höchsten Beamten des Staats an die Spitze der Bewegung stellen und durch rasches und energisches Handeln im Innern, durch eine kühne, jugendliche Politik nach Außen dem freiheits- und thatendurstigen Volke vorangehen. Statt dessen war das Ministerium Camphausen, dieser Heiland unserer Bourgeois, von der ersten Stunde seines Bestehens an total retrograd. ‒ Es war, als hätten wir keine Revolution gehabt; denn die Vornahme der Parlamentswahlen durch den V. Landtag, dann als dies doch nicht angeht, die indirekten Wahlen; die Einschreitungen gegen die Presse, die Einkerkerungen ehrenhafter Bürger, die das System der Regierung nicht zu ihrem Glaubensbekenntnisse machen wollten, die Verzögerung der Volksbewaffnung, die Regierungsumtriebe durch die elenden Reaktionswerkzeuge, die Landräthe, die reaktionären Einwirkungen auf's Militär, ‒ kurz alle die herrlichen Thaten des Ministeriums (die Zurückberung des Prinzen von Preußen und den famösen Verf.-Entwurf nicht zu vergessen) paßte eher unter das ancien régime, als in eine Zeit, die eine Revolution hinter sich hat, ja selbst noch Revolution ist. ‒ Wozu soll ich noch ein langes Sündenregister des Ministeriums herzählen? Der neue Polenmord und der Verrath Deutschlands in Schleswig-Holstein klagen dieses Ministerium selbst zu laut an, als daß wir nöthig hätten darauf aufmerksam zu machen. ‒ Woran starb also dies verantwortliche Ministerium? Seine Unentschiedenheit war sein Tod. Es trug schon bei der Geburt den Keim dazu in sich. ‒ Seine Siege waren offenbare Niederlagen. ‒
Bei alledem aber bleibt uns das Plötzliche dieser Krisis immer unerklärlich. Herr Camphausen verlangt ein Vertrauensvotum und doch ergreift er das Hasenpanier ohne jenes abzuwarten? Hier müssen gewaltige Verwickelungen vorliegen. Wir glauben, daß die Krisis in Folge eines mit der Krone entstandenen Dilemma's über die auswärtige Politik eingetreten ist. Es gehen im Publikum darüber eigenthümliche Gerüchte, die an sich nichts Unwahrscheinliches haben. Das Volk glaubt, daß das Ministerium von der Hofpartei verrathen sei; es glaubt sich selbst verrathen an den Erbfeind der europäischen Kultur, an der asiatischen Koloß, der lieber Schwager Nikolaus, und wahrlich, das Volk hat Grund zu diesem Glauben. ‒ Wäre das vielleicht die geheime Mission des Prinzen von Preußen gewesen? Ließe sich dafür vielleicht ein Zusammenhang mit den bonapartistischen Umtrieben in Paris und der deutschen Politik in Schlesien auffinden? Die Westgrenze wird in Kriegszustand gesetzt, während man die Ostgrenze schutzlos dem Russen preisgibt und ruhig zusieht, wie derselbe seine asiatischen Horden zusammenzieht, um über Deutschland herzustürzen und den alten Despotismus wiederherzustellen! Ja, wir stehen nicht an, deutsche Fürsten für ehrlos genug zu halten, daß sie auf Kosten der Freiheit des Volkes und ihrer eigenen Selbstständigkeit sich mit Hülfe des Czaren eine Galgenfrist erkauften. ‒ Wehe den Landesverräthern, wenn sich das Mißtrauen des Volks rechtfertigen sollte! ‒ Unsere (die neuste preuß.) Geschichte zeigt so zahlreiche Analogien zu der französ. Revolution von 1789; wäre es wahr, was das Volk zu glauben sich berechtigt fühlt, nun dann mag diese neue Analogie dieselben Konsequenzen wie in Frankreich 1791 nach sich ziehen! ‒ Das deutsche Volk wird endlich einsehen, daß sein Interesse dem seiner „angestammten“ Herrscher schnurstracks entgegenläuft. Die Fürsten selbst werden es zwingen, zum äußersten Mittel zu schreiten; die Verschwörung mit Rußland wäre der Grundstein zur deutschen Republik.
Die Ministerkrise hat die niedergeschlagenen Gemüther von Neuem aufgerichtet. Wir glauben jedoch nicht an einen Systemswechsel, sondern nur an eine Aenderung in den Personen. Möglich, daß uns bald ein Ministerium Pinder-Milde beglückt. Offen gesagt halten wir es auch gar nicht für zweckmäßig, wenn Männer des Volks sich ins Joch der Fürstendienerei einspannen. Lassen wir die konstitutionellen Kräfte sich abnutzen, damit das noch befangene Volk von der Unfähigkeit und Schwäche dieses Justemilieu' s sich thatsächlich überzeuge, wie es sich von der der Herren Camphausen und Hansemann überzeugt hat.
Wird die Vereinbarerversammlung auch jetzt noch unbedingt in den Händen der Regierung bleiben? Und wird sie nicht endlich lernen, daß die der Gewalt Beraubten alle möglichen Mittel anwenden, um die alte Gewalt wieder zu erlangen? daß sie miniren, intriguiren, um die Vertreter des Volks zu verblenden und zu beherrschen?
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[103] Berlin, 20. Juni.
Nach Eröffnung der heutigen Sitzung der National-Versammlung ließ der Präsident ein, kurz vor Eröffnung eingelaufenes, Schreiben des Minister-Präsidenten Camphausen verlesen, worin derselbe anzeigt, daß es ihm nicht gelungen ist, die Ergänzung des Ministeriums zu vervollständigen und daß er deshalb seine Entlassung in die Hände des Königs niederlege. Schließlich bittet er, daß die National-Versammlung ihre Sitzungen bis zur Konstituirung des neuen Ministeriums aussetze. ‒ Nachdem die Minister Auerswald und Hansemann erklärten, daß sie, wie sich das von selbst verstehe, mit dem leitenden Prinzip, welches in dem Minister-Präsidenten personificirt sei, ebenfalls stehen oder fallen müssen, jedoch die laufenden Geschäfte ihrer Ministerien bis zur Konstituirung des neuen Ministeriums besorgen würden; ‒ beschloß die Versammlung auf Antrag des Abgeordneten Seidel (von der Rechten), ihre Sitzungen bis Montag auszusetzen, daß aber das Präsidium verpflichtet sei, sobald sich das neue Ministerium konstituirt haben würde, sogleich schon vor Montag die Versammlung wieder zusammenkommen zu lassen. ‒ Graf Reichenbach hatte den Antrag gestellt, daß die National-Versammlung sich jedenfalls Freitag wieder in ihrem Sitzungssaale einfinde, denn die Zeit des Zutrauens ist vorüber, es ist jetzt die Zeit des Mißtrauens und russische Heere stehen an der Gränze. Dieser Antrag von der Linken unterstützt blieb in der Minorität und wir bleiben daher wahrscheinlich bis Montag in einem Provisorium.
Den Grund, den Camphausen für seine Abdankung angiebt, kann hier Niemand für den wahren ansehen, denn für die ausgetretenen drei Minister waren ja schon Kanitz durch Schreckenstein, Baron Arnim durch Schleinitz ersetzt, so daß nur noch das Ministerium des Unterrichts und der geistlichen Angelegenheiten anstatt des ausgeschiedenen Grafen Schwerin zu besetzen war. Die Gründe müssen daher ganz wo anders liegen und diese Ungewißheit hat in allen Kreisen heute die größte Aufregung hervorgebracht. Versuchen wir unsererseits die möglichen Gründe zusammen zu stellen. ‒ Als wir Ihnen das Programm des linken Centrums von Rodbertus und Genossen mittheilten, sprachen wir schon die Gewißheit aus, daß das Ministerium Camphausen in den Fragen, wo es gegen dieses Programm sei, in der Minorität bleiben werde. Dieser Fall trat schon am 15. d. ein, wo die National-Versammlung gegen den Willen der Minister beschloß, eine Kommission zur Entwerfung der Verfassung niederzusetzen. Der vorgelegte Verfassungs-Entwurf der Minister war damit gänzlich verworfen, mit einer Majorität von 46 Stimmen. Schon nach dieser Abstimmung hätte das Ministerium Camphausen abdanken müssen, aber es bewies seine bekannte Zähigkeit und dachte sich aus dem linken Centrum durch Rodbertus zu ergänzen und zu stärken. Dieser verlangte aber vor allen Dingen die Anerkennung seines aufgestellten Programms. Das Ministerium Camphausen, auf dem Rechtsboden von 1847 und dem Erlaß vom 18. März 1848 stehend, kann aber die Volkssouveränität hervorgegangen aus der Revolution des 18. Und 19. März nicht anerkennen, und da der gestern ausgegebene Adreß-Entwurf diese Prinzipien ebenfalls ausspricht, ‒ in einem so hohen Grade sogar, daß Herr Camphausen vor Ohnmacht zurückgefallen sein soll als er ihn zu Gesicht bekam, ‒ so ist es ganz natürlich, daß man endlich einsah, in welchem großen Widerspruch sich das Ministerium mit der Majorität des Landes befinde. ‒
Zweitens kommt aber noch der Stand des Ministeriums Camphausen in der auswärtigen Politik in Betracht. Durch seine halbe Maßregeln hat es das Ministerium mit allen auswärtigen Staaten verdorben. Mit Frankreich und Rußland wegen Posens. Mit England, Schweden und Dänemark wegen Schleswig. Von Frankreich soll eine energische Note eingelaufen sein, welche gegen die vorgenommene Theilung des Großherzogthums Posen protestirt, während der Kaiser von Rußland die Reorganisation des kleinsten Theils von Posen, wie sie jetzt in Ausführung ist, schon für einen casus belli erklärt und mit der Einrückung seiner Armee, die jeden Augenblick unsere Gränze überschreiten kann, gedroht haben soll. Rußland pflegt nicht zu spaßen, das wissen die Herrn Minister und deshalb nahmen sie ihre Entlassung, es ihren Nachfolgern überlassend, die Entscheidung herbeizuführen.
Zwei Wege stehen jetzt dem Könige offen. Der Erste: ein Ministerium zusammengesetzt aus der Linken und dem Centrum, ‒ Waldeck, Rodbertus ‒ welches den von Rußland dahin geworfenen Fehdehandschuh aufhebt und sich mit Frankreich verbindet. Der Zweite: ein Ministerium der äußersten Rechten, worin mehrere Mitglieder des jetzigen im Amte bleiben; Nachgeben gegen die russische Politik, d. h. Fortschreiten auf dem Wege der Reaktion; und der Volkssouveränetät trotzend.
Der Hauptmann von Natzmer, der sich am 14. d. Abends beim Angriff auf das Zeughaus zurückzog und dadurch Blutvergießen verhinderte, ist bekanntlich vor ein Kriegsgericht gestellt. Seine edle That hat aber unter den Bewohnern Berlins die allgemeinste Anerkennung gefunden, so daß man in allen Klubbs und sogar in der gesammten Bürgerwehr, Adressen und Deputationen zu seinem Besten beschließt. Eine große Kommission, welche die ganze Bürgerwehr Berlins (26-30,000 Mann) vertritt, hat sogar beschlossen den König zu bitten, die Untersuchung gegen den Hauptmann v. Natzmer niederzuschlagen. Hieraus läßt sich urtheilen, welcher gute demokratische Geist in die Bevölkerung Berlins eingedrungen. Unsere verschiedenen demokratischen Klubbs sind auch in jeder Sitzung gedrängt voll und viele Hunderte müssen wegen Mangel an Platz zurückgewiesen werden.
Der Wollmarkt, der heute beginnt, ist sehr flau. Es ist beinah noch gar nichts verkauft. Auf den Märkten, die dem hiesigen vorangingen, wurden, wegen Mangel an Käufern, die Preise so herabgedrückt, daß man in Stettin am vergangenen Donnerstag die schönsten Pommerschen Wollen, die voriges Jahr 62 bis 70 Thlr. per Cntr. kosteten, mit 30-35 Thlr. verkaufte. Hierdurch finden sich auch die rheinischen Wollhändler und Fabrikanten veranlaßt, mehr zu kaufen, als es vorher ihre Absicht war. ‒ Nachschrift. So eben erfahren wir, daß die englischen Wolleinkäufer bedeutende Parthieen Wolle ankaufen, mit einem Avance von circa 8 Thlr. gegen die Stettiner Preise.
Die Börse war heute in Folge der Minister-Krisis sehr flau. Alle Kurse fielen und manche Fonds waren unverkäuflich.
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@facs0104
[*] Frankfurt, 20. Juni.
In Nro. 18 der neuen Rheinischen Zeitung wird von Köln, 17. Juni, eine Berliner Geldsendung von 1,800,000 Thaler in neun Sendungen von 200,000 Thlr. an Rothschild besprochen und die Frage daran geknüpft, ob solche Geldsendungen überhaupt stattgehabt hätten, und wie der Staat im Augenblicke seiner Zwangsanleihe über eine solche Summe verfügen könne.
Als Thatsache kann ich Ihnen hierzu mittheilen, daß die fraglichen Geldsendungen hier allerdings eingetroffen sind, jedoch nicht, um hier zu bleiben oder überhaupt hier nur eine Bestimmung zu haben, sondern daß sie jedesmal Abends hier anlangten und am nächsten Morgen bereits weiter befördert wurden, das heißt, nach dem Norden, über Hannover, ob über Hamburg nach England? oder ob man das Geld nur spazieren geführt und die Berliner mit der Ankunft dieser ansehnlichen Summen überraschen will?
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@facs0104
[*] Frankfurt, 19. Juni.
Aus zuverlässiger Quelle wird versichert, daß dem Präsidenten der deutschen Nationalversammlung, obgleich (oder vielleicht weil) der Antrag auf Berufung von Militärschutz durchgefallen ist, 10,000 Mann umliegender Truppen zur Disposition gestellt sind.
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@facs0104
[19] Frankfutt, 20. Juni.
Ueber den Centralausschuß haben wir wieder viele Reden gehört, aber noch immer keine Aussicht zum Schlusse zu kommen. Ein Ritter aus Cöslin, Hr. Braun, eröffnete den Angriff gegen die Linke; er kämpfte heldenmuthig trotz allen Lärmens und Tobens der Versammlung, für den König von Preußen und dessen so oft „geschwächte Soldateska“. Der König von Preußen provisorischer Kaiser von Deutschland! Herr Welcker brach eine Lanze für den Bundestag, den Blum so grausam als einen „schon faulenden Leichnam“ bezeichnet hatte. Das war zu viel für den neu kreirten Bundestagsgesandten, der nichts weniger glaubte, als daß er und seine ehrenwerthen Kollegen diesem Lieblingsinstitute der Fürsten wieder neues Leben eingehaucht hätten, der nicht ohne Kampf diese hohe Stellung aufzugeben gedenkt. Der verehrliche Herr Hofrath tanzten dabei so ergötzlich auf der Tribüne herum, als sei das „elastische Prinzip“, welches der Hannoversche Amts-Assessor Wedekind für die Centralgewalt in Anspruch nahm, bereits in ihm verkörpert.
[0105]
Für den Antrag der äußersten Linken sprachen Simon aus Trier, Hensel und v. Trützschler. Letzterer erklärt: Die Souverainität abgeben, heiße, sich des Hochverraths schuldig machen; existire dafür auch noch kein Gerichtshof, so könne sich doch leicht einer schaffen lassen. Herr v. Beckerath erklärt sich darauf selbst für einen Hochverräther im Sinne des vorigen Redners. Von Allen die glänzenste Rede, der selbst die rechte Seite ihren Beifall nicht versagen konnte, hielt Robert Blum. Er antwortete den Gegnern auf alle Einwürfe, er vernichtete, er zerrieb sie mit der kältesten Ruhe; nur in einem Punkte war er schwach, weil es auch ihm an der vollen Entschiedenheit fehlt. Auch er wollte uns von der Möglichkeit des friedlichen Nebeneinanderbestehens einer kräftigen Centralgewalt und der Einzelstaaten überzeugen, er behauptete wenigstens die Möglichkeit. „Wir wollen die Republik für den Gesammtstaat, weil wir die Verhältnisse in Deutschland nicht auflösen, sondern befestigen wollen.“ Immerhin aber stellt er sich auf den revolutionären Boden, und will mit den Fürsten nicht unterhandeln, und ihren Sonderinteressen kräftig entgegentreten. „Sie dürfen mit den Fürsten nicht unterhandeln, ruft er der Versammlung zu, eher müßten Sie ihr Mandat niederlegen. Sollten aber die Fürsten ihre Sonderinteressen vertreten wollen, ein Volk von 40 Millionen würde nicht unterhandeln können mit diesen Fürsten.“ Er hält einen innigen Anschluß an die Revolution für das einzige Mittel, der Anarchie ein Ende zu machen, und bezeichnet den Entwurf des Ausschusses als kontrerevolutionär und reaktionär, und sieht hinter dem verantwortlichen Triumvirat 3 Kronen hervorschimmern. Den fanatischen Anhängern des historischen Rechtsboden gibt er schließlich zu bedenken, daß vor nicht gar langer Zeit ein Staat, der auf dem historischen Rechtsboden festbegründet war, unter dem Fuße einer Tänzerin bis in seine tiefsten Grundfesten hinein erschüttert worden; daß, während man dem revolutionären Frankreich die Ernährung von 80,000 Arbeitern zum Vorwurf mache, deren Kosten bei Weitem die Vergeudungen eines verschwenderischen Hofes nicht erreichten, auf dessen historischem Rechtsboden Tausende an der Hungerpest zu Grunde gingen.
Der Schluß der Sitzung erhielt noch einiges Interesse, als die Debatte auf die Prager Ereignisse kam. Der Bundespräsident Schmerling zeigte an, daß der Bundestag Maßregeln getroffen habe, um Böhmen nöthigenfalls mit bairischen, sächsischen und preußischen Truppen zu überschwemmen. Wiesner entgegnete ihm in einer heftigen Rede, worin er ausrief, der Bundespräsident wolle dem Bundestag einen Glorienschein um's Haupt winden, während derselbe doch nichts thue. Vogt, Jordan, Beseler, Lichnowsky sprechen in verschiedenem Sinne. Lichnowsky erklärt natürlich den Einmarsch der Truppen in Böhmen für eine ebenso heilsame als nothwendige Maßregel; Jordan bezeichnet den Fürsten Windisch-Grätz als den deutschen Alba. Zuletzt nach stürmischen Debatten wurde auf Beseler's Antrag beschlossen, die Kommission für die slavischen Verhältnisse zur schleunigen Berichterstattung aufzufordern.
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@facs0105
[25] Breslau, 19. Juni.
In Neiße hat sich folgender Vorfall ereignet, der ein helles Licht über die noch bestehende Bureaukratie verbreitet. Die Primaner der dortigen Realschule ersuchten die Vorsteher der Schulbibliothek, Bücher anzuschaffen, die den Geist der neuern Zeit athmen. Wegen dieses ganz ungesetzlichen Verfahrens wurde eine Disciplinaruntersuchung eingeleitet und die Betreffenden aus der Schule ‒ verwiesen. Als diese nun öffentlich Gerechtigkeit verlangten, wurde ihnen von der Polizei der fernere Aufenthalt im Orte verboten, und zwar sollten die Auswärtigen binnen 24 Stunden die Stadt verlassen. ‒ ‒ ‒ ‒ Dieß Betragen war doch auch den Neißern zu arg, und ‒ sie schützten diese jungen Männer gegen die Polizei-Willkühr. Dieses Faktum gab Veranlassung zur Gründung eines demokratischen Vereins.
Die Wahl eines Oberbürgermeisters für Breslau beschäftigt schon lange viele Gemüther. Vergebens wurde schon früher vom demokratischen und demokratisch-konstitutionellen Klub Proteste eingelegt, die das Verlangen aussprachen, man möge die Wahl so lange sistiren, bis die neue Städteordnung emanirt wäre. Mit Gelächter wurden diese Gesuche aufgenommen und ‒ ad acta gelegt. Die Väter (?) der Stadt erklärten, sie könnten Schriftstücke, die von politischen (sic) Parteien ausgehen, ihrer Würde gemäß nicht beachten und machten die nöthigen Vorbereitungen zur Wahl. Auf der Kandidaten-Liste stehen unter andern die Namen Justizrath Gräff und Landgerichtsrath Fuchs, beide Herren Mitglieder des konstitutionellen Centralvereins. Der letzte Schritt in der Wahl soll heute um 4 Uhr geschehen, drei Tage vor dem Ausscheiden des dritten Theils der Stadtverordneten ! ! Gegen dieses Verfahren soll jetzt entschieden protestirt werden, und zwar nicht durch Vereine politischer Farben, sondern durch eine große Menge von Bürgern selbst. Das Mittel dazu wird wahrscheinlich eine Volksversammlung sein.
Man trägt sich heute mit dem Gerüchte herum, es seien gestern 3-4 russische Emissäre verhaftet worden, als sie eben durch Geldbestechung Unruhen hervorrufen wollten.
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@facs0105
[24] Leipzig, 18. Juni.
Wegen der Vorfälle in Altenburg wurde heute Mittag eine Menge Militär von hier auf der Eisenbahn dahin geschafft. Auch von andern Orten, z. B. von Zwickau, ist dem Altenburger Herzog militärische Hülfe zugesandt worden. Es ist wahrhaft schmählich, daß ganz, wie in früheren Zeiten, die Soldaten unter den deutschen Herren „von Gottes Gnaden“ ein „Bischen“ geliehen werden, um dem Volkswillen nach wie vor trotzen zu können.
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@facs0105
Oberschlesische Gränze, 18. Juni.
In diesem Augenblick geht uns auf zuverläßigem Wege die Nachricht zu, daß der Uebertritt der Russen auf Preußisches Gebiet von Czenstochau aus, also zunächst in die Landrathskreise Lublinitz, Rosenberg, Beuthen, in den nächsten Tagen als ganz bestimmt anzunehmen sei, da die Marsch-Kolonnen sich schon zu den verschiedenen Uebergangs-Punkten über das Gränzflüßchen Prossna formiren, Pontons dazu an die Gränze gerückt, und die Wege dazu auf Polnischem Gebiet mit großen Menschenmassen in Stand gesetzt werden; ‒ ferner sollen in den Polnischen Gränz-Ortschaften schon Fuhren bestellt sein zum Marsch nach Schlesien.
Eben geht auch die Nachricht ein, daß in den nächsten Tagen mehrere Landwehr-Bataillone in Oberschlesien zusammengezogen werden sollen.
[(Ostsee-Z.)]
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@facs0105
[*] Wien, 18. Juni.
Gestern machte das Ministerium bekannt, daß der Kaiser, von der Nothwendigkeit seiner baldigen Rückkehr nach Wien durchdrungen, schon am 17. von Innsbruck habe abreisen wollen. Da habe ihn aber, dessen Gesundheit in dem ungewohnten Klima bereits gelitten, ein bedeutendes Unwohlsein ergriffen und einen Aufschub seiner Abreise nothwendig gemacht. Inzwischen hat der Kaiser den Erzherzog Franz Karl als seinen Stellvertreter mit ausgedehnten Vollmachten hieher abgeordnet. Letzterer wird am 19. d. von Innsbruck abreisen und am 23. in Wien eintreffen.
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@facs0105
‒ Aus Prag trifft diesen Augenblick die Nachricht ein, daß das Bombardement aufgehört, die Stadt sich auf Gnade und Ungnade ergeben und 40 Geißeln als Bürgschaft für ihr ruhiges Verhalten gestellt hat.
Französische Republik.
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@facs0105
Paris, 20. Juni.
Louis Bonaparte ist, wie wir hören, zum Obersten der 2. Legion an Alton Shee's Stelle gewählt.
‒ Die Schriftsetzer und Drucker von ganz Paris, selbst die des Moniteur, haben in einer vorgestern zu Montmartre abgehaltenen Generalversammlung den einstimmigen Beschluß gefaßt, ihre Arbeit einzustellen, wenn die Zeitungskautionen, diese Bleigewichte der Preßfreiheit, wieder eingeführt würden. Um die Arbeiter im Falle einer wirklichen allgemeinen Arbeitseinstellung von Hunger zu schützen, sind Subscriptionen eröffnet. Der Représentant du peuple hat für 50 Franken unterschrieben.
‒ Die hier so eben eingetroffene Estafette du midi meldet den Ausbruch eines Volksaufstandes in Savoyen. Man stürme in Stadt und Land unter dem Rufe: „Es lebe die italienische Republik! Tod dem König Karl Albert!“
‒ Die Vollziehungsgewalt scheint fest entschlossen, ihren ganzen Einfluß aufzubieten, um die Proklamirung Karl Alberts als Lombardenkönig zu hintertreiben. Der National sagt: „Nichts widerspräche wohl der allgemeinen Hoffnung auf ein endliches Vereinigtes Italien mehr als die Gründung einer Monarchie, die sich nur bis an die Gränze von Toscana erstreckte. Aus den Staaten Italiens einen Bund von Republiken zu machen, lasse sich hören; aber Italien in einen einzigen Staat durch Assoziation der Fürsten verwandeln zu wollen, sei eine Chimäre. Das 1815 dergestalt rekonstruirte Deutschland ist die genügendste Warnung.“
‒ Am Schlusse der gestrigen Nationalversammlung legte der Kriegsminister Cavaignac den Entwurf eines „mobilen“ Gendarmeriekorps von 800 Mann nieder. Das Mobile scheint bei uns Glück zu machen. Alles wird bei uns mobilisirt.
‒ Goudchaux liquidirt seine Bankgeschäfte. Der große Finanzminister will sich ganz der Politik widmen.
‒ Calais wird in Kriegsstand versetzt und an den dortigen Festungen fleißig gearbeitet.
‒ Duclerc, interimistischer Finanzminister, heirathet die Tochter seines Herrn und Meisters, Garnier-Pagès.
‒ Zwischen der Pariser Garnison und der Mobilgarde herrscht große Spannung. Der Linie bleibt bekanntlich täglich 1 Sous; der Mobilgarde dagegen ein Reinertrag von 7-14 Sous (nach Abzug aller Unkosten). Diese Lohnungleichheit ruft eine gewisse Erbitterung hervor, welche Louis Bonaparte in London vortrefflich ausbeutet.
‒ Aus dem Justizministerium soll gestern der Befehl abgegangen sein, Madame Laffarge, die Heldin von Glandier, in Freiheit zu setzen.
Nationalversammlung. Sitzung vom 20. Juni. Vicepräsident Portalis eröffnet sie um 1 Uhr. Pierre Leroux protestirt gegen die Rede, mit der gestern der interimistische Staatsbautenminister Trelat sein Verlangen eines neuen Kredits von 3,000,000 Franken für die Nationalwerkstätten begleitete, und in welcher er dem P. Leroux die Vaterschaft der Ereignisse in Limoges vorwarf, weil er schon seit 1820 dem dortigen Proletariat kommunistische Lehren gepredigt. Diese Protestation, in welche der Redner dem Minister absichtliche Entstellung oder Unkenntniß seiner kommunistischen Grundsätze vorhielt, erregte einigen Lärm, hatte aber weiter keine Folgen, da Trelat noch nicht anwesend war. ‒ Duprat wünschte, daß man seinen Antrag auf Befreiung der Zeitungspresse von allen fiskalischen Maßregeln, als dringend erkläre, fiel aber damit durch. ‒ Latrade trug dann darauf an, seinen Antrag, rücksichtlich der Arbeiter-Associationen, als dringend zu erklären. Dies geschah, und derselbe wird nächstens zur Diskussion kommen. ‒ Clement Thomas bestieg dann die Bühne, um seine Demission zu geben. „Bürger Repräsentanten!“ sagte er, „Ihr habt mich am 15. Mai zum Oberbefehlshaber der Bürgerwehr ernannt. Ich fühle mich veranlaßt, diese Stelle niederzulegen. Ich habe die Vollziehungsgewalt davon benachrichtigt. Da ich jedoch dieselbe direkt von Euch erhielt, so glaubte ich Euch meinen Entschluß anzeigen zu müssen.“ (Aufsehen). ‒ Cavaignac, Kriegsminister, legt einen Entwurf vor, laut welchem vom 1. Oktober 1848 an der Zutritt in die Militairschule von St. Cyr kostenfrei sein soll. ‒ Der Präsident liest einen Brief von Thiers vor, laut welchem er anzeigt, daß er für das Unterseine-Departement (Rouen) die Deputirtenstelle annehme. Also nicht für Paris. ‒ Sainte Beuve legt seinen Assekuranzbericht vor und Jules Favre will die Concordats amiables zwischen Schuldnern und Gläubigern möglichst schleunigst auf die Tagesordnung gestellt wissen, weil Gefahr im Verzuge. Zehntausend Handelshäuser ständen auf dem Punkte nicht mehr zu zahlen; der Gegenstand sei also dringend. Diese Erklärung zog, und die Dringlichkeit wurde entschieden. ‒ Türck will die Vollziehungsgewalt rücksichtlich der Lage des Landes interpelliren und erhält dafür Erlaubniß nach Vollendung der Eisenbahnfrage. ‒ Victor Hugo benützt die auf der Tagesordnung befindlichen Nationalwerkstätten, um eine lange und schrecklich langweilige Jungfernrede gegen den Sozialismus zu halten. ‒ Leon Faucher zog nicht weniger erbaulich gegen diese Anstalten zu Felde und rief sogar eine Reklamation des Finanzministers hervor, die einen Geldstreit wegen Stadtbauten zwischen den Stadträthen Ternaux, Considerant, Falloux und Marrast zum Gegenstand hatte.
Die Diskussion des Kredits von 3000,000 Franken für die Nationalwerkstätten dauerte bis gegen 6 Uhr. Die Versammlung zeigte sich von dem Wunsche beseelt, sich zu jedem Preise sobald als möglich dieser Pflanzschule der Februar-Revolution zu entledigen. Sie sieht in ihnen ein wahres Demoklesschwert, das über ihrem Haupte schwebt. Der Vorschläge regnete es daher in Menge.
Larochejaquelin wünscht, der Staat möge den Häuserspekulatoren 15,000.000 Fr. vorschießen, damit sie Häuser auf Spekulation bauen und somit 50,000 Arbeiter beschäftigen.
Caussidiere hielt ebenfalls eine ziemlich schwerfällige Rede. Er schlug vor, man solle die heimische Fabrikation und Manufaktur durch Ausfuhrprämien ermuntern, wüste Ländereien in Algerien und den Süddepartements urbar machen lassen u. s. w. Sein Humor gefiel sehr.
Waldeck-Rousseau und Goudchaux rächten sich für die herben Erwidrungen, die sie von den Socialisten, den natürlichen Vertheidigern der Nationalwerkstätten erfahren und schilderten wiederholt die Nothwendigkeit ihrer Auflösung. Sturm pflichtete dieser Ansicht vollkommen bei, und unterstützte vorzüglich seinen Vorgänger in dem Plane durch indirekte Steuern dem Handel und der Industrie d. i. der Produktion zu Hülfe zu kommen.
Duclerc, Finanzminister, hielt das indirekte Steuersystem hiefür unzureichend. Die Ansicht der Regierung habe sich bereits für das direkte ausgesprochen
v. Felloux reinigte sich noch einmal von dem Vorwurfe, die Regierung schwächen zu wollen und dafür die Frage den Nationalwerkstätten ausgebeutet zu haben.
Die 300,000 Fr. werden endlich genehmigt und die Versammlung wollte zur Fortsetzung der Getränkediskussion schreiten, verschob sie jedoch bis morgen.
Ein Antrag, die Verfassung erst Montags in den Büreaus zu diskutiren, fiel durch und die Sitzung wurde um 6 Uhr geschlossen.
Großbritannien.
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@facs0105
[19] London, 19. Juni.
Daß die Chartisten am Pfingstmontage eine Anzahl gleichzeitiger Meetings abzuhalten beabsichtigten, war schon lange zuvor dem ganzen Publikum bekannt. Solche Meetings sind allen Agitationen gemeinsam gewesen und haben nie zu Verfolgungen Anlaß gegeben. Es war ausdrücklich bestimmt worden, daß die auf Montag zusammenberufenen Meetings lediglich die Uebereichung des Memorials an die Königin und die Antwort darauf, falls eine solche erfolgt wäre, in Betracht ziehen sollten. Lord J. Russell's lügenhafte Behauptung, als sei dem Volk die Reformfrage völlig gleichgültig und als trage es kein Verlangen nach der „Charter“, konnte nur als eine Herausforderung des Volkes betrachtet und mußte von letzterem durch öffentliche Meetings beantwortet werden. Grade dies verhinderte der kleine Lord. Erst verläumdete er das Volk und hernach beugte er einer Antwort desselben durch Anwendung brutaler Gewalt vor.
Die Regierung wußte sehr wohl, daß kein wirklicher Grund zu Besorgnissen vorhanden war. Drum benutzte sie die Preß-Bande, um falschen Allarm zu schlagen. Diese saubern Janitscharen wurden abermals, wie bei Gelegenheit des 10. April in Thätigkeit gesetzt, schrieben und druckten Lügen nach der Elle, um so das Einschreiten der Regierung zu rechtfertigen. Es gelang ihnen allerlei Gerüchte in Umlauf zu bringen. Die Regierung that, als ob sie nun ebenfalls Besorgniß hege und ergriff „kräftige Maßregeln“ zur Unterdrückung des freien Versammlungsrechtes. Obgleich in der „Metropole der Welt“ keine Revolution vorgefallen ist, so leben wir doch unter einer „provisorischen Regierung“, provisorisch bis dahin, wo „das Volk sich sein Recht zurück erobern wird.“
Die Mitglieder dieser Regierung sind weder Dichter, noch Astronomen, noch Geschichtschreiber; es sind einfach ‒ Häscher. In der That, das Volk von London, deren Vorfahren den Edikten des Tyrannen Karl Widerstand leisteten, unterwerfen sich den Ukasen eines Maine und Rowan! Ja ein großer Theil der Londoner ist ganz glücklich in Anerkennung der Polizei-Könige, deren „Kundmachungen“ und „Proklamationen“ an die Stelle der altväterlichen vom Parlament ausgehenden Gesetzgebung getreten sind.
Am 10. d. erschienen demnach die Proklamationen, die das Meeting auf Bonner's Fields untersagten. „Alle nöthigen Maßregeln“ zu seiner Verhinderung würden ergriffen werden. Sie bestanden, wie am 10. April darin, daß 10,000 Mann Truppen in der Hauptstadt konzentrirt, die Polizei mit Hirschfängern versehen und die „Spezial-Konstablers“ in Masse aufgeboten wurden. Nebstdem verbarrikadirte und verproviantirte man alle öffentlichen Gebäude, um eine „Belagerung“ aushalten zu können, und stellte im Hinterhalt Kanonen auf, um das Volk abzuschlachten und „massenhaft niederzumähen.“
Die Sonntagsblätter setzten das von den täglichen Journalen begonnene Lügenwerk fort und forderten, „der starke Arm der bestehenden Gewalt“ solle einen Schlag führen, der „gefühlt“ würde und allen Chartisten-Demonstrationen für immer ein Ende mache. Am Montag früh (den 12.) enthalten die Morgenblätter Times, Chronicle etc. die scheußlichsten Aufreizungen an Minister, Polizei und Militär, daß sie vor keiner Gewaltthat zurückschrecken sollen, um nur die Arbeiter zu zermalmen. Im „Chronicle“ stand folgender bedeutungsvolle Satz:
Wat Tyler. Heute ist der Jahrestag vom Tode Wat Tyler's, der am 12. Juni 1831 getödtet wurde.“
Natürlich ! der fromme Wunsch des schurkischen „Chronicle‘ ging dahin, die „Behörden“ von London möchten am 12. Juni 1848 durch List und Gewalt sich wieder das Privilegium der Freude über einen blutigen Dolch verschaffen.
Das Comitè that unter solchen Umständen wohl daran, durch Vertagung des Meetings das unbewaffnete Volk vor den Säbeln der Polizei und den Musketen des Militärs sicher zu stellen.
Die Presse natürlich fing gleich nach dem Montage an, über eine „neue Niederlage der Chartisten“ zu frohlocken und der „Morning Advertiser“ ‒ in London besser unter dem Namen „der Spülicht-Eimer“ bekannt ‒ wünscht dem Lande zur „Vernichtung des Chartismus“ Glück! Eine Wahrheit enthält dieses Blatt aber dennoch, eine Wahrheit, die dem Volke nicht tief genug eingeprägt werden kann: „daß die Chartisten bei der Mittelklasse keinerlei Sympathie finden, daß die Mittelklasse ohne Ausnahme gegen sie ist.“ Das ist in der That richtig. Unter den Krämern mag eine Minorität die Gerechtigkeit der chartistischen Sache im Stillen anerkennen, ja selbst ihren Erfolg wünschen: allein öffentlich lassen sie sich nichts davon merken. Durch ihr Schweigen scheinen sie die feindliche Gesinnung der Majorität ihrer Klasse zu theilen und jene Feindseligkeit ist von der ärgsten Art. Von vielen Seiten her wird mir aus guter Quelle versichert, der heißeste Wunsch der Bourgeoisie sei gewesen, daß Polizei und Militär durch einen Konflikt am gedachten Montage Vorwand und Entschuldigung zu einer Schlächterei im Ganzen und Großen erhalten möchten. „Schießt die Hunde nieder; kartätscht sie zusammen“, so lautete die Sprache des Krämervolks im Allgemeinen mit Bezug auf die Chartisten. „Warum werden die Führer nicht deportirt?“ frugen die Leute der Mittelklasse. „Hängt die Schurken!“ erscholl es von den Lippen der „Jury-Klasse“ während der letzten Wochen. Und doch sind Tausende dieser Schufte in den Klauen des Bankrotts. Mag Vernichtung hayfischgleich sie erpacken! Sind sie erst in die jämmerliche Lage derjenigen gebracht, denen sie jetzt mit ihren Knütteln drohen, die sie niedergemetzelt, deportirt oder gehangen wissen wollen: dann, aber nicht eher, werden sie Mitgefühl für ihre Nebenmenschen und einen kleinen Begriff von den Grundsätzen der Ehrenhaftigkeit, Wahrheit und Gerechtigkeit bekommen. Jetzt noch ein Wort über die Preßbande, die in ihren Berichten die schmutzige Arbeit der Spionerie übernommen hat und andererseits die fürchterlichsten Anstrengungen macht, die Verurtheilung der eingekerkerten Patrioten herbeizuführen. Unter allen Klassen und Parteien gilt ein „Spion“ für ein niederträchtiges Wesen. Ein Berichterstatter, der Meetings besucht, angeblich um die Verhandlungen zu resumiren, in der That aber, um seine „Notizen“ der Regierung zu verkaufen und letzterer zur Einsperrung oder Deportation ehrlicher Leute Mittel an die Hand zu liefern: ein solcher Reporter ist nichts weiter, als ein „Spion.“ Die „Mückensäuger“, wie Cobbett sie nannte, machen ihren Bericht auf Bestellung. Für „Morning Post“ oder „Herald“ schwellen sie ein Meeting von 30 Protektionisten zu 3000 an; für „Times“ oder „Chronicle“ leisten sie den Freihandelsmännern den nämlichen Dienst. Allein 30,000 Chartisten wissen sie schnell bis auf höchstens so viele Hunderte verschwinden zu lassen. Aus dem Gewäsch eines eiteln Narren, der aber eine wohlgespickte Börse besitzt, machen sie einen „beredten und bewundernswerthen Vortrag“; Sinn und Verstand und wirkliche Beredsamkeit eines Arbeiters stellen sie als das „gewöhnliche Chartisten-Geplapper“, „herkömmliches Schimpfen auf die Behörden“ etc. hin. Weit ekelhafter ist aber das Verfahren dieser Preßbande gegen Ernest Jones und die übrigen Verhafteten. Der Herald ruft aus: „Man braucht nicht zu fürchten, daß Menschen, die selbst erklärten, sie beabsichtigten Plünderung, ja Mord, freigesprochen und etwa der Gesellschaft als gute und geeignete Mitglieder zurückgegeben werden.“ Damit sucht man also die Geschwornen im voraus zu bestimmen, ihr „Schuldig“ über die Angeklagten auszusprechen. Die Sunday Times sagt: „in Betreff der Leiter jener gesetz- und sinnlosen Bewegung wird weder die große Masse des englischen Publikums, noch die besondere Klasse, der die Geschwornen angehören irgendwelche nebelhafte Sympathie fühlen.“ Und jenes andere Blatt „Lloyds Drei-Pence-Quark“ meint: „Mitchell ist auf der Reise nach Bermuda; Jones, Sharp, Fussell und Williams stecken im Käfig von Newgate, einer Zwischenstation auf dem Wege ihrer Bestimmung.“ In ähnlicher, ja noch ärgerer Weise treten Times, Examiner etc. auf.
Das Volk von England hat ein gutes Gedächtniß; der Tag an welchem die Arbeiter das ganze jetzige faule System über den Haufen stürzen, ist näher als die Mittelklasse ahnt. Dann wird man auch jener Preßbande nicht vergessen.
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@facs0105
[*] London, 20. Juni.
Im Oberhause wurden gestern Sachen von weniger Bedeutung verhandelt, und die edlen Lords, wie der Telegraph sich ausdrückt, ermüdet durch die Sorge für das allgemeine Beste, glaubten dann, daß sie zweier Ruhetage bedürften und ajournirten bis Donnerstag.
[0106]
‒ Im Unterhause kamen die Zuckerzölle auf's Neue zur Debatte und Sir J. Pakington stellte in Betreff der Vorschläge des Gouvernement, ein Amendement; welches von Sir E. Buxton und Hr. Seymour unterstützt wurde. Die ministerielle Partei beharrte indeß bei ihren Vorschlägen, trotz dem, daß alle übrigen Schattirungen des Hauses in dem den indischen Pflanzern zu leihenden Unterstützungsfonds von einer halben Million nur eine sehr unwirksame Maßregel sahen. Die Debatte wurde dann bis Donnerstag vertagt.
‒ Das Chronicle meldet, ein Hr. von Hummelauer werde aus Wien erwartet um die Intervention Englands für einen Großherzog anzusprechen, den man an die Spitze des einigen Italiens an Karl Alberts Stelle setzen wolle.
‒ Konsols 831/2 à 5/8.
Italien.
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@facs0106
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 23. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 159.]
[*] Vicenza.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
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@facs0106
[*] Rovigo, 16. Juni.
Der Ersatz für die dem Kampf entzogenen Truppen Durandos ist schon da. Heute hat General Pepe hier einen Armeebefehl erlassen, wonach in drei Tagrn 2 Dragonerregimenter, ein Lancierregiment, neun Bataillone Infanterie, zwei Bataillone Volontaire, eine Batterie Artillerie, eine Kompagnie Sappeurs ‒ der der italiänischen Sache treugebliebene Theil des neapolitanischen Heeres ‒ sofort den Po überschreiten und sich in Rovigo zusammen ziehen sollen.
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@facs0106
Neapel, 5. Juni.
Die hiesigen Sicilianer haben von ihren Polizeikommissaren den Befehl erhalten, binnen drei Tagen die Stadt zu verlassen. Welche Schande!
[(Contemporaneo.)]
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@facs0106
[7] Vom Brenner, 17. Juni.
„Treviso ist von Welden besetzt, und zwar ohne Verlust von unserer Seite. Die Garnison von 5000 Mann ist mittelst einer unglaublich milden Capitulation abgezogen. Daß diese nicht von Weldens Philantropie zugestanden worden, wird jeder glauben der Welden kennt. Dieses so wie Radetzky's mildes Verfahren bei Vicenza scheint durch höhere Instruktion veranlaßt, und möchte zu der Meinung berechtigen, daß man das venezianische Reich im Frieden zu behalten meint, und daher die Schonung der verlornen Söhne bei ihrer Rückkehr ins Vaterhaus vorwalten lassen wolle.“
So schreibt die A. A. Z. „Mildes Verfahren“ nennt sie das „zwölfstündige betäubende Bombardement“ von Treviso, (Armeebericht Nro. 10 des Erzherzogs Johann) mildes Verfahren das siebenstündige Bombardement von Padua, das fünfzehnstündige von Vicenza! Eine Stadt nach der andern im venetianischen Gebiete wird mit kongrevischen Raketen in Brand geschossen, und die östreichische bezahlte Allgemeine spricht von „Milde und Schonung“!
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@facs0106
Padua.
Nach Handelsbriefen aus Mailand vom 16. und nach der A. A. Z. sind die Oestreicher hier eingezogen. Bei dieser Gelegenheit läßt sich die A. A. Z. aus Verona von ihrem östreichischen Landstürmer schreiben, Radetzki und Welden hätten „durch ein Manöver vom 30. Mai bis 14. Juni die neapolitanische und toskanische Stellung bei Mantua ‒ zehntausend Mann gesprengt und vernichtet“ (!) nach welcher Heldenthat die beiden großen Feldherrn freilich nichts Besseres thun konnten als sich eiligst nach Vicenza zurückzuziehen und an den schwachen Corps von Durando ihren Muth zu versuchen. Daß diese „Sprengung“ und „Vernichtung“ eine reine Erfindung des Landstürmers ist, versteht sich von selbst.
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@facs0106
Venedig 13. Juni.
Die A. A. Z. schreibt: Die Regierung von Venedig hat sich an die französische Republik gewendet, und um deren Einschreiten in dem Kampfe mit Oestreich nachgesucht. Was Karl Albert bisher mit Sorgfalt vermied, hat also Venedig gethan ‒ schwerlich zum Besten seiner Freiheit.
Handels-Nachrichten.
gap: insignificant
Offizieller Wechsel-Cours.
gap: insignificant
[Anzeigen]
@typejAn
@facs0106
Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
19. u. 20. Juni Maria Elis. Hnb., T. v. Joh. Peter Jos. Odenkirchen, Maschinist, Lyskirchen. ‒ Ant, S. v. Joh. Potthaß, Spezereih., Weiherstr. ‒ Franz, T. v. Jos. Löhr, Tagl., Katharinengraben. ‒ Heinrich, S. v. Nikol. Glöckner, Schuster, Obenmarspforte. ‒ Michel Jos., S. v. Christ. Nußbaum, Anstr., Huhng. ‒ Peter Heinr. Jos., S. v. Heinr. Jos. Jansen, Weinhändler, Straßburgerg. ‒ Anna Marg., T. v. Peter Jos. Schötter, Fuhrm, Thürmchenswall. ‒ Elis. Hubert, T. v. Joh. Ant. Breuer, Steinhauer, Römergasse. ‒ Anna Marg., T. v. Michel Schiffer, Metzger, Holzm. ‒ Heinr. Hub., S. v. Joh. Adolph Pott, Fuhrmann, Salzgasse. ‒ Pet. Jos., S. v. Paul Friedr. Crones, Bildh., Weiherstr. ‒ Joh. Heinr., S. v. Jos. Koch, Schneider, gr. Griechenm. ‒ Christ. Sebast., S. Joh. Phil. Gras, Mauerm., Telegraphenstr. ‒ Gottfr. Ign., S. v. Ludw. Engels, Postillon, Pützgasse. ‒ Ludwig Alois, S. v. Franz Adam Joseph Fischer, Anstreicher, Weiherstr.
Sterbefälle.
Klara Georg. Meurers, 2 J. 6 M. alt, Apostelnklost. ‒ Joh. Wehlen, Leineweber, 37 J. alt, Severinstr. ‒ Kath. Kolbach, 8 T. alt, Altengr. ‒ Anna Schmitt, 1[#] T. alt, Kattenbug. ‒ Oswald Jos. Friederichs, 1 J. 2 M. alt, Lintgasse. ‒ Gerh. Christoph Peters, 5 J. 10 M. alt, Mühlenbach. ‒ Konrad Schön, 18 M alt, Entenpfuhl. ‒ Anna Christina Unkelbach, 54 J. alt, unverheir, Schilderg. ‒ Heinr. Riepe, Zuckerarbeiter, 39 J. alt, unverh., Cäcilienspital. ‒ Friedr. Sutthoff, Tischlergeselle, 22 J. alt, unverh., Peterstr. ‒ Tilm. Kürten, 14 J. alt, Peterstr. ‒ Hub. Wilh. Thom, 55 J. alt, Kaufm, verh., Holzm. ‒ Bernard Kautz, Kellner, 51 J. alt, verh., Ankerstr.
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Schiffahrts-Anzeige. Köln, 22. Juni 1848.
Abgefahren: J. Budberg nach Duisburg.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich H. Lübbers; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr A. Meyer und C. Kaiser; nach Koblenz und der Mosel und Saar Jakob Tillmann; nach der Mosel, nach Trier und der Saar N. Pisbach; nach Bingen J. B. Mundschenk; nach Mainz J. Hirschmann; nach dem Niedermain Ph. Würges; nach dem Mittel- und Ober-Main Seb. Seelig; nach Heilbronn H. Bechert; nach Kannstadt und Stuttgart Peter Kühnle; nach Worms und Mannheim J. B. Mundschenk I.; nach Antwerpen M. Lamers.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Jurrius, Köln Nr. 18.
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Schüller, Köln Nr. 30.
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Wasserstand.
Köln, am 22 Juni. Rheinhöhe 8′ 3″.
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Bitte um Arbeit.
Ein Familenvater einer Frau nebst 3 Kindern, welcher auf Verordnung seiner Aerzte wegen Brustschwäche seiner Profession durchaus entsagen mußte, sucht in dieser bedrängten Lage eine ihm passende Beschäftigung, sei es um Kommissionen zu verrichten oder irgend eine andere Stellung, welche die Existenz und das Brod der Seinigen sichert.
Anerbietungen werden gerne entgegengenommen in der Expedition dieses Blattes.
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Demokratische Gesellschaft Freitag den 23. Juni, Abends 7 Uhr, Versammlung in dem Kölner Zelte am Städtischen Garten bei Stollwerck. (Ausnahmsweise wegen Restauration des Saales.) Gegenstand der Debatte.
Die politisch-socialen Tagesfragen, und Berichterstattung der nach Frankfurt a. M. abgeordneten Deputirten.
Der Vorstand.
NB. Die eingeschriebenen Mitglieder können daselbst ihre Karten empfangen, auch werden neue Einzeichnungen entgegengenommen.
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An einem ehemaligen Flüchtling u. jetzigen Volksvertreter in Frankfurt.
Fatal ist mir das Lumpenpack,
Das, um die Herzen zu rühren,
Den Patriotismus trägt zur Schau
Mit allen seinen Geschwüren.
Schamlose, schäbige Bettler sind's,
Almosen wollen sie haben ‒
Einen Pfennig Popularität
Für Menzel und seine Schwaben!
Köln, den 21. Juni 1848.
(Heine.)
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Ein Portefeuille, enthaltend Courszettel, Fruchtpreiscourante und sonstige für jeden Dritten werthlose Papiere ist am 20. ds. Mts. verloren gegangen. Der loyale Finder wolle es gegen eine angemessene Belohnung in der Rheinaustraße abgeben.
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Die so beliebten Kirschen-Torten sind täglich frisch zu 10 und 1 Sgr. das Stück zu haben, Schildergasse Nr. 49 und in meinen Nebengeschäften, Blindgasse und Cattenbug Nr. 12.
Franz Stollwerck, Hoflieferant
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Eis täglich in und außer dem Hause à Portion 4 Sgr. bei Franz Stollwerck, Hoflieferant.
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Zwei durcheinandergehende geräumige Zimmer (belle étage) nebst Speicherzimmer und Kellerabschluß zu vermiethen. Kl. Telegraphenstraße Nro. 6.
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Harmonie von Musikern der kölner Bürgerwehr heute Freitag, Abends von 7 bis 11 Uhr, bei A. Steinstraßer, auf den Perlenpfuhl.
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Nicht zu übersehen!
Vom 1. Juli d. J. an ist durch alle Postämter zu beziehen:
Neue Deutsche Zeitung.
Organ der Demokratie.
Verantwortlicher Redakteur Dr. Otto Lüning.
Der Titel bezeichnet die Tendenz dieser Zeitung; sie will vor Allem die Demokratie, die Herrschaft, die Souverainetät des Volkes.
Die „ neue deutsche Zeitung“ erscheint in groß Folio-Format dreispaltig, und kostet hier am Orte vierteljährlich 2 Fl. oder 1 Thlr. 4 Sgr. Die Ausgabe geschieht täglich mit Ausnahme des Sonntags, da wir es für billig halten, den Arbeitern diesen Tag frei zu geben; besonders wichtige Nachrichten werden jedoch an diesem Tage durch Extrablätter gebracht werden. Anzeigen jeder Art werden gegen die Gebühr von 3 Kr. oder 1 Sgr. für die Zeile oder deren Raum aufgenommen.
Darmstadt, den 12. Juni 1848.
Die Verlagsbuchhandlung von C. W. Leske.
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Zum Klavierstimmen und Repariren aller Seiteninstrumente empfiehlt sich K. B. Mayr, St. Apernstraße 57.
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Bergisch-Märkischer Courier.
Organ für Zeitgeschichte und gesellige Unterhaltung.
Unter diesem Titel erscheint seit dem 1. Mai in Hattingen an der Ruhr eine Zeitschrift, deren vorzüglichstes Streben darauf gerichtet ist, durch klare Besprechung des Wesens eines konstitutionellen Staates, durch freie Beurtheilung unserer gegenwärtigen und nächstkünftigen Zustände zur Hebung und Verbreitung einer gründlichen politischen Bildung das Seinige beizutragen. Der Standpunkt desselben ist bezeichnet durch die wenigen Worte: Wir wollen keine Republik, weil sie für Preußen und Deutschland verderblich sein würde, aber wir wollen in der konstitutionellen Monarchie alle wahren Freiheiten, welche eine wohlgeordnete Republik zu gewähren vermag, darum vor allen Dingen wollen wir auch nicht einen Schritt rückwärts: in der konsequenten Ausbildung und Entwickelung der konstitutionellen Monarchie auf breitester Grundlage erblicken wir das Heil Preußens und Deutschlands. Wir wollen Trennung des Staates von der Kirche; aber volle Freiheit in jenem, vollste Freiheit in dieser; eine Staatskirche erkennen wir eben so wenig an als einen Kirchen-Staat.
Aus diesen Grundzügen fließen die leitenden Artikel, die bereits vielfältig die vollste Anerkennung gefunden, und denen sich, als „Reflektionen über Tagesgeschichte“, eine kurze Beurtheilung hervorragender Erscheinungen der Zeit in gleichem Sinne anschließt. Zugleich geben wir unsern Lesern anziehende Produkte der belletristischen Literatur. In einem „Sprechsaal“ verhandelt das Publikum unsers Leserkreises seine eigenen Angelegenheiten frei und ungehindert. Luft und Raum für jede Partei! Ehrlicher Kampf ist die Bedingung, unter welcher die Wahrheit siegt.
Der „Bergisch-Märkische Courier“ beschränkt sich nicht auf Berg und Mark, sondern hebt seinen Blick hinaus auf alles das was Berg und Mark interessirt, auf unser ganzes Vaterland, und erscheint wöchentlich zweimal. Der höchst billig gestellte Preis beträgt 121/2 Sgr. vierteljährlich beim Verleger; an den zunächst gelegenen Orten, wohin es durch Boten besorgt wird, 15 Sgr.; bei allen Postämtern und Buchhandlungen des preußischen Staates 163/4 Sgr. pro Quartal. Anzeigen kosten 1 Sgr. die Zeile.
Bestellungen auf das mit dem ersten Juli beginnende neue Vierteljahr bitte ich baldigst machen zu wollen.
Hattingen a. d. Ruhr, im Juni 1848.
Albert Fries,
Herausgeber und Verleger des
Bergisch-Märkischen Couriers.
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Rheingasse Nro. 10 zweite Etage zu vermiethen.
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Ein Schreiber sucht Beschäftigung, sei es auch für halbe Tage oder stundenweise. Weingartengasse Nr. 6.
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Apfelsinen, billig und schön. St. Agatha 25.
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Frische Rheinfische sind zu den billigsten Preisen zu haben bei Joh. Lülsdorff, Lindgasse 21.
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Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.