[0107]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No. 24. Köln, Samstag 24.. Juni 1848.
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Die „Neue Rheinische Zeitung“ erscheint vom 1. Juni an täglich. Bestellungen für das nächste Quartal, Juli bis September, wolle man baldigst machen.
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Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen der Zeitung die weiteste Verbreitung.
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Das Kabinet Hansemann. ‒ Die „Neue Berlinische Zeitung“ über die Chartisten). Düsseldorf. (Juristisches). Berlin. (Hansemann Ministerpräsident. Russische Politik. Ruhe. ‒ Ganz der Wohlfahrtskommission zu Camphausen. Bornemann. Ghroth. Bauer. Nicolaus. Wollmarkt. ‒ Die russische Rote). Frankfurt. (Der Demokratenkongreß). Von der schlesisch-polnischen Gränze (Neues Manifest des russischen Czar).
Ungarn. Preßburg. (Hradiwiz nimmt Carlowitz nach einem heftigen Bombardement).
Schweiz. Zürich. (Bundesrevision).
Italien. Mailand. (Der Exminister Montecuculi von den Italiänern gefangen. Der Angriff auf Verona auf den 14. Juni festgesetzt). Valeggio. (Brutalitäten der Oestreicher). Turin. (Union zwischen Lombardei und Piemont). Padua. (Welden). Venedig. (Verlangen nach französ. Intervention. Vorbereitungen gegen die Oesterreicher). Rom. (Die Grundstücke der Jesuiten bei der neuen Staatsschuld nicht hypothecirt. ‒ Deputirtenkammer). Neapel. (Gesetz über die Nationalgarde). Palermo. (Anerkennung Siciliens von Seite Englands).
Französische Republik. Paris (der Finanzvorschlag Duclercs. ‒ Nationalversammlung vom 21. Juni. ‒ Der Gesandte von Venedig in Paris. ‒ Vermischtes).
Spanien. Madrid (Entlassung des Finanzministers).
Großbritannien. London (Unterhaussitzung. ‒ Hume's Motion). Liverpool (Nachrichten aus Amerika) Bedford.
Amerika. Westindien. Mexico (der Vertrag mit Amerika. ‒ Paredes. ‒ Die Indianer).
Asien. Ostindien und China (Lahore. ‒ Indien ruhig. ‒ Hong-Kong).
Afrika. Aegypten (Mehemet Ali. ‒ Maßregeln Imbrahims. ‒ Noth im Delta).
Handelsnachrichten.
Deutschland.
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Edition: [Friedrich Engels: Das Kabinett Hansemann. In: MEGA2 I/7. S. 162.]
[**] Köln, 23. Juni.
Neue Wendung der Ministerkrisis in Berlin!
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[**] Köln, 23. Juni.

Die Neue Berliner Zeitung berichtet uns mit Nr. 1 ihres Blattes allerlei wunderliche Dinge aus England. Es ist hübsch, wenn man originell ist; die Neue Berliner Zeitung hat wenigstens das Verdienst, daß sie die englischen Zustände in ganz funkelnagel neuer Weise darstellt. Zuerst heißt es: „O'Connor, welcher in der That ein Mann ohne Geist und Charakter zu sein scheint, ist hier gänzlich ohne Ansehen.“
Wir wollen nicht entscheiden, ob O'Connor so viel Geist und Charakter besitzt wie die Neue Berliner Zeitung. Der Sprosse altirischer Könige, der Führer des großbritannischen Proletariats, mag in diesen Vorzügen hinter der gebildeten Berlinerin zurück bleiben; was aber das Ansehen betrifft, o gebildete Berlinerin, so hast du allerdings recht; O'Connor steht, wie alle Revolutionärs, in sehr üblem Geruche; er hat sich nie die Achtung aller Frommen so zu erobern gewußt, wie Du sie schon durch Deine erste Nummer erlangt hast. Weiter sagt die Berlinerin: „O'Connell sagte, er (nämlich O'Connor) habe wohl Energie, aber keine Logik.“ Dies ist nun wieder ganz prächtig. Der selige Dan war ein ehrenwerther Mann; die Logik seiner Energie bestand darin, daß er jährlich eine Rente von 30_000 Pf. Sterl. aus den Taschen seiner armen Landsleute zog; die Logik der O'Connor'schen Agitation brachte dem berüchtigten Chartisten nur den Verkauf seiner sämmtlichen Güter. „Herr Jones, der zweite Führer der Chartisten von der extremen Fraktion, auf welchen jetzt die Gerichte fahnden und der nirgend zu finden ist, kann nicht einmal einen Bürgen mit 1000 Pf. Sterl. für sich stellen.“ Das ist die dritte Neuigkeit der extremgebildeten Berlinerin; sie sagt in diesen drei Zeilen, drei extreme Lächerlichkeiten. Für's erste kann von Bürgschaft gar nicht die Rede sein, so lange die Gerichte noch auf Jemanden fahnden. Für's zweite befindet sich Herr Ernest Jones schon seit 14 Tagen in Newgate, und die gebildete Berlinerin war wohl nur bei irgend einer andern extrem-gebildeten und unterrichteten Kollegin zum Thee eingeladen, als noch vor Kurzem die ganze englische Bourgeois-Presse ihre brutale Freude über die Verhaftung Jones' zu erkennen gab. Drittens hat endlich Herr Jones allerdings Jemanden gefunden, der gern 1000 Pf. Sterl. für ihn bezahlen wollte, nämlich den geist- und charakterlosen O'Connor selbst, der aber von den Gerichten zurückgewiesen wurde, da er als Parlamentsmitglied keine Bürgschaft stellen darf.
Die Berlinerin schließt damit, daß sie die Chartisten in den kleinern Städten des Landes sich häufig unter einander prügeln läßt. Theure Berlinerin, hättest Du doch einmal eine englische Zeitung gelesen! Du würdest gefunden haben, daß es den Chartisten von jeher viel mehr Vergnügen gemacht hat, die Polizei zu prügeln, als sich selbst.
Wir empfehlen die geist- und charaktervolle Neue Berliner Zeitung der besonderen Aufmerksamkeit uns'rer Leser.
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[122] Düsseldorf, 22. Juni.
Gestern gab unser hiesiges Landgericht einen anerkennenswerthen Beweis davon, daß der „Zopf“ bei unserm Beamtenthume doch hier und da schon im Abnehmen begriffen ist.
In dem Ehescheidungs-Prozesse zwischen dem Grafen und der Gräfin v. Hatzfeldt, war von der Letzteren vor wenigen Monaten die Einrede der Incompetenz erhoben worden. Selbige war hauptsächlich darauf gestützt, daß der Graf nicht, wie er angebe, wirklich in dem hiesigen Landgerichtsbezirk, sondern zu Schonstein unter dem Gemeinen-Rechte domizilirt sei und nur einen fraudulösen, scheinbaren Domizilswechsel vorgenommen, um die Gräfin durch eine betrügerische Operation um die Vortheile der eigentlich competenten Gesetzgebung zu bringen. Thatsachen, welche dies darthun sollten, wurden zum Beweise anerboten. War es ‒ es fand dies im März, noch in den letzten Tagen der untergehenden Adelssonne Statt ‒ eine zu harte Zumuthung für das Gericht, einen Standesherrn der Gefahr auszusetzen, überführt zu werden? Genug, das Gericht verwarf den angebotenen Beweis und erklärte sich für competent.
Von Seiten der Gräfin wurde appellirt und bei der großen Wichtigkeit dieser Rechtsfrage für die Parteien, Gutachten von verschiedenen Rechtsgelehrten eingeholt, gedruckte ausführlicher begründete Memoire gefertigt und dem Appellhof übergeben. Der Appellhof hat indeß in dieser Sache noch nicht entschieden. ‒ Vor 3 Wochen aber wurde von der Gräfin in einer andern vom Grafen angestellten Klage auf Löschung eines von ihr auf Verkaufspreise von Gütern gelegten Arrestes, dieselbe Incompetezeinrede vor dem hiesigen Landgerichte nochmals wiederholt und zugleich die ausführlichere, dem Appellhof überreichte Begründung geltend gemacht. Das hauptsächliche oben angedeutete moralische Hinderniß, welches der Gräfin im Wege stand, ‒ die genannte Unanehmlichkeit, einen Standesherrn so arg zu kompromittiren, war nun inzwischen durch die neue Umgestaltung der Geister und der Ereignisse allerdings geschwunden. Dafür aber trat dieser wiederholten Einrede ein noch riesigeres Hinderniß in den Weg, nämlich der „bekannte Richtereigensinn“. Dasselbe Gericht, dieselben Richter sollten eine bereits von ihnen verworfene Einrede acceptiren? Dennoch ‒ die bessern Gründe siegten; das Wunder geschah. Gestern wurde nach einer 14tägigen Aussetzung, das Urtheil publizirt, welches den früher verworfenen Beweis verordnet.
Dieses gewiß mit etwas Ueberwindung verbundene „Ablassen von sich selbst“ und Weichen den bessern Gründen, hat unter dem hiesigen juristischen Publikum eine freudige und gerechtfertigte Sensation erregt. ‒ Um so gespannter sieht man nun der obenerwähn-Entscheidung des Appellhofes die mit Nächstem erfolgen muß entgegen. Um so mehr als der Appellhof ‒ wie wir aus dem Munde vieler unparteiischer Rechtsgelehrten vernommen ‒ in seinen bisherigen vielfachen Entscheidungen in den gräflich-hatzfeld'schen Prozessen die klarsten Sätze des Code civil auf eine wahrhaft schauderhafte Weise zu Gunsten des Grafen mißhandelt haben soll; so daß eine Veröffentlichung sämmtlicher von dem Appellhof zwischen dem Grafen und der Gräfin erlassnen Urtheile dem juristisch gebildeten Publikum Beispiele von seltener Massivität gewähren dürfte, wie sehr auch die „Rechtssprechung“ in dem bisherigen Zustande eine Illusion war, wie sehr unsre Gerichte in ihrer bisherigen Bestehung mit Rang und Einfluß zu koquettiren liebten. Kein Wunder wenn man die Persönlichkeiten ins Auge zieht, aus welchen der mit den hatzs. Angelegenheiten bisher stets befaßte erste Senat des Appellhofes besteht, und welche fast durchgängig der entschiedensten reaktionären-pietistischen Färbung angehören.
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[25] Berlin, 21. Juni.
Hr Hansemann ist mit der Zusammensetzung des neuen Ministeriums beauftragt. Sollte etwa Hansemann seinem lieben Kollegen ein Bein gestellt haben? Waren nicht beide unter den 138 Männern des Rechtsbodens im vereinigten Landtage und handelten sie nicht von Beginn ihrer Ministerien bis heut ganz d'accord? ‒ Man spricht davon, daß in dem abgetretenen Ministerium eine sonderbare Wirthschaft geherrscht habe, vornehmlich in dem der auswärtigen Angelegenheiten. Man sagt, nur der Minister des Auswärtigen habe von den jedesmaligen Depeschen Kenntniß erhalten, während das Gesammtministerium nie etwas davon erfahren habe. Wäre dies nicht ganz beispiellos? würde es nicht ganz offen zeigen, wie eine Hofpartei hinter dem Rücken der verantwortlichen Minister, ja eine Partei im Ministerium geheim gegen den Konstitutionalismus sogar operirt? Und wahrlich, diese Vermuthung wird um so wahrscheinlicher, wenn man die auswärtige preußischen Politik seit der Revolution näher ins Auge faßt. ‒ Die Politik Preußens ist nach wie vor eine russische. Deutschland ist und wird an den Czaren verkauft in Schleswig-Holstein wie in Posen. ‒ Mit Rußland fraternisirt das preußische Kabinet; die lauten Forderungen des Volks, die Ostgränze zu besetzen, will es nicht hören. An der Gränze stehen russische Heere, russische Kriegsschiffe bedecken die Ostsee; aber das preußische Kabinet sieht nicht, denn es will nicht sehen. Gleichgültig gegen die öffentliche Meinung verschmäht man die uns vom Westen gereichte Bruderhand, ja man ist schaamlos genug, das angebotene Bündniß mit Truppenaufstellungen und Kriegsrüstungen zu erwidern. Uebrigens ist Berlin ruhig, ja so ruhig, wie es seit der Revolution fast noch nie war. Keine Gruppen mehr unter den Linden; nur hie und da an den Straßenecken noch Leute, die sich mit der Lektüre der wenigen Plakate, die dort angeheftet sind, abgeben. Auch die Zahl der Flugschriften, von denen wir vor Kurzem gleichsam überfluthet wurde, hat abgenommen, Alles eine Folge der hier herrschenden Abspannung, die seit 8 Tagen eingetreten ist. ‒ Die materielle Noth greift täglich mehr um sich; Handel und Gewerbe liegen ganz darnieder. Wie lange wird es dauern, daß das Volk auch die Steuern nicht mehr wird zahlen können?
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[107] Berlin, 21. Juni.
Gestern Abend spät wurden wir noch mit folgendem Anschlagzettel überrascht: Seine Majestät der König haben den Finanzminister Hansemann mit der Bildung des Ministeriums beauftragt.“ Herr Hansemann übernimmt also das zu versuchen was Camphausen unmöglich schien, ein Ministerium zu bilden, welches das Vertrauen der Nationalversammlung und des Volkes besitzt. Wie man sich heute in gut unterrichten Kreisen erzählte, will Herr Hansemann die andern, noch im Amte sich befindenden, fünf Minister beibehalten, sich durch Rodbertus, der das Ministerium des Innern erhalten soll, etwas stärken und auf die bisherige Art fortregieren, so lang es nur gehen will. Uebrigens ist es für gewiß anzunehmen, daß Hansemann das Vertrauen, was doch zu seiner neuen Stellung im höchsten Grade nothwendig ist, durch diese Uebernahme des Präsidiums gänzlich verlieren wird. Im Falle Rodbertus wirklich das Ministerium des Innern annehmen sollte, so würde Auerswald, der bisherige Inhaber dieses Ministeriums, das des öffentlichen Unterrichts und der geistlichen Angelegenheiten übernehmen.
Unsere Bourgeosie macht sich schon mit dem Gedanken an eine provisorische Regierung vertraut, welche sie in Folge der Einrückung einer russischen Armee in unsere Provinzen für unvermeidlich hält.
Unsere schon verschollen geglaubte Wohlfahrts-Kommission hat heute wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben. Die allgemeine Stimmung wegen der Entlassung Camphausens, die allgemein der Reaktion zugeschrieben wurde, schien der Wohlfahrts-Kommission doch zu bedenklich und sie begab sich zu Camphausen, dem abgetretenen Minister. Dieser versicherte aber, daß die Furcht vor einer Reaktion eine ganz ungegründete sei, da es keine gäbe, denn der König wolle treu seinem gegebenen Versprechen auf dem bisherigen Wege fortwandeln. Der König habe Hansemann rufen lassen und ihm gesagt: ich kenne Sie als einen freisinnigen Mann und beauftrage Sie mit der Bildung eines neuen Ministeriums. ‒ Das macht die gemischte Wohlfahrts-Kommission bekannt, wer es hört, schüttelt aber den Kopf dazu. ‒
Von den jetzigen Ministern ist der Justiz-Minister Bornemann der Einzige, der das Vertrauen der Linken besitzt und um ihm dies zu erkennen zu geben, besuchten auch gestern Abend die sämmtlichen Mitglieder der Linken die Salons des Justiz-Ministers. Da gleichzeitig Herr Hansemann seinen Salon geöffnet hatte, wo demnach nur Mitglieder der Rechten waren, war die Demonstration um so auffallender.
Dem Geheimen Revisions-Rath Bauer, für Berlin gewählt, der sich gern als Führer der Rechten aufgeschwungen hätte, scheint unter den jetzigen Umständen seine Stellung nicht mehr haltbar zu sein und er ist deshalb zum Centrum übergegangen. Er scheint den Mantel nach dem Winde hängen zu wollen und da er über die allgemeine Stimmung gewöhnlich gut unterrichtet ist, so läßt sich daraus sehen, wohin sich das Uebergewicht neigt.
Aus gewöhnlich gut unterrichteter Quelle, kann ich Ihnen eine nicht gewöhnliche Mittheilung machen. Durch den Herzog von Leuchtenberg haben die Bonapartisten beim Kaiser Nikolaus anfragen lassen, wie er sich verhalten würde, im Falle sich Louis Bonaparte zum französischen Diktator aufschwinge. Der Kaiser Nikolaus soll diesem Unternehmen seine Zustimmung und Unterstützung im Voraus zugesagt haben.
Unser Wollmarkt ist so gut als beendet anzusehen. Die Zufuhren waren diesmal sehr gering, theils wegen einer unbegründeten Furcht vor möglichen Emeuten, theils weil einige neue Wollmärkte in der Provinz eingerichtet waren. An neuer Wolle mögen 25,000 Ctr. hier angekommen sein, wozu noch der alte Bestand von circa 20,000 Ctr. hinzu zu rechnen ist. Bis diesen Augenblick sind sämmtliche Zufuhren so ziemlich mit einer Preiserniedrigung von 25 bis 33 Thlr. per Ctr. gegen voriges Jahr verkauft. Die feinern Wollen, die voriges Jahr 80 Thlr. und darüber kosteten, haben den größten Abschlag erlitten, dagegen blieben die billigern mit einem Abschlag von 25 Thlr. gegen voriges Jahr sehr gesucht. Die Engländer bilden auch hier die Haupteinkäufer und ohne ihre Konkurrenz würden die Preise noch mehr zurückgegangen sein. Die Seehandlung kauft ihnen ihre Wechsel prompt ab und haben die Landjunker dieser Anordnung des Finanzministers die Preiserhöhung [0108] ihrer Waare zu verdanken. Die Lager der hiesigen Wollhändler sind noch wenig geräumt und würden die Rheinländer, wenn sie Kauflust zeigen sollten, sich hier vollständig befriedigen können.
‒ 20. Juni. Die russische Note, welche gestern Abend durch einen Courier hier eingegangen ist, soll die Erklärung Nesselrode's enthalten, daß Rußland die Existenz eines auf nationaler Grundlage reorganisirten Posens unter keiner Bedingung dulden werde, und das Beharren der preußischen Regierung auf den Reorganisationsplänen für einen casus belli ansehen müsse.
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[*] Frankfurt, 18. Juni.
(Verspätet.) Während die Nationalversammlung ihre Sitzungen aussetzt, theils weil sie beschlossen hatte, nichts zu thun, theils weil sie wirklich nichts zu thun hatte, wurde hier in den Tagen des 14. bis 17. Juni der Kongreß der demokratischen Partei gehalten. Veranlassung hierzu war die Nothwendigkeit, daß die Partei aus ihrem bisherigen naturwüchsigen Zustande heraustrete, die Rücksichten auf lokale Verhältnisse und alle damit zusammenhängende Bestrebungen fallen lasse, sich unter einem großen Princip zu einem großen Ganzen vereinige, und auf die Durchführung dieses Princips ihre ganze Thätigkeit concentrire.
Ungefähr neunzig Vereine der verschiedenen Theile Deutschlands hatten zu diesem Kongresse Abgeordnete gesandt; die großen Städte, in denen mehrere Vereine bestehen, waren mehrfach vertreten. So Berlin, Breslau, Köln, Leipzig, Frankfurt, Mainz u. s. w. Von Wien erschienen zwei Abgeordnete als Repräsentanten des Volkscomités, d. h. der Stadt selber. Nur München hatte nicht deputirt, doch waren zwei Männer aus eignem Antriebe hergekommen. Im Ganzen bestand die Versammlung aus 225 Mitgliedern. Der erste Tag der Verhandlungen wurde zum größten Theile in der Berathung über den Grundsatz hingenommen, welcher das Glaubensbekenntniß der deutschen demokratischen Partei kurz und unumwunden darlegen sollte. Der Kongreß entschied sich für den Vorschlag des Abg. Gottschalk aus Köln, der mit einer unwesentlichen Abänderung in folgender Fassung angenommen wurde:
Es gibt nur Eine für das deutsche Volk haltbare Verfassung: die demokratische Republik, d. h. eine Verfassung, in welcher die Gesammtheit für die Freiheit und Wohlfahrt jedes Einzelnen verantwortlich ist.“ Die langen Debatten, welche der Annahme dieses Satzes vorhergingen, hatten keineswegs ihren Grund in einer principiellen Meinungsverschiedenheit, welche die Versammlung gespalten hätte. Daß Deutschland in einer Republik der Klassenvorrechte, des Klassenmonopols, wie sie gegenwärtig die herrschende Partei in Frankreich will, zum Ziele nicht gelangen könne, darüber war man allgemein einverstanden, und nur ein einziges Mitglied fand sich veranlaßt, seinen Austritt zu erklären, weil es seine Ueberzeugung mit der des Kongresses nicht vereinbaren konnte. Die Diskussion drehte sich vielmehr um Fassungsfragen. Ein Theil der Versammlung meinte nämlich, man dürfe das Princip nicht blos einfach aussprechen, man müsse es auch motiviren, in seiner Berechtigung hinstellen, um Mißverständnissen und Verdächtigungen zu begegnen; Andere hielten dafür, man müsse der einen Partei gegenüber sich weitläufiger erklären, man müsse dem Volke sagen, welche Veränderungen in seinen sozialen Verhältnissen die Ausführung des Prinzips zur Folge haben werde, noch Andere glaubten, man werde der Partei großen Zuwachs verschaffen, wenn man ihren jetzigen Gegnern nur gründliche Erörterungen vorhalte u. s. w. Alle diese Bedenken wurden durch die Erwägung beseitigt, daß die eigne Partei keiner Aufklärung bedürfe, daß sie von ihren Bevollmächtigten nur die Verkündigung ihres Willens erwarte, sodann, daß den Gegnern gegenüber die Zeit der friedlichen Diskussion vorüber sei, daß man sie als „genugsam unterrichtet“ betrachten müsse.
Uebereinstimmend mit dieser Ansicht, wodurch der Kongreß es aussprach, daß die demokratische Partei sich auf dem Boden der revolutionären Praxis bewege, beschloß die Versammlung am folgenden Tage, ihre Verhandlungen nicht zu publiciren, sondern allein ihre Beschlüsse, wie es in Nordamerika Sitte, zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Uebereinstimmend mit dieser Ansicht wurde endlich am dritten Tage der Antrag verworfen, ein besonderes Manifest zu erlassen. Die Aufklärer versuchten hiermit zum dritten Male ihrem Bedürfniß abzuhelfen; der wehmüthigste Predigerton wurde angeschlagen, um die Gefahren eines nakten Prinzips, die Vorzüge einer gründlich breiten Auseinandersetzung zu schildern. Die Versammlung blieb unerschütterlich, sie beschloß, als einziges Manifest ihre Beschlüsse zu betrachten und diesen nur einen faktischen Bericht über ihren Zusammentritt voranzustellen.
Dieser letztre Beschluß wurde gefaßt, nachdem der Kongreß seine zweite Hauptaufgabe bereits erledigt hatte. Die Aufstellung des Grundsatzes war die erste gewesen, die zweite bestand in der Organisation der Partei. Zu diesem Zwecke war eine Kommission niedergesetzt worden; ihre Vorschläge bildeten der Gegenstand der Verhandlungen am zweiten Tage. Die Kommission beantragte einen Centralausschuß zu bilden, welchem die obere Leitung der Angelegenheiten sämmtlicher demokratischen Vereine zu übertragen sei; das Mandat dieses Ausschusses solle unbeschränkt und er selbst nur dem Kongresse verantwortlich sein, der im Oktober dieses Jahres einzuberufen wäre. Gegen diesen letzten Antrag erhob sich sehr lebhafter Widerspruch. Man glaubte darin eine gefährliche Diktatur zu erkennen, das sei undemokratisch. Man müsse die Funktionen des Ausschusses genau bezeichnen, blindes Vertrauen auf Personen sei ein Geständniß der Unselbständigkeit; man müsse offen zu Werke gehen u. s. w. So beschloß denn die Versammlung, die Vollmacht des Ausschusses näher zu bestimmen. Sie vereinigte sich über folgende Punkte:
1. Es wird ein Central Comité niedergesetz. ‒ Gegenantrag war, daß der Vorstand des Vereins, welcher an dem zu bestimmenden Vorort seinen Sitz habe, mit der Vollmacht des Central-Comités bekleidet werde.
2. Die Bestimmung des Central-Comités ist, die demokratisch-republikanische Partei zu einigen und zu stärken.
3. Das Comité ist zu diesem Zwecke berechtigt und verpflichtet, eine rege Korrespondenz unter sämmtlichen Vereinen durch ganz Deutschland zu erhalten.
4. Das Comité ist verpflichtet, regelmäßige Berichte der Vereine einzufordern.
5. Das Comité hat alles Wichtige aus diesen Berichten auf geeignetem Wege den Vereinen mitzutheilen.
6. Das Comité ist berechtigt, im Falle außerordentlichen Entwicklungen den demokratischen Kongreß einzuberufen. Zu Punkt 5 wurde nachträglich beschlossen, die Berichte des Central-Comités durch die „Neue Rheinische Zeitung“, die „Berliner Zeitungshalle“ und die nächstens wieder erscheinende „Volkszeitung“ zu publiziren. In der Nachmittagssitzung dieses Tages beschloß die Versammlung zunächst die schon bekannte Adresse an die Nationalversammlung wegen der Einberufung von Fr. Hecker. Wir verbinden hiermit einen Beschluß vom folgenden Tage, welcher den Austritt eines Mitgliedes zur Folge hatte. Er ging dahin, die Nationalversammlung zu veranlassen, daß sie an die Badische Regierung die Forderung stelle, die gefänglich eingezogenen Republikaner frei zu lassen, die exilirten aber zurückzuberufen.
Auf die Adresse wegen Hecker folgte die Diskussion über den Ort, wo der Centralausschuß seinen Sitz nehmen sollte. Es zeigte sich hier zum ersten Male, daß die Versammlung sich noch nicht gänzlich von dem Geiste des Lokalpatriotismus befreit hatte. Die Kommission hatte sich für Berlin entschieden; sie hatte auf die jüngste Vergangenheit hingewiesen und auf die Rolle, welche Berlin in der deutschen Bewegung zu spielen berufen sei, sie hatte ausführlich dargelegt, weshalb Frankfurt zum Vorort nicht geeignet sei. Gleichwohl kamen die Süddeutschen auf Frankfurt zurück. Andere schlugen Leipzig vor, andere Altenburg, Bamberg, Marburg. Der Kongreß zeigte sich auch diesmal seines Berufes würdig; der Kommissionsantrag wurde von der überwiegenden Majorität angenommen. Hierauf ward die Zahl der Ausschußmitglieder festgesetzt; fünf sollen das Comité bilden; drei davon werden vom Kongreß durch geheimes Skrutinium ernannt, die beiden übrigen von den Berliner Vereinen. Zur Aufbringung der nächsten Unterhaltskosten für die drei vom Kongreß gewählten Mitglieder wurde eine Liste zum Einzeichnen von Beiträgen aufgelegt, die sich alsbald mit zahlreichen Unterschriften bedeckte.
Es blieb nur noch, um die Organisation zu vollenden, die Bestimmung der Kreisvororte übrig, welche die Vereine eines jeden Kreises miteinander in Verbindung halten, auf die Bildung neuer Vereine hinwirken und mit dem Central-Comité in direkter Kommunikation stehen. Als solche wurden am dritten Tage festgesetzt: Für Baden Mannheim, für Würtemberg Stuttgard, für Baiern Bamberg, für Oestreich Wien, für die beiden Hessen und Nassau Frankfurt und Marburg, für Thüringen Jena, für Sachsen Leipzig, für Rheinpreußen und Westphalen Köln, für Preußisch Sachsen Halle, für den Nordwesten von Deutschland Hamburg, für den Nordosten: Stettin, Berlin, Königsberg, für Schlesien Breslau. Zugleich wurde beschlossen, daß binnen 14 Tagen nach dem Schluße des Kongresses Kreiskongresse in jedem einzelnen Kreisvororte einberufen werden sollen.
Hiermit waren die wesentlichen Arbeiten der Versammlung vollendet. Wir haben aber bereits angeführt, daß noch die Debatte über ein zu erlassendes Manifest folgte. Als dieser Antrag gefallen war, kamen noch eine Menge spezieller Anträge zur Verlesung, die meistens Vorschläge zu socialen Verbesserungen enthielten. Sie wurden sämmtlich durch die Tagesordnung beseitigt. Eines Antrags gedenken wir hier, weil er wahrscheinlich Stoff zu witzigen Bemerkungen über den Kongreß bieten wird. Es ist dies der Antrag, die Frauen an die politisch socialen Debatten zu betheiligen. Die Versammlung vernahm die Motivirung dieses Antrages mit der ernstesten Aufmerksamkeit; gleichwohl entschied sie sich nicht dafür, und zwar deshalb, weil sie sich bereits dafür entschieden hatte. Die Tagesordnung wurde dahin motivirt, daß der Kongreß durch sein Grundprinzip die gleiche Berechtigung Aller anerkenne, die Frauen also ohne besondre Erklärung darin einbegriffen seien.
Jetzt sollte endlich die Versammlung zu ihrer Schlußhandlung, der Wahl der Ausschußmitglieder schreiten. Aber ein neues Hinderniß stellte sich in den Weg. Die Südländer konnten es nicht verschmerzen, daß Frankfurt nicht der Mittelpunkt der Partei sein sollte. Da dachten sie denn durch einen großen Antrag die Versammlung hinzureißen; sie verlangten, der Kongreß solle sich permanent erklären. Aber die Majorität beschloß zunächst die Wahlen vorzunehmen, sie wolle denn nachträglich auch die Permanenzanträger noch höre. Zu diesem Beschluß konnte sie indessen erst nach namentlicher Abstimmung gelangen. Die Wahlen wurden noch an demselben Abende vorgenommen und dieses Geschäft dauerte bis spät in die Nacht. Zu Mitgliedern des Centralausschusses wurde gewählt: Jul. Froebel, G. Rau aus Stuttgard, H. Kriege aus New-York. am andern Tage war der Permanenzeiser abgekühlt; man hatte eingesehen, daß es die Thätigkeit der ganzen Partei paralysiren heißt, wenn man ihre tüchtigsten Glieder auf ungewisse Aussicht so zur Unthätigkeit verdamme. Es wurde beschlossen, bis zur definitiven Konstituirung des Central-Comités fünf Mitglieder des Kongresses in Frankfurt zurückzulassen.
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@facs0108
Schlesisch-polnische Gränze.
In Kalisch proklamirt ein russischer Priester in der griechischen Kirche ein neues Manifest des Kaisers an seine treuen Unterthanen, welches ziemlich lächerlich klingt, aber deutlich zeigt, was eigentlich die Russen beabsichtigen. Es heißt darin nämlich: „Die griechische Religion unterscheidet sich wenig von der kath. Weil nun beide Confessionen wenig oder vielmehr gar nicht von einander abweichen und der Kaiser aller Reußen das Haupt der einen sei, so müsse er auch die andere vertheidigen und sie nicht entehren lassen. Im Großherzogthum Posen aber und in Galizien werden katholische Priester von den Deutschen und Juden auf das grausamste gemißhandelt und in Gefängnisse geworfen, katholische Kirchen werden von der rohen Soldateska entweiht und beraubt. Es sei hier viel unschuldiges katholisches Blut vergossen worden. Diese Gründe bewegen den Kaiser, den Beherrscher aller Gläubigen, einen Kreuzzug gegen diese Barbaren zu unternehmen und Rache zu nehmen an den Unterdrückern der katholischen Kirche und der slavischen Völker. Dies sind die wichtigsten Punkte des Manifestes.
Es heißt überhaupt, daß die Russen den 16. (28.) oder den 20. (2. Juli) d. Mts. nach dem russischen Kalender nach Posen unter Erlon einrücken werden, 200 Wagen sind in der Umgegend von Kalisch zum Fortschaffen der Bagage auf diesen Termin bestellt.“
[(A. O. Z.)]
Ungarn.
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@facs0108
Preßburg, 17. Juni.
So eben hören wir, daß Carlovitz, der Sitz der illyrischen Rebellen, vom F. M. L. Hrabovsky nach dreimaliger Aufforderung zur Uebergabe, bombardirt und eingenommen worden ist. Der General der nur 900 Mann reguläre Truppen befehligte, hatte den sechstausend Mann zählenden Feind in die Flucht geschlagen, und eine große Niederlage (wie verlautet sollen von den Letzteren 2000 gefallen sein) unter ihnen gemacht.
Schweiz.
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@facs0108
[***]Zürich, 19. Juni.
In diesen Tagen beendigt die Tagsatzung ihre Berathungen über die Bundesrevision, worauf dann die einzelnen Kantone über Annahme oder Verwerfung der neuen Bundesverfassung ihre Gesandten für die nächste ordentliche Tagsatzung, die am 3. Juli zusammentritt, zu instruiren haben; in den meisten Kantonen wird, da es eine Verfassungsveränderung ist, eine Abstimmung des ganzen Volkes über Annahme oder Verwerfung stattfinden. Bis jetzt ist das Interesse des größten Theils der Bevölkerung für die Revisionsarbeiten außerordentlich gering gewesen; keine Spur von den heftigen Geburtswehen, welche sonst ein Volk durchzucken, wenn es sich aus veralteten und verknöcherten Formen losringt; die Frühlingsstürme, welche Europa durchbrausen, dringen nicht zu uns herein, und wir freuen uns, daß bei uns Alles so hübsch ordentlich und ruhig zugeht. Die Fragen, ob die eidgenössischen Soldaten Helm, Tschakko oder Käppi tragen sollten, ob unter die eidgenössische Kavallerie auch Stumpfschwänze aufgenommen werden dürften, hat zu Zeiten sowohl in der Tagsatzung, als im Publikum größere Aufregung hervorgebracht, als gegenwärtig die ganze Bundesrevision. Und doch hat man das mangelhafte und drückende der alten Bundesverfassung lange und lebhaft genug gefühlt; die neue Bundesverfassung leidet an manchen Gebrechen und Inkonsequenzen, weil sie jeden entschiedenen Bruch mit dem historisch Gegebenen ängstlich vermeiden und allen bestehenden Verhältnissen möglichst Rechnung tragen wollte; dennoch enthält sie anerkennenswerthe und wesentliche Verbesserungen. An die Stelle der Tagsatzung, welche der Kantonalsouveränetät gegenüber machtlos war, und auf welcher die 13,000 Urner grade soviel galten, als die 430,000 Berner, tritt eine enervische Bundesbehörde, in welcher nicht blos die einzelnen Kontone gertreten sind, sondern, im Nationalrathe, auch die Gesammtbevölkerung, so, daß also die größern Kantone den ihnen gebührenden größern Einfluß auf die Entscheidung gemeinschaftlicher Angelegenheiten erhalten. Zölle, Posten u. s. w. werden centralisirt, die innern Zölle eines Kontons gegen den andern fallen gänzlich weg. Freies Niederlassungsrecht, Ausübung des aktiven Bürgerrechts für den Niedergelassenen dort, wo er seit zwei Jahren niedergelassen ist, freie Kultusübung (für die anerkannten christlichen Confessionen) Preßfreiheit werden von Bundeswegen garantirt und also den willkürlichen Beschränkungen einzelner Kantone entzogen; die Kantonsverfassungen, wenn sie Nichts enthalten, was diesen allgemeinen Bundesbestimmungen widerspricht, werden vom Bunde garantirt und somit vor etwaigen Putschen und Handstreichern sicher gestellt. Niemand, der die Schweizer Verhältnisse nur einigermaßen kennt, wird verkennen, daß dieses Alles wesentliche Reformen sind, und daß sie grade für die Schweiz wesentlicher und bedeutender sind, als sie vielleicht für ein anderes Land erscheinen könnten. Und dennoch diese geringe Theilnahme des Volkes! Der Grund mag einestheils darin liegen, daß die ganze Bundesrevision sich so lange hingezogen hat; schon seit Anfang der dreißiger Jahre bildet die Bundesrevision einen stehenden Artikel unter den Tractanden der Tagsatzung, und als nun endlich zu Anfang dieses Jahres die Bundesrevisionskommission niedergesetzt wurde, so konnten die geheimen Sitzungen derselben, welche der ganzen Sache ein ziemlich diplomatisches oder büreaukratisches Ansehen gaben, sich nicht wohl dazu eignen, eine besondere Theilnahme des Volkes anzuregen. Dazu kömmt noch, daß während der jetzt zu Ende gehenden Tagsatzungsverhandlungen über die Bundesrevision beständig die ziemlich abkühlende Aussicht im Hintergrunde steht, die ganze Arbeit könne möglicherweise umsonst sein, und die neue Verfassung schließlich von den Kantonen verworfen werden. „Uebersehen wir nicht, meine Herren“, sagte Herr Bürgermeister Furrer bei der Instruktionsberathung im Zürcher Gr. Rathe, „daß die ganze Sache möglicherweise wieder unter's Eis gehen kann;“ schon vorher hatte er bemerkt, „die Sache sei ihm bis zum Sterben verleidet“; er hatte nämlich an allen langweiligen Verhandlungen der Bundesrevisionskommission so wie in Zürich an den Vorberathungen der dem Gr. Rathe vorzulegenden Instruktionen von Anfang bis zu Ende Theil genommen. Aber alles dieses erklärt noch nicht zur Genüge die Lauheit des Volkes gegen die Bundesrevision; der Hauptgrund liegt in dem Bewußtsein, daß die neue Verfassung mit der Vergangenheit durchaus nicht bricht, daß sie nur auf dem bestehenden herrschenden System fortbaut, daß sie keinen qualitativen Fortschritt bildet. Dieses macht die Anhänger des Bestehenden ‒ und dazu gehört auch der größte Theil der Radikalen ‒ ruhig, die wirklichen entschiedenen Radikalen hingegen mißmuthig und gleichgültig gegen die gebotenen Verbesserungen. Nicht einer unmittelbar aus dem Volk hervorgegangenen konstitutionellen Nationalversammlung (Verfassungsrath) wurde die Bundesreform übertragen, sondern der alten Bundesbehörde selbst, der Tagsatzung, deren Impotenz nur von der des hochseligen Frankfurter Bundestages übertroffen wurde. Dann war gleich ausgesprochen, daß man nicht eine durchgreifende Umgestalung, eine neue Errichtung der Eidgenossenschaft auf neuen Grundlagen wollte, sondern nur eine Verbesserung des Bestehenden, so gut es gehen mochte. Und das ist in der That der Wille der Mehrheit des Schweizer Volkes, was auch die Radikalen, die den Verfassungsrath verlangten, dagegen sagen mochten. Was gegenwärtig andere Völker zunächst bewegt, Erlangung gleicher politischer Rechte für Alle, das hat der Schweizer voraus, d. h. in der Verfassung; in der Wirklichkeit sind die Schweizer'schen Republiken so gut Bourgeoisie- und Polizeistaaten, wie alle andern. Darum hat sich auch die Bundesrevision sorgfältig gehütet, an den herrschenden socialen Verhältnissen auch nur im Geringsten zu rütteln, und darum hat man auch vor den dargebotenen Reformen keine große Angst. Und doch ist unter den neuen Verfassungsbestimmungen eine, welche, vielleicht gegen den Willen der Schweizer selbst, wirkliche Umgestaltungen der Verhältnisse hervorbringen kann. Diese ist das freie Niederlassungsrecht, über dessen Bedeutung ich Ihnen ein anderesmal schreiben werde.
Italien.
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@facs0108
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 24. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 164.]
[*]Turin, 15. Juni.
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 24. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 164.]
[7]Turin, 16. Juni.
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 24. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 164.]
[*]Mailand, 12. Juni.
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 24. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 164.]
[20]Mailand, 14. Juni.
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 24. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 164.]
[**]Rom, 12. Juni.
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 24. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 164.]
[*]Neapel, 8. Juni.
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 24. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 164.]
[7]Palermo, 10. Juni.
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@facs0108
Venedig, 13. Juni.
Ich halte es für wichtig genug Ihnen ungesäumt folgendes zu melden. Bereits früher, nachdem man [0109] die Hoffnung auf eine befriedigende Vermittlung von Seiten des deutschen Parlaments aufgeben zu müssen glaubte, soll die hiesige Regierung sich an die französische Republik gewendet haben, um deren Einschreiten anzusprechen. In diesem Augenblick (2 Uhr Nachmittags) bedecken sich in allen Kirchsprengeln aufgelegte Adressen mit Unterschriften zum gleichen Zweck. Sie ersehen hieraus daß man die Absicht hat, sich für lange und aufs äußerste zu vertheidigen, wie denn auch ringsum die Forts mit allem versorgt und wohlbewaffnet sind. Jeden Augenblick rücken neue Truppen (wie es scheint von Entschlossenheit beseelt) hier ein. Die Wirkung der Nachrichten von Padua's und Vicenza's Ergebung bringen mit jedem Augenblick steigende Erbitterung hervor und machen die entgegengesetzte Wirkung, als die Oesterreicher erwarten dürften.
[(A. A. Z.)]
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@facs0109
Rom, 9. Juni.
Die Pallade macht anzügliche Bemerkungen darüber daß sich auf der Liste der geistlichen Güter, auf welche die neu aufgenommene Staatsschuld von zwei und einer halben Million hypothecirt ist, auch nicht eines der Grundstücke befindet, welche den Jesuiten gehören. Dabei bleibt das Volksräsonnement natürlich nicht stehen, sondern bewegt sich vorwärts und seitswärts und möchte nicht bloß auf diese schönen Besitzthümer Beschlag legen, sondern auch auf alle diejenigen, welche seit Jahr und Tag von der Gesellschaft Jesu, wie dieses Blatt argwohnt, zum Schein veräußert worden sind.
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@facs0109
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 24. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 164.]
Padua.
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@facs0109
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 24. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 164.]
[X] Vallegio, 12. Juni.
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Französische Republik.
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@facs0109
[12] Paris, 20. Juni.
Man weiß, was man vom Lob oder Tadel, den das Journal des Debats den Akten der republikanischen Regierung spendet, zu halten hat. Man weiß, wer und was im Hintergrunde seiner Kritik lauert. Aber eingestehen muß man immerhin, daß es in seinem Tadel sowohl als in seinem Lobe so geschickt ist den Tendenzbären nicht hervorblicken zu lassen. Als die Steuer der 45 Centimen aufkam, hatte das Journal des Debats seine guten Gründe, diese Maßregel der provisorischen Regel gutzuheißen; Hr. Bertin wurde von ihr nicht getroffen, und wußte recht wohl, daß die kleinen Bauern, die davon getroffen würden, sie eben nicht mit republikanischer Ergebenheit ertragen möchten. Jetzt, wo die stille Hoffnung des Hrn. Bertin sich verwirklicht, vertheidigt der Finanzminister Duclerc die Steuer mit einer beklagenswerthen Ungeschicklichkeit. Der Ankauf der Eisenbahnen durch den Staat findet in Bertin einen heftigen Gegner und in Duclerc einen ohnmächtigen Vertheidiger. Die ganze Zeit über wo Duclerc Minister ist, hat er damit zugebracht, Finanzquellen ausfindig zu machen; um den Ankauf und die nöthigen Arbeiten in's Leben rufen zu können. So ist er dann mit seinem Finanzprojekt hervorgerückt, wodurch er dem Staat 580 Millionen Fr. für zwei Jahre verschaffen will. Das Journal des Debats rechnet ihm, wie ein wahrer Jude, jeden Franken nach, und führt den armen Duclerc jeden Augenblick auf einen Rechnungsfehler. Die ganze Rechnungsoperation ist aber der Maßen interessant, und läßt uns so tiefe Blicke thun in das Eingeweide Frankreichs, daß wir nicht umhin können, sie in ihren Hauptpunkten hervorzuheben. Die Bank soll 150 Millionen vorstrecken, und sie bekömmt als Pfand Renten aus der Tilgungskasse und Staatswälder. Dagegen läßt sich nun allerdings nichts einwenden. Wälder sind ein gutes Unterpfand, und der Bank steht das Recht zu, sie zu ihrer Deckung zu verkaufen.
Nun kömmt aber der Punkt, der nicht so leicht zu übersehen ist. Alle Jahre ersparten sich die Leute aus der Provinz blanke Millionen Franken, die sie dann dem General-Steuerempfänger einhändigten, damit er sie in Paris konsolidire, d. h. sie auf der Börse in gute Renten umwandele. Diese Millionen, diese Ersparnisse von ehrsamen Provinzialen sollen künftighin in den Schatz geschossen werden, und der Staat giebt dafür neue Renten aus. Die Ersparnisse dieser Art waren mit jedem Jahre größer; sie gingen in aufsteigender Linie: en proportion croissante; und sie betrugen im Jahre 1847 nicht weniger als 75 Millionen. Auf diese Summe hofft nun Duclerc für das folgende Jahr, um seinen Plan auszuführen. Aber diese Hoffnung macht ihm Hr. Bertin streitig, und zwar, wie er sagt, weil das Land jetzt von seinem Kapitale zehre. Aber dies wahre Wort wagt das Journal nicht auszusprechen. Die Ersparnisse der honetten Bourgeois wachsen nicht mehr in aufsteigender Linie, weil die bekannte prospérité croissante nicht mehr da ist, dieser mit jedem Jahre zunehmenden Wohlstande, womit Louis Philipp seine Rede an die Kammer anfing: dieser zunehmende Wohlstand, der den Stolz des Hrn. Guizot ausmachte, und der ihm Niemand streitig machen konnte. Die 200,000 Wähler, das ganze damalige offizielle Frankreich wurde jedes Jahr reicher, auf Kosten des nicht offiziellen, auf Kosten der armen Bauern und Proletarier; und auf diese größern Ersparnisse, auf diesen zunehmenden Wohlstand zählt nun auch wieder Duclerc, um seine 580 Millionen zusammenzubekommen.
Ein anderer Posten besteht aus Nationalwäldern für die Summe von 14 Millionen. Um diese zu Geld zu schlagen, will der Staat einen Tausch mit den Hospitälern eingehn, die Grundeigenthum aller Art und zwar kuranterer Natur als Wälder besitzen, wie Häuser, Land und Wiesen: Nun bringen Wälder nur 21/2 pCt. ein, während die Hospital-Güter 4 bis 5 pCt. abwerfen. Wie soll nun der Tauschhandel vor sich gehn? Kapital gegen Kapital, Wald gegen Haus ‒ da kommen die Hospitäler zu kurz. Prozente gegen Prozente ohne Rücksicht auf Gleichheit der Kapitalien ‒ da kömmt der Staat zu kurz. In beiden Fällen ist ein Hacken, der nicht so leicht zu beseitigen, und die 14 Millionen Wälder sind nicht so lichte als Hr. Duclerc es glaubt, Wir übergehen jetzt allerhand Punkten, die Hr. Duclerc noch zu verkaufen hat und aus denen er 4 Millionen zu ziehen hofft, wie Anschwemmungen, relais de mer u. s. w. ‒ Lauter Dinge, von denen Bertin bedeutende Abzüge macht. Aber der Hauptpunkt, der das Zartgefühl des Hrn. Bertin empört, das sind die 25 Millionen, die Hr. Duclerc entheben will auf die Privat-Domänen des Exkönigs, als Entschädigung für die sogenannten „finstern Schnitte“, die Louis Philipp mit einer Geldgierigkeit ohne Gleichen hat vornehmen lassen in den Wäldern der Civilliste.
Dieser Schnitt, meint Hr. Bertin, sei nichts weniger als finster, es ist der „deutsche Schnitt“ und Hr. Bertin vertheidigt ihn mit einer Wärme, daß man vermuthen möchte, er habe an diesem deutschen Schnitt auch seinen Schnitt gemacht.
‒ Die Alpenarmee besteht aus 60 Bataillonen, 50 Schwadronen und einem starken Artilleriepark. Sie zählt im Ganzen 50,000 Mann, kann aber binnen acht Tagen auf's Doppelte steigen. Die Soldaten und Offiziere sind herzhafte Kerls, die meist in den afrikanischen Kriegen ihre Sporen verdienten.
‒ Die Hafenpolizei ist einigen Waffensendungen auf die Spur gekommen, welche England unseren Gegnern in der Vendee zuspedirte.
‒ 200 Fabrikanten des Faubourgs St. Antoine haben ein Memorial an den Staatsbautenminister Trelat gerichtet, woraus wir folgende Stelle übersetzen: „. . . . . Herr Minister etc. etc. Sie haben in der Sitzung der Nationalversammlung erklärt, daß die Privatindustrie bereits zahlreiche Bestellungen erhalten und darum die Arbeiter aus den Nationalwerkstätten zurückziehen werde. Wir gestehen leider zu unserm Schmerze, daß die unterzeichneten Fabrikvorsteher in der gewerbreichsten Gegend von diesen „zahlreichen Bestellungen“ die erste Kenntniß durch Sie erhalten etc. etc.“
‒ Venedig hat einen Gesandten hierher geschickt, der im Hôtel Baillif wohnt und den Gliedern der Vollziehungsgewalt sowie den Ministern bereits mehrere Besuche abgestattet hat. Derselbe hat den Auftrag, Frankreich zu bewegen, seiner alten Bundesgenossin in Wiederherstellung der republikanischen Staatsform Hülfe zu leisten. Man entsinnt sich, daß die Republik Venedig (freilich eine alte Zopfrepublik) von Napoleon unterdrückt wurde.
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@facs0109
Nationalversammlung. Sitzung vom 21. Juni.
Portalis eröffnet dieselbe um 11/2 Uhr. Die große Terasse des gegenüberliegenden Tuileriengartens ist mit Volk überfüllt, das sich ganz bequem auf die Stühle niedergelassen hat, wofür alle Welt sonst 2 Sous Sitzgeld bezahlen muß. Ceyras, der auf Anlage von Civil-Invalidenhäusern auf Dörfern angetragen hatte, dringt auf schnelle Berücksichtigung seines Antrags; die Versammlung ließ sich jedoch nicht bewegen. Mehrere Glieder stellten ähnliche Lokalvorlagen, konnten aber ebenfalls nicht durchdingen. Charbonnel, ein Arbeiter-Deputirter aus dem Loirethale, wollte gegen einige Stellen des gestrigen Protokolls rücksichtlich antisozialistischer Redner protestiren. Er konnte sich aber kein Gehör verschaffen. Fluchend stieg er wieder von der Bühne herab. Mauguin trug auf radikale Aufhebung aller Thorsteuern vom 1. Januar 1849 ab an. Pascal (aus Aix) will zu derselben Epoche alle Steuern auf Getränke abgeschafft wissen Duclerc, Finanzminister, hatte nichts gegen die volksfreundliche Natur dieser Anträge einzuwenden, bat aber die Herren, sie möchten ihm doch das Geheimniß vorher mittheilen, wie die Staats- und die Stadtkassen die betreffenden Ausfälle decken könnten? Beide Anträge sollen näher erörtert werden. Leon Faucher zankte sich dann eine Weile mit dem Handelsminister, weil derselbe eigenmächtig die Eingangszölle auf einige ausländische Artikel geändert habe. Eine nicht minder erbauliche Debatte entspann sich zwischen Vignerte, Brunet und einem dritten Gliede über eine Summe von 100,000 Fr., welche die Regierung für die ehemaligen politisch Verurtheilten und die Februarkämpfer verlangte. Nach langem Zaudern wurde sie genehmigt und die Versammlung schritt zur Berathung der gestern abgebrochenen Getränkesteuer (4 Uhr).
Sitzung nach 4 Uhr. Alle Steuerberathungen, welche die Nahrungsbedürfnisse des Volkes betreffen, verdienen spezieller Erwähnung. So auch die Getränkesteuer. Die provisorische Regierung hatte durch ein Gesetz vom 31. März eine für die gegenwärtige Produktionsweise sehr unglückliche Gleichheitssteuer verordnet, z. B. 70 Flaschen feiner Wein, der auf die Tafeln der Reichen wandelte, zahlte eben so gut 27 Fr. Accise (Thorsteuer am Entrepot) als 70 Flaschen sogenannter Petit-Wein, zu deutsch Rachenputzer oder Weinessig, der für das französische Proletariat eines der ersten Lebensbedürfnisse ist. Ein gleiches Verhältniß tritt für Aepfel und Birnen, Cider und Liqueurs, Eau de vie u. s. w. ein. Eine Menge Petitionen protestirten gegen diese Gleichheit. Die Produktion, heißt es in vielen, sei ohnedies schon durch die 45 Centimensteuer hart genug geschlagen; dieses neue Wein- und Branntweingesetz werde sie vollends ruiniren. Die Nationalversammlung wies alle Petitionen an den Finanzausschuß, der durch den Mund seines Berichterstatters darauf antrug, das Dekret vom 31. März am 1. Juli c. abzuschaffen. Ternaux legte ein Amendement ein, das das Ministerium sowohl als den Schlußentwurf des Finanzausschusses angriff. Es entspann sich eine dreistündige, sehr heftige Debatte zwischen den verscheidenen, besonders die Weinbauer repräsentirenden Deputirten.
Duclerc, die Widersprüche der verschiedenen Projekte hervorhebend, setzte es durch, die bereits begonnene Abstimmung zu hemmen und die Debatte auf morgen zu verschieben.
Dies geschah. Lagrange, der Neugewählte, bestieg dann die Tribüne, um die Minister zu fragen, wann sie ihm Rede stehen wollten, um über die Mastregeln Auskunft zu geben, welche sie gegen die contrerevolutionären Umtriebe ergriffen, die unter dem Namen Louis Napoleon in Paris und den Departements eifrig statt finden?
Duclerc erklärte, daß das Ministeriäm morgen dafür bereit sei.
Perrée will bei dieser Gelegenheit ähnliche Interpellationen rücksichtlich des Boissyschen Briefs aus Florenz (in den Journalen) richten.
Die Sitzung wurde um 61/4 Uhr aufgehoben.
Spanien.
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@facs0109
Madrid, 16. Juni.
Die Entlassung des Finanzministers Beltran de Lis, ist angenommen. Orlando, Graf von Romero, tritt an seine Stelle. Es ist nicht wahr, daß Sotomayor (Herzog v.) das Portefeuille des Auswärtigen niederzulegen gedenkt.
Großbritannien.
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@facs0109
[*] London, 21. Juni.
Das Hauptgeschäft des Unterhauses in seiner gestrigen Sitzung bestand in Empfangnahme von Petitionen zu Gunsten der Parlaments-Reform und in der Debatte über die hierauf bezügliche von Hume gestellte Motion. Der Letztere schloß seine Rede mit dem Antrag: „zu erklären, daß dieses Haus in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung die Bevölkerung, das Eigenthum und die Industrie des Landes nicht gehörig vertritt und daß hieraus bei einem großen Theile des Volkes bedeutende und wachsende Unzufriedenheit entsprungen; daß es deshalb zweckdienlich ist, das Wahlrecht auf Alle auszudehnen, die einen eigenen Hausstand besitzen; daß die geheime Abstimmung eingeführt, die Dauer eines Parlaments nicht über 3 Jahre ausgedehnt und das Verhältniß der Vertreter zu der Bevölkerung gleichmäßiger eingerichtet werde.“ Als heftiger Gegner trat zunächst Hr. Drummond, und in gleicher Weise der kleine Lord John Russell auf, der in der Annahme des Humeschen Vorschlages nichts Anderes erblickte, als das Oeffnen aller Fluthgatter vor den andringenden Wogen des Chartismus. Für den Antrag sprach Herr W H. Fox, gegen ihn Hr. Disraeli. Die Debatte wurde auf Freitag vertagt. Da dies nun ein Regierungstag ist ‒ und Mittwoch allein ist kein solcher ‒ und es von den Ministern abhängt, ob sie die Motion zur weitern Debatte kommen lassen wollen: so ist das Schicksal des Hume'schen Antrages schon jetzt so gut als besiegelt, d. h. er wird in dieser Session überhaupt nicht mehr vorkommen.
Unterhaus, Sitzung vom 21. Juni. Die heutigen Debatten begannen wegen Erlassung eines neuen Wahlausschreibens für Cheltenham, da die dortige Wahl wegen klar nachgewiesener vielfacher Bestechungen für ungültig angesehen werden mußte. Es widersetzten sich viele Mitglieder einer neuen Wahl; es entschied sich aber das Haus mit einer Majorität von 12 Stimmen dafür.
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@facs0109
[**] Bradford, 19. Juni.
Eine der größten Fabriken unsrer Stadt, die der Herren Rand & Comp. ist gestern ein Opfer der Flammen geworden. Alle Anzeichen sind vorhanden, daß das Feuer angelegt war. Herr Rand, der schon zum Kandidaten ins Parlament vorgeschlagen war, ist einer der Stimmführer unsrer liberalen und freihandelsschwärmenden großen Bourgeois und als solcher bei den Arbeitern nicht sehr beliebt.
Amerika.
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@facs0109
[*] Liverpool, 21. Juni.
Die „Hibernia“, von New-York am 7. Juni abgefahren, traf heute früh um 11 Uhr hier ein. Die New-Yorker Blätter hoffen zwar auf baldige Herstellung des Friedens, fügen aber hinzu, daß von einer Ratifizirung des Friedensvertrages mit Mexiko noch immer keine offizielle Anzeige vorliegt. Das allgemeine Gerücht geht, daß der Kongreß in Queretaro den Vertrag mit bedeutender Majorität angenommen habe.
‒ Der Wechselkurs auf London 111; Baumwollpreise im Weichen. Der Mehlmarkt ruhig, Preise fest. Fracht im Steigen.
Ost-Indien und China.
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@facs0109
[*]
Die Times bringt auf außerordentlichem Wege Berichte aus Indien, welche die Details über den Mord zweier britischen Offiziere in Moulthan (Lahore) enthalten. Gerüchte in Betreff einer Verschwörung unter den Shikstruppen hatten sich nicht bestätigt und in allen übrigen Theilen der britischen Besitzungen herrschte Ruhe. Die Nachrichten aus Calcutta gehen bis zum 8. März. Berichte aus Hong-Kong reichen bis zum 26. April. In Canton war es ruhig. Der Handel blieb ohne Leben, es herrschte indeß kein Geldmangel.
Egypten.
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@facs0109
[*]
Nachrichten aus Alexandrien reichen bis zum 9. Juni.
Mehemet Ali befand sich fortwährend in einem an Bewußtlosigkeit gränzenden Zustand. Ibrahim Pascha war indeß sehr thätig und führte täglich neue Maßregeln der Oekonomie in die Verwaltung ein. Im Delta herrschte großes Elend, da man alle arbeitsfähigen Personen für die Arbeiten am Nile und für die Armee hinweggeführt hatte und nur Alte und Schwache in den Dörfern zurückblieben. Der Handel ging schlecht.
Handels-Nachrichten.
gap: insignificant
[0110]
[Anzeigen]
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@facs0110
Schiffahrts-Anzeige. Köln, 23. Juni 1848.
Angekommen: J. P. Linz und A. Rauth von Mannheim.
Abgefahren: B. Kraus nach dem Obermain.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich H. Lübbers; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr A. Meyer; nach Andernach und Neuwied C Kaiser und M. Wiebel; nach Koblenz und der Mosel und Saar Jakob Tillmann; nach der Mosel, nach Trier und der Saar N. Pisbach; nach Bingen J. B. Mundschenk; nach Mainz J. Hirschmann; nach dem Niedermain Ph. Würges; nach dem Mittel- und Obermain Seb. Seelig; nach Heilbronn H. Bechert; nach Kannstadt und Stuttgart Peter Kühnle; nach Worms und Mannheim J. B Mundschenk I.; nach Antwerpen M. Lamers.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Jurrius, Köln Nr. 18.
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Schüller, Köln Nr. 30.
@typejAn
@facs0110
Wasserstand. Köln, am 23. Juni. Rheinhöhe 8′ 4 1/2″.
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@facs0110
Nr. 70127. Auszug aus dem im Sekretariate des Königlichen Landgerichts zu Köln beruhenden Register über Erklärungen und Hinterlegungen.
Nr. 10060.
Heute den zwölften April ein tausend acht hundert acht und vierzig erschien im Sekretariate des Königlichen Landgerichts zu Köln, unter Assistenz des Herrn Advokat-Anwalts Füßer, der zu Köln wohnende Herr Advokat Götz, in seiner Eigenschaft als Bevollmächtigter des zu Köln wohnenden Hermann Porcher, früher Kaufmann, jetzt Rentner, ohne Geschäft, in Gefolge der diesem Akte beigefügten Vollmacht unter Privatunterschrift vom vierten April achtzehnhundert acht und vierzig und hinterlegte zum Zwecke des gesetzlichen Purgations-Verfahrens, eine von ihm und seinem assistirenden Anwalte beglaubigte Abschrift des am zweiten Oktober achtzehnhundert sieben und vierzig vor Notar Landwehr zu Köln aufgenommenen Kaufaktes, wonach der Barbier Johann Joseph Bechem, wohnhaft in Köln, das ihm eigenthümlich zugehörige, zu Köln auf der Ehrenstraße, mit Nummer ein und vierzig bezeichnete Wohnhaus, sammt unterliegendem Grunde und Boden, Hofraum und allen übrigen An- und Zubehörungen, eingetragen im Kataster der Stadtgemeinde Köln, unter Artikel sieben tausend einhundert sechs und siebenzig in der achtzehnten Flur, Nummer einhundert zwei und sechszig der Parzelle, mit einer Grundfläche von ein und zwanzig Ruthen acht Fuß, einem Gesammtreinertrage von hundert ein Thaler zwölf Silbergroschen zwei Pfenninge, und den Gränznachbaren: nördlich die Ehrenstraße, östlich Blumacher, südlich Simon Mayrhofer, und östlich die kleine Brinkgasse ‒ an seinen genannten Mandanten Hermann Porcher, für den Betrag von viertausend Thaler Preußisch Courant verkauft hat. Ein Auszug aus diesem Kaufakte, enthaltend das Datum desselben, die Vor- und Zunamen, Professionen und Wohnorte der Kontrahenten, die Lage und Bezeichnung der Immobilien, dem Kaufpreis, und die dem Verkaufe zum Grunde gelegenen Bedingungen, ist durch den unterzeichneten Landgerichts-Sekretär angefertigt, und heute nach Vorschrift des Artikels zwei tausend einhundert vier und neunzig desCivilgesetzbuches im Civil-Audienz-Saale des hiesigen Königlichen Landgerichts angeheftet worden.
Worüber dieser Akt aufgenommen, vorgelesen, genehmigt und von den Herren Comparenten und dem Landgerichts-Sekretär unterzeichnet worden ist. Stempel zur Urschrift fünfzehn Groschen.
Köln wie oben.
Gez. Götz. Füßer.
Gez. Adeneuer, Landg.-Sktr.
Der Stempel von fünfzehn Silbergroschen ist kassirt worden.
Nro. 1885. Empfangen zehn Groschen.
Köln, den dreizehnten April achtzehnhundert acht und vierzig.
Königl. Haupt-Steuer-Amt für inländ.
Gegenstände.
Gez. Kerkhof.
Vollmacht. für den Advokaten Götz, für den Unterzeichneten das gesetzliche Purgations-Verfahren in seiner Sache gegen den in Köln wohnenden Johann Joseph Bechem, Barbier, in Betreff des in der Ehrenstraße sub Nro. ein und vierzig gelegenen Hauses einzuleiten und durchzusetzen.
Köln den vierten April eintausend achthundert acht und vierzig.
Gez. H. Porcher.
Für gleichlautenden Auszug:
Der Landgerichts-Sekretär,
Mockel.
Nro. 1886. Empfangen ‒ Thlr. 26 Sgr.
Köln, den 13. April 1848.
Königl. Haupt-Steuer-Amt für
inländ. Gegenstände.
Kerkhof.
Heute den ein und zwanzigsten Juni achtzehnhundet acht und vierzig.
Auf Anstehen des Hermann Porcher, früher Kaufmann, jetzt Rentner, ohne Geschäft, früher in Köln, dermalen in Pfortzheim wohnend, wofür die Herren Advokat Götz und Advokat-Anwalt Füßer occupiren werden, habe ich unterzeichneter Hermann Joseph Mockel, beim Königlichen Landgerichte zu Köln immatrikulirter, daselbst wohnender Gerichtsvollzieher, durch die abschriftlich beiliegende auf Requete der gedachten Herrn Advokaten vom fünfzehnten Juni currentis von dem Herrn Landgerichtspräsidenten Heintzmann in Köln am sechszehnten selbigen Monates erlassene Ordonanz hierzu besonders committirt, dem Königlichen Ober-Prokurator Herrn Zweiffel in Köln auf dessen Parket, sprechend daselbst mit dem N. Stelle des öffentlichen Ministerii versehenden Herrn Assessor Vierhaus, welcher mir auf Ersuchen den Original-Akt visirte, angezeigt, daß mein Requirent durch die obenbesagte Herren Götz und Füßer, zum Zwecke des Purgations-Verfahrens eine gehörig beglaubigte Abschrift des zwischen ihm und dem Barbier Johann Joseph Bechem, wohnhaft in Köln, vor Notar Landwehr in Köln am zweiten Oktober 1800 sieben und vierzig errichteten in exekutorischer Form ausgefertigten Kaufvertrages, wonach der Johann Joseph Bechem dem Requirenten das ihm eigenthümlich zugehörige zu Köln auf der Ehrenstraße mit Nro. ein und vierzig bezeichnete Wohnhaus sammt unterliegendem Grunde und Boden, Hofraum und allem An- und Zubehörungen, für den Betrag von viertausend Thaler Preuß. Crt. verkauft, auf dem Sekretariate des Königlichen Landgerichtes zu Köln hinterlegt hat. Sodann habe ich dem Herrn Ober-Prokurator Zweiffel, sprechend wie gesagt, eine beglaubigte Abschrift des über diese Hinterlegung von dem Landgerichts-Sekretär Herrn Adenauer in Köln am zwölften April dieses Jahres aufgenommenen Depositions-Aktes mit der Erklärung insinuirt, daß nach Vorschrift Staatsraths-Gutachtens vom neunten Mai ‒ ersten Juni 1800sieben, Requirent, da diejenigen, Namens welcher wegen gesetzlicher, von der Eintragung unabhängiger, Hypotheken-Eintragungen genommen werden könnten, nicht bekannt seien, die gegenwärtige Zustellung in den durch den Artikel sechshundert drei und achtzig der Civil-Prozeßordnung vorgeschriebenen Formen bekannt machen lassen werde.
Abschrift der bezogenen Requete und Ordonanz des Depositions-Aktes und dieses Aktes ließ ich dem Herrn Ober-Prokurator Zweiffel, sprechend wie bemerkt, zurück.
Mockel.
Visirt und die betreffenden Abschriften erhalten.
Köln, den 21. Juni 1848.
Vierhaus.
@typejAn
@facs0110
Nr. 70128. Auszug aus dem im Sekretariate des Königlichen Landgerichts zu Köln beruhenden Register über Erklärungen und Hinterlegungen.
Nr. 10061.
Heute den zwölften April achtzehnhundert acht und vierzig, erschien im Sekretariate des Königlichen Landgerichts zu Köln, unter Assistenz des Herrn Advokat-Anwaltes Füßer, der zu Köln wohnende Herr Advokat Götz, in seiner Eigenschaft als Bevollmächtigter des Hermann Porcher, früher Kaufmann, jetzt Rentner, ohne Geschäft zu Köln wohnend, in Gefolge Vollmacht unter Privatunterschrift vom vierten April achtzehnhundert acht und vierzig, welche diesem Akte beigefügt ist, und hinterlegte zum Zwecke des gesetzlichen Okkupationsverfahrens, eine von ihm und seinem assistirenden Anwalte beglaubigte Abschrift des am dreißigsten September achtzehnhundert sieben und vierzig vor Notar Landwehr zu Köln aufgenommenen Kaufaktes, wornach der Maurermeister Simon Mayrhofer und dessen von ihm dazu ausdrücklich ermächtigte Ehefrau Gertrud, geborne Kleu, ohne eigenes Geschäft, beide in Köln wohnhaft, ‒ die drei neu errichteten, dahier zu Köln in der kleinen Brinkgasse, neben einander gelegenen und mit den Hausnummern: acht, zehn, zwölf bezeichneten Häuser, sammt unterliegendem Grunde und Boden, Hintergebäuden und Hofräumen, Gärten und allen sonstigen An- und Zubehörungen, welche drei Häuser damals noch im Grundsteuer-Kataster der Stadtgemeinde Köln als Garten eingetragen unter Ar tikel zweitausend achthundert dreizehn, in der Flur achtzehn, unter der Grundstücks-Nummer hundert drei und sechszig, Flurabtheilung: „Ehrenstraße“ mit einer Grundfläche von neunzehn Ruthen achtzehn Fuß, einem Reinertrage von einem Thaler sieben und zwanzig Groschen sieben Pfenninge und mit den Grenznachbaren von: Blumacher Johann, und Johann Joseph Bechem östlich, Dubbelmann, Lugino Christian Joseph, und Willmaser Peter, südlich Bechem Johann Joseph und Wittwe Wimmer, westlich die kleine Brinkgasse ‒ an seinen genannten Mandanten Hermann Porcher für die Summe von siebentausend achthundert Thaler Preußisch Courant zurückverkauft haben.
Ein Auszug aus diesem Kaufakte, enthaltend das Datum desselben, die Vor- und Zunamen, Professionen und Wohnorte der Kontrahenten, die Lage und Bezeichnung der Immobilien, den Kaufpreis und die dem Verkaufe zum Grunde gelegenen Bedingungen ist durch den unterzeichneten Landgerichts-Sekretär angefertigt und heute nach Vorschrift des Artikels zwei tausend ein hundert vier und neunzig des Civil-Gesetzbuches, im Civil-Audienz-Saale des hiesigen Königlichen Landgerichts angeheftet worden.
Worüber dieser Akt aufgenommen und nach Vorlesung und Genehmigung von den Herrn Komparenten und dem Sekretär unterzeichnet worden ist.
Stempel fünfzehn Silbergroschen.
Köln, wie oben.
Gez. Götz. Füßer.
Gez. Adenauer, Landg.-Sektr.
Der Stempel im Betrage von fünfzehn Silbergroschen ist zur Urschrift kassirt.
Nro. 1887. Empfangen zehn Groschen.
Köln, den dreizehnten April achtzehn hundert acht und vierzig.
Konigl. Haupt-Steuer-Amt für inländ. Gegenstände.
Gez. Kerckhof.
Vollmacht für den Advokaten Götz für Unterzeichneten das gesetzliche Purgations-Verfahren in seiner Sache gegen die Eheleute Simon Mayrhofer und Gertrude geborne Kleu, in Betreff der in der kleinen Brinkgasse gelegenen, mit Nris acht, zehn und zwölf bezeichneten Häuser einzuleiten und durchzuführen.
Köln, den vierten April achtzehnhundert acht und vierzig.
Gez. Hermann Porcher.
Für gleichlautenden Auszug:
Der Landgerichts-Sekretär,
Mockel.
Nro. 1888. Empfangen ein Thlr. zwei Sgr.
Köln, den 13. April 1848
Königl. Haupt-Steuer-Amt für
inländ. Gegenstände.
Kerkhof.
Heute den ein und zwanzigsten Juni achtzehnhundert acht und vierzig.
Auf Anstehen des Herrmann Porcher, früher Kaufmann, jetzt Rentner ohne Geschäft, früher in Köln, dermalen zu Pfortzheim wohnend, wofür die Herren Advokat Götz und Advokat-Anwalt Füßer occupiren werden, habe ich unterzeichneter Herrmann Joseph Mockel, beim Königl. Landgerichte zu Köln immatrikulirter, daselbst wohnender Gerichtsvollzieher, durch die abschriftlich beiliegende, auf Requete der gedachten Herren Advokaten vom fünfzehnten Juni currentis von dem Herrn Landgerichts Präsidenten Heintzmann in Köln am sechszehnten selbigen Monates erlassene Ordonnanz hierzu besonders committirt, dem Königl. Ober-Prokurator Herrn Zweiffel in Köln auf dessen Parket, sprechend daselbst mit dem die Stelle des öffentlichen Ministerii versehenden Herrn Assessor Vierhaus, welcher mir auf Ersuchen den Originalakt visirte, angezeigt, daß mein Requirent durch die obenbesagten Herren Götz und Füßen, zum Zwecke des Purgations-Verfahrens eine gehörig beglaubigte Abschrift des zwischen ihm und den Eheleuten Maurermeister Simon Mayrhofer und Gertrud geborne Kleu ohne eigenes Geschäft, beide zu Köln wohnend, vor Notar Landwehr in Köln am dreißigsten September achtzehnhundert sieben und vierzig errichteten, in exekutiver Form ausgefertigten Kauf-Vertrages, wonach die Eheleute Mayrhofer dem Requirenten die drei neuerrichteten, dahier zu Köln in der kleinen Brinkgasse nebeneinander gelegenen und mit den Hausnummern acht, zehn und zwölf bezeichneten Häuser, sammt unterliegendem Grund und Boden, Hintergebäude und Hofräumen, Gärten und allem sonstigen An- und Zubehör für die Summe von siebentausend achthundert Thaler Preuß. Cour. zurückverkauft, auf dem Sekretariate des Königl. Landgerichtes zu Köln hinterlegt hat. Sodann habe ich dem Herrn Ober-Prokurator Zweiffel, sprechend wie gesagt, eine beglaubigte Abschrift des über diese Hinterlegung von dem Landgerichssekretär Herrn Adenauer in Köln am zwölften April currentis aufgenommenen Depositions-Aktes mit der Erklärung insinuirt, daß nach Vorschrift Staatsraths-Gutachtens vom neunten Mai ‒ ersten Juni 1800sieben, Requirent, da diejenigen, Namens welcher wegen gesetzlicher, von der Eintragung unabhängigen, Hypothekar-Eintragungen genommen werden könnten, nicht bekannt seien, die gegenwärtige Zustellung in den durch den Artikel sechshundert drei und achtzig der Civil-Prozeßordnung vorgeschriebenen Formen bekannt machen lassen werde.
Abschrift der bezogenen Requete und Ordonnanz des Depositions-Aktes und dieses Aktes ließ ich dem Herrn Ober-Prokurator Zweiffel, sprechen wie bemerkt, zurück.
Mockel.
Visirt und die betreffenden Abschriften erhalten. Köln, den 21. Juni 1848.
Vierhaus.
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Durch Urtheil des Königlichen Landgerichts zu Köln vom 20. d. M. Juni 1848 ist in Sachen der zu Köln, ohne besonderes Gewerbe, wohnenden Friederica Henriette Schwartz, Klägerin, vertreten durch Advokat-Anwalt G. A. Boecker
gegen
ihren Ehemann, den in Köln wohnenden Bierbrauer, Peter Joseph Breuer, Verklagten, vertreten durch Advokat-Antwalt Commer und
gegen
Johann Peter Weyer, Stadtbaumeister außer Diensten, in Köln wohnhaft, Intervenienten, vertreten durch Advokat-Anwalt Zimmermann
die Gütertrennung ausgesprochen worden.
Köln, den 23. Juni 1848.
Für die Richtigkeit des Auszugs: G. A. Boecker, Adv.-Anw.
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Nicht zu übersehen!
Vom 1. Juli l. J. an ist durch alle Postämter zu beziehen: Neue Deutsche Zeitung.
Organ der Demokratie.
Verantwortlicher Redakteur Dr. Otto Lüning.
Der Titel bezeichnet die Tendenz dieser Zeitung; sie will vor Allem die Demokratie, die Herrschaft, die Souverainetät des Volkes.
Die „neue deutsche Zeitung“ erscheint in groß Folio-Format dreispaltig, und kostet hier am Orte vierteljährlich 2 Fl. oder 1 Thlr. 4 Sgr. Die Ausgabe geschieht täglich mit Ausnahme des Sonntags, da wir es für billig halten, den Arbeitern diesen Tag frei zu geben; besonders wichtige Nachrichten werden jedoch an diesem Tage durch Extrablätter gebracht werden. Anzeigen jeder Art werden gegen die Gebühr von 3 Kr. oder 1 Sgr. für die Zeile oder deren Raum aufgenommen.
Darmstadt, den 12. Juni 1848.
Die Verlagsbuchhandlung von C. W. Leske.
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Bergisch-Märkischer Courier. Organ für Zeitgeschichte und gesellige Unterhaltung.
Unter diesem Titel erscheint seit dem 1. Mai in Hattingen an der Ruhr eine Zeitschrift, deren vorzüglichstes Streben darauf gerichtet ist, durch klare Besprechung des Wesens eines konstitutionellen Staates, durch freie Beurtheilung unserer gegenwärtigen und nächstkünftigen Zustände zur Hebung und Verbreitung einer gründlichen politischen Bildung das Seinige beizutragen. Der Standpunkt desselben ist bezeichnet durch die wenigen Worte: Wir wollen keine Republik, weil sie für Preußen und Deutschland verderblich sein würde, aber wir wollen in der konstitutionellen Monarchie alle wahren Freiheiten, welche eine wohlgeordnete Republik zu gewähren vermag, darum vor allen Dingen wollen wir auch nicht einen Schritt rückwärts: in der konsequenten Ausbildung und Entwicklung der konstitutionellen Monarchie auf breitester Grundlage erblicken wir das Heil Preußens und Deutschlands. Wir wollen Trennung des Staates von der Kirche; aber volle Freiheit in jenem, vollste Freiheit in dieser; eine Staatskirche erkennen wir eben so wenig an als einen Kirchen-Staat.
Aus diesen Gründzügen fließen die leitenden Artikel, die bereits vielfältig die vollste Anerkennung gefunden, und denen sich, als „Reflektionen über Tagesgeschichte“, eine kurze Beurtheilung hervorragender Erscheinungen der Zeit in gleichem Sinne anschließt. Zugleich geben wir unsern Lesern anziehende Produkte der belletristischen Literatur. In einem „Sprechsaal“ verhandelt das Publikum unsers Leserkreises seine eigenen Angelegenheiten frei und ungehindert. Luft und Raum für jede Partei! Ehrlicher Kampf ist die Bedingung, unter welcher die Wahrheit siegt.
Der „Bergisch-Märkische Courier“ beschränkt sich nicht auf Berg und Mark, sondern hebt seinen Blick hinaus auf alles das was Berg und Mark interessirt, auf unser ganzes Vaterland, und erscheint wöchentlich zweimal. Der höchst billig gestellte Preis beträgt 12 1/2 Sgr. vierteljährlich beim Verleger; an den zunächst gelegenen Orten, wohin es durch Boten besorgt wird, 15 Sgr.; bei allen Postämtern und Buchhandlungen des preußischen Staates 16 3/4 Sgr. pro Quartal. Anzeigen kosten 1 Sgr. die Zeile.
Bestellungen auf das mit dem ersten Juli beginnende neue Vierteljahr bitte ich baldigst machen zu wollen.
Hattingen a. d. Ruhr, im Juni 1848.
Albert Fries,
Herausgeber und Verleger des
Bergisch-Märkischen Couriers.
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Empfehlungs-Anzeige
der
Palingraphischen Anstalt
von
Adolph Camphausen
Wallrafsplatz Nro. 153.
Köln im Juni 1848.
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Mailust in Deutz.
Dem allgemeinen Wunsche meiner verehrten Gäste bei Eröffnung meiner Wirthschaft nachkommend, da meine Anlage hinlänglich Raum und eine zu schöne Lage dazu darbietet, habe ich sofort Einrichtung getroffen und Anschaffungen gemacht, neben meiner Wein- und Kaffee-Wirthschaft, verbunden mit einer Oberrheinischen Restauration, auch eine Bairische Bierwirthschaft mit ausgezeichnetem Felsenbier, zu errichten, und habe dieselbe am 18. d. M. eröffnet, wozu höflichst einladet Joseph Kost.
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Sitzung des Kölner Bürgervereins am 20. d. M., Abends im Harff'schen Saale.
An der Tagesordnung war die Diskussion über den bereits von der Berliner Vereinbarungsversammlung verworfenen preußischen Grundgesetzentwurf. Ein kitzlicher Punkt für den Kölner Bürgerverein! Rathlos saßen die Herren da; sie wußten nicht hin und nicht her. Da tritt aus ihrer Mitte ein „schlichter, grader, durch und durch deutscher Mann; ein Mann mit deutschem Sinn, mit einem deutschen Herzen, ein Mann von echtem deutschen Schrot und Korn,“ ‒ Roderich Benedix ist dieser Mann geheißen! Er ist ganz der Mann, eine rathlose Versammlung aus der Klemme zu ziehen. Sein imponirendes Aeußere, sein langer, grauer Bart, seine gelahrte Stirn, seine Bürgerwehrpechkappe auf dem edlen Haupte, flößen sogar dem rücksichtslosesten Menschen Achtung ein. Herr Roderich Benedix verlangt das Wort, um einen ganz von der Tagesordnung abweichenden Antrag der Versammlung zur Diskussion vorzulegen. Der Präsident, der nicht die Spur von parlamentarischem Takt zu haben scheint, erlaubt Hrn. R. Benedix seinen Antrag zu stellen; er stellte hiermit sich und der Versammlung das testimonium paupertatis aus, denn stillschweigend bekundete er im Namen der Versammlung durch die Annahme des Benedix'schen Antrages die Unfähigkeit derselben, die Wichtigkeit der Diskussion über den fraglichen Gegenstand zu erkennen. Oder sollte vielleicht Hr. Benedix Antrag wichtiger sein? ‒ Wir wol len ihn ans Tageslicht ziehen und von allen Seiten besehen. ‒ Mit urteutonischem Pathos, mit einer Stimme, als wenn Hr. Benedix Kartoffeln im Munde hätte, bringt er seinen wichtigen, gehaltreichen Antrag vor. Er lautet folgendermaßen: „Der Bürgerverein möge sich als eine kompakte, politische Propaganda bilden, (also haufenweise formirt Hr. Benedix die Propaganda; Einzelnen sind die Herren zu schwach. Wo die Ideen fehlen, müssen die Fleischmassen wirken), um unter Einwirkung eines politischen Glaubensbekenntnisses ‒ (Welcher Wahnsinn! Herr Benedix kennt nichts von einer Propaganda, wenn er bei einer politischen Propaganda nicht ein politisches Glaubensbekenntniß voraussetzt. Hr. Benedix scheint nicht aus seiner Lustspielschreiberei herausgekommen zu sein), ‒ aber weiter ‒ sich mit auswärtigen Freunden des „Gesetzes und der Ordnung“ in Verbindung zu setzen.“
Das alte, abgegriffene, jetzt von allen Seiten mit Füßen getretene „Gesetz,“ die alte lahme „Ordnung der Dinge,“ das sind die Losungsworte der Bourgeoispartei, der Reaktionäre! Um jeden Preis, und ginge es auch um ihren Kopf, wollen sie die Revolution desavouiren und dem Volke die Früchte derselben rauben. Darum „Gesetz und Ordnung!“ Nein, das alte „Gesetz,“ die alte „Ordnung“ müssen erst vollkommen vernichtet, Alles hierauf Basirte niedergerissen werden, ehe man daran denken darf, einen neuen Zustand, eine neue Gesellschaft zu bilden!
Herr Benedix fiel glänzend mit seinem Antrag durch. Statt nun in aller Bescheidenheit in seine Zurückgezogenheit wieder zurückzukriechen, hält unser deutscher Hr. Benedix eine wüthende, aber echt deutsche Rede über Anarchie und Demokratie, die für ihn zwei gleiche Begriffe zu sein schienen. Rodomontaden auf Rodomontaden entströmten seinem lieblichen Munde; mit einem Unsinn über den andern bullerte der „deutsche“ Benedix hervor, bis er endlich anfing selbst zu glauben, daß seine Rede viel Sinn und Verstand gehabt hätte. Der Bürgerverein wurde sogar unruhig ob der langen Rede voll Unsinn. Die Herren gähnten und reckten sich, so langweilig war ihnen noch nie zu Muthe gewesen. (Mehrere haben uns versichert, daß die Rede zum Brechen abgeschmackt gewesen sei). Nach dem „deutschen“ Benedix trat Bürger Schlechter auf. Viele Vereinsmitglieder konnten ihre Heulernatur nicht verläugnen, und scharrten mit den Füßen, bewiesen also auf diese Weise ihren Ordnungssinn. Schlechter trat aber energisch gegen diese brutale Ungezogenheit auf, indem er den Antrag stellte, die Unruhestifter vor die Thür werfen zu lassen.
Nachdem noch einige hohlköpfige Geschichten verhandelt waren, hob der Präsident die Sitzung auf.
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Elegantes Zimmer, Frühstück, Mittag-Essen an der table d'hôte nebst 1 Schoppen guten Wein zu 1 Thaler pr. Tag im Pfälzer Hof bei Friedrich Knipper, Appellhofs Platz Nro. 17.
Table d'hôte und Abonnemens-Tisch um 1 Uhr und zu jeder Stunde vorzügliche der Saison angemessene blllige Speisen a la carte, und einen billigen Wein.
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Ein neuer wiener Flügel ist wegen Mangel an Raum billig zu verkaufen. Wo, sagt die Exped. d. Ztg.
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Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.