[0113]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No. 25. Köln, Sonntag 25. Juni 1848.
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Die „Neue Rheinische Zeitung“ erscheint vom 1. Juni an täglich. Bestellungen für das nächste Quartal, Juli bis September, wolle man baldigst machen.
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Für Frankreich übernehmen Abonnements Herr G. A. Alexandre, Nr. 28, Brandgasse in Straßburg, und 23, rue Notre Dame de Nazareth in Paris; so wie das königliche Ober-Post-Amt in Aachen. Für England die HH. J. J. Ewer & Comp. 72, Newgate Street in London. Für Belgien und Holland die respekt. königlichen Briefpost-Aemter und das Postbüreau zu Lüttich.
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Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen der Zeitung die weiteste Verbreitung.
Uebersicht.
Deutschland. Köln (Polizeidirektor Müller nach Berlin berufen. ‒ Drohung der Gervinuszeitung. ‒ Patows Ablösungsdenkschrift. ‒ Die Dahlmann'sche Dreieinigkeit). Berlin (Finanzkrisis. ‒ Berliner Reaktion und ihre neuen Organe. ‒ Minutoli. ‒ Der demokratische Klub). Potsdam (die Hofintriguen. ‒ Hansemann in Noth. ‒ Cabalen mit Rußland. ‒ Meyendorf). Breslau (preußische Gräuelthaten). Posen (Amnestirung der Polen in Rußland). Frankfurt (Sitzung der Nationalversammlung vom 21. Juni. ‒ Sitzung vom 22. Juni). Prag (neuere Nachrichten. ‒ Demokratischer Charakter des Aufstandes). Wien (Erzherzog Johann eröffnet den Reichstag. ‒ Bürgergarde und Militär marschirt gegen die Arbeiter). Triest (Standrecht. ‒ Verkehrsverluste).
Ungarn. Kaiserliche Proklamation an die Kroaten.
Italien. Turin (Anschlußakte der Lombardei). Bologna (Durando von der Bevölkerung Vicenzas zur Kapitulation gezwungen. ‒ Ein polnisches Bataillon wird im Kampfe für Italiens Sache Theilnehmer). Rom (Erklärung der Deputirtenkammer. ‒ Adreßkommission. ‒ Ferrari. ‒ Sbaretti). Civitavecchia (ein Theil der nach Calabrien gesandten Truppen zu den Insurgenten übergegangen. ‒ Messina bombardirt. ‒ Gleiches Schicksal Neapel wieder bevorstehend). Neapel (Gesetz über die Nationalgarde). Venedig (Suspension der Anschlußversammlung).
Französische Republik. Paris (die kleinen Journale. ‒ Protestation gegen Polens Theilung. ‒ Waffenrüstungen. ‒ Gährungen in den Nationalwerkstätten).
Großbritannien. London (Englands Vorschläge in der deutsch-dänischen Angelegenheit von Dänemark zurückgewiesen. ‒ Unterhaussitzung. ‒ Privatbriefe in der City in Betreff Mexicos. ‒ Großes Chartistenmeeting in Edinburg. ‒ Fröhliche Aussicht für Weintrinker). Liverpool (die Chartisten in einem Reformmeeting). Oldham (White).
Amerika. Boston (Baumwollenindustrie in Lowell). Mexico (der Friedenskongreß).
Handelsnachrichten.
Amtliche Nachrichten.
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Das 25ste Stuck der Gesetz-Sammlung, welches heute ausgegeben wird, enthält unter:
Nro. 2981. Den Vertrag zwischen den Staaten Preußen und Sachsen, die Herstellung einer Eisenbahn-Verbindung zwischen Berlin und Dresden betreffend; vom 6. März d. J.
Nro. 2982. den Allerhöchsten Erlaß, betreffend wie den Kreisständen des Kreises Heiligenstadt in Bezug auf den Bau und die künftige Unterhaltung der Straßen von Heiligenstadt nach Wannfried, von Udra nach Wahlhausen, von dieser Straße ab über Hohengandern bis zur hannoverschen Gränze und vom Beberberge bei Heiligenstadt über Günterode bis zur Gränze des Kreises Worbis bewilligten fiskalischen Vorrechte; vom 29. April d. J.
Nro. 2983. desgleichen vom 9. Mai d. J., betreffend die dem Aktien-Vereine zum chausseemäßigen Ausbau der Straße von Lauban nach Kohlfurt in Bezug auf den Bau und die Unterhaltung dieser Straße bewilligten fiskalischen Vorrechte;
Nro. 2984. die ministerielle Bekanntmachung vom 31. ejd. m. über die Allerhöchste Bestätigung des Statuts des Aktien-Vereins zum chausseemäßigen Ausbau der Straße von Lauban nach Kohlfurt;
Nro. 2985. das Allerhöchst vollzogene Statut für die städtische Bank in Breslau; vom 10. Juni d. J.
Nro. 2986. den Allerhöchsten Erlaß von demselben Tage über die Tagegelder und Fuhrkosten bei Dienstreisen der Staats-Beamten;
Nro. 2987. desgleichen vom 14. d. M., betreffend die Bewilligung von Wartegeldern an disponible Beamten; und
Nro. 2988. von demselben Tage, den Bau der Eisenbahn zwischen Berlin und der Provinz Preußen von dem Anschließungspunkte an der Stargard-Posener Eisenbahn un weit Driesen bis Dirschau betreffend.
Berlin, 23. Juni 1848.
Gesetz-Sammlung-Debits-Comtoir.
Deutschland.
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[*] Köln, 24. Juni.
Durch telegraphische Depesche des Herrn Hansemann ist Herr Polizei-Direktor Müller schleunigst nach Berlin berufen werden.
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Edition: [Karl Marx: Drohung der Gervinus-Zeitung. In: MEGA2 I/7. S. 168.]
[**] Köln, 24. Juni.
„Hält das Ansehen der Frankfurter Versammlung
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[19] Köln, 23. Juni.
Die deutsche Nationalversammlung sitzt seit einigen Tagen zu Gericht über Leben und Lebensfähigkeit des Embryo's einer provisorischen Centralgewalt, der zarten Frucht Dahlmann'scher Biedermännlichkeit.
Niemand kann die Bedeutung dieses großen Moments verkennen. Hundert Redner, von denen in jeder Partei der Eine die Erklärungen des Andern wiederholt, haben in besonderer Hingebung an den Gegenstand, bereits das Wort verlangt; die Stimme des Propheten Gervinus hat aus den Wüsten der Professorenzeitung die „wesentlichen“ Anlagen des Entwurfs verkündet, eine Entwicklung zu der künftigen definitiven „Reichsgewalt“ vorzubereiten; endlich ist auch das Wohlgefallen der preußisch-bairisch-östreichischen Dreieinigkeit in Aussicht gestellt, da der Antrag vor Allem „den Regierungen keine Sorge einflößen“, vielmehr grade „ihre Erfolge“ durch Bekämpfung anarchischer Gewalt „sicher stellen will.“
„Die Oechslein brüllten, das Kindlein schrie,
Die heil'gen drei Könige sangen;“
‒ es ist klar, daß wir uns an der Krippe des neuen Heilandes der Deutschen befinden.
„Der Kommissionsantrag“, berichtet Herr Dahlmann, „will eine wirkliche Regierungsgewalt in die Hände von drei Männern des Vertrauens provisorisch niedergelegt wissen, und hat dessen kein Hehl.“
Wie freundlich, wie angenehm uns der große Mann über den Charakter und das „System“ des Zukünftigen aufklärt! Die Kommission, welche ihre „bloße Niedersetzung“ als die „Erledigung eines tiefgefühlten Bedürfnisses“ bezeichnet, hat keinen Hehl, daß sie eine „wirkliche Regierungsgewalt“ in die Hände von drei Vertrauensmännern niederlegen will! Beruhigende Offenheit des Bedürfnißausschusses!
Die Anträge auf eine provisorische Centralgewalt waren bisher von der Nothwendigkeit eingegeben, daß die Nationalversammlung, sofern sie nicht leere Beschlüsse fassen solle, einer vollziehenden Gewalt oder eines Organs bedürfe, um ihre Beschlüsse in „Rechtskraft“ zu setzen. Für Herrn Dahlmann aber handelt es nicht mehr um dieses, und er hat dessen kein Hehl. Er escamotirt die Revolution im Sinne der mittlerweile eingetretenen preußisch-russischen Reaktion, und verkündet, statt eines vollziehenden „Organs“ der Nationalversammlung eine „wirkliche Regierungsgewalt“. Das tiefgefühlte Bedürfniß ist erledigt.
Das Volk hat durch seine Revolution die alte Vertrauensherrschaft seiner bisherigen Regierungen gestürzt, und erwartete von der Versammlung die Sicherung seiner eigenen Souveränität. Für Herrn Dahlmann handelt es sich nicht mehr um dieses. Er erledigt das allgemeine Bedürfniß durch die Berufung eines neuen Vertrauensregimentes und „hat dessen kein Hehl!“
Ein Vertrauenstriumvirat! die Revolution für ein Vertrauenstriumvirat!
Die Vertrauenstrias hat die große Eigenschaft, daß sie „selbstredend“ zu keiner Besorgniß Anlaß geben kann. Wäre es noch ein Vertrauensregiment, wenn man ihm Mißtrauen entgegen stellen dürfte? Der Bedürfnißausschuß hat die Richtigkeit dieser Logik erkannt, und er „hat dessen kein Hehl“. Er weist die Bezeichnung der Vertrauensmänner den deutschen Regierungen, und der Versammlung die „einfache Genehmigung“ durch Abstimmung ohne Diskussion zu. Das in dem Triumvirat verkörperte Vertrauen ist souverän, und nur in seinen Ministerorganen verantwortlich; schon die Schamhaftigkeit verbietet also die Vorzüge der Dreieinigen in geräuschvoller Diskussion zu proklamiren. Votiren wir also das Vertrauen!
Das Vertrauen ist die tiefgefühlte Nothdurft des gesammten Vaterlands. Das Triumvirat, welche die „Erfolge“ der deutschen Regierungen durch Bekämpfung anarchischer Gewalt „sicherstellen,“ wird als „braver Mann“ die Zöllnerfamilien aus dem Eisgang der Revolution retten, und
‒ Hoch klingt das Lied vom braven Mann,
Von Bassermann, Wippermann, Eisenmann.
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Edition: [Karl Marx/Friedrich Engels: Patows Ablösungsdenkschrift. In: MEGA2 I/7. S. 170.]
[**] Köln, 24. Juni.
In der Vereinbarungssitzung vom 20.
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[25] Berlin, 21. Juni.
Wir haben jetzt ein Provisorium in einem Provisorium. Herr Hansemann ist noch immer mit der Bildung des Ministeriums beauftragt; aber noch immer will sich Niemand [0114] finden, der die Aktien des Herrn Finanzministers kaufe, der sich einläßt in ein Geschäft, dessen Bücher in so gränzenloser Unordnung sind, daß sich mit Leichtigkeit ein baldiger zweiter Bankerott voraussagen läßt. Aber Herr Hansemann bleibt unerschütterlich auf seinem Posten. Herr Hansemann will nun einmal das Vaterland retten und als ein Schild vor der Dynastie“ stehen, wenn kein Anderer mehr Lust dazu hat. ‒ „Die Minister sind geschlagen und sehr viel ist wieder für Preußen in Frage gestellt,“ schreibt ein Berliner Korrespondent der A. A. Z. und wahrlich der Mann hat diesmal das Rechte getroffen, „es ist sehr viel in Frage gestellt.“ Die Dynastie stellt das Volk in Frage und umgekehrt das Volk die Dynastie. Vor Allem aber ist in Frage gestellt: die Herrschaft der Bourgeoisie. Dieser neue Adel, der gleich dem alten wieder seine Abstufungen in hohen und niederen enthält, macht sich durch Stolz und Brutalität dem Volke, dem unterdrückten arbeitenden Volke, immer verhaßter, indem er außerhalb der Massen eine Stellung einzunehmen strebt, stellt er überhaupt seine Existenz in Frage. Die Zukunft der Welt gehört dem ganzen Volke, eben so wenig einer einzigen Klasse, als einer einzigen Familie.
Die Bourgeoisie ist überall gleich gesinnungslos. Liberal ,so lange es nicht an den Geldsack geht; entschieden, so lange keine Gefahr vorhanden; großmüthig, so lange es nichts kostet, macht sie sogleich Kehrt, wenn sie diese erheuchelten Tugenden zur Ausübung bringen soll und erröthet nicht, ihren eigenen Repräsentanten ihre Hülfe zu versagen. ‒ Sah nicht die preußische Bourgeoisie in Camphausen und Hansemann ihr Ideal? und doch, wie kleinlich sind die Ergebnisse der freiwilligen Anleihe, besser gesagt Bettelei, des Hrn. Finanzministers? Herrschen will die Bourgeoisie, das Volk aber soll zahlen. Hier in Berlin ist sie in ihrem freiheitsfeindlichen Streben thätig und zu diesem Zwecke mit der hohen Büreaukratie in einen Bund getreten. Der patriotische und der Preußen-Verein, vulgo Denunciantenklubb, sind die Vereinigungspunkte dieser reaktionären Koalition, die vom 1. Juli ab ein Organ erhält in der „Neuen Preuß. Zeitung,“ redigirt von Wagener, einem Unbekannten. Auch der famöse Censor, Herr Mathis (nicht zu verwechseln mit Polizeirath Mathy, Mitarbeiter der Deutschen Zeitung), soll bei dieser Zeitung betheiligt sein. Zum 1. Juli erscheint ferner eine „Neue Berliner Zeitung“ im Verlage der Decker'schen Geh. Oberhofbuchdruckerei, Redakteur unbekannt, ein Organ des konstitutionellen Konservatismus. Dies sind die theoretischen Waffen gegen den „verruchten Radikalismus,“ für's Praktische sorgt nämlich Hr. Minutoli. Erst gestern wieder hat dieser Polizeimann ein Mitgled des demokratischen Klubs, Hrn. Meder, der sich in letzter Zeit durch seine Bemühungen für die brodlosen Arbeiter verdient gemacht hat, in die Falle gelockt. Meder war als Zeuge vor die Polizei geladen; er erscheint, wird aber sogleich festgenommen und eingesteckt. Nicht besser ging es dem Vater des Verrathenen, der, als er sich bei der Polizei nach seinem Sohne, dessen Ausbleiben ihn verwundert, erkundigt, ebenfalls sogleich verhaftet wurde. Das geschieht unter den Augen der Volksvertretung; so versteht man hier die persönliche Freiheit. Man spricht von Aufhebung des demokratischen Klubs und ferneren Verhaftungen von Mitgliedern desselben. Wir können nicht umhin, dem Klub selbst einen Theil der Schuld beizumessen. Es fehlt dem Klub durchaus an dem entschiedenen Handeln, wodurch er sich zu einer Macht erheben könnte. Zum ersten Male seit seinem Bestehen hält er heut eine Volksversammlung. Ist sie wichtig genug, so wollen wir morgen darüber berichten. ‒ In Potsdam soll eine völlige Umwandlung vor sich gegangen und der alte Uebermuth wieder erwacht sein, seit immer beunruhigendere Nachrichten vom Osten eintreffen und Pfuel seine Missionsreise nach Petersburg angetreten. Ganz die alte Geschichte von Versailles.
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[X] Berlin, 22. Juni.
Das Ministerium hat sich noch nicht vervollständigt, und wir haben jetzt die Bestätigung des Gerüchtes, daß die auswärtigen Angelegenheiten speziell vom Könige geleitet werden, ohne daß das Ministerium das Recht hat miteinzuwirken oder nur in die Depeschen zu blicken. Der Abg. Rodbertus, dem das Ministerium des Innern angetragen war, hat dies dem Abg. Balzer mitgetheilt und sich unter diesen Bedingungen auch geweigert, das Portefeuille anzunehmen. Wir erhalten täglich Nachrichten aus Schlesien, daß die dortigen preußischen Offiziere, die an der polnischen Gränze stehen, mit den russischen Offizieren fraternisiren. Sie erhalten mit Silber beschlagene Knuten zum Geschenk und freuen sich schon, diese Instrumente auf den Röcken der Berliner Reaktionärs tanzen zu lassen. Der Hof hat ein gefährliches Spiel begonnen. Wir rathen ihm, darin fortzufahren. ‒ Die hiesigen Buchdrucker werden, wenn die Prinzipale ihren Forderungen nicht nachgeben, in den nächsten Tagen wahrscheinlich wieder ihre Arbeit einstellen.
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[103] Berlin, 21. Juni.
Mit dem vor einigen Tagen hier verbreiteten Gerücht, daß 34 nordamerikanische Kriegsschiffe zur Unterstützung Deutschlands gegen Dänemark im Ansegeln seien, soll es folgende Bewandniß haben. Seit langer Zeit arbeitet Preußen für den deutschen Zollverein an Abschließung eines Handels- und Allianztraktats mit den nordamerikanischen Vereinigten Staaten. Durch den Einfluß Englands wurde der Abschluß bisher verzögert. Jetzt endlich soll der Abschluß der Verträge gelungen sein, welche zugleich die Stipulation enthalten sollen, daß die Vereinigten Staaten, gegen eine festgesetzte Remuneration, Deutschland im Kriege gegen Dänemark, und bis zur Herstellung einer eigenen deutschen Flotte, mit der ihrigen zu Hülfe kommen sollen. Demnach wird mit Hülfe Nordamerika's die schmachvolle Blokade unserer Häfen hoffentlich recht bald ein Ende nehmen. Auf dem Wege der Unterhandlung scheint dies unserm Kabinet nicht gelingen zu wollen, denn es wurden heute neuerdings Ersatzmannschaften unsern Truppen in Schleswig-Holstein per Eisenbahn nachgesandt.
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[103] Berlin, 22. Juni.
Es ist Hansemann bis diesen Augenblick noch nicht gelungen, ein neues Ministerium zu bilden. Wohin er sich auch wandte, an Rodbertus, Milde, Pinder, überall wurde er zurückgewiesen. Da auch Bornemann und Patow nicht länger im Ministerium bleiben wollen, und Schleinitz, der nur auf Empfehlung der Prinzessin von Preußen Minister wurde, selbst Hn. Hansemann zu reaktionär scheint, so fehlen ihm in diesem Augenblick wenigstens vier Mitglieder, um das Ministerium herzustellen. Man sagt sogar, daß sich Hansemann an Beckerath und Vincke, seine Mitkämpfer auf dem Rechtsboden des seligen Landtags, gewandt habe. ‒ Ueber diese Gerüchte vergißt aber der große Haufen die in Potsdam sehr thätige Camarilla. Gestern soll daselbst ein russischer Courier angekommen sein, nach dessen Ankunft sogleich mit seiner Hinzuziehung ein großer Familienrath gehalten worden sei, nach dessen Beendigung alle Mitglieder mit fröhlichem Gesichte und der Aeußerung sich entfernten, daß man nun allen Eventualitäten mit Ruhe entgegen sehen könne. Die russischen Depeschen sollen die Versicherung gebracht haben, daß Rußland Alles für das Interesse des königlichen Hauses thun werde.
Es stehen uns große Ereignisse bevor. Russische Soldaten an der Gränze äußern bei Besuchen der diesseitigen Bekannten, daß sie nur als Freunde zu uns kommen wollen, da ja Rußland und Preußen verschwägert seien. In den Garnisonen von Pommern und Posen werden die Soldaten von den Offizieren auf den Besuch der Russen vorbereitet, daß sie nur als Freunde kämen, um den König, der von den Berlinern streng bewacht würde, zu befreien. Kommt nur immer heran, ihr russischen Armeen, damit endlich die Entscheidungsstunde schlägt.
Heute Abend findet eine große Volksversammlung vor den Zelten statt, die vom demokratischen Klub wegen Abdankung des Ministeriums ausgeschrieben ist, wobei aber auch die in Folge der Zeughauserstürmung vorgenommenen Verhaftungen zur Sprache kommen werden.
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[^+_*] Berlin, 22. Juni.
Herr v. Meyendorf, der russische Gesandte, ist unter dem Vorwande von hier abgereist, daß sich die russische Regierung mit der preußischen wegen der dänischen Angelegenheiten in Spannung befinde. In der Wirklichkeit aber hat er sich, mit Instruktionen, die er aus Potsdam selbst abgeholt, nach Petersburg begeben, um dort mit Hrn. Pfuel vom „Höllenstein“ fördersamst die geeignetsten Pläne ausbrüten zu helfen, wie die alte Wirthschaft in Deutschland auf's Schnellste wiederherzustellen und durch welche Mittel das gestürzte System „von Gottes Gnaden“ und der „väterlichen“ Regierung zu kräftigen und gegen jeden Neuerungsversuch des beschränkten Unterthanenverstandes zu sicheren sei.
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[125] Breslau, 20. Juni.
Jetzt fangen eine Menge Bürger an, sich die Augen zu reiben bei den Nachrichten aus dem Posen'schen. Früher waren sie im herzlichsten Einverständniß mit allen Niederträchtigkeiten, die dort unter der Obhut eines Colomb, Steinäcker, Beurmann und Pfuel (von Höllenstein) von einer fanatisirten Soldateska gegen die Polen ausgeübt wurden. Jetzt merken sie beinahe, daß sie sehr bald selbst mit ihrem eigenen Gut und Blut werden ausbaden müssen, was im Großherzogthum eine Anzahl preußischer Beamten, deutscher Gutsbesitzer, Landräthe und Distriktskommissarien, in Verbindung mit jüdischem Schacher-Fanatismus und den Leitern der Reaktion in Potsdam, Berlin, Pommern etc. eingerührt haben. Man begreift jetzt allmählig, daß die Polen nach der ihnen widerfahrenen und noch fortdauernden entsetzlichen Behandlung, von gerechtem Rachegefühl aufgestachelt, sich den einziehenden Russen anschließen und Vergeltung suchen werden an den Deutschen. Um ihre Wuth auf's höchste zu entflammen, noch zu steigern, wenn dies überhaupt möglich: fahren Offiziere und Civilbeamte unermüdet in ihrer christlich-germanischen Liebesarbeit fort. Wir wollen blos ein paar Beispiele anführen.
In Czarnikau läßt der Major Griesheim mit einer Wollust fortprügeln, die nur ein ächt „preußisches Gemüth“, mit Gott für König und Vaterland, ganz erfassen kann. Gleiche Heldenthaten verrichtet ein anderer Preußenheld, der kommandirende Landwehr-Offizier in Chod-Ziesen, der die Bauern, welche keine Waffen ausliefern, weil sie keine verborgen haben, in solcher Art mit Prügeln traktiren, daß selbst der beste Knutenschwinger Rußlands über seine eigene Stümperhaftigkeit beschämt dastehen müßte. Lieutenant Oppen veranstaltet die nämlichen königlich-preußischen Amüsements in Schneidemühl. Leuten, die angeschuldigt waren ‒ von Untersuchung und Beweisen kann natürlich bei jenen preußischen Patrioten keine Rede sein ‒, daß sie im Kreise von Bekannten sich unehrerbietig gegen den König geäußert, läßt er 20-30 Stockprügel aufzählen. Der Lehrer Zoch, der Theilnahme an einem Komplott beschuldigt, erhält sofort 24 Stockschläge und wird dann nach Bromberg abgeführt. Bis Grabow bringt ihn ein Unteroffizier und ein Gemeiner des Schneidemühler Landwehr-Bataillons. Dort wird er 2 Dragonern überliefert, die ihn zwischen sich mit starken Stricken und mit jedem Arme an ein Pferd binden. Sein Schmerzgeheul war entsetzlich. Die Umstehenden riefen: „Schlagt ihn doch wenigstens gleich todt!“ aber die christlich-germanische Tapferkeit ritt mit ihm ungerührt davon.
Wie sich von selbst versteht, geht General „Shrapnell“ (sonst v. Hirrschfeld geheißen) mit bestem Beispiele voran. Bei seinem Einrücken in Znin ließ er 3 Bürger vorführen; sie verlangten, erst gehört zu werden. Sie kannten den Mann schlecht. Er ließ sie sofort auf Schütten Stroh binden und ihnen vor dem Rathhause 25 resp. 50 Stockprügel geben. Der Eine hatte 3 Zeugen seiner Unschuld vorgeschlagen; der General v. „Shrapnell“ rief: „Ei was, die Zeugen werden später vernommen werden; jetzt schlagt langsam und stark!“ Auf seinem weitern Zuge ließ er 3 Wirthen in Gora, mit Namen: Sokola, Kostrzycki und Nowak, jedem 50 Hiebe aufzählen. Wofür? Das weiß bis jetzt Niemand. Wahrscheinlich aber hier, wie überall, damit die Polen praktisch den ganzen Umfang preußischer „Intelligenz“ und „Humanität“ kennen lernen und ihre letzte Hoffnung auf den russischen Schwager setzen.
Der Unteroffizier Bauer vom 2. Bat., 18. Landwehr-Reg., hat sich zwar auch ausgezeichnet, aber auf humanere Weise. Er erschoß nämlich einen Bauer, der auf einem Felde bei Bukowice (Fraustädter Kr.) arbeitete, um, da das Bataillon nach der Heimath zurückkehrte, seinen Feldzug würdig zu beschließen. In der Gegend von Stezewo erschoß die zurückkehrende Landwehr zum Abschiede ebenfalls einen Bauer und ein Mädchen.
Das Alles sind nur ein Paar Thatsachen, die aus unzähligen ähnlichen und noch ärgern Schändlichkeiten herausgegriffen sind. Diese höllische Saat wird und muß nächstens blutig aufgehen. Dann aber erinnere sich das Volk an die Werkzeuge jener Gräuel, die den deutschen Namen geschändet haben.
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@facs0114
Posen, 17. Juni.
Man meldet aus Warschau, daß durch einen Ukas des Kaisers sämmtliche dort in der Festung gefangen gewesenen Polen in Freiheit gesetzt seyen; auch waren die nach Sibirien Deportirten begnadigt und werden auf Staatskosten in ihr Vater- zurückgebracht werden.
Den Gegensatz hierzu bilden in Posen die Liebesmaßregeln des General Pfuel (von Höllenstein.)
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@facs0114
[12] Frankfurt, 21. Juni.
Es wird weitergeredet. Ich habe mich in Resignation ergeben, als ich hörte, daß noch 100 Redner eingeschrieben seien. Täglich schreiben sich noch neue ein. Zugleich werden neue Anträge auf die Tribüne niedergelegt. Jordan hatte wohl Recht, als er die Rechte mit dem Archimedes verglich, der nur an seine Figuren dachte, als man draußen stürmte, der dem eindringenden Römer nur zurief: „Zertritt mir meine Figuren nicht.“ Die Rechte kämpft nur noch für im Land gezeichnete Figuren, aber die Linke besteht nicht aus Römern. Heute hat die Rechte ihre Koryphäen in's Feld geschickt. Der Ritter Vincke unterhielt die Versammlung eine ganze Stunde lang mit Witzeleien, so daß selbst der „edle Gagern“ zur Ordnung zu rufen sich veranlaßt fand. Der Lärm war so groß, daß mit Räumung der Tribünen gedroht werden mußte. Der Herr Vincke ist von seinen Wählern hiehergeschickt „nicht allein die Rechte des Volkes, sondern auch die der Fürsten zu vertreten,“ für die er in gewaltiger Liebe entbrannt ist. Er labt sich noch immer an dem Worte des großen Kurfürsten, welcher einst die Markaner seine „treuesten und gehorsamsten Unterthanen“ genannt hat; „wir in der Grafschaft Mark sind stolz darauf.“ Vincke's Ausspruch, „er glaube sich bisweilen eher auf einem Theater zu befinden, als in einer solchen Versammlung,“ erklärte sein Auftreten auf der Tribüne. Er schlägt den Erzherzog Johann zum Präsidenten vor. Der baierische Minister Beißler erzählt der Versammlung, daß sie hiehergekommen sei „auf Aufforderung des Bundestages, um mit den Fürsten eine Verfassung zu vereinbaren,“ und versichert uns zugleich, daß „keine Reaktion mehr möglich sei, seitdem die verschiedenen Vertreter ihre Abgeordneten hieher geschickt hätten!“ Es versteht sich von selbst, daß für ihn nur Fürsten im Centralausschuß taugen, und der Oestreicher Möhring kündigt der Versammlung sogar an, daß man in Oestreich ihrer Beschlüsse spotten würde, wenn man keine Fürsten wähle. ‒ Auf die „Vereinbarer“ folgen die „Versöhner,“ welche mit einem Vermittelungs-Antrage die ganze Versammlung unter einen Hut bringen wollen. Die Herren Schoder und Klaussen glauben, daß wenn man Deutschland einigen wolle, man mit der Versammlung jedenfalls den Anfang machen müsse. Eisenstuck vervollständigt den Kommissionsantrag dahin, daß er die Versammlung ersucht, für die vom Ausschuß vorgeschlagene Triarchie auch gleich 3 Hofstaaten und 3 Civillisten zu beschließen. Schaffrath droht der Versammlung, falls sie die Entscheidung über die Wahlen den Regierungen überlasse, in seine vaterländische Kammer zurückzukehren, um dort mit allen Kräften den Beschlüssen der Versammlung entgegenzuwirken. Wilh. Jordan hielt eine lange Rede voll glücklich und unglücklich gewählter Bilder, reich an Effekthascherei. Er schloß mit dem Wunsche: Gehe keiner der Anträge durch, welcher wenigstens die Souveränetät des Volkes rette, dann möchte der Antrag der äußersten Rechten durchgehen. Aus einem Meere von Blut werde dann ein Despot erstehen, welcher die Einheit Deutschlands, welche die Versammlung nicht habe schaffen können, mit dem Schwerte herbeiführen werde. ‒ An eine Vereinigung der Versammlung ist nicht zu denken, denn über den Blum'schen Antrag hinaus will die Linke nicht nachgeben. Der Kommissionsantrag, für den auch Flottwell und Lindenau heute auftraten, scheint indeß gefallen zu sein.
Die morgige Sitzung ist wegen des Feiertages auf Nachmittags 4 Uhr anberaumt.
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@facs0114
[15] Frankfurt, 22. Juni.
In Folge eines Uebereinkommens zwischen den Parteien haben wir morgen den Schluß der unerquicklichen Debatten zu erwarten. Ueber 9 verschiedene Anträge wird abgestimmt werden, für jeden Antrag werden 2 Redner sprechen, wir haben also noch 18 zu hören. Wohin sich die Entscheidung wenden wird, läßt sich noch nicht voraussehn; die Linke und äußerste Linke werden sich bei dem Blum-Trützschler'schen vereinigen. Für den Vincke'schen Antrag erhob sich heute zwar eine große Zahl Mitglieder, ich bezweifle aber, daß sich die Mitte bis dahin drängen läßt. Etwas Halbes ist das wahrscheinliche Resultat.
Von den heutigen Rednern verdient eigentlich nur Hr. Jacobus Venedey Erwähnung. Er meinte, die Versammlung die eigentlich ganz einig, sie sei nur uneinig über die Bedeutung der gebrauchten Schlagworte. Um nun diese latente Einigkeit wirklich in's Leben zu rufen, begann er der Versammlung das Verständniß des Wortes „Revolution und Republique unue et indivisible“ zu eröffnen. Nach des Hrn. Jacobus Erwartungen wird sich die Versammlung morgen also einstimmig für einen Antrag erklären. Auf die Verhandlungen der National-Versammlung über die Centralgewalt können wir erst näher eingehn, sobald uns die stenographischen Berichte vorliegen. In alter Reichstagssaumseligkeit werden diese Berichte 5-6 Tage zu spät ausgegeben. Anmerkung der Redaktion.
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@facs0114
Tarnowitz, 17. Juni.
Bereits seit acht Tagen, wo sich hier das Gerücht verbreitet, daß große russische Truppenmassen gegen unsere Gränze im Anmarsch und die Brücken über das Gränzwasser auf Befehl der russischen Regierung schleunigst reparirt, theils auch neue geschlagen werden, gehen täglich von der hier stationirenden Kompagnie des 22. Landwehrregiments des Tags und des Nachts 5 Mann mit einem Unteroffizier an die Gränze, um daselbst den Stand der Russen zu beobachten. Die rückkehrenden Patrouillen erzählen, daß das an der Gränze stehende russische Militär stets freundlich sie begrüße und ihnen versichere, auf sie nicht zu schießen, „sie seien ja Schwägersleute.“ Heute marschirte die ganze Kompagnie an die polnische Gränze, um dieselbe zu recognosciren. Gestern wurden die deutschen Kokarden dem Militär hier wieder abgenommen, doch wahrscheinlich nur wegen des heutigen Marsches. Die hiesige Kompagnie hat die Ordre, sobald russische Truppen über die Gränze kommen, sich sofort zurückzuziehen und mit den andern in Oberschlesien jetzt stationirten Truppen sich zu vereinigen. Wie mir von einem Augenzeugen erzählt wurde, sind in voriger Woche mit einem Bahnzuge von Warschau 40 Kanonen nach Czenstochau gebracht worden. Ganz Polen, zumal an unserer Gränze, soll sehr kriegerisch aussehen, jedoch auch das russische Militär, selbst die Offiziere, wissen nicht, zu welchem Zwecke die großen Rüstungen?
‒ Die Gazeta Krakowska meldet aus Petersburg, daß die dortigen Garden den Befehl erhalten hätten: am 15. Juni gegen die polnische Gränze aufzubrechen. Am 15. Juni wurde, demselben Blatte zufolge, der Fürst Paskiewitsch und Graf Orlow im Krakauischen erwartet; der Extrazug der dortigen Eisenbahn, auf welchem die Genannten das krakauische Gebiet durchreisen würden, würden, war bereits bestellt. ‒ Ferner schreibt uns ein Correspondent aus Brieg vom 17. Juni: daß dort sowohl als in den meisten Orten längs dem rechten Oderufer Alles in Allarm sei vor Besorgniß, daß die Russen bald erscheinen möchten. Man wollte das wissen, daß sich an der Gränze zwischen Kempen und Myslowitz ein großes Russenheer zusammengezogen habe. Seit 14 Tagen ist bereits der russischen sowie der preußischen Diese besteht in der genannten Gegend nur aus einem 400 starken Landwehr-Bataillon, welches in 4 Städten vertheilt garnisonirt. Gränzbesatzung untersagt: mit einander zu verkehren, was bis jetzt auf ganz freundschaftliche Weise geschah. (Will man durch dies Verbot verhüten, daß etwa Nachrichten über die jenseitigen Vorgänge die Gränze überschreiten möchten?) ‒ Ferner will einer unserer Correspondenten in Ostrowo die authentische Nachricht brieflich aus Kalisch erhalten haben: daß 60,000 Russen binnen wenigen Tagen die preußische Gränze überschreiten würden, um das Großherzogthum Posen zu besetzen. Ja noch mehr, die russischen Truppen sollen bereits durch ein Manifest hiervon Kenntniß erhalten haben. Endlich meldet uns einer unserer Posener Correspondenten: daß die Preußen unmittelbar bei Thorn eine Schiffbrücke über die Weichsel geschlagen, die Russen aber 5 Meilen weiter hinauf dasselbe gethan haben. Daß aber in Thorn wirklich ernste Befürchtungen vor einer baldigen Belagerung vorhanden sein müssen, beweist der Umstand, daß im Thorner Wochenblatt den Bewohnern jener Stadt der Rath ertheilt wird: sich jetzt, da die Festung armirt und die Besatzung mit Proviant versehen sei, in Zeiten mit Lebensmitteln, wenigstens mit einem angemessenen Vorrath von Roggenmehl zu versorgen.
[(A. O. Z.)]
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Edition: [Friedrich Engels: Demokratischer Charakter des Prager Aufstandes. In: MEGA2 I/7. S. 172.]
[*] Prag.
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[*] Wien, 20. Juni.
Der Kaiser wird die konstituirende Versammlung nicht in Person eröffnen, sondern durch den Erzherzog Johann eröffnen lassen. ‒ Eine Ablösungsordnung für Illyrien ist erschienen, welche sich von den bisher in Deutschland eingeführten Reglements für Verwandlung der Feudallasten in Geldrente wenig unterscheidet.
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@facs0115
[39] Wien, 19. Juni Nachmittags.
So eben wird in der ganzen Stadt Generalmarsch geschlagen und Militär und Nationalgarden ziehen gegen die Arbeiter, welche an die Linien heranrücken. Die früher eingetretene Beschwichtigung der Arbeiter hat also nicht lange vorgehalten.
Italien.
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@facs0115
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 25. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 174.]
[**] Rom, 13. Juni.
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 25. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 174.]
Rom, 13. Juni.
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 25. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 174.]
Florenz, 10. Juni.
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 25. Juni 1848. In: MEGA2 I/7. S. 174.]
[*] Turin, 16. Juni.
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@facs0115
[*] Neapel.
Mehrere Crociati, die theils wegen Wunden, theils wegen andern Krankheiten, nach Neapel zurückkehrten, sind sofort in's Gefängniß geschleppt worden. Ihr Verbrechen ist, gegen die Oestreicher gekämpft zu haben.
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@facs0115
[*] Bologna, 13. Juni.
Ein hiesiger Bürger hat mit Durando und Lentulus gesprochen, und von ihnen erfahren, daß die Bevölkerung von Vicenza, als sie viele ihrer Häuser von den feindlichen Bomben in Brand gesteckt sah, den Durando zur Kapitulation gezwungen hat. Der tapfere General zerbiß sich die Hände vor Wuth und Verzweiflung.
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@facs0115
Bologna, 10. Juni.
Es sind hier an 40 polnische Offiziere eingetroffen, denen bald ein polnisches Bataillon von mehr als 600 Mann folgen wird. Sie kommen, nachdem sie durch den Verrath der preußischen Regierung zum Verlassen des Großherzogthums Posen gezwungen worden, um an dem Kampf für die Sache Italiens Theil zu nehmen. Sie sind vom Ministerium in Rom herzlich willkommen geheißen.
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@facs0115
Civitavecchia, 12. Juni.
Ich habe sichere Nachrichten, daß das 2. Linienregiment und das 1. Bataillon Jäger, die nach Kalabrien geschickt wurden, bereits zu den Insurgenten übergegangen sind. Messina wird bombardirt. Vorgestern Abend gingen neue Truppen nach Kalabrien ab. Neapel steht auf dem Punkte, abermals bombardirt und von den Lazzaroni geplündert zu werden.
[(Il Contemporaneo.)]
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@facs0115
[**] Neapel, 8. Juni.
Das unter heutigem Datum veröffentlichte Gesetz über die Reorganisation der Nationalgarde ist ein neuer Beweis von der Heimtücke, mit der „Ferdinando Borbone“ (wie ihn die italiänischen Blätter nennen), die unverschämtesten absolutistischen Zwecke unter den konstitutionellsten Redensarten zu verbergen sucht, „In Betracht, daß sofort eine neue Nationalgarde gebildet werden muß, um den ehrenvollen Dienst wahrzunehmen, den ihr die Gesetze auferlegen, sowohl bei den Wahlkollegien, die auf den 15. d. M. berufen sind, wie bei den gesetzgebenden Kammern, die am 1. des nächsten Monats feierlich eröffnet werden“ … dekretirt Ferdinand, daß in jedem der 12 Bezirke der Stadt Neapel eine Kompagnie Nationalgarde von 200 Mann gebildet und in drei Bataillone eingetheilt werden, die der Fürst v. Fondi, der Kav. Don Ant. Donnorso und Don Gennaro Pandolfelli befehligen sollen. „In jedem Bezirk wird ein Comité von vier Notabeln, die der Intendant der Provinz ernennt, binnen drei Tagen die nöthigen 200 Mann aus den Reihen der ehemaligen (guardia d'interna sicurezza) auswählen und dabei diejenigen hinzuziehen, die der Klasse der Hausbesitzer, der Beamten und der ansässigen Handwerker und Kaufleute angehören, und durch ihr Betragen der Aufrechthaltung der Ordnung und der Konstitution vom 10. Februar Garantien bieten.“ Diese 12 Kompagnien wählen dann ihre Offiziere und Unteroffiziere selbst.
Dies Dekret, das „auf Antrag des Ministers des Innern“ verfaßt sein soll, aber von keinem Minister kontrasignirt ist, schafft also unter dem Namen von Nationalgarde eine vollständige Polizeigarde. Die großen Bourgeois und die Beamten, die ihren Kern bilden, müssen sich zu diesem Gensdarmerie-Institut hergeben, und als ob ihre gesellschaftliche Stellung nicht schon hinreichende Garantien für die absolutistischen Gelüste des Königs böte, wird noch besonders dafür gesorgt, daß nur die „Bestgesinnten“ hinzugezogen werden. Ferdinand, nicht zufrieden mit seiner Schweizergarde und Armee, hat nun auch seine Partei in der Stadt Neapel militärisch organisirt. Die Wahlkollegien und die Kammern werden unter einer von 2400 servilen Bürgerbajonetten getragenen Diktatur stimmen.
Aber trotz alledem wird er den Gang der Revolution nicht aufhalten.
Französische Republik.
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@facs0115
[39] Paris, 22. Juni.
Der Groll der Massen steigt. Die Brigadiers der Nationalateliers (jetzt haben sie auch einen eigenen Klub) erlassen so eben eine Affische an Herrn Goudchaux, worin es heißt : „Herr Bankier, Sie freilich wären hoch erfreut, wenn die für die Ateliers der französischen Nation bestimmten Schatzgelder hübsch seitwärts in die Privatkassen der Industriellen flössen, die damit ja die fälligen Commercebillets abzahlen könnten. Aber bedenken Sie, Herr, daß wir auf den Barrikaden uns das ewige Anrecht auf Arbeitssicherung von Seiten der Republik erfochten haben. Sie freilich meinen, wir könnten 6 oder 8 Fr. bei Privaten verdienen, und zögen eigensinnig es vor, im Nationalatelier 25 Sous mit „„Nichtsthun““ zu gewinnen. Seien Sie so gütig, Herr Goudchaux, uns die Adressen der 6 und 8 Frankenarbeit zu geben. Nur ein Blinder würde läugnen, daß Sie die Nationalateliers zerstören wollen, obschon Sie sich des Wortes „Neuorganisiren“ bedienen; oh, wir verstehen das nur allzu gut! Lügen auf Lügen trägt man über uns im Publikum herum, bald sollen wir dies, bald jenes verlangen oder verweigern. Aber wir sagen Ihnen ein für alle Mal, wir wollen nur drei Dinge: gute zweckmäßige Arbeit für Alle, guten Absatz und Tagelohn, endlich gute Versorgung in Krankheit und Alter. Sie wehklagen über das Loos des Kaufmanns, des Zwischenhändlers; was soll aber aus uns werden? wir zählen über hunderttausend in Paris allein, wo wir Ihnen Barrikaden bauten.“ ‒ Der „Accusateur public“ von Alfons Esquiros fragt: „Ihr Herren Ritter von der Chaussée d'Antin, ihr edeln Spieler au Lansquenet, die ihr unter L. Philipp so weidlich Escroquerie triebt, hier mit 4000, da mit 6000 Franken die Kleider- und Putzbazars betrogt, wie könnt ihr's doch wagen dem Ouvrier heute sein sogenanntes Nichtsthun vorzuwerfen?“ ‒ Der „Pilori“ bringt eine große Vignette, wo Herr Adolph Thiers am Pranger steht mit Brille und lächelndem Gesichtchen: „L. A. Thiers, geb. 1797, 16. April (26. Germinal, Jahr V) zu Marseille, ist verurtheilt zur öffentlichen Ausstellung und Brandmarkung, als schuldig der Undankbarkeit, Intrigue, Geschichtsverfälschung, Lüge, Plünderung des Staatsschatzes, des Blutvergießens und des Hasses gegen unsere demokratisch-sociale Republik. Er gleicht dem indischen Reisenden in jenem Mährchen, der sich an die schönste Tafel setzt, satt speist, und beim Fortgehen Gift auf alle Gerichte streut. Er ist ein Figaro, der jedem Meister sich vermiethet und kratzfüßelt und hinterdrein ihn verräth; anfangs hieß er bloß Macchiavel die Milbe, oder Mirabeau die Fliege; später lernte er Millionen Franken taschenspielern, Zwanzigpfünder gießen, Menschen abschlachten, die Presse maulkorben; das war ein handgreiflicher Fortschritt. Bevor dieser Heros jedoch den Präsidententhron besteigt, möge er den Thron der Infamie, hier diesen Pranger, genießen.“
Held Bonaparte hat nur deshalb abgedankt, um bei den in Kurzem statthabenden Ersatzwahlen einige hunderttausend Stimmen mehr zu bekommen; an verschiedenen Wahlorten wird wieder tüchtig für ihn geworben. Die ganze Bonapartische Sippschaft ist jetzt auf den Beinen; die zwei auf den Repräsentantenbänken bereits sitzenden, aus Korsika, waren gleichsam die Vorposten; jetzt hat man den Sohn des Königs v. Westphalen zum Obersten der II. Nationalgardenlegion proponirt; Duelle fallen auch schon vor zwischen seinen Anhängern und den Lamartinisten. ‒ Die Reaktion zeigt sich auf allen Ecken; z. B. reklamiren jetzt die Portiers vom Tuilerienschloß und Palais National 16,000 Franken Entschädigung für eingeschlagene Fenster u. s. w.; man hatte nämlich philanthropisch genug diese louisphilippschen Bedienten nach dem Februar in ihren Sinekuren belassen. Das Gerücht geht, Marrast wolle die Säle der Ouvrierklubs schließen; die „Republique rouge“ bemerkt hiebei: „Maire von Paris war einst ein Péthion, und ein Bailly; unsere Väter brachen den Stab über sie; möge der Maire Marrast sich danach richten. Schön ist es wenn man väterlich geprügelt wird; schöner noch wenn man brüderlich im Namen der Republik gefoppt wird; die republikanische Garde, diese 2600 Wackern, die unser Caussidiere auserlesen, sind jetzt reorganisirt, d. h. man hat ihre 150, selbstgewählten Offiziere abgesetzt und Municipalgardenoffiziere oder deren Gleichgesinnte mit der Epaulette geschmückt; man hat manchen Soldaten verabschiedet und Expolicisten einrollirt. Aber Geduld, es kommt gewiß bald noch schöneres, liebe Pariser.“
Der „Tocsin des Travailleurs“ ruft: „Herr Victor Hugo, ein Wort zwischen uns: Sie sind ein Napoleonist, ein Phrasenmacher, ein Volksfeind; in Ihrer langgezogenen Predigt haben Sie geschickt wie ein Jesuit die Ansicht ausgesprochen, die Leute der Nationalateliers seien eigentlich die Pariser Lazzaroni. Wir danken Ihnen, edler Dichter, für diese Infamie. Ha, der hohe Akademiker bückt sich, hebt die Steine auf, die Bourgeoishänden entfallen sind, und wirft nach dem Volke! Bravo. In wenig Tagen werden Tausende von Ouvriers aus Paris in die ferne Sologne marschiren müssen à einen Fr. per Tag, um dort Kanäle zu stechen, d. h. den pariser Bourgeois vom Alpdruck zu befreien; jetzt sind diese Werbungen freiwillig, bald sind sie gezwungen, und keiner darf sein Nationalgardengewehr mitnehmen, merkt's wohl. Und vergeßt nicht was Sibert uns in seinen Affischen zuruft: Die Thiere alein brauchen einen Herrn. Ihr wißt, die Zeitung der Nationalassemblee sagt: mit Lyon muß man endigen wie mit Paris. Ihr habt Alle gelesen daß die Bauern sich bethören lassen und einen Kaiser verlangen wegen der 45 Centimen; wenn Ihr in die Landes und Sologne kommt, belehrt sie eines Bessern; sagt ihnen sie sollen den Landvermessern in's Gesicht lachen, welche von den Royalisten in den Süden geschickt werden und aussprengen: die kommunistische Partei in Paris lasse schon jetzt die Aecker neu ausmessen, da die Bodentheilung nächstens losgehe. Klärt die armen Egoisten auf!“
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@facs0115
National-Versammlung. Sitzung vom 22. Juni. Präsident Senard eröffnet dieselbe um 1 Uhr. Champrant dringt auf Wiederinkraftsetzung der Verordnung vom 10. Juni 1793 rücksichtlich der Gemeindegüter. Antony Thouret legt seinen Antrag auf Aufhebung des Tabakmonopols vom 1. Januar 1849 an vor. Dann debattirte man sich lange über den Antrag auf Gleichstellung der in Algerien ansäßigen Majorennen Franzosen; Isambert wollte sogar für diesen Gegenstand eine Dringlichkeitserklärung erwirkt sehen; allein die Versammlung zeigte damit keine solche Eile und ließ den Antrag vorläufig liegen. Admiral Casy bestieg dann die Tribüne, um der Versammlung anzuzeigen, daß er diesen Morgen Depeschen aus den Antillen erhalten, die ihm melden, daß auf Martinique und Guadeloupe ein allgemeiner Sklavenaufruhr ausgebrochen sei, daß sich die Eigenthümer der Pflanzungen durch die Flucht hätten retten müssen, und daß endlich der Gouverneur gezwungen worden sei, die Freiheit der Sklaven an beiden Orten auszusprechen. (Stimmen zur Rechten: Für das vergossene Eigenthümerblut ist die provis. Regierung verantwortlich! Zur Linken: Schweigen Sie! Schweigen Sie!) Mehrere Glieder hätten wo möglich gern sofort eine Anklage gegen jene Freiheitsdekrete geschleudert; allein sie sahen sich nicht unterstützt und die Versammlung kehrte nach ein Paar Minuten über Latrade's Arbeiter-Antrag, zur Getränkesteuer zurück. Das Gesetz der provis. Regierung vom 31. März wird mit dem 10. Juli abgeschafft und der Entwurf des Finanzausschusses genehmigt. Neue Niederlage der vorigen Regierung.
Perrée, achtbarer Epicier und Miteigenthümer des Siecle, erhielt dann das Wort zu seiner Interpellation. Ich will mich nicht als Werkzeug von Journalgerüchten und sonstigen Ausfällen enttäuschter Hoffnungen hinstellen, aber wenn man in fast allen Blättern solche Anschuldigungen liest, wie sie die Assemblee nationale im Boissy'schen Briefe aus Florenz, so glaube ich der Regierung eine Gelegenheit zu verschaffen, den guten Ruf unserer Vertreter im Auslande zu retten.
Bastide, Minister des Auswärtigen, dankt dem Vorredner und erklärt, daß ihm die beantragte Reinigung des diplomatischen Corps um so leichter sei als er sich hierin vom Ausschuß für's Auswärtige fleißig unterstützt sehe. Die Versammlung schritt dann zur wichtigsten aller Tagesfragen, nämlich zur Eisenbahn-Expropriation. (4 Uhr.) Die Eisenbahnfrage glich eigentlich schon einer ausgepreßten Zitrone, noch ehe sie zur Diskussion kam. Die Presse hat sie bereits durchgepreßt und man kann sagen, daß wenig Saft mehr übrig bleibt. Die Kapitalisten sind gegen, die Proletarier für die Expropriation im Allgemeinen. Das ist die äußere Stimmung.
Montalembert, Chef der ultramontanen Partei, sprach über anderthalb Stunden. Es war sehr erbaulich, den bekannten Jesuitenfreund über Staatsökonomie statt über aargauische oder luzerner Klöster sprechen zu hören. Der Staat, bewies er, dürfe weder als Producent, noch als Ausbeuter, noch als Kommissionar, noch als Industrieller auftreten. Er könne ihm höchstens das Post-, Salz- und Tabaksmonopol zugestehen. Sich des Eisenbahn-Eigenthums bemächtigen, heiße sich dem Kommunismus in den Rachen stürzen. Die Maschine ergriff erst den Zipfel des Kleides eines Kindes in der Fabrik und riß dann das Kind selbst hinab, rief der Redner. Heute nimmt man die Eisenbahnen, morgen wird man alles übrige Associationseigenthum ergreifen. Was der Redner am meisten noch fürchtet, sind die Arbeiterarmeen, welche die Expropriation nothwendig zur Folge haben werden und die eine fürchterliche Macht in den Händen der Expropriation sein werden. Der Redner donnerte noch fürchterlich gegen diese Eiegnthumangreifer um 61/2 Uhr und las Proudhonsche und Lerouxsche Artikel.
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@facs0115
Paris, 22. Juni.
Bethmonts, des Justizministers, ungleiche Gerechtigkeits-Elle macht sich besonders der demokratischen Presse fühlbar. Seit einigen Tagen durften die Proletarierblätter: 1) der liebenswürdige Fauburger, Journal der Kanaille, 2) la Republique Rouge, 3) Journal des Sans-Culottes, 4) le Tocsin des Travailleurs, 5) le Bonnet Rouge u. s. w. nicht mehr aus gerufen werden. Die Assemblée nationale le Lampion und ein Haufen anderer reaktionärer Blätter, die hinter unschuldigen Titeln viel blutsüchtiger als jene Volksblätter sind, treiben dagegen ihr reaktionäres Handwerk ungestört fort.
‒ Das Ministerium des Auswärtigen hat gestern von hier eine Note an den Vertreter der Republik in Berlin abgehen lassen, worin die Vollziehungsgewalt gegen die jüngste Theilung des Großherzogthums Posen protestirt.
‒ Das Dekret, das von der Nationalversammlung die zur Mobilisirung von 300 Bataillonen Bürgerwehr nöthigen Kredite verlangt, hat unter dem hiesigen diplomatischen Corps große Aufregung verursacht. Dasselbe versammelte sich und ließ durch seinen Aeltesten, v. Brignole-Sales, Gesandten von Sardinien, bei dem Minister des Auswärtigen die Anfrage stellen, was diese allgemeine Nationalbewaffnung zu bedeuten habe und wie sich dieselbe mit den Versicherungen des Friedens und der europäischen Ruhe vertrüge? Bastide, Minister des Auswärtigen, hat darauf geantwortet: Diese Bewaffnung sei eine Maßregel allgemeiner Vorsicht, die durchaus keine Tücke berge (qui ne clache aucune arriére-pensée). Die Republik beabsichtige weder herauszufordern noch anzugreifen.
‒ Gestern und heute sollen zwei von den Maßregeln ausgeführt werden, welche zur Auflösung der Nationalwerkstätten führen und von der Nationalversammlung mit so großem Eifer angenommen wurden. 1) Die Arbeit auf Stück, à la tâche. 2) Die Aushebung aller jungen Arbeiter von 18 bis 25 Jahren für die Armee. Die erste Maßregel hat bereits gestern zu einer bedrohlichen Spaltung unter den Arbeitern selbst, in den Nationalwerkstätten von Puteaux, zwischen Neuilly und Suresne etc. etc. geführt und hätte sicher mit einem Blutbade geendet, wenn Trelat, der Staatsbautendoktor, nicht drei Bataillone der Mobilgarde aus der Courbevoie-Kaserne und 2 Regimenter Infanterie im Voraus auf den Platz gestellt hätte. Die Einen, durch den höheren Lohn verlockt, wollten arbeiten à la tâche, die Mehrzahl hielt jedoch an dem sozialistischen Gleichheitsprinzipe Louis Blanc's fest.
Wie das (russische) Aushebungssystem gelingen wird, darüber werden wir nächster Tage berichten.
Großbritannien.
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@facs0115
[*] London, 22. Juni.
Wir lieferten gestern den Anfang der Mittwochs-Sitzung des Unterhauses. Die weitern Debatten waren so ohne alles Interesse für's Ausland, daß man damit erst kein Papier zu verschwenden braucht.
‒ In der City wird nach Privatbriefen aus New-York behauptet, daß der Befehl zum Abmarsch der amerikanischen Truppen aus Mexiko bereits erlassen sei.
‒ Konsols für Rechnung 835/8, 3/4.
‒ Der am Hofe von St. James thätige Bevollmächtigte Dänemarks, Hr. Reetz, hat erklärt, daß seine Regierung die Vermittelungs-Vorschläge Englands, in Betreff der deutsch-dänischen Angelegenheiten, nicht annehmen könne. Die darüber gepflogenen Unterhandlungen sind demnach völlig abgebrochen.
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@facs0115
[*] London, 22. Juni.
Für Weintrinker eröffnet sich in der südlichen Hemisphäre eine glänzende Aussicht. Nach „Landor's Bushman“, unterliegt es gar keinem Zwei fel, daß West-Australien einst ein großes Weinland werden wird. „Seine Weingärten“, heißt es in dem Journal, „gewinnen jedes Jahr an Umfang und Zahl. Das Produkt besitzt eine Qualität, die uns glauben läßt, daß es, wenn man hier erst besser die [0116] Kunst der Zubereitung versteht, als eins der feinsten gewürdigt werden wird. Es wird indeß eine ganz neue Art Wein sein und deshalb manche Vorurtheile in Europa zu besiegen haben, ehe er zur völligen Anerkennung gelangt. Boden und Klima sind die Elemente, die dem Wein seine Eigenthümlichkeit verleihen. Reben von Madeira, in einem andern Lande, wenn auch in entsprechender Breite und in Boden von möglichst gleicher chemischer Beschaffenheit gepflanzt, bringen ein materiell von dem sogenannten Madeira verschiedenes Getränk hervor. Desselbe ist mit den Reben von Xeres, Oporto etc. der Fall. So bringt auch West-Australien einen Wein sui generis hervor. Was ich bis jetzt davon gekostet, zeigte die Eigenthümlichkeit, daß das Getränk nicht den Kopf affizirt oder ins Gesicht steigt, sondern eine höchst angenehme Wärme im Magen erzeugt. Die hiesigen Arbeiter ziehen es jedem andern vor. Jeder Ansiedler legt bei seinem Gute einen Weinberg an.
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@facs0116
Oldham, 19. Juni.
Gestern fand hier ein besuchtes Chartistenmeeting statt. George White, der alte Anführer von Bradford, trat auf und forderte das Volk auf, sich mit Feuer und andern Waffen zu versehen, um seine politischen Rechte vertheidigen zu können. Er wußte daß die Gerichte auf ihn fahndeten aber die Polizei wagte nicht ihn zu verhaften, aus Furcht vor dem Volk. Denunziationen wegen seiner Rede sind bereits heute bei den Friedensrichtern deponirt worden.
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@facs0116
[28] Liverpool, 20. Juni.
Der ganze von den Herren Cobden, Hume und Konsorten ausgehende Spektakel mit einer neuen Parlamentsreform verfehlt auf die einsichtsvolle Masse der Arbeiter die beabsichtigte Wirkung. Er hat nur den, daß die Chartisten sich fester an einander reihen und nebenher des ohnmächtigen Versuchs der Mittelklasse lachen, mittelst einer Scheinreform die eigentliche Arbeiterfrage auf Jahre hinaus abermals zu eskamotiren. Die Herrn von der neuen Reform sind wüthend, daß man ihre Gauselei durchschaut und sich durch ihren bürgerlichen Liberalismus nicht weiter ködern läßt. Das zeigte sich gestern hier in einem höchst zahlreichen Meeting, von der Mittelklasse veranstaltet. Mit unendlich schönen Redensarten wurde der bekannte Hume'sche Antrag als das wahre Heilmittel in jetziger Zeit gepriesen und demgemäße Resolutionen vorgeschlagen. Wider Erwarten der liberalen Herren hatten sich eine so große Menge Chartisten eingefunden, daß diese ein Amendement durchsetzten, welches die Charter und nur die Charter verlangt. Da lagerte sich eine Wolke der Wehmuth über die Antlitze der Bourgeois-Minorität und der Vorsitzende erklärte, zum Schluß sein tiefes Bedauern, das dieses Meeting durch das von den Chartisten beobachtete Verfahren so gut wie unwirksam gemacht worden.
Amerika.
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@facs0116
[122] Boston, 6. Juni.
Lowell, in Massachusetts, 25 Meilen von Boston. besitzt gegenwärtig die meisten Baumwollfabriken in den Vereinigten Staaten. Diese Stadt ist ein merkwürdiges Beispiel von der Schnelligkeit, mit der in Amerika Kolonien angelegt, Städte gebaut und bevölkert werden. Auf dem Platze, wo jetzt Lowell steht, gab es 1813 noch kein einziges Haus; jetzt zählt die Stadt schon über 40,000 E. mit großartiger Industrie. Der Krieg zwischen England und der Union, in welchem letzterer die nöthigen Fabrikate mangelten, veranlaßte zwei Spekulanten, eine kleine Baumwollspinnerei zu Lowell zu etabliren. Die Wasserkraft der beiden Flüsse Merrimack und Concord bot sich zur Benutzung. Die Fabrik kam 1826, nach mehrfachem Wechsel ihrer Besitzer, in die Hände einer Gesellschaft. Der glänzende Erfolg regte zur Bildung ähnlicher Kompagnien. Und schon 1841 schreibt Hr. Buckingham, der in Lowell einen Besuch gemacht, Folgendes:
„Es bestehen gegenwärtig hier 10 Kompagnien oder Korporationen mit einem Kapital von 10 Millionen Dollars; sie besitzen insgesammt 30 Fabriken, beschäftigen mehr als 10,000 Arbeiter, unter denen 7000 weiblichen Geschlechts. Sie zahlen monatlich 150,000 Dollars Arbeitslohn. Die im Laufe eines Jahres verfertigten Waaren haben einen Werth von mehr als 8 Millionen Doll. Die jährliche Fabrikation von Baumwollzeugen beträgt über 52 Mill. Yards; davon werden 14 Mill. gefärbt und gedruckt. Der jährliche Bedarf an Baumwolle übersteigt 18 Mill. Pfd.; außerdem wird noch eine große Quantität Wolle erfordert.“
So stand es mit Lowell vor 7 Jahren. Seitdem ist die dortige Manufaktur, namentlich im J. 1847, noch bedeutend höher gestiegen. Die Fabriken werden mit Wasserkraft betrieben. Es dient zu diesem Zweck ein im J. 1823 vollendeter Kanal, 11/2 engl. Meilen lang, 8 F. tief und 60 F. breit. Der ganze Fall beträgt 30 Fuß. Der Kanal liefert in jeder Sekunde 1250 Kubikfuß Wasser und versorgt damit 50 Fabriken, jede mit 25. Kub.-Fuß in der Sekunde.
Hr. Buckingham bemerkt noch: „Diese Wasserkraft reicht für 280,000 Spindeln und die dazu gehörigen Maschinen hin. Da jetzt erst 150,000 Spindeln auf 4800 Stühlen beschäftigt sind, so ist noch Wasserkraft für 136,000 Spindeln vorhanden. Es können somit noch 10 neue Fabriken errichtet werden, ehe man zum Dampfe seine Zuflucht nimmt.“
Vorstehendes ist nun im J. 1848 bereits in Erfüllung gegangen. Da die Wasserkraft Lowell's vollständig benutzt ist, so wird an einer neuen Baumwollenstadt, die Lawrence heißen soll, und am Merrimack, 8 Meilen oberhalb Lowell liegt, rüstig gebaut. Man hat die Absicht, diese zum Mittelpunkt der Baumwollen-Manufaktur, zum amerikanischen Manchester zu machen.
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@facs0116
[*] Mexiko, 14. Mai.
Am 6. d. M. war endlich der Kongreß in Queretaro in hinreichender Anzahl versammelt, und der Präsident der Republik, Pena y Pena, erklärt in seiner Botschaft: „er habe die Last der Präsidentschaft nur in der Hoffnung, bald Frieden für das Land zu erlangen, übernommen; er habe für unmöglich gefunden, für die Republik etwas Vortheilhafteres zu thun, als jenen Vertrag anzunehmen, zu dessen Unterzeichnung und Legalisirung die Versammlung berufen worden.“
Wie der Kongreß im Stande sein soll, der Unterzeichnung dieses Friedensvertrages auch nur einen Schein von Gesetzlichkeit umzuhängen, ist unbegreiflich. Denn die Verfassung untersagt ausdrücklich den Verkauf irgend eines Theils des Gebietes der Republik, und dieser Kongreß hat nicht die mindeste Vollmacht, Veränderungen in der Verfassung vorzunehmen. Wie kann die Föderal-Regierung für Theile des Föderalgebiets, das von souveränen und gleichberechtigten Staaten gebildet worden, sich den Kauf- oder Abtretungspreis aneignen? Die von den Vereinigten Staaten angebotene Entschädigung für die Cession von Neu-Mexiko, Kalifornien etc. müßte doch eigentlich jenen Staaten selbst zu Theil werden!
Die Mexikaner warten übrigens mit Ungeduld auf den Abmarsch der amerikanischen Armee; ist letztere fort, dann werden sie sehr bald wieder ihre „Pronunciamientos“ beginnen und sich gegenseitig bekämpfen und schlachten, bis ein anderer amerikanischer Präsident die Abtretung weiterer Gebietsstrecken verlangt. Dann wiederholen sich die Vorfälle der letzten zwei Jahre. Tampico werden, wie man allgemein glaubt, die Amerikaner nicht räumen, gleichviel, ob ein Friedensvertrag geschlossen wird oder nicht.
Eine andere Gefahr droht von den Indianern, und wird täglich größer. Die Indianer sind schlau; sie haben einen bestimmten Zweck vor Augen; das Recht ist, wenigstens nach ihrer eigenen Ansicht, auf ihrer Seite, und endlich verleiht ihnen ihre Zahl und die körperliche Kraft unter mehrern ihrer Stämme ein Uebergewicht über die kreolische Bevölkerung. So viel steht fest, daß die jetzige Regierung förmlich der Mittel wie der Energie entbehrt, einem so furchtbaren Feinde entgegen zu treten.
Handels-Nachrichten.
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@facs0116
Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
21. Juni. Gertr., T. v. Rud. Scholl. Schriftsetzer, Plankg. ‒ Rosa, T. v. Andr. Beckhausen, Nagelschm., Eigelst. ‒ Christ., T. v. Jos. Strick, Schreiner, Streitzeugg. ‒ Agnes, T. v. Joh. Karl Theod. Steinhausen, Taglöhner, Schemmerg. ‒ Joh. Hub. Mikol, S. v. Peter Schorn, Schuster, Eigelst. ‒ Anna Maria Barb. Marg., T. v. Georg Portugall, Restaurateur, Schilderg. ‒ Gertrud, T. v. Jakob Emans, Maurermeister, Kranenbäumen. ‒ Heinr. Clemens Aug. Otto, S. v. Joh. Holt, Kleidermacher, Apernstr. ‒ Elis., T. v. Heinr. Kempen, Schreiner, Krebsg.
Sterbefälle.
21. Anna Keppeler geb. Küpper, 54 J. alt, Johannst. ‒ Joh. Bapt. Hubert Hewell, 2 J. 8 M. alt, Benefisstr. ‒ Anna Josepha Xav. Cassinone, Wwe. Rougemont, 87 J. alt, v. St. Martin. ‒ Sibilla Benß, geb. Bückendorf, 48 J. alt, Weiherstr. ‒ Gertr. Ders dorf, 25 J. alt, unverh., Butterm. ‒ Joh. Ant. Hub. Cramer, 9 M. alt, Machabäerstr. ‒ Henr. Franziska Ther. Hedw. v. Steinäcker, 1 J. 10 M. 3 W. alt, Thieboldsg. ‒ Kasp. Hopper, Taglöhner, 85 J. alt, verheir., Thieboldg.
Heirathen.
21. Juni. Benj. Kohlstadt, Schnallenfabr. v. Heckinghauser Rotte und Marg. Phil. Aug. Erfurt v. hier. ‒ Karl Ferd. Bormkeßler, Kutscher, von Königsberg, und Maria Christ. Richter von Waltrop. ‒ Quirin Nierendorf, Schreiner, von Meckenheim und Gertrud Simon, v. Villip. ‒ Christ. Gans, Schuster, Wwer, von hier und Helena Karolina Klein von Mülheim. ‒ Jakob Esser, Schiffzieher und Cäcilia Capell, beide von hier. ‒ Michel Knipp, Schuster, v. Adenau und Maria Kath. Lennartz von Schleiden. ‒ Pet. Alb. Franz Decloquement, Faßbinder von Reheim und Anna Gertr. Zander von Reuß. ‒ Joh. Peter Westermann, Maurer von Traben und Elis. Roß von hier. ‒ Mich. Loeff, Hausknecht von Brey und Anna Marg. Platz von Merten. ‒ Joh. Wilh. Gangel, Dachdeckerm. und Pumpenmacher und Marg. Bernard, beide von hier. ‒ Heinr. Joseph Küpper, Taglöhner und Eva Müllers, beide von hier. ‒ Joh. Foerster, Tagl., von hier und Sophia Vornhagen von Bonn. ‒ Heinr. Falk, Fuhrm. v. hier und Marg. Odendahl v. Eil.
@typejAn
@facs0116
Brodpreis der Stadt Köln.
vom 25. Juni bis zum 2. Juli.
Ein Schwarzbrod, wiegend 8 Pfund soll kosten 4 Sgr. 7 Pf.
Köln, den 25. Juni 1848.
Königliche Polizei-Direktion.
Müller.
@typejAn
@facs0116
Schiffahrts-Anzeige. Köln, 24. Juni 1848.
Angekommen: J. P. Linz und A. Rauth von Mannheim.
Abgefahren: B. Kraus nach dem Obermain.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Joh. Linkewitz; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr A. Meyer; nach Andernach und Neuwied M. Wiebel; nach Koblenz und der Mosel und Saar Joseph Tillmann; nach der Mosel, nach Trier und der Saar M. J. Deis; nach Bingen J. B. Mundschenk; nach Mainz J. Hirschmann; nach dem Niedermain Ph. Würges; nach dem Mittel- und Obermain Seb. Seelig; nach Heilbronn H. Bechert; nach Kannstadt und Stuttgart Peter Kühnle; nach Worms und Mannheim J. B X. Sommer; nach Antwerpen M. Lamers.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Jurrius, Köln Nr. 18.
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Schüller, Köln Nr. 30.
@typejAn
@facs0116
Wasserstand.
Köln, am 24. Juni. Rheinhöhe 8′ 8″.
@typejAn
@facs0116
Bekanntmachung.
Dienstag den 27. Juni 1848, Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Flur der Brief- und Paket-Annahme circa 500 Pfund Makulatur-Papier und ein altes unbrauchbar gewordenes Felleisen öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden.
Köln, den 17. Juni 1848.
Ober-Postamt
Rehfeldt.
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Seit dem 1. Juni erscheint in der Vereins-Buchdruckerei zu Berlin und ist durch alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen: Das Volk. Organ des Central-Comités für Arbeiter. Eine sozial-politische Zeitschrift Herausgegeben von Schriftsetzer Born.
Wöchentlich dreimal. Vierteljahrspreis 183/4 Sgr.
Zu recht zahlreichen Abonnements für das beginnende Quartal laden wir hiermit ein. Die Zeitschrift behandelt außer den Interessen der Arbeiter auch die politischen Tagesangelegenheiten vom reindemokratischen Standpunkte. Einige Exemplare des Monats Juni können ebenfalls noch bezogen werden und zwar zu dem Preise von 63/3 Sgr.
Die Berliner Vereins-Buchdruckerei.
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Mailust in Deutz.
Dem allgemeinen Wunsche meiner verehrten Gäste bei Eröffnung meiner Wirthschaft nachkommend, da meine Anlage hinlänglich Raum und eine zu schöne Lage dazu darbietet, habe ich sofort Einrichtung getroffen und Anschaffungen gemacht, neben meiner Wein- und Kaffee-Wirthschaft, verbunden mit einer Oberrheinischen Restauration, auch eine Bairische Bierwirthschaft mit ausgezeichnetem Felsenbier, zu errichten, und habe dieselbe am 18. d. M. eröffnet, wozu höflichst einladet
Joseph Kost.
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A. Schaaffhausen.
Unsere Einladung vom 5. d. M. hat der gehegten Erwartung nicht vollkommen entsprochen, indem bis jetzt noch nicht alle Gläubiger dem in der Generalversammlung vom 3. d. M. beschlossenen Einigungsvertrage mit dem Handlungshause A. Schaaffhausen beigetreten sind.
Wie sehr es auch zu beklagen ist, daß durch den Mangel bestimmter Erklärungen von Seiten der zurückgebliebenen Gläubiger zum großen Nachtheile für die Gesammtheit der Kreditorschaft, für das gedachte Handlungshaus selbst und für die die Industriellen des Landes, welche der Wiedereröffnung des geschlossenen Geschäftes mit Spannung entgegensehen, alle weitere Schritte zur Erreichung des gemeinsamen Zweckes aufgehalten sind; so befinden wir uns doch in der Nothwendigkeit, eine abermalige Frist von 14 Tagen von heute an gerechnet festzusetzen, binnen welcher wir die noch fehlenden Unterschriften auf dem vorangeführten Einigungsvertrage, oder wenigstens eine Anmeldung der noch nicht beigetretenen Gläubiger mit Zuversicht erwarten.
Abgesehen von andern Rücksichten, sind die Kreditoren es sich doch untereinander schuldig, ihr Interesse durch entschiedenes Benehmen gegenseitig zu fördern. Dasselbe wird aber durch die Zurückhaltung Einzelner immer nur mehr gefährdet, welche unter Verkennung des einzelnen Vortheils zugleich eine Verantwortung gegen die Gesammtheit übernehmen.
Wir ersuchen demnach alle Gläubiger, welche in Folge unserer frühern Bekanntmachung noch nicht erschienen sind, angelegentlichst, sich längstens bis zum 3. Juli d. J. bei Einem der Unterzeichneten oder auf dem Comptoir von A. Schaaffhausen einzufinden.
Köln, den 19. Juni 1848.
Das prov. Comite der Gläubiger.
Dubyen, Hohestraße 97-99.
Kotthaus, Straßburgergasse 15.
Zimmermann, Langgasse 2.
Zwirner, Litsch am Dom 1.
Joest, Holzmarkt 43.
Giesler, Sternengasse 3.
Bel, Marspfortengasse 1.
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Zwei schön möblirte Zimmer auf dem Wallrafsplatz zu vermiethen. Die Exp. sagt wo.
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Zwei Zimmer zu vermiethen. Altenmarkt Nr. 34.
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Städtisches!
In der Rheinischen Zeitung Nr. 21 befindet sich ein Inserat im Betreff der Bonn-Kölner Eisenbahn, mit der Ueberschrift „Ist denn nichts dagegen zu machen?“ und im Text mit der Bemerkung: „Weshalb halten die zunächst Betheiligten nicht besser zusammen, dann wird wohl etwas dagegen zu machen sein!“ worauf wir uns zu erwiedern beehren, daß bereits viel geschehen ist, und es in Aussicht steht, daß die im Jahre 1843/44 unter dem alten Regiment des Klüngels und und der Despotie so rücksichtslos gesperrte Straße wieder so hergestellt werden soll, wie sie damals bestanden. Wir verweisen deshalb auf mehrere Artikel in der Kölnischen Zeitung und namentlich auf den in der zweiten Beilage Nr. 170!
Lieb wäre es uns inzwischen, wenn sich der Verfasser des obenerwähnten Inserats, der ein Freund der Wahrheit und des Rechts zu sein scheint, uns anschlösse, um mit uns gemeinsam dahin zu wirken, daß das damals von Seiten der Behörden begangene Unrecht jetzt wieder gut gemacht werde, und wir in den vollen Genuß unseres uns entzogenen Rechtes kommen.
Mehrere Betheiligte welche in der Expedition d. Bl. zu erfahren sind.
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Köln, den 22. Juni. Die veränderte Stellung der Versender zu den Transportunternehmern und die Frage, ob in dieser Beziehung Ergänzungen der gesetzlichen Bestimmungen als nothwendig zu erachten seien, hat die Kön. Handelskammer in dem Anfange d. J. veranlaßt, den Handelsstand zu Aeußerungen und Vorschlägen in dieser Angelegenheit aufzufordern. In Folge dieses trat am 25. Februar d. J. eine Anzahl hiesiger Kaufleute zusammen, welche zunächst zwar die Transportverhältnisse und deren Mängel im Auge haltend zu der Ueberzeugung kamen, daß die Berathung und Besprechung dieses Gegenstandes allein ihren Zwecken nicht entsprechen werde, sie vielmehr auch auf diesem Gebiete der socialen Frage der Sonderinteressen in ihrem Gegensatze zu den Interessen des Kapitals und des allgemeinen Verkehrs begegneten. Sie haben deshalb den Beschluß gefaßt, sich unter dem Namen: „Verein zur Verbesserung der kommerziellen Zustände,“ als offene Gesellschaft zu konstituiren, in öffentlichen, jeden Montag Abend stattfindenden Versammlungen die Lage des hiesigen Handels zu besprechen und Vorschläge zu dessen Hebung und Verbesserung zu machen.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Montag, den 26. Juni 1848, Vormittags zehn Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Altenmarkte zu Köln verschiedene Mobilargegenstände, als: Tische, Stühle, Schränke, Kommoden, Oefen, Schreibpulte, ein Kanapee, eine Ladentheke, eine Bettlade mit Bettzeug u. s. w. dem Meist- und Letzbietenden gegen baare Zahlung öffentlich verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher,
Gassen.
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Geschäfts-Eröffnung.
Wir beehren uns hiermit anzuzeigen, daß wir in dem Hause Apostelnstraße Nr. 7 hierselbst eine Liqueur- und Weinessigfabrik etablirt haben und empfehlen unsere sämmtliche in diese Fächer einschlagende Artikel en gros & en detail zu billigstem Preise.
Köln im Juni 1848.
Frank & Comp.
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Bei Gelegenheit der Columba-Kirmes empfiehlt seine Restauration nebst vorzüglichem baierisch Bier, so wie täglich Scheiben- und Vogelschießen.
J. Obladen, Streitzeuggasse 19 B.
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Mit dem 1. Juli d. J. wird nachstehendes Detailgeschäft aufgegeben und noch vorräthige Waaren unter Fabrikpreis verkauft, als:
  • Tuche in allen Farben à 25-45 Sgr.,
  • 8/4 Drap Cachemir superfine à 40 Sgr.,
  • Feine 4/4 ganz wollene Sommer-Buckskins à 22 Sgr.
  • Damentuche, alle Farben, à 20-35 Sgr.,
  • Westen, seidene Cravatten und Foulards etc. etc.
  • große Elle.
Daselbst ist das Laden-Lokal nebst Wohnung zu vermierhen.
Schildergasse Nr. 46.
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Zur Feier der St. Albans-Kirchweihe empfiehlt hiermit seine Restauration Morgens und Abends J. Zimmermann, Kaufhaus 32.
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Die so beliebten Kirschen-Torten sind täglich frisch zu 10 und 1 Sgr. das Stück zu haben, Schildergasse Nr. 49 und in meinen Nebengeschäften, Blindgasse und Cattenbug Nr. 12.
Franz Stollwerck, Hoflieferant.
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Eis täglich in und außer dem Hause à Portion 4 Sgr. bei Franz Stollwerck, Hoflieferant.
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Messingene, bleierne und eiserne Saug- und Druckpumpen werden auf jede Brunnentiefe unter Garantie angefertigt, auch findet man in meinem Lager eine große Auswahl derselben vorräthig bei Aug. Hönig, Altenmarkt Nro. 56 in Köln
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Banner und Compagnie-Fahnen mit dem Reichsadler und Stadt-Wappen, Benennung der Compagnie oder jeder sonstigen Inschrift, in Wolle und Seide, sind zu haben bei Gebr. Seligmann.
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Ist es überall Sitte, daß man die Beerdigungskosten den Geistlichen im Voraus entrichten muß. Unser Geistlicher hat mein Kind nicht eher begraben wollen, als wenn ihmdie Kosten von mir vorausbezahlt würden. Bei dem Kummer über den Tod seines Kindes muß man auch noch Aerger erdulden!
Poll, den 22. Juni 1848.
Hinsberg.
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Das wohl assortirte Lager von echtem Eau de Cologne eigener Fabrik, empfehlen zu den billigsten Preisen, J. P. Spendeck & Comp. in Köln, große Neugasse Nr. 18 nahe beim Dom und Altenmarkt.
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Eine große Auswahl von Häusern sind zu billigen Preisen zu verkaufen und zu vermiethen. Kapitalien gegen erste Hypotheke werden gesucht. Näheres bei J. P. Spendeck, gr. Neugasse 18.
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Ein hübsches Quartier von 4 à 5 Zimmern zu vermiethen, gr. Neugasse 18.
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Ein Mädchen wird gesucht für einen Spezereiladen und Hausarbeit. Ein gebildetes Frauenzimmer, mit guten Attesten versehen, wünscht als Kammerjungfer oder Haushälterin placirt zu werden. Ein Kompagnon, ein kautionsfähiger Reisender, ein Lehrling werden gesucht. Näheres bei J. P. Spendeck in Köln, gr. Neugasse 18
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Ein Oelbecken und ein Salzkasten zu verkaufen. Altenmarkt Nr. 34.
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Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.