[0137]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No. 29. Köln, Donnerstag 29. Juni 1848.
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Die „Neue Rheinische Zeitung“ erscheint vom 1. Juni an täglich. Bestellungen für das nächste Quartal, Juli bis September, wolle man baldigst machen.
Alle Postämter Deutschlands nehmen Bestellungen an.
Für Frankreich übernehmen Abonnements Herr G. A. Alexandre, Nr. 28, Brandgasse in Straßburg, und 23, rue Notre Dame de Nazareth in Paris; so wie das königliche Ober-Post-Amt in Aachen. Für England die HH. J. J. Ewer & Comp. 72, Newgate Street in London. Für Belgien und Holland die respekt. königlichen Briefpost-Aemter und das Postbüreau zu Lüttich.
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Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen der Zeitung die weiteste Verbreitung.
Zu Nr. 28 der „Neuen Rheinischen Zeitung“ ist am 28. Juni Morgens eine außerordentliche Beilage ausgegeben und versandt worden.
Französische Republik.
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Edition: [Karl Marx: Die Junirevolution. In: MEGA2 I/7. S. 208.]
[**]
Die Pariser Arbeiter sind erdrückt worden von der Uebermacht, sie sind ihr nicht erlegen.
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Edition: [Friedrich Engels: Der 25. Juni. In: MEGA2 I/7. S. 212.]
Der 25. Juni. [*]
Mit jedem Tage nahm die Heftigkeit, die Erbitterung, die Wuth des Kampfes zu.
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[Feuilleton]
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Westphalen.
Der Zufall spielt uns eine Beilage zu Nro. 67 des Osnabrücker Tagblattes in die Hände. Wir sind dem freundlichen Zufall für diese Artigkeit sehr verbunden.
Ein Aufruf an alle Westphalen, von Seiten des Dr. Phil. W. von Bruchhausen, Lieutenant, nimmt die ehrenwerthe Beilage ganz in Beschlag. Der Raum gestattet es uns nicht, den ganzen Aufruf wieder zu geben; wir halten es aber für unsre heilige Pflicht, wenigstens einen Theil dieses Dokumentes an die große Glocke zu bringen. „Westphalen! d. h. Hannoveraner, Braunschweiger, Lipper, Oldenburger und Preußen! An Euch alle muß ich ein ernstes Wort richten,“ so beginnt der Dr. Phil. W. von Bruchhausen, Lieutenant. ‒ „Ich habe aufmerksam alle Berichte der Zeitereignisse durchstudirt; ich hatte das Glück: auf verschiedenen Wegen, die ich zum Theil verschweigen muß; von den russischen Kniffen Kenntniß zu erhalten. ‒ Westphalen! Die sämmtlichen slavischen Völker (sie tagen jetzt in Prag), die seit langer Zeit von den Russen aufgestachelt sind, werden noch in diesem Jahre als unsre Feinde in Deutschland erscheinen. ‒ Selbst die Bosniaken und Albanesen, die Mohamed anerkennen, und alle andern Volksstämme der europäischen Türkei werden mit im Bunde sein ‒ ‒ Es wird sich entscheiden, ob das Russenthum, d. h. die Lüge in Staat, Kirche und Familie auch bei uns heimisch, oder ob der Deutsche wieder frei werden wird, wie unter den karolingischen Kaisern. ‒
Westphalen! Ihr werdet sogleich einsehen, daß in Eurer Heimath die Hauptschlachten werden geschlagen, und die „rothe Erde“ auf's Neue durch Blut wird geröthet werden. Die Südslaven (darunter die türkischen Stämme) werden jenseits des Sauerlandes auf Mainz und Köln, die Russen aber auf Paderborn und Minden vordringen.
Unter Gottes Beistand und mit Beihülfe der mit uns verbündeten Franzosen und Belgier werdet Ihr hoffentlich die Russen überwinden. Die Südwestdeutschen u. s. w. werden mit den Südslaven fertig.
Westphalen! Eure Aufgabe ist eine viel schwerere, denn die Russen werden geführt von Generälen deutscher Abkunft. „Aber werden dann die Russen bis zu uns Westphalen vordringen können?“ höre ich Euch fragen. Allerdings! Denkt daran, daß noch im 15. Jahrhundert die Hussiten, d. h. die eigentlichen Böhmen, die Stadt Soest belagerten, gerufen durch einen verrätherischen Reichsfürsten. ‒ Rußlands Pläne sind längst bekannt; ganz Deutschland wurde durch seine Spione bewacht; es hatte unter den Zeitungskorrespondenten überall seine Männer. Rußland wollte längst Deutschland erobern; einem einigen Deutschlande mit einem Kaiser an der Spitze ist es nicht gewachsen. ‒ Westphalen! bereitet Euch zu einem ernsten Kampfe vor; noch in diesem Jahre wird Euer Sommerkorn von fremden Kriegern geschnitten werden. Schaart Euch deswegen um Preußens König; Ihr Alle, seid der Väter Sitte treu und Feinde der Lüge. Auch Friedrich Wilhelm IV. hat nie gelogen. Westphalen! Ihr vorzugsweise unter den Völkern Europa's habt Euch der Lüge fern gehalten; Ihr allein und die Bergschotten in England seid es, welche Sehergaben haben; fast in jedem Eurer Dörfer habt Ihr Jemanden, der „Vorgeschichten“ sieht, der Häuser, Straßen, Leichenzüge, Festzüge und dergleichen lange vorher genau so sieht, wie diese später kommen werden. Westphalen! Ihr kennt alle Schlachtfelder, auf denen in diesem Jahre die „rothe Erde“ mit Blut wird getränkt werden; Ihr wisst genau (wenn Ihr Euch dessen genau erinnert, was Eure „Spökenkiker“ gesehen und vor Kurzem, vor 20 Jahren und vielleicht noch früher erzählt haben) was in jedem Dorfe passiren wird; nur der Tag des Ereignisses blieb unbekannt.
Allein auch darüber seid Ihr einigermaßen belehrt worden; Kinder und erwachsene Leute sollen in dem höhern Theile des Paderborner Landes gesehen haben, wie fremde Truppen Gerste abmäheten.
Ich wende mich daher an Euch Alle vom westphälischen Stamme! Es ist nicht allein ein Kampf um unsere Freiheit und Gesittung; es ist ein Kampf, durch den für einige Zeiten die Frage entschieden wird: Ob Europa der Barbarei verfallen und die Lüge mit allen ihren Gräueln die Oberhand behalten soll, oder ob das, was in uns Deutschen lebt, und vorzugsweise in Westphalen heimisch ist: Wahrheit in Staat, Kirche und Familie, auch in Asien sich verbreiten wird.“
Dieser Aufruf ist datirt: Münster, den 5. Juni 1848, und der ehrenwerthe Herr Verfasser, der Dr. Phil. W. von Bruchhausen, Lieutenant, fügt in einem Postscriptum noch hinzu, daß der Westphälische Merkur denselben nicht habe abdrucken wollen, weil der Inhalt des Aufrufes zu aufregend sei, als daß man die Verantwortlichkeit des Abdruckes übernehmen könne.
Ohne gerade zu den „Spökenkikern“ zu gehören, sehen wir uns doch veranlaßt, dieses Manifest eines der treuesten Söhne unsres guten, treuen Westphalens, als eine Perle westphälischer Literatur in unserm Feuilleton aufzubewahren.
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‒ Die westphälische Post hat außer guten Schinken und Pumpernickeln auch die beruhigende Nachricht mitgebracht, daß die Revolution in dem komischen Fürstenthum Waldeck die besten Früchte zu tragen beginnt. Waldeck ist ruhig, Se. Durchlaucht sieht man täglich nach dem Essen mit der Meerschaumpfeife im Munde vor dem Schloßportale auf und abwandeln grüßend jeden guten Bürger.
[0138]
[Französische Republik]
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Paris.
Schluß der Sitzung der Nationalversammlung vom 25. Juni. Die Zugänge sind mit Kanonen und einer enormen Truppenmacht besetzt. In den Seitengängen des Sitzungssaals wird eine Protestation der Bürger gegen das Dekret, das Paris in Belagerungszustand setzt, lebhaft besprochen. Um 31/4 Uhr ist die Sitzung wieder eröffnet.
Georges Lafayette, Vicepräsident: Bürger Ducoux hat das Wort, um der Versammlung Neuigkeiten mitzutheilen.
Ducoux mit der dreifarbigen Schürze umgürtet, besteigt die Tribüne:
Ich war von der Zahl der mit Durchlaufung der verschiedenen Viertel der Hauptstadt beauftragten Deputirten. Auf allen Punkten ist die Insurrektion zurückgedrängt; 5000 Musketen wenigstens sind von der Nationalgarde weggenommen und man kann auf baldige Rückkehr der Ordnung rechnen. In der Straße du Temple und in den Umgebungen des Clos St. Lazare, hat sich das Geniekorps, unterstützt von den Sapeurs-Pompiers, aller Positionen bemächtigt. Die Nationalgarden von St. Denis, die weder mit Paris noch mit der Armee in Verbindung treten konnten, haben uns ihre Dienste angeboten, mit der Versicherung, daß sie die Insurrektion vollständig beherrschten. Ein Theil der Nationalgarde von Rouen, die von der Insurrektion umzingelt war, ist befreit. Wir wissen auch, daß eine Menge Leute von La Vilette und den Umgebungen von Paris, durch Gerüchte aller Art getäuscht, und namentlich durch sehr böswillige Aeußerungen gegen die Nationalgarde, freiwillig ihren Irrthum erkannt haben. Die Nationalgarde von Paris selbst, die von Betäubung geschlagen zu sein schien .... (Heftiges Murren.)
Eine Menge Stimmen: Zur Ordnung!
Eine Stimme: Sie haben die Nationalgarde also nicht am Werk gesehn!
Ducoux: Ich bedaure eine unglückliche Redewendung, die mir entschlüpft ist. Das Wort „stupeur“ (Betäubung) hat mehrere Bedeutungen: Erstaunen, Ueberraschung, und nicht allein Entmuthigung. Mit einem Wort, es schien, daß die Nationalgarde, ausschließlich in ihren Vierteln den Dienst versehend, sich nicht um die Vertheidiger des Landes agglomerirte; heute existirt diese Agglomeration.
Mehrere Stimmen: Sie hat immer existirt.
La Rochejaquelin: Ich verlange das Wort. (Nein! Nein!)
Duclerc: Keine Unterbrechung.
Ducoux: Die Nationalgarden antworten dem an sie erlassenen Appell. (Mehre Stimmen: Immer! Immer!)
Der Präsident giebt der Nationalgarde ein Testimonium der Bravour.
Ein Mitglied: Die Nationalgarde bedarf keiner Vertheidigung. (Die Versammlung erhebt sich en masse und schreit: Es lebe die Nationalgarde!)
Duclerc Finanzminister: Was der Herr Präsident sagt, überhebt mich weiterer Auseinandersetzungen. Ist irgend etwas zu bedauern, so ist es, daß, sei es von Seite der Nationalgarde, sei es von Seite der Insurgenten, mit zu viel Raserei und Wuth gekämpft worden ist. (Verlängerter Skandal und Geschrei: Zur Ordnung!) Die Nationalversammlung erhebt sich en masse mit dem Schrei: Es lebe die Nationalgarde!
Der Ruf zur Ordnung ertönt von neuem.
Eine Stimme: Die neue Phrase ist nicht glücklicher gewählt als die alte.
Duclerc: Meine Herren! Theilt nicht Jeder meine Empfindung? Sie haben mich falsch verstanden oder ich habe mich falsch ausgedrückt. Ich bestieg die Tribüne, um gegen eine der Nationalgarde verdrießliche Aeußerung zu protestiren. Mein Gedanke war einfach der: Ich bedaure aus tiefster Seele das vergossene Blut.
La Rochejaquelin: Nein! Ich will diesen schmerzlichen Zwischenvorfall nicht erneuern.
Eine Stimme: Gut denn! Verlängren Sie ihn nicht! Schweigen Sie!
Präsident: Die Wiederaufnahme der Sitzung bezweckte nur, die Berichte des Bürgers Ducoux zu vernehmen.
Zahlreiche Stimmen: Schluß.
Stimme der äußersten Linken: Nein! Nein! laßt sprechen!
Ein Mitglied: Wenn La Rochejaquelin Thatsachen zu berichten, wenn er eine neue Mittheilung zu machen hat, so kann er sprechen.
Tascherau: Ich verlange, daß der Bürger La Rochejaquelin dem Präsidenten den Gegenstand mittheilt, wofür er das Wort reklamirt.
La Rochejaquelin: Wie? In einem solchen Augenblick dürfte ich eine vielleicht nützliche Meinung der Kammer nicht mittheilen?
Von allen Seiten: Genug, genug! Schluß!
Auf der äußersten Linken: Sprechen Sie! Sprechen Sie!
La Rochejaquelin: Man muß alle schlechten Leidenschaften zum Schweigen bringen und keinen Vorwand den fluchenswerthen Eindrücken lassen, deren Kundgebung dem Lande unaussprechliche Schmerzen bereitet. Ich verlange, daß man das Wort aufhören macht, das überall mitten unter der exaltirten Bevölkerung ausgestreute Wort: Wehe den Besiegten!
Zahlreiche Stimmen: Zur Ordnung!
Eine Stimme: Die Sieger sind nicht weniger unglücklich.
La Rochejaquelin: Meine Herren, die Versammlung muß mit Nachdruck eine so traurige Sprache Lügen strafen. Ich verlange, daß man wohl einsehe (genug! genug!), daß wir in diesem feierlichen Augenblick Worte der Versöhnung und der Milde vernehmen lassen müssen.
Zahlreiche Stimmen: Sie hätten besser gethan, sich des Sprechens zu enthalten.
Andere Stimmen: Keine aufreizenden Worte.
Ein Mitglied der äußersten Linken: Man unterbricht unaufhörlich die Redner. Die Freiheit der Tribüne existirt nicht mehr.
Larochejaquelin, auf seine frühere Aeußerung zurückkommend:
Ich verlange, daß die Versammlung durch ihre Worte solche Infamien bekämpft, und mit Indignation solche elende Aeußerungen zurückweist. (Genug, genug! Schluß!)
Mehre Mitglieder: Die Nationalversammlung braucht keine gehäßigen Deutungen zurückzuweisen. Ihre Gefühls- und Denkweise ist hinlänglich bekannt. (Ja wohl! Hinlänglich bekannt!)
La Rochejaquelin: Man klagt uns an . . . . . (Nein! Nein!)
Der Redner steigt von der Tribüne herab.
Heinrich Didier und pére Flocon besteigen gleichzeitig die Tribüne, aber die Versammlung verläßt ihre Bänke und verlangt die Suspension der Sitzung.
Der Präsident: Die Sitzung ist bis 8 Uhr Abends suspendirt. Großer Tumult in den Seitengängen zur Linken. Eine Gruppe bildet sich um die Herren Raynal, La Rochejaquelin und andre Repräsentanten, die mit Energie sprechen und gestikuliren. In Folge dieser Unterhaltung verfällt Herr Raynal in epileptische Krämpfe und wird von seinen Kollegen auf den Sitz eines der Huissiers geschleppt.
Um 51/4 Uhr wird die Sitzung wiedereröffnet.
Präsident Senard: Ich empfange so eben einen Brief vom Bürger Marrast, Maire von Paris. Ich verlese ihn ganz.
Hotel de Ville. 3 Uhr Nachmittags.
„Bürger-Präsident!“
„Ich beeile mich Ihnen anzuzeigen, daß die von uns gestern ergriffene Offensive diesen Morgen mit großer Energie ausgeführt und überall mit Erfolg gekrönt wird. Unsere Kolonnen bemächtigen sich des furchtbarsten und schwer zugänglichsten Punktes der Insurrektion. Die Mairie des 9. Arrondissements und die benachbarten Straßen sind Schritt für Schritt wiedererobert worden. Furchtbare Barrikaden wurden weggenommen nach heftigen Kämpfen und schmerzlichen Verlusten; aber die unglaubliche Erbitterung der Insurgenten mußte zurückweichen vor der heroischen Unerschrockenheit unserer Truppen. (Einstimmige Zeichen der Zufriedenheit.)
„Ich kann in diesem Augenblicke keine ausführlichen Details geben: aber, damit man über die Schwierigkeiten des Kampfes ein Urtheil fällen kann, bemerke ich nur, daß in der Mehrzahl der langen, engen und mit Barrikaden bedeckten Straßen, die vom Hotel de Ville nach der Straße St. Antoine führen, die Insurgenten sich fast aller Häuser bemächtigt und ihre Fensteröffnungen ausgepolstert hatten und von da fast sicher zielten; auch sind unsere Verluste beträchtlich und herzzerreißend.
Die Mobilgarde und Linie haben jedes einzelne Haus belagern müssen, und was ihr Werk noch gefahrvoller machte, die Insurgenten hatten unter den besagten Häusern inwendige Verbindungen hergestellt, so daß sie sich durch verdeckte Gänge von einem äußern Punkte bis zum Centrum begeben konnten, wo eine Reihe von Barrikaden sie beschützte. Aus jedem Viertel hatten sie eine ungeheure Festung gemacht, die man Stein für Stein zerstören mußte. Das erklärt die Zeit und den Preis, den das uns kostet. Unsere Kolonnen sind gegenwärtig im Anmarsch gegen den Place des Vosges, um die Mairie des 8. Arrondissements wieder zu nehmen und das letzte Asyl der Insurrektion. im Faubourg St. Antoine anzugreifen. Ich hoffe, daß der Widerstand hier schwach sein wird, wenigstens schwächer, als der, den wir so sehr zu bedauern haben. Ich habe das Vertrauen, daß wir damit diesen Abend fertig werden. (Sehr wohl.)“
Nachschrift. Ein Bericht, den ich so eben empfange, meldet mir, daß man die Barrikade gestürmt hat, die uns seit heute Morgen aufhielt. Unsre Truppen kamen bis zur Brücke de Daniette, deren zwei Endpunkte sie besetzten. Wir schicken eine Verstärkung, um die Kaserne des Célestins wegzunehmen. Alles geht einem glücklichen Schluß zu; aber leider, unsere Hospitäler, unsere Feldlazarethe sind überfüllt, und nie war das Pflaster von Paris von so viel Blut geröthet.“
Gleichzeitig, fährt der Präsident fort, mit dieser tröstlichen Nachricht empfingen wir von andern Punkten nicht minder tröstliche Nachrichten. Fast alle Punkte, wo sich die Insurgenten verschanzt, sind im Besitz unserer Truppen. Mehre unserer Kollegen wenden alle Sorge auf, um die Insurrektion zu unterdrücken und durch ihre Ermahnungen Unglückliche zurückzuführen zu versuchen, die die Waffen ergriffen, ohne den Zweck zu kennen, dem sie zustreben.
Mehre Stimmen: Die Mehrzahl der Kerls sind Galeerensklaven und entlassene Sträflinge; sie wollen nichts als Plünderung.
Andre Stimme: Sie sind bezahlt vom Ausland, von den Parteigängern Heinrich des Fünften oder von den Bonapartisten.
Der Präsident: Ich will sagen, daß sie unwissentlich den Verfechtern der Anarchie oder des Despotismus dienen. Wir können nicht genug die trügerische Maske der Menschen lüften, die diese Unglücklichen aufregen, welche man zu acharnirten Kämpfen verleitet. (!)
Gräuliche Gerüchte waren hinter den Barrikaden ausgestreut. Man sagte den Insurgenten: Vertheidigt euch, vertheidigt euch, bis zum letzten Augenblick. Ergebt ihr euch, so wird man euch niedermetzeln. Diese Gerüchte kommen uns nicht nur durch Polizeiberichte zu, sie sind uns verbürgt durch Repräsentanten, die die Posten besucht und diese Gerüchte aus dem Munde der Gefangenen vernommen haben. Diese Thatsache wird mir bezeugt durch den Brief eines unserer Collegen, des Bürgers Waldeck ‒ Rousseau. Der General Caivagnac und ich, wir haben das einzig mögliche Mittel ergriffen, um solch gräulichen Betrug Lügen zu strafen. Wir haben bis hinter die Barrikaden Proklamationen geworfen. Unsere letzte Proklamation lautete wie folgt: Arbeiter [0139] und ihr Alle, die ihr noch die Waffen gegen die Republik erhebet im Namen von allem, was verehrungswürdig, was heilig den Menschen ist, legt eure Waffen nieder. Die Nationalversammlung und die ganze Nation verlangen es. Man sagt euch, daß euch grausame Rache erwarte. Es sind eure Feinde und die unsrigen, die so sprechen. Man sagt euch, daß man euch mit kaltem Blut opfern wird. Kommt zu uns, wie reuige Brüder (man hat die reuigen Brüder füsilirt, Spießruthen laufen lassen, den Verwundeten selbst die ärztliche Pflege versagt) dem Gesetz ergeben, und die Vertheidiger der Republik werden bereit sein, euch zu empfangen.
Mehre Stunden sind verstrichen seit Veröffentlichung dieser Proklamation hinter den Barrikaden und haben wir das Unglück, bis zur letzten Stunde französisches Blut vergießen zu müssen, so ist wenigstens den Forderungen der Humanität genügt worden. Suspension der Sitzung.
Um 9 Uhr ist die Sitzung wieder eröffnet. Die Versammlung ist sehr zahlreich.
Senard, Präsident: Die Sache der Ordnung, der Freiheit, der Republik hat triumphirt. General Lamoriciére hat endlich seine Verbindung mit dem General Duvivier bewerkstelligt und die Insurrektion existirt gegenwärtig nur noch im Fbg. St. Antoine. Alle anderen Punkte sind aufgegeben, die Insurgenten haben sich vor die Barrieren zurückgezogen und ihre Aktion erstreckt sich nur noch auf die Punkte, wo genügende Truppenmacht ihnen nicht gegenübersteht. Diese Siege sind unglücklicherweise durch die beklagenswerthesten Resultate erkauft. Mehre Mitglieder der Nationalversammlung sind gefallen, so General Nègrier, Oberst Charbonel ist verwundet worden.
Unterdessen muß die Gerechtigkeit ihren Lauf haben. Ich schlage euch folgendes Dekret vor, worüber die Versammlung morgen entscheiden wird.
Art. 1. Jedes Individuum, mit den Waffen in der Hand ergriffen, wird unmittelbar deportirt.
Art. 2. Die exekutive Gewalt ist beauftragt, die für die Vollstreckung des gegenwärtigen Dekrets nothwendigen Maßregeln zu ergreifen.
Die Sitzung wird für den andern Morgen 8 Uhr ausgesetzt.
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@facs0139
[16] Paris, 25. Juni.
Die kolossale Schilderhebung des pariser Proletariats ist jetzt, 5 Uhr Abends, fast gänzlich niedergeschmettert; man kanonirt nur noch auf den Inseln St. Louis und Louviers. Es sind heute nur wenige Journale und meist nur auf halbe Blätter, erschienen. Die Börse und der Justizpallast waren bereits Samstag geschlossen, um sich gewiß bald, wohl schon morgen, in stolzester Siegesfreude zu „frischen Geschäften“ zu eröffnen. Im Faubourg St. Antoine hat man 500 Gefangene auf einmal gemacht, sie hatten die letzte Patrone verschossen und das Gebäude, das sie zu einer trefflichen Festung umgeschaffen, drohte unter den Paßkugeln der Bourgeoisie zusammenzustürzen; da erst ergaben sie sich auf Diskretion, und wurden von der Nationalgarde mit dem Geschrei: à bas les brigands de St. Antoine, weggeführt. Ganze Häuserreihen sind dort in ungeheure Kasernen verwandelt, die Wände durchbrochen, so daß die Proletarier in sechs bis acht Gebäuden kommuniciren. Barrikaden sind kunstgerecht in geringer Entfernung hinter und schräge gegeneinander erbaut, von Sandsteinklötzen, oft bis an's erste Stockwerk, mit Schießscharten für die Artillerie der Insurgenten. Andere Barrikaden sind aus dem dicksten Holz von der geschickten Hand der faubourger Zimmerleute gefertigt. Heute lieferte St. Antoine die Schlacht, gestern kämpfte St. Jacques, in der Nacht kämpfte St. Louis und Faubourg St. Denis, wo das Gefängniß für Frauenzimmer (St. Lazare) ein unbezwingliches Fort, mit trefflicher Artillerie besetzt, geworden war; man rechnet hier allein 280 Schwerverwundete auf Seiten der Bourgeoisie, Linie und Mobile, denn um die der „Emeutiers“ kümmert man sich nicht. Arbeiter, die gestern sieben Stunden im Faubourg St. Antoine gefochten, erzählten mir kuriose Züge von der „Ritterlichkeit“ und der, französischen Ehre,“ die dem National zufolge die Bourgeois an den Tag gelegt: mehrmals ist es vorgekommen, sagten sie, daß letztere, wenn sie eine Barrikade gestürmt, den Kopf eines verwundeten Proletariers mit Kolbenstößen unter dem Ruf: „ah du bist ein Demokrat?“ zerstampften. So antworten sie auf das Geschrei der Barrikadeurs: vive la république démocratique sociale! Das ist freilich auch eine Antwort. ‒ Die „Lazzaroni von Paris,“ die „alten Schlangen von 93“ und von der „tugendhaften, energischen“ Bevolkerung erwürgt. Alle citoyens bien intentionnés freuen sich.
Daß die Proletarier von vorn herein den Kampf des Todes mit heroischer Verzweiflung kämpften, ist natürlich. Einige Proletarierinnen erneuten die Scenen des vorigen Jahrhunderts: mit Blousen über ihren Röcken, Beile in Händen, hieben sie den starkverwundeten Offizieren die Köpfe ab und steckten sie auf Stangen. Als dies Augenzeugen berichteten, behauptete ein deutscher Gelehrter, man solle diese „Missethäterinnen“ an einem Freiheitsbaum aufhängen; man hat sie jedoch verhaftet, um der Justiz einen ganz aparten Leckerbissen zu bereiten. C'est plus chevaleresque comme ça. Die Bourgeois erzählen ferner, im Pantheon hätten diese belagerten „Räuber“ (die wohlverstanden nichts als einige Viktualien, Munition und Leinewand zu Verbänden genommen haben) einige Soldaten der Mobilgarde gefangen und von der Gallerie in die Tiefe gestürzt, auch einen Lieutenant aufgeknüpft. (Die Bürger suchen durch dergleichen offenbare Märchen ihre Brutalitat zu beschönigen.) Mehrmals ward das Pantheon gestürmt und zuletzt drei Stunden mit Granaten beschossen; die Proletarier erwiederten gleichfalls mit Artillerie. Daß die Mobile sich theilen würde, war vorauszusehen; man sah sie gegeneinander fechten, doch siegte die Mehrzahl derselben, die es, wie die republikanische Garde, zuletzt mit der Bourgeoisie hielt. Dafür hat General Cavaignac heute früh eine Lobrede an diese „jeunes défenseurs de l'ordre“ affischiren lassen. Er unterzeichnet: Chef der Exekutivgewalt, und schwört, für die Republik sterben zu wollen. ‒ So eben beginnt die Kanonade mit erneuter Wuth; die Insurgenten sollen auf Hülfe der Kameraden aus Rouen gerechnet haben; statt deren ist aber Bourgeoisgarde von dorther nach Paris gerückt, wo die halbe Banlicue schon gestern einzog, und die Bourgeois von Amiens, Orleans und Compiegne sind seit Tagesanbruch ebenfalls hier. Das Feldgeschrei dieser verschiedenen Mannschaften ist vive la république, oder vive Paris, oder vive la ligne; von Bonaparte und Henri V. wird nichts vernommen, bis jetzt wenigstens.
Die Stadt ist von der in Permanenz sitzenden Versammlung in Belagerungszustand erklärt; man wird buchstäblich an jeder Straßenecke von den Nationalgardisten angehalten, und manchmal eskortirt; auch untersuchen sie Männer, Frauen und Kinder mitunter, seitdem sie Mädchen arretirt, welche Kartuschen in Körben und in Broden trugen. Gegen Blousenleute sind sie völlig unerbittlich; jeder wird durchsucht, manchmal ohne ernsten Anlaß arretirt und dann erst nach Ausstellung eines moralisch-politischen Sanitätsattestes Seitens des Polizeikommissärs entlassen. Ein junger Blousenmann rauchte in einem Tabaksladen und sagte halblaut zu mir: er ennuyire sich über all dieses Zeug, zumal das Volk nachher doch wieder ohne Arbeit sein werde; ein wohlgenährter uniformirter Bourgeois, der sich seine Pfeife anzündete, hörte es und rief: „Bürger, nehmen Sie ein Gewehr und kommen Sie mit uns.“ Der Blousenmann lachte und rief: „Dadurch kriege ich aber weder Arbeit noch Brod.“ „Später,“ entgegnete der Bourgeois knurrend; „jawohl später, wenn's zu spät ist,“ erwiederte der Proletarier, nickte mir zu und ging nach einer andern Seite. Nichts ärgert die uniformirten Nationalgardisten mehr als wenn sie in ihren Reihen keine nicht-uniformirten in diesen Schreckenstagen finden.
Die Wagencirculation existirt auch heute nicht. Ein Theil des Generalstabs hat auf Bombardiren des Faubourgs St. Antoine gedrungen, doch weigerte sich Cavaignac mit den Worten: il ne faut pas tuer les brebis ensemble avec les boucs. Seine Artillerie hat ohnehin sehr viele Häuser zertrümmert, z. B. das große Kleidermagazin la belle jardinière am Blumenmarkt, wo vier Stunden Bresche geschossen, und ein mächtiger Munitionsvorrath entdeckt wurde, der im Keller bis zur Conciergerie sich erstreckte.
Il faut en finir avec les brigands, dies ist das Stichwort in jeder Konversation; man grüßt nicht die Bahre, auf der ein „brigand“ vorbeigetragen wird, aber vor der Nationalgardistenbahre wird präsentirt und chapeau bas gerufen, und wer nicht den Hut zieht, wird hart zurechtgewiesen. Gestern sah ich zwei Bataillonchefs auf den Tod verwundet tragen; eine Frau sah ganz ruhig zu, doch als sie die Epaulette bemerkt, schluchzte sie und war ausser sich, daß ein Offizier supérieur sogar von den Voleurs getroffen sei. Die verdammten Voleurs! …
Voleurs, brigands, fainéants: das sind die drei brüderlichen Titel womit jetzt eine hohe und niedere Bourgeoisie die Proletarier zu bezeichnen beliebt, aus deren Schweiß sie ihre „ewige“ Rente, ihre Aktien, ihre Fonds de Bourse bezieht. „Nieder mit den Dieben“, schrien die hungrigen Arbeiter des Faubourg St. Antoine im Juni 1847 den Karossen zu, worin die philippistischen Bourgeois und Adligen nach dem berüchtigten Waldfeste in Vincennes rollten, wo Monseigneur Montpensier in einem Nachtball dreihunderttausen Franken verjubelte; à bas les voleurs schreit jetzt dieselbe Bourgeoisie und kärtätscht diese aimabeln Faubourger, deren „Tugend“ noch im Februar sehr hoch von ihr angeschlagen worden. Es wird in der That allgemein verbreitet, die Insurgenten hätten „nur plündern, morden und sich besaufen“ gewollt; die Proklamationen des chevaleresken Maire von Paris und des trefflichen Hrn. Senard (des Heros der Massakern von Rouen und jetzigen Präsidenten der Assemblée) sprechen dies frech genug aus; die des letztern weiß auch das Wörtchen „Kommunismus“ fein hineinzumischen. Die Assemblée hat die Hinterbliebenen der Bourgeoiskämpfer an Kindesstatt angenommen, und eine Proklamation in die Barrikaden der St. Antoiner zu werfen gewußt; diese sind, wie es heißt, uneinig geworden. Vierzigtausend Mann Linie sind zu der frühern Garnison gestoßen; Klubs und Journale werden jetzt wohl militärisch „geregelt“ werden, à a Thiers.
Als Beweis der Bourgeoisgesinnung der medizinischen Studenten diene, daß kein Einziger sich freiwillig zum Verbinden der Blessirten zu den Insurgenten begeben; einige sind von den letztern gefangen und zu diesem Geschäft genöthigt worden. „Lieber wollte ich mich gänzlich massakriren lassen“, gestikulirte ein junger französischer Arzt, als ich ihm dieses erzählt… ‒ Die Bourgeois illuminiren heute Abend.
‒ „In Erwägung des von der Versammlung gefaßten Beschlusses, einige ihrer Mitglieder damit zu beauftragen, in ihrem Gesammtnamen zu interveniren in den Pariser Wirren, erlassen wir Unterzeichneten, die wir gegen den Belagerungszustand votirt haben, folgende Erklärung
Wenn wir bezeichnet sind, werden wir uns mit Enthusiasmus an die Stellen begeben, wo der Kampf am heftigsten ist; aber nur, um Worte des Friedens dahin zu tragen, überzeugt, daß das Mittel zur Wiederherstellung der Ordnung und zur Rettung der Republik die Erinnerung an die Devise ist, welche auf der republikanischen Fahne eingeschrieben steht und die Anrufung des Gefühls der Fraternité (Brüderlichkeit).
Den 24. Juni 1848, 10 Uhr Morgens.
Gezeichnet haben:
Greppo, Louis Blanc, Th. Bac, Caussidière, Lagrange, Menand, Clément, Durand-Savoyat, Mathieu, Brives, Charbonnel, Pierre Lerroux, Bertholon, Doutre, Felix Pyat. Pégot-Ogier, Buvignier, Bruys, Proudhon, Ferrouillat, Mulé senior, Lafoud, Babaud-Laribière, Pelletier, Lamennais, Vignerte, James Demontry, Chanay, Ronjat, Signard, Pleignard, Walferdin, Chauffour, Gambon, Detours, Labrousse. Martin-Rey, Jondeau, Weiterkan, Chollat, Astaix, Deville, Renouvier, Condou, Renaud, Petitjean, Fargin-Fayolle, Mathieu, Alean, Bertrand, Lasteyras, P. Lefranc, Maire. Picard, Pascal, Azerm, Guitter, Henri Didier, Xavier Durrieu, Germain Sarrut, Auguste Mie, J. Chauffour, Koenig, Ives, P. Joigneaux, Mathé, Baune, Fleury, Madet, Benoist, Eugène Raspail, Cazelles, Frichon aÎné, Considérant, Michot, Boutet, Démosthène Ollivier, Ch. Robert.
Cavaignac hat am 25. Juni folgende Proklamationen erlassen:
I. Französische Republik. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. (?)
Die exekutive Gewalt
Nach Einsicht des Dekrets der Nationalversammlung vom heutigen Datum, das Paris in Belagerungszustand erklärt:
In Kraft der uns durch dasselbe Dekret übertragenen Vollmacht, beschließen wir, erster Kommandant der in der Hauptstadt befindlichen Streitkräfte:
Art. 1. Alle Maueranschläge, die politische Gegenstände behandeln und nicht von den Behörden herrühren, sind verboten bis zur Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe.
Art. 2. Alle Civil- und Militär-Autoritäten werden zur Vollstreckung gegenwärtigen Dekrets ihren Beistand leisten.
II.
Der Chef der exekutiven Gewalt beschließt:
Die Maires der verschiedenen Arrondissements von Paris werden jeden Nationalgardisten entwaffnen, der ohne legitimes Motiv bei den Appells fehlt, die gemacht werden, um zur Vertheidigung der Republik mitzuwirken.
III.
Die Sache der Ordnung und der wahren Republik triumphirt. Die Insurrektion nimmt ab; beträchtliche Waffenmassen sind weggenommen, überall gewinnen die Nationalgarde und die Armee, immer bewunderungswürdig in ihrer Einheit, an Terrain und räumen alle Hindernisse hinweg. Wir können es furchtlos versichern, das Vertrauen und die Gesellschaft sind gerettet. Von allen Departementen strömen brüderliche Hülfstruppen herbei, gan Frankreich hat nur Einen Herzschlag und strebt nach demselben Zweck ‒ Republik und Ordnung.
‒ Die „Réforme“ erklärt in ihrer Drittheilnummer vom 25. Juni, daß sie den andern Tag nicht erscheinen könne. Die Setzer erklärten ihr nämlich am 25., daß, da man die legalen Bestimmungen des ancien régime wegen Stempel, Kaution u. s. w. in Kraft setze, sie ihren Beistand für das Erscheinen des Blattes nicht zusagen könnten.
‒ Gegen 5 Uhr heute Abend sprach an der Ecke der Straßen Coquillière und J. J. Rousseau ein Arbeiter ruhig zu andern Bürgern desselben Stadtviertels und beklagte sich wegen des Mangels an Beschäftigung und des Elendes der Arbeiter. Die Leute welche ihn umringten, baten ihn, etwas Geduld zu haben und der Republik zu vertrauen. Da näherte sich der Gruppe ein wohl gekleideter Mann und redete den Arbeiter an, indem er ihn „Lump“ und „Kanaille“ titulirte. Zur selben Zeit versetzte er ihm einen heftigen Schlag auf die Schulter. Nach dieser Aeußerung des wüthenden „Gemäßigten“, stürzten sich alle Anwesenden indignirt über ihn her und brachten das so wohl verdiente Gesetz der Wiedervergeltung bei ihm in Anwendung. Nicht ohne daß Hut und Kleider Spuren davon zeigten, brachte man ihn dann nach dem ersten Posten der National-Garde.
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@facs0139
[*] Straßburg, 25. Juni.
Aus nachfolgenden beiden Depeschen wird man wenigstens das ersehen, daß die jetzigen Gewalthaber in Paris am 24. morgens 9 Uhr mit ihren Streitkräften „Herr aller Punkte“ sind, und daß sie 41/2 St. später trotz aller Verschleierungen doch gestehen müssen: „Barrikaden sind noch vorhanden etc., ja daß sie bis Straßburg hin die Nationalgarden auffordern, das Beispiel der Bourgeois anderer Städte nachzuahmen.
Telegraphische Depesche. Paris, 24. Juni, 9 Uhr Morgens.
Der Minister des Innern an den Präfekten des Niederrheins. Mehrere Häupter der Nationalwerkstätten haben bedenkliche Unruhen in Paris angefacht. Barrikaden sind errichtet worden. Die Nationalgarde, die Mobilgarde, die Linientruppen und die republikanische Garde haben muthig ihre Pflicht erfüllt. Sie sind Herr aller Punkte.
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@facs0139
Straßburg, 25. Juni, 11 Uhr Mittags.
Telegraphische Depesche. Paris, 24. Juni. 11/2 Uhr Nachmittags.
Der Chef der vollziehenden Gewalt an die Präfekten und Unterpräfekten.
Durch Dekret der Nationalversammlung ist Paris in Belagerungszustand und die Nationalversammlung in Permanenz erklärt. Die vollziehende Gewalt ist dem General Cavaignac anvertraut. Die Exekutivkommission hat ihre Entlassung gegeben. Barrikaden sind noch vorhanden. Die Uebereinstimmung der Nationalgarde, der Armee und der Mobilgarde gibt die Gewißheit, daß die Ordnung bald hergestellt sein werde. Die Nationalgarden von mehreren Städten sind schon angelangt. Ihr Beispiel sollte nachgeahmt werden (doit être imité). Die Republik wird siegreich diesem letzten Kampfe gegen die Anarchie entgehen. Gez. Cavaignac.
Neueste Nachrichten.
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@facs0139
[*] Paris, 26. Juni.
Morgens um zehn Uhr war die erste Barrikade der Straße du Faubourg Saint Antoine gegen die Bastille zu von der Artillerie zusammengeschossen. Um halb eilf Uhr war die zweite Barrikade von der Mobilgarde genommen. Die Truppen drangen in die Häuser, die Sappeurs und Pioniere brachen Löcher in die Brandmauern, sodaß die Soldaten von Haus zu Haus den Insurgenten in den Rücken kamen und oft ihre eigenen Barrikaden gegen sie benutzten.
Von den 30,000 Mann der Nationalgarde des Faubourg St. Antoine standen über 12,000 in den Reihen der Insurgenten. Offiziere der Nationalgarde, Ritter der Ehrenlegion, befehligten sie. Mehrere Kompagnieen der 7., 8. und 9. Legion Nationalgarde waren noch zuletzt zu den Insurgenten übergegangen. Dreimal wurde die Parole gewechselt.
Um zwölf Uhr war allgemeiner Sturm des Faubourg angesagt; um halb eins kapitulirte ein Theil, er ergab sich unbedingt. Ein anderer kämpfte fort, kapitulirte aber später auch. Der letzte wüthendste Theil der Insurgenten zog vor die Barrieren von Charonne und Menilmontant, wo sie neue Barrikaden bauten und neuerdings von den Kanonen vertrieben wurden.
Mitternacht. ‒ Der Himmel in der Richtung des Faubourg Saint Antoine steht in Flammen. Ein Feuersbrunst muß dort losgebrochen sein.
‒ Paris gleicht an vielen Orten einer bombardirten Stadt. Das Pantheon und die Umgegend, die ganze Straße St. Jacques, der Boulevart Beaumarchais, der Eingang der Straße des Faubourg St. Antoine, sind sehr beschädigt von Kartätschen und Kanonenkugeln. Wir werden morgen ausführliche Details mittheilen.
‒ Eine Masse Verhaftungen unter den sonderbarsten Vorwänden finden Statt. Die Schwester Blanqui's wurde arretirt, als sie den Insurgenten Munition bringen wollte. Ihr ganzes Haus war voll Munition.
‒ Der Redakteur en chef des Père Duchêne, Benjamin Laroche (oder Larroque) kommandirte die enorme Barrikade der Barrière Rochechouart, und wurde dort erschossen.
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@facs0139
Marseille.
Am 24. fiel hier auch ein Arbeiterstand vor. Trotz des Befehls des Polizeipräfekten, die Arbeit auf 10 Stunden zu beschränken, sollten die Arbeiter dennoch 11 Stunden fortarbeiten. Sie zogen vor das Haus des Präfekten, kamen in Kollision mit dem Militär, warfen Barrikaden auf und schlugen sich von 8 Uhr Morgens bis Nachmittags vier Uhr. Auf mehreren Punkten war der Kampf mörderisch; über hundert Todte oder Verwundete blieben auf dem Platz.
Belgien.
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@facs0139
[15] Brüssel, 26. Juni.
„Während ganz Europa von Agitationen so tief bewegt wird, ist Belgien ruhig, vertrauensvoll und stark geblieben.“ Ruhig ‒ vertrauensvoll ‒ stark, so spricht der Löwe zu seinem Volke, es drängt ihn sein Herz auszuschütten, sein dankbares, stolzgeschwelltes Herz vor den Repräsentanten der Nation. Die Vorgänge anderer Länder haben Belgien nicht gestört, es ist ruhig geblieben, dafür sind ihm „Beweise der Sympathie und Achtung“ zugegangen, sein Vertrauen ist unerschüttert; der Kreis der politischen Rechte ist erweitert worden, aber diese „beträchtliche“ Erweiterung hat das Land stark erhalten.
Um diese Stärke zu sichern, „wird die Organisation der Bürgerwehr mit Eifer verfolgt; bis dahin wird die patriotische Armee in einem achtungswerthen Vertheidigungszustand erhalten. Die Zukunft wird die Opfer der Vergangenheit belohnen. Neue Kosten werden nicht nothwendig sein, wenn nicht unvorhergesehene Verwickelungen es unmöglich machen. Das Normalbudget der Ausgaben muß vermindert werden, auch diejenigen werden bei der Vertheilung der Ausgaben berücksichtigt, die ihren Unterhalt allein durch ihrer Hände Arbeit verdienen. Wir werden mit wahrer Sorgfalt alle Maßregeln ergreifen, die Zustände der arbeitenden Klasse zu erleichtern, zu verbessern. Belgien wird sich von dem weisen und sichern Wege, den es betreten, nicht abbringen lassen. Es hat Stehenbleiben mit Fortschritt, Ordnung mit Freiheit verbunden; auf diesem Wege wird es bleiben, wenn die Nation Glauben an sich selbst hat und einig bleibt. Unsere Anstrengungen werden sich wieder um das Land verdient machen.“
Wir sind stark, vertrauensvoll und ruhig, und werden uns wieder um das Land verdient machen, wie wir es so oft gethan. Wir ergreifen Maßregeln zur Erleichterung der Arbeiter, Flandern ist ruhig. Wir vermindern das Normalbudget, das „Vertrauen“ der Bourgeois ist im Wachsen. Wir verbinden Rückschritt mit Fortschritt, Ordnung mit Freiheit; kann es eine bessere Garantie der „Stärke“ geben, als diese „Vermittelung der Extreme?“
Rußland.
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@facs0139
[*]
Seltener als je dringen jetzt von daher verläßliche Nachrichten zu uns. Am wenigsten finden wir in den Petersburger Blättern Aufklärung über Vorgänge und Zustände im Innern. Man ist in dieser Hinsicht nur auf Privatmittheilungen angewiesen, mögen diese auch noch so sparsam erfolgen. Aus solcher Quelle stammt auch die Nachricht her, daß die Städte Tula, Orel, Jaroslaw und viele andere Städte, besonders im Gouvernement Orel, durch Brandstiftung so gut wie eingeäschert sind.
(Siehe den Verfolg in der Beilage.)
[0140]
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@facs0140
Abfahrt der Dampfschiffe.
Kölnische Gesellschaft.
Täglich vom 15. April 1848 an.
VonKölnMorgens 51/4 Uhr nach Mainz.
VonKölnMorgens 51/2 Uhr nach Arnheim.
VonKölnMorgens 93/4, Nachm. 23/4 Uhr nach Koblenz.
VonKölnAbends 10 Uhr nach Mannheim.
VonBonnMorgens 71/2, Mittags 121/2, Nachm. 5 und Nachts 121/4 Uhr rheinaufw.
VonBonnMorgens 11, Nachm. 11/2, 51/2, u. 73/4 Uhr rheinabwärts.
VonKoblenzMorg. 8, 11, Nachm. 21/2 und 5 Uhr nach Köln.
VonMainzMorg. 7, 101/4, Mittags 123/4 U. n. Köln.
VonMannheimMorgens 6 Uhr nach Köln.
VonArnheimMorgens 6 Uhr nach Köln.
Niederländische Gesellschaft.
Vom 14. Mai 1848 von Köln.
Morgens4 Uhrin einem Tage nach Arnheim, Nymwegen und Rotterdam täglich (mit Ausnahme von Samstag).
Nachts12 Uhrnach Koblenz, Mainz, Mannheim und Ludwigshafen täglich (mit Ausnahme von Dienstag).
Düsseldorfer Gesellschaft.
Täglich vom 21. Mai 1848 an.
VonKölnMorgens 53/4 Uhr nach Mainz.
VonKölnMorgens 81/2 Uhr nach Koblenz.
VonKölnAbends 41/2 Uhr nach Düsseldorf.
VonKölnAbends 91/2 Uhr nach Mainz-Frankf.
VonBonnMorgens 8 und 11 Uhr, Abends 113/4 aufwärts.
VonBonnMorg. 81/2 Uhr nach Köln, Nachm. 1 u. 21/4 Uhr nach Köln-Düsseld.
VonKoblenzMorgens 6, 101/2, Mittags 12 nach Köln.
VonMainzMorgens 6 u. 73/4 Uhr n. Köln-Düsseldorf.
VonMannheimNachmittags 31/4 Uhr nach Mainz.
VonRotterdamMorgens 61/2 Uhr, Montag, Mittwoch und Samstag nach Köln.
VonArnheimNachmittags 31/2 Uhr, Montag, Mittwoch und Samstag nach Köln.
Rhein-Yssel-Gesellschaft.
Vom 1. April 1848 von Köln.
Abends 8 Uhr jeden Sonntag, Dienstag und Freitag nach Düsseldorf, Wesel, Emmerich, Arnheim, Doesborgh, Zütphen, Deventer, Zwolle, Kampen u. Amsterdam; in Verbindung nach Hamburg und Hull.
Bonn-Kölner Eisenbahn.
Vom 15. April 1848 an.
Von Köln nach Bonn.
Morgens6 Uhr 30 Minut.
Morgens10 Uhr 00 Minut.
Vormittags11 Uhr 30 Minut.
Nachmittags2 Uhr 50 Minut.
Abends6 Uhr 45 Minut.
Abends8 Uhr 30 Minut.
Von Bonn nach Köln.
Morgens6 Uhr 00 Minut.
Morgens8 Uhr 00 Minut.
Mittags12 Uhr 00 Minut.
Nachmittags2 Uhr 20 Minut.
Abends5 Uhr 00 Minut.
Abends8 Uhr 00 Minut.
Während der schönen Jahreszeit fährt an jedem Sonn- u. Feiertage ein Extrazug um 31/2 Nachm. nach Brühl u. 71/2 Abends v. Köln n. Brühl. ‒ Preise: I. Kl. 15 Sgr. II. Kl. 10 Sgr. ‒ III. Kl. 7 Sgr. 6 Pf. ‒ IV. Kl. 5 Sgr.
Köln-Mindener Eisenbahn.
Vom 15. April 1848 an.
Von Deutz nach Düsseldorf.
Morg.7 U. 30 M. b. Minden.
Morg.10 U. 00 M. b. Düsseld.
Nchm.4 U. 00 M. b. Hamm.
Abds.6 U. 50 M. b. Düsseld.
Abds.10 U. 00 M. b. Minden.
Von Düsseldorf nach Deutz.
Morgens6 Uhr 00 Minut.
Morgens8 Uhr 00 Minut.
Nachmittags1 Uhr 5 Minut.
Nachmittags3 Uhr 40 Minut.
Abends7 Uhr 00 Minut.
Preise: I. Kl. 1 Thlr. II. Kl. 20 Sgr. III. Kl. 15 Sgr. IV. Kl. 8 Sgr.
Rheinische Eisenbahn.
Vom 21. Mai 1848 an.
Von Köln nach Aachen.
Morgens 6 Uhr 30 M. ganz Belgien und direkter Anschluss nach Paris mit dem Nachtzuge von Brüssel.
Morg. 10 Uhr 00 M. bis Antpen, Brüssel u. Gent.
Nachm. 3 U. 00 M. b. Lüttich.
Abends 6 Uhr 00 M. bis Aachen.
Von Aachen nach Köln.
Morg. 6 Uhr 45 im Anschluss an das Dampfschiff nach Koblenz, die Bonner und Mindener Eisenbahn.
Morg. 11 Uhr 00 M. Anschluss an die Bonner und Mindener Eisenbahn.
Nachmittags 3 Uhr 00 M.
Abends 6 Uhr 30 M.
Preise: I. Kl. 2 Thlr. II. Kl. 1 Thlr. 15 Sgr. III. Kl. 1 Thlr.
Von Aachen nach Belgien61/2 u. 91/4 Uhr Morgens.
121/2 u. 53/4 Uhr Nachm.
Düsseldorf-Elberfelder-Eisenbahn.
Vom 15. April 1848 an.
Von Düsseldorf.
Morgens7 Uhr 00 Minut.
Morgens9 Uhr 30 Minut.
Mittags11 Uhr 45 Minut.
Nachmittags2 Uhr 30 Minut.
Nachmittags5 Uhr 30 Minut.
Abends8 Uhr 15 Minut.
Von Elberfeld.
Morgens6 Uhr 45 Minut
Morgens9 Uhr 15 Minut
Mittags11 Uhr 30 Minut
Nachmittags2 Uhr 15 Minut
Nachmittags5 Uhr 15 Minut
Abends8 Uhr 00 Minut
Preise: I. Kl. 25 Sgr. II. Kl. 18 Sgr. III. Kl. 12 Sgr. 6 Pf..
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Deutschlands nächste Zukunft!
Es mag hier gleichgültig sein, wodurch ich veranlaßt wurde, dem Treiben der Russen nachzuspüren; schon vor den Berliner Barrikaden war ich aufmerksam, und gleich nach diesem Ereigniß rechnete ich für mich aus: bis wann die Russen gerüstet sein könnten. Der 1. Juli wurde schon damals als Termin festgesetzt! Bis Ende Mai könnte jedoch die Flotte schon auslaufen. Daß auch Schweden gegen uns sein würde, habe ich nicht vermuthet; dagegen dachte ich schon damals an ein Bündniß der Türken mit den Russen, des Sultans mit dem Czaren. Daß Rußland außerdem alle Slaven in Polen, Ungarn und der Türkei aufstacheln würde, wurde mir bald wahrscheinlich. Alles dieses hat sich durch die neuesten Nachrichten bestätigt ‒ trotz der Gränzsperre, und trotz der vielen von Rußland besoldeten Zeitungskorrespondenten, die absichtlich Deutschland in Schlaf singen.
Der Sultan ist in der That der Verbündete des Czaren, um mit vereinter Macht die diesen Beiden so gefährlichen Ideen in Deutschland und in Frankreich niederzudrücken. Bis Paris hoffen sie vorzudringen, und unter weges die deutschen Revolutionsherde zu zerstören. Binnen kurzem stehen 500,000 Feinde auf deutschem Boden (eine Völkerwanderung, ähnlich der zu Attila's Zeiten ist im Kommen), und Deutschland ist ungerüstet und uneiniger als je zuvor, und hat Verräther genug im eigenen Lande, die zwar auch die Russen, noch mehr aber die Revolution und ihre Folgen hassen. Die türkischen Regimenter marschiren jetzt schon durch das südliche Rußland nach Polen und Russen durch die Wallachei nach Serbien; eine kombinirte russisch-türkische Armee (natürlich unter russischem Oberbefehl) wird bald offensiv gegen uns auftreten ‒ vielleicht ohne Kriegserklärung, als Hersteller der gestörten Ordnung der Dinge. Den Vortrab bilden die Czechen, Serben, Bosniaken und Polen, und als Nachzügler erscheinen alle wilden Horden, welche weit hinten in Asien wohnen, und den Sultan oder den Czaren nur dem Namen nach als Herrn anerkennen. Schon jetzt will man nahe der preußischen Grenze derartiges Gesindel bemerkt haben. Die Magyaren in Ungarn, unsere einzigen treu Verbündeten im Osten, werden trotz ihrer Tapferkeit bald übermannt sein und Preußen wie Oestreich wird es nicht viel besser ergehen. Die Provinz Ostpreußen wird zunächst nicht beachtet werden, und direkt auf Berlin wird der Russe vorrücken, seine durch Posen vor dringenden Truppen durch andere, die an Pommerns Küsten landen, wirksam unterstützend. Aufs neue werden dann Russen in Holstein landen und die Süddeutschen (die noch gar nicht sich rüsten) werden den überall geschlagenen Oestreichern nur eine ungenügende Unterstützung gewähren; so daß ‒ mit Leidwesen sei es gesagt ‒ ganz Deutschland bis an den Rhein in die Hände der Russen und Türken fallen wird, und zwar noch in diesem Jahre! Erst jenseits des Rheines, wenn Frankreich und Belgien mit ihrer gesammten Macht die Reihen unserer Krieger verstärkt haben, werden wir die Feinde zum Stehen bringen, und ‒ fortan siegreich ‒ bis in ihre eigenen Länder sie verfolgen, und den Czar und den Sultan entthronen. Nur Nordamerika wird zur See uns wirksam unterstützen; England wird dagegen über die Zerstörung unserer Fabriken sich freuen, und es ruhig mit ansehen, wie die Russen wiederholt Truppen an unsere Küsten landen.
Trauert auch mein Herz über das Blut, was in Deutschland wird vergossen werden, über die Grausamkeiten, die durch jene Barbaren an Unschuldigen werden verübt werden, so erhebt mich doch die feste Zuversicht: daß dieser hinterlistige Ueberfall einen gewaltigen Rückschlag hervorrufen wird, und daß spätestens nach fünf Jahren kein Czar und kein Sultan mehr existiren werden. Hart gestraft für seine Uneinigkeit wird Deutschland dann bald wieder aufblühen, und fortan als ein durch und durch gesunder und mächtiger Staat im Frieden mit allen seinen Nachbaren leben, und auf friedlichem Wege Europas Verhältnisse ordnen. Wahrheit in Staat, Kirche und Familie werden durch diesen Kampf in ganz Europa heimisch werden.
Münster, den 24. Kuni 1848.
Dr. phil. W. v. Bruchhausen,
Lieutenant.
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Messingene, bleierne und eiserne Saug- und Druckpumpen werden auf jede Brunnentiefe unter Garantie angefertigt, auch findet man in meinem Lager eine große Auswahl derselben vorräthig bei
Aug. Hönig,
Altenmarkt Nro. 56 in Köln.
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Banner und Compagnie-Fahnen mit dem Reichsadler und Stadt-Wappen, Benennung der Compagnie oder jeder sonstigen Inschrift, in Wolle und Seide, sind zu haben bei
Gebr. Seligmann.
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Elegantes Zimmer, Frühstück, Mittag-Essen an der table d'hôte nebst 1 Schoppen guten Wein zu 1 Thaler pr. Tag im Pfälzer Hof bei Friedrich Knipper, Appellhofs Platz Nro. 17.
Table d'hôte und Abonnemens-Tisch um 1 Uhr und zu jeder Stunde vorzügliche der Saison angemessene billige Speisen a la carte, und einen billigen Wein.
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Die „Freien Volksblätter“, Früchte der Revolution, erfreuen sich seit ihrem Bestehen der größten Theilnahme. In ihrer Haltung suchen sie von dem Standpunkte der Volkssouverainität aus, die Errungenschaften des Volkes zu wahren, und der Republik den Weg anzubahnen. ‒ Tüchtige Männer sind für das Unternehmen gewonnen und haben bereits Heinzen, Zitz, Heß, Freiligrath, Anneke u. m. a. ihre Mitwirkung zugesagt. ‒ Den Freunden der Volkssache werden diese Blätter angelegentlichst empfohlen.
Dieselben erscheinen wöchentlich drei Mal in Folio-Format und ist der Vierteljahrspreis zum Zwecke größtmöglichster Ausbreitung der eben ausgesprochenen Grundsätze auf nur 15 Sgr. für Köln und Mülheim am Rhein, auswärts durch die Postanstalten des Staates bezogen, auf 20 Sgr. festgesetzt.
Anzeigen werden zu 1 Sgr. die Zeile aufgenommen, und eignen sich die Blätter ihrer schon bedeutenden Verbreitung wegen ganz besonders dazu.
Bestellungen für das mit dem 1. Juli beginnende Quartal beliebe man baldigst zu machen.
Köln und Mülheim am Rh., Juni 1848.
Der Herausgeber:
Bernh. Dietz.
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Mannheim. Mit dem bevorstehenden 1. Juli beginnt ein neues halbjähriges Abonnement auf die täglich erscheinende „Mannheimer Abendzeitung“ und ihre wöchentlich drei Mal erscheinenden unterhaltenden „Rheinischen Blätter“.
Es ist sichere Vorsorge getroffen, daß, ungeachtet der Redakteur J. P. Grohe noch immer seiner Freiheit beraubt im Zellengefängniß zu Bruchsal festgehalten wird, keinerlei weitere Störung im Erscheinen der Zeitung eintrete; wir aber werden fortfahren, mit aller Kraft und Entschieheit für die Rechte und Freiheit des Volkes zu kämpfen und die Bedeutung und Nützlichkeit dieser Blätter zu erhöhen; entschiedene Volksfreunde sind hierbei besonders aufgefordert, uns thatkräftig zu unterstützen.
Man abonnirt bei allen verehrlichen Postanstalten; für Frankreich, Spanien und überseeische Länder bei Herrn Alexander in Straßburg, Brandgasse Nr. 29, und in Paris Notre-Dame de Nazareth Nr. 28.
Der Preis sämmtlicher Blätter ist in ganz Baden halbjährlich 5 Fl.; auswärts kommt der Postaufschlag hinzu. In Preußen und Baiern ist eine Ermäßigung des Preises durch Herabsetzung der Postgebühr eingetreten.
Des richtigen Bezugs wegen bitten wir die Bestellungen möglichst bald zu machen.
Zu amtlichen und nichtamtlichen Anzeigen aller Art empfiehlt sich die Zeitung ihrer großen Verbreitung wegen noch besonders.
Die Redaktion.
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„Neue Rheinische Zeitung.“
Das Expeditions-Büreau der Zeitung ist täglich von Morgens 8-1 Uhr und Nachmittags von 2-7 Uhr geöffnet; an Sonn- und Festtagen nur von Morgens 8-1 Uhr. Inserate zur Aufnahme in die nächste Nummer werden bis 1 Uhr entgegen genommen.
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Dampfschifffahrt zwischen Bremen und New-York.
Einer von der Direktion in New-York abgeänderten Bestimmung zufolge, wird das nächste Dampfschiff, der HERMANN, Kapt. Crabtree, erst im Laufe des Monats Juli von hier nach New-York abgehen.
Bremen im Juni.
C. A. Heineken & Comp.
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Dampfschifffahrt zwischen Bremen und den Nordseebädern Wangeroog und Norderney, durch das Bremer eiserne Dampfschiff „TELEGRAPH“, Kapt. D. de Harde.
Dasselbe fährt, mit allen zur Bequemlichkeit der Passagiere abzweckenden Erfordernissen ausgerüstet, während der diesjährigen Saison nach obigen Bade-Inseln in folgender Ordnung von Bremen ab:
Sonnabend,Juli1.
Mittwoch,Juli5.
Montag,Juli10.
Sonnabend,Juli15.
Donnerstag,Juli20.
Montag,Juli24.
Sonnabend,Juli29.
Donnerstag,Juli3.
Dienstag,Aug.8.
Sonntag,Aug.13.
Freitag,Aug.18.
Mittwoch,Aug.23.
Montag,Aug.28.
Sonnabend,Sept.2.
Freitag,Sept.8.
Mittwoch,Sept.13.
Die Abreise von Bremen findet größtentheils in den frühesten Morgenstunden statt, und wird seiner Zeit durch die hiesigen öffentlichen Blätter näher bezeichnet werden, so wie auch die Abfahrt von Norderney, welche gewöhnlich den Tag nach der Ankunft erfolgt. Sollte aber der niedrige Wasserstand es nicht gestatten, daß die Abfahrt direkt von Bremen geschieht, so wird von Seiten der Direktion dafür gesorgt werden, daß die Passagiere und deren Effekten bis Vegesack Beförderung finden, woselbst alsdann der Telegraph sie aufnimmt und bei eintretender Fluth ihrer Bestimmung zuführt.
So lange die Saison zu Wangeroog dauert, wird das Schiff daselbst, auf der Hinreise sowohl, wie auf der Rückreise von Norderney, anlaufen.
Bei den verschiedenen Weser-Stationen legt das Schiff nur dann an, wenn sich durch Signale Passagiere zur Mitfahrt melden.
Weitere Nachricht ertheilt
H. Aug. Heineken, Schiffsmakler.
Bremen im Juni.
@typejAn
@facs0140
(Eingesandt.)
Aus dem Oberbergischen. Der Bau der Straße von Wiehlmünden über Waldbröl nach Roth bei Hamm, ist seit längerer Zeit in Angriff genommen und die Vertheilung der Arbeiten dem Zwecke entsprechend eingerichtet, nämlich daß die Arbeitslosen der hiesigen Gegend für ihre Arbeiten ziemlich angemessen entschädigt werden. Die Kosten dieser Straße werden einstweilen vom Staate vorgestreckt und von den betreffenden Bürgermeistereien später ersetzt werden. Außer dem Vortheilhaften des Vollstreckens hat der Staat noch eine bedeutende Prämie p. Meile festgestellt.
Wenn auch der Staat so viel zur Erleichterung der armen Gemeinden gethan hat, so ist es um so unangenehmer, doß wir nicht verschweigen können, wie ein bedeutender Theil des Baufonds durch die von dem Baumeister H. S. in Deutz geführte Oberaufsicht verschleudert wird. Dieser Herr bezieht, wie man hört, für die obere Beaufsichtigung nur monatlich 50, sage fünfzig Thaler. Dafür bereist er beinahe monatlich einmal die kurze Strecke von Wiehlmünden bis, wenn er weit kömmt, nach Rosbach an der Sieg. Die eigentlichen Arbeiten leitet der Herr Baumeister Grund, welcher auch im Straßenbezirk wohnt. Er soll ein tüchtiger Baumeister sein und man ist allgemein erstaunt, warum noch Hr. S. bei der Ausführung für 50 Thlr. über ihn gestellt ist. Freilich liegt Herrn S. noch ein sehr wichtiges Geschäft ob; nämlich, daß er die Anweisungen auf die, nach den Abschlagszahlungen noch übrig bleibenden Restsummen unterzeichnet, was Herr Grund gewiß eben so gutfertig brächte, wenn man ihm nur erlauben wollte, den Versuch zu machen. Hr. S. soll diese 50 Thaler, neben seinem Gehalt aus der Staatskasse beziehen und verrichtet dafür auch die Arbeiten für diese Communalstraße neben seinen Geschäften für den Staat. Es sind freilich nur 50 Thaler monatlich, macht im Jahre nur 600 Thaler, und da die Straße eigentlich in 5 Jahren fertig sein soll, in diesen 5 Jahren nur 3000 Thaler, wovon sich in diesen 5 Jahren nur höchstens 5 ganze Familien hätten ernähren können.
Wir möchten den unmaßgeblichen Vorschlag machen, die Geschäfte des Herrn S. versuchsweise nur auf einige Zeit dem Herrn Grund zu übertragen und ihm dafür dann auch eine kleine Entschädigung zukommen zu lassen. Herr Grund und die Gemeinden, welche später das Geld an den Staat zurückzahlen sollen, würden bei diesem Vorschlage ebenso wenig wie der regelmäßige Fort gang des Baues dabei verlieren.
Das sonstige Aufsichtspersonal ist nicht im Ueberflusse vorhanden, verfährt mit Sachkenntniß, und verdient seinen Diäten redlich.
@typejAn
@facs0140
Empfehlungs-Anzeige der Palingraphischen Anstalt von Adolph Camphausen Wallrafsplatz Nro. 153.
Köln im Juni 1848.
@typejAn
@facs0140
Das erste matinée musicale von Jakob Offenbach findet statt Sonntag den 2. Juli, Vormittags 11 Uhr, im gelben Casino-Saale. Das Abonnement der zwei matinèes ist Ein Thlr. per Person. Man abonnirt bei Herrn M. Falk, Schildergasse 23.
@typejAn
@facs0140
Eine große Auswahl von Häusern sind zu billigen Preisen zu verkaufen und zu vermiethen. Kapitalien gegen erste Hypotheke werden gesucht. Näheres bei J. P. Spendeck, gr. Neugasse 18.
@typejAn
@facs0140
Ein hübsches Quartier von 4 à 5 Zimmern zu vermiethen, gr. Neugasse 18.
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@facs0140
Ein Mädchen wird gesucht für einen Spezereiladen und Hausarbeit. Ein gebildetes Frauenzimmer, mit guten Attesten versehen, wünscht als Kammerjungfer oder Haushälterin placirt zu werden. Ein Kompagnon, ein kautionsfähiger Reisender, ein Lehrling werden gesucht. Näheres bei J. P. Spendeck in Köln, gr. Neugasse 18.
@typejAn
@facs0140
Das wohl assortirte Lager von echtem Eau de Cologne eigener Fabrik, empfehlen zu den billigsten Preisen, J. P. Spendeck & Comp. in Köln, große Neugasse Nr. 18 nahe beim Dom und Altenmarkt.
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Gesuch einer Stelle für das Reisefach für einen kautionsfähigen Mann in dem Alter von 33 Jahren, welcher mehrere Jahre in einem Manufakturwaaren-Geschäft auf dem Comptoir und auf Reisen im Zollverein, der Rheinprovinz, Westphalen etc. beschäftigt war und über seine Persönlichkeit und Leistungen die besten Zeugnisse besitzt. Näheres bei J. P. Spendeck in Köln, große Neugasse Nr. 18.
@typejAn
@facs0140
Gesuch einer Lebensgefährtin für einen soliden katholischen Wittwer mittlern Alters, Eigenthümer eines Gasthofes zweiten Ranges in einer großen Stadt der Rheinprovinz; derselbe beansprucht ein gebildetes Frauenzimmer in den 30ger Jahren, welches in der deutschen und französischen Sprache erfahren ist und sich befähigt fühlt, die Leitung des Hauswesens zu übernehmen. Anträge unter den Buchstaben S. K. werden bei der Expedition dieser Zeitung St. Agatha Nr. 12 entgegengenommen und sind der bescheidensten Verschwiegenheit und prompter Beantwortung versichert.
@typeimprint
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Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.