[0163]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No.33. Köln, Montag 3. Juli 1848.
@typejExpedition
@facs0163
Die „Neue Rheinische Zeitung“ erscheint vom 1. Juni an täglich. Bestellungen für das nächste Quartal, Juli bis September, wolle man baldigst machen.
Alle Postämter Deutschlands nehmen Bestellungen an.
Für Frankreich übernehmen Abonnements Herr G. A. Alexandre, Nr. 28, Brandgasse in Straßburg, und 23, rue Notre Dame de Nazareth in Paris; so wie das königliche Ober-Post-Amt in Aachen. Für England die HH. J. J. Ewer & Comp. 72, Newgate Street in London. Für Belgien und Holland die respekt. königlichen Briefpost-Aemter und das Postbüreau zu Lüttich.
Abonnementspreis in Köln vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., in allen übrigen Orten Preußens 2 Thlr. 3 Sgr. 9 Pf. Außerhalb Preußens mit Zuschlag des fremden Zeitungsportos. Inserate: die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 1 Sgr. 6 Pf.
Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen der Zeitung die weiteste Verbreitung.
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Auswärtige deutsche Politik) Berlin. (Vereinbarungsdebatte. ‒ Vermischtes. ‒ Wieder Garde nach Berlin.) Frankfurt. (Debatten über die Centralgewalt. [Schluß.] ‒ Windisch-Grätz und die Czechen.) Mannheim. (Die gefangenen Freischärler.) Ulm. (Soldatenbrutalität.) Kassel. (Excesse).
Französische Republik. (Marrast und Thiers. ‒ Conspiration Marrast-Cavaignac. ‒ Erklärungen des Moniteurs. ‒ Handel der „guten Presse“ mit der Chronique scandaleûse. ‒ Die Forçats.) Paris. (Die Rache der Bourgeoisie. ‒ Behandlung der Gefangenen. ‒ Details übdr den Kampf. ‒ Kersausie. ‒ Die Katakomben. ‒ Nationalversammlung vom 30. Juni.)
Großbritannien. London. (Noch einige Bemerkungen des „Telgraph“ über die Junirevolution. ‒ Unterhaus. Beendigung der Debatte über die Zuckergesetze.)
Schweiz. Basel. (Zschokke.)
Rußland. Orel. (Brand.)
Türkei Smyrna. (Jagd sardinischer Schiffe auf östreichische. ‒ Zustände Griechenlands.)
Amtliche Nachrichten.
@xml:id#ar033_001
@typejArticle
@facs0163
Auf Ihren gemeinschaftlichen Bericht vom 9. d. M. genehmige Ich, daß die durch den Erlaß vom 15. August 1829 in Forst-Defraudations-Porzessen für jede abgemachte Sache dem Richter gewährte Renumeration von 21/2 Sgr. fortan in Wegfall kommen, da es bei dem anerkannten Diensteifer und der bewährten Amtstreue der Richter zur pflichtmäßigen Förderung des Geschäftsganges einer solchen Anregung nicht bedarf.
Sanssouci, den 19. Juli 1848.
Friedrich Wilhelm.
Bornemann. Hansemann.
An die Staatsminister Bornemann und Hansemann.
Vorstehende Allerhöchste Ordre ist heute den sämmtlichen königlichen Regierungen zugefertigt mit der Anweisung, die aufgehobene Remuneration vom 1. Juli d. J. ab nicht mehr zu zahlen.
Berlin, den 30. Juni 1848.
Der Finanzminister.
Hansemann.
@xml:id#ar033_002
@typejArticle
@facs0163
Die britische Gebühr für rekommandirte Briefe aus Preußen nach dem vereinigten Königreiche von Großbritanien und Irland, welche bisher einen Shilling (10 Sgr.) betrug, ist auf 6 Pence (5 Sgr.) herabgesetzt worden. Es wird daher von jetzt an nur der letztere Betrag von den diesseitigen Korrespondenten erhoben werden. Zugleich wird das Publikum noch darauf aufmerksam gemacht, daß rekommandirte Briefe nur nach dem vereinigten Königreiche selbst, nicht aber im Transit durch dasselbe nach überseeischen Kolonien und Ländern befördert werden können.
Berlin, 28. Juni 1848.
General-Postamt.
Deutschland.
@xml:id#ar033_003_c
@typejArticle
@facs0163
Edition: [Friedrich Engels: Auswärtige deutsche Politik. In: MEGA2 I/7. S. 241.]
[] Köln, 2. Juli.
Die Völker an einander zu hetzen,
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
@xml:id#ar033_004
@typejArticle
@facs0163
[103] Berlin, 30. Juni.
Das neue Ministerium hat heute in der Vereinbarerversammlung schwere Schläge erlitten. Der Kriegsminister, welcher nähere Auskunft über die in Spandau vorgenommene Entwaffnung der schleswig-holsteiner Freischärler geben sollte, war nicht selbst zugegen; er hatte, wahrscheinlich weil er voraussah, daß es ihm unmöglich sein würde, sich gegen diesen begründeten Angriff zu vertheidigen, einen Stellvertreter in der Person des Oberstlieutenant v. Griesheim gestellt, welcher erklärte, nichts weiter als die Berichte der Spandauer Kommandantur mittheilen zu können. Diese lauteten dahin, daß die Kommandantur in Spandau vom Polizei-Präsidium in Berlin den Befehl erhalten hätte, die ankommenden Freischärler zu entwaffnen; man werde übrigens die abgenommenen Waffen ihren Eigenthümern keineswegs vorenthalten. Hr. Gries-
[Feuilleton]
@xml:id#ar033_004a
@typejArticle
@facs0163
Heuler und Wühler.
Hießen Whig und hießen Tory,
Hießen Welf und Ghibelline.
Doch zu Köln am Vater Rheine
Heißen Heuler sie und Wühler.
Wildrepublikan'sche Eber
Wühlen einerseits die Wühler;
Konstitutionelle Wölfe
Heulen schlimmer noch die Heuler.
Welch' Getöse! Herzerschütternd.
Ja, vom Dom zum köln'schen Zelte,
Ja, vom Thürmchen bis zum Bay'nhaus
Poltert's, rast es, grunzt und brummt es.
O entsetzlich ist's! ‒ Kam sonst der
Abend, sieh, da küßten wir und
Tanzten; streuten Blumen, sangen
Vivat, Vivat, Hosiannah!
Gingen froh zum alten Vater,
Trinkrath Thibus, dort die Römer
Keck zu schwingen, bis daß Eos
Stieg empor mit Rosenfingern.
Aber jetzt? ‒ O Zeus, du weißt es:
Unter Ebern, unter Wölfen,
Was ich leide, unter diesen
Deutschen souveränen Bestien.
[G. W.]
@xml:id#ar033_005
@typejArticle
@facs0163
Rachel und die Marseillaise.
Protestiren sollte man dagegen, daß Mademoiselle Rachel, die weltberühmte Schauspielerin, auf dem ersten Theater Frankreichs namentlich dann wenn der Eintritt für Alle frei ist, jenes schreckliche Lied die Marseillaise singt. Die fürchterliche Fertigkeit dieser Künstlerin, die schlechtesten und die wildesten Leidenschaften der menschlichen Brust, als da sind Wuth, Zorn, Raserei und Bosheit, nachzuahmen, kennt Jedermann, durch das Singen der Marseillaise erregt sie indeß einen wahren Tumult des Enthusiasmus. Zu einer Zeit, wo alle Pariser Theater leer waren und keine andern Zuschauer hatten als die nackten, bloßen Bänke, war das Theatre français Nacht für Nacht bis zu den Gallerien hinauf vollgepropft, weil Jeder diesem seltsamsten aller Schauspiele zuzusehen wünschte. Wenn man die Schwelle des Theaters überschritt, so war es natürlich, daß man in Rachel'n eine Jungfrau von Orleans zu schauen dachte, welche ein Volk zur Schlacht und zum Siege leiten würde. Aber wie getäuscht fand man sich in seinen poetischen Phantastereien, wenn sie nun beim Singen jener patriotischen Hymne, zwar groß, energisch und gewaltig aber dennoch voll von Haß, voll von Rache und Blutdurst erschien! „Zu den Waffen“ ruft sie, wie der Satan dem Chor der Verfluchten kommandirt haben mag. Nicht für einen Augenblick ist sie jener rächende Engel, den der Himmel einem armen, gepeinigten Lande zum Schutze hinabschickt, nein, dem Dämon der Finsterniß gleicht sie, Zerstörung und Tod verbreitend aus der bloßen Lust am Tode und der Zerstörung. „Ihre Verehrer nennen sie eine Muse“; nun wohl, so ist sie die Muse der Rache, die Muse der Bosheit, die Muse des Blutes! Sie dämpft ihre Stimme bei den Worten: „Amour sacré de la patrie“ ‒ aber mit welcher infernalischen Bitterkeit singt sie dieselben! Nicht ein einziger Hauch der Liebe ist in ihrer Stimme; jeder Ton athmet nur Haß, Haß, Haß, mit aller Bitterkeit des entsetzlichsten Hasses. Wie leuchtet ihr Auge von Wuth, Zorn und Rache bei dem ganzen Vortrage! Man glaubt unwillkührlich, sie müsse ein persönliches Unrecht an der Gesellschaft zu rächen haben, so leicht und natürlich entfließt die blutdürstigste aller Rasereien ihren bebenden Lippen; ein kalter Schauer durchzuckt uns vom Kopf bis zur Zehe, unser Haar sträubt sich, und gern möchten wir uns vor Abscheu und Schrecken hinwegwenden, wenn sie uns nicht fesselte durch ihre grandios-energischen Bewegungen, durch den ganzen Reiz ihrer plastischen Schönheit. Ja, wollte ein Bildhauer das wahre Modell eines Racheengels studieren, er könnte kein besseres finden als an der Rachel, wenn sie die Marseillaise singt. Das Gefesseltsein der Zuhörer macht aber eben das Gefährliche des ganzen Vortrages. Hunderte von Zuschauern, welche wie rasend applaudiren, verlassen das Theater, indem sie unwillkührlich die schrecklichsten und tödtlichsten Leidenschaften der menschlichen Brust mit der Marseillaise in Verbindung bringen. Wuth durchtobt sie mit der Erinnerung an das Vernommene, vor ihren Augen schwebt die Gestalt der dämonischen Künstlerin, und ohne zu wissen, murmeln sie die Melodie jenes Liedes mit demselben Gefühle des Hasses, der Rache und des Blutdurstes.
O wehe dieser Künstlerin, welche die Bürger Frankreichs mit solchen Gesinnungen erfüllt; wehe derjenigen, die ihrer Gewalt über die Massen bewußt, sie so entsetzlich mißbraucht; wehe ihr, die statt zu beruhigen nur aufregt und zur Raserei hinwegreißt. Ja, Wehe und Fluch diesem schrecklichen Weibe!
[(Blackwood's Magazine.)]
@xml:id#ar033_006
@typejArticle
@facs0163
‒ Hier in Berlin trug es sich kürzlich zu, daß einem Laufburschen der Hayn'schen Druckerei, welcher zufällig ein rothes Federchen an seine Mütze gesteckt hatte, dieses Federchen von einem Bürgerwehrpiket gewaltsam von der Mütze gerissen wurde; von den Ochsen ist es übrigens bekannt, daß sie, gleich den Putern, einen Widerwillen gegen die rothe Farbe haben.
[(B. Z.-H.)]
[0164]
[Deutschland]
@xml:id#ar033_007
@typejArticle
@facs0164
[Fortsetzung] heim wollte diese Maßregel noch damit rechtfertigen, daß er hinzusetzte, man wisse nicht, aus welchen Gründen die Freischärler in Schleswig entlassen worden wären. Der Interpellant Abgeordnete Gladbach beurkundete nun zuerst die Ehrenhaftigkeit der Freischärler, indem er den Abschied verlas, den dieselben vom General-Kommando in Schleswig-Holstein erhalten, dann produzirte er einen Schubzettel, den einer der Freischärler zum sofortigen Antritt seiner Reise von Spandau nach Magdeburg in seine Heimath erhalten hatte; auf diesem Zettel stand, daß der Freischärler N. N. sich laut Ministerialbefehl sofort nach Magdeburg begeben müsse. Dieser Beweis, daß das Ministerium die Entwaffnung befohlen und vier Freischärler sogar gezwungen hatte, sich sofort mit Zurücklassung ihrer Waffen in die Heimath zu begeben, daß es demnach nicht ein Befehl des Polizeipräsidenten war, wie Herr Griesheim erklärt hatte, brachte eine allgemeine Entrüstung auf der Linken hervor, man gab laut seine Verachtung über eine solche Taktik zu erkennen, während die Rechte und das Ministerium stumm diese Demonstration hinnahmen. Der Abgeordnete Gladbach frug, ob denn etwa in Spandau ein besonderes russisches Ministerium Befehle gebe, nannte das ganze Verfahren eine russische Politik, aber die Zeiten wären jetzt so, daß man dem Czaar eher den Fehdehandschuh hinwerfen müsse, als in seine Politik eingehen. Der Minister des Innern, Kühlwetter, wollte hierauf das Ministerium entschuldigen, beschuldigte es aber nur noch mehr. Er sagte, daß diese Angelegenheit laut den Akten, die er zur Hand habe, vom vorigen Ministerium ausgegangen sei. Der Hamburger Gesandte hätte die Mittheilung gemacht, daß bewaffnete Banden, deren anarchisches Treiben zu befürchten wäre, hier ankommen würden. Auch er, der Minister des Innern, werde nie dulden, daß bewaffnete Banden das Land durchzögen und im Wiederholungsfalle ebenso handeln. Was soll man dazu sagen? Herr Kühlwetter nennt achtzehn Freischärler, welche am 24. und vier, welche am 25. in Spandau entwaffnet, theilweise festgenommen und an ihrer Weiterreise verhindert wurden, die freilich mit der Eisenbahn von Hamburg nach Berlin reisten, bewaffnete Banden, welche das Land durchziehen! Ließ man nicht im April hunderte von Freischärlern sich ruhig in Berlin bewaffnen und nach Schleswig-Holstein ziehen und jetzt bei ihrer Zurückkunft, nachdem sie ehrenhaft gekämpft, jetzt sieht man sie als bewaffnete Banden an, die das Land beunruhigen. Der Grund ist aber ganz anderswo zu suchen. Man fürchtet die demokratische Gesinnung der Zurückkehrenden, man war froh, daß sie das Land verließen und möchte sie nach ihrer Rückkehr, nach der alten Art unschädlich machen. Aber wie schwach muß diese Regierung sich fühlen, sie fürchtet sich vor achtzehn und vier Männern, welche bewaffnet sind.
Eine Interpellation des Abgeordneten Behnsch betraf die dänische Frage. Er berichtete, wie die englischen, französischen und sogar die unter Censur erscheinenden russischen Blätter, die demnach nichts Unwahres über Rußland mittheilen dürften, den am 24. Mai statt gefundenen Rückzug der preußischen Truppen aus Jütland nur als Folge einer russischen Note angesehen hätten, die mit einer Kriegserklärung gedroht habe. Der Ministerpräsident erwiederte: Nach den Pariser Februar-Ereignissen machte Rußland die Anzeige, daß es gedenke, eine Stellung bewaffneter Defensive einzunehmen. Alle Nachrichten, die uns zugehen, weisen darauf hin, daß Rußland in seiner Stellung verharrt. Das Gerücht, daß Rußland an Dänemark das Anerbieten einer bewaffneten Unterstützung gemacht, ist unrichtig. Rußland wünscht die baldige Ausgleichung, im Interesse des allgemeinen Friedens. Auf eine weitere Erklärung wollte sich der Präsident nicht einlassen. Hier ist besonders zu berücksichtigen, daß der Abgeordnete Behnsch eine Aufklärung über eine Note verlangte, die der preußische Gesandte am 8. April von Sonderburg an das dänische Ministerium erlassen haben soll, worin erklärt wird, daß Preußen nur deshalb in Schleswig-Holstein intervenire, um die republikanischen Schaaren abzuhalten, welche sich sonst in Masse dahin begeben würden, um für ihre Ideen zu kämpfen. Von der Ehre und dem Interesse Deutschlands, welche die Thronrede des Königs als Grund des dänischen Krieges angebe, ist in dieser Note keiner Erwähnung geschehen. Der Ministerpräsident lehnte es wiederholt ab, sich auf diese Frage einzulassen, weil er nur auf den gedruckten Interpellations-Antrag vorbereitet sei.
Die Politik des Ministeriums liegt nun offen vor. Die auswärtigen Angelegenheiten werden noch ganz wie vor der Revolution im dynastischen Interesse geleitet. Im Innern wendet man täglich sich mehr dem Polizeisystem zu. Die Reaktion wird stets kühner, unterstützt von der Partei der Fabrikanten, Kaufleute und Fondsbesitzer, welche glauben, mit den alten Zuständen, mit der alten Ruhe auch den frühern Glanz wieder herzustellen.
Der Student Mohnecke, dessen Verhaftung vor 8 Tagen geschah, stand heute vor dem Kammergericht, wegen Anklage auf Majestätsbeleidigung, die in einer dem Druck übergebenen demokratischen Thronrede enthalten sein soll. Der Angeklagte wurde, trotz seiner glänzend durchgeführten Vertheidigungsrede, worin er besonders hervorhob, daß man jetzt, nach einer Revolution, wo unbeschränkte Preßfreiheit bestehe, wo Geschwornengerichte zur Aburtheilung der Preßvergehen vom Könige verheißen, nicht nach dem allgemeinen Landrecht urtheilen könne, ‒ zu zwei und ein halb Jahr Festungsarrest und Verlust der Nationalkokarde verurtheilt. ‒ Dergleichen Preßprozesse stehen uns noch viele hier in Aussicht.
In Folge eines Streites, den eine große Masse Erdarbeiter dieser Tage mit ihren Unternehmern hatte, haben die Stadtverordneten gestern beschlossen, die Staatsbehörden zu ersuchen, daß zwei Bataillone Infanterie und ein Kavallerieregiment sofort in der Umgegend Berlins Standquartier erhalte. Bereits sind die Fouriere des gegenwärtig in Potsdam garnisonirenden ersten Garderegiments, das uns noch vom 18. März in gutem Andenken ist, heute Mittag hier eingetroffen.
Auch haben diese Stadtbehörden beschlossen, eine Deputation zum Könige zusenden, um ihm einen getreuen Bericht von dem Zustande der Hauptstadt zu erstatten, und die weitere Entschließung Sr. Majestät ehrerbietigst zu gewärtigen. ‒ Was darunter zu verstehen sei, kann man sich leicht denken. Man will den König nach Berlin zurück haben, da die Spießbürger von der Rückkehr des Königs, die Rückkehr der frühern Geschäftsthätigkeit erwarten. „Wir wollen dem Könige einen Wink geben, sagte einer der Stadtverordneten, wie die lockern Bande wieder anzuknüpfen sind.“
@xml:id#ar033_008
@typejArticle
@facs0164
Berlin, 28. Juli.
Gestern Abend sollte dem Justiz-Kommissarius Ahlemann aus Samter, der hier, jedoch ohne bewaffnetes Gefolge, angekommen ist, eine Katzenmusik gebracht werden. Ein großer Menschenhaufe wälzte sich bereits dem Dönhofsplatze zu, auf welchem Herr Ahlemann wohnt, zerstreute sich jedoch unterwegs auf Zureden einzelner Bürgerwehrmänner.
Ueber die Zeughaus-Angelegenheit werden jetzt die verschiedenartigsten Gerüchte laut. Es ist schwierig, hier Unglaubliches und Wahrscheinliches zu scheiden. Wir geben, was wir hören und ganz so wie wir es hören: Die gegen Hrn. v. Natzmer eingeleitete Untersuchung soll ergeben haben, daß das Attentat auf das Zeughaus ein angelegtes Komplott gewesen ist, dessen Grund nicht im Volke und in der demokratischen Partei, sondern in der Reaktion zu suchen sei. Das Komplott soll bis in die höchsten Regionen reichen, und ‒ Hr. v. Natzmer selbst initiirt gewesen sein. Wir müssen es Jedem überlassen, was er hiervon glauben will. Wir erinnern aber an die Widersprüche in der Blesson'schen Denkschrift, an die fabelhaften Meldungen, die Hrn. v. Blesson gemacht sein sollen, ohne daß er die Meldenden anzugeben vermag; wir erinnern an das Gespräch, welches die Zeitungs-Halle mittheilte (zwischen Blesson und einem Mitgliede der Schützengilde), wir erinnern endlich an den wunderbaren Umstand, daß die Staatsanwaltschaft noch nicht im Stande gewesen ist, zu ermitteln, von wem der erste Schuß aus der Volksmenge ausgegangen, und wer die „drei unbekannten Männer in grünen Blousen“ waren, die, obwohl sie in den Reihen der Bürgerwehr gestanden haben, doch von Niemanden, nicht einmal so weit, gekannt wurden, daß man anzugeben vermag, ob sie überhaupt zur Bürgerwehr gehört haben. Sogar der Lieutenant Techow, ein Kandidat zum Bürgerwehr-Kommando, der deshalb zur Untersuchung gezogen und verhaftet ist, weil man ihn beschuldigt, den Hauptmann Natzmer durch Vorspiegelungen zur Preisgebung des Zeughauses vermocht zu haben, wird als ein in die Intrigue Eingeweihter bezeichnet. Von verschiedenen Seiten werden Schritte vorbereitet, um die sofortige Veröffentlichung der bisherigen Ergebnisse der Untersuchung zu bewirken. Es wird noch angeführt, daß das Militär in Potsdam am 14. um 73/4 Uhr bereits Marschordre erhalten habe, während hier der erste Schuß nach 8 Uhr gefallen ist.
[(Osts. Z.)]
@xml:id#ar033_009
@typejArticle
@facs0164
[50] Frankfurt, 29. Juni.
Fortsetzung des gestrigen Artikels:
Die Perfidie dieses Verfahrens mußte die Linke auf das höchste empören. Noch nie hatte die Paulskirche das Schauspiel so stürmischer Debatten geboten, das Toben in der Versammlung wie von den Galerien war fürchterlich; selbst die Damen-Galerie nahm Theil an der allgemeinen Entrüstung. Die Linke erklärte anfangs, wenn diese Amendements zur Verhandlung oder Abstimmung kämen, werden auch sie hier ihrerseits einen Sturm von neuen Amendements einbringen. Als der Vicepräsident über deren Zulassung abstimmen will, drohte sie der weiteren Verhandlung ganz zu enthalten. Aus den Centren erhobte sich Stimme auf Stimme um die Antragsteller zu veranlassen ihre Amendements zurückzuziehen; alle erkennen an, wie sehr die Linke bemüht gewesen die Eintracht zu finden, die Diskussion zu beschleunigen, ‒ Bassermann gibt nach und zieht seinerseits sein Amendement zurück, nicht aber v. Auerswald, nicht Heckscher. Kolossal war die Schwäche der Gründe welche die Rechte für die Amendements brachte. Da ward ein alles längst beseitigtes Amendement aus der Vergessenheit hervorgezogen und behauptet dessen angebliche Zurückziehung beruhe auf einem Irrthum ‒ es war längst mit dem Beschluß die Debatte auf nur sieben Amendements zu beschränken gefallen, ‒ da sollte die Rede von Gagern materiell dasselbe Amendement enthalten ‒ aber eine einzelne ausgesprochene Ansicht, der Wunsch eines Redners ist doch noch kein Antrag, ‒ ja Heckscher ging zur sinnlosen Behauptung fort: ein bestehendes Amendement fordere Bezeichnung des Präsidenten von den Regierungen, dies sei mehr als sein Amendement verlange; wer nun ein Recht auf das Mehr habe, habe auch das Recht auf das Weniger, also ‒ habe er das Recht sein Amendement zu stellen. Und Heckscher gilt für einen der ausgezeichnersten Juristen Hamburgs! Der Vicepräsident der sich an diesem Tage auffallend zur Rechten hinneigte, wollte über die Zulässigkeit des Amendements abstimmen lassen, die Linke erklärt dies für Gewalt, für moralischen Zwang, weigert sich an der Abstimmung Theil zu nehmen und legt Protest dagegen ein. Neuer Sturm, neue Mahnungen von verschiedenen Seiten die Amendements zurückzunehmen; selbst v. Vincke ist gegen die Abstimmung, da begeht endlich Ruge den plumpen, dieses pommerschen Radikalen würdigen Fehler, zu behaupten nicht die Majorität, sondern die Geschäftsordnung gebe den Ausschlag, darum habe nicht eine Abstimmung, sondern der Präsident, dessen Sache es sei die Geschäftsordnung zu handhaben, zu entscheiden. Daß der Vicepräsident Soiron für die Amendements war, konnte keinen Unbefangenen entgangen sein; und, wie vorauszusehen, es entschied die Zulässigkeit der Amendements.
Was in der langen Motivirung dieses Machtspruchs einem entfernten Grunde ähnelte, was die Versicherung Soirons er könne eine Modifikation nicht zurückweisen, von der man (wer ist dieses man? die Rechte!) geglaubt habe, daß er sie aufnehmen werde weil sie in der Rede des Präsidenten von Gagern gelegen habe. Hr. v. Soiron soll an der Sonntagsberathung der Rechten in der Mainlust Theil genommen, also von vorn herein sich einer Partei angeschlossen, und die unpartheiische Stellung des Präsidenten gänzlich aufgegeben haben. Das wird die wahre Begründung seiner Begründung sein. Wie raffinirt der ganze Plan ins Werk gesetzt wurde, zeigt das Auftreten Welkers, der sofort nach dieser Entscheidung seinen frühern Antrag die Diskussion neu aufzunehmen, ‒ womit er dem Bassermann'schen etc. Amendements hatte Bahn brechen wollen, zurückzog. Die Linke hatte natürlich Welkers ersten Vorschlag angenommen und die Amendements waren auf den Präsidententisch losgefluthet. Der Beginn einer endlosen Diskussion war vorauszusehen. Neue Bitten und Beschwörungen um Zurücknahme von den Centren, da erklärt endlich v. Auerswald, daß er sein Amendement unter der Bedingung fallen lasse, wenn sowohl Heckscher ein gleiches thue, als auch die übrigen neu eingebrachten Amendements zurückgenommen würden. Alles lag nun zunächst an Heckscher. Soiron schien vorauszusehen, Heckscher werde nicht nachgeben, und schlug darum sofort vor, die Sitzung abzubrechen, um Heckscher Gelegenheit zu geben, sich mit seinen Freunden zu berathen. Die Versammlung erklärte sich unter großem Tumult dagegen. Heckscher unterstützte Soirons Vorschlag und endlich ward die Sitzung auf drei Stunden unterbrochen, um Nachmittags 5 Uhr Heckschers Erklärung zu vernehmen. Nachmittags ward es noch schlimmer. Heckscher erklärt, er habe keine Zeit gehabt sich mit seiner Partei zu berathen ‒ von 2-5 Uhr? und seiner Ueberzeugung gemäß, nehme er seinen Antrag nicht zurück. So hatte die Versammlung umsonst drei Stunden verloren. Von der allgemeinen Indignation die diese Verkündigung herbeirief, ist es unmöglich ein Bild zu geben. Neue Fluthen von neuen Anträgen, man verlangt deren Verlesung; ein Redner erklärt er sehe ein, daß alle Anträge gehört werden mußten, können auch erst Enkel und Urenkel dazu über sie zu beschließen; da betritt Heckscher nochmals die Rednerbühne, große Spannung ‒ er beginnt: Es wird bei den neuen Amendements die man uns in so schöner Fülle ankündigt, und die schon im Voraus ehe man sie kennt den Beifall der Gallerien haben ‒ ‒ ‒ weiter konnte er nicht sprechen. Allenthalben der Ruf zur Ordnung, wegen dieser Verdächtigung der Linken, als habe sie mit den Galerien sich in Einverständniß gesetzt. Der Vicepräsident weigert sich, zum Erstaunen und zur Entrüstung aller, den Redner zur Ordnung zu rufen. Da entsteht ein so furchtbarer Tumult daß er sich genöthigt sieht die Sitzung erst auf eine halbe Stunde dann ganz zu schließen. Der Abend wird zu Friedensunterhandlungen benutzt. Natürlich durften die, welche sich Heckschers zu Ausführung ihrer Plane bedient hatten ihn nicht verlassen.
Sehr fein hatten Bassermann und v. Auerswald ihre Anträge zurückgezogen, so daß Hecker als der einzige Friedestörer erschien. Dadurch ward er auf immer von denen getrennt, mit denen er bisher theilweise gestimmt hatte, und seine Mitwirkung an den Bestrebungen der freisinnigen Partei durch den auf einmal in ihm, dem Republikaner, erwachten wüthenden Monarchismus für immer zerstört. Am andern Morgen erklärte v. Gagern er finde keinen Grund, Heckscher zur Ordnung zu rufen (! ! !) wohl aber habe dieser von seinen Freunden eine Erklärung erhalten (sie wird verlesen), daß er ohne seiner Ehre etwas zu vergeben, von der Rednerbühne erklären könne, seine Worte seien mißverstanden worden, er habe nicht beleidigen wollen, glaube auch nichts beleidigendes gesagt zu haben u. s. w. Was sein Amendement betrifft, so schlägt v. Gagern vor, es fallen zu lassen, denen aber, die dafür gestimmt haben würden, zu gestatten, eine Erklärung zu Protokoll zu geben, daß sie im Vertrauen auf die Zustimmung der Regierungen für die Wahl eines Reichsverwesers gestimmt hätten. Als nun Heckscher die Rednerbühne bestieg, erwartete alle Welt auch die wirkliche Abgabe jener Erklärung. Auch das geschah nicht. Er bestätigte sie nur stillschweigend, indem er nicht widersprach, vielmehr äußerte er, der vorgelesenen Erklärung hinzufügen zu müssen, daß er seine Rathgeber mit ihrer Ehre für ihren Rath verantwortlich mache. Sein Amendement nahm er zurück. Und die Linke? auch die Linke beruhigt sich. Blum bewährte nochmals sein ‒ fast möchten wir sagen leider! ‒ schon öfters bewährtes Talent zum Ruhe- und Friedensstifter, und verzichtete im Namen der Linken auf den Ruf zur Ordnung, auf die eingebrachten Amendements, auf die beabsichtigte Appellation an die Versammlung gegen die gestrige Entscheidung des Vicepräsidenten, auf den Widerspruch gegen die Aufnahme des Hecker'schen Amendements in das Protokoll ‒ kurz auf alles Mögliche. Hinter dem Vertreter stehen seine Wähler, sie sind mit ihm beleidigt, sind bei seiner Nachgiebigkeit betheiligt. Und wer sich und mit sich seine Wähler immer wieder einer Majorität fügt, die Widerrechtlichkeiten auf Widerrechtlichkeiten häuft, wer immer wieder die Hand vertrauensvoll Gegnern zur Versöhnung hinreicht, die ‒ die Folge wirds gleich zeigen ‒ nichts anders im Sinne haben, als sofort die Versöhnung wieder zu brechen; wer außerdem persönliche Beleidigungen so ganz ungerügt hingehen läßt, oder sich mit einer so geringen Genugthuung begnügt (sie bestand ja nur darin, daß Andre erklärten, Heckscher könne erklären, ohne daß Heckscher wirklich erklärt hätte), der läßt mit sich und seinen Wählern ein wunderliches Spiel treiben. ‒ Die Sache selbst erheische kein Opfer, welcher Schaden, wenn das Gesetz über die Centralgewalt nicht zu Stande gekommen wäre? ‒ Die Bereitwilligkeit der andern Seite, zur Vereinigung zu kommen, zeigte sich gleich darauf im schönsten Lichte. Der Vicepräsident hatte der gestrigen Beschlüsse unerachtet die Bestimmung des Stedmann'schen Amendements in sein Programm aufgenommen. Darüber beginnt denn von Neuem der gestrige Streit, und die beruhigten und versöhnlich gestimmten Gemüther erhitzen sich wieder. Schon provocirt der unglückliche Ruge auf's Neue auf Entscheidung nach der Geschäftsordnung, schon stellt der Vizepräsident unter heftigem Widerspruch die Frage, da protestirt von Dieskau gegen die Abstimmung; man verliest das gestrige Protokoll, und Stedmann nimmt sein Amendement zurück. Beseler nimmt es wieder auf. Neuer Streit darüber, ob diese Wiederaufnahme zulässig sei. Blum erhebt sich endlich mit seiner ganzen Energie, und fordert auf das Entschiedenste Festhalten am Gesetz, von dem er sich auch nicht das geringste verkümmern lassen will. Umsonst. Noch treten mehrere Redner auf, von Gagern versucht umsonst zu vermitteln, selbst der Vicepräsident macht einen Anlauf, sich in die Debatte zu mischen, da erklärt Schaffrath im Namen der Linken, sie nehme an der weitern Berathung keinen Antheil. Nun erst, nachdem es zum äußersten gekommen, rückt die Rechte mit ihrem wahren Plane heraus. Beseler zieht das aufgenommene Amendement in der Voraussetzung zurück, daß auch der Antrag: die Centralgewalt habe die Beschlüsse der Nationalversammlung zu verkünden und zu vollziehen, ‒ der ganz in Folge der geschlossenen Uebereinkunft im Programm steht ‒ falle.
Man wollte also die Linke ermüden, reizen, auf's äußerste bringen und ihr dann einen neuen Versöhnungsvorschlag machen durch den sie ihre einzige Errungenschaft aufgab und sich gefallen ließ, daß das künftige Oberhaupt der Centralgewalt von der Verpflichtung der Beschlüsse der National-Versammlung zu vollziehen, befreit würde. ‒ So hätte die Rechte außerdem ein Veto für jenes Oberhaupt stillschweigend erlangt, ohne es auf die trügerischen Chancen einer Abstimmung ankommtn zu lassen. Der Vice-Präsident war aber in diesen Plan offenbar nicht eingeweiht, er scheint den Vorbehalt Beselers überhört zu haben und erklärte nunmehr die Sache für erledigt. Auch kam jener Vorbehalt nicht weiter zur Sprache; sondern endlich geht man an's wirkliche Abstimmen. Die Abstimmung zeigt, daß der Rechten ihr Plan, das Ansehen der Linken zu untergraben und den Eindruck ihrer Gründe zu vermischen, überhaupt Verwirrung in die Centren und in die Reihen der Unentschiedenen zu bringen, vollkommen gelungen war. Die Abstimmungen über die Vorfragen hatten die bekannten, größtentheils der Rechten günstige Resultate.
Der Mittwoch beginnt mit neuen Häckeleien. Biedermann will den Ausschuß interpelliren, ob mit der vorgeschlagenen Unverantwortlichkeit des Rechtsverwesers eine parlamentarische Unverantwortlichkeit oder eine persönliche Unverletzlichkeit geschaffen werden solle, allein die Rechte tobt so lange bis er die Rednerbühne verläßt. Vice-Präsident hilft ihm mit der Klingel endlich wieder hinauf und er kommt zum Wort. Dahlmann erwidert, der Ausschuß werde an dem halten was er einmal ausgesprochen, darum gebe er keine Antwort. Er will eine Verlesung an diese Erklärung anknüpfen, wird aber von der Linken unterbrochen, und vom Vice-Präsidenten mit den Worten: entweder eine Antwort oder keine Antwort, von der Tribüne gejagt. Es kommt zur Abstimmung über die Unverantwortlichkeit. Sie wird angenommen, nachdem selbst Mittermaier, der einen Vorbehalt machen wollte, von der Rechten, die entsetzlich tobte und durch Schreien die Verhandlungen zu beherrschen suchte, nicht zum Worte zugelassen worden war.
Wie sehr dies Gesetz ein Triumph der Reaktion sei, geht am besten aus dem schneidenden Widerspruch, den es in sich trägt, hervor. Die Schlußbestimmung lautet: Sobald das Verfassungswerk für Deutschland vollendet und in Ausführung gebracht ist, hört die Thätigkeit der provisorischen Centralgewalt auf. Da nun aber ausdrücklich abgelehnt wurde, dem Reichsverweser die Verpflichtung aufzulegen, die Beschlüsse der Versammlung zu vollziehen, so kann er ganz ruhig sagen: Nach dem Gesetze habe ich nicht die Verpflichtung den Beschluß über die Verfassung zu vollziehen, a so vollziehe ich ihn nicht; wohl aber habe ich das Recht Reichsverweser zu bleiben, bis das Verfassungswerk vollzogen ist, also ‒ bleibe ich Reichsverweser bis an mein höchst seliges Ende!
So wurde der provisorische deutsche Kaiser gemacht.
@xml:id#ar033_010
@typejArticle
@facs0164
Frankfurt, 29. Juni.
Die Reichstagszeitung gibt folgende Andeutungen über die Prager Ereignisse: „Das Dunkel beginnt allmälig sich zu zerstreuen, und es läßt sich bereits erkennen, daß der Sieg Windisch-Grätz' in seinem Zweck und seiner letzten Konsequenz ein Triumph des Absolutismus über die Freiheit war. Die Aristokratie in Böhmen, zu welcher dieser Mensch gehört, hegte lange die Hoffnung, daß der Slavenkongreß und die czechische Partei sie und den nach den Maitagen aus Wien geflüchteten Hochadel zum Bundesgenossen annehmen werde, um gemeinsam die errungene Freiheit in Oesterreich niederkämpfen und die österreichische Dynastengewalt in ihrer alten Unumschränktheit herstellen zu kennen. Fürst Windisch-Grätz hielt es deshalb nicht unter seiner Würde, mit dem Slavenkongreß zu liebäugeln und selbst in den Sitzungen desselben zu erscheinen. Als aber die slavische Partei ein solches Bündniß zu solchem Zwecke von sich wies, als in allen drei Sektionen dieses Kongresses beschlossen ward, daß nur auf demokratischer Basis die Slaven Oesterreichs sich konstituiren können; daß Brüderschaft mit allen freien Nationen zu schließen sei und nie ein Krieg aus Gründen der Nationalverschiedenheit begonnen werden dürfe, daß endlich nie und nimmer irgend ein Bündniß mit einer despotischen Regierung zu schließen oder mit solcher gemeinschaftliche Sache zu machen sei ‒ da verkehrte sich die anfängliche Annäherung in tiefen Haß und man führte geflissentlich den Zusammenstoß herbei, der zu jener barbarischen That, dem Bombardement Prags, führte, welche als solche zu brandmarken das deutsche Volk, fühlt es sich der Freiheit würdig, nicht anstehen darf.
Wir erinnern, daß die N. Rh. Ztg. gleich von Anfang an die Erhebung der Czechen als einen Kampf gegen den Absolutismus aufgefaßt hat.
@xml:id#ar033_011
@typejArticle
@facs0164
[*] Kassel, 29. Juni.
Aus unserer Nachbarstadt Rotenburg verlauten wiederum Nachrichten von blutigen Excessen zwischen Mili- [0165] tär und Volk; es heißt, daß die Stadt, welche sich in vollem Aufruhr befindet, an mehreren Orten in Brand stehe.
Französische Republik.
@xml:id#ar033_012
@typejArticle
@facs0165
[*]
Die Leser der „Neuen Rheinischen Zeitung“ haben wir fortwährend auf die Intriguen der Partei des „National,“ verkörpert in Marrast, aufmerksam gemacht.
[#]
‒ Man hat die Nationalgarden von Belleville aufgelöst. Die Auflösung eines Korps Nationalgarde nach dem andern beweist, wie wenig wirkliche Sympathien die Junirevolution besaß und daß sie nur die Auflehnung einer „geringen Minorität“ gegen das ganze Land war.
‒ Folgendes Faktum, von der „Union“ mitgetheilt, das in der Nationalversammlung zu Interpellationen Anlaß geben wird, wirft ein neues Licht auf die Intriguen der Partei des National und erklärt, warum der Maire von Paris, Marrast und der ihm angehörige Pentarch Marie gleichzeitig die Arbeiter zur Verzweiflung zu treiben suchten. Man höre:
„Eine telegraphische Depesche von Paris, veröffentlicht durch ein algierisches Journal, l'Akhbar, kündigte unter dem 15. Juni die Abdankung der Exekutiv-Kommission und ihre Ersetzung durch die Herren Marrast, Berger und Cavaignac an.“ Und unter wessen Obhut steht der algierische Telegraph? Unter der des Kriegsministers. Und wer war Kriegsminister? Cavaignac.
Der „Peuple constituant“ sagt: „Nach dem Lügenblatt, dem Constitutionnel, soll Herr Deflotte, Schiffslieutenant, am Abend des 22. Juni, in der Sitzung des Club du peuple, die Schlacht vom 23. vorher angesagt haben. Dieses Anekdötchen ist gänzlich erdichtet.
Seit einigen Tagen treiben gewisse Journale einen unwürdigen Handel mit schauerlich gehässigen Chroniken. Pistole und Dolch sind schon abgegriffene Effektmittel. Die Vergiftung spielt eine mannigfach variirte Rolle. Sie verfielfacht sich unter allen Formen. Hier Frauen, die vergifteten Brandtwein verkaufen; dort Hausirer, die den Soldaten vergiftete Cigarren anbieten, deren tödtliche Folgen sie sofort verspüren. Wir sprechen nicht einmal von den Verstümmlungen, abgeschnittnen Köpfen, blutwilden Rachethaten, deren Wiederholungen sich von selbst versteht bei Leuten, welche die Plünderung und die Nothzucht organisirt hatten. Bei jedem Gefangnen, wer weiß es nicht, hat man Beweisstücke dieser unbarmherzigen Teufelswuth gefunden. Vor allem, sagt man, wollten die Insurgenten tödten. Die einfache Kugel, die gehackte Kugel, gewöhnliches Geschoß, geben nicht sicher genug den Tod. Stücke von oxydirtem Kupfer, oder besser noch, kleine Kupferröhren, gefüllt mit Pulver, und dergestalt mit einem Zunder versehn, daß sie in der Wunde sich entladen mußten, ‒ mit solchen Ingredienzen luden die Insurgenten ihre Gewehre. Wir brechen ab; denn, um ernsthbft zu sprechen, sind diese Berichte die Folge eines extravaganten Deliriums, oder der feigen Berechnung einer Partei, die, wie immer, auf die Verläumdung spekulirt! Soll dies Gemälde der Infamie ein Portrait unsrer Nation sein?
‒ Man liest im Moniteur: „Es ist unmöglich, alle Verläumdungen aufzuzählen, welche mehre Journale täglich veröffentlichen.
‒ Die Gesellschaft der Menschenrechte erklärt, der Insurrektion der letzten Tage fremd geblieben zu sein. Diese Gesellschaft besteht aus 35,000 Mann, und behält sich den Kampf der Zukunft vor.
Die „Nation“ berichtet:
„Es herrscht große Uebertreibung in dem, was gesagt und gedruckt worden ist über die Zahl der Galeerensklaven und freigelassenen Sträflinge, die sich in den Reihen der Insurgenten befunden haben sollen. Unzweifelhaft, in diesen Tagen, wie in allen Tagen des Bürgerkriegs, haben der Justiz Verfallene einige Missethaten zu begehn versucht, aber bis zu diesem Augenblick hat man positiv nur zwanzig Korrektionelsträflinge, einen einzigen Galeerensklaven, der den Bann gebrochen hatte, Namens Boulard, und einen entlassenen Gefängnißsträfling, Namens Clément, mit dem Beinamen, Longue-Epée, unter den Gefangenen entdeckt.
@xml:id#ar033_013
@typejArticle
@facs0165
Paris.
Man weiß, daß eine große Anzahl von Insurgenten in dem Keller der Conciergerie eingesperrt waren. Zwei Tage befanden sie sich hier, von einem Augenblick zum andern erwartend, daß die Sieger sie unter dem Vorwand des Belagerungszustandes von Paris niederschießen würden. Da begannen sie in ihrer Einsamkeit sich durch Singen ihrer Lieder zu unterhalten. Der Polizeikommissar gebot ihnen Schweigen; und als sie fortfuhren zu singen, öffnete der Beamte den Kranen einer Pumpe, welche in den Keller geht. Das Wasser strömte hinein, bis es den Gefangenen an die Waden reichte. Sie fuhren fort zu singen. Es wurde neues Wasser hinuntergelassen, bis es über die Knie der Verhafteten reichte; aber noch immer sangen sie weiter. Erst als das Wasser an ihre Schultern ging, hielten sie in ihren Liedern ein, um von ihren Peinigern nicht wirklich ersäuft zu werden! Das ist die Rache der „honetten Republik,“ der Republik der Biedermänner an wehrlosen, nur nach einem beispiellosen Heldenkampf gefallenen Demokraten!
‒ Als einen neuen Beweis, wie sehr die Arbeiter in dem Kampf gegen die Bourgeoisie von „Raub- und Plünderungsgelüsten“ beseelt waren, theilt die „Ere nouvelle“ unter Anderem die Notiz mit, daß ein Insurgententrupp, der das Collége Heinrich IV. besetzt hielt, und dem es an allen Lebensmitteln fehlte, sich doch weigerte, die Vorräthe des Hauses anzurühren; sie sagten, wir wollen nicht das Brod dieser Kinder verzehren.
‒ Die Nachricht von der Verhaftung Kersausie's bestätigt sich nicht.
‒ Die Zahl der in die Katakomben gedrängten Insurgenten soll sich über Tausend belaufen. Sie haben sich in diesen furchtbaren Gängen bereits zerstreut und verirrt, und man hört an verschiedenen Stellen aus den unterirdischen Gewölben verzweiflungsvolle Hülferufe erschallen.
[(Nation)]
@xml:id#ar033_014
@typejArticle
@facs0165
[17] Paris, 30. Juni.
Die noch existirenden Journale hüten sich die Wahrheit zu sagen. Wie auf Nadeln stelzen selbst die besten einher und verschweigen alles was der souveränen Klasse mißliebig sein könnte. Kein einziges wagt die „Heldenthaten“ der Mobilgarde z. B. im rechten Lichte darzustellen. Diese Gamins de Paris und Herumtreiber welche militärisch gedrillt, von der Bourgeoisie mit 30 Sous per Tag besoldet sind, und von Anfang an speziell geliebkost wurden, hatten erwiesenermaßen vom ersten Revolutionstage ab eine erhebliche Lohnerhöhung bekommen. Die Bourgeois geizten diesmal sogar mit seinen Weinen und Liqueuren nicht, um die Offiziere derselben zu enthusiasmiren, und gaben den Gemeinen vollauf des Schnapses. Das wirkte. Im Faubourg St. Jacques stahlen die Mobilen und nothzüchtigten; was die Siegerpartei jetzt dahin umdreht, die Insurgenten hätten im Faubourg St. Antoine ein Erziehungsinstitut junger Mädchen entehrt. Es ist aber notorisch daß die Insurgenten überall, das äußerste Ende des Faubourg St. Marcel (wo Lumpenproletariat seit undenklichen Zeiten haust) ausgenommen, meist als Ehrenmänner sich betrugon; die beiden Geistlichen die dem verwundeten Erzbischof im Faubourg St. Antoine zur Seite standen, die vielen Deputirten die Bewohner des Gymnasiums Henri IV., alle sind einstimmig darüber. Mit raffinirter Tücke hebt dagegen die Bourgeoispresse einzelne Racheakte der wider eine ungeheure Uebermacht ringenden Kämpfer hervor; ja macht ihnen selbst zum Vorwurf, die geringe Quantität durch die Qualität der Waffen ersetzen gewollt zu haben. So schreien jetzt die Leute über Skandal wegen der s. g. gehackten Kugeln, d. h. Kugeln die in der Eile nicht gegossen, sondern aus Metallstreifen zusammengerollt, und wegen der in Fingerhüte gegossenen; auch die Schwefelsäure- und Terpentinspritzen mißfallen jetzt denselben Bourgeois die sie vor einigen Monaten im Straßenkampf zu Messina, Palermo und Mailand gar heroisch gefunden hatten.
So eben höre ich aus glaubhafter Quelle folgendes: ein Mobiler stürmt am Samstag eine Barrikade und nimmt seinen Bruder gefangen; einige Minuten drauf ruft er einige Kameraden und schießt ihn mit ihnen nieder. Nach den Schreckenstagen rühmt er sich dessen in einer Weinstube, und wird von einem Anwesenden dafür mit der Flasche zu Boden geschlagen. Der Schwager des Mobilen geht zufällig vorbei und ruft: Gottlob, jetzt brauche nicht mehr ich diese Elenden zu schlagen, ich suchte ihn schon seit drei Tagen. Die Gefangenen werden, mit auf den Rücken geschnürten Armen, zu Tausenden auf einander gestapelt; man giebt ihnen weder Luft noch Wasser; sie verfaulen im Schmutz. Viele sollen Thränen vergießen, was die Herren Bourgeois in der Kammer als ‒ Zeichen der Reue mit wohliger Schadenfreude bemerken. Ein andrer Fall von Mobilheroismus: ein Insurgent war abgeschnitten, er weigert aber sich zu ergeben und verschießt die letzte Patrone: da sinkt er verwundet nieder und die jungen Helden à 30 Sous per Tag, diese Munizipalgardisten der Assemblée, stopfen ihm hohnlachend und bis zum Ersticken Kommisbrod in den Mund, mit dem Geschrei: Mange, canaille de voleur. Am Clos St. Lazare mordeten sie eine halbe Stunde lang alle Frauen, Greise und Kinder die sie in den Kellern versteckt fanden, und überließen der Bourgeoisgarde das chavalereske Füsiliren der mit den Waffen in der Hand ergriffnen männlichen Gefangnen.
Die Meinung der echten Boutiquiers ist, Cabet, Considerant und ‒ Proudhon müßten in 8 Tagen gehenkt werden; Lamartine und Ledru-Rollin wünscht man gleichfalls den Strang. Wahrscheinlich kommen sie in Anklage. Lamartine ist ein niederträchtiger Bube (un lâche) schrie mir ein Nationalgardist der 10ten Legion im Kafé zu: „denn ohne ihn hätte mein Rock nicht diese Flecken vom Gehirn und Blut meines Serganten.“
In dem Hospitälern die ich in Erfüllung meiner ärztlichen Pflicht täglich besuche, werden von den wachthaltenden Herren Studiosen die pöbelhaftesten Ausdrücke neben dem Bette verwundeter Insurgenten ausgesprochen. Ich erstaunte über diese Spitze bürgerlicher Demoralisation, und bekam den erbaulichen Bescheid: es sei ja schon honnett, daß man dieserlei Leute aufnehme. Unvermeidlich unter solchen Umständen ist es, daß nicht wenige der verwundeten Besiegten in ein Delirium und Rasen verfallen, welches mit dem Wundfieber gar nichts gemein hat; man hat mehrmals vom Zwangskamisol Gebrauch zu machen für gut erachtet. Sonderbar auch, daß im St. Louisspital gerade die Wunden der Insurgenten dem Brande anheimfallen, ohne daß etwas dagegen geschieht. Uebrigens haben die Blessirten es kaum schlimmer als die gefangenen Insurgenten; bei letztern finden sich zahlreiche Quetschwunden durch den engen Raum in den die Bourgeoisie sie zusammenstaucht, und Gangrän und Typhus strecken die unentrinnbare Kralle über alle aus die im Tuilerienschloß, in der Präfektur u. s. w. seit 4 Tage ohne Suppe und Wasser blieben; die Banlieuehelden stehen Schildwache vor den Gittern und haben bereits ein halb Dutzend Verschmachtender, welche Luft schöpfen kamen, mit Bayonett und Schuß getödtet, und die Leichen in Mitten der Lebenden verwesen lassen. Freilich, dieserlei steht nicht in der Tagespresse, und wird auch wohl gar von gedungenen deutschen Journalfabrikanten abgeleugnet werden.
‒ Die Ex-Munizipalgardisten, welche sich in Paris oder der Umgegend befinden, haben sich bei der I. Militär-Division zu melden und ihre Wohnung anzugeben.
‒ Eine Anzeige des Gouverneurs der Bank benachrichtigt die Aktionäre, daß die Dividende des ersten Semesters mit 30 Franken per Aktie à 1000 und resp. 1200 Franken für sie von übermorgen an bereit liege.
‒ Das Kriegsgericht, das seit drei Tagen die eingesperrten Insurgenten unaufhörlich verhört, hat seine Urtel noch nicht gefällt. Die fürchterliche Härte, mit der man die Gefangenen behandelt, trieb bereits mehrere derselben zum Selbstmorde. Noch diesen Morgen schnitt sich einer der Unglücklichen in der Abbaye die Gurgel ab. Andere haben den Verstand verloren.
@xml:id#ar033_015
@typejArticle
@facs0165
Nationalversammlung, Sitzung vom 30. Juni.
Präsident Marie eröffnet dieselbe um 1 Uhr mit einer Rede, in der er der Versammlung für das ihm bewiesene Vertrauen dankte und seine ganze Galle gegen die Sozialisten, die er als Väter der letzten Schlacht darstellte, ausgoß. „Bürgerrepräsentanten, begann er, Ihr habt mich zu Eurem Präsidenten gewählt, das ist unter den gegenwärtigen schwierigen Umständen ein Beweis großen Vertrauens. Ich werde mich anstrengen, Eurem Vertrauen durch meine ganze Aufopferung zu entsprechen. Die verhängnißvollen Tage, die Frankreich in so tiefe Trauer stürzten, haben für Alle sehr ernste Pflichten geschaffen, das weiß ich, doch ich will mich ihnen unterziehen. Die Republik bleibt rein und fest und wird mächtig und furchtbar werden, denn die Anarchie vermöchte sie nicht zu bekämpfen und wird sie nie besiegen. Nein, es war nicht das Februarvolk, das die verbrecherischen Barrikaden errichtete, auf denen, dem Himmel sei Dank, nie die Fahne der Republik wehte! Nein, nicht die Republik hat die Republik (die dreifarbige, die rothe Fahne) sondern die Republik hat die Barbarei bekämpft (Beifall). Der Sieg war für uns in den Urtheilen der Menschheit geschrieben; an uns ist es, Bürger, ihn aufrecht zu erhalten durch die Weisheit unserer Arbeiten, durch die Entschlossenheit unseres Auftretens und durch die fortwährende aber gemässigte Entwickelung der mit der Republik ausgesprochenen Grundsätze. Frankreich weiß das und wird Euch dafür erkenntlich sein. Aber ihr bedürft all Eures Muthes, einen festen Willen, um Eure Aufgabe zu lösen. Mit der Ruhe in der Hauptstadt, mit der Ordnung überall, wird es uns möglich sein, alle Leiden zu mildern, allen Uebeln zu helfen und alle Erwerbsquellen von Neuem hervorsprudeln zu machen. Ich freue mich, daß Ihr mich an diesen Platz riefet, wo ich zur Lösung dieser edeln Aufgabe doppelt beitragen kann.“
Schließlich preist Marie, dem zur Stillung aller Leiden als Glied des Vollziehungsausschusses schon die schönste Gelegenheit geboten worden war, aber von ihm schlecht benutzt wurde, noch die Verdienste seines Vorgängers, des so eben zum Minister des Innern ernannten Senard. Nach dieser Rede, die natürlich großen Beifall erregte, zog der Präsident die Bureau in der üblichen Weise. Dann schritt die Versammlung zur Tagesordnung, nämlich zur Berathung des Wahlgesetzes für Gemeinde-, Arrondissements- und Departementsräthe, denen die vorige Regierung einen ziemlich engen Kreis angewiesen hatte. Favart liest seinen desfälligen Bericht vor, und es entspann sich eine lange Debatte, der jedoch Niemand wesentliche Aufmerksamkeit schenkte. Für das Ausland möge genügen, daß dieses Gesetz, neue Wahlen, für die Stadträthe bis zum 1. August und für die Bezirks- und Departementsräthe bis zum 1. September circa vorschreibt. (4 Uhr.)
(Nach 4 Uhr.) Der einzige Punkt der im Verlaufe der dreistündigen Debatte zu ziemlich heftiger Besprechung Veranlassung gab, bestand in einem Amendement das Picard zum § 6 als dritten Abschnitt stellte und also lautet:
„Der Maire und seine Adjoints sind von und aus dem Gemeinderath zu wählen.“
Dieses Amendement stieß auf harten Widerspruch, weil man es, obgleich mit dem Verfassungsentwurf völlig im Einklange, für die Centralstaatsgewalt gefährlich hielt. Der Maire, von dem Gemeinderath ernannt, würde zum Sklaven desselben herabsinken.
Senard, Minister des Innern, selbst rieth zur Vorsicht, namentlich unter den gegenwärtigen Umständen, wo sich leicht Sonderbundsgelüste in einzelnen Stadträthen fühlbar machen könnten.
Die Debatte wurde um 6 Uhr abgebrochen und auf Morgen verschoben.
Recurt, Minister der Staatsbauten, besteigt die Bühne und verlangt einen Kredit von 6,000,000 Frs. für die Lyoner Bahn.
Delongrais protestirt heftig, kann aber doch nicht hindern, daß der Kredit morgen schon diskutirt und wahrscheinlich bewilligt wird.
Zum Schlusse wählt der Präsident eine Deputation von 9 Gliedern, welche morgen die Leiche des Generals Negrier nach Bille begleiten soll. (7 Uhr.)
Großbritannien.
@xml:id#ar033_016
@typejArticle
@facs0165
[*] London, 30. Juni.
Nach einer kurzen Diskussion über weniger wichtige Gegenstände ging gestern das Unterhaus zu der vertagten Debatte der Zuckergesetze über. Zuerst erhob sich Sir Robert Inglis und drückte sein Erstaunen darüber aus, daß mit zwei Ausnahmen, noch kein einziger Redner in den früheren Debatten die mit der Abschaffung der Zuckerzölle zusammenhängende Frage der Emancipation der Sclaven berührt habe. Die Vorschläge des Gouvernements würden nur vom materiellen und nicht vom moralischen Standpunkte aus diskutirt. Die im Jahre 1846 eingetretene Ermäßigung der Zuckerzölle habe den Sclaven-Import nach Brasilien allein um 73,000 Individuen vergrößert und ohne Uebertreibung könne man annehmen, daß in Folge jenes Gesetzes jährlich 300,000 Sclaven von den Afrikanischen Küsten aus verschifft wurden. Sir Robert las dann einzelne Stellen aus einem „fünfzig Tage an Bord eines Sclavenschiffes“ genannten Werke vor, in dem erzählt wurde, daß von einer Ladung von 400 Sclaven, während eines Sturmes, in einer Nacht 54 Personen in ihrem Bestreben an den Lucken des Verdecks etwas frische Luft zu schöpfen den schrecklichsten Tod fanden. Das seien die Folgen jener traurigen Aufmunterungen, die man durch die Gesetze der letzten Jahre dem Sclavenhandel gegeben habe. Er glaube, daß der ärmste Mann in England gern seinen Zucker etwas theuerer bezahlen als so scheußliche Vorgänge unterstützen wolle. Er widersetze sich daher den Vorschlägen des Gouvernements und stimme für das Amendement Sir G. Pakington's.
Hr. Barkly bemerkte dann, daß man die Unterstützung, welche den westindischen Pflanzern zu Theil werden solle, nur so lange Zeit bewilligen könne, als sie zur Erlangung einer größern Anzahl Arbeiter und einem besseren Verhältniß zwischen Arbeitgebern und Arbeitern nöthig sei. Nach ihm, handle es sich um eine feste Steuer von 5 Shilling per Zentner für eine lange, oder um eine von 10 Sh. per Zentner für eine kurze Zeit und er glaube, daß der letztere Satz günstiger für England und zugleich von mehr Nutzen für die Kolonien sein werde. Er widerlegte dann die verschiedenen Reden der ministeriellen Seite und leugnete die oft erwähnte mangelhafte Bebauung der westindischen Kolonien, indem er sich stark dagegen aussprach, daß man den Sclavenzucker anderer Länder mit dem englischen Emancipationszucker konkurriren lasse. Die Frage sei, ob man die ganze Sclaven-Emancipation nur als ein bloßes Experiment betrachten und alle Anstrengungen und Ausgaben der letzten 50 Jahre, um ihr ein Ende zu machen, als gar nicht geschehen betrachten wolle.
Hr. Labouchere erwiederte darauf, daß das ganze Land nun einmal dieselben Zollsätze für ausländischen und westindischen Zucker verlange, und daß nichts schädlicher sein würde, als die Kolonien jetzt auf's Neue bedeutend zu protegiren, um sie dann doch später, wenn jener Schutz aufhöre, der ausländischen Konkurrenz zu überlassen. Die Zuckergesetze von 1846 hätten zwar nicht den erwarteten günstigen Erfolg gehabt; die finanziellen Verwicklungen seien indeß mehr Schuld hieran, als der Geist jener Gesetze. Er theile die Indignation Sir R. Inglis in Betreff jener Greuel des Sclavenhandels, er sei aber davon überzeugt, daß man zuletzt mit freier Arbeit siegen werde, wenn man fortfahre, keine Sclaverei in den britischen Besitzungen zu dulden, und nur eine gewisse Anzahl freier Arbeiter einwandern lasse, um die übertriebenen Lohnforderungen der emancipirten Neger zu balanciren.
Hr. Goulburn suchte seinen Vorgänger zu widerlegen; er erkannte die Noth der Kolonien an, glaubte aber, daß die vorgeschlagenen Maßregeln des Gouvernements unzureichend seien.
Sir Robert Peel erhob sich da, wie immer unmittelbar vor dem Schluß einer jeden großen Debatte, und warf die Gewalt seiner Beredsamkeit zu Gunsten der ministeriellen Vorschläge in die Wegschaale. Sir Robert beleuchtete die Frage noch einmal von allen Seiten; er glaube, auf demselben Wege kommerziellen Aenderungen, den er früher betreten, fort wandern zu müssen. Das System der Sklaverei werde vor dem Geiste der Zeit bald überall fallen müssen. Er glaube, daß man durch die fraglichen Propositionen nicht zu demselben zurückzukehren gezwungen sei; durch Maßregeln, welche den gegenwärtigen Weltzuständen angemessen seinen, werde man den Triumph der freien Arbeit sichern und dadurch schließlich auch die Prosperität der Kolonieen. Nachdem noch Lord John Russel, Hr. Muntz und Hr. Anstey gesprochen hatten, schitt man zur Abstimmung. Für die ministeriellen Propositionen waren 260 Stimmen; gegen dieselben 245. ‒ Majorität für die Minister 15 Stimmen.
[0166]
@xml:id#ar033_017
@typejArticle
@facs0166
[*] London, 30. Juni.
Es wird für deutsche Leser nicht ohne Interesse sein, noch einige Ansichten eines der hiesigen Bourgeois-Blätter, des „Londoner Telegraph,“ über die Juni-Revolution kennen zu lernen. Dadurch dürfte noch Manchem über die Jämmerlichkeit und Gemeinheit deutscher Bourgeois-Zeitungen ein Licht aufgehen, das grade in jetziger Zeit sehr Noth thut. „Was den heroischen Muth anlangt“, sagt der „Telegraph“, womit die Insurgenten gefochten haben, so bedarf es hierüber keines Wortes. Die einzige Thatsache, daß ungefähr 30,000 Arbeiter vier Tage lang eine fünfmal größere Macht an Linientruppen National- und Mobilgarden und eine furchtbare Artillerie in Schach hielten, spricht mehr als ganze Bücher.
Vielen Lesern wird es schwer fallen, den Zweck der Insurrektion zu begreifen. Es wird ihnen seltsam vorkommen, daß ein Volk im Besitz einer republikanischen Regierung mit unbeschränkter (?) Preßfreiheit, allgemeinem Stimmrecht, Vereinigungs- und Versammlungsrecht, wenige Monate nach einer volksthümlichen Revolution den Versuch macht, mit Waffengewalt die von ihm selbst errichtete Regierung zu stürzen.
Allein es ist hier im Auge zu behalten, daß die letzte Revolution eine soziale war. Die Arbeiter selbst verstehen darunter die Verbesserung ihres Looses, Garantie dauernder Beschäftigung gegen gutes Tagelohn und Annäherung ihrer gesellschaftlichen Stellung an die der Bourgeois-Klasse. Nun, diese soziale Revolution glaubten sie im Februar erreicht zu haben. Aber sie sahen oder glaubten zu sehen, daß mit einer National-Versammlung, wie die gegenwärtige zusammengesetzt ist, auch nicht die entfernteste Wahrscheinlichkeit gegeben sei, als würde von ihr auch nur ein Versuch zu ernstlicher Verbesserung des Arbeiterlooses gemacht werden.
Daraus entsprang unter ihnen eine große Unzufriedenheit. Diese ward natürlich durch die Noth, welche sie in den letzten vier Monaten wegen Arbeitsmangel erduldet, in keiner Art gemindert. Ferner an einer andern Stelle: „Soll die Intelligenz in Europa, die jetzt mit der Armuth und dem Elend der großen Masse sich beschäftigt, im Stande sein, die Gesellschaft friedlich einer glücklicheren Zukunft entgegen zu führen, so muß sie vor allen Dingen frei sein. Jede Hoffnung hätte ein Ende, jede Anstrengung der Intelligenz hörte auf, wenn letztere durch irgend eine bestehende Gewalt oder Theorie in Fesseln gelegt würde. Deshalb bedauern wir tief, daß die Intelligenz Frankreichs, die raisonnirenden Fähigkeiten der französischen Nation, die einen wesentlichen Theil der für die ganze menschliche Gesellschaft nothwendigen Fähigkeiten bilden, blos unter der Diktatur des Militärgesetzes thätig sein soll . . . . . . In einer Zeit, wo die Gesellschaft mit beispiellosen Schwierigkeiten kämpft, wo die gewöhnliche Weisheit der Staatsmänner vollständig bankerutt macht, wo es erwiesen ist, daß die Hemmschuh-Gesetze, die von jenen Staatsmännern fast allein begriffen oder studirt werden, schlimmer als nutzlos, ja wirklich destruktiv sind; in einer solchen Zeit ist die ganze Welt tief dabei interessirt, daß die Intelligenz Frankreichs und Europas freien, ungehinderten Spielraum habe . . . . Unsere Kollegen sind folglich Verräther an sich selbst, Verräther an ihrer großen Aufgabe, wenn sie mit einem Male zu der Fesselung der Intelligenz durch die Dekrete eines Cavaignac, eines Thiers oder eines Russel ihre Zustimmung geben und sich mit den in dieser Art abgesteckten Gränzen begnügen.“
Schweiz.
@xml:id#ar033_018
@typejArticle
@facs0166
Basel, 28. Juni.
(Basl. Ztg.) Am 27. Juni starb in Aarau in hohem Alter Hr. Heinrich Zschokke, als Schriftsteller berühmt, einflußreich auf die Entwicklung des schweizerischen Volkslebens durch den von ihm gegründeten Schweizerboten“.
Rußland.
@xml:id#ar033_019
@typejArticle
@facs0166
Orel, 7. Juni.
Heute ist hierselbst ein schreckliches Feuer ausgebrochen, welches, von einem ungewöhnlich heftigen Winde unterstützt, einen bedeutenden Theil der Stadt verheert hat. Aus den Berichten der städtischen Behörden ergiebt sich, daß 1257 Häüser, unter denen 50 massive, 80,000 Tschetwert Getraide, gegen 100,000 Pud Hanf, 4 hölzerne Brücken und 4 massive Kirchen ein Raub der Flammen geworden sind. Im Ganzen beläuft sich der Verlust auf 3,425,000 S. Rub. 8 Menschen sind umgekommen, 2 verbrannt. Der Kaiser hat als erste Hilfe für die dringendsten Bedürfnisse 50,000 S. Rub., das Ministerium des Innern 10,000 S. Rub. gezeichnet; außerdem ist eine Liste zu freiwilligen Beiträgen im ganzen russischen Reich eröffnet worden.
[(B. Z. .Z.)]
Türkei.
@xml:id#ar033_020
@typejArticle
@facs0166
Smyrna, 9. Juni.
Die Sardinier scheinen Lust zu haben, die in der Levante befindlichen östreichischen Schiffe aufzubringen; eine ihrer Kriegs-Korvetten liegt bei Tenedos, und nur seiner Schnelligkeit hat es das Dampfschiff des östreichischen Lloyd „Orient“ (Baeon Eichhof) zu danken, daß er der Wegnahme entging. Auch auf die östreichische Kriegs-Goelette „Elisabeth“ machte die Korvette Jagd. Wie es heißt, hat gestern ein sardinisches Kriegs-Dampfschiff bei Qurlac gekreuzt.
Aus Griechenland laufen immer noch die betrübendsten Nachrichten hier ein. Die dortigen Verhältnisse haben bis jetzt noch keine günstigere Wendung genommen; hier unterdrückte Aufstände, die anderwärts immer wieder ausbrechen, vollständige Anarchie, große Geldnoth und die tägliche Auflösung aller ohnehin sehr lockeren gesellschaftlichen Bande. Während auf der einen Seite die Aufrührer Kondojannis, Papakosta und ihre Anhänger sich von Hypates auf türkisches Gebiet flüchten mußten, hat Lysander Vileati in Pyrgos, einer der angesehensten Männer, revoltirt, sich jedoch nicht lange halten können, sondern nach Zante fliehen müssen. Alle diese sich immer folgenden Aufstände stellen am besten den Geist, der im Volke herrscht, und dessen Lage dar. Mit Ausnahme von zwei oder drei der Regierung ergebenen Blättern beklagt sich die ganze griechische Presse und verlangt Anhörung der allenthalben sich mehrenden Klagen. Die Regierungs-Blätter schieben die Verantwortlichkeit der letzten Vorfälle immer noch den Türken zu, und das griechische Kabinet hätte gewonnenes Spiel, wenn er das Volk glauben machen könnte, daß ausländischer Einfluß die Bestrebungen seiner inneren politischen Gegner unterstütze.
Die griechische Regierung hat endlich den energischen Reclamationen der Pforte nachgegeben und den türkischen Hellenen Apostole Nadir, Urheber des bekannten Attentats auf Mussurus in Athen, der türkischen Gesandtschaft überliefert, damit er vor seine Richter in Konstantinopel gestellt werde.
[(Oestr. Lloyd.)]
@xml:id#ar033_021
@typejArticle
@facs0166
Köln, 2. Juli.
Wenn deutsche Zeitungen nicht blos kurze Artikel, sondern ganze Spalten hinter einander aus unserm Blatte abdrucken, so mögen sie doch auch die Quelle nennen, aus der sie schöpfen. So hat die „Allg. Od.-Ztg.“ in ihrer Nro. 149 anderthalb Spalten aus Frankreich und England uns entlehnt; die „Düsseldorfer Ztg.“ die sizilianische Konstitution und unsere Uebersetzung des französischen Verfassungsentwurfs nachgedruckt u. s. w., dabei aber die Nennung der Quelle für überflüssig gehalten. Viele andere Blätter sind in ähnlicher Weise verfahren. Sollte das noch ferner geschehen, so werden wir unsererseits jene Blätter ebenfalls nicht zitiren und außerdem von Zeit zu Zeit ein Register derer veröffentlichen, die uns blos stillschweigend benutzen.
[Leserbrief]
@xml:id#ar033_022
@typejArticle
@facs0166
Der demokratische Verein von Dortmund.
In Erwägung, daß in seiner Sitzung vom 26. Juni der Beschluß gefaßt wurde, einer reaktionären Demonstration, welche angeblich von den Landen Berg und Mark ausgehen sollte, durch eine Erklärung entgegenzutreten;
In Erwägung ferner, daß eine aus Beamten und Geldleuten auf die seltsamste Weise zusammengekommene Reisegesellschaft, welche mit einer an das Camphausensche Ministerium gerichteten Adresse, an der man nicht weiß ob man ihre Unverschämtheit oder ihren Blödsinn mehr anerkennen soll, in Wahrheit sich am 27. von hier nach Berlin auf den Weg gemacht hat;
erklärt hiermit, daß besagte Reisegesellschaft ihm geeigneter erscheint allgemeine Heiterkeit zu erwecken, als ein Gegenstand des Unwillens und der Entrüstung zu sein. Und beschließt diese Erklärung durch den Druck zu veröffentlichen.
Dortmund, den 29. Juni 1848.
(Folgen die Unterschriften.)
Frucht- und Fourage-Preise
gap: insignificant
Handels-Nachrichten.
gap: insignificant
[Anzeigen]
@typejAn
@facs0166
Civilstand der Stadt Köln.
Geburten
29. Juni. Hel., T. v. Peter Schmitz, Schneider, gr. Griechenm. ‒ Heinr., S. v. Friedr. Wilh. Gülich, Konditor, Josephstr. ‒ Henriette, T. v. Karl Hamacher, Wollenwaarenfabrik., Straßburgerg. ‒ Kath., T. v. Wilh. Lehen, Glaser u. Anstr., Streitzeuggasse. ‒ Anna, T. v. Joh. Wolf, Tagl., gr. Spitzeng. ‒ Karl Ludwig, S. v. Wilh. Weiskopf, Polizeibote, Poststraße. ‒ Franz, S. v. Eduard Müller, Kaufm., Rheinaustr. ‒ Zwei uneheliche Knaben.
30. Juni. Valent., S. v. Heinr. Hamacher, Steinh., Perlengr. ‒ Anna Kath. Adelh., T. v. Joh. Heinen, Werkführer, Kämmerg. ‒ Franz Peter, S. v. Franz Jos. Dolleschall, Kaufm., Hunnenrücken. ‒ Sophia Marg. Louise, T. v. Peter Jos. Valter, Schuster, Poststr. ‒ Joh. Hub., S. v. Peter Jos. Hermanns, Bäckermeister, Breitstr. ‒ Joh. Heinr., S. v. Joh. Heinrich Röseler, Schuster, unter Gottesgnaden. ‒ Barbara, T. v. Jos. Hausmann, Schreiner, Waisengasse. ‒ Barbara, T. v. Kaspar Münnig, Zimmerm., Thürmchenswall.
Sterbefälle.
29. Juni. Georg Eduard Heinr. Karl Baur, 10 M. alt, Rheinberg. ‒ Jakob Klütsch, Rentner, Wittwer, 58 J. alt, vor St. Martin. ‒ Jos. Mertens, Zimmermann, 32 J. alt, Baiardsgasse. ‒ Gertr. Inder, 23 J. alt, unverh., Weidengasse.
30. Juni. Martin Dr, Involid-Unteroffizier, 48 J. alt, verheir., Kranenbaumerhof. ‒ Peter Jos. Badorff, Weinmackler, 64 J. alt, verh., Georgstr. ‒ Elis. Schumacher, 2 J. 5 M. alt, Achterstr. ‒ Joh. Jos. Elvira Westermann, 2 M. 20 T. alt, Bobgasse. ‒ Hermann Napoleon Dominikus Gauthier, 61/2 M. alt, Stephenstr. ‒ Anna Clara Roesberg, Wwe. Cloodt, 89 J. alt, Minoritenspital.
Heirathsankündigungen.
2. Juli. Joh. Wilh Bonjean, Bäcker, Ehrenstr. und Anna Maria Katharina Bürhenne, Weißbüttengasse. ‒ Andr. Friedr. Christian Kayser, Musiklehrer, u. Gertr. Elis. Butterweck, beide Komödienstr. ‒ Fried. Wilh. Sebold, Artillerie-Unteroffizier, Dominikanerkaserne und Marg. Rungenberg, Mariengarteng. ‒ Joh. Karl Gottl. Linke, Wwr., Steueraufseher und Joh. Helena Schwärztzky, beide Ankerstr. ‒ Friedr. Karl August Jos. Zündorf, Wwr., Rendant der Kölnischen Feuerversicherungs-Gesellschaft, Altenbergerstr. und Anna Kath. Josepha Hubertina Hartmann, Becherg. ‒ Wilh. Hubert Bernardo, ohne Gew., Josephstr. und Agnes Jungbluth, Thieboldsgasse. ‒ Ignatz Strodel, Schreiner und Gertr. Richarz, beide Kranenbaumerhof. ‒ Abraham Tongern, Mühlenmeister zu Nirm und Maria Marg. Rouet, Pantaleonstraße. ‒ Arnold Hummelsheim, Handlungsdiener, Kämmergasse und Kath. Stoffel, Severinstr. ‒ Peter Heidgen, Schreiner, Follerstr. und Anna Maria Pick, Altenm. ‒ Joh. Friedr. Franke, Maurermeister, Thieboldsgasse und Anna Kath. Schäffer, Probsteigasse.
@typejAn
@facs0166
Schiffahrts-Anzeige. Köln, 2. Juli 1848.
Angekommen: Hub. Stammel von Mannheim.
Abgefahren: Jos. Zeiler nach Koblenz; J. M. Deiß nach der Saar; X Sommer nach Mannheim; Peter Kühnle nach Kannstadt.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Joh Linkewitz; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr L. Ducoffre; nach Andernach und Neuwied M. Pera und P. Gies; nach Koblenz und der Mosel und Saar P. G. Schlägel; nach der Mosel, nach Trier und der Saar M. Zens; nach Bingen Wb. Jonas; nach Mainz J. Hirschmann; nach dem Niedermain Philipp Würges; nach dem Mittel- und Obermain Seb. Seelig; nach Heilbronn Fr. Kühnle; nach Kannstadt und Stuttgart L. Hermanns; nach Worms und Mannheim A. L. Müller; nach Antwerpen M. Lamers.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Willemsen, Köln Nr. 6.
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Wilson, Köln Nr. 30.
Zur Anfertigung der Auszüge liegt offen die Deklaration des Schiffes Hartmann.
@typejAn
@facs0166
Wasserstand.
Köln, am 2. Juli. Rheinhöhe 8′ 9″.
@typejAn
@facs0166
Was ist ein Volksvertreter?
Ein Mann, der die Interessen des Volks mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften vertreten soll; sich also des in ihn gesetzten Vertrauens würdig zeigt. ‒ Wenn er dies aber nicht thut, sondern sich zum Fürstendiener herab würdigt und bei der geringsten Gefahr sich aus dem Staube macht, so ist er nicht würdig, die hohe Stellung eines Volksvertreters einzunehmen und er ist werth, daß sie ihn mit Schimpf und Schande wieder abgenommen wird.
@typejAn
@facs0166
Doppelt Erbarmen!!!
Dem mitleiderregenden Vertheidiger der Brutalitäten einzelner Wehrmänner, der würdig ist, die Stelle eines Cavaignac zu bekleiden.
@typejAn
@facs0166
Für Pferdeliebhaber!
Im Laufe der nächsten Woche sollen von Seiten der Bürgerwehr-Kavallerie mehrere ausrangirte Pferde verkauft werden. Man bittet die Herren Pferdeliebhaber doch recht zahlreich zu erscheinen. ‒ Der Tag des Verkaufs soll noch näher angegeben werden.
@typejAn
@facs0166
Augengläser in verschiedenen Einfassungen für Kurz-, Weitsichtige und Staaroperirte, empfiehlt zu billigen Preisen
J. Salomon Sohn, Optikus,
Hochstraße- und Schildergasse-Ecke 2.
@typejAn
@facs0166
Es hat Jemand seinen Verstand verloren. Der redliche Finder wird gebeten, ihn gegen eine mäßige Vergütung in der Expedition der Kölnischen Zeitung wieder abzuliefern.
@typejAn
@facs0166
Revolution in Köln!!!
Sollten die zwei bei Herrn Heuser am Neumarkt auf dem Speicher wohnenden Pferde nicht dieselben sein, welche bei der letzten Kölner Revolution abhanden gekommen sind?
@typejAn
@facs0166
Vier herzhafte Bürgergardisten haben bei dem neulichen mitternächtlichen Krawall einen Gefangenen gemacht. Derselbe ist aber beim Transport entsprungen.
Man bittet diesen Entflohenen sich zur Beruhigung der Kölner Bürgerwehr auf der Hauptwache gefälligst stellen zu wollen.
@typejAn
@facs0166
Mißverständnissen vorzubeugen, bemerke ich hierdurch, daß ich nicht „Lausberg“, sondern „Flohthal“ heiße und daß mich Briefe nur unter dieser Adresse treffen.
@typejAn
@facs0166
Citoyen Schlechter wird freundlichst gebeten, seine letzte Rede im Bürgerverein dem Publiko nicht vorenthalten zu wollen.
@typejAn
@facs0166
Einige Bürgergardisten statten hierdurch dem muthigen Kölner Knaben, der am Donnerstag Abend am Waidmarkt die Insurgenten mittelst eines Schwärmers zerstreute, ihren tiefgefühlten Dank ab.
@typejAn
@facs0166
Ein Mädchen, welches die Küche, so wie fein Nähen versteht, und mehrjährige gute Zeugnisse hat, sucht Dienst als Köchin oder zweite Magd. Bescheid gr. Neugasse 18.
@typejAn
@facs0166
Der Beachtung demokratischer Vereine empfohlen!
Der Wächter an der Ostsee.
Demokratisches Organ.
Herausgegeben
von W. Lüders.
Alles für das Volk, Alles durch das Volk! Die Souveränität des Volkes werde eine Wahrheit. Bildung, Freiheit und Wohlstand für Alle durch Humanisirung unseres Staats- und gesellschaftlichen Lebens.
Das Blatt erscheint in Stettin sechsmal wöchentlich, wird durch die Post täglich, durch den Buchhandel einmal wöchentlich versandt. Preis vierteljährlich auf allen preuß. Postämtern 1 Thlr. Probenummern werden durch die Post gratis geliefert, sind auf dem Ober-Postamte in Köln vorräthig.
@typejAn
@facs0166
Es werden baldigst ein oder mehrere Kapitalisten zur Betreibung eines Geschäfts gewünscht, welches einen zuverläßigen Gewinn von 10 pCt. täglich abwirft. Man wende sich an Herrn Singer, Hotel Victoria in Köln.
@typejAn
@facs0166
On demande desuite un ou plusieurs Capitalistes pour exploiter une industrie dont le produit assuré est de 10 pCt. par jour, avec tout sécurité. S'adresser à Mons. Singer, Hôtel Victoria à Cologne.
@typejAn
@facs0166
„Neue Rheinische Zeitung.“
Das Expeditions-Büreau der Zeitung ist täglich von Morgens 8-1 Uhr und Nachmittags von 2-7 Uhr geöffnet; an Sonn- und Festtagen nur von Morgens 8-1 Uhr. Inserate zur Aufnahme in die nächste Nummer werden bis 1 Uhr entgegen genommen.
@typejAn
@facs0166
Ein Mädchen von guter Familie, in allen häuslichen so wie Handarbeiten angeführt, sucht in einem soliden Hause eine Stelle, wo sie der Hausfrau als Stütze dienen kann, oder auch in einem Laden. Dieselbe sieht mehr auf gute Behandlung, als auf großes Salair. Gef. Offerten unter J. C. besorgt die Expedition d. Blattes.
@typejAn
@facs0166
Ein starker Aufwartsjunge, eine Köchin und ein zweites Mädchen gesucht, große Neugasse Nr. 36.
@typejAn
@facs0166
Gesuch einer Stelle als Handlungsgehülfe, für einen soliden jungen Mann, welcher seit mehreren Jahren im Kolonial-, Farb- und Droguerie-Waarengeschäft thätig war und die besten Zeugnisse seiner Fähigkeiten und Leistungen besitzt. Näheres bei J. P. Spendeck in Köln, große Neugasse Nro. 18.
@typejAn
@facs0166
Ein Mädchen wird gesucht für einen Spezereiladen und Hausarbeit. Ein gebildetes Frauenzimmer, mit guten Attesten versehen, wünscht als Kammerjungfer oder Haushälterin placirt zu werden. Ein Kompagnon, ein kautionsfähiger Reisender, ein Lehrling werden gesucht. Näheres bei J. P. Spendeck in Köln, gr. Neugasse 18.
@typejAn
@facs0166
Eine durchaus erfahrene Haushälterin und eine Kammerjungfer, brave Jünglinge wünschen als Lehrlinge in Handlungshäusern placirt zu werden. Anträge erbittet J. P. Spendeck in Köln, gr. Neugasse Nro. 18.
@typejAn
@facs0166
Ein in der Mitte der Stadt gelegenes Unterhaus mit 2 geräumigen Zimmern, Küche, Keller nebst der Belle-Etage 5 Zimmern, Mitgebrauch des Gartens und Bleiche ist billig zu vermiethen. Näheres bei J. P. Spendeck, große Neugasse Nro. 18.
@typejAn
@facs0166
Eine große Auswahl von Häusern sind zu billigen Preisen zu verkaufen und zu vermiethen. Kapitalien gegen erste Hypotheke werden gesucht. Näheres bei J. P. Spendeck, gr. Neugasse 18.
@typejAn
@facs0166
Das wohl assortirte Lager von echtem Eau de Cologne eigener Fabrik, empfehlen zu den billigsten Preisen, J. P. Spendeck & Comp. in Köln, große Neugasse Nr. 18 nahe beim Dom und Altenmarkt.
@typejAn
@facs0166
Oeffentlichen Dank!
Allen meinen Nachbaren, welche sich meiner selbst, so wie meiner Familie angenommen haben, während zweier Tage, welche ich im hiesigen Arreste zugebracht, auf Grund von verläumderischer heimlicher Denunciation.
C. Keil, Schenkwirth, große Sandkaul 32.
@typejAn
@facs0166
Gesuch einer Stelle für das Reisefach für einen kautionsfähigen Mann in dem Alter von 33 Jahren, welcher mehrere Jahre in einem Manufakturwaaren-Geschäft auf dem Comptoir und auf Reisen im Zollverein, der Rheinprovinz, Westphalen etc. beschäftigt war und über seine Persönlichkeit und Leistungen die besten Zeugnisse besitzt. Näheres bei J. P. Spendeck in Köln, große Neugasse Nr. 18.
@typejAn
@facs0166
Bitte um Arbeit.
Ein Familienvater einer Frau nebst 3 Kindern, welcher auf Verordnung seiner Aerzte wegen Brustschwäche seiner Profession durchaus entsagen mußte, sucht in dieser bedrängten Lage eine ihm passende Beschäftigung, sei es um Kommissionen zu verrichten oder irgend eine andere Stellung, welche die Existenz und das Brod der Seinigen sichert.
Anerbietungen werden gerne entgegengenommen in der Expedition dieses Blattes
@typejAn
@facs0166
Meine RESTAURATION auf dem sogenannten Knabengarten, ganz in der Nähe des Bahnhofes zu Bonn (Lokal des Dioramas) empfehle ich einem geehrten Publikum bestens. Gleichzeitig, um etwaigen Irrthümern vorzubeugen, verfehle ich nicht in Erinnerung zu bringen, daß unsre seit langen Jahren bestehende Gastwirthschaft „zum alten Keller“ am Rheinthor, wie bisher unverändert fortgeführt wird.
Bonn am 1. Juni 1848.
Joh. Gebh. Behr.
@typeimprint
@facs0166
Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.