[0195]
Beilage zu Nr. 39 der Neuen Rhein. Zeitung.
Sonntag, 9. Juli 1848.
Uebersicht.
Deutschland. Köln (das Ministerium der That. ‒ Die preußische Pacifizirung und Reorganisation Posens. ‒ Vereinbarungsdebatte). Berlin (Ministerkrisis. Lachmann. Polenkommission. Herrn Mäder's Verhaftung. ‒ Ministerialgerüchte. ‒ Die Russen sollen in die Donauprovinzen gerückt sein). Frankfurt (Sitzung der Nationalversammlung. ‒ Blöde über die letzte Turner-Tagsatzung. ‒ Die Thurn und Taxis'sche Post). Posen (Soldatenwirthschaft. Hamburg (Friedensgerüchte in Kopenhagen. ‒ Der Abschluß des Waffenstillstandes). Freiburg (Verhaftung). Ulm (die Zahl der Verwundeten). Prag (die Verhaftungen dauern fort). Wien (der vereinigte Ausschuß). Aus Tirol (der Gouverneur). Aus Südtirol (östreichische Finanzen).
Ungarn. Pesth (Kossuth). Temeswar. (Die serbischen Vorbereitungen zum Angriff).
Donaufürstenthümer. Bukarest (Cholera).
Frankreich. Paris (die Nationalgarden. ‒ Sitzung der Nationalversammlung vom 5. Juli. ‒ Ein Brief Louis Blanc's. ‒ Chateaubriand. ‒ Barrikadenträume. ‒ Carnot's Abdankung. ‒ Die „Organisation sociale“ über die Deportation. ‒ Guizot über die Thiersparthei. ‒ Lügen der „Ere Nouvelle.“ ‒ Vermischtes.
Spanien. (Neuer Karlistenaufstand. Cabrera).
Italien. Venedig (Pläne der Oestreicher).
Großbritannien. London (Abnahme der Staatseinkünfte. ‒ Chartistenprozeß).
Amerika. (Sympathieen für John Mitchel in den Vereinigten-Staaten. St. Juan de Nicaragua von den Engländern in Besitz genommen).
Handelsnachrichten.
[Französische Republik]
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Das Dekret lautet, wie folgt:
Art. 1. Der Finanzminister ist bevollmächtigt, eine Anleihe von 150 Millionen bei der Bank zu machen, unter den Klauseln und Bedingungen, die in dem angeschlossnen, zwischen dem Finanzminister und dem Gouverneur eingegangnen Vertrag enthalten sind.
Art. 2. Um die in dem Vertrag verabredeten Garantien leisten zu können, wird der Finanzminister bevollmächtigt: I) der Bank die Summe von Renten zu übertragen, die von der Amortissement-Kasse herrührt und nöthig ist, um unter den durch die Ordonanz vom 15. Mai 1839 bestimmten Bedingungen einen Vorschuß von 75 Millionen decken zu können II) der Bank die in der dem Vertrag anliegenden Register bestimmten Staatswaldungen zu verkaufen, die für die Summe von andern 75 Millionen cedirt sind.
H. Favre schlägt das Amendement vor, die Erlaubniß zum Verkauf der Wälder bis zum ersten Januar 1850 aufzuschieben. (Mit starker Majorität verworfen.)
Art. 3. Alle Derogationen, sei es der Statuten der Bank von Frankreich, sei es der Verfügungen der bestehenden Gesetzgebung, die sich aus den Klauseln und Bedingungen des erwähnten Ertrags ergeben, sind bestätigt.
Das ganze Dekret wird adoptirt.
Raynal: Ehe die Nationalversammlung in ihrer Diskussion fortfährt, wünsche ich, sei es an den Chef der Exekutivgewalt, sei es an das Ministerium, eine Interpellation zu richten. Es handelt sich von der Unverletzlichkeit der Mitglieder der Nationalversammlung. (Hört, hört!) Ein ungeheurer Exceß ist gegen einen Eurer Kollegen begangen worden. (Allgemeine Spannung.) Diese Nacht um zwei Uhr erschien ein Polizeikommissär bei mir, um eine Haussuchung anzustellen. Ich stellte ihm meine Eigenschaft als Volksrepräsentant entgegen. Er zog sich sofort zurück. Um 5 1/2 Uhr wurde meine Wohnung von neuem überschwemmt durch Wächter von Paris und Mobilgarden, begleitet von einem Polizeikommissär, der, ohne den Befehl, dessen Träger er war, mir vorzeigen zu wollen, zu einer Vernehmung überging, auf die ich mich einzulassen verweigerte. (Murren in einem Theil der Nationalversammlung, Beistimmung auf der äußersten Linken.) Ich zeigte ihm meine Medaille vor und fragte ihn von neuem, auf welchen Rechtstitel hin er sich bei mir einfände. Er antwortete darauf, er hätte nicht gewußt, daß ich Volksrepräsentant sei, und darin hat er gelogen. Ich verlange Genugthuung. Bevollmächtigt der Belagerungszustand einen Polizeikommissär das Hausrecht, und gar das eines Volksrepräsentanten, zu verletzen? In diesem Fall würde ich mit aller Kraft protestiren und alle in meiner Macht befindlichen Mittel anwenden, um es zu verhindern. (Auf der Linken: Sehr gut! ‒ Lärm.) Ich stehe nicht an, es zu sagen, ich würde Gewalt durch Gewalt zurückstoßen. (Murren auf mehreren Bänken.) An dem Titel, den uns das Volk übertragen hat, der Souverän, müssen alle Illegalitäten zerschellen, alle die gräulichen Machtübergriffe.
Falatien: Auch bei mir ist wiederholt und mehrere Tage nach einander Haussuchung gehalten worden. Bald fand sie Statt durch Mobil- bald durch Nationalgarden. Man hat mir ein Jagdgewehr, einen Säbel, und außerdem ein kleines Möbel weggenommen. Ich konnte sie nur zurückhalten durch Dazwischenkunft eines Bataillonschefs, der mit mir dasselbe Haus bewohnt.
Senard, Minister des Innern, erklärt, unter vielen Unterbrechungen der äußersten Linken, jeder müsse sich unter den gegenwärtigen Umständen beliebigen Unannehmlichkeiten aussetzen, verspricht übrigens, das Betragen des Polizeikommissärs streng zu untersuchen. Die gefällige Kammer geht zur Tagesordnung über, nämlich zur Diskussion des Dekretentwurfs, der einen Kredit von 3 Millionen Francs eröffnet, bestimmt, als Darlehn vertheilt zu werden unter die freien Associationen, sei es der Arbeiter unter sich, sei es der Arbeiter und Arbeitgeber.
Charles Dupin: Man müsse diese Darlehn besonders den leidenden Industriezweigen zu gut kommen lassen, denen, wo die isolirte individuelle Arbeit keine genügenden Resultate liefere. Namentlich müsse man sich hüthen, die Koalitionen zu unterstützen. Eine Jury, bestehend aus Herrn vom Institut, dem Conservatoire, der Gesellschaft zur Ermunterung der nationalen Industrie, solle alles entscheiden. Zu Artikel 3 schlägt er das Amendement vor, daß die jährliche Rechnung über die Vertheilung des Kredits der Nationalversammlung vorgelegt werde mit einem raisonnirenden Bericht des Comité's über die erlangten Resultate.
Das Dekret wird mit seinem Amendement angenommen.
Der Berichterstatter des 5. Büreaus stattet dann Bericht ab über die angefochtene Wahl von Quatre Barbes im Departement de Finistère.
Die Zulassung von Quatre Barbes wird mit einer starken Majorität verworfen.
Auf der Tagesordnung steht endlich die Diskussion eines Gesetzentwurfs, der eine Million dem Minister des Unterrichts zuweist, zur Vertheilung unter die Lehrer der Primärschulen, deren Gehalt nach dem Gesetz von 1833 unter 600 Francs steht.
Bonjean heilige Pflicht sei es, die Lehrer nicht verhungern zu lassen. Vor allem aber komme es an auf die obere Leitung dieses wichtigsten öffentlichen Dienstes. Ihr habt fast alle die Instruktionen des Unterrichtsministers (Carnot) gelesen. ‒ Ihr habt sie alle beurtheilt. Aber, was Ihr vielleicht nicht wißt, man hat im Namen, vielleicht im Auftrag des Unterrichtsministers so verabscheuungswürdige, so gefährliche Schriften vertheilt, daß ich, ehe ich die verlangten Fonds votire, wissen muß, ob der Minister diese Schriften au, torisirt hat. Eine dieser Schriften ist betitelt: „Republikanisches Handbuch des Menschen und des Bürgers, veröffentlicht unter den Auspicien des Ministers des öffentlichen Unterrichts.“ Es verkauft sich bei Pagnerre, verfaßt von Charles Renouvier. Da findet sich z. B. Kapitel VII über die Eigenthumsfrage:
„Schüler: Giebt es wenigstens Mittel, die die Reichen verhindern, müßig zu sein und die Armen von den Reichen verspeist zu werden? (Exclamationen.) (Unglaublich! schallt es von mehreren Seiten.) Lehrer: Ja, sie existiren und zwar vortreffliche Mittel. Die Lenker der Republik werden diese Mittel finden, sobald sie ernsthaft die Brüderlichkeit verwirklichen wollen. (Bewegung in verschiedenem Sinne.) Es verhält sich mit dem Eigenthum und der freien Verwendung des Kapitals, wie mit allen andern Freiheiten, das Gesetz, das sie anerkennt, kann und muß sie in gewisse Grenzen beschränken. Ohne das Erbrecht abzuschaffen, kann man es im allgemeinen Interesse begrenzen; ohne den Zins des Kapitals zu vernichten, kann man Maßregeln ergreifen, um ihn zu vermindern. Dann wird dem Reichen der Müssiggang erschwert und der Arme findet leicht Mittel, sich zu bereichern. (Lebhafte Exclamationen. Eine Stimme: Kredit durch Plündern.) Das Gesetz kann jede Bedingung dem Grundbesitz auferlegen, ihn selbst expropriiren mit Entschädigung, wenn schlechter Gebrauch davon gemacht wird. Was die großen Grundeigenthümer betrifft, die ihr mit Recht fürchtet, wißt, daß wenn sie der Republik eine passende Steuer zahlten und ihren Arbeitern den gebührenden Lohn, sie ihre Ländereien meist an Bürger verkaufen müßten, die einen bessern Gebrauch davon machen würden. Man wird hierüber Gesetze machen, sobald man wollen wird. (Mehre Stimmen: das ist baarer Kommunismus.) Solche Moral, fährt Bougean fort, predigt man den Kindern in den Schulen. Schlagen wir Kap. VIII. über die Organisation der Arbeit nach.“
„Schüler: Die Freiheit der Industrie hat also große Uebel verursacht?“
„Lehrer: In ihrem Gefolg befand sich die zügellose Konkurrenz; diese hat den erbitterten Krieg der Arbeiter natürlich hervorgebracht, die Herabdrückung der Salaire, den Betrug im Handel, endlich den Ruin der Armen und die Bereicherung der Reichen, die mehr Mittel hatten, diesen Kampf zu bestehen, so sehr, daß im Augenblick, wo Paris seinen letzten König verjagte, die Freiheit der Industrie nur noch eine Phrase war und das triumphirende Monopol Frankreich eine neue Aristokratie gab, gefährlicher als die erstere. (Neue Exclamationen. Zur Linken: Es ist die Wahrheit.)“
„Schüler: Die Republik hat also das Recht, sich in die Bedingungen der Arbeit einzumischen, in die Regulirung der Presse und der Salaire?“
„Lehrer: Zweifelsohne, sie hat dies Recht. Was wäre, was könnte er sein, ein Industrieller- oder ein Geschäftsmann ohne die Arbeit des Volks und ohne den Schutz der Republik? Indem die Republik dem Handel und der Industrie die Freiheit versichert, erwirbt sie eben hierdurch das Recht, diese Freiheit allen aus dem Gesammtinteresse hervorgehenden Bedingungen zu unterwerfen. Das ist es, was man Organisation der Arbeit nennt. (Gelächter und Gemurre. Ein Mitglied: Sagt vielmehr Desorganisation!) In einem der Kapitel handelt es sich von der Lage der Frauen, von Ehe und Ehescheidung, z. B. p. 34 lese ich: Was die Gesetze über Ehe und Testamente betrifft, so wird die Versammlung nie ohne große Vorsicht und sehr legitimer Skrupel an denselben rütteln. Aber untersuchen könnte sie, ob das republikanische Regime der Gleichheit und Freiheit nicht den Rechten der Frauen in der Familie etwas hinzufügen muß, ob im Interesse der Ehe selbst die Wiederherstellung der Ehescheidung wie zur Zeit des Kaiserreichs nicht gut ist, ob endlich die Steuer, welche die Uebertragung der Güter trifft, nicht billiger im Interesse der Republik und der Familie zu regeln wäre. Der Minister antworte mit Ja oder Nein, ob er derartige Doktrinen adoptirt. (Großer Eindruck.)
Carnot, Minister des öffentlichen Unterrichts: Der Gesetzentwurf zur Unterstützung der Elementarlehrer, der hier keinen Widerspruch zu finden scheint, wird als Vorwand zu Angriffen gegen meine Administrationen benutzt. Mein Ministerium ging aus den Barrikaden des Februar hervor. (Abläugnen auf verschiedenen Bänken. Auf der Linken: verharren Sie bei dem Ausdrucke.) Dieser Ursprung ist die Ursache gewisser Rancunen. (Heftiges Murren in mehren Reihen der Versammlung.) Während meine Kollegen durch Dringlichkeitsmaßregeln die oft fürchterlichen Bedürfnisse des Augenblicks zu befriedigen hatten, mußte ich neue Bürger für die neuen Institutionen vorzubereiten suchen, für ein Volk noch unerfahren in der Ausübung der ungeheuren Rechte, die es so eben erobert hatte. Die Einführung des allgemeinen Wahlrechts legte mir die Pflicht auf, mich schleunigst mit der Entwicklung des Elementarunterrichts zu beschäftigen.
Ich umgab mich mit einer zahlreichen Kommission, zusammengesetzt aus Männern, die in allen Zweigen der Administration, des öffentlichen und des Privatunterrichts gewählt waren. Diese Kommission arbeitete zwei Monate mit größtem Eifer. Der Gesetzentwurf über den Elementarunterricht, den ich vor einigen Tagen niedergelegt habe, ist die Frucht dieser Kommission. Unentgeldlicher öffentlicher Elementar-Unterricht, Lehrfreiheit zur Seite eines so umfassend und kräftig als möglich konstituirten National-Unterrichts, ‒ auf diesen Prinzipien beruht der Entwurf. Für den Elementar-Unterricht trat ich als hastiger Neuerer auf, für den höheren Unterricht als Conservativer. ‒ Um das Volk für das allgemeine Wahlrecht zu bilden, mußte ich namenlich auf dem Land zwei Männer hauptsächlich in's Auge fassen, den Pfarrer und den Schulmeister. Ich schickte ihnen Circulaire zu, worin ich ihnen sagte: Neben euren Pflichten gegen die Kinder legen euch die Umstände eine Dringlichkeitspflicht auf, die, den Erwachsenen zum politischen Leben, das ihnen eröffnet ist, vorzubereiten; euch gehört es an, ihnen den wahren Sinn der neuen Republik begreiflich zu machen. Carnot vertheidigt sich unter vielem Tumult und Unterbrechungen gegen den alten Vorwurf: Ignoranten und Barbaren als besonders passende Kandidaten für die N.-V. in seinen Circulairen empfohlen zu haben und geht dann direkt zur Antwort auf Bonjeans Angriff über.
Carnot. Sobald das Prinzip des allgemeinen Wahlrechts festgestellt war, richtete ich ein Circulair an die Rektoren aller Akademien, worin ich sie einlud Republikanische Handbücher zu entwerfen, keineswegs für die Kinder, wie man vorgegeben hat, sondern für die Wähler, um ihnen anzuzeigen, wie sie ihre Pflichten zu erfüllen hätten. (Agitation.) So sind mehre sehr bemerkenswerthe Werke entstanden. Zu Paris haben zwei, durch ihre historischen und philosophischen Werke sehr ausgezeichneten Schviftsteller, Henri Martin und Charles Renouvier zwei dieser Handbücher entworfen. Sie haben sie nicht unter meinen Auspicien veröffentlicht, aber mit meiner Zustimmung und meiner Erlaubniß, was nur heißt, daß ich sie gelesen und nichts tadelnswerthes in ihnen gefunden habe. (Geschrei zur Rechten. Einer: Köstliches Geständniß! Nehmen wir es zu Protokoll.)
Nach einem furchtbaren Redespektakel, worin für und gegen Renouviers Buch, für und gegen seine Art, das Eigenthum zu behandeln mehr gepoltert und geschrieen als gesagt wird, giebt Herr Bonjean die Moral der Fabel, indem er das Amendement stellt, den verlangten Kredit für das Ministerium des öffentlichen Unterrichts von Einer Million auf 5000 Fr. zu reduziren, d. h. ihm gar keinen Kredit zu geben.
Eine Stimme. Das reduzirt die Debatte auf ein Vertrauensvotum, auf eine ministerielle Frage. (Furchtbarer Lärm.) Herr Bonjean vertheidigt sein Amendement unter stets steigendem Lärm und beständigen Unterbrechungen. Man räth von verschiedenen Seiten dem Präsidenten sich zu bedenken. Mehre Mitglieder gruppiren sich vor und neben die Tribüne und interpelliren Bonjean.
Der Präsident. Ich rufe alle Unterbrecher zur Ordnung, aber mitten in diesem Kreuzfeuer von Unterbrechungen ist es unmöglich auch nur zu sagen, wer unterbricht.
Bonjean. „Ich mußte eine Ziffer vorschlagen, ich habe 5000 Fr. festgesetzt, meinetwegen kann man die Summe noch tiefer herabdrücken. Ich verlange, daß die Abstimmung ein Ausdruck des Tadels für jene unannehmbaren Doktrinen sei.“ ‒ Endlich kommt es zur Abstimmung und zwar auf Verlangen von mehr als 20 Stimmen zum Stimmen durch Theilung. Für die Annahme des Amendements sind 314 Stimmen, gegen die Annahme 303. Das Amendement des Herrn Bonjean ist also adoptirt. (Große Aufregung. Schluß der Sitzung ein viertel vor 7 Uhr.)
‒ Wegen der Todtenfeier hält heute die Nationalversammlung keine Sitzung. Auch bleiben die Börse und alle übrigen Behörden geschlossen. Es ist ein offizieller Festtag.
‒ Das Dekret, das die Demission Carnots annimmt und Vaulabelle an seine Stelle setzt, lautet also: „Der Präsident des mit Ausübung der Vollziehungsgewalt beauftragten Ausschusses beschließt nach Anhörung der Minister: der Bürger Vaulabelle ist zum Unterrichtsminister ernannt in Ersetzung des Bürgers Carnot, dessen Entlassung angenommen.“
[(Moniteur v. 6. Juli.)]
‒ General Bedeau nimmt das ihm zugedachte Portefeuille des Auswärtigen nicht an. Man sagt daher, Bastide, der für die Marine bestimmt war, werde das Auswärtige behalten und man sich nach einem andern Marine-Minister umsehen.
‒ Die letzte Handlung des Unterrichts- und Kultus-Ministers Carnot war ein Rundschreiben an sämmtliche Erzbischöfe, Bischöfe und Bisthumsverwalter Frankreichs, um sie aufzufordern, öffentliche Gebete und Gottesdienste für die Märtyrer des bürgerlichen Junisieges in allen Kirchen ihres Sprengels anstellen zu lassen. Und man klagt ihn an, Ultrarevolutionär zu sein!
‒ Der Spectateur Francais, Guizots Londoner Blatt, bringt einen Artikel, der für das rührende Einverständniß zwischen gewissen Mitgliedern der Nationalversammlung und den Stützen des untergegangenen Regimes zeugt. Dieser Artikel schließt: „In der Nationalversammlung sind es die alten Deputirten, welche Ordnung in die Arbeiten der Kammer hineinbringen, welche mit einem Wort, die neuen Repräsentanten leiten und dennoch drängt man die alten Deputirten von der Führung der öffentlichen Angelegenheiten zurück, man nimmt im Geheimen ihre Unterstützung an, man will sie nicht öffentlich gestehn. Es ist wahr, daß wir uns noch am Morgen einer gegen die alten Mandatare des Landes vollbrachten Revolution befinden. Das Mißtrauen wird sich zerstreuen, wenigstens muß man es hoffen, und die Dienste der erprobten politischen Männer in der Versammlung werden nicht für das Land verloren gehn. Die alten Deputirten fühlen überdem, daß ihr Augenblick noch nicht gekommen ist; das was sich seit 4 Monaten mit den neuen Männern zugetragen hat, was sich noch zuträgt, wird die Stunde ihrer Ankunft an die Regierung vielleicht rascher herbeiführen als sie wünschen.“ Die Parole ist ausgetheilt. Die Bürger Leon Faucher, Odillon Barrot, Vivien, Billault, Dufaure und ihr Anführer, der Bürger Thiers mögen es sich merken. Man bereitet in London ihre Gelangung zur Regierung vor.
[(République.)]
Girardin, Redakteur der „Presse,“ ist am Morgen des 5. Juli in Freiheit gesetzt worden. Er begab sich in das Büreau seines Journals, wo er noch die Siegel angelegt fand.
‒ Seit einigen Tagen spricht man nur noch von einem Plan des Kriegsministers, die Rückkehr der Barrikadenemeute unmöglich zu machen. Man dachte zuerst an ein neues Pflastersystem, aber das würde eine kolossale Ausgabe sein, woran man in diesem Augenblick nicht denken kann. Zudem ist das Pflaster nicht das einzige Element der Barrikaden. General Lamoricière schlägt ein homöopathisches System vor, nämlich gegenüber den Barrikaden der Insurrektion, Barrikaden der Ordnung aufzuwerfen. Von der Höhe ihrer Fenster herab, würden die Nationalgarden auf die Insurgenten tirailliren.
Nach einem bisher unverbürgten Gerücht, soll die provisorische Regierung den 16. März bei Gelegenheit der Demonstration der pelzbemüzten Nationalgarden sich bedroht gewähnt und sich zu einem Kampf gegen die Nationalgarde vorbereitet haben. Man bildete heimlich ein Barrikadenbataillon, dessen Mitglieder als Lehrer in allen Stadtvierteln dienen und ihnen theoretisch die angemessenste Art des Barrikadenbau beibringen sollten.. Die Barrikaden waren verzeichnet auf einem Plan von Paris. Man hatte hier die Häuser angezeigt, die Monumente, die als Centralpunkte zu befestigen seien. Jene Lehrer hießen Barrikadenprofessoren. ‒ In Frankreich glaubt man das Uebel in der Wurzel zu fassen, indem man in ferne Kolonien Tausende von Individuen deportirt, denen das Elend die Waffen in die Hand gedrückt hat. Das heißt den Kranken, der schreit, nicht heilen, sondern ihn schwächen, ihm den Mund verstopfen. Wahrhaft heitres Mittel, den Reklamationen dadurch ein Ende zu machen, daß man die entfernt, die reklamiren! Um gut zu sein, müßte die Maßregel vollständig sein. Man müßte alle Armen, womit das Land übersäet ist, expulsiren, d. h. die gesammte Arbeiterbevölkerung.
[ (L'Organisation sociale.) ]
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@facs0195
Paris, 6. Juli.
Aus dem Briefe Louis Blanc's an die Patrie entnehmen wir Folgendes:
In der Patrie vom 30. Juni befindet sich ein Artikel, worin man mich solidarisch verantwortlich macht für den furchtbaren Kampf, der eben erst Paris verheert. Eine solche Insinuation krönt die Serie von Verläumdungen, die man zum System erhoben hat. Man erinnert an die Reden, die ich im Luxembourg gehalten habe. Wörtliche, unbestreitbare Citate, im Moniteur geschöpft, werden den Geist dieser Reden kennen lehren und hinreichen, um meine Verläumder zu beschämen. ‒ Folgen hierauf die Citate und Louis Blanc fährt fort:
Es bleibt also durch unwiderlegliche Texte bewiesen:
1) Daß weit davon entfernt, an den Geist der Zwietracht appellirt zu haben, ich immer Eintracht gepredigt unter den Mitgliedern der großen Familie und als Grundlage für meine Doktrinen das wesentlich versöhnende Prinzip der menschlichen Solidarität aufgestellt habe; 2) daß, weit entfernt, das Volk in zu sanguinischen, zu stürmischen und trügerischen Hoffnungen ermuthigt zu haben, ich es im Gegentheil immer zur Geduld ermahnt und ihm gezeigt habe, wie schwierig die Lösung der socialen Probleme und wie wichtig es sei, mit den Entschließungen nicht zu stürmen; 3) daß weit entfernt, die Arbeiter zu einem Mangel an Respekt für die Nationalversammlung vorbereitet zu haben, ich sie ihnen im voraus darstellte als die Volkssouveränetät in Bewegung; 4) daß weit entfernt, den Arbeitern geschmeichelt zu haben, ich, bei jeder Gelegenheit meine Hingebung an ihre Sache der Gerechtigkeit untergeordnet habe, und wie ich übrigens zu ihrer Ehre hinzufügen muß, dieß stets unter ihren lauten Beifallsbezeugungen; 5) endlich, daß weit entfernt, sie zu Gedanken der Gewalt zu treiben, ich ihnen immer die Ordnung empfohlen, die Ruhe, die Mäßigung und ein reflektirtes Zutrauen in die friedliche Allmacht der Vernunft.
Aber so viel unbilligen Anklagen, gerichtet gegen den Einfluß meiner Worte oder meiner Doktrinen habe ich eine Hauptthatsache entgegen zu setzen, eine entscheidende, unzerstörbare Thatsache. So lange ich mich an der Macht befand und in Verbindung mit der Arbeiterklasse, wann eklatirte die mindeste Unordnung? wurde die öffentliche Ruhe einen einzigen Augenblick gestört? Deutete irgend ein Vorfall auch nur die Möglichkeit eines Bürgerkriegs an? Und dennoch dauerten noch die Kampfschauer des Februars und kein einziger Soldat befand sich zu Paris! Die Kommission [0196] des Luxembourgs hat sich nicht auf erfolglose Ermahnungen beschränkt. Ihrer thätigen, unermüdlichen Dazwischenkunft verdankt man, daß eine Masse schon aufgegebener Arbeiten wieder begonnen wurden, daß die Pflasterer sich wieder dran gaben die Chausseen zu ebnen; daß Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Arbeitgebern zu gegenseitiger Zufriedenheit geschlichtet wurden; daß die plötzlich unterbrochene Circulation der öffentlichen Wagen zu Paris wieder hergestellt wurde; daß die Bäckergesellen zu ihrer Arbeit zurückkehrten, die sie zu unterbrechen beschlossen hatten, was höchst gefährlich für die Hauptstadt gewesen wäre, daß die Werkstätten, deren Thore sich zu schließen begannen, wieder eröffnet wurden; daß die Maschinenbauer im Atelier Farcot, zu St. Ouen, während eines Monats vor der Arbeitseinstellung bewahrt wurden; daß die Association der Sattlergesellen, der Schneidergesellen sich in der Art bildeten, daß Tausende unbeschäftigter Arme produktiv und nützlich beschäftigt wurden. (Vergleiche die Nummern des Moniteur vom 9., 26., 28., 29. März und 27. April.) Was die s. g. Nationalwerkstätten betrifft, so brauche ich nicht davon zu sprechen, denn ich war gänzlich unbetheiligt in ihrer Bildung, Organisation, Direktion und Ueberwachung. Und was war das Resumé der im Luxembourg verkündeten Doktrinen: „Allen durch gemeinschaftliche unentgeltliche Erziehung die Mittel der intellektuellen Entwickelung; allen, durch brüderliche Association der Interessen und der Hülfsmittel, die Instrumente der Arbeit.“ Nicht nur liegt hier nichts Subversives oder Chimärisches, nein, die französische Gesellschaft ist unwiderstehlich durch die Gewalt der Dinge gezwungen, diesen Weg zu betreten. Vor der Februarrevolution beschworen die Vertheidiger alter Mißbräuche vor der öffentlichen Meinung, um sie durch den Schrecken zu verwirren, das blutige Phantom der Republik; heute ist es das Phantom des Socialismus, das sie den voreingenommenen Geistern zeigen. Leere Kunstgriffe! Die Wahrheit ist unbesiegbar, weil sie unsterblich ist.
Spanien.
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@facs0196
Der Bürgerkrieg in Spanien hat abermals begonnen. Cabrera hat am 24. Juni den spanischen Boden betreten in Begleitung eines zahlreichen Stabes und einer Kavallerie-Eskorte. Es gesellte sich alsbald Boquica mit 1000 Mann zu ihm. Cabrera hat eine Proklamation an die Spanier erlassen. Sein Feldgeschrei ist „Karl Louis von Bourbon“ und „Spaniens Selbstständigkeit.“ Ein Brief aus St. Jean de Luz vom 1. Juli sagt: „Die Zahl der Karlisten, welche zwischen St. Sebastian und Durango stehen, ist sehr groß. Sie sind mit Waffen und Gold wohl versehen u. s. w.“
Portugal.
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@facs0196
Lissabon, 29. Juni.
Die Verhaftungen dauern fort. Oberst Horta wird vor eine Jury gestellt. Die Verschwörer wollten die Dynastie stürzen und die Republik proklamiren. Laut Briefen aus Madrid steht dort der Sturz des Narvaez mit Nächstem bevor. Unsere Stadt ist sehr aufgeregt, aber ruhig; kein Aufruhr im ganzen Lande.
Italien.
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Venedig, 25. Juni.
Hier in Venedig merkt man es wahrlich kaum daß wir in Kriegszeiten leben, würde man nicht die Menge römischer und neapolitanischer Offiziere mit ihren langen Schnurr- und Backenbärten sehen. Die Oesterreicher, heißt es, haben sich gegen Brondolo in der Richtung gegen Chioggia gezogen, und werden wahrscheinlich ihre Angriffe auf Chioggia und Treporti gleichzeitig beginnen, da sie ganz wohl einsehen daß ein Angriff auf Marghera nur ein unnützer wäre.
[(A. A. Z.)]
Großbritannien.
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@facs0196
London, 6 Juli.
Es ist heute wieder einmal der Tag, wo alle Geld- und Handelsmänner ganz Großbritanniens die Zeitungen mit feierlicherer Miene in die Hand nehmen als gewöhnlich, wo der Bank-Direktor, der Stockjobber, der Exporteur, der Fabrikant aufmerksamer in die Spalten der Times, der Daily-News, des Morn.-Chronicle etc. schauen, wo der untergeordnetste Clerk nicht eher sein Komptoir betritt als bis er en passant ein Zeitungsblatt erwischt hat, ja, wo nicht selten ein Omnibuskutscher wenn er von Temple-Bar nach der Bank hinunterfährt, neugieriger als sonst über die Schulter des neben ihm sitzenden, im Lesen vertieften Reisenden blickt um wenigstens Etwas von dem zu erhaschen, was die geschäftigte Presse so eben in tausend und abermal tausend Blätter durch die Metropole streut.
Man sollte denken, daß etwas ganz Außerordentliches vorgefallen sei; ein Eingeweihter weiß indeß, daß es sich nur um einige Zahlen, um einige Rechnungskolonnen handelt, die mit zierlicher Genauigkeit den Rand eines jeden Tagesblattes schmücken. Es ist die vierteljährliche Aufstellung der Staatseinnahme welche so großes Interesse erregt. Als guter Staatshausvater hat der Finanz-Minister wieder einmal seinen Bericht entworfen und mit ihm blickt die ganze Nation zurück auf die Ausgaben und Einnahmen der letzten drei Monate. Seit einigen Jahren gehörte das Studium der „Returns of the Revenue“ eben nicht zu den erfreulichsten Beschäftigungen. Sir Robert Peel konnte in seiner letzten Ministerrede noch sagen daß er die Finanzen in Flor gebracht habe und wenn er in seinem Briefe an die Elbinger auch erklären mußte, daß er zur Deckung seiner Freihandelsexperimente eine sechsjährige Income-Tax nöthig gehabt habe, so schloß er doch seine Verwaltung wenigstens scheinbar mit einer Epoche der Prosperität. Seit der kleine Lord John aber in's Amt kam, änderte sich plötzlich die ganze Staatsglückseligkeit. Lord John Russnll hatte nicht allein die Konsequenzen der Maßregeln seines Vorgängers durchzufechten, nein auch die Folgen einer schlechten Ernte, eines nie in solchem Maße gekannten Spekulationsfiebers, einer durch die Aenderung kommerzieller Gesetze hervorgerufenen Ueberproduktion fast aller Artikel und schließlich einer Geldkrise, welche den Kredit von Grund aus erschütterte, überstürzten sein armes Haupt und es war kein Wunder, wenn da Lord John bei jeder Finanzdebatte mit einem wahren Armensündergesicht vor seinen Gegnern erschien.
Die Ereignisse der letzten vier Monate ließen indeß befürchten, daß die Rechnungsablage am heutigen Tage, alle bisherigen an Traurigkeit übertreffen werde.
Ein Stein fällt daher den meisten Leuten vom Herzen, wenn sie sehen, daß die Abnahme der Staatseinkünfte der letzten drei Monate, mit derselben Zeit der vorigen Jahres vergleichen, nur 276,183 L. ausmacht. Man hatte sich auf etwas Schlimmeres gefaßt gemacht und das ziemlich Schlechte wird deswegen schon sehr gut genannt. Wir unterlassen es, auf die Details der fraglichen Aufstellung einzugehen. Das Resultat derselben scheint indeß den Beweis zu liefern, daß trotz der auswärtigen Verwicklungen, die nicht gestörte Ruhe in England selbst viel dazu beigetragen hat, um das gesunkene Vertrauen zu heben und einen größern als den erwarteten Konsum der meisten Artikel herbeizuführen. Außerdem hat der Verkehr mit Indien und Amerika nicht jenen Stoß erlitten, der den Handel mit dem europäischen Kontinente traf.
Die Massen baaren Geldes, welche vor den Stürmen des Kontinentes in England Schutz suchten, unterstützten diese Verbindungen und wohl kann man sagen, daß England in diesem Augenblicke in kommerzieller Beziehung trotz aller seiner Leiden fester da steht, als die meisten Nachbarländer.
Vergessen wir indeß nicht über diesen momentan günstigen Resultaten die zunehmende Verringerung der Staatseinkünfte in einem Zeitraum von 10 oder 15 Jahren. Die Staatseinnahme hat mit der steigenden Zahl der Bevölkerung keineswegs gleichen Schritt gehalten und es ist nur zu deutlich, daß die ganze englische Prosperität fortfährt eine höchst zweifelhafte und trügerische zu sein.
Der Chartisten-Proceß. Am 5. Juli hat vor dem „Central-Kriminal-Court“ (Central-Kriminal-Gerichtshof) der Prozeß gegen die Chartisten begonnen. Bei der Zusammensetzung der Geschwornen, bei ihrer Bourgeois-Wuth gegen den Chartismus, bei den täglichen Aufhetzungen der Bougeois-Presse und den tausendfachen Mitteln und Einwirkungen der Regierung wäre eine Freisprechung fast wunderbar. Daß die Verhandlungen großes Interesse erregen, erkennt man an dem ungeheuern Andrang von Zuhörern, die von früh bis spät den Saal füllen. Der erste unter den Angeklagten ist Fussell, Juwelier, 32 Jahre alt. Nachdem die Zeugen für und wider ihn vernommen worden und sie auf die verschiedenen Kreuzfragen geantwortet hatten, bei denen sich wie gewöhnlich bei Chartisten-Processen die Belastungszeugen als von der Regierung oder auch von einzelnen Organen der Bourgeois-Presse bezahlte Agenten oder auch als förmliche und handwerksmäßige Polizeispione erwiesen, und nachdem der Ankläger wie der Vertheidiger gesprochen; haranguirte der Lord Oberrichter die Geschwornen. Er warnt die Jury vor den partheiischen und leidenschaftlichen Darstellungen der Kronbeamten Solle jedes bei öffentlichen Versammlungen ausgesprochene energische oder hitzige unbefangene Wort zu peinlichen Anklagen benutzt werden, so werde damit das Recht der freien Versammlung untergraben und vernichtet. „Denn,“ fügte er hinzu, „die Menschen können überwirkliche oder vermeinte Beschwerden kaum anders diskutiren, als daß sie sich starker Ausdrücke bedienen. Schon die Menge einer Volksversammlung erwärmt das Gefühl und dieses Gefühl macht sich in der erhitzten Sprache der Redner Luft.“ Das sei nicht zu verwundern, sondern eine ganz natürliche Sache. Sie, die Geschwornen, könnten übrigens am besten beurtheilen, welche Motive den hier vor Gericht Stehenden bei ihren Worten und Handlungen zum Grunde gelegen. Die Jury erklärte den Angeklagten der „Sedition“ und der „Theilnahme an ungesetzlichen Versammlungen“ für „Schuldig.“ Fussell wurde alsbald nach Newgate zurückgebracht und das richterliche Urtheil vertagt.
Heute, den 6., wurden die beiden Angeklagten, J. Williams, Bäcker, 40 Jahre alt und Vernon (Lekturer) auch 40 Jahr alt, vorgeführt. Die Verhandlungen über diese Beiden dauerten bei Abgang der Post fort.
Consols schließen zu 86 7/8, 87 für Rechnung.
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[ * ] London, 6. Juli.
In der gestrigen Sitzung des Unterhauses war unter anderm auch die Bill wegen Aufhebung der Union mit Irland auf der Tagesordnung. Die Debatte darüber war bekanntlich am 11. April vertagt worden. Reynolds beantragte die Verschiebung auf fernere 3 Wochen. Dem widersetzte sich aber Sir B. Hall in einer erzürnten Rede. Er erinnerte daran, daß Beantrager wie Unterstützer jener Bill seit dem 11. April nicht mehr im Unterhause erschienen sind, sondern in Irland herumreisen, agitiren und zum Aufstande reizen. Wenn Männer sich als Leiter einer Parthei hinstellten, so könne ihr Charakter durch ein Verfahren, wie das vorliegende, durch ein solches Hinausschieben, nicht gehoben werden. Man treibe ein bloßes Spiel mit dem Hause u. s. w. Darum möge denn heute die Sache endlich vorgenommen oder sonst ganz gestrichen werden. Es sprachen noch Einige für und wider, indeß Reynolds Antrag ging durch. Es erfolgte hierauf zwischen Reynolds, dem „warmen“ Repealer, und Hrn. Keogh (auch Irländer, aber Anti-Repealer) ein kurzes Hahnengefecht, in das sich Sir G. Grey nicht einmischen zu wollen erklärte, doch aber nolens volens sich einmischte. Das Haus vertagte sich um 6 Uhr.
Amerika.
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[ * ] Liverpool, 5. Juli.
Der Dämpfer „Acadia“ lief diesen Abend mit Nachrichten aus New-York vom 21. Juni ein.
Die Verurtheilung John Mitchell's erregt in großen und kleinen Städten der Union großen Unwillen. Es sind nicht blos die zahlreichen Irländer, welche in den Meetings gegen jene infame Whig-Regierung Resolutionen fassen, sondern Männer aus allen Ländern, Partheien etc. In einem dieser Meetings wurde vorgeschlagen, eine Expedition zur Befreiung des nach den Bermuda's deportirten Repealers auszurüsten. Es ist gar nicht unwahrscheinlich, daß eine solche Expedition zu Stande kommt.
In Betreff Mexiko's erfahren wir blos, daß in Vera Cruz die mexikanischen Civilbehörden wieder in Wirksamkeit getreten sind.
‒ Die Engländer haben sich der Stadt S. Juan de Nicaragua und eines kleinen Forts am Fluße bemächtigt und die Stadt durch englische Soldaten befestigen lassen. Auf alle fremden (nicht-englische) Waaren sind Einfuhrzölle und auf alle fremden (nicht-englische) Schiffe starke Hafen- und Tonnengelder gelegt.
Amtliche Nachrichten.
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Der König hat den Landgerichts-Rath Meyberg zu Saarbrücken zum ständigen Kammer-Präsidenten bei dem Landgerichte zu Elberfeld; und den Assessor Winkler bei der Intendantur des Garde-Korps zum Militär-Intendantur-Rath ernannt.
Handels-Nachrichten.
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Fruchtpreise.
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Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
5. Juli. Friedr. Wilh., S. v. Friedr. Hense, Unteroffizier im 16. Inf.-Reg., Kalenhausen. ‒ Franz Xav., S. v. Albert Browerk, Fuhrmann, Severinskloster. ‒ Joseph, S. v. Johann Jeug, Maurer, Tempelstr. ‒ Friedrich, S. v. Heinr. Schäfer, Schuster, kl. Sandkaul. Peter Hub, S. v. Mathias Keil, Schreiner, Marzellenstraße. ‒ Heinrich, S. v. Heinr. Pliester, Schneider, gr Sandkaul ‒ Peter, S. v. Joh. Coßmann, Tagl., Holzg. ‒ Jakob, S v. Sever. Steinhauser, Rheinard, gr. Spitze. ‒ Arnold, S. v. Phil. Masson Hundeg. Arnold, S. v. Bertr. Beckers, Schreiner, Löhrg. ‒ Hub. Pet., S. v. Jos. Schmickler, Schreiner, Weißbüttengasse. ‒ Maria Clara Josepha, T. v. Joh. Georg Loosen, Seilermeister, Steinweg. ‒ Pet. Jos., S. v. Ant. Schuhmacher, Tagl., Katharinengr. ‒ Joh. Hub, S. v. Pet. Jos. Wirfs, Schneider, Weberstr.
Sterbefälle.
5. Juli. Cäcilie Götzen, 9 M. alt, Löhrg. ‒ Elisabeth Bauduin, geb. Bender, 83 J. alt, kl. Witschg. ‒ Anna Bester, 68 J alt, unverh., Hochstr. ‒ Katharina Reith, 20 J. alt, unverh., Heum. ‒ Anna Maria Christina Weber, 4 J. alt, Breitstr. ‒ Heinr. Breitenstein, 1 J. 4 M. alt, Achterstr. ‒ Christ. Schalk, 3 M. alt, Maximinstr. ‒ Kath. Heuser, 1 M. alt, Eulengarteng.
Heirathen.
5. Juli. Peter Jos. Fischer, Feldwebel im 28. Landwehr-Regiment und Cäcilia Antonia Wolf, beide von hier. ‒ Christ Friedr. Aug. Bester, Schneider, von Lichterfelde und Anna Marg. Oebels von Coslar ‒ Franz Rings, Schreiner, von Ramersdorf und Sophia Marx von hier. ‒ Jos. Billig, Schuster, Wittwer, von Euskirchen, mit Maria Agnes Decker von Oberwinter. ‒ Peter Jos. Müller, Zimmergeselle, von Gürzenich und Gertrud Degroot von hier. ‒ Franz Vogt, Gärtner, von Beelitz und Anna Sibilla Marenzki von hier. ‒ Joh. Jos. Abraham Budde, Hauskn, von hier und Sophia Charlotta Schüttler von Kassel. ‒ Joh. Graß, Dachdeckergeselle und Kath. Breuer, beide von hier. ‒ Joh. Pilgram, Schuster, von Urbach und Anna Maria Robels von Esch.
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Wasserstand.
Köln, am 8. Juli. Rheinhöhe 10′ 4″.
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Schiffahrts-Anzeige. Köln, 8. Juli 1848.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich W. Pesch; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr C. Königsfeld; nach Andernach und Neuwied H. Schumacher und G. Krämer; nach Koblenz und der Mosel und Saar G. Weidner; nach der Mosel, nach Trier und der Saar M. Zens; nach Bingen Wb. Jonas; nach Mainz Val. Pfaff; nach dem Niedermain Philipp Würges; nach dem Mittel- und Obermain Friedr. Seelig; nach Heilbronn Fr. Schmidt; nach Kannstadt und Stuttgart L. Hermanns; nach Worms und Mannheim A. L. Müller; nach Antwerpen M. Lamers.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Singendonk, Köln Nr. 10.
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Wilson, Köln Nr. 1.
Zur Anfertigung der Auszüge liegt offen die Deklaration des Schiffes Hartmann.
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Brodpreis der Stadt Köln.vom 9. Juli bis zum 16. Juli.
Ein Schwarzbrod, wiegend 8 Pfund soll kosten 4 Sgr. 8 Pf.
Köln, den 9. Juni 1848.
Königliche Polizei-Direktion. Müller.
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Bekanntmachung.
Nach einer amtlichen Mittheilung sind in den Niederlanden strenge Maßregeln getroffen worden, um alle diejenigen Ausländer sofort über die Gränze zurückzuweisen, welche entweder nicht mit Pässen versehen oder deren Pässe bereits abgelaufen sind. Auch mehrere der Rheinprovinz angehörige Personen, welche theils zum Vergnügen, theils in Geschäften nach den Niederlanden gereist waren, sind neuerlich dort wegen Mangels an Pässen in Verlegenheit gerathen.
Ich mache deshalb alle diejenigen, welche nach den Niederlanden zu reisen beabsichtigen, auf die Nothwendigkeit aufmerksam, sich mit einem Passe zu versehen.
Koblenz, den 4. Juli 1848.
Der Oberpräsident der Rheinprovinz, A. A. gez. v. Massenbach.
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„Neue Rheinische Zeitung.“
Das Expeditions-Büreau der Zeitung ist täglich von Morgens 8-1 Uhr und Nachmittags von 2-7 Uhr geöffnet; an Sonn- und Festtagen nur von Morgens 8-1 Uhr. Inserate zur Aufnahme in die nächste Nummer werden bis 1 Uhr entgegen genommen.
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Versteigerung.
Am Montag, den 10. Juti d. J., Morgens 10 Uhr, soll in Folge Rathskammerbeschlusses hiesigen Königlichen Landgerichts vom 26. Juni a. c. an Ort und Stelle und zwar in der Au, 1/4 Stunde oberhalb Sürth: „die dort auf einem angebrochenen Ziegelofen vor-
„handene Quantität Ziegelsteine von circa 400,000
„Stück“,
gegen gleich baare Zahlung verkauft werden.
Der Gerichtsvollzieher, Cloeren.
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Freiwilliger Verkauf eines Pferdes.
Am Dienstag, den 11. Juli e, Vormittags 11 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Marktplatze in der Apostelnstraße zu Köln, ein zum Reiten und Fahren geeignetes Pferd, dunkelbraune Stute, öffentlich an den Meistbietenden gegen gleich baare Zahlung verkaufen.
Köln, den 8. Juli 1848.
Fr. Happel, Gerichtsvollzieher.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Dienstag den 11. Juli 1848, Vormittags 9 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Apostelmarkte zu Köln mehrere Mobiliargegenstände, als: Tische, Stühle, zwei Ottomannen, Schränke, Spiegel, einen Ofen, eine Bettstelle mit Bettzeug u. s. w. dem Meist- und Letztbieten- gegen baare Zahlung öffentlich verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher, Gassen.
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Anträge zum Austausch Schaafhausenscher Schuldscheine gegen vom Staate garantirte Köln-Mindener Eisenbahn-Aktien nimmt entgegen C. Tumback, Cäcilienstraße Nr. 30 in Köln.
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Herrnkleider werden gewaschen u. repar. Herzogstr. 11.
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Deutsches Volksfest.
Da sich das verehrte Comité des deutschen Volksfestes aufgelöst, so fühle ich mich verpflichtet, denjenigen Herrn, welche dasselbe nur bei mir halten wollten, meinen innigsten Dank abzustatten, mit der Versicherung, daß ich von meiner Seite alles aufgeboten haben würde, dieses Nationalfest zu verherrlichen, um jedoch die mir von den meisten Herrn des Comités zugedachte sehr schmeichelhafte Ehre nicht so still vorübergehen zu lassen, habe ich aus Dankbarkeit und zur Aufheiterung der Gemüther heute ein Faß 1842er obermoseler Wein (Graacher) die große 6/8 Quart-Flasche zu 6 Sgr. und ein Faß 1846 Zeltinger zu 8 Sgr. angestochen.
Deutz, den 8. Juli.
Joseph Kost.
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Ein Handlungsgehülfe sucht eine Stelle in einer Kolonial- oder Materialwaaren-Handlung. Bescheid bei der Expedition dieses Blattes.
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Täglich frische neue fette holländische Häringe, feine Sardellen bei Theodor Kutteus, Perlenpfuhl Nr. 11.
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Meine RESTAURATION auf dem sogenannten Knabengarten, ganz in der Nähe des Bahnhofes zu Bonn (Lokal des Dioramas) empfehle ich einem geehrten Publikum bestens. Gleichzeitig, um etwaigen Irrthümern vorzubeugen, verfehle ich nicht in Erinnerung zu bringen, daß unsre seit langen Jahren bestehende Gastwirthschaft „zum alten Keller“ am Rheinthor, wie bisher unverändert fortgeführt wird.
Bonn am 1. Juni 1848.
Joh. Gebh. Behr.