[0207]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No. 42. Köln, Mittwoch 12. Juli 1848.
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Die „Neue Rheinische Zeitung“ erscheint vom 1. Juni an täglich. Bestellungen für dies Quartal, Juli bis September, wolle man baldigst machen. Alle Postämter Deutschlands nehmen Bestellungen an. Für Frankreich übernehmen Abonnements Herr G. A. Alexander, Nr. 28, Brandgasse in Straßburg, und 23, rue Notre Dame de Nazareth in Paris; so wie das königliche Ober-Post-Amt in Aachen. Für England die HH. J. J. Ewer & Comp. 72, Newgate Street in London. Für Belgien und Holland die respekt. königlichen Briefpost-Aemter und das Postbüreau zu Lüttich.
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Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen der Zeitung die weiteste Verbreitung.
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Die auswärtige deutsche Politik und die letzten Ereignisse zu Prag. ‒ Weiteres über den Bombardier Funck). Aus dem Siegkreise. (Deputirtenwahl). Dortmund. (Konstitutioneller Kongreß). Berlin. (Gitter am königl. Schloß. ‒ Postporto). Hannover (Ernst August will abreisen). Dresden. (Der Wahlgesetzentwurf. ‒ Finanzielle Zustände). Prag. (Zustand in Prag). Darmstadt. (Kopie der großen Minister. ‒ Steuerverweigerungen im Odenwald). Wien. (Eine Erklärung von Dr. Libelt. ‒ Proklamation des Erzherzogs Johann).
Polen. Lemberg. (Ruthenische Comité's. ‒ Vertreibung der Jesuiten. ‒ Russisches Korps an der Gränze. ‒ Die polnische und russische Fahne nebeneinander).
Donaufürstenthümer. Bucharest. (Die Revolution der Donaufürstenthümer).
Italien. Aus Oberitalien. (Welden's Bericht über die Operationen gegen Venedig). Turin. (Finanzieller Gesetzentwurf). Mailand. (Die italiänische Armee). Rom. (Das Konsistorium verschoben. ‒ Die reaktionären Manöver).
Franz. Republik. Paris. (Dornès' Schreiben an den National. ‒ Thiers über den Verfassungsentwurf. ‒ Die Reform über Thiers. ‒ Vermischtes.
Belgien. Brüssel. (Die Affaire „Risquons Tout“).
Spanien. (Börse. ‒ Ernennung).
Großbritannien. London. (Ein- und Ausfuhr in den letzten 5 Monaten. ‒ Der Northern-Star über die Contrerevolution zu Paris).
Deutschland.
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Edition: [Friedrich Engels: Die auswärtige deutsche Politik und die letzten Ereignisse zu Prag. In: MEGA2 I/7. S. 309.]
[**] Köln, 11. Juli.
Trotz des patriotischen Geheuls und Getrommels fast der ganzen deutschen Presse,
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[*]Köln, 11. Juli.
Wir können unsern Lesern heute weitere Mittheilungen über das Schicksal des Bombardiers Funck machen:
Als der Bombardier Funck in Saarlouis ankam, wurde er sofort unter der Anschuldigung „hochverrätherischer Umtriebe“ in Haft gesetzt, seine Effekten wurden durchsucht und mit Beschlag belegt. Da er krank war, verweilt er bis jetzt im Untersuchungsarrest im Lazareth, natürlich unter strengem Verschluß. Er bestand zwei Verhöre; die Anklage ist folgende: „er sei Mitglied der demokratischen Gesellschaft in Köln“ (welches Verbrechen) auch Comitémitglied, habe Unterschriften gesammelt, Proselyten gemacht, (lauter unrichtige Behauptungen) öffentlich geredet (aber welche Reden? Einmal gegen Willichs Unterstützung von Seiten des demokratischen Klubs, und einmal einige Bemerkungen über den Konstitutionsentwurf), er sei Republikaner, er habe ein rothes Band getragen, man habe bei ihm 40 verschiedene Flugblätter u. s. w. gefunden.“
Auf dem Dampfschiff von Bonn nach Remagen befand sich ein Gendarmeriewachtmeister aus Bonn, womit sich Funck unterhielt. Dieser Herr hatte nichts Eiligeres zu thun, als beim 8. Armeekorps eine Denunciation folgenden Inhalts gegen Funck einzureichen: „Er habe so auffallend freisinnig gesprochen, daß er es für seine Pflicht halte, dies anzuzeigen. Er sei unzufrieden mit seiner Stellung, und habe deßwegen geäußert, man müsse es mit dem Volke halten, das Volk belohne besser als der König, das Militär sei nicht mehr so dumm, das Volk niederzukartätschen, das rheinländische Militär würde dieß nicht thun, die Offiziere seien reaktionär, er habe ein rothes Band getragen.“ Alles dieß will der Herr Gensdarm beschwören. Er hat nur Soldaten als Zeugen angegeben, die jetzt schon wieder in Stettin sind. Hieraus kann man entnehmen, wie lange der Untersuchungsarrest dauern wird.
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[*] Aus dem Siegkreise.
Bei den letzten Abstimmungen über den unverantwortlichen Verweser in der Reichsversammlung zu Frankfurt, findet sich bei den retrograden Votanten auch Hr. Compes, den der Siegkreis zum Vertreter gewählt. Bei der Wahl dieses Mannes trat der Umstand ein, daß er den meisten Wahlmännern unbekannt, von einigen Herren auf's Entschiedenste als ein durch und durch Liberaler empfohlen wurde. Dieser Empfehlung allein verdankt Hr. Compes sein Mandat und ereignet es sich denn heute leider zu oft, daß das Wort liberal nur als Mittel zum Zweck dienen muß. Uebrigens wird der Kreis in Berlin nur durch Männer der Linken vertreten.
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[103] Dortmund, 7. Juli.
Gestern fand hier der sogenannte konstitutionelle Kongreß statt in Vereinigung mit dem Fest der sogenannten alten Krieger von 1814 und 15. Versammelt war die Blüthe der westphälischen Ritterschaft (Ex-Minist. Bodelschwingh etc.),eine große Menge Civil- und Militärbeamte, Pensionäre, „alte Krieger“ etc., dem Ansehen nach meist Leute aus dem vorigen Jahrhundert. ‒ Morgens 11 Uhr zog der ganze Trupp mit Musik nach einem, Ihnen gewiß gänzlich unbekannten Garten-Saale. Der hiesige Landrath Pilgrim, einer von den 57 Familienvätern, die jüngst in Berlin waren, auch „alter Krieger“, hielt eine unverständliche Anrede.
Der Ober-Landesgerichts-Präsident Lent, „alter Krieger“, wurde zum Präsidenten, der Advokat von Hurter aus Elberfeld zum Vicepräsidenten, der Bürgermeister Schulenburg von Soest und von Ammon aus Köln zu Schriftführern erwählt.
Lent sprach, daß die „alten Krieger“ 1813, 14 u. 15 schon mit ihrem Herzblut die „Freiheit“ (!) erkauft haben, und daß sie jetzt, wo unser allergnädigster König die konstitutionelle Monarchie „haben wolle“ mitkämpfen wollen und daß dem zu Folge der alte Krieger-Verein aufgehen solle im konstitutionellen Verein. Mitglied des Vereins könne Jeder werden, der die konst. Monarchie wolle, und der mitkämpfen wolle gegen Republik oder Gesetzlosigkeit. (Oh! Oh!) Reaktion sei nicht zu fürchten, es sei dies nur das Schibolet der Wühler. Die alten Krieger, wofür sie früher gestritten, dafür wollen sie auch jetzt streiten; für Freiheit, Recht, Ordnung. Civil-Versorgungs-Schein. Er schlägt Dortmund zum Centralort vor.
v. Ammon von Köln sagt, daß an das heutige Fest der Erinnerung an schöne Zeit, angeknüpft werden solle der Bau der Zukunft. Er gehöre beiden an, der Erinnerung und der Zukunft. Er sei von Köln, wo sich die Anarchie vielfach geltend gemacht habe. Nach unserer Ueberzeugung ist das Beste, die Freiheit in der Ordnung. (Bravo!) Er habe nicht die Anmaßung gehabt, einen Ort vorzuschlagen, sonst würde er Köln vorschlagen. Köln würde sich aber nicht an Dortmund als Hauptort anschließen, weil Köln wahrscheinlich der Hauptort für Rheinland werden wird.
Hauptmann v. Wittich aus Wesel. Im Namen deren, die ihn zwar nicht hierher geschickt (!), mache er darauf aufmerksam, daß jeder hier wohl wisse, was er wolle. Er schlage daher vor, daß man zunächst durch die Presse wirke. (Allgemeiner Skandal ‒ nein ‒ nein ‒ das ist ein Republikaner ‒ er spricht von der Presse.)
Professor Huber aus Berlin. 57 Biedermänner haben sich neulich nach Berlin aufgemacht und „an der rechten Schmiede angeklopft“. Einige dieser Deputirten haben den konstitutionellen Versammlungen in Berlin beigewohnt und die Statuten gebilligt. Der dortige Verein habe beschlossen, 2 Mitglieder, den Hrn. Gutsbes. Berends und den Redner nach Dortmund zu schicken, um als bescheidene Gesandte zwar, aber einen sehr gesunden Theil des Landes zu repräsentiren. (Ruf: Tendenz! Tendenz!) Für die Rechte des Königs und des Volkes aller Klassen zu kämpfen gegen Republik und Anarchie, sowie gegen Reaktion.
Es tritt ein Redner auf, der um seinen Namen befragt, mit großer Frechheit spricht: Meinen Namen brauche ich nicht zu sagen, ich bin der Oberforstmeister Krelinger aus Minden. Ich gehöre Westphalen an, da ich an der Porta Westphalica wohne. Meine Herren! Mein Gebet bei Tag und Nacht ist: „Gott erhalte den König, Gott schütze das Vaterland, Gott gebe uns Frieden.“ (Die „alten Krieger“ gerathen bei dem Worte „Frieden“ in ungeheuren Jubel.) Meine Herrn, sollte aber Krieg entstehen, sollte sogar Bürgerkrieg kommen, dann rufen wir alle: „Mit Gott für König und Vaterland!“ (Hurrah!)
Prediger Keller aus Mülheim a. d. Ruhr. Ich war vor 20 Jahren schon in Berlin, ich habe jetzt zu der Deputation gehört, die nach Berlin reiste. Ich gestehe, daß ich sehr niedergeschlagen hingereist, aber noch niedergeschlagener zurückgekehrt bin. Meine [0208] Herren, es ist jeden Tag möglich, daß in Berlin die Republik proklamirt wird. (Ruf: Nein ‒ nicht die Republik!) Meine Herren, verstehen Sie mich recht, ich sage, es ist möglich, daß die Republik proklamirt wird, daß die Kammer aufgelöst wird etc. Dann müssen wir vorbereitet sein, in Ost und West, unser Blut daran zu setzen, daß König und Vaterland bleibe, daß König und Vaterland wachse. (?) (Jubel.)
Hauptmann Wittich aus Wesel. Er sei vorhin mißverstanden worden, um dem zu begegnen, sage er, daß er es sei, der den konstitutionellen Klub gegründet in Wesel gegen die Wühlerei. (Bravo!)
Präsident Lent schlägt vor, aus jedem Ort, aus dem sich Bewohner hier befänden, solle einer gewählt werden zur Abfassung der Statuten, und der sich verpflichtet, in seiner Heimath einen konst. Verein zu gründen für König und Vaterland gegen die Republik oder Gesetzlosigkeit.
Hülsmann aus Münster, Markaner. Mit Gott für König und Vaterland haben wir gefochten. (Bravo.) Unser König will ein einiges Deutschland, dafür sollen Alle kämpfen, wir stehen für König Vaterland.
Gessler, ein alter Lützow, Westfale: Unser Wahlspruch war „Vorwärts!“ Meine Herren, lassen Sie uns eine Ansprache erlassen an unser Heer. Die Treue unseres Heeres war es, die den Thron gerettet hat!
Lent schlägt am Schluß vor, es solle eine Kommission ernannt werden zur Erklärung, daß alle fest halten an König und Vaterland. Meine Herren, die Lüge herrscht und die Wahrheit geht betteln. So weit ist mit uns gekommen. Die Wühler haben uns einen neuen Herrgott eingesetzt, sie wollen uns auf unsern sichtbaren Thron auch noch einen neuen König setzen.
Hauptmann Schimmel aus Münster, Markaner, im Kommandotone: Sie dürfen nicht hier auseinander gehen, bevor sie nicht etwas gethan. Sie müssen noch heut etwas beschließen. So wie heute kommen wir nie wieder zusammen. (Bravo!)
Lent schlägt vor, daß die Sitzung bis 3 Uhr ausgesetzt wird, damit die Abgeordneten die Statuten berathen. Wird angenommen.
Um 4 Uhr, Eröffnung der Sitzung.
Lent: Die Kommission habe ihren Auftrag zu erfüllen gesucht. Der Entwurf sei fertig: Alle Mitglieder wollen das Recht des Königs schützen (Scandal, man kann nichts verstehen, es wird nach Republikanern gefahndet). Die Versammlung erklärt sich für die konstitutionelle Monarchie im engsten Anschluß an Deutschland. Die Versammelten wollen in Rheinland und Westfalen in vollem Ernste dahin wirken (Scandal).
Professor Huber redet, aber unverständlich.
Doktor Bracht aus Elberfeld: Meine Herren, der Redner war und ist der Redakteur des berüchtigten Janus, der Eichhornsche Prinzipien vertreten hat (herunter, herunter!). Der Doktor Bracht wird vom Lieutenant Spemann aus Hoerde insultirt und mit Hülfe Anderer hinausgeworfen. Es entsteht Mordscandal und die Versammlung marschirt unter Voraustritt des Musikkorps nach dem Speisesaal, dort wird „Ich bin ein Preuße“ und andere konstitutionellen Lieder gesungen, viel geredet, gegessen und getrunken etc. Abends fahnden die „alten Krieger“ in allen Wirthshäusern nach Republikanern, die aufgehenkt werden sollen. Man ist sehr unzufrieden mit der Aufnahme, da einige alte Krieger in Schlafstuben speisen mußten, wegen Mangel an Platz.
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[19] Berlin, 9. Juli.
Die vor einigen Tagen vom Schloßhauptmann beabsichtigte abermalige Einsetzung der eisernen Thorgitter im königlichen Schloß, mußte wegen Protestation der Bürgerwehr wieder unterbleiben. Diese eisernen Gitter sollen bekanntlich die drei Zugänge zu dem ersten Schloßhof absperren. Der freie und ungehinderte Durchgang durch die Schloßportale ist aber seit Jahrhunderten eine den Einwohnern Berlins zugestandene Berechtigung. Aus diesem Grunde wurden auch am 14. Juni, als man die eisernen Gitterthore einsetzen wollte, dieselben vom Volke mit Gewalt entfernt. Man hört nicht, daß eine Untersuchung über diese gewaltsame Entfernung eingeleitet worden wäre.
‒ Dem Vernehmen nach beabsichtigt das königliche General-Postamt das Postporto für Versendung der inländischen Zeitungen dergestalt herabzusetzen, daß es künftig nur 25 pCt. des Zeitungspreises betragen soll.
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Hannover, 8. Juli
Heute Morgens gegen 11 Uhr ist die allgemeine Ständeversammlung vertagt worden. Aus der letzten Sitzung der zweiten Kammer ist eine anziehende Mittheilung zu machen. Es ward nämlich ein Scheeiben des Gesammtministerii verlesen, aus welchem man erfuhr, daß die Wahl des Erzherzogs Johann zum vorläufigen Reichsverweser Deutschlands Seitens Hannovers anerkannt worden sei. Zugleich hörte man nun aber weiter, daß wenn das Parlament in Frankfurt gewisse Gränzen in den von ihm zu fassenden Beschlüssen überschreiten werde, Hannover sich damit nicht einverstanden erklären könne. Die deutschen Fürsten könnten nicht Untergebene des Reichsverwesers werden. König Ernst August habe gern und bereitwillig Opfer gebracht, und werde sie auch bringen, um zur Einigung Deutschlands mitzuwirken, aber wenn man zu viel von ihm verlange, so werde er sein Land verlassen. Es ist kaum möglich, den Eindruck zu beschreiben, der durch diese Mittheilung in der Kammer hervorgebracht wurde. Es herrschte ein allgemeines Schweigen, und erst nach Verlauf einiger Minuten erhob sich Merz aus Hildesheim, und bat, daß eine Stelle des Schreibens, in welcher vom Könige die Rede sei, noch einmal verlesen werden möge. Stüve erhob sich und erklärte: Der König sei entschlossen, das Land zu verlassen, wenn man von Frankfurt her zu viel von ihm verlange. v. Bodungen: Ich will auf die Sache selbst nicht weiter eingehen. Aber höchlich bin ich erfreut, daß der Erzherzog Johann als Reichsverweser anerkannt worden ist. Er wird das Vertrauen wieder herstellen und so bringe ich ihm ein: Hoch der Erzherzog Johann! Als Bodungen sich setzte herrschte wiederum einen Augenblick lang tiefe Stille in der Kammer. Da erhob sich Lang. Ich habe mich ungemein gefreut, sagte er, aber ich bin auch zugleich von einem sehr schmerzlichen Gefühle ergriffen worden. Es freut mich, daß Erzherzog Johann als Reichsverweser anerkannt worden ist, aber ich bin betrübt über viele Stellen des eben verlesenen Schreibens. Die Nationalversammlung ist die letzte Hoffnung Deutschlands. Lehzen erörtert, daß in dem Schreiben des Gesammtministerii durchaus nichts Bedenkliches enthalten sei. Hantelmann: Ueber die Sache noch zu verhandeln, ist zu spät. Der Abgeordnete für Münden (Bodungen) hat dem Reichsverweser Johann ein Hoch gebracht, möge sich jetzt die ganze Kammer erheben und den Reichsverweser hoch leben lassen. Die ganze Kammer erhebt sich, und ruft dreimal hintereinander: Hoch Johann! Auf der Tribüne stimmt man lebhaft ein in diesen Ruf. Dann erhob sich Stüve und brachte dem Könige Ernst August ein Hoch, in welches die Kammer einstimmte. Es wurde dies Hoch dreimal wiederholt.
Nachdem die Sitzung dann für einige Zeit aufgehoben worden war, wurde das Vertagungsschreiben verlesen.
[(Br. Z.)]
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[*]Dresden, 7. Juli.
Der Entwurf des neuen Wahlgesetzes wurde heute, trotz der gestern von der Deputirtenkammer erfolgten Annahme, Seitens der Regierung zurückgenommen. Der Minister Oberländer erklärte, daß die Zurücknahme des Gesetzentwurfs deshalb geschehen, weil die Regierung sich überzeugt habe, daß derselbe nicht allenthalben den Wünschen und Ansichten der Kammer entspreche, und fügte die Erklärung bei, dnß das Ministerium sofort an die Ausarbeitung eines neuen Gesetzes gehen werde, wobei alle in der Kammer vertheidigten Ansichten, auch die, welche die Majorität der Kammer nicht erlangt hätten, nochmals in sorgfältige Erwägung gezogen werden sollten. Bei der Verhandlung über die finanziellen Zustände Sachsens gab Minister Oberländer einen Nachweis über den Stand der Staatsschuld des Landes, aus welchem hervorging, daß dieselbe (inklusive der Eisenbahnanleihe) nicht über 40. Mill. Thlr. betrage, während der Staat hierfür einen Gegensatz von mindestens 70 Mill. Thlr., nämlich 35 Mill. mobiles und 35 Mill. immobiles (Kammergüter, Staatsgebäude und Staatsforsten) Staatsvermögen aufzuweisen habe, woraus man die beruhigende Ueberzeugung schöpfen könne, daß die Vermögensverhältnisse Sachsens günstiger seien als die irgend eines andern Staats.
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Darmstadt, 9. Juli.
Nach dem Frankfurter Journal scheinen die Odenwälder Bauern wieder unruhig zu werden. Es kommen Steuerverweigungen und Mißhandlungen der Steuerbeamten vor. Der eingehegte Park des Grafen Erbach wird stark von Wilddieben besucht. Es sind deßhalb heute ein Bataillon Infanterie, eine Schwadron Chevauxlegers, zwei Kanonen und zwei Haubitzen nach Michelstadt von hier abmarschiert.
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[**] Darmstadt, 9. Juli.
Schon seit einiger Zeit ertönt in der „freien Hessischen Zeitung“ der Unkenruf „eines Juristen“ : Ob denn die alten Gesetze nicht mehr existirten, um die Schreier zur Ruhe zu bringen, und was ihrer Anwendung im Wege stehe? Das Ministerium Zimmermann hat den befreundeten Ruf vernommen, sein Erlaß vom 7. d. beweist uns, daß die Erinnerung nicht unbeachtet geblieben ist. Dieser Erlaß, der uns lebhaft wieder an die glorreiche Herrschaft eines du Thil erinnert, ist zugleich die erste politische Lebensäußerung des neuen Ministeriums, wie des neuen Großherzogs. Er ist unzweifelhaft dazu bestimmt, uns vorzubereiten auf die Dinge, die da kommen sollen. Es ist darin viel die Rede von der Entwicklung, die wir seit dem 6. März gemacht hätten, aber in der That haben wir uns zu nichts entwickelt, außer zu Versprechungen, auf deren Erfüllung wir nun schon seit vier Monaten vergebens warten. Nicht einmal Associationsfreiheit ist gesetzlich festgestellt, denn am 6. März wurde nur versprochen, in Betreff derselben den Ständen ein Gesetz vorzulegen. Und die freie Presse! Wer hindert die Behörden, dieselbe durch Anwendung der noch bestehenden Gesetze so unfrei zu machen, wie sie es durch die Censur nur irgend werden konnte? Das Militär ist zwar auf die Verfassung vereidigt, aber auf eine Verfassung, die die Freiheit des Volkes nicht sichert. Es selbst ist in der alten Verfassung geblieben, und es steht nichts im Wege, es morgen zur Unterdrückung aller Volksfreiheit zu verwenden. Das ist unsere Entwicklung. „Diese Entwicklung zu stören, hat sich,“ wie das Ministerium sagt, „eine Partei zum Ziele gesetzt, welche immer unverhüllter ihre Plane darlegt, die auf Umsturz alles Bestehenden durch unausgesetzte Anfeindung aller öffentlichen Autorität, durch Drohung und Gewalt gerichtet sind. Diesem Treiben entgegenzutreten, die Freunde der Ordnung zu beruhigen und zu thätiger Unterstützung der Ordnung zu ermuthigen, die Irregeleiteten zu warnen, wenden Wir Uns an Unser Volk, mit der Versicherung, daß alle gesetzlichen Mittel zur Bekämpfung der Feinde der Ordnung angewendet werden sollen. Zunächst wird das wohl den großen Volksversammlungen gelten, deren uns in nächster Zeit mehrere bevorstehen.
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[17] Prag, 6. Juli.
Wenn wir einen Blick auf unsere blutigen Ereignisse, die schon wieder durch das furchtbare Drama unseres westlichen Nachbarvolkes in den Hintergrund gedrängt sind, zurückwerfen, so müssen wir immer mehr bedauern, daß wir von den Errungenschaften unserer Revolution, nichts weiter noch haben als die Preßfreiheit, deren wir uns in Prag nicht bedienen dürfen, indem bei dem geringsten freisinnigen Worte die Redakteure der Zeitschriften zum Grafen Thun gerufen werden, und man ihnen bedeutet, nichts Aufreizendes zu schreiben, wenn sie nicht eingesteckt und standrechtlich behandelt sein wollen. Ich gebe Ihnen also einen kleinen Vorgeschmack von dem, was Sie erwarten würde, wenn es Sr. Majestät einfallen sollte, Köln in Belagerungszustand zu erklären ‒ liebenswürdige Proben der Kanonen-Preßfreiheit. Die Oeffentlichkeit des Gerichtsverfahrens verläugnet man hier nicht nur ganz, obgleich der viel weit verzweigtere Polenprozeß doch öffentlich verhandelt wurde, sondern im Gegentheil man bedeckt die „Verschwörung“ mit dem undurchdringlichsten Schleier einer ächt Metternich'schen Justiz. Und wirklich, wenn man nicht Männer wie Graf Buquoi, Baron Vilani etc. nebst etwa hundert andern mehr oder minder hochgestellten Personen im Gefängnisse sähe, wenn man nicht die Proklamation des Fürsten Windisch-Grätz vor Augen hätte, welcher die Bürgerschaft benachrichtigt, daß sie lügenhaften Gerüchten, nach welchen die Gefangenen wieder freigelassen worden sein, keinen Glauben beimessen solle, sondern daß die Untersuchung ihren Gang gehe und die für schuldig Befundenen nach der ganzen Strenge der Gesetze bestraft werden würden ‒ man könnte die ganze Geschichte der Verschwörung für eine Mystifikation halten, trotzdem, daß ein großer Theil der deutschen Journale die Geschichte der Gründung einer slavischen Republik so genau weiß, die ganzen Fäden der Verschwörung so genau in den Händen hat, daß wir, z. B. dem R-Correspondenten der „Deutschen Allgemeinen“ keinen bessern Rath geben können, als sich zur Untersuchungskommission im Schlosse zu schlagen; er würde der ganzen erlauchten Kommission die Hälfte der Arbeit ersparen. Daß ein Verständniß zwischen den Repräsentanten der verschiedenen Slavenstämme dagewesen sein muß, ist wohl nicht zu leugnen, daß mehrere dieser Personen sich mit kühnen Plänen trugen, wohl auch nicht; aber eben so wenig, daß von 5‒600 Personen, die in Prag den achttägigen Kampf unterhalten, nicht zwanzig Eingeweihte waren, wenn es überhaupt welche gab, daß nirgends eine Spur von Organisation zu sehen ist. Die Barrikaden wurden da aufgeworfen, wo sich ein Haufe Menschen fand und in solcher Masse, daß die Hälfte davon überflüßig war. Von Kommando war keine Spur zu sehen. Man vertheidigte sich da, wo man angegriffen wurde. Munition war nur sehr spärlich vorhanden und Geld gar nicht, denn die Barrikadenopfer, größtentheils Studenten und nur wenige aus den niedern Klassen, nährten sich fast die ganze Zeit über von schwarzem Brod. Es ist gewiß und nicht zu bestreiten, daß die große Masse der Kämpfenden nur gegen Reaktion, gegen Militärdespotie sich zu schlagen glaubte ‒ wenn es eine Verschwörung gab, so war sie nur Wenigen bekannt und noch ganz unorganisirt für den Ausbruch. Was einen Kampf der Cchechen gegen die Deutschen anbelangt, so war keine Spur davon zu sehen. Nicht ein beleidigendes Wort gegen einen Deutschen ist gefallen, nicht eine Bewegung gegen die sonst hier so verhaßten Juden; Deutsche und Cchechen haben Barrikaden gebaut, Cchechen und Deutsche sich auf ihnen geschlagen und was den Schutz anbetrifft, den der General Windisch-Grätz, der Retter der deutschen Nationalität, den Deutschen hat angedeihen lassen, so beschränkt er sich darauf, daß er auf die Kleinseite zog und Cchechen und Deutsche ohne Unterschied niederschoß. Ich will sie nicht mehr mit den Details des Kampfes behelligen, sie sind Ihnen genugsam bekannt.
Ueber unserer Stadt ruht eine gewisse dumpfe Schwüle; der Belagerungszustand, der Gedanke an eine weitverzweigte Verschwörung drückt Alle, und nichts verlautet von der Untersuchung. Der böhmische Landtag wird nun erst nach Beendigung des Wienerreichstages zusammen berufen werden, die Wahlen zum letztern werden von der cchechischen Partei nur ganz passiv betrieben und es bedarf Wahlkommissäre, um die Wahlen auf dem Lande zu leiten. Die böhmischen und vorzüglich slavischen Farben sind gänzlich verschwunden. Das Nationalcomité ist aufgelöst und alle seine Akte sind für ungültig erklärt. Wir sehen mit Ungeduld der Eröffnung von oben entgegen, die uns über unsere Verhältnisse aufklären wird, über eine „Verschwörung, die ganz Deutschland in Schrecken setzte“ über das Gespenst, das sich zwischen unsern beiden Völker drängt, und nur die schwarz-roth-goldne Larve des alten Metternich'schen Systems ist.
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@facs0208
[*] Wien, 6. Juli.
Dr. C. Libelt hat an die Allgem. Oestr. Z. folgendes Schreiben gerichtet:
In der Abendbeilage der Allg. Oestr. Ztg. vom 25. Juni. Nr. 174 wird aus Prag berichtet, daß nach dem Abzuge des Militärs auf den Hradschin, ein Comité aus drei Mitgliedern: Palacky, Libelt und Bakunin, zusammengetreten sei, von dem die bekannten Forderungen der Böhmen ausgingen. In der nächstfolgenden Beilage vom 26. d. M. wird aus Wien eines Briefes Erwähnung gethan, den ich an die Breslauer Zeitung geschrieben, und auf die Ereignisse in Prag im Voraus aufmerksam gemacht haben soll.
Ich erkläre hiermit, daß beide Angaben völlig erdichtet sind. Ich habe keinen Brief an die Breslauer Zeitung geschrieben, auch in keinem andern Schreiben auf Ereignisse aufmerksam gemacht, die ich weder gewünscht, noch vorhergesehen habe. Eben so ist an dem Zusammentreten des angeblichen Comité's, und einer von ihm erlassenen Proklamation kein wahres Wort.
Wenn es heute zur Tagesordnung geworden ist, die Polen zum Sündenbock aller politischen Umtriebe zu machen, so sehen wir Polen recht gut ein, von wo aus, und zu welchem Zwecke, diese geschäftigen Verläumdungen ausgestreut werden. Es gilt den Racenhaß zu vollenden, und namentlich das gebildete Polen von dem gebildeten Europa zu trennen, um es gegen, nicht für das Letztere zu stimmen, daß aber die geehrten deutschen Redaktionen, im guten Glauben, in diesen Plan eingehen, und die offenbarsten Lügen in ihre Blätter aufnehmen, das ist's, was uns Polen, mehr verwundert als verwundet.
Genehmigen Sie etc.
Karlsbad, 2. Juli 1848.
ergebenster Diener, Dr. Carl Libelt.
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@facs0208
Wien, 7. Juli.
Der Erzherzog Johann hat nachstehende Proklamation erlassen:
„Die deutsche Nationalversammlung in Frankfurt hat mich zum Reichs-Verweser erwählt und durch ihre Abgeordneten aufgefordert, diesem ehrenvollen Rufe ungesäumt zu folgen.
„Oestreicher! Ihr kennt meine unveränderte Gesinnung für unser gemeinsames deutsches Vaterland; Ihr kennt meine heißen Wünsche für sein Wohl, seine Macht und Ehre.
„Diese Wünsche, ich weiß es, stehen mit Euren Gefühlen in vollkommenem Einklange, und ich habe es daher als eine heilige Pflicht erkannt, das Amt zu übernehmen, welches mir Eure Vertreter in Frankfurt und mit ihnen alle Eure deutschen Brüder anvertrauen.
„Dasselbe wird, gestützt von der Nationalversammlung und befestigt durch das gesammte deutsche Volk, den Gedanken der Einheit Deutschlands zur That gestalten, ‒ es wird für die Freiheit und für das Recht des deutschen Volkes, für das Gesetz und die Ordnung in dem ganzen deutschen Gebiete eine neue Gewähr darbieten.
„Ich glaube daher, die mir von unserem Kaiser für die Zeit seiner Abwesenheit übertragenen Regentenpflichten nicht zu verletzen, ich glaube sie vielmehr mit hoffnungsreicherem Erfolge zu erfüllen, indem ich beide gleichwichtige und innig verbundene Sendungen annehme.
„Ich werde mit der an mich gesendeten Deputation nach Frankfurt gehen, um das hohe Amt des Reichsverwesers anzutreten, und dann wieder zu Euch zurückzukehren, um als Stellvertreter des Kaisers am 18. Juli den Reichstag in Wien feierlich zu eröffnen.
Wien, 6. Juli 1848. Johann.“
Polen.
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@facs0208
Lemberg, 30. Juni.
Die ruthenischen Komité's tauchen in Galizien immer mehr und mehr auf. Auch in Alt-Brody besteht ein ruthenischer Verein zur Wahrung der Volksrechte mit besonderer Würdigung der ruthenischen Interessen. Dessen Mitglieder sind nur Geistliche und Bauern; in letzterer Zeit trat demselben ein städtischer Beamter bei. Es ist nicht zu läugnen, daß die Entstehung der ruthenischen Komités in der Opposition gegen das Polenthum ihren Grund hat, und daß die Regierung diese mehr soutenirt als die polnischen, deren Tendenzen sich zum Radikalismus hinneigen.
Der Jesuitenorden muß in Folge eines Ministerialerlasses nun auch Galizien bis zum 15. Juli verlassen. Wie bekannt, hat dieser Orden in Galizien folgende 4 Posten inne: zu Lemberg ein adeliges Convict, in Westgalizien und zwar zu Neusandec ein Gymnasium, in Ostgalizien und zwar zu Tarnopol ein Gymnasium und eine phylosophische Lehranstalt, endlich zu Starowies, Sandecer Kreises, welches Dorf zugleich ein Eigenthum dieses Ordens ist, eine Pflanzschule und Verbannungsort für die Jesuiten in Galizien. Dieser Orden hatte, wie zu ersehen, seine Arme über ganz Galizien ausgebreitet. Allgemein wird behauptet, daß auch die von den Jesuiten bis nun besorgten Lehranstalten aufgehoben werden.
Ein neuer Gubernialerlaß verbietet das Tragen der einfachen (polnischen) Adler. Die Sachen doppelt genommen, dauern länger und sind stärker! ‒ An der russischen Gränze bei Radziwilow hat sich ein Korps von 60,000 Mann zusammengezogen, dessen Bestimmung vielseitig gedeutet wird. ‒ In Lemberg haben sich die beiden bis jetzt feindlich entgegengesetzten Rada narodowa, die polnische und die ruthenische, feierlichst vereinigt, und neben der roth-weißen weht nunmehr ruhig und friedlich auch die gelb-blaue Fahne.
[(A. Oestr. Z.)]
Donaufürstenthümer.
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@facs0208
Bucharest, 24. Juni.
Seit vorgestern hatten mehrere Verhaftungen stattgefunden, einige der Häupter der Bewegung aber hatten sich versteckt und erschienen gestern Abend im Fürstenhof an der Spitze einer unabsehbaren Menge, welche jetzt dieselben Forderungen an den Fürsten stellte, die vor einigen Wochen bereits in einer Petition von einigen jüngern Bojaren gemacht worden waren, mit neuen ebenso tiefgreifenden vermehrt. Seit jener Zeit waren ein russischer Kommissär und ein Pascha von Seite der Pforte eingetroffen. Wahrscheinlich in Folge der Eingebungen des Ersteren waren die vorgenommenen Verhaftungen erfolgt, die aber den Ausschlag für die andere Seite hervorriefen. Vorgestern Abend waren auf den Fürsten in der Dunkelheit, im Augenblick als er im offenen Wagen in die Stadt von einem Ausfluge zurückkehrte, drei Schüsse gefallen, wovon einer in die Epaulette ging. Dies mag Anlaß gewesen sein, warum der Fürst gestern früh sich in die beiden Kasernen verfügte; in der der Infanterie wurde er vom Fähnrich aufgefordert, die Konstitution und die Landesfreiheiten auf die Fahne zu beschwören, was auch geschah, nachdem die Offiziere erklärt hatten, daß sie sich nicht gegen das Volk brauchen lassen würden. Kaum war der Fürst in seiner Wohnung angelangt, so fuhren die Offiziere in 25 bis 30 Wagen zu ihm. Dieses Auftreten des Offizierkorps sicherte und beschleunigte den Erfolg, denn wenn es auch in den Absichten des Fürsten gelegen hätte, sich den Volkswünschen zu widersetzen, was ich aus guten Gründen sehr bezweifeln muß, so war ihm jetzt das Mittel jeden Widerstandes benommen. An der gestrigen Versammlung im Fürstenhause (denn von Aufstand war gar nicht die Rede) nahmen die ganze jüngere Generation, der Kaufmannstand und die Offiziere Theil, aber alle Großbojaren und Weißbärte fehlten, da die Cholera dieselben meist verscheucht hatte. Der Fürst bewilligte und unterschrieb 22 Punkte, darunter 1) Preßfreiheit; 2) Abschaffung der Leibeigenschaft der Zigeuner und der Bauern, sowie aller Feudallasten; 3) Reduktion der Civilliste auf die Hälfte; 4) Verabschiedung der bisherigen [0209] Minister; 5) allgemeines aktives Wahlrecht; 6) Erklärung der zahlreichen und sehr reichen Klöstergüter und aller übrigen Kirchendotation als Nationaleigenthum; 7) Beschränkung der Dauer der Regentschaft auf 5 Jahre, mit andern Worten alle 5 Jahre Fürstenwahl; 8) die Minister nicht nur, sondern der Fürst selbst ebenfalls verantwortlich; 9) Errichtung einer Nationalgarde; 10) Aufhebung jedes Rangunterschieds, mit einem Wort: Gleichheit vor dem Gesetz. Daß die Stadt, die gestern früh menschenleer schien, jetzt wimmelt und in freudige Aufregung versetzt ist, braucht kaum erwähnt zu werden. Ungeheure trikolore Kokarden prangen auf jedem Rock. Folgendes sind die neuen Minister: Inneres, Nikolaus Golesco; Finanzen, Majero; Justiz, Stephan Golesco; Polizei, Konstantin Rossetti; Kultus und öffentlicher Unterricht, Eliade; Militärangelegenheiten, Major Tell (der Oberst Odobesko behält den Befehl der Truppen); Aeußeres, Konstantin Baltschesko. Alle diese Männer sind als wacker bekannt und gehören nicht den reichen Familien an. Eliade ist noch nicht von der vor wenigen Tagen unternommenen Flucht zurück; seine Ankunft wird ein neuer Triumph für die Jugend sein, die ihn als Schriftsteller und frühern Inspektor der Unterrichtsanstalten verehrt. Daß die Großbajaren einen Umsturz versuchen werden, ist kaum zu glauben da sie keine Sympathien im Lande haben; ob aber die privatliche Aeußerung des russischen Konsuls, daß in vier Tagen 20,000 Russen hier sein werden, in Erfüllung gehen wird, muß die nahe Zukunft lehren! Viele glauben, daß in Jassy der Fürst wahrscheinlich in Folge des gestrigen Tags verjagt werden und die Moldau sich zu dem diesseitigen Fürstenthum schlagen würde.
[(A. A. Z.)]
Italien.
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@facs0209
Edition: [Friedrich Engels: Weldens Bericht über die Operationen gegen Venedig. In: MEGA2 I/7. S. 314.]
[*] Aus Oberitalien, 4. Juli.
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@facs0209
Mailand, 2. Juli.
Nach einem in Peschiera gefaßten Kriegsrathsbeschlusse soll eine allgemeine vorwärts gehende Bewegung stattfinden. Der linke Flügel der italiänischen Armee wird einen Einfall in das venetianische Gebiet machen, während der rechte Flügel gegen Mantua und hauptsächlich gegen Legnago operiren wird. Das Hauptquartier kommt nach Roverbella. Unter dem Oberbefehl des durch seine Fähigkeiten und Klugheit ausgezeichneten General Sonnaz wird ein Armeekorps Verona abschließen. General Chioda ist mit der Belagerung dieses Platzes beauftragt. In Peschiera werden hölzerne, mit Eisen befestigte mobile Barrikaden verfertigt, um bei der Bewegung gegen Verona gegen die feindliche Artillerie zu dienen.
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@facs0209
[*] Rom, 30. Juni.
Der Pabst hat auf die Vorstellungen der ganz mit der Reaktion des In- und Auslandes einverstandenen Kardinäle das beabsichtigte Konsistorium auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben. Zeit gewonnen, Alles gewonnen denken die Herren. Sie benutzen die Zeit, um einen Theil des Volkes, der aus Unwissenheit fanatisch und leicht bestechlich ist, zu bearbeiten, damit anscheinend vom Volke aus der Sturm gegen das liberale Ministerium Mamiani's losbreche. Es handelt sich für die reaktionäre Partei um Sein oder Nichtsein. So ein ganzes Ministerium mit Laien zu besetzen, das ist nicht blos unverschämt, sondern bringt Lücken und Risse in den Geldsack. Und nun sprechen die Deputirten gar von Säkularisation der geistlichen Güter, mindestens von einer Anleihe gegen Verhypothezirung derselben und von ähnlichen teuflischen Ideen. Damit hat natürlich die Gottlosigkeit den höchsten Grad und die Wuth der himmlischen Männer, deren Geldbeutel nebst Ansehen und Einfluß so in der Nähe bedroht ist, den höchsten Grad erreicht. Drum der Ruf: „hilf Samiel“ Metternich und du wackerer Nikolaus.
Französische Republik.
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@facs0209
Paris, 9. Juli.
Der „Moniteur“ schreibt heute einen neuen Konkurs von 150 Pensionäre für die Zulassung in die von der provisorischen Regierung gegründete Verwaltungsschule des College de France aus.
‒ Die erste Verwaltungsschule (Ecole administrative) wurde gestern früh 9 Uhr im College de France vom neuen Unterrichtsminister in Person eröffnet. Er hielt dabei eine Rede, in welcher folgende Phrase vorkommt: „. . . . Die Nationalversammlung wird in ihrer Souverainität über das definitive Schicksal der Verwaltungsschulen zu entscheiden haben. Ich zweifle nicht, daß Ihr erstes Auftreten sie bestimme, diese Verwirklichung eines ächt demokratischen Gedankens zu bestätigen.“ Bei der Wuth, Alles niederzureißen, was die provis. Regierung schuf, wäre es leicht möglich, daß man auch diese Pflanzschulen nicht schonte.
‒ Dem Baron v. Friddain, Geschäftsträger Siziliens, und dem Dr. Furnari, erstem Legationssekretär, ist das Recht ertheilt worden, mit den Behörden der Republik amtlich zu verkehren. Erste Anerkennung Siziliens.
‒ Abbé Sibour, Bischof von Digne und Bruder des Repräsentanten gleiches Namens, geb. 1792, wird als Nachfolger des Erzbischofs von Paris bezeichnet. Der Moniteur wird dieser Tage die Ernennung bringen.
‒ Der Moniteur sieht sich heute genöthigt, zu erklären, daß die Haussuchungen in den Wohnungen der Exkönigin Christine und beim spanischen Generalkonsul aus Versehen geschehen seien und zu keinem Resultat geführt hätten.
Lage der Bank am 7. Juli Abends. Die Baar-und Barrenvorräthe stiegen auf 82,618,028 Frs. 80 Cent. in Paris und auf 73,158,028 Frs. in den Departements. Die leidenden Papiere fielen von 26,611,329 Francs 92 Cent. auf 26,508,636 Frs. 13 Cent. und auf 12,286,572 Frs. 59 Cent. in den Departements. Der Staatskasse blieb von den geliehenen 50 Millionen nur noch ein Restchen von 4,889,986 Fr. 66 Cts.
‒ General Duvivier, der am 23., 24. und 25. Juni die Mobilgarde befehligte, ist an seiner Fußwunde gestorben. Duvivier ist der sechste General, der gestorben.
‒ In der Bank herrscht Schrecken. Es wurden ihr in den letzten Tagen eine solche Menge falscher Billets präsentirt, daß sie heute im Moniteur und den übrigen Blättern eine vollständige Beschreibung dieser Contrebande zur Warnung bekannt macht.
‒ Während der Junitage wurden zwei Millionen Kartuschen und 3000 Kanonenkugeln aus den Staatszeughäusern gegen die Insurgenten verschossen.
‒ Die innerhalb Paris liegende Garnison beträgt achtzigtausend Mann. Außerhalb der Stadt kampiren noch 50,000 Mann. Trotzdem kann der Constitutionnel noch nicht ruhig schlafen. Er trägt heute auf Anlage isolirter Kasernen an, die außerhalb der Schußweite aller Privatfenster und Dächer lägen. Die alten Kasernen will er der leichtsinnigen Mobilgarde einräumen. Auch einige Kavalerie soll ihr beigegeben werden.
‒ Aus der Tiefe seines Gefängnisses hat ein Insurgent an den Repräsentanten Antony Thouret ein Brief gerichtet, in welchem er erklärt, daß er ihm das Geheimniß der Junirevolution enthüllen wolle, wenn er ihn in Freiheit setze. Thouret hat statt aller Antwort diesen geheimnißvollen Brief der Untersuchungs-Kommission übergeben ‒ soviel die Patrie versichert.
‒ Diesen Morgen (erzählt ein Abendblatt) glaubten wir uns Alle in die Luft gesprengt. Am Bastillenplatz fingen nämlich die im Schrank eines Wachtpostens befindlichen 600 Kartuschen Feuer und verursachten eine starke Explosion. Der Offizier und einige Mann des 34. Regiments, unter andern auch ein Dachdecker, wurden beschädigt, jedoch Niemand getödtet. Die Mauern wurden stark erschüttert.
‒ Unter dem Titel „Le Conciliateur“ ist ein neues reaktionäres Blatt erschienen.
‒ Die Pariser Bäckergesellen warnen alle ihre Kameraden von auswärts, nicht nach Paris zu kommen. Es sei Ueberfluß an Arbeitern; 1500 lägen auf dem Pflaster.
‒ Wie man hört, sollen die schon früher einmal durch Kriminalgerichte bestraften Insurgenten nach der Cayenne, die reinen Patrioten aber nach Algier gebracht werden.
‒ Aus den Untersuchungsakten geht hervor, daß General Brea deßhalb so fürchterlich gemeuchelt wurde, weil man der Barrikadenmannschaft in die Ohren geflüstert hatte: „Er sei der General Cavaignac, auf dessen Befehl ihre gefangenen Kameraden ohne Weiteres erschossen worden seien.“ Thatsache ist, daß Cavaignac und Lamoriciére beim Volke allgemein jetzt als Menschenschlächter gelten.
‒ Wir bitten unsere Leser um Verzeihung, aber es ist noch einmal Herr Thiers, um den es sich handelt. Man muß wohl auf ihn eingeh'n, er ist da. Wir haben diesen großen Mann nicht aufgesucht, und wenn er heute eine beliebige Rolle spielt, so ist es sicher nicht unsere Schuld. Wer zweifelt daran? Hr. Thiers schwamm oben auf in dem friedfertigen Februarschiffbruch, der so viele Sachen obenauf ließ. Die Reaktion führt ihn im Triumph zurück und das Journal des Debats, kürzlich noch sein Feind, verbindet sich mit dem Siècle und dem Constitutionnel, seinen alten Schleppenträgern. Herr Thiers präsidirt eins der 15 Büreaus, wo unsre künftige Konstitution in diesem Augenblick debattirt wird. Eine Konstitution, an die Thiers Hand angelegt hat, ist im Voraus beurtheilt. Auch sind wir völlig vorbereitet, auf dies neue Abtreiben einer vielversprechenden Revolution. Und von vorn herein will Herr Thiers das Recht zur Arbeit nicht anerkennen, weil er sich übermäßig zu verpflichten fürchtet, und es einfacher findet den verzweifelten Hunger mit Flintenschüssen zu besänftigen. Denn verlangt er zwei Kammern, um in der Regierung jene Theilung zu verewigen, welche die Demokratie in den Massen zu ersticken glaubte und um ein vor dem alles nivellirenden allgemeinen Stimmrecht unmöglich Aristokratie wieder aufzuführen.
Hr. Thiers ist der Mann aller möglichen Prätendenten, vom göttlichen Recht an bis zur Regentschaft, bis zum Kaiserreich im Nothfall. In den letzten Wahlen verpflichtete er sich gegen alle Welt; selbst den Bischöfen küßte er den Pantoffel. Der ausschließliche Vertheidiger der Universitäten, hat sich durch den Klerus absolviren lassen, dem er im Nothfall den gesammten Unterricht, mit Einschluß der Universität, überliefert hätte. Er hätte alles versprochen selbst der Republik, wenn die Republik ihn nicht abgewiesen hätte. Hr. Thiers wird sich aller Meinungen bedienen, unter dem Vorbehalt sie später zu prellen. Zum Ziel muß er gelangen, gleichgültig um welchen Preiß!
[(La Reforme.)]
‒ Die Rede, welche Hr. Thiers im Büreau der National-Versammlung gehalten hat, lautet im Wesentlichen wie folgt:
In meiner Eigenschaft als Republikaner ersuche ich Sie für die Einführung von zwei Kammern zu stimmen. Ich bin, sie wissen es, kein Republikaner von gestern (vor der Revolution). Aber die Republik ist gegenwärtig die gesetzliche Staatsform in Frankreich und ich wünsche deren sichere und dauerhafte Einrichtung. Von der Konstitution ist Alles abhängig; diese aber beruht fast gänzlich in der wichtigen Frage über das Kammersystem.
Die Gründe, welche für eine einzige Kammer angeführt worden sind, fassen sich in folgendem zusammen: die Existenz zweier Kammern veranlaßt einen mißlichen, ja gefährlichen Widerstreit, der begreiflich unter der Monarchie ist, wo man der königlichen Macht die Volksmacht entgegenstellen will, um der einen durch die andere das Gegengewicht zu halten, aber unzulässig in der Republik, wo nur ein einziger Wille, der der Nation in Anschlag kommen, vertreten und befolgt werden darf; ein Widerstreit, wozu es in Frankreich keine Elemente mehr giebt; denn thatsächlich existirt keine Aristokratie mehr, und gäbe es eine solche, so dürfte man rechtlich sie nicht anerkennen; ein Widerstreit endlich, der weder das Königthum der ältern noch der jüngern Linie erhalten hat, noch das Kaiserreich noch das Direktorium; diese Regierungen sind alle zu Grunde gegangen, obgleich sie zwei Kammern hatten. Eine einzige Kammer ist in einem Lande, wo es nur einen einzigen Willen giebt und geben darf, das einfachste, naturgemäßeste, der Zeit und den Verhältnissen entsprechendste.
Ich werde diesen Einwürfen gegen das Zweikammersystem mit wenigen und wie ich hoffe entscheidenden Worten begegnen.
Ich gebe zu daß das Einkammersystem das einfachste von allen ist. Aber wissen Sie was von allen Staatsformen die einfachste ist? Es ist der Despotismus. Ein Herr gebietet, man gehorcht, das ist Alles.
Die Einfachheit ist in der Mechanik die Barbarei. Die politische Mechanik wird wie die physikalische im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr zusammengesetzt, aber damit zugleich wissenschaftlicher und was mehr ist als dieser eitle Vortheil, ihre Aktion wird sicherer, einfacher und weniger mühsam. Eine republikanische Regierung mit einer Kammer wird ganz die Härte und Rauhheit einer despotischen haben. Bald wird, unter einem schwachen Präsidenten, der furchtbarste aller Despotismen eintreten, der einer einzigen Versammlung. Bald werdet ihr, unter einem energischen, der Volksgunst sichern Präsidenten, den Despotismus eines Günstlings der Menge haben, und wenn keine von beiden Mächten gelaunt ist nachzugeben, so entspinnt sich ein tödlicher Kampf zwischen dem Präsidenten und der einzigen Versammlung, ohne einen Vermittler der den Kampf mäßige, den Gegenstoß neutralisire. Um diesem Uebelstande zu begegnen bedarf es eines Zwischengliedes, das sich in die Mitte stellt und selber den Widerstreit auf sich nimmt, um seine Folgen zu mildern. Es bedarf mit einem Worte einer zweiten Versammlung, welche die Meinungen der ersten diskutirt, ihnen zuweilen entgegentritt und ihnen nur in einem gewissen Maaße beitritt. Mag dieser Aelagonismus sein Verdienstliches haben, aber er ist die Freiheit selber, nämlich die Prüfung, die Ueberlegung, die Erörterung.
Der Redner weist nun auf die gegenwärtige autokratische Stellung der Nationalversammlung hin, auf die Art wie Dekrete erlassen werden ohne Prüfung, ohne Debatte, gleich dem Willen eines absoluten Herrn. Soll, fragt er, diese Einfachheit des Verfahrens den vernünftigen, dauernden Zustand einer großen Gesellschaft bilden? Freilich lieben alle herrschenden Gewalten das Einfache, d. h. sie wollen keine Hindernisse, keinen Widerstand. Und so seid auch ihr Republikaner von gestern, die ihr in eurem guten Glauben, in der Naivetät eurer Leidenschaften keine zwei Kammern wollt, ohne es zu wissen, die Volksgewalt, die als Sieger keinen Widerstand, kein Hinderniß will, die unter dem Titel von Dringlichkeitsdekreten ihre Wünsche unmittelbar befriedigen will, ohne an eine zweite Versammlung gebunden zu sein.
Alle Regierungen sind zu Grunde gegangen, wißt ihr weßhalb? Nicht weil sie verhindert wurden zu thun was sie wollten, sondern weil sie keinen Widerspruch fanden, der mächtig und achtunggebietend genug war. Wenn man der maßlosen Vermögenheit Napoleons, dem reaktionären Sinne Karls X. der übermäßigen Klugheit Louis Philipp's, der aus Furcht, sei es vor dem Liberalismus im Innern, sei es vor gewagten Unternehmungen nach Aussen, ein Land zusammendrücken wollte, das endlich in seinen Händen auseinander sprang wie allzusehr zusammengepreßte Luft ‒ Einhalt gethan hätte, Keiner von ihnen hätte mit einer Katastrophe geendigt.
In der Monarchie, sagt Ihr, bedarf es eines Widerstreits der Gewalten, in der Republik nicht. Und warum denn? Sind die Völker stets verständig? Oeffnet doch das große Buch der Geschichte. Werden denn die Völker nicht eben so getadelt, der Thorheit beschuldigt wie die Könige? Ich citire das geistreichste Volk, die Athener, das größte, die Römer. Man muß also warnen, zurückhalten, zum Nachdenken auffordern, die Völker ebensowohl wie die Könige. Die absolute Gewalt steigt zu Kopfe und bewältigt die stärksten Intelligenzen. Vereinigen wir uns um eine gute Republik zu machen, in welcher der Volkswille, indem er auf Hindernisse und Zögerungen stößt, weniger rasch, überlegter und verständiger sein kann.
Ihr sagt, zwei Kammern haben weder Louis Philipp, noch Carl X., noch Napoleon bewahrt. Das ist richtig, beweist aber nichts. Eine doppelte Kammer ist ein Mittel, nicht das einzige, aber das hauptsächlichste, eine Regierung zu verhindern, daß sie ihren Neigungen allzusehr folge. Hat sie das gethan und zwar in einem Grade, daß eine Katastrophe unvermeidlich ist, so kann die Organisation der Gewalten eine solche nicht beschwören. Aber die Krise wäre nicht unvermeidlich geworden, wenn der Widerstand gegen die schlechten Tendenzen der Regierung mächtiger gewesen wäre. Hätte unter dem Kaiserreich der Senat sich Napoleon widersetzt, wäre die Pairskammer unter Louis Philipp nicht so entnervt gewesen, vielleicht wäre Vieles nicht eingetroffen, was sich ereignet hat.
Die Einrede die man mir entgegenstellt gleicht der eines Kranken, der nachdem er den Arzt und seine Heilmittel verschmäht hat, sich beklagt daß die Medizin im letzten Augenblicke nichts mehr vermag. Im Todeskampfe hilft die Medizin nicht; ebenso ist es mit den Institutionen.
Man sagt es fehlten in Frankreich die Elemente zu zwei Kammern; das ist ein Irrthum. Es giebt in jedem Lande junge Menschen und alte, ruhige und hitzige; besonnene, erprobte und Neulinge die ihre Karriere zu machen haben; Männer die regiert haben und Würde mit Muße zu verbinden wünschen, und Männer die kaum in die Geschäfte eingetreten, sie mit der Ungeduld der Jugend und des Ehrgeizes zu führen denken; Männer die vom Alter abgesehen, Vorzüge des Geistes und Charakters besitzen, die einen der alten, die andern der neuen Ideen willen, bejahrte Männer die Neuerungen lieben, junge Leute die am bestehenden festhalten; endlich solche die abgesehen von ihrer Individualität diesen verschiedenen Bestrebungen durch ihr Vermögen, ihre Stellung, ihre Verbindungen oder persönlichen Neigungen zugeführt werden. Das hat sich in allen Republiken gezeigt, das zeigt sich in den Vereinigten Staaten, in der demokratischsten Gesellschaft der Erde.
Laßt es also den Wählern frei, von zwei Kandidaten, die sich ihnen vorstellen, zu sagen: dieser ist gemacht für die Repräsentantenkammer, jener für den Senat. Sie werden den einen zu den Jungen schicken, den andern zu den Alten, den einen zu den Unternehmenden, den andern zu den Vorsichtigen. Es bedarf hierzu keiner besonders weisen Wahlkombinationen. Laßt an demselben Tage von denselben Wählern die Mitglieder der beiden Versammlungen wählen und sie werden die Scheidung um die es sich handelt mit ebenso viel Scharfsinn machen wie ein einziger Erleuchteter und Allmächtiger. Uebrigens bleiben Euch tausend Mittel die Wahlart, die Erneuerungsweise und die Dauer verschiedentlich zu bestimmen.
Es ist also ein leerer, nichtiger Vorwand, von der Schwierigkeit der Zusammensetzung einer doppelten Kammer zu sprechen. Was man in den Vereinigten Staaten verstanden hat, sollte man in Frankreich nicht vermögen?
Ich zähle mehrere Freunde unter den hervorragenden Bürgern der Verein. Staaten. Alle diejenigen, welche sich augenblicklich in Europa befinden, haben mir anempfohlen Euch zu sagen, mit der größten Wärme zu sagen, daß Ihr durch Annahme des Einkammersystems den schwersten Fehler begehen würdet. So heiß sie wünschen, daß die republikanischen Institutionen in Frankreich Erfolg haben möchten, ebenso lebhaft ist ihr Wunsch, ihr möchtet jenes Zweikammersystem annehmen, zu dem sie nach harten Erfahrungen gelangt sind.
Doch muß ich, die ihr mich anklagt ein Reaktionär zu sein, was ich nicht bin, wenigstens nicht in Eurem Sinne, denn ich will nur eine einzige Reaktion, die der Ordnung gegen die Unordnung, muß ich vor Euch für die Dauer und Festigkeit der Republik sprechen? Muß ich, der Republikaner des folgenden Tages Euch, die alten Republikaner auffordern, eine feste, dauerhafte Republik zu gründen? Soll es denn dahin gekommen sein, daß ich auch von der Republik eben so wenig gehört werde wie von der Monarchie, wenn ich für Vernunft, Geist und Weisheit spreche? Ach, unter der einen wie unter der andern führe ich die Sache des gesunden Sinnes vor den Richterstuhl der Leidenschaften. Dennoch verzweifle ich nicht Gehör zu finden und diese Hoffnung ist eine Huldigung, keine Beleidigung, die ich an die junge Republik richte, vor der zu sprechen ich berufen bin.
Belgien.
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@typejArticle
@facs0209
[*]
Den Anklageakt über die Affaire „Risquons Tout“ werden unsere Leser morgen erhalten, nebst Randglossen.
Großbritannien.
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@typejArticle
@facs0209
[*] London, 9. Juli.
Die eben veröffentlichten offiziellen Listen und Tabellen über Ein- und Ausfuhr und Konsumtion der wichtigsten Artikel in Großbritannien und Irland enthalten viel interessante und lehrreiche Angaben. Wir begnügen uns folgende mitzutheilen:
Eingeführt und verzollt vom 5. Jan. bis 5. Juni.
1846.1847.1848.
CacaoPfd.1,392,6111,589,3101,342,700
KaffeePfd.15,073,75716,804,61416,169,878
Spirituosen:
RumGallonen1,054,0821,297,2371,189,785
BrandyGallonen466,842603,297610,972
GenièvreGallonen14,37914,0349,865
ZuckerCtnr.2,057,5312,473,1552,455,979
SyrupCtnr.250,494240,956293,167
TheePfd.19,218,04719,441,85920,232,545
TabakPfd.11,279,35111,315,69611,157,197
WeinGallon.2,841,0962,764,9372,605,939
Ausgeführt vom 5. Jan. bis 5. Juni.
1847.1848.
Baumwollenzeugefür7,726,107für6,895,963Pfd.St.
Baumwollengarnefür2,094,665für1,836,467Pfd.St.
Linnenfabrikatefür1,229,310für1,180,507Pfd.St.
Linnengarnefür266,326für193,775Pfd.St.
Seidenfabrikatefür404,502für212,823Pfd.St.
Wollenfabrikatefür2,767,719für2,021,826Pfd.St.
Wollengarnefür342,849für250,816Pfd.St.
Ausf. obig. Art. insges.für14,831,478für12,592,186Pfd.St.
Die Gesammtausfuhr vom 5. Jan. bis 5. Juni betrug
1847 20,815,372 Pfd. St.
1848 17,946,426 Pfd. St.
Und blos in den letzten 3 Monaten dieses Jahres betrug die Ausfuhr, mit der im nämlichen Zeitraum von 1847 verglichen, jeden Monat 1 Mill. Pfd. Sterl. weniger.
Doch die Engländer trösten sich. Die Berichte von den asiatischen Märkten lauten wieder günstiger; die Rohstoffe sind billig, der Arbeitslohn niedriger als je und so hoffen die englischen Fabrikanten, durch eine noch wohlfeilere Produktion als bisher den eben gedachten Ausfall im Export sehr bald ersetzen zu können.
[0210]
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@typejArticle
@facs0210
‒ Der „Northern Star“ enthält einen kurzen Artikel, überschrieben, „die Contre-Revolution“, welcher also lautet:
„Einige Sonntagsblätter betitelten ihre Berichte über den letzten Kampf in der französischen Hauptstadt: „Contre-Revolution in Paris.“ Ohne es zu wollen, sprachen die Schurken der Preßbande die Wahrheit aus. Sie wünschten, ihre Leser möchten daraus folgern, daß die Insurgenten die Contrerevolutionäre gewesen; allein ein Blick auf die pariser Nachrichten dieser Woche wird Jeden überzeugen können, daß die Verräther an der Republik diejenigen sind, von welchen die Arbeiter in Paris niedergetreten worden. Die „Republik“ ist ein leerer Name; ein Hohn, eine Täuschung; sie ist Despotismus; der Despotismus der Gewalt herrscht ja offen in Paris wie in Petersburg. Die Nationalversammlung wird von Infanterie, Kavallerie und Artillerie bewacht; durch ganz Paris erhält die Bevölkerung ihr Gesetz vom Militär. Cavaignac hat sein Ministerium fast ganz mit afrikanischen Schlächtern besetzt ‒ mit den erbarmungslosen Verwüstern Algeriens. Die „Alpen-Armee“ marschirt gen Paris, das von nun an mit einem ungeheuern Kriegslager umringt wird. Kurz, die Herrschaft des Mars ist der des Plutus gefolgt, und der Säbel hat die Stelle des Scepters eingenommen. Die Nationalwerkstätten sind aufgelöst und die Regierung steht im Begriff, das Dekret, welches die Arbeitszeit auf 10 Stunden täglich beschränkte, aufzuheben. Die Klubs sind unterdrückt und die wirklich demokratischen Journale vernichtet. Die Verhaftungen dauern fort und die Lage vieler in den letzten paar Tagen verhafteten Personen beweist, daß der neuliche Aufstand keine bloße Pöbel-Emeute war. Unter den Kompromittirten befinden sich Männer, hervorragend in Literatur und Politik, und Offiziere von der Linie wie aus den Nationalgarden.
Die Leiden der Tausende von Gefangenen in den scheußlichsten Kerkern sind furchtbar; Hunderte sind seit der letzten Nr. d. Bl. erschossen worden.
Mitten unter diesen Ruinen gewährt es einigen Trost, den Sturz der Verräther und Feiglinge, welche den Fall der Republik veranlaßt, mit ansehen zu können. Die „gemäßigten“ Demokraten ‒ Ledru Rollin und seine Partei ‒ sind proscribirt und von Lamartine heißt es, daß er nach Palästina abzureisen im Begriff ist. Dort wird er Zeit und Gelegenheit haben, über das Elend nachzudenken, in welches er durch seine sentimentale Philantropie sein Vaterland gestürzt hat. Auch Marrast und die ganze Schurkenbande vom „National“ sind, nachdem sie das Werk der Bourgeoisie gethan, dem Untergange geweiht.
Der jetzige Zustand der Dinge ist mehr als eine genügende Rechtfertigung der letzten Insurrektion. Nun ist nicht länger an einen Vergleich zu denken. Die Zukunft Frankreichs muß der gemeinste, grausamste Despotismus sein, oder die ‒ rothe Republik.“
[Leserbrief]
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@facs0210
Köln. Die Physikatsstelle des Kreises Bonn ist dem Herrn Dr. Eulenberg aus Lennep übertragen worden. Diese Uebertragung ist den bestehenden gesetzlichen Vorschriften zuwider. Diesen gemäß, muß die Vakanz derartiger Stellen in dem Amtsblatte der betreffenden Regierung bekannt gemacht werden, damit Bewerbungslustige ihre Ansprüche geltend machen können. Die königl. Regierung zu Köln hat, ohne der gesetzlichen Bestimmung nachzukommen, die genannte Physikatsstelle vergeben.
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@facs0210
Mülheim a. Rh., den 6. Juli.
Nachdem sich zur Konstituirung eines Bürgervereines hierselbst die festgesetzte Zahl von ein Hundert Unterschriften nicht vorfanden, konstituirte sich vor einigen Tagen ein Arbeiterverein, welcher in seiner ersten Versammlung beinah vier Hundert Theilnehmer nachwies. Aus der Wahl gingen als Präsidenten die HH. Franz Bengel, Seidenweber, und Hr. Ludwig Luccas, Kaufmann, hervor. Der Verein nahm ohne jede Abänderung noch Modifikation die dem Bürgervereine zu Grunde gelegten Statuten und Programm für sich an und bekundete hierdurch die Gesammtheit der Arbeiter eine Tendenz, der jeder Bürger ohne Bedenken huldigen kann. Sollte man es aber glauben, daß ein Theil der Bürger sich an der Benennung eines Vereines stoßen konnte, und hierdurch abermals eine Einigung vereitelte, welche jetzt schon zum dritten Male durch eitle Wortklauberei zu Schanden geworden ist?
Wenn eine Anzahl Bürger einen Stolz darein setzen, das öffentliche Zeichen eines Vereines unter der ehrenvollen Benennung Bürger, ins Leben treten zu sehen, so finden wir ein solches Bestreben und Verlangen ganz im Rechten. Einigung zum allgemeinen Besten aber ist das erste Band einer Bürgerschaft, welchem jedes unwesentliche Verlangen überall zum Opfer gebracht werden muß. Wer es mit der allgemeinen Einheit, Wohlfahrt und Einigkeit wohl meint, der stoße sich nicht an den Namen und halte sich an dem rechtlichen Sinn, an dem rechtlichen Streben, welches von dem Vereine verfolgt werden soll und verfolgt werden muß. Jedenfalls aber wird der Arbeiterverein trotz seines bescheidenen Titels, alle ihm gesetzlich zustehende Kraft entwickeln. Wenn die socialen Zeitfragen auch seine Hauptbestrebungen umfassen, so wird derselbe nichts desto weniger seinen ganzen Einfluß aufbieten, die innere höchst mangelhafte und an der Hartnäckigkeit eines früheren Systems erschlaffte Vertretung städtischer Angelegenheiten und Interessen geltend zu machen.
Wir fordern daher die sämmtliche Bürgerschaft Mülheims im allgemeinen Interesse sowohl, als zum allgemeinen Gedeihen bürgerlicher Einheit hiermit auf, und laden insbesondere jeden Bürger freundlichst ein, sich unserem Vereine ohne Säumen, ohne Bedenken anschließen zu wollen; es hofft der Verein in dieser Weise und durch den Beitritt tüchtiger Männer jene Kraft zu erlangen, welche Noth thut, um jene Gerechtsame zu erringen, welche uns geschmälert, und die Lasten abzuschütteln welche uns mit Unrecht aufgebürdet worden. So in vereinigter Kraft werden wir stark sein, und des Unglücks viel lindern, und des Guten viel fördern können.
Einer im Auftrag Vieler.
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@facs0210
Darmstadt, 20. Juni.
Von Freiherrn von Schütz, Mitglied der nassauischen Ständeversammlung in Wiesbaden, kommt uns folgende Zuschrift zu:
Verehrter Redaktion theile ich hierbei eine Abschrift der mir gestern aus Texas zugekommenen Erklärung mehrerer dortigen Ansiedler (worunter auch mein Bruder) mit. Die Unterzeichner derselben glauben durch diese Erklärung ihren Landsleuten, welche entweder um das Schicksal von in Texas lebenden Angehörigen besorgt, oder aber selbst gesonnen sind dahin auszuwandern, einen wesentlichen Dienst zu leisten.
Das in meinen Händen befindliche, mit der anliegenden Abschrift wörtlich übereinstimmende Original liegt bei mir zur Einsicht offen.
Um die vielen falschen Ansichten und unwahren Nachrichten, welche in Deutschland über Texas verbreitet sind, zu berichtigen und zu widerlegen, erklären die unterzeichneten Bewohner und Bürger von Texas:
1) Texas hat kein tropisches, unerträgliches Klima, sondern ein gemäßigtes, mit einer durchschnittlichen Jahreswärme von + 10° R. Das Thermometer fällt nie unter ‒ 6° R. und erhebt sich nur selten um die Mittagszeit bis + 30° R., die Sommerwärme wird durch die täglich wehenden Seewinde sehr gemildert.
2) Die Gesundheit des ganzen westlichen Texas, wo sich die meisten deutschen Ansiedelungen befinden, ist außer allem Zweifel.
3) Jede Furcht vor Indianern wird hier nur verlacht, und niemals ist eine deutsche Ansiedlung oder Farm von ihnen angegriffen worden.
4) Alle deutschen Getraidearten und Gartenfrüchte können hier gebaut werden und gedeihen zum Theil vortrefflich, auch ist die Viehzucht außerordentlich lohnend.
5) Die Sicherheit der Person und des Eigenthums ist hier eben so groß, als irgend in Deutschland.
6) Die Preise des Landes sind in Texas billiger, als in irgend einem andern Theil der Vereinigten Staaten.
Bei der Unmöglichkeit, die Emigration zu hemmen, muß es jedem von Wichtigkeit sein, seine auswandernden Landsleute in dem Lande zu wissen, welches die günstigsten Verhältnisse für ihr gutes Fortkommen darbietet und dies ist unserer festen Ueberzeugung nach der Westen von Texas, wo die Deutschen in einer Gegend koncentrirt sind und jeder Landwirth mit einigem Kapital, jeder geschickte Handwerker, (mit Ausnahme derjenigen, die Luxusartikel fabriziren) und überhaupt jeder fleißige Handarbeiter auf sicheres Fortkommen und Erwerb für die Zukunft rechnen kann.
Deshalb ersuchen die Unterzeichneten alle Redaktionen deutscher Zeitungen obige Erklärung mit den Namensunterschriften mitzutheilen.
New-Braunfels, 18. April 1848.
C. D. v. Schütz, Nassau. J. L. Müller, Speyer. Oscar v. Behr, Köthen. Gustav Dressel, Geisenheim. Gustav Schleicher, Darmstadt. Ferd. v. Herff, Dr. med., Darmstadt. John Schneider, Rheinhessen. Heßler, Stuttgart. Arnold Graf Henkel v. Donnersmark, Sachsen. Basel, Bremen. H. Lühr, Bremen. Jos. Huck, Baden. F. Lindheimer, Frankf. a. Main, Dr. jur. H. Kallmann, Frankf. a. Main, Wilhelm Thomae, Nassau, Dr. med. A. Schöpmann, Westphalen, Dr. med. Wilh. Remer, Breslau. A. Degener, Braunschweig. G. Hofmann, Westpreußen. Arnold, Ostpreußen. V. Bracht, Düsseldorf. Julius Wagner, Baden. Wilke, Berlin. Ransleben, Berlin. Th. Sterzing, Wiesbaden. Chr. Hesse, Darmstadt. Edgar v Westphalen, Trier. Adolph Neuber, Kassel. Rudolph Dammann, Quedlinburg.
Amtliche Nachrichten.
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Das 29. Stück der Gesetz-Sammlung, welches heute ausgegeben wird, enthält unter
Nr.2997.den Allerhöchsten Erlaß vom 24. Mai d. J., die Annahme und Auszahlung kleiner Geldbeträge für Privat-Personen durch Vermittlung der Post-Anstalten betreffend;
Nr.2998.das Allerhöchste Privilegium für die Ausstellung auf den Inhaber lautender Obligationen der Stadt Aachen zum Betrage von 100,000 Rthlr. Vom 19. Juni d. J.;
Nr.2999.die Allerhöchste Genehmigungs-Urkunde vom 25. Juni d. J., betreffend die Umwandlung von 870 Stück Stamm-Aktien der Niederschlesischen Zweigbahn-Gesellschaft in fünfprozentige Prioritäts-Stamm-Aktien; und
Nr.3000.das Gesetz, betreffend den mit der Anstellung oder Beförderung im Staatsdienst verbundenen Verlust der Mitgliedschaft in der zur Vereinbarung der preußischen Staats-Verfassung berufenen Versammlung. Vom 6. Juli d. J.
Berlin, den 10. Juli 1848.
Gesetz-Sammlungs-Debits-Komptoir.
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Dem Stempel-Revisor und Techniker C. T. R. Mendelssohn zu Berlin ist unter dem 5. Juli 1848 ein Patent
auf einen Dampfhammer in zwei durch Zeichnungen und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzungen, ohne die Benutzung bekannter Theile zu beschränken,
auf fünf Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.
[Anzeigen]
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Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
8. Juli. Heinr., S. v. Theod. Wirtz, Tagl., Kammacherg. ‒ Kath. Elis Karolina, T. v. Theod. Laurenz, Goldarb., Marzellenstraße. ‒ Joh. Jos., S. v. Joh. Offermann, Schuhmacher, Hosengasse. ‒ Veronica, T. v. Jos. Steuermann, Maurer, Hundegasse. ‒ Gerh., S. v. Peter Schäfer, Blecharb., Komödienstr. ‒ Elis., T. v. Pet. Frings, Schuster, gr. Griechenmarkt. ‒ Marg. Hubertina, T. v. Christian Fischer, Gärtner, Thürmchenswall. ‒ Ludwig, S. v. Wilh. Mertens, Schneider, Hahnenstr.
Sterbefälle.
8. Juli Gert. Wickert, 33 J. alt, unverh, Klingelpütz. ‒ Ein uneheliches Mädchen.
Heirathen.
8. Juli. Karl Friedr. Jos. Gemarke, Geschäftsführer, von Solingen, Wittwer, mit Sus. Kath. Maria Ursula Backes, Wittwe Fick, von hier. ‒ Joh. Karl Wilh. Linsener, Schreiner, von Kinz und Gertr. Gohr, Wittwe Wißkirchen von Groß-Königsdorf.
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Schiffahrts-Anzeige. Köln, 11. Juli 1848.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich W. Pesch; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr Joh. Budberg; nach Andernach und Neuwied H. Schumacher und G. Krämer; nach Koblenz und der Mosel und Saar G. Weidner; nach der Mosel, nach Trier und der Saar- M. Zens; nach Bingen Wb. Jonas; nach Mainz Val. Pfaff; nach dem Niedermain Fr. Gerling; nach dem Mittel- und Obermain Friedr. Seelig; nach Heilbronn Fr. Schmidt; nach Kannstadt und Stuttgart L. Hermanns; nach Worms und Mannheim A. L. Müller; nach Antwerpen M. Lamers.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Singendonk, Köln Nr. 10.
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Wilson, Köln Nr. 1.
Zur Anfertigung der Auszüge liegt offen die Deklaration des Schiffes Hartmann.
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Wasserstand.
Köln, am 11. Juli. Rheinhöhe 9′.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am 13. Juli 1848, Vormittags 10 Uhr, sollen durch den Unterzeichneten auf dem Markte in der Apostelnstraße zu Köln mehrere Mobilien-Gegenstände, als: Tische, Stühle, Schränke, verschiedene Bilder, 2 Pendul-Uhren, 1 Kommode, 1 Ofen mit Trommel und sonstige Effekten öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung verkauft werden.
Der Gerichtsvollzieher Hey.
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Schwarz-Roth-Goldene Trauerschleifen von wegen des Unverantwortlichen sind zu haben bei Napoleon Weinhagen zu Cleve.
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Zwei durcheinandergehende geräumige Zimmer (belle étage) nebst Speicherzimmer und Kellerabschluß zu vermiethen Kl. Telegraphenstraße Nro. 6.
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Zum Klavierstimmen und Repariren aller Seiteninstrumente empfiehlt sich K. B. Mayr, St. Apernstraße 57.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Freitag, den 14. Juli 1848, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Markte zu St. Aposteln in Köln, verschiedene Hausmobilien, als: 1 Tisch, 8 Stühle, 1 Ofen, 1 Spiegel, 1 Schreibpult und Schildereien gegen gleich baare Zahlung versteigert werden
Der Gerichtsvollzieher, Cloeren.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Freitag den 14. Juli 1848, Vormittags 10 Uhr sollen auf dem Markte zu St. Aposteln in Köln verschiedene Hausmobilien, als: Tische, Stühle, Ofen, 1 Taschenuhr, gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher Cloeren.
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Sehr traurig berührt mich die Nachricht von den Unruhen in Köln! Ich bin schon seit dem 22. d. v. M. aus Eurer Mitte auf meine Kosten, und obgleich man Anstand nahm, meine gute Sache zurückzuweisen, und mir die Vorträge zu verweigern, so werde ich den Herrn Ministern doch zeigen, daß ich der Bürger Schlechter von Köln bin, dem keine eiserne Thüren den Weg sperren können, ich gebe Ihnen meinen Wort, ich richte zur Besserung der Stände ‒ Handwerker ‒ Bürger, Handel-, Militär- und Beamtensache was aus ‒ habet doch noch etwas Geduld und ich bringe gute Nachricht ‒ ich habe es dem Vater meines Tageslichtes geschworen ‒ es muß Rettung ‒ Hülfe ‒ und Besserung kommen.
Berlin 5 648. Euer bekannter Mitbürger Schlechter.
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Der Demokrat,ein Zeitblatt, redigirt von Ferdinand Deyfried und August Silberstein, und dessen schon im Titel ausgesprochene Tendenz wird mit Geist, mit Energie und Konsequenz im Vereine mit den tüchtigsten Männern zu verfolgen gesucht. Die Hauptaufgabe dieses Blattes ist, das Volk wach zu erhalten, es anzuregen, über seine Rechte zu belehren, und in seinem Streben zu stützen und zu befestigen. ‒ Daß es hiebei ein entschiedenes Oppositionsblatt gegen alle Institute und Individuen sein muß, die eine entgegengesetzte Richtung einschlagen, versteht sich von selbst. ‒
Die politischen Vorgänge der Neuzeit werden vollkommen berücksichtigt, ihre Folgen, ihre Grundelemente beleuchtet, und so steht der „Demokrat“ als Wächter und Wegweiser des Volkes in den neuesten politischen Vorgängen da, hinzugesellt sich natürlich eine Mittheilung aller Ereignisse aus Fern und Nah, so rasch als es bei irgend einem Journale geschehen kann.
Eine eigene Rubrik „Zeitung der demokratischtn Vereine Deutschlands“ dient den Demokraten unseres deutschen Gesammt-Vaterlandes zum Centralpunkt, indem wir aller Resultate und Bestrebungen mittheilen und beleuchten.
Der Wiener Reichstagwird eben so, täglich, vorzügliche Berücksichtigung finden und dieser so wie jeder einzelne bemerkenswerthe Charakter desselben einer demokratischen Kritik unterworfen werden.
Der Poesie gönnen wir im „Demokraten“ ebenfalls der Freiheit die Wege zu bahnen, so wie wir in dem Maße der Kunst und Satire Aufmerksamkeit schenken, als sie von Bedeutung für das sociale Leben wird.
Die Wiener Vorfälle, gewiß wichtig für die Gegenwart, werden aus eigener Anschauung schnellstens mitgetheilt und durch fortwährende Aufzählung der Verhandlungen der verschiedenen Ausschüsse, dem Publikum die Strebungen der Residenz (in welchen sich ganz Oestreich centralisirt) an den Tag gelegt.
Der „Demokrat‚“ ein Organ der größten, gerechtesten Partei der Welt, erscheint in elegantem Folio wie bisher täglich, mit Ausnahme der Sonntage. Man pränumerirt in Wien in der Verlagshandlung des Leop. Sommer (vormals Strauß) Dorotheergasse Nr. 1108 und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes: Ganzjährig mit 12 Fl., halbjährig mit 6 Fl., vierteljährlich 3 Fl. C.-M. täglicher Postversendung ganzjährig 14 Fl., halbjährig 7 Fl., vierteljährig 3 Fl. 30 Kr. C.-M. ‒ Die Insertionsgebühr für den „Anzeiger des Demokraten“ ist für die dreigespaltene Petitzeile für einmal 2, für zweimal 3 und für dreimal 4 Kr C.-M. Wer die Insertionen der „Allgemeinen Oestreichischen Zeitung“ und dem „Demokraten“ zugleich einschalten läßt, bezahlt blos 5, 6 und 7 Kr. C.-M., mithin einen äußerst geringen Preis. Das Beilegen eines Viertelbogens wird zu 1 Fl. 30 Kr. berechnet. Druck sammt Papier 6 Fl. C.-M.
Redaktion und Verlag.
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Einladung zur Pränumeration auf die Neue politische Ofner-Pesther Zeitung und die damit verbundenen Gemeinnützigen Blätter für Belehrung und Unterhaltung.
Wöchentlich sechs Nummern. Pränumerationspreis für den Semester Juli-December mit viermaliger Postversendung und Couvert 6 fl. C.-M. ‒ Man pränumerirt in Ofen bei allen löbl. Postämtern.
Die neue politische Ofner-Pesther Zeitung mit den Gemeinnützigen Blättern, unterstützt von vorzüglichen Kräften nah und fern, hat als Organ entschiedenen Fortschrittes allseitige Anerkennung gefunden und erfreut sich einer großen Verbreitung.
Der am 2. Juli beginnende ungarische Reichstag ‒ der erste, auf welchem das ganze Land mit dem damit vereinigten Siebenbürgen durch selbst gewählte Volksvertreter repräsentirt wird; ‒ die sich täglich wichtiger gestaltenden kriegerischen Ereignisse in Ungarn und dessen Nachbarländern, sowie die großen folgenreichen Begebenheiten im Auslande ‒ bieten Stoff zu den gehaltreichsten Mittheilungen, die wir schnell und authentisch liefern und die unserer Zeitung im nächsten Semester noch größeres Interesse und höhern Werth verleihen werden.
Anzeigen aller Art finden durch die Ofner-Pesther Zeitung eine Verbreitung und wird die dreimal gespaltene Petitzeile bei 1maliger Einrückung mit 3 kr., bei 3maliger Einrückung mit 8 kr. C.-M. berechnet.
Ofen, im Juni 1848.
Joseph Jànisch, Herausgeber und Redakteur.
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Ein Mädchen von guter Familie, in allen häuslichen so wie Handarbeiten angeführt, sucht in einem soliden Hause eine Stelle, wo sie der Hausfrau als Stütze dienen kann, oder auch in einem Laden. Dieselbe sieht mehr auf gute Behandlung, als auf großes Salair. Gef Offerten unter J. C. besorgt die Expedition d. Blatte
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Heilsame Erfindung.
Hümmerts Pollutions-Verhütungs-Instrument, welches, ohne im geringsten Unannehmlichkeiten oder nachtheilige Folgen für die Gesundheit herbeizuführen, durchaus keine Pollution zuläßt. Die Wahrheit dieser Aussage ist durch vielfache Erfahrungen bestätigt, und durch Zeugnisse von den berühmtesten Aerzten, als von Herrn Prof. Dr. Braune, Prof. Dr. Cerutti, Prof. Dr. Carus zu Leipzig, Herrn Geh. Med.-Rath Dr. v. Blödau zu Sondershausen und vielen Andern dargethan, weshalb ich mich jeder weitern Empfehlung enthalte. Da das Instrument in Holz bei Bewegungen im Schlafe leicht zerbricht, so sind nun auch welche in Metall zu nachstehenden Preisen zu haben, und erhält man gegen portofreie Einsendung des Betrages Instrument nebst Gebrauchsanweisung vom Unterzeichneten zugeschickt.
1InstrumentinfeinstemNeusilber4Thlr.Pr.Cour.
1InstrumentinfeinstemMessing3Thlr.Pr.Cour.
1InstrumentinfeinstemHolz2Thlr.Pr.Cour.
Bleicherode bei Nordhausen, 1848.
K. Frankenheim.
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Ein Schreiber sucht Beschäftigung, sei es auch für halbe Tage oder stundenweise. Weingartengasse Nr. 6.
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Augengläser in verschiedenen Einfassungen für Kurz-, Weitsichtige und Staaroperirte, empfiehlt zu billigen Preisen J. Salomon Sohn, Optikus, Hochstraße- und Schildergasse-Ecke 2.
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Feinstes Provencer-Oel von der eben angekommenen ersten Sendung der neuen Erndte in vorzüglich frischer Qualität, zu ermäßigtem Preise und Echter Bordeaux-Weinessig, beides in versiegelten Krügen (faßweise bedeutend billiger) zu haben bei W. Hennekens, Breitstraße 159, und zu den nämlichen Preisen in dessen Niederlagen bei F. Wilhelmi, Malzmühe 2 und A. Imhoff, Bolzenasse 8.
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Ein erfahrner Zuschneider, welcher deutsch, französisch und englisch spricht, sucht eine Stelle. Die Expedition sagt wo.
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Ein Uhrmacherlehrling gesucht bei J. Koch, Breitstr. 96.
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Tapeten und Borden eigner Fabrik in reicher Auswahl zu äußerst billigen Preisen, ordinäre à 3 Sgr., Glanztapeten à 5 Sgr. die Rolle, empfiehlt P. J. Krebs, Apernstraße 20-22.
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Frankfurter Hof in Köln
Im Mittelpunkt der Stadt gelegen, empfiehlt sich derselbe durch seine elegante Einrichtung und billige Preise.
Logis und Frühstück 15 Sgr. Diner 1/2 Thlr. Wein 16 Sgr.
Edmund Leonhard.
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Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.