[0219]
Beilage zu Nr. 44 der Neuen Rheinisch. Zeitung.
Freiag, 14. Juli.
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Hr. Forstmann über den Staatskredit. ‒ Vereinbarungsdebatten vom 7.). Berlin. (Studentenaffaire. ‒ Stadtverordneten-Versammlung. ‒ Vereinbarungssitzung vom 11. Juli. ‒ Adresse an die National-Versammlung. ‒ Ein Gerücht). Potsdam. (Feier des Geburtstags des Czars in Sanssouci). Breslau. (Militärgewalt). Stettin. (Der Waffenstillstand). Graudenz. (Armirung. Oeffentliche Stimmung). Lübeck. (Der Waffenstillstand). Frankfurt. (Ankunft des Erzherzogs Johann). Ludwigsburg. (Verhaftung). Prag. (Bekanntmachung wegen der Wahlen. Verhaftung).
Polen. Warschau. (Verschwörung. Kriegsvorkehrung).
Rußland. Petersburg. (Cholera).
Italien. Turin. (Kammerdebatten). Florenz. (Präsidentenwahl in der Deputirtenkammer). Neapel. (Die Eröffnung der Kammern. Ihre Unvollzählichkeit).
Franz. Republik. Paris. (Reaktion in den Provinzen. ‒ Wiederaufleben der Agiotage. ‒ Der Constitutionnell und die Reforme. ‒ Barrikadenpläne. ‒ Erklärung der „Presse“. ‒ Marrast. ‒ Auflösung der Mobilgarde. ‒ Nationalversammlung vom 11. Juli. ‒ Brief von Dornès. ‒ Vermischtes).
Spanien. Madrid. (Cabrera).
Großbritannien. London. (Adresse der „Fraternal Democrats“ an das englische Volk ‒ Unterhaus und die Times über die Bestrafung der Chartisten. ‒ Chartistenprozeß. ‒ Londons Wachsthum im Vergleich zum Wachsthum des Polizeikorps). Dublin. (Verfahren gegen die irische Presse).
[Deutschland]
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@facs0219
‒ Redakteur Hawljcek ist heute um Mitternacht verhaftet und unter Militärbegleitung in das Schloß abgeführt worden. Geschah dies wegen eines Preßvergehens?
[(C. B. a. B.)]
Polen.
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@facs0219
Warschau, 8. Juli.
Die russische Verschwörung, welche allerdings besteht und ihren Hauptsitz in Petersburg und Moskau haben soll, verzweigt sich bis ins Königreich Polen. In Warschau sind zwei Familien, die des Fürsten Lubowidzki und die des Grafen Lubienski, unter strenge Bewachung gestellt worden; Niemand wird aus dem Hause oder in das Haus eingelassen. ‒ Auf der Tour zwischen Lowicz und Kalisch haben sämmtliche Fuhrwerkbesitzer die Anweisung erhalten, ihre Pferde zur Disposition der Regierung, (und zwar des Kriegskommandos) zu halten und dürfen sie dieselben zu keinerlei sonstigem Zweck verwenden: sie erhalten dafür eine Vergütigung von 4 Silberrubeln täglich.
[(B. Z.-H.)]
Rußland.
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@facs0219
St. Petersburg, 2. Juli.
Zum 1sten Juli waren in Behandlung verblieben 1651 Cholera-Kranke; im Verlaufe dieses Tages sind 813 hinzugekommen; es genasen 61 und starben 456.
Italien.
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@facs0219
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 14. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 333.]
[ * ] Turin, 6. Juli.
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@facs0219
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 14. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 333.]
[ * ] Florenz, 5. Juli.
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@facs0219
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 14. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 333.]
[ * ] Neapel, 2. Juli.
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@facs0219
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 14. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 333.]
[ * ] Neapel, 3. Juli.
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Französische Republik.
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@facs0219
[ 12 ] Paris, 10. Juli.
Wir hatten früher gesagt, daß die Republik ausgewürfelt würde zwischen Thiers und Marrast; wir hatten ferner gesagt, daß die unmittelbar nach der Junirevolution verlangte Reorganisation des Munizipalraths der erste direkte Angriff der Thierspartei auf die Partei des National sei, direkt gerichtet gegen die Macht des Mairs Marrast und gegen sein freiherrlich-republikanisches Schalten und Walten. Unsere Voraussagung bestätigt sich abermals. Die neue Munizipal-Kommission mißfällt dem Herrn Maire; und man versichert sogar, daß er seine Entlassung schon verlangt habe. Jedenfalls wird diese Entlassung früh oder spät eine Nothwendigkeit. Man denke sich: von 35 Mitgliedern gehören 14 dem alten Munizipalrathe an, und die Debats finden, „dies sei noch zu wenig“. Das Bertinsche Blatt bedauert herzlich, daß noch so viele andere Männer, die sich unter dem frühern Regime durch ihre „lumières“, durch ihre tiefe Einsicht ausgezeichnet hätten, sich nicht in der Kommission befänden. Und 14 befinden sich schon in der Kommission, 14 Männer mit lumières, ohne zu bedenken, daß Thiers jetzt ebenfalls für die Debats ein Mann mit lumières geworden ist. Armer Marrast!
Ils reculent pour mieux sauter!
Als der feierliche Leichenzug, aus Furcht in die Luft gesprengt zu werden, durch eine unterirdische Minirung des Bodens, nicht wagte bis zur Bastille vorzudringen, sondern still hielt an der Madeleine, schrie ebenfalls ein Mann des Volkes:
Ils reculent pour mieux sauter.
Aber wie konnte man auch den Arbeitern le droit au travail zusichern wollen, das Recht, beständig Arbeit und Mittel zu haben, um zu leben! Herr Thiers ist weit klüger, weit vorsichtiger, und in dem Konstitutions-Projekte dringt er ganz besonders, daß man an die Stelle dieser Worte setze:
L'état, dans la mesure de ses facultés garantit le travail etc.
D. h. der Staat, nach Maßgabe seiner Fähigkeiten, nach Maßgabe der mehr oder minder befähigten Bourgeoisie.
Die Arbeitszeit war durch ein Dekret der provisorischen Regierung auf 10 Stunden festgesetzt. Auch dieses Dekret ist annulirt und als man gestern in den Ateliers ankündigte, daß 12 Stunden gearbeitet würde, haben die Arbeiter allgemein die Arbeit eingestellt. Es waren dies die guten Arbeiter, die nicht an der Insurrektion betheiligt waren. Die bösen, 14,000 an der Zahl, sind verhaftet, und jeden Tag nimmt die Zahl der Verhaftungen zu. Die Gefangenen, in engen Räumen zusammengedrückt und der Luft fast gänzlich beraubt, werden auf's strengste bewacht: der Typhus allein hat freien Zutritt zu ihnen, und die Lücken, welche er unter ihnen macht, sind um so unmerklicher, als man Sorge trägt, dieselben durch doppelte und dreifache Verhaftungen zu verbergen. Die Erbitterung unter den guten Arbeitern steigt daher mit jedem Tage, und sie macht sich Luft in Privatrache: So wurde gestern noch am hellen Tage und in einer der belebtesten Straßen von Paris, in der Rue Richelieu auf einzelne Nationalgardisten geschossen.
Die Verhaftungen treffen Alle ohne Unterschied und namentlich die in der Februar-Revolution Betheiligten; eine bloße Denunciation von Seiten des Constitutionnel genügt. So ängstlich sich die Redakteurs dieses Blattes während der Barrikadenkriege zeigten, so frech rücken sie jetzt mit ihren Anklagen hervor. Die Reforme namentlich wird stark angegriffen von dem Blatte des Herrn Thiers. Die „Reforme“, heißt es, sei geneigt gewesen, zu erkennen, daß am 24. Juni das ,Recht auf beiden Seiten der Barrikaden bestanden habe. Was man nämlich im deutschen die „Rechtsböden“ nennt, das heißt im französischen jetzt das Recht vor und das Recht hinter den Barrikaden, das Recht diesseits und das Recht jenseits.
Wenn der alte Rechtsboden versperrt, wenn Barrikaden dem alten Rechte in den Weg gelegt sind, und das alte Recht genöthigt ist, mit Kugeln drein zu schießen, um zu sich zu kommen und sich freie Bahn zu verschaffen, in einem solchen Augenblicke hat sich die Reforme beikommen lassen zu sagen, daß hinter den Barrikaden ebenfalls ein Recht stände. Als der Parademarsch des alten Rechts stolperte und die Grenadierregimenter an den Barrikaden standen, wie die Ochsen am Berge, und Thiers im Begriffe war unter Cavaignac's Hut den alten Rechtsboden zu räumen, da soll es die Reforme gewagt haben, vermittelnd auftreten zu wollen. Jetzt ist der Constitutionnel der Vermittler.
‒ Die Nationalateliers der Frauen sind eingeschlossen in das Dekret der Exekutivgewalt, welches die Unterdrückung der Nationalateliers im Departement der Seine verfügt. Diese Unterdrükkung setzt 25,000 Frauen ungefähr außer Beschäftigung. Die zur Verfügung der Mairien von Paris gestellten Mittel sind unzureichend, um diesen Arbeiterinnen die nöthigen Unterstützungen zukommen zu lassen, und in einigen Bezirken bestehen sie in einem Sou auf zwei Pfund Brod per Tag, wie groß auch immer die Familie der Arbeiterin sei.
‒ Dornes schreibt an den National:
Die Republik hat die Versorgung der Familien aller für die Vertheidigung der Ordnung und der Gesetze Gefallenen und Verwundeten übernommen. Wenn ich Schmerz über meine eigene Wunde empfinde, so war es im Augenblicke, wo sie mich abgehalten hat, an meinem Posten zu sein, um einer Maßregel beizupflichten, die so viele, großmüthige Selbstaufopferung ehrt, und so edle Dienste belohnt, welche vereint von der National-Garde, der Mobilgarde, und der Armee geleistet worden. Aber jetzt, wo das Vaterland diese Schuld würdiger Weise bezahlt hat, bleibt uns nicht noch großes Unglück zu mildern übrig, welche auch immer die Quelle dieses Unglückes sein mag? Was soll aus den Frauen und Kindern der Insurgenten werden, die gefallen, verwundet oder gefangen sind? Ist's nicht gerade in diesem Falle, wo wahrer Edelmuth allen bürgerlichen Zwiespalt vergißt? Und wäre es nicht schicklich, eine Kommission in verschiedenen Stadttheilen zu bilden, um den ohne Stütze gelassenen Familien zu Hülfe zu eilen? Niemand wird hoffentlich die Idee dieses Antrages mißdeuten.
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@facs0219
[ 12 ] Paris, 11. Juli.
Wir müssen noch einmal auf die Barrikaden zu sprechen kommen. Denn dieselben werden jetzt in der National-Versammlung zur Sprache kommen. Ein Gesetzentwurf nämlich wird in diesen Tagen vorgelegt werden, worin es heißt, daß jeder, der zur Erbauung einer Barrikade wissentlich Hand angelegt, zur Deportation verurtheilt werden soll. Aber dieses ist noch nicht Alles. Die sogenannte Komplizität morale bekommt hier einen bestimmten materiellen Charakter. Alle Einwohner der Straße nämlich, wo die Barrikade entstanden ist, werden für dieselbe verantwortlich gemacht, wenn sie nicht auf der Stelle Hand anlegen, die Barrikaden zu vernichten, widrigenfalls sie einer Gefängnißstrafe von einem Jahre und einer Geldbuße von 500 zu 3000 Fr. gewärtig sind.
Auch heißt es allgemein, daß die Festungswerke um Paris bewaffnet werden sollen. Wenn man weiß, daß hinter Cavaignac Thiers steht, und hinter Thiers eben diese Festungswerke, die er zu Stande gebracht hat, und die bisheran zu nichts gedient haben, so wird man es begreiflich finden, daß Herr Thiers endlich sein Werk gekrönt sehen will ‒ mit Artillerie und bewaffneten Soldaten.
Die Kolonie von Cayenne soll von der Regierung als diejenige bezeichnet worden sein, wohin man die Insurgenten transportiren wolle. „Wenn man an die Proscriptionen des Direktoriums denkt, sagt der „Peuple Constituant“, und an ihre traurigen Folgen, so hat man Mühe, diesem Gerüchte Glauben beizumessen. Die Kolonie besteht aus einer Insel und einem großen Striche Festlande, dessen Gränzen nicht bestimmt sind. Auf der Insel selbst wäre es unmöglich, eine so große Anzahl von Insurgenten zu etabliren. Was das Festland anbetrifft. so ist dessen Klima eins der ungesundesten; ferner mit Ausnahme desjenigen Striches, cher von den freigelassenen Schwarzen bewohnt ist, haben das übrige Festland nur wilde Stämme inne. Wer kennt nicht Sinnamari, Grabmal von so vielen Franzosen, ebenfalls Opfer der politischen Justiz? Will man dorthin Tausende von Boten senden, um das neue Unheil Frankreichs zu verkünden?“
‒ Wir lesen im Echo du Peuple: „Sprecht zu den Republikanern des andern Tages: Ihr habt die Republik als Faktum angenommen, aber Ihr wollt sie nicht; Ihr träumt beständig noch von der Rückkehr der Monarchie, so stellen sie sich, als begriffen sie nicht was man ihnen sagt; thun sogar böse und beklagen sich, daß man sie verläumde. Nichts destoweniger verfolgen sie im Stillen ihre Umtriebe weiter, bis zuletzt, daß sie, des Spieles müde, einen großen Schlag versuchen. Wie gegründet unsere Reflexionen sind, geht aus vorliegendem Originale hervor, das vielleicht unsern feinsten Feinden unglaublich, nachgemacht erschiene, wenn es nicht mit dem Poststempel versehen wäre und aus der Hand des Maires selbst flösse:
Das Original lautet:
Im Namen des Königs:
Herr Ribard, Schneider, wird ersucht, zwei Soldaten die Nacht über zu logiren.
Lamagistère, den 20. Juni 1848.
Der Maire A. Bourgeac.
Im Namen des Königs! Den 20. Juni! Nur vom einem Conservateur quand même kann eine solche Idee gekommen sein.
‒ Die Reaktion macht täglich größere Fortschritte. In der Provinz zeigt sie sich namentlich ohne allen Rückhalt. In einem Briefe, den der Volksrepräsentant Joigneux an die Reforme richtet, heißt es:
„Am hellen Tage wird hier zu Gunsten der Monarchie intriguirt. Alle Mittel werden in Anwendung gebracht; Lügen, Furcht, falsche Gerüchte, und man kann sagen, daß die Fehler der Republik mit einer wahrhaft teuflischen Geschicklichkeit ausgebeutet werden; die Verwalter der Republick machen sich zu Mitschuldigen dieser Intriguen, die Einen durch ihr Schweigen, die Andern durch ihre direkte Aufmunterungen. Das Elend, das in der Provinz herrscht, kommt ihnen dabei trefflich zu Statten.
„In Paris benutzt man den Belagerungszustand, um jedwede stille Privatrache zu befriedigen; mittelst einer kleinen Note in einem Journale, oder einer niederträchtigen Denunciation kann man einen lästigen Konkurrenten los werden. In den Departements ist's noch weit schlimmer. Hier werden alle diese Mittel im vergrößerten Maßstabe angewendet, sowohl um die Republikaner vom Vorabende, als um die Repräsentanten, die sich einer neuen Restauration entgegensetzen, dem öffentlichen Hasse Preis zu geben. Im Departement der Rhone gesellt sich das Lächerliche zu diesen schmählichen Intriguen. So kündigt man öffentlich an, daß unsere Kollegen Doutre, Greppo, Benoist und Pelletier eine bedeutende Bestellung von Guillotinen gemacht haben. In dem Departement Isere, diesem sonst so demokratisch gesinnten Departement, wagt man es nicht, sich als Republikaner offen zu bekennen. Im Departement Cote-d'Or ist's noch schlimmer. Die Royalisten treten offen mit der größten Keckheit auf; sie veröffentlichen in den Journalen ganze Reihen ersonnener Verbrechen, um die Republik gehässig zu machen. Zu Montbard steht ein Picket Nationalgardisten vor dem Hause unseres achtbaren Repräsentanten Maire-Neuve, um es vor Brandanlegung zu bewahren. Ich selbst, heißt es, ich sei todt gefunden worden unter den Insurgenten. In Chatillon-sur-Seine sind die muthigen Republikaner auf offener Straße insultirt; Einer von ihnen war auf den Rath der dortigen Beamten genöthigt worden, zu seiner Sicherheit die Stadt zu verlassen: so wenig lassen sich die Beamten angelegen sein, offen für die Republikaner vom Vorabend aufzutreten.
„Und wenn dies in den früher als demokratisch dastehenden Departements an der Tagesordnung ist, so können Sie leicht daraus abnehmen, wie es in den anderen Departements aussehen mag.
„Werden wir länger noch diesen Fortschritten der Contre-Revolution müßig zusehen? Sollen wir länger noch glauben, Paris sei Frankreich, wenn unsere Feinde bemüht sind, den Leib vom Kopfe abzulösen? Möge die exekutive Gewalt sich nicht einschläfern lassen in dieser verhängnißvollen Illusion. Energische Maßregeln müssen genommen werden, um die agrikole Bevölkerung wieder zu gewinnen, welche wegen der Steuer der 40 Centimes und des Dekrets vom 31. März der Republik gänzlich unhold ist. Die Gelder, die hierzu verwendet würden sind nicht verloren; denn später wäre man genöthigt, mehr noch zur Unterdrückung von Komplotten und Aufwiegelungen anzuwenden.
„Der Druck, sagt die Opinion publique, der seit 4 Monaten auf den Staatspapieren lastete, ist verschwunden. Dieser Druck, das war die gewitterschwangere Wolke der rothen und sozialistischen Republik. Seitdem die Wolke, von den Bajonetten durchbohrt, geplatzt ist, seitdem das Blut in Strömen geflossen, heben sich die Staatspapiere“
Paris ist von Soldaten überströmt; Industrie und der Handel sind gelähmt und die hohe finanzielle Welt bereichert sich.
Als 1816 die Preußen und Russen Paris besetzt hielten, brachten sie dieselbe wohlthätige Wirkung zum Vorschein, wie Cavaignac's Soldaten; sie hoben die Staatspapiere.
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@facs0219
Nationalversammlung, Sitzung vom 11. Juli.
Präsident Marie eröffnet sie um 21/2 Uhr. Die Wahl Ferdinand Barrot's in Algerien hatte zu mehrfachen Protestationen Veranlassung gegeben, daher dessen Zulassung bestritten worden war. Der Ausschuß, der mit Prüfung der diesfälligen Protokolle beauftragt worden, hatte Lefranc zu seinem Berichtstatter gewählt. Derselbe las heute seinen Bericht vor, die Protestationen wurden diskutirt, doch von der Versammlung als unerheblich gefunden. Herr Ferdinand Barrot ist also zugelassen. Dann las der Präsident das Schreiben eines Gliedes der Affreschen Familie vor, worin dasselbe für die Beileidsbezeugungen der Versammlungen dankt. Bemerken müssen wir hiebei, daß auch die protestantische Geistlichkeit ihre Gegenwart bei dieser Feier anbot, aber von der katholischen Geistlichkeit zurückgewiesen wurde. Dieser Zug von Franatismus verdient Erwähnung.
Baragnay d'Hilliers legt dann seinen Bericht über den Antrag vor, der Militärpensionären das Beziehen von Civilgehalten dann gestattet, wenn beide Gehalte die Höhe von 2000 Frs. nicht übersteigen. Die Versammlung schritt dann zur Berathung der Reorganisation ihres Stenographendienstes. Das Personal, bestehend aus 5 Revisoren, 2 Suppleanten und 10 Rouleurs (von Rouler abwechseln) ist zum Staatsdienst erhoben, es hängt künftig direkt vom Bureau des gesetzgebenden Körpers ab. Dies ist eine wesentliche Verbesserung für die Zeitungspresse, denn in Folgen der neuen Organisation sollen die Diskussionen, d. h. der Moniteur, im Hause selbst gedruckt und möglichst schnell vertheilt werden, dadurch wird großem Unfuge abgeholfen.
Der Handelsminister Thouret bestieg dann die Bühne und erklärte, daß er im Einverständnisse mit dem Arbeitsausschusse seinen Antrag auf Abschaffung des Dekrets vom 2. März 1848 rücksichtlich der Arbeitsstunden zurückziehe. Somit fällt die Wolowskische Proposition in's Wasser. Auf den Antrag Oudinots genehmigt die Versammlung die Bildung eines Lagers bei Paris von 50,000 Mann. Einige Glieder des Bergs allein erhoben sich dagegen.
(4 Uhr.)
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@facs0219
Nationalversammlung, Sitzung vom 11. Juli. (Nach 4 Uhr.)
Nach Erledigung der „Tagesordnung“ legte Senard, Minister des Innern, das längst erwartete neue Preßgesetz sowie das Gesetz gegen die Klubs vor. Dasselbe ist von entsetzlicher Länge, erneuert die Gesetzgebung vom 10. Dez. 1830 und stellt die Kaution wieder her. Die Ziffer ist jedoch bedeutend niedriger. Während 1830 100,000 Franken gefordert wurden, setzt das neue Gesetz nur 24,000 Franken Kapital fest. (Erstaunen.)
Dann legte Senard ein Gesetz vor, das den Theatern 500,000 Franks, je nach Maaßgabe ihrer Dürftigkeit bewilligt.
Die Dringlichkeit wird ausgesprochen
Altaroche, der bekannte Redakteur des Charivari drang darauf, auch den armen Künstlern und Schriftstellern zu Hilfe zu kommen. Es sei bereits eine derartige Proposition gemacht worden, die aber seit acht Tagen in den Bureaux schlummere. Das Elend sei füchterlich und die Nationalwerkstätten geschlossen. (Gelächter.) Die Versammlung solle also nicht länger säumen.
Luneau fand die Sache nicht so dringend, um die Urgence zu rechtfertigen.
Die Versammlung wird später 25,000 Fr. votiren. Kurz vor Sitzungsschluß entspann sich eine heftige Debatte. Flocon verlangte das Wort, um gegen die neue Preßgesetzgebung zu protestiren oder Bemerkungen dagegen zu machen, die den reaktionären Geist derselben schildern.
Senard eilte auf die Bühne, um die Nothwendigkeit dieser Rückkehr zum Gesetz von 1830 zu rechtfertigen. Er wieß auf die Feinde der Repu- [0220] blik und zeigte besonders die Nothwendigkeit desselben in den Departements. Er sprach mit vielem Pathos und mit dem Gewicht eines Retters des Vaterlands.
Flocon erwiederte, daß das Gesetz der freien Presse den Todesstoß gebe, indem kein Mensch bei dem obschwebenden Belagerungszustand 24,000 Fr. Kaution auftreiben könne.
Zum Schluß legte Goudchaux ein Gesetz rücksichtlich der Endosseurs der Schatzbons vor.
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@facs0220
Paris, 11. Juli.
Der Moniteur sieht heute sehr sozialistisch aus. In Ermangelung amtlicher Verordnungen, bringt er zwei Kommissionen, von denen die erste aus 16 der angesehensten Fabrikanten aus Paris, Abbeville, Elbeuf, Havre, Dünkirchen bestehend, die verschiedenen Systeme prüfen soll, durch welche der überall erstarrten Industrie zu helfen. Die Nationalversammlung berieth darüber bereits in ihrer Sitzung vom 30. Mai, fand jedoch die ihr vorgeschlagenen Mittel z. B. Ausfuhrprämien u. dgl. unzureichend und hat dann durch ihren Handelsminister Tourret obigen Ausschuß ernennen lassen, um ihm über die beste Verwendung der bewilligten Spezialkreditte die nöthigen Anträge zu bringen. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß jene Herren so lange fortarbeiten lassen werden, als der Staat der Privatindustrie Vorschüsse macht.
Die zweite Kommission, aus Corbon, Peupin, Alcan und einem halben Dutzend Präsidenten der Pariser gewerbverständigen Räthe bestehend, soll dem Minister einen Plan ausarbeiten, nach welchem die von der Nationalversammlung votirten 3 Millionen Franken zur Ermunterung von Assoziationen der Arbeiter unter einander oder der Arbeiter mit den Meistern, am besten verwandt werden könnten. Es ist zu bedauern, daß Tourret, der Minister, es nicht für gut fand, auch nur einen einzigen Arbeiter in diesen Ausschuß aufzunehmen. Wie können die Arbeiter Vertrauen in dergleichen Maßregeln haben?
‒ Aus Sedan wird die Entdeckung einer furchtbaren Verschwörung gemeldet. Unter den dortigen zahlreichen Fabrikarbeitern habe sich nämlich ein geheimer Ausschuß gebildet, dessen Absicht auf nichts Geringeres hinauslief, als diejenigen zwölf größten Fabriken in Brand zu stecken und ihre Eigenthümer zu tödten, die sich mit Heftigkeit jeder Verkürzung der Arbeitszeit widersetzt hatten.
‒ Bei St. Quentin ist ein Insurgentenkorps von 2000 Mann, dem bedeutende Massen Linientruppen und Bürgerwehren nachgesetzt hatten, gefangen worden. Man will es in eine der nächsten Festungen unterbringen und ihm dort den Prozeß von hier aus machen.
‒ Die Mobilgarde soll aufgelöst, in die Linie verschmolzen oder zu einer Art Präsidial- oder Consul-Garde umgewandelt werden. Auch dieses Februar-Institut wäre somit zu Grabe getragen in Folge seiner Immoralität.
‒ Die frühere Kammer kostete Frankreich 786,599 Fr., die Nationalversammlung dagegen die enorme Summe von 6,224,217 Fr. nur für acht Monate! Die Getränke, womit sich die Deputirten erfrischten, kosteten über 60,000 Fr. jährlich. Diesem Unfug ist abgeholfen durch Aufhebung der Buvette.
‒ Gestern hielten sämmtliche Arbeiter, die durch Aufhebung von dreizehn Journalen brodlos geworden sind, eine Versammlung, um zu berathen, was sie in ihrem Elende thun sollten? Sie haben einen Ausschuß gewählt, der sich zur Exekutivgewalt (General Cavaignac) begeben sollte, um die völlige Preßfreiheit zu beantragen. Marie, Präsident der Nationalversammlung, hat im Laufe des gestrigen Tages diesen Ausschuß in der That an Cavaignac's Stelle empfangen, und zu ihm gesagt, daß er jede Verantwortlichkeit der Journalunterdrückung von sich wälze, und die Hoffnung hege, die harte Maßregel werde bald zurückgenommen.
Das Journal des Debats enthält heute bereits den Protest einer Eisenwaarenhandlung am Quai de la Mégisserie gegen die jüngste Bezollung der Messing, Stahl, Eisen und sonstigen Metallwaaren, welche unsere Kurzhändler aus Deutschland (Kärnthen, Steiermark u. s. w.) in Masse beziehen. Neue Steuern einzuführen ist immer höchst gefährlich. Hr. Flocon glaubte hierdurch dem Misere abhelfen zu können. Welche Täuschung!
Marrast wird sein Paschalik jedenfalls niederlegen. Ein Abendblatt hatte seine Demission bereits gestern Abend angezeigt. Es erklärt sie jedoch voreilig, wenn er früher abdanken wolle, als er über seine Verwaltungspfennige (déniers de la ville) Rechnung abgelegt habe, so wäre dies unschicklich (malhonnêt).
‒ In Paris gibt es ein Unzahl Miether, die ihre Miethe nicht bezahlen können. Mehrere derselben standen gestern vor der Kammer des hiesigen Zuchtpolizeigerichts, das sie zu mehrmonatlicher Gefängnißstrafe verurtheilte.
Spanien.
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@facs0220
Madrid, 6. Juli.
Cabrera versteht sein Handwerk. Als er sah, daß seine karlistischen Anhänger vor den Regierungstruppen ausrissen, hat er einen Parolebefehl erlassen, laut welchem, wenn sich dieses Ausreissen wiederhole, der fünfte Mann erschossen werden soll. ‒ Der Hof geht jedenfalls nach La Granja.
Großbritannien.
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@facs0220
[ * ] London, 11. Juli.
Der Chartisten Prozeß ist zu Ende. Außer Fussel, Williams, Vernon, Sharpe und Looney wurde auch schließlich Ernst Jones für schuldig erklärt. Die Angeklagten benahmen sich ihren Richtern gegenüber mit demselben Muthe der sie in den Reihen der Chartisten auszeichnete. Zuerst verurtheilte man Fussell und zwar zu 2 Jahren wegen Aufforderung zur Empörung und zu 3 Monaten wegen ungesetzlicher Versammlungen, sowie zu einer Bürgschaft von L. 200 ‒ für 5 Jahre. Fussel leugnete durchaus daß er zum Meuchelmorde aufgefordert habe. Er sei ein Engländer und habe den Charakter eines Engländers; er würde sich solcher diabolischen Maßregeln schämen. Dann trat Williams vor und erklärte, daß er ein hartarbeitender Mann sei. Von je 24 Stunden sei er 20 Stunden beschäftigt um wöchentlich den elenden Lohn von 16 Schillingen zu verdienen. Er glaube daher ein Recht zu haben sich um die Besserung seiner Lage zu bekümmern; dies sei die einzige Einwendung die er zu machen habe. Außerdem bemerkte er noch, daß er Fussell nie zum Meuchelmorde habe auffordern hören. Man verurtheilte ihn dann zu 2 Jahren und zu 1 Woche Gefängniß und zu gleicher Bürgschaft wie Fussell für 3 Jahre. Ueber Sharpe und Vernon wurde eine ähnliche Strafe verhängt. Vernon versicherte, daß er nur zufällig bei dem Meeting auf Clerkenwell-Green zugegen gewesen sei, übrigens sei er ein Chartist und glaube, daß allein die Charte der arbeitenden Klasse helfen könne. Er erkundigte sich dann nach dem Gefängniß, in dem sie ihre Strafe erdulden würden, und als der Richter bemerkte, daß dies das neue Korrektionshaus von Middlesex sei, so wünschte der Verurtheilte zu wissen, ob man ihn und seine Genossen dort auch wie menschliche Wesen behandeln werde. Seit sie arretirt worden wären, hätten sie ihre Speise mit den Zähnen zerreißen und die Kartoffeln in derselben Weise von Schmutz reinigen müssen. Der Richter erwiederte, daß ihn dies nichts angehe. Looney den dieselbe Strafe wie die übrigen traf, war als Irländer wie immer heiter, er lachte und meinte, seine Strafe sei gerade hinreichend. („Very well, that will do.“) Ernest Jones, der zuletzt vortrat, wurde zu 2 Jahren Gefängniß und zu einer Bürgschaft von L. 500 auf 5 Jahren verurtheilt. Er wollte eine längere Anrede an die Jury halten; der Richter unterbrach ihn aber und Jones entfernte sich mit den Worten:
„Ich wünsche Ew. Lordschaft eine gute Nacht; mögten Sie schlafen mit dem Motto der Charte um ihren Hals, die Charte und keine Kapitulation!“
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@facs0220
[ * ] London, 10. Juli.
Die Londoner Bürger leben seit dem 10. April noch immer in großer Furcht vor neuen Chartisten-Demonstrationen, wenngleich nur Wenige ihre Angst offen eingestehen. Die Meisten thuen allerdings so, als wenn das Monster von ihnen „Chartismus“ genannt, durch die unsichtbaren Heldenthaten der „Spezial-Konstablers“ und die sichtbaren der Polizeiknüttel für immer zu Boden geschlagen sei. Allein es giebt Andere, die das, was Jene im Geheimen drückt, laut heraussagen und bald dieses, bald jenes Mittel als Schutz wider künftige Versuche der arbeitenden Klasse vorschlagen. Das beliebteste unter den beantragten Mitteln ist Vermehrung der Polizei. So heroisch sich auch der Londoner am 10. April bewiesen haben will, so traut er doch dem Frieden nicht. Namentlich ist er in Ungewißheit, ob seine Kourage noch für einen dritten und vierten Fall ausreichen werde. Daher sehnt er sich nach ‒ Vermehrung der Polizei. Begründet wird diese Sehnsucht mittelst statistischer Nachweise, die dahen gehen, daß sich die Londoner Bevölkerung viel stärker vermehrt und die Stadt einen größern Zuwachs an neuen Häusern, Straßen etc. erhalten, als die löbliche Polizei. Denn 1829 gab es blos 937 Polizisten und 1840 betrug ihre Zahl schon 3,687 Mann. Da wurde aber ein neuer Distrikt zu London geschlagen, der in 135 Pfarreien 267,266 Seelen zählte. Die Polizeimannschaft stieg aber nur auf 4338. Im Jahre 1848 beträgt die Zahl der Polizisten 4910 Mann. Folgendes Tableau zeigt, wie die Polizei mit dem Anwachs der Metropole nicht gleichen Schritt gehalten.
Von 1830 bis 1837:
wurden Häuser gebaut13,077
waren im Bau begriffen443 13,52
Vom September 1843 bis September 1845:
wurden Häuser gebaut15,816
waren im Bau begriffen4,999 20,815
Vom September 1845 bis März 1847:
wurden Häuser gebaut11,137
waren im Bau begriffen3 567
Die Zahl der vom September 1843 bis September 1845 neu entstandenen Straßen, Plätze etc. betrug 406. Jede Straße hat durchschnittlich eine Länge von 229 Yards, also insgesammt eine Länge von 523/4 engl. Meilen.
Im nämlichen Zeitraum wurden 89 Kirchen, Kapellen, Schulen und andere öffentliche Gebäude fertig; im Bauen begriffen 45. Von 1843 bis 1845 wurde die Polizeimacht aber nur um 244 Mann vermehrt; und von 1845 bis 47, wo 11,137 neue Häuser entstanden und 3,567 im Bau begriffen waren, erhielt die Polizei wieder nur eine Verstärkung von 155 Mann. Geht es nach dem Wunsche der Antragsteller, so bekommt London bald noch einige tausend Mann neue Polizisten, während man im Jahre 1829 mit 937 Mann ausreichte und der gute Bürger viel ruhiger schlief, als jetzt.
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@facs0220
[ * ] London, 11. Juli.
Das Unterhaus beschäftigte sich in der gestrigen Sitzung abermals mit der Frage wegen der Zuckerzölle.
Die „Times“ widmet heute den verurtheilten Chartisten einen leitenden Artikel voll Hohn und Gemeinheit. „Eine sehr milde Strafe“, sagt dieses Blatt unter Anderem, „ist ihnen allen gestern zu Theil geworden, mehr im Wege der Verbeugung als der Bestrafung. Muße, für die als schuldig erklärten auf zwei kurze Jährchen, um in einem konfortabeln Gefängnisse eine Rückschau auf ihr vergangenes Leben vorzunehmen, sodann: Bürgschaft für ihr gutes Betragen nach ihrer Freilassung; das war die ganze Strafe.“
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[ * ] Dublin, 10. Juli.
Duffy, Herausgeber der „Nation“, hat energisch gegen das ungesetzliche und brutale Verfahren der Polizei nach seiner Verhaftung protestirt und den Richter mit seinen dringenden Fragen, ob jenes Verfahren so befohlen worden, in nicht geringe Verlegenheit gesetzt. Letzterer wich mit der Erklärung aus, daß er sich erst informiren müsse. Die Polizei war nämlich 15 Mann hoch in die Bureaus der „Nation“ gedrungen und hatte nicht blos alle vorhandenen Manuskripte und gedruckten Blätter, sondern auch sämmtliche Handelsbücher und Rechnungen, ja das noch leere Schreib- und Druckpapier auf zwei Karren mit sich fortgenommen. Mehrere Bekannte wollten für Duffy Bürgschaft leisten, wurden aber mit ihrem Anerbieten zurückgewiesen. Die Regierung schreitet in einer Weise ein, daß die Erbitterung in Irland desto schneller zum Ausbruch kommen muß. Man mag alle diese Journale: „The Nation“, „The Irisch Felon“ etc. durch Verhaftung oder Deportation ihrer Herausgeber und Redakteure vernichten, den jetzigen Geist des irischen Volkes wird man keinenfalls mehr unterdrücken oder vernichten können.
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Folgender Protest wurde in Breslau in einer Volksversammlung von 3-4000 Menschen angenommen:
Die National-Versammlung hat durch die Einsetzung einer Centralgewalt für Deutschland dem einstimmigen Wunsche der Nation nach deutscher Einheit entsprochen. Wir anerkennen die Gesinnung, aus der dieser Akt hervorgegangen ist, die Art der Ausführung verwerfen wir entschieden.
Die National-Versammlung hat den Reichsverweser für unverantwortlich erklärt, erachtet ihn als nicht verpflichtet, die Beschlüsse der Versammlung zu vollziehen und giebt ihm endlich auf, sich mit den Bevollmächtigten der Regierungen in Verbindung zu setzen.
Diese Beschlüsse stehen der Freiheit, der Einheit und der Macht des Volkes entgegen. Man überantwortet die Souveränetät an einen Einzelnen; die Souveränetät aber ist ein heiliges, unveräußerliches Recht des Volkes. Die Nationalversammlung hat sich bei ihrer Eröffnung durch ihren Präsidenten für Souverän erklärt, sie muß bei ihrer Erklärung stehen bleiben: sie darf sich nicht selbst der Macht berauben, ihre Beschlüsse ausführen zu lassen. Ihre Beschlüsse sind der Wille des Volks. Ein Volk aber ist nur stark, wenn es frei, nur frei, wenn es die Macht hat, seinen Willen zur That zu bringen. Endlich hat die Versammlung die Einheit des Volkes auf eine Einigung der Fürsten beschränkt: der Reichsverweser, so will sie[#], soll nicht mit den Vertretern des Volkes, sondern mit den Dienern der Fürsten im Einverständniß handeln.
Wir protestiren gegen diese Beschlüsse entschieden und feierlich: wir fordern, daß die National-Versammlung diesen Protest bei Einsetzung der definitiven Centralgewalt in ernste Erwägung ziehe.
Den Volksvertretern, die für die Wahrung der Volkssouveränetät gekämpft, sprechen wir unsere Anerkennung für diese That aus. Wir fordern sie auf, auch fernerhin die Volksrechte energisch zu vertheidigen. Die Majorität des Volks stimmt mit der Minorität der National-Versammlung
Amtliche Nachrichten.
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Se. Maj. der König haben
Den Staatsminister Dr. Bornemann zum zweiten Präsidenten des Geh. Obertribunals ernannt;
Die Funktionen des erledigten Chef-Präsidiums bei dem dortigen Ober-Landesgerichte zu Münster dem dortigen Ober-Landesgerichts-Vizepräsidenten v. Olfers einstweilen übertragen;
Den Staats-Anwalt bei dem Kriminalgericht zu Berlin, Temme, zum Direktor des genannten Ober-Landesgerichts; und
Den Staats-Anwalt bei dem Kammergericht, v. Kirchmann, zum Vize-Präsidenten des Ober-Landesgerichts zu Ratibor ernannt.
Handelsnachrichten.
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Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
9. Juli. Hugo Julius, S. v. Heinr. Julius Körner, Kaufm., Neumarkt.
10. Juli. Elis. Hubertina Apol, T. von Andr. Zilken, Schuster, Weißbütteng. ‒ Georg Gerh., S v. Gerh. Angemindt, Schreinergeselle, Peterstr. ‒ Johann Baptist, S. v. Wilh. Lindlau, Conditor, Rothgerberbach. ‒ Peter, S. v. Anton Siebenmorgen, Fuhrm., Josephstraße. ‒ Joh. Heinr., S. v. Joh. Jos. Reichartz, Hufschmid, Weideng. ‒ Elis., T. v. Heinrich Wilmer, Rothgerber, Weiherstr. ‒ Karl Gottfr., S. v. Gottlieb Aug. Nitsche, Brückengeld-Einnehmer, Entenpfuhl ‒ Karl Albert Ottomar, S. v Karl Wunibald Otto, Chemiker, Clemensstr. ‒ 3 uneheliche Knaben.
Sterbefälle.
9. Juli. Klara Misgelt, geb. Blankenstein, 74 J. alt, Weiherstr. ‒ Jakob Collenbach, 1 J. 3 W. alt, Josephplatz. ‒ Jakob Urbach, Schreiner, 29 J. alt, unverh., Buschgasse. ‒ Elis. van Hees, geb. Genz, 26 J. alt, Katharinengraben. ‒ 1 uneheliches Mädchen.
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Schiffahrts-Anzeige. Köln, 13. Juli 1848.
Abgefahren: C. Königsfeld nach Duisburg.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich W. Pesch; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr Joh. Budberg; nach Andernach und Neuwied H. Schumacher und G. Krämer; nach Koblenz und der Mosel und Saar G. Weidner; nach der Mosel, nach Trier und der Saar- M. Zens; nach Bingen Wb. Jonas; nach Mainz Val. Pfaff; nach dem Niedermain Fr. Gerling; nach dem Mittel- und Obermain Friedr. Seelig; nach Heilbronn Fr. Schmidt; nach Kannstadt und Stuttgart L. Hermanns; nach Worms und Mannheim W. C. Müller; nach Antwerpen M. Lamers.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Singendonk, Köln Nr. 10.
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Wilson, Köln Nr. 1.
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Wasserstand.
Köln, am 13. Juli. Rheinhöhe 8′ 7″.
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Der seit dem 17. Mai v. J. wieder eröffnete große Viehmarkt hierselbst hat durch seine seitdem fortwährend gestiegene Frequenz den Beweis geliefert, daß derselbe, sowohl in Rücksicht auf den eigenen Bedarf der Stadt Köln, als auch auf die Lage der Letzteren im Mittelpunkte der Provinz, als ein dringendes Bedürfniß angesehen werden muß. Wegen der Permanenz dieses Marktes an jedem Montage des ganzen Jahres ist die Feststellung eines besondern Termines zum Beginne der Waidviehmärkte nicht erforderlich; daher die niederländischen Kaufleute zum Bezuge desselben mit Waidvieh unter dem Bemerken hierdurch eingeladen werden, daß für alle Bequemlichkeiten des Handelsstandes gesorgt ist.
Köln, den 12. Juli 1848 Das Ober-Bürgermeister-Amt.
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Freiwilliger Verkauf eines Güterwagens.
Am Samstag, den 15. Juli c., Mittags 12 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Heumarkte zu Köln an der ehemaligen Börse, einen einspännigen Güterwagen auf stählernen Frdern und eisernen Achsen gebaut, für 20 à 25 Centner Ladungsfähigkeit, öffentlich an den Meistbietenden gegen gleich baare Zahlung verkaufen.
Köln, den 12. Juli 1848. Fr. Happel, Gerichtsvollzieher.
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Heute Abend Reibkuchen nebst famoses Bier empfiehlt F. C. Götting.
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Demokratische Gesellschaft. Freitag den 14. Juli, Abends 8 Uhr, Versammlung im Eiser'schen Saale, Komödienstraße. (Ausnahmsweise wegen Reparatur des gewöhnlichen Lokals.) Der Vorstand.
NB. Die eingeschriebenen Mitglieder, welche noch nicht im Besitze ihrer Karten sind, empfangen solche beim Eingange zwischen 7 und 8 Uhr, auch werden neue Einzeichnungen entgegengenommen.
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In der Expedition der Neuen Rheinischen Zeitung ist zu haben: Manifest der Contrerevolution. Auszug aus Nr. 43 der Neuen Rheinischen Zeitung. Preis 1 Sgr.
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Gasthof zum deutschen Reichsverweser und Restauration zum großen Schoppen.
Einem geehrten in- und auswärtigen Publikum beehre ich mich die Eröffnung meiner Gastwirthschaft und Restauration auf Samstag den 19. d. Mts. anzuzeigen.
Köln, den 13 Juli 1848. Louis Kertell, große Neugasse Nr. 36.
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Samstag, den 19. d. Mts, Mittags 5 Uhr, Eröffnung meiner Kegelbahn.
Köln, den 13. Juli 1848. Louis Kertell, große Neugasse Nro. 36.
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Ein erfahrner Zuschneider, welcher deutsch, französisch und englisch spricht, sucht eine Stelle. Die Expedition agt wo
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Ein Schreiber sucht Beschäftigung, sei es auch für halbe Tage oder stundenweise. Weingartengasse Nr. 6.
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Ein Uhrmacherlehrling gesucht bei J. Koch, Breitstr. 96.
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Rheingasse Nro. 10 zweite Etage zu vermiethen.