[0233]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No. 47. Köln, Montag 17. Juli 1848.
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Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen der Zeitung die weiteste Verbreitung.
Uebersicht.
Deutschland. Bernkastel. (Hr. Reichensperger.) Berlin. (Reichsminister. ‒ Zeughausprozeß. ‒ Preßgesetz. ‒ Krawall. ‒ Die Zwangsanleihe. ‒ Die Steuerbefreiung. ‒ Das Handwerkerkorps. ‒ Schulreform. ‒ Preußen und Deutschland.) Frankfurt. (R.-V. ‒ Proklamation Johanns. ‒ Das Reichsministerium.) Posen. (Nachträgliches zum Liebeswerk. ‒ Spannung im Militär. ‒ Befreiungsversuche der Gefangenen in Rawicz.) München. (Den Offizieren die Clubs verboten.) Nürnberg. (Krawall.) Wien. (Der konstituirende Reichstag.) Triest. (Oestreich. Banknoten.) Osnabrück. (Die Drohung Ernst August's.)
Polen. Brody. (Die russische Armee.)
Belgien. Brüssel. (Affaire Risquons-Tout. Verhaftung.)
Italien. Turin. (Abtritt der Minister. ‒ Anerkennung der franz. Republik.) Peschiera. (Vom Kriegsschauplatz.) Venedig. (Die Verhandlung über die Union.)
Französische Republik. Paris. (Die Verhaftungen. ‒ Louis Blanc. ‒ Aufstandsgerüchte. ‒ Militärische Maßregeln. ‒ Die Verschwörung. ‒ Die Marseillaise in Douai. ‒ Neue Guillotinen in Lyon. ‒ National-Versammlung.)
Großbritannien. London. (Der Sklavenhandel. ‒ Die afrikanische Blokade. ‒ Der Freihandel in Menschenfleisch. ‒ Oberhaus. ‒ Unterhaus.)
Handels-Nachrichten.
Deutschland.
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[*] Bernkastel, 10. Juli.
Der rühmlichst bekannte Volksvertreter, Hr. Reichensperger I., hat sich endlich auf mehrere von verschiedenen Seiten an ihn abgegangenen Mißtrauensadressen zu der Erklärung bequemt, daß er sein Mandat niederlegen wolle, wenn es von der Mehrheit seiner Wähler gewünscht werde. Von 81 Wahlmännern hatten bereits 61 (11 waren abwesend) diesen Wunsch gegen Hrn. R. indirekt ausgesprochen.
Hr. R. hat seine Wahl der Empfehlung einiger Herren zu verdanken, welche ihn als sehr liberal ausgegeben hatten und dieses jetzt sehr schwer büßen müssen.
Ein Anhänger seiner Partei vertheidigt ihn in dem hiesigen Lokalblatte gegen unsere Adresse mit der Behauptung: Hr. R. habe die Märzrevolution förmlich anerkannt, wie aus dem stenographischen Berichte zu ersehen sei.
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[103] Berlin, 14. Juli.
Die gestern hier eingelaufene telegraphische Depesche, welche die Nachricht überbrachte, daß Hr. Camphausen zum Minister-Präsidenten des „deutschen Reichs in spe“ vom provisorischen Reichsverweser berufen sei und diese Stelle auch angenommen habe, hat große Freude unter der hiesigen preußisch-patriotischen Bevölkerung hervorgebracht. Sie hielten Preußens Unabhängigkeit durch die Anerkennung des Reichsverwesers ohne Rettung verloren.
Das deutsche Ministerium Camphausen, welches, wie man hier hofft, die preußischen Interessen auf's Sorgsamste vertreten und auch wohl hinter dem Rücken des Reichsverwesers mit dem Hof in Sansouci in geheimer immerwährender Verbindung bleiben wird, scheint ganz geeignet, unsere Preußenthümler zu versöhnen, und wenn ihnen die Parole von Potsdam zukommen wird, werden sie sich nach und nach beruhigen.
Kaiser Nikolaus soll sich beharrlich weigern, mit der Centralgewalt in Frankfurt in Verbindung zu treten. Er beharrt dabei, nach wie vor mit den einzelnen deutschen Höfen zu unterhandeln.
Die Verhöre der in dem Zeughausprozesse vorgeladenen Zeugen ziehen sich sehr in die Länge. Der Gerichtshof glaubte schon heute die Plaidoyers des Staatsanwalts und der Vertheidiger anhören und das Urtheil über die vier Angeklagten fällen zu können, das Ende ist jedoch noch nicht abzusehen, da noch viele Zeugen zu vernehmen sind und im Laufe der Verhandlungen noch neue Zeugenvernehmungen sich als nothwendig zeigen. So wird das Urtheil frühestens morgen Abend, vielleicht erst Montag zu erwarten sein. ‒ Die gestrige sowohl als die heutige Sitzung hatten wieder ein sehr zahlreiches Publikum herbeigezogen. Es waren deßhalb auch die besten Vorsichts- und Schutzmaßregeln getroffen worden.
Die hiesigen Stadtverordneten, welche beschlossen hatten, zwei Millionen Kassenscheine zu kreiren, um die Stadt-Kassa aus ihrer großen Verlegenheit zu ziehen, haben dazu die Genehmigung der kgl. Behörden nicht erhalten, da die Stadtverordneten ausdrücklich verlangt hatten, daß diese Scheine in allen königl. Kassen für voll angenommen werden sollten. Die städtische Finanzdeputation ist nun schleunigst zusammenberufen, um über anderweitige Maßregeln zur Beschaffung der Geldmittel für die Bedürfnisse der Kommune zu beirathen.
Der von den Vorsitzenden der Verfassungs-Kommission in seinem am vergangenen Dienstag mitgetheilten Bericht erwähnten Entwurf eines transitorischen Preßgesetzes ist nun veröffentlicht und entspricht keinesfalls den gehegten Erwartungen.
Er enthält u. A. folgende Paragraphen:
§. 8. „Wer durch eine Druckschrift Jemand solcher Thatsachen beschuldigt, welche von den Gesetzen mit gerichtlicher Strafe bedroht sind, oder ihn der öffentlichen Verachtung aussetzen, wird auf den Antrag des Verläumdeten mit Gefängnißstrafe von 3 Monaten bis 3 Jahren bestraft.“
§. 9. „Jede Beschuldigung einer strafbaren Handlung, deren Wahrheit nicht auf der Stelle aus einem gerichtlichen Urtheile oder aus einer andern vollgültigen Beweisurkunde nachgewiesen werden kann, wird für falsch gehalten, es sei denn, daß der Angeschuldigte solche Beweismittel vorlegt, welche die Einleitung einer gerichtlichen Untersuchung gegen die Kläger begründen. In diesem Falle soll während der Untersuchung über diese Thatsachen mit dem Verfahren über das Vergehen der Verläumdung eingehalten werden. Wird aber die Wahrheit auf diese Art bewiesen, so ist der Urheber straflos.“
§ 11 lautet: „Für den Inhalt der periodischen Blätter haftet zunächst der verantwortliche Herausgeber.“
Gestern Abend kam es in der Friedrichsstraße, an der Kaserne des 24. Regiments zu einem Konflikt zwischen Soldaten einerseits, und Bürgerwehr und Volk andererseits. Der Streit soll dadurch entstanden sein, daß einer, der vor der Kaserne versammelten Soldaten ein Mädchen beleidigte und verhöhnte, wodurch alle Vorübergehenden veranlaßt wurden stehen zu bleiben. Die versammelte Menge machte den Soldaten Vorwürfe, diese schimpften dagegen und so entstand eine Schlägerei zwischen Volk und Soldaten. Ein Piquet Bürgerwehr, welches herbeigerufen wurde, wollte die Streitenden und Schlagenden auseinanderbringen und befahl den Soldaten sich zurückzuziehen. Die Soldaten wollten sich aber nichts befehlen lassen und entrissen sogar vier Bürgerwehrmännern die Gewehre und behaupteten das Feld. Mehrere Offiziere standen dabei und sahen dem Treiben der Soldaten ruhig zu, ohne ein Wort zu sagen. Die Soldaten brachten zwar später, nachdem sich Volk und Bürgerwehr zurückgezogen, die entrissenen vier Gewehre zurück, es verweigerte jedoch Einer die Annahme seines Gewehres und hat die Untersuchung bei dem Kriegsministerium über diesen Vorfall beantragt.
Das diplomatische Korps ist aufgefordert worden, sich von jetzt an in allen Angelegenheiten an den neu ernannten Unterstaatssekretär der auswärtigen Angelegenheiten, Grafen v. Bülow, zu wenden. Er scheint also der wirkliche Minister zu sein.
Hr. Hansemann scheint sich wieder einmal verrechnet zu haben. Er will eine Zwangsanleihe ausschreibtn, die 15 Millionen einbringen soll und setzt diese Anleihe auf 1/2 bis 2 pCt. von dem Vermögen, welches über 4000 Thlr. oder dem jährlichen Einkommen, welches über 400 Thlr. beträgt, fest. Das Einkommen soll wie ein zehnmal so großes Vermögen behandelt werden, so daß ein Vermögen von 4000 Thlr. und ein Einkommen von 400 Thlr. den gleichen Betrag steuert. Nimmt man an, daß im Durchschnitt 30 Thlr. auf Jeden kommen werden, so sich müßten 500,000 Zwangsanleihepflichtigen finden, welche Zahl keinesfalls herauskommen wird. Daher stehet zu erwarten, daß der große Finanzminister trotz seiner projektirten Zwangsanleihe, ebenso schnell wieder am Berge stehen wird, wie jetzt wo ihm Niemand etwas freiwillig borgen will. Er hat nie das volle Zutrauen der Geldleute besessen, noch wird er es je erhalten.
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[*] Berlin, 14. Juli.
Welche Richtung die altpreußische Reaktion jetzt mehr und mehr nimmt, beweisen folgende zwei Inserate der Voss. Zeitung. Die Annoncen dieses Blattes sind überhaupt das Depot der tollsten reaktionären Auswüchse der Mark und Pommerns:
Preußen ist jetzt in Deutschland aufgegangen, und Deutschland ist durch die Wahl eines noch im Dienst des Kaisers von Oestreich stehenden Unterthanen zum unverantwortlichen Oberhaupt von Deutschland in Oestreich aufgegangen.
Mit Deutschland ist aber auch Schlesien wieder in Oestreich aufgegangen, was wohl die Veranlassung sein mag, daß dem neuen zeitigen Oberhaupte von Deutschland auf seiner Reise nach Frankfurt in Breslau die größte Huldigung geworden ist.
Was den Kaisern aus dem Hause Oestreich durch einen mit Wuth und Blut geführten dreißigjährigen Krieg nicht gelungen ist, und was später Friedrich der Große durch seine Siege verhinderte, hat jetzt die Nationalversammlung in Fankfurt bewirkt: Deutschland ist eine östreichische Provinz! !
F. v. Bülow.
Berlin und Venedig.
Des Arbeitsmanns Strampelmeyer Gedanken in's Hochdeutsche übersetzt.
Als Venedig aufgehört hatte, Hauptstadt der Republik gleiches Namens zu sein, und Provinzialstadt im Königreich Italien geworden war, verfiel es bald so sehr und verlor einen so bedeutenden Theil seiner Einwohner, daß die Häuser werthlos und die herrlichsten Paläste abgerissen wurden, um die Materialien zu verkaufen, und weil Niemand die Unterhaltungskosten bezahlen wollte.
Da nun Berlin eine Provinzialstadt geworden, seitdem Preußen so glücklich in Deutschland aufgegangen, in Frankfurt eine Bundes-Exekutiv-Gewalt erschaffen, von dort aus regiert, hier aber gehorcht wird, die fremden Gesandten nicht mehr zu uns, sondern nach Frankfurt kommen, so wisset Ihr nun an dem Beispiel Venedigs, was Eure Häuser werth sind. Habt Ihr denn noch nicht genug an den Ereignissen der letzten Monate? Sonst zogen alljährlich 14- bis 17,000 Menschen nach Berlin zu; in den verwichenen 3 Monaten hingegen 40,000 ab, und zwar lauter Wohlhabende. O Ihr sonst so superklugen Berliner, wie könnt Ihr Euch von den Republikanern so zum Besten haben lassen, für sie die Kartoffeln aus dem Feuer holen, und das Aufgehen in Deutschland gut heißen, wovon die nächste Folge Anarchie und Republik ist. Deren bedürfen sie allerdings: Ihr aber Brod für Euch, Euere Frauen und Kinder. Stockt nicht etwa jeder gewerbliche Betrieb schon jetzt recht sehr; sind die Häuser in Berlin zu irgend einem Preise verkäuflich; wird die jetzige Generation es wohl erleben, daß jemals wieder ein neues Haus in Berlin gebaut wird?
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Berlin.
In dem bewaffneten Handwerkerkorps sind Zwistigkeiten ausgebrochen, welche die Auflösung dieses Korps noch früher veranlassen könnten, als es bei einer allgemeinen Auflösung der fliegenden Korps geschehen sein würde. Die 8. Kompagnie des Handwerkerkorps hat deßhalb gestern das 4. Bataillon der Bürgerwehr ersucht, dasselbe in ihre Mitte als 6. Kompagnie aufzunehmen. Das 4. Bataillon hat dieses Anerbieten einstimmig angenommen und erwartet vom Kommando die Bestätigung.
‒ Die Direktoren Diesterweg und Kapp aus Hamm, welche mit Reorganisation des Schulwesens vom Ministerium Schwerin beauftragt wurden, haben statt der bereits von der Verfassungskommission aufgenommenen unzeitgemäßen Bestimmungen die folgenden für die Berathung der Vereinbarungs-Versammlung in Vorschlag gebracht:
„§. 1. Der Staat gewährleistet dem Kinde jedes Preußen den zur allgemeinen Menschen-, Bürger- und Nationalbildung erforderlichen Unterricht.
§. 2. Dieser Unterricht (der Volksschulunterricht) wird auf Staatskosten ertheilt.
§. 3. Er ist, mit Ausschluß des kirchlichen Religionsunterrichts, allen Konfessionen gemeinschaftlich.
§. 4. Jeder kann Unterricht ertheilen und Unterrichts-Anstalten errichten, welcher die gesetzlichen Bestimmungen, an welche diese Berechtigung geknüpft ist, erfüllt.
§. 5. Die Bildung der Volksschullehrer in denselben Anstalten, ohne Rücksicht auf ihr religiöses Bekenntniß, übernimmt gleichfalls der Staat, ihre Anstellung erfolgt unter Mitwirkung der bürgerlichen Gemeinden.
§. 6. Dieselben nehmen an der Verwaltung der Schulen Antheil; die innern Angelegenheiten werden von sachkundigen Schulmännern im Auftrag des Staates geleitet, welcher älle öffentlichen Erziehungs- und Unterrichts-Anstalten überwacht, ohne irgend eine Ausnahme.
§. 7. Die vorstehenden Bestimmungen über den allgemeinen Unterricht werden durch besondere Gesetze geregelt, die sich zugleich über die höhern Stufen des Unterrichts erstrecken, die Gesetzentwürfe werden den mit Zuziehung von Laien in Schulsynoden zu versammelnden Lehrern oder deren Abgeordneten zur Begutachtung vorgelegt.“
Es ist jetzt hier eine Kommission zusammengetreten, welche außer den beiden oben Genannten aus 20 Abgeordneten unserer National-Versammlung, sämmtlich Schulmännern, besteht. Diese Kommission beschäftigt sich damit, neuerdings Paragraphen zu formuliren, welche als Amendements zu den betreffenden Vorschlägen der Verfassungs-Kommission dienen werden.
[(B. Z.-H.)]
‒ Daß Erkenntniß gegen die bei Preisgebung des Zeughauses betheiligten Offiziere soll nach einem in der Stadt umlaufenden jedoch unverbürgten Gerüchte dahin ausgefallen sein, daß der am meisten kompromittirte Lieut. Techow mit lebenslängliger, der Hauptmann v. Natzmer mit 10jähriger und der Lieutenant des Letzteren mit 5jähriger Festungsstrafe belegt worden ist.
[(N. Z.)]
‒ Eine königliche Botschaft vom 10. Juli bringt den Gesetz-Entwurf wegen Ausschreibung einer Zwangsanleihe. Die freiwilligen 5prozentige Anleihe wird mit dem 10. August d. J. geschlossen. Insoweit dieselbe den Betrag von 15 Mill. nicht erreicht, wird eine 31/2procentige Zwangsanleihe eröffnet. Hierzu haben alle Staatsangehörige beizutragen, welche ein Vermögen von mindestens 4000 Thlr. besitzen; doch werden ihnen die Beiträge zur freiwilligen Anleihe auf ihren Antheil zur Zwangsanleihe in Abrechnung gebracht. Der Beitrag bestimmt sich bei einem Vermögen bis 8000 Thaler auf 5/10 pCt. als niedrigsten Satz, über 40,000 bis 60,000 Thaler geben 1 pCt., 350,000 bis 400,000 Thaler 19/10 pCt., über 400,000 Thaler 2 pCt. als höchsten Satz; dazwischen liegen noch vielfache Abstufungen. Zum Vermögen gehört auch der zehnfache Betrag des jährlichens Einkommens aus Besoldung, Pension und Gewerbe. Außer Ansatz bleiben nur Mobilar und das im Ausland liegende Grundeigenthum; Schulden werden abgerechnet, so wie Betriebsausgaben und die von Schulden zu zahlenden Zinsen, nicht aber Hausstandskosten. Die Einzahlung der Anleihe ist am 1. Okt., 1. Nov., 1. Dezember 1848, worüber auf den Inhaber lautende Obligationen ausgefertigt werden, welche mit den Staatsschuldscheinen gleiche Rechte haben. Die Abtragung der Zwangsanleihe erfolgt vom 1. Jan. 1850 mit jährlich 11/2 pCt. vom Gesammtbetrage durch Ankauf oder Verloosung. Die Grundlage der Anleihe-Vertheilung bildet die Selbstangabe der zum Beitrag Verpflichteten. Kreis- und Stadt-Kommissionen prüfen die Angaben, gegen ihre Entscheidungen kann an die Bezirkskommission rekurrirt werden. Diese Bezirkskommissionen werden von den, nach dem Gesetz vom 8. April gewählten Wahlmännern erwählt. ‒ Eine dem Entwurf anliegende Berechnung des wahrscheinlichen Ertrags der Zwangsanleihe, vertheilt 11 Millionen auf die klassensteuerpflichtigen Einwohner, 2 Millionen auf die Einwohner der mahl- und schlachtsteuerpflichtigen Städte, und 1,300,000 Thaler werden von den bisher von der Klassensteuer eximirt gewesenen Personen erwartet. Summa 15 Millionen.
‒ Gesetzentwurf wegen Aufhebung der bisherigen Classensteuerbefreiungen. Art. 1. „Die nach dem Klassensteuergesetz vom 30. Mai 1820 für Standesherren, Geistliche und Schullehrer, für Offiziere des stehenden Heeres und der Landwehr, die nicht mobil gemacht sind, und für Militärbeamte bisher bestandenen Befreiungen von der Klassensteuer werden hiermit vom 1. August d. J: ab aufgehoben.“ Art. 2. „Der Finanzminister ist mit der Ausführung dieses Gesetzes beauftragt.“ Die beigefügten Motive berechnen, daß aus diesem Gesetz der Staatskasse eine Einnahme von 230,000 Thlr. erwachsen dürfte.
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[**] Posen.
Noch immer kommen uns Nachträge über die Posener Vorgänge zu. Wir geben heute die beiden folgenden:
Die Frau Gutsbesitzer Szuman in Allhütte im Großherzogthum Posen erhielt folgendes wortgetreu wiedergegebene Schreiben:
Madame!
Bereits sind hier mehrfache Klagen über Ihr Thun und Treiben eingegangen, auf welche ich es damit bewenden ließ, Ihnen eine Ermahnung durch den Premier-Lieutenant v. Dirwitz zukommen zu lassen. Nachdem Sie sich aber erdreistet haben, Drohungen gegen Einwohner von Allhütte auszustoßen, erkläre ich Ihnen hiermit, daß wenn noch ein einziges Mal eine Klage über Ihr Betragen in politischer Beziehung hier einläuft, ich Sie sofort arretiren und einsperren lassen werde, um Sie wenigstens für einige Zeit unschädlich zu machen.
K. G. Czarnikau, den 22. April 1848.
v. Griesheim, Major und Bataillons-Kommandeur.
Das Verbrechen der Frau Szuman hatte darin bestanden, daß dieselbe zur Zeit, als die Deputirten aus dem Großherzogthume Posen mit polnischen Cocarden vor dem Könige in Berlin standen, eine roth und weiße Fahne auf ihrem Hause befestigt hatte, und es demnächst nicht gestatten wollte, daß die durch den Landrath dazu aufgehetzten deutschen Einwohner von Althütte diese Fahne herunterrissen.
Am 7. April kam der interimistische Landrath des Gnesner Kreises Regierungsassessor Schliep in Begleitung des Bürgermeisters und Hauptmanns in der Landwehr Gutzmann aus Klecko und 25 Husaren nach Polskawies bei Klecko und ergriffen den Ackerwirth Ostrowicki, welcher beschuldigt worden war, den Adler von der Wohnung des Schulzen abgenommen zu haben. Wiewohl Ostrowicki die Anschul- [0234] digung leugnete, wurde dennoch ohne sich auf eine Untersuchung der Richtigkeit derselben einzulassen, ein Bund Stroh auf die Landstraße gelegt, und während der Regierungsassessor Schliep den Ostrowicki am Kopfe und Hauptmann Gutzmann an den Füßen hielten, wurden demselben von den Husaren auf Anordnung des Schliep 25 Kantschuhhiebe verabreicht. Ostrowicki ist ein Familienvater von 60 Jahren, der Besitzer einer Bauernwirthschaft und ein Mann von unbescholtenem Lebenswandel
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[*] Posen, 12. Juli.
Es wird hier bald eine abermalige Dislocirung von Truppen nothwendig werden. Denn die Spannung zwischen dem 8. Infanterie- und andererseits dem 18. u. 7. Regiment steigt mit jedem Tage höher. Die Bekanntmachung des Generals von Brüneck gegen Bildung neuer politischen Vereine, macht wiederum böses Blut. Wir kommen aus den Maßregeln des Despotismus nicht heraus. In Rawicz versuchten die Gefangenen der dortigen Strafanstalt, etwa 600 an der Zahl, durchzubrechen. Dem Militär gelang es mit einiger Mühe, und nachdem Einer der Anführer erschossen war, der Revolte ein Ende zu machen.
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[4] Frankfurt, 13. Juli.
Die Reichsverwesung hat begonnen. Er hat seinen Einzug gehalten, der Reichsvermoderer, Johannes Habsburg, der gesagt haben soll: „Kein Oestreich, kein Preußen etc.,“ der aber wirklich gesagt hat, „warum schießt man die Canaille nicht mit Kartätschen zusammen?“ als sie nemlich vor einiger Zeit zu Grätz etwas widerspenstig zu sein, so frei war. Ich muß übrigens gestehen, die Wahl, die man getroffen hat, ist plastisch, sie ist symbolisch, denn Johannes Habsburg ist in allen Merkmalen seiner persönlichen Erscheinung, mit seinen 70. Lebensjahren, seinem Glatzkopf, mit seinem abgestorbenen, erdfahlen Antlitz, auf dem die gutmüthige passive Grausamkeit eines „Koaser Franzl“ neben der merovingischen Lenksamkeit sich gelagert, mit seiner abgemergelten in sich selbst zusammensinkenden Körpergestalt, an welcher die östreichische Livree herunterschlottert; dieser alte, halb todte Reichsverweser, sage ich, ist das leibhaftige Bild der Nationalversammlung deutscher Hofräthe, die wandelnde Statue jener altersschwachen, zeugungsunfähigen Politik der Hinfälligkeit und des Marasmus, welche vorwärts getrieben wird von der Erwartung des Volkes, daß etwas geschehe, und zurückgehalten von der Scheu etwas zu thun, welche „Volksrechte“ gründen, Volksinteressen wahren soll, und Privilegien nicht antasten will, welche Neues schaffen soll und das Alte nicht anzutasten wagt, welche revolutionär ist ihrem Ursprung nach und reaktionär in ihrem Wirken, und eben deshalb nur todtgeborne Kinder zur Welt bringen kann, oder kahlköpfige Greise.
In welchem Zusammenhange übrigens mit dem Volke diese Leute, die einen unverantwortlichen Reichsverweser wählen, und alle ihre Schöpfungen stehen, das konnten „Se. kaiserl. Hoh. der Herr Erzherzog Reichsverweser“ während allerhöchst Ihres Einzuges aus sehr deutlichen Zeichen entnehmen. Zwar die Frankfurter Philister und Metalliquesmänner brüllten sich die Kehlen heiser mit ihren Hochs auf den Vorläufer des Kaisers, aber das Volk empfing ihn mit dem Rufe, „es lebe Hecker, es lebe die Republik,“ also daß sich der Hr. Erzherzog Johann sichtlich entfärbte.
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@facs0234
Frankfurt, 15. Juli.
Die Frankfurter Ober-Postamtszeitung scheint das offizielle Organ der neuen Reichsverweserschaft geworden zu sein. Sie enthält unter der stolzen Ueberschrift: Amtlicher Theil, folgende Proklamation Johann's:
An das deutsche Volk.
Deutsche! Eure in Frankfurt versammelten Vertreter haben mich zum deutschen Reichsverweser erwählt.
Unter dem Zurufe des Vertrauens, unter den Grüßen voll Herzlichkeit, die mich überall empfingen und die mich rührten, übernahm ich die Leitung der provisorischen Centralgewalt für unser Vaterland.
Deutsche! Nach Jahren des Druckes wird Euch die Freiheit voll und unverkürzt. Ihr verdient sie, denn Ihr habt sie muthig und beharrlich erstrebt. Sie wird Euch nimmer entzogen, denn Ihr werdet wissen sie zu wahren.
Eure Vertreter werden das Verfassungswerk für Deutschland vollenden. Erwartet es mit Vertrauen. Der Bau will mit Ernst, mit Besonnenheit, mit ächter Vaterlandsliebe geführt werden. Dann aber wird er dauern, fest wie Eure Berge.
Deutsche! Unser Vaterland hat ernste Prüfungen zu bestehen. Sie werden überwunden werden. Eure Straßen, Eure Ströme werden sich wieder beleben, Euer Fleiß wird Arbeit finden, Euer Wohlstand wird sich heben, wenn Ihr vertrauet Euern Vertretern, wenn Ihr mir vertrauet, den Ihr gewählt, um mit Euch Deutschland einig, frei und mächtig zu machen.
Aber vergeßt nicht, daß die Freiheit nur unter dem Schirme der Ordnung und Gesetzlichkeit wurzelt. Wirkt mit mir dahin, daß diese zurückkehren, wo sie gestört wurden. Dem verbrecherischen Treiben und der Zügellosigkeit werde ich mit dem vollen Gewichte der Gesetze entgegentreten. Der deutsche Bürger muß geschützt seyn gegen jede strafbare That.
Deutsche! Laßt mich hoffen, daß sich Deutschland eines ungestörten Friedens erfreuen werde. Ihn zu erhalten ist meine heiligste Pflicht.
Sollte aber die deutsche Ehre, das deutsche Recht gefährdet werden, dann wird das tapfere Deutsche Heer für das Vaterland zu kämpfen und zu siegen wissen.
Frankfurt a. M,, den 15. Juli 1848.
Der Reichsverweser Erzherzog Johann.
Die Reichsminister Schmerling. Peucker. Heckscher.
Es folgt sodann ein halbamtlicher Artikel über das neue Ministerium, die Abreise Johann's nach Wien, Camphausen u. dgl. Wir entnehmen daraus folgende Stellen:
Der Reichsverweser hat vorläufig drei Minister ernannt. Herr v. Schmerling, Minister des Innern, wird zugleich die auswärtigen Angelegenheiten versehen. General Peucker, der bisherige preußische Bevollmächtigte bei der Militärkommission, hat das Kriegsministerium angenommen. Herr Heckscher, Justizminister, wird dem Reichsverweser sogleich bei dessen letzter kurzer Erscheinung in Wien als verantwortlicher Begleiter zur Seite stehen. Wir haben also, ‒ zwar kein vollständiges Ministerium, ‒ aber eine verantwortliche Behörde, welche die Lücke, die durch die Auflösung des Bundestags augenblicklich entstanden war, ausfüllt. Die erste Maßregel, welche die neuernannten Minister zu vertreten haben, ist die nochmalige Rückkehr des Reichsverwesers nach Wien. Die Rücksichten auf Preußen haben in Herrn Camphausen nicht den gewünschten oder erwarteten Ausdruck gefunden. Er hat abgelehnt und nach den Aeußerungen, welche man von ihm vernimmt, war diese Entscheidung von seiner Seite ebenso nothwendig als ehrenwerth. Denn nur ein unbedingtes und entschlossenes Vertrauen zur deutschen Sache kann uns die von einzelnen Staaten empfohlenen Mitglieder des Reichsministeriums willkommen machen. Solche Minister werden in der Majorität der Nationalversammlung und in der Nation selbst eine kräftige Unterstützung finden.
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@facs0234
Frankfurt, 15. Juli.
In der gestrigen Sitzung der National-Versammlung wurden nach Abmachung der hannoverschen Angelegenheit zwei andere Anträge von Simon von Trier und Nauwerck die Erklärungen des preußischen Ministeriums in Betreff der Wahl des Reichsverwesers anlangend, durch Mehrheitsbeschluß als nicht dringend erachtet. Ein Antrag von Eisenstuck, Günther und Mammen, die Zollverhältnisse betreffend, wurde von Eisenstuck begründet, welcher die Zuweisung desselben an den volkswirthschaftlichen Ausschuß bevorwortet, und zwar mit dem Auftrage an denselben, die Berichterstattung dergestalt zu beschleunigen, daß in 14 Tagen darüber Berathung statt finden kann. Die Versammlung beschloß, den Antrag „zur schleunigen Erledigung“ an den volkswirthschaftlichen Ausschuß zu verweisen. Hierauf wurde die Berathung über den Bericht des östreichischen Geldausfuhrverbots eröffnet.
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@facs0234
[*] Frankfurt, 15. Juli.
Sitzung der Nationalversammlung. Gagern lies't die Proklamation des Reichsverwesers vor und macht die Versammlung mit den Namen der neuen Minister bekannt. Die Namen der Minister (s. oben) wurden mit tiefem Stillschweigen empfangen. Heckscher, der Justizminister, kündigt an, daß der Reichsverweser noch einmal auf kurze Zeit nach Wien zurückkehren müsse; er werde ihn begleiten. Heckscher und Schmerling erklären, sie würden vor Allem Ruhe im Innern aufrechterhalten.
Wedenmann, Berichterstatter des Gesetzgebungsausschusses, stattet Bericht über zahllose Petitionen wegen Amnestie ab, spricht sich gegen deren Bewilligung aus, und hält auch die Versammlung nicht für kompetent.
M. Mohl stattet einen Bericht ab, bei dem man rief: „Wir kennen Ihren Bericht auswendig.“
Tagesordnung: Ausschußbericht über die Wehrverfassung. Der Präsident will die Debatte für geschlossen erklären; viele Redner sprechen dagegen, und die Fortsetzung wird beschlossen.
Vogt verlangt, der Kriegsminister solle herbeigeschafft werden, was angenommen wird. Auerswald spricht über die Nothwendigkeit der Vermehrung der stehenden Heere. Gagern zeigt an, der Kriegsminister sei nicht aufzufinden. Reh von Darmstadt spricht ebenfalls für Vermehrung des stehenden Heeres, desgleichen Radowitz und Stavenhagen. Gegen Vermehrung des Heers und für Ausdehnung der Volksbewaffnung sprachen Hagen, Vischer und Leue.
Nach längerer Debatte wird durch namentliche Abstimmung beschlossen, die Ausschußberichte an die Centralgewalt zu überweisen und die beantragte Vermehrung des deutschen Heeres zur Stärke von 2 Prozent der jetzigen Bevölkerung in Ausführung zu bringen.
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@facs0234
München, 8. Juli.
Den hiesigen Offizieren ist gestern durch ihre Regimentschefs der Wille des Konigs bekannt gegeben worden, daß sich dieselben des Antheils an politischen Versammlungen und Klubs zu enthalten haben. Ein Gleiches soll den Beamten und und Accesisten mitgetheilt werden. So gehen die Verheißungen vom 6. März in Erfüllung!
[(D. const. Z.)]
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@facs0234
[*] Nürnberg, 13. Juli.
In dem Städtchen Schwabach hat das Volk durch einen Sturm auf das Landgerichtsgebäude und Rathhaus die Befreiung des wegen Preßvergehen verhafteten Redakteurs der „Freien Volkszeitung“ bewirkt. Der benachbarte Publizist, welcher Nürnberg wegen seiner loyalen Umgebungen zum Sitz der Nationalversammlung vorschlug, wird sich also nach einem andern Ort umsehen müssen.
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@facs0234
Osnabrück, 13. Juli.
Das „Tageblatt“ faßt ganz einfach die Möglichkeit einer Ausführung der königlichen Drohung ins Auge und giebt die einzige Antwort, die man für ein so entschieden unkonstitutionelles Auftreten haben kann. Es sagt: „Würde die ausgesprochene Drohung ausgeführt, so geht unsere Ansicht dahin: das hannoversche Volk setze dem Allerhöchsten Willen Sr. Maj. keinen Widerstand entgegen, begleite vielmehr die Reise mit den heißesten Segenswünschen und übertrage sofort die Regierungsgewalt dem Reichsverweser und seinen dem Parlament verantwortlichen Ministern. Es werden durch diesen Schritt die Kosten einer doppelten, durchaus unnöthigen Regierung gespart, und es wird zur Begründung der festeste Grundstein gelegt, indem der Widerspruch der einzelnen Regierungen gegenüber der Gesammtregierung des deutschen souveränen Volkes in dieser einfachen Verschmelzung seine naturgemäße Lösung findet.“
[(Brem. Z.)]
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Wien, 10. Juli.
Nachdem mehr als die Hälfte der Deputirten zum konstituirenden Reichstag sich bereits in Wien eingefunden und gemeldet hatten, wurde vom Ministerium der heutige Tag zum ersten Zusammentritt im Reichstagssaale anberaumt. Die äußerste Rechte füllte sich mit galizischen Deputirten im Bauernkostüme; eine nachfolgende Abtheilung von Bänken blieb leer; dann folgte eine zweite Fraktion Galizier. Die Mitte war gleichfalls spärlich besetzt; desto mehr aber wurde die äußerste Linke und die daranstoßenden Abtheilungen überfüllt. Unter ihnen gewahrte man Fischhof, A. Bach, Violand, Füster, Schwarzer, Goldmark, Purtscher, Smrecker, mehrere Galizier und Geistliche.
Der provisorische Ministerpräsident, Baron Dobblhof, eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Anrede, worin er auf den Zweck der heutigen Zusammenkunft verwies, welchen er in der Wahl eines provisorischen Alterspräsidenten, zweier Vicepräsidenten und 6 Schriftführern bezeichnete.
Zum Alterspräsidenten wurden Dr. Kudler, und zum Vicepräsidenten Dr. Mannheimer, israelitischer Prediger, erwählt. Ein Antrag, für die galizischen Deputirten einen Dollmetsch zu bestellen, wurde abgelehnt und die deutsche Sprache als Parlamentssprache vertheidigt. Es ergab sich bei Zählung der Abgeordneten, daß die beschlußfähige Majorität nicht vorhanden war. Die vorberathende Sitzung wurde auf morgen 10 Uhr Früh vertagt.
[(A. Oestr. Z.)]
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@facs0234
[*] Wien, 11. Juli.
Gegen 11 Uhr wird die zweite vorbereitende Sitzung der konstituirenden Reichsversammlung eröffnet. Es kam eine provisorische Geschäftsordnung zur Debatte. Es lag eine solche, von einem Mitgliede ausgearbeitet vor. Die ersten 6 Paragraphen wurden erörtert und angenommen. Die weitere Verhandlung wird auf morgen vertagt.
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Triest, 4. Juli.
Man hält hier den Bankerutt der Wiener Bank für unvermeidlich; ihre Noten sind nur mit Verlust von 11 pCt. umzuwechseln.
Polen.
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@facs0234
Brody, 6. Juli.
Das an der podolischen Gränze aufgestellte russische Truppenkorps ist in den letzten Tagen wiederum näher vorgerückt. Das Hauptquartier befindet sich in Dubno, fünf Meilen von Brody; in Radziwilow und in der nächsten Umgegend sind 6000 Mann einquartirt, die der aus den Tscherkessenkriegen bekannte Generallieutenant Saß kommandirt. Die Aufstellung der Armee, welche 50,000 bis 60,000 Mann zählen soll, ist der Art, daß sie in drei Kolonnen, nämlich bei Brody, Podwotoczyska, und Hussiatyn einbrechen, und der ganze Uebertritt während drei Tagen erfolgen kann. Ob aber der Einmarsch erfolgen wird, ist eine Frage, deren Lösung jetzt noch immer schwer wird. Daß Rußland durch die Zusammenziehung der Truppen eine Besetzung von Galizien beabsichtigen sollte, ist kaum zu glauben. Hierdurch würde es sich selbst eine nie heilende Wunde versetzen. Das russische Cabinet begreift wohl, daß die Oeffnung seiner Gränzen nach Westen, die ein Einmarsch nach sich ziehen müßte, in der gegenwärtigen fieberhaften Aufregung seine schlummernden Völker mit Ideen anstecken würde, die keineswegs einem Absolutismus günstig sind. Für Rußland ist der Süden viel angenehmer als der Westen ‒ der Erstere würde Rußlands Macht heben ‒ der Letztere dagegen ist für Rußland epidemisch inficirt, vor dessen Berührung es sich hüten muß.
[(A. Oestr. Z.)]
Belgien.
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@facs0234
[*] Brüssel.
Anklageakt des Generalprokurators über die Affaire bei Risquons Tout. (Forts. aus Nro. 45.)
Betreff der Diensterbietungen Beckers wie der Versprechungen, welche er in seinem Brief v. 4. März macht, behauptet der General, daß sich dieselben einzig auf unsere nationale Unabhängigkeit beziehen, welche Becker früher vertheidigt und welche er noch heute zu vertheidigen bereit sei. Aber diese Erklärung stimmt nicht nur mit dem Inhalt selbst nicht überein, sondern wird auch durch einen andern Brief, welchen Becker unter dem 8. an den General schrieb, widerlegt. In diesem Brief spricht er von einer revolutionären Erhebung wie von einer zwischen ihnen abgemachten Sache. „Ich habe Ihnen, heißt es darin, vorigen Sonnabend, den 4. d. geschrieben, um Ihnen meine Freude über den Triumph der Sache auszudrücken, der wir uns mit so viel Eifer gewidmet und für die wir persönlich so viel schon geduldet haben. Ich hoffte auf eine unmittelbare Antwort von Ihnen, aber ich wartete vergebens. Sie haben keine Vorstellung von der Besorgniß, in der wir Alle uns befinden. Wo sind Sie denn? Was machen unsere Freunde? Wir, wir sind bereit, aber die Zeit verstreicht unter dem Harren und unsere Leute nehmen die Ungeduld, die uns verzehrt für Unschlüssigkeit. Dazu bringen die Bosheiten unserer ränkevollen Feinde die Desorganisation in unsere Reihen und werfen unsere braven Patrioten der Verzweiflung in die Arme. Es ist eine gebieterische Pflicht, daß man sich beeilt. Begreift man nicht, daß es um die belgische Nationalität geschehen ist, wenn man noch einige Tage zögert, in Belgien die Republik zu proklamiren? Die republikanische Regierung Frankreichs wird durch die sich häufenden Ereignisse gezwungen, eine furchtbare Armee über den Rhein schicken müssen, um den koalisirten Mächten die Spitze zu bieten, welche eine äußerste Anstrengung versuchen ehe sie ihre verrosteten Scepter aus den Händen fallen lassen.
„Haben Sie Pellering den Brief zukommen lassen, den ich Ihnen geschrieben habe? Warum antwortet er mir nicht?
„Heute schreibe ich an Jottrand und bitte ihn, Sie zu besuchen, um von Ihnen die verlangten Aufklärungen, sowie die Instruktionen zu holen, welche Sie mir etwa zu geben haben.
„Gegenüber der großen Menge von Leuten, die mich umschwärmen, muß ich begreiflicherweise eine vorsichtige Zurückhaltung beobachten; doch sind darunter auch solche, denen ich mich in jedem Fall anvertrauen kann, und die berufen sind, der Sache große Dienste zu leisten. Aber es ist an Ihnen und Ihren Freunden, mir sofort zu antworten, damit ich ihnen die Sicherheit garantiren kann, welche zu dem Gelingen der heiligen Sache wichtig ist, der wir uns gewidmet haben.
„Gendebien hat mir geschrieben; ich habe ihm geantwortet und erwarte gegenwärtig neue Nachrichten von ihm. Ohne ins Detail der übrigen Sendschreiben einzugehen, welche ich an andere unserer Freunde habe abgehen lassen, werden Sie doch ohne Zweifel unterrichtet sein, warum sie mir nicht vollständig auf meine Anfragen wie über die Größe der Mittel Aufschluß geben? Noch einmal mein theurer General, beschwöre ich Sie, daß man mir auf der Stelle antworte.“
Dieser Brief kreuzte sich mit demjenigen, welchen der General am 7. März an Becker geschrieben hatte. Derselbe enthüllt zur Genüge, daß es sich zwischen ihnen nicht um Annahme oder Zurückweisung eines einfachen Vorschlages handelte, sondern daß man einen bereits abgeschlossenen Plan ausführen wollte, der ohne Zweifel den Ereignissen angepaßt werden sollte, die in Frankreich hereinbrechen konnten. Der Brief vom 8. erklärt also die in dem vom 4. ins Gedächtniß gerufene Versprechungen und es ist so die Unmöglichkeit dargethan, daß der General dieß letztere Schriftstück ohne böse Absicht der demokratischen Gesellschaft mitgetheilt hat. Auch sucht er dieser Mittheilung ein imaginaires Motiv zu geben, indem er behauptet, sie habe nur bezweckt, Becker von den Anklagen zu reinigen, deren Gegenstand er war; aber diese Anklagen fanden erst den 8. März statt, die Mittheilung dagegen den 5. Mellinet hatte schon zwei Emissäre der Abgesandschaft empfangen. Der eine war der Angeklagte Perin und der andere jener Arbeiter, der Spilthoorn begleitete und der von Brüssel den Brief „einer einflußreichen Person“ zurückbrachte, Er sollte bald einen dritten empfangen, Victor Mathieu, der sich am 28. März ihm vorstellte und ihm den 29. und 30. noch zwei Besuche abstattete. Mathieu hatte eine thätige Rolle zu Paris gespielt, wo er die belgischen Arbeiter enrollirte, ihnen Lebensmittel vertheilte und revolutionäre Reden hielt. Er war nach Belgien den 10. oder 11 März zurückgekehrt mit einem Einführungsbrief von Imbert an die Gesellschaft Agneessens, worin J. dem Präsidenten derselben schrieb: „Ich empfehle Ihnen den Bürger Mathieu, dem sie Ihr volles Vertrauen schenken können; er wird Ihnen den Zweck seiner Reise mittheilen“ Mathieu erklärt, daß Spilthoorn ihm ähnliche Briefe für Jottrand, Castiau und andre gegeben hatte, daß er aber keine Propaganda zu Brüssel gemacht habe, wohin er nur gekommen sei, um sich über die Spilthoorn zu Gebot stehenden Mittel zu unterrichten und um so viel wie möglich den Einzug der an der Grenze stationirenden Banden zu verhindern.
Wozu machte er dann drei Visiten bei Mellinet, den er früher nie gesehn hatte und der sich dieser drei Visiten nicht erinnern will? Vielleicht erklärt sich dieser Mangel an Gedächtniß durch die Erklärung Jottrand's: „Er erinnere sich am 26 und 27. März mehrere Personen empfangen zu haben, Träger von kleinen Billets ungefähr folgenden Inhalts: Der Ueberbringer dieses wird Ihnen Nachrichten geben oder abverlangen über das, was vorgeht; Sie können sich an ihn halten. Gezeichnet: Spilthoorn. Vielleicht befand sich Mathieu unter diesen Personen. Ein Herr, der mir erzählte, von Tournai zu kommen, war unter diesen Besuchern; ich sagte ihm, er habe sich mit einem sehr albernen Auftrag belastet und ich mißbillige alle im Ausland gebildeten Anschläge. Er antwortete mir darauf, Castiau sei derselben Ansicht.“ Jottrand hat ausserdem in seinem Verhör gesagt: „Ich habe keine Solidariat und will sie nicht haben mit General Mellinet für seine Anschauungsweise und seine Dispositionen, die ich übrigens nicht kenne.“
Mathieu traf zweimal bei Mellinet mit Perin zusammen, den er im belgischen Klub zu Paris gesehen hatte und der ihm zu Brüssel die Bekanntschaft des Angeklagten Auvenne verschaffte. Den 30. März reiste er um 4 Uhr 15 Minuten mit Auvenne und Perin nach Gent und hier kamen sie zusammen mit dem Angeklagten Derudder, den wir schon aus seinem Brief an Imbert kennen und mit dem Angeklagten Balliu, der dieselben Umsturzideen hegt, denn den 29. Mai schrieb er an Tedesco: „Gestern war Sitzung der demokratischen Gesellschaft und es wurde beschlossen, durch alle mögliche Mittel die Arbeiter einzuladen, Wühler zu wählen. Wir werden das Beispiel von Lüttich und Verviers befolgen. Es ist unmöglich hier etwas zu thun ohne die Dazwischenkunft von Lüttich und Gent. Der Apfel ist verfault, bald wird er fallen; alle Arbeiter hier und zu Gent sind gutgesinnt; cela [#]ira Balliu figurirte ausserdem unter den Demokraten, an die Bornstedt und Imbert Delestrèe geschickt hatten „um republikanische Propaganda zu machen“, er war den 26. März mit dem General in der Union zusammen und hatte früher den Besuch von Delestrèe empfangen, den er nicht kannte und der sich ihm mit einem Brief von Bornstedt vorstellte.
Man begreift nun, warum er den 30. März nach Gent ging, wo man denselben Abend Barrikaden aufzuwerfen versuchte, er, der an Gendebien schrieb, um ihn zu konsultiren über die Scheinwahlen, deren Zweck er Tedesco entdeckte: „Wir würden beweisen können, daß die Arbeiter fähig sind, ihre Repräsentanten zu ernennen und entschlossen, ihre Stimmen den Männern zu geben, die einer so edlen Mission würdig sind. Um jede Verirrung unmöglich zu machen, würde ich ihnen zu Gent, wo ich 15 bis 20,000 Mann versammeln kann, Gendebien, de Porter, Castiau, Jottrand, de Coster, van Belte, Arbeiter u. s. w. vorschlagen.
(Forts. folgt.)
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@facs0234
Brüssel, 15. Juli.
Gestern Abend sind, wie man uns versichert, verschiedene Verhaftungen vorgenommen worden. Die Hauptanstifter der Zusammenrottungen von Arbeitern, die in den letzten Tagen hier stattfanden, so wie auch der Redakteur der „Stimme des Volks“ sollen der Justiz übergeben worden sein.
[(Observateur Belge.)]
‒ Die belgische „Nation“ schreibt: Man hat nichts versäumt, um der heroisch-komischen Geschichte von Risquons-Tout das Aussehen eines Melodramas in 20 Tableaux zu geben. Verhaftungen, Ausweisugen, nächtliche Haussuchungen, Arbeiterversammlungen, polizeiliche Liebkosungen, dann Drohungen mit blanker Waffe, kurz alle die kleinen gouvernementalen Hülfsmittel, alle die kleinen polizeilichen Fäden sind bei dem Puppenspiel im Werk, nicht einmal der Schlag des Tam-tam ist vergessen, und sicher ist es nicht die Schuld der Mitspieler, wenn bei dieser hanswurstmäßigen Posse die tragischen Helden fehlen.
Werden die „Räuber“ in Brüssel erscheinen? Nein. Wenn man die Fäden des Spiels zu nahe sieht, lacht das Parterre. [0235] Man spielt zu Antwerpen; in einer Entfernung von 8 Stunden wird die Stimme des Advokaten Spilthoorn alle Haare auf allen Köpfen sträuben machen.
Wir wollen nichts von dem Anklageakt sagen, diesem großen Jagdstück des Hrn. Bavay nach Verräthern. Aus Achtung vor der noch nicht abgeurtheilten Sache wollen wir uns der Nachahmung des „Journal de Bruxelles“ enthalten, welches mit frevelhafter Verachtung dieser christlichen Pflicht von vornherein Köpfe verlangt, viel Köpfe, selbst die Köpfe derjenigen Republikaner, welche während man die Geschichte von Risquons-Tout anzettelte, mit einer keineswegs rothen Nachtmütze bedeckt waren.
Indeß will es uns bedünken, daß die Geschichte mit wenig Sorgfalt in Scene gesetzt worden ist. Haben nicht zum Beispiel noch vorgestern Nacht die Agenten des Hrn. Hody einen neuen Besuch bei mehreren nichts weniger als rothen Bürgern machen müssen.
Sind nicht diese selben Agenten um 3 Uhr Morgens in die Wohnung einer Dame gedrungen, deren abwesender Gatte ausgewiesen werden sollte, und haben sie nicht ihre Nachforschungen bis in das Bett dieser Dame und die Wiege ihres Kindes ausgedehnt?
Diese Ereignisse geben uns die Ueberzeugung, daß die Leute des Hrn. Hody uns jeden Zweifel an ihrer Wachsamkeit haben nehmen wollen, und daß im Kabinet das sehnliche Verlangen vorherrscht, die Geister auf die sich entwickelnde Komödie vorzubereiten.
Italien.
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@facs0235
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 17. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 339.]
[*] Turin, 7. Juli.
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@facs0235
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 17. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 339.]
[*] Peschiera, 4. Juli.
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@facs0235
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 17. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 339.]
[*] Venedig, 5. Juli.
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@facs0235
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 17. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 339.]
[*] Florenz, 6. Juli.
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Französische Republik.
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@facs0235
[12] Paris, 14. Juli.
Immer neue Verhaftungen, und je mehr man verhaftet, desto mehr erkennt man, was man noch Alles zu verhaften hat, um der eigentlichen Insurrektion habhaft zu werden. Der General Jorry, Präsident des Clubs der Interessen des Volkes, ist ebenfalls, als „Insurgent“ arretirt worden; an seine Verhaftung reihen sich natürlicher Weise eine Masse anderer Verhaftungen an. Eine gleiche Bewandtniß hat es mit dem Polizei-Kommissär von der Straße des Ecrivains, nahe beim Stadthause. Was nun die Verhaftung der Prokuratoren Portalis und Laudrin, der ehemaligen Vicepräsidenten der Nationalkammer anbetrifft, so ist dieselbe zwar noch nicht vorgenommen, aber in diesem Augenblick scheint sie unausbleiblich, es sei denn, daß man selbst Arago arretire. Arago nämlich war es, der seine beiden Kollegen Portalis und Laudrin denunzirt hat. Aber sei es, daß die französischen Journale wegen des obschwebenden Belagerungszustandes diese Denunciation nicht anzuzeigen wagten, sei es, daß sie dieselbe ignorirten; so viel steht fest, daß in diesem Augenblicke, wo fremde Journale diese Denunciationsgeschichte wieder nach Paris zurückgebracht haben, sie allgemeines Staunen erregt, und kein einziges Organ sie in Abrede stellt.
„Trotz alle dem“ ist die Insurrektion noch lange nicht unter Schloß und Riegel. Obgleich Paris mit Soldaten besäet ist, so zittert doch den Leuten der Rechtsboden unter den Füßen. Jeden Augenblick glauben sie Barrikaden vor sich zu sehen, und die absonderlichsten Gerüchte über die Pläne der Insurgenten durchzucken mit Furcht die gute Stadt Paris.
Was man sich nicht Alles für Mühe giebt, um die Liebe der Arbeiter wieder zu gewinnen! Ein Redakteur des Journal des Debats, A. Donné, schlägt vor, jede reiche Familie solle mehre Ouvriers-Familien adoptiren, das heißt ihnen in ihren Bedrängnissen mit Rath und That beistehen u. s. w. Diese lächerliche „Patronage“ käme in diesem Augenblicke z. B. den „Literaten“ sehr zu statten, die jetzt ebensowohl Banqueroute machen müssen, wie die Epiciers. Die meisten der sonst in Ruhm stehenden Schriftsteller sind ohne Brod, und weil sie nicht das Glück haben, von einer mächtigen Familie protegirt zu werden, wie Donné, und Stellen u. s. w. zu erhalten, auch in den Nationalwerkstätten keine Beschäftigung mehr erhalten, bleibt ihnen weiter nichts als das Pflaster übrig.
Hr. Girardin hat eine Broschüre geschrieben: Journal eines Journalisten in einsamer Haft. In einem Briefe, den er an die Journalisten richtet, sagt er, daß die Broschüre deshalb noch nicht erschienen sei, weil man fürchtete, daß am 14., dem Jahrestage der Stürmung der Bastille, neue Unruhen ausbrechen könnten, und da man einmal seiner Feder eine Wichtigkeit beigemessen, so habe er es für nöthig erachtet, die Veröffentlichung dieser Broschüre noch zu verschieben. Dieser Brief trägt die Unterschrift: „Brüderlichkeit! Girardin.“
Man weiß, daß die Franzosen eine eigene Graziösität besitzen, ihre Briefe zu enden. Jetzt aber sind die agreez monsieur, das heißt, die Genehmigungen der Hochachtung u. s. w. längst verschollen. Vor der Februarrevolution gab es nur noch Versicherungen von devouement u. s. w. Dann aber trat die Formel ein: „Gruß und Freundschaft und Brüderlichkeit.“ Seit den Juniereignissen endigen alle Briefe ganz lakonisch mit „Brüderlichkeit. Cavaignac, Thiers, oder jeder andere beliebige Name.“
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@facs0235
[*] Paris, 13. Juli.
Die Patrie giebt aus „officieller Quelle“ eine Berichtigung des Avenir National über die Nachricht von einer Verschwörung, welche an einem Tage dieser Woche zum Ausbruch kommen sollte. „Diese ganze Geschichte ist die Ausgeburt eines kranken Hirns. Der Artikel des Avenir National ist jedoch dem Parket überwiesen worden, und wenn wir gut unterrichtet sind, hat der Minister des Inneren die bestimmtesten Instruktionen gegen alle Verbreiter alarmirender Gerüchte ertheilt.“
In Douai scheinen sich die „honetten Republikaner“ durch das Hervortreten des kleinen Thiers bereits wieder unter das Regiment Louis Philipp's zurückversetzt zu glauben. Als im Theater neulich mehrere junge Leute im Zwischenakte die Marseillaise verlangten, gaben die braven Bürger durch Geheul, Zischen und Pfeifen ihren Abscheu gegen das „abgedroschene Lied“ zu erkennen. Einer der Sänger zeigte an, daß er die Marseillaise am Schluß der Vorstellung singen werde; aber der größte Theil des Publikunms verließ das Theater.
‒ Wir lesen im Censeur de Lyon: Man erzählt fortwährend mit den ausführlichsten Details, daß zu Lyon, in den Faubourgs Vaise und Guillotiere ganz neue Guillotinen aufgefunden worden seien. Wir haben Nachforschungen darüber angestellt, und können allerdings Folgendes verbürgen. Man hat an der Thür eines Güterverladers eine große, mit sechs großen Löchern durchstochene Metallplatte gesehen, welche in Stroh verpackt wurde; die Löcher gaben einigen Maulaffen die Vermuthung ein, daß dies ein neues Exekutionsinstrument wäre. Die Platte war indeß nichts Anderes, als die Platte eines Küchenheerdes, wie man solche in allen großen Etablissements sehen kann.
‒ Am 13. Juli Abends war ganz Paris wieder militärisch besetzt. In den Faubourgs St. Antoine und du Temple sollte große Aufregung herrschen. Große Truppenmassen zogen dorthin die Boulevards entlang. Alle Faubourgs sollten die Nacht über besetzt, um halb neun Zapfenstreich geschlagen werden und alle Bürger sich in ihren Häusern halten. Ein Bataillon National-Garde von jeder Legion trat unter die Waffen.
Große Gährung soll in mehreren Faubourgs, besonders St. Marceau und du Roule herrschen. An der Barriére von Monceaux sollen beunruhigende Demonstrationen vorgekommen sein; vor der Barriére bildeten sich Gruppen mit Fahnen. Der 14., Jahrestag des Bastillensturms, soll zu einem neuen Losbruch bestimmt sein.
(Alle diese Gerüchte, welche konservative und reaktionäre Korrespondenzbüreaux verbreiten, sind offenbar von den Agenten des Hrn. Cavaignac selbst ausgestreut um einen Vorwand zur Fortdauer des Belagerungszustandes zu bieten. Mit 80,000 Mann Linie in, und 50,000 Mann um Paris, sollten die Arbeiter an einen neuen Kampf denken!)
‒ Vor einigen Tagen hatte Louis Blanc einen Brief über das Benehmen der provisorischen Regierung gegenüber den Arbeitern an das Journal des Debats gerichtet, den dieses mit bürgerlich-konservativen Glossen veröffentlichte. In Antwort auf diese Glossen schrieb ihm Blanc einen zweiten Brief, den die Debats wieder mit Glossen und mit der Bemerkung veröffentlichen: sie müßten Hrn. Blanc ersuchen, hiermit diese Polemik abzubrechen. Wie sehr der Reaktion der Kamm geschwollen ist! Louis Blanc muß die Debats um die Erlaubniß bitten sich in ihren Spalten zu vertheidigen und muß sich nach zwei Briefen die Aufnahme weiterer Artikel versagen lassen ‒ er, das ehemalige Mitglied der provisorischen Regierung! Ganz wie unter Louis Philipp. Wir geben einige Stellen des Briefs:
„Sie behaupten mit Recht, daß es gefährlich sei, dem Volke Versprechungen zu machen, die man nicht halten könne; aber dieser Vorwurf kann in keiner Weise die Mitglieder der ehemaligen provisorischen Regierung treffen.
„Das Recht auf Arbeit, welches zuerst von der provisorischen Regierung proklamirt, und später im Konstitutions-Entwurfe sanktionirt worden, kann doch wahrhaftig nicht eine jener Versprechungen sein, deren Erfüllungen unmöglich ist. Das hieße ja der modernen Civilisation den Prozeß machen, daß hieße gerade diejenige gesellschaftliche Ordnung in Anklagestand setzen, zu deren Vertheidigung Sie auftreten.
„Wie? In unserer civilisirten Gesellschaft sollte ein Mann, der den guten Willen dazu hat, nicht einmal die Gewißheit haben, im Schweiße seines Angesichtes leben zu können?
„Wie? In der gegenwärtigen gesellschaftlichen Ordnung hieße es das Volk verderblichen, den Bürgerkrieg erzeugenden Illusionen Preis geben, wenn man ihm verspricht, von seiner Arbeit und durch seine Arbeit leben zu können?
Zur Ehre der bereits gewonnenen Fortschritte, zur Ehre aller künftigen Fortschritte, welche der Menschheit noch vorbehalten sind, lassen Sie mich, mein Herr, protestiren gegen einen solchen hoffnungslosen Pessimismus.
Den andern Tag nach der Februarrevolution ist die Garantie der Arbeit dem Volke versprochen worden; dieses war einerseits eine gerechte, andererseits eine nothwendige Maßregel; denn, damit man es ein für alle Mal wisse, es war das Volk mit der Muskete in der Hand, und noch ganz vom Staube der Barrikaden bedeckt, in's Stadthaus gekommen, um diese Garantie der Arbeit zu reklamiren. Die Verweigerung dieser Garantie, abgesehen davon daß sie eine ungerechte Vorenthaltung gewesen wäre, hätte die größten Gefahren nach sich gezogen.
Louis Blanc sucht sich nun durch Citate aus seinen Schriften gegen den Vorwurf zu vertheidigen, als habe er je den Haß gegen die Bourgeoisie gepredigt ‒ was er auch nie gethan hat ‒ und schließt dann.
„Sie sprachen von Doktrinen die statt zur Organisation, gerade zur Desorganisation der Arbeit, zum Untergange der Industrie führen.“ Aber ich frage Sie: sind dann diese Doktrinen heute in Anwendung? Nein, gewiß nicht, denn wir sehen ja gerade das System, das Sie vertheidigen, das System des Antagonismus an der Tagesordnung. Die soziale Krise, in der wir leben, ist gerade die Frucht dieses Systemes, und man will unsere Ideen für einen Zustand verantwortlich machen, der gerade vermieden worden wäre, wenn man unserm Rathe gefolgt hätte.
Lyon, mein Herr, hat zweimal in seinen Mauern einen wahren sozialen Krieg ausbrechen sehen, und zu dieser Zeit waren Doktrinen, Bücher u. s. w., die Sie anklagen, noch gar nicht vorhanden.
Brüderlichkeit! Louis Blanc.
Nationalversammlung. (Sitzung vom 14. Juli.)
Herr Montreuil legt einen Vorschlag wegen Ansiedelung von 20,000 Arbeitern in Algerien vor.
Der Ackerbauminister erklärt auf die Interpellation desselben Repräsentanten, daß er die Ackerbaukolonieen seines Vorgängers Flocon ausführen werde. Er errichte zu diesem Zwecke Ackerbauschulen, lasse Vicinalwege vollenden u. s. w.
An der Tagesordnung ist der Dekretentwurf über die Arbeiter-Associationen zur Uebernahme öffentlicher Arbeiten.
Hr. Luneau: Ein Dekret wie dieses, das die ganze Vergantungs-Gesetzgebung umwirft, kann nicht in Abwesenheit des Ministers der öffentlichen Arbeiten diskutirt werden. Das Dekret ist weder der Brücken- und Straßenbau-Verwaltung, noch dem Staatsrath mitgetheilt; die Mitglieder des Komité's der öffentlichen Arbeiten haben es nicht studirt, glauben nicht an seine Wirksamkeit. Ich verlange die Vertagung der Diskussion.
Hr. Stourm: Der Entwurf ist schon 2 Monate alt; seit 2 Monaten wird er im Komité studirt. Der Minister hat ihn adoptirt. Er ist von der höchsten Dringlichkeit.
Die Vertagung wird verworfen, die allgemeine Diskussion eröffnet.
Hr. Besnard: Der Entwurf zerstört alle nöthigen Garantieen bei Akkordarbeiten. Er wirft unsere ganze Gesetzgebung über öffentliche Arbeiten über den Haufen. Wenn diese Arbeiten schlecht gemacht oder mitten in der Ausführung verlassen werden, welche Zwangsmittel bleiben der Regierung gegen eine Anzahl Arbeiter, die keine Kaution gestellt haben? Dies neue System ist unausführbar. Die Vortheile, die es den Arbeitern geben soll, sind mehr illusorisch als wirklich.
Hr. Brunet: Die freiwilligen Arbeiter-Associationen sind das beste Mittel, wodurch den Arbeitern geholfen werden kann. Dies ist heutzutage anerkannt. Wir müssen diese Association begünstigen, wir können es nur auf die im Dekret vorgeschlagene Weise.
Hr. Fournagron: Die Absicht des Dekrets ist gut, seiner Form nach ist es aber unausführbar.
Hr. Corbon führt 2 Arbeitergesellschaften an, die in Paris bestanden und Arbeiten von großer Vollkommenheit geliefert haben. So in der Typographie.
Hr. Luneau: Ich will die Arbeiter-Associationen nicht von den öffentlichen Akkordarbeiten ausschließen. Nur sollen sie nicht Regel werden, besonders jetzt, wo das System der Arbeitergesellschaften noch in der Kindheit ist. Man überweise den Entwurf dem Minister, damit er ihn mit der bestehenden Gesetzgebung in Einklang bringe.
Hr. Paulin Gillon: Die Arbeitergesellschaften können auch Garantieen bieten. Sie können Syndiken ernennen, an die man sich immer halten kann. Die angefangenen Arbeiten selbst sind schon eine Garantie, ebenso die Werkzeuge der Arbeiter. Was den Mangel der Kautionen betrifft, so wird man ihn ersetzen, indem man den Arbeitern gerade wie den großen Unternehmern 1/10 des Verdienstes vorenthält.
Hr. Besnard schlägt als Amendement vor: Der Minister der öffentlichen Arbeiten ist autorisirt, den Arbeiterassociationen öffentliche Arbeiten in Akkord zu geben. Ein Verwaltungsreglement wird die Art der betreffenden Arbeiten, die Form und die Bedingungen der Verakkordirung oder Konzession festsetzen.
Der Minister der öffentlichen Arbeiten schließt sich diesem Amendement an. Er wird mit starker Majorität angenommen.
Hr. Flocon verlangt, daß diesem Beschluß der Art. 7 des alten Entwurfs hinzugefügt werde, wodurch die Stellung der Arbeiter unter einander und zum Staate bestimmt wird.
Mehrere Redner sprechen dagegen. Der Berichterstatter über den Entwurf verlangt, daß dieser Vorschlag an die Kommission zurückgehe. Nach einiger Diskussion wird dies durchgesetzt.
Hr. Soleyras fragt den Finanzminister, welche Absichten er in Beziehung auf die Assekuranzgesellschaften habe, und wie er sich zu dem von seinem Vorgänger eingereichten und später zurückgezogenen Expropriationsentwurf der Assekuranzen stellen wolle.
Hr. Goudchaux: Meine Antwort wird kurz sein. Ich erkläre, daß wir den Entwurf in dieser Session nicht wieder vorlegen werden.
Hr. Duclerc, Ex Finanzminister: Diese Antwort ist keine Antwort. Wir wollen wissen, ob der Entwurf blos aufgehoben oder ob er ganz beseitigt ist.
Hr. Goudchaux: Man wirft uns eine Zurückhaltung vor, die wir ‒ die Kammer hat es ohne Zweifel gefühlt ‒ nur aus Rücksicht gegen unsre Vorgänger beobachteten. (Donnernder Beifall.) Man zwingt uns, sie aufzugeben, und so erkläre ich ohne Anstand, obwohl ich meine Kollegen nicht habe befragen können, daß diese beiden Gesetzentwürfe wegen Expropriation der Eisenbahnen und der Assekuranzen während unserer Verwaltung nicht werden wieder aufgenommen werden.
Hr. Duclerc: Ich bin glücklich dem Hrn. Minister Gelegenheit zu einer rückhaltlosen Erklärung gegeben zu haben. Jetzt wird man über seine Revolutionen im Klaren sein. (Murren.) Vielleicht wäre es jedoch besser gewesen, man hätte sie etwas früher kennen gelernt. (Murren.)
Ein Dekret wegen Kumulationen zu Gunsten ehemaliger Militärs wird besprochen, worauf die Versammlung sich als geheimes Comité konstituirt.
Großbritannien.
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@facs0235
[*] London, 14. Juli.
Trotz dem daß die Bill zum Schutze der Frauen, welche der Bischof von Oxford dem Oberhause vorlegte, erst vor einigen Tagen als unausführbar verworfen wurde, brachte Lord Brougham gestern eine durchaus ähnliche Maßregel in das Oberhaus und beantragte für nächsten Dienstag die zweite Lesung. Im Unterhause gab Lord John Russell die Umrisse einer Bill, welche er zur bessern Unterdrückung der bei den Wahlen verfallenden Bestechungen dem Hause vorzulegen gedenkt. Sir J. Haumer brachte bereits denselben Gegenstand zur Sprache, ohne indeß große Fortschritte mit seinen Vorschlägen zu machen, da sich das Unterhaus zwar nicht abgeneigt zeigte, die Sache überhaupt einmal zu debattiren, jedenfalls aber ziemlich gleichgültig dabei blieb. Lord John Russell, hat nun die Bill in seine Hände genommen, und man kann wohl sagen, daß er sich einer wahrhaft kolossalen Arbeit unterzieht, wenn man bedenkt, daß es von allen Parlamentsmitgliedern, wie es neulich gerade zugestanden wurde, wohl kaum zwanzig giebt, die aus den Zeiten ihrer Wahl nicht eine mehr oder minder erbauliche Bestechungs- und Korruptions-Geschichte zu erzählen haben. „Jeder giebt zu, sagt die Times in Betreff dieser Angelegenheit, daß etwas geschehen muß. Moralität und Klugheit, Indignation und Furcht, der gute Name Englands und die Sicherheit unserer Institutionen, alles vereinigt sich, um eine radikale Heilung dieser Krebsschäden zu fordern. Seit einem Jahrhundert ist das Bestechen der Fluch und die Schande Englands gewesen.
Wenigstens einmal alle 3 Jahre im Durchschnitt werden 2 bis 3 Mill. Pfd. ausgegeben, um die Leiber und die Seelen einiger 100,000 Wähler zu brutalisiren. Das Gewissen einer jeden Klasse der Gesellschaft, von der ersten bis zur letzten, ist befleckt von der Mitschuld in der niedrigsten Korruption, und wenn wir eine xclusive Gesetzgebung und eine beschränktere Anzahl von Wahlmännern behalten sollen, so müssen sie die Achtung einer eifersüchtigen Majorität zu erringen suchen, indem sie sich ihres Vorrechts würdig zeigen.
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@facs0235
[*] London, 14. Juli.
Die „Times“ gab gestern wieder einen längern Artikel über den Sklavenhandel.
Kapitain Mansell, der vier Jahre lang die an der afrikanischen Küste stationirende britische Flotte kommandirte, ist nämlich vor Kurzem nach England zurückgekehrt und hat dem Komité, welches sich mit der Untersuchung der Wirksamkeit der afrikanischen Blokade beschäftigte, die Eröffnung gemacht, daß es selbst für die ganze britische Marine, geschweige denn für 36 Schiffe, unmöglich sei, den Export von Schwarzen zu verhindern, so lange jenseits des Oceans die Frage nach Sklaven fortdauert, und daß er deswegen das ganze Bestreben, sich dem Sklavenhandel zu widersetzen, als höchst nutzlos und unpraktisch verwerfen müsse. [0236] Man ist daran gewöhnt, die Seeoffiziere über ihren ungesunden Aufenthalt an der afrikanischen Küste und über einen ruhmlosen Kampf mit einigen Sklavenhändlern bitter klagen und schon deswegen ihren Posten jederzeit verwünschen zu hören. Man könnte auch bei Kapitain Mansell diese Privatrücksichten in Anschlag bringen und seine Aussage in etwa bezweifeln, wenn nicht mit ihm zu gleicher Zeit ein Civilist aus Afrika eingetroffen wäre, der nach einem 23jährigen Aufenthalt an der Sklavenküste, die Erklärung des Kapitains als durchaus gegründet, zu beweisen im Stande ist. Hr. Smith zeigt nämlich, daß die enormen Ausgaben des englischen Gouvernement's und alle Opfer von Menschenleben nicht allein durchaus wirkungslos bleiben, sondern daß gerade durch die beständige Wachsamkeit der britischen Flotte doppelte Leiden für die trotz dem versandten Sklaven erwachsen müssen.
Die „Times“ knüpft an diese zwei Aussagen eine Reihe von Betrachtungen; sie erzählt von einem winzig kleinen, 7 Tonnen haltenden Schiffe „Grande ponder de Dios“ dem Anschein nach kaum groß genug, um seinen eignen Steuermann unter dem Deck zu verbergen, welches einst mit 37 lebenden und todten Sklaven an Bord aufgefangen wurde; sie gibt Bericht über den Erfolg einer christlichen Musterkolonie emanzipirter Schwarzer, in der man noch vor Kurzem ein Kind als Opfer schlachtete und erwähnt zum Schluß eines Polizeigesetzes, welches die öffentliche Anbetung von Aligatoren und Schlangen noch mit 10 Shill. Strafe zu belegen für gut fand, indem sie natürlich alle diese Punkte nur als neue Beweise für die erfolglosen Anstrengungen der Unterdrückung des Sklavenhandels und ähnlicher philantropischer Zwecke zu benutzen weiß und die Bemerkung hinzufügt, wie herrlich die enormen Summen, welche man für die Sklaven hinwirft, im Interesse des eignen Landes und der australischen Kolonisation benutzt werden könnten.
Man muß sich mit der Times einverstanden erklären; man muß auch dem Londoner Sklaven-Comité recht geben, wenn es behauptet, daß dem freigegebenen Menschenhandel, dem Freetrade in schwarzem Fleische, wohl nur in den ersten Jahren ein größerer Export folgen wird, und daß wenn einmal die Zufuhr durch die Nachfrage geordnet ist, schließlich wohl nicht mehr Sklaven exportirt würden, als jetzt, wo alle Maßregeln der Briten doch wieder trotz aller Gefahren und Unkosten von den afrikanischen Exporteurs umgangen sind ‒ man muß dies Alles zugeben, aber indem man es zugiebt, kann man sich zugleich einer gewissen Schadenfreude nicht erwehren, diese heuchlerischen Briten, nach jenen unter dem Deckmantel der Philantropie, einst aus kommerziellen Gründen unternommenen Experimenten, schließlich so offen und frei wieder zu der alten ökonomischen Doktrin des „laissez faire, laissez aller“ zurückkehren zu sehen, ja, zurückkehren zu sehen, wo jene kommerziellen Gründe plötzlich als unzureichend erscheinen und die Modifikation der Zucker- und der Rumpreise auch eine Modifikation der britischen Moral erfordert.
Als einst der alte Wilberforce, aus wahrhaft aufrichtiger Begeisterung für des Wohl der Schwarzen auftrat, und die Blüthe der englischen Aristokratie um sich sammelte, da schloß sich ihm auch der Handeltreibende Theil der Bevölkerung an, weil es ihm vortheilhaft erschien, die früher, gleich nützlichen Hausthieren bis an ihr seliges Ende von den Pflanzern unterhaltenen Sclaven in den Haufen der als Maschinen betrachteten untereinander konkurrirenden, und durch das Herabdrücken der Löhne die Produktionskosten verringernden freien Arbeiter gestoßen zu sehn. Selbst eine Summe von 20 Millionen schien nicht zu viel für dieses Experiment, da ja außer den ökonomischen Vortheilen auch noch die Bewundrung der halben Welt über die vermeintlichen philantropischen Anstrengungen der Briten in Anschlag zu bringen war. Als es sich dann aber bald zeigte, daß die Schwarzen aus eignem Antriebe, als freie Arbeiter, ihre Küsten keineswegs so zahlreich verließen, wie man sie früher in Masse als Sklaven, gezwungen ihrem Heimathlande entrissen hatte und als die emancipirten Neger der Kolonien durch das Ausbleiben ihrer schwarzen Brüder das Monopol der Beschäftigung erhielten, und durch steigende Lohnforderungen und verringerte Thätigkeit den Pflanzern nicht im geringsten die Wohlthat der Emancipation vergalten, da nahte zusammen mit den Folgen einer allmähligen Bodenerschöpfung der Westindischen Besitzungen, der unangenehme Augenblick wo man sich zuerst in seinen Berechnungen getäuscht fand und sich vergebens nach einem Redressiren des so traurig ausgefallenen philantropischen Experimentes umsah.
Doch noch schlimmer sollte die Verwicklung werden. Man hatte sich selbst die Zufuhr der Arbeiter abgeschnitten und wie wir sahen, konnte man sie doch Andern nicht unmöglich machen. Ein neuer Unfall. Alles wäre indeß noch zu ertragen gewesen, wenn nicht schließlich die Herabsetzung der Zuckerzölle und die dadurch begünstigte Konkurrenz des mit Sklavenarbeit produzirten brasilianischen und amerikanischen Zuckers, dem ganzen Konflikte die Krone aufgesetzt hätte. Die englischen Pflanzer sahen sich plötzlich in der bedauerlichsten Lage. Die 20 Millionen, welche man ihnen für die Emancipation bezahlt hatte, waren für Vorschüsse allmählig wieder in die Kassen der Londoner Banquiers zurückgeflossen. Die Zufuhr der Arbeiter stockte; bei den Arbeitern der Kolonieen wollten sich die Konsequenzen der freien Konkurrenz nicht geltend machen; ein lange benutzter Boden verlieh nicht mehr die Vortheile welche der amerikanische Kontinent mit sich brachte und nun schließlich noch während der größesten Geldkrisis, die Aenderung eines Zollsatzes, der für den westindischen Pflanzer bisher der einzige Anker der Rettung gewesen war ‒ es konnte nicht fehlen, man mußte die letzten Illusionen fahren lassen, man mußte der letzten Heuchelei Lebewohl sagen und jenen allgemeinen Schrei gegen die Afrikanische Blokade beginnen, den wir eben jetzt bei dem Londoner Komité so kräftig vertreten finden.
Wozu eine philantropische Komödie die nicht nur von keinem Nutzen ist sondern die außer den vielen Millionen, die man dafür hinwarf, auch noch durch das Aufrechterhalten einer enormen Blokade, täglich neue kolossale Ausgaben nach sich zieht? Die Menschenfreundlichkeit, die Sklavenbegeistrung hat ihre Gränzen ‒ selbst bei den Briten!
Freier Handel in Rum, Korn und Zucker. Freier Handel in Menschenfleisch! ‒ Wir müssen abwarten, durch welche moralische Phrasen die großen Redner des Parlamentes ihre mehr oder mindere Rückkehr zu dem alten Systeme motiviren werden.
Handels-Nachrichten.
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Frucht- und Fourage-Preise vom 1. bis 15. Juli 1848.
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Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
13. Juli. Joh., S. Christ. Werner, Karrenb., Follerstr. ‒ Heinr. Georg, S. v. Arn. Rudg. Laurentz, Bierbr., Mühlenb. ‒ Anna, T. v. Friedr. Wilh. Schmitz, Kostg. ‒ Muria Anna, T. v. Friedrich Jos. Porcher, Bildh., gr. Griechenm. ‒ Joh., S. v. Joh. Schaefer, Tagl., Weiherstr. ‒ Anna Maria, T. v. Wilh. Mergler, Tischlerm, Eulengarteng. ‒ Kath. Elis., T. v. Julius Mosche, Schreiber der Gewehr-Revisions-Kommission, Breitstr. ‒ Herm. Jos., S. v. Anton Deuster, Schlosserm., Weberstr. ‒ Drei uneheliche Mädchen
14. Juli. Heinr. Kasp. Jos., S. v. Heinrich Joseph Herweg, Goldarb., Johannstr. ‒ Kath. Josepha, T. v. Kasp. Clemens, Gastw, Kostg. ‒ Mich., S. v. Mich. Fritzen, Gärtn., Severinsw. ‒ Marg. Josepha, T. v. Kaspar Heinr. Könker, Eisenbahnangest., Kahlenhausen. Karl Franz, S. v. Karl Jos. Tenta, Haupt-Steuer-Amtsassistent, Plankg. ‒ Helena, T. v. Gottfr. Nideggen, Schuhm., Thieboldg.
Sterbefälle.
13. Kath. Renkel, 49 J. alt, unverh., Bayenst. ‒ Thom. Rem. Nik. Ferd. Kallscheuer, 12 J. alt, Waiseng. Franz Pelerin, ohne Gew., sonst Bäcker, 79 J. alt,. Wwr., Breitstr. ‒ Ludw. Steegmaeger, 7 M. alt, Sachsenhausen. ‒ Franz Schiefer, 4 M. alt, Weideng. ‒ Magd. Braun, 11/2 Jahr alt, Marspforteng.. ‒ Bened. Schütz, 8 Tage alt, gr. Spitzengasse. ‒ Lamb. Dorp, 8 M. alt, Schemmerg. ‒ Franc. Zeller, 4 J. alt, Rothenberg. ‒ Agn. Herzogenrath, 49 J. alt, unverh., Klingelp.
14. Juli. Clara Hünninghausen, Wwe. Müller, 58 J. alt, Apostelnkl. ‒ Josepha Mirbach, 10 M. alt, Maxim nstr. ‒ Adolph Grützenbach, Priester und ehemals Mitglied des Franziskanerklosters in Paderborn, 56 J. alt, Severinstr. ‒ Wilh. Hund. Musk. im 28. Reg., 21 J. alt, unverh., Garn.-Laz.
Heirathen.
13. Juli. Fried. Karl Aug. Jos. Zündorff, Rendant der Kölner Feuerversicherungsges., Wwr., von Geilenkirchen und A. Kath. Jos Hubert. Hartmann, v. Mülheim a. Rhein.
Heirathsankündigungen.
16. Juli. Gust. Herm. Eduard Samuel Weichold, Schuster, Ursulastr. mit Marg. Schneider, Eulengarteng. Franz Mich. Kloth, Eisenbahngüter-Begl. zu Brüssel mit Franz. Schützendorf, Ursulastr. ‒ Abraham Louis Ducommun, Extrapost-Wagenm., Glockeng. mit Friederica Karol. Louise Krüger zu Berlin. ‒ Jos. Ditgen, Fuhrmann, zu Neuß mit Klara Greven, Plankg. ‒ Johann Ant. Bleeser, Schreinerges., Thieboldsg. mit Anna Maria Banz, Ehrenstr. ‒ Friedr. Beckers, Schneider, mit Gert. Sassen, beide Fischmarkt. ‒ Christ. Welter, Schreiner, kr. Büchel mit Elis. Floß, Trankg. ‒ Karl Ernst Kohlhauer, Prem.-Lieut. in der 7. Art.-Brig a. D. zu Braunfels mit Wilh. Fried. Auguste Birnbaum, Marzellenstr. Franz Ant. Pet. Bachem, Wwr. Eisengießer, Severinst, mit Maria Jos. Heep, Josephstr. ‒ Wilh. Jos. Hub. Oberbach, Hutmacher, unter Goldschm., mit Gertrud Schäffer, Maximinstr. ‒ Eberh. Nuß, Wwr., Papparb., Stolkgasse, mit Elis. Hagen, Ursulakl. ‒ Aug. Bern. Boisseree, kön. Landgerichtsrath, früher zu Frankenplatz, seit Kurzem zu Cleve, mit Wilh. Elis. Becken zu Elberfeld. ‒ Georg Kolten, Kutscher, zu Köln, mit Getrud Fehr, zu Poll wohnhaft. ‒ Ludwig Gerhard Johann Sprenger, Kaufm. zu Köln und Barb. Elis. Feldmann zu Solingen wohnhaft. ‒ Philipp Mart. Jos. Lehn, Schuster, Mühlenbach, mit Kath. Grep, früher zu Frankfurt, seit Kurzem Mülenbach. ‒ Adam Fluß, Wwer., Zimmerm., mit Gert. Esch, beide Holzg. ‒ Laur. Timp, Schreinerm., Weideng., mit Maria Anna Bernickel, Domstraße. ‒ Jos. Mies, Bandagist und Maria Fried. Gert. Greven, beide Herzogstr. ‒ Joh. Wilh. Lückenbach, Büchsenm, Wwr, Friesenstr. und Anna Maria Den eler, zu Bochem. ‒ Jos. Decker, Leimsieder, kl. Griechenm. und Gert. Gundorff, Weingarteng. ‒ Karl Fried. Hausemann, Rothgerber, zu Rheidt und Aug. Joh. Maria Theod. Engelb. Basse, Brückenstr. ‒ Andr. Löhr, Hausknecht zu Deutz und Anna Maria Menden, Fried.-Wilh.-Straße.
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Schiffahrts-Anzeige. Köln, 16. Juli 1848.
Abgefahren: G. Weidner nach Koblenz; M. Zens nach der Saar; W. Pesch nach Wesel.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Wwe. Jak. Schaaff; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr Joh. Budberg; nach Andernach und Neuwied M. Pera; nach Koblenz und der Mosel und Saar D. Schlägel; nach der Mosel, nach Trier und der Saar N. Bayer; nach Bingen Wb. Jonas; nach Mainz Val. Pfaff; nach dem Niedermain Fr. Gerling; nach dem Mittel- und Obermain C. Hegewein; nach Heilbronn Fr. Schmidt; nach Kannstadt und Stuttgart L. Hermanns; nach Worms und Mannheim W. C. Müller; nach Antwerpen M. Lamers.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Singendonk, Köln Nr. 10.
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Wilson, Köln Nr. 1.
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Wasserstand.
Köln, am 16 Juli. Rheinhöhe 9′ 1″.
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Der seit dem 17. Mai v. J. wieder eröffnete große Viehmarkt hierselbst hat durch seine seitdem fortwährend gestiegene Frequenz den Beweis geliefert, daß derselbe, sowohl in Rücksicht auf den eigenen Bedarf der Stadt Köln, als auch auf die Lage der Letzteren im Mittelpunkte der Provinz, als ein dringendes Bedürfniß angesehen werden muß. Wegen der Permanenz dieses Mark tes an jedem Montage des ganzen Jahres ist die Feststellung eines besondern Termines zum Beginne der Waidviehmärkte nicht erforderlich; daher die niederländischen Kaufleute zum Bezuge desselben mit Waidvieh unter dem Bemerken hierdurch eingeladen werden, daß für alle Bequemlichkeiten des Handelsstandes gesorgt ist.
Köln, den 12. Juli 1848 Das Ober-Bürgermeister-Amt.
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Amtliche Bekanntmachung.
Mit Bezugnahme auf die diesseitige Bekanntmachung vom 12. d. M., wird hiermit zur Kenntniß des betreffenden, handeltreibenden Publikums gebracht, daß der Gemeinderath für den, am ersten Montage im Monat Oktober d. J. hier statt findenden großen Waidviehmarkt, folgende Prämien für niederländische Viehhändler bewilligt hat, nämlich:
1) für denjenigen, welcher den besten Ochsen zum hiesigen Markte bringt, 100 Thaler,
2) für denjenigen, welcher den zweitbesten Ochsen zum hiesigen Markte bringt, 50 Thaler,
3) für denjenigen, welcher die beste Kuh zum hiesigen Markte bringt, 50 Thlr.,
4) für denjenigen, welcher die beste Verse zu Markte bringt, 30 Thaler, und
5) für denjenigen, welcher das meiste Waidvieh zum hiesigen Markte bringt, 20 Thaler.
Die Beurtheilung des Viehes, resp. die Zuerkennung der Prämien, wird durch die für den hiesigen großen Viehmarkt bestehende Metzgerdeputation erfolgen.
Köln, den 15. Juli 1848.
Der königl. Oberbürgermeister, Steinberger.
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Die Gläubiger des Falliments des in Köln wohnenden Weißgerbers Ign. Jos. Eichholz werden hierdurch ersucht, sich zu dem im 3. Buche 1. Titel 8. Kapitel des Handelsgesetzbuchs ausgedrückten Zwecke am 20. l. M., Vormittags 11 Uhr, im Lokale des königl. Handelsgerichts dahier zu versammeln.
Köln, den 16. Juli 1848.
Der provisor. Syndik, Schneider II, Advokat.
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In der Expedition der Neuen Rheinischen Zeitung ist zu haben: Manifest der Contrerevolution. Auszug aus Nr. 43 der Neuen Rheinischen Zeitung. Preis 1 Sgr.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Montag, den 17. Juli 1848, Vormittags 9 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Waidmarkte zu Köln zwei braune Pferde dem Meist- und Letztbietenden, gegen baare Zahlung verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher Gassen.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Dienstag, den 18. Juli 1848, Morgens 9 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Waidmarkte zu Köln verschiedene Mobilargegenstände, als: Tische, Stühle, Schränke, Kommoden, Oefen, Schreibpulte, eine Ladentheke, eine Bettstelle mit Bettzeug u. s. w. dem Meist- und Letztbietenden gegen baare Zahlung öffentlich ver kaufen.
Der Gerichtsvollzieher, Gassen.
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Mailust in Deutz.
Daß die Säle im Hause, woraus man die herrlichste Aussicht genießt, so weit fertig sind, daß ich nunmehro meine verehrten Gäste auch bei ungünstiger Witterung bewirthen kann, zeigt ergebenst an.
Joseph Kost.
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Die Eröffnung meiner Kaffeestube beehre ich meinen Freunden und Gönnern hiermit ergebenst anzuzeigen, und empfehle zugleich nochmals meine seit mehreren Jahren bestandene Conditorei durch Verabfolgung guter reingehaltener Weine (in großen Flaschen) aller kalter und warmer Getränke, gutes Backwerk, prompte und reelle Bedienung werde ich mein neues Geschäft ebenfalls zu empfehlen suchen, und bitte um geneigten Zuspruch.
J. P. J. Brandenburg, Conditor, Mathiasstraße Nr. 13.
Köln, den 15. Juli 1848.
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Gefrornes verschiedener Gattungen.
In dem Besitze einer neuen Maschine, welche durch mechanische Vorrichtung jede Viertelstunde zwei verschiedene Sorten Eis liefert, was viel feiner und geschmackvoller wie das auf der bisherigen Weise erzielte ist, bin ich in den Stand gesetzt, allen Anforderungen sowohl in Qualität als Schnelligkeit zu entsprechen und den Preis à Portion in und außer dem Hause von 4 auf 3 Sgr. herunter zu setzen.
Täglich wird Vanill-, Himbeeren-, Johannis- und Citron-Eis bei mir angefertigt.
Franz Stollwerck im Deutschen Kaffeehause.
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Berlin, 12. Juli 1848, geschrieben in der Sitzung, wo Hr. Dr. Jacoby's Antrag mit Majorität verworfen wurde. Wäre eine Bitte von mir nicht an der Zeit zu berücksichtigen, wenn eine Nationalversammlung beschließen würde, daß alle Redner, welche keine starke Aussprache hätten, zuerst sprechen dürften, denn wie manche schöne Rede wird übertönt mit Gepolter und weil man schon die Abstimmung gern wünscht ‒ und kommen noch 6 bis 8 Redner nach diesen und haben schöne Aussprache, so ist alles Ohr ‒ also um nun nicht die Mitglieder abzuschrecken, welche keine helltönende Stimme haben, was viel darin ausmacht ‒ so verwerfen Sie meine Ansicht nicht.
Der wohlmeinende Kölner Bürger Schlechter, seit dem 24. v. M. in Berlin.
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Eine große Auswahl von Häusern sind zu billigen Preisen zu verkaufen und zu vermiethen. Kapitalien gegen erste Hypotheke werden gesucht. Näheres bei J. P. Spendeck, gr. Neugasse 18.
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Das wohl assortirte Lager von echtem Eau de Cologne eigener Fabrik, empfehlen zu den billigsten Preisen, J. P. Spendeck & Comp. in Köln, große Neugasse Nr. 18 nahe beim Dom und Altenmarkt.
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Mailust in Deutz.
Dem allgemeinen Wunsche meiner verehrten Gäste bei Eröffnung meiner Wirthschaft nachkommend, da meine Anlage hinlänglich Raum und eine zu schöne Lage dazu darbietet, habe ich sofort Einrichtung getroffen und Anschaffungen gemacht, neben meiner Wein- und Kaffee-Wirthschaft, verbunden mit einer Oberrheinischen Restauration, auch eine Bairische Bierwirthschaft mit ausgezeichnetem Felsenbier, zu errichten, und habe dieselbe am 18. v. M. eröffnet, wozu höflichst einladet Joseph Kost.
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Gasthof zum deutschen Reichsverweser und Restauration zum großen Schoppen.
Einem geehrten in- und auswärtigen Publikum beehre ich mich die Eröffnung meiner Gastwirthschaft und Restauration auf Samstag den 19. d. Mts. anzuzeigen.
Köln, den 13 Juli 1848. Louis Kertell, große Neugasse Nro. 36.
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Samstag, den 19. d. Mts, Mittags 5 Uhr, Eröffnung meiner Kegelbahn.
Köln, den 13. Juli 1848.
Louis Kertell, große Neugasse Nro. 36.
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Große Neugasse Nr. 36.
Schmackhaft zubereitete der Saison angemessene Speisen und vorzügliche Weine billigst bei Louis Kertell, im großen neuen Schoppen.
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Das Haus auf dem Altenmarkt Nr. 40 ist aus freier Hand zu verkaufen. Nachricht große Sandkaul Nr. 26.
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Ein schwarz und weiß geflecktes Wachtelhündchen, auf den Namen „Betty“ hörend, mit rothem Halsbändchen, ist entlaufen. Dem Wiederbringer eine sehr gute Belohnung. Pantaleonstraße Nr. 15.
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Gediegene Vorstellungen, Bittschriften, Briefe, Zeitungs-Inserate, überhaupt alle schriftlichen Aufsätze, werden abgefaßt, sowie Gemeinde-, Armen-, Kirchen- und andere Rechnungen angefertigt, Vormittags Kasinostraße Nr. 8, Nachmittags Ulrich- (Eulen-) Gasse Nr. 26.
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Herrnkleider werden gewaschen u. repar. Herzogstr. 11.
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Neues Schwarzbrod ist zu haben bei Bäckermeister Adam Starck, Lyskirchen Nr. 2.
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Zum Klavierstimmen und Repariren aller Seiteninstrumente empfiehlt sich K. B. Mayr, St. Apernstraße 57.
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Frische Rheinfische sind zu den billigsten Preisen zu haben bei Joh. Lülsdorff, Lindgasse 21.
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Apfelsinen, billig und schön. St. Agatha 25.
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Ein erfahrner Zuschneider, welcher deutsch, französisch und englisch spricht, sucht eine Stelle. Die Expedition sagt wo.
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Ein Schreiber sucht Beschäftigung, sei es auch für halbe Tage oder stundenweise. Weingartengasse Nr. 6.
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Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.