[0237]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No. 48. Köln, Dienstag 18. Juli 1848.
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Uebersicht.
Deutschland. Köln (die Vereinbarungsdebatte über den Jacobyschen Antrag). Düsseldorf (Bürgerverein). Berlin (der Staatsschatz. ‒ Die Bank und die Chatulle. ‒ Verurtheilung im Zeughausprozeß. ‒ Anklage gegen den demokratischen Klub. ‒ Gerüchte. ‒ Preßprozeß in Posen. ‒ Gesetzentwurf wegen Branntwein- und Rübenzucker-Steuererhöhung.) Stettin (Wrangel). Königsberg (Rosenkranz nach Berlin). Frankfurt (Nationalversammlung vom 15. Juli. ‒ Verbot der demokratischen Vereine in Würtemberg). Wiesbaden (die Bauern). Mainz (Verhaftung). München (Krawall). Braunschweig (die schleswigschen Waffenstillstandsbedingungen). Apenrade (Protest gegen den Waffenstillstand). Prag (über die letzten Ereignisse. ‒ Hawljceks Verhaftung). Wien (Reichstag). Dalmatiner Gränze (Türkische Rüstungen).
Italien. Turin (Kammer. ‒ Anzianis Bestattung. ‒ Gioberti. ‒ Die Piemontesen über den Po gegangen). Bozzolo (vom Kriegsschauplatze). Roverbella (Gefecht bei Bordolino). Venedig (Anschlußdekret.) Florenz (Pater Gavazzi ausgewiesen). Rom (Durando angekommen. ‒ Mamiani's Erklärungen wegen Vicenza). Neapel (Angriff auf einen Deputirten. ‒ Calabresische Nachrichten. ‒ Schweizer Abgesandte).
Ungarn. Pesth (Treffen bei Takmerin).
Donaufürstenthümer. Jassy (Einmarsch der Russen und Türken).
Französische Republik. Paris (Thiers und Dupin in den Bureaus über Presse und Klubs. ‒ Favres Vorschlag der Einziehung der Güter der Familie Orleans. ‒ Die Reforme über die Alarmgerüchte. ‒ Vermischtes). Straßburg (Erklärung der Arbeiter).
Großbritannien. (Unterhaus. ‒ Die Times über Ungarn und die Donauländer. ‒ Feargus O'Connor an seine Landsleute.) Dublin. (Neue Verhaftungen. ‒ Revue der Corker Clubs. ‒ Das Andenken an die Schlacht am Boyne.)
Deutschland.
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Edition: [Friedrich Engels: Die Debatte über den Jacobyschen Antrag. In: MEGA2 I/7. S. 341.]
[**] Köln, 17. Juli.
(Die Debatte über den Jacobyschen Antrag.)
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[125] Düsseldorf, 15. Juli.
Wir haben jetzt auch einen Bürgerverein, der indeß schon etwas gebildeter ist, als andre seines Gleichen. Er will sogar die Gleichheit, er verzichtet entschieden auf alle ständischen Unterschiede. Wir wohnten neulich einer Sitzung bei. Wir fanden in dieser vortrefflichen Gesellschaft die ganze schöne Mannichfaltigkeit der Stände im ex-christlich-monarchischen Staat (den diese Herren jetzt in den demokratisch-monarchischen umwandeln wollen, zu welchem Zwecke sie eine „Vermischung“ der Stände anbahnen) vom kommandirenden General hinab bis auf den gemeinsten Soldaten, zwei volksfreundliche Prinzen, die ganze Gerichtsbehörde, 6 Herren Gensd'armen, Laquaien und Lohnbediente, Justizräthe, Advokaten und Spießbürger. Eine Adresse an die Nationalversammlung in Frankfurt wird berathen, in der die hohe Freude über die Wahl des Reichsverwesers ausgesprochen wird, gegenüber der „blind auf den Umsturz alles Bestehenden sinnenden Partei,“ die in einer andern Adresse die Majoritat des Parlaments „Volksverräther“ genannt hatte (Volksklub).
Der Oberprokurator Schnaase bildet sich ein, er sei im Parquet ‒ denn er hält eine förmliche Anklagerede gegen den „Volksklub“, plaidirt über die Straffälligkeit seiner Mitglieder und deduzirt folgendes: Volksverrath ist gleich Hochverrath, und dieser wird mit dem Tode bestraft. Wer aber die majestas populi antastet, und das Parlament in Frankfurt repräsentirt dieselbe, wer diese Volksvertreter Volksverräther-Hochverräther nennt, also ihnen den Tod dekretirt, ist selbst Volksverräther-Hochverräther, und verdient also selbst den Tod. Um diesen scharfsinnigen Schluß herauszucalculiren, muß der fürstenfreundliche Mann zu einem Satze seine Zuflucht nehmen, der sich seiner loyalen Seele gewiß nur unter tiefen Wehen entrang. Die höchste Majestät in Deutschland ist nämlich jetzt das Parlament in Frankfurt, also höher, als die des Königs von Preußen! Die Laquaien und Untergebenen stimmten natürlich für den „Fürsten“ ‒ und die Adresse wird mit einiger Majorität angenommen. Schließlich wird der Anschluß des Bürgervereins an alle gleichgesinnten Vereine resp. an den der „alten Krieger“ in Dortmund mitgetheilt. Mit Gott für König und Vaterland!
Die Untersuchung gegen Hrn. Julius Wulff dauert noch fort. Die Artikel 102 und 293 des Code sollen gegen ihn geltend gemacht werden ‒ die Bestimmungen über aufreizende Reden in „unerlaubten“ Versammlungen, sowie über Hochverrath, Verheerung, Plünderung etc.
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[103] Berlin, 14. Juli.
Mit den Erläuterungen, welche der Finanzminister Hansemann in seiner Denkschrift zu den Finanzvorlagen, über den Staatsschatz gegeben hat, ist man hier keinesfalls zufrieden Nach diesen Angaben sind von 1820 ‒ 1840, also in zwanzig Jahren zusammen 24 Millionen in den Staatsschatz gelegt worden. Da würde auf jedes Jahr im Durchschnitt kaum 1 1/4 Million herauskommen. Dagegen ist aber allgemein bekannt, daß im Laufe dieser Jahre, die Ueberschüsse der Einnahme gegen die Voranschläge oft die Summe von 4 bis 6 Millionen jährlich erreicht. Wo sind diese Summen hingekommen? Man glaubt, daß nicht mehr in den Staatsschatz eingelegt worden ist, aber man will auch wissen, wo die andern großen Summen geblieben sind. Man fordert Rechenschaft, woher der Kronschatz gebildet ist und glaubt allgemein, daß er aus Einnahmen entstanden, die nicht Privateigenthum der Krone waren.
Man fragt auch wie es möglich ist, daß man der Bank im Jahre 1846 aus dem Staatsschatz 2 Millionen zuschießen mußte. Man war schon 1846 allgemein erstaunt, daß die Bank kein eigenes Vermögen besessen; aber noch mehr erstaunt man jetzt, daß die Bank sogar ein Deficit von 2 Millionen gehabt. Die Bank hatte in einer Reihe von dreißig Friedensjahren die besten Geschäfte gemacht, nimmt man nur an, daß sie jedes Jahr so viel wie 1847 verdient hat, wo sie einen Reingewinn von circa 1/2 Million hatte, so hätte sich doch in den 30 Jahren ein Kapital von wenigstens 15 Millionen ansammeln müssen. Wo sind diese 15 Millionen geblieben? In den Einnahme-Rubriken des Haupt-Staats-Etat hat man früher nie die Ueberschüsse der Bank gefunden. Nehmen wir an, daß diese in die Privat-Schatulle des Königs flossen, so hätte aber auch der König den sich 1846 herausstellenden Verlust tragen müssen. Da aber der Staat verpflichtet war, diesen Verlust zu decken, der jedenfalls nur dadurch entstanden sein konnte, daß die Bank 2 Millionen Thaler mehr, als sie wirklich verdient hatte, der Privat-Schatulle auszahlen ließ, so kann der Staat mit Recht auch die Rücklieferung des ganzen frühern Verdienstes der Bank, nebst Zinsen, von der Privat-Schatulle verlangen.
Der Zeughausprozeß naht sich seinem Ende. Die Zeugenvernehmungen sind geschlossen und obgleich durch viele Entlastungszeugen einstimmig viele Anklagepunkte entkräftet wurden, hielt der Staatsanwalt dennoch seine ganze Anklage aufrecht. Er trug, nach seinem Plaidoyer, welches keinesfalls den Beifall des außerordentlich zahlreich anwesenden Publikums erhielt, auf 6 Jahre Festungsstrafe für Urban, 8 Jahre für Korn und Löwinson und 10 Jahre für Sigerist an; außerdem für alle vier Angeklagten den Verlust der Nationalkokarde, wegen Mangel an patriotischen Gesinnngen. ‒ Die Vertheidiger hielten heute Nachmittag ihre glänzenden Vertheidigungsreden; der letzte hat noch nicht geendet.
Nachschrift. Das Urtheil ist heute schon gefällt. Die Richter entschieden sich nach kurzer Berathung. Urban ist zu einem Jahr, Löwinson zu zwei Jahren, Korn und Sigerist, jederzu sieben Jahren Festung verurtheilt.
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[103] Berlin, 15. Juli.
Der demokratische Klub ist vor den Untersuchungsrichter des Kammergerichts geladen. Da aber der demokratische Klub nicht erscheinen kann, so hat sich der Untersuchungsrichter, Kammergerichtsrath Sethe, das Vergnügen gemacht, dem Präsident des Klubs, Assessor Schramm, einen Besuch abzustatten und ihm die Anklage mitzutheilen. Sie gehet vom Magistrat aus, mit dem der demokratische Klub bekanntlich vor einigen Wochen einen Krieg durch Plakate an den Straßenecken führte. Von diesen Plakaten hat der Magistrat jetzt vier Stück zur Begründung einer Anklage dem Kammergericht eingesandt. Sie wären im Stande, die größten Störungen und Unruhen hervorzubringen; außer der schweren Beleidigung des Magistrats, die sie enthalten, ist die Absicht klar, durch frechen und unehrerbietigen Tadel Mißvergnügen und Unzufriedenheit gegen die Obrigkeit zu erregen. Der Magistrat will diese Vergehen nach § 151, §§ 615 f. f. in Verbindung mit § 208, Titel 20, Theil II des allgemeinen Landrechts bestraft wissen. ‒ Wir sind neugierig, wie sich unsere Kammergerichtsräthe bei diesem Prozeß benehmen werden. Der Klub besteht aus mehr als 1400 Mitgliedern, mit deren Bewilligung die Plakate entworfen und veröffentlich wurden.
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[15] Berlin, 15. Juli.
Es sind seit einigen Tagen seltsame Gerüchte in der Stadt verbreitet, Gerüchte, deren Begründung ich zwar bezweifle, die ich aber doch glaube, Ihnen berichten zu mussen. Es heißt nämlich, am Montage wolle die Reaktion einen großen Schlag ausführen, unsre fliegenden Korps auflösen und entwaffnen, Berlin mit Militär vollpfropfen und in Belagerungszustand erklären. Ein Soldat hat aus Potsdam an seine hiesigen Verwandten geschrieben, und denselben angerathen, sich für längere Zeit mit Mundvorrath zu versehen. Dazu ist Berlin so ruhig und sittsam, benimmt sich, trotz der 25,000 Mann Militär, die man theils in die Stadt, theils in die nächste Umgebung derselben gebracht, trotz der angedrohten Beschränkung der öffentlichen Volksversammlungen, trotz der Verwerfung des Jacobi'schen Antrages, so artig, daß ich nur aus dem Grunde gegen obige Gerüchte nicht ganz unglaubig bin, weil ich der Regierung Alles zutraue. ‒ Auch in Posen fängt man an, Preßprozesse einzuleiten; einem dortigen Buchhändler und Buchdrucker (Reisner ist sein Name), welcher polnische Nationallieder verlegte, hat man nicht nur die Auflage weggenommen, sondern ihn selbst zum Verhör vor die Polizei geladen ‒ und dann nicht mehr fortgelassen.
N. S. Ich beeile mich, Ihnen anzuzeigen, daß heute das Erkenntniß gegen Korn, Urban, Löwinson und Sigerist gefällt worden ist. Die Angaben über die Art und Weise stimmen jedoch nur darin überein, daß sämmtliche Angeklagte zu Festungsarrest verurtheilt sind. Die Strafzeit wird verschieden angegeben; nach einer Mittheilung ist Urban zu einem, Löwinson zu zwei, Korn und Sigerist zu 3 Jahren Festungsarrest verurtheilt worden.
N. S. Ich eröffne diesen Brief nochmals, um Ihnen anzuzeigen, daß obige Angaben sich vollkommen bestätigen.
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[*] Berlin, 15. Juli.
Nach einem eben bekannt gewordenen Gesetzentwurf wegen Erhöhung der Branntwein- und Runkelrübenzuckersteuer soll vom 1. Sept. c. an die Steuer für Rübenzucker 2 Thlr. für den Centner Zoll betragen, für Branntwein vom 1. Okt. d. J. 3 Sgr. für jede 20 Quart Rauminhalt, und von landwirthschaftlichen Brennereien statt wie bisher 1 Sgr. 8 Pf., fortan 2 Sgr. 6 Pfennige.
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Königsberg, 11. Juli.
Auf ein heute früh eingegangenes Schreiben des Ministerpräsidenten ist Herr Professor Dr. Rosenkranz heute Abend um halb 9 Uhr nach Berlin abgereist.
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Stettin, 14. Juli.
An unserer heutigen Börse lag die Kopie eines von dem Berliner Abgeordneten, Herrn Fretzdorff, eingegangenen Schreibens auf, wonach, offizieller Mittheilung zufolge, General Wrangel erklärt hat, in Bezug auf Vollstreckung des Waffenstillstandes nur nach Instruktionen von Frankfurt, von wo er sein Mandat erhalten, gehen zu können, und worin ferner bemerkt wird, daß die Ratifikation des Waffenstillstandes nunmehr von dem neuen Reichsverweser abhängig sei und darin leicht eine neue Verzögerung von einigen Wochen eintreten könne.
[(Osts. Z.)]
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[*] Frankfurt.
Sitzung der deutschen National-Versammlung vom 15. Juli. Präsident Gagern eröffnet die Sitzung um 1/2 10 Uhr durch Verlesung des Protokolls der gestrigen Sitzung, welches nach unbedeutenden Reklamationen Vinke's genehmigt wird. ‒ Vicepräsident Soiron weist von Vinke's Reklamation (unter dem Zuruf: Sehr recht!) zurück. Vinke beruhigt sich nicht und verlangt, daß seine Reklamation (welche sich lediglich auf eine Verweigerung des Worts nach dem Schluß der gestrigen Debatte beschränkt) zu Protokoll genommen wird, was geschieht.
Präsident Gagern theilt die Proklamation des Reichsverwesers mit; sowie des Erzherzogs, durch sein den Wienern gegebenes Versprechen, nöthig gewordene heutige Rückreise nach Wien. Er habe aber versprochen, bald nach Frankfurt zurückzukehren. ‒ Folgt die Verlesung der gestern von Johann creirten deutschen Minister!
von Schmerling Inneres und Aeußeres. Heckscher Justiz. von Peucker (preuß. General-Major) Krieg.
Die Namen der deutschen verantwortlichen Minister werden von der National-Versammlung mit tiefer Stille hingenommen, nur bei Lesung obenerwähnter Proklamation ertönt ein offizielles Bravo!
Hierauf wiederholt Heckscher (der Minister der Justiz) die Nothwendigkeit der Rückreise des Erzherzogs nach Wien zur Eröffnung der österreichischen Reichsversammlung, und zeigt der National-Versammlung an, daß er den Reichsverweser begleiten, aber unverweilt zurückkehren werde.
Minister von Schmerling: „Niemand verkennt, welche unendlichen Anforderungen wir übernommen. Wir haben dies vollständig empfunden. Wir machen uns durchaus keine Illusion. Die Pflicht eines jeden deutschen Bürgers ist Muth, Aufopferung und Bereitwilligkeit, wenn das Vaterland es erheischt. Ja hohen Muthes bedarf es. Aber gerade dies hat uns bewogen, unser Amt anzunehmen. Wir wollen dem deutschen Volke mit Bereitwilligkeit die vollste Freiheit gewähren. ‒ Vor allen Dingen aber muß Deutschland regiert werden. Es muß Ruhe und Frieden werden, das ist die erste heiligste Pflicht.
Heckscher: Wir werden nicht zugeben, daß die Ruhe Deutschlands und dessen Unabhängigkeit von außen irgendwie gefährdet werde.
Widenmann (Berichterstatter des Gesetzgebungs-Ausschusses) theilt viele Petitionen (aus Mannheim, von Bruchsal, Frankfurt a. M., Constanz, Mülheim, dem Odenwald etc.) mit. Alle betreffen Amnestirung politischer Gefangenen, zumal der badischen Republikaner, besonders Heckers und Peters. ‒ Der Berichterstatter meint: „die Nat-Vers. könne sich betreffs der Amnestirungen nicht in die Rechte der einzelnen Regierungen mischen; weil die Berichte bezüglich dieser Amnestirungen keineswegs spezifizirt sind.
Die Badener Republikaner hätten nicht bezweckt den alten Polizeistaat zu stürzen, sondern den neuen aus der Freiheit hervorgegangenen. Es wäre ferner bedenklich, jetzt schon, wo noch überall Anarchie herrscht, zur Amnestie aufzufordern. ‒ Auch wären ja diese Petitionen nur Fürbitten. Die Gesinnung der Verbrecher selbst würde wohl dieselbe sein, und möchten diese vielleicht nicht einmal von der Gnade etwas wissen wollen! Man wolle also zur Tagesordnung übergehn. (Bravo rechts, Zischen links und von der linken Galerie.
Moritz Mohl (sehr unverständlich bei wenig Aufmerksamkeit der Vers.) erstattet Bericht über die Ulmer Dampf-Schiffahrts-Störungs-Angelegenheit.
Man schreit: „Wir kennen Ihren Bericht auswendig!“
Gagern ermahnt zur Geduld, der ersten parlamentarischen Tugend.
Haßler (aus Ulm) spricht über denselben Gegenstand: „Wenn die Versammlung meinem Antrage entspricht, verspreche ich dieselbe mit langen Reden zu verschonen. Ich habe berechnet, daß jedes hier gesprochene Wort 35 Kreuzer netto kostet.
Weiz über dieselbe Angelegenheit.
Präsident: Erachtet die Nationalversammlung die Ulmer Angelegenheit für dringlich? Antw.: Nein!
Endlich zur Tagesordnung:
Dieselbe bringt zuvörderst die Abstimmung über den Bericht des Ausschusses der Wehrverfassung.
Präsident hält die Verhandlung hierüber für geschlossen.
Vogt (Gießen) will die Diskussion über diesen Gegenstand wieder aufnehmen, und zwar: 1) weil neue Motive hinzugekommen; 2) wolle der Ausschuß einen neuen Antrag bringen; 3) haben wir jetzt einen verantwortlichen Kriegsminister.
Lichnowsky spricht in demselben Sinne.
Präsident will wegen Abwesenheit des Kriegsministers die Debatte vertagen.
Die Versammlung will die Fortsetzung.
Rob. Blum will in Abwesenheit des Kriegsministers nichts vornehmen.
v. Vincke desgleichen.
v. Auerswald (Berichterstatter) will auch Fortsetzung; der Kriegsminister werde kommen. Am 5. Juli schon sei die Dringlichkeit dieser Sache anerkannt, heute den 15. ist sie wieder nicht dringlich.
Wartensleben: Es muß weiter debattirt werden.
Fischer ebenfalls für Fortsetzung der Debatte.
Nauwerk (unverständlich) desgleichen.
Bassermann: Der Kriegsminister nimmt nur Abschied vom Reichsverweser.
Eisenmann: Auch wenn der Kriegsminister abwesend, müssen wir fortfahren.
Abstimmung, ob die Debatte fortgesetzt oder vertagt werden soll?
Resultat: Fortsetzung der Debatte.
Wird verlesen eine Petition der Bewohner Bruchsals wegen Nichtvermehrung des stehenden Heeres. Rußland werde mit Preußen in Frieden bleiben. Von Frankreich wäre noch weniger ein Krieg zu fürchten. Protest gegen die Vermehrung des stehenden Heeres (Gallerie Bravo! rechts Zischen). Die Petition erinnert schließlich an die schon hinlänglichen Brutalitäten der Soldateska, die man nicht zu vermehren brauche. (Bravo!)
Vogt: Man solle den Kriegsminister holen lassen.
Lychnowsky: Das ist schon besorgt (Man lacht).
Vogts Vorschlag wird acceptirt, der Kriegsminister soll herbeigeschafft werden. Die Versammlung will ihren Minister.
v. Auerswald (Berichterstatter) spricht nun über die Nothwendigkeit der Vermehrung der deutschen Truppenmacht. Kosten und alle andern Einwände seien von keiner Bedeutung. Der Einwand, es sei den Regierungen durch vermehrte Wehrkraft ein Mittel mehr zur Reaktion in die Hände gegeben, sei auch nichtig. Er bezweifelt Rußlands friedliche Absichten Wie Friedrich der Große sagte, „wenn ich in Frankreich König wäre, dürfte in Europa kein Kanonenschuß fallen, ohne mein Wollen“, so müsse kein Kanonenschuß in Europa fallen, ohne Deutschlands Willen, wenn dies ein Reich wäre.
Herrn v. Auerswald entfährt im Laufe seiner Rede das Wort Volkssouveränetät. Er erschrickt darüber, Linke und Gallerien brechen in schallendes Gelächter und Bravo aus.
Gagern: Der Kriegsminister ist nicht aufzufinden (Lachen). Zwiespalt ob fortfahren oder nicht?
Römer: Man soll nur fortfahren, der Kriegsminister mag sich aus den stenogr. Berichten instruiren, das ist seine Sache und seine Schuld.
Reh (Darmstadt) spricht für Verstärkung der Wehrkraft. Glaubt auch an baldigen Krieg. Bemerkt am Schluß seiner Rede, er begreife nicht, daß die Soldaten (auch Söhne desselben Vaterlands) beim allgemeinen Fortschritt nicht mit fortgeschritten sein sollten. (Bravo rechts, links und Gallerie Zischen.)
Hagen bringt eine Petition gleich der oben erwähnten von Bruchsal. Er will keine Vermehrung des stehenden Heeres: 1. weil kein Krieg in Aussicht; 2. weil die Volkslasten dadurch vermehrt; 3. weil eine Verminderung des Heeres und statt dessen Volksbewaffnung zugesagt sei; 4. weil diese Vermehrung ein Hülfsmittel der Reaktion. ‒ (rechts oh !)
Der Redner bittet die Versammlung dringend, sie sollen doch nur an das Bestehen der Reaktion glauben. (Rechts wo ? Links ja!)
Radowitz vertheidigt in guter Rede mit den alten guten Gründen, den Ausschußantrag um Vermehrung des stehenden Heeres. ‒ Das stehende Heer sei eine Kriegsschule für das ganze Volk. Anlangend Frankreich, jeder Franzos glaube, daß der Rhein seine natürliche Gränze sei. (Rechts ja! Links nein!) Louis Philippe würde noch regieren, wenn er das Rheinland genommen hätte. Lamartine selbst wäre in Bezug des Friedens nicht ganz zu trauen.
‒ Man könne versuchen, die sociale Frage durch einen Krieg zu lösen.
Vischer (Tübingen) will eine ernstlich organisirte Volksbewaffnung, keine Vermehrung des stehenden Heeres. (Der Fürst Lychnowski hat sich vorn dem Redner gegenüber gesetzt, und gähnt erschrecklich. Dergleichen Ungezogenheiten sind überhaupt seine Lieblingsbeschäftigung.) Der Redner verwirft das Prinzip des stehenden Heeres, obschon er dem Heere die nöthige Achtung zollt.
v. Stavenhagen (Berlin) Oberst, spricht in lautem Kommandotone über die Dringlichkeit der Vermehrung des stehenden Heeres. ‒ Zum Schluß sagt der Redner zur Linken gewendet: es giebt Männer in Deutschland, die lieber bei ihren Phantasien beharren, als das Vaterland vor äußern Gefahren beschützen wollen (Viel Gezisch links und Gallerie! Rechts Bravo!)
Leue: gegen die Vermehrung des stehenden Heeres. Er sieht keine genügende Ursache zum Krieg für Deutschland noch für andre Länder zum Angriff auf Deutschland. ‒ Erinnert an die Proklamation Lamartines, den Edelmuth und die ehrenhafte Gesinnung der Franzosen. Nur wenn man die Freiheit freier Völker antasten, oder im Krieg gegen unterdrückte Völker Hülfe bieten würde, wolle Frankreich den Krieg. Die Armirung der Rheinfestungen hingegen billigt Leue. Rußland habe Grund zum Krieg wegen der Nachbarschaft eines freien Staates. Doch könne Nikolaus den Krieg nicht wollen, denn selbst wenn er siegt, werden ja seine Russen von der Freiheit der Besiegten angesteckt. Endlich möchten am Ende die Regierungen bei so großen stehenden Heeren und der natürlichen Kriegslust der Soldaten versuchen, durch einen äußeren Krieg das heiße Blut abzukühlen. Zuletzt erinnert er an den Kostenpunkt. (Bravo!)
Folgt Lychnowsky mit einer koulissenreißerischen Rede, über russische und französische Kriegsgefahr. Er verlangt Vermehrung des Heeres unter furchtbarem Bravo der Rechten. Beim Abtritt drückt ihm v. Vinke tief gerührt die Hand.
Endlich wird mit namentlicher Abstimmung beschlossen: „den Bericht des Ausschusses vom 1. Juli und des Zusatzes vom 7. Juli der provisorischen Centralgewalt zu überweisen und diese zu ermächtigen, die in diesem Berichte und Zusatze beantragte Vermehrung der deutschen Streitmacht nach dem Prozentsatze von 2 pCt. der jetzigen Bevölkerung in Ausführung zu bringen.
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@facs0238
Frankfurt, 15. Juli.
Die so eben ausgegebene Nr. 41 des „Regierungsblattes für das Königreich Würtemberg“ enthält ein unmittelbares königliches Dekret, das Verbot des demokratischen Vereins in Stuttgart betreffend.
[(Frkf. O. P. A. Z.)]
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@facs0238
[*] Mainz, 14. Juli.
Heute Morgen wurde hier mit großem Kraftaufwand der Zahnarzt Gallette verhaftet, aus keinem geringeren Grund, als wegen eines, am Abend vorher „der Republik und den Pariser Insurgenten“ ausgebrachten Lebehochs. Wenn die Pariser Insurgenten gesiegt hätten, würden die Mainzer Behörden vielleicht selbst in den Fall gekommen sein, ihnen Lebehoch zuzurufen. ‒ Die Diktatur des General Hüser erweis't sich auch für die Umgegend höchst vortheilhaft. In der Nacht vom 11. auf den 12. war Kastel (Mainz gegenüber) Feuer ausgebrochen; aber die aus Mainz und den Dörfern herbeieilenden Spritzen wurden an der Brücke zurückgehalten, bis sie von dem Festungsgouvernement Erlaubniß geholt! ‒ In Alzei sollen Ruhestörungen ausgebrochen und in Oberingelheim die Verfassungsurkunde verbrannt worden sein.
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@facs0238
Wiesbaden, 14. Juli.
Der Aufruhr in den bassenheimschen Dörfern ist von Neuem und heftiger ausgebrochen. Die Bewohner von Schmitten haben in den Wäldern des Grafen 500 Baumstämme abgehauen, weil sie seit 7 Wochen vergeblich auf Antwort vom Grafen warten. Die Arnoldsheimer, Seelenberger und Reifenberger stehen im Begriff, das Verfahren der Schmitter nachzuahmen. Wie den Gemeinden, so gibt auch der edle Graf der nassauischen Regierung auf alle Requisitionen gar keine Antwort. Jetzt ist man genöthigt, Militär in die armen ausgehungerten Ortschaften zu schicken und auf wessen Kosten?
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@facs0238
[*] München, 14. Juli.
Gestern Abend fand hier wieder ein Bierkrawall statt, wobei Gensd'armen und Linienmilitär von ihren Waffen Gebrauch machten und von der Menge dafür mit einem Hagel von Steinen belohnt wurden. Auf beiden Seiten sind zahlreiche Verwundungen vorgefallen.
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@facs0238
Braunschweig, 11. Juli.
Durch den Brief eines schwedischen Staatsmannes an einen hiesigen hochgestellten Beamten hat man hier die Bestätigung der Angaben erhalten, welche in Lübecker und dänischen Blättern über die Waffenstillstandsbedingungen gemacht worden sind. Zu den bekannten gesellt sich noch die, daß der von Dänemark, Deutschland und England einzusetzenden neuen provisorischen Regierung von Schleswig-Holstein, so wie der jetzt zu berufenden konstituirenden Versammlung untersagt wird, irgendwelche Veränderungen in der Gesetzgebung zu machen, also namentlich zu konstituiren. Wahr ist auch, daß nicht nur die Bundes- und preußischen Truppen Schleswig-Holstein verlassen sollen, sondern auch, daß die schleswig-holsteinischen Truppen entlassen und während des Waffenstillstandes keine neuen gebildet werden sollen.
Schleswig-Holstein ist der einzige deutsche Staat, welcher in direkter Empörung sich gegen seinen Fürsten erhoben hat. Die heranschwellende Reaktion hat alles Interesse, an diesem Staate ein Exempel zu statuiren. Dazu kommt aber noch, daß jetzt Preußen seiner Truppen bedarf, nicht etwa an der Weichsel, sondern an der Spree. Wohlan, möge es sein; aber die Schleswig-Holsteiner werden sich nicht unterwerfen! Dazu bedarf es aber einer Armee und die holsteinische ist halb so stark als die dänische. Nach den Berichten der Zeitungen erklärte die provisorische Regierung den Ständen, daß vor einem Monate für die auszuhebenden Truppen von Preußen Offiziere und Unteroffiziere versprochen seien. Dieselben sind noch nicht angekommen. Aber, wird man sagen, die provisorische Regierung wird in der Zwischenzeit der drei Monate rüsten können. Nein! Erstens soll sie abtreten; zweitens soll die neue provisorische Regierung keine neuen Truppen bilden, die alten aber entlassen. Es wird also den Schleswig-Holsteinern versagt sein, was den Dänen erlaubt ist, sich zu einem neuen Kriege zu rüsten. Dies Exempel, wie in Deutschland Einsetzungen provisorischer Regierungen behandelt werden, wird der Nachachtung nicht verfehlen. Diese hier gegebene Auffassung über die Motive der sonderbaren Waffenstillstandsbedingungen ist vielleicht in diesem Augenblicke vereinzelt, sie wird bald allgemein werden, sie wird wohl jedes Zweifels entbehren, wenn mit Sicherheit festgestellt werden kann, daß ein preußischer Staatsmann erklärt, daß eine Bedingung des Waffenstillstandes, daß in den drei Monaten keine neuen Gesetze gegeben werden können, ihren Ursprung in der Furcht vor ultraliberalen Maßregeln habe, und dies festzustellen werden wir bald im Stande sein.
[(Brem. Z.)]
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@facs0238
Apenrade, 13. Juli.
Von hier aus ist in Folge der Waffenstillstandsgerüchte die nachfolgende Adresse nach Rendsburg abgesandt worden: „An die hohe provisorische Regierung von Schleswig-Holstein. Das von den Zeitungen mit immer größerer Bestimmtheit bestätigte Gerücht über einen von Preußen bereits ratificirten Waffenstillstand, in Folge dessen unsere hohe provisorische Regierung aufgelöst werden solle, hat die Bewohner hiesiger Stadt mit der größten Bestürzung und Erbitterung erfüllt. In der Voraussetzung, daß jenes Gerücht begründet, wenden sich die Endesunterzeichneten an die hohe provisorische Regierung mit dem dringenden Verlangen, daß selbige, die ihr Mandat von der schleswig-holsteinischen Volksvertretung erhalten und vom Bundestage förmlich anerkannt worden, durch alle ihr zu Gebote stehenden Mittel und namentlich durch einen Aufruf an Schleswig-Holstein und Deutschland sich gegen den Gewaltstreich der Diplomatie in dem Besitz ihrer legitimen Rechte erhalten und nur der physischen Macht weichen möge. Apenrade, den 13. Juli 1848. Ehrerbietigst (folgen die Unterschriften.)“
[(Schl.-H. Ztg.)]
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@facs0238
Prag, 12. Juli.
Folgende Bemerkungen eines Augenzeugen des in Prag aufgeführten und noch nicht ausgespielten Drama's, dürften einiges Licht über die jetzigen Zustände der böhmischen Hauptstadt verbreiten.
Vor dem Ausbruche des Blutbades zu Prag, war eine Deputation von Bürgern und Kaufleuten bei Windischgrätz, um ihn zu bitten, das Kommando nicht niederzulegen, und ihm ihre Anerkennung für sein strenges Walten zu zollen. Eine zweite Deputation, bestehend aus Studenten und ebenfalls Bürgern und Kaufleuten, bat Windischgrätz, seine kriegerischen Maßregeln einzustellen, um die verschiedenen Gerüchte und die Aufregung im Volke zu beseitigen. Windischgrätz folgte der ersten Deputation, die aus seinen Schranzen bestand, und zwei Tage darauf donnerten die Kanonen, und die Brandfackel leuchtete zur ‒ Ordnung.
Die erst bezeichnete Deputation sammt den gleich ruhig gesinnten Nationalgarden und Bürgern, schloß sich beim Ausbruch der Revolution herzinniglich dem Militär an und versah den Schergendienst, indem sie jeden Studenten, dessen sie habhaft werden konnte, mit auf den Rücken gebundenen Händen unter Hohngelächter dem Militär auslieferten, wo diese Opfer der Feigheit und Verrätherei schändlich mißhandelt, und sogar einige zu Tode gemartert wurden.
Prag wurde ein stilles, lebendiges Grab, und die Freunde Windischgrätz's blieben consequent, weil sie es wußten; die liberale Partei, die Barrikadenkämpfer und die Arbeiter ließen ihren Haß gegen diese Herren in Wort und Miene durchblicken, und die Gänsehaut dieser Maulhelden schauert vor der Zukunft, wo die Preß- und Redefreiheit, befreit von dem tödtenden Einfluß der Bajonette, ihre Speichelleckereien und ihr Zopfthum an den Pranger der Oeffentlichkeit stellen wird, und bietet nun alle Mittel auf, sich dagegen zu verwahren. Die Verhaftungen dauern fort, und die Finsterlinge schmieden das Eisen, weil es glüht. ‒ Aber nicht nur, um consequent zu bleiben, nicht nur, um ihre seichte Ehre zu retten, sind die ehrenwerthen Herren Bürger und Consorten gegen das Recht und die Wahrheit wie ein Mann aufgestanden es war zugleich die Liebe zu sich selbst, die sie dazu gezwungen. Die erwähnten Herren gehören sämmtlich zur Prager Geldaristokratie, die noch immer den Proletarier als Canaille und Giftspinne betrachtet, es sind Fabrikanten, die durch ihren Starrsinn sich bereits vor längerer Zeit den Haß der Drucker erworben, Kaufleute, die dem Drange der Zeit keine Opfer bringen wollen, und Bürger, die in ihrem Hochmuth den Armen von jeher in den Staub getreten. ‒ Die Canaille knirscht jetzt mit den Zähnen, und die Goldsäcke ersterben in Demuth zu den Füßen des Despoten, der sie seines Schutzes versichert.
Es ist die Pflicht des Sicherheitsausschusses sich der Sache Prags mit um so mehr Energie zu bemächtigen, als ihm Hindernisse in den Weg gesetzt werden. Doch ist dies eine schwere Aufgabe; wenn sich der Sicherheitsausschuß, wie er es muß, bei der Untersuchungskommission betheiligt, so wird er in Prag von den Bewunderern Windischgrätz's empfangen, es wird von dieser Partei Alles aufgeboten werden ihn hinter's Licht zu führen. Um diese Hindernisse zu beseitigen, um trotz aller Lügen und Entstellungen der Sache auf den Grund zu kommen, muß es sich die Kommission zur strengsten Aufgabe machen, von Windischgrätz und Thun über die vermeintliche Verschwörung, welche ein selbstständiges böhmisches Königreich (wofür Krone und Würden bereits vertheilt sein sollen) zur Basis hatte, beweisführende Belege zu verlangen, die Zahl der Gefangenen, die sehr bedeutend sein soll, genau zu ermitteln, und auch diese über das Geschehene, ohne Beisein der Richter zu befragen; die gegenseitigen unvorbereiteten Aufschlüsse dürften allein die Mysterien des Schlosses zu Prag, wenn auch nur theilweise, erhellen.
[(A. Oestr. Z.)]
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@facs0238
Prag, 12. Juli.
Bei Hawljcek's Verhaftung hat ein gewaltiger Formfehler Statt gefunden. Unser Bürgermeister hat bekanntlich durch öffentlichen Anschlag kundgegeben, daß er Hawljcek's Verhaftung erst 10 Stunden nach der Vollziehung derselben erfuhr. Nun erklärt der Bruder des Verhafteten in den Národni nowiny, daß auf dem Haftbefehle ausdrücklich stand, die Verhaftung geschehe im Einverständniß mit dem Bürgermeister. Da diese aber nicht eingeholt wurde, so ist die Verhaftung rechtlich ungiltig. Und dennoch verlautet über seine Entlassung kein Wort. Möglich, daß die Petitionen der Wähler Hawljcek's an den Reichstag einen kräftigeren Erfolg haben werden, als die Proteste der Prager Presse. 250,000 Menschen bleiben durch Hawljcek's Haft ohne Vertretung. In 5 Wahlbezirken erhielt er die Majorität; so lange er sich jedoch nicht auf freiem Fuße befindet, kann er sich für keinen entscheiden, und ihn von der Wählbarkeit völlig auszuschließen, wird den Behörden nicht gelingen, weil seine Schuld nach der officiellen Erklärung in einem bloßen erst zu beweisenden Preßvergehen und in keinem infamirenden Verbrechen besteht. ‒ Den Nachrichten aus Wien sieht man mit großer Spannung entgegen, da der Ministerwechsel auch in unseren Zuständen tief eingreifende Veränderungen hervorrufen dürfte, besonders weckt die Beschlagnahme der Papiere Pillersdorff's vielfache Vermuthungen, und selbst auf den Sicherheitsausschuß sind Viele besser zu sprechen, seitdem er in der Wahrung der Volksrechte nicht blos in der Hauptstadt mit größerem Ernste vorgeht.
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@facs0238
[*] Wien, 12. Juli.
In der heutigen vorbereitenden (dritten Sitzung des konstituirenden Reichstages wurde die Verhandlung über eine provisorische Geschäftsordnung fortgesetzt. Die Frage, [0239] ob den des Deutschen unkundigen Deputirten, wie mehrere verlangten, die vorkommenden Anträge etc. übersetzt werden sollten, kam abermals zur Diskussion. Man sprach sich indeß überwiegend für die deutsche Sprache, als die bei der Diskussion allein zu brauchende, aus. Mit der Diskussion des Geschäftsreglements ist man bald zu Ende und nach § 2 desselben werden alsdann die Abtheilungen zur Prüfung der Wahlen gebildet.
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@facs0239
Dalmatiner Gränze, 5. Juli.
Die Türken fahren fort, sich mit Eifer gegen die Montenegriner zu rüsten, und zeigen keine Furcht vor denselben. Die Aushebung und Provisionirung wird mit großer Thätigkeit betrieben. Die allgemeine Bewaffnung der Türken ist angeordnet, theils um jeden Versuch einer Erhebung der Christen im Innern zu ersticken, theils um gegen jeden Angriff von Außen bereit zu sein. Sie besorgen, daß gleichzeitig mit einem Einfalle der Montenegriner in die Herzegowina auch die Serben in Bosnien einfallen, hoffen aber, daß zugleich auch die Türken in Albanien gegen Monteneri rücken.
Nach Einigen sollen die Türken eine Armee von 60,000, nach Andern von 100,000 Mann auf die Beine bringen, alle Pascha's und Anführer haben die gemessensten Befehle, auf beständiger Huth zu sein.
Ein Originalschreiben aus Jassy vom 3. Abends meldet: Die Russen sind diesen Nachmittag bis eine Stunde vor der Stadt vorgerückt. Das Hauptquartier ist auf dem Gute des Fürsten Roßnovan zu Sticka. Man erwartet sie morgen allhier. Der Fürst liegt an der Cholera schwer erkrankt darnieder. Der Minister des Innern ist an der Cholera gestorben. Uebrigens herrscht noch Ruhe in der Stadt.
[(Wien. Z.)]
Italien.
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@facs0239
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 18. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 357.]
Roverbello, 4. Juli.
Ein ernstes Gefecht hat bei Bardolino Statt gefunden. Das Resultat ist noch nicht bekannt. Bardolino ist in der Nähe von Peschiera, am Ufer des Garda-Sees.
[(Avvenire dell'Italia.)]
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@facs0239
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 18. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 357.]
Roverbello, 4. Juli.
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@facs0239
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 18. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 357.]
[*] Florenz, 6. Juli.
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@facs0239
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 18. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 357.]
Venedig.
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@facs0239
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 18. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 357.]
[*] Bozzolo, 4. Juli.
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@facs0239
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 18. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 357.]
[*] Rom, 7. Juli.
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@facs0239
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 18. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 357.]
[*] Turin, 10. Juli.
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@facs0239
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 18. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 357.]
[*] Turin, 10. Juli.
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@facs0239
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 18. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 357.]
[27] Neapel, 4. Juli.
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Ungarn.
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@facs0239
Pesth, 8. Juli.
Eine eben eingetroffene Estafette brachte die Nachricht von einem Treffen, welches der ungarische General, Graf Bechthold, den Insurgenten bei den sogenannten römischen Schanzen zwischen Temerin und Jarek geliefert, und in welchem die Ungarn gesiegt. Die genauern Details fehlen noch. In Neusaltz, welches der Festung Peterwardein gegenüber liegt, hat der Kommandant der Festung, F. M. L. Hrabowsky, sämmtliche Einwohner entwaffnen lassen, das Kriegsrecht verkündigt und mit einem Bombardement gedroht, wenn noch einmal die Sturmglocke gezogen oder ein anderes Zeichen des Aufstandes gegeben wird. Neben diesen Vortheilen der Ungarn ist aber ein ganzes Bataillon Illyrier aus der Festung Peterwardein zu den Insurgenten übergelaufen. Diese haben auch die Ortschaft O.-Moldova genommen. ‒ Vom Militärkommando in Siebenbürgen sind unserm Kriegsministerium Nachrichten vom 3. über die Revolution in der Walachei und der Moldau zugekommen. Die Häupter der Bewegung in der Walachei haben die Walachen in Siebenbürgen um ein Hülfskorps von 30,000 Mann gebeten, wogegen sie ihnen ebenfalls gegen die Magyaren beistehen wollen. In Folge dessen herrscht eine große Gährung unter den siebenbürgischen Wallachen.
[(Bresl. Ztg.)]
Donaufürstenthümer.
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@facs0239
Von der Moldauer Gränze, 6. Juli.
Eben eingehenden Nachrichten aus Jassy vom 4. zufolge haben am 3. d. 10,000 Mann Russen den Pruth passirt und sind in vier Kolonnen in der Moldau eingerückt. Fürst Stourdza hat sich bei ihrem Vorrücken über den Pruth von Jassy nicht entfernt. Es heißt, daß aus Silistria 4000 Mann türkische Truppen in das Fürstenthum der Walachei einrücken werden. Durch dieses Einrücken wird die Wahl eines neuen Hospodars von Bucharest vermuthlich hintertrieben werden und dem Fürsten Bibesko vielleicht der Weg zur Rückkehr angebahnt. Allein es geht aber auch daraus hervor, daß Rußland im Einverständniß mit der Pforte intervenirt.
[(Bresl. Z.)]
Französische Republik.
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@facs0239
[*] Paris, 15. Juni.
Das Finanzcomité beschäftigte sich gestern mit dem Jules Favre'schen Vorschlage, nach welchem das Privateigenthum der Familie Orleans für Staatseigenthum erklärt werden soll. Der Antragsteller stützt sich darauf, daß die Güterschenkung, welche Louis Philippe vor der Thronbesteigung an seine Kinder machte, null und nichtig ist. Denn nach dem alten Prinzip fallen alle Privatgüter eines Fürsten, so wie er den Thron besteigt, an die Krone und werden Staatsdomänen. Die von Napoleon errichteten Privatdomänen hätten 1830 keine Gültigkeit haben können. Louis Philippe, fuhr der Antragsteller fort, hat durch die Schenkung an seine Kinder den Staat absichtlich betrogen. Jener gerichtliche Akt muß heute aufgehoben werden ‒ von Rechtswegen. Das Gesetz von 1832 in Betreff der neuen Civilliste kann hier nicht in Betracht kommen, da Louis Philippe später durch seine Fehler und Verbrechen die Krone verloren. Hr. Thiers übernimmt die Vertheidigung seines ehemaligen Herrn und Meisters. Er führt sie mit derselben staatsmännischen Großthuerei, als er's im Jahr 1840 gewohnt war. Unter Anderem stellt er bezüglich des Civilliste-Gesetzes von 1882 den Grundsatz auf: „Wenn wir nicht die von unsern Vorgängern (der früheren Deputirten- und Pairskammer) erlassenen Gesetze respektiren, so ist unser ganzes Gesetzsystem in seinen Grundfesten erschüttert.“ Hr. Thiers hätte blos noch hinzufügen müssen: „laßt uns schleunig Louis Philippe wiederholen, damit das ganze Gesetz in Betreff der Civilliste wieder in Ausübung gelangt, sonst bleibt unser Gesetzsystem tief erschüttert.“ Er erklärt indeß am Schluß seiner Rede: er erkenne das Recht der Nationen, ihre Regierungen ein- und abzusetzen nur wünscht er für den entthronten König die Großmuth des Volkes anzurufen, die dem ehrlichen Louis Philippe alle Privatgüter zurückgeben werde.
‒ Die Reforme schreibt über die zahllosen allarmirenden Lügengerüchte, mit denen die herrschende Partei Paris überschwemmt, und die auch bereitwilligst von der gesinnungstüchtigen und stets wohlunterrichteten deutschen Presse aufgenommen werden: „Nie hat man eine ähnliche Wuth in Alarmgeschichten gesehen. Ihre Verbreiter sind jene Menschen, welche lügen aus Parteigeist und verläumden aus Unternehmungslust; jene kläglichen Gesellen, welche sich einen Beruf daraus machen, den Haß der Sieger zu schüren und die Leiden der Unterdrückten zu vergiften. Erst gestern hat eins der Organe der Reaktion eine neue Insurrektion verkündet, deren Mittel so grausam gewesen, daß die Verschworenen selbst vor ihrem Werk zurückgeschreckt wären. Es war die Rede von Generalen, denen man auf der Straße auflauern sollte, um sie zu ermorden; von jungen Mädchen, die aus ihren Pensionaten geraubt und auf die Barrikaden gestellt werden sollten, ‒ nie hat die Phantasie eines Rasenden wüthendere Ausgeburten erzeugt. Es bedurfte des Einschreitens der Behörden, um die Bürger über die fabelhaften Auswüchse eines kranken Gehirns zu beruhigen.
„Die Journale der Reaktion setzen mit solchen verächtlichen Nachrichten fortwährend Paris und Frankreich in Unruhe. Es vergeht kein Tag, wo der „Constitutionnel“ z. B. nicht wenigstens einen Mobilgardisten auf offener Straße tödtet. Man besitzt sogar die Taxe aller dieser Heldenthaten: 50 Fr. für einen Mobilen, 40 für einen Soldaten, 30 für einen Nationalen, 20 für einen simpeln Stadtwächter. Das Erbärmlichste dabei aber ist, daß diese Elenden mit ihren Alarmgerüchten nicht an den Patriotismus, sondern an die Leidenschaft und Rache appelliren, gegen welche die Behörden die Bürger selbst in Schutz nehmen müssen.“
‒ Die republikanische Garde hat heute zum erstenmal ihren Garnisondienst angetreten. ‒ Mehrere Detachements derselben haben diesen Morgen auch Linienposten wieder bezogen, so den an der Sparkasse, Rue Coq-Héron.
‒ Die Pariser Theater sollen nächsten Sonntag oder Montag wieder eröffnet werden.
‒ Heute Mittag hat man fünf Artillerie-Munitionswagen, welche vierzig Fäßchen scharfe Patronen enthielten, in die Höfe des Palais National einziehen sehen.
‒ Mehrere Journale haben angezeigt, daß gestern ein Mobiler ermordet worden sei. Das Wahre an dieser Geschichte besteht in Folgendem: „Ein Epicier von der Nationalgarde kam im Zustand vollkommener Besoffenheit nach Hause, und schoß im Vorzimmer des Magazins sein Gewahr ab. Die Kugel zerschlug bloß zwei Confiture-Töpfchen; da aber fünfzig Schritt davon ein Posten der Mobilen war, hat man in diesem trunkenen Streich einen Angriff auf die Garde sehen wollen.
‒ De Genoude stellt sich in Lyon um als Repräsentant in der National-Versammlung gewählt zu werden. Sein Konkurrent ist der Marschall Bugeaud.
‒ Die französische Akademie hat 2 ihrer Mitglieder beauftragt, sich nach St. Malo zu begeben, um dem Begräbniße Chateaubriand's beizuwohnen. Die Mitglieder sind Amèpre und Victor Hugo.
‒ Die zwei polnischen Flüchtlinge, Andre Towianski und Ferdinand Gult sind arretirt und ihre Papiere mit Beschlag belegt worden.
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@facs0239
[12] Paris, 15. Juli.
Wie sich die Journale gegenseitig Glück wünschen, daß der 14. Juli so ruhig vorübergegangen! „Wir haben die Sache auf den Monat August verschoben,“ antwortet ihnen allenthalben das Volk. Was nun die Leute beunruhigt, das ist gerade nicht das Hinausschieben der Sache, aber das „Wir,“ das man jetzt einstimmig hört im Munde aller Arbeiter, der „guten“ sowohl wie der „bösen“ Arbeiter, die alle im gemeinsamen Gefühle ihres Druckes die Sache der Ueberwundenen zu ihrer eignen Sache gemacht haben. Das Gefühl der Klassen-Individualität tritt stärker als je hervor. Um dieses „Wir“ der Arbeiter zu unterdrücken, glaubt man nichts Besseres thun zu können, als die Redefreiheit zu unterdrücken. Worin thut sich die Redefreiheit am meisten kund? In den Klubs! Dupin weiß es recht wohl; denn in der berühmten Proklamation aller Klubs haben die Arbeiter, denen Herr Dupin den Franken per Tag vorwarf, geantwortet, indem sie die 60,000 Fr. jährlichen Gehalts, die Herr Dupin bezogen, analysirten, und nachwiesen, in wie weit sie, die Arbeiter, zur Realisirung dieser Summe beitrügen. Herr Dupin nimmt jetzt seine Revanche in den Bureaux der Kammer. Er dringt auf eine förmliche Auflösung der Klubs. Als wahrer Staatsprokurator zeigt er, daß neben dem Staate als Gesellschaft, keine andere Gesellschaft bestehen dürfe, und zum Belege seiner Behauptung führt er Beispiele aus der römischen Republik an. Mit Herrn Dupin geht Herr Thiers Arm in Arm. Was Dupin für die Redefreiheit thun will, das hat Herr Thiers für die Preßfreiheit zu thun. Beide bleiben ihren alten Antecedentien getreu. Und wie Thiers jetzt so frei auftreten kann, als Vertheidiger der Septembergesetze! Mit Stolz bekennt er sich als einer der vorzüglichsten Urheber von Gesetzen, deren Nothwendigkeit jetzt so tief gefühlt werde. Für Herrn Thiers ist keine unbegränzte Preßfreiheit möglich. Unter der Monarchie war es nicht erlaubt, sich Republikaner zu nennen, wie kann es unter der Republik erlaubt sein, als Royalist aufzutreten? Die Kaution der Journale hat zur trefflichen Folge, „die ernste honette, aufgeklärte Presse zu begünstigen, und alle jene infamen Erzeugnisse der Politik und Literatur zu ersticken.“ Also alle Journale, die nicht 24,000 Fr. Kaution stellen können, geben nur infame Artikel; die reiche Journalistik, die Bourgeois-Journale verbürgen allein die Bourgeois-Ehrlichkeit. Und als der Constitutionnel in Folge einer reißend-zunehmenden Desabonnementssucht, genöthigt war, die „infame“ sozialistische Literatur eines Eugene Sue im Feuilleton zu geben weil die Abonnenten seine „ernste, honette und aufgeklärte“ Politik nicht mehr lesen wollten, was hätte da Thiers angefangen, wenn ihm nicht die während seines Ministeriums auf der Börse gewonnenen Millionen zu Diensten gestanden hätten?
Die Herren Dupin und Faucher sind ebenfalls für die Kaution. Berryer u. Duprat, letzterer Redakteu vom Peuple Constituant, sprechen sich gegen diese Maßregel aus, indem sie nachweisen, daß mit der Aufhebung des Census für die Macht die Kaution für die Journale ebenfalls aufhören müsse. Letztere Meinung wird wahrscheinlich nicht durchgreifen in einer Kommission, wo Leute wie Thiers, Dupin und Faucher wieder zu Macht und Anseh ngcelangen.
Besser als alle diese Gesetzentwürfe bekommt der hohen Finanz der fortdauernde Belagerungszustand von Paris. Man muß nur sehen, wie Rothschilds Journale für die Energie Cavaignac's nicht genug des Lobes spenden können. „Nur fortgefahren rufen sie ihm zu! jedes voreilige Zutrauen könnte uns verderblich werden!“ Wie die hohen Finanzbarone ihrerseits koquettirten mit ihrer Geldnoth vor den Juniereignissen wo sie genöthigt gewesen waren, ihre Bankaktien, diese feinsten aller Papiere, mit Verlust zu verkaufen, um die Ehre ihres Hauses zu retten! Das ist jetzt ganz anders. Wie die Aktien steigen, seit in den Straßen von Paris allenthalben der Kriegsruf ertönt: Sentinelle, prenez garde à vous! Wie die 3 und 4prozentigen in die Höhe gehen, seit hinter jedem Staatsschuldscheine Tausende von Bajonneten aufgepflanzt sind. Zwar gehn alle kleinern Geschäftsleute, alle jene Bourgeois, welche die Insurrektion bekämpften, um ihre bürgerlichen Illusionen zu retten, tagtäglich mehr zu Grunde.
Aber was liegt daran: dem Wechsel muß sein Recht verbleiben, der Staat muß für seine Schulden stehen, die Börsenmänner müssen wieder aufkommen und sollten 9/10 von Paris untergehn. Cavaignac ist da, und über seine Schulter guckt der kleine Thiers hervor. Und der arme Marrast, der so paschaartig im Stadthause paradirte, muß sich hinter Thiers aufstellen. Der Verein der Republikaner, „des Vorabends,“ der im Palais National seine Sitzungen hielt und nur aus Republikanern des National bestand, ist zerfallen unter sich. „Die Leute von Einfluß,“ wie Marrast, Pagnerre und Marie, haben sich von ihm losgesagt, und halten einstweilen ihre Zusammenkünfte im Institute, um sich später mit dem Cirkel der Rue Poitiers, dem Cirkel des Herrn Thiers zu vereinigen. Sie geben sich den Titel der „Conciliateurs,“ der Versöhner, während sie im Grunde weiter nichts versöhnen, als ihre Bourgeois-Interessen mit dem Verluste aller republikanischen Freiheiten.
„Paris, schreibt ein Korrespondent, ist wahrlich nicht heiter! Ich komme eben nach Hause, und auf meinem Heimwege bin ich jeden Augenblick auf Schildwachen gestoßen, die mir mit drohender Stimme zuriefen: „passez au large“! d. h., da die Schildwachen auf beiden Seiten der Straße aufgepflanzt sind, soll man recht acht haben, die Mittellinie beizubehalten, wenn man nicht gewärtig sein will, eine Kugel durch die Brust oder den Rücken zu erhalten!“ Wie das frivole Paris so düster ernst geworden ist.
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@facs0239
Straßburg, 14. Juli.
In der heutigen Nr. des „Republicain Alsacien“ erlassen die hiesigen Arbeiter folgende Erklärung:
„Die Gesellschft der Arbeiter hat eine Einladung erhalten um einer öffentlichen Manifestation beizuwohnen: sie erklärt durch das Organ ihres Büreaus, daß sie sich keiner Manifestation anschließen wird, bis die Urheber dieses Festes erklärt haben, daß diese Manifestation „demokratisch-socialistisch und republikanisch“, und eine Protestation gegen jeden freiheitmordenden Versuch ist, sei es für die Vergangenheit, für die Gegenwart oder Zukunft.“
Th. Hiller, Präsident.
K. Weißenbach, Vice-Präsident.
G. Cartier, Spitzer, Arbulot, F. Wilhelm, Sekretarien.
Großbritannien.
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@facs0239
[27] London, 15. Juli.
Das bekannte Parlamentsmitglied und Führer der Chartisten, Feargus O'Connor, hat so eben folgenden Aufruf an die Irländer erlassen:
„Irländer, Landsleute!
Wie lange soll noch die Herrschaft des Schreckens in unserm unglücklichen Lande andauern? Ist es nicht ein jammervoller Anblick, täglich irische Patrioten durch den angelsächsischen Unterdrücker aus der menschlichen Gesellschaft wegschleppen zu sehen? Und ist es nicht noch viel jammervoller, daß sich das Gewinsel eines erblichen Führers (John O'Connell's) der Wiedergeburt Irlands in den Weg stellt?
In England bringt der Unterdrücker sein Haus in Ordnung, um bald an ein vorbedachtes Abschlachten des irischen Volkes gehen zu können. Die Männer mit den Polizeiknütteln werden jetzt im Gebrauch des Säbels unterwiesen, damit sie die Stelle jener Truppen versehen können, deren Gegenwart im Hungerlande als nothwendig vorausgesehen wird. Zur selben Zeit verurtheilt man Irländer zu 7jähriger Deportation, weil sie sich im Gebrauch derjenigen Waffen geübt, mit deren Hülfe die Unterdrücker ihre Mißregierung fortsetzen.
Landsleute! Die entsetzliche Politik, von der Leichtgläubigkeit eines enthusiastischen Volkes zu leben, hat Irland in seine jetzige Lage gebracht. Befreien kann es sich aus derselben nur, wenn die Mehrheit seiner Söhne, zur Verfechtung ihrer Rechte fest entschlossen, sich eine solide Organisation giebt. Was ich als Folgen der „Knebelungs-Bill“ voraussagte, ist Alles eingetroffen. [0240] Im Beginn der Parlamentssession machte ich den Tyrannen im Ministerium bemerklich, daß sie Kanada und Irland verlieren würden. Ich habe seitdem keinen Grund gehabt, meine Ansicht zurückzunehmen. Doch, wenn ich Euch, Landsleute, die Wahrheit sagen soll: Euer Mangel an fester Vereinigung und an Muth macht mich feig. Ja, es ist die reine Wahrheit, daß gegenwärtig das Gesetz so weit ausgedehnt werden kann, um jeden Freiheitsfreund und Jeden, der kühn seine Meinung an den Tag legt, zu vernichten. Gleichwohl und trotz aller Lästerungen der irischen (O'Connell'schen) Partei bin ich jetzt, da der Angelsachse das Schwert gezogen, augenblicklich bereit, jede Lücke auszufüllen, die von den Gesetzen des Tyrannen in den Reihen meines Geburtslandes gemacht wird. . . . . Ich darf wohl sagen, daß Tausende, ja Millionen fragen oder denken: was thut Feargus O'Connor? Meine Antwort an Alle ist, daß ich jede Bewegung des Feindes beobachte und daß ich, um nicht meine Kraft zu schwächen, mir durch Schwachheit keine Blöße gebe. Landsleute! Die afrikanischen Schlächter mögen mit kaltem Blut die Heroen der französischen Republik niedermetzeln: die Arbeit wird doch siegen.
Diese Wüthriche erschossen 650 Gefangene kaltblütig und auf einmal. Andere Tausende schlossen sie in Keller ein und füllten letztere mit Wasser, um die Gefangenen zu ersäufen: allein die Sache der Arbeit wird doch triumphiren.
In England hat man die gefangenen Chartisten für „schuldig“ erklärt, und nach Zeugenaussagen, die nicht einmal zum Hängen eines Hundes hinreichend wären, zur schrecklichsten Strafe verurtheilt. In Irland werden Eure besten Männer aus Eurer Mitte gerissen und dies Alles geschieht in der Hoffnung gegen die steigende Begeisterung rechtzeitig den Todesstreich zu führen. Diese Hoffnung, sie wird fehlschlagen. Verlaßt Euch darauf, daß die Rache vollbringen wird, was der Gerechtigkeit versagt wurde. Nicht blos in Frankreich, auch in Irland, nimmt die Herrschaft der Tyrannei zu. In beiden Ländern ist die Macht der Presse, um Gutes zu bewirken, fast gänzlich vernichtet, während die feile und gemeine Presse zärtlich gepflegt und gleich einer wüthenden Meute auf das Volk gehetzt wird.
Inmitten dieses Zustandes der Dinge, giebt es da keinen Weg, um in beiden Ländern eine so gleichzeitige Agitation ins Werk zu setzen, daß die Macht der Faktion gelähmt und das Volk mit Hoffnung erfüllt werde? Ich antworte: Ja! und nächste Woche werde ich den Plan vorlegen, durch den die Arbeit, ohne einen Schlag zu thun, ihren Triumph erringen kann.
Von der Ausdehnung, welche das jetzige Ministerium dem Spionirsystem gegeben, könnt Ihr Euch keinen vollständigen Begriff machen; eben so wenig von den Schlingen, die es den Unbedachtsamen hingelegt. Besitze ich nun gleich keine geheimen Polizeigelder, so habe ich doch durch die Polizei und das Korps der Ausspürer eben so gute Nachrichten, wie die Minister. Ich erlaube mir den englischen Chartisten mitzutheilen, daß trotz des Durchgehens der „Fremdenbill“ es gerade Fremde sind, welche dem Minister des Innern als Werkzeuge dienen. Ich bitte sie deshalb im Namen der Gerechtigkeit und des Chartismus, dem Feinde nicht den Gefallen zu thun, in die gelegten Fallstricke hineinzugerathen.
Niemand wird auch nur einen Augenblick glauben, daß Mitchell noch lange verbannt sein wird, oder daß Jones und seine Schicksalsgenossen ihre zweijährige Gefangenschaft, die noch schlimmer als Verbannung ist, werden erdulden müssen.
Ich versichere Euch, meinen Landsleuten, ich versichere den englischen Chartisten, daß, wird mein Plan zur Organisation und Agitation befolgt, es für irgend ein Ministerium unmöglich ist, die Unterdrückung beider Länder fortzusetzen. Wird der Plan nicht ausgeführt, so muß der Schrecken das hingenommene Loos der Leidenden sein. Wollte Gott, ich wäre in einer Lage, meine Gefühle ohne Furcht vor den Folgen, welche das „Knebelungsgesetz“ über meine Partei bringen würde, aussprechen zu können! Gleichwohl sage ich Euch, sage ich Euren Unterdrückern, daß, wenn das Volk weise, muthvoll und vereinigt auftritt, seinen gerechten Forderungen zu widerstehen unmöglich ist; daß aber, wenn es thöricht, feig und vereinzelt handelt, nicht seine Herrscher, sondern das Volk selbst die Schuld seines Elendes trägt.“
Ich verbleibe Euer treuer Freund und Landsmann
Feargus O'Connor.
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@facs0240
[*] London, 15. Juli.
Im Unterhause lange Debatten über zweite Lesung einer Bill wegen öffentlicher Arbeiten in Irland, die theils zu neuen Vorschüssen Seitens der Regierung zur Vollendung angefangener Arbeiten ermächtigen soll, theils Bestimmungen enthält, wie die verflossenes Jahr an Irland gemachten Vorschüsse in Terminzahlungen zurückzuerstatten sind.
In einem leitenden Artikel über die Eröffnung des ungarischen Parlaments hebt die „Times“ die schwierige Lage hervor, in denen sich gegenwärtig Ungarn befindet. Zuletzt kommt das Journal auch auf das Einrücken der Russen in die Moldau zu sprechen. „Dies wird mit Recht oder Unrecht (?!) als der erste offene Schritt des Petersburger Kabinets zur Feststellung seines Protektorats über die slavischen Länder an der Donau betrachtet werden. Da jene Gebiete den untern Theil und die Mündung des prächtigen Flusses beherrschen, der ganz Süddeutschland durchströmt und die ausgedehnten innern Wasserwege Ungarns mit dem schwarzen Meere verbindet, so ist dies eine Lebensfrage für ganz Deutschland in Verbindung mit den Ungarn. Wir sind indeß zu glauben geneigt, daß, wenn Gen. Duhamel in die Moldau eingedrungen, er jetzt nicht viel weiter vorrücken und die russische Politik sowohl an der Donau wie anderwärts sich mehr von den Ereignissen, als einem vorausbestimmten Angriffsplane leiten lassen wird.“
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@facs0240
‒ London, 15. Juli.
Consols schließen zu 77 1/2, 5/8.
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@facs0240
[*] Dublin, 13. Juli.
Immer mehr Verhaftungen. Gestern wurden solche wiederum an Magee und Hollywood vollzogen, angeblich wegen seditiösen Reden in der Grafschaft Wicklow. Magee ist einer der geschicktesten Männer unter den Jung-Irländern, sei es als Redner, als Schriftsteller oder Organisationstalent. Hollywood gehörte zu der Deputation, welche im März der provisorischen Regierung zu Paris die bekannte Glückwunsch-Adresse überreichte. Beide sind jedoch heute gegen Stellung von Bürgschaften einstweilen in Freiheit gesetzt. In Cork ließ W. S. O'Brien am Dienstage sämmtliche konföderirte Klubs Revue passiren. Alle waren militärisch organisirt und die Sache ging ohne Störung vorüber. In der später erfolgten Anrede sagte O'Brien: „kann ich Duffy und den Uebrigen, welche in die Kerker geschleppt sind, sagen, daß die Männer von Cork bereit stehen?“ (lauter Ruf: Ja, ja; und auch die Weiber!) Er rathe ihnen aber, sich zu keiner Uebereilung hinreißen zu lassen, sich eher einen Zwang anzutthun; denn der Kampf für die Freiheit Irlands einmal begonnen, müsse vom Sieg gekrönt werden; der Sieg müsse errungen werden, wenn nicht Uebereilung ihn vereitele. Die Oranien-Männer des Nordens haben gestern den Jahrestag der Schlacht am Boynefluß mit besonderm Eclat gefeiert.
Amerika.
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@facs0240
Die schon seit einiger Zeit in den Vereinigten-Staaten projektirte Eisenbahn vom Atlantischen- bis zum Stillen-Meere, scheint seit der Beendigung des mexikanischen Krieges ein Gegenstand praktischer Erwägung zu werden. In einem Briefe Lieutenant Mauray's, der amerikanischen Marine, finden wir eine klare Uebersicht der Hauptpunkte des Unternehmens. Die bisher vorgeschlagene Route war eine nördliche, von New-York bis hinauf nach Chicago und dann nach Oregon und dem Columbia Fluß; Lieutenant Mauray behauptet indeß, daß die gefährliche Schifffahrt ind der Mündung der Columbia und der Umstand, daß die unter britischer Hoheit stehende Vancouver Insel jenen Theil des Stromes auf's wirksamste beherrscht, unüberwindliche Hindernisse dieses Planes bilden. Er schlägt deswegen vor, daß die Linie mit dem Häfen von Charleston in Süd-Carolina ihren Anfang nehme und nach Memphis in Tenessee und von da nach Monterey oder San Francisco in Californien gehe.
Von Charleston nach Tenessee ist bereits eine Bahn vollendet und die Distanz von Memphis nach Monterey ist 1,500 Meilen. Auf diesem Wege würde die Entfernung vom englischen Kanale bis zum Stillen-Meere 5,370 Meilen sein; über Chicago 5,320 Meilen.
Der Haupt-Nutzen einer die beiden Oceane verbindenden, durch das Herz der Vereinigten-Staaten gehenden Eisenbahn, besteht in dem nie aus den Augen verlorenen Faktum, daß die Werthzunahme des von ihr durchschnittenen Landes, die Kosten der Bahn mehr als decken würde, und daß eine solche Linie den Vereinigten-Staaten jene ausschließlichen Vortheile verleihen muß, die verloren gehen, wenn man nach dem alten Plane die betreffende Verbindung vermittelst eines Kanales durch die Landenge von Panama herstellen wollte.
Das Empfehlenswerthe der Route über Californien, im Gegensatz zu der über Oregon, geht aus der Sicherheit der californischen Häfen, ferner aus ihrer günstigen Lage für die jährlich im Wallfischfang des Stillen-Meeres verwandten 300 amerikanischen Schiffe, so wie namentlich daraus hervor, daß sie einen Centralpunkt für die Errichtung einer großen Marine-Station und für die Anlage von Docks bieten würde, indem San Francisco in der Mitte zwischen der nördlichen und südlichen Grenze der an dieser Küste jetzt etwa 1000 Meilen weit sich erstreckenden amerikanischen Besitzungen liegt.
Lieutenant Mauray behauptet, daß der Bau der fraglichen Bahn den Vereinigten-Staaten die Herrschaft über den Handel des ganzen Ostens sichern würde. Bisher, bemerkt er, standen die Schiffe der zwei großen Konkurrenten des Ocean's, in allen Theilen der Welt, Europa und Westindien ausgenommen, auf durchaus gleichen Bedingungen. Um von Indien, China, Neu-Holland, den Inseln des Stillen-Meeres, oder von den Häfen Süd-Amerikas nach Hause zurückzukehren, hatten amerikanische wie britische Schiffe dieselbe Route zu machen, obgleich die einen ihre Fahrt mit Liverpool, die andern ihren Lauf mit New-York endeten.
‒ Jetzt aber, wo Oregon und Californien amerikanisirt sind, werden uns alle jene Häfen näher; die bedeutendsten derselben, wie Bombay, Calkutta, Singapore, die Häfen von China, Japan, Neu-Holland, Australien, Polynesien und der Inseln des Ostens, liegen viele Tausend Meilen näher bei den Vereinigten Staaten als bei England.
‒ Wir brauchen dem Vorstehenden nichts mehr hinzuzufügen. Die enormen Umwälzungen welche die Vollendung jenes großen Projektes nach sich ziehen muß, liegen zu sehr am Tage.
Handelsnachrichten.
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Schiffahrts-Anzeige. Köln, 17. Juli 1848.
Angekommen: Kapt. van Alen von Dordt mit 1729 Ztr.; Kapt. Coesen von Amsterdam mit 3951 Ztr.; Kapt. Jurrius von Amsterdam mit 4686 Ztr.;
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Wwe. Jak. Schaaff; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr Joh. Budberg; nach Andernach und Neuwied M. Pera, A. Boecking; nach Koblenz und der Mosel und Saar D. Schlägel; nach der Mosel, nach Trier und der Saar, N. Bayer; nach Bingen Wb. Jonas; nach Mainz Val. Pfaff; nach dem Niedermain Fr. Gerling; nach dem Mittel- und Obermain C. Hegewein; nach Heilbronn Fr. Schmidt; nach Kannstadt und Stuttgart L. Hermanns; nach Worms und Mannheim W. C. Müller; nach Antwerpen M. Lamers.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Singendonk, Köln Nr. 10.
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Wilson, Köln Nr. 1.
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Wasserstand.
Köln, am 17 Juli. Rheinhöhe 9′ 4″.
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Der seit dem 17. Mai v. J. wieder eröffnete große Viehmarkt hierselbst hat durch seine seitdem fortwährend gestiegene Frequenz den Beweis geliefert, daß derselbe, sowohl in Rücksicht auf den eigenen Bedarf der Stadt Köln, als auch auf die Lage der Letzteren im Mittelpunkte der Provinz, als ein dringendes Bedürfniß angesehen werden muß. Wegen der Permanenz dieses Marktes an jedem Montage des ganzen Jahres ist die Feststellung eines besondern Termines zum Beginne der Waidviehmärkte nicht erforderlich; daher die niederländischen Kaufleute zum Bezuge desselben mit Waidvieh unter dem Bemerken hierdurch eingeladen werden, daß für alle Bequemlichkeiten des Handelsstandes gesorgt ist.
Köln, den 12. Juli 1848
Das Ober-Bürgermeister-Amt.
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Die Gläubiger des Falliments des in Köln wohnenden Weißgerbers Ign. Jos. Eichholz werden hierdurch ersucht, sich zu dem im 3. Buche 1. Titel 8. Kapitel des Handelsgesetzbuchs ausgedrückten Zwecke am 20. l. M., Vormittags 11 Uhr, im Lokale des königl. Handelsgerichts dahier zu versammeln.
Köln, den 16. Juli 1848.
Der provisor. Syndik, Schneider II, Advokat.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Mittwoch, den 19. Juli 1848, Vormittags zehn Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Apostelnmarkte zu Köln mehrere Sattlerwaaren, als: Koffer, Hosenträger, Cigarren-Etuis etc., sodann eine Kommode dem Meist- und Letztbietenden gegen baare Zahlung öffentlich verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher, Gassen.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Mittwoch, den 19. Juli 1848, Morgens 9 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Markte in der Apostelnstraße zu Köln drei Oelgemälde in Goldrahmen, dem Meist- und Letztbietenden gegen gleich baare Zahlung verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher Penningsfeld.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Donnerstag, den 20. Juli 1848, Morgens 9 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Markte in der Apostelnstraße zu Köln, Hausmobilien aller Art dem Meist- und Letztbietenden gegen gleich baare Zahlung verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher, Penningsfeld.
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Aufruf an die Bürger Kölns.
Diejenigen Bürger Kölns, welche die Mahl- und Schlachtsteuer, die besonders auf so ungerechte Weise auf die arbeitenden Klassen lastet, aufgehoben wissen wollen, mögen sich vereinigen. Zu diesem Zwecke liegen in nachbenannten Lokalen Listen zur Unterschrift offen:
BeiHrn.Huthmacher, Martinstraße 31.
BeiHrn.Geuer, Rheingasse 25.
BeiHrn.Lölgen, Johannisstraße 2.
BeiHrn.Kreutzer, Weidengasse 11.
BeiHrn.Becker, Schildergasse 8 u. 10.
BeiHrn.Siemons, Mühlengasse 1.
BeiHrn.Kurth, große Sandkaul 34.
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Zum deutschen Reichsverweser.
Im neuen großen Schoppen, Große Neugasse Nro. 36.
Heute Abend frische Erbsen un sonstige der Saison angemessene Speisen und schöne Weine bei Louis Kertell,
Köln, den 18. Juli 1848.
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Mailust in Deutz.
Daß die Säle im Hause, woraus man die herrlichste Aussicht genießt, so weit fertig sind, daß ich nunmehro meine verehrten Gäste auch bei ungünstiger Witterung bewirthen kann, zeigt ergebenst an.
Joseph Kost.
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Ein erfahrner Zuschneider, welcher deutsch, französisch und englisch spricht, sucht eine Stelle. Die Expedition sagt wo.
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Ein Schreiber sucht Beschäftigung, sei es auch für halbe Tage oder stundenweise. Weingartengasse Nr. 6.
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Apfelsinen, billig und schön. St. Agatha 25.
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In der Expedition der Neuen Rheinischen Zeitung ist zu haben:
Manifest der Contrerevolution.
Auszug aus Nr. 43 der Neuen Rheinischen Zeitung.
Preis 1/2 Sgr.
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Einladung zur Pränumeration auf die Neue politische Ofner-Pesther Zeitung und die damit verbundenen Gemeinnützigen Blätter für Belehrung und Unterhaltung.
Wöchentlich sechs Nummern. Pränumerationspreis für den Semester Juli-December mit viermaliger Postversendung und Couvert 6 fl. C.-M. ‒ Man pränumerirt in Ofen bei allen löbl. Postämtern.
Die neue politische Ofner-Pesther Zeitung mit den Gemeinnützigen Blättern, unterstützt von vorzüglichen Kräften nah und fern, hat als Organ entschiedenen Fortschrittes allseitige Anerkennung gefunden und erfreut sich einer großen Verbreitung.
Der am 2. Juli beginnende ungarische Reichstag ‒ der erste, auf welchem das ganze Land mit dem damit vereinigten Siebenbürgen durch selbst gewählte Volksvertreter repräsentirt wird; ‒ die sich täglich wichtiger gestaltenden kriegerischen Ereignisse in Ungarn und dessen Nachbarländern, sowie die großen folgenreichen Begeben heiten im Auslande ‒ bieten Stoff zu den gehaltreichste Mittheilungen, die wir schnell und authentisch liefer und die unserer Zeitung im nächsten Semester noch größeres Interesse und höhern Werth verleihen werden.
Anzeigen aller Art finden durch die Ofner-Pesther Zeitung eine Verbreitung und wird die dreimal gespali tene Petitzeile bei 1maliger Einrückung mit 3 kr., be 3maliger Einrückung mit 8 kr. C.-M. berechnet.
Ofen, im Juni 1848.
Joseph Jànisch, Herausgeber und Redakteur.
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Der Demokrat, ein Zeitblatt, redigirt von Ferdinand Deyfried und August Silberstein, und dessen schon im Titel ausgesprochene Tendenz wird mit Geist, mit Energie und Konsequenz im Vereine mit den tüchtigsten Männern zu verfolgen gesucht. Die Hauptaufgabe dieses Blattes ist, das Volk wach zu erhalten, es anzuregen, über seine Rechte zu belehren, und in seinem Streben zu stützen und zu befestigen. ‒ Daß es hiebei ein entschiedenes Oppositionsblatt gegen alle Institute und Individuen sein muß, die eine entgegengesetzte Richtung einschlagen, versteht sich von selbst. ‒
Die politischen Vorgänge der Neuzeit werden vollkommen berücksichtigt, ihre Folgen, ihre Grundelemente beleuchtet, und so steht der „Demokrat“ als Wächter und Wegweiser des Volkes in den neuesten politischen Vorgängen da, hinzugesellt sich natürlich eine Mittheilung aller Ereignisse aus Fern und Nah, so rasch als es be irgend einem Journale geschehen kann.
Eine eigene Rubrik „Zeitung der demokratischtn Vereine Deutschlands“ dient den Demokraten unseres deutschen Gesammt-Vaterlandes zum Centralpunkt, indem wir aller Resultate und Bestrebungen mittheilen und beleuchten.
Der Wiener Reichstag wird eben so, täglich, vorzügliche Berücksichtigung finde und dieser so wie jeder einzelne bemerkenswerthe Charakter desselben einer demokratischen Kritik unterworfen werden.
Der Poesie gönnen wir im „Demokraten“ ebenfalls der Freiheit die Wege zu bahnen, so wie wir in dem Maße der Kunst und Satire Aufmerksamkeit schenken, als sie von Bedeutung für das sociale Leben wird.
Die Wiener Vorfälle, gewiß wichtig für die Gegenwart, werden aus eigener Anschauung schnellstens mitgetheilt und durch fortwährende Aufzählung der Verhandlungen der verschiedenen Ausschüsse, dem Publikum die Strebungen der Residenz (in welchen sich ganz Oestreich centralisirt) an den Tag gelegt.
Der „Demokrat'„ ein Organ der größten, gerechtesten Partei der Welt, erscheint in elegantem Folio wie bisher täglich, mit Ausnahme der Sonntage. Man pränumerirt in Wien in der Verlagshandlung des Leop. Sommer (vormals Strauß) Dorotheergasse Nr. 1108 und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes: Ganzjährig mit 12 Fl., halbjährig mit 6 Fl., vierteljährlich 3 Fl. C.-M. täglicher Postversendung ganzjährig 14 Fl., halbjährig 7 Fl., vierteljährig 3 Fl. 30 Kr. C.-M. ‒ Die Insertionsgebühr für den „Anzeiger des Demokraten“ ist für die dreigespaltene Petitzeile für einmal 2, für zweimal 3 und für dreimal 4 Kr C.-M. Wer die Insertionen der „Allgemeinen Oestreichischen Zeitung“ und dem „Demokraten“ zugleich einschalten läßt, bezahlt blos 5, 6 und 7 Kr. C.-M., mithin einen äußerst geringen Preis. Das Beilegen eines Viertelbogens wird zu 1 Fl. 30 Kr. berechnet. Druck sammt Papier 6 Fl. C.-M.
Wien im Juni.
Redaktion und Verlag.
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Bei Wilh. Greven, Herzopstraße Nro. -1 in Köln, ist so eben in Kommission erschienen: Der Criminalprozeß wider mich wegen Verleitung zum Cassetten-Diebstahl, oder: die Anklage der moralischen Mitschuld.
Ein Tendenz-Prozeß von F. Lassalle.
I. Lieferung. Enthaltend: 1. Vorwort. 2. Den Anklage-Akt wider mich, nebst Beschluß des rhein. Appell.-Gerichtshofes vom 12. Mai 1848. 3. Mein von jener Entscheidung vom 12. Mai dem rhein. Appell.-Gerichtshofe eingereichtes Memoire. (Auf Kosten des Verfassers). gr. 8. broch. Preis 5 Sgr.
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Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.