[0247]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No 50. Köln, Donnerstag 20. Juli 1848.
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Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen der Zeitung die weiteste Verbreitung.
Uebersicht.
Deutschland. Köln (die Unterdrückung der Klubs in Stuttgart und Heidelberg. ‒ Der preußische Preßgesetzentwurf). Berlin (demokratischer Urwähler-Verein. ‒ Politische Prozesse. ‒ Die Adresse. ‒ Soldaten in Volksversammlungen). Frankfurt (Nationalversammlung. ‒ Die Grundrechte). Breslau (Kongreß der schlesischen Demokraten). Altona (militärischer Waffenstillstand). Rendsburg (deutsche Heereseinheit). Hadersleben (das Tannsche Freikorps). Altenburg (Adresse nach Frankfurt). Koburg (Militäraufregung). Heidelberg (der demokratische Studentenklub aufgelöst. ‒ Auszug der Studenten). Darmstadt (Jaup Minister des Innern). Wien (Ministerkrisis. ‒ Erklärung des amerikanischen Geschäftsträgers. ‒ Fraternisation von Civil und Militär). Prag (die Deputirten. ‒ Belagerungszustand. ‒ Neue Verhaftung).
Polen. Lemberg (russische Deserteure). Krakau (Auslieferungen an Rußland).
Ungarn.Agraia (Schlußdebatten des Landtags).
Donaufürstenthümer.Bucharest (der Staatsschatz leer. ‒ Demokraten-Verein).
Französische Republik.Paris (das Heerlager. ‒ Eine neue Zeitung. ‒ Barrault über Lamartine. ‒ Das Journal des Debats über die Finanzen der Republik. ‒ Vermischtes. ‒ Nationalversammlung).
Großbritannien.London (der Northern Star über den Chartistenprozeß. ‒ Tait's Magazine über die französische Bourgeoisie).
Italien.Mailand (die Mailänder Zeitung über die Lage des Landes).
Florenz (Kammerverhandlung).
Deutschland
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Edition: [Friedrich Engels: Die Unterdrückung der Klubs in Stuttgart und Heidelberg. In: MEGA2 I/7. S. 364.]
[**] Köln, 19. Juli.
Mein Deutschland trank sich einen Zopf
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Edition: [Friedrich Engels: Der preußische Preßgesetzentwurf. In: MEGA2 I/7. S. 366.]
[**] Köln, 19. Juli.
Wir dachten, unsre Leser heute wieder mit den Vereinbarungsdebatten erheitern
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[15]Berlin, 16. Juli.
Gestern hat sich hierselbst ein „demokratischer Urwählerverein“ mit dem Zweck gebildet, eine stetige Verbindung der demokratischen Urwähler und Wahlmänner Berlins mit den derselben Richtung angehörenden Deputirten unserer Stadt zu unterhalten. Das Comité des Vereins besteht zum Theil aus Berliner Abgeordneten. Gegen die Aufnahme des Herrn Kirchmann in dasselbe erhob sich eine heftige Opposition. Man beschuldigte ihn, die demokratische Partei, mit der er nach den Märztagen aus persönlichen Gründen kokettirt, im Augenblick der Gefahr verlassen zu haben. In der That ist dieser Vorwurf vollkommen gegründet. Schon im April hatten Biele unserer Weißbier-Philister, voll Jammer über die bisher unerhörten (um mit Herrn Camphausen zu reden) „Ausschweifungen“ der Presse und Volksversammlungen von dem damaligen Staatsanwalt bei dem hiesigen Kriminalgericht verlangt, daß er gegen die Aufwiegler und Schreier endlich einmal zu Felde ziehe. Indeß lehnte Herr Kirchmann das Ansinnen ganz entschieden ab und veröffentlichte eine Erklärung, worin er das Unthunliche der Anwendung veralteter Gesetze auf die Gegenwart deducirte. Dieser Erklärung verdankt Herr Kirchmann seine ganze Popularität und seine Wahl zum Abgeordneten der Vereinbarungsversammlung. ‒ Und doch war es derselbe Herr Kirchmann, der kurz nach Erlaß obiger Bekanntmachung den ersten Preßprozeß seit den Märztagen, den Prozeß gegen Schlöffel, einleitete und denselben in der That nach der Magdeburger Citadelle brachte. Bei Gelegenheit der Debatte über den Behrends'schen Antrag erklärte Herr Kirchmann sich für Anerkennung der Revolution, hingegen stimmte er, als die Abgeordneten Waldeck und Wachsmuth die Umschmelzung resp. Beseitigung des von der Regierung vorgelegten Verfassungsentwurfs beantragten, gegen diesen Antrag. Auch dem Jacobischen Antrage hat sich Herr Kirchmann vom Standpunkt des juristischen „Rechtsbodens“ widersetzt; die Nationalversammlung zu Frankfurt, erklärte er, sei nicht souverän, denn sie habe ihr Mandat von den deutschen Regierungen erhalten, und diese juristische Weisheit stützte der wackre Mann auf den Bundestagsbeschluß vom 30. März, wonach die Nationalversammlung berufen worden, um im Einvernehmen mit den deutschen Regierungen das deutsche Verfassungswerk zu gründen. Alle diese Umstände sind jetzt in dem demokratischen Urwählerverein gegen Herrn Kirchmann geltend gemacht, und in der That seine Nichtaufnahme in das Comité durchgesetzt worden. Der Verein wird sich alle Sonnabende im Conzertsaale des Schauspielhauses versammeln.
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[15] Berlin, 17. Juli.
Der Vorwurf der Langsamkeit, den man unseren Gerichten macht, ist wenigstens da, wo es politischer Verbrechen Angeklagte zu verurtheilen gilt, vollkommen ungegründet. Monecke ist bereits heute in zweiter Instanz verurtheiltund das Erkenntniß der ersten vom geheimen Obertribunal lediglich bestätigtworden. Auch Held und Karbe waren heut vor Gericht geladen; das Ministerium der That wird bald um Kerkerräume verlegen sein. ‒ Des Studenten Feenburg aus Rußland, eines der tapfersten Kämpfer an den Barrikaden, öffentliches Verhör steht ebenfalls bevor; er soll bei Gelegenheit des Zeughausturmes: zu den Waffen! gerufen haben. ‒ Fernbach wird äußerst streng in seiner Haft behandelt; nur jeden zweiten Tag darf er im Hofraum der Stadtvogtei sich eine halbe Stunde ergehen; unter anderen ist ihm das Rauchen streng versagt. Wann sein öffentliches Verhör stattfinden wird, hoffe ich Ihnen nächstens angeben zu können. ‒ Morgen soll die Adreßdebatte in der Nationalversammlung eröffnet werden; wenn nicht die Minister freiwillig darauf verzichten, so wird trotz alles Widerstrebens der Linken, trotzdem, daß die Kommission eine Umschmelzung der Adresse verweigert hat, dennoch eine 14tägige Adreßdebatte zu Stande kommen.
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[103] Berlin, 17. Juli.
Die preußische Regierung hat darauf verzichtet, die Stelle des Oberbefehlshabers der deutschen Reichs-Armee für den Prinzen von Preußen in Anspruch zu nehmen, da dieser in Süddeutschland zu unpopulär ist und seine Ernennung der „deutschen Einheit“ Gefahr bringen könnte.
In der gestrigen Volksversammlung versuchten Soldaten vom 9 Regiment die Ruhe zu stören. Ehe die Versammlung eröffnet wurde, schimpfte ein Soldat von jenem Regiment auf die Berliner, und da die Nahestehenden dies übel aufnahmen, so drohte er, seinen Säbel zu zieh'n und davon Gebrauch zu machen; nur mit großer Mühe konnten zwei Unteroffiziere ihn entfernen, nachdem es schon mehrere Stockschläge gesetzt hatte. Es hieß nun, das 9. Regiment wolle sich dafür rächen; es lief jedoch ruhig ab. Eine bewaffnete reitende Patrouille wurde herangezogen, welche mit Hülfe vieler Unteroffiziere, sowie einiger Polizeikommissäre, dafür sorgten, daß sich kein Soldat mehr in die Versammlung mischte. Der Polizeikommissär hielt es für nöthig, dem versammelten Volke von der Tribüne anzuzeigen, daß die einzelnen Bewaffneten, nicht des Volkes wegen, sondern nur um die Soldaten von allen möglichen Excessen abzuhalten, hier anwesend seien. Das 9. Regiment besteht größtentheils aus Pommern, und scheint gestern von Offizieren und andern Reaktionären besonders aufgereizt worden zu sein, um einen Zusammenstoß mit dem Volke zu bewirken. Die Reaktion ist trostlos über die Ruhe die augenblicklich in Berlin herrscht. Sie hatte nämlich für den 15. bis 17. Juli eine neue Revolution angekündigt, für deren Ausgang sie unbesorgt war, da hier und in der Umgegend an 40,000 Mann Soldaten stehen.
Heute wurde vor dem Ober-Appellations-Senat des Kammergerichts der Preßprozeß des Studenten Edmund Monecke in zweiter Instanz verhandelt. Trotz der geschickten Vertheidigung des Angeklagten und dessen Anwalt, Justizkommissär Deycks, der den Richtern sogar vom Standpunkte der alten Gesetze die Ungerechtigkeit des ersten Urtheils nachwies und ihnen klar darlegte, daß ein falscher Paragraph des Landrechts zur Anwendung gebracht sei; daß keinesfalls eine Majestätsbeleidigung, sondern höchstens eine muthwillige Beschuldigung vorliege, die nur mit 6 Monat bis 1 Jahr zu bestrafen sei; und daß keinesfalls die National-Kokarde wegen Mangel an patriotischen Gesinnungen abgesprochen werden könne, ‒ wurde dennoch das Urtheil erster Instanz, auf 2 1/2 Jahre Festung und Verlust der National-Kokarde, einfach bestätigt.
In der hiesigen Charité sind heute vom Professor Wolf zwei Cholerafälle behandelt worden. Die Cholera war aber schon zu weit entwickelt, die beiden Kranken sind gestorben.
Als Kuriosum theile ich Ihnen mit, daß in Stettin in einer Volksversammlung von etwa 900 Anwesenden, nur drei Personen für das Zweikammersystem gestimmt haben.
Nach dem Vorgange der Katholiken am Rhein und in Westfalen hat sich auch hier aus Mitgliedern der St. Hedwigsgemeinde ein „Piusverein für religiöse Freiheit“ gebildet. Die Statuten bestimmen als Zweck des Vereins: „die katholischen Interessen nach den Grundsätzen der jetzt allgemein und für alle Bekenntnisse geltenden Glaubensfreiheit und des hieraus hervorgehenden Rechts zu wahren und zu fördern.“ Das Statut erklärt daneben ausdrücklich: daß es auch die praktische Geltung und das rechtliche Bestehen aller übrigen im Staate aufgenommenen Konfessionen anerkenne und sich ihnen gegenüber nie angriffsweise, sondern stets nur vertheidigungsweise verhalten wolle.
Der Minister des Innern, Kühlwetter, hat ein Circularschreiben an sämmtliche Regierungspräsidenten erlassen, worin er vor reaktionären Bestrebungen warnt. ‒ Die Rechte der Kammer wird immer kühner. In ihren Abendversammlungen wurde der Antrag gestellt, in der nächsten Sitzung zu verlangen, daß die Verfassungs-Kommission sofort aufgelöst und der Camphausen'sche Verfassungs-Entwurf berathen werde.
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Berlin, 17. Juli.
Die auf Anordnung des Ministeriums der geistlichen ect. Angelegenheiten stattfindenden Provinzial-Konferenzen der Elementarlehrer werden nach einer aus dem gedachten Ministerium uns zugegangenen Mittheilung nicht unter der früher in Aussicht genommenen Zuziehung der Schulräthe und Seminar- [0248] Direktoren, sondern in der Weise stattfinden, daß die von den einzelnen Kreis-Versammlungen gewählten Deputirten an einem von den Königlichen Ober-Präsidenten für jede Provinz bestimmten Ort ihre Berathungen unter einem von ihnen selbst zu wählenden Vorsitzenden abhalten. Für den Fall, daß die Konferenz Mittheilungen und Aufschlüsse aus der Schul-Verwaltung zu erhalten wünscht, wird auf Veranlassung des Herrn Ober-Präsidenten ein Kommissarius bereit sein, sich mit derselben in das erforderliche Vernehmen zu setzen. Die protokollarisch niederzulegenden Ergebnisse der Berathung werden demnächst durch die Ober-Präsidenten dem Ministerium der geistlichen ect. Angelegenheiten eingereicht werden.
[(Pr. St. A.)]
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Frankfurt, 17. Juli.
‒ 40. Sitzung der National-Versammlung, Fortsetzung der Berathung über § 3 der Grundrechte. ‒ (Vergl. die N. Rh. Ztg. vom 7. Juli.) Als Redner traten auf, die Abgg. Beda-Weber, Pathner, Jahn, Waitz, Nauwerk, Christ, Schwarzenberg, Rönne, Bresge, Sepp, Lette, Hildebrand, Eisenstuck. Von mehreren dieser Redner wurden selbstständige Anträge begründet. Wir glauben uns näherer Mittheilungen über diese Berathung um so mehr überheben zu können, als dieselbe sich lediglich um die in den frühern Sitzungen ausführlich besprochenen Punkte (Freizügigkeit, Staatsbürgerrecht, Heimaths- und Gewerbegesetzgebung) drehte, ohne wesentlich neue Gesichtspunkte zu Tage zu fördern. Zuletzt gab der Berichterstatter des Verfassungsausschusses, Abgeordneter Beseler, in 1 1/2 stündigem Vortrag ein Resumé der ganzen Berathung über die §§. 1, 2 und 3 des ersten Artikels. Präsident von Gagern schlug vor, die Abstimmung auf Donnerstag zu verschieben, und morgen andere Gegenstände auf die Tagesordnung zu bringen. Hiergegen wendete Bassermann ein: mit dem bisherigen Verfahren gelange man nicht zum Ziele. Die Verfassung erfordere Eile; denn der Partikularismus in Deutschland schreite schneller vorwärts als das Verfassungswerk; man dürfe ihn nicht so sehr erstarken lassen, daß dadurch die Verfassung unmöglich werde. Man möge daher alles Andere, z. B. Interpellationen, bei Seite lassen (Widerspruch links), verstehe sich mit den nothwendigsten Ausnahmen. Der Präsident erläutert, er habe keine Verzögerung beabsichtigt, sondern bloß den Freitag mit dem Dienstag zu vertauschen beantragt, da es ihm unmöglich werde, bis Morgen die Abstimmung vorzubereiten, ohne den Vortrag Beselers vollständig vor Augen zu haben. Der Vorschlag des Präsidenten wurde genehmigt, und es kommen sonach auf die morgende Tagesordnung: Berathung über Berichte R. Mohls in Betreff der Geschäftsordnung, über einen Antrag auf Oeffentlichkeit der Sitzungen des volkswirthschaftlichen Ausschusses, über die Mannheimer Beschwerde wegen Einquartirung, über die Petition von Elberfelder Bürgern in Betreff einer Aeußerung Rob. Blum's, über das Anstellungsgesuch eines Zollbeamten, endlich mehrere Berichte des Militärausschusses.
[(Fr. J.)]
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Frankfurt, 18. Juli.
Nationalversammlung. Schmitt aus Kaiserslautern beklagte sich wegen einer bei ihm statt gefundenen Haussuchung. Die Versammlung ging natürlich zur Tagesordnung über, wie über mehrere andere Anträge, z. B. die schweizer-hannoversche Differenz und die Judenemancipation. Vogt und Rauwerck kündigten Interpellationen an. Die übrigen Verhandlungen betrafen Anträge in Bezug auf die Geschäftsordnung und Petitionen. Letztere wurden durch Tagesordnung beseitigt, mit Ausnahme jener von Oggersheim wegen Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit, welche an den Gesetzgebungsausschuß überwiesen wurde. Schluß der Sitzung: 1 3/4 Uhr. Tagesordnung für morgen:die Limburger Frage und die Grundrechte.
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[15] Breslau, 16. Juli.
Nach einer gestern von 5 - 9 1/2 Uhr im Saale des blauen Hirsches gehaltenen Vorberathung sämmtlicher Deputirten der demokratischen Vereine Schlesiens, konstituirte sich heute der schlesische Provinzialkongreß, um die Organisation der Partei in der Provinz zu berathen. Vertreten waren im Ganzen 27 Vereine, jeder durchschnittlich durch mehrere Deputirte. Die Sitzung begann 7 Uhr Morgens. Bevor zur Organisation der demokratischen Partei in Schlesien geschritten wurde, einigte man sich über das Prinzip, welches sämmtliche Vereine anerkennen. Als solches wurde allgemein gebilligt ‒ die Volkssouverainetät. Eine längere Debatte entspann sich darüber, ob der demokratische Kongreß eine bestimmte Staatsform aufstellen sollte, in der allein die Volkssouverainetät zur Geltung kommen könne. Viele Redner sprachen sich entschieden für die Republik oder für die soziale Republik als die letzte Konsequenz der Volkssouverainetät aus; Andere dagegen wiesen nach, daß man die letzte Konsequenz jetzt entweder gar nicht ziehen könne oder daß diese die Auflösung des Staats überhaupt sein würde. Endlich nach einer dreistündigen Diskussion wurde als gemeinsames Prinzip beschlossen: die Volkssouveränetät ist die einzige Grundlage einer jeden Staatsverfassung.
Hierauf schritt man zur Organisation der Partei selbst. Es wird eine Provinzialkasse begründet aus freiwilligen Beiträgen der einzelnen Vereine. Das Geld wird verwendet zur Bestreitung von Portokosten für Korrespondenzen und für Drucksachen. Sollte jedoch die Kasse durch die nothwendig gewordenen Ausgaben erschöpft sein, so würde das Defizit den einzelnen Vereinen nach Verhältniß ihrer Beiträge zur Deckung überwiesen werden. Damit jedoch die Verbreitung der demokratischen Grundsätze über die ganze Provinz nicht durch Plakate allein geschehe, sprach der Kongreß auch noch dahin seinen Wunsch aus, jeder Einzelne möge populäre Aufsätze in die Kreisblätter liefern, welche die Demokratie vertreten. Besonders berücksichtigt wurde noch der Theil Schlesiens, dessen Bewohner meistens polnisch sprechen; für diese wurde die Unterstützung eines polnischen Lokalblattes durch geeignete Beiträge beschlossen. ‒ Ferner wurde genehmigt, daß durch ein später zu wählendes Provinzial-Comité von Zeit zu Zeit Flugblätter herausgegeben werden, welche die Tendenz der Demokratie verbreiten und welche ebenfalls in's Polnische übersetzt werden sollen.
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Altona, 16. Juli
Die Zusammenkunft, welche zwischen den beiden Oberfeldherrn am Freitage stattgefunden, hat zur Folge gehabt, daß ein militärischer Waffenstillstand bis zum nächsten Dienstage abgeschlossen worden ist.
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Rendsburg, 15. Juli.
In den letzten Tagen haben Reibungen zwischen den hier garnisonirenden preußischen und hannoverschen Truppen stattgehabt, deren Beilegung, ehe sie zu weiteren bedauerlichen Excessen führen, der Umsicht der militärischen Behörden wohl gelingen wird.‒Unsere neuen schleswig-holsteinischen Bataillone sind bereits so weit einexercirt, daß sie vorgestern bei einer Inspektion in Gegenwart der provisorischen Regierung sich die Zufriedenheit Sachkundiger erwarben.
[(Sch. H. Z.)]
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Hadersleben, 14. Juli.
Das v. d. Tannsche Freicorps hat gestern von Seiten des Oberkommandos den Befehl erhalten, morgen seine Stellung an der Ostküste zu verlassen, und in einigermaßen forcirten Märschen nach Rendsburg zurückzukehren. Dort angekommen, soll es von Seiten der provisorischen Regierung aufgelöst werden, unter Danksagung für seine geleisteten vielen guten Dienste.
[(W. Z.)]
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Altenburg.
Der hiesige Vaterlandsverein hat in Folge Vereinsbeschlusses unterm 6. d. M. folgendes, in vielen Exemplaren in unserm Lande verbreitetes Sendschreiben an die entschiedene Linke in der Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. erlassen:
„Vertreter des deutschen Volkes! Die Donner der Pariser Februartage waren kaum verhallt, als das deutsche Volk, dem Freiheitsrufe seiner Nachbarn folgend, wie ein Mann sich erhob, die Fesseln der Knechtschaft mit einem Schlage zerbrach und seinen Fuß auf den Nacken seiner Unterdrücker setzte. Das deutsche Volk erklärte sich für souverän. Das souveräne deutsche Volk verlangte nach einer neuen politischen Ordnung der Dinge, einer Ordnung, gegründet auf die ewig wahren, aber schmachvoll unterdrückten Grundsätze der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Das souveräne deutsche Volk bedurfte zur Herstellung dieser neuen Ordnung eines Organs; es wählte das deutsche Parlament. Seitdem war das Auge des Volkes vertrauensvoll nach Frankfurt gerichtet. Aber das deutsche Parlament hat das Vertrauen des deutschen Volkes bitter getäuscht. Das deutsche Parlament hat zu wiederholten Malen die Grundsätze verläugnet, die es beim Beginn seiner Berathungen selbst proklamirt hat. Wer darüber noch zweifelhaft war, dem haben die Beschlüsse über die Einführung einer provisorischen Centralgewalt für das Vaterland vollends die Augen geöffnet; wer bisher das Vertrauen noch nicht ganz verloren, dem ist es jetzt klar geworden, daß für Deutschlands Freiheit und Einheit von Frankfurt kein Heil zu erwarten. Das deutsche Volk fordert eine seiner Souveränetät entsprechende republikanische Centralgewalt, und das Parlament hat in der Person eines unter Metternichs fluchwürdigem Systeme grau gewordenen Prinzen einen Reichsverweser geschaffen, welcher vom deutschen Kaiser nur dem Namen nach verschieden ist. Das Volk fordert eine Central-Gewalt zur Vollziehung aller Parlamentsbeschlüsse, und das Parlament hat eine Diktatur geschaffen, welche zu deren Vollziehung nicht verbunden ist. Das Volk fordert eine dem Parlament verantwortliche Centralgewalt, und das Parlament hat sich für die Unverantwortlichkeit des Reichsverwesers entschieden. Das deutsche Volk fordert unbedingte Unterwerfung der deutschen Regierungen unter die Centralgewalt, und das Parlament hat durch seinen Beschluß, daß dieselbe sich wegen der Vollziehungsmaßregeln so weit thunlich mit den Bevollmächtigten der Einzelregierungen in Einvernehmen setzen soll, die Kraft der Centralgewalt von vornherein gebrochen und die sehnlichst gewünschte Einheit des großen Vaterlandes schon im Keime vernichtet. So hat das deutsche Parlament den Erwartungen des deutschen Volkes entsprochen. Das deutsche Volk ist zweimal von seinen Fürsten getäuscht worden; das Parlament tritt in seine Fußtapfen und täuscht es zum dritten Male. Eine solche Versammlung verdient nicht mehr den Namen eines deutschen Parlaments; eine solche Versammlung wird Deutschlands Einheit und Freiheit nicht begründen; eine solche Versammlung kann nur der alten Despotie neue Kraft verleihen. Eine solche Versammlung erkennen wir nicht mehr als Organ des deutschen Volkswillens an; wir protestiren gegen die Gültigkeit ihrer Beschlüsse und erwarten, daß sich das deutsche Volk uns anschließe. Ihr aber, wackere Kämpfer für die Freiheit, Männer der entschiedenen Linken, könnt Ihr zweifelhaft sein, was Ihr zu thun habt? ‒ Euch bleibt keine Wahl! Vergeudet nicht länger Eure Kraft im nutzlosen Kampfe gegen eine volksfeindliche Mehrheit; Ihr helft das deutsche Volk verrathen, wenn Ihr einer solchen Versammlung ferner beiwohnt. Folgt dem Beispiele des ehrenwerthen Kapp; wendet einer Versammlung den Rücken, die ihre eigene Mutter, die Souveränetät des Volkes, schon mehrfach verläugnet und sich zur Magd der Fürstenherrschaft herabgewürdigt hat. Appellirt an das deutsche Volk, und das deutsche Volk wird Euch zujauchzen; das deutsche Volk wird in Euch nur seine rechtmäßigen Vertreter erblicken und Euch mit Männern verstärken, welche vereint mit Euch dem großen Vaterlande die Einheit und die Freiheit erringen und gegen jeden ferneren Angriff sicher stellen werden. Altenburg, am 6. Juli 1848.
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Koburg, 12. Juli.
Auch hier fängt ein unruhiger Geist unter dem Militair an. Schon früher hatten auf Anklage des Unteroffizierkorps mehrere Offiziere vom hier garnisonirenden Jägerbataillon suspendirt und in Untersuchung genommen werden müssen. Im Laufe der Untersuchung traten hierzu neue ähnliche Fälle und das ganze Unteroffizierkorps wurde von Seiten der Offiziere in Anklagestand versetzt. Eine gestern erschienene Ministerialverordnung hielt nun die frühere Suspendirung der betreffenden Offiziere fest, fügte aber dazu auch die der Unteroffiziere, doch unter Belastung der Löhnung für dieselben. Beim Appell wurde gestern diese Verordnung, sowie die Beurlaubung sämmtlicher Mannschaft bis auf 18 Jäger bekannt gemacht. Die Unteroffiziere mußten ihre Büchsen abliefern, behielten aber den Hirschfänger. In einem vor der Stadt gelegenen Bierhause machte sich die Aufregung Luft, und da sich ein starker Anhang an jene anschloß, schien der Tumult einen ernstlichen Charakter annehmen zu wollen.
[(N. C.)]
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[X] Heidelberg, 17. Juli.
In unserer Studentenwelt herrscht seit einigen Tagen große Aufregung. Es bestand seit einiger Zeit ein demokratischer, von Studenten gegründeter Verein, in dessen Statuten als Zweck hingestellt wird, die demokratische Republik durch Wort und Schrift zu vorzubereiten. Plötzlich erscheint folgenden Anschlag des Senats: Betreffend den demokratischen Studentenverein dahier.
„Es wird hiemit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß durch hohen Erlaß eines höchstpreißlichen Ministeriums des Innern vom 5. d. M. der hiesige demokratische Studentenverein in Erwägung, daß er nach seinen eigenen Statuten auf die Untergrabung der bestehenden Staatsordnung gerichtet und mithin an und für sich schon als das allgemeine Wohl gefährdend erscheint, in Erwägung ferner, daß vom Standpunkte der Disciplin aus betrachtet, ein Treiben wie es durch diesen Verein herbeigeführt wird, die Studenten von ihrem Beruf abziehe und auf Abwege bringe, nach Maßgabe des Gesetzes vom 26. Oktober achtzehnhundert drei und dreißig aufgelößt und sein Fortbestand verboten worden ist. ‒ Zugleich werden wir beauftragt nach dem berührten Gesetze gegen die diesen Verboten Zuwiderhandelnden Strafe erkennen zu lassen und zugleich wegen Aufkündigung des akademischen Bürgerrechts derselben Verfügung zu treffen.
Schließlich bemerken wir, daß nach Art. 2 des erwähnten Gesetzes die Theilnehmen an verbotenen Vereinen mit bürgerlichem Gefängniß bis zu 4 Wochen oder mit Geldstrafe bis zu 25 Fl. bestraft werden, vorbehaltlich der höheren Strafe wenn der Verein nach den Gesetzen als ein besonderes Vergehen oder Verbrechen erscheint.
Heidelberg, den 14. Juli 1848.
Der engere Senat Rotye.
Hierzu einige Worte: Der vor etwa 14 Tagen hier gebildete demokratische Studentenverein hat in seinen Statuten ausdrücklich in Bezug auf Mittel und Zweck gesagt: „§. 2. Der Zweck und das Ziel des Vereines geht dahin zur Verwirklichung der demokratischen Republik in unserem Vaterlande nach Kräften beizutragen. §. 4. Die Mittel welche der Verein zur Verwirklichung seiner Zwecke anwendet, sind a. die Presse, b. mündliche Ueberzeugung, c. Bildung neuer Vereine. §. 6. Berührt besonders den Punkt: tüchtige Volksmänner, Volksredner heranzubilden.“
Der Vorstand des Vereins wird vor den Amtmann Hillern geladen und behauptet die Gesetzmäßigkeit des Vereins indem er sich auf die vom Ministerium in den Märztagen beschworne Garantie des Associationsrechts stützt. Aber der Herr Amtmann sagte wörtlich, ja das waren damalsAeußerungen und Meinungen der Minister, und als man ihm entgegnete: wir lebten doch wohl in einem Rechts- und keinem Polizeistaate, so sagte der Polizeimann: „oh wir leben wohl noch in dem Polizeistaat und werden hoffentlich noch recht lange drin leben!“
Alle übrigen Studenten, auch die an dem unterdrückten Verein keinen Theil genommen, sprachen sich entschieden gegen jene Gewaltmaßregel aus. Eine Versammlung erklärte die Sache des demokratischen Vereins für eine allgemeine Studentensache und ernannte eine Deputation nach Karlsruhe, welche die Zurücknahme des Verbots erwirken sollte. Gestern Abend kehrte sie zurück und brachte zur Antwort: Das Ministerialrescript stütze sich auf frühere Gesetze, die noch in voller Wirksamkeit bestehen (die schönen Karlsbader, 1833er und 1834er Gesetze); übrigens sei im März d. J. eine Erweiterung des Associationsrechtes für die Studenten weder bewilligt noch gefordert worden.
Daß eine solche Anwort, die uns um 20 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt, wenig Anklang fand, daß vielmehr bei Kundwerdung dieser praktischen Auslegung des Welcker-Mathyschen Staatslexikons die Erbitterung stieg, wird wohl Jeder begreifen. Genug, es wurde von den Studenten alsbald der Beschluß gefaßt, am heutigen Tage die Stadt zu verlassen und sich nach Neustadt a. d. Hardt zu begeben. Es werden bereits alle Vorbereitungen zu diesem Auszuge getroffen, der indeß, selbst wenn er zu Stande kommt, so endigen wird, wie bisher die meisten Studenten-Auszüge geendigt haben mit dem Resultat einer Seifenblase!
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B. Heidelberg, 17. Juli.
So eben, 1/2 11 Uhr, ziehen sämmtliche Studirende hiesiger Universität an 600 Mann stark, geleitet von den und Turn-Arbeiter-Vereinen, sowie von einer Menge hiesiger Bürger, nach dem Eisenbahnhofe, um sich, in Folge des Verbots gegen den demokratischen Verein, sofort nach Neustadt an der Hardt zu begeben.
Diesen Nachmittag 3 Uhr ist eine große Volksversammlung anberaumt, in welcher die Beschlüsse gefaßt werden sollen, was in dieser Sache weiter zu thun ist. An Aufreizungen fehlt es nicht.
Die bewaffnete Versammlung zu Ettingen ist, wie zu erwarten stand, ganz ruhig abgelaufen; sämmtliche Bahnhöfe hatte man mit würtembergischem und badischem Militär stark besetzt, in der nächsten Umgegend hatte man mehrere Tausend Mann Kavallerie und Infanterie zusammengezogen, welche drohende Bewegungen machten, und dabei blieb′s.
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Heidelberg, 17. Juli.
Die hiesigen Studenten haben heute, bei weitem dem größten Theile nach, unsere Stadt verlassen und sind nach Neustadt a. d. H. gezogen. Eine Abordnung schickten sie nach Frankfurt, und hoffen von dem dortigen Parlamente die Gewährung ihres Gesuches. Die Antwort wollen sie in Neustadt abwarten. Die hier studirenden Preußen haben sich, wie man hört, bei dieser Sache nicht betheiligt.
[(Fr. J.)]
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Mannheim, 17. Juli.
Heute Vormittag gegen 12 Uhr sind die Heidelberger Studenten auf ihrem Auszug nach Rheinbaiern, in langem Zuge, je zwei und zwei, unter Vorantragung von schwarz-roth-goldenen Fahnen durch unsere Stadt passirt. Der Zug geschah in großer Ordnung, und nach seiner Länge zu schließen, muß es dermalen auf der Academia Ruperto-Carolina am grünen Neckar sehr leer aussehen.
[(Mannh. J.)]
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Darmstadt, 17. Juli.
Der bisherige Verweser des Innern, Ministerialrath Eigenbrodt ist abgetreten und Geh. Staatsrath Jaup zum Minister des Innern ernannt worden.
[(F. D. Z.)]
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@facs0248
[*] Wien, 15. Juli.
Ueber die Ministerkrisis lesen wir heute in der offiziellen „Wiener Zeitung“ Folgendes:
„In wenigen Tagen geht hoffentlich dieser provisorische Zustand zu Ende, und man möge dann die Ueberzeugung gewinnen, daß das Ministerium, wenn es nur fernerhin von dem Vertrauen des Volkes unterstützt ist, auch vorbereitet genug sein wird, mehr mit Thaten als mit Worten vor die Oeffentlichkeit hinzutreten.“
Und an einer zweiten Stelle sagt das nämliche Blatt:
„In so fern es dem mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragten Minister möglich war, seinen Auftrag bisher zu erledigen, ist bereits die Liste der beantragten Minister an Sc. kaiserliche Hoheit den Erzherzog Johann nach Frankfurt zur Bestätigung abgegangen. Bei der Kürze der Zeit, welche noch zwischen der Rückkehr Sr. kaiserlichen Hoheit nach Wien liegt, ist also zu erwarten, daß bis dahin auch der konstituirende Reichstag mit dem neuen Ministerium eröffnet werden dürfte.“
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@facs0248
[*] Wien, 15. Juli.
Der hiesige Geschäftsträger der Vereinigten Staaten von N.-Amerika, William H. Stiles, erließ heute eine öffentliche Erklärung, in welcher er gegen die Angaben der kürzlich hier erschienenen nordamerikanischen Bürger protestirt. Letztere hatten bekanntlich der hiesigen Universität Geld überbracht und außerdem weitere Geldunterstützungen nebst Waffen von daher zugesagt. Der Geschäftsträger bezweifelt, daß jene Angaben stichhaltig seien. Der Geschäftsträger hätte die Angaben unbeachtet gelassen, „wenn sie nicht dem Charakter meines Landes naheträten und den von ihm gehegten und gepflegten Grundsätzen so wie dessen unverbrüchlicher Staatspraxis schnurstraks zuwider liefen.“ Diese Staatspraxis bestehe in: „Nichteinmischung“ u. s. w.
Seine Erklärung schließt mit folgenden Worten:
„Wenn das Beispiel eines Landes, daß sich binnen 72 Jahren von dem Zustande einer abhängigen Niederlassung zu dem Range einer der ersten Nationen des Erdkreises aufgeschwungen hat, von einer nur 3 Millionen starken Bevölkerung zu nahe bei 20 Millionen angewachsen ist, von einer Handvoll da und dort längs den Ufern des Atlantischen Meeres zerstreuten Ansiedelungen zu einem Länder- und Völkergebiethe gediehen ist, welches fast den gesammten Continent umspannt, aus dem Zustande der Unterdrückung und Knechtschaft zum Genusse eines höheren Grades und vollen Maßes „bürgerlicher und religiöser Freiheit“ gelangt ist, als irgend ein anderes Land aufzuweisen vermag, wenn diese friedlichen Triumpfe nicht hinreichend sind, unsere Grundsätze andern Ländern zur Annahme zu empfehlen, dann liegt es am Tage, daß weder Emissäre, noch Geld oder Waffen dies zu bewirken im Stande sein werden, die Grundsätze an und für sich müssen der Nachahmung unwerth sein, und die Vereinigten Staaten sich begnügen in deren Ausübung und Genüsse einsam und allein zu verbleiben!“
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@facs0248
Wien, 14. Juli.
Es ist geschehen, was schon längst hätte geschehen sollen. Das Verbrüderungsfest zwischen Militär, Nationalgarde und Civil hat heute um 9 Uhr Vormittags im Augarten statt gefunden. Es war die wohlthuendste Empfindung und das erhabenste Gefühl, als das Offiziercorps bei seinem Ehrenworte versicherte: es sei jeder Reaktion fremd; sie und die Armee werden mit ihrem Leben die Verfassung, die Volksrechte und den konstitutionellen Thron schützen. Die Thränen in Vieler Augen verriethen zu deutlich, die Wahrheit dieser von einem ihrer würdigsten Offiziere (Hauptm. Braun) verkündeten Worte. Man umarmte sich herzlich, und schwur sich Bruderliebe gegen jeden, unsern Volksfreiheiten feindlichen Gegner und jeden äußern Feind, mag er kommen, woher er wolle. Wir haben uns überzeugt, daß das Militär hier in Wien gegen uns keine feindliche Stellung einnimmt, und wir können dem Ehrenworte ihrer braven Führer das vollste Vertrauen schenken. Wir sind Kinder, Brüder eines Vaterlandes, wir haben das gleiche Ziel, die Freiheit, die errungene und heilige, mit unserm Leben zu bewahren.
[(A. Oestr. Z.)]
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@facs0248
[*]Wien, 15. Juli.
Wie man hört, wird der Kaiser trotz der „Einladung“ des Reichstags in Salzburg bleiben. Die Camarilla zwingt ihn krank zu sein. Nach Mittheilungen aus glaubwürdigen Quellen ist die an Erzherzog Johann nach Frankfurt abgesandte Ministerliste folgende:
Minister des Aeußern und Staatskanzler Freiherr v. Wessenberg. Minister des Innern Freiherr v. Doblhoff. Minister des Krieges Graf Latour. Minister der Justiz, Dr. Alexander Bach. Minister des Handels, Fabrikant Hornbostel. Minister der Finanzen, der jetzige Minister Kraus. Minister der öffentlichen Bauten und Arbeiten, mit den Eisenbahnen, Schifffahrt etc. Ernst v. Schwarzer, Redakteur der österreichischen Zeitung.
Für den Kultus und Unterricht waren Professor Füster und Baron Stift jun. vorgeschlagen, über deren Wahl man sich nicht einigte.
[0249]
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@facs0249
[17] Prag, 14. Juli.
Wenn die böhmischen Wahlen überhaupt ein bedeutendes Gewicht in die Wagschaale des östreichischen Reichstags werfen, so werden unsere Prager Deputirten gewiß einen bedeutenden Einfluß auf die übrigen böhmischen Deputirten haben. Dr. Riegerwird gewiß unter den czechischen Deputirten am meisten hervorragen; er ist der beste Redner unter unsern Abgeordneten. Dr. Strobach ist der populärste Mann in Prag; sein Charakter ist ehrenvoll in jeder Hinsicht, aber er hat weder Energie noch Rednertalent. Palazky wird nicht einen so leichten Stand haben. Der sogenannte „Deutschenfresser“ hat die Gewohnheit, seine Ansichten schroff und hart hinzustellen; er ist kein Redner, eine rein doctrinäre Natur, und es sollte mich wundern, wenn er nicht Anlaß zu Scandalen gäbe. Borrosch, der vierte Deputirte Prags, hat einen scharfen Verstand, eine klare Darstellung und einen besondern Takt, die Schwächen seiner Gegner ausfindig zu machen, ermüdet aber durch die Länge seiner Vorträge und die Trockenheit seiner Beweisführung. Was das Glaubensbekenntniß dieser vier Männer anbelangt, so kann man wohl annehmen, daß Palazky und Borrosch mehr zu den Konservativen, Rieger und Strobach mehr zu den Liberalen sich neigen werden. Von den übrigen Wahlbezirken sind bis jetzt 60 Deputirte bekannt, unter denen sich aber noch kein nationalökonomisches Talent befindet. ‒ Der Belagerungszustand unserer Stadt ist wiederum um etwas gemildert, die Thore werden nämlich jetzt erst um 10 Uhr geschlossen; die Kanonen und der größere Theil der Truppen in den Straßen ist ebenfalls verschwunden und wir fühlen das Drückende nur in der Willkührherrschaft, welche die Presse umklammert hält und in den Beschränkungen, welche der Großhandel durch die Nichtacceptation aller Papiers auf Prag, erfahren muß. ‒ Die Erklärung der 67 Bürger, welche den Belagerungszustand zu verlängern nachsuchten, hat, wie Sie denken können, eine allgemeine Indignation hervorgebracht und ich bin gewiß, daß das Militär von der in der letzten Zeit besonders ungünstigen Witterung auch mürbe genug gemacht worden ist. ‒ Der Redakteur Hawljcek ist gestern seiner Haft entlassen, dagegen der Dr.Fritsch heute eingezogen worden.
Polen.
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@facs0249
Lemberg, 11. Juli.
Aus Russisch-Polen kommen täglich junge Leute über die Gränze, die mit Rücklassung ihrer Habe von dort entfliehen, wo auf alle junge Männer ohne Standesunterschied und ohne nachzusehen, ob sie körperlich geeignet, förmlich Jagd gemacht wird, um sie unter das Militär einzureihen. Eine solche Flucht ist wegen der strengen Grenzbewachung mit Lebensgefahr verbunden. Aller Bedrohung, aller Absperrung ungeachtet hat sich die Kunde von den Vorgängen im westlichen Europa doch nach Russisch-Polen den Weg gebahnt.
[(D. A. Z.)]
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@facs0249
[*] Krakau, 11. Juli.
In dieser Nacht lieferte man aus Podgorze 9 unserer Brüder an Rußland aus. Sie standen unter dem Schutze Oesterreichs, unter dem vom Minister Pillersdorf jedem in Oesterreich Eintretenden zugesicherten Schutze! Das ist die Verwirklichung dieses Schutzes! In Preußen liefert man freundschaftlichst aus, in Oesterreich ebenfalls: nun das ist immer neuer Kiet, um die heilige Allianz festzusammen zu halten.
Ungarn.
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@facs0249
[*] Agram, 10. Juli.
Die Landtagsverhandlungen haben in den letzten Sitzungen schneller als in den vorigen zu Resultaten geführt. Nachdem eine bedeutende Majorität sich für die Abänderung des Verwaltungssystems entschieden hatte, wurde das an den Ausschuß wiederholt gewiesene Operat der Gränzcommission in einer einzigen Sitzung erledigt und mit geringen Amendements angenommen. Die Gränze wird sich mit diesen wesentlichen Erleichterungen nach welchen sie Jahrelang vergebens geseufzt, zufriedenstellen und ein Mehres erst dann verlangen, wenn dies zu gewähren die Zeitumstände erlauben werden. Das den Gränzer besonders drückende Oberlehnsrecht des Staates wurde abgeschafft, und jener zum freien Eigenthümer seines Bodens gemacht; die Theilung des Hausgrundes, die bisher nicht zugelassen wurde, wird ihm nunmehr gestattet werden, und eine Beschränkung in dieser Hinsicht wurde blos rücksichtlich des Stammgutes gemacht, das nicht weniger als 3 und nicht mehr als 16 Joch Erde betragen darf. Letzteres darf auch nicht veräußert werden, damit das Gränzhaus für die Erhaltung eines, und nach Maßgabe des Stammguts mehrer Gränzsoldaten stets einen stabilen Fond habe. Die Weiden und Waldungen wurden dem Gränzer theilweise restituirt und in Bezug auf die Eichelung in ärarischen Wäldern große Erleichterungen eingeführt. Auch die Beschwerden hinsichtlich der Aerarialrobot haben eine günstige Erledigung gefunden. Die Militärverwaltung wurde von der Civiladministration gänzlich getrennt, das Theresianum für Criminalverbrechen der nicht enrolirten Gränzer außer Anwendung gesetzt, und für die Justizverwaltung das östreichische bürgerliche und Strafgesetzbuch als Provisorium bestimmt, bis der Landtag einen für das Provinziale und die Gränze gleichmäßigen Civil- und Kriminalcoder ausarbeiten wird. Dies sind im Wesentlichen die vorzüglichern Bestimmungen des angenommenen Kommissionsoperates, welches bald im Druck erscheinen wird. Der Bericht des Urbarialausschusses veranlaßte wieder eine längere Diskussion, während welcher man sich hauptsächlich darüber nicht einigen konnte, welche von den verschiedenen Anträgen, die beinahe jedes Kammermitglied stellte, als Anhaltspunkte der Berathung festgehalten werden sollen. Die Aufhebung der Robot, des Zehnten und der übrigen Urbarialabgaben, die gleich nach dem Schlusse der ungarischen Reichstage von den Jurisdiktionen in Folge eigener Municipalbeschlüsse, ‒ zu welchen sich die Komitate und Städte durch die zu befürchtenden Bauernaufstände genöthigt sahen, ‒ publicirt wurde, ward ohne die geringste Einsprache gutgeheißen und nur der Antrag des Ausschusses auf Entschädigung der Grundherrn rief eine kleine Debatte hervor. Der weitere Antrag des Urbarialausschusses, demzufolge die sogenannten Regalrechte der Dominien, als das Recht des Weinschankes, der Fleischausschrotung, der Fischerei u.s.w. abgeschaft werden sollten, wurde von einer kleinen Partei hartnäckig bekämpft, während sich die entschiedene Mehrheit zu Gunsten des Antrages aussprach. Das Jagd- und Fischereirecht wurde gänzlich abgeschaft, Jedem gestattet auf seinem Boden zu jagen, und in den Flüssen, so weit sie an seinen Grund gränzen, Fischfang zu treiben. In der gestrigen Sitzung wurde der Bericht des Ausschusses verlesen, dem die Feststellung der Bedingungen aufgetragen wurde, unter welchen diese Königreiche im Verbande mit Ungarn zu bleiben gewollt sind. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß man nicht blos als kroatische Nation, sondern als Nation der drei vereinigten Königreiche und der serbischen Wojwodschaft, deren Vertreter bei der Pacifikation zugegen sein müssen, traktire; daß man die eigene nationale Selbstständigkeit und Unabhängigkeit vom Lande Ungarn sowohl in legislativer als administrativer Hinsicht festzuhalten gesonnen sei, dabei aber in allen gemeinstaatlichen Angelegenheiten für die ganze Monarchie mit Einschluß Ungarns eine Centralregierung verlange, und endlich, daß in Ungarn die Gleichberechtigung aller Nationalitäten ausgesprochen und gewährleistet werde. ‒ Nachmittags wurde die Schlußsitzung des gegenwärtigen Landtags gehalten, und das Protokoll verlesen.
Donaufürstenthümer.
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@facs0249
Bucharest, 29. Juni.
Der Staatsschatz, in welchem sich nach den Büchern 3 1/2 Millionen Piaster hätten befinden sollen, enthielt Nichts, als einen leeren Raum. (Das Nämliche passirt ja auch in gewissen Staaten Deutschlands.)
‒ Von der Protestation des russischen Consuls erfahre ich, sie sei sehr kurz gewesen und habe sich auf die Erklärung beschränkt, die eingeführten 22 Paragraphen der neuen Constitution seien als nicht zu Recht bestehend und das „Reglement organique“ als noch ferner in voller Kraft zu betrachten. Gestern hat sich ein demokratischer Klub gebildet, in der Absicht, die Regierung mit Rath zu unterstützen, und über deren Gang zu wachen. Alexander Golesco, Bruder der beiden Minister und Sekretär der provisorischen Regierung, unbezweifelt einer der besten Köpfe des Landes, nahm Theil an der Versammlung und wurde zum Vicepräsidenten erwählt; Architekt Melik, ein Armenier der seine Studien in Paris gemacht, zu einem der Sekretäre. Nachrichten von Jbraila berichten, daß die in jenem Hafen sich befindenden Matrosen griechischer Kauffahrteifahrer sogleich Partei für's Volk gegen die dortige Polizei ergriffen haben, was den Ausschlag gab. Eingezogene Erkundigungen lassen hoffen, daß Frankreich und England die Walachen nicht in Stich lassen werden.
[(A. A. Z.)]
Französische Republik.
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@facs0249
[17] Paris, 17. Juli.
Paris wird von mehreren Standlagern umgeben; im Norden an der Chapelle St. Denis, im Osten auf der vom alten Soult für die Festung „Canonville“ (Kanonenstadt) bestimmten Ebene St. Maur sind bereits zwei fertig. Im Faubourg St. Antoine zeigen sich wieder Keime von Zusammenschaarungen des Abends, allein ohne Mühe treibt eine Patrouille sie fort. Dies genügt jedoch schon um die Bourgeoisie wieder in Angstschweiß zu jagen. Das große Lager bei Versailles wird auch in Eile organisirt. Aber in den Faubourgs cirkuliren autographirte Zeitungen, gegen die kein Lager Macht hat; auf einem Stück einer solchen las ich buchstäblich: …Geduld und Rache ist unsere Parole, ihr Proletarier; wir sind besiegt aber nicht ausgelöscht; wir sind verwundet, gebrandmarkt, gekettet, im Hungerjoch, geknebelt, verhöhnt, aber wir leben noch. Brüder, Schwestern! jetzt beschwören unsre Feinde, wir Kinder des sozialen Elends hätten uns mit Galerensträflingen verbunden und nach einer Hausplünderung im westlichen Stadttheil getrachtet; das ist eine Lüge mehr, sie sind an's Lügen gewöhnt, diese Herren von der Rente und von Erziehung. Gewiß, hätten nach unserm Siege einige hungrige Thoren geplündert, wir hätten ihnen bald das Lebenslicht ausgeblasen. Der Schurke der Schurken aber, der reiche Staatsplünderer Adolphe Thiers und seine reichen Großwürdenträger Barrot, Dupin, Hauranne, Lasteyrie u. s. w. haben neulich in den Kammercomité's, worin sie fast sämmtlich Präsidenten und Sekretäre sind, gejubelt und gemurmelt: jetzt sind wir die Meister. Die Partei des National wird von ihnen bei Seite geschoben, und der Pascha Marrast trennt sich vom National um zum Schurkenkönig Thiers zu beten; Marrast wäre im Stande nach einem Ministerpräsidium unter der Regentschaft zu jagen. Brüder! ach das alles ist Moder und Pest; wenn manche unter uns davon angesteckt wären, was Wunder? Ist nicht das Beispiel der Hochgestellten und Schwerbesoldeten, der Feingelehrten und Wohlbegüterten gar mächtig? warum soll das arme Volk nicht nachahmen was die reichen Messieurs ihm vormachen? Unter den Reichen giebt es gewiß neunzig Prozent Tagediebe, unter uns Armen höchstens zehn Prozent; und trotz unsres Fleißes geben jene uns eine nichtswürdige Arbeit die kaum ein Vieh oder Maschine thäte, und einen nichtswürdigen Tagelohn; trotz unsres Fleißes werden unsere Mädchen prostituirt um dadurch den reichen Damen als Blitzableiter zu dienen. Aber nicht die Reichen allein sind unsere Feinde; die Mittelleute sind es noch mehr. Wartet nur, die unerbittliche Faust der Gewerbstockung, der Geldkrisis rückt auch auf sie los, und ehe das Jahr zu Ende, werden manche Boutiquierfamilien das Kreuz schlagen und hinabstürzen in die schwarzen Reihen des Proletariats, das sie jetzt noch verleumden. Geduld, Brüder! Geduld “ … Mehr konnte ich nicht von der Zeitung habhaft werden. ‒ Ein Brief an Lamartine von E. Barrault wird als Flugblatt verkauft; es heißt in ihm: „Dichter, Sie sind schuldig. In der provisorischen Regierung haben Sie drei edle Thaten vollbracht, aber das waren wahrlich keine Regierungsmaßregeln, weder die Abschaffung der Blutfahne, noch des Blutgerüstes, noch die Friedensproklamation. Die Hauptsache ließen Sie weg, obschon die Bourgeoisie gänzlich vom Donner betroffen, und das Arbeitervolk ganz wie ein gutmüthiger Knabe Ihnen völlig freien Spielraum, in jener frühesten Zeit Ihrer zweimonatlichen Dictatur, gestattet hätte. Sie mußten Dichter, als ein moderner Turgot die ersten Schritte wagen zum Umsturz die Finanzdespotie, wie er den Umsturz der Bodenaristokratie angebahnt hat. Bei Gott, er hätte nicht zwei Monate müßig da oben gesessen wie Sie, Dichter. Was war also zu thun? Das Volk mußte in Reih und Glied gestellt werden, nicht als Soldat des Krieges sondern als Soldat der Arbeit; dazu boten die Eisenbahnen treffliche Mittel; auf die sanfteste Weise wurden danach auch Kanäle, Bergwerke, Waldungen, Nationalgut, auf dem das Ouvrierheer sein heiliges Arbeitsrecht ausüben konnte. Statt dessen was thaten Sie, Dichter? wahr, Sie erkannten seit Jahren die Nächstenliebe solle eine soziale Institution werden; Sie allein von allen Kammerrednern der Juliepoche. Mir deucht, Sie meinten, der Staat solle den Allmosenkasten aufstellen den bisher die Kirche an der Thür aufgepflanzt hatte. Weiter ging Ihre Dichterphantasie nicht; für die erhabne, kühne, allumfassende Zukunft des Menschengeschlechts, nach Emanzipation des Proletariats, hatten Sie keinen Sinn; Sie blieben ein Christ, ein Edelmann. Freilich, Sie ließen in ferner Zukunft jeden Bauer, jeden Arbeitsmann sich in einen kleinen Seigneur verwandeln, nach der Devise: Jeder für sich und jeder bei sich.Allein, für jede Person ein Grundstück abmessen, wäre doch lästig (vielleicht unmöglich) und ich ziehe vor, einen Jeglichen Theil an den Früchten des Bodens nehmen zu lassen, die durch associirte Arme und Köpfe leicht ins Kolossale gesteigert werden. Genug, Hr. Lamartine, Sie sind nicht fähig gewesen zwischen L. Blanc dem Typus des Socialdemokraten, und Marrast dem Typus des Bourgeoisrepublikaners, zu wählen, noch einen dritten Pfau zu wandeln. Geschwankt haben Sie, gedichtet, und darum heißen Sie, ungerechterweise, heute ein Verräther, ein Wortbrüchiger.“ ‒ Barrault war Redakteur des „Tocsin des Travailleurs.“ ‒ Karrikaturen erscheinen wenige; die Junitage haben den Scherz fürs Erste niedergeschmettert. Eine ist jedoch erschienen und zwar die erste zu Gunsten der Socialreform: ein dickköpfiger bartloser Zwerg, im Profil dem Hrn. Thiers gleichend, taumelt in vollster Rüstung mit zwei Paar Pistolen, zwei Säbeln, zwei Flinten und eine Handkanone nach sich ziehend auf einen Riesen in dem Barbès unverkennbar ist; der Zwerg schreit: „Nieder die Kommunisten, diese Hunde sagen: man solle sich nicht besaufen, auf der Erde sei Platz für jeden, jeder solle arbeiten lernen und arbeitsam sein, und solche Infamieen mehr;“ der Riese lächelt und blickt auf den Kleinen nieder.
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@facs0249
[*]Paris, 17. Juli.
A la bonne heure. Heute tritt das Journal des Debats klar auf! Es handelt sich von Finanzangelegenheiten, und in diesem Thema ist Bertin kompetent; denn er vertritt die Interessen des Hrn. Rothschild und Compagnie. Täglich dekretirt man neue Ausgaben, und täglich schafft man neue Steuern ab. Steuer abschaffen ist ein sehr löbliches Gefühl.
Gefühl haben ist eine schöne Sache; aber hat man denn gar ein Gefühl für den öffentlichen Schatz, der täglich minder wird? Die Salzsteuer drückte auf die Armen; „für republikanische Herzen war das ein bittrer Schmerz.“ Gleich ging man hin, und schaffte die Salzsteuer ab. Die Sklaverei entehrte in den Augen der republikanischen Staatsmänner unsere französischen Kolonien: und man löschte diesen Schandfleck der französischen Ehre aus. Das ist alles recht schön, großmüthig, ja römisch sogar: aber wohin soll das führen, die Schatzkammer bleibt leer. Die Arbeiter im Gefängnisse thun den andern Arbeitern Abbruch; gleich geht man hin und schafft die Arbeiten im Gefängnisse ab, nährt die Gefangenen auf Staatskosten, alles das vermindert den Staatsschatz.
Das Journal des Debats geht so alle Finanzmaßregeln der Republik nach der Reihe durch, und zeigt ihre Ohnmacht, den Schatz zu füllen. Wenn es so fort geht, so kommt man unfehlbar zu den Assignaten.
Früher war das ganz anders, meinen die Debats. Wenn man zwar auch unvorsichtig mit den Finanzen umging, so hatte man doch immer die Nothhülfe der Anleihe. Aber jetzt, wo könnte man bloß z. B. bloß 200 Millionen auftreiben? Hr. Rothschild würde also bis jetzt sich noch nicht für 200 Millionen verbürgen. „Die Nachwehen der Verwaltung eines Garnier Pagés und Konsorten machten sich zu sehr fühlbar.“ Vielleicht später. „Man habe bereits einen sehr guten Anfang gemacht durch die strenge Handhabung der Ordnung. Wie man sieht, liegen die Februartage sehr ferne, wo Rothschild zu den Herren der provisorischen Regierung gekommen, und sie flehentlich bat, seinen Kredit zu benutzen. Das Anbieten seines Kredits bedeutete aber damals weiter nichts als das flehentliche Bitten um das Fortbestehenlassen seines eigenen Kredits.
‒ Die schrecklichen Juniereignisse haben dem Hrn. Lamartine seine Illusionen nicht benommen. Im Comité der auswärtigen Angelegenheiten, wo er seine Politik dem Hern. Mauguin gegenüber vertheidigt, sagt er, nicht er, sondern die Providenz sei der „Minister des Aeußern gewesen; so trefflich hätte sich alles gestaltet.“
Nationalversammlung v. 17. Juli.Präsident Marie. Lherbetteinterpellirt den Minister des Auswärtigen wegen des Einmarsches der Russen in die Donauprovinzen: Vor einigen Tagen sprachen die Journale davon als einer sichern Thatsache. Seitdem ist ihr widersprochen worden. Ich frage daher, ob der Einmarsch der Russen eine Thatsache ist, und im Fall der Bestätigung, was der Minister des Auswärtigen sowohl den eindringenden Russen als der Pforte gegenüber zu thun gedenkt, welche den Einfall mit ihrem Mantel bedeckt? Ich verlange von dem Minister keine absolute Erklärung, ich begreife die Verhältnisse, welche ihm einen Rückhalt auferlegen.
Bastide,Minister des Auswärtigen, beschränkt sich darauf zu erwiedern, daß der Einmarsch der Russen in die Moldau noch sehr zweifelhaft sei. In jedem Fall könne die Nationalversammlung versichert sein, daß die Regierung nichts versäumen werde, um wie bisher, die Interessen Frankreichs zu wahren.
Fortsetzung der Debatte über den Dekretentwurf zur Ermächtigung alter Militärs zur Annahme mehrer Aemter.
General Lamoriciére erklärt, daß er sich mit dem Finanzminister besprochen habe und daß sie sofort einen Dekretentwurf über die Wiedereinstellung vorlegen wollen.
Der Entwurf wird verlesen und der Minister fragt, ob er ihn näher entwickeln solle? (Nein! Nein! In die Ausschüsse verwiesen!)
General Qudinotglaubt, daß es nöthig ist, den Entwurf dem Kriegsausschuß zu überweisen. (Unterstützt.)
Lamoriciére hat nichts gegen die Verweisung, wünscht aber schnelle Erledigung.
Die Verweisung in die Bureaux wird angenommen.
Victor Hugohat das Wort zur Berichterstattung über den Theatergesetzentwurf. Die Theater ernähren in Paris mehr als 10,000 Familien und setzen jährlich eine Summe von 30-40 Millionen in Umlauf. (Bewegung.) Die verlangte Unterstützungssumme von 680,000 Fr. solle nur für die Zukunft nützen, nicht aber die Fehler der Vergangenheit decken.
Dejars findet es befremdend, daß die Einkünfte der Provinzen dazu dienen sollen, die Vergnügungen der Hauptstadt zu erhalten.
Felix Pyat sagt, daß die vorige Regierung mit den Theatern gleich einem Epicier verfahren sei. (Unterbrechung.) Paris ohne Theater sei ein „großes Carpentras.“
Nach Abstimmung über die einzelnen Paragraphen wird das ganze Gesetz angenommen.
Sodann wird der verlangte Kredit von 200.000 Fr. zur Aufmunterung der Künste und Wissenschaften ohne Diskussion angenommen.
Zuletzt beschließt die Versammlung, daß die Statue des Erzbischofs von Paris nicht im Pantheon, sondern in Notre-Dame aufgestellt werden soll und bewilligt zu diesem Zweck nach einer lebhaften Debatte die Summe von 50,000 Fr.
Rußland
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@facs0249
St. Petersburg, 11. Juli.
Zum 8. Juli waren in St. Petersburg 3970 Cholerakranke in Behandlung verblieben; im Verlaufe dieses Tages kamen hinzu 853, es genasen 172 und starben 574 (darunter in den Wohnungen 328). Zum 9. Verblieben in Behandlung 3897 Kranke.
‒ In Moskau hat die Epidemie nach dem 19. Juni den höchsten Grad ihrer Intensität erreicht und sich in der ganzen Woche in bedeutender Höhe erhalten, während jedoch die Zahl der Erkrankungen allmälig abnahm.
Im Gouvernement St. Petersburg hat sich die Epidemie mit großer Schnelligkeit ausgebreitet und greift noch fortwährend rasch um sich. Außer Neu Ladoga und Schlüsselburg sind auch die Kreise St. Petersburg und Zarskoje-Selo heimgesucht. In Kronstadt zeigte sich die Cholera am 23. Juni: von 4 Erkrankten starben hier 2. Am 26. kam ein Choleraanfall in Oranienbaum vor. Ueber den Gang der Epidemie in der Hauptstadt St. Petersburg selbst giebt die hiesige Polizeizeitung täglich Nachricht. Der erste Cholerafall wurde hier am 16. Juni bemerkt, wo ein aus Neu-Ladoga zu Wasser hier angekommener Diakonus erkrankte, der jedoch genas. Am 17. und 18. kamen keine Erkrankungen vor, aber am 19. erkrankten mehrere Personen, und von diesem Tage an nahm die Krankheit einen epidemischen Charakter an. In den ersten zwei bis drei Tagen wurden fast ausschließlich nur Bewohner des Liteinaja- und des Roschdestwenskaja- Stadttheils und der benachbarten Gegenden auf dem linken Newa-Ufer davon befallen und meistens Schiffsarbeiter auf den Barken. Sodann verbreitete sie sich mit ungewöhnlicher Schnelligkeit über alle Stadttheile und erreichte in kurzer Zeit als Epidemie einen hohen Grad der Intensität. Im Ochtaschen und im Petersburgischen Stadttheile brach sie später als in den übrigen Stadttheilen aus. In Bettacht der Schnelligkeit ihrer Verbreitung und gestützt auf die Erfahrungen, die man beim früheren Erscheinen der Cholera gemacht hat, giebt man der Hoffnung Raum, daß sie auch rasch wieder abnehmen und überhaupt nicht lange dauern werde. Seit dem Ausbruche der Cholera bis zum 1. Juli in St. Petersburg überhaupt 3474 Personen daran erkrankt und 1682 gestorben.
[(Pr. St. A.)]
[0250]
Großbritannien.
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@facs0250
[*] London, 16. Juli.
Die englischen Blätter und Monatsschriften bringen immer noch interessante Bemerkungen über die letzten französischen Ereignisse. Das bürgerlich-radikale „Tait′s Magagine,“ eine Edinburgher Monatsschrift, hatte in ihrem Juniheft vor der Junirevolution, folgende Stelle in Beziehung auf den Insurrektionsversuch von Barbés und Blanqui am 15. Mai.
„Die Nationalgarde griff das Volk am 15. Mai mehrere Male mit Säbel und Bayonnet an; und überhaupt muß ich sagen: Niemand ist wilder und blutdürstiger als die Pariser Epiciers (Shopocracy) wenn sie siegen. Lämmer, wenn das Volk triumphirt, sind die französischen Bourgeois vollständig wuthschnaubend (féroce) wenn sie an einem Siegestage unter den Waffen sind. Das haben sie 1830 und 1831 gezeigt, und jeder der sie am Montag sprechen hörte, mußte bemerken, daß sie keineswegs von den großmüthigen Gesinnungen beseelt waren, die die Arbeiter am 24. und 25. Februar auszeichneten. „Schießt sie ohne Gnade zusammen, schmettert sie mit Kartätschen nieder, die Räuber! „Das war der allgemeine Ruf den ich aus den Reihen der bewaffneten Bürger hörte; und nur die Gegenwart zahlreicher Arbeiter in den Reihen der Nationalgarde verhütete es, daß der Tag ein schrecklich blutiger wurde.“
Dee Northern Star sagt: „Der bluttriefende Despotismus, der in Frankreich herrscht, ist das natürliche Resultat der halben Maßregeln die nach dem Februar ergriffen wurden. Lamartines philanthropische Hohlheiten (humbug) haben die Republik ruinirt. Mögen die Arbeiter aller Länder sich dies zu Herzen nehmen. Nicht zu oft kann die große Wahrheit wiederholt werden: Diejenigen graben sich ihr eignes Grab, die halbe Revolutionen machen!
‒ Der Northern Star sagt über die Beurtheilung der Chartisten:
Ein ingrimmiger Generalprokurator, ein parteiischer Richter und Bourgevisgeschworne voll Haß gegen Alles was nach Chartismus riecht, haben die Gerechtigkeit mit Füßen getreten und unsere verfolgten Freunde in den Kerker geworfen. Die Strafe ist ganz besonders heimtückisch arrangirt; denn wer da glaubt, es sei mit den circa 2 Jahren Gefängniß abgemacht, der täuscht sich sehr. Nach Ablauf dieser 2 Jahre sollen die Verurtheilten verschiedene Bürgschaften stellen, dafür daß sie drei, vier, oder fünf Jahre das Gesetz halten wollen, (keep the peace) und wenn sie diese Caution nicht stellen, so bleiben sie während dieser Zeit im Gefängniß! Es ist gar nicht unwahrscheinlich, daß sie diese Bürgschaft nicht finden, und daß so Looney vier, und Jones sieben Jahre im Gefängniß bleiben müßte, wenn das jetzige Whigregiment noch so lange dauern könnte.
Die Vertheidiger haben während des Prozesses ihre Pflicht gethan. Namentlich die Plaidoyers des Herrn Wilkins waren wirklich bewundernswürdig. Aber Witz, Beredsamkeit, Pathos, Gesetzeskunde: alles war bei dieser Jury weggeworfen. Ja wir sind tief überzeugt, hätte Jesus Christus, des Chartismus angeklagt, vor der Barre gestanden und hätte sein Vertheidiger die Begeisterung Jesaia′s, die Weisheit Salomo′s und die Beredsamkeit eines Demosthenes besessen: er wäre gleichwohl ohne Zögern von der Jury für „Schuldig“ erklärt worden.
Als die Angeklagten vorgeführt wurden, um das Urtheil fällen zu hören, benahmen sie sich höchst tapfer, Ernest Jones blickte im Gerichtshofe um sich, wie ein in den Käfig gesperrter, aber ungezähmter Adler. Der Oberrichter (Wilde) hielt den Angeklagten in seiner erbaulichen Rede unter Anderem vor: „Wenn öffentlichen Meetings gestattet wäre, als Mittel zur Aufregung des Volkes zu dienen, so liege es auf der Hand, daß sie beseitigt werden müßten. “ Somit erklären die Whigs ohne zu erröthen, daß dem Volk öffentliche Meetings so lange erlaubt sind, als sie aus Mangel an Theilnehmern, Einstimmigkeit und Energie ohne Wirkung bleiben; in dem Augenblick aber, wo sie der herrschen den Faktion gefährlich werden, muß man sie „beseitigen. “So viel über das Puppenspiel mit „konstitutionellen Rechten.“
Dem Namen nach standen die Angeklagten wegen „Aufregung und Aufruhr“ (Sedition) vor Gericht, sie wurden aber thatsächlich wegen eines ganz andern Vergehens verurtheilt. Sehr schlau machte der Attorney-General verschiedentliche Anspielungen auf „Kommunismus,“ „französischen Terrorismus“ etc., da er sehr wohl wußte, daß die Jury den Kommunismus nur aus verläumderischen Berichten kennt. Der Oberrichter schlug die nämliche Saite an; er beschuldigte die Angeklagten sie hätten das Volk auf Theilung der Güter hingewiesen und auf allgemeine Anarchie. War doch damit der Zweck erreicht: Die Angeklagten wurden der unwissenden, selbstsüchtigen Jury beiläufig aufs Aeußerste verhaßt gemacht. Wenn man Leute als Chartisten anklagt und als Kommunisten verurtheilt, so mögen sie wohl die Frage an sich stellen: weshalb sie von der Vertheidigung politischer Reformen ablassen sollen. „Die Charter und keine Kapitulation!“ war das Motto der eben zu langer und grausamer Einsperrung Verurtheilten. Ein anderes, für die Inhaber der politischen Gewalt und die Monopolisten des von den Arbeitern erzeugten Reichthums viel schrecklicheres Motto wird vielleicht binnen Kurzem der Schlachtruf von gemißhandelten Millionen sein!
Fussel, Williams und Sharp sagten nur wenige Worte, die ihnen aber nur zur Ehre gereichen. Looney drückte kurz seine Verachtung gegen seine und seines Landes Unterdrücker aus. Bernon hörte das Urtheil mit größter Kaltblütigkeit an und wünschte blos zu wissen: „ob sie denn wie menschliche Wesen würden behandelt werden?“ Man erwiderte ihm: sie müßten sich einmal den Gefängnißbestimmungen, wie sie auch sein möchten, unterwerfen. Selbst die Daily News (ein Bourgevisblatt vom reinsten Wasser) bestätigen Vernon′s Klage durch folgende Mittheilung:
„Ich war oft in Newgate, wenn die Gefangenen ihr Mittagbrod erhielten und ich will versuchen, die Art der Austheilung und die säuische Eßweise, zu welcher die Gefangenen gezwungen werden, zu schildern. Ein Unterkoch mit einer schmutzigen Schürze und mit aufgestreiften Hemdsärmeln, hat eine große zinnerne Schüssel vor sich; darin befinden sich eine Menge Abtheilungen und in jeder eine Portion. Die Gefangenen werden reihenweise aufgerufen und der Mann mit der Schürze kratzt mit seinen unappetitlichen Händen das Fleisch und die Kartoffeln heraus und giebt sie jedem Gefangenen portionenweis in die Hände ‒6 ‒8 ungeschälte Kartoffeln und ein kleines zähes Stück Fleisch. Da giebt es weder Gabel, noch Messer, noch Teller, noch etwas dem Aehnliches. Der Gefangene muß die Speise in der einen Hand festhalten und mit der andern essen. Manche sah ich die Kartoffeln ganz verschlingen; andere schälten sie mit den Zähnen. Das Fleisch mußten sie in derselben Art zerreißen. So werden ihre Hände fettig, und sie können dieselben nur reinigen durch Abwischen an ihren Kleidern. Dabei herrscht zwischen dem infamsten Taschendiebe und dem respektabeln politisch Angeklagten die vollständigste Gleichheit.“ So die „Daily News“
Ernest Jones erhob sich und vor seinen energischen Worten wurde dem Oberrichter so unbehaglich zu Muthe, daß er hin und her rutschte; der Attorney-General that, als schliefe er und doch horchte der Gerichtshof mit athemloser Stille. Indeß der Oberrichter gedachte seiner Rolle; er unterbrach den Angeklagten und schnitt ihm das Wort ab. Jones mußte stillschweigen, da der Richter eilig das Verdammungsurtheil über ihn aussprach. Ernest Jones verließ den Saal mit den Worten: „Gute Nacht! und mögen Sie mit dem Wahlspruch der Charter um den Hals schlafen: die Charter und keine Kapitulation!“
Das Morning Chronicle bedauert, daß Ernest Jones nicht noch strenger bestraft worden! Das ist die Gnade und Barmherzigkeit der liberalen Bourgeoiste! Was die Times anbelangt, so kam sie am Sonnabend, nachdem sie vorher auf′s heftigste zur Strenge angereizt, mir einem heuchlerischen Artikel, worin sie gelinde Strafurtheile gegen die Chartisten empfahl. Dienstags sprach sie von einem „sehr milden Straferkenntniß“ Nun, wir können ihr versichern, daß solche Mildein den Opfern unheilbar fortschwären und eher alles Andere, als „Dankbarkeit“ von Seiten der Chartisten hervorrufen wird.
Chartisten! Ihr habt Alles aufgeboten, um Eure verfolgten Freunde vor′m Kerker zu retten. Dies ist Euch nicht gelungen; aber Ihr habt den Trost, Eure Pflicht gethan zu haben. Eine andere, heiligere Pflicht liegt Euch jetzt ob: Ihr müßt Euch zur Unterstützung der Frauen und Kinder der eingesperrten Volksfreunde ohne Zögern erheben. Gebt nach Euern geringen Mitteln und beweist Euern aristokratischen und profitmachenden Unterdrückern, daß Ihr im Stande seid, den schlimmsten der vergifteten Pfeile, der gegen Eure duldenden Freunde gerichtet ist, abzulenken. Die Opfer sind in den Klauen der Tyrannei, aber ihre Familien dürfen nicht ebenfalls geopfert werden. Die Verfolger würden gern die Leiden der Frauen und Kinder mit Wollust betrachten, allein das Volk wird ihnen dieses teuflische Vergnügen zu vereiteln wissen.
Italien.
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 20. Juli 1848. In: MEGA2 I/7. S. 369.]
[*] Florenz.
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Handels-Nachrichten
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Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
16. Juli. Anna Maria, T. v. Georg Hover, Treppenbarb. Maximinstr. ‒ Michael, S. v. Joh. Ercken, Eisenbabnarb. ‒ Tempelstr. ‒ Anna Johanna Franc, T. v. Math. Hemmersbach, Schlosserm, Mariengarteng. ‒ Theres. Kath. Franz, T. v. Friedr. Loewenstein, Schneider, Hochstr. ‒ Max Jos., S. v. Jos. Trivelli, Salz-Faktor, Ursulastr. ‒ Julius Jakob, S. v. Johann Lambrich, Schreinerm, Machabaerstraße. ‒ Joseph. Gertr., T. v. Michael Simons, Schuster, gr. Budeng. ‒ Heinr, S. von Anton Hamacher, Rheinarbeiter, Maximinstr. ‒ Ein uneheliches Mädchen.
Sterbefälle.
16. Juli. Anton Ramm, 1 J. 8 M. alt, Kranenbäumerhof. ‒ Ant. Nelles, Tagl. 54 J alt, verh, gr. Brinkg. ‒ Joh. Gilles, Dachdecker, 74 J. alt, verh, Blindg. ‒ Maria Gertrud Mengelberg, Wwe. Kramer, 77 J. alt, Minoritenspital.
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Schiffahrts-Anzeige. Köln, 19. Juli 1848.
Angekommen: Joh. Acker und Joh. Kiefer von Mainz.
Abgefahren:Fried. Seelig nach dem Obermain.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Wwe. Jak. Schaaff; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr Johann Budberg; nach Andernach und Neuwied A. Boecking; nach Koblenz und der Mosel und Saar D. Schlägel; nach der Mosel, nach Trier und der Saar R. Bayer; nach Mainz Val. Pfaff; nach dem Niedermain Fr. Gerling; nach dem Mittel-und Obermain C. Hegewein; nach Heilbronn Fr. Schmidt; nach Kannstadt und Stuttgart L. Hermanns; nach Worms und Mannheim W. C. Müller.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. V. Emster, Köln Nr. 26. Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Kaefs, Köln Nr. 2.
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Wasserstand.
Köln, am 19. Juli. Rheinhöhe 10' 7′.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Freitag, den 21. Juli 1848, Nachmittags 4 Uhr, sollen auf dem Waidmarkte in Köln, verschiedene Hausmobilien, als: Tische, Stühle, 1 Kommode, Spiegel, Schrank und 13 Schildereien, gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher.
Cloeren.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Freitag, den 21. Juli 1848, Nachmittags 4 Uhr, sollen auf dem Markte zu St. Aposteln in Köln verschiedene gut erhaltene Hausmobilien, als: 3 Fuß große Spiegel, eine Tafeluhr, zwei Sopha, Sekretär, Tische, Stühle, eine Fournaise und ein Küchenschrank mit glasernem Aufsatz, gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher,
Cloeren.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Samstag, dem 22. Juli 1848, Nachmittags 4 Uhr, sollen auf dem Altenmarkte in Köln, verschiedene Hausmobilien, als: Tische, Ofen, Schrank, 1 Bettstelle, 33 bemalte Pfeifenköpfe etc. etc., gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher
Cloeren.
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Freiwilliger Verkauf.
Am Freitag, den 21. Juli d. J., Vormittags 11 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Heumarkte hierselbst an der Börse vier gute Arbeitspferde gegen baare Zahlung öffentlich meistbietend verkaufen.
Köln, den 19. Juli 1848.
Der Gerichtsvollzieher, Simons.
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An dä köllsche Kikero F.
Do wööds schwerlich mich kennen, un wann ich mich och
nennt,
Ich ben keine Redaktör, eckersch blos n'en Abonnent.
Do F bes jo och anoniem, verhaftig dat es jo zum laache,
Schriefs selvs anoniem, un well mer'ne Vörworf mache?
Ding Poesei fung ich zo lächerlich, als dat se mich kunnt
verdreesse,
Un uus dem Stiel kunnt secher ich ob dingen Aerger
schleesse,
Ich trof dich, nettges ob dä Munk, drömm schängs do
wie en Naav!
Nix kenns do vun Pulletik, dat sähs do selvs un dat es
braav!
Noch winniger kanns kallen do, vun Kummenismus un
Anarchie,
Un wat do bubbels vun Obrohr, Haß un wat andersch
noch mieh.
Dat kütt weil do ob Hühldoppsaat die Wohrheit nit
kanns verdragen!
Waat Kälche noch'nen Augenbleck, ich han noch mieh
der zo sagen:
Kei Minsch wells do schikaneert noch han, als dä ver-
deent et hat,
Denk an der Raveaux! ‒ doch et weiß dat klohr die
ganze Stadt. ‒
Der Schloß vum Leed es gar zo schlääch, hälls do in
och vör good,
Der Weg dorenn dä es su gemein als hätts do in ge-
schäpp uus der Good.
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Kirmes in Endenich.
Zu dieser mit dem 23. ds. M. beginnrnden Kirmes, welche acht Tage dauert, und sich bisheran als eine der besuchtesten der ganzen Gegend ausgezeichnet, und durch Bälle, Concerte etc. gefeiert wird, ladet mit dem Versprechen, den sich durch prompte und reelle Bedienung, so wie durch ausgezeichnetes Lokal erworbenen Ruf zu bewähren, und zu befestigen, ganz ergebenst ein
C. A. Hartzheim, Gastwirth in Heideweg.
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Ein grauer glatthäriger Jagdhund, braun behangen, langer Ruthe, auf dem Rücken die Haare etwas abgestoßen, ist entlaufen; wer dessen Aufenthalt anzeigt, erhält eine gute Belohnung, Buttermarkt Nr. 44.
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Demokratische Gesellschaft.
Freitag den 21. Juli, Abends 8 Uhr,
Versammlung
im Eiser'schen Saale, Komödienstraße.
(Ausnahmsweise wegen Reparatur des gewöhnlichen Lokals.)
Der Vorstand.
NB. Die eingeschriebenen Mitglieder, welche noch nicht im Besitze ihrer Karten sind, empfangen solche beim Eingange zwischen 7 und 8 Uhr, auch werden neue Einzeichnungen entgegengenommen.
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In der Expedition der Neuen Rheinischen Zeitung ist zu haben:
Manifest der Contrerevolution.
Auszug aus Nr. 43 der Neuen Rheinischen Zeitung.
Preis1/2Sgr.
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Amtliche Bekanntmachung.
Mit Bezugnahme auf die diesseitige Bekanntmachung vom 12. d. M., wird hiermit zur Kenntniß des betreffenden, handeltreibenden Publikums gebracht, daß der Gemeinderath für den, amersten Montage im Monat Oktober d. J.hier statt findenden großen Waidviehmarkt, folgende Prämien für Viehhändlerbewilligt hat, nämlich:
  • 1) für denjenigen, welcher den besten Ochsen zum hiesigen Markte bringt, 100 Thaler,
  • 2) für denjenigen, welcher den zweitbesten Ochsenzum hiesigen Markte bringt, 50 Thaler,
  • 3) für denjenigen, welcher die beste Kuhzum hiesigen Markte bringt, 50 Thlr.,
  • 4) für denjenigen, welcher die beste Versezu Markte bringt, 30 Thaler,und
  • 5) für denjenigen, welcher das meiste Waidviehzum hiesigen Markte bringt, 20 Thaler.
Die Beurtheilung des Viehes, resp. die Zuerkennung der Prämien, wird durch die für den hiesigen großen Viehmarkt bestehende Metzgerdeputation erfolgen.
Die in den Nummern 46 und 47 dieses Blattes enthaltene diesfällige Bekanntmachung vom 15. d. Mts. ist dahin zu berichtigen, daß die Prämien nichtausschließlich für niederländische, sondern auch für andere Viehhändlerbestimmt sind.
Köln, den 18. Juli 1848.
Der königl. Oberbürgermeister,
Steinberger.
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Während der Dauer der Assisen täglich table d'hôte zu 12 Sgr. Per Couvert incl. 1/2 Flasche guten Wein, und zu jeder Stunde alle der Saison angemessene kalte und warme Speisen à la carte, und billige reine Weine bei Friedrich Kuippes im Pfälzerhof, Appellhofs Platz 17.
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10 gut erfahrne Stuckatur-Gehülfen werden gesucht. Näheres Schildergasse Nr. 49.
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Das Haus auf dem Altenmarkte 40 ist aus freier Hand zu verkaufen. Bescheid geoße Sandkaul Nro. 26.
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Es wird ein Brennergesell gesucht. Bescheid in der Exped. d. Blattes.
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Futter gegen Mäuse, Ratten und Wanzen. Thurnmarkt Nro. 39.
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Der Gerant, Korff.Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.