[0307]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No 62. Köln, Dienstag 1. August 1848
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@facs0307
Die „Neue Rheinische Zeitung“ erscheint vom 1. Juni an täglich. Bestellungen für dies Quartal, Juli bis September, wolle man baldigst machen. Alle Postämter Deutschlands nehmen Bestellungen an.
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Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen der Zeitung die weiteste Verbreitung.
Uebersicht.
Deutschland.Köln. (Eine Reklamation. ‒ Die Kölnische Zeitung über englische Verhältnisse.) Neuß. (Die Bürgerwehr) Frankfurt. (Reichsminister-Kombination.) Berlin. (Verfassungskommission. ‒ Vermischtes. ‒ Kuhr und die Vereinbarungsversammlung. ‒ Der König in Berlin. ‒ Die Studenten. ‒ Posener Gymnasium. ‒ Die Konstabler. ‒ Die Vossische Zeitung über die Konstabler. ‒ Erklärung des Reichsverwesers über den 6. August. ‒ Ein Straßenreinigungsinspektor.) Aus der Provinz Sachsen. (Reaktion.) Stuttgart. (Ein Sieg der Demokraten. ‒ Der König erholt sich.) Konstanz. (Ein Schreiben Ficklers.) Wien. (Reichstagssitzung.‒ Der demokratische Verein. ‒ Säuberung der Büreaukratie) Wörgel. (Ein Kasus der alten Polizei.) Prag. Frucht der Rieger'schen Interpellationen. ‒ Die oberste Civilverwaltung.) Apenrade. (Vermischtes.) Flensburg. (Stärke des schleswig-holstein'schen Heeres. ‒ Die Königsau noch nicht überschritten.) Rendsburg. (Petition an die N.-V. zu Frankfurt.)
Polen.Vom Dniester. (Ruthenen und Polen. ‒ Vorfälle in Podhayce.) Jarnopol. (Cholera in Okopa. ‒ Unruhen in Brzezan.)
Donau-Fürstenthümer. Bucharest. (Zwei Proklamationen.)
Ungarn. Weißkirchen. (Der Kampf mit den Serben.) Dobrinze. (Die Gränzer bemächtigen sich der Kanonen in Bacsa.) Pesth. (Ungarisches Militär nach Italien. ‒ Bothschaft der mailändischen provisorischen Regierung in Ungarn. ‒ Hrabowsky.)
Französische Republik. Paris. (Die Prononciation v. Klub. ‒ Die geheimen Gesellschaften. ‒R.-V. vom. 29. Juli. ‒ Authentisches Aktenstück über die Insurrektion. ‒ Die Mobilen. ‒ Der National.) Straßburg. (Rauschenplatt.)
London. (Eine Erklärung O'Connors. ‒ Unterhaussitzung. ‒ Die Times über Bunsen.) Dublin. (500£. auf die Verhaftung von Smith O'Brien gesetzt. ‒ Die Insurgenten in Tipperary und Kilkenny. ‒ Cork. ‒ Carrick ‒ Drogheda.)
Italien. Mailand. (Sieg der Italiener bei Somma Campagna. ‒ Radezky auf's Haupt geschlagen. ‒ Lügen der „Augsburgerin“ und der östreichischen Behörde.) Rom.(Deputirtenkammer.) Neapel. (Rebellion in Toronto. ‒ Baudin soll die Citadelle von Messina beschossen haben. ‒ Vorbereitungen zum Angriff auf Sizilien.
Deutschland
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[ * ] Köln, 31. Juli.
Als einen neuen Beweis, wie wenig diejenigen Beamten, welche noch dem alten Systeme ihre Stellung verdanken, die persönliche Freiheit ihrer Mitbürger zu schützen wissen, theilen wir dem Publikum folgendes Faktum mit:
Am 25. Juli erschien bei einem hiesigen Bürger, Herrn Joseph Wolff, der Polizeisergeant Herr Heilmann, und forderte ihn unter Vorzeigung nachfolgenden Aktenstückes auf, sich augenblicklich auf dem Parquet zur Antretung seiner Gefängnißstrafe anzumelden, widrigenfalls er mittelst Gensdarmerie abgeholt werden würde.
Das Scriptum lautet:
Nachdem der Joseph Wolff, Kaufmann hierselbst, Altenmarkt Nr. 54 wohnhaft, durch Erkenntniß des Königlichen Landgerichts vom 29. Oktober 1847, wegen Nichterscheinens als Zeuge, zu einer Subsid-Gefängnißstrafe von 3 Tagen verurtheilt worden ist, ersuche ich Sie, denselben unverzüglich auffordern zu lassen, sich binnen 3 Tagen zur Strafantretung im Parquet des Unterzeichneten zu melden, und demselben zu bedeuten, daß im entgegengesetzten Falle die Königl. Gensdarmerie requirirt werden würde, ihn zum Arresthause abzuliefern.
Sie wollen umgehend über die Erledigung dieses Auftrags berichten.
An den Herrn Polizei-Kommissär 3. Bezirks Wohlgeboren hier.
Köln, den 24. Juli 1848. Der Königl. Oberprokurator. Der Staatsprokurator (Gez.) Hecker.
Nr. 14
Diese Aufforderung wurde dem Herrn Wolff nicht zugestellt, wie es gesetzliche Vorschrift ist, sondern ihm nur auf spezielle Bitte eine Abschrift erlaubt. Herr Wolff, der von keiner Zeugenvorladung Kenntniß hatte, eilte mit dieser Abschrift in Begleitung des Herrn Advokaten Schürmann sofort auf Parquet, um sich von dem Ausfertiger dieses Schriftstückes, Hrn. Hecker, persönlich Aufschluß zu erbitten, überzeugt, daß hier ein Irrthum obwalten müsse. Herr Hecker war jedoch nicht zu sprechen. Nach vielfachen vergeblichen Versuchen, Aufschluß über diesen irrthümlichen Befehl zu bekommen, gelangte endlich Herr Wolff durch die Gefälligkeit eines der Herrn Parquetsekretäre zur Einsicht der betreffenden Akten, und aus diesen ergab sich denn, daß allerdings gegen einen Herrn Wolff, wohnhaft Kaufhaus Nr. 6, ein solcher Befehl erlassen worden war, gleichzeitig auch ein ärztliches Attest, welches das Nicht-Erscheinen des Letztern entschuldigte.
Lediglich der Gefälligkeit also der Herrn Parquetsekretären verdankte es Herr Wolff demnach, daß ihm und seiner alterschwachen Mutter die Scene erspart wurde, von Gensdarmen aus seinem Hause und am hellen Tage, unter dem Zulauf aller Gassenbuben, nach dem Arresthause geschleppt zu werden.
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Edition: [Friedrich Engels: Die Kölnische Zeitung über englische Verhältnisse. In: MEGA2 I/7. S. 448.]
[ ** ] Köln, 31. Juli.
„Wo ist in England eine Spur von jenem Haß gegen die Klasse zu entdecken, welche in Frankreich die Bourgeoisie genannt wird?
Die Kölnische Zeitungbleibt aber nicht bloß bei der Behauptungder Thatsache stehen, daß in England kein Haß existire gegen „das, was man in Frankreich die Bourgeoisienennt“(auch in England, wohlunterrichtete Kollegin, vgl. Northern Starseit 2 Jahren)‒sie erklärt auch warumdies gerade so
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[Feuilleton]
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Kölnisches.
Ich habe immer gemeint, der Neumarkt gehöre den Preußen, resp den preußischen Offizieren; Parade, Neumarkt und Offizier, ‒ das galt mir als gleichlautend und gleichbedeutend. Zu einer Parade gehört ein Paradeplatz, und zu einem Paradeplatz eine Parade-Uniform ‒ lauter Dinge, die den preußischen Offizier und den Neumarkt im höchsten Grade vereinigen. Ich habe mir nie einbilden können, daß man Waffen ohne Waffenrock tragen könne. Erst der rothe Kragen, dann das Gewehr. Die Offiziere schienen völlig mit der Uniform auf die Welt gekommen zu sein, wie ehemals der Gentilhome mit dem Degen. Ein Gewehr in Bürgertracht zu tragen, wem wäre das eingefallen? Wie kann man ohne Uniform exerzieren? Aber jetzt, seitdem nichts der bürgerlichen Analyse und der bürgerlichen Berechnung entgehen kann, seitdem man erkannt, daß die Fabrikation des Tuches mit der Fabrikation der Offiziere gleichen Schritt halte, und man nachgesehen, wie den Leuten der Rock auf den Rücken gekommen, und wer die Kosten daran getragen, wie hat sich da Alles geändert! Ich habe eine Bürger-Parade gesehen, ich habe auf dem Neumarkt viele Tausend Nationalgardisten aufmarschiren gesehen, die Gewehre trugen ohne Uniform, Gewehre, die vor dem Erzherzoge präsentirten, und die vor preußischen Offizieren vorbeigingen, ohne angezogen zu werden! Ungezogene Gewehre!
Parade-Marsch, Marsch! Und die Civilhüte, Civilröcke von der buntscheckigsten Form marschirten im Parademarsch daher, ganz ungenirt, als bewegten sie sich auf eigenem Grund und Boden, mitten auf dem Neumarkt, mitten auf dem Paradeplatze.
Also zum Parademarsche gehört weiter nichts, als gesunde Beine. Und dieses analytische Zerlegen des Gehens, dieses oscillatorische Anziehen, diese nervös-convulsivische Zuckungen in den Gelenken, das wären also rein formuläre Bewegungen!
Man plagt also die armen Soldaten deshalb nur mit dem Parademarsch, um ihnen die Initiative der Beine zu geben, weil ihnen die Initiative des Herzens fehlt! Ist dann das Herz in die Beine hinabgestiegen? Seht doch nur die Bürgergardisten an! Sie haben begriffen, daß es mit der alten Taktik zu Ende ist, daß der Parademarsch stolpert vor Barrikaden.
Mit nächster Woche ist Martin's Kirmes! Bürgerblut ist geflossen, weil Kinder bloß an Pulver rühren wollten. Seit dem Märzereignisse haben die Kinder das Pulver und der Wehrmann das Gewehr errungen. Mit der Uniform und den Epauletten erobert man nichts mehr, selbst die Mädchen werden von keiner Epaulette eingenommen. Und wenn die preußischen Lieutenant's in stiller Wuth vor sich brummen:
Freiheit und Republik,
wären wir doch die Kölsche quick,
dann antworten ihnen die Kinder und Mädchen:
Freiheit und Republik,
wären wir doch die Preußen quick.
Und der König von des Domes Zinnen, die militärische Haltung der Bürgerwache überschauend, wird rufen:
„Alaf Köln!“
F. W.
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@facs0307
O Mädchen, o Frauen, verzeiht mir, wenn ich Eurem Schamgefühl zu nahe trete. Aber es ist meine Schuld nicht, es ist die Schuld der Königin Isabelle, es ist die Schuld Homer's.
Homer hat gesagt: Niemand kann wissen, wer der Vater eines Kindes ist. Aber Jedermann kann wissen, wer die Mutter ist. Nun hat es allenthalben geheißen: Isabelle soll Mutter werden. Auf den Vater kam es gar nicht an. Der König Paquo galt für den Vater. Jetzt heißt es, nein. Nicht die Königin wird Mutter, sondern der Königin Mutter, die Königin Christine, die schon Mutter von 9 Kindern ist. Was, auf der einen Seite Alles, und auf der andern Nichts? Die Ehe, die am meisten nothwendig hat, gesegnet zu werden, soll ungesegnet bleiben? Und Isabelle, die so nothwendig hat, in eine gesegnete oder in eine interessante Lage versetzt zu werden, um mit der Königin Viktoria zu sprechen? Ja, da bleibt weiter nichts übrig, als den Stuhlrichter Warga aus Pesth kommen zu lassen, gegen dessen Zulassung in die Kammer deshalb protestirt wurde, weil er 4000 Mädchen verführt habe!
Ja, das ist der Mann, der der Königin Isabelle fehlt; der wird glücklicher auf dem Throne als in der Kammer, glücklicher in Spanien als in Ungarn sein.
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@facs0307
Pesth, 19. Juli.
Gegen die Wahl des Graner Repräsentanten, Stuhlrichter Warga, ging eine sonderbare Petition ein, die wohl keine ihresgleichen in den parlamentarischen Annalen haben dürfte. Es ward nämlich gebeten, ihn nicht zuzulassen, ‒ weil er während seiner 10jährigen Amtsdauer 4000, sage viertausend Mädchen verführt habe! Dieser moderne Don Juan ist ein hübscher Mann, erregt hier ein allgemeines Interesse, und wird, wie man behauptet, wo er sich öffentlich zeigt, von Alt und Jung des schönen Geschlechts mit vieler Neugierde betrachtet.
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@facs0307
Die Berlinische Zeitung vom 29. Juli stellt folgende Frage auf:
Wird der vom Vater auf den Sohn vererbte Adel abgeschafft, so kann dies folgerichtig auch mit dem Familiennamen geschehen, ja, auch das vom Vater rechtmäßig erworbene, dem Sohn vererbte Vermögen darf auf denselben Grund oder Ungrund, diesem abgesprochen werden. Und worauf liefe dies endlich hinaus, wenn wir konsequent sein wollen? ‒
Antwort: Auf Abschaffung des Vaters.
[0308]
[Deutschland]
[Spaltenumbruch]
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@facs0308
Neuß, 29. Juli.
Gestern Abend um 10 Uhr wurde noch ein Theil unserer Bürgerwehr befehligt, diesen Morgen um 1/2 7 Uhr bewaffnet auf dem Rathhause zu erscheinen. Die Gründe zu dieser Ordre wurden jedoch nicht angegeben. Schon mehrere Tage war das Gerücht im Umlauf, daß ein Arbeiter-Crawall bevorstehe, und daß viele Arbeiter schon denuncirt seien. Die Arbeiter waren nämlich bei der Stadt eingekommen, ihnen eine volle Beschäftigung zu geben; die Stadt mußte aber, weil sie dieses Jahr schon enorme Auslagen gehabt habe, ablehnen; diese Arbeiter waren bloß 2 Tage in der Woche beschäftigt, und sagten, bei dem Gesammtverdienst von 20 Sgr. könnten sie ihre Familien nicht ernähren, glaubten aber, obschon man sie mehrmals aufgefordert hatte, die Arbeiten einzustellen, fortarbeiten zu dürfen. Aus dieser Ursache soll das Einschreiten der Bürgerwehr für nöthig erachtet worden seyn; die Arbeiter wurden nun von der Polizei und von der Bürgerwehr mehrmals aufgefordert, ihre Arbeiten einzustellen und den Platz zu räumen; diesem wurde keine Folge gegeben, und man kommandirte nun, mit gefälltem Bajonette die Arbeiter zu zerstreuen. In diesem Augenblicke warf sich ein Arbeiter vor die Bajonette hin und sprach die Worte „stoßt mich nur nieder“ u.s.w. Dieser Arbeiter war derselbe, der durch die Polizei schon dreimal arretirt und wieder frei gegeben werden mußte, um kein Blutvergießen zu veranlassen. Die Bürgerwehr hatte scharf geladen und das anwesende Militär war aufgeboten und stand bereit. Die Arbeiter waren zwar in großen Massen nicht vorhanden, doch war die Bürgerwehr zu schwach vertreten, und es ist ein Glück zu nennen, daß keine weitern Schritte gethan worden sind, und die Bürgerwehr zurückberufen wurde, denn es harrte eine Masse Volks der Dinge, die da kommen sollten.
[(Düss. Ztg.)]
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@facs0308
Frankfurt,
29. Juli. Man erwartet in wenigen Tagen und zwar unmittelbar nach dem Eintreffen des Reichsverwesers, die Ernennung des Herrn Mathy zum Finanz- und des Herrn Duckwitz zum Arbeitsminister. Es scheint, als würden vorläufig die Portefeuilles des Innern und des Aeußern in der Hand des Herrn v. Schmerling verbleiben, während demselben Herr M. v. Gagern als Unterstaatssekretär für die auswärtigen Angelegenheiten beigegeben wird. Daß Herr v. Deetz nicht zum Unterstaatssekretär, sondern zum Chef des Militärkabinets unter dem Kriegsminister ernannt wird, steht fest. Das Marineministerium scheint Herrn v. Bruck vorbehalten zu bleiben. Wer die Präsidentenschaft des Gesammtministeriums übernehmen wird, ist gänzlich ungewiß, und die darüber umlaufenden Gerüchte verdienen keinen Glauben. ‒ Für die Gesandtschaft nach Paris nennt man Herrn v. Andrian, für Petersburg den Fürsten Lichnowsky; Herr v. Rönne wird noch immer in der Nationalversammlung ausschließlich für die Gesandtschaft in Washington bezeichnet. Vergeblich forscht man, wer Deutschland in England vertreten werde. Man hofft, es werde gelingen, Herrn Bunsen dafür zu gewinnen, wobei indeß nicht zu übersehen ist, daß sich derselbe gegenwärtig als preußischer Gesandter daselbst befindet und Preußen seine dortige particuläre Vertretung nicht aufgeben wird.
[(O.P.A.Z.)]
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@facs0308
[ 103 ] Berlin, 29. Juli.
Die Verfassungs-Kommission hat endlich gestern die Redaktion der „Verfassungsurkunde für den preußischen Staat“ vollendet und außer den schon veröffentlichten 101 §§. noch einige über die Gemeinde-, Kreis und Bezirksverbände, auch einige Allgemeine Bestimmungen hinzugefügt. Besonders sind die Bestimmungen zu beachten, welche im Gegensatz zum ministeriellen Entwurf der Gemeinde-Ordnung stehen. Im Verfassungsentwurf heißt es:
„Alle selbstständigen Mitglieder einer Gemeinde, welche seit Jahresfrist in derselben ihren Wohnsitz haben, zu den Lasten der Gemeinde beitragen und sich im Vollgenusse der staatsbürgerlichen Rechte befinden, sind in Angelegenheiten der Gemeinde gleich berechtigt und insbesondere zur Wahl der Gemeindevertreter berufen.“
Dagegen will bekanntlich die Gemeinde-Ordnung einen Wahl-Census von 150 bis 200 Thaler jährliches Einkommen festsetzen. Ferner heißt es im Verfassungsentwurf:
„Den Gemeinden insbesondere steht die selbstständige Verwaltung ihrer Gemeinde-Angelegenheiten zu, mit Einschluß der Ortspolizei.
„Ueber die innern und besondern Angelegenheiten der Bezirke, Kreise und Gemeinden beschließen aus gewählten Vertretern bestehende Versammlungen, deren Beschlüsse durch den Vorsteher der Bezirke, Kreise und Gemeinden ausgeführt werden.
„Das Gesetz wird die Fälle bestimmen, in welchen die Beschlüsse der Gemeinden, Kreise und Bezirke der Genehmigung einer höhern Vertretung oder der Staatsregierung unterworfen sind.
„Die Vorsteher der Bezirke werden von der Staatsregierung ernannt, die der Kreise werden von den Gemeindemitgliedern erwählt.
„Die Organisation der Executivgewalt des Staats wird hierdurch nicht berührt.
„Die Bezirks-, Kreis- und Gemeinde-Berathungen sind der Regel nach öffentlich. Die Ausnahmen bestimmt das Gesetz. Ueber die Einnahmen und Ausgaben muß mindestens jährlich ein Bericht veröffentlicht werden.“
Der ganze Entwurf der Verfassungsurkunde ist bereits gedruckt und den Abtheilungen zur sofortigen Berathung zugesandt worden.
Mehrere Abtheilungen der National-Versammlung haben sich bereits bei der Berathung der Gesetzesvorlage über die unentgeldliche Aufhebung von Feudallastenmit Majorität dafür entschieden.
Der Abgeordnete Teichmannhat, sich stützend auf „das Prinzip des sozialen Staats,daß Jeder, der etwas gewinnen wolle, dies durch Arbeit verdienen müsse, und das Lotteriespieldiesem Prinzipe entgegenstehe,“ den Antrag auf Abschaffung der Lotteriedergestalt gemacht, daß letztere mit dem 1. Januar 1849 aufhöre, während das bestehende Verbot der Betheiligung an fremden Lotterieen in Kraft bleibe. Die Central-Abtheilung war indeß der Meinung, daß man vorläufig die Einnahme aus der Lotterie von etwa 900,000 Thaler jährlich jetzt nicht missen könne und schlägt daher vor, von der Aufhebung der Lotterie vorläufig Abstand zu nehmen, wogegen die Regierung veranlaßt werden soll, die Aufhebung der Lotterie in ganz Deutschland zu vermitteln.
Unsere gestrige Mittheilung auf Verzichtleistung des Reichsverwesers auf die von Herrn v. Peuckerangeordnete Huldigung scheint sich zu bestätigen. Auch in der Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung war davon die Rede, und es ist in Folge dessen von dem sofortigen Erlaß eines bei ihr beantragten Protestes gegen die, die Selbstständigkeit Preußens gefährdenden Beschlüsse des deutschen Parlaments, abgestanden.
Zwischen dem Abgeordneten für Berlin, Geheimerath Bauer, und einigen Mitgliedern der Linken ist es kürzlich zu einem Konflikt gekommen, der, nur durch rechtzeitige Mäßigung auf beiden Seiten, ohne ernstliche Folgen beseitigt wurde. Herr Bauer hatte die Berichte, welche die demokratischen Mitglieder an ihre Kommittenten erlassen,„lügenhaft“ genannt. Von dem Abg. D'Ester Namens der übrigen Collegen, zur Verantwortung gezogen, zeigte sich Bauer sogleich bereit sein Urtheil zu widerrufen.
Den Mitgliedern der Vereinbarungsversammlung ist gestern durch den Präsidenten Graboweine Einladung an den königl. Hof in Potsdam auf Sonntag zugegangen. Wie wir hören, haben auch die Herren von der Opposition beschlossen, der Einladung Folge zu geben.
Die Aeußerungen gegen das Verschmelzen Preußens in das gesammte deutsche Vaterland treten immer heftiger und zahlreicher auf. Das 9. Infanterieregiment soll die deutsche Kokarde abgelegt haben. Auch eine Kompagnie Gardelandwehr hat in dieser Weise gestern demonstrirt. Die beiden Schwadronen Husaren, welche gestern aus Potsdam hier einrückten, haben vor ihrem Abmarsch von dort, wie versichert wird, den Widerstand gegen antipreußische Einheitsgelüste in solennen Formen geloben müssen.
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@facs0308
Berlin,26. Juli.
In der heutigen Stadtverordnetenversammlung erklärte der Stadtverordnetenvorsteher Seidl, daß er aus guter Quelle die Mittheilung zu machen befugt sei, daß der Erzherzog-Reichsverweser ein Schreiben an unsere Regierung gerichtet, worin er erklärt, die Huldigung der Truppen sei ohne sein Wissen angeordnet worden und er müsse dieselbe desavouiren.
[(B.Z.)]
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@facs0308
[ * ]
Unter den Inspektoren, welche für die öffentliche Straßenreinigung ernannt worden, befindet sich ein Mahomedaner.
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@facs0308
Berlin, 29. Juli.
Man tadelt es mit Recht, daß bei der Organisation des neuen Instituts der Konstablers nicht mit der gehörigen Sachkenntniß verfahren ist. Es fehlt den Konstablers alle polizeiliche Vorschule und Belehrung, und man scheint bei der Auswahl derselben mehr darauf bedacht gewesen zu sein, bedürftigen Personen Brod zu geben, als tüchtige Beamte zu gewinnen. So ist es denn geschehen, daß z.B. ein Individuum als Konstabler eingekleidet worden ist, und jetzt auf den Straßen als Polizeibeamter umhergeht, welches bereits wegen Raub und Meineid in Untersuchung gewesen, welches vielfach in der Stadtvoigtei gesessen, aus solcher einen gefährlichen Ausbruch verübt und in allen hiesigen Blättern deshalb steckbrieflich verfolgt worden ist. Eben so soll ein zweites Individuum als Konstabler eingkleidet worden sein, welches vielfach wegen Diebstahl in Untersuchung gewesen und allen Polizeibeamten als ein gefährlicher Taschendieb bekannt ist. Solche Mißgriffe können natürlich dem neuen Institut nicht von Nutzen sein, sie sind aber unvermeidlich, wenn man, obwohl hier viele tüchtige Beamte vorhanden sind, aus weiter Ferne her Beamte holt, um sie an die Spitze von Instituten zu stellen, welche die genauesten Lokal- und Personalkenntnisse erfordern.
[(B.Z.)]
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@facs0308
[ 119 ]Berlin, 28. Juli.
Das kläglichste Schauspiel bot die Diskussion der Kuhr'schen Angelegenheit dar. Die Rechte und die Centren schnitten durch ein helliges Aufstehen die Diskussion ab, und es wurde zur namentlichen Abstimmung geschritten: 17 Stimmen gegen 242 für die gerichtliche Verfolgung, eventuell Verhaftung. ‒ In einer Versammlung, welche ihren Ursprung einer Revolution verdankt, die vor dem Siege eben eine solche Emeute war, wie der Sturm auf's Zeughaus ‒ in der beinahe die Hälfte der Mitglieder sich die Linke nennen läßt, wo so viel Geistliche sitzen, die doch sonst immer die Milde im Munde führen, so viel Advokaten, die vor der Barre die Verbrecher vertheidigen ‒ in solcher Versammlung finden sich bloß 17, die ein entschiedenes Nein aussprechen, wenn man eines ihrer Mitglieder, das höchst wahrscheinlich ganz unschuldig ist, höchstens aber eine politische Unvorsichtigkeit begangen hat, so zu sagen ausliefert.
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@facs0308
[ 15 ]Berlin, 29. Juli.
Der Jubel ist groß! Se. Majestät unser vielgeliebter König hat seine vielgeliebte Stadt Berlin mit allerhöchstihrem Besuch zu beglücken, und dadurch einen neuen Beweis allerhöchstihrer, trotz aller Mißverständnisse und Märzkrawalle noch fortdauernden Huld, allergnädigst zu geben geruht. Allerhöchstdieselben waren in Begleitung Sr. Königl. Hoheit des Prinzen von Preußen, höchstwelchem Sie nach dem Stettiner Bahnhof das Geleit gaben, von wo höchstdieselben zu höchstihren vielgeliebten und getreuen Pommern zu reisen gedachten. Ihre königl. Majestät und königl. Hoheit geruhten, das Museum und die Gießerei in Augenschein zu nehmen, woselbst Allerhöchstdieselben den antiken Statuen und dem eisernen Denkmal Friedrich's des Großen Allerhöchstihre Zufriedenheit zu bezeugen geruhten. Auch der Himmel begünstigte in augenscheinlicher Weise den leider nur allzukurzen Aufenthalt der allerhöchsten und höchsten Herrschaften; während es noch um 11 Uhr sehr platzregnete, durchbrach bald darauf die Sonne die sie neidisch verhüllenden Wolken und beleuchtete ein Schauspiel, wie es sich seit den verrufenen Märztagen nur selten gezeigt hatte. Auf den Straßen bemerkte man viele Leute, wahrscheinlich Mitglieder des Preußenvereins, mit schwarzweißen Kokarden; in mehreren Kasernen holten die Soldaten unsere lange vermißten landesfarbigen Fahnen hervor, und steckten dieselben zum Zeichen ihrer Freude, aus den Fenstern heraus; nur am Balkone der Universität war ‒ frevelhafte Demonstration! ‒ die deutsche Fahne aufgepflanzt, ja, mehre Studenten in der Karlsstraße, welche der Kaserne gegenüber wohnten, waren so unverschämt, sofort die deutschen Fahnen zum Fenster hinauszustecken; natürlich mußte dieser schon allzulang ertragene Anblick ein preußisches Soldatenherz höchlich erbittern, sie riefen den Studenten zu, sie möchten die Lappen nur wieder wegnehmen, sonst ‒ die Studenten waren aber so verstockt, weder den Befehl, noch die ausgestoßenen Drohungen zu beachten. ‒ Aus guter Quelle erfahre ich, daß Se. Majestät bereits am 5. August unsere Stadt wieder mit allerhöchstihrer Ankunft beglücken wird, ja, einige gehen in ihrer vielleicht übereilten, aber gewiß vollkommen zu rechtfertigenden freudigen Hoffnung so weit, daß sie die Wiederkehr dieses glücklichen Ereignisses bereits auf den Montag voraussagen!
Geht man jetzt an dem Thorweg unserer Universität vorüber, so bemerkt man auf einem Tisch ein „schwarzes Brett der Studirenden“ (so lautet die Ueberschrift des Brettes).Ich glaube, Ihnen schon früher berichtet zu haben, wie der hohe Senat es für gut befunden hat, in Bezug auf die Anschläge der Studirenden an das schwarze Brett der Universitätshalle, die Censur wieder einzuführen, oder vielmehr beizubehalten, und die mißliebigen Anzeigen durch den dermaligen Rektor, Johannes Müller,herunterreißen zu lassen. Da den Studenten ihre Beschwerden über ein solches Verfahren nichts fruchteten, so entschlossen sie sich, ein neues schwarzes Brett mit obiger Bezeichnung vorder Universität aufzustellen, welches von einem Knaben bewacht wird, und woselbst die studentischen Anzeigen befestigt werden. In der That erscheint nichts so geeignet, das lichtscheue unheimliche Treiben unserer Universitäts-Eulen vor die Strahlen der Oeffentlichkeit zu ziehen und der allgemeinen Verachtung Preis zu geben, als obiges, von den Studenten eingeschlagenes Verfahren.
Das fliegende Korps der Studenten ist nicht so glücklich, sich des allerhöchsten Beifalls zu erfreuen. Se. Majestät sprachen sich gegen die von dem hiesigen Magistrat ihm zugeschickte Deputation offen darüber aus, wie die sämmtliche Bürgerwehr, aber nur nicht das bewaffnete Studentenkorps wegen seines Verhaltens auf dem Wachtposten im Schweizersaal des Schlosses, Allerhöchstihre Zufriedenheit besäßen.
Trotz des Posener Magistrats und des Shrapnell-Pacifikators Pfuel, wird nach einem Erlaß des Ministeriums, in 8 Tagen das polnische Maria-Magdalenen-Gymnasium in Posen wieder eröffnet werden. Auch diesmal hatte die Reaktion, in Gestalt der Deutschthümlei, dem Befehle des Ministers trotzen wollen, ganz eben so wie früher dem Befehl des Grafen Schwerin; indeß hat es ihr diesmal nicht glücken wollen.
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@facs0308
[ 14 ] Berlin, 29. Juli.
Die Physiognomie Berlins hat sich in der letzten Woche sehr verändert. Wie der Himmel mit Sternen, so ist unsere Märzheldenresidenz mit Konstablern übersäet. In der That leben wir in einem eigenthümlichen Belagerungszustand, denn fast jedes Haus Berlins wird in buchstäblichem Sinne von der Polizei belagert oder bewacht. Fragt man die Konstabler nach ihren Funktionen, so lauten die Antworten verschieden. Die Mehrzahl scheint der Tendenz des Spionirens zu huldigen; Einige versehen Nachtwächterdienste ohne die Benevolenz der eigentlichen Nachtwächter zu besitzen, indem sie Treibjagden auf unsere Königinnen der Nacht anstellen; noch Andere, entlassene Sträflinge, sagt die Verläumdung, wetteifern in brutaler Eujonage. Die Meisten sind ruinirte Krämer, Falliten, brodlose Handwerker und kurz elende Personen, die aus purer Noth den schnöden Dienst übernommen haben. Wie unbestimmt die Instruktionen dieser Schutzmänner sind, erhellt daraus, daß vor einigen Abenden unter den Linden ein Konstabler eine Gruppe Versammelter auseinander gehen hieß, während ein Anderer ihn zurechtwieß, weil sie das Versammlungsrecht nicht aufheben könnten. Dennoch ist dies mehrfach geschehen und Verhaftungen wurden wegen der unbedeutendsten Widerworte vorgenommen. Man schleppte u.A. einen bekannten Volksredner (Dr.Eichler) auf die Polizei, mußte ihn aber nach wenigen Stunden auf das Verlangen des Volkes wieder freigeben. Vorgestern Abend fiel aus ähnlichen Gründen eine schöne „Keilerei“ unter den Linden vor, welches erfreuliche Schauspiel wir von nun an täglich haben werden. Ob die Regierung später den Versuch aufgeben wird, die alte Polizei unter neuer Form wieder zu Kräften kommen zu lassen ‒ oder ob sie das „vorläufige“ Käsemesser der Konstabler in eine Büchse mit Pulver und Blei verwandelt ‒ haben wir zu sehen. Vorläufig haben wir durch die junge Freiheit jedenfalls die Vortheile vor der alten Knechtschaft voraus, daß wir außer der frühern Gensdarmerie und Polizei auch noch Konstabler erhielten, gleichwie nach oben unsre lieben Potentaten sich noch um ein theures Haupt vermehrt haben. ‒ Die uns so lange entschwundenen Garde-Helden kommen allmälig wieder zu uns. Auch geben sie neuerdings in Vereinigung mit dem Mimen-Schneider eine „Deutsche Wehrzeitung“ heraus, die jedem Hypochonder zu empfehlen ist. ‒ Am Mittwoch hatten wir im Hofjäger ein interessantes demokratisches Concert. Marseillaise, Volkslieder, Volksreden, Schrei nach Republik etc. Es mochten an 5-6000 Menschen versammelt sein. Gestern zogen rothe Husaren ein.
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@facs0308
[ 40 ] Provinz Sachsen, 26. Juli.
Nirgendwo kann die alte Polizei- und Soldatenwirtschaft und die Reaktion mehr wühlen, als in der Provinz Sachsen und namentlich in Erfurt. Hier wurden unlängst bei einem kleinen Exzeß mehrere unschuldige Zuschauer ohne Weiteres und ohne die vorherige gesetzliche Warnung todtgeschossen und noch mehrere verwundet. Ein Untersuchung deshalb wurde nicht angestellt. Da ein Verein, in welchem viele Arbeiter und Handwerker sind, in welchem man demokratische Bestrebungen befürchtete, Volksversammlungen ausschrieb, so wurde die Stadt wie in einen Belagerungszustand versetzt. Zu der zahlreichen Besatzung wurden noch Truppen von auswärts hereingezogen. Bürgerwehr läßt man durchaus nicht aufkommen; sie ist auch wegen der großen Ruhe in Erfurt nicht nothwendig. Die Polizeiverwaltung hat aber aus Furcht vor der Demokratie ihre Gewalt in die Hände des Militärkommandanten gelegt. Als der Bürgermeister von einer Deputation der ruhigsten Bürger auf die gereizte Stimmung aufmerksam gemacht wurde, antwortete er: „Dagegen haben wir unsere Bajonette und Kanonen.“ Ein Schriftsteller, welcher eine freisinnige Aeußerung gewagt hatte, wurde des Landes verwiesen, ein anderer sitzt im Kriminalgefängniß, weil er gegen den berüchtigten Frankfurter Beschluß in einem Lokalblatte einen Mißvergnügen erregenden Artikel geschrieben. So eben verbietet die Regierung durch den Magistrat bei schwerer Strafe die Theilnahme von Ausländern an öffentlichen Versammlungen im Preußischen; das Erfurter Gebiet gränzt im Zickzack an sieben Herren Länden. In einer Gartenwirthschaft, wo Offiziere und Beamte zu verkehren pflegen und wo die Musik des 32. Regiment „Heil Dir im Siegerkranz“ und dergleichen spielen muß, wurde ein achtbarer Bürger herausgeprügelt, weil er das Preußenlied nicht mitsang. Ein Ackerbürger, welcher, um eine Aussaat zu retten, am Charfreitage auf einem Ackerstück arbeitete, wurde deshalb zur Untersuchung gezogen und bestraft. Ein Schullehrer wurde zur Untersuchung gezogen und hart bestraft, weil er seinem Nothstand und ein nicht gehaltenes Versprechen der Behörde öffentlich zur Sprache gebracht.
Es ist erstaunlich von den sonstigen einzelnen Wühlereien der Reaktion in Erfurt zu hören und zu lesen, an deren Spitze Offiziere und Beamte stehen. Der Hr. Minister Kühlwetter will Thatsachen nachgewiesen haben, wenn er dem alten Beamtenthum, womit er das Land regiert, sein Vertrauen entziehen soll.
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@facs0308
[ * ]Mainz.
Die am 23. D. Mts. in Kranichfeld bei Darmstadt zusammengetretene Volksversammlung aus allen Theilen des [0309] [Spaltenumbruch] Großherzogthums Hessen hat an die Frankfurter Nationalversammlung folgende Anträge gestellt:
1) Sämmtliche Fürsten Deutschlands alsbald in einheitlicher, gleicher Form aufzufordern, die unumwundene, unzweideutige Erklärung abzugeben, daß sie sich den Beschlüssen der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt, als der einzigen gesetzlichen Trägerin der Souveränetät des deutschen Volkes, unbedingt und ausnahmslos unterwerfen;
2) Jeden Fürsten Deutschlands, welcher diese Erklärung verweigert oder nur bedingungsweise geben will, feierlichst in die Reichsacht zu erklären;
3) Den erwählten Reichsverweser dahin zu bestimmen, diesem Beschlusse Ausführung, Kraft und Nachdruck zu geben und zu diesem Zwecke alle Armeen Deutschlands zu seiner Disposition zu stellen und denselben den Eid der Treue in Bezug auf alle schon gefaßten und noch zu fassenden Beschlüsse der souveränen Nationalversammlung in Frankfurt abzunehmen.
Die Volksversammlung fordert zugleich alle politischen Vereine auf, den vorstehenden Antrag anzunehmen und ihn gleichfalls der Nationalversammlung einzusenden.
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@facs0309
[ * ] Stuttgart, 27. Juli.
Trotzdem die demokratische Parthei von der Regierung mit Interdikt belegt, trotz Verbots demokratischer Vereine und schaamloser Verhöhnung der Assoziationsfreiheit hat doch die demokratische Partei an nichts weniger gedacht, als ihr Testament zu machen. Im Gegentheil die Versammlung von Vertretern aller Vereine Würtembergs in Eßlingen hat ihr zu einem glänzenden Siege verholfen. Der dort gewählte Centralausschuß besteht überwiegend aus Demokraten. Die Herren Constitutionellen; die gar nicht laut genug zu schreien wissen: man müsse sich stets der Majorität fügen ‒ will sagen, wenn sie selbst durch allerlei Mittelchen einmal die Majorität haben ‒ diese schreien jetzt noch viel gewaltiger: einer solchen Majorität dürfe man durchaus nicht gehorchen. Es kommt also auf die Qualität der Majorität an und man möge diese Lehre der Herren von der Constitution mit engster oder breitester Grundlage ja nicht übersehen.
Dem Könige von Würtemberg scheint das Regieren für den Augenblick sehr langweilig oder zu anstrengend geworden zu sein. Er ist auf einige Zeit nach Meran gegangen, um die Regierungssorgen wegzuspulen. Sein ältester Sohn wird ihn vertreten. Voriges Jahr, wo es in Stuttgart zu einem bischen Feuern, Dreinhauen, Einsperren etc. Gelegenheit gab, da war das Regieren weniger ennuyant. Bieten gleich die Maaßregelungen demokratischer Vereine, blutige Belustigungen wie in Ulm, Einsperrungen auf breitester Grundlage immerhin einige Abwechslung, so ist doch vor der Hand die alte Gemüthlichkeit entflohen, zumal man noch nicht weiß, wie sich schließlich das Ding mit der Reichs-Verweserschaft gestalten wird.
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@facs0309
Konstanz, 27. Juli.
Die „Seeblätter“ enthalten ein Schreiben Fickler's, datirt „Karlsruhe im Gefängniß am 23. Juli“, worin er seinen Mitbürgern für ihre Verwendung hinsichtlich seiner Freilassung dankt, und dann hinzufügt: „Was den gestellten Antrag betrifft, so wird derselbe erfolglos bleiben, weil mir bereits vor 16 Tagen auf denselben Antrag, nach vierwöchentlicher Zögerung, abschlägiger Bescheid, ja sogar verweigert wurde, die Sicherheitshaft bis zur Stellung vor Gericht in Konstanz erstehen zu dürfen, um den schweren geschäftlichen Nachtheilen, welche meine Entfernung mir zufügt, wenigstens theilweise begegnen zu können. Ich glaubte mich berechtigt, einstweilige Freilassung zu begehren, habe aber fürsorglich dieses Begehren auf ein Mindestes, auf Verlegung meiner Haft ermäßigt, um jeden auch nur scheinbar zulässigen Einwand abzuschneiden. An die Gnade der Regierung will ich nicht, und sollen auch meine Mitbürger für mich nicht rufen; dem Rechtsspruch sehe ich mit Zuversicht entgegen.“
[(Fr. J.)]
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@facs0309
Wien.
In der letzten Sitzung des Advokatenstandes kam die Freigebung desselben zur Verhandlung. Advokat Dirl hatte einen Entwurf mitgebracht, und er war der Vertreter der liberalen Partei. Wüthend vertheidigten das bisherige Zunftsystem und Monopol die jüngern Advokaten, wie z.B. Heidmann und Schönpflug. So geht's. Hat man den Hahn im Korbe, dann spricht man für seinen eigenen Herd, soll man ihn aber erst fangen, so mag ein anderer meinetwegen auch einen Antheil daran haben. Der gegenwärtige Justizminister Dr. Bach hat das Bittgesuch der Doktoren der Rechte um Freigebung der Advokatur mitunterfertigt. Er war der erste Advokat unter den wenigen, welche es thaten. Als Minister kann er provisorisch viel thun; denn bevor sich die Reichsversammlung, der noch sehr viel Wichtigeres zu thun obliegt, mit dieser Frage beschäftigen kann, wird noch mancher Tag vergehen.
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@facs0309
Wien, 25. Juli.
Der „demokratische Verein“ hat seit dem Ueberfall im Gasthofe zum römischen Kaiser einige tausend Mitglieder gewonnen und die Hälfte der akademischen Legion hat sich bereit erklärt, als Schutzwache des Klubs zu dienen, der eine Macht zu werden beginnt, dessen Ansehen selbst den Ausschuß der Nationalgarde beeinträchtigt. Aus vielen Dörfern und Marktflecken erscheinen Deputationen, die ihm ihre Uebereinstimmung ausdrücken, und ihre Mitwirkung zusagen; in dem Flecken Hausleiten ward die Gegendeputation des hiesigen Klubs mit fürstlichen Ehren empfangen, und weißgekleidete Mädchen streuten den Wiener Demokraten Blumen, indeß die Männer ihren Reden begierig lauschten und Beifall zollten. Die Minister Doblhoff und Schwarzer stehen gleichfalls mit den Leitern des Klubs, worunter Dr. Jellinek und Dr. Löwenstein, in enger Verbindung. ‒ Doblhoff fährt fort den Augiasstall der Bureaukratie zu saubern und werden demnächst Bayonsky in Brünn, Salm in Triest, Skrbensky in Linz und Welfersheim in Laibach dem Grafen Leo Thun ins Exil folgen, nur Stadion in Lemberg und Wickenburg und Gràtz dürften bleiben; Graf Brandis ist gleichfalls abgesetzt und soll die Ausführung nur so lange verzögert werden, bis der Kaiser Innsbruck verlassen hat. Dann werden die Kreishauptleute an die Reihe kommen, und schon hat der Kreishauptmann Meyerhofer des Viertels unter dem Mannhartsberg in Niederösterreich, gegen welchen mehrfache Klagen vorliegen, den Anfang gemacht. Doblhoff ist gesonnen, in dem Säuberungswerke unverdrossen fortzufahren, und im Laufe dieses Jahres mindestens die Hälfte der Bureauchefs von ihren Posten zu entfernen.
[(Bresl. Z.)]
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@facs0309
[ * ] Wien, 26. Juli.
Constituirender Reichstag. Auf der Tagesordnung stehen mehrere Anträge des Abg. Löhner, 1) auf eine von den östreichischen Ländern gesonderte Verfassung für Galizien und Dalmatien, wobei über Dalmatien zugleich mit dem ungarischen Reichstage eine definitive Vereinbarung dahin getroffen werden solle, daß die Ansprüche Ungarns ein für allemal aufgegeben, statt dessen aber die sämmtliche östreichisch-ungarische Seeküste auf gleichen Fuß mit den Küsten Deutschlands gestellt würde; die selbstständige Bukowina hat die Wahl, sich durch Beschickung des Reichstages und der Nationalversammlung mit Oestreich zu vereinen, oder eine abgesonderte Konstitution gleich Galizien und Dalmatien zu verlangen; ‒ 2) Abschaffung der Provinzialstände, Gouverneurschaften und Regierungsgremien in den durch die Konstitution vereinigten Ländern, und Organisation nach den Grundsätzen der Selbstregierung und Stärkung der Centralgewalt; ‒ 3) Plan eines allgemeinen Telegraphennetzes, um die Lokalbehörden mit der Centralgewalt in schnellere Verbindung zu bringen; ‒ 4) Niedersetzung einer Kommission aus der Mitte der Versammlung, um die Vorfälle in Prag, namentlich das Benehmen von Windischgrätz und Leo Thun und die Wahlen nach Frankfurt zu untersuchen; ‒ 5) Abschaffung der Adelstikel.
Die Debatte wird wegen Krankheit des Antragstellers vertagt.
Ein Antrag Sierakowski's: auf Aufhebung aller erblichen Privilegien wird ebenfalls verschoben, weil er mit dem letzten Antrag Löhners in Zusammenhang steht.
Abg. Kudlich motivirt seinen Antrag auf Abschaffung des Unterthänigkeitsverhältnisses unter stümischem Beifall der ganzen Versammlung.
Borrosch interpellirt das Ministerium wegen der am 21. d. verübten Gewaltthaten gegen den Redakteur Mahler, welche er als eine Verletzung der Preßfreiheit bezeichnet, und wegen des Angriffs auf das Recht der freien Association. In Abwesenheit des Ministers des Innern erklärt der Finanzminister, daß das Ministerium gegen Wiederholung solcher Vorfälle Maßregeln treffen werde.
Abg. Goldmark interpellirt wegen des Einmarsches der Russen in die Moldau und Wallachei, und fragt nach den Maßregeln, welche zur Wahrung der östreichischen Staatsinteressen in den Donauländern getroffen seien. Minister Doblhoff erklärt die Nachrichten aus jenen Ländern für zweifelhaft; ein Kourier, der an den russischen Gesandten nach Innsbruck gesendet worden, werde zurückerwartet.
Goldmark: ob die Konsulate von Jassy, Bukarest und Gallatz keine Berichte eingesendet hätten? Der Minister erwiedert, daß die Berichte von dort nicht übereinstimmend seien; im Uebrigen aber könne er versichern, daß auch die Pforte energische Maßregeln einzuleiten im Begriffe wäre.
Machalski wiederholt die gestrige Frage, wer in Lemberg Gouverneur sei. Der Minister erklärt sich nicht in der Lage zu befinden, genaue Auskunft zu geben. Pillersdorf meint, daß Stadion noch Gouverneur sei; Abg. Stadion erwiedert, daß er vor mehreren Wochen schon seine Demission gegeben.
Klaudy: Ich ersuche den Hrn. Kriegsminister um Mittheilung der Schritte, welche man gegen die Militärmeuterei in den beiden Pfingsttagen gethan hat. Die Meuterei ist Thatsache; als der Ministerialkommissär F. M. L. Mensdorf nach Prag kam und statt Windisch-Grätz das Kommando übernahm, verweigerte die Prager Besatzung den Gehorsam und zwang den Ministerialkommissair zum Niederlegen des Kommandos.
Nach einer ausweichenden Erklärung des Kriegsministers, wird der Vorfall von Andern noch bestätigt. Die Versammlung schreitet zur Tagesordnung, Berathung der Geschäftsordnung.
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@facs0309
Wörgel, 16. Juli.
(Ein Kasus der alten Polizei.) Am 14. d. M. sind viele Gemeindemitglieder von Wörgel und dem angränzenden Kirchbichel zum Landgerichte nach Kufstein gerufen worden. Darunter befanden sich auch Weibspersonen. Diese alle wurden über nachstehende Punkte befragt: 1) Hat Dr. Pacher die Schützen abgehalten, auszuziehen? 2) Hat er gesagt, daß man den Kaiser mit Stöcken aus dem Lande hinausjagen soll? 3) Hat er über die Geistlichkeit und die Religion geschimpft? 4) Hat er gesagt, daß die französische Regierung besser sei, als die österreichische? 5) Was hat er überhaupt Alles geredet? Das ist die Summa der Anklagepunkte. Man sollte glauben, was für ein Staatsverbrecher Dr. Pacher ist, daß man auf das Feierlichste, wie beim alten Regime, bei angezündeten Kerzen Verhöre anstellte. Oeffentlichkeit und grades Verfahren ist das Erste einer konstitutionellen Regierung, während Heimlichkeit und hinter dem Rücken hanthiren, das des todtgeschlagenen Polizeistaates ist. Das Landgericht ist so gut, wie das Ministerium, für seine Amtsverhandlungen verantwortlich. Weiter braucht es vor der Hand keine Bemerkung.
[(Ins. Z.)]
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@facs0309
Prag, 26. Juli.
Erst die Interpellationen Rieger's haben hier so recht eigentlich das Gefühl der Sicherheit im Gebrauche unserer Rechte bei uns hervorgerufen und den Belagerungszustand in der Wirklichkeit aufgehoben. Die Civilverwaltung scheint einem längeren Zwischenreiche entgegenzugehen, da Graf Rothkirch den Ruf abgelehnt haben soll und sich wenige Personen, die zu der Stelle eines Präsidenten passen, finden dürften, namentlich wenn das Ministerium an der alten Observanz festhält, und seine Blicke nicht außerhalb der Aristokratie schweifen läßt.
[(C. Bl. a. B.)]
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Apenrade, 28. Juli.
Heute ist hier wieder ein dänischer Schooner in Sicht gewesen; draußen vor dem Meerbusen liegen beständig mehrere Kriegsschiffe. ‒ Fortwährend kommen preußische und hannov. Reserven, so wie neu eingekleidete Schleswig-Holsteiner hier an und durch; doch haben sich einige Hiesige und ziemlich viele Landleute dem Kriegsdienste zu entziehen gewußt, indem sie sich zu den Dänen flüchteten, die sie, wenigstens jetzt noch, mit der Einrollirung verschonen. ‒ Unser von hier gewaltsam fortgeschleppter Bürgermeister Schow befindet sich jetzt auf der Citadelle in Kopenhagen. ‒ Hier, wie wohl überall im deutschen Vaterlande, sieht man mit Spannung der auf den 6. August anberaumten Huldigung der Truppen für den Reichsverweser entgegen. ‒ Von hier aus werden Unterschriften für eine gemeinschaftlich von den Städten Apenrade, Tondern und Hadersleben abzusendende Adresse an den Reichsverweser gesammelt; die Unterschriften in Hadersleben und hier sind zahlreich ausgefallen; jetzt circulirt die erwähnte Adresse noch in Tondern.
[(Börs. H.)]
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@facs0309
Flensburg, 28. Juli.
Das schleswig-holsteinische Heer zählt jetzt bereits nahe an 10,000 Combattanten; doch soll es bis auf 25,000 Mann vermehrt werden. Diese Vermehrung wird jedoch nur sehr allmählig geschehen. Von einer Ueberschreitung der Königsau ist bis heute nichts bekannt geworden, obwohl Niemand daran zweifelt, daß wenn erst die dem General Wrangel von Frankfurt aus angebotene Verstärkung eingetroffen sein wird, das Wiederbetreten des jütischen Bodens nicht lange auf sich warten lassen dürfte.
[(Börs. H.)]
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@facs0309
[ * ] Rendsburg, 18. Juli.
Am 23. d. hat hier eine Versammlung von Depurtirten der Arbeiter und Gesellen aus 15 Städten und Flecken der Herzogthümer stattgehabt, zu dem Zweck sich über eine Petition an die Nationalversammlung zu einigen, in Betreff den Nichtvertretung des Gesellenstandes auf dem deutschen Gewerbekongreß zu Frankfurt. Die entworfene und einstimmig angenommene Petition schließt mit den Worten:
„Die Nationalversammlung möge die Beschlüsse des jetzt zu Frankfurt stattfindenden Handwerker und Gewerbekongresses gänzlich ignoriren, mindestens nicht denselben als den Ausdruck des gesammten Arbeiter- und Gewerbestandes anerkennen, möge aber start dessen, und mit Rücksicht darauf, daß in der hohen R-B. nicht hinlänglich Kräfte vorhanden, die Arbeiterfrage genügend zu beurtheilen, einen Kongreß des Gewerbe- und Handwerksstandes berufen, der aus Vertretern des gesammten Gewerbe- und Handwerksstandes zusammengesetzt ist. Die Wahlberechtigung dürfte alsdann unter gleichen Bedingungen, wie bei der Volkswahl zur Nationalversammlung stattfinden können.“
Donaufürstenthümer.
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@facs0309
Bukarest, 13. Juli.
Unsere Zustände wechseln mit solcher Raschheit, daß es Niemand wundern darf, wenn der kaum wiederhergestellte frühere Zustand der Dinge bereits neuerdings über den Haufen geworfen ist. Der 11. Juli, der Tag nach Abgang der provisorischen Regierung verging anscheinend ruhig. Am 12. aber war die ganze Kaufmannschaft so wie die arbeitende und nicht arbeitende Klasse in Bewegung. Man läutete Sturm, man lief in Masse zu dem Metropoliten, warf ihm Eidbruch vor, zwang ihn noch einmal, die neue Konstitution mit Ausnahme nur eines Punktes, nämlich über das Grundeigenthum, zu beschwören; der Metropolit erließ einen Aufruf, das Militär blieb, seinen Kommandanten an der Spitze, neutral in der Kaserne, überall wehten die dreifarbigen wallachischen Fahnen, und Volkshaufen zogen umher. Couriere sind abgegangen, um die am 10. d. M. während der Nacht geflüchteten Regierungsmitglieder wieder zurückzurufen.
[(Wiener Ztg.)]
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@facs0309
Die beiden folgenden Proklamationen geben zugleich eine Bestätigung der Richtigkeit dieser Mittheilungen, und eine bessre Anschauung von der Lage der Dinge. Die erste lautet:
Publikation. Alles, was gestern am 29. d. M. mit unserer Unterschrift versehen, die provisorische Regierung als Rebellen bezeichnend etc., verlautbart worden ist, widerrufen wir heute auf den Wunsch des romanischen Volkes in Allem, und bestätige und bekräftige ich, mit meiner ganzen Kraft den Schwur, welchen wir auf dem Felde der Freiheit am 15. d. M. geleistet haben, daß wir jene 21 Artikel aufrecht erhalten wollen, den Artikel das Grundeigenthum betreffend, ausgenommen, worüber die allgemeine Ständeversammlung entscheiden wird. Ich schwöre, daß wir diese Konstitution, unter welchem Opfer immer meinerseits, nicht übertreten werden. Die Kokarden sind wieder zu tragen, und das sämmtliche alte Polizeipersonal wird durch meine schleunigen Befehle aufgelöst werden. Die provisorische Regierung wird durch den eigens abgehenden Courier zurückberufen, und alle von derselben eingesetzten Beamten werden in ihrem Dienste bestätiget. Diese von mir gefertigte Publikation ist durch die öffentlichen Blätter zur allgemeinen Kenntniß zu bringen, und haben wir dieselbe in Gegenwart der Volksdeputation unterzeichnet. Neophit Metropolit von Ungrovlachia. Jean Kimpineau. Bucharest, am 30. Juni 1848.
Die zweite: Im Namen des romanischen Vokes. Gerechtigkeit und Brüderlichkeit. Präsidentschaft der provisorischen Regierung. Unter meiner Verantwortung versichere ich euch, daß unsere Brüder, die Obersten Odobesco und Salomon sammt ihren Soldaten dem Volke beistimmen, für die heilige Sache der Freiheit, und ich versichere euch ferner die Aufrechthaltung der Ruhe ohne Furcht. Ihr seid daher gebeten, auch eurerseits Frieden und Ruhe zu halten, damit ihr dadurch nicht ein sehr großes Uebel verursacht. Neophit Metropolit. Odobesco. Salomon.
Ungarn.
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@facs0309
Weißkirchen, 17. Juli.
Endlich ist in diese Stadt von dem serbischen Alp, der auf ihr lastete, wieder befreit. Heute sind von Werschetz 2 Divisionen Zsivcovits Infanterie und 1 Devision Uhlanen eingerückt. Die Mitglieder des serbischen Komitè's Joseph Nedelcovits, Popovits etc. sind bereits gefänglich eingezogen, um nach Temeswar zur standrechtlichen Untersuchung abgeliefert zu werden. Von Dravitza aus sind über Szaska 2 Kompagnieen Rukavina Infanterie, und von hier aus eine Abtheilung Uhlanen nach Alt Moldowa vorgeschoben worden, von wo die Rädelsführer des Aufstandes, Schumanka und der Pope Sima bereits entflohen waren. Das illyrisch-banater Regiment ist größtentheils wieder in Ruhe, und wird es bei kräftigem Vorschreiten der Exekutivgewalt in kurzer Zeit durchaus sein, obwohl Ueberfälle von Serbien aus erst gestern Nacht wieder bei Moldowa erwartet wurden. Der Cordon gegen Serbien ist größtentheils in der Linie des illyrisch-banater Regimentes wieder besetzt, und somit für kleinere serbische Streifpartien undurchdringlich.
Von Pancsova aus erfährt man, daß der Pseudopatriarch Rajacsics daselbst vor wenig Tagen eingetroffen sei, sich die Civil-und Militärautoritäten der Kommunität habe vorstellen lassen, wobei er Alles ermahnt habe, den letzten Blutstropfen für die heilige Sache der Nation zu opfern. Dasselbe habe er auch von der Kanzel herab bei feierlichem Gottesdienste gepredigt. Als aber in derselben Nacht in Pancsova die Nachricht anlangte, daß Alibunar (2 Posten von Pancsova entfernt) von Militär besetzt, und daß Draculich bei Perlas tüchtig aufs Haupt geschlagen sei, als ferner die Furcht diese Nachricht noch dahin ausdehnte, daß Pancsova selbst noch angegriffen werde, so nahm der muthige Kirchenfürst, uneingedenk seiner kurz vorher gegebenen Lehren, um Mitternacht Reißaus, und begab sich auf das ihn bei der Vorkontumaz erwartende Dampfschiff zur Rückreise nach Carlowitz.
Die Rotte Bösewichter, welche bei der Beraubung des Subotitzer Gutsherrn Riß eingefangen ward, empfängt heute ihr Urtheil des Standrechtes. Mehrere derselben sind zum Tode verurtheilt.
Ein Bataillon des von Großwardein in Oravitza eingerückten Infanterie-Regiments Mariassy wurde sofort nach Becse auf Wagen expedirt, da in diesem Orte sich die Aufrührer konzentrirt haben. In wenig Tagen wird also wahrscheinlich der letzte Funken der slavischen Insurrektion in Bacs und Banat durch Waffengewalt unterdrückt sein.
[(A. Oestr. Z.)]
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@facs0309
‒ Dobrinze in Syrmien, 12.Juli.
Die Gränzer bemächtigten sich in dem befestigten Orte Bacsa der sechs dort gelegenen Kanonen, (von welchen zwei 24pfünder sind) und zogen mit denselben, unter Anführung eines gewissen Movich gegen Bukawar zu.
[(Hungaria.)]
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@facs0309
Pesth, 23. Juli.
Schon heute gehn von Ofen Kürassire und Husaren nach Italien ab, während der illyrische Aufstand noch im vollen Brande ist. Zu gleicher Zeit, als der Landtag hier das ungarische Militär gegen Italien bewilligte, kam an die Stadt Pesth ein Schreiben von der provisorischen Regierung in Mailand, in welchem diese den bekannten Zusammenstoß des italienischen Regiments Ceccopueri mit den Freiwilligen im hiesigen Invalidenhaus entschuldigt und die ungarische Nation der innigsten Sympathien der Italiäner versichert. ‒ Der Kommandant von Peterwardein, v. Hrabowsky, welcher jetzt zum Kommandanten von Ungarn ernannt ist, wurde am 15. d. in Agram als Aufwiegler dem Standrecht verfallen erklärt.
[(Br. Z.)]
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@facs0309
[ * ] Pesth, 24. Juli.
Aus der Antwort des Repräsentantenhauses auf die Thronrede theilen wir folgende Stellen mit:
Die außerordentlichen Zustände des Landes, der offene Aufstan in Croatien und in den untern Gegenden unsers Vaterlandes und die Störung des innern Landesfriedens durch empörte bewaffnete Rotten, machten es nothwendig, daß, ohne die Vorbereitung und Ausführung aller jener Vorschläge und Maßregeln abzuwarten, welche das verantwortliche Ministerium Ew. Majestät, den Beschlüssen des letztverflossenen Landtags zufolge, hätte vorreiten sollen, dieser Reichstag ohne Aufschub zusammen berufen worden. ‒ Wir hätten gewünscht, daß der Bürgerkrieg vermieden werde, aber wo die zur Treue und zum Gehorsam mahnende Stimme des Königs auf tollkühne Verachtung trifft, wo die Integrität der heil. Krone unsers Vaterlandes rebellisch angegriffen und wo der Friede des Landes zerstört wird: da sind die Repräsentanten des Landes entschlossen, die Heiligkeit des Gesetzes mit allen Mitteln in ihrer Unverletzlichkeit wieder herzustellen. Indeß ist die Nation bereit ihre Hand zu bieten, zur friedlichen Ausgleichung aller jener Wünsche der einverleibten Theile, welche durch Billigkeit und Jahrhundert alte brüderliche Verhältnisse gerechtfertigt sind.
Mit welcher großen Freude die Nation es vernahm, daß zwischen Ew. Majestät und den meisten auswärtigen Mächten der Friede und das Einvernehmen unverletzt bestehen, was durch die gnädige väterliche Fürsorge Ew. Majestät auch für die Zukunft gesichert sein kann; mit eben solchen Bedauern vernahm sie, daß es in dem lomb.-venet. Königreiche, wo die Truppen des sardinischen Königs und einiger anderer italienischen Mächte die Trup- [0310] [Spaltenumbruch] pen Ew. Majestät angegriffen, den Krieg zu beendigen nicht gelungen ist. Und wie aufrichtig das huldigende Gefühl ist, welches das treue Ungarn für Ew. Majestät hegt, eben so sehr wünscht es, diese Freude, daß diese Frage der Würde des Thrones und den gegenseitigen Rechtsverhältnissen gemäß, gelöst werde. ‒ Sobald in unserem Vaterlande die Ordnung und der Friede sicher hergestellt und die moralische und materielle Einheit unseres Landes gesichert sein wird, bieten wir Ew. Majestät freudig hülfreiche Hand zur Vermittlung eines solchen friedlichen Uebereinkommens, welches einerseits der Würde des Thrones, andererseits der konstitutionellen Freiheit der italienischen Nation und deren billigen Wünschen gleichgemäßig entsprechen.
Polen.
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@facs0310
Vom Dniester, 19. Juli.
Die finstere Saat, die die Leiter der Ruthenen-Nationalität ausgestreut, beginnt in Galizien bereits emporzusprießen, und droht mit einer reichen Ernte. Zu Podhayce, Städtchen im Brezezaner Kreise, hat sich eine Nationalgarde, 40 Mann hoch, gebildet. Gegen deren Errichtung protestirten, wie überall, die Ruthenen; da sie nun im gesetzlichen Wege Nichts auszurichten vermochten, so beschlossen sie, mit Gewalt ihren Willen durchzusetzen. Ein Nationalgardist wurde am 13. d. M. Abends von zweien Ruthenen (recte Bauern) in der Absicht beleidigt, um so sämmtliche Garden zu einem Angriffe zu reizen. Die Garde beschloß nun, den Beleidiger zu arretiren, was noch am selben Abende geschah. Die Ruthenen, gewahrend, daß ihr Plan gelungen, ließen auf allen Glocken alsogleich Sturm läuten, und schickten unter einem in die nahe gelegenen Dorfschaften, damit die Sensengarde unverzüglich nach Podhayce einrücken, weil die Polen rebelliren. Dieses geschah auch. Nahe an 1000 Bauern erschienen mit Sensen zu Podhayce, und fielen über die 42 wehrlosen Garden einher, wobei es viele Verwundete gab, der dortige Mandatar und Apotheker wurden stark zugerichtet. Das zufällige Anlangen eines Hrn. Kreiskommissars aus Brzezan hat Gräuel verhütet, wie die im Jahre 1846 verübt wurden. Bereits ist eine Untersuchung eingeleitet und 60 Individuen verhaftet worden. Die Schnelligkeit und Bereitwilligkeit, mit der die Sensenmänner herbeikamen, läßt mit Recht schließen, daß dieses schon zuvor besprochen wurde.
[(A. Oestr. Z.)]
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@facs0310
Tarnopol, 18. Juli.
Die aus Rußland herüber gekommenen 7 jungen Leute werden heute in Folge Erlasses des Gouverneur-Stellvertreters in Freiheit gesetzt.
In Okopa, eine russische Gränzstadt kaum eine Meile von der galizischen Gränze, ist bereits die Cholera wüthend aufgetreten, so daß alles russische Gebiet welches an Ostgalizien gränzt, von der Cholera heimgesucht wird. In Berdiczow sind bedeutende politische Unruhen ausgebrochen.
[(A. Oestr. Z.)]
Italien.
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@facs0310
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 1. August 1848. In: MEGA2 I/7. S. 453.]
[ * ] Mailand, 25. Juli.
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@facs0310
[ * ] Mailand, 26. Juli.
Mittags. Eben eintreffende Reisende, Kouriere und eine Depesche an die provisorische Regierung bringen die wichtige Nachricht: daß die Oestreicher bei Sommacampagna total geschlagen worden.
An 7000 Gefangene, mehr als 40 Kanonen, 12 östreichische Fahnen sind in den Händen unserer siegreichen Armee. Der Jubel in Mailand ist unbeschreiblich.
Vorstehende Nachrichten werden durch folgende Mittheilung aus der Schweiz im „Frkf. J.“ bestätigt:
Zürich, 28. Juli. In einem Brief aus Mailand vom 26. d. M. heißt es: „Nach so eben angelangter und promulgirter offizieller Nachricht blieben die Italiener in einer gestern gelieferten Hauptschlacht Sieger, nahmen 12,000 Oestreichee gefangen und erbeuteten 50 Kanonen und 17 Fahnen. Auf beiden Seiten viele Todte.“
‒ Recht interessant ist es, die „A. A. Z.“ ganz entgegengesetzte Siegesbülletins ausgeben zu sehen. In ihrer neuesten Nummer hat sie die ihrem Korresp. durch einen Kourier nach Botzen überbrachte Nachricht, daß Radetzky gesiegt und die Italiener vernichtet hat.
Will man aber in recht auffallender Weise das alte östreichische Lügensystem, wie es von den Radetzky, Welden und der „Augsburgerin“ geübt wird, ins Auge fassen: so lese man folgenden eben an ein achtbares Handlungshaus in Köln von einem Triestiner Hause angelangten Brief:
P. P. Triest, 25. Juli. „So eben trifft hier die offizielle sichere Nachricht ein, daß am 23. dieses, um 1 Uhr, Radetzky einen Ausfall von Verona und Mantua zugleich machte, die piemontesische Armee aus ihren Verschanzungen trieb, bis in die Nacht hinein verfolgte und auf's Haupt geschlagen hat. Der Ausfall geschah bei einem furchtbaren Gewitter.“
Unsere Nachrichten aus Mailand, wie die aus Zürich gemeldete Bestätigung derselben, zeigen zur Genüge, was von dergleichen „offiziellen“ Siegesnachrichten der Oestreicher zu halten ist.
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@facs0310
[ * ] Rom, 21. Juli.
Die gestrige Sitzung der Deputirten war beinahe eben so stürmisch, als die Sturmsitzung vom 19. d. Der Präsident, der mit der Kommission sich zum Pabste begeben, um ihm die am 18. angenommene Adresse zu überreichen, erstattet Bericht ab über den Erfolg. Die Antwort des Pabstes bestand der Hauptsache nach in der Erklärung, er sei ganz bereit, alle jene Befehle zu ertheilen, welche zur Sicherung des Vertheidigungsrechtes erforderlich seien; er habe niemals daran gedacht, diesem Rechte zu entsagen; vielmehr betheure er, es unangetastet erhalten zu wollen. Serenelli stattet sodann über die vom Volk an die Kammer gelangte Adresse (siehe die gestrige Nr. d. Bl.) Bericht ab. Dieser lautet dahin, daß das Vaterland nicht in Gefahr sei. Ein Ausbruch des tiefsten Unwillens bei der Mehrheit der Kammer, wie auf den Tribünen, folgt dieser Erklärung. Montanari und Fiorenzi antworten voll Unwillens und unter lautem Beifall. Sterbini beantragt, daß, wie in Bologna, ein Kriegskomité niedergesetzt werde. Da ihm hierauf Campello bemerkt, es sei bereits ein solches niedergesetzt und auf die Frage eines andern Deputirten um die Namen der Mitglieder den Durando's nennt: so bricht ein zweiter, viel ärgerer Sturm los. Denn Durando ist wegen Vicenza's in Untersuchung und das Volk traut ihm nicht. Der Präsident gebietet den Gallerien Ruhe. Sie werden indeß durch eine wüthende Rede Pantaleoni's gegen das zuhörende Publikum so erbittert, daß das Schreien und Toben von Neuem beginnt. Der Präsident will die Gallerien räumen lassen. Mehrere Deputirte reden beschwichtigend zum Publikum. Das wirkte. Die Gallerien blieben von jetzt an ruhig. Mamiani versprach in der nächsten Sitzung definitive Erklärung über die Ministerkrisis. Farini's Amendement: „Da das Vaterland in Gefahr, so werden die energischsten und schleunigsten Vertheidigungsmaßregeln erfordert,“ wurde mit großer Majorität angenommen. Der Finanzminister erklärt, er werde Alles thun, um die Mittel aufzutreiben, welche zur Ausführung der Kriegsmaßregeln nothwendig sind. An der neapolitanischen Gränze häufen sich die königl. Truppen täglich mehr an. Ein Zusammenstoß ist nahe.
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@facs0310
[ 27 ] Neapel, 13. Juli.
Das halboffizielle Journal „Tempo“ freut sich, daß die Expedition gegen Sizilien so gut wie entschieden sei. Dies Blatt ermahnt zugleich die Regierung, den Kampf gegen Sizilien mit aller Kraft und Entschiedenheit zu führen. Man ist fortwährend mit Absendung von Soldaten nach Kalabrien beschäftigt, um recht bald die gegen Sizilien bestimmten 30,000 Mann zu kompletiren. Jedes Schiff, dessen man nur habhaft werden kann, wird von der Regierung zur Ueberschiffung der Expedition zurückgehalten. Die Truppen, welche bisher in Aquila waren, marschiren über Montereale nach der päbstlichen Gränze hin. Am 17. war der Präsident der Deputirtenkammer bei den Ministern, um in dieselben zu dringen, eine allgemeine Amnestie zu erlassen. Wie zu erwarten, wies man ein solches Ansinnen hohnlachend zurück. England hat gegen die Kriegsrüstungen wider Sizilien protestirt. Darüber soll Ferdinand in unbeschreibliche Wuth gerathen sein. Denn will England nicht, so darf Ferdinand auch nicht wollen. Der ganze Generalstab in der Marine wird umgestaltet; er ist wegen liberaler Gesinnungen verdächtig geworden. Gestern hatte der Gesandte der französischen Republik eine Unterredung mit Ferdinand, wie man sagt, ebenfalls wegen Sizilien. Die Patrioten hoffen, daß die französische Republik mithelfen werde, die Schlächterfreuden Ferdinands diesmal wenigstens zu vereiteln.
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[ * ] Neapel, 19. Juli.
Obgleich der Aufstand in Kalabrien ziemlich unterdrückt zu sein scheint, so ist doch Toranto in voller Rebellion. Die Insurgenten haben sich aller Forts bemächtigt und den Hafen gegen jeden Versuch der königl. Ferdinand'schen Landungsschiffe mit starken Ketten abgesperrt. Es wird hier allgemein behauptet, der französische Admiral Baudin habe die Citadelle von Messina angegriffen.
Großbritannien.
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[ 43 ] London, 29. Juli.
Man erinnert sich, wie erbärmlich in der Sitzung vom 22. Juli in allen englischen Blättern O'Connors Rede, wie glänzend dagegen Peels Antwort sich ausnahm. Heute wird das Geheimniß enthüllt. Sämmtliche Londoner Blätter haben O'Connors Rede in einer absichtlich verfälschten und entstellten Ausgabe mitgetheilt. O'Connor erklärt heute in einem Briefe an die Chartisten, warum er im Northern Star nicht selbst seine Rede mittheilt.
Den folgenden Montag, nachdem er seine Rede gehalten, erhielt O'Connor nämlich folgendes Billet von einem Mitglied der detektiven (geheimen) Polizei:
„Mein Herr! Im Namen Gottes, veröffentlichen Sie Ihre Rede nicht im Northern Star, wie Sie dieselbe im Hause der Gemeinen gehalten, denn wenn Sie es thun, werden Sie gemäß dem neuen Akt, als Felon verfolgt werden.“
O'Connor fügt hinzu:
Jeder wird sich erinnern der Diskussion im Hause der Lords bezüglich der Veröffentlichung der im Hause der Gemeinen gehaltenen Reden. Brougham und Campbell stimmten beide darin überein, daß, wenn Worte hochverrätherischer Natur im Hause der Gemeinen gesprochen, veröffentlicht würden in der Absicht, auf die öffentliche Meinung einzuwirken, eine derartige Veröffentlichung nach dem besagten Akt strafbar wäre. Ich lasse deshalb meine Rede nicht drucken, da ich, abgesehen von der Warnung des Mitgliedes der geheimen Polizei, zweifellose Nachrichten erhalten habe, daß die Regierung einen Hauptschlag gegen den Chartismus durch gerichtliche Verfolgung seines Führers beabsichtigt.
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[ * ] London, 29. Juli.
Im Unterhause erkundigte sich gestern Hr. Mackinnon bei Sir G. Grey ob er Maßregeln treffen werde um die Verbreitung falscher Nachrichten durch den elektrischen Telegraphen zu verhindern. Sir George erwiederte darauf, daß das Gouvernement hiezu keine Befugniß habe und nach den bestehenden Gesetzen die Telegraphen nur in dringenden Fällen für eine Dauer von nicht weniger als einer Woche in Beschlag nehmen könne. In Betreff der neulichen falschen Nachrichten aus Irland sei bereits eine Untersuchung eingeleitet. Die Journale welche jene Lügen mittheilten, seien durchaus unschuldig daran. Die wirklichen Fälscher werde man aber sehr wahrscheinlich entdecken.
Das Haus saß hierauf als Komité, und Hr. S. Crawford stellte den Antrag:
„Daß der gegenwärtige unruhige Zustand von Irland, die besondere Aufmerksamkeit des Gouvernements und solche Maßregeln erfordre, als nöthig seien um das irische Volk seiner traurigen Lage zu entreißen und mit der Wiederherstellung seiner Rechte, die Prosperität jenes Theiles des Vereinigten Königreiches zu fördern und Ihr. Majestät Krone und Gouvernement neue Sicherheit zu verleihen.“ Er beabsichtige gleich nach Irland hinüber zu reisen und seinen ganzen Einfluß zur Aufrechthaltung des Friedens anzuwenden. Er müsse indeß eine Friedensbotschaft mit sich führen, und bis jetzt habe er noch keine Aussicht hierzu. Nachdem Lord John Russel und Hr. Osborne weitläuffig hierauf geantwortet hatten, wurde die Debatte bis auf heute vertagt.
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[ * ] London, 29. Juli.
Die „Times“ zeigt die Abreise Bunsens von London an. Das preußische Gouvernement habe ihn nach Berlin berufen, um an den Debatten der Nationalversammlung Theil zu nehmen. ‒ Nach Privatbriefen, die wir von Frankfurt erhielten, setzt die „Times“ hinzu, ist es indeß nicht unwahrscheinlich, daß Sr. Excellenz der wichtige Posten eines Konseil-Präsidenten und eines Ministers der auswärtigen Angelegenheiten bei der provisorischen Centralgewalt angeboten wird. Die „Times“ ist voller Freude hierüber und erhebt den Ritter Bunsen bis in den Himmel. Es ist dies natürlich nicht anders zu erwarten. Herr Bunsen war den englischen Handelsinteressen immer sehr freundlich. Die deutschen Kaufleute mögen sich zu der fernern Wirksamkeit des Herrn Bunsen nicht wenig gratuliren! Jedermann weiß, daß es Herr Bunsen bisher immer vorzog mit den englischen Methodisten zu singen und zu beten, als die prosaischen Interessen des deutschen Handels zu vertreten. Er beschäftigte sich mehr mit christlichen Jünglingsvereinen und mit Intriguen gegen die Katholiken, als mit der Wahrung unserer praktischen Angelegenheiten. Sollte Herr Bunsen wirklich zu der fraglichen hohen Stellung gelangen, so wird er sich ohne allen Zweifel dieses neuen Ehrenpostens nicht weniger würdig zeigen als seiner bisherigen Stellung.
(Siehe den Verfolg in der Beilage.)
[Spaltenumbruch]
[Anzeige]
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Schiffahrts-AnzeigeKöln, 31. Juli. 1848:
Angekommen: Kapt. Kamps von Amsterdam mit 2874 Ctr.; Kapt. Kamps von Rotterdam mit 3222 Ctr.
In Ladung:Nach Ruhrort bis Emmerich H. Lübbers; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr L. Ducoffre; nach Andernach und Neuwied B. Schilowski und M. Pera; nach Koblenz, der Mosel und Saar J. Tillmann; nach der Mosel, Trier und der Saar P. Kohlbecher; nach Mainz Joh. Acker; nach dem Niedermain C. Rees; nach dem Mittel- und Obermain Val. Ebert; nach Heilbronn G. A. Klee; nach Kannstadt und Stuttgart H. Klee; nach Worms und Mannheim And. Rauth;
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Willms Köln Nr. 20
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Berns Köln Nr. 4
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Wasserstand.
Köln,am 31. Juli. Rheinhöhe 7′ 10″
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Unser Geschäftslokal ist jetzt Altenbergerstraße Nro. 17
Meuser u. Comp.
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Während der Dauer der Assisen täglich table d'hôte zu 12 Sgr. per Couvert incl. 1/2 Flasche guten Wein, und zu jeder Stunde alle der Saison angemessene kalte und warme Speisen à la carte, und billige reine Weine bei
Friedrich Knipper im Pfälzerhof, Appellhofs-Platz 17.
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„Neue Rheinische Zeitung.“
Unseren auswärtigen Herren Aktionairen zeigen wir hiermit an, daß gestern der Gesellschafts-Vertrag der „Neuen Rheinischen Zeitungs-Gesellschaft“ vor dem Notar Herrn Krahe abgeschlossen wurde, und daß die Herren H. Korff als Gerant, L. Schulz und St. Naut als Cogeranten von nun an definitiv fungiren und alle Geschäfte der Gesellschaft verwalten.
Das Statut wird gedruckt und binnen einigen Tagen den Herren Aktionairen zugesandt werden.
Köln, den 30. Juli 1848.
Das provisorische Comite.
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Gefrornes verschiedener Gattungen.
In dem Besitze einer neuen Maschine, welche durch mechanische Vorrichtung jede Viertelstunde zwei verschiedene Sorten Eis liefert, was viel feiner und geschmackvoller wie das auf der bisherigen Weise erzielte ist, bin ich in den Stand gesetzt, allen Anforderungen sowohl in Qualität als Schnelligkeit zu entsprechen und den Preis à Portion in und außer dem Hause von
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Franz Stollwerk im Deutschen Kaffeehause.
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Ein ausgezeichnetes Lager-Bier Buttermarkt Nro. 20.
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Ein junger Mann sucht eine Komptoir- oder Reise-Stelle und kann gute Zeugnisse aufweisen Die Expedition sagt wer.
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In Ladung an der Frohngasse nach Mannheim, Worms und Ludwigshafen. J. B. Hinlin, Schiff genannt Delphin.
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Ein Uhrmacher-Lehrling gesucht bei J. Koch, Breitstraße 96.
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Versammlung der Wehrmänner und 16r. in der Rüb.
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Berliner Hof in Essen.
Einem verehrlichen Publikum beehre ich mich anzuzeigen, daß ich den von Herrn Karl Preußner bewohnten Gasthof käuflich übernommen habe und mit dem ersten August d. J., neu eingerichtet, antreten werde. Herr Preußner führt das Geschäft bis dahin fort.
Indem ich um gefälligen Zuspruch bitte, gebe ich zugleich die Versicherung, daß ich alles aufbieten werde, meinen geehrten Gönnern zu genügen.
W.H.Frischen,aus Neuß.
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Versteigerung.
Am Mittwoch, den 2. August 1848, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Markte zu Vingst circa 1000 Schoppen Korn mit dem Stroh und ein Karren mit 2 Rädern gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher
Cloeren.
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Ein tüchtiger Ladengehülfe, mit guten Zeugnissen versehen, sucht eine Stelle in einem Kolonial- oder Material-Waarengeschäft, und könnte auch bei seinen vielseitigen Bekanntschaften die Platzgeschäfte besorgen. Die Expedition sagt wer.
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Für einen jungen Mann welcher fünf Jahre zur Zufriedenheit seines Prinzipalen in einem Manufakturwaaren-Geschäft thätig war. Anträge erbittet J. P. Spendeck in Köln, große Neugasse Nr. 18.
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Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.