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Beilage zu Nr. 66 der Neuen Rh. Zeitg.
Samstag 5. August 1848.
[Spaltenumbruch]
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Uebersicht.
Deutschland.
Köln. (Rheinischer Kreiskongreß. ‒ Dr. Gottschalk. ‒ Zwei Feste. ‒ Die gerichtliche Verfolgung gegen die „ Neue Rhein. Ztg. “). Frankfurt. (Nationalversammlung. ‒ Ankunft des Reichsverwesers. ‒ Hecker's Wahl für ungültig erklärt). Berlin. (Anträge in der Vereinb.-Verf. ‒ Ankunft des Prinzen von Preußen. ‒ Die 3 wegen des Zeughauses verurtheilten Offiziere. ‒ Die Schloßwache. ‒ Ueberfall von Studenten durch die Garde in Charlottenburg. ‒ Die schwarzweise Fahne. ‒ Bunsen angekommen. ‒ Cholera). Stettin. (Die Stimmung für den Prinzen von Preußen). Aus Franken. (Reaktion. Sonderbündelei). München. (Huldigung für den Reichsverweser). Darmstadt. (Der Bundeskrieg gegen Dänemark). Karlsruhe. (idem). Schleswig. (Dänische Truppen nach Alsen). Apenrade. (Verlegung des Hauptquartiers von Hadersleben nach Apenrade). Prag. (Die gerichtliche Untersuchung. ‒ Wirkungen des aufhörenden Belagerungszustandes). Wien. (Adresse des konstitutionellen Reichstags an den Kaiser. ‒ Straßenplakat des Reichsverwesers. ‒ Dobblhoff. ‒ Wiener Reichstag und Wiener Kongreß. ‒ Journale. ‒ Preiß der „Neuen Rhein. Ztg.“ zu Wien). Innsbruck. (Aus dem Quartier Radetzky's).
Dänemark.
Kopenhagen. (Kriegslust des Volkes).
Schweden und Norwegen.
(Niederlassung der Juden in Norwegen gestattet).
Italien.
Der Kampf am 25. Juli. Ein Abgeordneter Mailands in Paris angelangt. Ministerrath. Frankreich soll Intervention beschlossen haben. Republikanischer Wohlfahrtsausschuß in Mailand. Uebertriebener Bericht aus Turin. Das neue Ministerium in Piemont. Plakaten. ‒ Nach Abzug d'Aspre's sollen Padua und Treviso sich empört haben. Pepe's angeblicher Ausfall aus Venedig. Mailand. (Verstärkungen rücken von allen Seiten an den Mincio.) Rom. (Mamiani's Erklärung und die Sitzungen der Deputirtenkammer vom 21. und 23. Juli.) Neapel. (Pairswürde ausgeschlagen. ‒ Fortdauer der Insurrektion.)
Französische Republik.
Paris. (Proudhons Rede gegen Thiers. ‒ Brief zweier Mitglieder der provisorischen Regierung der Walachei an Edgar Quinet. ‒ Der National über Italien. ‒ Spaltung innerhalb der Linken. ‒ National-Versammlung. ‒ Vermischtes). Straßburg (Der republikanische Klub).
Großbritannien.
London. (Unterhaussitzung. ‒ Die Whig-und Toryblätter über die irischen Rebellen. ‒ Neue Chartistenprozesse. ‒ Der Standard über den Sklavenhandel. ‒ Dietrichstein und Ritter Bunsen). Dublin. (Neueste Berichte über die Insurgenten. Neue Verhaftungen. O'Brien nicht verhaftet. Verbrechensakte in 9 Grafschaften publizirt. Waffenaufsuchung in Tuam).
Donau-Fürstenthümer.
Gallacz. (Das türkische Lager. Die Russen in der Moldau).
Amerika.
(Nachrichten aus New-York vom 19. Juli. Zustand in Mexiko).
Handelsnachrichten.
[Französische Republik]
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‒ Der Kriegsminister General Lamoriciere leidet am Wechselfieber. Doch hielt ihn dasselbe bisher von den Geschäften nicht ab, obgleich er sehr angegriffen aussieht.
‒ Der preußische Geschäftsträger, Graf von Hatzfeld, und der portugiesische Geschäftsträger, Paiva Pereira, haben dem Minister des Auswärtigen, Bürger Bastide, ihre Akkreditive überreicht.
(Erster Republikanischer Preßprozeß.)
Die Anklagekammer des Pariser Gerichtshofes stellt den Geranten des „Peuple Constituant“ vor die Assissen, weil er in seiner letzten Nummer, 1) einen Artikel enthalten, welcher das Volk zum Hasse und Verachtung der Regierungsgewalt aufgestachelt habe und der mit den Worten endet: Schweig Volk‒ silence au peuple! 2) Weil er in einem zweiten Artikel zu einem Regierungswechsel, mithin zum Bürgerkriege, in derselben Nummer vom 11. Juli aufgefordert habe.
‒ Die großen Möbelfabriken der Faubourg St. Antoine, welche so viele Tischlergesellen (besonders Deutsche) beschäftigten, stehen öde und verlassen. Die Gesellen, sowohl einheimische als fremde, wandern fast alle nach England, von wo ihnen große Versprechungen gemacht werden.
‒ Maubeuge und die umliegenden Hochöfen beschäftigten bisher über 4000 Arbeiter. Alle diese Arbeiter sind jetzt mit einem Male brodlos. Die Inhaber jener Hüttenwerke hatten an die Staatsbauten Ministerien des In- und Auslandes (Frankreichs und Belgiens) geschrieben, und sich angeboten zum Kostenpreise zu arbeiten, um nur die Proletarier vor Verzweiflung zu retten. Allein die Bestellungen blieben dennoch aus und jetzt können diese Unglücklichen sich mit den Almosen der Nationalversammlung begnügen.
‒ Die Baumwollenweber und Spinner des Loirethales (Roanne) haben sich an den Minister des Ackerbaues und Handels gewandt, um die nöthigen Fonds, behufs Gründung von gegenseitigen Assoziationen zu erreichen, ohne welche sie untergehen müssen.
‒ Präfekt Ducoux setzt seine Mauerbülletins zur Beruhigung der Pariser Bevölkerung fort. Das heutige enthält nicht viel Erwähnenswerthes.
‒ Der„Moniteur“ bringt den Text des Klubgesetzes.
‒ Die „Reforme“ erwacht aus ihrer Letargie.
‒ Der „National“ zeigt sich gegen Ungarn, speziell gegen H. Kossuth sehr ergrimmt, weil er 50,000 Mann zur Verfügung Oestreichs nach Italien schicken wolle.
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National-Versammlung. Sitzung vom 2. Aug. Präsident Marrast eröffnet sie um 1 1/2 Uhr. Nach Erledigung einiger Einsprüche gegen das Protokoll und Bewilligung mehrerer Urlaube, unter Anderen an Peter Bonaparte und Adelsward, legt Antony Thouret eine mit zahlreichen Unterschriften bedeckte Bittschrift nieder, welche verlangt: Belgien alles Ernstes zur Zahlung seiner Schuld von 1832 anzuhalten. Dann schritt die Versammlung zur Fortsetzung der Hypothekensteuer-Debatte.
Gouin, Exbankier und Präsident des Finanzausschusses, rechtfertigt den letzteren gegen die ihm gestern vom Finanzminister gemachten Vorwürfe als habe er die Regierung durch Verwerfung ihres Entwurfs in ihren Schritten hemmen wollen. Der Ausschuß trachte ebenso sehr wie der Minister nach Wiederbelebung des Kredits, doch scheine ihm der eingeschlagene Weg nicht dazu geeignet. Er sei ein Uebergang zum Progressivsteuersystem, das den Grundstücken das Bischen Kredit, dessen sie sich noch erfreuten, vollends entzöge.
Gastonde hält den Entwurf ebenfalls gefährlich. Neue Steuern zu schaffen, sei immer höchst gefährlich. Könne sich die Staatskasse nicht anders helfen, so solle sie die existirenden Steuern eher verdoppeln (supplementer) als zu dekretiren. Der Redner bemerkt, daß der Kredit zu Grunde gehe, wenn man die Kapitalisten zu sehr angreife; ihm zufolge würde die Mehrzahl der Hypothekenschulden der Kontrolle entschlüpfen. Zudem sei der Entwurf eine offene Rückkehr zum gestürzten System. Das Kapital zur Grundlage eines Steuersystems zu nehmen, sei grundfalsch, dasselbe sei unsichtbar, man könne es nie erreichen, wenigstens entgehe der Haupttheil desselben und nur das Unbewegliche, ohnedieß schwer belastete werde vollends erdrückt. Der Finanzminister solle ein anderes Mittel ergreifen, um sich die hieraus versprochenen 24 Millionen zu verschaffen.
Tassel kommt dem bedrängten Dekrete zu Hülfe. Die Steuer sei ja nur eine transitorische pro 1848. Er fürchtet deshalb nicht, daß es den Kapitalisten gelingen werde, den Geldpreis von 5 auf 8 bis 9 pCt. zu treiben.
Thiers unter allgemeiner Aufmerksamkeit auf der Tribüne: Ich wollte Anfangs nicht sprechen; aber die gestrige Rede des Finanzministers zwingt mich dazu. Ich that Alles um die Einigkeit zwischen dem Ausschuß und dem Minister zu erhalten, allein sie ist jetzt mächtig gestört und ich nehme das Wort, um sie wo möglich wieder herzustellen. Nach diesem Vorwort beginnt die eigentliche Rede. Hr. Thiers findet die Steuer hart, ungerecht, schlecht. Das Resultat wird den Nachtheilen nicht entsprechen. Hart und ungerecht sei sie, weil sie den kleinen Kapitalisten vom Haus-und Grundbesitze vollends entferne, also den letztern ruinire. Die großen Kapitalisten mögen von Hypotheken nichts wissen, sie wenden sich der Industrie zu. Schlecht sei sie, weil es in der ganzen Finanzwissenschaft als nöthig anerkannt ist, das Kapital, dieses Werkzeug der Produktion, möglichst zu schonen. Beweis: Amerika und England. Das Kapital belasten, heißt den Rohstoff vertheuern. Seit dem Dekret der provis. Reg. sei der Zinsfuß bei den Notaren von 5 auf 7 pCt. gestiegen. Wäre der Grundsatz, das mobile Kapital zu besteuern, wirklich gut, ei, warum generalisirt man ihn denn nicht? Seit der Julirevolution sind ähnliche Anträge: die Rentiers zu besteuern, mannigfach gemacht worden; aber sie verunglückten alle. Ja, hättet Ihr eine Einkommensteuer vorgeschlagen, dann hätte ich Euch unterstützt. Die Steuer sei nur eine vorübergehende, hört man sagen; aber das Expedient sich 20 Millionen zu verschaffen, ist mit zu großen Opfern verknüpft als daß ich dafür stimmen könnte, Hr. Thiers tritt nun in eine Beleuchtung des Büdgets und Defizits, das er auf 300 Millionen anschlägt, in sehr beißender Weise und prophezeit nichts Gutes, wenn man auf dieser Bahn fortwandele. Goudchaux suchte zu erwidern, war aber ungemein matt. Berryer wollte versöhnen.
‒ (Nach 4 Uhr.) Nach Berryer's Rede hielt noch Boulley einen unbedeutenden Vortrag. Die Versammlung schritt zur Abstimmung über § 1 des ersten Artikels, der also lautet: „Es wird hiermit, aber nur für 1848, eine direkte Steuer auf alle Hypotheken-Kapitalien eingeführt, welche vor dem 16. April c. eingeschrieben sind.“
Die Abstimmung geschah durch Aufstehen und Sitzenbleiben und gab nur ein sehr dürres Mehr zu Gunsten des Ministers.
Die Versammlung schritt zu § 2, der also lautet: „Die Preise oder Kaufsummen für Grundstücke, welche inmittelst veräußert worden, sind den Hypotheken-Kapitalien gleich zu stellen.“
Wird mit wenig Aenderung ebenfalls mit schwacher Mehrheit angenommen. Die Versammlung geht zum § 3 des Artikels über: „Ausgenommen von dieser Steuer sind die Darlehen aus laufenden Handelskreditten, die Kapitalien der Kranken-und Waisenhäuser. Ebenso die Kapitalien des Auslandes auf heimische Grundstücke.“ Auch dieser § geht durch.
Präsident Marrast: Ich lasse jetzt über den ganzen Artikel abstimmen.
Larschejaquellein springt auf die Bühne: Der Finanzminister, ruft er durch den Tumult, gab gestern zu verstehen, daß er aus der Annahme der Steuer eine Kabinetsfrage mache. Ich ersuche ihn, um der politischen Stimmfreiheit halber, sich zu erklären, ob er noch eine Kabinetsfrage daraus mache?
Goudchaux: Wenn ich gestern diese Aeußerung fallen ließ, so bezog sie sich weniger auf das vorliegende Gesetz als auf die Gesammtheit meines Finanzsystems.
Ich mache also aus dieser speziellen Steuer keine Kabinetsfrage.
Der Präsident nöthigt alle Deputirte, ihre Plätze einzunehmen. Das Skrutin durch Stimmzettel wird verlangt. Die Saalwärter cirkuliren mit den Urnen. Allgemeine Spannung. Um 6 Uhr theilt Präsident Marrast folgendes Resultat mit:
Zahl der Stimmenden, 717. Absolute Mehrheit, 359. Es stimmen für die Steuer, 378. Gegen dieselbe, 339.
Der erste Artikel ist angenommen.
Die Sitzung wird um 6 Uhr 5 Minuten aufgehoben.
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Straßburg, 31. Juli.
Der Klub der republikanischen Brüderschaft hat in seiner Sitzung vom Freitag beschlossen, daß seine Sitzungen öffentlich sein werden. Er hat außerdem an die Nationalversammlung folgenden Brief geschrieben, als Protestation gegen den Gesetzentwurf über die Klubs:
„Bürger Repräsentanten! Der Klub der republikanischen Brüderschaft zieht in Betracht:
Daß das Associationsrecht unverjährbar, und daß das Bestehen der Klubs eine praktische Folge davon ist, er betrachtet als einen Angriff auf das Recht jede präventive Maßregel, welche der freien Ausübung der Volksgesellschaften störend in den Weg tritt;
Da gewisse Verfügungen des Dekretentwurfes auf die Polizei der Klubs durch einen gewissen Reaktionsgeist eingeflößt worden zu sein scheinen, der den durch die Februarrevolution proklamirten demokratischen Prinzipien feindlich ist;
Protestirt die republikanische Brüderschaft förmlich gegen alle Tendenzen, und erklärt, daß in ihrer Meinung jedes Dekret gegen die Klubs nur gegen die Mißbräuche gerichtet werden kann, welche aus deren völligem Associationsrecht entstehen könnten.
Gruß und Bruderliebe.
Der Präsident des Klubs, A. Robert. Die Sekretarien, A. Toulgouet, Baltzer.
Straßburg, den 28. Juli. 1848.“
[(Rép. Alf.)]
Großbritannen.
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[ * ] London, 2. Aug.
In der gestrigen Unterhaussitzung ward der Comité-Bericht über die, „National-Land-Company“ verlesen. Der Bericht erklärt diese Company für ungesetzlich und macht überhaupt, wie nach der Zusammensetzung des Comité vorauszusehen, höchst tadelnde Bemerkungen über die ganze Einrichtung und Verwaltung des Geschäfts.Feargus O'Connor verwahrte sich kurz gegen alle jene falschen Behauptungen und behielt sich vor, bei der Diskussion selbst auf alle Einzelheiten einzugehen. Weiterhin brachte Hr. Horsman die Lage der „established church“ ‒ der Staats- oder Hochkirche ‒ zur Sprache. Er verlangte, daß das Parlament endlich eine Reform in Betreff der Einkünfte der Staatskirche, die jährlich an 5 Mill. Pf. Sterl.(c. 33 Mill. Thlr.) betragen, vornehmen wolle. Die statistischen Angaben über die Einnahme einzelner Bischöfe, Dekane etc., über das schlechte Gehalt der niedern Geistlichkeit, die schlechte Eintheilung der Sprengel etc. wurden sämmtlich wieder vorgebracht, wie das schon so oft geschehen und diesmal mit dem nämlichen Erfolg: die Sache wurde fallen gelassen, nachdem Lord John Russell einige Versprechungen gemacht, die natürlich eben so wenig wie früher gehalten werden.
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[ * ] London, 1. Aug.
Während man in Irland die Habeas-Corpus-Akte suspendirt, die Klubs unterdrückt, die unabhängigen Journale vernichtet, auf die Köpfe von so und soviel Repealern Preise aussetzt, ist die Whig-Regierung in Großbritanien selbst keineswegs unthätig. In Edinburg läßt sie eine Menge Chartisten einkerkern und vernichtet das einzige Organ der Chartisten in Schottland, indem die Polizei in die Büreaus des „North British Espress“ eindringt, die gesammte Korrespondenz nebst Büchern, Rechnungen und Alles was sich vorfindet wegnimmt und den Verleger des Blattes verhaftet. Aehnliches Verfahren in Glasgow. Chartistische Verhaftungen an allen Orten und Enden. Dazu tritt nun die gerichtliche Verhandlung gegen eine Anzahl schon früher in Yorkshire verhafteten Chartisten. In der Stadt York standen dieser Tage 4 Chartisten vor der Jury, angeklagt, Ende Mai zwei andere Chartisten aus den Händen der Polizei befreit zu haben. Die in solcher Weise Befreiten waren ihrerseits wegen „ungesetzlicher Praxis in militärischen Bewegungen“ angeklagt. Die Anklage war, wie das jetzt Bourgeoisbrauch, höchst giftig, und die Geschwornen erklärten nach kurzer Berathung sämmtliche Angeklagte für „schuldig.“ Die Urtheilsfällung wurde verschoben.
Am nächsten Tage kam Tomlinson an die Reihe; er war aufrührerischer Reden beschuldigt. Er hatte am 12. Juni in der Nähe von Bradford einem Meeting von 7 ‒ 8000 Personen als Redner beigewohnt. Einer von den Zeugen, (wie gewöhnlich ein Polizist) erwähnte, daß das Meeting mit Bannern und im militärischen Schritt einhergezogen. Auf einem der Banner stand: „ Besser, durchs Schwert, als durch Hunger sterben;“ auf einem anderen: „Entweder die Charter freiwillig oder die Republik.“ Aus der Rede des Angeklagten hob der Staatsanwalt namentlich die Stelle hervor: „Man hat gesagt, Gott habe auf den Menschen einen Fluch gelegt und zwar den, daß er sein Brodt im Schweiße seines Angesichts essen sollte. Sprach Gott solchen Fluch über den Menschen aus, so hat der Mensch über seinen Mitmenschen einen noch viel ärgern ausgesprochen, indem er gesagt: „Du sollst kein Brod essen, aber dich abschinden!“ Nun so verhelft Euch doch selbst zu einer Stellung, die Euch in den Stand setzt, die jetzt Euch tyrannisirende Gewalt für immer zu Boden zu schlagen und diese allergemeinste, blutdürstige, ausplündernde, freiheitsmörderische Bourgeois-Regierung, wie sie nur je auf einem Volk lastete, für alle Zeit zu vernichten…. Stürzen wir die Stützen der vorhandenen Gewalt von ihrer Macht herab und seien wir gerüstet, an ihre Stelle Einrichtungen zu setzen, die jedem Mitgliede dieses betriebsamen Reiches Ruhe und Wohlergehen sichern. Jedes Mitglied der Gesellschaft muß gleiche politische Rechte gewährleistet haben. Ihr wartet vielleicht, daß dies die Mittelklasse thue; allein, wenn Ihr darauf wartet, so seid Ihr betrogen. Ihr könnt bis zum jüngsten Tage warten und ihr würdet so weit sein wie heute. Seid Ihr dagegen entschlossen, frei zu werden: so müßt Ihr Euch sofort organisiren und thut Ihr das, so könnt Ihr auf glücklichen Erfolg rechnen. Aendert die 3 Worte: „Agitirt, agitirt, agitirt!“ in jene 3 andern: „Rüstet, rüstet, rüstet!“ Tonilinson wurde von der Jury sofort für „schuldig“ erklärt.
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[ * ] London, 2. August.
Aus Dublin wird gestern Abend auf telegraphischem Wege gemeldet, daß Lord Hardinge am 1. Aug. dort angekommen war und den Oberbefehl in den unruhigen Distrikten übernehmen wird. In der Nähe von Ballingarry war Alles ruhig; nur fürchtete man einen Ausbruch, sobald sich das Militär wieder zurückzöge. Whig-wie Toryblätter wissen jetzt nicht genug Spott und Hohn und Infamie auf die irischen Repealer zu häufen. Wie gewöhnlich zeichnet sich die „Times“ hier wieder durch ihre rohen Witze ganz besonders aus. Diesem Blatt zunächst folgt der „Standard“, der zugleich eine gute Gelegenheit hat, die Papisten auszuschimpfen und seine ganze Galle über sie auszuschütten. Er thut das mit wahrer Herzenslust. In dem schnellen Unterliegen der Insurrektion (die, nebenbei gesagt, diesmal noch gar nicht zum Ausbruche gekommen) erblickt er den glorreichen Triumph der Hochkirche und der Orangisten über die von ihm tödtlich gehaßte Gegenparthei. Das ärgste Zerrbild, was sich jetzt in der Times, Herald. Globe etc. findet, ist das von Smith O'Brien. Jeder, der die Schilderungen seines angeblichen Benehmens und die Anschuldigungen der Feigheit, des kindischen Unverstandes, des lächerlichsten Ehrgeizes, der possierlichsten Unentschlossenheit liest: begreift von vornherein, daß er es lediglich mit einer Karrikatur zu thun hat. Da ist wenigstens „Chronicle“ so einsichtsvoll, den übrigen Journalen solches Verfahren abzurathen, da es nur noch mehr erbittern werde. Außerdem seien die getroffenen militärischen Vorkehrungen durchaus erforderlich gewesen; denn ohne sie würde jetzt der ganze Süden Irlands in Feuer stehen. Nur die Polizei- und Truppenmacht haben dies verhindert.
‒ Der „A. Oestr. Z.“ wird von ihrem Korrespondent in London folgendes geschrieben:
Graf Dietrichstein geht in großer Sorge herum über die Katzenmusik, die ihm in Wien bevorsteht, weil er Metternich bei seiner Ankunft in London den Hof machte; er erklärt übrigens, er habe ihn nur aus Menschenfreundlichkeit in seinem Unglücke besucht, er sei zu ihm als Privatmann, nicht als österreicher Gesandter gegangen. ‒ Ritter Bunsen, wie man vermuthet, möchte gern deutscher Gesandter werden, hat sich wohl aber von Allen am Unmöglichsten gemacht. Das englische Publikum kennt in ihm den besonderen Repräsentanten und schmeichlerischen Verehrer des Königs von Preußen, dessen heiligen Namen oder Titel er fast nie auszusprechen wagte, und den er bei jeder Gelegenheit My royal master nannte, mit einer Servilität, die ihn selbst in den Augen der sehr loyalen Engländer lächerlich machte. Würde Bunsen der Gesandte Deutschlands am hiesigen Hofe, so schiene nur das alte Preußen und nicht das neue Deutschland vertreten, es wäre keine äußere Aenderung in Deutschlands Beziehung zu England sichtbar, und der vieljährige Repräsentant des verabscheuten und nunmehr gebrochenen Despotismus könnte kein Vertrauen in die Wahrhaftigkeit des neuen Systems einflößen. Noch weniger Vertrauen kann aber das deutsche Volk in einen Mann setzen, der von den vielen herrlichen Eigenschaften der Engländer sich keine angeeignet, als den heuchlerischen Pietismus, der seine Zeit, die er den Interessen des Vaterlandes hätte widmen sollen, mit Anfertigung von Gesang- und Gebetbüchern ausfüllte.
‒ Der Standard, als alter Tory und Protektionist, mag natürlich keineswegs an das Aufhören der afrikanischen Blokade und an das Freigeben des Sclavenhandels denken. Er versucht daher nachzuweisen, daß die britische Flotte von 36 Segeln, welche an der afrikanischen Küste kreuzt, dem Sclavenhandel zwar nicht ein Ende machen konnte, daß sie aber wirksam genug war, um manchem Sclavenhändler das Handwerk zu legen. Von 1808 bis 1836 wurden nemlich 450 Schiffe zu L. 3,000 gekapert und 84,000 Sclaven zu 60 L. macht zusammen: L. 6,390,000 in 28 Jahren. Von 1836 bis 1847 kaperte man 570 Fahrzeuge zu 2000 L. Sclaven 5000 zu 60 L. und verhinderte daß 200,000 Sclaven exportirt wurden zu 60 L. macht zusammen L. 16,140,000 in 11 Jahren, Verlust der bei dem Sclavenhandel interessirten Länder.
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@facs0331
[ * ] Dublin, 1. August.
Meagher soll aus Irland fort sein. Smith O'Brien hat sich, wie von mehren Seiten versichert wird, aus den Kohlenbezirken von Tipperary nach Woodward begeben, um von da nach New Quay, einem kleinen Hafenorte in der Grafschaft Galway zu gelangen. Andere Berichte sagen, daß er sich in Johnstown (Grafschaft Kilkenny) befindet. Das Landvolk kehrt wieder nach Thurles an seine Arbeiten zurück. Dr. Kane soll in Kilkenny festgenommen sein. Der Lord-Lieutenant hat diesen Nachmittag eine Kundmachung erlassen, wonach Jeder, der [0332] [Spaltenumbruch] den namentlich aufgeführten (O'Brien, Meagher Doheny etc.) oder andern der nämlichen Verbrechen angeschuldigten Personen Aufnahme, Obdach, Speise oder Trank, Kleidung oder irgend einen andern Vorschub oder Beistand gewährt, gleichfalls als Hochverräther behandelt werden soll. In einem hiesigen Handlungshause wurden zehn Commis verhaftet. Bei Dreien fand man Offiziers-Patente für die Insurgenten-Armee. Das 75. Regiment und Artillerie nebst zwei Geschützen sind von hier nach Thurles abgesandt worden. General M'Donald hat sein Hauptquartier in Ballingarry aufgeschlagen. Von morgen an treten nach einem Erlaß des Lordlieutenans abermals neun ganze Grafschaften und sechs Grafschaftsbaronien unter die Verbrechens-(Zwangs-) Akte. In Tuam wären die Einwohner sehr erschrocken, als sie plötzlich früh Morgens eine starke Abtheilung Polizisten und eine Kompagnie des 40. Regiments in den Straßen aufmarschiren sahen. Man glaubte der Feind rückte heran; bald aber zeigte es sich, daß blos eine strenge Haussuchung nach Waffen angestellt werden sollte. Das geschah und das Ergebniß bestand in ‒ vier Piken.
Donaufürstenthümer.
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@facs0332
Galatz, 17. Juli.
Das türkische Lager bei Galatz ist bereits etwa 5000 Mann stark. Die Truppen besuchen täglich die Stadt und benehmen sich mit großer Manneszucht, wogegen wir aus Berlad fortwährend Klagen über das Benehmen der dort gelagerten 20,000 Russen vernehmen. In dortiger Gegend ist Niemand mehr seines Eigenthums sicher. Aus Jassy erhalten wir so eben die Nachricht von dem Einrücken von 4000 Mann Russen. In dem türkischen Lager bei Galatz sollen bis 15,000 Mann reguläre türkische Truppen zusammengezogen werden, und dieses Korps sonach nach Fokschan rücken. Es heißt auch daß die beiden Fürstenthümer im ganzen von 110,000 Mann, d. i. 40,000 Türken und 70,000 Russen besetzt werden sollen. Wozu diese außerordentlichen Truppenmassen? Um die Ruhe aufrecht zu erhalten oder um Fürst Bibesko wieder auf den Thron zu setzen? Wahrlich hierzu genügten 30,000 Mann für beide Fürstenthümer. Sonderbar, daß weder von dem türkischen noch von dem russischen Truppenkommandanten, noch von der Landesregierung bis jetzt ein Manifest über jene Truppeneinmärsche erlassen worden ist. Die türkischen Truppen wurden in Galatz, ohne daß selbe Quarantäne hielten, ausgeschifft. Die nun faktisch erfolgte Besetzung der Moldau durch russische Truppen verdient die größte Aufmerksamkeit Europa's; insbesondere sind aber dabei Deutschland und die österreichischen Staaten betheiligt. Für die österreichische Regierung wäre gewiß jetzt der geeignetste Augenblick ihren früher in den Donaufürstenthümern gänzlich verlornen Einfluß wieder zu gewinnen. Die Walachen und Moldauer setzen ihre letzte Hoffnung auf das konstitutionelle Nachbarland. Es wäre gewiß nicht klug, die Hülfesuchenden von sich zu weisen, und diese ihrer geographischen Lage nach schon so wichtigen Provinzen ganz an die Russen verfallen und uns somit schon am eisernen Thore die Donau entfremden zu lassen.
[(A. Z.)]
Amerika.
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@facs0332
In Liverpool traf am 2. August die „Caledonia“ mit Nachrichten aus New-York vom 19. Juli ein. Aus Mexiko lauten die Nachrichten wie bisher. Seine Lage wird schlimmer statt besser. Paredes rückte gegen die Hauptstadt vor. In der Union gingen die Geschäfte flau, wie gewöhnlich zu dieser Jahreszeit. Wechselkours auf London 109 3/4 à 110.
[(Telegr. Depesche)]
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@facs0332
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@facs0332
Köln, 31. Juli.
Der am 3. Juli hier verhaftete Bürger Anneke wandte sich vor einigen Wochen an den Regierungspräsidenten Wittgenstein mit dem Ersuchen, ihm zu gestatten, daß er sich während seiner Gefangenschaft mit literarischen Arbeiten beschäftigen dürfe; Herr Wittgenstein aber hielt es für unnöthig, auf diesen Antrag zu antworten. Der augenblicklich hier anwesende Bruder des etc. Anneke fand sich dadurch veranlaßt, an die hiesige Regierung folgendes Schreiben zu richten: [Spaltenumbruch] „Einer hochlöblichen Regierung erlaube ich mir Folgendes ergebenst anzutragen.
„Vor einigen Wochen schon hat mein Bruder, der Lieutnant a. D. Friedrich Anneke, welcher auf eine Denunziation wegen eines politischen Verbrechens verhaftet und im hiesigen Zuchthaus eingesperrt ist, an den Präsidenten Einer hochlöblichen Regierung das Gesuch gerichtet, sich während seiner Einsperrung mit literarischen Arbeiten beschäftigen zu dürfen, doch der Herr Präsident hat sich nicht bewogen gefunden, auf dies Gesuch eine Antwort zu ertheilen.
„Mein Bruder hat darauf denselben Antrag an die Polizeibehörde und zwar an den ihm unter den jetzigen Verhältnissen zunächst stehenden Beamten derselben, Herrn Instruktionsrichter Leuthaus gestellt; dieser hat erklärt, er sehe durchaus nichts für die Untersuchung Nachtheiliges darin, wenn mein Bruder sich mit literarischen Arbeiten beschäftige; er gestatte es also. Doch die Direktion des Zuchthauses hat ihre Einwilligung dazu nicht gegeben; sie hat gesagt, es sei gegen die Hausordnung, daß ein Arrestant sich mit literarischen Arbeiten beschäftige. Ich habe dies von Herrn Assessor Leuthaus selbst erfahren. ‒
„Mein Bruder lebt mit seiner Familie von dem Honorare, welches er für seine literarischen Arbeiten erhält; fährt man also fort, ihm die Mittel zu diesem Erwerbszweige zu entziehen, so bringt man seine Familie an den Bettelstab, so zwingt man ihn am Ende, sobald er seinen Unterhalt im Arresthause nicht mehr zu bezahlen im Stande ist, zu einer für ihn unwürdigen Beschäftigung, etwa zum Wollespinnen oder dergleichen. Es ist wohl unmöglich, anzunehmen, daß dies Absicht der Regierung sei; es wäre ein zu abscheuliches und raffinirtes boshaftes Verfahren gegen einen Mann, von dem man noch gar nicht weiß, ob er ein politisches Verbrechen wirklich begangen hat, indem es sich wahrscheinlich binnen Kurzem herausstellen wird, daß man ihn ohne Grund eine Zeit lang in enger Haft gehalten hat; nein, es steht wohl vielmehr zu erwarten, daß eine Hochlöbliche Regierung ein solch unsinniges und widerrechtliches Verbot, falls es wirklich existiren sollte, aufheben, eventuell meinem Bruder erlauben werde, sich während seiner Gefangenschaft durch literarische Arbeiten die Mittel zu seinem und seiner Familie Lebensunterhalt zu verschaffen.
(gez.) Emil Anneke.
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@facs0332
Der Herr Major von Voigts Rhetz
hat in Nro. 173 der Vossischen und Spenerschen Zeitung, indem er meine, seine „aktenmäßige Darstellung“ beleuchtende Schrift erwähnt, anstatt diese zu widerlegen, mich persönlich anzugreifen sich bemüht. Er wundert sich darüber, daß ich, ein preußischer Landwehroffizier, meine bewaffneten Landsleute angeführt habe, und vom General v. Willisen, um an den Minister v. Auerswald mündlich zu berichten, nach Berlin geschickt worden bin.
Ich bin weit entfernt, mit dem Hrn. v. Voigts-Rhetz zu wetteifern, thatsächliche Behauptungen, in seiner Art und Weise, nur mit persönlichen, verdächtigenden Angriffen zu beantworten. ‒ Ja, ich habe meine einjährige Dienstpflicht beim ersten Kuirassier-Regiment gemacht und bin im J. 1844 Landwehr-Offizier geworden. Glaubt denn der Hr. Major aber, daß man als preußischer Offizier nicht mehr ein ehrlicher Mensch sein darf? Glaubt er denn etwa, daß, weil man die preußischen Epaulettes trägt, man sein Vaterland verrathen, auf seine eigene Brüder schießen, und sich mit ihrem Blute beflecken muß? sollte auch ich etwa dem Wahlspruche: mit Gott für Colomb und Steinäcker folgen? ‒ Immerhin mag der Hr. Major die Uniform über die Gesinnung eines wahren Mannes stellen; ‒ ich für meinen Theil, vermag und werde es nicht; ‒ bevor ich die preußische Uniform anlegte, war ich, was ich auch in derselben immer geblieben und so Gott will bleiben werde ‒ ein Pole.
Ueber die Mission selbst aber, scheint der Hr. v. Voigts-Rhetz sehr ungenau unterrichtet zu sein. Diejenigen Leute ‒ welche dies dem Hrn. Major berichtet haben scheinen sich eben so streng an die Wahrheit zu halten ‒ als er es selbst zu thun pflegt; sonst hätten sie ihm sagen müssen, daß ich mit einer Depesche auch mündliche Aufträge für den Hrn. Minister erhalten habe ‒ und nur nach den genaustenInstruktionen handeln konnte.
[Spaltenumbruch]
Ich halte es nicht der Mühe werth, dem Hrn. Major zu erklären ‒ warum dies geschehen ist ‒ da der hämische Angriff, welcher in jener Erwähnung gegen eine dritte Person verborgen ist, mir zu unritterlich und zu plump erscheint, aber daß ich mehr Worte darüber zu verlieren mich entschließen könnte. ‒ Uebrigens danke ich dem Hrn. Major, daß er nicht nur meine Schrift, aber auch die des Hrn. Senff dem Publikum empfiehlt ‒ denn diese ist noch mehr geeignet alle Verläumdungen und Gehässigkeiten jener Aktenmäßigen Darstellung, worin ‒ wie der Hr. General Willisen selbst sagt: ‒ Alle wichtigen Aktenstücke fehlen, ‒ unwiderruflich zu widerlegen.
Wladyslaw Koscielski.
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@facs0332
Vor einiger Zeit ließen die Amtmänner des Kreises Herford die Probenummer einer in Berlin erscheinenden Zeitung, „Neue Preuß. Zeitung“ betitelt, mit folgendem dienstlichen Schreiben des Landrathsamts zirkuliren:
An den Herrn Amtmann N. N.
Auf höhere Veranlassung übermache ich Ew. Wohlgeboren die angeschlossene Probenummer der in Berlin erscheinenden
„Neuen Preuß. Zeitung“
mit dem Ersuchen, dieses in einem guten Sinne geschriebene Blatt in Ihrem Bezirke thunlichst zu empfehlen.
Herford, den 29. Juni 1848.
Der Landrath abwesend:
Der Kreissekretär,
Consbruch.
Ich suchte diese amtlich empfohlene, angeblich in gutem Sinne geschriebene Zeitung zu Händen zu bekommen und indem ich nichts weniger glaubte, als daß dieselbe dem neuen Ministerium, das so eben mit großer Mühe des Ministers Hansemann zusammengesetzt war, das Wort reden würde, fand ich gerade das Gegentheil darin! In der 12. Nummer jener Zeitung der schmachvollsten Reaktion steht nämlich wörtlich:
„Die Minister führen sich wie konstitutionelle Minister, um jetzt schon „durch anticipirten Pseudoconstitutionalismus die Krone zu nullifiziren.“ ‒ Dies ist etwas sehr gelehrt geschrieben und Gott sei Dank, daß die Herren Reaktionäre nicht im Stande sind, sich dem Volke besonders verständlich zu machen. Jene Redensart heißt aber zu deutsch nichts anders, als daß die Minister noch gar nicht dem Volke verantwortlich wären, daß sie aber so thäten, als wenn sie es seien, um die Krone null und nichtig, um den König zu einer Null zu machen!
Heißt das aber die Krone vernichten, wenn die Minister die Errungenschaften des Volks, das früher gar keine Rechte hatte, festzuhalten suchen? ‒
Handels-Nachrichten.
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