[0355]
Beilage zu Nr. 70 der Neuen Rh. Zeitg.
Mittwoch 9. August 1848.
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Die Polendebatte zu Frankfurt). Berlin. (Der Kommissionsentwurf der Verfassungsurkunde. ‒ Der 6. August). Schweidnitz. (Erneuerung der blutigen Auftritte. Feierliche Bestattung der am 31. Juli Gefallenen). Stettin. (Demonstration bezüglich des 6. August). Aus dem Mecklenburg'schen. (Der Großherzog und seine Unterthanen). Wien. (Das neue Ministerium. ‒ Sitzung des konst. Reichstags vom 3. August. ‒ Prov. Central-Comite für die Arbeiter-Angelegenheiten). Rendsburg. (Die verfassunggebende Versammlung zum 15. August einberufen). Apenrade. (Die Schweden sollen von Fühnen nach Schweden zurückgekehrt sein). Von der russisch-preußischen Gränze. (Russische Belohnung für jeden ausgelieferten Deserteur).
Italien. (Zwei Bülletins Radetzky's. Ein Bülletin der Mailänder Regierung). Mailand. (Die Piemontesen in Codogno. Gioberti, Griffini Diktator in Brescia. Aufregung in Florenz. Entlassung der Minister. ‒ Die österreichische Avantgarde bald vor den Thoren erwartet). Turin. (Verstärkungen nach der Lombardei. Karl Albert in Pizzighetone. Zustand in Mailand. Ein Korps Lombarden nach Brescia. Der Exherzog von Modena. Karl Alberts Artilleriepark gerettet). Livorno. (Die Citadelle von Messina in sizilischen Händen). Venedig. (Aufforderung Weldens an die prov. Regierung. Antwort). Rom. (Ein geistlicher Sonderbundspublizist erdolcht). Neapel. (Die freiwillige Anleihe. Die Insurrektion im Süden. Interpellation des Justizministers).
Französische Republik. Paris. (Wiedererscheinen des Geldes. Proletarier und Bourgeois. Verhaftungen. Schriftsetzer Hartmann. Die Insurgenten. Cavaignac. Bouchard's Bericht. ‒ „National- u. „Debats“ über die italische Angelegenheit. ‒ Vermischtes.
Großbritannien. London. (J. Harney über Irland und die englische Preßbande).
Ungarn. Pesth. (Die Südslaven von der Kamarilla unterstützt). Fünfkirchen. (Der Stuhlrichter Vrájácsis).
[Französische Republik]
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[Fortsetzung]
war gegen Proudhon gerichtet, der auf dem Schauplatz der Insurgenten erblickt wurde und zu seiner Entschuldigung gesagt haben soll, er wollte sich des herrlichen Schauspieles einer Cannonade erfreuen; ferner soll Proudhon die Insurrektion gebilligt, aber sie nicht als zeitgemäß erklärt haben. Dieser letzte Anklage wird durch den anwesenden Repräsentanten, der als Zeuge im Berichte angeführt war, sofort ein eklatantes dementi gegeben.
Nun folgen noch 2 Kapitel: Die Ramifikationen in den Departements, und dann das Resüme. Das Resüme enthält die Zusammenfassung der Formen, in denen der feindliche Gedanke in den verschiedenen Daten erscheint: 17. März: Manifestation.
16. April: Komplot.
15. Mai: Attentat.
23. Juni: Bürgerkrieg,
und wo bleibt der 24. Februar?
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Paris, 6. August.
Der National öffnet endlich den Mund und sagt: „Obgleich nur sehr unangenehme Nachrichten aus Italien zugehen, verlieren wir jedoch noch nicht die Hoffnung, die Unabhängigkeit jenes Landes auch ohne die bewaffnete Dazwischenkunft Frankreichs, aus dem Kampfe hervorgehen zu sehen. Wir kennen, welch schmerzliches Gefühl in der Brust eines Volkes durch die Ueberzeugung hervorgerufen wird, sich nicht ohne äußere Hülfe und wäre sie selbst die eines Freunde, befreien zu können; wir wünschen daher nichts inniger, als daß Italien sich seine Freiheit selbst geben möge. Jetzt hat Frankreich sein Auge auf die Lombardei gerichtet. Die Niederlage der sardinischen Armee schafft uns neue Pflichten. Unsere Regierung wird sie zu erfüllen wissen. Wenn das republikanische Frankreich, stark durch seine Uneigennützigkeit, spricht, so hat es ein Recht, gehört zu werden. Oestreich möge einsehen, daß, je weiter wir den Zeitpunkt des Einrückens unserer Truppen in Italien hinausschoben, wir desto energischer auftreten würden, wenn man uns nöthigt, das Schwert aus der Scheide zu ziehen. Die Unabhängigkeit Italiens ist nunmehr eine ausgemachte Sache. Oestreich thäte weise daran, sie als solche zu betrachten. Die Vermittelung, welche Frankreich anbietet, kann eine einsichtsvolle Regierung nicht zurückstoßen, um im Angesichte Europa's eine schwere Verantwortlichkeit auf sich zu laden. Wer bürgt dafür, wie weit die Wege gehen, wenn einmal der erste Kanonenschuß abgefeuert! Es gibt Opfer, zu welchen das Interesse ebenso räth, als die Gerechtigkeit. Italien ist für Oestreich auf ewig verloren. Warum wollte es sich mit aller Gewalt gegen diese unvermeidliche Thatsache stemmen und durch einen unnützen Widerstand dasjenige auf's Spiel setzen, was ihm noch bleibt, aber ihm leicht entschlüpfen könnte, wenn es noch Zeit ist!“
‒ Das Journal des Debats zeigt ebenfalls an, daß Frankreich und England übereingekommen, die italienische Frage gemeinschaftlich vermitteln.
‒ Die Division Magnan, die bisher in St. Maur bei Paris lagerte, wird ungefähr sechs Tage brauchen, um die Alpen zu erreichen. Dieselbe Division legte bekanntlich 120 französische Meilen, die sie von Paris trennten, in 7 Tagen zu Fuß zurück, als sie von Cavaignac zur Hülfe gegen die „Räuber“ gerufen wurde. Diesmal braucht sie die Eisenbahnen, soweit sie reichen und wird daher keine volle sieben Tage brauchen.
‒ Heute verläßt die Kriegsfregatte Ulloa mit einer ersten Ladung von 600 Räubern die Rhede von Havre, um sie in unwirthbare Eilande überzuschiffen. Diese 600 Insurgenten wurden in voriger Nacht aus den Forts Jory, Vanves und Aubervilliers unter starker Bedeckung geholt und auf den Rouener Bahnhof (rue St. Lazare) gebracht, von wo sie mittels eines Spezialzugs bis Havre geschafft werden.
Genoudes „Gazette de France“ ist gestern wegen fünf aufrührerischer Artikel mit Beschlag belegt worden. Genoude selbst ist nicht verhaftet.
‒ Das „Atelier,“ ein unter Corbons Protektorat, des Vize-Präsidenten der Nationalversammlung, angeblich von Proletariern redigirtes Wochenblatt, zeigt an, daß es in Folge des Kautionsgesetzes nur monatlich erscheinen werde.
Großbritannien.
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[ 24 ] London, 5. Aug.
„Irland und die englische Preßbande“ ist die Zuschrift betitelt, welche J. Harney in dieser Woche an die Arbeiter Englands richtet. Er bekennt frei, daß er nicht länger den wüthenden Haß der Iren gegen Alles, was Englisch ist oder klingt, verdammen kann, er daß vollständig begreift, wie Zunge und Feder so vieler talentvoller Irländer seit Jahren durch diese Wuth inspirirt worden. Sonst habe man noch sagen können zu den Iren: seht, das ist die aristokratische Regierung dieses Landes, die Euch unterdrückt; diese allein ist's, welche verhindert, daß Ihr zu Euerm Rechte gelangt. Jetzt aber zeigt es sich im Gegentheil, daß eine ganze Klasse, die herrschende, nicht Gift und Galle, nicht Hohn und Spott genug hat, um dem Iren das Blut in die Wangen zu treiben. Dies zeigt sich besonders seit der neuesten irischen Bewegung, zumal nach der Suspension der Habeas-Corpus-Akte für Irland. „Die Burgeoisie“, sagt Harney, „von Natur selbstsüchtig, unwissend und feig, und folglich Freundin der „Ordnung“ unter jeder Bedingung, diese Bourgeoisie, die wenn Ernst von Cumberland oder Nicolaus in diesem Lande herrschte, vor solchen Herrschern niederknien würde: diese Bourgeoisie ist in allen ihren Abstufungen vom bittersten Haß gegen Irland erfüllt. Redet mit ihnen über den Gegenstand und Ihr werdet bei der Shopocracy (Krämerwelt) vom Juwelenhändler bis zum Schnupftabackkrämer, von der Börse und dem Comtoir des Großhändlers bis zum kleinsten Ladentische nur Ein Gefühl vorherrschend finden, das der Rache gegen Irland. Ihre Idee von Heilmitteln drückt Capitän Maxwell mit seinen „wenigen Fässern Pulver und einigen Tau-Enden“ vollkommen aus. Es giebt Ausnahmen, diese sind aber gleich den weißen Krähen . . . . Der Beweis von dem Hasse oder der Gleichgültigkeit der Mittelkasse und eines großen Theils der Arbeiter ergiebt sich aus dem Charakter der von gedachten Klassen unterstützten oder geduldeten Journalen.
Die Lieblingsblätter der Bourgeoisie: Times, Chronicle, Herald und Daily News, sind allesammt unermüdliche Verläumder und Feinde des irischen Volkes. Die scheinradikalen: Morning Advertiser und Sun sind ebenso anti-irisch. Unter den Wochenblättern werden besonders: Spectator, Examiner, Atlas, John Bull und Britannia von den „höhern“ und mittlern Klassen gelesen. Die Leser von: Dispatch, Sunday Times, Bell's Life, Douglas Jerrold etc. gehören der mittlern und arbeitenden Klasse an. Weiter unten stehen die wohlfeilen Greenacre-Journale, die fast nur von Arbeitern gelesen werden. Alle diese Wochenblätter, ob sie sich nun zu Whigs, Tories oder Radikalen zählen, wetteifern mit Times und Chronicle im Schimpfen, Lästern und Karrikiren des irischen Volkes. . . . .
Der „Northern Star“ ist das einzige Journal, welches bisher unter allen Umständen die Rechte des irischen Volkes vertheidigt hat. . . . .
Die gewaltthätige Unterdrückung der „Nation“ und des „Irisch Felon“, die muthwillige Vernichtung des Eigenthums beider Journale, in Verbindung mit der verächtlichen aber grausamen Verfolgung der Setzer und Drucker dieser Journale und der armen Geschöpfe, welche vom Verkauf derselben ihr Leben fristeten: das Alles hat bei diesen Journalen nicht Ein Wort des Tadels oder der Verdammung hervorgerufen. Man denke sich dabei den Ausbruch tugendhafter Entrüstung, mit welcher Times, Chronicle etc. solche Handlungen besprochen hätten, wären sie auf Nikolaus's statt auf Clarendon's Befehl und in Warschau, statt in der Hauptstadt von „Irland“ verübt worden! Niemand konnte überrascht sein, daß diese Blätter die Regierung zur Verfolgung S. O'Briens und seiner Anhänger durch Feuer und Schwert aufhetzten: allein sie hätten sich wenigstens der Lügen und Verläumdungen enthalten können, durch welche sie auch den Charakter ihrer Schlachtopfer zu vernichten und auf ihren Namen Haß und Schande zu häufen suchten. Brave Männer sind hochherzig, wenn auch im persönlichen Kampf mit ihren Feinden. Allein diese erkauften Wichte der gedachten Preßbande, die lügen, weil man sie dafür bezahlt, sind jedes ehrenhaften Gefühls, jeder Rücksicht auf Wahrheit und Unpartheilichkeit baar und ledig.“
Ungarn.
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Pesth, 2. Aug.
Unsere Feinde werden öffentlich von der Camarilla unterstützt. Rajasich soll dem Jellasics aus der griechischen Kirchenkasse 100,000 Gulden Münze zur Deckung der Kriegskosten übermacht haben.
(Die Opposition.)
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Fünfkirchen, 28. Juli.
Der Stuhlrichter in Daruvár, Vrájácsics, war früher ein unbeachteter Barbiergeselle, nun ist er aber der größte und erster Empörer und Aufwiegler in ganz Slavovonien; dieser Gehülfe der Innsbrucker, war schon früher der Erste, und ist es auch gegenwärtig, der das slavonische Landvolk zur Revolutionsfahne geworben hat. Auf Anordnung und unter eigner Anführung des Vrájásics, wurde der ungarisch gesinnte Wirth im Bade zu Daruvár schuldlos schrecklich mißhandelt, daß Kastell des ungarisch gesinnten Grundherrn Jánkovics mit Sturm genommen, daselbst Alles sowie in der ganzen Umgegend geplündert.
(Die Opposition.)
Amtliche Nachrichten.
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Monats-Uebersicht der preußischen Bank. Gemäß §. 99 der Bank-Ordnung vom 5. Oktober 1846.
    • Aktiva.
    • 1) Geprägtes Geld und Barren 11,460,000 Rthlr.
    • 2) Kassen-Anweisungen u. Darlehns-Kassensch. 2,649,300 Rthlr.
    • 3) Wechsel-Bestände 12,071,500 Rthlr.
    • 4) Lombard-Bestände 13,853,200 Rthlr.
    • 5) Staats-Papiere, verschiedene Forderungen und Aktiva 13,106,900 Rthlr.
    • Passiva.
    • 6) Banknoten im Umlauf 14,791,900 Rthlr.
    • 7) Depositen-Kapitalien 19,905,500 Rthlr.
    • 8) Darlehn des Staats in Kassen-Anweisungen (nach Rückzahlung von 4,900,000 Rthlr., ctr. §. 29 der Bank-Ordnung vom 5. Oktober 1846) 1,100,000 Rthlr.
    • 9) Guthaben der Staatskassen, Institute und Privat-Personen, mit Einschluß des Giro-Verkehrs 4,856,200 Rthlr.
Berlin, den 31. Juli 1848.
Königl. preuß. Haupt-Bank-Direktorium.
(gez.) v. Lamprecht. Witt. Reichenbach. Meyen. Schmidt. Woywod.
Handels-Nachrichten.
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[Gerichtsprotokoll]
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Kriminal-Prozedur gegen Ferdinand Lassalle wegen Verleitung zum Diebstahl.
(Fortsetzung.)
Pr. Wo war die Gräfin?
A. Die Gräfin war in Düsseldorf und hatte dort von der Frau Wachter von dem Schenkungsakt zu Gunsten der Meyendorf gehört. Die Gräfin ging hierauf nach Aachen, besuchte in Begleitung des Pastors Bockum den Grafen und machte diesem Vorhaltungen wegen der Schenkung, sowie daß sie gehört habe, der Akt sei simulirt. Der Graf versprach einen Revers auszustellen, daß das letztere wahr sei; versöhnte sich mit der Gräfin und versprach das eheliche Leben wieder fortzusetzen. Gleich darauf wechselte der Graf aber seine Wohnung, augenscheinlich, damit die Gräfin ihn nicht finden könne, und weigerte sich dann die Gräfin bei sich aufzunehmen und die Ehe wiederherzustellen.
Pr. Haben Sie versucht dem Grafen nahe zu kommen?
A. Ja, ich habe ihn auf der Straße angesprochen. Nach dem Cassettendiebstahl schickte ich dem Grafen einen Brief durch Hoppe. Letzterem ist aber beim Grafen die Thüre gewiesen worden. Durch Geschäfte veranlaßt, reiste ich nach Heidelberg, von wo aus ich dem Grafen schrieb, um über die Behandlung des Hoppe Aufklärung zu erhalten.
Pr. Haben Sie den Grafen zu sich eingeladen oder haben Sie erwartet, daß er Sie besuchen würde?
A. Der Graf ließ mir sagen, er wolle mich besuchen.
Pr. Hoppe spricht von einem Vergiftungsversuch durch Cigarren und Champagner.
A. Ich werde später hierauf zurückkommen; doch bemerke ich jetzt schon, daß die Kammerjungfer Majunke damals nicht in Aachen war und doch dieser Vorfall bezeugt.
Pr. Haben Sie eine Pistole getragen.
A. Ich trug ein kleines Terzerol.
Pr. Jä Ihnen diese Pistole nicht einmal im Kursale zur Erde gefallen.
A. Ja, sie ging aber nicht los ‒ sie war nicht geladen.
Pr. Haben Sie versucht in's Haus von Colin, wo der Graf wohnte, zu kommen?
A. Ich wollte in diesem Hause miethen, aber der Graf wohnte noch nicht da.
Pr. Haben Sie in Aachen einen Brief des Grafen an Fr. v. Meyendorf von der Post entwenden lassen?
A. Nein, Paul Kurz hat das aus eigenem Vorwitz gethan.
Pr. Haben Sie Hoppe beauftragt, die Bekanntschaft von Postbeamten zu suchen, sich nach ihren Vermögensverhältnissen zu erkundigen und Geldversprechungen zu machen?
A. Nein.
Pr. Es ist ein Brief in Aachen entwendet worden.
A. Hierüber habe ich gesprochen; ich habe blos den Kurz beauftragt, sich auf der Post zu erkundigen, ob dort Briefe aus Düsseldorf an die Meyendorf angekommen seien, weil ich vermuthete, daß diese vom Grafen herrührten. P. Kurz hat aber aus eigenem Antrieb den Brief genommen.
Pr. Sie konnten doch aus der Existenz dieser Briefe nicht auf den Inhalt schließen. Die Meyendorf konnte von ihrem früheren Aufenthalte am Rhein her mit andern Leuten in Briefwechsel stehen und der Inhalt der Briefe unverfänglich sein.
A. Der Inhalt der Briefe war wahrscheinlich nicht unverfänglich, schon seit 1832 bestand ein Verhältniß zwischen dem Grafen und der Meyendorf.
Pr. Kurz und Hoppe sprechen gegen Sie.
A. Ich habe den Gegenbeweis geliefert, Hoppes Aussage widerspricht sich überall.
Pr. Es wurde aber ein Brief der Post entzogen, und dieser Brief enthält Data, welche zu folgenden Schritten veranlaßten: Sie sollen Mendelssohn nach Düsseldorf und dann mit Fr. Kurz nach Uckerath geschickt haben.
A. Diesen Brief habe ich der Gräfin allerdings ausgehändigt; ich habe aber keinen Auftrag zu dieser Reise gegeben.
Pr. Es soll auf dieser Reise der Versuch zur Bestechung eines Postboten gemacht sein.
A. Ich weiß nichts davon; ich war damals in Aachen.
D. Pr. verliest den Brief des Pollmann.
A. Dieser Brief ist schon im Prozeß gegen Mendelssohn auffallend gedeutet worden; ich habe nie mit Pollmann verkehrt und bin nie unter falschem Namen gereist. Die Fremdenbücher beweisen das.
Pr. Es folgt dann ein Brief an „eine getreue Seele“, aus Deutz datirt.
A. Dieser Brief ist nicht von mir, er scheint von Oppenheim zu sein.
Pr. Die Gräfin und Mendelssohn sollen am 9. Juli bei Rener gewesen sein, am 3. August war Mendelssohn zugleich mit dem Grafen bei Disch.
A. Seit dem 28. Juli habe ich Aachen nicht verlassen und doch sagt Hoppe, ich hätte damals ein Attentat auf des Grafen Koffer gemacht.
St.-Pr. Hoppe spricht von einem frühern Vorfalle.
Pr. Haben Sie damals Mendelssohn und Kurz beauftragt, einen Brief zu stehlen und ein Koffer der Meyendorf gegen ein anderes zu vertauschen?
A. Nein, diese Geschichten sind sämmtlich nach derselben Schablone zugeschnitten.
Pr. Haben Sie versucht, den Fowinkel zum Diebstahl einer Schatulle des Grafen zu verleiten?
A. Nein.
Pr. Haben Sie dem Fowinkel geschrieben und 30 Thlr. geschickt?
A. Ja. Fowinkel hatte seine Stelle beim Grafen verloren und wurde von der Gräfin unterstützt.
Pr. Hier ist ein Brief, der dasselbe Siegel trägt wie der erste, den Sie nicht anerkennen wollen.
A. Das Siegel beweist nichts dem Datum gegenüber, es gibt viele solcher Siegel, mein Siegel kann mißbraucht sein.
Pr. Ein Brief vom 3. März 1847 an Fowinkel mit 15 Thlr. räth diesem an, einen Paß nach Oestreich zu nehmen, vorher aber vom Bürgermeister eine Bescheinigung über die Abreise zu erwirken, um sofort gerichtlich vernommen zu werden.
A. Ja, Fowinkel wollte in seine Heimath reisen und deshalb wollte ich seine Wissenschaft in perpetuam memoriam konstatiren. Im gemeinen Rechte ist dies zulässig.
(Nachmittags.)
Verth. Es finden Machinationen zu Gunsten des Grafen statt. Klotz und Asbach haben in der Voruntersuchung gesagt, Lassalle habe versucht, sie zu bestechen. Beide, welche jetzt nicht als Zeugen geladen sind und in der Sitzung anwesend waren, sagen jetzt, derjenige, den sie für Lassalle gehalten, sei nicht der Angeklagte. Die Aussage Löhes, der als Zeuge geladen ist, hängt mit der dieser Beiden zusammen und ist schon deshalb die Vernehmung derselben erforderlich.
St.-Pr. Man scheint die Aussage des Zeugen Löhe zu fürchten. Ich habe denselben nur laden lassen, um zu konstatiren, wovon er einen zu den Akten gegebenen Brief erhalten. Die Vernehmung von Klotz und Asbach ist daher überflüssig.
Verth. Ferner bezeugt der Sohn des Gastwirths Kux aus Neuß, daß die beiden Zeugen Goedsche und Meyer, deren Verschwinden ich heute morgen beim Aufrufe erwähnte, vorgestern nach Neuß gereist sind und dort mit Stockum, dem Hauptagenten des Grafen, konferirt haben. Ich beantrage, daß vermöge der diskretionären Gewalt des Präsidenten, Klotz, Asbach und Kux vorgeladen werden.
[0356]
Pr. Eine Verfügung darüber muß ich mir vorbehalten. (Zum Angeklagten sich wendend): Am 20. August soll die Meyendorf unerwartet von Aachen abgereist sein.
A. Als die Versöhnung nicht zu Stande gekommen war, kam P. Kurz am 20. August in das Hotel, wo ich mich bei der Gräfin befand. Mendelsohn und Oppenheim waren auch dort. Er brachte die Nachricht, daß die Meyendorf abreise. Wir glaubten nun sei die Sache entschieden und nichts mehr zu machen. Denn unterdessen hatte die Kammerfrau der Meyendorf die Einregistrirung der Schenkungsurkunde beim Hypothekenamte zu Düsseldorf nachgesucht. Das Amt hatte die Einregistrirung aber verweigert, weil der Akt von einem ausländischen Notar aufgenommen war. Wir mußten jetzt wissen, ob die Meyendorf nicht wieder nach Düsseldorf reise und vielleicht den inzwischen neuaufgenommenen Akt registriren lasse. Oppenheim und Mendelsohn reisten um 12 Uhr Mittags der Meyendorf nach oder vielmehr P. Kurz wurde vorausgeschickt. dann reiste Mendelsohn und erst später Oppenheim ab. Ich selbst habe erst um 7 Uhr Abends die Gräfin verlassen.
Pr. Haben Sie in Aachen schon gewußt, wo die Meyendorf absteige?
A. Das wäre unmöglich.
Pr. Wer hat den Kurz vorausgeschickt?
A. Mendelsohn oder Oppenheim.
Pr. Ist Kurz dem Mendelsohn und Oppenheim begegnet?
A. Ja.
Pr. Wo waren Sie als Sie die Nachricht von der Abreise der Meyendorf erhielten?
A. Im Salon des ersten Stocks, später Parterre.
Pr. Stand die Thüre auf?
A. Ich weiß nicht, glaube es aber nicht.
Pr. Hoppe behauptet es.
A. Hoppe sagt auch wir wären in meinem Zimmer gewesen.
Pr. Hoppe sagt, Sie hätten gesagt, Du reist ihr nach selbst ins Ausland und nimmst die Kassette weg.
A. Es ist nicht wahr.
Pr. Was war denn der Zweck, daß Oppenheim der Meyendorf folgte?
A. Oppenheim erbot sich ihr nachzureisen, um zu sehen, ob die Meyendorf nach Düsseldorf reise und um Auskunft über den Akt zu erhalten. Ich billigte diesen Zweck durchaus.
Pr. Haben Sie dem Mendelsohn Geld gegeben?
A. Nein, Mendelsohn war bemittelt und hatte auch damals Geld.
Pr. Hoppe sagt, Sie hätten ihm Geld gegeben.
A. Das hängt mit der übrigen Aussage des Hoppe zusammen.
Pr. Mendelsohn, Oppenheim und Kurz, der später nach Köln zurückgekommen ist, habe sich unter fremdem Namen im Mainzer Hofe ins Fremdenbuch eingetragen. Dort wurde am andern Morgen die Kassette entwendet. (Der Präsident gibt nun die aus den früheren Verhandlungen bekannte Geschichtserzählung. Er schließt mit den Worten:) Im Koffer befanden sich u. A. eine Pistole, eine Kugelform und eine Perücke.
A. Ich habe die Perücke in Düsseldorf meinem Friseur abgekauft, um ihm ein Verdienst zukommen zu lassen. Von einem Gebrauche dieser Perücke weiß ich nichts. Ich habe kein Augenmerk darauf gehabt und weiß auch nicht einmal wie dieselbe in den Koffer verschleppt worden ist.
Pr. Im Koffer fand sich der Entwurf eines Widerrufs des Schenkungsakts.
A. Dieser Entwurf rührt von Aachen her. Oppenheim hatte ihn aufgesetzt. Er sollte ein Revers werden, den die Meyendorf unterzeichnen sollte. Der Graf konnte das oneröse Geschäft nicht einseitig widerrufen, und deßhalb war dieser Revers von Seiten der Meyendorf zur Versöhnung nothwendig. (Der Pr. verliest den Revers und bemerkt dazu, daß die Form beleidigend sei, und daß wohl Niemand einen solchen Revers ausstellen würde.)
A. Ich habe den Entwurf nicht gemacht, die Form hätte allerdings anders sein können.
Pr. Man hat geglaubt, es habe die Unterschrift erzwungen werden sollen?
A. Ich weiß das aus der Mendelsohn'schen Prozedur. Diese Vermuthung entbehrt jedes Anhalts.
Pr. Sind Oppenheim und Mendelssohn nach Aachen zurückgekehrt?
A. Ja, ich erfuhr zuerst von Oppenheim, daß er die Kassette habe; ich war hierüber erstaunt, und machte ihm Vorwürfe, da ich diese Handlung schon wegen ihrer Unzweckmäßigkeit nicht billigen konnte. Mendelssohn kam erst später, und erzählte, die Kassette sei ihm wieder abgenommen.
Pr. Haben Sie dem Oppenheim und Mendelssohn Pässe verschafft?
A. Nein.
Pr. Ihr Brief spricht von Rücksendung von Pässen, namentlich dem des Hoppe. Hatte Mendelssohn diesen Paß?
A. Das weiß ich nicht, Mendelssohn besaß von Berlin aus einen Paß von mir.
Pr. Haben Sie Mendelssohn Geld geschickt?
A. Mendelssohn war durch den Kassettendiebstahl mit seiner Familie zerfallen und ohne alle Mittel; deshalb sandte ich ihm von jetzt ab zuweilen Geld.
Pr. Sind Sie mit Oppenheim nach Köln gereist?
A. Ja.
Pr. Wo sind Sie später gewesen?
A. Bis zum Herbst 1847 mit der Gräfin in Deutz.
Pr. Sie sollen Bestechung des Sekretariatsgehülfen von Werder versucht haben, um die Einsicht von Akten zu erlangen und Papiere zu vernichten?
A. Keine Bestechung, ich hielt mich zur Vernichtung für berechtigt.
Pr. Wie waren Sie berechtigt?
A. Als ich die Akten fand, waren sie nicht in gerichtlichem Verwahre, der Gehülfe war kein amtlicher Depositar.
Pr. Aus dem Grunde sind Sie auch außer Verfolgung gesetzt worden, Sie waren aber nicht berechtigt, den Gehülfen zu einer Pflichtverletzung zu verleiten; die öffentliche Moral erlaubt dergleichen nicht?
A. Der Instruktionsrichter Oster hat konstatirt, daß die Papiere keinen Bezug auf die Untersuchung hatten.
Pr. verliest nochmals aus dem oben erwähnten Briefe an Heine die Stelle: „Ich wollte eine Prodigalitätsklage gegen den Grafen anstellen. Hierzu war der Besitz des Schenkungsakts wichtig und Oppenheim und Mendelssohn wollten sich dessen bemächtigen.
A. Dieser Brief enthält nichts Neues.
Pr. Mendelssohn soll eine untergeordnete Rolle gespielt, Sie dagegen die Leitung gehabt haben. Sie haben gestanden, nach der Verhaftung Oppenheims Bevollmächtigter der Gräfin gewesen zu sein.
A. Wir waren befreundet.
Pr. Kurz sagt, Mendelssohn habe sich beklagt, Sie hätten ihn ausgeschimpft, als er ohne den Brief, den auffangen sollte zurückgekehrt sei.
A. Dies ist an sich unwahrscheinlich; es wird doch Mendelssohn nicht eingefallen sein sich eine Person wie Kurz gegenüber über mich zu beschweren.
Pr. Hoppe und die Majunke haben erzählt, Mendelssohn habe kein Geld gehabt.
A. Das ist nicht wahr.
Pr. Mendelssohn hat bei Nuellens in Aachen sich ohne die Zeche zu bezahlen, entfernt. Nuellens ist ihm nachgeeilt, hat ihn auf dem Bahnhofe getroffen, Mendelssohn hat ihm einige Louisd'or angeboten. Da dies aber nicht ausreichte zur Bezahlung der Rechnung, ist er mit Nuellens zurückgekehrt, hat aus Ihrem Hotel Geld geholt und ist dann noch mehrere Tage in Aachen geblieben.
A. Mendelssohn hatte 1200 Thlr. in Berlin zu erheben. Da die Auszahlung sich aber verzögerte, so ist er gleichwohl zuweilen ohne Geld gewesen.
Pr. Mendelssohn hat später aus dem Gefängniß Briefe an Lölgen gerichtet, worin er Ihnen Vorwürfe über sein Schicksal macht.
A. Diese Vorwürfe treffen Mendelssohn selbst; die Briefe wurden auf Lölgens Veranlassung geschrieben, um den Grafen zu bestimmen, von weiteren Verfolgungen gegen Mendelsohn abzustehen.
Pr. verliest Briefe von Mendelssohn an Lölgen.
A. Alle diese Briefe sind nach dem Diebstahl geschrieben.
Pr. Kein einziger Brief hat merkwürdiger Weise ein Datum.
A. Vor dem Diebstahl war Mendelssohn nicht in Paris.
Pr. Welcher Gladbach ist es, der in den Briefen erwähnt wird?
A. Der Landtagsdeputirte.
Pr. Der sollte also auf die Deputirten wirken. ‒ A. Seiner Ueberzeugung gemäß.
St.-Prokurator. Oppenheim soll zuerst wie Sie sagen auf die Idee gekommen sein, der Meyendorf nachzureisen. Dies steht mit Ihrer Aussage vor dem Untersuchungsrichter in Widerspruch.
A. Ich habe dort nicht gesagt, ich hätte Auftrag gegeben; der Untersuchungsrichter hat mich mißverstanden.
Pr. Sie werden nichts Unrichtiges unterschrieben haben.
A. Es muß sich eine Verbesserung im Protokolle finden.
Pr. Liest aus dem Vernehmungsprotokoll vom 22. Februar zwei Stellen:
„Auf die Nachricht vor der Abfahrt der letztern (Meyendorf) sagte ich zu Mendelssohn und Oppenheim daß sie ihr auf der Stelle folgen, sie beobachten und auf jede Weise sich Gewißheit verschaffen sollten, wie die Sachen ständen d. h. was aus dem Akt geworden.“ ‒ Dann: „Wenn ich die Anweisung gab, sich möglichst Gewißheit darüber zu verschaffen, wie es mit dem Akte stände, so konnte dies nur auf erlaubte Mittel bezogen werden, jedenfalls war dadurch nicht gesagt, daß man sich selbst eines verbrecherischen Mittels bedienen dürfe. Eine Anweisung den Akt zu stehlen wäre meines Ermessens eine gewaltige Unklugheit gewesen.“
Ein Geschworner. Steht das alles in demselben Protolle?
Pr. Ja.
(Fortsetzung folgt.)
[Anzeigen]
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Schiffahrts-Anzeige. Köln, 8. August 1848.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Joh. Linkewitz; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr Ch. Königsfeld; nach Andernach und Neuwied H. Schumacher und Jakob Schilowski; nach Bingen J. B. Mundschenk; nach Koblenz, der Mosel und Saar Jos. Zeiler; nach der Mosel, Trier und der Saar Frdr. Lauterborn; nach Mainz Joh. Kiefer; nach dem Niedermain C. Nees; nach dem Mittel- und Obermain C. Schleicher; nach Heilbronn C. Heuß; nach Kannstadt und Stuttgart H. Klee; nach Worms und Mannheim Mart. Aulmich.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Kamps Köln Nr. 17
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Scholwerth Köln Nr. 3
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Wasserstand.
Köln, am 8. August. Rheinhöhe 7′ 1″
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Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
5. August. Agnes, T. v. Winand Klütsch, Faßbinder, Severinstraße. ‒ Maria Antonie Eugenie, T. v. Fried. Bruckmann, Porzellan-Fabrikant, Apostelnkloster. ‒ Xavier Felix, S. v. Joh. Mart. Felix Delree, Kfm., Mathiasstraße. ‒ Anna Maria, T. v. Joh. Langenhöfel, Taglöhner, Weberstraße.
Sterbefälle.
5. August. Kath. Schmitz, 2 J. alt, Schnurgasse. ‒ Maria Anna Macks, 11/2 J. alt, Löhrgasse. ‒ Maria Aloisia Phil. Ebeler, 9 M. alt, Thieboldsgass. ‒ Josepha Graeff, 6 W. alt, Glockenringgasse. ‒ Peter Schüller, Taglöhner, 46 J. alt, verh., im Laach. ‒ Joh. Dethier, 5 J. alt, Thieboldsgasse.
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Dampfschifffahrt zwischen Bremen und New-York.
Das amerikanische Post-Dampfschiff WASHINGTON, Cap. Johnston wird am 15. August von der Weser nach New-York zurückkehren.
PassagepreisnachNew-Yorkin1.CajüteLd'orthr.195
PassagepreisnachNew-Yorkin2.CajüteLd'orthr.100
PassagepreisnachSouthamptonin1.Caj.Ld'orthr30
Güterfracht 25 à 35 Thlr. mit 5 pCt. Primage für 40 Kub.-Fuß.
Die zweite Cajüte ist für diese Reise besetzt.
C. A. Heinecken & Comp.
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Ein Kapital von 3000 Thlr., welches 41/2 pCt. Zinsen einbringt und auf ein Ackergut bei Elberfeld eingetragen ist, soll ohne Unterhändler cedirt werden. Frankirte Briefe sub H. B. besorgt die Expedition d. Bl.
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Illuminations-Gläser zu 71/2 Sgr. per Dutzend zu haben Walrafsplatz 149.
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Weberstraße Nro. 1[#] ‒ sind mehrere Zimmer zu vermiethen.
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L'UNION CONSTITUTIONNELLE, Journal de l'arrondissement de Verviers.
Cette feuille est la plus repandue d'un des principaux centres industriels de la Belgique.
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Annonees : 20 Centimes la ligne.
S'adresser franco aux bureau de ce journal.
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Die Beilage zu Nro. 216 der Köln. Ztg. enthält ein Inserat überschrieben: „Die Lehrer betreffend,“ worin der Verfasser, als Laie auftretend, dennoch sich als großer Sachkundiger zu geriren bemüht. Diese Sachkundigkeit hinsichtlich des Standpunktes der wissenschaftlichen Bildung der Elementarlehrer tritt am bestimmtesten in dem Passus hervor, wo er die wissenschaftliche Bildung der Lehrer auf gleiche Stufe mit einem Quartaner eines Gymnasiums sich zu stellen bemüht. Wie unsinnig eine solche Analogie von vornherein selbst für den unbefangensten Beurtheiler da steht, bedarf keiner weitern Worte. Die Ausbildung der Elementarlehrer ist von so eigenthümlicher Art, und so ganz abweichend von der eines Gymnasiasten, daß in der That dieser Vergleich beim Sachkundigen nur ein mitleidiges Lächeln erregen kann.
Die Ausbildung der Lehrer in den Seminarien ist zwar einseitig und leider allzusehr pedantisch, aber nichtsdestoweniger wird dort eine Grundlage in den Realfächern gelegt, die dem Lehrer gestatten, nachher durch Selbststudien einen Grad von wissenschaftlicher Bildung zu gewinnen, welcher nicht selten die größten Männer in Erstaunen versetzt hat Es muß aber ganz besonders dem Herrn Laie unbekannt sein, daß die Elementarlehrer gar oft die Kinder vermögender Eltern bis zur Quarta heranbilden.
Ob nun die Ansprüche der Lehrer sich zu hoch erheben, und ob sie materiell nach Verdienst belohnt werden, darauf wollen wir uns in dieser Stunde nicht einlassen, da wir in den nächsten Tagen an dieser Stelle in einer Reihe von Aufsätzen die Volksschule wie sie war, wie sie jetzt dasteht, und wie sie sein soll, besprechen werden.
Wir bemerken hier dem Herrn Laie nur noch, daß es ein verkehtes Argument ist, wenn er darzuthun sucht, daß die Lehrer besser gestellt seien, als andere Klassen der wissenschaftlichen Gesellschaft, und gerade deshalb mit ihren Bestrebungen zurücktreten sollen. Es ist dies, leider! eine Wahrheit, doch zu den vielen Uebeln noch eines hinzufügen wollen, hieße die Bestrebungen der Zeit ins Angesicht schlagen.
J. A. Schmitz.
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Ein junger Mann sucht eine Komptoir- oder Reise-Stelle und kann gute Zeugnisse aufweisen. Die Expedition sagt wer.
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Versteigerung.
Am Donnerstag, den 10. August 1848, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Markte zu St. Aposteln in Köln, verschiedene Hausmobilien, als:Tische, Stühle, Spiegel, Schränke, Oefen, Sopha, sodann 1 Jagdflinte, 2 Pistolen, Oelgemälde etc. etc.gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher Cloeren.
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Versteigerung.
Am Donnerstag, den 10. August 1848, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Markte zu St. Aposteln in Köln, verschiedene Hausmobilien, als:1 Tisch, Ofen, 8 Stühle, 1 Spiegel, 1 Schreibpult und Schildereiengegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher. Cloeren.
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Versteigerung.
Am Freitag, den 11. August 1848, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Markte zu St. Aposteln, verschiedene Hausmobilien, als:Tische, Stühle, Ofen, Schrank, Spiegel, 1 Tafel-Uhr etc. etc.gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher, Cloeren.
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Bestellungen auf die in Hannover erscheinenden Vaterlandsblätter des Dr. Schläger nehmen alle Postämter des In- und Auslandes an. Abonnements-Preis 1/4 Jahr 3/4 Thlr. Inserat-Gebühr für die Zeile 8 Pf.
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Bekanntmachung.
In Folge der, eine wesentliche Beschleunigung gewährenden Benutzung der Dampfschiffe der Kölnischen Gesellschaft zur Korrespondenzbeförderung ergeben sich für Frankfurt die Schlußzeiten der Briefaufgabe nach folgenden Orten und Gegenden in nachstehender Weise:
nachKoblenz 71/2 Morgens, 10 Vormittags, 4 Nachmittags, 7 Abends,
nachBonn 71/2 Morgens, 10 Vormittags und 7 Abends,
nachKöln, Deutz, Düsseldorf, Elberfeld 7 1/2 Morgens, 10 Vormittags, 1 Nachmittags, 7 Abends,
nachAachen (Belgien) 71/2 M., 10 V., 7 A.,
nachEmmerich (Holland) 10 Vormittags, 7 Abends,
nachCrefeld 10 Vorm. und 7 Abends,
nachMünster 10 Vormittags,
nachHannover, Bremen, Hamburg und Lübeck 10 Vormittags.
Frankfurt a. M., 21. Juli 1848.
Fürstl. Thurn u. Taxis'sches Oberpostamt.
Vrints.
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Niederländische Handels-Gesellschaft.
Die Direktion macht bekannt, daß die Herbst-Kaffee-Auktionen der Gesellschaft von 1848 an den hier unten angegebenen Tagen und Plätzen abgehalten und aus den näher bezeichneten Quantitäten bestehen sollen:Zu Amsterdam
am Montag, den 4. September 1848,
257309 Ballen Java-Kaffee, lagernd daselbst,
8581Ballen Sumatra-Kaffee, lagernd daselbst,
101Ballen Macassar-Kaffee, lagernd daselbst,
Zu Rotterdam
am Donnerstag, den 7. September 1848,
180938Ballen Java-Kaffee, lagernd daselbst,
292Ballen Macassar-Kaffee, lagernd daselbst,
26952Ballen Java-Kaffee, lag.zu Dordrecht.
Zu Middelburg am Mittwoch, den 13. September 1848, 25672 Ballen Java-Kaffee, lagernd daselbst.
Unter diesen Quantitäten befindet sich auch der noch unverkaufte Theil der in den Frühjahrs-Auktionen d. J. zurückgehaltenen Partieen.
Die Direktion gibt die Versicherung, daß sie vor ihren gewöhnlichen Frühjahrs-Auktionen von 1849 keine andern Partieen, als die oben bezeichneten, an den Markt bringen wird.
Die Muster sind am Freitag den 11. August zu bekommen, und werden die Notizen nebst den Verkaufsbedingungen zeitig ausgegeben.
Amsterdam, den 1. August 1848.
Van der Oudermeulen, Präsident.
Goudswaard, z. Z. Sekretair.
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Ein Pumpenmacher-Gehülfe, der in allen in dieses Fach einschlagenden Arbeiten gut erfahren ist, sucht eine Stelle.
Auskunft Waidmarkt Nro. [#]
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Theater.
Mittwoch, den 9. August: Belisar, Oper in 3 Akten von Donizetti.
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Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.