[0361]
Beilage zu Nr. 71 der Neuen Rh. Zeitg. Donnerstag 10. Aug. 1848.
[Leserbrief]
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[Fortsetzung]
gerichtet ist, sehen sie nur die Einbuße, welche sie durch das Aufgeben des Post- und Pulverregals oder eines Gränzzolles erleiden; die in Aussicht stehenden Vortheile liegen ihnen zu fern, als daß sie diese damit gegen ihren Verlust in Anschlag bringen sollten. Ferner ist der Schweizer, so nüchtern und praktisch er auch sonst in allen Dingen ist, ein großer Freund von schönen patriotischen Phrasen, wenn sie ihn nichts kosten; da nun allerdings fast alle Kantone irgend etwas aufzugeben haben, so konnten sie unmöglich diese schöne Gelegenheit, von „republikanischer Uneigennützigkeit,“ von „vaterländischem Sinn,“ von „Niederlegen auf dem Altar des Vaterlandes“ u. s. w. zu reden, ungenützt vorüber gehen lassen. Im Grunde ein ziemlich harmloses Vergnügen, was man ihnen wohl gönnen kann, wenn sie dabei nur vorwärts kommen. Und das ist jetzt kaum noch zweifelhaft. Bereits hat in Bern, Zürich, Solothurn, St. Gallen, Baselstadt und Baselland, Schaffhausen, Aargau, Thurgau und Graubünden der Große Rath die Verfassung zur Annahme empfohlen, und zwar mit Ausnahme von Bern (166 Stimmen gegen 13) einstimmig. In Zürich, Bern und Solothurn findet heute die Abstimmung des Volkes statt. Ueber das Resultat dieser Abstimmung in Bern mag ich nichts vorher sagen; in Solothurn ist die Annahme so gut wie gewiß, und in Zürich, hofft man, werde sich keine einzige Stimme für Verwerfung der Verfassung finden, wenn nicht einige Querköpfe des Spasses wegen dagegen stimmen. Jedenfalls wird diese Abstimmung von Zürich und Bern großen Einfluß auf die übrigen Kantone haben, und daß die Mehrheit der Kantone sowohl, wie die Mehrheit der Gesammtbevölkerung sich für die Annahme aussprechen wird, ist gar nicht zu bezweifeln. Die kleinen Kantone werden zwar wahrscheinlich dagegen stimmen, indessen hat selbst das stockconservative Schweizer Volksblatt bereits erklärt, Schwyz würde sich, soviel es auch an der neuen Bundesverfassung auszusetzen habe, bereitwillig der Mehrheit fügen. Daran wird es auch sehr wohl thun. Am 4. Sept. wird die Tagsatzung, die sich am 31. Juli vertagt hat, wieder zusammen treten und, wenn die neue Verfassung angenommen ist, die nöthigen Uebergangsbestimmungen treffen, das Wahlgesetz für den Nationalrath erlassen, und sobald dieser gewählt ist und den Bundesrath ernannt hat, sich für einige Zeiten auflösen, wie der nun in Gott ruhende selige deutsche Bundestag.
Französische Republik.
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Paris, 8. Aug.
Eine Privat-Correspondenz der „Nation“ von Paris meldet, daß die französische Armee in Piemont eingedrungen sei. Für morgen verspricht sie nähre Details über dieses Ereigniß.
‒ Von den Journalen, deren am 27. Juni beschlossene Suspension jetzt gehoben ist, figuriren in erster Linie:
1) La Revolution,
2) La Vraie Republique,
3) L'Organisation du Travail.
Die „Assemblee National“ hat bereits wieder angefangen zu erscheinen; ob das Journal „De la Canaille“ und der „Père Duchesne“ ungeachtet der Autorisation wieder erscheinen werden, ist sehr die Frage.
‒ Es ist ein Attentat auf das Leben des Hrn. Thiers begangen worden. Man verwechselte aber Hrn. Mignet mit ihm, und schoß auf diesen mit einer Windbüchse. Der Schuß fehlte und traf nur das Kleid eines gerade anwesenden 9 jährigen Mädchens.
National-Versammlung vom 7. Aug. Marrast präsidirt.
‒ Die noch übrigen Paragraphen des Jurygesetzes werden mit weniger Aenderung nach dem Kommissions-Entwurf angenommen.
Tagesordnung: der Entwurf über die Journal-Kautionen.
L. Blanc. Die Freiheit der Presse ist das Gegengewicht des allgemeinen Stimmrechts. Wir müssen die Presse allen zugänglich machen, sie dem Monopol entreißen, sie dezentralisiren. Der Gedanke darf nicht das Instrument des Geschäftsmanns werden. Die Presse ist in den letzten Jahren den niedrigsten Spekulationen zinsbar gewesen. Die Erhaltung der Kaution wird die Presse wie bisher zu einer Handelsindustrie machen.
L. Faucher für die Kaution. Nehmt sie fort, und ‒ wir haben es gesehn ‒ die Presse verfällt der erschrecklichsten Licenz. Die unkautionirte Presse hat die Mai- und Junitage erzeugt. Ich bin auch für die wohlfeile Presse. Aber schon die Journale zu 40 Fr. haben enormen Schaden gestiftet. Ein ordentliches Journal ist nie verlegen um die Kaution. Die Kaution hat sich 30 Jahre lang bewährt.
Ant. Thouret, Sarrans, Felix Pyat sprechen gegen, de Charençay für die Kautionen. Hr. Pyat schließt: Die Kautionen sind im schreiendsten Widerspruch mit der Gleichheit. Die Republik begeht einen Vatermord wenn sie dies Gesetz annimmt.
Die Sitzung wird aufgehoben.
Großbritannien.
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[ * ] London, 7 Aug.
Es geht nichts über einen ehrlichen Polizisten, zumal wenn er gegen sich selbst einschreitet, wie im folgenden Falle: Hr. Ambleside (in Westmoreland), Kirchspiel-Konstabler, erschien dieser Tage vor den petty sessions als Ankläger ‒ seiner selbst. Er führte an und bewies durch Zeugen, daß er auf dem Jahrmarkte betrunken gewesen. Die Friedensricher verurtheilten ihn zu 5 Schillingen, die er auch sofort bezahlte. Mit erleichtertem Gewissen schritt er von dannen.
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[ * ] Edinburg, 6. Aug.
In der „Scottish Preß“ wird berechnet, daß in der Hauptstadt Schottlands jährlich 234,520 Pfd. Sterling auf geistige Getränke und 312,000 Pfd. Sterling auf Brod verausgabt werden.
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[ * ] Dublin, 6. Aug.
Gestern Abend um 8 Uhr wurde Hr. Smith O'Brien der Chef der irischen Rebellen in dem Augenblick, wo er nach Limerick abzureisen gedachte, auf der Eisenbahnstation von Thurl[#]es durch einen Eisenbahnbeamten Namens Hulme und durch einige Polizeiagenten verhaftet. Er war allein und ergab sich ohne Widerstand. Als einzige Waffe trug er eine kleine Pistole in seiner Westentasche. Von Soldaten und Polizeimannschaft umringt, brachte man O'Brien sofort ins Gefängniß. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Nachricht durch die ganze Stadt und Massen der aufgeregten Bevölkerung drängten sich in wildester Hast durch die Gassen. Gen. M'Donald hatte aber in der Zwischenzeit die Thore des Gefängnisses, so wie der Eisenbahn stark von Infanterie besetzen lassen. Verschiedene Trupps Kavallerie rückten dann in die Straßen und warfen die Bewohner in ihre Häuser zurück und die Ruhe wurde weiter nicht mehr gestört. Mehrmals trat der General selbst in einige Häuser, wo man Fenster und Thüren nicht verschließen wollte und zwang die Leute, seinen Befehlen zu gehorchen. Die Aufregung des Volkes blieb indeß so groß, daß es der General für rathsam hielt, den Gefangenen sofort nach Dublin zu expediren. Er überlieferte ihn daher der Sorge seines Sohnes des Lieutenants Alexander M'Donald, der den Gefangenen mit einem starken Trupp Soldaten und Polizei bis hierher eskortirte. Während der Reise zeigte O'Brien Spuren von großer Gemüthsbewegung; da man ihm bei Strafe des augenblicklichen Todes verboten hatte, weder zu sprechen noch sich zu bewegen, so versuchte er zu schlafen, was ihm aber nicht gelingen wollte.
In Dublin angekommen, transportirte man den Gefangenen erst in die Barracks und dann sofort nach Kilmainham, wo man seiner am sichersten zu sein glaubt.
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[ * ] Dublin, 6. August.
In Carrick ist es wegen der Verhaftung Dr. Ryan's zu Unruhen gekommen, die erst durch das Einschreiten der Polizei und des Militärs gedämpft wurden. Die Verhaftungen in Dublin gehen Dutzendweise vor sich. In Carlow nahm die Polizei einen Polen fest, der nach dem Süden Irlands gerufen worden, um verschiedenen Klubs den Gebrauch der Pike zu lehren. Haussuchungen nach Waffen und Briefen mehren sich. Die Limerick- und Tralee-Postkutsche wurde am 5. d. bei Abbey Feale von einigen 100 Bewaffneten angehalten und die Briefbeutel weggenommen. Sodann bemächtigten sie sich eines Polizeimannes, der einen Verhaftsbefehl gegen O'Gorman bei sich hatte. Die Polizei ist Doheny nahe auf die Spur gekommen; er wird wahrscheinlich nächster Tage eingebracht werden. Nächsten Donnerstag beginnt der Prozeß gegen Duffy, Martin und die andern Eigenthümer, Redakteure, Drucker etc. der „Nation“, des „Felon“ und des „Tribune“.
Rußland.
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Petersburg, 31. Juli.
Zum 28. Juli waren hier 2396 Cholerakranke in Behandlung verblieben; im Verlaufe dieses Tages kamen hinzu 137, genasen 211 und starben 82 (darunter 45 in den Wohnungen). Zum 29. Juli waren 2240 Kranke in Behandlung verblieben; im Verlaufe dieses Tages kamen hinzu 132, genasen 188 und starben 68 (darunter 41 in den Wohnungen.) Zum 30. Juli verblieben 2116 Kranke in Behandlung. Aus einem im neuesten Hefte des Militair-Medizinal-Journals enthaltenen Artikel über den Verlauf der Cholera-Epidemie in Rußland geht hervor, daß in Petersburg seit dem ersten Erscheinen der Krankheit, d. h. vom 30. Juni bis zum 21. Juli, 19,772 Personen erkrankt und davon 4834 genesen und 11,069 gestorben sind. Im gesammten Rußland sind seit dem ersten Erscheinen der Cholera, d. h. vom 28. Oktober 1846 bis zum 5. Juli 1848, 290,318 Personen daran erkrankt und 116,658 gestorben.
Donaufürstenthümer.
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Hermannstadt.
Das General-Kommando von Hermannstadt zeigt dem Kriegminister offiziell an: In der am 14. Juli abgehaltenen Versammlung haben Odobesco und Salamon ihre Entlassung gegeben. Das Volk erwartete mit größter Freude die Rückkunft des Eliade und Philippesco, Mitglieder der frühern Regierung; indessen begleitete das Militär den gefangenen Metropoliten in die Kaserne, worauf Sturm geläutet wurde, und der Metropolit nach einem großen Aufruhr wieder in Freiheit gesetzt wurde.
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Jassy, 17. Juli.
Neueren Nachrichten zu folge sind nicht 4000, sondern 2500 Russen, und nicht 2 Batterien, sondern nur eine aus 8 Kanonen hier angekommen.
Amerika.
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[ * ] Monte Video, 9. Juni.
Französischer Seits ist offiziell erklärt worden, daß das französische Geschwader alle zu Buenos Ayres gehörenden Hafen wie auch die der Banda Oriental, in so weit sie im Besitz von argentinischen Truppen sind, aufs Neue zu blokiren. Der französische Bevollmächtigte, Baron Gros, reist in einigen Tagen nach Europa zurück.
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[ * ] New-York, 25. Juli.
Der Kongreß beschäftigt sich noch immer mit der Territorialbill (wegen Administration in Oregon, Neu-Mexiko und Californien). In Bezug auf Oregon ist entschieden, daß dort keine Sklaverei stattfinden darf. Was Neu-Mexiko und Californien betrifft, bleibt jene Frage der weiteren Entscheidung des Kongresses vorbehalten. Aus Mexiko wird mitgetheilt, daß ein entscheidender Kampf zwischen den Regierungstruppen unter Bustamente und Cortazar und den vom Pater Jarauta befehligten Insurgenten nahe bevorstand. Auf der Halbinsel Yucatan haben jetzt die Weißen in einigen Treffen über die Indianer gesiegt. Auf Cuba Furcht vor dem Ausbruch einer Revolution. Es fanden viele Verhaftungen statt. Diese werden den Ausbruch beschleunigen.
Vom Haiti hatten sich eine Menge Personen nach Jamaica geflüchtet. General Flores befand sich in Panama; man glaubte aber, daß ihm der Aufenthalt dort wie in jedem andern Theile der Republik untersagt werden würde.
Türkei.
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Konstantinopel, 18. Juli.
Alle Thätigkeit des Divans ist in dem Augenblick in den Arbeiten des Kriegsministeriums concentrirt, und der rührige Risa Pascha konnte in der That nicht zu gelegener Zeit an die Spitze dieses Verwaltungszweiges gestellt werden. Die unlängst entlassenen Soldaten der hiesigen Garnison die schon zur Rückkehr in ihre Herkunftsorte bereit waren, sind vorderhand noch bei ihren Regimentern zurückbehalten worden, in deren Stand eine so plötzliche Lücke nicht schnell genug auszufüllen gewesen wäre. Auch aus Kleinasien, wo seit vorigem Jahr eine bedeutende Heeresmacht den frischen Gehorsam der Kurden überwachte, werden, dem Vernehmen nach, 20,000 Mann zurückgerufen, und der Seraskier von Rumelien ist in Albanien mit Bildung irregulärer Milizen beschäftigt. Einem Gerücht zufolge wäre sogar zur Leitung derselben niemand anderer auserkoren als der Ex-Rebellenhäuptling Dschulika. Thatsache ist daß er so eben vom Sultan vollständig begnadigt, nach seinen heimathlichen Bergen zurückgekehrt ist. Daß man ihn nicht schlimmer behandelte als seinen kurdischen Nebenbuhler Bedrhan Bey, ist nichts als billig; wenn man aber noch mehr für ihn that und ihn dadurch zu fesseln trachtete, so mag die Pforte hiemit einen recht glücklichen Wurf gethan haben. Für so ausgedehnte Wehranstalten dürfte es übrigens nicht leicht angehen den Grund einzig und allein in den unbequemen und unzeitigen Aeußerungen walachischer Volkssouveränetät zu suchen, vielmehr scheint es wohl als ob die Pforte sich ernstlich in Verfassung setzen wollte um sich von den allenthalben im stillen aufkeimenden Gefahren und namentlich dem stets als Damokles Schwert über ihrem Haupte schwebenden Slavismus nicht ungewappnet überraschen zu lassen. Suleiman Pascha, der das Unwetter in der Walachei beschwören soll, ist mit dem Pfortendolmetsch Emin Effendi Freitag den 14. d. M. dahin abgereist.
[(A. Z.)]
[Gerichtsprotokoll]
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Kriminal-Prozedur gegen Ferdinand Lassalle wegen Verleitung zum Diebstahl.
(Fortsetzung.)
St.-Pr. Aus Ihrer Vernehmung geht hervor, daß nicht Oppenheim sich erbot sondern daß Lassalle Anweisung gegeben hat.
A. Ich habe den Vorsatz das Oppenheim sich nach dem Akt zu erkundigen nur gebilligt.
Pr. Sie sagen, in dem Briefe an Heine, Sie hätten den Akt nöthig, er müsse zum Zweck der Prodigalitätsklage beschafft werden.
A. Ich habe nicht gesagt, daß der Akt für diese Klage nöthig, sondern nur, daß er wichtig sei.
Pr. Nahm man auf Ihren Rath am meisten Rücksicht?
A. Gewiß, da ich die Versöhnung versuchen wollte. Den Auftrag habe ich aber nicht gegeben und ich habe dies in einer dem Untersuchungsrichter überreichten Denkschrift auch weiter ausgeführt. Der Angeklagte verliest eine Stelle aus dieser Denkschrift.
Pr. Sie haben gesagt „Meiner Ordre gemäß folgten Mendelssohn und Oppenheim.“
A. Wenn man Ordre im Sinne von Auftrag nimmt, so kann ich es nicht gesagt haben, denn ich war nicht berechtigt, eine solche zu geben. ‒
Hiermit schloß die Vernehmung des Angeklagten. Der Präsident ließ nun den Sekretär des Gewerbegerichts W. Bremmer vortreten und vereidete ihn als Sachverständigen um die von Lassalle anerkannte Handschriften mit zwei Briefen, die derselbe verläugnet hatte, zu vergleichen. Der Sachverständige zieht sich zurück.
Es folgt das Verhör der Zeugen. Als erste Zeugen sind geladen die Baronin Meyendorf, ihr Kammerdiener B. Robie und ihre Kammerjungfer A. Ciczewsky. Da dieselben nicht erschienen sind, so wird deren Aussage vor dem Instruktionsrichter vom 22. August 1846 vorgelesen. Wir theilen diese Aussagen, die sich lediglich auf das Faktum des Kassettendiebstahls beziehen, nicht mit, da sie aus den beiden früheren Prozeduren bekannt sind Wir bemerken nur, daß die Meyendorf ausdrücklich erklärt hat, sie habe auf Lassalle keinen Verdacht, und kenne ihn nur von Ansehen.
Nun erscheinen die Zeugen A. Welter, Gastwirth des Mainzer Hofes, Paul Friedrich, Johann Irxendorf und Jakob Esser. Sie bekunden über den Diebstahl in derselben Weise wie in den früheren Prozeduren. Welter und Friedrich setzen noch hinzu, die Meyendorf habe nur einmal im Mainzer Hofe logirt, und der Angeklagte habe, als er am Tage nach dem Diebstahl angekommen, nur über gleichgültige Dinge gesprochen. Esser bemerkt, Lassalle sei mit Hoppe angekommen; beide hätten sich nach einem Reisesack, den sie vermißten, erkundigt. Auf die Frage, ob für die Meyendorf Quartier bestellt gewesen, antworten die Zeugen verneinend. Die Aussagen des inzwischen nach Amerika ausgewanderten Zeugen Förster und der nicht erschienenen Lennartz, jetzt Ehefrau Begemann, werden aus dem Protokoll vom 21. August 1846 verlesen.
Der Sachverständige Bremmer tritt vor und bekundet, daß sämmtliche ihm übergebene Schriftstücke von derselben Hand herrührten, wie sich dies namentlich aus der Vergleichung der Buchstaben M und K ergebe, und daß nur die Adresse auf dem Couvert des Briefes vom 2. Juli 1846 den Schreiber zweifelhaft lasse.
Zeuge Kutscher Köllen. Auch er bezeugt Bekanntes über die Vorfälle nach dem Diebstahl, und erklärt dann auf Befragen des Vertheidigers, daß er vorgestern drei Personen für zwei Thaler nach Dormagen gefahren, die von dort mit Extrapost weiter gereist seien. Er habe dieselben wegen ihrer Kleidung für schleswigholsteinische Freiwillige gehalten, sei zuerst auf die Breitstraße neben das Haus zum Knüppel (wo Goedsche wohnt), dann auf den Thurnmarkt gefahren, um Gepäck abzunehmen.
Zeuge Polizeikommissar Schlömbach aus Bonn. Seine Aussage ist von den beiden früheren in nichts verschieden.
Zeuge Friedrich Wilhelm Hoppe, 32 Jahre alt, wohnhaft in Berlin.
Pr. Ihr Gewerbe?
Zeuge. Alles was so vorkommt, Kommissionär, Stubenbohner, früher Viktualienhändler; davor Kammerdiener.
Zeuge deponirt wie folgt: Ich bin den 25. Januar in Dienst des Angeklagten getreten, der sich Doktor nennen ließ, und im Brittisch Hotel wohnte. Er hatte mit Oppenheim, Mendelssohn und Graf Keiserling Bekanntschaft. Durch letzteren wurde er mit der Gräfin Hatzfeldt bekannt, die zuerst unter den Linden, dann in der Schadowstraße wohnte. Als Lassalle und Graf Keiserling sich zuerst bei der Gräfin melden ließen, nahm sie dieselben nicht an. Am andern Tage jedoch wurden sie empfangen. Von da an ging Lassalle oft und zu jeder Tageszeit zur Gräfin. Vierzehn Tage nach der ersten Bekanntschaft ließ er sich einen Hausschlüssel zu ihrer Wohnung machen, kaufte eine Blendlaterne und ging mehrere Male gegen 12 Uhr Nachts, nachdem er vorher Toilette gemacht hatte, zur Gräfin. Einmal kam er erst gegen 7 Uhr Morgens nach Hause. Durch den Kommissionär des Britisch Hotel, Krüger, sollte eine Korrespondenz des Grafen Nostiz aufgefangen werden. Wenigstens hat Krüger mir das gesagt. Auch habe ich gehört, wie er zu Mendelssohn und Oppenheim sagte, er müsse sie haben. Ich bezog das auf Briefe. Lassalle beauftragte mich, ihm einen Schlosser zu besorgen, und versprach mir zwei Thaler hierfür. Ich besorgte ihm den Schlosser Reichard, Werkführer bei Wittwe Glück. Dieser hat mir gesagt, er habe Lassalle zwei Schlüssel angefertigt und 2 Friedrichsd'or dafür erhalten. Zeugen waren nicht dabei, als der Schlosser mir dies sagte. Ich habe selbst zwei Dietriche gesehen, welche Lassalle gemeinsam mit dem Schlosser an einem Sekretäre im Zimmer Nr. 2 probirte. Ich habe dies zwar nicht alles gesehen, ich habe aber beide in das Zimmer gehen sehen und Reichard hat es mir gesagt. Die Wwe. Glück kam oft zu Lassalle und bat ihn, ihr die Schlüssel zurückzugeben. Krüger wurde später einmal von der Polizei geholt, aber sofort wieder freigelassen. Er erzählte mir, Lassalle habe ihn einen Brief an Nostiz gegeben mit dem Auftrage, ihn so fallen zu lassen, daß der Hausdiener des Nostiz ihn finde. Deshalb habe ich die Polizei geholt. Im Sommer 1846 verabredeten Mendelsohn, Oppenheim und Lassalle eine gemeinsame Reise an den Rhein, die lange dauern sollte. Im Mai war die Gräfin nach Moabit gezogen, wo die Besuche Lassalle's fortdauerten. Mendelssohn reiste einige Tage vor uns ab, damit man keinen Verdacht schöpfe. Jedoch war die Zeit nicht verabredet und auch nicht, daß Oppenheim mit der Gräfin nachkommen solle. Lassalle und ich reisten am 9. Juli ab, ich weiß dies gewiß.
Pr. Früher am 8. Juni haben sie den Namen des Werkführers nicht angeben zu können behauptet.
Z. Ich habe denselben seitdem wieder getroffen, er hat das Geschäft der Glück übernommen.
Pr. Sind die Dietriche nicht gebraucht worden?
Z. Nein, nur probirt.
Pr. Früher haben Sie von den 2 Thlrn. und den 2 Friedrichsdor nichts gesagt.
Z. Ich habe es aber jetzt gesagt.
Pr. Wie ging die Reise?
Z. Ueber Frankfurt den Rhein hinunter.
Pr. Welche Stelle führte Lassalle bei den früheren Verabredungen?
Z. Er hatte immer das erste Wort. Damals erhielt Lassalle einen Brief von Mendelsohn, worin dieser schrieb, er habe bereits einige Entdeckungen über den Grafen gemacht. In Frankfurt trafen wir den Grafen Keiserling und in Düsseldorf den Mendelsohn. Wir logirten dort im Breidenbacher Hofe, Mendelsohn irgendwo anders. Derselbe hat uns am Dampfschiffe empfangen. Lassalle sagte uns, wir sollten den Namen Hatzfelds nicht in den [0362] Mund nehmen. Wenn Lassalle zu Mendelsohn ging, so verkleidete und schminkte er sich. Er blieb in der Regel lange bei ihm.
Pr. Warum schminkte sich Lassalle, da ihn Mendelsohn doch am Dampfschiff empfangen hatte?
Z. Das weiß ich nicht. ‒ Von Düsseldorf gingen wir nach Köln, wo eine Schachtel mit Perücken angekommen war und wo ich alte Kleider kaufen mußte. Alle drei kehrten wir nach Düsseldorf zurück, wo Mendelsohn bei Tapezierer Fuchs ein Absteigequartier hatte. Indessen kam die Gräfin. Lassalle fuhr geschminkt und in einem alten Sammetrocke, den er bei Mendelsohn angezogen, auf der dritten Klasse der Eisenbahn nach Köln. Auf der Reise mußte ich Lassalle mit Du und falschem Namen anreden. In Deutz empfing uns Oppenheim und die Kammerjungfer der Gräfin, die uns erzählte, sie seien zusammen gereist.
St.-Pr. Hat Lassalle den Zweck der Reise früher genannt?
Z. Nein.
St.-Pr. Ist vom Auffangen von Briefen zwischen der Meyendorf und dem Grafen die Rede gewesen.
Z. Nein.
Pr. Hat sich Lassalle nach dem Aufenthalt des Grafen erkundigt?
Z. Ja, schon in Deutz bei Oppenheim. ‒ Wir blieben im Königlichen Hof zu Köln zwei Tage, kehrten nach Düsseldorf zurück und fuhren direkt von dort nach Rheinstein, wo Lassalle einen Brief der Gräfin an den Prinzen Friedrich abgab. Der Prinz gab ihm einen Brief an den Grafen Hatzfeldt. Wir kehrten nach Düsseldorf über Deutz zurück oder von Düsseldorf wieder nach Deutz. Hier hörten wir, der Graf solle über Bonn und Köln nach Aachen reisen. Ich erhielt den Auftrag so oft ein Zug aus Bonn ankam, auf dem Bahnhofe zuzusehen ob der Graf angekommen. Ich kannte denselben nicht, Lassalle hat ihn mir aber beschrieben. Als der Graf angekommen, der wie mir L. sagte, im Kaiserlichen Hofe logiren sollte, beauftragt mich L. einen Koffer mit dem des Grafen, wenn letztrer nach Aachen reise, zu vertauschen. Ich ging in den Kaiserlichen Hof und erfuhr hier vom Kutscher, daß der Graf nach Calkum fahre.
Pr. Haben Sie im Kaiserlichen Hofe Mendelssohn getroffen?
Z. Nein.
Pr. Sie haben das in der Voruntersuchung gesagt?
Z. Ich weiß nichts davon. Als ich am andern Morgen wach wurde, waren der Graf und Mendelssohn abgereist. Ich fuhr deshalb auf den Bahnhof der Rhein. Eisenbahn.
(Forts. folgt.)
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Schiffahrts-Anzeige. Köln, 9. August 1848.
Angekommen:
Kapt. Lützenkirchen von Dordt mit 4751 Ztr. Kap. Hollenberg von Rotterdam mit 5448 Ztr. Kap. Breynks von Amsterdam mit 5228 Ztr. Kap. Wilson von Amsterdam mit 4394 Ztr. Seb. Schon vom Obermain.
Abgefahren:
Joh. Acker nach Mainz.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Joh. Linkewitz; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr Joh. Budberg; nach Andernach und Neuwied C. Kaiser und Jakob Schilowski; nach Bingen J. B. Mundschenk; nach Koblenz, der Mosel und Saar Jos. Zeiler; nach der Mosel, Trier und der Saar Frdr. Lauterborn; nach Mainz Joh. Kiefer; nach dem Niedermain C. Nees; nach dem Mittel- und Obermain C. Schleicher; nach Heilbronn C. Heuß; nach Kannstadt und Stuttgart H. Klee; nach Worms und Mannheim Mart. Aulmich.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Kamps Köln Nr. 17
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Scholwerth Köln Nr. 3
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Wasserstand.
Köln, am 9 August. Rheinhöhe 7′ 1″
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Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
6. August. Gert. u. Ther., Zwillinge von Joseph Metzger, Maurer, Gereonswall. ‒ Ant. Gregor Hub., S. v. Paul Jos. Bungartz, Porzellanhändler, unter Hutmacher. ‒ Joh., S. v. Pet. Bildhauer, Sandformer, Kartheuserhof. ‒ Hub., S. v. Jakob Siegburg, Ackerer, Weiherstraße. ‒ Joseph, S. v. Gottfried Schneider, Schuhmacher, kl. Brinkgasse. ‒ Gerh., S. v. Philiph Kraforst, Zimmergeselle, Kostgasse. ‒ 2 uneh. Knaben.
Sterbefälle.
6. August. Joh. Wilh. Busch, ohne Gewerbe, früher Schneider, 46 J. alt, verh., Hochpfortenbüchel. ‒ Beatrix Hubertine Peffgen, 1 J. 2 M. alt., Kranenbäumen. ‒ Karoline Coelestine Antonnette Wilhelmine Schmidt, 15 J. alt, Rheinaustraße. ‒ Friedr. König, 6 M. alt, gr. Griechenmarkt. ‒ Joh. Sandhausen, Rentner, 74 J. alt, verh., Plankgasse. ‒ Maria Richminda Josepha Walburga Holthausen, 65 J. alt, urverh., Mohrenstraße. ‒ Heinr. Hohl, 8 Tage alt, Johannstraße. ‒ Agnes Althoff, 101/2 M. alt, Follerstraße. ‒ Cäcilia Goerrig, Wwe. Winterfeldt, 70 J. alt, Straßburgergasse. ‒ Andreas Fischer, 9 J. alt, alte Mauer am Bach.
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Bekanntmachung.
Die Abfertigung der Güter, welche von dem Köln-Mindener Eisenbahnhofe zu Lande in den hiesigen Freihafen gebracht werden, wird von morgen an auf der Hausflur des Hafen-Kommissariatsgebäudes Statt finden Alle Bestimmungen der Hafenordnung vom 22. Aug. 1844 sind auch für diese Benutzung des Hafens gültig, jedoch ist der Gesammtbetrag der Krahnen-, Waage- und Werftgebühren auf 3 Centimen vom Zollcentner ermäßigt worden. Die Deklarationen über die Niederlegung und die Abfolgebriefchen über den Bezug der Waaren sind an den mit der Ermittelung der letztern beauftragten Verwalter im Mühlengassenlager Herrn Pannes abzugeben.
Köln, den 9. August 1848.
Der Hafen-Kommissar, J. Rennen.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Freitag den 11. August 1848, Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Apostelnmarkte zu Köln mehrere Stücke Tapeten und verschiedene Hausmobilien öffentlich gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Wambach, Gerichtsvollzieher.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Samstag den 12. August 1848, Morgens 9 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Markte in der Apostelnstraße zu Köln Tische, Stühle, Schränke, Kommoden, Kleiderschränke, Spiegel, Oefen, Schreibpulte, 1 Pendul-Uhr, 1 Sopha, 1 Fournaise u. s. w. öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher, Penningsfeld.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Montag den 21. August 1848, Morgens 9 Uhr, wird der Unterzeichnete in Gefolge Rathskammer-Beschlusses des königl. rheinischen Appellations-Gerichtshofes zu Köln vom 16. Juni 1848, in dem Hause Pepinstraße Nro. 7 zu Köln, einen kompletten Distillir-Apparat, 1 Ofen, 1 großen kupfernern Kessel, 4 dreiöhmige Branntweinfässer, 10 Rührfässer, 1 Filtrirfaß, 1 Faß circa 70 Ohm haltend mit kupferner Pumpe, 1 zweirädriges Handwägelchen, 1 großen eisernen Waagenbalken mit dito Schalen, mehrere eiserne Gewichtsteine u. s. w. öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher Penningsfeld.
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16. Comp. der Bürgerwehr.
Sonntag Morgens 7 Uhr Versammlung im Stammlokale, bewaffnet zum Exerzieren. Montag Morgens 8 Uhr ebendaselbst zur Parade vor dem Reichsverweser auf dem Neumarkt.
Der Hauptmann.
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Englischer Hof in Köln.
Kasinostraße Nro. 1.
Zu den bevorstehenden Dombau-Festlichkeiten empfehle ich meinen Gasthof dem verehrlichen auswärtigen Publikum auf das Angelegentlichste.
Köln, den 10. August 1848.
H. J. Thibus.
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Illuminations-Gläser zu 71/2 Sgr. per Dutzend zu haben Walrafsplatz 149.
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Echte westphälische Schinken.
Höhle Nro. 28 (Ecke vor St. Alban.)
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Fest-Programm für die Tage der sechsten Säcular-Feier der Grundsteinlegung des Kölner Doms, 14., 15. und 16. August 1848.
Erster Tag (14. August).
1. Morgens 9 Uhr: Parade der gesammten Bürgerwehr Kölns auf dem Neumarkte.
2. Morgens 11 Uhr: Musikalische Unterhaltung des Männer-Gesangvereins im großen Casino-Saale.
3. Nachmittags 3 Uhr: Versammlung des Festzuges auf dem Neumarkte.
An diesem Zuge werden in folgender Reihenfolge Theil nehmen:
a. Ein Musik-Corps zu Pferde.
b. Eine Abtheilung der berittenen Bürgerwehr.
c. Ein Musik-Corps der Bürgerwehr.
d. Die Sängerchöre der beiden Gymnasien und der höheren Bürgerschule mit dem Männer-Gesangvereine.
e. Die sonstigen Gesang-Vereine.
f. Die Waisen-Kinder.
g. Ein zweites Musik-Corps der Bürgerwehr.
h. Die Dombau-Hütte mit ihrer Fahne und ihren Insignien.
i. Das Vereins-Banner.
k. Der Vorstand des Central-Dombau-Vereins.
l. Die auswärtigen Deputationen.
m. Ein Musik-Corps des 25. Regiments.
n. Die Mitglieder des Central-Dombau-Vereins.
o. Die kleineren Dombau-Vereine.
p. Ein Musik-Corps des 16. Regimentes.
q. Den Schluß des Zuges bildet eine Abtheilung der Bürgerwehr.
Die Aufrechthaltung der Ordnung im Zuge ist einem zugführenden Comite übertragen.
Der Zug bewegt sich unter Kanonendonner und Glockengeläute um den Neumarkt herum durch die Apostelnstraße, Apernstraße, am Römerthurm vorbei durch die Mohrenstraße, Gereonstraße zum erzbischöflichen Palais. Nachdem hier der Herr Erzbischof mit der bei ihm versammelten höheren Geistlichkeit durch eine Deputation des Vorstandes abgeholt und in Empfang genommen worden, begibt sich der Zug weiter durch die Sachsenhausenstraße, Marcellenstraße, das Pfaffenthor, über den neuen, freigelegten Platz vor das West-Portal des Domes.
Alle Straßen, durch welche der Zug sich bewegt, sind festlich geschmückt. Die Zugänge zum Dome nördlich von der Litsch und südlich vom Wallrafsplatze her bleiben abgesperrt. Dagegen werden das Nord- und Südportal dem Publikum bei Ankunft des Festzuges geöffnet. Im Dome selbst bleiben das Mittelschiff bis zu Chore, das Chor und ein Theil des nördlichen Seitenschiffes ausschließlich zur Aufnahme der hohen Gäste und der Theilnehmer im Zuge bestimmt. Die Bürgerwehr bildet um diese abgetrennten Theile Spalier. Die übrigen nicht abgetrennten Theile bleiben dem Zugange des Publikums frei gegeben.
Während des Festzuges haben sich die hohen Gäste etc. in der Domprobstei eingefunden, von wo dieselben die Ankunft des von der Marcellenstraße her eintreffenden Zuges mit ansehen, und alsdann durch eine Fest-Deputation zu einer auf dem nördlichen Thurm-Fundamente errichteten Estrade abgenommen werden.
Vor dem Westportale wird, nach Aufstellung des Zuges, durch die zu einem Chore vereinten beiden Gymnasien, die höhere Bürgerschule und den Männer-Gesang-Verein der Psalm 121, Laetatus sum in his etc., gesungen. Hierauf folgt eine Ansprache Seitens des Vorstandes. Sodann: Einzug in den Dom. Rede des Dombaumeisters und Uebergabe der neugebauten Theile des Domes an den Herrn Erzbischof. Enthüllung der von Sr. Majestät dem Könige Ludwig geschenkten Glasfenster. Erwiderung des Herrn Erzbischofes. Gesang des Ps. 83, Quam dilecta tabernacula tua. Einzug in das Chor. Fest-Cantate von Leibl. Ertheilung des Segens durch den Herrn Erzbischof.
4. Abends gegen 6 Uhr Ankunft Sr. Majestät des Königs und feierliche Einholung.
5. Abends 9 Uhr. Großer Fackelzug der Bürgerschaft Kölns, unter Mitwirkung dreier Musikchöre und aller Gesang-Vereine, vom Rathhausplatze ausgehend. Die Ordnung dieses Zuges und die Straßen, welche er berührt, werden durch das betreffende Comite näher bekannt gemacht werden.
Zweiter Tag (15. August).
1. Morgens um 7 Uhr beginnt gemäß den von dem hochwürdigen Metropolitan-Dom-Kapitel getroffenen Anordnungen die Consecration der fertigen Theile des Domes. Der Dom bleibt während der Ceremonien nach canonischer Vorschrift geschlossen, und die rings um denselben aufgestellten Schulen, Bruderschaften und sonstigen religiösen Vereine wechseln ab mit Gesang und Gebet.
2, Morgens halb 8 Uhr Versammlung des Festzuges auf dem Neumarkte. Derselbe bildet sich wie am vorigen Tage; außerdem aber werden zu demselben eingeladen und nehmen an demselben Theil:
Ober-Bürgermeister, Beigeordnete und Stadtrath von Köln.
Die Armenverwaltung.
Die Schulverwaltung.
Die Handelskammer.
Der Rath der Gewerbverständigen und alle übrigen städtischen Behörden
Bürgermeister, Beigeordnete und Gemeinde-Verordnete von Deutz.
Die königl. Regierung.
Die Provinzial-Steuer-Direktion.
Die Polizei-Direktion.
Das Ober-Post-Amt.
Der Appellations-Gerichtshof und das Parket.
Das Landgericht und das Parket.
Das Handelsgericht.
Die Friedensgerichte.
Das Barreau.
Die katholische Pfarrgeistlichkeit, in so fern sie nicht bei der Consecration beschäftigt ist.
Die Kirchen-Vorstände.
Die evangelische Pfarrgeistlichkeit.
Die Lehrer-Kollegien der beiden Gymnasien, der höheren Bürgerschule und der städtischen Schulen, so wie die Gymnasien und Schulen.
Die höhern Militär-Behörden und das Offizier-Corps.
Die Kommandatur und die Offiziere der Bürgerwehr.
Die Direktionen der Dampfschifffahrts-Gesellschaft und der Eisenbahnen, welche in Köln ihren Sitz haben.
Der Vorstand des Gewerb.-Vereins.
Der Vorstand des Kunst-Vereins.
Das Pompier-Corps.
Gleich wie am vorigen Tage ist die Sorge für die Aufrechthaltung der Ordnung im Zuge dem zugführenden Comite überlassen.
Der Zug bewegt sich zur Abholung der hohen Gäste unter Glockengeläute durch die Apostelnstraße, Apernstraße, Zeughausstraße, Komödienstraße, zum neuen frei gelegten Platze, und durch das West-Portal in den Dom, dessen Mittelschiff bis zum Chore durch ein Spalier der Bürgerwehr abgesperrt bleibt.
3. Morgens, gegen halb zehn Uhr, Eröffnung der Eingänge zum Dome ‒ Einzug des Festzuges ins Mittelschiff und Rede des Herrn Erzbischofes ‒ Einzug in das Chor ‒ feierliches Hochamt ‒ zum Schlusse Te Deum etc., welches von dem versammelten Volke abwechselnd mit dem Orchester gesungen wird; während desselben Glockengeläute und Kanonendonner.
Die Zugänge zu den Galerien im Dome sollen an den beiden Festtagen den weiblichen Vereins-Mitgliedern gegen Vorzeigung einer im Sekretariate abzunehmenden Eintrittskarte geöffnet werden.
4. Nachmittags 4 Uhr großes Festmahl auf dem reich geschmückten Gürzenich-Saale, an welchem nur Vereinsgenossen Theil nehmen können und wobei die Stadt ihre hohen Gäste bewirthet, sofern die Bestimmung Sr. Maj. keine Aenderung nöthig macht.
Speisung der Armen.
Oeffentliche Volksfeste auf mehreren Plätzen der Stadt Köln, worüber die näheren Bekanntmachungen durch das betreffende Comite ergehen sollen.
5. Abends 9 Uhr allgemeine Beleuchtung der Stadt, der Kirchen und öffentlichen Gebäude, der Brücke mit freier Passage über dieselbe.
Dritter Tag (16. August).
1. Morgens 8 Uhr feierliches Hochamt im Dome.
2. Morgens 9 Uhr Haupt-Versammlung der Vereinsgenossen auf dem Frankenplatze; derselbe ist zu zu diesem Zwecke mit Fahnen und Laubwerk festlich geschmückt. Auf der erhöhten Stelle am Fuße des Dom-Chores auf dem Margarethen-Berge ist eine Tribune für den Vorstand und die Deputirten der auswärtigen Vereine errichtet. Unter der Tribune ‒ vor dem „Germanischen Hofe“ ‒ auf der ihm gegenüber liegenden Seite und vor dem Eingange zum Frankenplatze sind Musik-Chöre aufgestellt, welche, während die Haupt-Versammlung sich aus dem Dome zu einem Zuge ordnet und die Litsch hinunter durch die Trankgasse vom Frankenthurme her auf den Platz einzieht, abwechselnd spielen. Die übrigen Zugänge zum Frankenplatze bleiben bis nach Ankunft des Zuges verschlossen, und werden auch dann nur den sich legitimirenden Dombau-Vereinsgenossen und Mitgliedern der hiesigen Dombau-Vereine geöffnet. Nach Ankunft des Zuges auf dem Frankenplatze stellt sich derselbe zu beiden Seiten auf, der Vorstand begibt sich auf die Tribüne und empfängt hier die Deputirten der auswärtigen Vereine. Die hohen Gäste, welche dem Genossenschaftsfeste beiwohnen wollen, haben sich inzwischen in dem festlich geschmückten Gebäude der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft eingefunden.
Nach Aufstellung des Zuges wird durch die anwesenden nächst der Tribune aufgestellten Männer-Chöre, unter Mitwirkung des Orchesters, die Hymne an Pius IX. von Mazzini gesungen.
Hierauf folgt eine Anrede des Präsidenten des Dombau-Vereins. Sodann die Erstattung des Rechenschafts-Berichtes durch den Sekretair.
Nach diesem wird ein zweittes Lied: „An den König-Protektor,“ durch die Männer-Chöre unter Begleitung der Musik gesungen.
Sodann: Anrede des Dom-Baumeisters an die versammelte Bauhütte und Preisvertheilung an die besten Werkgesellen.
Nach dieser Preisvertheilung wird ein, besonders zu diesem Zwecke gedichtetes Lied: „Gruß an den Reichsverweser,“ Musik von Weber, gesungen.
Darauf Einleitung des Wahl-Aktes durch den Präsidenten und Wahl-Geschäft. Die Handlung schließt mit der Absingung des Werkgesellen-Liedes von Busso von Hagen.
3. Nachmittags 5 Uhr. Großes Konzert auf dem Gürzenich.
4. Abends 10 Uhr. Ball der Vereinsgenossen auf dem Gürzenich.
Am Sonntag, Montag und Dienstag werden ausgesuchte Vorstellungen im festlich dekorirten Theater Statt finden.
Köln, 7. August 1848.
Das Fest-Comite.
Anmerkung: Die Festlichkeiten am zweiten Tage (Dienstag) werden dem Vernehmen nach einige Abänderungen erleiden. Sobald uns dieselben bekannt werden, theilen wir sie unsern Lesern mit.
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Bekanntmachung.
Das Geschäfts-Lokal der IV. Polizei-Sektion ist in das Haus Tempelstraße Nr. 1 B verlegt worden.
Köln, den 7. August 1848.
Der komm. Polizei-Direktor, Geiger.
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Bekanntmachung.
Vom 15. d. M. ab werden zwischen dem Ober-Post-Amtslokale und dem Bonner Eisenbahnhofe einspännige Wagen eingestellt, mit denen keine Personen-Beförderung Statt findet.
Köln, 9. August 1848.
Der Ober-Post-Direktor, Rehfeldt.
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Entgegnung auf das Gedicht: „Geh nicht nach Köln“ im Beiblatt Nr. 88 der Elberfelder Zeitung:
Kömmst Du nach Köln, Du fein polirter Schleicher
Der uns am Rhein der Zwietracht Saamen streut,
Beim Scheiden ist Dein Buckel sicher weicher
Als wie Dein Herz, das sich der Tugend nicht erfreut.
Reaktionärer Schuft, Du Hund, wie Shakespeare sagt,
In Deiner letzten Stund' soll Dir der Trost gebrechen,
Den Gott dem größten Sünder nicht versagt!
So soll die Nemesis sich an Dir rächen.
Weil Du des Kölners teutsche Treue hast verdächtigt
Hast Du den Fluch der Zeit auf Dich geladen,
Kein lebend Wesen nimmer ist ermächtigt
Zu lösen ihn, auf allen Deinen Pfaden.
Nichts sicherer ist, als daß am jüngsten Tage
Weil Waizen soll von Spreu gesondert sein,
Dein eig'ner Herrgott strenge zu Dir sage
„Scheer Dich vom Fleck zum Orkus-Schlund hinein.“
[ Jülich, den 8. August 1848.
Krahé. ]
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Dampfschifffahrt zwischen Bremen und New-York.
Das amerikanische Post-Dampfschiff WASHINGTON, Cap. Johnston wird am 15. August von der Weser nach New-York zurückkehren.
Passagepreis nach New-York in 1. Cajüte Ld'orthr. 195
Passagepreis nach New-York in 2. Cajüte Ld'orthr. 100
Passagepreis nach Southampton in 1. Caj. Ld'orthr. 30
Güterfracht 25 à 35 Thlr. mit 5 pCt. Primage für 40 Kub.-Fuß.
Die zweite Cajüte ist für diese Reise besetzt.
C. A. Heinecken & Comp.
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Ein Kapital von 3000 Thlr., welches 41/2 pCt. Zinsen einbringt und auf ein Ackergut bei Elberfeld eingetragen ist, soll ohne Unterhändler cedirt werden. Frankirte Briefe sub H B. besorgt die Expedition d. Bl.
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Weberstraße Nro. 1[#] ‒ sind mehrere Zimmer zu vermiethen.
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Bestellungen auf die in Hannover erscheinenden Vaterlandsblätter des Dr. Schläger nehmen alle Postämter des In- und Auslandes an. Abonnements-Preis 1/4 Jahr 3/4 Thlr. Inserat-Gebühr für die Zeile 8 Pf.
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Bekanntmachung.
In Folge der, eine wesentliche Beschleunigung gewährenden Benutzung der Dampfschiffe der kölnischen Gesellschaft zur Korrespondenzbeförderung ergeben sich für Frankfurt die Schlußzeiten der Briefaufgabe nach folgenden Orten und Gegenden in nachstehender Weise:
nachKoblenz 71/2 Morgens, 10 Vormittags, 4 Nachmittags, 7 Abends,
nachBonn 71/2 Morgens, 10 Vormittags und 7 Abends,
nachKöln, Deutz, Düsseldorf, Elberfeld 7 1/2 Morgens, 10 Vormittags, 1 Nachmittags, 7 Abends,
nachAachen (Belgien) 71/2 M., 10 V., 7 A.,
nachEmmerich (Holland) 10 Vormittags, 7 Abends,
nachCrefeld 10 Vorm. und 7 Abends,
nachMünster 10 Vormittags,
nachHannover, Bremen, Hamburg und Lübeck 10 Vormittags.
Frankfurt a. M., 21. Juli 1848.
Fürstl. Thurn u. Taxis'sches Oberpostamt.
Vrints.
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Ein Pumpenmacher-Gehülfe, der in allen in dieses Fach einschlagenden Arbeiten gut erfahren ist, sucht eine Stelle.
Auskunft Waidmarkt Nro. 9.
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Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.