[0375]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No 74. Köln, Sonntag 13. August 1848.
Deutschland.
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[ 19 ] Köln, 11. Aug.
In der französischen Nationalversammlung, in den Kammern aller civilisirten Staaten werden die Debatten, auch wenn sie, wie jüngst der Proudhon'sche Antrag, den höchsten Sturm der Leidenschaft hervorrufen, doch immer mit Rücksichten des äußern Anstandes zu Ende geführt.
Die deutsche Nationalversammlung in Frankfurt ist auf ein neues sinnreiches Mittel gekommen, um lästige Anträge abzuthun; ihre Spaziergänge auf dem „historischen Rechtsboden“ haben sie endlich zu dem gesegneten Gefilde des Faustrechts gelangen lassen. Der „kühne Griff“ des edlen Gagern hat sich nach den glücklichen Erstlingsversuchen bei Einsetzung der Centralgewalt und den schamhaften Ansprüchen auf Repräsentationsgelder in neuer Vielseitigkeit als thatkräftiger Konstablergriff bewährt; das Uebergewicht der ritterlichen Majorität ist in einem praktischen Sieg völlig außer Zweifel gesetzt worden, da sie das Danton'sche Geheimniß der revolutionären Taktik: de l'audace, de l'audace et encore de l'audace! in's Westphälische übersetzte. Unsere Leser mögen nach den Vorfällen, mit welchen am 7. und 8. d. die Amnestiefrage zum Abschluß gebracht wurde, über die vielbelobte Würde dieser interessanten parlamentarischen Versammlung selbst urtheilen; wir geben ihnen nichts als die Details, wie wir dieselben in Frankfurt aus eigner Anschauung geschöpft haben.
Der Abgeordnete Brentano sagt inmitten seiner Rede für Ertheilung der Amnestie: „Wollen Sie die, welche in Baden die Waffen für die Freiheit ergriffen haben, zurücksetzen gegen einen Prinzen von Preußen?“
In diesem Satz liegt nichts Außerordentliches, was nicht in Preußen selbst, auf den Straßen und von Rednerbühnen, seit dem Märzkrawall öffentlich gesagt worden wäre. Die Volksstimme bezeichnete den Prinzen von Preußen als den Urheber des sechszehnstündigen Massacre's in Berlin, und ihre Stimme war damals noch mächtig genug, um den Prinzen in ungewissen Aufträgen nach England reisen zu lassen. Eine Adresse aus Koblenz verlangte zu jener Zeit vom Könige Garantien gegen die Thronfolge des Prinzen von Preußen; man sah den Prinzen als den Hort der Reaktion an, wie denn auch die Reaktion in der schönsten Weise vorangeschritten ist, seit das Uebergangsministerium Camphausen dem Prinzen die Wege nach Deutschland bahnte. Indem also Hr. Brentano den Prinzen von Preußen als Gegensatz den badischen Freischärlern gegenüberstellte, that er nichts, was nicht nach den Lehren der Syntax vollkommen gerechtfertigt wäre.
Die Rechte in der Paulskirche besitzt jedoch ihre besonderen Sprachlehren, wie das historische Recht des edlen Lychnowski schon dargethan hat. Es erhob sich auf die Worte Brentano's ein Tumult, der um so entsetzlicher klang, als der gewöhnliche Ordner solcher Scenen, der Ex-Fürst Lychnowsky abwesend war, und die ganze Last den Herren Kerst aus Posen und Ritter Vincke von Hagen auf die Schulter fiel. Selbst Hr. Radowitz, der bisher bloß für den Kopf der Rechten galt, wie Herr Vincke und Lychnowsky für ihre Clakeure, Herr Radowitz, der stets so still wie ein englischer Wollsack saß, und bei den heftigsten Angriffen gegen seine Partei höchstens sein Spitzbärtchen drehte, selbst Herr Radowitz sprang auf, und rannte mit hocherhobenen Händen, ohne diesmal selbst Hrn. Bürgers in seinem schwarzem Frack und weißer Atlasbinde zu beachten, für den er immer ein wohlwollendes aufmunterndes Lächeln besitzt, in den dicksten Haufen der Seinen. Die Rechte hatte in Massen ihre Plätze verlassen und wälzte sich in einem wilden Gewirre gegen die Tribüne.
Hier war ihr der wack're Herr Plathner aus Halberstadt zuvorgekommen. Herr Plathner, der sich die Ehre des ersten Angriffs nicht nehmen lassen konnte, war Allen voraus auf die Tribüne gesprungen, wo er den Herrn Brentano am Arm faßte und ihn anschrie: „Sie sind ein H-tt, verlassen Sie die Tribüne!“ Bei dem Herannahen der wogenden Hülfstruppen machte Herr Plathner einen zweiten Angriff. Er faßte Herrn Brentano abermals beim Arm und rief mit sehr blütdürstigen Mienen, wie sie kein Mensch an dem landrechtlichen Justizbeamten für möglich gehalten: „Sie sind von mir gefordert . . auf . . auf Pistolen!“ Herr Brentano antwortete, Herr Plathner möge ihm diese Einladung draußen zustellen, ihn hier aber nicht weiter angreifen, wenn er nicht wünsche, Ohrfeigen zu erhalten.
Die äußerste Linke, als sie das Anstürmen der Rechten sah, verließ gleichfalls die Plätze, drängte sich zur Tribüne und umstellte dieselbe in einem Halbkreis, um den Redner zu schützen. Hier entspann sich zwischen der Linken und Rechten ein babylonisches Wortgefecht, ein Schreien und Toben, daß schon in der nächsten Nähe die Bedeutung dieser unarticulirten Töne verloren ging; die Rechte warf mit Säbel- und Pistolenforderungen umher, geballte Fäuste erhoben sich in die Luft und unter die Nasen der Gegner, und zwischen dem Ritter Vincke und einem Abgeordneten aus der Pfalz fielen jene süßen Schmeichelworte, von denen unser Korrespondent bereits Erwähnung gethan.
Wo war während dieses Tumults der Jupiter tonans, der „edle Gagern“ mit seinem Glockengeläute und Donnergepolter?“ Der Mann mit den künftigen Repräsentationsgeldern war, wie gewöhnlich bei Verhandlungen, in welchen voraussichtlich Sturm zu befürchten steht, nicht anwesend; er hatte am Tage vorher seine Glocke zerschlagen, die schöne Glocke, welche schon beim Vorparlament und Fünfziger-Ausschuß so manchen Sturm beschworen. Böses Omen! Statt seiner präsidirte mit einer neuen helltönenden Glocke und einer alterthümlichen, gießkannenartigen Donnerstimme der ehrenwerthe Soiron. Der Statthalter thronte mit seinem gewöhnlichen Anstand, den er schon als „Fürst von Thoren“ bewiesen hat, und wie ihn der Statthalter Sancho auf der Insel Bamataria nicht besser geübt haben kann. Herr Soiron ist in der That der trefflichste Sancho für den sinnreichen Junker Gagern. Aber seine Macht reichte nicht aus; das Geläute der Glocke und der Donner seines Rufes verhallten ungehört in dem immer lauteren, stürmischeren Tumult an der Tribüne, und der Präsident nahm unter dem Jauchzen der Galerien, welches dies Schauspiel begleitete, seinen Hut, und verließ mit den Bureaux die Versammlung, ohne in der eiligen Flucht die Sitzung zu schließen. Herr Brentano stand noch lange Zeit auf der Tribüne, und lange Zeit noch stritten die Kämpfer um ihn herum, und jubelten die Zuschauer droben auf dem Paradies, bis das Bedürfniß des Mittagstisches die Kirche, diesen Schoos der deutschen Einheit allmählig räumte.
Dies war die Sitzung vom 7. glorreicher Erinnerung.
Am Abend dieses heißen Tages versammelten sich die Preußen in der Socratesloge. Die Preußen, die wohlgesinnten, spezifischen: es nahmen auch Nicht-Preußen Theil, und Preußen wurden abgewiesen. Dem Abgeordneten Schmidt aus Schlesien erklärte man an der Thür, daß zu dieser Versammlung nur Leute zugelassen würden, welche ihre tiefste Entrüstung über den Abgeordneten Brentano kund zu geben wünschten. Schmidt erwiderte, daß er in der Erwartung gekommen sei, man werde wenigstens den Versuch einer ehrenhaften Ausgleichung, zu welchem die Linke die Hand biete, zulassen. Herr Schmidt wurde aber zurückgewiesen, es sollte eine Parteisitzung sein.
An dieser Sitzung nahmen der „edle Gagern“ und der Schildknappe Soiron Theil. Die Versammlung beschloß einen Ordnungsruf über den Abgeordneten Brentano zu beantragen, welchem Herr Soiron seinen Beifall schenkte.
Gleichzeitig hielt auch die Linke Berathung, und beschloß eine Nüge über den thätlichen Angriff der Herren Plathner, Kerst aus Posen und Ritter Vincke auf Brentano, und über die in der Sitzung gefallenen Pistolen- und Säbelforderungen zu beantragen. Als dieser Antrag am andern Morgen vor der Sitzung dem Herrn Soiron übergeben wurde, erklärte derselbe, daß er ihn gar nicht verlesen werde. Grund: weil er es nicht für passend finde. Wunderbare Weisheit, mit welcher die Socratesloge über Nacht das Gehirn des Herrn Soiron erleuchtet hatte! Erst als der Abgeordnete Vogt aus Gießen von „Unterschlagung von Aktenstücken“ sprach, fand sich Herr Soiron zu dem Zugeständniß bewogen, daß er den Antrag zwar verlesen, aber weder zur Diskussion noch zur Abstimmung bringen werde.
Die Sitzung vom 8. zur Fortsetzung der Debatte beginnt. Der „edle Gagern“ hatte auch diesmal die Leitung der Verhandlung von sich abgewiesen, aber er nimmt den Platz des zweiten Präsidenten ein und der Statthalter Soiron präsidirt: gegen keinen von beiden, welche am Abend vorher an einer Parteisitzung sich betheiligt hatten, wo man den ganzen Schlachtplan gegen die Linke entworfen, wo der Ex-Fürst Lichnowsky den Antrag auf Ausschließung des Publikums gestellt, und wo Andere erklärt hatten, man müsse sofort durch den Ruf nach Schluß der Debatte alle Diskussion abschneiden, ‒ gegen Keinen von Beiden wird von der Linken ein Protest erhoben.
Herr Soiron verkündet zuerst zwei Anträge der Rechten gegen den Abgeordneten Brentano, und dann, aber erst als die Linke mit lautem Geschrei darauf besteht, auch den Antrag der Linken gegen die Excesse der Rechten. Dann beginnt er eine Erklärung verschämt vom Tisch abzulesen, wonach „in Erwägung daß der Abgeordnete Brentano durch seine gestrige Aeußerung einen deutschen Volksstamm (die Pommern ohne Zweifel) verletzt habe“, derselbe zur Ordnung gerufen werden soll. Diese Erklärung wird jedoch nicht zu Ende gelesen. Die Linke unterbricht ihn mit einem tobenden Sturm, woraus man den allgemeinen Ruf nach Diskussion vernimmt; die Gallerien jauchzen und lachen. In dem furchtbarsten Lärm tritt der Abgeordnete Schlöffel an die Tribüne und ruft dem Präsidenten Soiron zu: „Sie waren gestern Abend in einer Parteisitzung, wo Alles abgekartet wurde; Sie sind Partei-Präsident, Sie sind nicht werth diesen Platz einzunehmen!“ Der Präsident ruft ihn wüthend zur Ordnung; Schlöffel antwortet: „Ich habe Sie einen Partei-Präsidenten genannt, Ihr Ordnungsruf ist eine Lächerlichkeit!“ Unter dem allgemeinsten Toben wird die Sitzung auf eine Stunde ausgesetzt.
Liebliches Bild dieser würdevollen Versammlung, welche in Erinnerung an einen alten polnischen Reichstag die Polen ihrer Selbstständigkeit für unwürdig erklärt! Die Abgeordneten wogten in verschiedenen knäuelartigen Verschlingungen durch die Gänge; das Bureau schöpfte draußen Luft und berieth, was zu thun sei. Der Statthalter Soiron erzählte dem Herrn Biedermann aus Leipzig, daß er nachher die Gallerien räumen wolle, und der Professor der schönen Künste bot ihm begeistert seine Hülfe an; Herr Soiron erwiederte ihm indessen barsch, daß dies „nicht so selbstthätig“ gemeint gewesen, und daß man nöthigenfalls Bajonette requiriren müsse.
Endlich beginnt die Sitzung auf's Neue. Herr Soiron debütirt unter tiefem Schweigen mit den Worten: „M. H., Sie haben meinen Ordnungsruf gehört …“, als ihn ein neues furchtbares Getöse unterbricht. Die Linke erhebt sich in Masse, hundert Arme gestikuliren in der Luft. Man hört durch den allgemeinen Tumult nur einzelne Stimmen: „Sie haben den Ordnungsruf nicht ertheilt! Sie bedienen sich erbärmlicher Kunstgriffe! Wir verlangen Diskussion über den Ordnungsruf! Sie sind nicht fähig zum Präsidenten!“ Als einen Augenblick der Lärm schwächer wird, fährt Hr. Soiron fort, daß er den Abgeordneten Brentano allerdings zur Ordnung gerufen habe, eine Diskussion nicht gestatte und die ganze Sache für erledigt erkläre. Diese Worte rufen auf's Neue den tobendsten Sturm in der Versammlung hervor. Von der Linken schreit man: Diskussion! Unser parlamentarisches Recht verlangen wir, die Vertheidigung! Das Bureau des Präsidenten wird von Abgeordneten umlagert, die mit den Händen gegen ihn gestikuliren, und ihm unter Bezug auf die Berathung in der Sokratesloge mit lauter Heftigkeit Parteinahme und Unfähigkeit vorwerfen. Herr Soiron ruft Einen nach dem Andern mit Fußstampfen und Luftfechten zur Ordnung; jeder Ordnungsruf wird mit Halloh und jubelndem Gelächter aus der Versammlung und von den Gallerien begleitet. Unter fortdauerndem Lärm sucht dann der dankbare Gast der Sokratesloge die Beschwerde der Linken hinsichtlich der Thätlichkeiten gegen Brentano zu beseitigen.
„Ich muß die Erwartung aussprechen, daß sich solche Auftritte (!) nicht wiederholen. (!) Auch gerechten Zorn (!!) muß man bemeistern. (Heftiger Lärm von der Linken; Zischen und Geschrei von den Tribünen.) Eine Versammlung auf welche ganz Deutschland (?) erwartungsvoll (!) blickt.“
Di Linke drängt sich wieder stürmisch gegen die Tribüne und ruft durcheinander: „Ich habe um's Wort gebeten! Ich appellire gegen Ihre Parteilichkeit an die Versammlung! Hr. Soiron wischt sich den Schweiß von seiner fettglänzenden Stirn und schreit, ohne seinen „gerechten Zorn“ zu bemeistern: „Es giebt keine Appellation an die Versammlung; ich rufe Sie Alle zur Ordnung!“
Zuletzt gelingt es dem „edlen Gagern“, der bisher in stiller Gemüthsruhe die Ohnmacht seines Statthalters bewundert hat, von der Rednerbühne herab den Lärm in etwas zu beschwichtigen, indem er die Linke auffordert, ihre Anträge gegen den Präsidenten schriftlich einzubringen. Der Tumult erhebt sich indeß alsbald wieder auf's Neue, als Herr Soiron den Abgeordneten Brentano auffordert, seine gestern abgebrochene Rede über die Amnestiefrage zu vollenden, wenn er nicht das Wort an den nächsten Redner geben solle. Die Linke verlangt, daß zuerst die persönliche Angelegenheit in Betreff der gestrigen Exzesse verhandelt werde; der Abgeordnete Brentano besteigt die Tribune und wird von den Gallerien mit stürmischem Jauchzen begrüßt; die Rechte giebt das verabredete Signal und verlangt Entfernung des Publikums.
Herr Soiron wirft sein Haupt zurück. „Ich fordere die Ruhestörer auf, sich von den Gallerien zu entfernen.“ Die Versammlung lacht; auf den Gallerien rührt sich Niemand auf diese Bezeichnung. Herr Soiron wiederholt: „Wenn die Ruhestörer sich nicht entfernen, werde ich die ganze Gallerie räumen lassen!“ Vergebene, wohlwollende Warnung, die Schafe von den Böcken zu trennen. Die Gallerien bleiben regungslos wie zuvor, und Herr Soiron fordert nun nicht bloß oben die Gallerien, sondern auch unten die reservirten Tribünen der Damen, des diplomatischen Korps und die Journalisten zur Räumung des Saales auf. Der edle Gagern be- [Fortsetzung]
[Feuilleton]
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Leben und Thaten des berühmten Ritters Schnapphahnski.
(Fortsetzung.)
„Madrid, Du Licht von Spaniens Thalen,
In Deinen tausend Feldern strahlen
Viel tausend Augen, schwarz und blau.
Du weiße Stadt der Serenaden
Viel tausend kleine Füße baden
Sich Nachts in Deines Prado's Thau!“
So sang es einst „der lose Spötter“ Alfred de Musset und so hat es unser Freiligrath in's Deutsche hinübergedichtet. Seit ich dies zum ersten Male las, kann ich Madrid nicht nennen hören, ohne an ein paar tausend kleine, weiße Füße zu denken, die durch das grüne, thauige Gras hüpfen, bald sittsam verschwindend, bald lüstern wieder emportauchend und immer reizend verführerisch.
Es versteht sich von selbst, daß ich mir einbilde, alle schönen Frauen gingen barfuß in Spanien.
In das Land der tausend kleinen Füße, in das Land der spitzen Filzhüte, in das Land der spanischen Fliegen und der spanischen Erdbeeren, kurz, in das Land Spanien muß ich jetzt meine Leser führen, denn schon hat unser Ritter Schnapphahnski Berlin im Rücken, schon hat er Belgien und Frankreich passirt und schon steht er auf den Pyrenäen, um hinunterzuscharwenzeln in das Reich, wo jetzt der unschuldige König Paquo herrscht, der Niemanden etwas zu Leide thut, am wenigsten seiner ‒ Frau.
Man reist nicht billiger und nicht schneller als in Gedanken. Ohne Kostenaufwand und ohne Zeitverlust habe ich meine Leser nach Spanien gebracht. Meine Leser sind mir für diese rasche Beförderung aufrichtigen Dank schuldig. Wie würden sie sich gelangweilt haben, wenn sie von deutschen Eisenbahnen auf die französischen Postwägen und dann von den französischen Postwägen auf die spanischen Maulesel gekommen wären ‒ ja, meine Leser würden auf den Hund gekommen sein, wenn ich sie nicht vermöge meiner unendlichen Geschicklichkeit auf den Flügeln des Gedankens hinübergewiegt hätte in das Reich, wo außer Paquo auch jetzt die unschuldige Königin Isabella herrscht, die sich über Niemanden zu beklagen hat, ausgenommen über ihren Mann.
Paquo und Isabella, Isabella und Paquo, sie waren noch kein seliges Paar, als unser Schnapphahnski seine Reise antrat. Die unschuldige Isabella hatte damals den Hrn. Paquo noch nicht von seiner schwachen Seite her kennen gelernt; sie meinte nicht anders, als daß sie eben so glücklich sein würde wie ihre Mutter, die Frau Munoz, die wirklich mit allen Ehren zu ihren neun Kindern gekommen ist ‒ arme Isabella! armer Paquo! Sie saßen noch nicht auf dem Throne, denn noch ras'te der grause Don Carlos, der bleiche Aristokrat mit dem grimmigen Schnurrbart, durch Wälder und Auen, ein unerbittlicher Jäger auf der großen altspanischen Kronjagd. Don Carlos führte Krieg; er brauchte daher Soldaten. Konnte ihm etwas erwünschter sein, als daß sich eines Morgens schön wie ein Engel und keck wie der Teufel, im schwarzen Frack und in weißer Weste, und duftend nach allen Wohlgerüchen der Levante: Se. Hochgeboren der Ritter Schnapphahnski bei ihm präsentirte, um seine Dienste anzubieten? Don Carlos strich seinen grimmigen Schnurrbart und besah den deutschen Lanzknecht von oben bis unten. Der Ritter sah zwar aus, als ob er eben vom Friseur käme, aber: Kanonenfutter! Kanonenfutter! dachte der Spanier und es versteht sich von selbst, daß er Sr. Hochgeboren auch nicht das geringste Hinderniß in den Weg legte, sich bei der nächsten Bataille vor den Kopf schießen zu lassen.
Deutsche Lanzknechte waren tapfer zu allen Zeiten. Dieselben großen Lümmel, die zu Hause in Filzschuhen, in gestrickten Kamisölern und in baumwollenen Nachtmützen faul wie altgewordene Hunde und feige wie weibliche Hasen hinter den Oefen oder auf den Wirthshausbänken herumlungerten, sie haben sich im Auslande, für fremde Fürsten stets mit einer Gewissenhaftigkeit und mit einer Ausdauer geprügelt, die wirklich alle Gränzen übersteigt. Wer daheim ein Kaninchen war, er wurde draußen ein Tiger; die Träumer verwandelten sich in Raufbolde; die blonden, sentimentalen Schlingel: in Todtschläger; die sanften blassen Heinriche und Gottfriede in donnerwetternde Generäle und Feldwebel, die ihre Feinde so gemüthlich um's Leben brachten, wie sie seiner Zeit Korn mähten oder Spargel stachen.
Auf allen Schlachtfeldern aller Jahrhunderte haben sich Deutsche für ihren pünktlich ausbezahlten Sold auch pünktlich todtschlagen lassen. Mit ihren frommen, blauen Augen schauten sie so gutmüthig in die kohlschwarzen Schlünde der Kanonen, als sollten ihnen gebratene Tauben statt kopfdicker Kugeln daraus entgegenfliegen und wenn sie die Gewehre umdrehten und mit den Kolben dreinfegten, da schnitten sie keine schlimmern Grimassen als unsere Dorfschulmeister in Hessen oder in Nassau, wenn sie den Bauernjungens das Ein-mal-eins, oder das Christenthum einbläuen.
Gott weiß, wie Schnapphahnski sich in Spanien benahm! Da wir aber im Laufe unserer Erzählung in jedem Punkte streng bei der Wahrheit geblieben sind, so wollen wir auch hier gestehen, daß derselbe Mund, der die Abenteuer in Schlesien, Troppau und in Berlin erzählte, uns in Betreff der spanischen Fahrten die Versicherung gab, daß der edle Ritter, wider alles Erwarten, als sehr ritterlicher Lanzrecht dabei erschienen sei und den Ruhm unserer Tapferkeit im Auslande nicht im Geringsten in Frage gestellt habe. Mit dieser einfachen Erklärung mußten wir aber auch zufrieden sein, denn alle Details über die spanischen Erlebnisse unseres Ritters fehlen; zwischen Troppau und Spanien liegen die Pyrenäen und wohlmeinende Freunde unseres Helden waren nicht mehr im Stande, dem braunen Freiwilligen aus O. in Schlesien auf Schritt und Tritt zu folgen. Deutlicher wird erst die Historie des Ritters:
„Als Don Carlos fliehen mußte
Mit der ganzen Tafelrunde,
Und die meisten Paladine
Nach honettem Handwerk griffen ‒“
mit einem Worte, als der Krieg wieder zu Ende war und unser Odüsseus sich nach seiner Ballettänzerin zurücksehnte, die nach der [0376] Abreise ihres schönen Wasserpolaken zu einer wahren Tragödie hinabgetrauert war.
Man kann sich leicht denken, wie sehr der edle Ritter nach der Heimath verlangte, nach Berlin, wo man seiner so liebend gedachte, wo er so gut angeschrieben stand bei Zeus Kronion, bei den Offizieren der Garde, bei seinem Juwelier und bei seiner Tänzerin. Doch nicht unangefochten sollte er zu der letztern zurückkehren, denn sieh, die Enkelin Heinrich Heine's, die liebliche Tochter Atta Troll's, des Bären, verliebte sich in den göttergleichen Schnapphahnski, wie uns der Dichter selbst erzählt in seinem Werke, das bei Hoffmann und Campe erschienen, in Hamburg, im Jahre des Herrn 47.
In der Höhle, bei seinen Jungen, liegt nämlich Atta Troll, der Bär, und er schläft:
„Mit dem Schnarchen des Gerechten;
Endlich wacht er gähnend auf;
Neben ihm hockt Junker Einohr,
Und er kratzt sich an dem Kopfe
Wie ein Dichter, der den Reim sucht;
Auch scandirt er an den Tatzen.
Gleichfalls an des Vaters Seite,
Liegen träumend auf dem Rücken,
Unschuldrein, vierfüß'ge Liljen,
Atta Troll's geliebte Töchter. ‒
Ganz besonders scheint die Jüngste
Tiefbewegt. In ihrem Herzen
Fühlt sie schon ein sel'ges Jucken,
Ahndet sie die Macht Cupido's.
Ja, der Pfeil des kleinen Gottes
Ist ihr durch den Pelz gedrungen,
Als sie ihn erblickt ‒ o Himmel,
Den sie liebt, der ist ein Mensch!
Ist ein Mensch und heißt Schnapphahnski.“ ‒
Da haben wir's! Es geht nun einmal nicht anders; wir treffen den edlen Ritter immer bei der Liebe. Er verfolgt sie und sie verfolgt ihn. Von der Gräfin S. und der Gräfin O. gerieth er auf Carlotta; von Carlotta auf die Tänzerin; von der Tänzerin auf die Bärin! O, es ist kein Wunder, daß alle Berliner und Frankfurter Damen heut zu Tage in Herrn von Schnapphahnski vernarrt sind, da sogar einst eine Bärin vor dem prächtigen Barte des Ritters anbetend zusammensank.
O, diese Bärin hatte einen scharfen Blick, eine gute Schnauze! Sie schnüffelte es schon vor Jahren, sie roch es schon zu Don Carlos Zeiten, daß unser Ritter einst ein gewaltiger Redner, ein großer Staatsmann werden würde und schwärmerische Blicke richtete sie nach dem herrlichen Manne ‒ die zarte B[#]r[#]nl[#]ie. ‒ ‒
„Ist ein Mensch und heißt Schnapphahnski.
Auf der großen Retirade
Kam er ihr vorbeigelaufen
Eines Morgens im Gebirge.
Heldenunglück rührt die Weiber,
Und im Antlitz unsres Helden
Lag, wie immer, der Finanznoth
Blasse Wehmuth, düstre Sorge
Kann man sich wichtigere Aufschlüsse über die Rückkehr unseres Helden denken?
Auf der Retirade sehen wir ihn laufend im Gebirge. Wunderbarer Anblick! Aecht spanischer Landstraßendreck spritzte ihm hinauf in den unsterblichen Bart, seine Augen funkeln verdächtig, seine Kniee schlottern. Der kühne Ritter gle[#]ht durchaus dem Manne, der einst in O. in Schlesien vor dem Grafen S. ausriß, nach verlorener Liebesschlacht.
„Heldenunglück rührt die Weiber. ‒ Die Bärin seufzt vor Liebe, daß ihr die Schnauze zittert. Die Tochter Atta Troll's ist außer sich vor brennender Zuneigung ‒ doch nicht der landstraßendreckbespritzte Bart, nicht das funkelnde Auge, nicht das schlotternde Kniee ist es, was sie wimmern und schmachten läßt, nein, die Blässe des um bertroffenen Ritters rührt sie vor allen Dingen, ja, die Blässe, die interessante [#] ‒ kann es etwas bezeichnenderes geben?
Unsere Verwunderung erreicht indeß erst ihren Gipfel, als wir sogar die Natur dieser Blässe, den tiefern Grund dieser herzbethörenden Kouleure angegeben finden.
Bisher glaubten wir, der Ritter sei nur blaß aus Liebe, aus Furcht, aus Aerger, der Mode wegen ‒ aber wie irrten wir uns! es ist die Blässe der Finanznoth ‒ ein neues Licht geht über dem Leben Schnapphahnski's auf; der Ritter ist blaß vor Schulden ‒ armer Ritter!
„Seine ganze Kriegeskasse,
Zwei und zwanzig Silbergroschen,
Die er mitgebracht nach Spanien,
Ward die Beute Espartero's.“
So etwas ist hart ‒ zwei und zwanzig Silbergroschen ‒ das ist bitter!
„Nicht einmal die Uhr gerettet!
Blieb zurück zu Pampeluna
In dem Leihhaus. War ein Erbstück
Kostbar und von ächtem Silber.“
Das Schicksal unseres Helden wird immer lanzknechtartiger. Die Uhr der Familie Schnapphahnski im Leihhause von Pampeluna! das ist tragisch, das ist rührend. Das Nürenberger Ei, das vom Uhrgroßvater Schnapphahnski, von dem alten ehrwürdigen Wasserpolacken auf den galanten Sohn vererbt wurde: der galante, frivole Sohn hat dieses Erbstück versetzt im Leihhause von Pampeluna, vielleicht ohne einmal zu erröthen, ohne Herzklopfen, ohne schüchternes Hin- und Herschauen als er die Pforte des Lombard durchschritt und ohne verlegen zu stottern, als er dem Pfand-Kommissär sein Anliegen vortrug. „Wie viel Uhr haben Sie?“ fragte bisweilen ein Mauleseltreiber des Gebirges und mit Pathos erwiederte dann Se. Hochgeboren: „Bemühe er sich in das Leihhaus von Pampeluna, werther Freund, dort wird er ein Erbstück finden, kostbar und von ächtem Silber, dort wird er das Nürenberger Ei der Familie Schnapphahnski antreffen, das ihm Zeit und Stunde so genau verkünden wird wie jene berühmte Uhr des morgenländischen Kalifen, die einst Charlemagne zum Geschenk erhielt,
[Deutschland]
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@facs0376
[Fortsetzung] giebt sich mit zwei Adjutanten, dem Dulder Jucho und dem ehemaligen konfiscirten Buchhändler Biedermann, als Konstabler auf eine Seite der Gallerien und führt die Anwesenden einzeln an dem Rockkragen zur Thür hinaus. Der sinnige Patriot Hiobus Venedey winkt von unten den übrigen Gallerien zu, sich friedfertig zu entfernen, und erhält frivoles Grimassen zur Antwort. Die Journalisten fordern vergebens, bleiben zu durfen, und der französische Bevollmächtigte, der sich in gleichem Verlangen an den Präsidenten wendet, erhält von dem gemüthlichen Statthalter Soiron den Bescheid, daß es „Wurst“ sei, ob er Gesandter sei: Alles müsse hinaus. Als die Räume vollständig von Zuhörern geleert sind, wird die Paulskirche von Linientruppen und Bürgerwehr umstellt.
Der §. 14 der Geschäftsordnung gesteht dem Präsidenten das Recht zu, „im Falle von Ordnungsstörungen die Sitzungen zu suspendiren, einzelne Ruhestörer zu entfernen und äußersten Falles die Gallerie räumen zu lassen.“ Eine vertrauliche Sitzung muß nach §. 17 im Antrag von 50 Mitgliedern unterstützt und von 2/3 der Versammlung angenommen werden.
Das Ordnungsgeschäft der Majorität steht indeß höher als die Geschäftsordnung. Herr Robert Mohl deducirt, daß die Sitzung keine geheime sei, weil die „stenographischen Berichte“ (die bekanntlich von jedem Redner und den Präsidenten nach Gutdünken korrigirt werden können, und im vorliegenden Falle auch bereits die erbaulichsten Entstellungen zu Gunsten der Rechten aufweisen) später „publizirt“ würden. Der Präsident erklärt mit salbungsvoller Unparteilichkeit, daß er „gern den Willen der Mehrheit (Sokratesloge) erfüllen möge“, und läßt darüber abstimmen, ob sich die bekannte „Mehrheit“ an die Geschäftsordnung zu binden wünsche. Die geheime Sitzung geht unter dem Schutz der Bajonette fort. Die „Mehrheit“ beschließt alle Diskussion abzubrechen und sofort zur Abstimmung zu schreiten; Hr. Soiron versucht mehre Anträge, wie den vermittelnden des Herrn Uhland zu unterschlagen, die Linke verläßt den Saal, und die Amnestie wird mit 317 gegen 90 Stimmen verworfen, wobei sich mehrere Mitglieder des rechten Centrums (darunter sogar die beiden Gagern) der Abstimmung enthalten, weil auch die Fragestellung im Sinn der äußersten Rechten eskamotirt worden ist. Gegen die Amnestie stimmen von Rheinländern und Westphalen u. A. die wohlbekannten Herren Adams aus Koblenz, Arndt, Beckerath, Blömer, Böcking aus Trarbach, Bresgen, Bürgers aus Köln, Clemens, Compes aus Köln, Dahlmann, Deiters, Dieringer, Leue, Bischof Müller, Pagenstecher, Reichensperger, Stedtmann aus Koblenz, Werner aus Koblenz, Wiedermann; von Andern noch Hr. Behr aus Bamberg, ferner der „grobe Bettler Vater Jahn“, Herr Jakob Grimm, der als abgesetzter Professor von den Unterstützungen der „Liberalen“ lebte, der Dulder Jucho aus Frankfurt und der ci-devant jungdeutsche Verfolgte und Hofnarr des Fürsten Pückler: Heinrich Laube.
Dies war das Verfahren, mit welchem die Volksvertreter in Frankfurt die Anträge beseitigten, die politischen Verfolgungen der wiedererwachten Reaktion in allen deutschen Staaten von den Schultern des Volks zu nehmen.
Welche erhabenen Wirkungen aus kleinen Ursachen! Ein Abgeordneter stellt die gesegneten Kartätschen des Prinzen von Preußen den unheilvollen Sensen und Mistgabeln der badischen Republikaner gegenüber, und die Versammlung, in welcher kürzlich ein Minister, der weimarische Thersites Wydenbrugk, den König von Hannover einen Rebellen genannt hat, geräth plötzlich in Veitstänze. Ritter Vincke und Graf Wartensleben fordern den Abgeordneten in der Sitzung auf Pistolen, und unterschreiben überdies noch den Antrag auf Ordnungsruf gegen ihn; Herr Plathner und Herr Kerst aus Posen gehen zu Thätlichkeiten über; Ex-Fürst Lychnowsky ermannt sich am andern Tage zu einer Forderung auf Säbel; Herr Soiron holt sich am Abend in einer Parteisitzung Instruktion, die er in der Sitzung abliest; eine geheime Sitzung mit Militärmacht wird vorbereitet und die unbequeme Amnestiefrage im Dunkel rasch über's Knie gebrochen. Wer kann noch sagen, daß der Prinz von Preußen nicht der Rettungsanker der aus Professoren, rheinischen Ultramontanen, verkommenen Liberalen und pauklustigen Junkern bestehenden Majorität des ‒ deutschen Volkes sei? Herr Brentano erklärt in seiner Antwort gegen den Ordnungsruf von der Rednerbühne sogar, daß eine Partei in Potsdam den Prinzen von Preußen mit Beseitigung des Königs auf den Thron zu bringen suche, und wir können hinzufügen, daß diese Nachricht aus derselben Quelle kömmt, welche das geheime Lepel'sche Memoria in die Oeffentlichkeit brachte.
Die Rechte hat ihr „Uebergewicht“ gebraucht, um nach der Verabredung mit dem wackern Herrn Soiron der Linken eine demüthigende Züchtigung zu ertheilen; wir finden nichts Ueberraschendes darin. Die Linke hat allen Insolenzen ihrer Widersacher, allen Gewaltthätigkeiten des Herrn Soiron gegenüber keine andere Genugthuung erhalten, als daß die stenographischen Berichte verfälscht wurden; wir wundern uns eben so wenig darüber, wir kennen diese Linke, welche mit Ausnahme von Schlöffel, Schmidt aus Schlesien und zwei oder drei andern Männern, nur durch die Eitelkeit parlamentarischer Schwätzerei an diese Versammlung gefesselt wird und in einem demokratischen Konvent die äußerste Rechte ausfüllen würde. Steht nicht die Linke durch das Faktum ihrer Wahl „über“ dem Volk?
Wir rathen dem „edlen Gagern“ und seiner Rechten, eine Strafanstalt, ein Carcer u. dgl. zu votiren, um bei vorkommenden Fällen nach „Willen der Mehrheit“ auch die Linke durch die Konstabler Jucho, Biedermann, Soiron abführen zu können.
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[ * ] Köln, 12. Aug.
Die „demokratische Gesellschaft“ von Köln hat folgenden Protest bei der Nationalversammlung eingelegt:
Hohe Nationalversammlung!
Die demokratische Gesellschaft zu Köln, in Erwägung:
1. daß das im Freiheitskampf begriffene Deutschland andere Nationalitäten nicht unterdrücken, sondern in ihrem Streben nach Freiheit und Selbstständigkeit fördern will;
2. daß die Freiwerdung Polens eine Existenzfrage für Deutschland ist;
3. daß den Polen ihre Freiheit und nationale Selbstständigkeit von drei Despoten allerdings wiederholt geraubt;
4. daß seit 1792 alle Attentate gegen Polen und alle Theilungen desselben, von der Reaktion stets gegen die Freiheit von ganz Europa gerichtet und andererseits jedesmal, wenn eine Freimachung der Völker eintrat, auch auf Wiederherstellung Polens gedrungen worden;
5. daß selbst der Fünfziger-Ausschuß jeden Antheil an dem wider Polen abgegangenen Frevel im Namen des deutschen Volkes mit Entrüstung zurückgewiesen und die Pflicht des letzteren zur Herstellung eines selbstständigen Polens mitzuwirken, klar ausgesprochen;
6. daß sogar der König von Preußen nach der Märzrevolution, durch die öffentliche Meinung gezwungen, die Reorganisation Posens feierlich zugesagt;
7. daß demungeachtet die, freilich aus indirekten Wahlen hervorgegangene National-Versammlung zu Frankfurt in der Sitzung vom 27. Juli c. die Einverleibung von 3/4 des Großherzogthums Posen in das noch gar nicht existirende deutsche Reich beschlossen und sich dadurch einer neuen Theilung Polens und der nämlichen Verhöhnung der Freiheit, wie der Wiener Kongreß und der deutsche Bundestag, schuldig gemacht;
8. daß jedoch der gesunde Theil des deutschen Volkes an dem Zertreten der polnischen Nationalität zu Gunsten der Reaktion und im Interesse einer Anzahl preußischer Bureaukraten, Gutsbesitzer und Schacherseelen keinen Theil haben will und kann;
beschließt in ihrer heutigen Sitzung:
gegen den von der deutschen Nationalversammlung am 27. Juli c., bezüglich des Großherzogthums Posen gefaßten Beschluß feierlich zu protestiren und vor Deutschland, Polen und ganz Europa gegen diese lediglich zum Vortheil der reaktionären Partei in Preußen, Rußland und Oestreich beliebte Einverleibung hiermit energische Verwahrung einzulegen.
Die demokratische Gesellschaft. Im Auftrage:
Das Comité.
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@facs0376
[ * ] Köln, 12. August.
Die interessanten Beziehungen unserer Zeitung zu dem öffentlichen Ministerium nehmen noch immer ihren Fortgang. Gestern war wieder einer unserer Redakteure, Ernst Dronke, als Zeuge vor den Instruktionsrichter geladen. Eine eidliche Vernehmung fand nicht Statt, da eine Denunciation vorlag, daß Dronke am Abend nach der Verhaftung Anneke's bei dessen Frau gewesen und dort Notizen über die Verhaftung gesammelt habe. Auf die Frage des Zeugen, gegen wen die Anklage gerichtet sei, wurde die Bezeichnung „Marx und Genossen“ dahin erläutert, daß man den verantwortlichen Geranten Korff nur eventuell, den Redakteur en chef, Karl Marx, dagegen als muthmaßlichen Verfasser des inkriminirten Artikels zur Verantwortung zu ziehen wünsche. ‒ Dronke erklärte übrigens, daß er sich nicht verpflichtet halte, die Wahrheit zu sagen, da er als Redakteur möglicher Weise bei der Autorschaft des Artikels complizirt sein könne, und nicht gegen sich selbst Zeugniß ablege.
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@facs0376
[ X ] Krefeld, 9. August.
Am vergangenen Sonntage, den 6. August, hat unsere, in beiden Parlamenten auf der äußersten Rechten vertretene Stadt den Beweis geliefert, daß die Reaktion noch lange nicht den Boden gewonnen, von dem sie wirklich träumt, wenn sie die Leistungen ihrer Abgeordneten nach Berlin und Frankfurt, wenn sie in dem hiesigen sogenannten konstitutionellen Klub die patriotischen Bestrebungen der weiland Fortschrittsmänner überblickt: am vergangenen Sonntage wurde es klar, daß das demokratische Element in einer imposanten Bedeutsamkeit auch hier vom Volke vertreten ist, und daß die Reaktionäre weiter keine Frucht ihrer lichtscheuen Bemühungen geärntet, als daß sie durch ein ihrer würdiges Organ im Stande waren, die Bürgerwehr-Parade bei der Festfeier zu unterdrücken. ‒ Wenn wir unseres noch aus dem ancien regime herstammenden Stadtrathes nicht besonders erwähnen, so geschieht es deshalb, weil wir ihn nicht in der Eingangs aufgestellten Kategorie ausgeschlossen haben. ‒ Das Fest war in jeder Beziehung für unser Crefeld von großer Bedeutung, denn 1) haben wir gesehen, daß die bisher allmächtige Geldaristokratie die Zügel der Herrschaft verloren, daß 2) die politische Repräsentation der Stadt nur deßwegen einen so reaktionären Charakter zeigt, weil sie im Hinblick auf frühere Zeiten sich entweder durch den Phrasenschwall ihres Deputirten, oder die so wohlfeil erkaufte Märtyrerkrone unserer jetzt so zahmen Demokraten hat täuschen lassen; daß 3) die Bürger sich von ihrer Bedeutsamkeit überzeugt, und daß 4) die Männer erkannt werden konnten, welche unter Allen zuerst die Sache des Volkes und der Freiheit aus reinen Beweggründen verfochten haben. ‒ Unsere Aristokratie hat, irregeführt durch ihre erbärmliche Prozentenpolitik, dem Feste durch ihre Theilnahmlosigkeit einen rein konsessionellen Charakter gegeben, nicht ahnend daß sie dadurch für die Zukunft alle Bedeutung verloren haben muß, da der Census nicht mehr der Hebel geblieben, durch welchen unsere Bourgeois auf die Rathsbänke und ihre Kreaturen auf die Deputirtensitze gehoben wurden. Die Bürgerwehr konnte als willenloses Werkzeug der Bourgeoisie, und von einem ihrer würdigen Kommandanten, Herrn Schnarr vertreten, natürlich ein demokratisches Fest nicht mit feiern. Ihr Kommandant ein ehemals preuß. Lieutenant, dann (wie natürlich) Regierungssekretair, gegenwärtig Special-Direktor bei einer Privat-Eisenbahn, fand es bei diesen Qualitäten und bei seiner Stellung als Landwehrhauptmann nicht vereinbar durch Mitwirkung der Bürgerwehr ein Fest zu verherrlichen welches nach seiner patriotischen Gedankentiefe eine reine Demon, stration (!!?) gegen den preußischen Staat sei, und dann erst statt finden dürfte, wenn ihm nachgewiesen würde daß die Divergenzen zwischen der Vereinbarer-Versammlung und dem Parlamente glücklich beseitigt, und von oben her die allerhöchste Sanktion gekommen sei. ‒ Herr Schnarr hat mit dieser Erklärung sich an die Spitze der hiesigen Krämerwelt, von welcher er seiner Stellung nach abhängig ist, gestellt, und diesen Leuten aus der Seele gesprochen, weil sie vorgeben, daß in der Trikolore die Quelle aller Handels- und Industrie-Noth zu suchen sei.
Wie wir vernommen haben, soll Herr etc. Schnarr in einem Anfalle von Gewissensbissen beschlossen haben, sein Kommando niederzulegen; es wäre im Interesse der großen, der heiligen Sache zu wünschen daß dies sofort geschähe.
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[ !!! ] Frankfurt, 10. August.
58. Sitzung der National-Versammlung. Die Tagesordnung lautet:
1) Berathung des Ausschußberichts, (erstattet von Wiedenmann), über die Prüfung der in dem Wahlbezirke Thiengen in Baden stattgehabten Wahl zur deutschen Nationalversammlung.
2) Berathung des Ausschußberichts, (erstattet von Cucumus), Separatverhandlungen und Verträge deutscher Staaten mit Dänemark betreffend.
3) Berathung des Ausschußberichts, (erstattet von Mohl), die Störung der Dampfschifffahrt auf der Donau betreffend.
Soiron erklärt, er habe vorgestern erst dann die Räumung der Gallerien beordert, nachdem er von derselben herab verhöhnt worden wäre.
Zimmermann aus Spandau hat von dieser Verhöhnung sowie die ganze Linke nichts bemerkt. Uebrigens sei im Protokoll nicht bemerkt worden, daß Brentano thätlich beleidigt und gefordert worden. (Rechts Gelächter, Links Geschrei.)
Gagern: Die Beleidigungen seien nach der Sitzung gefallen und gehören nicht ins Protokoll.
Fürst Leiningen (Ministerpräsident) hält eine sehr bescheidene Antrittsrede. Freiheit, Einheit, Ruhm und Ehre Deutschlands hat er sich (wie gewöhnlich) zum Ziele genommen. Er bittet um Nachsicht. Er sei kein Mitglied der Versammlung, gewissermaßen ein Fremder, unternehme also ein großes Wagstück, besäße auch wenig Talent, aber ein deutsches Herz (natürlich Bravo)
Gagern bringt die Dombauangelegenheit abermals zur Sprache, da er neue Einladungsschreiben aus Köln bekommen hat. Nach kurzer Debatte wird beschlossen, daß das Bureau eine Kommission niedersetzt um über die Art und Weise der Theilnahme am Feste zu berathen. Aus Regensburg sind 2967 fl zur deutschen Flotte eingegangen.
Puttlitz und Pfitzer zeigen ihren Austritt aus der Versammlung an. Jetzt läßt Gagern eine Anklageschrift verlesen, worin in circa 8 Punkten dem Herrn v. Soiron nachgewiesen wird, daß er in der letzten Brentano'schen Angelegenheit mehrfache Verstöße gegen die Geschäftsordnung, Unterschlagung von Anträgen, Parteilichkeiten, sich hat zu Schulden kommen lassen, weßhalb die Unterzeichner der Schrift (fast die ganze Linke) darauf antragen, daß 1) die Nationalversammlung dem v. Soiron ihre Mißbilligung ausspreche; daß 2) das Produkt seines ungesetzlichen Verfahrens als null und nichtig angesehen, und daß 3) über die unterschlagenen Anträge ordnungsmäßig entschieden werde.
Gagern verlangt, daß diese Schrift an den Ausschuß der Geschäftsordnung verwiesen, jetzt augenblicklich nicht darüber diskutirt werde.
Soiron verlangt augenblickliche Diskussion und zeigt Löwenkraft zu seiner Vertheidigung.
Schaffrath ist für Verweisung an den Ausschuß, für Druck und gründliche Prüfung der Anklageschrift.
Vinke will über seinen und der 170 Abgeordneten gegen Brentano eingebenen Antrag sprechen. Da dies nicht an der Zeit, wird er von der Tribün gewiesen und behält sich das Wort für später vor.
Rödern für Verweisung an den Ausschuß und genaue Prüfung der Anklageschrift.
Vogt ebenfalls. Die etwaigen Vertheidiger des Hrn. v. Soiron müßten ja die Schrift genau lesen
Soiron vom Platz: Er hätte keine Vertheidigung nöthig.
Vogt: Da eine Anklage da sei, so handele er sich natürlich auch um eine Vertheidigung.
Wernher von Nierstein (pathetisch unter furchtbarem Gelächter): Ich appellire an Ihren Patriotismus (paukt auf die Tribüne). Was wird die Welt sagen, wenn sich die Nationalversammlung in Untersuchungen von Persönlichkeiten einläßt. Stimmt für den Mantel (der Vergessenheit. Links, nein! Gelächter, ab!)
Minister Heckscher spricht nicht als Minister, sondern als Abgeordneter. Rührt seine alte Angelegenheit mit Blum, die Aehnlichkeit mit der heutigen habe, auf. Erklärt sich im Allgemeinen gegen Gagern's Antrag.
Plathner (der Duellant) wünscht Untersuchung. Er wird auf's Bestimmteste (Gelächter) nachweisen, daß er Brentano nicht angepackt.
Wesendonk: Auf die Anträge von rechts, worauf Soiron's Ord-
[0377]
[Feuilleton]
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@facs0377
und die er hoffentlich nie so schmählich auf den Mont de piété getragen haben wird, wie ich die meinige, Sela!“
Armer Schnapphahnski! nicht mehr erfreut ihn in der Stille der Nacht die süße Musik seiner alten Gefährtin, das trauliche „Tick-Tack“ der Uhr, das einem daran erinnert, wie man doch noch nicht ganz unter die Füsse gekommen gekommen ist, daß man wenigstens noch etwas zu versetzen hat, daß man wenigstens noch ein lebendes Wesen hat das man sein nennen kann.
„Wo ist Ihre Uhr?“ “chez ma tante!” O es ist traurig, wenn man also antworten muß. Unwillkührlich greift man noch oft in die Westentasche, in die einsame Wohnung der geschiedenen Gefährtin: aber ach, diese Wohnung ist wüst und leer geworden. Die Stürme des Jahrhunderts sind durch sie hindurchgefahren, und wenn nun der Abend kommt und die Nacht und die Sterne emporziehen und die riesigen Schatten sich breiten über Berge und Thäler wie die Geister der Ossianischen Helden, und man die Unterhose auszieht um nach Bett zu gehen und den Uhrschlüssel ergreift um das althergebrachte Geschäft zu vollziehen, so pünktlich wie der Onkel Toby oder der Vater Tristrams ‒ ach, da schrickt man zurück, dann o, die alte Genossin:
„‒ blieb zurück zu Pampeluna
In dem Leihhaus. War ein Erbstück,
Kostbar und von echtem Silber.“
Heldenunglück rührt die Weiber ‒ die Tochter Atta Troll's möchte weinen, Seufzer entringen sich ihrem zottigen Busen, als sie die Blässe des fahrenden Ritters bemerkt; sie glaubt natürlich nur einen welthistorischen Schmerz zu sehen; die tragischen Züge des Heldenantlitzes scheinen ihr nur das Resultat jenes riesigen Grames zu sein, der einst auf den Zügen Priamus lag, oder in Deinem Antlitz, Du herrlicher Dulder Odusseus ‒ denn O, die treffliche Bärin, die vierfüßige Lilie der Pyrenäen, sie ist zu arglos, zu unerfahren, um daran zu denken, daß ein Herr von Schnapphahnski in der trivialen Wehmuth der Finanznoth stecken könnte, im Kummer um seine Uhr, von echtem Silber, zurückgelassen im Leihhause von Pampeluna.
(Fortsetzung folgt.)
[Deutschland]
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@facs0377
nungsruf erfolgte, ist eingegangen. Auf den Antrag der Linken nicht. Will augenblickliche Diskussion. Dem Ausschuß den Antrag übergeben heißt ihn unter den Tisch werfen.
Soiron: Noch einmal gleich Untersuchung
Graf Schwerin will Tagesordnung und Uebertragung an den Ausschuß. (Schluß.)
Scheller: Man solle im Namen des Friedens dem Antrage keine weitern Folgen geben.
Nachdem noch Welcker, Gagern, Lychnowsky, Schaffrath, Vinke, Cell, Simon von Trier, Wernher (der Deklamator), Schwerin, Nauwerk, Jordan, Soiron sich über die Fragestellung, wie sie betreffs dieser Anklageschrift der Nationalversammlung jetzt vorzulegen sei, gestritten haben, entschließt sich endlich Gagern folgendermaßen zu fragen: „Will die Nationalversammlung daß wegen Dringlichkeit sofort zur Berathung dieser Angelegenheit übergegangen werde?“ Antwort: „Nein!“ Also geht sie erst zur Begutachtung an den Geschäftsordnungsausschuß.
Lindenau: Bei Berathung über diese Sache sollten zu dem Geschäftsordnungsausschuß noch andere Mitglieder zugelassen werden.
Gagern: Ob die Versammlung dies will? Ja!
Vinke will keinen Zankapfel in die Versammlung schleudern; nimmt, (auf einmal sanftmüthig) wie er glaubt im Sinne der 170, seinen Antrag von vorgestern zurück.
Löwe aus Magdeburg: Vinke's Friedensanträge kommen zu spät. Vorgestern war Zeit dazu. Durch jenen abscheulichen Auftritt ist tödtlicher Haß in die Parteien geworfen. Spricht vom Terrorismus der Majorität. Protestirt (als Preuße) feierlich dagegen, daß das preußische Volk durch Brentano's Aeußerung beleidigt. Der Prinz von Preußen ist keine exceptionelle Person mehr, er ist ein einfacher Staatsbürger; die Beleidigung desselben, wenn es überhaupt eine Beleidigung gewesen wäre, ist keineswegs eine Ehrenkränkung des preußischen Volks. (Lautes Bravo.)
Gagern: Es bleibt dabei, daß über Vinke's jetzige Erklärung zur Tagesordnung übergegangen wird. (Bravo!) Ueber dieselbe wird der Ausschuß mit zu entscheiden haben. Er ersucht den Vicepräsidenten v. Hermann weiter zu präsidiren.
Soiron (mit zerschmetterter Stimme) bittet noch Jordan zu einem Antrage das Wort zu geben, den derselbe bei ihm, in der Meinung er sei der heute Präsidirende, eingebracht habe.
Jordan aus Berlin beantragt über Hecker's Angelegenheit gleich abzustimmen, weil mit der Diskussion und Abstimmung über die Amnestie bereits mittelbar über die Hecker'sche Angelegenheit mitentschieden sei.
Schaffrath: Die Frage über Amnestie und diese Wahlfrage sind ganz verschieden.
Präsident v. Hermann: Ob Jordan's Antrag unterstützt? (Wird von rechts unterstützt.)
Eisenmann: Es handle sich ja nicht um Hecker allein, sondern auch um eine neue Wahl.
Wydenbrugk: Jordan's Antrag sei weiter nichts als ein Amendement zu den Ausschußanträgen in der Hecker'schen Frage und sei später bei diesen mit zu erwähnen.
Tagesordnung.
Die Ausschußanträge, sowie die verschiedenen Amendements in der Heckerschen Wahlangelegenheit werden nun verlesen. Mohr und Simon aus Trier stellen neue Amendements: Hecker's Wahl formell und materiell zu billigen Jordan aus Berlin taucht mit seinem Antrag noch einmal auf und findet keine Unterstützung.
Der Berichterstatter Wiedenmann (der neue und der Staatssekretär) spricht in seiner gewöhnlichen Art und Weise über die Ausschußanträge).
v. Itzstein beweist, daß Hecker weiter nichts gesündigt hat als die Nationalversammlung selber. Er meint zum Schluß, man würde dem Volke eine große Beruhigung verschaffen, wenn man Hecker in die Nationalversammlung eintreten ließe. Bei seinem Abtritt (leises Bravo links; die Gallerien eingeschüchtert von vorgestern, enthalten sich der Akklamation; einige Gallerien sind sogar ganz abgerissen).
Plathner (der Pistolenschütze). Ob Hecker Hochverräther oder nicht, wird die Geschichte entscheiden; ich halte mich nur daran, daß er, mit der Nationalversammlung im Widerspruch, die Republik will. (Der Oberlandsgerichts-Assessor Plathner accentuirt jedes seiner Worte so nachdrücklich wie ein Schulmeister die Ermahnungen, die er seinem Scholar giebt, indem er ihm dabei auf die Finger klopft). Diese Accentuation erregt große Heiterkeit. Der Wahlkreis von Thingen meint Plathner, sei nicht souverän. Wir sind allerdings hier in Folge der Revolution, Hecker aber ist kein Revolutionär, sondern ein Rebeller. Ihr Entschluß über ihn wird entscheiden, ob der Kampf der Zukunft der deutschen Nation hier in der Paulskirche mit dem Wort (nach Plathner mit dem Prügel) oder draußen mit dem Schwert ausgemacht werden soll.
Wiesner aus Oesterreich. Friedrich Hecker ist durch seine Wahl freigesprochen. Dieser Wahl haben Millionen andre Deutsche (auch Nicht-Badener) ihr Echo zugejauchzt. Ich muß den Wählern von Thingen vor den Augen der Vertreter der deutschen Nation meine Achtung zu erkennen geben. (Bravo und Zischen). Die Polizei hat ihn geächtet, das Volk ihn auf den Schild erhoben. Wenn Heckers That Hochverrath, mußten die neusten Barrikaden Wiens auch das Produkt des Hochverraths sein. Diese wurden gebaut auch als die Nationalversammlung schon tagte. Haben Sie den Muth, die Wiener und Oesterreicher Hochverräther zu nennen. (Links Ei bewahre!) Dagegen protestire ich. (Bravo). Hecker hat übrigens erklärt zu keinen gewaltsamen Mitteln mehr greifen zu wollen, deshalb dürfen wir ihn nicht ausschließen, denn sonst entziehen wir ihm die gesetzlichen Mittel zur Verfolgung seiner Ideen und rufen sein Martyrerthum hervor. Die Sympathien für Hecker sind in Baden und anderwärts jetzt gewachsen, auch bei uns in Oesterreich. (Rechts Oho! links bravo). In der Wiener Reichsversammlung sitzen viele sogenannte Hochverräther.
v. Rappard und Compes verzichten auf's Wort.
Simson (aus Königsberg!) Gegen Heckers Zulassung. Sehr wenig Talent gehöre dazu die Anträge des Ausschusses zu bekräftigen. Die Kompetenz der Versammlung in dieser Sache ist selbst von Hecker unbestritten. Wir sitzen hier nicht als Gerichtshof, wir brauchen nur unsre moralische Ueberzeugung. Heckers Unternehmen war nicht bloß gegen Baden, sondern gegen ganz Deutschland gerichtet. Wenn er sich auch den Eintritt in alle Ruhmeshallen gebahnt hätte, den Eintritt in diese Versammlung hat er sich verwehrt. Wir sind freilich aus der Revolution hervorgegangen, aber unsre Verfahrungsart ist von der Heilmethode Heckers sehr verschieden. Wenn die Versammlung den Hecker aufnimmt, stellt sie sich auf den Standpunkt des badischen Oberlandes. Hiezu (der Redner spricht mit unendlichem Nachdruck) bedürfen wir des Muthes des Selbstmörders. (Rechts sehr brav). Ich kann es nicht ohne Wehmuth denken, daß Hecker sich selbst ausgeschlossen.
Aber er hat den Boden des Vaterlandes mit Blut getränkt. (Murren, der Redner schlägt fortwährend kräftig auf die Tribüne, was den Eindruck seiner Rede schwächt).
Vogt hat das sonderbare Geschick gegen drei preußische Redner, Plathner, Simson, Wiedenmann, sprechen zu müssen, man möge dies nicht auch als Beleidigung des deutschen Volkes ansehen. (Freudiges lautes Bravo). Hr. Welker hat gesagt, das Verlangen Fiklers und Struves, im badenschen Volk über Republik oder nicht Republik abstimmen zu lassen, sei ein abgeschmaktes genannt. Diese Abgeschmacktheit allein ist das Mittel ohne Blut über den Willen des Volkes klar zu werden. Beispiel: der Kanton Bern. ‒ Der Ausschuß hat so sehr auf die Notorietät der Verbrechen Heckers hingewiesen. Im Polizeistaat war alles notorisch. Wir sollen den Polizeistaat mit Füßen treten, den Rechtsstaat gründen. Dieser verlangt Urtheil und Beweise. ‒ Daß Hecker Hochverräther ist nirgendwie nachgewiesen; er nirgends verurtheilt. Wenn sie ihn verurtheilen, usurpiren sie das Recht der Jury. Wenn nun Hecker später freigesprochen werden sollte? (Arndt mit kindischer Gestikulation vom Platz: Das ist nicht möglich!) Dieser Weg einen Deputirten wegen materieller Unfähigkeit auszuschließen führt zu unseligen Konsequenzen. Sie werden so mit der Zeit uns alle ausschließen, die der Majorität nicht beipflichten. (Bravo).
In keinem Wahlgesetz steht etwas über materielle Ausschließungsgründe. ‒ Das Verlangen der badenschen Regierung, die Wähler Heckers als Hochverräther zu erklären, ist monströs! ‒ Also durch einen Stimmzettel kann man Hochverräther werden. Das ist also die regenerirte badensche Regierung? Vogt frägt den Präsidenten, ob nicht Uhl (der von der Minorität im Thiengenschen Wahlkreis Gewählte) gestern mit einer Legitimation der badenschen Regierung im Sack, hier gewesen, und in die Nationalversammlung habe anstatt Heckers treten wollen?
Gagern (sehr erbost) [denn Uhl ist sein Privatfreund]. Hr. Uhl ist nicht hier gewesen und hat nichts im Sacke gehabt.
Sachs aus Mannheim schreit von links her: „es ist doch wahr, er hat mir seine Legitimation gezeigt.“
Gagern wird wüthend. Sachs wiederholt seine Behauptung. Vogt fährt fort. Daß Hecker einen neuen Einfall beabsichtigt, ist nicht wahr; er hat überhaupt keinen Einfall gemacht, sondern nur einen Aufstand. (Gelächter). Beantragt: „Ueber die betreffende Erklärung der badenschen Regierung und die verschiedenen Petitionen im entgegengesetzten Sinne zur Tagesordnung überzugehen, und der badenschen Regierung zu überlassen, von der Nationalversammlung Ermächtigung zum Verfolg des Heckerschen Prozesses zu verlangen.“ (Bravo).
Präsident Hermann verliest eine eben abgegebene Erklärung des Abg. Sachs aus Mannheim auf Ehrenwort, daß ihm Uhl persönlich eine Legitimationsurkunde der badenschen Regierung zum Eintritt in die Nationalversammlung vorgewiesen habe.
v. Gagern (halb weinend) will davon nichts wissen. Uhl hätte ihm gesagt, er würde eine Minoritätswahl nie annehmen.
Vogt. Er hätte vorhin dies nicht behauptet, sondern eben, weil er zweifelhaft gewesen, den Präsidenten v. Gagern darum befragt. (Bravo. Schluß. Schluß!)
Sachs von Mannheim. Die badensche Regierung hat aber doch diese Legitimation ausgestellt.
Gagern. Ob Vogt, Uhl habe persönlich angreifen wollen?
Vogt. Dies sei ihm gar nicht eingefallen, er kenne den Uhl gar nicht.
Die Debatte wird geschlossen. Nachdem Lichnowsky und Schaffrath namentliche Abstimmung beantragt haben, spricht der Berichterstatter von Wiedenmann und bekämpft sehr schwach die Angriffe Vogt's auf den Ausschußbericht. Hierauf werden die Anträge und Amendements verlesen und nach der üblichen Debatte, wie gewöhnlich zuerst über den Ausschußantrag abgestimmt.
Das Resultat dieser Abstimmung habe ich gestern schon mitgetheilt.
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@facs0377
Frankfurt, 11. August.
In der heutigen 59. Sitzung beschloß die verfassunggebende Reichsversammlung, daß ihrem Präsidenten ein Gehalt von 2000 fl. monatlich, vom Tage der stattgefundenen Wahl an, auszuzahlen sey und es dem Präsidenten nicht zustehen soll, auf diesen Gehalt zu verzichten. An der Tagesordnung war die Berathung über den Bericht des völkerrechtlichen Ausschusses, Separatverhandlungen deutscher Staaten mit Dänemark und die Entschädigung für die Wegnahme deutscher Schiffe betreffend. Die Versammlung beschließt zur Tagesordnung überzugehen. Deßgleichen über die andern Anträge wegen Einleitung gemeinschaftlicher Maßregeln gegen Dänemark, wegen der von früherher bestehenden Verträge deutscher Staaten mit Dänemark, wegen des Sundzolls, der Entschädigung für das Embargo unter Verweisung der Anträge etc. an die Centralgewalt. Ferner beschloß die Versammlung die Petition der Dampfschifffahrt zu Ulm um Schutz gegen gewaltsame Eingriffe der Centralgewalt zu überweisen.
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@facs0377
[ 15 ] Berlin, 10. Aug.
Während hier kein Tag vergeht, wo nicht zahlreiche Verhaftungen vorfallen, setzt der liberale Senat einen Studenten in die freie Luft ‒ er relegirt. Mit Erstaunen las ich heute an dem schwarzen Brett der Universität folgenden Anschlag, den ich hiermit aus der lateinischen Urschrift in's Deutsche übertrage: „Rektor und Senat Königl. Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin. Sintemal Du, Heinr. Phil. Chr. Langfeldt aus Mecklenburg-Schwerin, stud. phil., als bei Gelegenheit der dem Stifter dieser Anstalt gewidmeten akademischen Feierlichkeiten eine preußische Fahne zwischen den beiden deutschen auf dem Balkon der Universität öffentlich aufgesteckt wurde, durch ausgestoßene Schmähungen die Würde jener Fahne zu verringern, und durch aufrührerische Reden zur Herunterreißung derselben aufzureizen gewagt und zugleich im Haufen Geld ausgetheilt hast, so verbannen wir dich Heinr. Christ. Langfeldt, der Du jenes aufrührerischen (factiosi) Unternehmens und der frechen (superbiter) Verachtung des Ansehens der Obrigkeiten angeklagt und überführt bist, von dieser Universität, und theilen diesen Beschluß den verbündeten Universitäten nach gewöhnter Sitte mit. Berlin, 10. August 1848. Joh. Müller, derzeit Rektor.“ ‒ Lassen Sie mich berichten, was eigentlich der grause Verbrecher begangen hat, oder vielmehr was ihm eigentlich angeschuldigt wird. Es war am 3. August. Einige Mitglieder des Senats standen am Balkon der Universität, vor welche die famose schwarzweiße Fahne eine große Menschenmenge herangelockt hatte. Da kam ein Unterbeamter der Universität eiligst zu den Herren des Senats mit der in obigem Aktenstück bezeichneten Meldung; er habe gehört, wie der Langfeldt die Aeußerung gethan: „Runter mit dem Dreck!“ gesehen und wie er in der Menge Geld ausgetheilt. Gestern früh wird der Angeklagte vor das Universitätsgericht geladen, der Denunciant beschwört seine Aussage, Entlastungszeugen werden nicht zugelassen; der Verklagte wird verurtheilt, der Pedell begleitet ihn nach Haus, läßt ihn dort seine Sachen einpacken und führt ihn dann nach dem Carcer, von wo er, nachdem er die Nacht über daselbst verweilt, abermals vom Pedell geleitet, nach der Eisenbahn hinausgeschafft wird.
Ueber ein anderes Dokument unseres hochweisen Rathes muß ich Ihnen ein Längeres berichten, da sich noch einige andere interessante Thatsachen daran knüpfen. Das Aktenstück selbst ist seit gestern an das schwarze Brett angeschlagen und lautet wie folgt: „Es ist zur Kenntniß der Universitätsbehörde gekommen, daß eine Fraktion der Studierenden unter dem allgemeinen Namen der Studentenschaft öffentlich auftritt und Beschlüsse zu fassen unternimmt, wodurch auch die Nichttheilnehmenden gebunden sein sollen. Hierin liegt eine Anmaßung, welche die Freiheit, Ueberzeugungen und Rechte jedes Einzelnen, so wie der gesammten Universität verletzt. Rektor und Senat erklären daher, daß gegen diejenigen, welche sich an der dergleichen Usurpationen betheiligen, disciplinarisch eingeschritten werden wird.“
Daß dies Dokument in der Studentenschaft die tiefste Entrüstung hervorrufen mußte, ist klar. Sofort wurde an Müller eine Deputation gesandt, welche demselben vorerst einige faktische Irrthümer in seiner Bekanntmachung nachwies. Es wurde ihm gezeigt, daß in den rein formellen Statuten der Berliner Studentenschaft allerdings früher ein Paragraph existirt habe, wonach bei Beschlüssen der Majorität kein Protest der Minorität zulässig sei; daß aber, da diese Stelle Anlaß zu der irrigen Meinung geben konnte, als solle dadurch jeder einzelne Student an die Beschlüsse der Allgemeinen Studentenschaft gebunden sein, dieselbe jenen Paragraphen bereits vor anderthalb Wochen gestrichen habe. Wenn also der hochweise Senat irgend ein Gesetz oder Verbot erlassen wolle, so möge er in Zukunft sich zuvor etwas genauer über die Verhältnisse unterrichten. Der Rektor erwiderte, das habe er allerdings nicht gewußt, aber trotzdem könne er das Bestehen einer allgemeinen Studentenschaft nicht dulden, und eben so wenig die vor der Universität aufgestellte schwarze Tafel, welche von den vorübergehenden höhern Beamten sehr mißfällig wahrgenommen sei. Im Uebrigen sei der Paragraph in den Statuten ein ungesetzlicher, wonach auch fremden Studirenden bei der Studentenversammlung der Zutritt gestattet werde. ‒ Morgen wird das Comité der hiesigen Buchdruckergehülfen, welche bis zur Erledigung der Mainzer Beschlüsse feiern, verhaftet werden, an der Spitze Hr. Born, einer der Hauptleiter der ganzen Bewegung. Man wendet nämlich gegen die Herren den (wenn ich nicht irre) § 183 der Gewerbeordnung an, wonach diejenigen, welche Gehülfen dazu verführen ihre Arbeit einzustellen, um höhern Lohn zu erwerben, mit einjähriger Gefängnißstrafe belegt werden sollen. Denunciant ist der Buchdruckereibesitzer Hänel. Nach all diesem gewinnt es den Anschein, als ob die freilich noch spärlich verbreiteten Gerüchte von der Möglichkeit einer hereinbrechenden Reaktion nicht ganz unbegründet wären.
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@facs0377
[ 119 ] Berlin, 10. Aug.
In Folge der Schritte des Senats beschloß eine Versammlung der „allgemeinen Studentenschaft“ heute Nachmittag, während der Ferien die „allgemeine Studentenschaft“ und somit auch den Ausschuß derselben zu suspendiren, und in Folge dessen auch das schwarze Brett wegzunehmen, ehe noch der formelle Befehl hierzu von dem Senat ankäme, diese Schritte auch in den Zeitungen zu rechtfertigen, und die bezüglichen Erklärungen zu unterzeichnen: „die bisher so genannte allgemeine Studentenschaft.“
Somit ist also auch aus der Studentenschaft faktisch jedes Ueberbleibsel der „glorreichen Märzrevolution“ sorgfältig hinweggeräumt. Indessen tadeln wir den Beschluß der Studenten nicht, weil er, wenn auch nicht heorisch, doch klug ist, indem er den Feind zwingt, die Schlacht da zu schlagen, wo er nicht will ‒ im neuen Semester. Zwar macht uns die spießbürgerliche National-Zeitung von Zeit zu Zeit Hoffnung, daß die Universität geschlossen werden würde, doch ist ihre Absicht bei diesen Nachrichten zu leicht erkenntlich, als daß man ihnen glauben sollte.
So eben ist an den Straßenecken ein Plakat angeschlagen, gedruckt in der Deckerschen amtlichen geheimen Ober-Hof-Buchdruckerei, in welchem ein in Charlottenburg liegendes Regiment die Soldaten auffordert, sich in diesen Tagen zu versammeln, um eine Petition zu berathen, daß der Prinz von Preußen an die Spitze der Armee (welcher, ob der preußischen oder deutschen?) gestellt werde.
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@facs0377
[ 103 ] Berlin, 10. Aug.
Der hiesigen Kaufmannschaft ist heute ein Promemoria aus dem Finanz- und Handelsministerium mitgetheilt worden, welches ausführliche Mittheilungen macht über die, von der französischen Regierung durch eine Verordnung vom 10. Juli, bewilligte Erhöhung von 50 pCt. der bereits bestandenen Ausfuhrprämien und Rückzölle für französische Fabrikate und über die außerdem festgesetzte neue Ausfuhrprämie von 41/2 pCt. des Fabrikwerthes aller Gewebe von Seide und Floretseide; Gewebe und Garne von Flachs und Hanf. Die Minister schlagen als Retorsionsmaßregel gegen Frankreich eine angemessene Erhöhung der Einfuhrzölle auf französische Fabrikate vor, damit die von Frankreich jetzt mehr gezahlten Ausfuhrprämien in die Zollvereinskassen fließen, die Steuereinnahmen hier vermehrt werden, ohne daß die betreffenden Waaren im Preise steigen. Die Minister ersuchen die Kaufmannschaft um ihr Gutachten.
Im Verlage der Deckerschen Geheimen Ober-Hof-Buchdruckerei erschien dieser Tage eine Schrift unter dem Titel: „An das preußische Volk und dessen Vertreter: gegen den Eid des Heeres auf die Verfassung,“ von einem pseudonymen Verfasser und wie sich aus der Schrift ergibt, einem preußischen Offizier. In derselben heißt es:
„Erlasset uns diesen Eid, die Verfassung nach eigenem Ermessen zu beschützen, wobei ein Jeder seine eigene Auslegung mitbringt; erlasset insbesondere dem jungen Soldaten einen Eid, der ihn in Zweifel verwickeln und zum leichten Raube der Verführung machen, mit einem Worte unsere schöne Armee demoralisiren würde.
Seht auf England, dessen Heer musterhaft dasteht, ohne auf die Verfassung vereidigt zu sein, dessen Volk sich dennoch nicht vor seiner eigenen Armee fürchtet, weil das Gesetz dort in jedes Bürgers Brust seinen Schutz findet, weil dort ein Constabler nur zu winken braucht, um Tausende zu seinem und der Gesetze Schutz in die Schranken zu rufen.
Nun denn, so zwingt uns nicht zu einer Komödie, wo es Ernst gilt! Verschont uns mit dem Eide auf die Verfassung; sie wird durch unsere Schuld wahrlich nie verletzt werden, dafür bürgt Euch die Disziplin (!) und die Volksthümlichkeit (!) Eures Heeres; und wird sie von Andern verletzt, so zieht doch diese Andern durch Eure Vertreter und Eure frei gewordene Presse zur Verantwortung; erlaßt uns diese Komödie, die für uns unschuldigerweise tragisch werden muß! Unser Fahneneid würde die Hälfte seines Werthes verlieren. Wehrt diesen zweiten Eid ab, damit die Komödie nicht noch weiter gespielt und uns am Ende zugemuthet werde, dem Reichsverweser später einmal den dritten und auf die Reichsverfassung den vierten Eid zu schwören, wo dann der heilige Eid vollends zum Spielwerk und die Armee zu einem Taubenhause aller möglichen Klubs herabgewürdigt werden würde.
Wir möchten denen, die diesen Eid verlangen und ‒ es näm- [Fortsetzung]
[0378]
[Anzeigen]
@typejAn
@facs0378
Bekanntmachung.
Die zwischen Köln und Krefeld bestehende tägliche Personenpost erhält vom 15. August c. ab, folgenden Gang: aus Krefeld täglich des Mittags 1 Uhr,
aus Köln täglich des Abends 7 Uhr.
Die Strecke zwischen Köln und Krefeld wird in 5 Stunden 35 bis 40 Minuten zurückgelegt.
Außer dieser Post wird vom nämlichen Tage an, eine tägliche Personenpost zwischen Köln und Neuß angelegt, welche aus Neuß des Morgens im Sommer um 51/2 Uhr,
aus Neuß des Morgens im Winter um 6 Uhr,
aus Köln des Morgens um 7 Uhr abfährt.
Die Strecke zwischen Köln und Neuß wird in 3 Stunden 15 Minuten zurückgelegt.
Auf beiden Posten beträgt das Personengeld nebst 30 Pfd. Freigewicht an Gepäck, pro Person und Meile 5 Sgr.
Köln, den 10. August 1848.
Der Ober-Post-Direktor, Rehfeld.
@typejAn
@facs0378
Bekanntmachung.
Vom 15. d. M. ab werden zwischen dem Ober-Post-Amtslokale und dem Bonner Eisenbahnhofe einspännige Wagen eingestellt, mit denen keine Personen-Beförderung Statt findet.
Köln, 9. August 1848.
Der Ober-Post-Direktor, Rehfeldt.
@typejAn
@facs0378
Die Abfertigung der Güter, welche von dem Köln-Mindener Eisenbahnhofe zu Lande in den hiesigen Freihafen gebracht werden, wird von morgen an auf der Hausflur des Hafen-Kommissariatsgebäudes Statt finden. Alle Bestimmungen der Hafenordnung vom 22. Aug. 1844 sind auch für diese Benutzung des Hafens gültig, jedoch ist der Gesammtbetrag der Krahnen-, Waage- und Werftgebühren auf 3 Centimen vom Zollcentner ermäßigt worden. Die Deklarationen über die Niederlegung und die Abfolgebriefchen über den Bezug der Waaren sind an den mit der Ermittelung der letztern beauftragten Verwalter im Mühlengassenlager Herrn Pannes abzugeben.
Köln, den 9. August 1848.
Der Hafen-Kommissar, J. Rennen.
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Verpachtung der Ackerländereien zum Gute Zuckerberg gehörig.
Am Samstag, den 19. d. M., Nachmittags 3 Uhr, läßt der Unterzeichnete in dem Hause des Gastwirthes Volk zu Nippes, die zu der vorgedachten Besitzung gehörigen Acker- und Pflanzländereien, zum Theil in der Gemeinde Wichl, zum Theil dicht beim Garten des Gutes, zum Theil am Nippes und im Riehterfelde gelegen, zusammen 50 Morgen umfassend, auf sechs nacheinanderfolgende Jahre verpachten.
Dübyen.
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Der Gemüsegarten zum Gute Zuckerberg am Thürmchen gehörig, soll an eine kleine solide Gärtnerfamilie unter der Hand auf annehmbare Bedingungen verpachtet werden.
Es werden dem Garten beigegeben: eine geräumige Wohnung, Pferde-, Kuh- und Schweineställe und eine große Scheune. Das Nähere bei dem Unterzeichneten.
Dübyen.
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Verschiedene Kapitalien sind auf gute ländliche Hypotheken disponibel bei Dübyen, Notar.
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Am 18. und 19. August d. J. wird auf Anstehen der Zülpicher Kirchenverwaltung der Mobilarnachlaß des zu Bessenich bei Zülpich verlebten Geistlichen Herrn Scheper versteigert; am ersten Tage die Bibliothek, welche von Bedeutung, meist theologischen, geschichtlichen und belletristischen Inhalts, demnach die Kupferstiche, Möbel ‒ gut gehalten ‒ u. s. w. Anfang Morgens 9 Uhr im Bessenicher Vikariehause.
Zülpich den 3. August 1848.
Pfahl, Notar.
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Großes Schützenfest des Junggesellen-Schützenvereins in Deutz.
Sonntag, den 20. d. Mts., wird das große Junggesellen-Vogelschießen in Deutz gefeiert.
Diejenigen Junggesellen, sowohl Einheimische wie Auswärtige, welche sich noch daran betheiligen wollen, sind höflichst eingeladen, sich bei dem Brudermeister Herrn Joh. Kaebe, Siegburgerstraße Nro. 203 E, oder in unserer General-Versammlung am Sonntag, den 13. d. M., von Nachmittags 3 bis 6 Uhr, im gelben Saale der Mailust zu melden.
Das Festprogramm lassen wir später folgen.
Für gute Restauration ist bestens gesorgt, dieselbe hat sowohl bei dem Vogelschießen wie auf unsern Schützenbällen und sonstigen Festlichkeiten der Herr Kost aus der Mailust übernommen.
Der Vorstand.
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Erinnerungs-Medaille für die Tage der sechsten Säkularfeier der Grundsteinlegung des Kölner Domes.
Unterzeichneter erlaubt sich allen in- und auswärtigen Dombaufreunden diese Medaille ganz besonders zu empfehlen, da dieselbe sowohl durch ihre Neuheit als äußere Eleganz schon eine allgemeine Aufnahme gefunden hat.
Die Platte ist von Porzellan und zu diesem Zwecke eigens angefertigt worden.
Auf derselben befindet sich der Dom in seiner jetzigen Gestaltung mit den beiden Fahnen geschmückt und in Gold eingefaßt.
Dieselbe ist allein zu haben in der Berliner Porzellanhandlung Obenmarspforten in dem Hause des Herrn Farina und bei dem Unterzeichneten, Schildergasse 47.
M. N. Brocke.
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Ein junger Mann sucht eine Komptoir- oder Reise- Stelle und kann gute Zeugnisse aufweisen. Die Expedition sagt wer.
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Fest-Programm für die Tage der sechsten Säcular-Feier der Grundsteinlegung des Kölner Doms, 14., 15. und 16. August 1848.
Erster Tag (14. August).
1. Morgens 9 Uhr: Parade der gesammten Bürgerwehr Kölns auf dem Neumarkte.
2. Morgens 11 Uhr: Musikalische Unterhaltung des Männer-Gesangvereins im großen Casino-Saale.
3. Nachmittags 3 Uhr: Versammlung des Festzuges auf dem Neumarkte.
An diesem Zuge werden in folgender Reihefolge Theil nehmen:
a. Ein Musik-Corps zu Pferde.
b. Eine Abtheilung der berittenen Bürgerwehr.
c. Ein Musik-Corps der Bürgerwehr.
d. Die Sängerchöre der beiden Gymnasien und der höheren Bürgerschule mit dem Männer-Gesangvereine.
e. Die sonstigen Gesang-Vereine.
f. Die Waisen-Kinder.
g. Ein zweites Musik-Corps der Bürgerwehr.
h. Die Dombau-Hütte mit ihrer Fahne und ihren Insignien.
i. Das Vereins-Banner.
k. Der Vorstand des Central-Dombau-Vereins.
l. Die auswärtigen Deputationen.
m. Ein Musik-Corps des 25. Regiments.
n. Die Mitglieder des Central-Dombau-Vereins.
o. Die kleineren Dombau-Vereine.
p. Ein Musik-Corps des 16. Regimentes.
q. Den Schluß des Zuges bildet eine Abtheilung der Bürgerwehr.
Die Aufrechthaltung der Ordnung im Zuge ist einem zugführenden Comite übertragen.
Der Zug bewegt sich unter Kanonendonner und Glockengeläute um den Neumarkt herum durch die Apostelnstraße, Apernstraße, am Römerthurm vorbei durch die Mohrenstraße, Gereonstraße zum erzbischöflichen Palais. Nachdem hier der Herr Erzbischof mit der bei ihm versammelten höheren Geistlichkeit durch eine Deputation des Vorstandes abgeholt und in Empfang genommen worden, begibt sich der Zug weiter durch die Sachsenhausenstraße, Marcellenstraße, das Pfaffenthor, über den neuen, freigelegten Platz vor das West-Portal des Domes.
Alle Straßen, durch welche der Zug sich bewegt, sind festlich geschmückt. Die Zugänge zum Dome nördlich von der Litsch und südlich vom Wallrafsplatze her bleiben abgesperrt. Dagegen werden das Nord- und Südportal dem Publikum bei Ankunft des Festzuges geöffnet. Im Dome selbst bleiben das Mittelschiff bis zu Chore, das Chor und ein Theil des nördlichen Seitenschiffes ausschließlich zur Aufnahme der hohen Gäste und der Theilnehmer im Zuge bestimmt. Die Bürgerwehr bildet um diese abgetrennten Theile Spalier. Die übrigen nicht abgetrennten Theile bleiben dem Zugange des Publikums frei gegeben.
Während des Festzuges haben sich die hohen Gäste etc. in der Domprobstei eingefunden, von wo dieselben die Ankunft des von der Marcellenstraße her eintreffenden Zuges mit ansehen, und alsdann durch eine Fest-Deputation zu einer auf dem nördlichen Thurm-Fundamente errichteten Estrade abgenommen werden.
Vor dem Westportale wird, nach Aufstellung des Zuges, durch die zu einem Chore vereinten beiden Gymnasien, die höhere Bürgerschule und den Männer-Gesang-Verein der Psalm 121, Laetatus sum in his etc., gesungen. Hierauf folgt eine Ansprache Seitens des Vorstandes. Sodann: Einzug in den Dom. Rede des Dombaumeisters und Uebergabe der neugebauten Theile des Domes an den Herrn Erzbischof. Enthüllung der von Sr. Majestät dem Könige Ludwig geschenkten Glasfenster. Erwiderung des Herrn Erzbischofes. Gesang des Ps. 83, Quam dilecta tabernacula tua. Einzug in das Chor. Fest-Cantate von Leibl. Ertheilung des Segens durch den Herrn Erzbischof.
4. Abends gegen 6 Uhr Ankunft Sr. Majestät des Königs und feierliche Einholung.
5. Abends 9 Uhr. Großer Fackelzug der Bürgerschaft Kölns, unter Mitwirkung dreier Musikchöre und aller Gesang-Vereine, vom Rathhausplatze ausgehend. Die Ordnung dieses Zuges und die Straßen, welche er berührt, werden durch das betreffende Comite näher bekannt gemacht werden.
Zweiter Tag (15. August).
1. Morgens um 7 Uhr beginnt gemäß den von dem hochwürdigen Metropolitan-Dom-Kapitel getroffenen Anordnungen die Consecration der fertigen Theile des Domes. Der Dom bleibt während der Ceremonien nach canonischer Vorschrift geschlossen, und die rings um denselben aufgestellten Schulen, Bruderschaften und sonstigen religiösen Vereine wechseln ab mit Gesang und Gebet.
2, Morgens halb 8 Uhr Versammlung des Festzuges auf dem Neumarkte. Derselbe bildet sich wie am vorigen Tage; außerdem aber werden zu demselben eingeladen und nehmen an demselben Theil: Ober-Bürgermeister, Beigeordnete und Stadtrath von Köln.
Die Armenverwaltung.
Die Schulverwaltung.
Die Handelskammer.
Der Rath der Gewerbverständigen und alle übrigen städtischen Behörden Bürgermeister, Beigeordnete und Gemeinde-Verordnete von Deutz.
Die königl. Regierung.
Die Provinzial-Steuer-Direktion.
Die Polizei-Direktion.
Das Ober-Post-Amt.
Der Appellations-Gerichtshof und das Parket.
Das Landgericht und das Parket.
Das Handelsgericht.
Die Friedensgerichte.
Das Barreau.
Die katholische Pfarrgeistlichkeit, in so fern sie nicht bei der Consecration beschäftigt ist.
Die Kirchen-Vorstände.
Die evangelische Pfarrgeistlichkeit.
Die Lehrer-Kollegien der beiden Gymnasien, der höheren Bürgerschule und der städtischen Schulen, so wie die Gymnasien und Schulen.
Die höhern Militär-Behörden und das Offizier-Corps.
Die Kommandatur und die Offiziere der Bürgerwehr.
Die Direktionen der Dampfschifffahrts-Gesellschaft und der Eisenbahnen, welche in Köln ihren Sitz haben.
Der Vorstand des Gewerb.-Vereins.
Der Vorstand des Kunst-Vereins.
Das Pompier-Corps.
Gleich wie am vorigen Tage ist die Sorge für die Aufrechthaltung der Ordnung im Zuge dem zugführenden Comite überlassen.
Der Zug bewegt sich zur Abholung der hohen Gäste unter Glockengeläute durch die Apostelnstraße, Apernstraße, Zeughausstraße, Komödienstraße, zum neuen frei gelegten Platze, und durch das West-Portal in den Dom, dessen Mittelschiff bis zum Chore durch ein Spalier der Bürgerwehr abgesperrt bleibt.
3. Morgens, gegen halb zehn Uhr, Eröffnung der Eingänge zum Dome ‒ Einzug des Festzuges ins Mittelschiff und Rede des Herrn Erzbischofes ‒ Einzug in das Chor ‒ feierliches Hochamt ‒ zum Schlusse Te Deum etc., welches von dem versammelten Volke abwechselnd mit dem Orchester gesungen wird; während desselben Glockengeläute und Kanonendonner.
Die Zugänge zu den Galerien im Dome sollen an den beiden Festtagen den weiblichen Vereins-Mitgliedern gegen Vorzeigung einer im Sekretariate abzunehmenden Eintrittskarte geöffnet werden.
4. Nachmittags 4 Uhr großes Festmahl auf dem reich geschmückten Gürzenich-Saale, an welchem nur Vereinsgenossen Theil nehmen können und wobei die Stadt ihre hohen Gäste bewirthet, sofern die Bestimmung Sr. Maj. keine Aenderung nöthig macht.
Speisung der Armen.
Oeffentliche Volksfeste auf mehreren Plätzen der Stadt Köln, worüber die näheren Bekanntmachungen durch das betreffende Comite ergehen sollen.
5. Abends 9 Uhr allgemeine Beleuchtung der Stadt, der Kirchen und öffentlichen Gebäude, der Brücke mit freier Passage über dieselbe.
Dritter Tag (16. August).
1. Morgens 8 Uhr feierliches Hochamt im Dome.
2. Morgens 9 Uhr Haupt-Versammlung der Vereinsgenossen auf dem Frankenplatze; derselbe ist zu zu diesem Zwecke mit Fahnen und Laubwerk festlich geschmückt. Auf der erhöhten Stelle am Fuße des Dom-Chores auf dem Margarethen-Berge ist eine Tribune für den Vorstand und die Deputirten der auswärtigen Vereine errichtet. Unter der Tribune ‒ vor dem „Germanischen Hofe“ ‒ auf der ihm gegenüber liegenden Seite und vor dem Eingange zum Frankenplatze sind Musik-Chöre aufgestellt, welche, während die Haupt-Versammlung sich aus dem Dome zu einem Zuge ordnet und die Litsch hinunter durch die Trankgasse vom Frankenthurme her auf den Platz einzieht, abwechselnd spielen. Die übrigen Zugänge zum Frankenplatze bleiben bis nach Ankunft des Zuges verschlossen, und werden auch dann nur den sich legitimirenden Dombau-Vereinsgenossen und Mitgliedern der hiesigen Dombau-Vereine geöffnet. Nach Ankunft des Zuges auf dem Frankenplatze stellt sich derselbe zu beiden Seiten auf, der Vorstand begibt sich auf di Tribüne und empfängt hier die Deputirten der auswärtigen Vereine. Die hohen Gäste, welche dem Genossenschaftsfeste beiwohnen wollen, haben sich inzwischen in dem festlich geschmückten Gebäude der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft eingefunden.
Nach Aufstellung des Zuges wird durch die anwesenden nächst der Tribüne aufgestellten Männer-Chöre, unter Mitwirkung des Orchesters, die Hymne an Pius IX. von Mazzini gesungen.
Hierauf folgt eine Anrede des Präsidenten des Dombau-Vereins. Sodann die Erstattung des Rechenschafts-Berichtes durch den Sekretair.
Nach diesem wird ein zweites Lied: „An den König-Protektor,“ durch die Männer-Chöre unter Begleitung der Musik gesungen.
Sodann: Anrede des Dom-Baumeisters an die versammelte Bauhütte und Preisvertheilung an die besten Werkgesellen.
Nach dieser Preisvertheilung wird ein, besonders zu diesem Zwecke gedichtetes Lied: „Gruß an den Reichsverweser,“ Musik von Weber, gesungen.
Darauf Einleitung des Wahl-Aktes durch den Präsidenten und Wahl-Geschäft. Die Handlung schließt mit der Absingung des Werkgesellen-Liedes von Busso von Hagen.
3. Nachmittags 5 Uhr. Großes Konzert auf dem Gürzenich.
4. Abends 10 Uhr. Ball der Vereinsgenossen auf dem Gürzenich.
Am Sonntag, Montag und Dienstag werden ausgesuchte Vorstellungen im festlich dekorirten Theater Statt finden.
Köln, 7. August 1848.
Das Fest-Comite.
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Dampfschifffahrt zwischen Bremen und New-York.
Das amerikanische Post-Dampfschiff WASHINGTON, Cap. Johnston wird am 15. August von der Weser nach New-York zurückkehren.
PassagepreisnachNew-Yorkin1.CajüteLd'orthr.195
PassagepreisnachNew-Yorkin2.CajüteLd'orthr.100
PassagepreisnachSouthamptonin1.Caj.Ld'orthr.30
Güterfracht 25 à 35 Thlr. mit 5 pCt. Primage für 40 Kub.-Fuß.
Die zweite Cajüte ist für diese Reise besetzt.
C. A. Heinecken & Comp.
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Zu vermiethen mehrere freundiche Zimmer nebst Keller-Abschluß und Mitgebrauch des Speichers. Kl. Telegraphenstr. N. 6 ‒
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Illuminations-Gläser zu 7 1/2 Sgr. per Dutzend zu haben Walrafsplatz 149.
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Ein tüchtiger Ladengehülfe, mit guten Zeugnissen versehen, sucht eine Stelle in einem Kolonial- oder Material Waarengeschäft, und könnte auch bei seinen vielseitigen Bekanntschaften die Platzgeschäfte besorgen. Die Expedition sagt wer.
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Ein Kapital von 3000 Thlr., welches 4 1/2 pCt. Zinsen einbringt und auf ein Ackergut bei Elberfeld eingetragen ist, soll ohne Unterhändler cedirt werden. Frankirte Briefe sub H B. besorgt die Expedition d. Bl.
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Die von mir in Berlin herausgegebenen Broschüren sind in der Buchhandlung bei Lengfeld, Hochstraße, zu haben.
Köln, den 11. August 1848.
G. W. Schlechter.
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Bei Gelegenheit der Feier des 600jährigen Dombaufestes und der festlichen Eröffnung des nunmehr vollendeten Baues meines großen Saales Montag, den 14. Aug., Abends 7 Uhr, großes Concert unter Leitung des Herrn Herx, ausgeführt von 70 Mitwirkenden und Abends 10 Uhr, großer Festball unter Leitung des Herrn Franken Sohn.
Der Subskriptionspreis auf Concert und Ball beträgt 25 Silbergroschen.
Der Kassapreis ist für das Concert 15 Sgr. für den Ball 20 Sgr. Damen frei.
Die Subskriptionslisten liegen in meinem Lokale offen.
Franz Stollwerk.
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Gefrornes verschiedener Gattungen.
In dem Besitze einer neuen Maschine, welche durch mechanische Vorrichtung jede Viertelstunde zwei verschiedene Sorten Eis liefert, was viel feiner und geschmackvoller wie das auf der bisherigen Weise erzielte ist, bin ich in den Stand gesetzt, allen Anforderungen sowohl in Qualität als Schnelligkeit zu entsprechen und den Preis à Portion in und außer dem Hause von 4 auf 3 Sgr. herunter zu setzen.
Täglich wird Vanill-, Himbeeren-, Johannis- und Citron-Eis bei mir angefertigt.
Franz Stollwerck im Deutschen Kaffeehause.
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Bekanntmachung.
In Folge der, eine wesentliche Beschleunigung gewährenden Benutzung der Dampfschiffe der Kölnischen Gesellschaft zur Korrespondenzbeförderung ergeben sich für Frankfurt die Schlußzeiten der Briefaufgabe nach folgenden Orten und Gegenden in nachstehender Weise:
nachKoblenz 71/2 Morgens, 10 Vormittags, 4 Nachmittags, 7 Abends,
nachBonn 71/2 Morgens, 10 Vormittags und 7 Abends,
nachKöln, Deutz, Düsseldorf, Elberfeld 7 1/2 Morgens, 10 Vormittags, 1 Nachmittags, 7 Abends,
nachAachen (Belgien) 71/2 M., 10 V., 7 A.,
nachEmmerich (Holland) 10 Vormittags, 7 Abends,
nachCrefeld 10 Vorm. und 7 Abends,
nachMünster 10 Vormittags,
nachHannover, Bremen, Hamburg und Lübeck 10 Vormittags.
Frankfurt a. M., 21. Juli 1848.
Fürstl. Thurn u. Taxis'sches Oberpostamt.
Vrints.
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Niederländische Handels-Gesellschaft.
Die Direktion macht bekannt, daß die Herbst-Kaffee-Auktionen der Gesellschaft von 1848 an den hier unten angegebenen Tagen und Plätzen abgehalten und aus den näher bezeichneten Quantitäten bestehen sollen:Zu Amsterdam am Montag, den 4. September 1848,
257309 Ballen Java-Kaffee, lagernd daselbst,
8581Ballen Sumatra-Kaffee, lagernd daselbst,
101Ballen Macassar-Kaffee, lagernd daselbst,
Zu Rotterdam
am Donnerstag, den 7. September 1848,
180938Ballen Java-Kaffee, lagernd daselbst,
292Ballen Macassar-Kaffee, lagernd daselbst,
26952Ballen Java-Kaffee, lag.zu Dordrecht.
Zu Middelburg am Mittwoch, den 13. September 1848, 25672 Ballen Java-Kaffee, lagernd daselbst.
Unter diesen Quantitäten befindet sich auch der noch unverkaufte Theil der in den Frühjahrs- Auktionen d. J. zurückgehaltenen Partieen.
Die Direktion gibt die Versicherung, daß sie vor ihren gewöhnlichen Frühjahrs-Auktionen von 1849 keine andern Partieen, als die oben bezeichneten, an den Markt bringen wird.
Die Muster sind am Freitag den 11. August zu bekommen, und werden die Notizen nebst den Verkaufsbedingungen zeitig ausgegeben.
Amsterdam, den 1. August 1848.
Van der Oudermeulen, Präsident.
Goudswaard, z. Z. Sekretair.
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Eine große Auswahl von Häusern sind zu billigen Preisen zu verkaufen und zu vermiethen. Kapitalien gegen erste Hypotheke werden gesucht. Näheres bei J. P. Spendeck, gr. Neugasse 18.
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Das wohl assortirte Lager von echtem Eau de Cologne eigener Fabrik, empfehlen zu den billigsten Preisen, J. P. Spendeck & Comp. in Köln, große Neugasse Nr. 18 nahe beim Dom und Altenmarkt.
Hierzu zwei Beilagen.
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Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.