[0433]
Neue Rheinische Zeitung.
Organ der Demokratie.
No 85 Köln, Freitag 25. August 1848.
Deutschland.
@xml:id#ar085_001
@typejArticle
@facs0433
[ * ] Köln, 24. August.
Der Redakteur en chef der Neuen Rheinischen Zeitung, Karl Marx, ist gestern auf einige Tage nach Wien abgereist.
@xml:id#ar085_002
@typejArticle
@facs0433
[ !!! ] Frankfurt, 22. Aug.
64. Sitzung der Nat.-Versammlung. — Beginn der Sitzung halb 10 Uhr. — Präsident v. Gagern.
Tagesordnung: Fortsetzung der gestrigen Debatte des Art III der Grundrechte. Verlesung des Protokoll von gestern. Die Bänke sind wie gewöhnlich bis halb 11 Uhr leer. Dr. Kalkberg tritt aus der Versammlung. Flottenbeiträge werden verlesen, das letzte Verzeichniß dieser Beiträge ergiebt 13,847 Fl. Die Totalsumme 41,195 Fl.
Eisenmann erläutert seine gestrige Interpellation von wegen der deutschen Farben und Oestreichs politischer Stellung; und macht dazu einige geniale Anmerkungen. Zur Zeit als Latour, der schwarzgelbe, im Kabinet, waren darin noch so viel rothe Elemente, daß diese Mixtur noch ein leidliches schwarz-roth-gold abgab. (Man ist so gütig zu lachen.) Wir würden, sagen die Oestreicher, gern die deutschen Farben aufstecken, wenn wir uns vor den Slaven nicht fürchteten. Seine Rede schließt er patriotisch: „Wir wollen vor den äußersten Mitteln nicht zurückbeben, wenn es die Einheit Deutschlands gilt. (Bravo.) Hinter unsern Ministern steht die Nationalversammlung, hinter dieser das deutsche Volk.“ (Bravo der Patrioten.)
Schmerling (Minister): Die Rede, der er unbedingten Beifall zollt, ist gar keine Interpellation. (Eisenmann ärgert sich.) Wenn darin die Frage liegen soll, ob das Ministerium die Interessen der deutschen Politik wahren wolle, so beantwortet er sie mit offenem „ja.“ (Bravo.)
Eisenmann beruhigt sich nicht, sondern gebährdet sich sehr unwillig Gagern bringt ihn zur Ruhe.
Tagesordnung.
v. Beisler (Münchener Minister) stellt anstatt des § 14 den Antrag:
„die Angelegenheiten der christlichen Kirche Deutschlands, namentlich ihrer Beziehung zum Staate, sollen durch eine Reichssynode geordnet werden.“
Unsre weltlichen Fürsten haben der Volksgewalt viel nachgeben müssen, verlangen wir dasselbe von den geistlichen Fürsten. (Anhaltendes Bravo; dürftiges Zischen der Ultramontanen.)
Zittel, Pfarrer aus Baden: Ich will, wie der vorige Redner, den Sturz der Hierarchie. Ich halte den Satz des Art. 3 nur für eine Floskel, denn Glaubens- und Gewissensfreiheit hat jeder Mensch von Anno I.
Organisation des religiösen Gemeinwesens ist die Hauptaufgabe unserer Zeit. Hier (in der Paulskirche) ist der Boden, wo die Kirchen sich endlich begegnen, sich endlich die Hand reichen sollen. Geben sie vollständige Religionsfreiheit. (Langer Beifall von allen Seiten.)
Vogt: Ich spreche für dasselbe Prinzip wie der vorige Redner; wenn auch von ganz anderm Standpunkt aus. (Gelächter und Bravo.) Sie wissen es, ich bin ganz und gar ein Parteimann. (Bravo) Die heutige Frage anlangend, stehe ich aber erhaben über alle Parteien, vollkommen neutral, so neutral, daß ich fast gar keinen Standpunkt habe. (Gelächter und Bravo.) Doch auch in dieser Frage wird unsere Partei einig bleiben. Der Staat und die Kirche, hat man hier gesagt, haben sich sehr geliebt. Ja, etwa so wie Haifisch und Häring. (Gelächter und Bravo.) Ich bin für Trennung der Kirche vom Staat. Aber nur unter der Bedingung, daß, was man so Kirche nennt, ganz aufhört. Mag es zurückkehren in den Himmel, wohin es gehört. (Schauder der Ultramontanen. Bravo links und Gallerien.) Die Kirche ist ein Hemmschuh der Civilisation Ich will gar keine Kirche. (Schrecken.) Man sagt, die Kirche sei ein Institut der Sittlichkeit. Ich behaupte, es ist eine Zwangsanstalt, weil sie die Vergehen der Menschen mit Strafen bedroht, mit Fegefeuer u. s. w. (Gelächter.) Die Sittlichkeit muß frei sein. Es gibt noch Kirchen, die einen Pfarrer exkommuniziren möchten, wenn er eine weiße Hose trägt. (Gelächter.) Man hat gesagt, die Kirche sei demokratisch. Ich freue mich ein neues Element der Demokratie kennen zu lernen. Aber wenn sie wirklich demokratisch, so müßte sie aufhören, Kirche zu sein. Sie will die Freiheit nicht in ihrer Vollkommenheit, nur als Mittel für sich, zum Zweck der Unterdrückung Anderer will sie dieselbe. Wir wissen es, es naht der Kampf mit dem religiösen Fanatismus. Man hat gesagt, das Volk kann die Hierarchen verjagen, wenn es nur will. Aber, meine Herren, die Hierarchen kämpfen unter den Fahnen der Dummheit, und sie wissen, mit der Dummheit kämpfen selbst Götter vergebens. (Bravo.) Dennoch, wir fürchten diesen Feind nicht. Wir werden ihm entgegentreten mit dem blanken Stahl. Nur in der unbeschränkten Freiheit finde ich ein Gegengift gegen den Ultramontanismus. Wie der Glauben frei ist, muß der Unglauben frei sein, das müssen sie dekretiren. Wir wollen den Polizeistaat nicht nur politisch, sondern auch religiös vernichten. Ihnen, meine Herren, (nach rechts) lasse ich gern das Verdienst der Vergangenheit, ihnen, meine Herren, (an's Centrum) das Verdienst der Gegenwart, das Recht Minister zu machen; wir aber (nach links) behalten uns das Verdienst der Zukunft. Deswegen werden wir für vollständige Unabhängigkeit der Schule von der Kirche stimmen; wir sichern uns die wachsenden Generationen. (Langes Bravo.) Diese sollen uns nicht verdummen, dann mögen Sie kommen mit ihrer Vergangenheit, dann wagen Sie den Kampf mit uns, dem Heere der Zukunft. (Langes schallendes Bravo.)
Jürgens, Pfarrer aus Braunschweig. Als Theologe und Kirchenhistoriker hat er Anträge gestellt von etwa 3 Seiten Umfang. Er erklärt sich gegen die Ausschußanträge.
Der Probst Döllinger aus Baiern (Ultramontaner) bekämpft Hrn. Vogt und vorzüglich Hrn. v. Beisler. Mit Hrn. Vogt wird er kurz fertig werden, denn contra principia negantem non disputandum. Die Freiheit des Unglaubens bis zur äußersten Konsequenz zu treiben, ist mir unmöglich. Hr. Vogt hat uns einen Kampf auf Leben und Tod angekündigt. Wie nehmen ihn an, da er ja noch fern sein soll. Siegt Hr. Vogt und seine Partei, so müssen wir u. ein Theil des deutschen Volks auswandern. (Links, nein, nur die Ultramontanen‥) Der Redner wendet sich dann gegen Hrn. v. Beisler. Unter vielem Hin- und Herreden kommt er auch auf den Einfluß der Geistlichkeit bei den Wahlen zur Nationalversammlung zu sprechen Man hätte den Geistlichen unerlaubten Einfluß Schuld gegeben. (Links, ja Eisenmann, jawohl!) Redner: Hr. Eisenmann wird dies beweisen (Eisenmann: Ja gewiß.) Der Redner fährt fort: Und wenn es wahr ist, will man aus diesem Grund gegen die Unabhängigkeit der Kirche stimmen? Daß die hier angeregten Synoden noch nicht zu Stande gekommen sind, ist nicht unsere Schuld, sondern die des Polizeistaats.
Minister v. Beckerath deklamirt sehr unverständlich unter öfterem Rufe, „laut! laut!“ gegen Hrn. Vogt. Er schmeichelt sich, einer der freisinnigsten religiösen Genossenschaften anzugehören. Aus der Luft der eisigen Verstandesabstraktion steige ich hinein in meine Gefühlsluft. (Schallendes Bravo aller Gefühlsmenschen.) Er tritt den Ausschußvorschlägen bei, und schwatzt dann noch eine lange Zeit fort.
Bischof Geritz aus Frauenburg in Preußen spricht ganz unverständlich. Die Versammlung schaart sich andächtig um die Tribüne und hört diesem alten Herrn bis zu Ende zu.
Nach Böcler (aus Meklenburg), der sich für die Unabhängigkeit der Kirche ausspricht und dabei schrecklich gestikulirt, verlangt die ermüdete Versammlung (um 2 Uhr) Vertagung der Debatte.
Gagern: Es sind noch viele Redner eingeschrieben. Ich bitte Sie, lassen Sie die Diskussion fortgehen, und hören Sie heute wenigstens noch zwei Redner. Man hört.
Paur aus Augsburg: Als einziger protestantischer Aabgeordneter aus Baiern habe ich mich damals gefreut, als Hr. Döllinger (s. oben) mit der ganzen Gewalt seiner Dialektik des Ministers Abel Grundsätze vertheidigte (links, hört, hört!, dieselben offen angegriffen zu haben. (Bravos.) Die Ausschußvorschläge scheinen mir mit wenig Abänderungen das rechte Maaß der Freiheit zu geben. Gänzliche Freiheit des Glaubens und Unglaubens ist nicht rathsam. Selbst in Nordamerika wird, ehe 25 Jahre vergehen, wohl auch in die Konstitution ein jus circa sacra aufgenommen werden. (Oho! Widerspruch.) Stimmen Sie, ich bitte Sie, zwar für Unabhängigkeit der Kirche, aber gegen die Trennung der Kirche vom Staat. (Vielseitiger Applaus. Ruf: Vertagung!)
Präsident theilt einen Antrag von Reichensperger, Jucho, Radowitz etc. mit, „die allgemeine Debatte über Artikel III. zu schließen.“
Verworfen, dagegen die Vertagung der Debatte um 2 1/2 Uhr beschlossen.
Vicepräsident erstattet Bericht über eine große Menge Urlaube.
Morgen keine Sitzung. Donnerstag Fortsetzung der Kirchendebatte.
@xml:id#ar085_003
@typejArticle
@facs0433
[ 103 ] Berlin.
Die „große Aufregung“ der Berliner über die Charlottenburger Brutalitäten hat in der gewohnten Art aller Berliner „Aufregung“ geendet. Unsere Leser mögen sich aus folgenden Nachrichten überzeugen.
@xml:id#ar085_004
@typejArticle
@facs0433
[ 103 ] Berlin, 22. August.
Gestern Abend gegen 7 Uhr hatte der demokratische Club in Folge der Charlottenburger Ereignisse eine Ansprache an die „Berliner Mitbürger“ erlassen, welche in der Bevölkerung Berlins eine allgemeine Aufregung hervorbrachte.
Vor dem Opernhause versammelten sich viele Tausend Menschen, und nach 8 Uhr betraten viele bekannte Volksredner die Freitreppe des Opernhauses um zu der Versammlung zu sprechen. Die Charlottenburger Ereignisse wurden nur als ein Glied der großen Kette angesehen, welche die Reaktion durch das ganze Land hindurchgezogen, wovon neuerdings die Vorfälle in Schweidnitz wieder die besten Beispiele gewähren. Einer der Redner beantragte die Abdankung des Ministeriums, das er ein Krämerministerium nannte, welcher Antrag allgemeine Beistimmung fand. — Ungefähr um 8 3/4 Uhr beschloß die Versammlung zuerst zum Minister Kühlwetter zu ziehen, um ihm durch eine Deputation Verantwortung abzuverlangen, daß er sein Abends vorher gegebenes Versprechen, eine sofortige strenge Untersuchung zu veranlassen, nicht gehalten habe. Die ganze Versammlung begab sich nach dem unter den Linden gelegenen Hotel des Ministers des Innern. Das Thor war verschlossen und da die im Hotel Anwesenden die Oeffnung verweigerten, weil der Minister nicht zu Hause sei, wurde das Thor durch die Andringenden aufgedrückt, ohne daß Gewaltmaßregeln angewendet wurden. (Dies ist, was man in Berlin „Stürmen“ nennt.) Da die Deputation, die sich ins Hotel begab, den Minister nicht auffand, schlug man vor, zum Justizminister Märker zu ziehen, um von ihm eine Amnestie aller politischen Angeklagten zu verlangen. Dies wurde mit Beifall aufgenommen. Die Volksmenge, die sich vielleicht auf 10,000 Köpfe vergrößert hatte, zog nach der nahen Wilhelmsstraße, wo man, dem Justizministerium gegenüber, das Hotel des Ministerpräsidenten glänzend erleuchtet fand. Eine große Soiree fand daselbst statt; alle Minister waren da zusammen und viele Abgeordnete der Rechten als Gäste anwesend. Die Deputation begab sich ins Hotel und verlangte nach dem Justizminister Märker. Jedoch kamen beinah alle Minister, und als die Deputation mit ihren Forderungen hervortrat und nur ungenügende Zusicherungen erhielt, da man zwar die Erlassung einer Amnestie in Aussicht stellte, aber die in Folge der Zeughausexcesse Angeklagten und Verurtheilten davon ausnehmen wollte, brach der Deputation die Geduld und man sagte den Ministern, daß sie unfähig wären das Land zu regieren und am besten thun würden, sofort abzudanken. (Der Ruf „Abdanken!“ „Die Minister müssen abdanken!“ erscholl von Zeit zu Zeit aus dem Volke.) Der Ministerpräsident erwiederte sehr gedrückt, daß dies doch nur die Meinung der Minorität sei, das Land werde durch die Vereinbarer-Versammlung vertreten, und deren Willen allein hätten sie sich zu unterwerfen. — Einige Redner deducirten von philosophischem Standpunkt, daß die Minorität immer die Revolutionen gemacht und erst dann zur Majorität geworden wäre; man setzte den Ministern weitschweifig auseinander, wie nothwendig ihre Abdankung sei. —
Währenddem das Volk ruhig die Rückkehr seiner Deputation abwartete, kam auf einmal ein Trupp Constabler von ungefähr 40-50 Mann mit blanker Waffe, und begann sogleich einzuhauen, um den Platz zu säubern. Die Arbeiter, besonders die anwesenden Maschinenbauer geriethen dadurch in Wuth und warfen mit Steinen auf die Constabler, die diesem Angriff nicht widerstehen konnten und sich in das Ministerhotel flüchteten. Die Minister sahen die eingedrungenen Constabler für bewaffnetes Volk an und entflohen, indem sie die Deputation stehen ließen. Diese begab sich zur vorderen Thür zum Volke zurück, während die Minister, die eingeladenen Abgeordneten und die tapfern Constabler aus der Hinterthür durch den Garten flüchteten. Das Volk aber, welches die Steine einmal zum eigenen Schutz aufgerissen hatte, brauchte dieselbe nun, um damit alle Fenster des Hotel des Ministerpräsidenten zu zerstören. Um etwas zum Schutz gegen unvermuthete Angriffe in den Händen zu haben, rissen die Arbeiter die eisernen Gitter und eisernen Laternen-Pfähle vor den zwei Ministerhotels, und die eisernen Stangen unter den Linden aus den Steinen heraus. Aber diese Vorsicht war unnöthig. Die Constabler fürchteten die aufgeregte Menge und ließen sich nicht sehen, die Bürgerwehr hingegen schritt nicht ein, da ihre Befehlshaber sämmtlich zu einem dem Commandanten Rimpler gegebenen Feste im Krollschen Garten versammelt waren. — Zwei Schüsse fielen gleich Anfangs in dem Augenblick, als die Demolirung der Fenster begann. Es ist unentschieden, von welcher Seite diese Schüsse gefallen sind, jedoch ist soviel gewiß, daß sie keinen Menschen getroffen und daß überhaupt bei den gestrigen Vorfällen kein Menschenleben verloren ging. Einige Constabler sollen, von Steinwürfen und Schlägen hart getroffen, ohnmächtig fortgetragen worden sein. Noch länger als eine Stunde blieb ein Haufen Neugieriger vor dem demolirten Hotel, und unter den Linden war es an der politischen Ecke von Mitgliedern des souveränen Clubs sehr lebhaft. Gegen Mitternacht endlich reinigte ein sanfter Regen und einige Bataillone Bürgerwehr die Linden und die angränzenden Straßen. —
Die Minister erschienen heute erst zwei Stunden nach Eröffnung der Sitzung der Vereinbarer-Versammlung in derselben. Sie hatten heute Morgen eine mehrstündige Sitzung in Folge der gestrigen Ereignisse und beriethen ein neues Gesetz, welches dergleichen Fällen vorbeugen soll. Die Annahme eines solchen Gesetzes ist sehr zu bezweifeln, umsomehr, da heute Abstimmungen stattfanden, in welchen die Majorität gegen den Willen des Ministeriums die Amendements zum §. 1. des Gesetzentwurfs annahm und das Amendement Otto nur dadurch mit einer kleinen Majorität verworfen wurde, weil einige Mitglieder fehlten. Bei der nächsten namentlichen Abstimmung hofft man eine Niederlage des Ministeriums. Man spricht, daß das Ministerium eine Art von Martialgesetz beantragen werde, wodurch die Clubs und die Plakate unter polizeiliche Aufsicht gestellt werden sollen. —
Die Aufregung hat sich heute nur in der ganzen Stadt vermehrt und man befürchtet für heute Abend neue Unruhen. Es bilden sich schon jetzt nach 7 Uhr Atroupements unter den Linden. Der demokratische Club und der Commandant der Bürgerwehr haben neue Bekanntmachungen erlassen.
@xml:id#ar085_005
@typejArticle
@facs0433
[ 103 ] Berlin, 22. August.
Sitzung der Vereinbarerversammlung. Tagesordnung: Berathung des Entwurfs eines Gesetzes zum Schutze der persönlichen Freiheit. Da die Minister sämmtlich Anfangs der Sitzung nicht anwesend sind, so werden die beantragten dringenden Interpellationen und Anträge bis nach Berathung des Gesetzentwurfs verschoben. Abgeordneter Waldeck verliest hierauf den Bericht der Central-Abtheilung.
Abgeordneter Otto (von Liegnitz): Die sofortige Erlassung dieses Gesetzes ist durchaus nothwendig. Wir können aber dieselbe nicht bis zur vollständigen Organisation des ganzen Gerichtswesens anstehen lassen, denn wir befinden uns in einem vollständigen lügenhaften Zustand. Das frühere absolutistische System ist noch nicht aufgegeben. So lange ein solcher Zustand dauert, können wir keine Ruhe und Ordnung herbeiführen. Seit fünf Monaten existirt Preßfreiheit, trotzdem werden noch alle freien Aeußerungen, welche das Volk im Bewußtsein seiner errungenen Freiheit hören läßt, nach den Gesetzen des gestürzten Polizeisystems beurtheilt. Diesem lügenhaften Zustand muß ein Ende gemacht werden. Die persönliche Freiheit muß gewährleistet werden, zumal weder das Ministerium des Uebergangs noch das der That mit der Vorlegung einer Habeas-Corpus-Acte die Initiative ergriffen hat.
Abg. Zweifel hatte den Antrag gestellt: dies Gesetz nicht im Bezirke des Appellationsgerichts zu Köln zur Anwendung zu bringen, nimmt diesen Antrag aber jetzt zurück, da das Gesetz mehrere, der rheinischen Gesetzgebung entlehnte Zusätze erhalten habe.
Die allgemeine Debatte wird geschlossen und vor der Diskussion der einzelnen Paragraphen wird die Vorfrage: „ob überhaupt ein solches Gesetz vor der Verfassung und vor der Organisation zu erlassen sei?“ mit großer Majorität angenommen.
Zu dem § 1 werden mehrere Amendements eingebracht.
Abg. Parrisius spricht gegen die Fassung der Kommission. Der Grundsatz, von welchem das Gesetz ausgehe, müsse an die Spitze gestellt werden. Der § 1 beginne sofort mit einer Ausnahme. Die Ansicht der Centralabtheilung, daß das Aussprechen des Grundsatzes: „die persönliche Freiheit ist gewährleistet,“ in die Verfassung gehöre, sei richtig, aber dadurch ist derselbe aus diesem Gesetze noch nicht ausgeschlossen.
Abg. Knauth stellt den Zusatz: „Jeder Angeschuldigte soll gegen Stellung einer vom Gericht zu bestimmenden Caution oder Bürgschaft der Haft entlassen werden, sofern nicht dringende Anzeigen eines schweren peinlichen Verbrechens gegen denselben vorliegen.“
Minister d. Innern: Ich erlaube mir, die Stellung des Ministeriums zu dem vorliegenden Gesetze auseinanderzusetzen. Als der Abgeordnete Waldeck den Antrag machte, vier Paragraphen des Verfassungs-Entwurfs sofort als eine Habeas-Corpus-Acte zum Gesetz zu erheben, konnte sich die Regierung nur gegen einen solchen Antrag erklären. Die Regierung erkannte nicht, daß die Erlassung einer Habeas-Corpus-Acte nothwendig sei, und daß die Polizei und die Justiz da seien, um die Freiheit zu schützen und nicht um sie dem Staatsbürger zu rauben. — Die Regierung begrüßt die Arbeit, wie sie aus der Centralabtheilung hervorgegangen, als eine vollständige, der sie ihre völlige Zustimmung giebt und wird für deren ungeänderte Annahme stimmen.
Abg. Harossewitz spricht gegen die Fassung des Kommissions Entwurfs. Man mache den Richter durch dasselbe zu einem Polizei-Beamten, denn nicht von dem Namen, sondern von den Befugnissen und Pflichten, hängt der offizielle Charakter ab. Der § 2 vernichte die schönen Hoffnungen wieder, welche § 1 errege. Wolle man es dem alleinigen Ermessen der Polizei überlassen, wann eine Verhaftung vorzunehmen sei, so möge man dies offen aussprechen, aber nicht durch falsche Vorspiegelungen ungegründete Hoffnungen erregen. Stellt demgemäß Amendements.
Nachdem noch mehrere Redner gesprochen haben, kommt man zur Abstimmung über § 1. Alle Amendements werden verworfen und nur das Amendement Parrisius angenommen. Demnach werden dem § 1 die Worte: „die persönliche Freiheit ist gewährleistet“, vorgesetzt und im ersten Satz desselben noch hinzugefügt, daß im Verhaftsbefehl auch die Bezeichnung der Person des Beschuldigten enthalten sein müsse.
Der § 1 lautet demnach, nach der Annahme der andern Sätze des Kommissions-Entwurfs, folgendermaßen:
„Die persönliche Freiheit ist gewährleistet. Außer dem Falle der Ergreifung auf frischer That, darf eine Verhaftung nur kraft eines schriftlichen, die Beschuldigung und den Beschuldigten bezeichnenden richterlichen Befehls bewirkt werden. Dieser Befehl muß entweder bei der Verhaftung, oder spätestens innerhalb 24 Stunden dem Beschuldigten zugestellt werden. Bei jeder Verhaftung ist in gleicher Frist das Erforderliche zu veranlassen, um den Verhafteten dem zuständigen Richter vorzuführen.“
Nach der Debatte über den § 1 ergreift der Minister-Präsident das Wort, um der Versammlung mitzutheilen, daß, in Folge der gestrigen und vorgestrigen Ereignisse, welche die Ruhe und Ordnung gestört und die Sicherheit der Personen und des Eigenthums gefährdet haben, das Ministerium ein Gesetz in Vorschlag bringe, welches wo möglich noch heute dem Präsidenten zugesandt werden solle. Er bitte um dessen Priorität bei der nächsten Berathung. Ueber die Excesse selbst werde der Minister des Innern Mittheilung machen.
Minister des Innern: Ich soll Ihnen ein Bild geben von den letzten bedauernswerthen Ereignissen. Ich will es versuchen, obschon ich theils selbst keine zuverlässigen Nachrichten besitze (!!) und theils durch persönliche Aufregung nicht befähigt bin. Es haben vorgestern bei der Gründung eines demokratischen Vereins in Charlottenburg Attroupements stattgefunden. Man hat einige Leute schändlich behandelt. Mir wurde erst Abends 7 Uhr Mittheilung von den Vorfällen in Charlottenburg und ich beeilte mich sogleich einen Kommissarius hinzusenden.
Durch die Untersuchung hat sich bestätigt, daß mehrere Männer schmählich mißhandelt worden sind, und in Folge dessen sind auch schon 16 Verhaftsbefehle in Charlottenburg erlassen worden und die Untersuchung wird ihren ferneren Lauf behalten.
Die gestrigen Ereignisse knüpfen sich vielleicht an die Vorfälle in Charlottenburg. Man hat schon Vormittags Excesse vor dem Hotel des Ministers des Handels und der Arbeiten begangen, und die Nachricht wurde mir hinterbracht, daß man schon Nachmittags in einem bekannten Hause die Wiederhohlung dieser Excesse für den Abend festsetzte. Es wurden alle Maßregeln vor dem Hotel des Handelsministeriums getroffen. Unterdessen erschien eine Bekanntmachung des demokratischen Klubs, aus welcher ich Ihnen nur die letzten Sätze verlesen will, wonach Sie die Art und Weise beurtheilen können wie das Volk aufgeregt wurde. (Er verliest zwei Sätze der Bekanntmachung, worin es heißt, daß es nicht genug sei, untergeordnete Frevler zu bestrafen, daß man vielmehr die Unfähigen oder Böswilligen, welche an der Spitze stehen, entfernen müsse.) Gegen Abend fanden Attroupements vor dem Opernhause statt. Von der Treppe des Opernhauses sind aufregende Reden gehalten worden. Man zog zuerst vor mein Haus und erstürmte die Thür, drang in mein Schlafzimmer, und als man mich nicht fand, beschloß man zum Justizminister zu ziehen. Man fand denselben vor dem Hotel des Ministerpräsidenten und verlangte von ihm die Freilassung aller politischen Gefangenen. Der Justizminister erklärte der Deputation, die ihn darum anging, daß dies nicht gehe. Man sprach hierauf von Abdankung, und als der Ministerpräsident frug, wer denn die Abdankung verlange, antwortete die Deputation: Das Volk auf der Straße verlangt die Abdankung. Das Hotel des Ministerpräsidenten wurde hierauf mit Steinen beworfen, die Fenster eingeschlagen und große Steine flogen in die Salons, wo die Gesandten fremder Mächte und die Vertreter der Nation sich hinter die Pfeiler zurückziehen mußten, um sich vor dem Steinregen zu schützen. Selbst dem Justizminister fiel ein Stein auf den Fuß. Die Schutzmannschaften waren nicht vermögend die Excesse zu verhindern. Die Bürgerwehr erschien erst nach langer Zeit. — Ein Staatsbürger muß für seine Person und sein Eigenthum gesichert sein, sei er Demokrat oder Minister, die Regierung wird Ihnen deshalb die geeigneten Vorschläge machen.
Man schreitet hierauf zur Berathung des §. 2. des Gesetzentwurfs.
Abg. Walter beantragt, daß die Versammlung beschließe: statt des zu unbestimmten Ausdrucks des Entwurfs, „durch die öffentliche Stimme,“ zu setzen: „durch den lauten Ruf des Volkes,“ welcher Ausdruck dem des französischen Urtextes: „par la clameur publique,“ mehr entspricht. Auch [0434] stellt er das Amendement, die Worte, „gleich nach der That,“ hier einzuschalten.
Abg. Otto (von Trier) beantragt die Weglassung des Satzes: „in welchen Jemand durch die öffentlicher Stimme als Thäter bezeichnet ist,“ da man aus vielen Beispielen ersehen hat, was man unter öffentliche Stimme verstehe. Er selbst sei in Gefahr gewesen ein Opfer dieser öffentlichen Stimme zu werden. Man kennt die Aufregung, die zur Zeit der Wahl in Trier geherrscht habe. Die Volkspartei siegte in der Wahlschlacht; da verbanden sich die unterlegenen Parteien und fertigten eine Proscriptionsliste von zehn Mann an, welche die Namen derjenigen enthielten, welche der Erregung des Aufruhrs beschuldigt waren, und diese Liste wurde dem öffentlichen Ministerium eingereicht. Durch einen Zufall sei er selbst, der auch mit auf der Liste stand, nicht zur Untersuchung gezogen worden. Das Ende hat ergeben wie unbegründet die Anklage war, der Staatsprokurator war aber zur Erhebung der Anklage verpflichtet, die Angeklagten waren ihm ja von der öffentlichen Stimme bezeichnet worden Ich erkläre mich daher für Weglassung dieses Satzes, denn dadurch wird es Jedem leicht werden einen Feind durch die öffentliche Stimme in Anklage zu versetzen.
Es sprechen noch mehrere Redner für das Amendement Otto's, jedoch auch einige dagegen, und endlich erhebt sich der Minister des Innern und erklärt sich für den Entwurf der Kommission ohne alle Aenderung. Er sei lange Jahre Staatsprokurator gewesen und habe nicht gefunden, daß irgend ein Mißgriff durch die Anwendung dieser Bestimmung, auf Beschuldigung durch die öffentliche Stimme einzugehen, entstanden sei
Bei der Abstimmung wird das Amendement Otto mit 175 gegen 162 Stimmen, und das Amendement Walter mit großer Majorität verworfen. Der §. 2. wird demnach unverändert angenommen, und lautet:
„Ergreifung auf frischer That liegt vor, wenn der Thäter bei der Ausführung der strafbaren Handlung oder gleich nach derselben betroffen wird.
„Der Ergreifung auf frischer That werden diejenigen Fälle gleichgestellt, in welchen Jemand durch die öffentliche Stimme als Thäter bezeichnet, oder auf der Flucht ergriffen, oder kurz nach der That im Besitz der Waffen, Geräthschaften, Schriften, oder anderer Gegenstände betroffen wird, welche ihn als Urheber oder Theilnehmer verdächtig machen.“
Da die Zeit schon zu weit vorgerückt ist, wird der Schluß der Sitzung verkündigt und die Fortsetzung der Debatte über dieses Gesetz findet übermorgen Statt.
Rodbertus zeigt noch an, daß er seinen gestellten und von der Versammlung als dringlich anerkannten Antrag: „Die hohe Versammlung wolle beschließen, daß der Stadt Swinemünde ein Kapital von 5000 Rthlrn. auf einjährige Kündigung schleunigst aus Staatsfonds geliehen werde,“ zurücknehmen. Es heißt, daß der Finanzminister unter dem Versprechen, dem Antrag freiwillig nachzukommen, Rodbertus zur Zurücknahme bewogen habe. Die Kommune von Swinemünde selbst, die gegenwärtig durch die dänische Blokade sehr leidet, und die sich zuerst mit diesem Antrag an ihn wandte, hatte der Finanzminister abschläglich beschieden.
Die Wahl des neuen Präsidiums hat folgendes Ergebniß gehabt: Grabow ist mit 308 Stimmen von 332 zum Präsidenten, zu Vicepräsidenten: Rosch mit 218, Philipps mit 191, Waldeck mit 176 Stimmen gewählt. Für den vierten Vicepräsidenten hatte sich noch keine absolute Majorität ergeben, indem Jonas 165, Evelt 129, Jakoby 114, Rodbertus 90 Stimmen hatten. Es mußte daher eine engere Wahl zwischen Jonas und Evelt vorgenommen werden, wonach Jonas zum vierten Vicepräsidenten gewählt ist.
@xml:id#ar085_006
@typejArticle
@facs0434
[ * ] Berlin, 22. Aug.
„Heute ist hier folgende amtliche Bekanntmachung erschienen: Bei den Ereignissen, durch welche gestern Abend die Ruhe der Stadt wieder so ernstlich gestört worden, sind die Wohnungen einzelner Minister unter den Linden und in der Wilhelms-Straße argen Exessen und Zerstörungen ausgesetzt gewesen, und es ist auf die zur Herstellung der Ordnung herbeigekommenen Schutzmänner mit Steinen geworfen worden, wodurch mehrere erheblich verletzt sind. Es sollen sogar Schüsse gefallen sein. Vorher sollen die Volksmassen schon beim Königlichen Opernhause und sonst durch einzelne Redner zu Zwangsmaßregeln gegen die Behörden aufgefordert worden sein. Es ist wegen dieser Vorgänge sofort die gerichtliche Voruntersuchung beantragt. Damit hierbei aber auch die Schuldigen mit Zuverlässigkeit ermittelt werden und die Untersuchung möglichst schleunig gefördert wird, ergeht an alle diejenigen, welche Zeugniß ablegen können über die Person derer, welche durch Wort und That an diesen Exessen Theil genommen haben, die Aufforderung, sich ungesäumt auf dem hiesigen Kriminalgericht, Molkenmarkt Nr. 3, zu ihrer Vernehmung zu melden.“
Berlin, den 22. August 1848.
Der Staats-Anwalt beim Königlichen Kriminalgericht.
Neumann.
@xml:id#ar085_007
@typejArticle
@facs0434
[ 61 ] Wien, 19. August.
Wien ist reich an glanzvollen Augenschauspielen und liebt sie von jeher. Kaum ist die Rückkehr- und Wiedereinzugs-Komödie ausgespielt, so wird eine neue aufgeführt in einer Parade. Man bestellt dazu die ganze Garnison, die gesammte Volkswehr, alle Behörden, und läßt unter dem Vorgeben, der Kaiser würde interessante Mittheilungen über Italien machen, sogar den Reichstag einladen. — Um 9 Uhr Morgens stehen etwa 250,000 Menschen auf dem Glacis und weiden sich, unterdessen sie der Ankunft des Hofs aus Schönbrunn entgegensehen, an dem majestätischen Anblick der bewaffneten Massen. Aber der Hof läßt nicht lange auf sich warten, er will die Fortschritte zeigen, die er seit seiner Rückkehr in der Demokratie gemacht hat und trifft wider alles Erwarten kurz nach 9 Uhr pünktlich auf dem Glacis ein. Der Kaiser, die Kaiserin, Erzherzog Franz Karl, Erzherzogin Sophie und ihre drei Söhne steigen aus dem Wagen, und begeben sich zwischen Reichstag und Sicherheitsausschuß mitten hindurch unter dem Schweigen der Menge auf die für sie unter einem Zelte hergerichteten Andachtsstühle, worauf der Klerus in einem Zelte gegenüber die Messe liest. Ich will Ihnen nicht die Einzelheiten aufzählen. Es genügt zu sagen, daß nach Beendigung der Messe das Vorbeidefiliren von Soldaten und der mit deutschen Fahnen und Bändern geschmückten Nationalgarde beginnt. Wenige vereinzelte Vivats erschallen dem Kaiser, stürmische, weithin dröhnende da, wo der Reichstag steht.
Da wurde eine Lücke, und es rückt in drei dicht geschlossenen Kolonnen der Techniker, Akademiker und Künstler, die Spartanerschaar der akademischen Legion trotzig und muthig heran. Sofort spielt die Musikbande: Ça ira, und: Wer kommt da von der Höh? — Kriegsminister und Oberkommandant erblassen vor Verlegenheit, wo nicht vor Zorn, der Kaiser wurde immer beweglicher, greift bald an seinen Hut, sieht bald aufs Pferd; eine tiefe Erregung scheint sein Inneres zu bestürmen; Erzherzogin Sophie vermag ihre entrüstete Verwunderung unter einem doppelten Augenglas kaum mehr zu verbergen, während die Kaiserin fragende Blicke nach ihrem Gemahl wirft. Ein bebendes Schweigen umringt, unter dem Geräusch revolutionärer Klänge, den Monarchen, denn die ganze akademische Legion zieht mit ungeheuer-bedeutungsvollem Schweigen vorüber, um, am Kaiser vorbei, im Angesichte des Reichstages in ein desto mächtigeres „Hoch“ auszubrechen. Ich stand dicht beim Hofe, aber ich vermag Ihnen den Eindruck nicht zu schildern, den ich auf allen Gesichtern las und selber verspürte. Man sah es dem Kaiser an, es war eine Erlösungsminute, als die kräftig und muthig aussehende Legion vorüber war und nun die Nationalgarde wieder anrückte. Doch der Impuls war einmal gegeben; wie im März und Mai, so folgte man auch diesmal den Studenten und es zogen viertelstundenlang Bataillone vorüber, ohne die Lippen zu öffnen. Die Lage des Kaisers schien peinlich, denn seine Empfindung mußte es sein; aber der Hof erfuhr, daß er einer Macht gegenüber stand, vor welcher die absolute Majestät vollends erblichen ist.
Ich versichere Sie, die Lektion war lehrreich, tief ergreifend und ich gestehe, daß ich sie von ganzem Herzen noch einem Anderen gegönnt hätte. Die Lektion war gewaltig, denn sie mußte durch drei Stunden ausgehalten werden, so lange dauerte der Vorbeimarsch der 72 Bataillone, die, obwohl kaum über die Hälfte vollzählig, ausgerückt waren. — Nur die goldene Kavallerie der Nationalgarde hatte gehaltvolle Vivat's erschallen lassen, aber sie klangen doch nur wie das Metall, welches ihre Ausbringer repräsentirten. Endlich hatte die peinliche Parade ein Ende; der Kaiser empfahl sich, aber er hatte Nichts über Italien verkündet. — Im geschlossenen Wagen fuhr der Hof nach Schönbrunn zurück. Das Volk der Vorstädte starrte ihn an, aber es blieb stumm und grüßte nicht.
Vielleicht glauben Sie nicht, was ich Ihnen schreibe; die Rheinländer sind ja jetzt die ersten Götzendiener Deutschlands; darum lesen diesen Beleg zu Obigem. — Gerad' aus, ein täglich von 20 000 Abonnenten und Käufern verschlungenes Blatt schreibt in Nummer 85: „Wien, 18. Aug. Man spricht davon, daß bei der morgen stattfindenden Revue der Kaiser und die Prinzen in Nationalgardeuniform erscheinen würden. Wenn wir auch dem Kaiser, als oberstem Staatsbürger das Recht einräumen (!!) wollen, dieses Ehrenkleid der Bürger ohne weitere Dienstverpflichtung zu tragen, so müssen wir uns doch bei den Prinzen die Anfrage erlauben, ob dieselben bei einer Kompagnie der Nationalgarde eingereiht und so ihrer Nationalgardenpflicht (!) nachgekommen sind. Es wäre wünschenswerth, daß die Mitglieder des kaiserlichen Hauses ihre Stellung als Staatsbürger begreifen und bethätigen würden. Es sollte ihnen zur Ehre gereichen, an der Seite anderer, von den Tagesmühen und Lasten gedrückten Bürger den Nationalgardedienst zu versehen u. s. w.“ — Wie bescheiden benimmt sich dagegen der entschiedentste Demokratismus Berlins! Dafür steht Berlin hier auch im jämmerlichsten Mißkredit; denn sein Demokratismus ist eben so langweilig, als impotent.
Gestern war wieder deutsch-katholische Versammlung im Odeon, wobei sich die beiden katholischen Priester Pauli und Hirschberg abermals hervorthaten. Es sollte zu Excessen kommen. Ein Gerücht verkündete nämlich einen Angriff von 20,000, durch Adel und Pfaffen aufgestachelten Arbeitern, der jedoch unterblieb. — Hirschberg trug unter ungeheurem Beifall die Grundzüge des Neukatholizismus vor. Besonders wurde die Aufhebung der Klöster und die Lossagung von Rom mit stürmischem Beifall aufgenommen. Nun trat Dr. Eckhart auf und ersuchte die Versammlung, die Ihnen bereits mitgetheilte Adresse an die Frankfurter Linke zu unterzeichnen. Dies geschah mit unendlichem Jubel. Jetzt trat Pauli auf, aber er hatte kaum zu sprechen angefangen, als ein gewisser Baron Bulley von Rusepp mit einigen andern schrien: „Reißt ihn hinunter, hinaus mit ihm!“ Die Menge stürzte auf denselben ein, um ihn zu ergreifen, doch der Baron wußte sich durch den Ruf: „Feuer“, der die Menge verblüffte, zu retten. Nun gerieth aber Alles in Schrecken und drängte nach allen Seiten hinaus. Fenster und Thüren wurden dabei zertrümmert. Als man seinen Irrthum einsah, war der Anstifter entkommen. Morgen Sonntag um 10 Uhr ist wiederum Versammlung.
Im Sicherheitsausschusse entspann sich gestern eine neue Debatte über die in corpore vorzunehmende Unterzeichnung der Adresse an die Frankfurter Linke, welche morgen um 10 Uhr erst zu Ende geführt werden soll. Freund meinte, ein Klub dürfe eine solche Adresse wohl unterzeichnen, nicht aber der Sicherheitsausschuß als Behörde. Man arbeite dadurch der Reaktion in die Hände, die nichts sehnlicher wünsche, als daß das Parlament auseinandergestäubt werde. Wessely will die Unterzeichnung, um der Frankfurter Rechten eine Lektion zu geben, daß sie sich bessere u. s. w. Der Sicherheitsausschuß ist Wien, ist Oestreich, er ist eine mächtige Revolutionsbehörde. Wirft er einmal einen tüchtigen Stein in den Frankfurter Froschteich, so werden die Frösche, besonders die stock- und hochpreußischen, vielleicht nicht mehr so stark quaken. Den Morgen- und Abendsitzungen des Sicherheitsausschusses, der auch eine Nachtpermanenz unterhält, heizuwohnen, ist darum so äußerst interessant, weil darin neben den höchsten politischen auch alle sozialen Fragen zur Sprache kommen.
Nach einer Verordnung des Justizministers Bach vom 11. August sind sämmtliche Gerichtsbehörden in dem Sprengel der Senate des k. k. obersten Gerichtshofs angewiesen, in gerichtlichen Erledigungen allen Staatsbürgern ohne Unterschied des Standes das Prädikat „Herr“ oder „Frau“ beizulegen, und auf Verlangen Sitze vor Gericht zu geben.
Damit Sie jedoch nicht denken, es sei lauter demokratisches Gold in Deutschland's Paris, so will ich Ihnen schließlich die Mittheilung machen, daß sich ein dem „Preußenverein“ ähnlicher konstitutioneller Verein hier gebildet hat, der jedoch vorläufig noch durchaus unschädlich ist, weil er nirgendwo einen Anhalt, nirgendwo hochpreußische Gemüther antrifft. Das Volk hat ihn erst jetzt gemerkt und will auf sein Treiben ein wachsames Auge werfen.
Am 24. werden wir die erste Preßgerichts-Verhandlung mit Geschwornen haben. Es liegen 66 Anklagen vor, von welchen 14 zur Verhandlung reif sind, 22 noch in der Voruntersuchung sich befinden.
@xml:id#ar085_008
@typejArticle
@facs0434
[ 61 ] Wien, 20. Aug.
26. Sitzung des Reichstags. Vorsitz Strobach. Tagesordnung: Fortsetzung der Berathung über den Antrag Kudlichs. Wegen der am Morgen stattgehabten Parade beginnt die Sitzung um 5 1/4 Uhr Abends.
Präsident Strobach entschuldigt einige bei der Revue vorgekommene Verstöße und eröffnet, daß er bereits dem Minister des Innern Anzeige davon gemacht und daß Vorkehrungen getroffen seien, das Vorfahren der Hofwagen z. B. in Zukunft zu vermeiden. Hierauf wird eine Adresse der oberöstreichischen Ständeversammlung verlesen und dann der arme Dobblhoff, von dem unermüdlichen Interpellanten Löhner, über eine in der Abendbeilage zur Wiener Zeitung vom 18 enthaltene Angabe befragt, wonach der Banus Jellachich eine Inspektionsreise durch Kroatien und Slavonien vorzunehmen, ja dieselbe auch auf Dalmatien auszudehnen beabsichtige, obwohl bekanntlich ein von dem Wiener Ministerium abhängiger Civil- und Militärgouverneur sich in dem letztern Lande befinde. Er frage den Minister, ob er etwas von dieser Reise wisse oder gar damit übereinstimme?
Dobblhoff. Da ihm davon keine offizielle Mittheilung gemacht worden, so könne er keine Auskunft ertheilen.
Auch auf der Parade des Kaisers wurden Dobblhoff, Schwarzer, Bach und die übrigen ministeriellen Puppen ignorirt; ich bemerkte immer nur Jellachich-Latour an der Seite des Kaisers und dieser scheint, mit der Camarilla und den großen Kartätschenhelden von Mailand, Prag und Agram im Bunde, das eigentliche östreichische Ministerium zu bilden. Der Weltgeist des sogenannten demokratischen Ministeriums Dobblhoff ist höchstens im Stande, ministerielle Ohnmachten offen zu zeigen und dennoch in seiner erbärmlichen Stellung zu verharren.
Nach mehreren unbedeutenden Vorkommnissen besteigt der Abg. Spabel die Tribüne, um über den Antrag Kudlichs das Wort zu nehmen. Er will die Befreiung des Individuums, die Entlastung des Grund und Bodens soll aber nur im Wege der Ablösung geschehen dürfen.
Löhner will die Entschädigung durch den Staat geleistet haben.
Pretis: Wenn die Tiroler auch besser als andere daran seien, so seien sie doch deshalb der Aufhebung der Lasten nicht entzogen. Im Hochlande z. B. trage der Acker blos 4- bis 5fach; wer 5 Metzen aussäe, bekomme 20; davon müsse er dem Zehnt-Herrn 2 geben. Da nun die 5 Metzen bereits verzehntet worden, so gebe er diese blos von 14; da kämen einige Metzen für den Grundherrn, dann käme der Staat. So arbeite der Tiroler das 6. oder 7. Jahr für den Zehnt-Herrn, das 4 oder 5. Jahr für den Grundherrn, das 2. oder 3. Jahr für den Staat, und den freien Bauern bleibe nur die Freiheit, für andere zu arbeiten. Es sei Pflicht des Staates, den Bauer zu befreien, ohne daß er dafür eine Entschädigung zu leisten habe, noch leisten werde. (Beifall).
Borkowski aus Galizien ist für die Aufhebung ohne alle Entschädigung. Er sagt in einer von großem Beifall begleiteten Rede unter Anderem, es handele sich hier um eine neue soziale Revolution, um eine neue Umschaffung des Begriffs über Eigenthum. Darum nehme es ihn auch nicht Wunder, daß die Berathung hierüber so lange aufhalte. Viele hätten gesagt, der Besitz sei ein Heiligthum, aber dann habe auch der Absolutismus, d. h. ausschließliche Zueignung aller Freiheiten für sich, einen Anspruch auf diese Benennung, weil er lange Zeit mit vollem Rechte, ja sogar von Gottes Gnaden besessen worden sei. (Beifall.) Das Volk aber mache Revolutionen, um die Freiheit vielen zuzuführen; und die Geschichte bezeichnet solche Vorgänge als eine glänzendern, richtigern Besitz. Wie mit dem Absolutismus, so verhalte es sich mit dem physischen Eigenthume; wenn nämlich die gutsherrlichen Giebigkeiten unrechtmäßig gewesen seien, so sei es auch ihr Besitz, und man dürfe deshalb kein Bedenken tragen denselben abzunehmen. Man hebe damit nur ein Unrecht auf. Eine soziale Revolution müsse freilich nur nach und nach geschehen, denn schon die Geschichte lehre, daß sie selbst der Guillotine nicht mit einem Male gelinge. Wenn bei der Aufhebung der Unterthänigkeit ohne Entschädigung die Besitzer verarmten, so solle man dieselben an ihre Ahnen verweisen, weil von ihnen das Unrecht herkomme. Ebenso müsse man es mit den Staatsschulden machen, wobei er am ersten auf Metternich verweise. Auch die Dienstbarkeiten müßten aufgehoben werden, und es könne nicht darauf ankommen, ob der Bauer dadurch mehr verlöre, als er durch Aufhebung der Rebot gewinne. Es handle sich nicht um den Gewinn oder Verlust Einzelner, sondern nur um das Unrecht. Wer würde so unverschämt sein wollen, die Revolution darum zu verwerfen, weil einzelne dabei verloren hätten? Sie würde noch goldene Früchte tragen. (Beifall.) Man müsse einen neuen Begriff des Eigenthums schaffen und auch alle Konsequenzen energisch durchführen, die daran hängen u. s. w.
Kozakiewicz ist für Entschädigung, doch noch nur da, wo rechtsgültige Kontrakte vorliegen.
Klaudy ist für eine Entschädigung, dieselbe soll aber auf das billigste Maaß beschränkt werden, indem die eine Hälfte auf alle Staatsbürger, ohne Rücksicht, ob sie dadurch gewinnen oder verlieren, repartirt, die andere Hälfte edoch den einzelnen Gemeinden aufgebürdet würde. Er spricht sich für unbedingte Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit aus.
Nun wird Aufhebung der Sitzung begehrt und die Versammlung entscheidet sich für Vor- und Nachmittagssitzungen. Ende 1/2 9 Uhr.
@xml:id#ar085_009
@typejArticle
@facs0434
[ 61 ] Wien, 20. August.
Ich komme so eben aus der Sitzung des Sicherheitsausschusses, wo darüber berathen wird, ob der Beschluß, die von dem demokratischen Verein vorgelegte Adresse an die äußerste Frankfurter Linke zu unterzeichnen und der gesammten Nationalgarde, Bürgerwehr und akademischen Legion zur Unterzeichnung vorzulegen, zu annulliren sei. Die Debatten waren ungemein stürmisch, dauern auch noch fort, aber das Resultat, daß nämlich der Beschluß aufrecht erhalten wird, kann nicht zweifelhaft sein. Ich werde morgen den nähern Verlauf berichten.
Die reaktionäre Tagespresse ist entrüstet darüber, daß der Reichstag den Selinger'schen Antrag auf Anerkennung der Verdinste der ital. Armee so ohne Weiteres hat durchfallen lassen. Der Ausfall der gestrigen Parade hat diese Partei vollends zur Raserei gebracht. Alle Ehren wurden dem Reichstag nur allein bewiesen, während der Hof ganz leer ausgehen mußte. Das polytechnische Korps bestreute z. B. den Weg, wo der Reichstag einherzog, mit Blumen und Blättern und der Kaiser mußte dem zusehen.
@xml:id#ar085_010
@typejArticle
@facs0434
[ 321 ] Hagen, 23. August.
Folgendes Plakat hat hier in den Tagen königlicher Verherrlichung großes Aufsehen erregt:
Hoch lebe Preußens Herrscher-Haus.
Sei uns willkommen, weiser Herrscher! Von Dir, o edler Fürst,
Soll keine Macht uns trennen:
Bis der Pol den Pol wird küssen,
Zenith den Nadir wird begrüßen
Soll kein leerer Wahn uns blenden; —
Wir stehen fest und wanken nicht.
[(Schwelmer oder Hagen'sche Poesie.)]
@xml:id#ar085_011
@typejArticle
@facs0434
Schmiedeberg, 16. August.
Der Erdmannsdorfer Fabrick, welche eine beträchtliche Anzahl Arbeiter, wenn auch kümmerlich ernährte, ist gestern in Folge eines höhern Befehls die Weisung zugegangen, ihre Arbeiter nicht mehr zu beschäftigen. Es mag dem nun Mehreres zu Grunde liegen, die Maßregel bleibt indessen dadurch sehr gefährlich, weil in ungefähr acht Tagen vielleicht 3000 Weber, viele davon mit Weib und Kindern, am Hungertuche nagen müssen.
@xml:id#ar085_012
@typejArticle
@facs0434
[ * ] München, 21. Aug.
Die kürzlich von Soldaten verübten Exzesse, Verwundungen und Zerstörungen machten anfänglich eine Untersuchung nothwendig. Jetzt hat man sie fallen lassen, da die Erbitterung des Volks sich etwas gelegt hat. So schläft die Sache ruhig ein. Es wäre ja auch höchst beklagenswerth, eine solche Untersuchung zu Ende zu führen. Denn möglicher Weise könnte sich doch für Einen oder den Andern der reaktionären Anstifter etwas Gravirendes herausstellen und das wäre immerhin verdrießlich — des Geredes wegen!
@xml:id#ar085_013
@typejArticle
@facs0434
[ * ] Bruchsal, 21. August.
Auf Antrag Brentano's, der als Fickler's Anwalt in der heutigen Sitzung des Hofgerichts fungirte, erklärte sich letzteres in Sachen Fickler's für inkompetent. Somit muß Fickler vor das Schwurgericht in Freiburg kommen und die badische Regierung hat bereits die erste Lexion bekommen.
@xml:id#ar085_014
@typejArticle
@facs0434
Mannheim, 20. Aug.
Es war dem Bataillon Kurhessen, das zur Ablösung unseres badischen zweiten Infanterieregiments hierher dirigirt ward, anfangs Einquartirung bei den Bürgern versprochen worden, aber man scheint unterwegs schon Symptome bemerkt zu haben, daß dies zu Fraternisirungen führen könne, die man gerade nicht will. Genug, als die kurhessischen Reichstruppen die Kaserne beziehen sollten, erklärten sie, dieselbe sei ihnen zu schmutzig, stellten die Gewehre in den Kasernenhof, zogen in die Wirthshäuser und blieben dort bis zum Zapfenstreiche, worauf sie zwar auf den Kasernenhof zurückkehrten, aber die Zimmer nicht bezogen, sondern unter dem freien Himmel kampirten. Ja, der Geist, der in diesen Reichstruppen gährt, machte sich sogar in Lebehochs auf — Hecker Luft! Heute wollte man kapituliren und die Kasernenverwaltung mußte zur Aufnahme der Reichstruppen einige Zeughaussäle herrichten. Doch die Truppen, welche nicht einkasernirt, sondern einquartirt werden wollen, sind diesen Nachmittag auf den Exerzierplatz jenseit des Neckar gezogen, wo sie kampiren. Alles ist auf die Wendung gespannt, welche diese Angelegenheit nehmen wird. Kuriere nach Karlsruhe, Frankfurt und Kassel sind abgeschickt.
[(M. Z.)]
@xml:id#ar085_015
@typejArticle
@facs0434
Klagenfurt, 15. August.
Hier wurde dem nicht beliebten Kreishauptmann Spiegelfeld und dem Grafen Ditrichstein eine Katzenmusik gebracht, ersterem wegen der unmotivirten Erhöhung des Fleischpreises, letzterem wegen dem Verdachte einer Correspondenz mit Metternich. Die Tumultuanten begnügten sich jedoch nicht allein mit der Katzenmusik, sondern zertrümmerten auch alle Fenster und geriethen in einen Conflikt mit der einschreitenden Nationalgarde.
[(Wien. Ztg.)]
Dalmatien.
@xml:id#ar085_016
@typejArticle
@facs0434
Zara, 14. August.
Heute ist ein Freudentag für Zara: es ist der Sylvestertag der Abreise nach Wien des Präsidialsekretärs Franz, Ritter von Nadherny, dieses Helden der alten Polizeiregierung, eines der größten Krebse und Reactionärs. Dieser Anbeter des Nepotismus war an seinem Platz unter einer Metternich-Seldnitzkischen Regierung, und gewiß ist es, daß, so lange man solchen Personen die Leitung der Administration überläßt, das edle hochherzige Wien es nicht dahin bringen wird, die Provinzen Oesterreichs des wahren Segens einer liberalen Constitution sich erfreuen zu dürfen.
Es müssen aus allen Theilen der Monarchie, besonders aber aus den vom constitutionellen Thron entfernten auf immer alle jene Beamte entfernt werden, die entweder aus Grundsätzen, oder im eigenen Interesse den vorigen Absolutismus der Bureaumänner wieder einführen möchten.
Der Herr Minister Dobblhoff möge auf unsere entfernte, von der fremdesten Beamtenherrschaft seit langer Zeit maltratirte, und [0435] zu Grunde gerichteten Provinz doch endlich einen Blick werfen. Die Liberalen Zaras und Dalmatiens überhaupt erwarten mit Zuversicht, daß der Herr Minister damit beginnen werde, den allgemein verhaßten, und seit der ertheilten Constitution seiner Arroganz wegen auch verachteten Zopfmann Nadherny die Rückkehr auf seinen einflußreichen Posten, und überhaupt nach Dalmatien, wo wir derlei Subjekte nicht gebrauchen können, amtlich zu verbieten.
[(A. Oest. Z.)]
Ungarn.
@xml:id#ar085_017
@typejArticle
@facs0435
Pesth, 17. August.
Der heutige „Közlöny“ (Moniteur) bringt folgende Mittheilung des Kriegsministers:
Unsere tapfern Krieger haben drei Siege erkämpft: Bei Neusina unter dem Commando des Obersten Ernst Kiß, zwischen Verbaß und St. Thomas, unter dem Commando des General Wallenhofer (an diesem Gefechte nahm das Linienmilitär und die Nationalgarde rühmlichen Antheil); bei Jarek, unter dem Commando des Grafen Castillioni. Den ausführlichern Bericht werde ich morgen mittheilen.
Pesth, den 15. August 1848.
Folgender Brief gibt bereits einige Details über den Kampf bei Neusina.
@xml:id#ar085_018
@typejArticle
@facs0435
Groß-Becskerek, 10. August.
Samstag kehrten unsere Truppen nach Lazarfeld zurück. Unsere Kanonen, so wie auch unsere Infanterie und Kavallerie, erhielten bedeutende Verstärkung, und wir griffen den Feind nochmals an. Ein Regen von Flinten- und Kartätschenkugeln fiel auf uns nieder, wir erwiederten jedoch muthig das Feuer. Bald darauf stand Neuzina in Flammen. Unsere Soldaten stürmten hinein, und mehr als 500 Empörer wurden niedergemacht. Ein reich in Gold gekleideter Serbe, der sich nicht retten konnte, sprang in die Flammen eines brennenden Hauses und wurde lebendig gebraten.
@xml:id#ar085_019
@typejArticle
@facs0435
Hermannsstadt, 10. August.
Unter den Szeklern erlöschen die Unionssympathien immer mehr; besonders ist ihr Unwille dadurch rege geworden, daß ihnen das Ministerium die freie Wahl ihrer Oberbeamten, der Oberkönigsrichter entziehen will, — Die Cholera macht in Siebenbürgen Fortschritte. Kronstadt ist arg von derselben heimgesucht. Im Fagarascher Comitat haben sich bereits mehre Erkrankungs- und Todesfälle ergeben, und auch in dem 5 Stunden von hier am Altflusse liegenden Szahadat ist die Seuche ausgebrochen. — Von einem Einmarsch russischer Truppen in die Walachei ist dermalen keine Rede. Die Auswanderung angesehener und vermöglicher Familien nach Kronstadt und Hermannstadt dauert fort.
[(W. Z.)]
Italien.
@xml:id#ar085_020_c
@typejArticle
@facs0435
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 25. August 1848. In: MEGA2 I/7. S. 613.]
[ * ] Florenz, 13. August.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
@xml:id#ar085_021_c
@typejArticle
@facs0435
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 25. August 1848. In: MEGA2 I/7. S. 613.]
[ 15 ] Lugano, 16. Aug.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
@xml:id#ar085_022_c
@typejArticle
@facs0435
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 25. August 1848. In: MEGA2 I/7. S. 613.]
[ * ] Florenz, 14. August.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
@xml:id#ar085_023_c
@typejArticle
@facs0435
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 25. August 1848. In: MEGA2 I/7. S. 613.]
Palermo, Ende Juli.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
@xml:id#ar085_024_c
@typejArticle
@facs0435
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 25. August 1848. In: MEGA2 I/7. S. 613.]
Mailand, 15. August.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
@xml:id#ar085_025_c
@typejArticle
@facs0435
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 25. August 1848. In: MEGA2 I/7. S. 613.]
[ * ] Verona, 15. August.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
@xml:id#ar085_026_c
@typejArticle
@facs0435
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 25. August 1848. In: MEGA2 I/7. S. 613.]
[ * ]
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
@xml:id#ar085_027_c
@typejArticle
@facs0435
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 25. August 1848. In: MEGA2 I/7. S. 613.]
[ * ] Malta, 12. August.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
Schweiz
@xml:id#ar085_028
@typejArticle
@facs0435
Bern, 20. August.
Der „Verf.-Frd.“ berichtet: Es langten zwei Schreiben von der Regierung von Graubünden an den Vorort an. Das erste ist vom 16. August Vormittags, enthält die Nachricht, daß der Stelvio noch mit 3000 Mann Italienern besetzt sei und daß eine Kolonne von 10,000 Mann aus dem Val-Camonica ins Veltlin rücke, in der Absicht, sich da zu halten. Das zweite Schreiben, vom 16. August Nachmittags, berichtet, daß die Besatzung am Stelvio sich aufgelöst habe und ins Münsterthal geflüchtet sei. Eben so ziehe sich die Kolonne vom Val-Camonica aus dem Veltlin, in welches die Oestreicher schon zu weit vorgerückt seien, in das Oberengadin nach Puschlav zurück. Die Flüchtlinge müssen alle ihre Waffen ablegen, welche ins Innere des Kantons abgeführt werden.
@xml:id#ar085_029
@typejArticle
@facs0435
[ * ]
Aus Genf wird unterm 16. d. einem Berner Blatt folgendes geschrieben: „Heute langten einige höhere Offiziere, worunter ein Schweizer, aus der Lombardei hier an. Wie sie erzählen, gehörten sie zu dem Korps, das sich noch vor den Thoren von Mailand schlug, als General Fanti gefangen wurde; nur mit vieler Mühe konnten sie über den Simplon entkommen; die Straße war buchstäblich mit Flüchtigen bedeckt, mit Weibern in seidenen Kleidern und ohne Schuhe, mit Kindern etc., daß es ein wahres Erbarmen war. In Oberwallis und besonders in Brieg wurden die Offiziere insutirt, da sie noch ihre Uniform trugen‒ In Brieg wurden zur Feier des Sieges der Oesterreicher Freudenschüsse abgefeuert, dasselbe geschah in Entremont. Ueberall erheben die Sonderbündler ihr Haupt und hoffen sich zu rächen; sie sagen laut, daß sie sich auf alles gefaßt machen.“
Französische Republik.
@xml:id#ar085_030
@typejArticle
@facs0435
[ 16 ] Paris, 22. August.
Mit affektirter Gleichgültigkeit betrachtet das philiströse „Siécle“ den Gesetzvorschlag wegen der Akkorde zwischen Schuldnern und Gläubigern; es meint wenn er durchfalle so sei es eben kein Malheur. Und dennoch ist es schwarz auf weiß nachgewiesen, daß in Paris allein 7000 im übrigen Frankreich weit über 10,000 kleine Kaufleute in die unerbittlichen Krallen der Bankfürsten, ihrer Gläubiger, stürzen müssen, wenn das Gesetz abgewiesen, oder verstümmelt wird. „La Braie Republique“ sagt sehr treffend: „Heulen und Zähneklappen wird in den Reihen der Ordnungsmänner erschallen, sobald ihr blöder Taumel durch das langsam aber sicher heraufziehende Ungewitter des allgemeinen Bankerutts gestört sein wird. Ihr armen Thoren, ihr Kleinhändler, die ihr des Nachts dreimal auffahrt aus den bösen Träumen, die eure Wechsel Euch machen, die Zeit naht wo ihr Hände ringend mit euren Damen und Demoisellen im so gehaßten Socialismus Zuflucht suchen werdet. Wie merkwürdig einfältig ihr seid, selbst in den Sachen wo ihr doch eigentlich zu Hause seid, im Geldwesen beweist ihr jetzt wieder auf eine ergötzliche Manier. Ihr schwatzt immer von praktischem Blick, eure Schreiber und Deklamatoren haben nicht genug Spottworte gegen uns socialistische Theoretiker, und dabei trabt ihr gemächlich im alten Geleise weiter bis eure Praxis Bankerutt macht. Glück auf! Ihr habts gewollt!“ — „La Liberte,“ in Lyon sagt: „Die Herren Bourgeois, reich und nicht reich, haben endlich unter sich eine naturgemäße Scheidung vorzunehmen; links die Schaafe, rechts die Böcke oder umgekehrt, wie's beliebt, aber bald muß die ärmere Bourgeoisie die fünf Sinne aufsperren, mit der reichen brechen, und Arm in Arm gehen mit den Arbeitern, d. h. mit dem Volk. Eine Lüge war's daß die Juniinsurgenten die Hand der Rache auf dieses niedrige Gestrüpp, auf die Kleinbourgeoisie, legen wollten, eine Lüge, ausgestreut von den reichen, hohen Schelmen die allerdings von der Volksjustiz des Produzenten, und von einem Erwachen der ganz kleinen Bourgeoisie alles zu befürchten haben. Die letztre wird hiemit inständig ersucht, ihre ganze Logik aufzubieten und sich an die sociale, d. h. Mittags- und Abendbrodsfrage, zu machen. Uebrigens schlug sich bisher der Kleinbürger gegen uns Arbeiter lediglich aus Angst, ihm werde sein gehäbiges materielles Existiren, diese angenehme Sicherheit des morgenden Essens, des Bettes, des warmen Zimmers, des Familienkreises, durch unsere Proletariatserhebung entrissen werden. Der gute Mann irrt in einer eben so lächerlichen als beklaglichen Weise; er höre endlich auf ein verknöcherter (petrifié) Egoist zu sein.“ — Der „Konstituant“ im Girondedepartement meint. „Wir heißen freilich bei den reichen Machtbesitzern die Verworfenen, und wenn wir den Giftpfeil zurückschössen, es wäre nichts andres als baare Wiedervergeltung. Sie verführen unsre Mädchen und Frauen, sie stecken unsre Knaben ins Militär, sie konfisziren unsre Lektüre, sie pressen uns immerfort den schwachen Gewinnst unsrer Produktion wieder ab durch Stempelgebühr, Gerichtssporteln, direkte und indirekte Steuern aller Sorten; sie schließen uns krumm an die ewige Galerenbank der Arbeitsmühe, so daß uns Schule und Bildung, seines, edles Vergnügen versperrt bleiben müssen; während sie faulenzend auf Kanzel und Redebühne, Professorstuhl und Präsidentensessel uns Arbeitsamkeit, Tugend, Keuschheit zu predigen die Stirn haben. Es ist die verkehrte Welt…… Gleichviel: wir, die Socialisten, sind im Recht, und die Anbeter des goldenen Kalbes, die vor dem Götzen Malthus räuchern und Proletarierblut verspritzen, sind Feinde des Menschengeschlechts.“ Diese Nummer wurde konfiszirt. — Proudbous „Representant du Peuple“ ist auch in drei Tagen dreimal konfiszirt worden.
Der Transport Nr. 3 ist abgegangen; an 900 Insurgenten, darunter siebzig- und siebzehnjährige, viele mit Orden und Rettungsmedaillen, mit Narben aus den Juli- und Februartagen, und aus den Kriegen. Sie werden zu dreien gebunden an Bord geschleppt und nach den s. g. atlantischen Inseln verfahren längs der französischen Küste: nach Belle Isle, Oberon, Ré u. s. w., wo sie ihr weiteres Verpacken abwarten. An Abschied und Begleiten kein Gedanke; der berüchtigte Jesuitenschüler Exvicomte Cormenin (der so schön als Vorsitzer die Wahlzettel zu verfälschen wußte und zum Lohn dafür Vorsitzer in der Kerkerkommission ward) besuchte diesmal die Verurtheilten im Fort de L'Est und hatte die unglaubliche Frechheit zu sagen: „macht keine Ansprüche auf Rücksichten, ihr seid Besiegte, fügt euch; eure Verwandten dürfen euch noch nicht begleiten, erst wollen wir sehen, ihr gefährlichen Subjekte, wie ihr die Reise aushaltet; lebt wohl, meine Geschäfte vergönnen mir nicht weiter mit euch zu reden.“ Diese Worte stehen bereits in mehrern „bösgesinnten“, d. h. volksfreundlichen Blättern, und ein Entlassener hat sie mir mündlich mitgetheilt. — Das Kriegsgericht verurtheilte so eben den Kupfergießer und Sekondelieutenant in der 5. Nationalgardelegion, Pierre Jusseau, als „uniformirten Barrikadenchef“ zu 3 Jahren Festung, nachdem es den Chef Testulat wegen desselben „Verbrechens“ zu lebenslänglichem Bagno verdammte; ein Pröbchen derzeitiger Säbeljustiz. Der Herr Kommandant der Nationalgarden, der afrikanische General Changarnier, den Insurgentenkugeln leider entwischt, läßt seit 3 Tagen keine Blousen mehr durch die Tuilerieen gehen, ganz wie zur seligen Zeit Louis Philipps; man zwang einige Minister zu Vorstellungen, der Herr General ward grob, und nahm alle Schildwachen aus dem Garten. — Cavaignac leidet; er erzitterte neulich im Ministerkonseil konvulsivisch, als einer ihm sagte: dies Nichtinterveniren sei gar zu guizotinisch, nahm schweigend und düster den Hut und verließ das Zimmer. Dies ist faktisch
Die Nationalgarden der II. u. III. Legion haben zu Obersten sich alte Liniengenerale erwählt, sehr bezeichnend für diese Bankierlegionen. Im Ganzen sind seit zwei Tagen an die Bourgeois 64,000 scharfe Patronen vertheilt worden; natürlich nicht gegen die Karlisten, die lieben Vettern, sondern um wiedermal ein Bischen das Volk zu reizen und zu decimiren. „Es sind so viele arme Teufel in Paris!“ sagte eine sentimentale Bourgeoisdame zu mir. — Uebrigens ist ernstlich die Rede, daß diesmal jeder uniformirte Nationalgardist und jeder nichtuniformirte, der zu Hause bleibt und sein Gewehr unbenutzt läßt, mit Gewalt geholt und in die gloriosen Glieder der Ordnungsheldengarde einrangirt werden soll. In der 2. und 3. Legion sind alle Portiers bewaffnet und werden mitziehen, ihre Weiber bewachen die Thür; erstere sind die brutalsten Royalisten der Welt, da sie im Solde der Herren Bankiers vegetiren, letztere, lauter Ex-Loretten, hegen einen souveränen Haß gegen alle demokratischen Ouvrierea. Die Zahl dieser mindert sich freilich täglich, Verzweiflung über die Wegführung ihrer Männer und Arbeitmangel machen sie für [?]listische Einflüsterungen geneigt. Mehrere versicherten mir, sie hätten diese Mord- und Hungerrepublik satt, und wollten unter Kaiser oder Jesuiten leben, vorausgesetzt daß sie Arbeit und ihre Männer wieder bekommen. Hierzu die schwere Uebersteuer von neun Sous per Fr., „es ist eine fortlaufende Verschwörung seit dem 1. März gegen die Revolution, sagte eine mir weinend, man hat Alles gethan dem Volk die so sehnlich gewünschte Republik leid zu machen; wir sind jetzt am Aeußersten, das muß enden!“ Der Polizeipräfekt hat gestern achttausend Ausrufer der Journale ganz brodlos gemacht, und den ächten Volksblättern fast alle Leser entzogen; sie müssen jetzt nicht mehr herumgehen, nicht mehr schreien, eine Medaille um den Hals tragen, nach der Kabinetsordre von 1834 und von 1798. — Immer noch laufen Zeugnisse über die Bourgeoismassakern während und nach den 4 Mordtagen ein; so z. B. das eines Familienvaters, der unweit der Tuilerieen wohnend, „in 4 Nächten unaufhörliches Trommeln und Peletonfeuer, von elf Uhr Abends bis drei Uhr Morgens, in den Souterrains des Parkes hörte;“ seine Frau und Schwester zerrauften sich das Haar und beteten, er ward selbst bald rasend, und schätzt die Summe der dort im stillen Verließ Gemordeten auf mehrere Hundert per Nacht. Die Thür des unterirdischen Ganges, bei dem Bilde der Kleopatra, ist seitdem vermauert. Das Journal, welches diesen Brief gab, ist konfiszirt; seine Frau hat mir aber die Wahrheit beschworen, unter Schluchzen.
@xml:id#ar085_031
@typejArticle
@facs0435
[ 12 ] Paris, 21. August.
Dozirt nur, Ihr Professoren, was gesetzmäßiger Gang sei und was der eigentliche Grund des Rechtsbodens; der Schuhmacher Chenu kann Euch am besten den Begriff des Rechtsbodens beibringen. Lest sein Verhör in den 4 Quart-Bänden, welche die Untersuchungs-Kommission über die Ereignisse in Frankreich seit der Februar-Revolution publizirt. Der gesetzmäßige, rechtmäßige Gang? Der Gang, der im Gang war seit Jahrhunderten, ist Euch Allen abhanden gekommen; es handelt sich darum, einen neuen Gang zu wandeln, den Millionen von Proletariern betreten wollen, und wenn da einige Bourgeois-Familien zertreten werden, wer kann dafür daß sie nicht aus dem Wege gehen wollen? 400,000 Pariser Proletarier brodlos, heimathlos, obdachlos gemacht, wollten sich eine Heimath, ein Obdach erbauen, die alten Rechtsverhältnisse, von einigen wenigen getragen, standen ihnen im Wege; Marrast und die Seinigen wollten diese Rechtsverhältnisse als allgemeine gesellschaftliche Verhältnisse festnageln: Ledru-Rollin, ein Feind dieser Verhältnisse, wollte bloß das Annageln verhindern: Sobrier und Barbes wollten die Nägel selbst ausreißen: Lamartine, wie ein Gott, glaubte über den Nagelspitzen schweben zu können. Da hieß es: Geht mit den Eurigen aus den Häusern in die Straße, wir wollen die Pflastersteine abermals umkehren und sehen, wer die Oberhand behält. Auf dem „Rechtsboden“ liegt das Recht auf dem Boden: „historisches Recht“. Wessen historisches Recht? Unser angestammtes Recht, sagen die Arbeiter, das ist unser Recht auf Arbeit, unser Recht, durch unsere Arbeit unser Leben zu gewinnen, und um zu diesem Rechte zu gelangen sind wir entschlossen, ganz Paris umzukehren. Paris! Was geht uns Paris an? Was haben wir von Paris? Wir haben ja nicht einmal das Recht in Paris zu wohnen: Wir wohnen nicht in Paris, wir schlafen nur in Paris, oder vielmehr über Paris, in den höchsten Regionen, zu Tausenden zusammengeschart: wir wohnen in der Straße: die Straße gehört uns, und wir wollen unser Straßenrecht geltend machen.
Die Debats zittern für ihre Aktien, für ihre Eisenbahnen und ihre Staatsschuldverschreibungen. Marrast und der National zittern für ihre Stellen; die Republikaner zittern für ihre Republik. Alle sind kompromittirt, alle zittern, mit Ausnahme der Arbeiter. Die Quart-Bände der Untersuchungs-Kommission sind der allge- [0436] meine Bourgeois-Schreck. Die „Begriffe“ sind wie verwirrt geworden, und die Leute wissen nicht mehr woran sie halten.
@xml:id#ar085_032
@typejArticle
@facs0436
[ 12 ] Paris, 21. August.
Täglich erscheinen mehr und mehr Aktenstücke der Untersuchungskommission und täglich nehmen dieselben an Interesse zu. Am merkwürdigsten erscheinen uns die Dokumente, welche sich auf die Organisation „des Klubs aller Klubs“ beziehen. Dieser Klub, von Longepied organisirt und von der Regierung unterstützt, hatte seine Verzweigungen durch ganz Frankreich. In jedem Departement befanden sich vier Agenten, die ihren Bericht dem Central-Comité einschickten. Aus je vier Berichten wurde ein Resume angefertigt, so daß es ein Leichtes war, sich über den jedesmaligen Stand eines Departements Rechenschaft zu geben. Die Liste dieser Agenten mit ihrer jedesmaligen Adresse ist in den Besitz der Untersuchungskommission gekommen, und das Journal des Débats veröffentlicht dieselbe mit allen ihren Details. Diese Namen nehmen eine ganze Seite, d. h. vier ungeheure Spalten des Bertin'schen Blattes ein. Die perfide Absicht, welche dieser Veröffentlichung zu Grunde liegt, ist leicht zu errathen.
Die Sprache dieses Blattes tritt im Uebrigen immer klarer zum Vorschein. Früher wagte es nicht, über den 24. Februar hinauszugehen. Die Barrikaden dieses Tages waren die scharfen Gränzlinien zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Aber jetzt! „Si nous voulions revenir sur le passé!“ d. h. wenn wir weiter in die Vergangenheit zurückgehen wollten. Diese Worte kommen jeden Augenblick vor, seitdem es zwei Mal Barrikaden gegeben hat, und man nicht mehr zu unterscheiden weiß, welches die rechten gewesen. „Ihr Männer, wie Ledru Rollin, Ihr beklagt Euch, daß Ihr verläumdet werdet! Ah, und die Männer des alten Regime's? Hatten sie nicht während 18 Jahren gegen Eure Verläumdungen anzukämpfen?! Mit Sehnsucht blickt das Organ Bertin's und Rothschilds auf jene Zeit zurück, wo es Männer gab, welche das „öffentliche Vertrauen“ (le crédit public) aufrecht zu erhalten wußten. Der „öffentliche Kredit“ war aber kein anderer, als der offizielle, und der offizielle Kredit bestand in den Staatsschuldscheinen, d. h. in den Anweisungen, welche in letzter Instanz auf das Proletariat ausgefertigt waren. Vor den Juniereignissen hatte man geglaubt, daß die Fonds deshalb nicht in die Höhe gehen wollten, weil nicht mehr hinter jeder Aktie Bajonette aufgepflanzt standen, welche für ihre Einbezahlung einstanden. Bajonette brauchte man, um die Arbeiter aus der Straße zu verscheuchen und ihren öffentlichen Manifestationen und Klagen und Protesten Einhalt zu thun. Die Bajonette sind wiedergekommen, zahlreicher denn ehemals; die Presse wird tyrannisirt, die Arbeiter-Journale werden unterdrückt, und „trotz Alle dem“ stehen die Sachen schlimmer als je. Die 4 Quart-Bände sind der Tod aller Bourgeois-Regierungen; und die Sehnsucht nach dem alten Regime, nach einem Könige oder einem Guizot ist die letzte Illusion, welche den Franzosen geblieben.
Die letzte Seite, die letzten Worte der Debats enthalten die Bedeutung der 3 ersten Seiten; sie geben den wahren Aufschluß unter der Rubrik: Pariser Börse. „Die öffentlichen Staatspapiere und sonstigen Werthe sind lourds, schwerfällig während der ganzen Börse“; d. h. es schwebt gleichsam eine Gewitterwolke darüber. „Man erwartet den Ausgang der Untersuchung über die Juniereignisse. Die Umstände sind sehr bedenklich und erfordern die ganze Wachsamkeit der Regierung. Stockung in allen Geschäften, sowohl wie den gewöhnlichen Beschäftigungen der Bevölkerung. Mitten in der Börsezeit ist angekündigt worden, daß Truppen auf der ganzen Länge des Boulevards aufgepflanzt sind; und man hat diese Aufstellung der öffentlichen Macht als Vorsichtsmaßregeln gedeutet gegen die Kollisionen die in Folge der Veröffentlichung der Aktenstücke der Kommission entstehen könnten.“
@xml:id#ar085_033
@typejArticle
@facs0436
Paris, 22. Aug.
Der Moniteur enthält eine Verordnung mittelst welcher die Herren Senard und Cavaignac abermals vier Journale unterdrücken. Diese vier Journale heißen 1) Proudhon's Volksrepräsentant. 2) Père Düchesne. 3) Lampion [royalistisch]. 4) Thore's Vraie Republique. Die Motive dieser neuen Gewaltmaßregel lauten wörtlich:
„In Erwägung, daß diese Journale durch ihre Lehren gegen Staat, Familie und Eigenthum, durch ihre heftigen Aufwiegeleien gegen die Gesellschaft, gegen die aus der Volkssouverainetät (?) hervorgegangenen Behörden, gegen die Armee, gegen die Bürgerwehr und selbst gegen Privatpersonen, von einer Natur sind, daß wenn man sie länger duldete sie im Schooße des Staates Aufregung, Unordnung und Krieg erzeugen würden; in Erwägung, daß sie in Masse und zum Theil unbezahlt auf den Straßen und Plätzen, in Werkstätten und unter die Soldaten vertheilt worden sind, und somit zu Werkzeugen des Bürgerkrieges, statt der Freiheit wurden u. s. w.“
— Gestern Nacht wurden wieder 412 Räuber aus den Forts Jory, Noisylesec und Vanves, drei zu drei aneinander gefesselt, in die Eisenbahnstation Asnieres geschafft und dann nach Havre gefahren, wo sie für Belle Isle eingeschifft werden. Die auf ihrem Transport versammelte Menschenmenge rief ihnen zu: „Nur Muth gefaßt, bald werdet ihr erlöst sein!“ Bei ihrem Austritt aus den Ringmauern von Paris zeigte sich wilde Verzweiflung unter ihnen und Einige stießen Drohungen und Verwünschungen gegen die Verstümmmler der Februar-Republik aus. Auf dem Namensregister, das der Moniteur veröffentlicht, das aber leider sehr mangelhaft ist, sehen wir wenige Deutsche. Nur folgende Namen sind aufgefallen: Jacobinski, Ferdinand Morinot aus Trier und Krieger.
— Paris ist anscheinend ruhig. Auf den Boulevards stationirte gestern den ganzen Tag eine enorme Militärmacht. Ueber eine halbe Million scharfer Patronen sind in die Tuilerien geschafft worden, ohne diejenigen zu zählen, welche schon seit acht Tagen vertheilt worden und die Ledertaschen der Bürgerwehr füllten. Alle Kasernen sind mit Truppen überfüllt. Außerdem läßt de La Moriciere auf verschiedenen Punkten hölzerne Baraken bauen, welche die gute Stadt Paris in ein vollständiges Beduinenlager verwandeln.
Ein mehr als zweideutiges Individuum und offenbares Werkzeug der Reaction hat bei der Nationalversammlung auf Genehmigung angetragen, den Bürger und Repräsentanten Caussidiere gerichtlich verfolgen zu dürfen, weil er es angeschuldigt hat, zur Geheimen Polizei Ludwig Philipps gehört zu haben.
Die Ausschüsse werden sich heute mit Prüfung dieses Antrages beschäftigen. Neues Material zu einer bewegten Sitzung!
— In Avignon hielten Bürger und Arbeiter am 14. August einen Aufzug, bei dem es, wie man hinterher erfährt, sehr roth zugegangen ist. Bei Gelegenheit eines Festes wurde dieser Aufzug veranstaltet, bei dem eine Menge Fahnen, geziert durch die unsterbliche phrygische Mütze, vorangetragen und häufig gerufen wurde: „Es lebe Barbes! Es lebe Blanqui! Nieder mit den Reichen!“
Der dortige Maire hat Verhaftungen vornehmen lassen und ein großer Prozeß ist im Gange.
— Wir ziehen endlich in den Krieg, nicht gegen Radetzki, sondern gegen — Rosas. Aus dem Marine- und Kriegsministerium sind Befehle ertheilt worden, bedeutende Waffen- und Munitionvorräthe an den Befehlshaber unserer Flotte in La Plata, Contre-Admiral Lepredour sofort abzusenden.
— Der National meldet mit sichtlicher Freude, daß Venedig eine neue provisorische Regierung errichtet, welche einen Abgesandten nach Paris in der Person des Herrn Tommaseo geschickt habe, der den sofortigen Beistand Frankreichs zu erwirken den Auftrag habe. Tommaseo sei bereits eingetroffen.
— 60 Repräsentanten aus dem Klub des Palais National werden der Kammer ein Dekret in Bezug auf vollständige Amnestirung vorlegen.
— Der Nationalversammlung soll, wie es heißt, ein Dekret vorgelegt werden, dem gemäß alle seit dem 24. Februar ausgewanderten Franzosen aufgefordert werden sollen, innerhalb einer bestimmten Frist nach Frankreich zurückzukehren. Auf die Weigerung, dieser Aufforderung nachzukommen, steht als Strafe eine außerordentliche Steuer während einer bestimmten Zeit. Nach Ablauf dieser Zeit soll sofort zur Confiskation der Güter der Emigrirten geschritten werden.
National-Versammlung. Sitzung vom 22. August. Im Vorsaale der Pas Perdues sehr lebhafte Gruppen. Ernste Interpellationen wegen der neuen Journalunterdrückung, ein Antrag Guerets auf Verfolgung Caussidieres, weil er ihn einen Mouchard des ehemaligen Polizeipräfekten Delessert genannt habe; endlich das Gerücht, die Exekutivgewalt wolle auf Verhaftung aller vier, in jenem Bericht am meisten bezüchtigten Repräsentanten antragen: dies Alles versprach eine stürmische Sitzung. Um 2 Uhr bestieg Marrast das Präsidium. Niemand verlangt das Wort über die Tagesordnung. Die Versammlung nimmt daher die abgebrochene Debatte über die Concordats amiables wieder auf, die gestern durch Goudchaux's Erklärung im Namen des Minister-Konseils neues Salz erhalten.
Dupont (Bussac), einer der Väter der Concordate, liest einen neuen Paragraphen vor, der die Stelle des verworfenen 4. Artikels ersetzen soll. Derselbe enthält vorzüglich die Aenderung: „Sind Schuldposten streitig, dann soll nach Art. 498, 499 und 450 des Handels-Codex verfahren werden.
Goudchaux, Finanzminister, läßt sich in eine Erörterung des Artikels nicht ein, sondern tritt in eine Beleuchtung der Concordats im Allgomeinen. Er beleuchtet frühere Epochen. Weder die Restauration noch die Julirevolution hätten zu solchen Gesetzverletzungen Zuflucht genommen; wolle sich die Republik befestigen, so dürfe sie ihre Hand ebenfalls nicht an den Handels-Codex legen und dergleichen partielle Vorschläge genehmigen, die doch nur im Interesse Eines Theiles des Handelsstandes gemacht würden. Ich schulde der Versammlung volle Aufrichtigkeit. Viele unter Ihnen, meine Herren, kennen die Präokkupationen nicht, denen der in Rede stehende Vorschlag dient. (Lärm).
Benard: Der Minister nennt die Konkordate eine revolutionaire Maßregel, weil sie die im Gesetz festgestellten Garantieen zerstöre. Weder die Restauration noch das Julithum habe deshalb einen ähnlichen Vorschlag gewagt. Aber begreifen Sie denn nicht, daß die Februarkrisis einen ganz anderen, ungleich gefährlicheren Charakter trägt als alle früheren politischen Revolutionen? Am auffallendsten aber ist, daß der Minister erst jetzt diese Ansicht gewonnen, da er doch den Vorschlag noch vor wenigen Tagen im Ausschusse so warm unterstützte.
Goudchaux (mit Heftigkeit): Das ist falsch.
Jules Favre: Wie? Es ist falsch; ich sage, es ist wahr. (Tumult).
Marrast, Präsident: Das ist unschicklich, ich rufe Sie, Bürger Favre, zur Ordnung! (Murren).
Benard verwahrt sich wiederholt gegen die Anschuldigung, daß der Vorschlag im Interesse Einzelner gefaßt sei. Verwerfe man ihn, so sei das einzige Mittel, den Kredit herzustellen, verloren. Drückt doch nicht, sagte einer der Minister dieser Tage, den Stempel der Unehrlichkeit auf die Stirn der Republik, indem ihr eingegangene Verträge löst. Keine frühere Regierung that ein Gleiches. Vergesset Ihr denn, daß das Julithum mit 60 Millionen dem Handel unter die Arme griff?
Cavaignac sichtlich verletzt durch die Aeußerungen Benards und Favres, über das was man ihnen im Vertrauen mitgetheilt hatte, bestieg die Tribüne und beschwerte sich in sehr bitterer Weise.
Diese Klagen riefen einen neuen Zweikampf zwischen ihm und dem Herrn Favre hervor.
Dupin (senior) suchte den Streit zu schlichten. Es gelang ihm insoweit, daß die Versammlung über den neuen Artikel 4 zur Abstimmung schritt und von dem Resultat das Schicksal des Gesetzes abhängig machte.
Es stimmten 766 Glieder.
Für den Entwurf Dupont's des Artikels 4 stimmten 338, dagegen 428. Der letzte Versuch, den Entwurf des Handelsausschusses durchzubringen, litt also Schiffbruch. Die Bank und Rothschild haben gesiegt.
Die Versammlung ließ demzufolge den Handelsausschuß-Entwurf ganz fallen und kehrte zur Berathung des Gesetzgebungsausschuß-Entwurfs zurück, den wir bereits wörtlich mittheilten, und der in einem einzigen Artikel besteht, worin dem Schuldner nur die Schande des Falliments erspart wird, ohne ihn irgend einer der im dritten Buche des Handelskodex vorgeschriebenen Verpflichtungen zu entbinden. Wird angenommen.
Mehrere Zusätze werden gestellt und besprochen. Endlich schreitet die Versammlung zur Abstimmung über den Zusatz Boudet's.
(Siehe den Verfolg in der Beilage.)
(Hierzu eine Beilage.)
[Anzeigen]
@typejAn
@facs0436
Schiffahrts-Anzeige. Köln, 24. August 1848.
Abgefahren: C. Nees nach dem Niedermain; J. Kiefer nach Mainz; P. G. Schlaegel nach Koblenz.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich W. Pesch; nach Düsseldorf bis Mühlheim an der Ruhr A. Meyer; nach Andernach und Neuwied H. Schumacher, Jos. Krämer; nach Bingen J. B. Mundschenk; nach Koblenz, der Mosel und Saar G. Weidner; nach der Mosel, Trier und der Saar F. Bayer; nach Mainz Ph. Kimpel; nach dem Niedermain S. Schulz; nach dem Mittel- und Obermain Peter Schön; nach Heilbronn C. G. Schmidt; nach Kannstadt und Stuttgart L. Klee; nach Worms und Mannheim Frz. Elbert.
Ferner: Nach Rotterdam Kapt. Schneider Köln Nr. 16
Ferner: Nach Amsterdam Kapt. Koenen Köln Nr. 19
@typejAn
@facs0436
Wasserstand.
Köln, am 24 August. Rheinhöhe 7′ 9″
@typejAn
@facs0436
Civilstand der Stadt Köln.
Geburten
21. August. Kaspar Hubert, S. v. Wilh. Hub. Ruhrmann, Schneider, Hämmergasse. — Maria Magd, T. v. Joh. Peter Kneupper, Eisengießer, Severinstraße. — Karl Wilh., S. v. Julius Bergmann, Kleidermacher, Thieboldsgasse. — Kath, T. v. Joh. Friedr. Hilden, Taglöhner, Banesisstraße. — Kath, T. v. Jak. Büttgenbach, Gärtner, Weiherstraße. — Franz Anton, S. v. Joh. Röttgen, Seidenweber, Gereonswall. — Maria Elis. Hub., T v. Jak. Eich, Schreinermeister, Kaygasse.
Sterbefälle.
21. August. Theod. Schütz, 13 M. alt, Thürmchenswall. — Agnes Reuter, 1 J. 7 M. alt, Löhrgasse. — Wilh. Frey, 8 M. alt, Perlengraben. — Anna Kath. Keller, Wwe. von Witzenhasen, 38 J. alt, kl. Griechenmarkt — Kath. Bernard, Wwe. Edelwald, 76 J. alt, Enggasse. — Gert. Metzger, 15 T. alt, Gereonswall. — Ein unehel. Knabe.
Heirathen.
21. August. Karl Ernst Koblhauer, Prem-Lieut. a. D., von Braunfels, und Wilhelmine Friederike Auguste Birnbaum, von Heidelberg.
@typejAn
@facs0436
Die vom Hause Abr. Schaaffhausen für richtig anerkannten Depositenscheine finden gute Abnahme.
Bescheid Allgemeines Erkundigungs-Bureau, Hämmergasse Nro 22.
@typejAn
@facs0436
Thlr. 1000 aus einem notarielen Landverkauf sind vortheilhaft zu kaufen und zu übertragen.
Bescheid Allgemeines Erkundigungs-Bureau, Hämmergasse Nro. 22.
@typejAn
@facs0436
Franz-Branntwein zum Einmachen von Früchten, Sternengasse Nr. 9 und 11.
@typejAn
@facs0436
Todes-Anzeige.
Entfernten Verwandten und Freunden machen wir mit betrübtem Herzen die Trauer-Anzeige, von dem in Baden-Baden erfolgten Hinscheiden unseres geliebten Vaters und Bruders Franz Michael Nicocini.
Auf einer Geschäftsreise befiel ihn ein bösartiges Gallenfieber und endete hinzutretendes Bluterbrechen zu früh sein thätiges Leben.
Den unersetzlichen Verlust bitten wir durch stille Theilnahme zu ehren.
Die Kinder, Brüder u. Schwäger des Verstorbenen.
@typejAn
@facs0436
Mobilar-Verkauf.
Am Freitag, den 25. August 1848, Morgens 10 Uhr, sollen auf dem Marktplatze in der Apostelnstraße zu Köln, einige Mobilar-Gegenstände, als: 1 Tisch, Stühle, 1 Ofen, 1 Kommode, Bettstellen, 1 Kleiderschrank etc. gegen gleich baare Zahlung öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden.
Fr. Happel, Gerichtsvollzieher.
@typejAn
@facs0436
Mobilar-Verkauf.
Am Freitag, den 25. August 1848, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Marktplatze in der Apostelnstraße zu Köln, einige Mobilar-Gegenstände, als: 1 Tisch, 1 Ofen, Stühle, Schildereien, 1 Schrank, 1 Fournaise etc. gegen gleich baare Zahlung öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden.
Fr. Happel, Gerichtsvollzieher.
@typejAn
@facs0436
Dampfschifffahrt zwischen Bremen und New-York.
Das amerikanische Post Dampfschiff HERMANN, Capt. Crabtree, wird am 15. Septbr. von der Weser nach New-York zurückkehren.
PassagepreisnachNew-Yorkin1.CajüteLd'orthr.195
PassagepreisnachNew-Yorkin2.CajüteLd'orthr.100
PassagepreisnachSouthamptonin1.Caj.Ld'orthr.30
Güterfracht 25 à 35 Thlr. mit 5 pCt. Primage für 40 Kub.-Fuß.
Die zweite Cajüte ist für diese Reise besetzt.
C. A. Heinecken & Comp.
@typejAn
@facs0436
Niederländische Handels-Gesellschaft.
Die Direktion macht bekannt, daß von ihr zu Rotterdam am Montag den 18. September 1848 verkauft werden sollen:
33291Kranj.u.Kanass.Java-Zucker,lagernd daselbst.
35518Kranj.u.Kanass.Java-Zucker,lagernd zu Amsterdam.
8253Kranj.u.Kanass.Java-Zucker,lagernd zu Dordrecht.
1832Kranj.u.Kanass.Java-Zucker,lagernd zu Middelburg.
Die Notizen und Verkaufsbedingungen werden zeitig ausgegeben.
Amsterdam, 15. August 1848.
Van der Oudermeulen, Präsident.
Goudswaard, Direkt., z. Z. Sekretair.
@typejAn
@facs0436
Niederländische Handels-Gesellschaft.
Die Direktion macht bekannt, daß die Indigo- und Cochenille-Herbst-Auktionen von 1848 an den hier unten näher bezeichneten Tagen und Orten abgehalten und aus den nachfolgenden Quantitäten bestehen werden:
Zu Rotterdam am Donnerstag, den 21. September 1848:
  • 797 ganze
  • 1152 halbe u. viertel
  • Kisten Java-Indigo, lagernd daselbst;
139 Kisten Java-Cochenille, lagernd daselbst; mit dem Vorbehalte, diese Quantität um ungefähr 227 ganze Kisten Java-Indigo zu vermehren, im Falle das Schiff, mit welchem diese Zufuhr erwartet wird, zeitig genug ankommt.
Zu Amsterdam am Montag, den 25 September 1848.
  • 207 ganze
  • 1643 halbe u. viertel
  • Kisten Java-Indigo, lagernd daselbst;
151 Kisten Java-Cochenille, lagernd daselbst; unter diesen Quantitäten ist der noch unverkaufte Theil der zurückgehaltenen Partieen aus den Auktionen vom 22. und 25. Mai d. J. mit inbegriffen.
Die Direktion gibt zugleich mit dieser Bekanntmachung die Versicherung, daß sie vor ihren gewöhnlichen Frühjahrs-Auktionen von 1849 keine anderen Partieen Indigo und Cochenille, als die oben bezeichneten, an den Markt bringen wird.
Die Notizen und Auktions-Bedingungen werden zeitig ausgegeben.
Amsterdam, 16. August 1848.
Van der Oudermeulen, Präsident.
J. Schuurman, Direkt., z. Z. Sekretair.
@typejAn
@facs0436
Frische Rheinfische sind zu den billigsten Preisen zu haben bei Joh. Lülsdorff, Lindgasse 21.
@typejAn
@facs0436
Demokratische Gesellschaft.
Freitag, den 25. August, Abends 8 Uhr, Versammlung im Eiser'schen Saale auf der Comödienstraße.
Der Vorstand.
@typejAn
@facs0436
Wir haben frisch und gut vorräthig: frische Austern, frischen und geräucherten Lachs, russischen Caviar etc.
G. Bettger & Comp., kl. Budengasse Nro. 6.
@typejAn
@facs0436
Vertilgungsfutter gegen Mäuse, Ratten, Schwaben und Wanzen ist zu haben Thurnmarkt Nr. 30 bei Wilh. Harffen.
@typejAn
@facs0436
Ein junger Mann, welcher gute Zeugnisse von achtbaren Häusern aufzuweisen hat, sucht eine Komptoir- oder Reisestelle. Die Expedition sagt wer.
@typejAn
@facs0436
Zu vermiethen mehrere freundliche Zimmer nebst Keller-Abschluß und Mitgebrauch des Speichers. Kl. Telegraphenstr. Nr. 6 —.
@typejAn
@facs0436
Vivat Ludwig in England.
Ruhe sanft Du edle Seele auf Deinen Lorbeeren und Deinen Geldsäcken. Gehe aber nicht wieder zu Schiffe, und schicke auch Keinen der Deinen, denn ein zweiter Schiffbruch könnte vielleicht schlimmer ablaufen.
Ein Republikaner.
@typejAn
@facs0436
Vivat Louischen's Geist!
Dem B‥…m ein Andenken.
@typejAn
@facs0436
Unser Louis lebe hoch!
Einer für Alle.
@typejAn
@facs0436
Theater.
Freitag, den 25. August:
Jessonda, große Oper in 3 Akten von Spohx.
@typeimprint
@facs0436
Der Gerant, Korff.
Druck von W. Clouth, St. Agatha Nro. 12.