[0463]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 92. Köln, Samstag den 2. September. 1848.
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Die Debatte über Standesprivilegien in Frankfurt). Berlin. (Gesetzentwurf über Volksversammlungen. Die Minister. Vermischtes). Breslau. (Organisation der Bauern gegen die Feudallasten. Landwehrverhaftungen). Erfurt. (Reaktion und Krawall). Ostrows. (Wühlereien der Offiziere). Danzig. (Schiffsbau. Prognostikon für die deutsche Flotte). Mainz. (Die Preußen). Altona. (Die Waffenstillstandsbedingungen).
Schweiz. Aus der Schweiz. (Der künftige Nationalrath).
Franz. Republik. Paris. (Die baumwollnen Mützen, die Rosen, die Revolution und die Rothschilde. Trelat nach Frankfurt. — Vermischtes. — Nationalversammlung).
Italien. (Unordnung im Bunde mit der Ordnung. Radetzky's väterliches System. — Karl Albert gezwungen seine Lieblinge abzusetzen). Florenz. (Die Alba über die verfehlte Völkerverbrüderung). Neapel. (Wie man das Briefgeheimniß garantirt).
Dänemark. Kopenhagen. (Proteste aus Alsen und Flensburg nach Frankfurt — Die dänischen Gefangenen).
Großbritannien. London. (Parlament. L. Blancs Ankunft. — Sammlung der Deutschen in Manchester für die deutschen Barrikadenkämpfer). Dublin. (Rückblick auf die Insurrektion. — Verhaftungen Fehlende Geschworne. — Hülfe von Amerika in Aussicht).
Amerika. (Weizenernte. Paredes). Aus Virginien. (Die farbige Race. Die Ernte).
Ostindien. (Der Sieg über die Mulradschs. Details. Handelsnachrichten).
Belgien. Antwerpen. (Sechszehn Todesurtheile wegen Risquons-Tout).
Brüssel. (Der Pauperismus).
Deutschland.
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[ 19 ] Köln, 1. Sept.
(Die Debatte über Aufhebung der Standesprivilegien. Schluß.) Es kann uns nicht überraschen, daß nach der lyrischen Vorlesung des alten Bonner Professors über die Heiligkeit des „Idealischen, Träumerischen, Wunderbaren im deutschen Volk“ die nächsten Reden schier alle Bedeutung verlieren.
Die Versammlung läßt in Geduld verschiedene prosaische und poetische Deklamationen für und wider den Adel über sich ergehen, als der Präsident Hrn. Rösler von Oels aufruft.
Hr. Rösler erscheint auf der Tribüne: allgemeines Gelächter.
Diese merkwürdige Begrüßung von Seiten der tiefsinnigen Versammlung ist indeß nicht sowohl den geistigen Kräften des verehrlichen Abgeordneten, als vielmehr seiner äußern ausdrucksvollen Erscheinung gewidmet. Hr. Rösler trägt einen gelben Nankingrock, eine gelbe Nankingweste, dito Beinkleider, germanisch blond-gelbe Haare, und einen gelblich-rothen Bart in einem röthlich leuchtenden Angesicht. Nichts könnte Hrn. Rösler dazu bringen, dies freundliche Aussehen in irgend einer Lebenslage aufzugeben. Nichts kömmt in der That dieser angenehm in die Augen springenden Tracht gleich, mit welcher Hr. Rösler selbst den hohen Reichsverweser bei seiner Ankunft in Frankfurt überraschte, und man sagt, daß sogar der tyroler Biedersinn des bürgerthümlichen Fürsten nicht wenig erstarrt gewesen sei, als er unter der Empfangsdeputation diesen gelben Reichsvogel neben dem schwarzen Predigerfrack Robert Blum's erblickte.
Hr. Rösler weiß indeß den Schwachheiten der Versammlung zu begegnen. „Meine Herren! Lachen Sie immerhin über Aeußerlichkeiten, ich hoffe, Sie werden nicht so lachen über das, was ich sagen werde.“
Und Hr. Rösler hat Recht. Wiewohl zuweilen konfus in seiner Ausführung, ist Hr. Rösler wenigstens praktisch und entschieden in seinen einschlagenden, derben Argumenten, was um so mehr anzuerkennen ist, als sonst gerade die „äußerste“ Linke, zu welcher er gehört, mit wenigen Ausnahmen, lediglich in stelzenhafter Deklamation trivialer Tagesphrasen und Floskeln einherstolziert. Während der „reine Denker“ Arnold Ruge docirt, daß die „demokratische Monarchie“ und die „reine Demokratie“ im Grunde dasselbe seien, hat Hr. Rösler u. A. in der Diskussion über die Unabhängigkeit der Kirche bereits in dem zukünftigen Kampf der republikanischen Parteien sich zum Berg bekannt, indem er erklärt, daß er nur die „Eine und untheilbare Republik“, oder gar keine wolle.
In der vorliegenden Debatte ist Hr. Rösler der Einzige, der entschieden von revolutionären Grundsätzen ausgeht, und die Frage praktisch angreift. Er verlangt die Abschaffung des Adels nicht aus idealen oder gar bürgerlich-aristokratischen Gründen im Interesse der Töchter des Geldsackes, sondern als einen Akt revolutionärer Gerechtigkeit für das Volk. Er begibt sich auf den „historischen Boden“ insoweit, als er die Argumente der Adelsfreunde in Betreff der „idealen Erinnerungen“ und „großen historischen Rechte zu verfolgen und aus der „wunderlichen, träumerischen, idealischen“ deutschen Geschichte zu beweisen hat, daß das Volk dem Adel nichts verdankt, daß im 13. und 14. Jahrhundert „die adeligen Schnapphähne“ die Kaufleute beraubten, daß bis in's 18. Jahrhundert der Adel, voll Neid gegen die Städte, die ständische Freiheit an die Fürsten verrathen habe, und später in übermüthiger Erhebung über das Volk als Speichellecker der Fürsten sich in den Besitz von Amt und Staatsgewalt zur Knechtung des Volkes geschlichen habe. Er erinnert endlich über die heutige praktische Bedeutung des Adels daran, daß der Haß des Volkes gegen den Adel, der namentlich im Osten (Schlesien) schroff hervortrete, durch dessen kastenartige Abschließung in gesellschaftlichen und staatlichen Verhältnissen, namentlich im Militärstande vollkommen gerechtfertigt sei, daß von dem Adel in neuester Zeit überall, wie in Potsdam und Innsbruck, die reaktionären Bestrebungen ausgegangen, und daß den Regierungen die Adelsverleihung meist nur als Belohnung für Volksverrath gedient, wie der preußische Demagogenfänger Tschoppe, als er der allgemeinen Verachtung zum Opfer fiel, zur Belohnung seiner Schurkerei den Adel erhalten.
„M. H.! Ich sage: wir verlangen Abschaffung des Adels, das Volk verlangt sie als Genugthuung für den vielen Schimpf, der uns mit der Verleihung angethan wurde, für den vielen Schimpf, daß man Manche unserer bessern Männer aus uns nehmen und adeln konnte, als wenn sie dann was Besseres würden, für den vielen Schimpf, daß der Adelige, der in's Zuchthaus kam, vorher zum Bürgerlichen gemacht wurde. Wenn Sie den Adel nicht abschaffen, so darf ich verlangen, daß auch der Bürgerliche, wenn er in das Zuchthaus kommt, zum Adeligen gemacht werde, damit Gleichheit herauskomme.“
Hr. Rösler erklärt, man dürfe sich nicht beklagen, daß die Maitreffen der Fürsten und ihre Bastarde geadelt würden; er hätte in Betreff des alten Arndt, der den Adel „zur höheren Tugend berufen“ proklamirte, auch den Ausspruch Franklin's wiederholen können: Wenn der Adel ein Verdienst sein soll, so adele man lieber die Eltern, welche den „ausgezeichneten Bürger“ erzeugt, als die Nachkommen, deren „Tugend“ problematisch ist.
Hr. Rösler hatte Recht darin, daß die Versammlung seine Worte nicht belachen werde; aber die Komik folgt ihm auf dem Fuße.
Ex-Fürst Lichnowsky aus Ratibor besteigt die Tribüne.
Hr. Lichnowsky, der ritterliche Freund der Posener zinsleihenden Deutsch-Juden, hat von dem hallischen Lichtfreund, Herrn Schwetschke, gelernt, daß die Aufhebung des Adels das „Aufhören der Familiennamen“ begründe; er erklärt daher begreiflicher Weise sehr entschieden, daß er „so recht eigentlich pro domo, pro aris et focis“, so recht für seine Interessen kämpfen wolle. Was sollte aus den „Interessen“ des Junker Lichnowsky werden, wenn sein fürstlicher Name aufhörte? Ist nicht der fürstliche Name des Hrn. Lichnowsky sein Kapital und seine Interessen zugleich?
Junker Lichnowsky beginnt mit der Bemerkung, daß einige Redner gegen die Abschaffung des Adels gesprochen, „obschon“ sie nicht zum Adel gehörten; er selbst aber sei so „ehrlich“ zu sagen, daß er den Adel vertheidige, „gerade weil“ er zum Adel gehöre. „Ich sehe nicht ein, daß ich aus dem Grund, weil ich Edelmann bin — (zur Linken:) Lachen Sie, meine Herren — und zwar aus einem alten Haus, meinen Standesgenossen nicht das Wort reden soll“.
Was die Phrase des «parce-que» und «quoique» betrifft, die von deutschen Literaten bereits auf der breitesten Grundlage platt getreten ist, so hat schon der Ex-Poet Wilhelm Jordan die biedere Versammlung damit entzückt, und wir werden sie wohl noch öfter bewundern können. Auch das „alte Haus“ des scharfsinnigen Junkers aus der deutsch-jüdischen Mancha rührt uns nur wenig, zumal wir nicht wissen, wie weit an ihm noch die praktischen „Interessen“ des Ritters haften. Was uns einzig an diesem „ehrlichen“ Bekenntniß interressirt, ist, daß der Ex-Fürst Lichnowsky nicht als Volksrepräsentant sondern als „Standesgenosse“ der Adligen spricht.
Hr. Lichnowsky unterscheidet in dem Antrag auf Abschaffung des Adels zweierlei, den rechtlichen und den faktischen Punkt. Das historische Recht, welches keinen Datum nicht hat, ist Alles, „was dem Adel anklebt“, „Privilegien, Exemtionen, Gewohnheiten“, darunter „das Recht, den Degen nicht zu tragen“, ein Recht, welches Hr. Lichnowsky ein flebile beneficium nennt, und gern preisgeben will. Mußte der edle Ritter erst nach Frankfurt kommen, um es preiszugeben?
Anders ist es mit dem faktischen Recht, der Führung der Adelstitel.
Hr. Lichnowsky beginnt zuerst resignirend: „Meine Herren! Die Abschaffung der Titel ist nichts Neues; dazu ist man in Frankreich schon längst geschritten, und wenn sie glauben, hierin dem Beispiel der beiden französischen Revolutionen nachfolgen zu müssen, ‥ nun, so nehmen Sie diese Titel weg, und seien Sie überzeugt, daß kein Edelmann auf diese Tribüne gehen und Sie bitten wird, daß Sie seine Titel (wenn sie „weggenommen“ sind) ihm lassen sollen; wenn er das thäte, wäre er nicht würdig, in der Paulskirche zu sitzen.“
Wie wunderbar plötzlich der „Standesgenosse des Adels“ sich als Mitglied der aus der Revolution, aus der Zerstörung des „historischen Rechts“ hervorgegangenen Versammlung in der Paulskirche fühlt! „Zwei Seelen wohnen ach! in meiner Brust“: Die Interessen des „alten Hauses“, und das Bewußtsein einer revolutionären Stellung! Wenn Hrn. Lichnowsky nicht der wohlfeile Beifall der gerührten Linken tröstete, er würde selbst als ein flebile beneficium dieser trostreichen Versammlung unserer theilnehmen-Zähren gewiß sein.
„Aber,“ — fährt dann wieder der Standesherr auf seine revolutionären Tiraden fort, — „aber wenn Sie diese Titel wegnehmen wollen, so täuschen Sie sich nicht mit der Hoffnung, daß Sie dadurch den Adel abgeschafft haben. Die alte französische Revolution hat sich nicht begnügt, die Titel wegzunehmen, sie hat auch noch den Trägern der adligen Titel die Köpfe weggenommen. Das war eine wirksamere Maßregel. Zehn Jahre darauf suchte Napoleon mit der Laterne die Träger historischer Namen und zog sie an sich.
Die Träger „historischer“ Namen! Napoleon gab, als er Kaiser wurde, einem Montmorency, Talleyrand u. s. w., die damals simple „Bürger“ hießen, zuerst ein „de“ vor ihren Namen, dann den Titel Vicomte, Comte, Prince. Er that dies aus denselben Gründen, aus denen er eine östreichische Prinzessin sich zur Seite nahm; sein eigentlicher Adel war nicht der alte, dem er nie den vollen Titel wiedergab, sondern der neue Soldatenadel. Aber die Träger „historischer“ Namen, — was versteht Hr. Lichnowsky darunter? Die Träger des sicherlich „historischen“ Namens: Danton sind Getraidehändler an: Boulevard Bourdon, die Träger des „historischen“ Namens: Barbaroux haben eine Modehandlung in der Rue St. Honoré zu Paris, und ein Mann, der den historischen Namen Couthon trägt, verkauft baumwollene Schlafmützen in der Rue St. Denis. Versteht Hr. Lichnowsky unter den „historischen“ Namen die Adelstitel? Identifizirt der scharfsinnige Junker die „Geschichte“ mit dem Adel? Wo sind die großen „historischen“ Namen der deutschen und anderen Geschichte? Ist nichr Wat Tyler, der grobe Schmiedemeister, der mit seinem Hammet einen Thron erzittern machte, ein „historischer“ Name? Sind nicht Thomas Münzer, Luther und der aus dem Adel gestoßene Ulrich hatten „historische“ Namen?
Herr Lichnowsky aber versichert, daß trotz alledem und alledem
[Feuilleton]
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Leben und Thaten des berühmten Ritters Schnapphahnski.
(Fortsetzung von Nro. 69. 70. 71. 72. u. 74.)
Verzeih'n Sie, edler Ritter, daß ich nicht schon längst die Erzählung Ihres Lebens und Ihrer Abentheuer bis zu einem erquicklichen Ende fortgesetzt habe.
Zürnen Sie mir nicht! Ich würde Sie gewiß nicht im Stich gelassen haben, wenn mir die Weltgeschichte der Gegenwart nicht zu nahe vor der Nase herumgesprungen wäre, wenn mich nicht all' die großen und kleinen Geister, die jüngst bei uns herumspukten, gewissermaßen gezwungen hätten, auch ihnen einige Aufmerksamkeit zu schenken, auch sie der allgemeinen Heiterkeit preiszugeben.
Aber vorüber sind die Tage des Domfestes; es ist wieder ruhig und sabbathstill bei uns geworden und auf's Neue setze ich mich hin, Ihnen zu folgen auf Schritt und Tritt, ein gewissenhafter, ein treuer Freund, der Sie nie aus dem Auge verlieren wird der stets Ihrer gedenkt!
Ich besinne mich auf alle Ihre Aventüren, auf die Zeit, wo Sie als brauner Husar in O. in Schlesien, aus reiner Höflichkeit gegen einen zärtlichen Gatten und aus Furcht vor einem zweiten trojanischen Kriege, Ihre Helena mitten auf die Landstraße setzten und es den Lakaien des Helden Menelaos überließen, Ihnen ein wohlmeinendes Andenken und einige derbe Haselstöcke zu widmen.
Ich denke daran, wie Sie in Troppau dem Grafen G., dem modernen Menschenfresser, mit krummem Säbel gegenüber standen und das Duell nicht schlechter bestanden, als einst Sir John seinen Zweikampf mit dem rasenden Schotten. Auch Ihre Liebe zu Carlotte war gegenwärtig und ich bedauere aufrichtig, daß der Adonis der Garde unhöflich genug war, Ihre Leidenschaft so gewissenhaft zu Protokoll zu nehmen. Die Diamanten-Geschichte dann und Ihre Reise nach Spanien! — O, ich erinnere mich eines jeden Zuges. Wie ein Teufelchen in der Flasche, so hüpfen Sie empor in meinem Gedächtniß; ich sehe Sie vor mir, in dem schönen, schwarzen Haare, mit den lebendigen Augen und dem prächtigen Schnurrbart, — sein Sie mir gegrüßt, Herr Ritter! Willkommen, willkommen!
Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir den edlen Ritter in Spanien verließen. — Der Finanznoth blasse Wehmuth auf den Wangen, beraubt seiner Kriegeskasse von zwei und zwanzig Silbergroschen, und die Uhr zurückgelassen im Leihhause von Pampeluna, so eilte er durch's Gebirge. Der Ritter sah traurig aus. Die Kleider waren zerrissen, die Wäsche schimmerte isabellenfarbig, und altspanischer Landstraßendreck spritzte hinauf bis in den kohlschwarzen Bart — es war kein Zweifel mehr, das Schicksal hatte Sr. Hochgeboren einen bedeutenden Fußtritt gegeben. Doch: „Heldenunglück rührt die Weiber“ — die Enkelin Heinrich Heine's, die Tochter Atta Troll's, des Bären, verliebte sich in den Ritter!
Ja, Eva liebte ihren Adam, Venus ihren Adonis, Julchen ihren Romeo, Gretchen ihren Faust — aber die vierfüßige Lilie, die Bärenjungfrau, liebt den berühmten Ritter Schnapphahnski!
Zärtlich brummend erhebt sie ihre rosige Schnauze, und die lieblichen Tatzen und den zottigen Busen, und schon meint man, daß der edle Ritter zu ihr hinabsinken werde, mit jener hohen Grazie eines galanten Aristokraten, ein neues Geschlecht zu zeugen, das da alle Vorzüge vereinige, der Bären und der Wasserpolacken: da rennt der Undankbare von dannen und überläßt die arme Bärin ihrem Schmerze, den Tag verfluchend, wo sie die Blüthe der Menschheit gesehen, und vom Gram überwältigt sinkt sie klagend zusammen. —
Ein vernünftiger Bär wird hoffentlich so gescheid gewesen sein, die Unglückliche zu trösten. — —
Als unser Ritter auf dem Gipfel der Pyrenäen stand, da machte er Halt und steckte die Hände tiefsinnig in die Hosentaschen. Er schnitt ein Gesicht wie ein beschnittener Dukaten; er wünschte, daß ihn die Götter in einen Dudelsack verwandelten, oder daß sie ihm tausend Stück Friedrichsdor schenkten — doch das letztere wäre ihm am liebsten gewesen. — „Don Carlos ist besiegt, was sollst Du beginnen?“ fragte sich Schnapphahnski und sah verlegen nach seinem schäbigen Frackrock. „Deine Kriegeskasse nahm Espartero, Deine Uhr hängt im Leihhause zu Pampeluna und Dein Herz fiel in die Hose. — Geld, Uhr und Herz, es ist Alles verloren! Sollst Du nach England gehen und mit Lord Brougham Brandy und Wasser trinken? Sollst Du nach Italien wandern und Dich unter die Lazzaroni legen, oder sollst Du nach O. in Schlesien eilen und Dich von den Lakaien des Grafen S. durchprügeln lassen?“ — Herr von Schnapphahnski wurde immer ernsthafter; er ließ den Hut tiefer in's Gesicht fallen; er steckte die Fäuste gründlicher in die Taschen und er sah steifer zu Boden.
Unser Ritter war in jener Stimmung, in der der Mensch anfängt sich ungeheuer lächerlich vorzukommen. Se. Hochgeboren litt an jener fatalen Krankheit, die einst die Göttin der Langenweile, Mittags nach dem Essen mit einem dünnen, schlottrigen Engländer zeugte. — Herr von Schnapphahnski litt am Spleen. Unser Held hätte gern für vier Gutegroschen seine Seele dem Teufel verkauft, ja, was noch schlimmer ist, es wäre ihm einerlei gewesen, wenn man ihm ohne Grund einen Backenzahn ausgezogen hätte — mit einem Worte: Se. Hochgeboren war kaduck an Witz und Beutel.
„Was habe ich nun davon, daß ich Don Carlos diente?“ fuhr der Ritter fort. „Was nutzt es mir, daß ich mich als Lanzknecht ehrlich gehauen, und was bracht es mir ein, daß ich nach Ruhm und Ehre jagte, nach den zwei substanzlosesten Sachen, die es auf Erden giebt? O Sir John, Du hattest Recht: man kann den Ruhm weder essen noch trinken; ja, man kann ihn nicht einmal in die Pistole stopfen, um sich den Schädel damit einzuschießen.
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Wär' ich als gewöhnlicher Bauer auf die Welt gekommen, da pflügte ich meinen Acker und freute mich meines Lebens. Wär' ich ein simpler Bürger geworden, da schüttete ich all' meine Zerwürfnisse stockprügelnd auf meinen Lehrjungen aus, und hätte ich endlich die Wissenschaft gewählt, da verlöre ich Prozesse, machte Kranke todt, spräche Blödsinn vom Katheder hinab und wäre ein glücklicher Mann dabei! Aber der Durst nach Ruhm war's, der mich hinauszog. Ich glaubte die ewige Sonne zu packen, und ich packte ein Irrlicht. — Ist der Ruhm nicht wie ein falsches Geldstück in der Hand eines Kindes? Es glaubt alle Schätze der Welt dafür kaufen zu können, da kommt der pfiffige Krämer und lacht, und ergreift den Hammer und nagelt den falschen Dreier auf den Tisch. — O, der Ruhm ist ein bildschöner Henker, der sein Opfer scherzend hinauf an den Galgen zerrt und dann die Leiter umstößt, daß der arme Teufel an des Ruhmes Galgen baumelt, weder mit den Füßen auf der Erde, noch mit dem Kopf im Himmel. O, über den Wahnwitz!
So faselte der edle Ritter, und wer weiß, was aus ihm geworden wäre, wenn die Götter nicht Mitleid mit ihm gehabt und einen milden Regen gesandt hätten, der allmählig zum Schauer und zum Guß anschwellend, Berge und Thäler benetzte, und schließlich auch auf höchst erfrischende Weise in Schnapphahnski's alte Stiefel trat.
Wohler ward ihm, und hinunter schritt er nach Frankreich.
(Fortsetzung folgt.)
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@facs0464
Bekanntlich genießen die Abgeordneten zu den Nationalversammlungen Portofreiheit. Es ist hübsch wie die guten Leute davon Gebrauch machen. So ließ sich z. B. neulich ein Berliner Versammelter, der Abgeordneter für einen schlesischen Bezirk ist, zwei Ballen Wolle, jeden zu drei Zentner, nach Berlin kommen. Ebenfalls in Parlaments-Angelegenheiten.
[Deutschland]
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@facs0464
die Abschaffung der Adelstitel nicht verhindern werde, daß der Ex-Adel in seinen „Kreisen“ bleiben und die reichen Ex-Komtessen (und armen Ritter?) nicht aus ihren Ex-Standesgenossen herausheirathen werden.
„Nehmen Sie die Titel weg, die Namen können Sie nicht nehmen, die Kaste können Sie nicht abschaffen; Ihre Maßregeln werden unwirksam, der Adel wird Adel bleiben!“
Große Sensation! Diese „Sensation“ auf eine der leersten Phrasen, die je ausgesprochen wurde, ist die beste Kritik, mit der wir von dieser Debatte Abschied nehmen können.
Große Sensation!!
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@facs0464
[ 103 ] Berlin, 30. August.
Das Ministerium wird sich durch die Vorlage des Gesetzes über die unerlaubten Volksversammlungen und Zusammenrottungen eine neue Niederlage bereiten. In der Central-Abtheilung, welche diese Gesetzvorlage zu berathen hat, fand sich wider Erwarten, daß vier Mitglieder gegen und gleichfalls vier Mitglieder der ministeriellen Partei sich für das Gesetz erklärten. Da bei Stimmengleichheit in der Central-Abtheilung der Vorsitzende, hier der Vizepräsident Philipps, der aus dem linken Centrum jetzt mit der linken stimmt, den Ausschlag gibt, so haben die §§. 1-4 eine Umänderung dadurch erlitten, daß man annahm, nur die Volksversammlungen, welche innerhalb der Stadt abgehalten werden, bedürfen einer polizeilichen Genehmigung; diejenigen hingegen außerhalb der Stadt können ganz frei abgehalten werden. Die demokratische Partei wird demnach das ganze Gesetz in ihrem Sinne amendiren und was ihr nicht in der Central-Abtheilung gelingt, wird in der Plenar-Versammlung durchgehen, wo sie von jetzt an auf eine bestimmte Majorität rechnen kann, da die Verbindung mit dem linken Centrum fast abgeschlossen ist und man sich in einer gestern Abend Statt gehabten Konferenz mit einem Chef dieser Partei in allen Punkten einigte.
Im Ministerium selbst soll Zwietracht in Folge dieser Gesetzvorlage ausgebrochen sein. Eine Minorität, bestehend aus dem Justizminister Märker und dem Minister Gierke, will sich jedefalls mit allen Abstimmungen der Vereinbarer-Versammlung einverstanden erklären, während die Majorität Hansemann-Kühlwetter u. Komp. die unveränderte Annahme ihres Vorschlags zur Kabinetsfrage machen wollen. Welchen Werth übrigens die Regierung auf ihren Entwurf legt, möge daraus hervorgehen, daß bei den Vorberathungen der Central-Abtheilung schon fünf Minister und zwei Unterstaatssekretaire, die Herren Müller und Brandt, anwesend waren.
Die Fach-Kommission für die Militair-Angelegenheiten hat auf Antrag vieler Abgeordneten und Petitionen einstimmig beschlossen, die sofortige gänzliche Aufhebung der Kadettenhäuser und sonstiger Militair-Erziehungs-Anstalten zu beantragen. Der Kommissarius des Kriegsministeriums, Oberst-Lieutenant Griesheim, suchte bei der Berathung der Fach-Kommission derselben eine andere Meinung beizubringen; er versprach die ausgedehntesten Reformen dieser Institute, aber ohne den geringsten Erfolg.
Alle acht Abtheilungen der Vereinbarer-Versammlung haben ihre Berathung über die Stellung des Staats zur Kirche und der Kirche zur Schule beendigt. Die völlige Trennung der Kirche vom Staat ist in allen Abtheilungen, und die Trennung der Schule von der Kirche in sechs Abtheilungen nach einem mehrere Wochen langen Kampfe ausgesprochen, auch sogar der Antrag, hinsichtlich des Religionsunterrichts der Kirche die Oberaufsicht zu belassen, verworfen worden.
Wegen der letzten Volksversammlung vom 21. August, die ohne polizeiliche Erlaubniß abgehalten ward, hatte das Polizeigericht viele Zeugen vorladen lassen, welche aber alle erklärten, die Redner, welche in dieser Volksversammlung sprachen, nicht namentlich nennen zu können, weil deren Namen nicht angezeigt wurden und in Folge der eingetretenen Finsterniß eine andere Erkennung unmöglich war. Das Gericht sah sich deshalb genöthigt, die Untersuchungsakten zu reponiren. Die verhafteten Redner, gegen die sich keinesfalls Belastungszeugen werden aufbringen lassen, sind nichts destoweniger ihrer Haft noch nicht entlassen.
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@facs0464
[ 40 ] Berlin, 30. Aug.
Das Gesetz über unerlaubte Volksversammlungen ist nunmehr in der Centralabtheilung berathen worden. Nur der § 3 des Entwurfs, welcher der Polizei ein Verbietungsrecht gab, ist im Interesse der Freiheit wesentlich verändert worden. Alles Uebrige soll ziemlich ministeriell geblieben sein. Noch ist der Bericht nicht gedruckt, sobald er erscheint, werde ich Ihnen solchen mittheilen. Die Minister sind eifrig bemüht, ihren Vorschlag durchzubringen und sich Stimmen zu sammeln. Aus dem Lande gehen zahlreiche Proteste ein. Von einem Proteste von Köln habe ich nicht gehört.
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[ 68 ] Breslau, 28. Aug.
Die Gutsherren in Pommern, Brandenburg und Schlesien haben durch ihre Agitationen auf unsere Bauern in dem Sinne sehr günstig eingewirkt, daß die letzteren nun ebenfalls in Vereine zusammentreten und den gutsherrlichen Reaktionsgelüsten mit vereinter Kraft entgegenarbeiten. Gestern waren aus 18 Kreisen an 400 Deputirte versammelt, welche eine Petition an die Vereinbarer wegen gleichmäßiger Vertheilung der Grundsteuer und Aufhebung der Feudallasten ohne Entschädigung beschlossen und unterzeichneten. Zugleich wurde die Organisation der Bauern nach Kreisen festgestellt und zur einheitlichen Leitung sämmtlicher Kreisvereine ein Centralcomité erwählt, das aus sieben Personen besteht und in Breslau seinen Sitz hat. Die Wahl dieses Comités ist für die demokratische Partei sehr günstig ausgefallen, da sechs unter den sieben Mitgliedern dieser Partei ganz entschieden angehören. — Es sind heute 16 Landwehrmänner unter starker Militärbedeckung, wegen politischer Vergehen, wie es heißt, hieher ins Gefängniß gebracht worden. Dies hat eine solche Aufregungin der ganzen Stadt hervorgebracht, daß auf den Abend der Ausbruch eines Tumults in Aussicht steht.
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@facs0464
[ 41 ] Erfurt, 28. Aug.
In der vergangenen Nacht wurde ein Krawall versucht gegen die Buchdruckerei, worin die hiesige Beamtenpartei ihre reaktionären Schriften und insbesondere die Erfurter Zeitung drucken läßt. Man hatte gedroht, die Schriftkasten umzustürzen; es verblieb jedoch beim Einwerfen der Fenster. Auf Sonntag wird eine Volksversammlung vorbereitet, bei welcher die reaktionären Schriften und die Erfurter Zeitung öffentlich verbrannt werden sollen. Erfreulich ist, daß die Aufreizung durch Schriften besonders von Regierungsbeamten ausgehen. Den 24. d. Mts., Abends, waren hier die Truppen konsignirt, weil — zwei Bürgervereine über die neue Kommunalordnung beriethen. Jeder Soldat hatte 10 scharfe Patronen. Die Furcht unserer Büreaukratie vor der Demokratie geht hier bis in's Lächerliche. In einer großen Stadt, wo kein so schöppenstädtischer Geist herrscht, wie hier, würde man die sehr gemäßigten Bestrebungen dieser beiden Bürgervereine kaum bemerken. Die Gewalt aber, welche ihnen hier durch Militär und Beamte entgegengesetzt wird, bringt erst Erbitterung hervor. Die Regierung erfreut sich des Wachsthums des hiesigen kleinen Polizei- und Militärstaats. Beamte, mit dem Hasse und dem Mißtrauen des Volkes beladen, sind die Herrscher. Die berühmte Satzung: „ein Staat, der recht frei sein will, muß ein recht großes Polizeipersonal haben“, — hat hier schon gute Früchte getragen: die Polizeidiener werden vermehrt und Soldaten üben Polizei.
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[ 29 ] Ostrowo, 29. Aug.
Von einem Vereine, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, den Prinzen von Preußen zum Oberbefehlshaber der gesammten Armee zu machen, ist dieser Tage an alle Vorsteher von Truppentheilen ein Rundschreiben ergangen, worin dieselben aufgefordert werden, zu diesem Zwecke hülfreiche Hand zu bieten. Unterschrieben ist dasselbe u. A. von dem Wehrreiter Schlesinger, der bei Gelegenheit in Ihrem Feuilleton so wohl gewürdigt worden ist. — Bei dieser Gelegenheit wird von folgender Finte Gebrauch gemacht; damit die Petition an König die großartigste Verbreitung und Unterstützung erhält, und es auch nicht nothwendig wird, das Verbot des Associations-Rechtes der Soldaten zu übertreten, hat der Ober-Auditeur „die Beistimmung zur Zuschrift als gesetzlich“ erklärt.
Zu dem Zwecke sind nun mit der Petition zugleich mehrere Zustimmungs-Erklärungen versandt worden, des Inhaltes, daß sich die Unterzeichneten den Wünschen Ihrer Kameraden in Berlin und Charlottenburg durchaus anschließen u. s. w.
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@facs0464
Danzig, 23. Aug.
In den neun Jahren von 1840 bis 1848 sind in Danzig 66 Schiffe von 14,465 Normallasten gebaut worden; darunter mehrere von mehr als 400 Lasten, der Friedrich der Große sogar von 442 Lasten. — Die hiesigen Schiffskapitäne machen übrigens darauf aufmerksam, wie nothwendig es sei, vor der Errichtung der deutschen Flotte praktische Seeleute zu bilden und führen dabei an, daß die Amazone bei ihrer ersten Sommerreise, als sie mit fast lauter Theoretikern besetzt war, nicht weniger als viermal auf den Grund gerieth.
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Mainz, 30. Aug.
Wegen einiger unseren Herren Soldaten angeblich anstößigen Zerrbilder, die der Inhaber der Bude trotz des wohlgemeinten Rathes eines Stabsoffiziers nicht entfernen wollte, weil er glaubte, das Recht der Preßfreiheit nicht von der Laune der Besatzung abhängig machen zu dürfen, wurden ihm gestern Abend von mehreren preußischen und östreichischen Militärs nicht nur jene Karrikaturen selbst, sondern auch noch verschiedene andere Bilder zerstört, und ihm so handgreiflich demonstrirt, daß von allen deutschen Städten nächst Charlottenburg unser Mainz die beneidenswertheste ist.
[(M. Z.)]
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@facs0464
Altona, 30 August.
Durch gütige Privatmitheilung sind wir in den Stand gesetzt, folgende authentische Notizen über die vom General v. Below, vorgelegten (und wahrscheinlich wenigstens theilweise angenommenen) Waffenstillstandsbedingungen zu veröffentlichen: In Schleswig-Holstein bleibt das ungetrennte schleswig-holsteinsche Heer, nebst 2000 Mann Preußen zurück. Die Dänen hatten die Trennung der schleswigschen Soldaten von den holsteinschen gefordert, scheinen aber nur das Zugeständniß erlangt zu haben, daß, wenn die Schleswiger die Beurlaubung der gebornen Schleswiger (meist ältere Cavaellristen und Artilleristen) forterten, diese bewilligt werden sollte. Die neuen Regierungsmitglieder sollen von der jetzigen provisorischen Regierung vorgeschlagen, von der Centralgewalt ohne Weiteres genehmigt und von Friedrich VII., als Herzog von Holstein, bestätigt werden. Prinz Ferdinand wird keinen Antheil an der Regierung nehmen. — Die augustenb. Prinzen erhalten vollen Ersatz für ihr beschädigtes und weggeführtes Privateigenthum. — Ein deutscher Bundesgeneral übernimmt den Oberbefehl über die in Schleswig-Holstein verbleibenden Truppen. — Die Hanoveraner sollen nach Hamburg verlegt werden. — Alle die Souveränetät und Würde des Herzogs widerstreitenden Verordnungen und Maßregeln der provisorischen Regierung werden außer Kraft gesetzt. —
[(Börs.-H.)]
Schweiz.
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Aus der Schweiz. 26. Aug.
Der künftige Nationalrath der Eidgenossenschaft, der aus 111 Repräsentanten bestehen soll, (auf je 20,000 Seelen wird ein Mitglied gewählt) vertheilt sich auf die Kantone folgendermaßen: Zürich 12, Bern 20, Luzern 6, Uri 1, Schwyz 2, Obwalden 1, Nidwalden 1, Glarus 1, Zug 1, Freiburg 5, Solothurn 3, Baselstadt 1, Baselland 2, Schaffhausen 2, Appenzell A. R. 2, Appenzell J. R. 1, St. Gallen 8, Graubünden 4, Aargau 9, Thurgau 4, Tessin 6, Waadt 9, Wallis 4, Neuenburg 3 und Genf 3.
Französische Republik.
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@facs0464
[ 12 ] Paris, 30. August.
Die Fabrikation der sogenannten bonnets de coton (baumwollene Mützen) ist bekanntlich einer der größten Industriezweige in Paris. Der Artikel hat einen ungemeinen Absatz; eine ganze Straße, die Straße St. Denis, wird spottweise nach diesem Artikel benannt, und sogar die Bewohner dieser Straße heißen allgemein bonnets de coton, etwa wie wir im deutschen sagen: Schlafmützen. Aber diese Leute sind nichts weniger wie Schlafmützen: sie betreiben ihr Geschäft mit der größten Lebendigkeit. Durch die Konkurrenz angetrieben, haben sie nicht allein ihr ganzes Vermögen in bonnets de coton stecken: sondern manchmal drei- oder viermal soviel als sie wirklich besitzen. Ja, wenn man diese Leute gewähren ließe, so würden sie die ganze Welt in bonnets de coton verwandeln. Hegelisch ausgedrückt, thun diese Leute weiter nichts, als daß sie mit dem Besondern das Allgemeine zu überwinden suchen. Kommerziell: die Speziallität bonnets de coton sucht ihre Konkurrenten zu enfonciren. Dagegen läßt sich allerdings nichts sagen. Aber begreiflich ist es, wie diese Leute, die ihr ganzes Vermögen und ihren ganzen Kredit in's Geschäft gesteckt haben, um Stich gegen ihre Konkurrenten halten zu können, in der Abhängigkeit der Banquiers, der Kapitalisten stehn, die ihnen ihre Wechsel diskontiren und ihnen das zum Betriebe nothwendige Geld vorstrecken. Bei der mindesten Stockung fällt dann der kleine Fabrikant und Kaufmann gänzlich dem Banquier anheim. Ein gleiches Bewandniß hat es mit allen kleinen Pariser Industriezweigen und besonders mit den Luxusartikeln, wie namentlich mit den künstlichen Blumen, die in Paris in der größten Masse fabrizirt werden. So ein Rosenfabrikant z. B. besitzt weiter nichts als Rosen: der Artikel geht so gut, daß er 3, 4 mal mehr Rosen als wirkliches Vermögen hat, und ebenfalls die ganze Welt in Rosen verwandeln würde, wenn er freie Hand hätte.
Nach dem 24. Februar trat ein allgemeiner Stillstand in den Geschäften ein; eine Stockung war mehr oder weniger schon früher eingetreten. Die Wechsel kommen an, kein Banquier wollte mehr diskontiren. Der Eine wieß auf seine Rosen, der andere auf seine Schlafmützen an; es waren die kourantesten Artikel vor der Revolution; kein Banquier wollte Geld darauf vorstrecken. „Ich habe 10 mal mehr in Waaren und mitten unter den Rosen sitze ich im Dreck.“ Man denke sich nun alle die übrigen Fabrikanten und Industriellen die Alles was sie hatten, und dazu ihren ganzen Credit in Schlafmützen oder sonstige Spezialitäten verwandelt hatten, und nun mitten in ihren Schlafmützen und Rosen fortsaßen. Da hieß es allgemein daran sind die Arbeiter mit ihren übermäßigen Forderungen Schuld; die Arbeiter, welche in Prozessionen durch die Straßen ziehen, und das Vertrauen nicht aufkommen lassen wollen. Indessen ging die Sache ihren unvermeidlichen Fortgang; es war eine Industrie-Krise, wie sie in England häufig vorkommt, die Leute mußten ihre Zahlungen einstellen und ihre Billanz einreichen; die provisorische Regierung, welche diesen Umstand den außerordentlichen Ereignissen zuschrieb, hob die gewöhnliche Faillite-Erklärung mit ihren Consequenzen für den Augenblick auf. Aber die Wuth der Kleinbürger und der Fabrikanten gegen die Proletarier war auf's höchste gestiegen, ihnen gaben sie die Schuld der Stockung, ihnen schrieben sie zu, daß das Vertrauen getödtet, daß der Banquier ihnen auf ihre gute Waare kein Geld mehr vorstrecken, und ihnen sogar gutes Papier nicht mehr diskontiren wollten. Dazu kam noch die allgemeine Furcht vor Kommunismus und einer vorzunehmenden Theilung der Rosen. Ach, die Leute bedachten nicht, daß ihnen die Rosen gar nicht mehr gehörten, und bei einer bevorstehenden Liquidation ihr Geschäft nebst Geschäftswerkzeugen und ursprünglichem Kapital in die Hände der Banquiers übergehn mußte.
Wie es mit der Industrie stand, auf ähnliche Weise verhielt es sich mit dem Grundbesitze. Der eigentliche Besitzer war nicht der Bauer, sondern der Kapitalist, der Hypothek darauf hatte. Die verschiedenen Arten Kapitalisten hatten ihre verschiedenen ideologischen Vertreter in König und Kaiser, in Bourbonen und Legitimisten. In jetziger Zeit kann ein König nur dadurch fallen, daß er bankrutt macht, wie ein gewöhnlicher Geschäftsmann, und diejenigen, welche nach ihm schreien, sind entweder Schuldner oder Gläubiger, d. h. solche, welche Interesse daran haben, daß er bleibt oder fällt. Der König ist ein Banquier, ein Kapitalist geworden; verliert er an Kredit, hat sein spezifisches Königthum als Waare keinen Meinungswerth mehr, so bleibt ihm nichts übrig, als seine Billanz zu machen und sich fallit erklären zu lassen.
Die Juni-Insurgenten waren besiegt, die Schlafmützen jauchzten; die Kleinbürger wähnten sich von den „Kommunisten“ befreit, welche ihnen die Rosen zu entreißen drohten. Da sie die Straßen gesäubert, und den freien Verkehr hergestellt, sahen sie kein Hinderniß ihrem Kredit mehr im Wege stehen. Die armen Leute hatten in der Trunkenheit des Sieges die Bindfäden übersehen, mit denen ihre Rosen und Schlafmützen an den großen Kapitalisten gebunden waren. Als es zur Liquidation ging, als das Gesetz über die freundschaftlichen Konkordate berathen wurde, entschied sich die Kammer dafür, daß dem Eigenthum sein Recht verbleiben sollte, und die Kapitalisten zogen Rosen und Schlafmützen für ein Spottgeld ein, um sie später mit guten Prozenten den größern Industriellen zu übertragen, welche in dem Sturme Stich gehalten hatten.
Wie es den Rosen und Schlafmützen erging, so erging es allen übrigen Industrien. Die Größern absorbirten die Kleinern, und kamen selbst wieder immer mehr unter die Herrschaft des Kapitals. Die Centralisation der Arbeitswerkzeuge ging gleichen Schritt mit der Concentration der Kapitalien. 10,000 Familien wurden mit einem Schlage in's Proletariat geschleudert; zu spät erkannten sie, daß, indem sie gegen die Insurgenten gekämpft, sie nur die Sache der Kapitalisten vertheidigt hatten. Die Rothschilde sind die eigentlichen Herren und Cavaignac ist nur die Kanone, welche hinter den Wechsel aufgepflanzt ist, um ihm zu seinem Rechte zu verhelfen. Die Kammer, indem sie die Eigenthumsrechte heilig zu sprechen wähnte, hat nur das Recht des großen Kapitals sanktionirt: Die Republik steht dem Wechselrechte nicht im Geringsten im Wege. Das Wechselrecht kann sowohl in der monarchischen wie in der republikanischen Sprache ausgedrückt werden, und der Mann, der diese Sprache am besten spricht, ist Marrast. Je mehr die Absorbirung der Kapitalien fortgeht, jemehr die kleinern Schlafmützen untergehen, und die Rosen verschwinden, jemehr macht sich Rothschild, der König der Juden, als der eigentliche Franzosen-König geltend, Cavaignac als sein Adjutant und Marrast als sein Dollmetscher.
Aber das Proletariat wächst immer furchtbarer heran unter der Herrschaft dieses Triumvirats, undder Tag seines Sieges naht drohend heran, trotz Cavaignac, trotz Rothschild und Marrast.
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@facs0464
Paris, 30. Aug.
Die meisten Journale haben keine leitenden Artikel. Die Debats und einige andere Blätter tragen wohl sogenannte Premier-Paris an ihrer Spitze, allein es sind bloße Analysen der Sitzung der Nationalversammlung. Der Constitutionnel schweigt gänzlich.
— Aus dem Moniteur starren uns abermals 410 Namen Deportirter entgegen. Wir finden darunter folgende Deutsche: 1) Joseph Vogat (17 Jahr alt) Bürstenmacher aus Weissenburg; 2) Nikolaus Scheffer aus Luxemburg; 3) Julius Ludwig Schneider; 4) Joseph Fest; 5) Johann Fink; 6) Adam Johann Ketler aus Danzig; 7) Jakob Köhler aus Oestreich; 8) Joseph Kopp; 9) Emil Petermann; 10) Caspar Rehr aus Bronderdorf an der Mosel; 11) Carl Christoph Heß u. m. Andere mit mehr oder weniger mangelhaften Adressen.
— In den Forts unserer Festungswerke wäre es beinahe zu einer Militärrevolte gekommen. Die Nahrungsmittel, vorzüglich das Brod, gaben zur Agitation Veranlassung. Die Insurgenten erhielten kohlschwarzes Brod und die Soldaten verdorbenen Schiffszwieback. Die schlechte Beschaffenheit dieses Nahrungsstoffes rief große Erbitterung hervor. Die Soldaten, ohnedies durch die barbarische Behandlung der Insurgenten gerührt (man sah gestern Abend bei dem neuen Transport große Thränen in die Augen alter Korporale treten), bauten z. B. im Fort Noissy-le-Sec eine Art Barrikaden aus den Bisquitplatten und riefen den Offizieren, die sie an dieser Spielerei hindern wollten, spöttisch zu: wenn Ihr für kein besseres Brod sorgt, so lassen wir die Insurgenten los und dann sollt Ihr sehen etc. Auf diese und ähnliche Berichte hin haben die Herren Senard und La Moriciere den Kriegsgerichten befohlen, ihre Arbeiten möglichst rasch zu vollenden.
— Der neue verfeinerte Verfassungsentwurf zählt 19 Artikel weniger als der alte. Das droit au travail ist daraus verschwunden. An der Stelle desselben steht die Freiheit der Arbeit (liberté du travail); der Staat erkennt die Pflicht an, den Hülfsbedürftigen zu unter stützen, geschehe dies durch Almosen oder durch [0465] Arbeit, soweit es seine Quellen erlauben. Im alten Entwurf brauchte man nur Franzose, geborner Franzose zu sein, um Präsident der Republik werden zu können. Im verfeinerten Entwurf darf man die Eigenschaft eines Franzosen nicht verloren haben. Auf diese Weise glaubt man allen Prätendenten die Thore zu schließen.
— Die Blätter zeigen an, Louis Bonaparte trete von Neuem als Kandidat für die Wahlen des 17 September auf.
— Es ist nicht wahr, daß die Regierung am Rheine eine Armee aufzustellen gedenkt. Dagegen wird sie in Dijon eine 5te Division der Alpenarmee bilden.
— Rücksichtlich der Mediation hört man sei der Regierung diesen Morgen die Erklärung aus Wien zugegangen, daß man die Einmischung Englands in die italienische Angelegenheit keineswegs gestatte. Der National weiß von dieser Erklärung noch nichts.
— Abbe Genoude, Eigenthümer der Gazette de France, hat dem Präsidenten Marrast eine lange Protestation zugehen lassen. Inzwischen erscheint das Blatt unter dem neuen Titel: „Le peuple français, Journal de l'appel á la Nation.“
— Trelat, Exstaatsbauten-Minister und Oberhospitalarzt der Salpetriere, wird Hrn. Savoie in Frankfurt ersetzen. Savoie trug nur den Titel eines Geschäftsträgers, Trelat erhält den eines bevollmächtigten Ministers.
National-Versammlung. Sitzung vom 30. Aug. Marrast eröffnet die Sitzung mit der Anzeige, daß der Bericht über den modifizirten Verfassungs-Entwurf fertig und von ihm dem Büreau übergeben worden sei, das den Druck und die Vertheilung desselben besorgen werde (Ah! Ah!)
Die Versammlung bestimmt nächsten Montag für den Beginn der Diskussion.
Präsident Marrast schlägt vor, von Montag an täglich zwei Sitzungen, eine Vor- und eine Nach-Mittag zu halten. Die Nachmittag-Sitzung von 2 bis 6 Uhr wäre ausschließlich zur Berathung der Verfassung bestimmt.
Montreuil möchte nur 4 Tage der Woche der Verfassung widmen.
Cremieux bekämpft diesen Vorschlag.
Die Versammlung entscheidet sich für 2 Sitzungen an jedem Tage.
Lebreton, General, zeigt der Versammlung an, daß sich eine gewisse Zahl der Wittwen und Waisen der Juni-Gefallenen um Versorgung an ihn wenden. Die Versammlung möge Anstalten treffen, ihrem Beschlusse baldige Ausführung zu verschaffen. Soll geschehen.
Erespel de la Touche erhält das Wort, um die Nothwendigkeit der Beschleunigung in Erledigung seines Antrages rücksichtlich der Zeitungspresse zu begründen.
Cavaignac: beabsichtigte der Antrag, eine Kritik der Art des Gebrauchs hervorzurufen, den ich von einem mir verliehenen Recht machte, so würde ich mich jeder Diskussion geradezu widersetzen. So aber scheint mir ihr Zweck in Untersuchung der Natur des mir verliehenen Rechts selbst zu liegen und ich widersetze mich daher keineswegs der Diskussion, sondern bevorworte sogar deren Beschleunigung.
Die Versammlung spricht die Beschleunigung aus und verweist den Entwurf an den Gesetzgebungs-Ausschuß zur sofortigen Vorprüfung.
Tagesordnung: Fleischsteuer an den Thoren von Paris. Man weiß, daß die provisorische Regierung die Steuer, wenn auch nicht völlig abschaffte, so doch im Interesse der Nahrungsmittel des Armen bedeutend verminderte.
Diese Herabsetzung, ohne den Preis des Fleisches zweiter Sorte (die Verminderung traf vorzüglich nur diese Sorte) zu ermäßige rief einen bedeutenden Ausfall indem Gemeindesäckel hervor, und der antisozialistische Finanzminister beeilt sich, diese Lücke durch Wiedereinführung jener Thorsteuer zu füllen.
Guerin bekämpft den Entwurf.
Duplan beschwört die Versammlung im Falle der Annahme wenigstens unzähligen Mißbräuchen zu steuern, die in den Pariser Schlachthäusern stattfänden.
Liguier, Berichterstatter, verspricht diese Beseitigung. Der in Rede stehende Entwurf sei nur ein provisorisches Mittel.
Senard und Victor Considerant nehmen an der Diskussion lebhaften Antheil.
Nach mancherlei Hin- und Herreden, wurden die Oktroi Gebühren auf Fleisch, wie sie vor dem 24. Februar bestanden, wieder angenommen.
Die Versammlung schreitet jetzt zur Berathung des Entwurfs, welcher das Gesetz vom 2 März 1848, rücksichtlich der Arbeitsstunden, (Reduktion von zwölf und resp. eilf auf zehn Stunden) außer Kraft setzt.
Pierre Leroux spricht über anderthalb Stunden. Der Skeptizismus greife wieder um sich in Frankreich. Der Despotismus sucht wieder Fuß zu fassen. Die Menschheit, die ihn zu transfiguriren strebte, sieht ihre Bestrebungen wieder gehemmt. Die alten Regierungsmaxime zeigten sich wieder von Neuem gerüstet auf dem Schlachtfelde, (Oh! Oh! Ja, Ja.) jedoch als einsichtslose Gensdarmen (allgemeines Gelächter.) Was den in Rede stehenden Gesetzentwurf betreffe, so sei es ein wahres Verbrechen, die Hand auch noch an das einzige wahrhaft menschliche und ächt republikanische Gesetz zu legen, das von der Februar-Revolution noch übrig blieb. Dieses Gesetz sei die schönste Frucht jener glorreichen Bewegung. Und man will es niederschmettern durch einen Majoritätsstreich (Lärm) ‥… Die Ehre desselben gebührt ausschließlich jenem jungen Volks-Vertreter, der durch seine Abwesenheit jetzt glänzt (Louis Blanc! das ist unerträglich! zur Ordnung!)
Der Redner tritt in lange ökonomische Betrachtungen über die heutige gesellschaftliche Organisation ein, verliert aber den Zusammenhang durch einen unglücklichen Zufall, der ihm alle seine Papiere zu Boden wirft. Er tritt ab.
Duffey unterstützt den Entwurf und bekämpft die „Februar Irrthümer.“ Die Hauptsache sei, die Arbeit nicht auf 10 Stunden zu verkürzen sondern dem Arbeiter auch 10 Stunden Arbeit täglich zu verschaffen.
Italien.
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@facs0465
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 2. September 1848. In: MEGA2 I/7. S. 641.]
[ * ]
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 2. September 1848. In: MEGA2 I/7. S. 641.]
[ * ]
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 2. September 1848. In: MEGA2 I/7. S. 641.]
[ * ] Florenz, 23. August.
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@facs0465
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 2. September 1848. In: MEGA2 I/7. S. 641.]
[ 27 ] Neapel, 20. Aug.
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Dänemark.
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@facs0465
[ 72 ] Kopenhagen, 26. August.
Von der Insel Alsen ist ein Protest mit 3351 Unterschriften gegen den Anschluß an Deutschland nach Frankfurt abgegangen. Man braucht hier keine posensche Adreßfabrikation von Seiten des dänischen Militairs vorauszusetzen, da die ganze Insel von Dänen bewohnt ist.
— Die Stadt Flensburg protestirt ebenfalls in einem Schreiben an den Frankfurter volkswirthschaftlichen Ausschuß (den Fädrelandet mittheilt) gegen einen etwaigen Anschluß an den deutschen Zollverein.
— Fädrelandet enthält ferner einen Brief dänischer Kriegsgefangener aus Stade, die über ihre Behandlung und namentlich die Pflege der Kranken von Seiten der Hannoveraner sich sehr lobend aussprechen.
Großbritannien.
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@facs0465
[ * ] London, 30. August.
Nachdem, wie wir gestern berichtet, das Unterhaus die Bill wegen Rom in dritter Lesung angenommen, kam die Bill wegen der Schatzscheine im Comité des Hauses zur Berathung. Hume bekämpfte sie, weil sie eine Anleihe in Friedenszeiten im Betrage von 2 Mill. Pfd. Sterl. zum Zweck habe. Dadurch bekäme das Land jährlich 60-70,000 Pfd. neue Interessen zu bezahlen. Er ist sodann auch dagegen, weil sie den höchst unpolitischen Vorgang, Geld für das Land aufzuborgen, sanktionire. Reichten die Einnahmen nicht zu, so müßten entweder die Ausgaben vermindert oder der Ausfall durch neue oder erhöhte Steuern, aber nicht durch immer neue Anleihen aufgebracht werden. Er trägt auf Verwerfung der Bill an, die jedoch mit 66 gegen 45 Stimmen in die Comitéberathung geht.
Unterhaus vom 30. August. Hr. D'Israeli kritisirt in einer langen Rede die Arbeiten der bisherigen Session und das Verhalten der Regierung. Seine Sarkasmen machten Lord John höchst unbehaglich auf seinem Sitz. D'Israeli bemerkt, daß wohl nie ein Ministerium bei Eröffnung des Parlaments mehr versprochen und weniger gehalten, als gerade dieses in dieser Session. Es habe 4 Budgets vorgelegt und das 4. erinnere ihn an Don Quixotte's Rückkehr von seiner 4. Expedition. Der Schatzkanzler möge mit dem edlen Ritter de la Mancha ausrufen: „obgleich man seine Schwäche gemerkt, habe man ihn doch mit Achtung behandelt.“ (Großes Gelächter.) (Sitzung dauert fort.)
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@facs0465
[ * ]
— Louis Blanc setzte sich heute früh in Dover auf die Eisenbahn und ist bereits hier eingetroffen.
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@facs0465
[ * ]
— Die Deutschen in Manchester haben für die in den Barricadenkämpfen in Wien und Berlin Verwundeten und die Wittwen und Waisen der Gefallenen 503 Pf. St. gesammelt.
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@facs0465
[ * ] Dublin, 23. Aug.
Es sind jetzt einige Wochen her, daß eines Morgens die Nachricht in Liverpool eintraf: die irische Revolution habe ihren Anfang genommen. Der elektrische Telegraph brachte die Nachricht nach London, von London verbreitete sie sich über den Kontinent und die Demokratie der halben Welt begrüßte frohlockend den Auferstehungstag des armen unglücklichen Erin. — Ach, am folgenden Tage fand es sich, daß die ganze Geschichte eine Lüge sei… Börsenwölfe hatten durch eine falsche Nachricht ihren Coup zu machen gesucht, und wenn auch bald darauf der Aufstand wirklich seinen Anfang nahm, so sollte er doch zu nichts weniger als zu einem Resultate kommen.
Werfen wir einen Rückblick auf das eben Geschehene.
Mit Daniel O'Connels Todesstunde hatte die Stunde der Insurrektion für Irland geschlagen. Kein Vermittler stand mehr zwischen dem despotischen Briten und dem revolutionären Iren.
Vergebens bemühten sich Dan's Söhne, das lukrative Repeal-Geschäft, was der Familie jährlich an 30,000 Pfd. St. einbrachte, auch nach des Vaters Tode fortzusetzen. Die alte Zauberformel der Repeal, welche in des Vaters Mund wie das Klingen eines Goldstücks tönte, sie klang von den Lippen der Söhne wie das Klappern eines Rechenpfennigs, und was man der naiv-poetischen Beredsamkeit des großen Agitators geglaubt hatte: es ging verloren bei dem Lärm der nüchternen Jungen.
Der alte Daniel sank in's Grab und mit ihm seine Fabel, daß die Repealbewegung, auf der sichern Straße des Gesetzes, in aller Ruhe und Ordnung das Leid Alt-Irlands lindern könne.
Der alte Ire war todt und die Agitation der Jung-Iren begann.
Wer weiß, ob sie nicht längst zu einer Katastrophe geführt hätte, wenn nicht plötzlich jenes furchtbare Jahr der Mißärnte über das arme Erin hereingebrochen wäre, das wohl zu vereinzelten Emeuten aber nicht zu der Organisation einer kompakten revolutionären Partei führen konnte.
Der Hunger hatte die Bewohner der halben Insel entnervt; traurig standen sie da, dem Tode entgegenstierend, der die Kadaver der Gefallenen zu Tausenden, zu Hunderttausenden häufte.
Acht Millionen Pfund Sterling warf das britische Gouvernement den Bettlern hin, um ihr Leben durch den Winter hindurch zu fristen, um die Hungergefolterten von Raub und Brand zurückzuhalten. Das letztere gelang; Almosen und Kartätschen hielten die Rebellen im Zaume, wo das eine nicht ausreichte, da half das andere. Die politische Agitation war zu Ende. Ganz Irland glich einem Leichenhause — dem Kühnsten entsank der Muth.
Einer geraumen Zeit bedurfte es, ehe das Land aus seiner Lethargie erstand, ehe die Leiter der revolutionären Partei auch nur daran denken konnten, die Leute für etwas anderes zu interessiren, als für das, was sie am nächsten Tage essen und trinken sollten. Die Höfe der Almosen spendenden Reichen, die Betstühle der Kapellen und die Gräber der Kirchhöfe — sie wurden häufiger besucht als die Säle politischer Versammlungen. Erst nach einem Jahre stürzte sich Alles wieder mit der alten Erbitterung in die frühere Bewegung.
John O'Connell machte um diese Zeit die größten Anstrengungen, um an die Stelle seines Vaters und an die Spitze der Agitation zu gelangen. Es zeigte sich auf's Neue, daß er total unfähig war. Andre Leute standen auf der Bühne; die Partei des alten Daniel war zersplittert; man hatte die Hoffnung aufgegeben, sich auf gesetzlichem Wege Recht zu verschaffen, man schaarte sich um Männer, welche Irland frei machen wollten um jeden Preis.
Rasch drängen sich jetzt die Ereignisse. John O'Connell tritt allmählig ganz zurück; wir sehen die Repealer und die Jung-Irländer zu einer irischen League sich vereinigen; Smith O'Brien als ihren ersten Redner, John Mitchell als ihren ersten Journalisten in den Vordergrund treten.
Die Februar- und März-Ereignisse des Kontinents brechen aus. Der Blitz der in Paris, in Wien und in Berlin gezündet, er scheint auch London getroffen zu haben. Der 10. April mit dem Chartisten-Meeting auf Kennington-Common soll den Tanz auch in England und Irland eröffnen — er mißglückt. — Die Iren setzen die Bewegung auf eigene Faust fort.
Die Sprache des Organs der revolutionären Partei, des United Irishman, wird immer wilder, immer aufrührischer; das Gonvernement schreitet ein; Mitchell wird verhaftet und nach einem Prozeß, indem er sich mit dem bewunderungswürdigsten Heroismus benimmt, zu vierzehnjähriger Deportation nach Bermuda verurtheilt. Das Volk schäumt vor Wuth. Der „United Irishman“ verwandelt sich nach der Verhaftung und der Deportation des Redakteurs in den „Irish Felon“ und fährt fort offen und frei den Aufruhr zu predigen. Vergebens schleppt man auch den Eigenthümer des Blatt's und den Redakteur der „Nation“ Hr. Duffynin das Gefängniß von Newgate; aus den Krallen ihrer Feinde erlassen sie eine revolutionäre Adresse nach der andern; sie trotzen jeder Strafe; ihre Blätter erscheinen gegen alle Verbote; in wilder fanatischer Weise rufen sie zum letzten Kampfe auf, und die rasch entstandenen Klubs der Konföderirten bewaffnen sich durch den ganzen Süden der Insel.
Das Gouvernement wird immer besorgter. Lord Clarendon, der Vicekönig von Irland, proklamirt in mehreren Hauptdistrikten des Landes die im vorigen Jahre bereits passirte Zwangsacte und veranlaßt die Regierung zu immer größern Truppensendungen, die von den Küsten ins Innere rücken. Doch auch damit glaubt man dem herannahenden Sturme nicht begegnen zu können. Lord John Russell beantragt plötzlich die Suspension der habeas corpus-Acte für Irland; nur 8 Mitglieder des Parlamentes stimmen dagegen und die Bill passirt an demselben Tage die erste, die zweite und die dritte Lesung, um dann sofort die königliche Sanktion zu erhalten.
Entsetzen herrscht durch Dublin beim Eintreffen dieser Nachricht. Die Führer der Partei verschwinden plötzlich von der Bühne, die Klubs lösen sich auf und alle englischen Blätter brechen schon über die anscheinende Feigheit der Konföderirten in den lautesten Jubel aus.
Vergebens sucht die Polizei nach O'Brien, nach Meagher und nach anderen Parteichefs; Niemand weiß, wo sie sind, selbst ihre besten Freunde fangen an, die Redlichkeit und den Muth ihrer Führer zu bezweifeln.
Da kommt plötzlich die Nachricht, daß der Kampf im Innern des Landes begonnen hat. In Tipperary, in dem Lande der „schwarzäugigen Jungen,“ hat sich Smith O'Brien an die Spitze einiger hundert Mann gestellt und sucht, von Ort zu Ort ziehend, sein kleines Heer zu vergrößern. Ihm entgegen zieht ein Trupp Polizeimannschaft unter dem Kommando Trants. Bei Ballingarry kommt es zum Treffen und Smith O'Brien wird geschlagen und zur Flucht gezwungen.
Das englische Gouvernement hat indeß weitere Kriegsmaßregeln getroffen. Von Woolwich expedirt man einen Artilleriezug nach dem andern nach der Nachbar-Insel hinüber. Kriegsschiffe landen bald in diesem, bald in jenem Hafen und setzen Mannschaft ans Land; Lord Hardinge, der Sieger am Sutlej und bei Sobraon reist nach Dublin und übernimmt den Oberbefehl des britischen Heeres. — Die Insurgenten haben sich inzwischen wieder gesammelt; ihres besten Führers beraubt irren sie aber unstätt von Ort zu Ort und als der edle Lord endlich all' seine Streitkräfte entfaltet hat, da findet er, leider, keine Lorbeeren mehr zu erobern.
Mit der Flucht und der bald darauf erfolgenden Gefangennehmung Smith O'Briens ist der Aufstand zunächst schon beendigt.
Mehrere Wochen sind seit dem Zusammentreffen der Insurgenten und der Armee ihrer Unterdrücker verflossen und schon fielen fast alle Leiter des Aufstandes in die Hände ihrer Feinde. O'Brien, Meagher, Duffy, Martin, Dillon, O'Doherty und andere standen oder stehen noch vor ihren Richtern, um das Schuldig über sich aussprechen zu hören und Alt-Irland wird bald seine treuesten Kinder an der andern Seite der Erde wissen.
Der Konstablerstock und der Hunger werden inzwischen fortfahren, über Irland zu regieren.
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@facs0465
[ * ] Dublin, 29. August.
Der hiesige „Herald“ zeigt an: die Regierung habe erfahren, daß der größte Theil eines kürzlich in Mexiko verwendeten, aber nach Abschluß des Friedens entlassenen amerikanischen Regiments, Offiziere und Soldaten aus einem texanischen Hafen am 18. oder 19. Juli ausgelaufen, um sich in Irland der Insurrektion anzuschließen. Es seien meistens Irländer; sie führen 12 Kanonen bei sich. Es sind alle Anstalten getroffen, sie am Landen zu verhindern und gefangen zu nehmen. Sir C. Napier hat Befehl erhalten, in ganz summarischer Weise mit ihnen zu verfahren, falls sie in seine Hände gerathen sollten.
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@facs0465
[ * ] Dublin, 29. August.
Eine Menge Verhaftungen fallen täglich hier wie in den Provinzen vor. So wurden gestern Abend 21 Insurgenten aus der Grafschaft Tipperary hieher in Verwahrsam gebracht. Bei den jetzigen Assisen zahlten 46 Geschworne lieber 50 Pf. Strafe, als daß sie durch ihr Erscheinen sich der Möglichkeit aussetzten, auf die Liste der zwölf Geschwornen zu kommen.
Amerika.
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@facs0465
[ * ] Liverpool, 30. August.
Diesen Morgen traf der Dämpfer „Amerika“ mit Nachrichten aus New-York vom 16. August hier ein. Die Weizenärnte war beendigt und überreichlich ausgefallen. Aus Mexiko wußte man, daß Paredes der Gefangennahme entgangen war.
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@facs0465
Aus Virginien, 6. August.
Die farbige Race in ganz Nordamerika fängt an unruhig zu werden und den Weißen große Sorge zu machen. Ein Tag der Vergeltung scheint nahe zu sein. Der Präsident der freien farbigen Republik Liberia, Roberts, hat die Vereinigten Staaten besucht und ist mit förmlicher Auszeichnung von öffentlichen Behörden empfangen worden. Er hat sich mit seinem Gefolge von Neuyork nach Liverpool eingeschifft, um die Regierungen von England und Frankreich zur Anerkennung der Unabhängigkeit von Liberia zu bestimmen und diplomatischen Verkehr einzuleiten. — Die Aernte in den Vereinigten Staaten ist dieses Jahr unermeßlich; Obst, Garten- und Feldfrüchte in überschwänglicher Fülle; die Preise aller Produkte unerhört niedrig.
[(D. A. Z.)]
Ostindien.
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@facs0465
[ * ]
Ueber Marseille sind Nachrichten aus Bombay vom 19 Juli, aus Calcutta vom 10. Juli eingetroffen.
Der Sieg des Lieut. Edwardes und seines Alliirten von Bhawalpur über den Mulradsch von Multan bestätigt sich. Die Bombay-Zeitungen liefern eine Menge Details, aus denen her- [0466] vorgeht, daß selten mit einer solchen Wuth von der einen, mit solcher Hartnäckigkeit von der anderen Seite gekämpft worden, als in dieser 9stündigen Schlacht. Die Sikhs fochten wie Verzweifelte; an vielen Stellen war's ein Kampf Mann gegen Mann. Zwei Tage nach dem Siege schickten die Städte Sutschabad und Kote Abgesandte ins Lager und baten, daß britische Beamte an ihre Spitze gestellt werden möchten. Natürlich wurde ihre Bitte schnell erfüllt. Am 26. Juni drang Edwardes mit seinen Truppen bis in die Nähe von Multan vor, wo das Fort Secundrabad sofort attackirt wurde. Die Besatzung ließ es nicht zum Sturm kommen; sie ergab sich noch vor'm ersten Schuße. Am 28. Juni wurde Edwardes durch den aus der Insurrektion von Caschmir her bekannten Emaum-ud-deen mit 4000 Mann verstärkt. Am 1. Juli kam es zu einer neuen Schlacht, da der Feind sich nicht in Multan belagern lassen wollte, sondern aufs freie Feld herausrückte. Die Zahl desselben betrug höchstens 15,000 Mann. Beim Dorfe Sadusam begann das Treffen, in welchem der Mulradsch in Person kommandirte. Es dauerte 6 Stunden und endigte mit des letzteren Niederlage. Er zog sich nach Multan zurück, wo er sich unmöglich lange halten kann. —
Die Handelsnachrichten aus Calcutta lauten ziemlich günstig. Es macht auf die Engländer starken Eindruck, daß die Amerikaner in vielen Fabrikaten mit den ihrigen aufs vortheilhafteste konkurriren, trotz dem daß in Amerika der Arbeitslohn bedeutend höher ist als in England. Die amerikanischen Fabrikate laufen aber durch ihre Güte den englischen den Vorrang ab.
Belgien.
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@facs0466
[ * ] Brüssel, 26. August.
In Nro. 117 des hiesigen Journals „La Nation“ befindet sich ein Artikel: „Der Pauperismus in Belgien“ überschrieben, dem wir folgende Stellen entlehnen:
„Die unglückselige Wirkung der finanziellen und ökonomischen Gesetze auf die Arbeiter und Armen ist allzu reell, allzu mächtig, als daß wir uns nicht mit dem Nachweis der traurigen Folgen jener Gesetze, die von den bevorrechteten Klassen allein für alle Uebrigen gemacht werden, wiederholt beschäften sollten.“
„Wir haben das Gesetz von 1834 über die Getreide-Einfuhr als eine der Hauptursachen jener allmäligen Vertheuerung der nothwendigsten Lebensmittel bezeichnet, die so schwer auf den Arbeitern lastet. Vor 20 bis 25 Jahren kostete das Kilogramm Brod durchschnittlich 16-18 Centimen, und der metrische Centner Kartoffeln 3-4 Fr., während jetzt 30 Centimen für das Kilogramm Brod und 6-7 Fr. für 100 Kilogr. Kartoffeln als ein sehr niedriger Preis betrachtet werden. Vor 25 Jahren galt das halbe Kilogramm Fleisch 40-45 Centimen, jetzt 60-70 Cent.“
„Verdoppelte sich somit einerseits der Preis der nothwendigsten Lebensmittel, so stieg andrerseits der Arbeitslohn nur in sehr schwachem Verhältniß und seit zwei Jahren ist er sogar auf den früheren Satz und oft noch tiefer hinabgesunken. Der Landarbeiter bekam vor 25 Jahren täglich 75 Centimen (6 Sgr.) zur Winter- und 90 Cent. bis 1 Fr. zur Sommerzeit; gegenwärtig nicht mehr als 80-90 Centimen im Winter, 1 Fr. bis 1 Fr. 10 Cent. im Sommer. Während also der Brodpreis innerhalb 25 Jahren im Verhältniß von 3 zu 5 gestiegen ist, wuchs der Arbeitslohn nur im Verhältniß von 8 zu 9 oder höchstens von 9 zu 11. Der Arbeiter verdient mithin 1/[?] weniger als 1823.
Schätzt man die Zahl der Arbeiter auf circa 700,000, wovon Jeder 360 Fr. jährlich verdient, oder Alle zusammen jährlich 252 Millionen Fr., so würde die nämliche Zahl Arbeiter im Jahr 1823 allerdings nur 224 Millionen Fr. verdient, dagegen aber auf Brod auch nur 102,200,000 Fr. ausgegeben haben, während sie jetzt, den täglichen Brodverbrauch zu 1/2 Kilogramm per Kopf und die Familie zu 5 Mitgliedern gerechnet, jährlich 153,300,000 Fr. dafür ausgeben muß. In diesem Punkte allein trifft die Masse der Arbeiter, trotz des scheinbaren Erhöhens des Arbeitslohns ein Jahresverlust von 23,100,000 Fr. Der Netto-Ertrag der menschlichen Arbeit hat demnach im enormen Verhältniß ab-, und der Nettogewinn des Grundbesitzers, der Ertrag der Grundrente eben so zum Vortheil der Grundeigenthümer zugenommen. Für dasselbe Ackerstück, für das man vor 25 Jahren 45 Franken Pacht zahlte, muß man jetzt 80 bis 90, und in Brabant 100 Franken zahlen. Jene 23 Millionen, die nach unserer obigen Berechnung von der arbeitenden Klasse jährlich mehr für Brod gezahlt werden müssen, fließen in die Geldkasten der Grundeigenthümer.“
Wir wollen uns hier auf die Bemerkung beschränken, daß wenn auch die Eingangszölle auf Getreide ganz aufgehoben würden und die Grundeigenthümer jene von den Arbeitern erhobenen 23 Mill. jährlich nicht mehr zu schlucken bekämen: die Arbeiter sich gleichwohl nicht um einen Deut besser stünden. Das zeigt sich in denjenigen Ländern, wo keine Getreidezölle erhoben werden; das sehen wir in England, welches die Kornzölle abgeschafft hat. Die Frage wegen der Getreidezölle geht zunächst nur die industriellen und kommerziellen Bourgeois an; die Abschaffung dieser Zölle ist ein Sieg der letztern über das Bodenmonopol, über die Grundeigenthümer. Wird das Brod wohlfeiler, so bringt es die Konkurrenz unter den Arbeitern mit sich, daß ihr Lohn fällt, daß aber die Bourgeoisie den Profit in die Tasche steckt.
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[ S ] Antwerpen, 31. August.
Belgien, das Land ohne Revolution hat seinen Fluch auf der Stirne geschrieben, der heißt der flandrische Pauperismus. Aber jetzt trägt es einen doppelten Fluch, durch die Verurtheilung von Männern, die nicht gerade eine Revolution gemacht haben, die aber doch eine Revolution hätten machen können, die revolutionär gesinnt waren, wie es jeder Mann werden muß, bei dem Anblick dieser ehmals so blühenden Länder, welche seufzen unter dem Drucke konstitutioneller Freiheiten! Ich habe absichtlich den Hergang des ganzen Prozesses abgebrochen. So erbärmlich, so kleinlich schien mir die ganze Geschichte; so ekelhaft kam mir das ganze Requisitorium vor und so klar erwiesen die Schuldlosigkeit aller dieser Männer. Denn die größte Schuld aller derjenigen, die nicht im geringsten mit dem Kinderspiele von Risquons-tout in Verbindung standen, war eben ihre demokratische Denkungsart. Was thut die belgische Regierung? Sie bringt die Geschichte vor die Jury von Antwerpen mit der sie Alles machen kann was sie will, eine Jury die nicht einmal der französischen Sprache kundig ist. Sie suchte sich die Männer aus, welche sie unbarmherzig zu zerschmettern gedachte, wie Spilthoorn, Perrin, Mathieu und Tedesco, und läßt sie von vornherein mit absoluter Stimmenmehrheit für schuldig erklären, während Delestreé, Mellinet, Derudder und Ballin mit einer Stimmenmehrheit von 7 gegen 5 verurtheilt wurden, sodaß das Gericht noch zu entscheiden hatte. Warum diese Sonderung? War etwa die Jury fähig, die Unterscheidung zu machen? Nein; man hatte nothwendig Mellinet zu schonen, der Antwerpen gerettet und zu populär in Belgien war, als daß man ihn verurtheilen konnte. Ihn von der Jury allein freisprechen zu lassen, hätte den Anschein der Partheilichkeit gehabt und so hatte Bavay, der wirklich zu sehr flämisch, zu sehr bornirt ist, als daß man ihn verrucht nennen kann, heimlich mit der Jury abgesprochen, den General Mellinet mit andern weniger Belasteten zusammenzustellen um durch eine Schuldigerklärung von 7 gegen 5 die Entscheidung dem Gerichte zu überlassen. Was thut das Gericht: es spricht Millinet frei, und alle übrigen verurtheilt es zum Tod: 15 an der Zahl, von denen die meisten wie Tedesco, Ballin u. s. w. gar nicht aus Brüssel oder Lüttich herausgekommen sind.
Also 18 Sitzungstage hatte dieser jämmerliche Prozeß eingenommen, der da endet mit der Verurtheilung zum Tode von 15 Demokraten.
Dieses kleine Belgien, das am 27. Februar deshalb seine Krone behielt, weil der Demokarat Jottrand, als Leopold sie feil bot, keinen Groschen dafür geben wollte, hat aus bloßer Bornirtheit die Frechheit politische Männer zum Tode zu verurtheilen, im Augenblick, wo seine eigene Politik in Gefahr steht den Hals zu zerbrechen. Bavay, daran ist deine Dummheit schuld!
Die Namen der 15 zum Tode verurtheilt sind: Spilthoorn, Delestreé, Perrin, Mathieu, Derudder, Ballin, Tedesco, Carnel, Guelton, Jouannin, Calonne, Clanwells, Baetn, Ronkel, Coopmans, Bourgeois, und Declerq. Die übrigen 15 sind freigesprochen.
Nachtrag.
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Frankfurt, 30. August.
Bei der Wahl zum ersten Vicepräsidenten der Nationalversammlung erhielt von 435 Stimmen v. Soiron 284, v. Hermann aus München 141, H. Simon aus Breslau 3, R. Blum 2, Brentano 1, v. Schrenck 1, Riesser 1, Grävell 1, v. Radowitz 1 Stimme. Eine Anzahl Mitglieder der Linken reichte gegen v. Soiron's Wahl eine Verwahrung ein. An der Wahl des zweiten Vicepräsidenten nahmen 417 Mitglieder Theil. Hiervon stimmten für v. Hermann aus München 270, Simon aus Breslau 108, v. Radowitz 15, R. Blum 2, Schüler aus Jena 2, Sepp 1, Riesser 3, Simson von Königsberg 13, v. Soiron 1, Kotschy 1.
[(Fr. J.)]
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Herr Karl Grün.
Auf die in der Beilage zu Nr. 243 der Kölnischen Zeitung enthaltene Erklärung des Hrn. Karl Grün, erklärt es die unterzeichnete Expedition für eine grobe Unwahrheit, daß das betreffende Inserat von der „Neuen Rheinischen Zeitung“ nicht gegeben worden sei. Die Erklärung des Hrn. Grün ist in der Beilage zu Nr. 85 der „Neuen Rheinischen Zeitung“ abgedruckt und bereits von Hrn. Lassalle in Nr. 90 erwidert worden.
Köln, 1 September 1848.
Die Expedition der Neuen Rheinischen Zeitung.
Handels-Nachrichten.
gap: insignificant
[Anzeigen]
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Schifffahrts-Anzeige.
Köln, 1. September 1848.
Angekommen: D. Hogewegh von Amsterdam mit 3272 Ctr. H Huber von Kannstadt.
Abgefahren: Pet. Schoen nach dem Obermain. A. Meyer nach Duisburg. Fr Elbert nach Mannheim.
In Ladung: Nach Antwerpen P. Verschur. Nach Ruhrort bis Emmerich W. Pesch. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr L. Ducoffre. Nach Andernach u Neuwied A. Boecking und M. Wiebel Nach Koblenz, der Mosel und der Saar D. Schlaegel. Nach der Mosel, und Trier und der Saar N. Pisbach Nach Bingen A. Hartmann. Nach Mainz Ph. Kimpel Nach dem Niedermain Seb. Schulz. Nach dem Mittel- und Obermain Seb. Schön Nach Worms und Mannheim J. Wiemer. Nach Heilbronn H. Müßig. Nach Kannstadt und Stuttgardt L. Klee.
Ferner nach Rotterdam Capt Kamps Köln Nr. 32
nach Amstsrdam Capt Kalfs Köln Nr. 1.
Rheinhöhe am 30. Aug. 7′ 1″.
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Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
Den 29. Heinr. S. v. Gerh Schlösser, Tagl. Löbrg. — Maria Ther. Agnes, T. v Joh. Michel Eckardt, Sattler und Wagenfabrikant, Schilderg. — Agnes, T v. Franz Kiersch, Schuhm. Sassenhof. Maria Helena, T. v. dem verstorb. Adolph Nolden, Tagl. Kühgasse. — Joh. Jakob, S. v Joh. Heinr. Buchmeyer, Cigarrenm. Kunibertskloster. — Joh., S. v. Wilh. Junker, Schiffbauer, Butterm. — Joh., S. v. Steph. Schmahl, Korbmacher, Spulmannsgasse.
Sterbefälle.
Den 29. Cath. Fahnenstichs, 62 J. alt, unverh. Brand. — Adelh. Joseph. Werner, 16 J. alt unverh. Weberstr. — Lamb. Hamers, Kunstreuter, 26 J. alt, unverh. Trankg. — Jos. Hoegel, 14 M. alt, Qutrinstr. — Aloys Schreiner, 1 1/2 M. alt, Holzm. — Heinr. Lang, 2 J 4 M. alt, kl. Neug.
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Bekanntmachung.
Die Lieferung von circa 1[?],000 Scheffeln Gerits für die Armen der Stadt Köln soll während der Wintermonate Dezember 1848. Januar, Februar und März 1849 in unbestimmten Quantitaten an möglichst viele hiesige Gerißhandlungen in der Art vergeben werden, daß die Armen gegen Abgabe der ihnen eingehändigten Gerißbriefchen das darin bestimmte Quantum Geriß in einer ihnen beliebigen Gerißhütte in Empfang nehmen und die Lieferanten am Schlusse eines jeden Lieferungs-Monates die eingelosten Briefchen zu dem darin ausgedrückten Geldbetrage bei der Armen-Verwaltung zur Liquidation bringen können.
Demgemäß werden die sammtlichen hiesigen Gerißhüttenbesitzer eingeladen am Montag, den 4. September etc., Nachmittags 3 Uhr, persönlich in der Sitzung der Armen-Verwaltung, Abth. II. und III, Cäcilienstraße hierselbst zu erscheinen, um von den desfallsigen Bedingungen Kenntniß zu nehmen, und sich in Betreff der Uebernahme dieser Lieferung der Armen-Verwaltung gegenüber protokollarisch zu verpflichten.
Koln, den 23. August 1848.
Die Armen-Verwaltung II. und III. Abth.
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Die Eröffnung meiner neuen Restauration zum Weichser-Hofe zeige ich hiermit ergebenst an und werde mich mit vorzüglichem ächten bayerischen Lagerbier, gutem Moselwein, die große Flasche à 2 1/2 Sgr. und prompter freundlicher Bedienung zu empfehlen suchen.
Wilhelm Kindeler an dem ehemaligen Weichser-Hofe Weberstraße Nr. 1.
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Eine Weste ist gefunden worden, zurückzuerhalten Filzengasse Nr. 20.
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Neue Rheinische Zeitung.
Mit Bezugnahme auf § 6 des Statuts der „Neuen Rheinischen Zeitungsgesellschaft“ fordern wir diejenigen unserer Aktionäre, welche die bereits ausgeschriebenen Ratenzahlungen von 40 pCt. noch nicht vollständig eingezahlt haben, hiermit auf, den Rest dieser 40 pCt in der Expedition der Zeitung, unter Hutmacher Nr. 17, unverzüglich abzutragen, und zwar die in Köln wohnenden Aktionäre bis zum 1. September, die auswärtigen bis zum 5. September, widrigenfalls wir die im bezogenen Paragraphen des Statuts ausgesprochenen Strafbestimmungen in Kraft setzen und die Renitenten der bereits geleisteten Zahlungen für verlustig erklären werden; Alles unbeschadet der weiteren Maßregeln zur Wahrung der Rechte der Gesellschaft.
Köln, 29. August 1848.
Die Geranten der Neuen Rheinischen Zeitungsgesellschaft:
H. Korff. St. Naut. L. Schulz.
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Die Leipziger Feuer-Versicherungs-Anstalt versichert alle Mobilar- und Immobilar-Güter, auch Fruchthaufen auf freiem Felde, so wie die Waaren auf der Reise begriffen zu den der Gefahr angemessenen billigst gest llten Prämien-Sätzen. Meine Herren Hülfsagenten, die dem verehrlichen Publikum bereits bekannt, sind stets bereit, Anträge entgegen zu nehmen, um mir solche zur Ausfertigung der Policen einzusenden und über die Bedingungen genügende Auskunft zu ertheilen.
Alle Versicherungen bis zu sehr bedeutenden Summen werden durch mich in Vollmacht und im Namen der Anstalt sofort gezeichnet und sind von dem Augenblicke an, wo die Prämie gegen Aushändigung der Police bezahlt ist, in Obligo für die Anstalt.
Köln, im August 1848.
Der General-Agent der Leipziger Feuer-Versicherungs-Anstalt für die Regierungs-Bezirke Köln und Koblenz.
Mainone.
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Städtische Leih-Anstalt.
Mit Allerhöchster Genehmigung ist der bisherige Zinsfuß von 12 1/2 auf 10 pCt. ermäßigt worden.
Es wird diese Maßnahme mit dem Bemerken zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß der Zinssatz von 10 pCt. mit dem 1. September d. J. für die von da ab zum Versatz kommenden Pfänder in Anwendung kommen soll.
Köln, den 17. August 1848.
Die Armen-Verwaltung 2. Abth.
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Niederländische Handels-Gesellschaft.
Die Direktion macht bekannt, daß sie Zu Amsterdam am Dienstag, den 26. September 1848, Mittags um 12 Uhr, in dem Lokal, genannt „de Zwaan“ auf dem Nieuwendyk, verkaufen wird:
44868BündelStuhlrohr (Bindrotting),lagernd zu Amsterdam.
39706BündelStuhlrohr (Bindrotting),lagernd zu Rotterdam,
durch verschiedene Schiffe direkt von Java angebracht.
Dieser Verkauf geschieht in Partieen, wie sie durch die Notizen angewiesen werden sollen, und mit Stillstand bis Mitte Februar 1849.
Die Notizen, wodurch die näheren Verkaufsbedingungen mitgetheilt werden sollen, werden zeitig ausgegeben.
Amsterdam, 21. August 1848.
Van der Oudermeulen, Präsident.
Goudswaard, Direkt., z. Z. Sekretär.
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Niederländische Handels-Gesellschaft.
Die Direktion macht bekannt, daß die Spezerei-Auktion der Gesellschaft für 1848, welche zu Rotterdam am Dienstag, den 3. Oktober, dieses Jahres, abgehalten werden soll, aus folgende Quantitäten bestehen wird:
501Fässer Muscatnüsse Nr. 1, lagernd in Rotterdam.
674Fässer Muscatnüsse Nr. 1, lagernd in Amsterdam.
42Fässer Muscatnüsse Nr. IX., lagernd in Rotterdam.
33Fässer Muscatnüsse Nr. IX., lagernd in Amsterdam.
120Fässer Muscatnüsse Nr. 2, lagernd in Rotterdam.
204Fässer Muscatnüsse Nr. 2, lagernd in Amsterdam.
28Fässer Muscatnüsse Nr. 3, lagernd in Rotterdam.
35Fässer Muscatnüsse Nr. 3, lagernd in Amsterdam.
62Fässer Muscatnüsse Nr. 4, lagernd in Rotterdam.
79Fässer Muscatnüsse Nr. 4, lagernd in Amsterdam.
5Fässer Muscatblüthen A, lagernd in Amsterdam.
12Fässer Muscatblüthen B, lagernd in Rotterdam.
10Fässer Muscatblüthen B, lagernd in Amsterdam.
45Fässer Muscatblüthen C, lagernd in Rotterdam.
76Fässer Muscatblüthen C, lagernd in Amsterdam.
137Fässer Muscatblüthen D, lagernd in Rotterdam.
286Fässer Muscatblüthen D, lagernd in Amsterdam.
39Fässer Muscatblüthen E, lagernd in Rotterdam.
12Fässer Muscatblüthen Geriß und Staub lag. in Rotterd.
9Fässer Muscatblüthen Geriß und Staub, lag. in Amsterd.
199Fässer Amboina-Nelken Nr. 2, lagernd in Rotterdam.
276Fässer Amboina-Nelken Nr. 2, lagernd in Amsterdam.
81Fässer Amboina-Nelken Nr. 3, lagernd in Rotterdam.
130Fässer Amboina-Nelken Nr. 3, lagernd in Amsterdam.
1098/[?] Bündel Java-Zimmet, lagernd in Rotterdam.
1045/[?] Bündel Java-Zimmet, lagernd in Amsterdam.
9/2Bündel Java-Zimmet, lagernd in Amsterdam.
81Packen Java-Zimmet, lagernd in Amsterdam.
1148Ballen Pfeffer, lagernd in Rotterdam.
2929Ballen Pfeffer, lagernd in Amsterdam.
Die Muscatnüsse, Muscatblüthe und Nelken werden in Partien von zwei Fässern verkauft, der Java-Zimmet und Pfeffer aber in Partien, wie sie durch die Notizen angewiesen werden sollen.
Unter den oben angegebenen Quantitäten ist auch der noch unverkaufte Theil der in der Auktion vom 17. September zurückgehaltenen Partieen mit inbegriffen und gibt die Gesellschaft hiermit die Versicherung, daß sie vor dem ersten September 1849 keine anderen dergleichen Spezereien an den Markt bringen wird,
Die Muster sind am Freitag, den 25. August d. J., zu bekommen; die Notizen und Verkaufsbedingungen werden zeitig ausgegeben.
Amsterdam, 21. August 1848.
Von der Oudermeulen, Präsident.
Goudswaard, Direktor z. Z Sekretair.
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Buchheimer Kirmeß.
Vorläufige Anzeige.
Am Sonntag den 10. d. Mts. und die nächstfolgenden Tage wird die Buchheimer Kirmeß stattfinden, welche ihren Ruf, gleichwie in den früheren Jahren, so auch in diesem Jahre wieder auf's glänzendste bewähren wird.
Das bekannte größte Kaiserzelt, welches seines Gleichen wohl schwerlich aufzuweisen hat, ist wieder auf derselben Stelle erbaut und auf's neue und prachtvollste, besonders mit den Reichs- und Nationalfarben dekorirt.
Freunde des ländlichen Vergnügens werden schon im Voraus auf den Genuß der weitberühmten „Buchheimer Kirmeß“ aufmerksam gemacht, und zu deren Beiwohnung ergebenst eingeladen.
Mülheim, den 1. September 1848.
Joh. Hub. Breuer.
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Eine einzelne Person sucht ein reinliches Frauenzimmer zur Verrichtung von Kommissionen und für die Reinlichkeit der Zimmer. Die Expedition gibt Auskunft.
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Ein ganz erfahrner Tischlergeselle wird gesucht, Thieboldsgasse Nr. 94.
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Es wünscht ein gut empfohlener gewandter junger Mann, der in einem bedeutenden Speditionshause gearbeitet und zuletzt die kommerzielle Leitung eines Mühlenfabrikanten-Geschäfts besorgt hat, baldigst ein neues Engagement. Die Expedition sagt wer.
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Große Schoppen und große Portionen bei Louis Kertell, zum Deutschen Reichsverweser.
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Weinverkauf.
Alle Sorten Wein billig und gut, das Quart von 3 bis 25 Sgr. Der Anker von 3, 4, 5, 6 bis zu 12 Thlr.
Louis Kertell, große Neugasse Nr. 36.
Zum Deutschen Reichsverweser.
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Vertillgungsfutter gegen Mäuse, Ratten Schwaben und Wanzen ist zu haben Thurnmarkt Nr. 30 bei Wilh. Harffen.
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Der Gerant: Korff.
Druck von W. Dietz, unter Hutmacher Nr. 17.