[0489]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 98. Köln, Samstag den 9. September. 1848.
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Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Volksversammlung, Adressen nach Berlin und Frankfurt). Frankfurt. (Offizieller Artikel). Berlin. (Das Ministerium. Beschluß der Linken. — Finanzplan der Linken). Wien. (Erlaß Dobblhoffs. Die Intervention und die Kourse). Stralsund. (Preßprozesse). Groß-Glogau. (Bauern und Feudalherren). Mainz. (Der Belagerungsstand). Altona. (Die projektirte neue Regierung). Rendsburg. (Truppenrückmärsche. — Unruhen in Itzehoe). Flensburg. (Rückmarsch. — Dänische Invasion).
Ungarn. Fiume. (Die Gränzer eingerückt).
Italien. (Die Sardinier bleiben in Venedig. — Verlängerung des Waffenstillstands. — Elend und Exekutionen in Mailand. — Pachta's und Radetzky's Maitressen. — Garibaldi. — Messina bombardirt. — Zustand Livorno's). Modena. (Cirkular).
Französische Republik. Paris. (La Patrie über das Proletariat. — Vermischtes. — National-Versammlung).
Großbritannien. London. (Die Times macht sich Hoffnungen. — Berichte aus den Fabrikdistrikten. — Roß's Polar-Expedition). Dublin. (Der Insurgentenprozeß. — Ein Amerikaner entwischt)
Amerika. (Frauenkongreß).
Handelsnachrichten.
Deutschland.
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[ * ] Köln, 8. Septbr.
Gestern Abend fand in der Bauchschen Reitbahn eine Volksversammlung statt, um gegen den preußisch-dänischen Waffenstillstand und das theilweise schon angenommene preußische Bürgerwehrgesetz zu protestiren. Obwohl die Berufungsplakate erst am Morgen spät angeschlagen wurden, war doch der große, mindestens dritthalb Tausend Menschen fassende Raum Kopf an Kopf gedrägt voll, und wenigstens die doppelte Anzahl mußte wieder fortgehen, weil sie keinen Zutritt finden konnte. Folgende zwei Adressen wurden angenommen und liegen zur Unterschrift an den Straßenecken auf:
An die deutsche National-Versammlung in Frankfurt.
Die preußische Regierung hat dem Reichsministerium und das Reichsministerium hat Ihnen einen von Preußen ratificirten Waffenstillstand mit Dänemark vorgelegt.
Die unterzeichneten in Köln wohnenden deutschen Reichsbürger protestiren gegen diesen Waffenstillstand und in Erwägung:
1. daß Preußen diesen Waffenstillstand auf Grund einer vom Reichsverweser ausgestellten, aber von keinem verantwortlichen Reichsminister kontrasignirten, also gesetzlich ungültigen Vollmacht abgeschlossen;
2. daß Preußen diese Vollmacht in allen Punkten überschritten und blos die Interessen des Absolutismus und damit seine eigenen undeutschen Pläne verfolgt hat;
3. daß kein politischer Vertrag ohne vorgängige Genehmigung der National-Versammlung abgeschlossen werden darf;
4. daß dieser Waffenstillstand die deutschen siegreichen Truppen zu einem schimpflichen Rückmarsch zwingt, eine dänische Regierung in Schleswig-Holstein und Lauenburg einsetzt, die aus der Revolution hervorgegangene, von Deutschland anerkannte, provisorische Regierung und alle ihre Beschlüsse an Dänemark verräth, die schleswigschen Truppen dem deutschen Oberbefehl entzieht und Schleswig-Holstein dem Bürgerkriege überliefert;
5. daß während Deutschland in Italien, Posen und Prag fortwährend die Revolution bekämpft hat, der dänische Krieg der einzige ist, in welchem Deutschland die Revolution gegen die Legitimität und den Absolutismus vertheidigt:
ersuchen Sie:
den von Preußen mit Verletzung der Vollmacht und zum Hohn der Centralgewalt wie der Nationalversammlung abgeschlossenen Waffenstillstand zu verwerfen, und selbst auf Gefahr eines europäischen Krieges hin die schleswig-holsteinsche Revolution zu vertheidigen, die gegenwärtige Regierung Preußens aber nie wieder mit diplomatischen Verhandlungen für Deutschland zu beauftragen; endlich zu erklären, daß Deutschland das dänischredende Nordschleswig keineswegs zwingen will, wider seinen Willen sich zu Deutschland schlagen zu lassen.
Köln, den 7. September 1848.
An die Versammlung zur Vereinbarung der preußischen Staatsverfassung.
Eine Hohe Versammlung hat ein Bürgerwehrgesetz in seinem wichtigsten Theile bereits angenommen, welches im Einzelnen wie im Ganzen unseren Erwartungen auf's entschiedenste widerspricht. Wir hatten geglaubt, die königlichen Versprechungen aus dem März d. J. und die Hoffnungen und der Geist, der das gesammte Volk belebt, hätten die Voraussetzung gerechtfertigt, wir würden nur eine deutsche Bürgerwehr erhalten. Statt dessen sind in diesem, nur für Preußen gegebenen und berechneten, Gesetze dem Könige von Preußen direkte dauernde Einflüsse auf das wichtige Institut, ohne welches Volksfreiheit undenkbar ist, gestattet worden und ist damit die preußische Bürgerwehr aus der deutschen Bürgerwehr herausgerissen worden. Ohne uns auf das Gewirre der einzelnen Bestimmungen einzulassen, heben wir nur § 7 hervor:
„Jedes Mitglied der Bürgerwehr leistet vor dem Gemeinde-Vorsteher, in Gegenwart des Befehlshabers der Bürgerwehr, folgende feierliche Versicherung: „Ich gelobe Treue dem Könige und Gehorsam der Verfassung und den Gesetzen des Königreiches.“
Wir kennen den König nur in so weit, als er seine Stellung in der Verfassung findet. Was drüber hinaus geht, ist ein Versuch die Person des Königs da in's Spiel zu bringen, wo die Verfassung selbst volksfeindlichen Tendenzen im Wege ist, ein Versuch, der leider nur zu oft bei dem stehenden Heere gelungen ist. Die unterzeichneten in Köln lebenden deutschen Reichsbürger protestiren deßhalb auf's Feierlichste gegen jede Zumuthung, einen solchen Eid zu leisten, welcher ihre Stellung als freie Staatsbürger und Bürgerwehrleute in jedem entscheidenden Augenblicke in Widerspruch bringt.
Köln, den 7. September 1848.
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Frankfurt, 6. Sept.
(Offizieller Artikel). In Folge des von der deutschen Nationalversammlung in der Sitzung am 5. September 1848 gefaßten Beschlusses: die zur Ausführung des am 26 August 1848 zu Malmö abgeschlossenen Waffenstillstandes nöthigen militärischen und anderen Maßregeln zu sistiren, haben der Präsident des Reichsministerraths, sämmtliche Reichsminister und Unterstaatssekretäre ihre Posten in die Hände des Erzherzogs-Reichsverwesers zurückgelegt, der ihnen die dadurch angesuchte Entlassung ertheilt hat. Der Erzherzog-Reichsverweser hat den Abgeordneten der deutschen Nationalversammlung Friedrich Dahlmann zu Bonn mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt.
[(O.-P.-A.-Z.)]
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[ 103 ] Berlin, 6. Sept.
Morgen haben unsere Abgeordneten sich zu entscheiden, ob sie die Vertreter eines freien souveränen Volkes oder die unwillkommenen und wenig befolgten Rathgeber des souveränen Königs, gewählt vom beschränkten Unterthanenverstand, sein wollen.
Alle Straßenecken sind bedeckt mit Plakaten der verschiedenen Bürgerwehr-Kompagnien, Bezirksvereine und Klubs; sie protestiren gegen die Weigerung des Ministeriums, einen Beschluß der Volksvertretung auszuführen. Sie erklären, daß sie durch eine solche Weigerung die Ehre und die Würde der Volksvertretung für gefährdet halten und werden die Versammlung gegen alle Uebergriffe des Ministeriums zu schützen suchen.
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[ 40 ] Berlin, 5. Sept.
(Nachts 12 Uhr.) So eben ist in der Parteiversammlung der Linken nach langer Debatte der Beschluß gefaßt und unterzeichnet worden: daß die sämmtlichen Mitglieder sofort ihr Mandat niederlegen, wenn nicht der Beschluß der Versammlung vom 9. August unbedingt ausgeführt wird. Jeder Vermittelungsvorschlag soll verworfen werden. So auch das Amendement v. Unruh, welches lautet, die Versammlung wolle beschließen: In Erwägung, daß die Beschlüsse vom 9. August keine Erforschung der Gesinnung, keinen Gewissenszwang, sondern nur die im konstitutionellen Staate nothwendige Uebereinstimmung zwischen Volk und Heer herbeizuführen und reaktionäre Bestrebungen, sowie fernere Konflikte zwischen den Bürgern, welche zum Heere und denen, welche zum Civilstande gehören, zu vermeiden bezwecken, erklärt die Versammlung: „daß das Ministerium das Vertrauen des Landes nicht besitzt, wenn es ferner (!) Anstand nimmt, einen jenem Sinne der Beschlüsse vom 9. August entsprechenden Erlaß an das Heer ergehen zu lassen.“
Es herrscht die größte Aufregung. Es ist ein Sturm von Adressen und Maueranschlägen losgelassen im Sinne der Souveränetät des Volkes und seiner Vertretung. Wer befiehlt, sieben beliebige Beamten, oder das Volk? Das ist die Frage, Donnerstag ist ihre Entscheidung. Der Minister-Präsident und der Kriegsminister waren heute (Dienstag Nachmittag) beim König. Man versichert, sie hätten ihre Entlassung gegeben. Das beschwichtigt nicht. Alle Minister sollen entweder den im verfassungsmäßigen Wege beurkundeten Willen des Volkes vollstrecken, oder sie sollen dies anderen Ministern, die das Vertrauen des Volkes haben, überlassen.
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@facs0489
[ 40 ] Berlin, 6. Sept.
Die Abgeordneten Waldeck, Zenker, Anwandter, Krackrügge, Neuter, d'Ester, Stein, Elsner, Otto, Behrends, Jacoby, Schultz u. A. von der Linken haben folgenden Finanzplan der Nationalversammlung vorgelegt:
Das Staatsministerium wird ermächtigt, bis auf Höhe von — Millionen Thaler Papiergeld auszugeben, welches mit 3 1/3 pCt. verzinset und in zwanzig aufeinanderfolgenden Jahren mit jährlich — Millionen Thaler eingelöst wird.
Dieses Papiergeld führt den Namen:
„Preußische Zins-Scheine.“
1) Die Zins-Scheine werden in Stücken von 1, 5, 10, 20, 40, 60, 120, 240, 480 Thaler, jedoch von den größeren Stücken möglichst wenig angefertigt.
2) Auf jedem Zins-Schein befindet sich außer dem Nennwerthe und der Jahreszahl wenn derselbe eingelöst wird, eine Tabelle welche nachweist, wieviel der Zins-Schein jeder Zeit werth ist.
3) Die Zinsen von 3 1/3 pCt. betragen jährlich einen Silbergroschen von jedem Thaler und werden bis zum Einlösungstermine dem Nennwerthe zugeschlagen. Bei den Zins-Scheinen von 1 Thlr.
[Feuilleton]
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Die Verhandlungen des National-Convents über Louis Capet, Exkönig von Frankreich.
(Vergl. den Moniteur v. Jan. 1793.)
(Schluß von Nr. 19, 21, 22, 26.)
Seine-et-Oise — Lecointre: Louis ist der Verschwörung gegen den Staat überführt; die Republik muß ihn verdammen. Ich stimme für den Tod.
Tallien: Louis hat französisches Blut vergossen; Montauban, Nimes, Jalès, Nancy, das Marsfeld und der 10. August sind die unwiderleglichen Zeugen seines Verraths. Das Gesetz hat gesprochen; das Interesse des Staates, das Interesse des Volks verlangt seine Anwendung: ich stimme für den Tod.
Chenier: Ich hätte lebhaft gewünscht, nie über meinen Mitbürger den Tod aussprechen zu müssen, und könnte ich mich einen Augenblick über meine harte Pflicht hinwegsetzen, ich würde für die weniger schwere Strafe stimmen. Aber die Gerechtigkeit, die Staatsgrundsätze, die Interessen des Volkes stehen höher als meine persönlichen Abneigungen. Ich spreche die Strafe aus, welche das Gesetzbuch vor mir ausgesprochen hat; ich stimme für den Tod.
Seine-inferieure — Lefebvre: Ich stimme für Einsperrung während des Kriegs und Verbannung nach dem Frieden.
Delahaye: Einsperrung und Verbannung.
Seine-et-Marne — Bailly: Louis verdient den Tod. Aber in Rücksicht der allgemeinen Sicherheit stimme ich für die vorläufige Einsperrung und für ewige Verbannung zwei Jahre nach dem Frieden.
Tellier: Ihr habt Louis der Verschwörung schuldig erklärt. Ich stimme für den Tod.
Somme — Dumont: Es heißt Louis große Ehre anthun, wenn man ihn als Bürger erklärt. Die Bürger, welche Conspiration trieben, sind mit dem Tode bestraft worden; ich stimme für den Tod.
Vendee — Morrisson: Ich würde über die Frage stimmen, wenn es sich blos um eine Sicherheitsmaßregel handelte. Aber die Versammlung hat entschieden, daß sie ein Urtheil spräche und ich glaube nicht, daß hier über Louis geurtheilt werden kann. Ich enthalte mich der Abstimmung.
Gieard: Ich stimme für Einsperrung und Verbannung.
Garas: Den Tod.
Haute-Vienne — Lacroix: Einsperrung und Verbannung.
Yonne — Maure: Louis ist schuldig; wenn er tausend Leben hätte, sie würden nicht hinreichen, seine Verbrechen zu sühnen. Ich stimme für den Tod.
Jacques Boilleau: Nicht ich erkläre mich zum Richter; es ist die Volkssouveränetät, es sind die Umstände, die Staatsgrundsätze, welche mir dies Amt auferlegt haben. Wo ein Verbrechen existirt, verlange ich Strafe, nicht aus Rache, denn die Rache war nie eine Tugend und am wenigsten eine republikanische, sondern aus Achtung für die Gerechtigkeit und zum Nutzen der Moral. Ein entthronter König ist eine Appellation an die Ehre der andern Könige; er kann durch eine geschickte Aufführung im Exil selbst die Völker für seine Sache einnehmen. Aber wenn er seine Verbrechen unter dem Schwerte des Gesetzes aushaucht, so setzt dieser Akt der Kraft eines freien Volkes alle Despoten in Bestürzung; sie sind zu Boden geschlagen, vernichtet; sie zittern sein Loos zu theilen und ihre herrschsüchtige Unternehmungslust ist dahin, sobald sie die Völker bereit sehen, die Sturmglocke des Aufruhrs gegen sie anzuschlagen und die Alarmkanone ertönen zu lassen.
Die Völker, welche bisher die Könige als heilige Wesen zu betrachten gewohnt waren, werden sprechen, daß die Köpfe der Könige doch nicht so heilig seien, da das Beil in das Fleisch ihres Nackens eindringt, und der rächende Arm der Gerechtigkeit sie treffen kann; ihr werdet ihnen die Bahn der Freiheit geöffnet haben.
Ich habe ein menschliches Herz, ich hege Abscheu vor Blut; um so mehr glaube ich dem Vaterlande meine Liebe zu beweisen, wenn ich dennoch für den Tod stimme.
Aisne. — Saint-Just: Louis war König; ich verurtheile den Volksfeind zum Tode.
Condorcet: Jede Strafunterscheidung bei denselben Verbrechen ist ein Attentat gegen die Gleichheit. Die Strafe der Verschwörer ist der Tod; aber diese Strafe ist gegen meine Grundsätze. Ich werde sie nie aussprechen. Ich kann auch nicht für die Einsperrung stimmen, denn kein Gesetz berechtigt mich dazu. Ich stimme für die schwerste Strafe des Code, außer der Todesstrafe; ich verlange, daß über Mailhe's Antrag diskutirt werde, denn er verdient es.
Allier — Martel: Den Tod in 24 Stunden.
Ardennes — Menesson: Als strenger Republikaner und gewissenhafter Mandatar habe ich zu prüfen, was unsere Grundsätze erheischen und was die Interessen meiner Kommittenten gebieten; aus dieser Rücksicht verlange ich als allgemeine Sicherheitsmaßregel die schnelle Austreibung der ganzen verrätherischen und machiavellistischen Raçe der Bourbons. Ich stimme für den Tod Louis', aber unter der ausdrücklichen Bedingung, daß seine ganze Familie ausgetrieben werde.
Dubois-Crancé: Wenn ich glaubte, nur die Funktionen des Gesetzgebers zu üben, würde ich nicht diese Tribüne besteigen; aber die Versammlung hat beschlossen, daß sie definitive Richtergewalt habe. Nach diesem Beschluß, dem ich Gehorsam schulde, kann ich mich in der vorliegenden Sache nur als Richter betrachten. Ich stimme für den Tod.
Arriège — Vadier: Ich stimme für den Tod; ich bin hier nur als passives Organ des Gesetzes.
Clauzel: Als Mandatar des Volks, bekleidet mit der vollen Ausübung seiner Rechte, stimme ich für den Tod.
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Rhone-Mündungen — Barbaroux: Ich erkläre, daß ich frei stimme, denn nie würden Mörder auf meinen Willen Einfluß üben. Louis ist der Verschwörung gegen die Freiheit überführt, ich stimme für den Tod. In einigen Stunden werde ich für die Austreibung der ganzen Raçe der Bourbons stimmen.
Finistère — Marec: Ich stimme für Einsperrung während des Kriegs und Verbannung nach dem Frieden.

Der Namensaufruf ist geschlossen.
Der Präsident Vergniaud: Während das Büreau die Nachrechnung der Stimmen vollzieht, will ich die Versammlung davon in Kenntniß setzen, daß zwei Briefe eingelaufen sind, einer von den Vertheidigern Louis', der andere von dem Minister des Auswärtigen, welcher ein Schreiben des spanischen Ministers ankündigt.
(Ruf in allen Theilen des Saals, bei der Tagesordnung zu bleiben.)
Garan-Coulon: Ich glaube nicht, daß wir die spanischen Nachrichten zu hören brauchen. Welcher Art auch die Depesche sei, sie darf keinen Einfluß auf uns üben. Der Brief der Vertheidiger Louis' dagegen. …
Danton: Ich erinnere, daß bei Eröffnung des Namensaufrufes ‥‥
Garan: Ich habe meine Meinung noch nicht ausgesprochen.
J. B. Louvet: Du bist noch nicht König, Danton. (Heftiger Tumult.) Was für ein Privilegium soll das sein? Ich verlange, daß der Erste, der einen Redner unterbricht, zur Ordnung gerufen werde.
Danton: Ich verlange, daß der Unverschämte, der eben sagte, ich sei noch nicht König, mit Verweis zur Ordnung gerufen werde … Wenn Garan das Wort vor mir verlangt zu haben behauptet, trete ich es ihm ab.
Garan: Ich wiederhole, daß wir den spanischen Brief nicht zu hören brauchen. Was die Vertheidiger Louis' betrifft, so glaube ich, daß ihr sie nicht zurückweisen dürft, ohne eurem Urtheil den Schein von Parteilichkeit und Leidenschaft zu geben.
Danton: Ich stimme ebenfalls dafür, daß wir die Vertheidiger Louis' hören, wenn das Dekret erst verkündet sein wird; ich bin überzeugt, daß sie Euch nichts Neues sagen, und daß sie eben so wenig Aktenstücke bringen, die geeignet wären, Euren Beschluß zu ändern.
Was aber Spanien betrifft, so gestehe ich, daß ich erstaunt bin über die Kühnheit einer Macht, welche sich nicht scheut, offenen Einfluß auf unsere Berathung üben zu wollen. Wenn Jeder meine Meinung theilte, so würde man hierfür allein schon Spanien den Krieg erklären. Wie! Man erkennt unsere Republik nicht an, und will ihr doch Gesetze vorschreiben! Man erkennt sie nicht an, und will an den Abstimmungen ihrer Repräsentanten Theil nehmen! Bürger, verwerft alle schamlose Anträge; nichts von Unterhandlungen mit der Tyrannei; zeigt euch würdig des Volks, welches euch sein Vertrauen geschenkt hat und das auch seine Repräsentanten richten wird, wenn seine Repräsentanten es verrathen. (Gensonne erscheint auf der Tribüne. Ruf nach der Tagesordnung.)
Gensonne: Ich glaube, wie Danton, daß die Vertheidiger Louis' erst gehört werden dürfen, wenn das Resultat der Abstimmung verkündet worden ist. In Betreff Spaniens ergreife ich diese Gelegenheit, um die Versammlung zu einem ihrer würdigen Beschluß aufzufordern. Ich verlange, daß über den Brief, den man ankündigt, zur Tagesordnung übergegangen werde. (Mehrere Stimmen: Unterstützt! Unterstützt!)
Robespierre: Ich bin der Meinung, und die Versammlung scheint mir ebenfalls davon überzeugt, daß bevor die Vertheidiger Louis' gehört werden, das Dekret verkündet werden muß. Aber ihr dürft nicht jetzt schon beschließen, daß ihr sie noch hören wollt; diese Bestimmung wäre eben so sehr den Grundsätzen, wie dem dringenden Interesse der Freiheit entgegen. Sie wäre den Grundsätzen entgegen; denn wenn ein Dekret verkündet ist, darf kein Mensch gegen seine Anwendung reklamiren (Murren), zumal wenn durch dies Dekret die Volksrepräsentanten die Todesstrafe eines Tyrannen verkünden. Ich wiederhole: es kömmt weder einem Tyrannen, noch seinen Vertheidigern, noch einem Bürger zu, eine Reklamation zu erheben. Wenn ihr ein solches Verfahren dulden würdet, wäre es euch unmöglich, die Erfüllung eines Beschlusses vorauszusehen, denn es würden sich jeden Tag, unter jedem Vorwand die kleinlichsten Intriguen gegen euch erheben; man müßte wieder von vorn anfangen, und immer wieder auf's Neue anfangen. Auch würdet ihr nie zu dem großen Ziel kommen, welches ihr erreichen müßt, und welches Frankreich von euch erwartet. Wir würden nichts gethan haben, und die Feinde der Freiheit würden neue Hoffnung auf einen Sieg erhalten. Die Prinzipien selbst, welche euch bei euerm Urtheil geleitet, verbieten euch, die Vertheidiger Louis' zu hören; ihr dürft keine neue Frage mehr gestatten. Ich verlange, daß der Präsident das Resultat verkünde und daß die Versammlung über den Antrag, die Vertheidiger Louis' zu hören, zur Tagesordnung schreite.
‥‥ (Die Diskussion ist geschlossen.)
Der Präsident: Bürger, ich habe das Resultat der Abstimmung zu verkünden. Ihr übt einen großen Akt der Gerechtigkeit; ich hoffe, daß die Menschlichkeit euch die tiefste Ruhe beobachten läßt. Wenn die Gerechtigkeit gesprochen hat, tritt die Menschlichkeit an ihre Stelle.
Von den 745 Mitgliedern des Convents ist einer gestorben, sechs sind krank, zwei sind abwesend ohne Entschuldigung und im Protokoll vermerkt; eilf sind im Auftrag abwesend; vier haben sich der Abstimmung enthalten; es bleiben 721 Stimmende.
Die Majorität ist 361.
[Deutschland]
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@facs0490
Edition: [Friedrich Engels: Redaktioneller Kommentar zum Finanzplan der Linken in der preußischen Nationalversammlung. In: MEGA2 I/7. S. 676.]
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@facs0490
[ * ] Berlin, 6. Septbr.
Der Finanzminister Hansemann liegt an einer Erkältung krank darnieder. Zwar soll sein Zustand durchaus nicht besorgnißerregend sein, doch wird der Herr Minister die morgige wichtige Vereinbarersitzung aus diesem Anlaß nicht besuchen. — Nach der Voss. Zeitung würde das Ministerium in der morgigen Sitzung doch die Majoritöt erhalten, ohne daß die Linke ihre Drohung in Ausführung brächte. — Der Prinz von Preußen wird den Winter wieder in Berlin wohnen; seine Potzdamer Umgebung miethet bereits Wohnungen in Berlin. —
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@facs0490
#
Unser Wiener Briefe und Zeitungen sind heute wieder ausgeblieben, was in der jüngsten Zeit mehrmals vorgekommen. Liegt die Schuld an den östreichischen oder an den preußischen Postbehörden?
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@facs0490
[ 68 ] Wien, 3. Sept.
Das Ministerium wird mit jedem Tage frecher und reaktionärer. Das zeigt sich wiederum aus einem von Dobblhoff unterzeichneten Erlaß, der die Strafen enthält, welche von nun an für wörtliche oder thätliche Beleidigungen und Widersetzlichkeit gegen die „Sicherheitswache“ abzubüßen sein werden. Welchen Eindruck die Forderung Frankreichs, die östreichische Regierung habe sich binnen 48 Stunden über Annahme oder Ablehnen der französisch-englischen Vermittelung zu erklären, auf die hiesige Börse gemacht, zeigt das plötzliche Fallen der 5proz. Metalliques von 83 auf 80.
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@facs0490
Stralsund, 31. August.
Hier in Stralsund trägt die Märzerrungenschaft der Preßfreiheit ben Advokaten bereits ganz leidliche Früchte. Der hiesige Advokat Schwing, Sohn des Bürgermeisters, hat seitdem nicht weniger wie 26 Preßprozesse, theils für eigene, theils für fremde Rechnung aufgenommen. Da aber beinahe sämmtliche incriminirte Artikel sich gegen die hiesigen städtischen Verwaltungsmißbräuche auslassen; die hierortige Vereinigung aber der Justiz mit der Administration nach dem Modus einer hier noch gehandhabten alten Gemeindeordnung von 1616 den solcher Gestalt Angeschuldigten in dem Richter auch zugleich seinen Gegner finden läßt; da ferner der gewissermaßen in Preßsachen als gemeiner Anwalt benutzte Advokat Schwing mit einem großen Theile dieser angegriffenen und in eigener Sache zu Gericht sitzenden Herren ganz nahe verwandt ist, so geht die ganze Angelegenheit nach der alten Schule Formen Rechtens, wie geschmiert. Perhorrescenz-Gesuche, die in Folge solcher anhängig gemachten Preß-Prozesse eingereicht wurden, weil z. B. der Kläger, der Bürgermeister Schwing, in 2ter Instanz selbst Richter, in der 1sten aber dessen Neffe als solcher fungirt, werden abschlägich beschieden.
[(Osts. Ztg.)]
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@facs0490
Groß-Glogau, 3. Septbr.
Zwischen den Dominial- und Rustikalbesitzern unseres Kreises dürfte es demnächst leicht zu unangenehmen Erörterungen, wir wollen nicht sagen: zu unangenehmen Auftritten kommen. In Berücksichtigung der Zwecke der in Berlin und Breslau zusammengetretenen Vereine der Dominialbesitzer, hat sich auch hier ein Verein zum Schutze des Eigenthums, und zur Wahrung der bisherigen Vorrechte der größeren Grundbesitzer gebildet, wogegen nun die sämmtlichen Rustikalbesitzer dieses Kreises und der Umgegend aufgefordert worden sind, jetzt nicht ruhig zuzusehen, sondern gleichfalls in Vereine zusammenzutreten, ihre gerechten und billigen Forderungen vorzutragen, und auf Entfernung aller Prärogativen und Bevorrechtungen großer Grundbesitzer zu dringen. Eine derartige Versammlung ist auch bereits ausgeschrieben. Der Glogauer landwirthschaftliche Verein wird in seiner nächsten Sitzung am 12. Sept. in der Bahnhofs-Restauration zu Klopschen diese Angelegenheit gleichfalls in Erwägung nehmen.
[(A. O. Z.)]
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@facs0490
Mainz, 5. Sept.
Vor einigen Stunden ist durch den polizeilichen Ausrufer bekannt gemacht worden, daß das Zusammenstehen von fünf Personen auf der Straße nicht gestattet sei, und die Patrouillen den Befehl hätten, gegen Zuwiderhandelnde einzuschreiten; auch das Stehen vor den Bilderläden ist verboten.
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@facs0490
Altona, 6. Sept.
Auch bis heute früh war in Kiel nichts von Bedeutung vorgefallen. Nachträglich erfährt man, daß zwei von den vom Grafen v. Moltke zum Eintritte in die neue provisorische Regierung aufgeforderten Männern sich nicht abgeneigt gezeigt haben, die Bürden eines solchen Amtes zu übernehmen, jedoch dem Grafen offen erklärt haben, sie könnten sich dazu unter seinem Präsidium durchaus nicht entschließen, und seien der Ansicht, daß er kein Ministerium zu Stande bringen würde, da die öffentliche Meinung ihm abhold sei. Man vermuthet nun, daß entweder der König von Dänemark einen Schleswig-Holsteiner (wie Viele meinen, den Grafen Baudissin-Borstel) zur Bildung einer provisorischen Regierung ermächtigen, oder daß die Centralgewalt einige Kommissarien zur Verwaltung Schleswig-Holsteins hersenden würde.
[(H. B. H.)]
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@facs0490
Flensburg, 5. Sept.
Nachdem nun heute die Oldenburger und Hanseaten gen Süden abmarschirt, General Wrangel, sowie circa 8000 Preußen hier bereits eingetroffen sind, welche ebenfalls jenen morgen folgen werden, vermag jeder Vernünftige es zu würdigen, was die große Armee denn eigentlich hier geleistet. Seitdem die Waffenstillstandsbedingungen bekannt geworden, herrscht hier eine Stimmung, aus der nichts weniger als Beruhigung der Gemüther hervorgehen kann. Es werden insbesondere in Flensburg Konflikte ausbrechen, schlimmer denn je. Schon jetzt stellen Abgeordnete der Eiderdänen sich wieder hier ein; die Polizei hat lobenswerther Weise einigen derselben, welche frech genug waren, mit dänischer Kokarde einherzustolziren, nachgespürt und sie vertrieben, bald werden aber „die Wölfe in Schafskleidern“ zu uns kommen und die alte Geschichte wird wieder neu.
[(H. B. H.)]
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@facs0490
Rendsburg, 5. Sept.
In Folge der nach Süden gerichteten Truppenbewegungen sind die diesen Morgen per Eisenbahn und auf der Landstraße abgegangenen hannover'schen Bataillone durch andere ersetzt worden, deren Bleiben aber auch nicht lange sein wird. Auch zog hannover'sche Kavallerie diesen Mittag hier durch. — In Itzehoe hat sich der Unwille der Bürgerschaft über die Anwesenheit des Grafen C. Moltke auf Heiligenstedten in eigenmächtiger Arretirung seiner Sekretäre und sonst Luft gemacht. Graf Reventlou-Preetz ist heute dorthin gegangen, um etwaigem weiteren unbefugten Einschreiten vorzubeugen.
[(S. H. Z.)]
Ungarn.
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[ * ] Fiume, 31. Aug.
Es sind heute 1000 Gränzer und „Rothmäntel“ hier eingerückt und haben die Stadt im Namen „des Königs von Kroatien“ besetzt.
Italien.
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@facs0490
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 9. September 1848. In: MEGA2 I/7. S. 677.]
[ * ]
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@facs0490
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 9. September 1848. In: MEGA2 I/7. S. 677.]
[ * ] Modena, 28. Aug.
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Französische Republik.
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@facs0490
[ 17 ] Paris, 4. September.
Wie übel es den Volksfeinden allgemach zu Muthe wird, ergeben hie und da unbewußt entschlüpfte Stoßseufzer, z. B. schreit „La Patrie“, dieses, die aristokratische Bourgeoisie ordentlich systematisch betreibende Abendblatt: „Nur keine Illusion! das wäre gefährlich. Die Junisieger, die Nationalassemblée, die Herrn Proudhon's Theorieen verdammte, irren, wenn sie meinen, der Socialismus sei durch Kanonen und Tribünenpredigten bis jetzt entmuthigt worden. Der Kommunismus des Herrn Cabet schreitet stets vor, in zahllosen Exemplaren seiner kleinen Flugblätter und Broschüren und Almanachs das Eigenthum, die Gesellschaftsgliederung rastlos mit Pfeilen beschießend. Bildet Euch nicht ein, unser Volk studire die französische Revolutionsgeschichte der Herren Thiers, Mignet, Lamartine; nein, die Ouvriers und Ouvrieren lesen die Geschichte derselben, wie Herr Cabet sie darstellt.“
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@facs0490
Paris, 6. Sept.
Divisionsgeneral Charron, bisheriger Kabinets-Chef im Kriegsministerium (Abtheilung für algierische Angelegenheiten) ist zum Generalgouverneur von Algerien ernannt.
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[Feuilleton]
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@facs0491
Ein Mitglied stimmt für den Tod, vorbehaltlich der Berechtigung des Volkes zur Strafumwandlung.
Sechsundzwanzig stimmen für den Tod, unter Vorbehalt, daß über Beschleunigung oder Aufschiebung der Exekution berathen werde.
Neun Stimmen für den Tod unter Vorbehalt, daß die Exekution bis zur Austreibung der ganzen Race der Bourbons verschoben werde.
Zwei stimmen für Eisenstrafe.
Drei stimmen für den Tod unter Vorbehalt, daß die Exekution bis zum Frieden verschoben und dann verwandelt werde, dagegen aber im Fall des Eindringens einer fremden Macht auf französisches Gebiet binnen 24 Stunden vollzogen werden könne.
Dreihundert und neunzehn stimmen für Einsperrung während des Krieges und Verbannung nach dem Frieden.
Dreihundert ein und sechszig stimmen für den Tod.
Ich erkläre im Namen des Nationalkonvents, daß die über Louis Capet ausgesprochene Strafe der Tod ist.
(Während der ganzen Verkündung herrscht das tiefste Schweigen.)
Die drei Vertheidiger Desèze, Tronchet und Lamoignon-Malesherbes werden vorgelassen, und überbringen den Antrag Louis Capets, an das Volk appelliren zu wollen. Nach den Vertheidigern sprechen Robespierre, Merlin, Barrère. Der Convent geht nach seinem frühern Beschluß vom 15., wonach der Appel an das Volk verworfen ist, zur Tagesordnung über.
Die Sitzung hat ununterbrochen von Mittwoch Morgens 10 Uhr bis Donnerstag 10 1/2 Uhr Abends gedauert.

Auszug aus den Protokollen des Nationalkonvents vom 15, 17, 19 und 20. Januar 1793, Jahres II. der Republik.
Art. I. Der Nationalkonvent erklärt Louis Capet, letzten König der Franzosen, für schuldig der Verschwörung gegen die Freiheit der Nation und des Attentates gegen die allgemeine Sicherheit des Staates.
Art. II. Der Nationalkonvent dekretirt, daß Louis Capet die Strafe des Todes verbüßen soll.
Art. III. Der Nationalkonvent verwirft die durch die Vertheidiger auf die Barre gelegte Appellation Louis Capet's an das Volk, und verbietet Jedermann derselben Folge zu geben, bei Strafe der Verfolgung wegen Attentates auf die allgemeine Sicherheit des Staates.
Art. IV. Das provisorische Exekutivkomite hat diesen Beschluß im Laufe des Tages Louis Capet zu verkünden, die nöthigen Polizei- und Sicherheitsmaßregeln zu ergreifen, damit die Exekution in den nächsten 24 Stunden bewirkt werde, und dem Nationalkonvent unmittelbar nach der Vollstreckung darüber Bericht zu erstatten.

Unter den in Frankfurt einlaufenden Petitionen kommen zuweilen recht drollige vor: wie: Petition des Zacharias Schmeerbauch, um Amnestie der Gebrüder Michel und Andreas Schmeerbauch. — Petition und Aufforderung aller Deutschen zur Eroberung der Halbinsel Yucatan. — Petition des Gärtners Bachmann um Unterstützung zu seiner Reise nach Amerika. — Petition des Rabiners Moses zu Schwerte, um Amnestie für seine Tochter Fanny. — Petition des Kaminfegers Friedrich Christmann zu Frankenthal um eine Kaminfegerstelle u. s. w.
[(Weserz.)]
Man erzählt sich eine Anekdote von der patriarchalischen Einfachheit der Frau Reichsverweserin. Sie soll sich zwei Mägde selbst gedungen und ihnen gesagt haben, sie bekämen jede 30 Gulden Lohn und eine „neue Joppe“, ein neues Hemd und ein paar Strümpfe und Schuhe; vermuthlich die Sitte von Steyermark.
[(Augsb. Abdz.)]
[Französische Republik]
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— Die Wahlen für Bildung der Geschwornengerichte nach dem neuen Jurygesetze sind für den 20. d. M. anberaumt.
— Die Demokraten des Seine-Departements wollen ziemlich einstimmig für Blanqui, Cabet und Raspail votiren. Das Seine-Departement hat bekanntlich nur für drei Ersatz-Repräsentanten zu sorgen.
— Für nächsten Sonnabend sind folgende Journale vor das Zuchtgericht geladen, weil sie ohne Kaution zu erscheinen fortfahren:
1) Le Bien public; 2) Le Messager; 3) Le Journal; 4) Le Peuple Français.
— Das berüchtigte kommunistische Blatt, L'Organisation du travail, das März, April und Mai die Pariser Reichen namentlich brachte und so großen Schrecken erregte, ist wieder aufgetaucht.
— Das Gerücht geht, die Regierung beabsichtige sogleich nach Annahme der Verfassung eine allgemeine Amnestie (aller Juniräuber?) zu veröffentlichen.
— de Calonne und Magne, Herausgeber des royalistischen Lampions und seines berüchtigten Pseudobruders la Bouche de fer, sind jeder zu 200 Franken Strafe und 1 Monat Gefängniß verurtheilt worden.
— Am Schlusse seiner gestrigen Rede legte der bekannte philosophische Kommunist, Pierre Leroux, folgenden rhetorischen Protest gegen die neue Verfassung ein:
„Ich klage den Verfassungsentwurf an, daß er auf keinem Grundsatz beruhe und von keiner Wahrheit ausgehe, die im Stande wäre, die Parteien zu entwaffnen.
Ich klage ihn an, nichts weiter zu bieten, als eine verworrene und widersprüchige Zusammenstellung der Theorien Montesquieu's und Rousseau's.
Ich klage ihn an, unter dem Namen Präsidentschaft die Monarchie beizubehalten, und hierdurch allen Ehrgeizigen freien Lauf zu lassen.
Ich klage ihn an, die Aristokratie beizubehalten, weil er gar kein Prinzip sozialer Organisation in sich schließt.
Ich klage ihn an, den Despotismus beizubehalten, indem er die Centralisation aufrecht erhält.
Ich erkenne an, daß der Entwurf vorgeschrittene Ideen und vortreffliche Absichten enthalte, aber ich glaube an die Nothwendigkeit, wesentliche Zusätze zu seinen Hauptbestimmungen zu machen, damit diese Verfassung nicht das Schicksal der frühern theile und der Nachwelt nichts weiter als ein bedrucktes Blatt Papier hinterlasse.“
National-Versammlung. Sitzung vom 6. September. Präsident Marrast eröffnet mit dem Schlage 12 Uhr die Sitzung.
Grandin, ein Exdeputirter unter Louis Philipp, ergreift das Wort vor der Tagesordnung. Der Herr Präsident, beginnt er, hat bereits bemerkt, daß die Diskussion der neuen Verfassung 10 Monate dauere, wenn man den allgemeinen Betrachtungen keine engern Schranken ziehe. Ich sage Ihnen, daß sie 10 Jahre dauern, wenn ähnlichen Mißbräuchen nicht gesteuert wird, wie sie sich z. B. Pierre Leroux zu Schulden kommen ließ. Derselbe habe gestern abermals eine gedruckte Rede vorgelesen, die er lange vorher angefertigt hätte. (Unruhe zur Linken.) Sie zweifeln? Wohlan, ich will Ihnen sogleich beide Lerouxsche Reden noch einmal halten.
Der Redner zieht mit spöttischem Blick zwei Broschüren aus der Tasche und will vorlesen. Aber der Ruf: Zur Sache! Zur Sache! unterbricht ihn).
Ich wiederhole, fährt Grandin fort, daß eine kostbare Zeit erspart würde. Ihm zufolge habe selbst derjenige Arbeiter, der zu arbeiten sich weigert, ein Recht auf Nahrung. (Lärm.) Der Redner zieht ein neues Lerouxsches Buch hervor, um seine Angriffe durch einzelne Stellen zu beweisen, doch der Lärm übertäubt ihn.
Präsident Marrast: Ich gab Ihnen das Wort, um einen Antrag über die Tagesordnung zu stellen und ersuche Sie, bei der Sache zu bleiben und Ihren Antrag schriftlich zu stellen, worauf er von dem betreffenden Ausschuß geprüft werden soll.
Grandin: Mein Vortrag lautet, in Zukunft keinem Mitgliede zu gestatten, schon gedruckte Reden zu halten.
Leroux (bitter): Ich danke dem Hrn. Grandin, daß er meine Ideen und Meinungen herabzuwürdigen sich abermals bemüht hat. Aber wenn er einsähe, wie viel Heiliges und Ernstes diese Ideen für das Menschengeschlecht haben, so würde er sich diese Mühe ersparen.
Grandin: Weit entfernt von mir sei es, von Ihren Ideen mit Verachtung zu sprechen. Was den Vorwurf der Unwissenheit betrifft, so frage ich, ob es nicht klar genug sei zu verstehen, was Herr Leroux in seiner Schrift lese.
Die Versammlung nimmt die Verfassungsdiskussion wieder auf, die sich immer noch um die Einleitung „Im Namen Gottes“ u. s. w. u. s. w. dreht.
Hubert Delisle unterstützt die Einleitung.
Levesque ist der Ansicht des ehemaligen Souspräfekten Fresneau, der sie für unpassend findet, weil es immer gefährlich, metaphysische Phrasen an die Spitze von Staatsgrundgesetzen zu stellen.
Cremieux beweist die Nothwendigkeit der Erklärung allgemeiner Rechte, die wie ein Evangelium fürs Volk vor die Verfassung gehörten. Thäte man dies nicht, dann fiele man geradezu in die Wolfsgrube des Kommunismus. (Oh! Oh!) Die Februar-Revolution sei allerdings sozial. Sie heiße Arbeit für Alle, Unterricht für Alle, Brod für Alle! (Beifall vom Berge).
Cazales will die philosophischen Sophistereien (wörtlich) gestrichen wissen. Jubeat lex non suadeat sei sein Wahlspruch. Die amerikanische Verfassung trage auch keine Einleitung.
Lamartine: Man bestreite dem Ausschuß nicht blos seine Ausdrücke, sondern sogar das Recht einer Einleitung. Die erste Constituante und das amerikanische Volk hätten ähnliche feierliche Erklärungen erlassen. Gerade jetzt sei solche Erklärung nöthig. Der Augenblick sei kritisch. Der Redner bekämpft die Furcht vor Sozialismus und Kommunismus. Die Nation müsse das Problem der Arbeitsorganisation jedenfalls lösen. Sie werde dies thun, ohne das Eigenthum zu verletzen. Ueberall wo das Eigenthum verletzt werde, herrsche keine Freiheit. Das Recht auf Arbeit müsse garantirt werden, die moderne Zeit habe das Proletariat erzeugt und er sei erstaunt, in dem Munde Fresneau's und Anderer keine wärmere Theilnahme für diese Unglücklichen zu hören.
Benard gegen die Einleitung
Die Versammlung ruft nach Abstimmung.
Die Versammlung schreitet zur artikelweisen Berathung der Einleitung. Zunächst zur Phrase:
„In Gegenwart Gottes und im Namen des französischen Volkes proklamirt und dekretirt die National-Versammlung:“
Mehrere Amendements werden verworfen.
Die Phrase in ihrer obigen Fassung geht durch.
Die Versammlung schreitet zum Artikel I., der lautet:
„Frankreich hat sich zur Republik geschaffen u. s. w. u. s. w.“
Eine Menge Amendements und neue Redaktionsarten liegen vor. Am hartnäckigsten wird das von Boussi unterstützt, das im Wesentlichen also lautet:
„a. Frankreich ist eine Republik; b diese Republik ist demokratisch und untheilbar; c. sie hat zum Dogma: die Freiheit, Gleichheit, Brüderschaft. Als Grundlage: die Volkssouverainetät. Als Zweck: das Glück, die Moralität und die Union aller Bürger.
„Zum Objekt: den Schutz der Personen, der Familie, der Arbeit und des Eigenthums.
„Als Mittel: die Erziehung, die Gerechtigkeit, die Ordnung und die Gesetzesstärke.“
Es hing an Einem Haare, daß dieses Amendement durchging. Mit schwachem Mehr erklärte es Marrast für verworfen. (Ah! Ah!)
Sie Sitzung wird um 6 Uhr geschlossen.
Großbritannien.
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[ * ] London, 6. Sept.
Die Times hat heute einen längern Artikel über Deutschland, in welchem sie den Handelsverkehr zwischen England und Deutschland als den bedeutendsten in ganz Europa anerkennt. Sie schmeichelt sich natürlich mit der Hoffnung, daß das Freihandelssystem immer größere Fortschritte im Zollvereine machen werde und giebt bei dieser Gelegenheit eine Aufstellung des augenblicklichen Standes der Protektions- und der Freihandelsparteien.
— Die Königin ist gleich nach der Vertagung des Parlaments von Woolwich nach Schottland abgereist.
— Aus Dublin hört man, daß Lord John Russel noch immer in dem Pallast des Lordlieutenants weilt. Die Verhaftungen der Insurgenten, die allmälig aus ihren Schlupfwinkeln hervorkommen, dauern fort.
— Die Nachrichten aus den Fabrik-Distrikten lauten günstiger. Das Geschäft in Manchester war in den letzten Tagen bedeutend und da die Aussichten für die Aernte in Folge des schönen Wetters besser sind, so steigt das Vertrauen der Handelswelt.
— Ein Huller Schiff, das am 30. Aug. von der Davisstraße in Stromneß anlangte, bringt die Nachricht, daß die arktische Expedition unter Sir John Roß am 2. Juli den Hafen von Lieveley erreicht und dem dänischen Gouverneur Depeschen zur Besorgung übergeben hatte. Sir John Roß setzte dann mit seinen beiden Schiffen die Reise zur Auffindung Sir John Franklins fort.
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[ * ] Dublin, 5. Sept.
Den 19. Sept. wird die Spezialkommission in Nenagh eröffnet, vor welche S. O'Brien, Meagher etc. gestellt werden sollen. Diese Kommission begibt sich den zweiten Oktober nach Limerick, um die Gefangenen von Rathcale den Prozeß zu machen. Nachdem die Polizei M'Manus, den Chartisten aus Liverpool, verhaftet hatte, erhielt sie Befehl, den Kapitän des amerikanischen Schiffes, an dessen Bord M'Manus verhaftet worden, ebenfalls festzunehmen. Der Amerikaner hatte aber bereits die Anker gelichtet und der Polizei blieb das Nachsehen übrig.
Amerika.
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[ 68 ] New-York, 15. August.
In Rochester hielten eine große Anzahl Frauen am 2. d. einen Konvent ab, dessen Zweck im Cirkular dahin angegeben war: „Berathung der Rechte des Weibes in politischer, sozialer, religiöser und industrieller Beziehung“. Die Sitzung dauerte mit kurzer Unterbrechung den ganzen Tag. Das Ergebniß waren folgende beinah' einstimmig angenommene Beschlüsse:
1) „Wir werden bei der gesetzgebenden Gewalt unseres Staates solange um das Wahlrecht für uns alljährig petitioniren, bis es uns zu Theil geworden.
2) Es ist ein anerkannter Grundsatz der amerikanischen Republik, daß die einzig rechtmäßige Gewalt der Regierung auf der Zustimmung der Regierten beruht; daß Besteuerung und Vertretung unzertrennlich sind und daß also die Frauen, welche gleich den Männern besteuert werden, einer gleichen Vertretung in der Regierung nicht beraubt werden dürfen.
3) Wir beklagen tief die Apathie und Gleichgültigkeit der Frauen in Betreff ihrer Rechte. Dies beschränkt sie auf eine niedrige religiöse, politische und häusliche Stellung in der Gesellschaft. Wir wünschen sie mit dem feurigen Streben zu erfüllen, daß sie ihr gleiches Recht des Denkens, Sprechens und Handelns bezüglich aller die menschliche Familie interessirenden Gegenstände beanspruchen.
4) Da der Ehemann das gesetzliche Recht hat, sein Weib auf Arbeit zu schicken, ihren Tagelohn an sich zu nehmen und zu seinem ausschließlichen Nutzen zu verwenden; da die abscheuliche Sitte, im Heirathsvertrage unbedingten Gehorsam zu geloben, die Frau in die Lage eines Sklaven versetzt: so wollen wir dieses barbarische Gesetz zu stürzen und die Frauen zu bewegen versuchen, daß sie in den Heirathsverträgen nicht mehr Gehorsam geloben.
5) Die allgemeine Lehre von den geringeren Fähigkeiten der Frauen hat ihnen Mißtrauen in ihre eigenen Kräfte eingeflößt und ihre Energie gelähmt.
6) Jeder, der von der Unterdrückung der arbeitenden Klasse des weiblichen Geschlechts überzeugt ist, sollte Alles aufbieten, um ihren Arbeitslohn zu erhöhen und zu diesem Zweck mit den eigenen Dienstboten den Anfang machen.“ Unterzeichnet: Abigail Busch (Präsidentin); Laura Murray (Vizepräsidentin); Kath. Stebbings und Marie Hallowell (Sekretärinnen).
Donaufürstenthümer.
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[ * ] Bucharest, 23. August.
Suleyman Pascha ist am 20. d. von ungefähr 400 türkischen Soldaten begleitet, hier eingetroffen. Inzwischen hat Rußland seine Absichten in einer Weise enthüllt, daß auch den Blöden die Sache verständlich werden muß. Nicht genug, daß bereits neue russische Truppen in die Moldau eingerückt sind, hat Nesselrode ein Manifest erlassen, worin Rußland's Stellung und Rechte gegenüber den Fürstenthümern auseinandergesetzt werden. Zugleich verlangt Rußland, daß die Pforte binnen 8 Tagen die Walachei in den Zustand vor der Revolution im Juni zurückversetzt. Geschähe das nicht, wolle oder könne die Pforte dies nicht zu Stande bringen, so werde Rußland sofort seinerseits die geeigneten Maßregeln ergreifen, um gedachten Zweck zu erreichen. Wir sehen hieraus, daß Rußland den richtigen Zeitpunkt abgewartet, längere Zeit sich gestellt hat, als werde es seine Truppen ganz aus der Moldau zurückziehen und die undankbaren Fürstenthümer sich selbst überlassen: es hat gewartet und geheuchelt, bis die Angelegenheiten im übrigen Europa nachgerade verwickelt genug sind, um es an der untern Donau in seinen Plänen wenig oder gar nicht zu stören.
Nachtrag.
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[ !!! ] Frankfurt, 7. Sept.
Unter den tausend circulirenden Gerüchten hebe ich die wahrscheinlichsten hervor: Dahlmann hat das Minister-Präsidium abgelehnt. v. Hermann aus München wird als Minister-Präsident bezeichnet, Wurm aus Würtemberg, H. Simon aus Breslau, Robert v. Mohl u. A. als Minister. — Ein Theil der stockpreußischen Abgeordneten reis't ab. — Die Central-Gewalt wird den Beschluß wegen Sistirung des Waffenstillstandes nicht zur Ausführung bringen. — Der Waffenstillstand wird höchstwahrscheinlich dennoch ratifizirt werden, da viele Abgeordnete bereits über ihre letzten Abstimmungen den Schreck in alle Glieder bekommen haben. — Nach Vielen würde das alte Ministerium fast ganz bleiben.
— In der Nationalversammlung wird das Schreiben Leiningen's verlesen, das den Rücktritt des gesammten Ministeriums anzeigt. Zu der Vollziehung des vorgestrigen Beschlusses wegen Sistirung des Waffenstillstandes werden mehrere Anträge gestellt, nach längerer Debatte aber zurückgezogen. Klage, daß Dahlmann noch kein neues Ministerium zu Stande gebracht. Ein Antrag Reden's wegen Entschädigung der Rheder, deren Schiffe konfiszirt, wird an die mit der Waffenstillstands-Frage beauftragten Ausschüsse verwiesen. Desgleichen ein ähnlicher Antrag Schwerin's u. A. Schließlich Ergänzungswahl für den Verfassungs-Ausschuß.
[Leserbrief]
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Aufforderung an alle Offiziere von ächtem Schrot und Korn.
Im Jahre 1846 bin ich durch ehrengerichtliches Erkenntniß aus dem Dienst entlassen worden. Ich behielt den Offizierscharakter und blieb „Lieutenant a. D.“, was ich noch bis zu dieser Stunde bin. Da ich nun außerdem meinem Lebensalter nach noch landwehrpflichtig bin, so stehe ich auch noch unter den Gesetzen der königl. preuß. Offiziersehre, mit andern Worten: ich bin den ehrengerichtlichen Verordnungen noch unterworfen. Wenn nun schon gleich nach meiner Entlassung alle „guten“ Offiziere den Umgang mit mir mieden, und dadurch also bewiesen, daß ich ihrer Ueberzeugung nach des Offizierscharakters nicht würdig sei, — so fallen mir seitdem so viele Sünden gegen die wahre „Standesehre“ der Offiziere zur Last, daß ich nach den unter dem königl. preuß. Offizierkorps herrschenden Ehrenbegriffen, wie sie sich neuerdings in vielen ehrengerichtlichen Prozessen dokumentiren *) *) Bemerk: Gegen Beust vom 17., gegen Foltin, Wülsing, Bernigen, Nithak und gegen Adamski vom 25. Sept., unbedingt die „Entfernung aus dem Offizierstande“ verdiene. Ich nenne nur einige meiner vielen Sunden: Meine rothen (republikanisch-kommunistischen, Gesinnungen; meine Betheiligung an dem „Aufruhr vom 3. März, als einer der Rädelsfuhrer“, wie der Regierungs-Präsident v. Raumer sich ausdrückte; meine Theilnahme am Arbeiter-Verein als Vorstands-Mitglied; mein häufiger Verkehr mit Proletariern in Blusen, in Jacken, in zerrissenen Röcken; häufiger Besuch „ordinärer“ Bierhäuser, die nur von Proletariern betreten werden; die jetzt gegen mich erhobene Anklage auf „Komplott zum Umsturz der bestehenden Regierung, zur Erregung eines Bürgerkrieges und zur Verbreitung von Mord und Plünderung über die (gute) Stadt Köln“; endlich noch die thätlichen Mißhandlungen, welche ich von den Gensdarmen, die mich am 3. Juli d. J. arretirten, erfahre habe, indem diese grünen Gesetzes-Wächter mich beim Kragen packten, mich zerrten und stießen. Ich denke, dieses Sündenregister, das ich vollständig als richtig zu beweisen im Stande bin, wird allen meinen „ehrenhaften Kameraden“ (so kann ich die Herren Offiziere nennen, so lange ich noch den Lieutnantscharakter habe) einen heiligen Schauder vor mir einflößen, und es wird mehr als hinreichen, mich der „Ehre“ des Offizierscharakters verlustig zu machen. Ich fordre deshalb alle königl. preuß. Offiziere von altem ächtem Schrot und Korn, alle, die noch die wahren Begriffe von Ehre im Leibe haben, hiermit auf, mich abermals vor ein Ehrengericht zu ziehen, auf daß ich nach Gebühr gestraft, mir der Offizierscharakter entzogen und die „Ehre der Genossenschaft“ durch meine Ausstoßung „mackellos“ erhalten werde.
Arresthaus zu Köln, 5. September 1848.
F. Anneke, Lieutnant a. D.
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@facs0491
Kerpen, 5. September.
Seit einigen Wochen sind wir so glücklich, eine Abtheilung des 2. Bataillons 26. Inf-Reg., welches zwar nicht den Franzosen, aber doch den Demokraten in Köln gegenüber eine beobachtende Stellung einnehmen soll, zu bewirthen. Das bescheidene und anständige Benehmen der Soldaten verdient alle Anerkennung, und das gute Einverständniß zwischen Bürger und Militär würde wohl in keiner Weise gestört worden sein, wenn es nicht Offiziere gäbe, die sich noch gar zu gerne in die seligen Zeiten zurückversetzen, wo den Herren so manche Uebergriffe den Bürgern gegenüber ungestraft durchgingen.
Am vorigen Sonntage befand sich eine Gesellschaft hiesiger Damen und Herren auf einem Spaziergange, als drei Offiziere auf sie zuritten. Statt den Lauf ihrer kühnen Thiere auf dem ohnehin engen Wege einzuhalten, beflügelten sie denselben immer mehr, so daß sie sich bald im vollsten Gallopp in unmittelbarer Nähe hinter der Gesellschaft befanden. Wie da den heldenmüthigen Stürmern entgehen? Die Damen suchten Rettung in der Flucht, aber kaum hatte die eine einige Schritte zur Seite gethan, so war sie auch schon von der Brust eines Pferdes umgerannt, bewußtlos zu Boden geschleudert und kaum einen Zoll von ihrem Kopfe entfernt, schlug der Hinterhuf des Pferdes in die Erde. Die andere war zwar den Pferden entgangen, aber bald erlag sie den Folgen der Angst und des Schreckens; besinnungslos mußte sie hierher gefahren werden, wo wir nun ihrer Genesung entgegensehen. Und der Herr Lieutenant? Je nun, er entschuldigte sich; unendlich leid — einige Bücklinge — und damit abgemacht. Jede Schuld, die man ihm zur Last legen möchte, wieß er aufs Entschiedenste zurück. Am andern Morgen ersuchte ihn ein Mitglied der Gesellschaft in seinem und der übrigen Herren Namen, entweder seine Unvorsichtigkeit einzugestehen und in Form [0492] einer Abbitte vor den Damen zu erklären, oder aber sich zu persönlicher Genugthuung zu stellen. Beides lehnte er ab mit der Erklärung, er habe sein zum Durchgehen geneigtes Pferd nicht mehr halten können und wisse sich daher nicht einmal einer Unvorsichtigkeit schuldig. Als ihm nun vorgestellt wurde, daß er unter diesen Umständen nur noch schuldiger erscheine, suchte er nun gar darin eine Entschuldigung, daß die Sache für diesmal noch gut abgelaufen sei. Im Uebrigen sehe er sich nicht veranlaßt, auf die geforderte Genugthuung einzugehen, indem er in der Sache keine persönliche Beleidigung erkenne, und müsse er anheimstellen, ihn auf polizeilichem Wege zu verfolgen. Nach einem solchen Benehmen des Herrn Lieutenant sehen sich Einsender dieses gezwungen, ihre Genugthuung in der öffentlichen Meinung zu suchen, mit dem Bemerken, daß ihre Namen, so wie der des mehrgenannten Herrn in der Expedition dieses Blattes erfragt werden können.
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@facs0492
Letztes Wort.
Wichtigere Anliegen verhinderten mich bis jetzt, das bereits in Nr. 238 der „Trier'schen Zeitg.“ abgedruckte Antwortschreiben des Hrn. Staatsprokurators v. Ammon dem Leserkreise der „N. Rh. Z.“ mitzutheilen. Es lautet wörtlich wie folgt:
„B. M. an Herrn Karl Grün Wohlgeboren in Trier.
Zurück mit dem ergebenen Erwidern, daß ich bereits in der öffentlichen Sitzung erklärt habe, wie ich in den Besitz der fraglichen Briefe gekommen bin. Nachdem nämlich Mendelssohn verurtheilt war, überreichte dessen Bruder dem hiesigen Untersuchungsrichter diese Briefe mit dem Bemerken, daß sich dieselben unter den in der Wohnung des Bierbrauers Lölgen hierselbst zurückgelassenen Effekten seines verurtheilten Bruders befunden hätten, und daß er es für seine Pflicht halte, der Behörde nichts vorzuenthalten, was sich auf die Untersuchung beziehe. Auf diese Weise sind die Briefe in meine Hände gerathen, und begreife ich um so weniger, wie man Ihnen nachträglich den Vorwurf machen kann, mir diese Briefe ausgeliefert zu haben, da ich, wie oben erwähnt, bereits in der öffentlichen Sitzung diese Erklärung gegeben habe.
Köln, 22. August 1848.
v. Ammon, Staats-Prokurator.“
So viel über die „Auslieferung“ der Papiere, die sich ganz einfach dadurch erledigt, daß Mendelssohn mitunter Briefe, welche in dieser Angelegenheit an mich gerichtet waren, zu sich nahm, wie ich meinerseits noch Briefe an ihn aufweisen kann. Folgt die lächerliche Beschuldigung, ich hätte „Wissenschaft“ über Hrn. L. ausgeliefert. Der Staatsanwalt muß den Antrag des Hrn. v. St. allerdings sehr „dringend“ genommen haben, da er mich gar nicht laden ließ; und Hr. v. St. hat sehr geschickt escamotirt, da ich erst jetzt Kunde von diesem Diebstahl erhalte! Was schließlich das „unerquickliche Thema“ betrifft, so erlaube ich dem Hrn. L., alle Details eines früheren freundschaftlichen Verhästnisses, das ich oft genug bedauert habe, mit oder ohne Belege vor dem Publikum auszuwaschen: ich werde ihm — in der Presse wenigstens — keine Antwort und keine Berichtigung angedeihen lassen. Glaubt Hr. L. aber eine für ihn vortheilhafte Rechnung stellen zu können, so sende er sie mir privatim ein, ich werde sie nach Befund respektiren.
Trier, 2. Sept. 1848.
Karl Grün.
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@facs0492
Ich sehe mich veranlaßt die folgenden Aktenstücke zu publiziren:
Düsseldorf, den 17. August 1848.
Sr. Excellenz, Herrn General-Lieutnant von Drygalski hier.
In der Nacht vom 14. auf den 15. d., führte mich mein Weg an dem Gasthause der Wittwe Schleger vorbei, und wurde ich durch die mir entgegenschallende Musik veranlaßt, daselbst hineinzugehen. Bei meinem Eintritt in den Saal, nahm mich Ew. Excellenz an die Hand, fragten mich nach meinem Namen, führten mich an einen Tisch in der Mitte des Saals, und forderten mich auf, auf das Wohl des Königs zu trinken, welcher Aufforderung ich Folge zu leisten kein Bedenken trug. Ew. Excellenz werden sich dieser Thatsachen genau zu erinnern wissen. Im Begriff mich zu entfernen, trat ein Offizier an mich heran, und fragte mich im barschen Tone: „hören Sie zu dieser Gesellschaft.“ Es mußte mir diese Frage ebenso befremdend als verletzend vorkommen, da einen theils das Gasthaus der Wittwe Schleger bekanntlich ein öffentliches, andern theils ja gerade Ew. Excellenz so freundlich waren, mich wider meinen Willen in einen Kreis mir größtentheils unbekannter Männer hineinzuziehen.
Dem erwähnten Offizier stellte ich die Frage: „ob heute hier eine geschlossene Gesellschaft sei?“ und als derselbe diese Frage bejahend beantworteten entfernte ich mich. Doch einen Augenblick später hörte ich den Ruf: „ich kenne ihn hinaus mit ihm, hinaus“ und noch sonstige unartikulirte Töne. Nicht gering war mein Erstaunen, als ich mich umsah und bemerkte, daß es Offiziere waren, welche diesen Ruf ausstießen, und dieser ihrer Drohung durch auf mich Eindringen größeren Nachdruck zu geben suchten. Als einzelner Mann unbewaffnet, fand ich es nicht für rathsam, mich den bewaffneten Offizieren entgegenzusetzen und habe es nur meinem raschen Davoneilen zu verdanken, daß ich weitern Mißhandlungen erwähnter Herren entgangen bin. Auf der Straße mich nochmal umsehend bemerkte ich sogar noch, daß Militärpersonen mit blanken Waffen mir folgten.
Dies Verfahren der Hrn. Offiziere gegen mich wird kein Ehrenmann billigen können, weshalb ich auch die unumstößliche Ueberzeugung habe, daß kein preuß. Offiziercorps ein derartiges Betragen ungeahndet lassen wird.
Indem ich übrigens Ew. Excellenz fur das freundliche Entgegenkommen meinen Dank ausspreche, hege ich die zuversichtliche Erwartung, daß Ew. Excellenz mir von den betreffenden Offizieren eine Ehrenerklärung erwirken werden, widrigenfalls ich mich genöthigt sehen würde, die Sache der Oeffentlichkeit zu ubergeben, was ich bei der Aufgeregtheit des Publikums unter voraussichtlicher Beistimmung Ew. Excellenz gern vermeiden mogte.
Mit Achtung
F. W. Meyer.
Verhandelt Düsseldorf den 26. August 1848.
Die heute zusammengetretenen Offizier-Corps, nachdem sie von dem Verlangen des Herrn Meyer Kenntniß genommen, sprechen sich einstimmig dahin aus:
Herr Meyer drang, trotzdem ihm mehrfach angezeigt, daß hier eine geschlossene Gesellschaft sei, durch das Musikcorps in den Saal, in welchem er allseitig eine ganzlich unbekannte Person war. In der Voraussetzung, er sei einem Mitgliede der Gesellschaft vielleicht bekannt, wurde er geduldet und ihm bei einem Toast auf Se. Majestät ein Glas gereicht. Sein Benehmen dabei war von der Art, daß es allgemeine Entrustung hervorrief. Herr Meyer musterte hierauf mit verschränkten Armen, den Fuß auf einen Stuhl gesetzt, die Gesellschaft, und bewieß auf's Neue dadurch, daß diese in ihrer Voraussetzung, Herr Meyer konne in ihr verweilen, sich geirrt habe. Herr Meyer, der sich selbst als ein vollständig Unbekannter nannte, erregte durch dies störende und verletzende Benehmen den allgemeinen Wunsch seiner Entfernung. Dieser wurde vielfach laut ausgesprochen, und stellte Herr Meyer durch sein verzogertes Eingehen auf diesen Wunsch, die Gesellschaft auf die Probe, seine Entfernung durch den Wirth factisch vollziehen zu lassen. Durch die später mitgetheilten Schriftstücke, welche vielfache Entstellungen der Vorgänge enthalten, kann Herr Meyer auch kein günstiges Urtheil hervorrufen, und es ist daher gar kein Grund vorhanden, demselben irgend eine Erklärung zu geben.
(Gez.) das Offiziercorps der Garnison Düsseldorf.
Düsseldorf den 28. August 1848.
Indem ich Ew. Wohlgeboren die Erklärung des Corps der Offiziere der Garnison Düsseldorf, in Erwiederung auf Ihr an mich gerichtetes Schreiben vom 22. d. Mts. anliegend ergebenst ubersende, benachrichtige ich Sie hierdurch, daß das Offiziercorps sich gleichzeitig gegen mich dafur erklärt hat, wie nur Unkenntniß von meiner Aufforderung an Sie, bei dem großen sehr angefüllten Saale, es einen Verstoß gegen mich, in der Ihnen zu Theil gewordenen Behandlung, hätte begehen lassen.
Mit dieser Erklärung bin ich, hinsichtlich der von mir in einem Schreiben vom 19. d. Mts. ausgesprochenen Mißbilligung des Verfahrens einzelner der Herren Offiziere bei stattgehabtem Vorfalle zufrieden gestellt, und muß Ihnen etwaige weitere Schritte, die Sie in Ihrem Interesse für nothwendig halten, überlassen; zugleich aber, nach näherer Information, die mir durch die Vorstellungen des Offiziercorps geworden, der Meinung sein, daß Sie lediglich durch Ihr Verhalten in die Ihnen widerfahrenen Unannehmlichkeiten gerathen sind.
Der General-Lieutenant und Divisions-Kommandeur (Gez.) v. Drygalski.
Dies Aktenstück sagt zu Anfang, daß indem mir Se. Excellenz das Glas gereicht mein Benehmen dabei allgemeine Entrüstung hervorgerufen, was das Offizierkorps wohl bemerkt hat, merkwürdiger Weise aber nicht Se. Excellenz, so findet sich Se. Excellenz doch, wie das Sendschreiben bekundet, dadurch zufrieden gestellt, daß das Offizierkorps erklärt, daß Unkenntniß von der Aufforderung, bei welchem Akt jedoch die Hrn. Offiziere einen Kreis um Se. Excellenz und mich bildeten, an mich, es einen Verstoß gegen Se. Excellenz, in der mir zu Theil gewordenen Behandlung hätten begehen lassen, also eingesteht, daß es sich eine Behandlung mir gegenüber erlaubt, die sogar eine dritte Person beleidigt.
Ferner sind in diesem Aktenstück folgende Unwahrheiten enthalten, nämlich
1) daß mir bei meinem Eintritt angezeigt worden: „eine geschlossene Gesellschaft sei im Saale, daß ich aber trotz dem durch das Musikkorps in den Saal gedrungen wäre. Ich habe auf meinem Wege zum Saal nur 5-6 Militärperson im Entrée, nicht aber ein Musikkorps bemerkt. Auch würde ich die Gesellschaft keine Secunde mit meiner Gegenwart belästigt haben, wenn nicht Se. Excellenz der Generl-Lieut. von Dzygalski, sobald ich in den Saal trat und ehe ich mich noch von meiner ersten Ueberraschung erholt in dieselbe hineingezogen hätte. —
Ein Offizierkorps hat Recht, wenn es behauptet, daß ich die Kühnheit hatte, mit verschränkten Armen in die Gesellschaft hineinzusehen, die versammelt um eine Boole lacrime christi, einen imponirenden Anblick gewährte, es sagt aber 2) eine Unwahrheit, wenn es behauptet, ich habe die Unanständigkeit begangen, den Fuß auf den Sitz eines Stuhls zu setzen
Es ist 3) in dem Aktenstück von einem vielfach laut ausgesprochenen Wunsch: mich zu entfernen die Rede. Ich habe von einem Wunsch durchaus nichts gehört, sondern wie in meinen Brief erwahnt ein Schreien: hinaus mit ihm! hinaus! hinaus! und noch sonstige Töne Nach meiner Ansicht ist dies nicht die Art und Weise eines gebildeten Kreises einen Wunsch auszusprechen; ein preuß. Offizierkorps möchte denn eine andere Weise haben seine Wünsche auszudrücken, besonders wenn es einem unbewaffneten Mann bewaffnet zu Leibe geht. Anlangend die Behauptung, man habe meine Entfernung durch den Wirth faktisch vollziehen lassen, so ist dies abermals eine Unwahrheit. Es ist allerdings richtig, daß ein Kellner zu mir herantrat, mit der Bitte die Gesellschaft zu verlassen, allein dies war höchst überflußig, indem ich bereits unaufgefordert, darin begriffen war, mich zu entfernen. Nein, mehrere Offiziere schienen sich dieser Arbeit selbst unterziehen zu wollen, ich, wie erwahnt, entzog mich ihren kampflustigen Händen nur durch mein Davoneilen. Im Entrée wurde die Verfolgung von Militärpersonen mit der Waffe in der Hand, und dem Ausruf: „nun soll den Kerl der Teufel holen,“ fortgesetzt.
Auffallend im hochsten Grade ist es, daß das Offizierkorps, auf diejenige von meinen Beschwerden, worauf das größte Gewicht ruht, daß man nämlich bewaffnet einen Wehrlosen verfolgte, nicht im mindesten eingegangen ist. Ich acceptire dieses Stillschweigen als ein Eingeständniß. Indem ich hiermit, im Bewußtsein eines durchaus untadelhaften Benehmen's, die ganze Sache dem Publikum anheimstelle, muß ich namentlich die Frage aufwerfen, ob das Militär selbst in dem Fall, wenn alle die gegen mich erhobenen ungerechten Anschuldigungen auf Wahrheit beruhten, berechtigt gewesen wäre, mich auf solch empörende Weise zu behandeln, ins besondere ob demselben die Waffen zu dem Beruf anvertraut worden, um davon einen Gebrauch wie im vorliegenden Falle zu machen.
Darf man sich noch wundern, daß bei solchen Beispielen ein sogenannter gemeiner Soldat hin und wieder sich berechtigt glaubt, an einem wehrlosen Bürger eine vermeintliche Beleidigung mit der Waffe in der Hand rächen zu dürfen.
F. W. Meyer.
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Köln, 7. Aug.
Wie ökonomisch man mit den Geldern der von Staatsbürgern geleisteten Steuern umgeht, beweist folgende Thatsache:
Der Musketier Brendel vom 26. Inf.-Regiment hat sich bei seinem Regimente in Trier, nach dem Orte seiner Heimath (Köln) abgemeldet. Daselbst angekommen, erklärte man ihm die Uniform und H#e gegen seinen Kriegsreserve-Paß abgeben zu müssen.
Ohne Mittel sich augenblicklich Civil-Kleidungsstücke beschaffen zu können verlangt derselbe (weil er Beschäftigung gefunden hatte) seine Kriegsreserve-Uniform. Da nun die erhaltene als solche nicht betrachtet wird, ist Brendel genöthigt auf Staatskosten mit nach Magdeburg (der Garnison des Regiments) zu reisen und daselbst seine Kriegsreserve-Uniform in Empfang zu nehmen, von wo aus er denn mit den Rekruten wieder auf Köln muß. Die durch das Hin- und Herreisen entstehenden Kosten für den Staat werden nun wohl das Doppelte der Regiments-Uniform betragen. Wo bleibt nun die Oekonomie.
N. S. So eben hören wir, daß es Brendel gelungen ist, einen Civilanzug zu erhalten, und wird demnach auf die Reise nach Magdeburg und seine Reservebekleidung verzichten Das Kriegsministerium hat nun in dem mitellosen Brendel eine freiwillige Zwangsanleihe gemacht.
Handels-Nachrichten.
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Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
Den 4. Maria Franz, T. v. Joh. Lempertz, Schlossermeister, Sterneng. — Christ, T. v. Math. Burgwinkel, Drechsler, Eigelstein. — Adelheid, T. v. Christ. Schmitz, Metzger, Perlengraben. — Sophia, T. v. Frz. Kempen, Seilerg., Friesenwall. — Ludwig, S. v. Leonard Hackell, Wollenarb., Holzgasse. — Christ., T. von Adam Breuer, Gärtner, Friesenwall. — Clemens Ferd., S. v. Jacob Siegen, Schmied, Thieboldsgasse.
Sterbefälle.
Den 4. Joh. Pet. Severin Meier, 4 Mt. alt, Weißbüttengasse. — Charl. Caroline Wehe, geb. Krings, 44 J. alt, kr. Büchel. — Joh. Junker, 6 Tag alt, Butterm.
Heirathen.
Den 4. Joh. Casp. Jod. Braun, Kurzwaarenhändler, Wwr. v. hier, mit Maria Magdalena Melzer v. Frankfurt am Main.
Geburten.
Vom 5.
Louise Henr. Hub., T. v. Heinrich Esser, Maurerm., Mauritiussteinweg. — Gert., T. v. Franz Jumpertz, Faßbinder, Weideng. — Anna Christ, T. v Peter Raderschatt, #hne Gew., Friesenstr. — Marg. Hubert., T. Fried. Wilh. Mommertz, Kupferschläger, Josephstr. — Christ., S. v. Jacob Bungarten, Brandweinbrenner, Severinstr. — Anna Maria Jos., T. v. Pet. Jos. Saß, Eisenbahnaufseher, Thürmchensgasse. — Joh., S. v. Ludwig Bock, Maurer, Goldgasse. — Adelh., T. v. Nath. Lob, Buchh., Burghöfchen.
Sterbefälle.
Heinr. Jos. Olep, Buchhalt., 71 J. alt, verh. Blaubach. — Cath. Fuß, 3 W. alt, Karthäuserwall. — Heinr. Esser, Eisenbahnbremser, 31 J. alt, verheirathet, Carthäuserhof. — Maria Agnes Joth, geb. Vehlen, 53 J. alt, Kämmerg. — Heinr. Pallenberg, 4 J. alt, Severinstr. — Sib. Radermacher, 4 J. alt, Ursulastr. — Agnes Strunck, geb. Bootz, 80 J. alt, Friesenstr.
Anzeigen.
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Schifffahrts-Anzeige.
Köln, 8. September 1848.
Angekommen: H. Hüttner von Amsterdam mit 2370 Ctr. W. Dahmen von Rotterdam mit 3151 Ctr. A. Bender von Mainz.
Abgefahren: Ph. Kimpel nach Mainz. Johann Wiemer nach Mannheim. Seb. Schoen nach d. Obermain.
In Ladung: Nach Antwerpen P. Verschur. Nach Rotterdam W. Hogewegh. Nach Ruhrort bis Emmerich J. Schaaf. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr C. Königsfeld. Nach Andernach und Neuwied H. Schumacher, Joseph Krämer. Nach Koblenz, der Mosel und der Saar L. Tillmann. Nach der Mosel, und Trier und der Saar M. J. Deiß. Nach Bingen A. Hartmann. Nach Mainz J. Hirschmann. Nach dem Niedermain Seb. Schulz. Nach dem Mittel- und Obermain M. Roth. Nach Worms und Mannheim Wb. W. Dunk. Nach Heilbronn Frz. Müßig. Nach Kannstadt und Stuttgardt L. Bühler.
Ferner nach Rotterdam Capt. Demmer Köln Nr. 25.
Ferner nach Amsterdam Capt. Scholwerth Köln Nr. 3.
Ferner nach Stettin Capt. Range, Bark „Fortschritt.“
Rheinhöhe am 8. Sept. 6′ 11 1/2″.
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Ein fleißiger mit guten Zeugnissen versehener Handlungs-Gehülfe sucht eine Stelle. Die Exp. sagt das Nähere.
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Neue Kölnische Zeitung.
Für Bürger, Bauern und Soldaten.
Unter diesem Titel erscheint vom 10. September an eine neue Zeitung, deren Richtung sozial-demokratisch ist. Sie wird die Interessen aller Klassen des arbeitenden Volks vertreten, möge es in der Stadt oder auf dem Lande wohnen, möge es ein bürgerliches oder ein Soldatenkleid tragen. Die Zeitung wird, außer an Sonn- und Festtagen, täglich Abends, 1/2 Bogen stark, ausgegeben. Man abonnirt in Köln, #am Alten Ufer 5-7# eine Treppe hoch, auswärts (jedoch erst auf das mit dem 1. Oktober beginnende Vierteljahr) bei den nächsten Postämtern. Der Preis beträgt für Köln 7 1/2 Sgr. pro Monat, für andere Orte 22 1/2 pro Vierteljahr; der Preis für die 20 Tage des September 5 Sgr. Einzelne Nummern sind à 6 Pfg. zu haben.
Köln, 7. Sept. 1848. Die Herausgeber:
F. Anneke und F. Beust.
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Im Verlage von Bernh. Dietz ist erschienen und in Köln unter Hutmacher Nr. 17 zu haben:
Das neue goldene A B C für das deutsche Volk.
Von Fischbach.
Preis 1 1/2 Sgr.
Diese alphabetische Zusammenstellung von schönen und passenden Spruchversen auf die neueste Zeit hat bereits eine ausgedehnte Theilnahme gefunden: es kann diese Sammlung auch ihrer hübschen Ausstattung wegen noch besonders empfohlen werden.
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Im Verlag von Bernh. Dietz ist erschienen und der Buchhandlung von Gebr. Stienen in Kommission gegeben:
Wie's jetzt im preußischen Heere aussieht.
Von F. Anneke, ehemals Lieutenant in der preußischen Artillerie.
Preis 2 Sgr.
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Ein Mann gesetzten Alters, welcher alle in Drogerie und Apotheker-Laboratorien vorkommenden chemischen Arbeiten gründlich versteht, und hierin bereits seit 20 Jahren beschäftigt ist, sucht unter bescheidenen Ansprüchen Beschäftigung. Auskunft ertheilt L. Schulz, unter Goldschmied Nr. 13.
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Gebrauchte Dachziegeln und Laien werden zu kaufen gesucht, die Expedition sagt wo.
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Auszug.
Durch Akt des Gerichtsvollziehers Pittius vom heutigen Tage hat die zu Köln ohne besonderes Gewerbe wohnende Maria Catharina geborne Klesberg, Ehefrau des ebendaselbst wohnenden Kaufmanns Heinrich Lehn, vertreten durch den zu Köln wohnenden Advokat-Anwalt Robert Nücker, gegen ihren genannten Ehemann die Klage auf Gütertrennung angestellt.
Köln, den 8. September 1848.
Für die Richtigkeit des Auszugs:
Rob. Nücker, Adv.-Anw.
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Annonce.
Als vor mehreren Wochen der bekannte Armee-Befehl wegen des Reichsverwesers den Soldaten hier in Köln vorgelesen wurde, hielt ein Hauptmann des 25. Inf-Regiments, v. S., seiner Kompagnie folgende liebliche Rede in ächt preußischem Accent:
„Ich habe Euch dies nun vorgelesen; das ist aber gar nischt. Der Reichsverweser geht uns nichts an! Was liegt uns an dem? Dem König, dem König allein nur haben wir zu gehorchen. Das ist der Mann! Kein Anderer nicht! Wenn Euch aber das Bürgerpack, die Kanaille was sagt, hört das nicht an, kommt zu mir, ich will es Euch besser sagen: bleibt fern von dem Lumpenpack!“
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Sonntag den 10. September Nachmittags 2 Uhr.
Große Volks-Versammlung zu Neuß auf der „Belle Vue“ (Gütchen) wozu alle Bewohner unserer Umgegend hiermit eingeladen werden.
Die Comites des Volksklubs und der demokratischen Vereine von Düsseldorf und Neuß.
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Eine nußbaumene Kommode, ein Nachtskommodchen und eine Kinderbettlade sind billig zu haben, bei Schmidt Mühlengasse Nr. 10.
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Hr. Rolinger, Lehrer in Lüttich, rue de la régence Nr. 18, wünscht einige junge Leute in Kost und Unterricht zu nehmen.
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Die angeregte Zusammenkunft der Beigeordneten kann doch stillschweigend nicht besser als hier abgehalten werden, da unser von dem ganzen Kreise als seines Gleichen suchender, mit hellem Organ versehen, tüchtig anerkannter Redner und Bäcker, eine solche zu präsidiren weiß, und schon eine Masse Sachen sich vorkneten hat lassen, daß jedem Bürgermeister das Schlucken vergehen wird, dabei das Lokal von unserm Bierwirthen B., der sich nur noch den deutschen Bavian nennen läßt, gratis hergegeben und seine ebenfalls von Andern geliehenen Ansichten spottbillig überlassen wird.
Der Beiläufer von Brühl.
Wie früher, so werden auch jetzt die dabei gehaltenen Reden im bewußten Lokal gratis ausgegeben und liegen etliche schon zur Ansicht vor.
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Je demeure, Malzbüchel Nr. 7.
Joh. Maton, Prof. de langucs.
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Futter gegen Ratten, Mäuse, Wanzen und Schwaben Thurnmarkt Nr. 39.
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Wir erhielten wieder eine Sendung ganz frischer Austern und empfehlen solche, so wie uns. übrigen Artikel als: Caviar, ger. Lachs, Sardellen, neue Häringe, verschiedene Sorten Käse (worunter auch Chester-Käse) etc. etc. zur gefälligen Abnahme, so wie zum Genusse auf unserer Austernstube bestens.
G. Bettger et Comp.
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Wohnungs-Veränderung.
Aus der Poststraße Nr. 28 nach dem Filzengraben Nr. 11.
Zugleich empfehle ich mich, durch langjährige Erfahrung befähigt, alle Mängel an fehlerhaften, die gehörige Feuerung behinderndenn Luftzügen abzuhelfen, und garantire für jeden Auftrag. Auch habe ich wegen Mangel an Raum ein Comfoir mit 3 Löcher und Backofen zu verkaufen.
Traugott Lebrecht Völker, Vater, Filzengraben Nr. 11.
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Ich empfehle meinen Freunden die chemische Dampfreinigung der Federbetten und Haarmatratzen des Herrn Friedr. Custodis, Follerstraße Nr. 62. Indem ich von deren Tüchtigkeit und Solidität seit einer Reihe von Jahren überzeugt bin.
Knieps.
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Theater-Anzeige.
Sonntag den 10. Sept.:
Die Hugenotten.
Große Oper in fünf Akten von Meierbeer.
Montag den 11. Sept:
Tiphonia.
Schauspiel in fünf Akten von Zwengsahn.
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W. Dietz, unter Hutmacher Nro. 17.