[0501]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 100. Köln, Dienstag den 12. September. 1848.
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Beschwerden, welche unsere Abonnenten der Stadt Köln zu führen haben, bitten wir rechtzeitig in der Expedition unter Hutmacher Nr. 17 zu machen.
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Die Krisis und die Contrerevolution. — Verhaftungen). Frankfurt. (Ministerkombination). Berlin. (Die Ministerkrisis. Contrerevolutionäre Pläne. — Petition der Potsdamer Bürgerwehr. — Biedere Rede eines Offiziers) Wien. (Reichstag. — Ministerkombination. — Annahme der französisch-englischen Vermittelung. — Vorbereitungen eines Staatsstreichs). Breslau (Das Bürgerwehrgesetz). Dessau. (Das Ministerium Habicht). Altona. (Verhaftung preußischer Soldaten) Hamburg (Der Rückmarsch der Truppen fortgesetzt). Oldenburg. (Die agnatischen Rechte). Mainz. (Die preußische Soldateska). Thüringen. (Volkstag). Prag (Deutsche und Czechen. — Die industriellen Interessen Oesterreichs).
Italien. (Das neapolitanische Geschwader. — Die modenesische Bürgerwehr. — Unruhen in Parma. — Preßprozeß in Florenz — Die neapolitanischen Kammern vertagt. — Die sardinischen Kammern sollen aufgelöst werden. — Angeblich der Friede zwischen Oesterreich und Karl Albert geschlossen). Mailand. (Die Cigarrenraucher).
Französische Republik. Paris. (Die Klubs. — Proudhons Peuple. Vermischtes. — Wochenbericht des Polizeipräfekten. — Nationalversammlung).
Schweiz. Bern. (Der Präsident der Tagsatzung und die Diplomatie).
Großbritannien. London. (Viktoria in Aberdeen; Chartistenverhaftungen in Ashton) Dubl#n (Russell; O'Gorman; Frau Mitchell; Brief John O'Connells.)
Ungarn. Hermannstadt. (Truppen nach Pesth. Befürchtungen).
Deutschland.
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Edition: [Friedrich Engels: Die Krisis und die Kontrerevolution. In: MEGA2 I/7. S. 691.]
[ ** ] Köln, 11. Sept.
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[ * ] Köln, 11. Sept.
Wir richten an die betreffenden Herren vom öffentlichen Ministerium folgende Interpellation:
Ist es wahr, daß gestern Nachmittag die Herren Salget und Blum der Jüngere, von Köln, nachdem sie in Kassel bereits einen Arbeiterverein gestiftet hatten, in Wesselingen, wo sie ebenfalls einen solchen zu stiften beabsichtigten, Abends um 8 Uhr, noch ehe sie ein Wort öffentlich gesprochen, noch ehe die Sitzung begonnen hatte, auf Veranlassung des Hrn. Pfarrers durch den Hrn. Bürgermeister v. Geier verhaftet worden sind?
Ist es wahr, daß dieser Verhaftung, die übrigens faktisch ist, nichts Anderes zu Grunde liegt, als die Denunziation des Herrn Pastors: die beiden Herren wollten (!) die Arbeiter aufhetzen?
Wird das öffentliche Ministerium, wenn die Sache sich so verhält, gegen eine solche empörende Ungesetzlichkeit einschreiten oder wird es — in Erwartung des Ministeriums Radowitz und der baldigen Aufhebung des freien Associationsrechtes, dem Hrn. Geier seinen Dank votiren?
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[ !!! ] Frankfurt, 9. Sept.
Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß das neue Reichsministerium wahrscheinlich folgendermaßen zusammengesetzt sein wird:
Baron v. Stockmar, Präsident;
Stedtmann (!), Inneres;
v. Meyern, Krieg;
v. Arnim, (früherer Gesandter in Paris), Aeußeres;
Compes (!), Justiz;
v. Hermann (München), Handel.
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[ 149 ] Berlin, 8. Sept.
So eben hat sich hier das Gerücht verbreitet, daß das Ministerium Auerswald nicht nur zu bleiben beschlossen, sondern sogar die Absicht habe, die Nationalversammlung aufzulösen. Im Falle die Potsdamer Camarilla diesen Gewaltstreich wagt, wird die Nationalversammlung ihre Schuldigkeit thun, und an das souveräne Volk appelliren. Die Folgen dieser Maßregel sind unberechenbar, der Sieg nicht zweifelhaft. Die Minister befinden sich heut den ganzen Tag in Potsdam, weshalb die Vereinbarungsversammlung auch die heutige Sitzung bald nach Eröffnung derselben vertagt hat.
Der Oberstlieutenant v. Baczenski, Kommandeur des 9. Regiments, soll heute Vormittag folgende Anrede an seine Soldaten im Kasernenhofe gehalten haben: „Soldaten! Ihr wißt was die Nationalversammlung gestern beschlossen hat. Ihr werdet daher wissen, was Eure Schuldigkeit ist. Wir gehorchen allein den Befehlen unseres allergnädigsten Königs und Herrn. Pommern! ich hoffe, daß die Tapferkeit und Treue Eurer Väter Euch zum edlen Vorbilde dienen wird.“
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[ 40 ] Berlin, 9. September.
Heute wurde an den Präsidenten der National-Versammlung durch den Abgeordneten Krackrügge abgegeben ein von 1565 Bürgerwehrmännern unterzeichneter sehr engerischer Protest gegen den Entwurf des Bürgerwehrgesetzes. Man verlangt ein auf freierer Basis begründetes Volksbewaffnungsrecht und will ergeblich appeliren an die Deutsche National-Versammlung, welche berufen sei, die Grundprincipien der innern und äußeren Verfassung des ganzen deutschen Volkes festzustellen. Man will durch dieses Gesetz die Souverainetät des Volks, die Revolution anerkannt sehen; man findet aber in dem Entwurf das alte gestürzte Regierungs-System wieder. Es erscheint dieser Protest deswegen bedeutsam, weil er eben aus Potsdam und von einer so großen Masse von Bürgerwehrmännern kommt.
Ein Begleitschreiben von den Bürgerwehrhauptleuten Bourtzutzschki u. a. verlangt von dem Präsidenten der National-Versammlung ausdrücklich: diesen Protest nicht ohne vorangegangenen Vortrag im Plenum der Versammlung zu den Akten schreiben zu lassen.
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[ 103 ] Berlin, 8. Sept.
Der Jubel des Volkes hatte gestern Abend einen unbeschreiblichen Ausdruck. Die ganze Bevölkerung Berlins fühlte sich gleichsam als Mitsieger des siegreich bestandenen Kampfes. Besonders schrieb sich die Bürgerwehr, durch ihre in den Adressen an die Vereinbarer-Versammlung ausgedrückte Festigkeit viel von dem glänzenden Erfolge bei. Es ist gewiß, daß einige unentschiedene Mitglieder des Centrums, wie der Abg. Dunker und Andere nur in Folge der sich mächtig aussprechenden Volksstimme für den Steinschen Antrag stimmten, denn am vergangenen Montag erklärte Dunker in meiner Gegenwart, daß er für Vertagung des Steinschen Antrags stimme, weil er ihn so, wie er gestellt ist, nicht annehmen könne und dagegen stimmen müsse, bis Donnerstag wolle er aber mit seiner Partei eine Vereinbarung versuchen. Durch die Festigkeit der Linken, streng an der Ausführung der Beschlüsse vom 9. August halten zu wollen, wurde jedoch jede Vereinbarung unmöglich. Also nur die Gewalt der öffentlichen Meinung hat die Schwankenden in der Versammlung zu Männern des Volkes gemacht und dadurch die große Majorität von 77 Stimmen erzeugt. (Es hat sich nämlich nachträglich gefunden, daß statt 152, wie gestern vom Bureau der Versammlung proklamirt wurde, nur 142 gegen den Steinschen Antrag gestimmt haben und 219 dafür.)
Große Volksmassen zogen gestern Abend vor das Hotel Mylius, wo die Linke ihre Abendversammlungen hält und brachten derselben begeisterte Lebehochs; die versammelten Abgeordneten traten auf die Straße und wurden jubelnd empfangen. Das letzte donnernde Vivat galt Waldeck, den das Volk schon als Ministerpräsident begrüßen zu können glaubte.
Dem Abg. Stein brachte das Sängerchor des Handwerkervereins in Begleitung vieler Tausende eine Serenade.
Bis spät nach Mitternacht war das Volk unter den Linden, an der politischen Ecke versammelt. Die Zeitungsblätter, welche die Berichte der Sitzung mittheilten, wurden beim Licht der Gaslaternen gelesen und die ausgebotenen Carrikaturen auf die Minister vermehrten die allgemeine Heiterkeit.
Wie sich seit gestern alles geändert, wie sich die Majorität der Minister in eine Minorität verändert hat, so scheint auch das Ministerium einen Gewaltstreich ausüben zu wollen, statt daß man bisher nur Gewaltstreiche des Volkes fürchtete.
Nach Eröffnung der heutigen Sitzung der Vereinbarer-Versammlung machte der Vicepräsident Philipps (der Präsident Grabow ist krank) die Mittheilung, daß ein Schreiben des Staatsministeriums folgenden Inhalts eingegangen sei: „daß das Staatsministerium sich in dem Falle befindet, dem Könige seine Beschlüsse, in Folge der gestrigen Verhandlungen mitzutheilen und stellt es daher anheim, da dasselbe der heutige Sitzung nicht beiwohnen kann, solche zu vertagen.“
Nach kurzer Debatte vertagt sich die Versammlung in Folge dieses Schreibens bis zur nächsten Sitzung (Montag).
Es ist allgemein aufgefallen, daß die Minister nur von ihren gefaßten Beschlüssen sprachen, aber keinesfalls von ihrer Entlassung, die sie nach konstitutionellen Grundsätzen doch jedenfalls dem Könige hätten einreichen müssen. Der Gedanke findet daher immer mehr Raum, daß sich die Herren Schreckenstein und Hansemann um jeden Preis am Ruder halten wollen und einen Gewaltstreich ausüben. Viele wollen dies aus dem letzten Satz der Hansemannschen Rede entnehmen, welcher lautet:
„Sie fordern Specielles, was nicht auszuführen ist. Wir thun es nicht! — Ein solches Ministerium, wie Sie es wollen, wird dann nichts sein, als ein Vollziehungsausschuß. — (Das Folgende spricht der Minister mit großem Pathos). Die Versammlung sollte darum bedenklicher sein und sich mit dem zufrieden erklären, was die Minister thun. Sie sollte ihre größte Ehre darin bestehen lassen, das Wohl des Landes zu fördern. Ich meinerseits gäbe in solchen Fällen lieber etwas nach und glaube, daß die Versammlung das Wohl des Landes damit fördert. Man hat auf Deutschland und ganz Europa hingewiesen. Die Versammlung werde die Achtung verlieren, wenn sie nachgäbe. (Mit gesteigertem Pathos.) Nein, meine Herren, Sie werden nicht die Achtung verlieren, denn sich selbst mäßigen, ist die höchste Aufgabe der gesetzmäßigen konstituirenden Versammlungen. Und diese Mäßigung sollte Ihnen zur Unehre gereichen? — Nein! Preußen wird nicht stürzen in der Achtung Europas und Deutschlands. Wollen Sie um Kleinigkeiten — denn Kleinigkeiten sind es — einen Konflikt herbeiführen? Es knüpft sich vielleicht daran Preußens Bestehen als große Macht, Berlins Bestehen als Hauptstadt eines großen Staats. Europa, Deutschland werden einen solchen Beschluß nicht für weise halten, er schwächt die Regierung und kann machen, daß Preußens Stern erbleicht.“
Da Hr. v. Schreckenstein ein großes Gelüste nach einem Bombardement der Stadt Berlin haben soll, so bezieht man die Worte Hansemanns, Berlins Bestehen sei durch die Annahme des Steinschen Antrages gefährdet auf dies Kartätschengelüste. — Die Beschlüsse des Ministeriums, welche es dem Könige heute vorlegt, können ja möglicherweise einen Aufstand und das Bombardement herbeiführen.
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[ 40 ] Berlin, 9. Sept.
Ich theile Ihnen hierdurch mit, daß ich Ihnen nichts von Wichtigkeit mittheilen kann. Dieses ist gewiß eine wichtige Mittheilung in dieser Krisis. Sollte Ihnen aber etwa noch nicht bekannt sein, daß der König die Entlassung des ganzen Gesammt-Ministeriums angenommen, so möge Ihnen dies gesagt sein. So hat wenigstens der Ex-Minister Auerswald, Bruder des Ex-Minister-Präsidenten Auerswald, versichert. Offiziell ist darüber noch nichts. In mehreren Parteiversammlungen wurde gestern Abend versichert, daß, nach der Aussage einiger höherer Offiziere, freilich im Widerspruche mit der National-Zeitung, welche Beckerath als künftigen Minister-Präsidenten bezeichnet, der König in Charlottenburg sich entschlossen habe, den Abgeordneten, Geh. Ober-Tribunalrath Waldeck mit der Bildung des neuen Kabinets zu brauftragen. — Vor dem Hotel Mylius, in welchem die Linke ihre Versammlungen hält, erschien gestern Abend wieder eine zahllose Volksversammlung, an deren Spitze ein Sängerchor. Man brachte abermals der Linken eine Serenade. Die Abgeordneten Waldeck, Behrends, Stein, d'Ester, Krackrügge, Schulz (Wanzleben), Arnold Ruge (Deputirter aus Frankfurt), Elsner, Temme, Reichenbach, Brill und Behnsch wurden gerufen und sprachen zum Volke. — Aus den Provinzen kommt ein Sturm von Petitionen um Aufrechthaltung des Beschlusses vom 9. August. Es ist zu spät damit. Die Souveränetät der Versammlung ist bereits gesichert (?), und auf das feste Fundament des 9. September wird fortgebaut werden (?).
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[ 103 ] Berlin, 9. Sept.
Die Minister haben ihre Entlassung eingereicht, aber der Prinz von Preußen und die Camarilla denken nicht daran, dem konstitutionellen Prinzip gemäß, Mitglieder der Majorität aus der Volksvertretung zu berufen, um sie mit der Bildung eines neuen Ministeriums zu beauftragen. Vielmehr schlägt man einen ganz neuen Weg ein. Man will das neue Ministerium nur aus Männern bilden, die nicht Mitglieder der Vereinbarerversammlung sind, damit sie in allen Fragen ungebunden dastehen und sich nach den Umständen drehen und wenden können. Zu diesem Zweck sollen Beckerath, Mewissen und Vincke von Frankfurt und Pinder von Breslau herberufen sein. Auch von Flott- [0502] well, Bunsen, Radowitz und andern hohen Beamten wird gesprochen. Ein solches Ministerium wünscht unsere Aristokratie, die durch ihren hier durch Bülow-Cummerow gebildeten permanenten Ausschuß zur Wahrung der Interessen des Grundbesitzes, auf den Prinzen von Preußen großen Einfluß hat. Ein solches Ministerium würde uns einer entscheidenden Krisis entgegenführen. Der größte Theil der hiesigen Bevölkerung schwärmt für ein Ministerium der Linken und träumt schon von der allgemeinen Amnestie für alle politischen Verurtheilten und in Untersuchung sich befindenden Vergehen. Von einem Ministerium des Prinzen von Preußen hätten wir dies wohl aber nicht zu erwarten. Das wird gleich Anfangs Stoff zu neuer Aufregung geben, besonders da die Verhaftungen der Volksredner und Demokraten immer noch fortgesetzt werden.
Einen Jubelruf können wir mit Gewißheit wiederholentlich ertönen lassen, denn Hansemann, der große Finanzminister, ist unmöglich geworden. Ein Ministerium der Linken wird ihn, wie sich das von selbst versteht, keinesfalls aufnehmen. Aber auch ein reaktionäres, wie es der Prinz von Preußen oder die Kamarilla durchsetzen werden, wollen ihn nicht. Das Organ dieser Partei, die „Neue Preußische Zeitung,“ sagt folgendes über Hansemann: „Dieser geht der Revolution im Sturmschritt voran und schwingt die rothe Fahne. Seine Konfiskationspläne, in Verbindung mit dem Renten-Ablösungsprojekt, welches Staats- und Privatgut Millionenweise zum Fenster hinaus und nicht etwa den Armen, sondern wohlhabenden Leuten in den Schooß wirft, können nicht als Finanz-, sondern als Revolutionsmaßregeln gemeint sein, die den Kern des preußischen Staats, den großen Grundbesitz — die Pflanzschule der Führer unserer Armee, die seit Jahrhunderten die preußischen Schlachtfelder mit ihrem Blute düngen — ins Herz treffen, sie arm machen und ihre Treue der Krone entfremden sollen, der Krone, welche durch Einwilligung in solchen Raub ärger als fremde Eroberer sie mißhandeln würde. Herr Hansemann weiß wohl, was Urwahlen nach der Kopfzahl sind, dennoch soll er so dreist gewesen sein, den Deputirten der Grundbesitzer anzudeuten: sie müßten so getreten werden, da die Wahlen ergäben, wie fern die Nation ihnen stehe; während umgekehrt die Thatsache, daß der Kern der Nation in der Singakademie fehlt, beweist, wie fern diese Versammlung der Nation steht. So viel Gewalt und Unrecht hat denn nun auch endlich das Land aufgeregt, zusammen zu treten zu immer zahlreicheren und thätigeren Vereinen, um einer Tyrannei entgegen zu arbeiten, welche der Bonaparte's nichts nachgibt, welche uns vor 35 Jahren zu dem Aufschwunge der Freiheitskriege erweckte.“
So spricht unsere Aristokratie über Hansemann. Hansemann hat es mit allen Parteien verdorben und er hat nur noch einen kleinen Anhang in unseren Börsenmännern, der aber verschwindet, sobald sie sehen, daß unter dem neuen Finanzminister die Kourse um einige Prozente steigen. Unsere Voß'sche Zeitung ist ein treuer Ausdruck dieser Klasse und demnach schließt sie auch heute ihren leitenden Artikel mit den Worten: „Wünschenswerth würden wir es halten, daß jedenfalls Herr Hansemann, mit Rücksicht auf die wichtigen von ihm begonnenen Reformen, in das neue Ministerium überginge.“!!
Soeben verbreitet sich das Gerücht, daß Rodbertus zum König berufen sei, was wir jedoch nicht verbürgen können.
General Wrangel war heute hier anwesend und befand sich während des ganzen Vormittags mit dem König und dem Prinzen von Preußen in Charlottenburg in Konferenz. Der General soll schon wieder abgereist sein. Die Schleswig-Holstein'sche Frage macht unsere Ministerkrisis noch verwickelter. Die Nachfolger des jetzigen Ministeriums werden dessen Nachlaß nicht pure übernehmen wollen und die Verständigung darüber mit dem König wird sehr schwer halten.
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Berlin, 9. Sept.
Um Mittag verbreitete sich das Gerücht, der König habe die Entlassung der Minister nur unter gewissen Bedingungen angenommen; werde die Nationalversammlung sich diesen widersetzen, so stehe ihr eine Auflösung bevor, die unter dem Schutze der Kanonen und, sagen Manche — eines Martialgesetzes für Berlin, erfolgen soll. Wir erwähnen dieses Gerüchtes wegen der großen Aufregung die es in der Stadt hrrvorbringt.
[(B. Z. H.)]
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Berlin, 9. Sept.
Bereits am gestrigen Tage haben sämmtliche Minister bei des Königs Majestät ihre Entlassung nachgesucht. Seine Majestät haben Sich Allerhöchstihre Entschließung vorbehalten.
Im Laufe des heutigen Vormittags ist der Präsident der Nationalversammlung, Grabow, zu Seiner Majestät nach Sanssouci eingeladen worden.
[(St. A.)]
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[ 61 ] Wien, 6. September.
— Die heutige Sitzung des Reichstags war von besonderer Wichtigkeit, denn die bisherige „naive Demokratie“ desselben ist zum Durchbruch gekommen: sie hat sich in einer slavischen Fanatismus verwandelt, an dessen Spitze sich die Insolenz einer neu erfundenen Nationalität gestellt hat, — ich meine die der Czechen. — In Oesterreich wachsen die Nationalitäten jetzt aus der Erde und je unbedeutender, gestalt- und gehaltloser sie sind, um so toller gebährden sie sich. Und weil sie für sich allein einflußlos bleiben müßten, verschwören sie sich mit dem Absolutismus wider die Freiheit. Der ladstockartige Stadion ist bei diesem Kampf die fünfte Figur in der Quatrupelallianz, Jellachich, Windischgrätz, Radetzki, Montekukoli. —
Die Sitzung begann mit Vorlesung und Annahme des Protokolls; Beurlaubungen; Petitionsvorlesung, woraus ein Abgeordneter Veranlassung nahm, die Trägheit der Petitionskommission zu rügen; Wahlen zum Konstitutionsausschuß u. s. w., worauf eine breitgetretene Protestation Klaudy's (Czeche) verlesen wurde. — Wogtech (Steiermark) interpellirte den Finanzminister Kraus, ob es wahr sei, daß die Aemter an der kroatischen Grenze angewiesen worden seien, alle Gefälle an Jellachich abzuliefern und sich mit den ungarischen Behörden nicht einzulassen? Kraus weiß natürlich nichts davon. Interpellant beruhigt sich aber keineswegs damit, sondern macht dem Minister Vorwürfe über seine verdächtige Unwissenheit.
Jonak (Czeche) interpellirt wegen der von Ungarn zu leistenden Zahlungen; Kraus antwortet, daß dieselben theils anerkannt, theils bestritten seien, daß aber vorläufig noch gar nichts bezahlt worden.
Polaczek (Czeche.) Ob das Kriegsministerium den Befehl gegeben, 18000 Grenzer aus Italien nach Ungarn zu senden und dieselben durch deutsche Truppen ersetzen zu lassen. Latour weiß natürlich nichts davon. Derselbe Abgeordnete interpellirt den Finanzminister daruber, ob der verschwundene, ehemalige Staatsrath noch Gehalt beziehe. Er will auf sie Schwarzers Wort: „Wie die Arbeit, so der Lohn“ angewendet wissen.
Kraus versichet, der alte Staatsrath bezöge nur Pension.
Schmitt (Wien, ehemaliger Präsident) beantragt, daß die über den Antrag Kudlich's gefaßten Beschlüsse durch den Vorstand ungesaumt zu ordnen seien, der Beschluß über den Bier- und Branntweinzwang dem Lasserschen Antrag beigefügt und der redigirte Beschluß dem Ministerium zur Kundma- übermittelt werde. —
Löhner beantragt, zur Redaktion der Beschlüsse sofort eine Kommission zu ernennen, die Diskussion aber bis dahin zu verschieben, daß das Ministerium auf die gestrige Interpellation Borrosch's geantwortet habe. Er motivirt diesen Antrag, indem er unter anderm der Meinung ist, es handle sich hier um die Frage, ob die Kammer sich für souverän halte oder nicht; sie sei eine konstituirende, nicht eine gesetzgebende, es bedürfe daher nicht der Sanktion des Kaisers, die Kammer habe die Machtvollkommenheit, ihre Beschlüsse selbst kundzumachen. Borrosch redet in demselben Sinne. Der Antrag wird unterstützt, wobei aber alle Czechen und ein Theil der Polen sitzen bleiben.
Rieger (Czeche) gegen den Antrag Löhners. Die Beschlüsse über die Aufhebung der Unterthänigkeit seien kein Theil der Konstitution, also auch kein für sich bestehendes Gesetz. — So lange die Konstitution nicht fertig sei, müsse die Kammer ihre Beschlüsse anticipando durch den Kaiser sanktioniren lassen und werde demohnerachtet ein konstituirende bleiben. — Er macht der Gegenseite den Vorwurf des Republikanismus.
Brest: (Wien) ist für den Antrag Schmitt's, weil er keine Redaktion durch eine Kommission will. Hinsichtlich der kaiserl. Sanktion beruft er sich auf die belgische Konstitution, nach welcher der König nur ein Bestätigungsrecht habe. Weißt die ungegründete Anklage Riegers betreff republikanischer Tendenzen zurück; es sei ein Unterschied zwischen einem konstituirendem und zwischen einem gesetzgebenden Reichstage; der erste sei durchaus souverän, seine Beschlüsse hätten Gültigkeit ohne Sanktion.
Borkowski (Galizien) vertheidigt mit logischer Schärfe und mit Beredsamkeit den Antrag Löhners und verwahrt sich gegen die Verdächtigung Riegers. Die Beschlusse der Kammer seien ein Theil der Verfassung und also auch wie diese zu behandeln. Das Ministerium sei voreilig gewesen, als es am Samstag dem Reichstag das Recht bestritten, mit dem Volke durch die Kundmachung dieser Beschlüsse zu verkehren. —
Beck (Czeche) macht darauf aufmerksam, daß am Freitag und Samstag keine Sitzung sei, die Verschiebung der Diskussion also nicht stattfinden dürfe. Gegen Lohner. —
Borrosch (Prag.) Bei seinem Aufstehen beginnen Schulmeister Palacky und Ministerkandidat Fürst Lubomirski mitleidig zu lächeln. Alle Czechen machen Chorus Borrosch geißelt dafür Ministerium und Kammer mit beißender Ironie und prophetischer Lehre. Er sagt, die Sanktion sei weder eine Genehmigung noch eine Verweigerung, sie sei nichts als eine Vereinigung der exekutiven und legislativen Gewalt durch Gültigkeitserklärung eines Gesetzes; ein erster Reichstag könne von Niemand aufgelöst werden; das Volk habe dem Kaiser vertraut, daß er den Reichstag ungefährdet lassen werde; es habe ihm sogar ein zweitesmal vertraut und es sei daher Gewalt, den konstituirenden Reichstag jetzt schon in einen gesetzgebenden umzuwandeln. — Demokratischere Reichstage wurden kommen, als dieser, wenn man diesen vernichte. (Großer Beifall) Er danke übrigens dem Ministerium, daß es den Zwietrachtsapfel so geschickt durch Kabinetsfragen eingebracht (Lachender Beifall), es möchte in Zukunft vielleicht weniger Kabinetsfragen einzubringen Gelegenheit haben.
Löhner hat als Antragsteller noch einmal das Wort. Er sei der Debatte mit großem Interesse gefolgt und habe sich an der Schlagwortkanonade der Gegner nicht wenig geweidet. Die Prinzipienfrage sei von seiner Seite durchaus nicht in Anregung gebracht worden. Der Antrag Schmitts sei blos eine Instruktion für die Kommission, wie sie redigiren solle; die Weiterbeförderung dieser Redaktion ohne Wiederanfrage in der Kammer müsse allerdings für die Gegner höchst erwünscht sein. (Bravo.
Schmitt, der die Stadion-Czechen und Slaven absichtlich unter den Deutschen herausgenommen, um für sie die Kastanien aus den Kohlen zu holen wiederholt mit unvernehmlicher Stimme, was er schon zur Begrundung seines Antrags gesagt Er ist in der Kammer, was Schwarzer im Ministerium.
Präsident Strobach will beide Anträge als parallele zur Abstimmung bringen.
Goldmark versteht nicht den Ausdruck parallel.
Präsident verbittet sich eine Belehrung über Worte, die er anwende.
Lohner verlangt, daß über seinen Antrag als einem bloßen Verbesserungsantrag, vor dem Schmitt'schen Hauptantrag, abgestimmt werde.
Präsident will, nachdem die Tages- und Rangordnung angenommen. Löhners Antrag zur Abstimmung bringen, als ein Abgeordneter die Abstimmung mit Namensaufruf, Klaudy aber das Aussetzen der Sitzung für zehn Minuten verlangt. Die Sitzung wird um 2 Uhr suspendirt.
Während der Pause sieht man die Czechen sich zu den galizischen Bauern drängen; namentlich zeigen sich Stadion, Palacky, Lubomierski, Schriftführer Streit und andere dabei äußerst thätig.
Nach Wiedereröffnung der Sitzung will Präsident Strobach den Antrag Löhners theilen, die Kammer ist aber der Meinung, daß über den ganzen Antrag auf einmal abgestimmt werde. Löhners Antrag wird mit 138 Stimmen verworfen; 64 Abgeordnete waren abwesend. (Unterbrechung.) Stadion nähert sich gravitätisch und mit wohlgefälligem Lächeln seinem Mitverschworenen Bach; eine Gruppe, in welcher Palacky und Lubomiersky, bildet sich um ihn.
Bach bedankt sich bei den Dalmatinern für die Abstimmung, ebenso bei den abtrünnigen Polen, von welchen nur zwölf auf deutscher Seite geblieben sind.
Hubicki (Galizien): Graf Stadion hat vor der Abstimmung auf eine solche Weise auf die galizischen Bauern influenzirt, indem er ihnen gesagt, sie schafften den Kaiser ab, wenn sie mit Ja stimmten, daß … (Zischen, Bravo, Tumult) Wenn die Kammer nicht den Muth hat … (Bravo, Zischen, Tumult) ich habe den Muth zu reden; die Abstimmung ist nichtig! (Lärm).
Präsident Strobach ruft den Redner zur Ordnung.
Hubicki beruft sich auf das Zeugniß der Bauern.
Präsident ersucht ihn, diese Beschwerde schriftlich einzureichen. (Ruf zur Tagesordnung).
Nun wird der Antrag Schmitts in den einzelnen Paragraphen und dann auch im Ganzen mit einigen Modifikationen angenommen.
Palacky stellt den Antrag, daß die Redaktionskommission nach den Gouvernements gewählt werde. Die Sitzung wird um 4 Uhr unter großer Aufregung aufgehoben.
Schwarzer, Dobblhoff, Hornbostel wurden von der Stadion-Gruppe gänzlich ignorirt und saßen auf ihren Banken, wie arme Sünder, die gewiß sind, von der Reaktion mit Verachtung vor die Thüre gethan zu werden. Der Verräther Bach hat sich seine Ministerstelle gesichert; er wird sich Stadion unbedingt fügen.
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@facs0502
Wien, 6. Sept.
So eben ist eine Abstimmung im Reichstage gefallen, welche das Verhältniß der konservativen Majorität bestimmt. Da morgen die ministerielle Erklärung auf die drei Borrosch'schen Fragepunkte erwartet wird, so wünscht die konservative Partei heute schon ihre Stärke zu entfalten. Schmidt machte den Antrag, die Urbarialbestimmungen schnell zu redigiren und die Sanktion des Kaisers zu überreichen. Böhm stellte einen Gegenantrag, welcher jedoch bei der Abstimmung fiel. Ministerielle Majorität: 64 Stimmen. Schmidt's Antrag wurde dafür mittelst Aufstehens angenommen. Damit wäre denn die Frage der Sanktion umgangen.
Aus vollkommen zuverlässiger Quelle können wir die Nachricht mittheilen, daß vom Kriegsministerium Befehle ergangen sind, daß morgen die „gesammte Garnison sich in Waffenbereitschaft finde“ und daß ein irgend wie „entstandener Krawall sofort niedergeschlagen werde, ohne daß die befehlhabenden Offiziere von Nöthen haben sollen, erst höhere Verwaltungsbefehle einzuholen“.
Der demokratische Verein hat sich in Permanenz erklärt. Offenbar nähern sich hier die Dinge der Entscheidung, doch wird sie diesmal wohl eine unblutige sein.
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@facs0502
Wien, 6. Sept.
Als Nachtrag zu den Ministerkombinationen erzählt man, daß Pillersdorf die Finanzen übernehmen soll, der Mann, gegen welchen der Abgeordnete Sierakowski eine motivirte Anklage angemeldet und auf dessen Schultern Montecuculi den 26. Mai gewälzt hat. Neben dem Metternichianer Bruk wird Meyern für die öffentlichen Arbeiten genannt.
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@facs0502
[ * ] Wien, 5. Sept.
Die von uns mitgetheilte Nachricht, die Annahme der französisch-britischen Vermittelung in Italien hat sich bestätigt.
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@facs0502
Breslau, 5. Septbr.
Wie wir hören hat sich der hiesige demokratische Verein an die Frankfurter Versammlung mit einer förmlichen Appellation gegen das zu Berlin beschlossene Bürgerwehrgesetz gewendet. Noch mehrere derartige Gesetze von Berlin aus, und es werden, wie wir fürchten, Bestrebungen nach einer Trennung der Schlesischen Interessen von denen Preußens an den Tag treten, von deren Stärke man schwerlich bisher eine Ahnung gehabt hat.
[(Ostsee-Z.)]
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@facs0502
[ 41 ] Aus Thüringen, 8. Sept.
Die Thüringer Volkstage gewinnen immer mehr an politischer Bedeutung, und in demselben Maße an Haß bei Beamten, besonders bei preußischen. Die Regierung zu Erfurt ist diesen Volkstagen ebenfalls sehr gram. Wenn in Berlin ein mehr volksthümliches Ministerium ernannt wird, dann dürfte die Regierung wegen der bekannten Maßregel zur Verantwortung gezogen werden, durch welche sie die Freiheit zu Volksversammlungen beeinträchtigt hat. Auf den 17. d. M. ist der fünfte Thüringer Volkstag ausgeschrieben, und zwar zu Gr. Breitenbach im Schwarzburg'schen, und, nach dem Programme zu schließen, werden wohl wieder viele tausend aus aller-Herren-Länder Thüringen's zusammenströmen. Der Gründer und erste Führer der Thüringer Volkstage ist der Buchhändler v. Berlepsch zu Erfurt, bekanntlich auch ein Opfer der Erfurter Bureaukratie unter dem Systeme Bodelschwingh-Uhden. Es übt jetzt dieser Mann einen außerordentlichen Einfluß auf die Gemüther, und die große Masse ist ihm treu ergeben.
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@facs0502
[ 68 ] Dessau, 6. Sept.
Es giebt eine Masse Blätter, die sich sogar demokratische nennen, und die gleichwohl so bornirt sind, daß sie das Ministerium „Habicht“ als ein „demokratisches“ darstellen und lobpreisen. Das Ministerium Habicht ist ein volksverrätherisches, wie es nur irgend eins gegeben, und Hr. Habicht um keinen Deut besser als Hr. Mathy, ja noch viel schlimmer. Denn während letzterer seine heuchlerische Maske bereits abgeworfen und sich als preußischen Gensd'armen bewährt hat, ist Hr. Habicht noch immer frech genug, die Rolle eines Demokraten fortzuspielen. Es wird aber bald die Zeit kommen, wo er entlarvt dastehen und von Glück reden wird, wenn seine Laufbahn nicht unter dem Ruf endet: à la lanterne! Selbst die hiesigen Volksvertreter von der linken Seite fangen an, über diesen Judas en miniatüre klar zu werden. Es sind ihrer freilich nur 8 gegen 22; aber die Masse des Volkes ist auf Seiten der Acht. Die Intriguen und Verräthereien des Hrn. Habicht, der das Ländchen durchaus mit Preußen vereinigen will, werden scheitern, trotz der 22, die in der Kammer für ihn stimmen.
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@facs0502
Altona, 9. Sept.
Gestern in den ersten Nachmittagsstunden befand sich unsere Stadt in großer Aufregung. Es sollten nämlich sechs preußische Soldaten aus nicht genau bekannt gewordenen Gründen zur Untersuchung nach Berlin geschafft werden. Auf die Kunde davon drangen große Volksmassen, mehrere bewaffnete Freischärler an ihrer Sitze, gegen die Hauptwache auf dem Rathhausmarkte vor und machten die Gefangenen frei. Die Bürgerwehr wurde zusammengerufen, da aber die Offiziere erklärten, sich weder zu polizeilichen noch zu militärischen Exekutionen hergeben und auf keine Weise zum Blutvergießen Veranlassung bieten zu wollen, so wurden die Gefangenen wie im Triumphe fortgeführt; sie befinden sich in diesem Augenblicke noch in Altona, wollen sich aber ihren Vorgesetzten stellen.
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@facs0502
Hamburg, 8. Sept.
Nachdem gestern auf amtlichem Wege von dem Chef des Generalstabes des 10. Bundes-Armee-Korps dem Hamburger Senate die Mittheilung gemacht worden war, daß ein Theil dieses Korps diesseits der Elbe Standquartier nehmen solle, ist dem Senate heute Morgen von derselben Behörde die Anzeige zugegangen, daß dieser Beschluß wieder zurückgenommen sei und die Truppen ohne Aufenthalt ihren Rückmarsch über die Elbe fortsetzen werden.
[(Börs.-H.)]
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@facs0502
[ 43 ] Oldenburg, 7. Sept.
Der Landtag hat in seiner heutigen Sitzung die durch verwirrte Erbschafts-Geschichten konfusen Verhältnisse der einzelnen Landestheile mit einem „kühnen Griff“ geordnet, und das Großherzogthum für einen untheilbaren Staat erklärt. Durch diesen Beschluß sind die Ansprüche der Agnaten aufgehoben.
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@facs0502
[ * ] Mainz.
Die Brutalitäten der lieben preußischen Soldateska nehmen wieder in vielversprechender Weise zu. Wie diese Horden gegenwärtig in Mainz hausen, geht aus folgenden Mittheilungen der „Fr. O.-P.-A.-Ztg.“ hervor:
Mainz, 8. Sept. Heute, Freitag, wo unser Haupt-Wochenmarkt gehalten wird, bei welcher Veranlassung die Stadt gewöhnlich lebhafter als sonst ist, wurde der Markt durch einige Händel suchende Soldaten gestört, so daß die Ladenbesitzer schließen mußten und die Landleute sich beeilten, die Stadt zu verlassen. Einzelne Fremde, die gerade mit dem Dampfboote hier anlangten, fuhren schnell wieder ab. Vor einer halben Stunde wurde aus dem preußischen Militärgefängnisse des Eisenthurmes von einem Soldaten der Wachtmannschaft auf das gegenüber liegende Haus des Weinwirthes Racky geschossen, ohne glücklicherweise Jemand zu treffen, indem die Kugel im Fenstergesimse stecken blieb. Von herbeigeeilten österreichischen Patrouillen wurden vier preußische Soldaten im Militärgefängnisse selbst arretirt und auf die österreichische Hauptwache gebracht. In der Quintinsgasse haben heute Morgen die Preußen im Vorüberlaufen sämmtliche Fenster und Montres des Erdgeschosses zertrümmert. Für heute Abend befürchtet man großen Lärm.“
Mainz, 8. Sept. Heute Abend waren wir Zeuge einer fürchterlichen Scene. Ein Arbeiter am Rheine hatte im Laufe des Mittags vorübereilende Preußen von einer Landungsbrücke der Dampfschiffe aus verhöhnt. Als nun später eine aus Preußen und Oesterreichern bestehende Patrouille hinzukam, begab sich der Mann in einen Nachen und stieß vom Ufer ab, um sich der Arrestation zu entziehen. Andere Rheinarbeiter eilten ihm mit Schiffgeräthen zu Hülfe. Als sie das Ufer wieder zu erreichen suchten, sollten sie festgenommen werden. Sie stießen ab und vereitelten mehrere Stunden lang alle Anstrengungen der Soldaten, ihrer habhaft zu werden. Endlich stiegen preußische Soldaten ebenfalls in einen Nachen und verfolgten erstere; diese bemühten sich, durch die Rheinbrücke zu kommen, welche von Truppen wie besäet war. In dem Augenblicke, wo der verfolgende Nachen den Arbeitern dicht auf der Ferse war, sprangen diese in den Rhein. Einer davon wurde von den Verfolgern ergriffen, der Andere schwamm glücklich durch die Brücke, aber dem Dritten schlug ein in dem Brückenschiffe befindlicher Soldat mit einem Haken zweimal auf den Kopf; er schwamm zwar noch einige Sekunden, ertrank aber dennoch, durch die erhaltenen Schläge betäubt. Auf diese That selbst folgte ein weittönendes Hurrah der anwesenden Soldaten.“
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@facs0502
[ 16 ] Prag, 6. Sept.
Wir werden vom 1. Oktober an eine „deutsche Zeitung“ aus Böhmen haben, deren Redakteure die Herren Gutt und Dr. Klier sind und welche die deutschen Interessen im Sinne des innigsten Anschlusses an Deutschland vertreten wird. Sie wird vom hiesigen konstitutionellen Vereine herausgegeben und ist als Organ aller Deutschböhmen auf dem Congresse derselben in Teplitz anerkannt worden. Sie werden bereits die Vorgänge dort erfahren haben, und die Stimmung, welche dieselben hier erregen, wohl errathen können. Die öffentliche Meinung äußert sich unverholen darüber, ob das die Früchte des Strebens nach Vereinigung seien, welches alle Rechtlichgesinnten so eifrig anstreben. Die deutschen Kreise sagen sich von jeder Verschmelzung mit den Tschechen hinsichtlich der Provinzialvertretung und Verwaltung los und bedenken nicht, daß sie hier mit der Bildung eines slavischen Reichs sozusagen in die Hände arbeiten, indem ein noch engeres und innigeres Anschließen der slavischen, in Oestreich die Mehrheit bildenden Völkerschaften die Folge des Centralisationssystems sein wird. Daß auf der andern Seite die Tschechen wieder auf den Föderativstaat hinarbeiten, ist eben so erklärlich, indem dadurch die Provinziallandtage nöthig werden, die nur einen vortheilhaften Einfluß auf die Entwickelung des überwiegenden slavischen Elementes haben können, wenn auch tausendmal die völlige nationelle Gleichberechtigung als Basis der Provinzialverfassung hingestellt wird.
Die Reorganisirung der Nationalgarde geht rüstig vor sich; die Compagnien sprechen sich nach Stimmenmehrheit über das deutsche und böhmische Commando aus und von einer Abstimmung der Compagnien wird es alsdann abhängen, ob das Oberkommando deutsch oder tschechisch sein wird. Ueber das Sonderkorps Swornost ist endlich der Ministerialbescheid angekommen, es bleibt aufgelöst, das Tragen der Abzeichen desselben fernerhin ist aber nicht verboten.
Der Beschluß der Teplitzer Versammlung hat natürlich das nationelle Parteiinteresse wieder in eine Frage gezogen, welche uns alle in gleich hohem Grade interessirt, nämlich der Anschluß Oestreichs an den deutschen Zollverein. In Deutschböhmen hat man [0503] diesen Anschluß aus dem Grunde der Nationalität in den Vordergrund gestellt, daß unter einem Volke keine Zollschranken stehen dürften und alle anderen Gründe außer Acht gelassen. Hier ist das etwas anderes, hier haben wir eine nationelle Antipathie gegen jede Vereinigung mit Deutschland und eine kommerzielle würde die politische nicht mehr lange auf sich warten lassen. Allein trotzdem scheint sich die Meinung Bahn zu brechen, daß der Fall der Zollschranken zwischen Deutschland und Oestreich letzterem nur günstig sein könne. Der östreichische Handel concentrit, würde unendlich gewinnen. Nicht nur, daß der Transito, welcher vom Zollverein aus früher aus der Schweiz über Genua nach dem Orient proponirt war, seinen Weg durch die östreichischen Provinzen nach dem adriatischen Meere um so sicherer nehmen wird, findet auch die östreichische Flotte als Vereinsflotte einen sichern Schutz und weder England noch Frankreich wird einen Krieg mit Oestreich wagen, wenn es auch materiell mit Deutschland verbunden ist. Das Parlament wird um so vortheilhaftere Handelsverträge schließen können, indem ein Vertrag von 70 Mill. Consumenten etwas anderes ist, als der mit einem kleinen Staate. Vor allem aber keine lange Uebergangsperiode, denn je länger sich Oestreich ausschließt, desto mehr strengt sich die zolldeutsche Industrie an, die vorzüglichsten östreichischen Produkte im Vereine zu ersetzen und je länger Zeit man dazu läßt, desto gefährlicher wird diese Konkurrenz. Ich glaube daher, daß der größere und intelligentere Theil der böhmischen Industriellen von seinen egoistischen Irrthümern selbst zurückkommt, wenn er die heutigen Tagesverhältnisse mit den großartigen Tendenzen einer nationalökonomischen und kommerziellen Vereinigung mit Deutschland richtig erfaßt, zumal da ein großer Theil der kaufmännischen Welt selbst durch das allen Verkehr abschneidende Prohibitivsystem in einer gänzlichen Unkenntniß aller auswärtigen Verhältnisse erhalten ist; es ist ausgemacht, daß, solange Belgien und die Schweiz ausgeschlossen bleiben, die böhmische Industrie nicht nur für alle ihre wichtigen Zweige einen guten Markt finden wird, sondern daß auch die minderwichtigen durch die ausländische Konkurrenz nicht untergehen werden.
Italien.
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@facs0503
[ * ]
Das neapolitanische Geschwader ist nun wirklich gegen Sizilien hin aufgebrochen. Es wird sich bald zeigen, ob Frankreich und England die bombardirende Majestät von Neapel ihre Lieblingspläne ungestört zur Ausführung bringen lassen — Der Herzog von Modena hat mit seiner Kamarilla ein Bürgerwehrgesetz ausgearbeitet, in welchem sich unter andern schönen Bestimmungen auch folgende finden: Fahnen und Kokarden sollen die estensischen sein; die Bürgergarde schwört Treue dem östreichisch-estensischen Hause; ein Drittel der Bürgergarde wird stets mobil gehalten, um auf ein Zeichen des Herzogs zur Vertheidigung seiner Souveränetätsrechte zu maschiren, wohin er befiehlt; vom Lieutenant aufwärts ernennt der Herzog allein sämmtliche Ofiziere etc. Die Bürger sind entschlossen, den Eid zu verweigern und das Gesetz, sobald es erscheint, zu zerreißen und den Flammen zu überliefern. In Parma soll es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen dem Volk und den Oestreichern gekommen sein, indem Letztere eine starke Contribution ausschrieben und als sie binnen 4 Stunden nicht beisammen war, Gewalt anwandten.
Der sardinische Gesandte in Florenz hatte das Journal „il Popolano“ wegen Injurien und Verläumdungen gegen Karl Albert gerichtlich belangt. Am 31. August wurde der Prozeß verhandelt: die Geschworenen erklärten nach kurzer Berathung: „nicht schuldig.“ Livorno ist ruhig.
Kaum hat der Pabst die Kammern so plötzlich vertagt, daß die letztern kaum wußten, wie ihnen geschah: so folgt Ferdinand von Neapel diesem Beispiele. Die Kammern sind dort ebenfalls vertagt. So gewinnt die reactionäre Partei überall freie Hand. In Toscana steigende Erbitterung wegen Suspendirung der konstitutionellen Garantien. Einige 100 Polen sind in Livorno angelangt; sie begeben sich nach Venedig, um gegen Oestreich kämpfen zu helfen. Die Vorfälle in Genua (in Folge der willkürlichen Verhaftung de Boni's) zeigen, daß die Camarilla noch nicht stark genug ist, um in jener Stadt ihre Pläne durchzusetzen. Turin spricht laut seine Billigung aus zu dem Verfahren der Genuesen. Die Piemontesen verlangen, daß wegen des Eintritts eines neuen Kabinets die vertagten Kammern schleunig zusammengerufen werden. Statt dessen geht aber das Kabinet Revel damit um, die Kammern völlig aufzulösen. Unter solchen Umständen macht der Eid, den jetzt die Truppen auf die Verfassung leisten — wie dies am 3. d. in Turin geschah — geringen Eindruck.
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@facs0503
Mailand.
Aus einer Kundmachung des Militärgouverneurs v. Wimpffen vom 4. d. ersieht man, daß einige den Versuch erneuern, das Cigarrenrauchen in Verruf zu bringen. Denjenigen, welche die Cigarrenraucher in ihrer individuellen Freiheit zu beeinträchtigen sich erlauben sollten, wird mit der Strenge des Militärgesetzes gedroht,
Französische Republik.
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@facs0503
[ 16 ] Paris, 9. Sept.
Die Klubs entwickeln viel Thätigkeit; in dem des Bazar Bonne Nouvelle waren gestern 2400 Männer (Frauen sind bekanntlich auf Specialantrag des protestantischen Herrn Pastor Athanasius Coquerel, desgleichen Unmündige, seit der Juni-Insurrektion ausgeschlossen) und ein katholischer Priester sprach sich sehr erfreulich aus, so daß man ein donnerndes Lebehoch auf die „demokratisch-sociale Republik“ ausbachte, worin er einstimmte. In diesem und andern Klubs wird Considerant, der Chef der Fourieristen, als „ganz stummes Kammermitglied, welches sich nur auf's Lawiren verlege“ heftig attakirt; die Spaltung in den Reihen der Phalansterier ist jetzt offenkundig. Der Exbaron Charles Dupin kann nunmehr kein Wort sprechen, ohne daß es nicht Tags darauf dem Volke denunzirt und zerzaust wird; ein sehr fatales Treibjagen, zumal General Cavaignac selbst erklärte: „Nie werde ich dem wissenschaftlichen Kritisiren und Polemisiren Einhalt zu thun wagen.“ — Proudhon's Probeblatt „Le Peuble“ ist zwar konfiszirt, indeß hat es viel Aufsehen erregt; es sagt (mit Hinweisung auf die „jungen Politiker“ der Thiersklike): „Seht da drüben, das kalte, häßliche Geschöpf, ganz pfiffig und geschmeidig wie eine Schlange, spöttelnd, mit Ziffern um sich schmeißend, ohne Schaam, zischelnd und blinzelnd, mit Silberstimme predigt's, und schließt höhnisch lächelnd oder salbungsernst auf die Nothwendigkeit erbarmungsloser Maßregeln; es läugnet keck das heilige Volksrecht, das Arbeitsrecht; es schwatzt Euch weitläuftig von Vorsehung, es vergöttert die malthusianische Fatalität; es hält Religion für ein hübsches politisches Werkzeug, das Gesetz für ein Uebereinkommen, die Revolution für ein Faktum, und damit Punktum! … Und wenn man Euch vom Haß des Socialismus gegen die Familie vorjammert, o so nehmt die Fackel und leuchtet hinein in die Schauderpalläste der Reichen, der Antisocialisten; klopft einmal an beim Nachbar, beim Kapitalherrn, beim Rentier, beim Börsenmanne, beim Hochbesoldeten, beim Schmarotzer, beim reichen Müßiggänger, beim goldgestickten Tagedieb, beim auf Sammet ruhenden Faulenzer und Intriganten; setzt Euch die Brille auf und forscht da nach. Befragt einmal seine Gattin, und Cousine, und Schwägerin, und Köchin, und die Kammerjungfer seiner Frau; nicht wahr, er hält sie heilig, diese seine große Familie? ‥ Der Reiche ist ehebrecherisch und naturschänderisch durch Luxus. Der arme Teufel wird es nur durch materielles Elend … Wahre Liebe findet sich fast nur noch zwischen Arbeiter und Arbeiterin. Ihr Verleumder des Volkes, laßt ab von Eurem heillosen, sophistischen Geschwätz. … Ihr schreit, die Arbeit sei den Socialmännern zuwider; was treibt aber Ihr, Herren der Bankokratie? Euch muß der Arbeitende fast 100 Prozent von seiner Arbeit geben, und Ihr verlacht ihn obenein. Darum wollen wir unentgeldlichnn Kredit, keine Zinsen, keine Privilegien. Nennt Ihr das Abschaffung des Eigenthums? gut. Wir nennen es Justiz, Arbeit, Ehre …“ Hierauf verlangt Proudhon entweder Frieden, oder revolutionären Propagandakrieg in Europa, aber keinen Kabinetskrieg, kein „militärisches Roulette und Schachspiel.“ „Macht Ihr Propagandakrieg, so stehen die Proletarier von Schlesien und Rußland, Irland und Lyon mit Euch. Wo nicht, so sind sie Euch Feind, oder sehen Euch gleichgültig an, und Ihr könnt dann wieder ein 1815 erleben.“ — Der Professor der Mathemathik, August Comte, von der politechnischen Schule, dehnt seine „Societät des Positivismus“ immer aus; er hält Abends bei sich Vorträge und die Arbeiter-Kommissäre Magnin (Schreiner), Jaquemin (Mechanikus) und Belpaume (Schuhmacher) haben einen Rapport im Sinne dieser Doktrin publizirt, worin sie sofortige Volksberathungen über Arbeitsbestellungen und Nachweisungen, statistische Uebersichten, Lokaltabellen fordern; der Staat solle mindestens allen durch Privatindustrie nicht Beschäftigten Arbeit geben; Spitäler und Mildthätigkeitsbureaux seien unproduktiv; Sparsamkeit sei lächerlich den Arbeitern zu predigen. Professor Dr. med. Littré (Uebersetzer des Lebens Jesu von Strauß) ist äußerst thätig in dieser Societät, die auch einen Gouvernementsplan, mit Arbeitern als Ministern, ausgearbeitet hat, August Comte selber ist etwas Pedant, wie sein 7 Bände dickes Buch beweist, aber die Arbeiter sind ein gutes Gegengift für solchen Uebelstand, und es zeigen sich schon gute Erfolge. — In Südfrankreich und Elsaß ist die Königsfahne geradezu aufgepflanzt, doch wieder einstweilen abgenommen worden; Freiheitsbäume sind an vielen Orten umgehauen.
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@facs0503
[ 12 ] Paris, 3. Sept.
Die Besprechung der Konstitution hat in der Kammer Statt. Nach dem Gange, den die Verhandlungen einschlagen, kann die Konstitution in 8 bis 10 Monaten vollendet sein. Unterdessen fährt Marrast fort, die glänzendsten Soiree's in seinem Präsidentenpalast zu geben, und am andern Tage legt er die Rechnung der Nationalversammlung vor. Zur Bestreitung der Kosten wird eine Zulage von 6000 Fr. für Hrn. Marrast verlangt. Am Tage über diskutiren und debattiren die Herren in der Kammer und am Abend machen sie sich vis-à-vis in der Quadrille. Es ist dies ein Mittel der „Vereinbarung“ wie die übrigen, vielleicht noch wirksamer als jedes andere, zumal wenn man bedenkt, daß am Abend in den Salons des Hrn. Marrasts die schönsten Frauen von Paris zu der Debatte und der Quadrille zugelassen werden.
Die Konstitution zerfällt in drei Abschnitte: wir haben einen religiösen, einen moralischen und einen politischen Abschnitt. Die Verhandlung beschränkte sich bisheran nur auf die Religion und die Moral. Die „größten“ Redner, Lamartine, Cremieux, Dupin, Bischof und Pastor haben gesprochen, und alle haben sich nicht über den Moralprediger erhoben. Wie man weiß, geht dem Konstitutionsentwurf eine Art Einleitung voran, die die sogenannten Prinzipien enthält. Wie überhaupt der ganze Konstitutionsentwurf und namentlich der politische Theil im Grunde nichts Weiteres ist, als der politische Ausdruck der bereits begründeten, d. h. der unverändert gebliebenen Zustände, so soll die Einleitung, das sogenannte Vorwort diesem politischen Theile, einen moralischen Anstrich geben. Jetzt fragt es sich: Ist überhaupt eine solche Einleitung nöthig, und, wenn sie nöthig ist, soll sie nicht besser nach der Politik diskutirt werden? Und wenn diese Einleitung, diese Moral diskutirt werden soll, wäre es nicht zweckmäßig, diese Moral religiös zu begründen?
Diejenigen, welche wie Cremieux und Lamartine sich für die Beibehaltung der Einleitung aussprachen, wollen darin das Prinzip der Revolution, die „ewigen Wahrheiten“ ausgedrückt finden, die als neue, errungene Rechte der Nation zugesichert werden müßten. Die andern, wie Lavat, Cazales u. s. w., welche für die Weglassung der Einleitung sich aussprachen, befürchteten, daß sie Bestimmungen enthalte, deren Ausführung entweder unmöglich sei oder zu neuen Konflikten führen könnte.
„Im Namen Gottes;“ „die Wahrheit der großen Prinzipien“ — das sind die Phrasen, welche in der Kammer jetzt jeden Augenblick widerhallen. „ Angesichts Gottes wollen wir die großen Prinzipien, die ewigen Wahrheiten der französischen Nation proklamiren.“ — Und was sind diese großen Prinzipien, diese ewigen Wahrheiten? „Gleichheit u. s. w.“ Alles käme, nach Lamartine, darauf an, die Gleichheit richtig zu definiren; aus Mangel an Definition sei der Kommunismus entstanden. Was ist nach Herrn Lamartine der Kommunismus? Das Chaos, d. h. ein Zustand, worin ein Mann das Gewehr ergreift und auf Erstürmung, auf Wegnahme des Eigenthums losgeht. Herr Lamartine „betet das Eigenthum an;“ „es ist ein göttliches Prinzip, ein Gesetz Gottes.“ Das Gesetz Gottes ist das Eigenthum; ohne Eigenthum gibt es keine Freiheit. Früher hieß es gerade umgekehrt, ohne Freiheit kein Eigenthum. Aber wenn Leute wie Lamartine von Eigenthum sprechen, so denken sie nur zunächst an das Eigenthum, welches durch Einbrechen, Plündern und Rauben gefährdet werden kann, an das handgreifliche Eigenthum, woran kein Mensch Hand anzulegen gedenkt: an den Kleinhandel, an den Kram und den Krämer, und sagt man nun zu diesen Leuten: Seht jetzt heißt es, Haus, Hof und Schrank geöffnet und mit den Kommunisten getheilt, so ist man gewiß seine Wirkung nicht zu verfehlen. Lamartine will nicht, daß man immer von der Konkurrenz, immer vom materiellen Interesse, vom Kapital und Netto-Ertrage spreche; in der Revolution gebe es ein höheres, ein moralisches Interesse, eine geistige Tendenz; diese Tendenz sei in der Konstitution ausgesprochen, und dem Volke kundgethan „Angesichts Gottes. Man müsse die republikanischen Institutionen an religiöse Inspirationen und nicht an die Begriffe des Kaufens und Verkaufens anknüpfen.
„Im Namen Gottes! Als man in den Revolutionen des vorigen Jahrhunderts alle alten Feudalzustände und Feudalherren gestürzt hatte, dekretirte man die neue Konstitution: im Namen Gottes. Als man später erkannte, daß der Gott in der Konstitution weiter nichts war, als das Gutheißen der bürgerlichen Zustände, und daß dieser Gott nur denen zu gute kommen sollte, die nichts Besseres hatten auf Erden, mußte mit dem Eintritt des Kampfes gegen die bürgerlichen Zustände, in der Schreckenszeit, auch der bürgerliche Gott fallen: er fiel, der Gott, das höchste Wesen und an seine Stelle trat ein weibliches Wesen, als Ausdruck des damaligen französischen Wesens. Später, als die bürgerlichen Zustände die Einsetzung eines Bürgergottes wieder nothwendig machten, wurde über ihn im Convente mit Aufstehen und Niedersitzen ebenso abgestimmt, wie über alle andere Bürgerrechte.
Ein gleiches findet jetzt ebenfalls in der Kammer statt. Nach Annahme der Einleitung ging man zur Diskussion der einzelnen Paragraphen über. Im Eingange finden wir: Angesichts Gottes. So wie man früher mit Gott aufhörte, so fängt man jetzt mit Gott an. Verschiedene Amendements wurden gestellt. „Im Namen Gottes“, welches der Bischof von Orleans schon in der ersten Sitzung aufgestellt hatte, war bereits zurückgenommen worden. Jetzt stellt ein anderes Mitglied den Antrag: Unter Anrufung Gottes — verworfen; wieder ein anderes: In Gegenwart Gottes, Prinzip der ewigen Gerechtigkeit — verworfen. Der Antrag Devilles: Im Angesicht Gottes und des Belagerungszustandes, das ebenfalls heute zur Sprache kam, ward auch verworfen und der Gott schlechtweg hat triumphirt.
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@facs0503
Paris, 8. Sept.
Ein außerordentlicher Kourier hat der Regierung die Nachricht gebracht, daß Oestreich die Mediation annimmt. Zu welchen Bedingungen? Darüber herrscht noch Staatsgeheimniß.
— Bisher zählte Frankreich 27 Akademien oder Hochschulen, deren Besuch zum Staatsdienste befähigte. Ein Dekret im Moniteur setzt diese Zahl auf 20 herab und bestimmt sie in folgenden Städten: 1) Aix, 2) Angers, 3) Besancon, 4) Bordeaut, 5) Bourges, 6) Caen, 7) Cahors, 8) Dijon, 9) Donai, 10) Grenoble, 11) Lyon, 12) Montpellier, 13) Naucy, 14) Paris, 15) Poitiers, 16) Reims, 17) Rennes, 18) Straßburg, 19) Toulouse, 20) Algier.
— Kriegsminister Lamoricièee hat ein Rundschreiben an die Präfekten richten lassen, worin er ihnen erklärt, daß unter den gegenwärtigen kritischen Umständen keine Urlaube mehr ertheilt wurden und daß sogar alle diejenigen Mannschaften, die sich bei ihren Verwandten auf Urlaub befänden, sofort zu ihren Korps zurückzukehren hätten.
— Das in Auch erscheinende Blatt, Opinion, meldet vom 3. September:
„Im hiesigen Nationalgestüt ist der Befehl vom Minister eingetroffen, bedeutende Pferde-Ankäufe im In- oder Auslande zu machen. Die diesfälligen Kredite seien bereits angewiesen.“
— Der Indépendant de l'Quest bringt schon folgendes neue Ministerium für die nächste Restauration: 1) Berryer, Auswärtiges; 2) Genoude, Inneres; 3) Odilon Barrot, Justiz; 4) Changarnier, Krieg; 5) Dufaure, Unterricht; 6) Rainedicke, Finanzen; 7) Billault, Ackerbau und Handel; 8) Benoit, Staatsbauten.
Die Republikaner aller Farben werden natürlich unter diesen Umständen zur Einigkeit gedrängt.
Im Sarthe-Departement reiten förmliche propagandistische Pilgerer von einem Jahrmarkt zum andern, um von Wagen herab legitimistische Traktätlein und Flüche gegen die Republik zu verkaufen oder gratis zu vertheilen.
— In dem fabrikreichen Thale Deville bei Rouen sind zwischen den dortigen Spinnern und ihren Contre-Maitres so ernste Streitigkeiten ausgebrochen, daß der Ortsbürgermeister das Mobilgardistenbataillon in Rouen (von Paris seit einiger Zeit von Senard dorthin detachirt) zu deren Beilegung herbeirufen mußte. Die Ruhe ist äußerlich hergestellt.
— Diese Nacht fand bei Marrast ein glänzender Hofball Statt. Dreitausend Einladungskarten waren verschickt. Die Elite der europäischen Gesellschaft — sagt der Moniteur — war anwesend. Die Säle des Präsidentenhotels genügten kaum für die herbeidrängenden Gäste. Der Palast ist mit wahrhaft blendendem Glanze eingerichtet; die brillanten Toiletten der Damen, die verschiedenartigsten Uniformen der Nationalgarden und Armee, bildeten einen hinreißenden Anblick. Die Tänze finden in den großen Galerien und den benachbarten Sälen Statt. ‥… Wir übersetzen wörtlich den Moniteur, dem diese Notiz Nachts um 1 Uhr zugeschickt wurde, um das erwachende Paris mit diesem Glanz auf dem Papier zu überraschen. Es lebe die Republik Marrast!
— Präsident Marrast hat dem Finanzausschusse erklärt, daß er sich mit den dem Präsidenten der Nationalversammlung monatlich bewilligten 4000 Franken nicht begnügen könne. Er beantrage 10,000 Franken, wie der General Cavaignac, um die Pariser gehörig in Nahrung zu setzen. Einem solchen Argumente konnte der liberale Finanzausschuß nicht widerstehen und er entschied mit 6 gegen 4 Stimmen die verlangte Gehaltszulage.
— In Metz sind 100 polnische Flüchtlinge eingetroffen. Sie wurden auf's herzlichste empfangen. Die Regierung that jedoch noch nichts. Bisher leben sie von den Almosen der Metzer Bürger.
National-Versammlung. Sitzung vom 8. September. Aus den lebhaften Gesprächen, die in den Nebensälen gepflogen werden, hört man Folgendes:
Als diesen Mittag sich der Verfassungsausschuß wie gewöhnlich versammelt, und Cormenin, Marrast und die übrigen Glieder ihre Plätze eingenommen hatten, erhob sich Corbon, der sogenannte Arbeiter und Vizepräsident der National-Versammlung und drückte sich ungefähr folgendermaßen aus: Alle Welt habe mit Entrustung das Pamphlet gelesen, das der Präsident des Verfassungsausschusses selbst durch den Buchhandel zu veröffentlichen für gut befunden habe. Außer mehreren anderen Anstößigkeiten, um gelinde zu reden, komme darin auch eine Stelle vor, worin der Verfasser sage, daß man hier in diesem Saale die neue Verfassung berathe, während zahlreiche Bajonette, dieser Zierrath des Despotismus, zum Fenster herein blitzen u. s. w. Dergleichen Ausfälle gegen die höchsten Prinzipien der Regierung seien von einer Natur, daß er seinen P#atz nicht länger in einer Versammlung behalten wolle, die von einem solchen Spötter präsidirt werde. (Sensation.) Marrast nahm nun das Wort und erklärte, mit den Ansichten Corbons vollständig einverstanden zu sein.
Die ganze Versammlung trat diesem Tadelsvotum bei.
Cormenin saß wie versteinert auf seinem Präsidentenstuhle. Als er sah, daß die ganze Versammlung gegen ihn gestimmt war, raffte er alle seine Papiere zusammen, und schritt aus dem Saale.
Diese Scene rief eine große Aufregung in allen Winkeln des weitläufigen Gebaudes hervor, die sich noch lange nicht gelegt hatte, als Marrast in dem Hauptsaale erschien, um die Sitzung um 1 1/2 Uhr zu eröffnen.
Nach Verlesung des Protokolls und einiger Nebengeschäfte erscheint Bastide, Minister des Auwärtigen, auf der Bühne. „Bürger-Repräsentanten, beginnt er, ich habe die Ehre, Ihnen anzuzeigen, daß die Regierung von Wien aus benachrichtigt worden ist, daß Oesterreich die ihm in der italienischen Frage von unsund England angebotene Mediation angenommen hat und sich von den besten Friedensgesinnungen beseelt zeigt. Demzufolge kann ich der Versammlung die Versicherung ertheilen, daß bedeutende Ersparnisse rücksichtlich der Armee-Ausgaben gemacht werden können.“
Die Versammlung nimmt die Tagesordnung auf, nämlich die schon zwanzig Mal abgebrochene Berathung über das unglückliche Dekret vom 2. März 1848, das die Arbeitsdauer auf 10 Stunden per Tag festsetzt und den Fabrikanten so viele schlaflose Nächte verursachte.
Stourm, Besnard, Corbon, Morin, Michot, Barasseur etc. unterstützten, theils bekämpften sie den durch Amendements gänzlich entstellten Entwurf, der kurzweg auf Abschaffung des Marzdekrets antrug.
Die Menge von Amendements zu dem Gesetzentwurfe der Arbeitsausschüsse rief eine solche Verwirrung hervor, daß Flocon auf die Tribune eilte und sagte:
Der erste Artikel lautet:
„Das Dekret vom 2. März, in so weit es die Arbeitsstundenzahl betrifft, ist abgeschafft.“
Der Deputirte Fourneyron will die Worte, „in so weit es die Arbeitsstundenzahl betrifft,“ gestrichen wissen.
Ich protestire gegen diese Streichung, denn das hieße, jene Verordnung vom 2. März absolut abschaffen. Dieselbe zerfällt aber in zwei Hauptfragen: a. die tägliche Arbeitsdauer, b. die sogenannte Marchandage. Von letzterer ist aber in der mehrtägigen Debatte bisher noch keine Silbe gesprochen worden. (Ja! Ja! Nein! Nein!) Ich trage daher darauf an, nun über den Artikel I. in seinem vollen Text abstimmen zu lassen.
Touret, Ackerbau- und Handelsminister, nimmt das Wort und schlägt vor, den Artikel I. erst nach den übrigen Artikeln zu votiren.
Dieser Vorschlag wird angenommen und man geht zu Artikel II. über.
Derselbe lautet:
„Die Arbeitsdauer des Arbeiters in den Manufakturen und allen großen Fabriken, Hütten-, Bergwerken etc. darf 12 Stunden nicht überschreiten.“
Gambon stellt den Antrag auf zehn Stunden und will das Dekret der provisorischen Regierung retten.
Dieser Antrag wird mit 607 gegen 67 Stimmen verworfen.
Pierre Leroux schlägt 11 Stunden vor.
Wird verworfen
Artikel II mit seinen 12 Stunden geht durch.
Das Februar-Dekret ist somit begraben.
Artikel III. wird ebenfalls angenommen.
Die Fortsetzung des Debatte wird auf morgen verschoben.
Die Versammlung geht um 6 1/2 Uhr auseinander.
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@facs0503
Paris, 9. September.
Ridolfi außerordentlicher Gesandter des Großherzogs von Toscana, hat dem General Ravaignac die [0504] Vollmacht überreicht, die ihn neuerdings als Vertreter dieses italienischen Staats bei der Republik akkreditirt.
Desgleichen hat O. de Marcoleta im Namen des Staats Nicaragua dem Minister Bastide seine Akkreditive zugestellt.
— In Erwägung daß die Februar-Revolution und die nachherigen bewegten Umstände die Arbeiten der studirenden Jugend unterbrochen oder wenigstens gestört habe, verschiebt eine Verordnung des Unterrichts und Kultusministers Bürgers Vaulabelle den Termin für die diesjährigen Staatsprüfungen vom 1. Oktober auf den 15. November etc. Die Einschreibungen müssen bis zum 20. Oktober erfolgen.
— In einem Plakat zeigt der Präfekt der Pariser Bevölkerung an, daß die Nationalversammlung vorgestern die demokratische einige und untheilbare Republik votirt habe, daß noch 4058 Junibesiegte für die „demokratische“ Republik in den Kasematten schmachten; außerdem nahmen sich 9 Personen seit dem letzten Plakat aus Verzweiflung das Leben u. s. w.
— Die Ziffer der leidenden Papiere (unbezahlten Wechsel) beläuft sich laut des so eben erscheinenden offiziellen Bankberichts — dem man diesmal mit einiger Besorgniß entgegensah — für Paris auf 17,622,540 Franken 28 Centimen, für die zu Paris gehörigen Departements-Comptoirs auf 9,448,524 Fr.
— Die Klagen der Aerzte über den entsetzlich schlechten Nahrungsstand des Volks hat den Polizeipräfekten Ducoux, selbst Arzt bewogen, dem Comite de salubrité publique anzubefehlen, sämmtliche Arbeiter-Kosthäuser und Kneipen, diese Giftbuden des Proletariats, genau zu untersuchen und darüber zu berichten.
— Der Plan Proudhons, dem Staatsbankerott durch Schöpfung von 2 Milliarden neuer Anleihebons und Einverleibung der Banque de France in die Staatsdomaine, mit voller Selbstständigkeit, vorzubeugen, wird heute vom Finanzausschusse diskutirt. Proudhon ist eingeladen und das Ausland kann sich auf ein neues Thiergefecht gefaßt machen.
— In den Vorsälen des glänzend erleuchteten Präsidialpalastes fand heim letzten Fest eine ziemlich lebhafte Scene statt. Mehrere Offiziere unserer wackern Bürgerwehr hatten sich eingebildet, sie brauchten nur die Uniform und reine Handschuhe anzuziehen, um Einlaß zu erhalten. Sie machten sich daher auf den Weg und gelangten auch wirklich pünktlich bis in die Vorhalle. Allein hier ersuchten sie die beketteten Huissiers, ihnen die lithographirten Einladungskarten vorzuzeigen. Die Dandys von der Bürgerwehr fanden das sonderbar und wollten anfangs Widerstand leisten. Es kam so weit, daß die Wache, die zum Glück nicht weit ist, herbeigeholt werden und sie unsere beiden Dandys auf die Straße bringen mußte.
National-Versammlung. Sitzung vom 9. September. Lacrosse vizepräsidirt.
General Baraguay d'Hilliers, der Heerführer der Rue du Poitiers, beklagt sich, daß man den Crespel de la Toucheschen Antrag rücksichtlich der Pressfesseln noch nicht auf die Tagesordnung gesetzt habe. Die Ersatzwahlen nahten und kein Blatt dürfe den Mund öffnen (Ah! Ah!)
Soll im Laufe der Sitzung, wenn die Bänke besser besetzt seien, zur Sprache kommen.
Pascal-Duprat: Mitbürger! Ihr habt gestern den 2. und 3 Artikel des Ausschußentwurfs rücksichtlich der Arbeitsstunden genehmigt, welche die Arbeitsdauer in Manufakturen und Fabriken wieder auf 12 Stunden festsetzt.
In dem so eben verlesenen Protokoll höre ich, daß obigen Etablissements auch die Handwerkstätten beigefügt sind. Dies ist falsch, denn von den Ateliers war im Laufe der ganzen gestrigen Diskussion keine Rede. Ich protestire daher im Namen des Arbeitsausschusses gegen diese Addition.
Guerin glaubt, daß die Ateliers im gestrigen Votum auch begriffen seien.
Deslyngrais bestreitet dies.
Manuel konstatirt, daß die Versammlung wirklich nicht die Ateliers einbegriffen habe.
Die Versammlung entscheidet, daß das Protokoll geändert werden müsse, und nimmt einige Petitionen vor. Nach Erledigung derselben kehrt sie zu der gestern abgebrochenen Debatte uber die Arbeitsstunden zuruck. Die Diskussion schleppt sich ohne sonderliches Interesse fort.
Jendeau stellt einen Antrag, der zum Zweck hat, die Gebräuche und Sitten, wie sie vor dem 24. Februar bestanden und häufig durch klimatische und geographische Einflüsse bedingt wurden, bestehen zu lassen. Jede Neuerung sei schädl#ch.
Larochejaquelin, der Schildträger Heinrich V, sieht die wahre Freiheit für Arbeiter und Arbeitgeber darin, wenn Beide nach Gutdünken mit einander verhandeln konnen. Vom Einfluß der Konkurrenz der Hande, vom Krieg der neuen gegen die alten Etablissements fürchtet der Redner keine Nachtheile für die Freihe#t des Arbeiters.
Charles Dupin (ärgerlich) bekämpft den Antrag Jendeaus. Die Versammlung habe gestern votirt und der Antrag vernichte das Votum
Tourret, Ackerbau- und Handelsminister, bekämpft zwar nicht das Amendement, möchte es aber folgendermaßen redigirt wissen: „Dennoch darf die Stundenzahl im Gebiet der Republik nicht die vor dem 24. Febr. ublichen Gebräuche überschreiten.“
Fourneyron bekämpft dieses Amendement. Die Gebräuche seien auf Schrauben gestellt und ließen sich verschieden deuten.
Nachdem noch eine Masse Redner für und wider gesprochen und Minister Tourrer endlich eine befriedigende Fassung des Amendements vorgeschlagen, wird letzteres angenommen und der Paragraph lautet nunmehr:
„Die tägliche Arbeitsdauer des Arbeiters in Manufakturen und allen industriellen Etablissements darf 12 Stunden nicht überschre#ten. Es wird dagegen denjenigen Gebräuchen kein Abbruch gethan die in gewissen Gegenden täglich weniger als 12 Stunden feststellten.“
Artikel 3, 4 und 5 des Entwurfs des Arbeitsausschusses werden angenommen.
Um 5 1/4 Uhr schreitet die Versammlung zur Abstimmung über das Gesammtdekret durch Aufstehen und Sitzenbleiben.
Es wird angenomm#n und das Dekret vom 2. März, in so weit es die Arbeitsdauer betrifft, definitiv abgeschafft.
Tourret deponirt einen Gesetzentwurf, der für die Associationsverträge der Arbeiter bei Uebernahme von Bauten etc. die Inseriptions-Sportelfreiheit verlangt.
Goudchaux, Finanzminister, stellt den Antrag, die Einkommensteuer so bald wie möglich zu berathen, damit die General- oder Departementsräthe die diesfällige Repartition treffen könnten.
Ternaux und Deslongrais bekämpfen diese Eile. Der Gegenstand sei neu und verlange die strengste Prüfung.
Goudchaux besteht auf baldige Benathung.
Sie wird bewilligt.
Crespel de la Touche beklagt sich, daß sein Antrag rücksichtlich der unterdrückten Journale so lange verschoben bleibe. Er verlangt morgen Sonntags eine Sitzung oder Montags Vormittags 10 Uhr.
Die Versammlung entscheidet für Montag Mittags 12 Uhr.
Großbritannien.
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@facs0504
[ * ] London, 9. Sept.
Die Königin ist in Aberdeen angelangt. In Ashton hat die Polizei abermals 30 Chartisten verhaftet, die der Theilnahme an den neulich dort vorgekommenen Unruhen angeklagt sind.
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@facs0504
Dublin, 7. Sept.
Lord John Russell hat uns noch nicht verlassen; er besuchte heute mit dem Lord-Lieutenant die verschiedenen Institute und Museen unserer Stadt. — Richard O'Gorman, einer der Führer der Insurgenten, für dessen Gefangennehmung 300 Pfd. ausgesetzt wurden, ist noch immer nicht verhaftet. Neuerdings wurde aber wieder ein Pseudo-O'Gorman von der Polizei hereingebracht und natürlich gleich wieder entlassen. Es ist jetzt wohl schon sechs Mal passirt, daß man den Unrechten arretirte. — Frau Mitchell, die Gattin des deportirten Revolutionärs wird nach Amerika übersiedeln. John O'Connell hat einen Brief an die Repealer von Irland erlassen, in dem er seine Landsleute darauf aufmerksam macht, daß die alte Repeals-Bewegung wieder angefacht werden müsse, wenn nicht binnen Kurzem Conciliation-Hall verkauft werden solle. Es ist dies einer von den schon so oft gemachten Versuchen John O'Connells, seine frühere Stellung als Chef der Repealpartei wiederzuerlangen. Wir brauchen nicht zu versichern, daß er schwerlich reussiren wird.
Ungarn.
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Hermanstadt.
Der „Siebenbürger Bote“ bringt unter der Rubrik: „Neuestes“: Mittelst Stafette ist heute Nacht vom ungarischen Kriegsministerium der Befehl eingetroffen, das Grenadier-Bataillon Baron Urraca habe sich binnen 48 Stunden nach Pest in Marsch zu setzen. Zur Beschleunigung soll das Bataillon mittelst Wägen nach Szolnok und von da mit der Eisenbahn weiter befördert werden.
Dem Vernehmen nach soll dieses Bataillon zur Verstärkung der Garnison von Buda-Pest verwendet werden.
Jellachich soll die Drau überschritten haben und man befürchtet einen Handstreich auf die Hauptstadt.
Schweiz.
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@facs0504
[ * ] Bern, 6. Sept.
Der Geschäftsträger einer fremden, befreundeten Macht frug den Präsidenten der Tagsatzung Hrn. Funk, ob nicht die neue Bundesverfassung den acht kontrahirenden Mächten des Wiener Kongresses zur Uebernahme der Garantie werde zugestellt werden? Der Präsident erwiederte: „Die einzige Garantie, welcher die neue Bundesverfassung bedarf, ist die Mehrheit des Schweizervolkes.“
Handels-Nachrichten.
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Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
Den 7. Emilie Henr., T. v. Phil. Würzburger, Rothgerber, Mathiasstr. — Urs., T. v. Math. Hieronymus, Maurer, gr. Spitzeng. — Anna Maria, T. v Pet. Greg. Opry, Polizei-Assistent, Sterneng. — Heinr., S. v. Heinr. Krumholz, Uhrm., Lintg. — Georg, S. v. Joh. Jac. Scheidweiler, Dachdeckerg., Schartgasse. — Maria Cord., T. v. Friedr. Egener, Privatsekret., Lungengasse. — Wilh., S. v. Ernst Staubesand, Dachdeckerg., Friesenstr. — Gert. Hel. Hub., T v. Joh. Herschel, Bierbrauer, an der Linde. — Heinr. Hub., S. v. Engelbert Wolff, Faßbinder, Fischmarkt. — Otto Jacob Maria, S. v. Heinr. Dorn, Stadtischer Kapellmeister, Thieboldsgasse. — Ein unehel. Knabe.
Den 8. Cathar., T. v. Peter Fabri, Zimmergeselle, Eigelstein. — Elis. Agatha Maria, T. v. Math. Kraft, Tagl., Kalenhausen. — Anna Maria Agnes Hubert., T v. Herm. Jos. Bellinghausen, Hauptsteuer-Amts-Assist., Hahnenthor. — Joh. Hub. Pet., S. v. Joh. Pet. Assenmacher, Spezereihändler, Salomonsgasse. — Maria, T. von Joh. Wolter, Taglöhner. Löhrgasse. — Helena, T. v. Joh. Dohm, Tapetendrucker, Kranenbäumen. — Anna Maria, T. v. Wilh. Nothen, Branntweinbrenner, gr. Griechenm. — Francisca, T. v. Pet. Jos. Breuer, Schreinerm., gr. Brinkg. — Anna Maria, T. v. Joh. Wilh. Vorrent, Schreinermstr, Perlengraben. — Andreas, S. v. Herm. Philippen, Schreinerg., Thieboldsgasse. — Ein unehel. Knabe.
Sterbefälle.
Den 7. Marg. Broich, 8 T. alt, unter Kranenbäumen. — Isab. Quast, geb. Esser, 44 J. alt, auf der Aar.
Den 8. Franz Heinrich, 2 J. 8 M. alt, Eulengartengasse. — Wilh. Otto Haacke, 1 J. 9 T. alt, Ursulastraße. — Jacob Fischenich, Tagl., 42 J alt, verheirathet, Zugasse. — Ein unehel. Mädchen.
Heiraths-Ankündigungen.
Den 10. Joh. Georg Duell, Metzger, mit Susanna Merz, beide Herzogstr. — Ludwig Carl Lürssen, Cigarrenmacher, Thurnmarkt, mit Anna Maria Fuchs, Kuhgasse — Ant. Alb. Jos. Wolfkott, Drechsler, kr. Büchel, mit Francisca Schumacher, gr. Griechenmarkt. — Johann Zehnpfennig, Seidenweber, mit Anna Heret, beide Kranenbäumen. — Johann Nuttgen, Schreiner, Lintgasse, mit Maria Sib. Diel, Komödtenstr. — Heinr. Zottmann, Wwr., Eisenbahngüterbegleiter, mit Kath. Lukas, beide Thürmchenswall. — Eduard Benert, Kfm, Waisengasse, mit Anna Gert. Kramer, Heumarkt. — Ant. Lahaye, Hutmacher, Schilderg., mit Barbara Rohe, Hochstr. — Joh. Peter Hoffstadt, Kfm, mit Ther. Stuep, beide Butterm. — Franz Barth. Lemaire, Buchsenmacher, Apernstr., mit Richmunda Boensch, Enggasse. — Andr. Jos. Ewer, Schneider, mit Anna Josepha Schallanski, beide Benefisstraße. — Pet. Jos. Ehrenberg, Steinhauer, Thürmchenswall, mit Sib. Jouy, Altengraben. — Peter Brings, Faßbinder, an der Linde, mit Lucia Sürth, unt. Kranenbäumen. — Joh. Nicolaus Curnelle, Wwr., Omnibus-Condukteur, unt. Gottesgnaden, mit Agnes Roth am Hof. — Philipp Kufferath, Eisenbahn-Bremser zu Deutz, mit Maria Marg. Roloff, Mariengartenklost. — Cornelius Berns, Zimmermann, Probsteigasse, mit Anna Maria Elis. Horst, Wwe. Rung, Hahnenstr. — Georg Carl Hocker, Tapezirer, Pfeilstraße, mit Gertr. Weiler, Apernstr. — Stephan Becker, Wwr., Ackerer, kr. Buchel, mit Anna Kath. Christmann, Katharinengraben. — Wilh. Koch, Fuhrmann, Glockenring, mit Maria Kath Reich, früher zu Offenbach, jetzt Glockenring. — Wilh Friedr. Leopold Apellinaris Hubert Reuter, Kaufmann, unter Kästen, mit Katharina Finken, Thiebeldsgasse. — Joh. Friedrich Wilh. Fischer, Handlungsreisender, Bobgasse, mit Amalia Auguste Haselbach. Buttermarkt.
Anzeigen.
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Schifffahrts-Anzeige.
Köln, 11. September 1848.
Angekommen: Fr Kühnle und H. Bechert von Heilbronn. Kapt. Willms von Rotterdam mit 5324 Ct. Kapt. Baumann von Amsterdam mit 4517 Ctr.
Abgefahren: L. Tillmann nach Koblenz: M. J. Deis nach der Saar.
In Ladung: Nach Antwerpen P. Verschur. Nach Rotterdam W. Hogewegh. Nach Ruhrort bis Emmerich J. Schaaf. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr C. Königsfeld. Nach Andernach und Neuwied H. Schumacher, B. Schilowski. Nach Koblenz, der Mosel und der Saar L. Tillmann. Nach der Mosel, und Trier und der Saar M. J. Deiß. Nach Bingen A. Hartmann. Nach Mainz J. Hirschmann. Nach dem Niedermain Seb. Schulz. Nach dem Mittel- und Obermain M. Roth. Nach Worms und Mannheim Wb. W. Dunk. Nach Heilbronn Frz. Müßig. Nach Kannstadt und Stuttgardt L. Bühler.
Ferner nach Rotterdam Capt Demmer Köln Nr. 25.
nach Amsterdam Capt Scholwerth#, Nr. 3
nach Stettin Capt Range, Bark „Fortschritt.“
Rheinhöhe am 9. Sept. 6′ 8 1/2″.
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Im Verlage von W. A. Rosenkranz, (Weberstraße Nro. 24 in Köln) ist erschienen:
Tägliche Unterhaltungen mit Gott.
Ein Gebet und Erbauungsbuch für katholische Christen.
Mit hochwürdigster erzbischöflicher Approbation.
Elegante Miniatur-Ausgabe. 256 Seiten. Pr. 2 1/2 Sgr
Dieses kleine Gebetbuch enthält alle Festtage und Kirchenfeste des Jahres, nebst den gewöhnlichen Meß-, Beicht-, Kommunion- und Ablaßgebeten, und ist als niedliches Taschenformat zu empfehlen.
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Aufforderung.
Die bestehende Kommission der Metzger-Corporation in Köln und Deutz wolle sofort gegen den Gemeinderaths-Beschluß vom 1sten Sept. 1. J. über die Ermäßigung der Schlachthaus-Gebühren, vom 1. Sept. ab von 7 1/2 Sgr. auf 5 Sgr. bei der betreffenden Behörde auf das entschiedenste protestiren; wie auch bei der letzten Versammlung vom 30. August einstimmig beschlossen worden ist. — Wir wissen von einer Abrechnung, wie bemerkt pro 1836-47 mit einem Ueberschusse von Thlr. 1422 28 Sgr. 6 Pf. nichts, und wollen nichts davon wissen, sondern wir verlangen eine gehörige Abrechnung von allen noch rückständigen Jahren, welche die Kommission uns vorzulegen hat, und wie weit dieses seine Richtigkeit hat, wollen wir unserer Hochlöbl. Königl. Regierung zur Entscheidung vorlegen. — Der sich alsdann herausstellende Ueberschuß der Schlachthaus-Gebühren soll an dem mit Recht verschuldeten Baukapital des Schlachthauses in Abzug gebracht werden, und erst dann wollen wir die Gebühren festgestellt haben. — Bevor dieses geschehen, protestiren wir fernere Zahlung der Stadt gegenüber zu leisten und verlangen auf den 27. dieses Monats längstens eine unwiderrufliche General-Versammlung festzusetzen, in welcher das Weitere besprochen werden kann.
Für alle Metzger der Stadt Köln.
P. B. P H. Ad. H. Chr. Hr M. H. W. H
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Bekanntmachung.
In hiesiger Packkammer lagert seit ein#ger Zeit ein Paket sign B. # 13 Wesel; 4 Pfd. schwer, ohne Adresse.
Der Absender wird davon hierdurch mit der Aufforderung benachrichtigen: die Adresse an das hiesige Ober-Post-Amt oder an die Post-Anstalt des Aufgabe-Orts, baldigst abzugeben.
Köln, den 9. September 1848.
Der Ober-Post-Direktor, Rehfeldt
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Bei meiner Abreise nach Wetzlar, wohin das 2te Bataillon des 25. Inf.-Regts. plotzlich versetzt worden ist, sage ich allen Bekannten und Freunden ein herzliches Lebewohl. Köln, den 10. September 1848.
A. Kaufmann.
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Freie Volksblätter.
Die „Freien Volksblätter“ erfreuen sich, als erste Früchte der Revolution, bis jetzt eines fünfmonatlichen Bestehens. — Sie haben offen gekämpft für die Sache der Demokratie, für die des Volkes, in dem Streben nach einer Befestigung der verheißenen breitesten demokratischen Basis.
Nachdem dieser Satz von der einen Seite eine Lüge, von der andern nichts als eine leere Phrase geworden, steht uns die Reaktion der Throne drohender gegenüber, als vor dem 18. und 19. März. — Allerdings ist es zur Wahrheit geworden, daß man dem Volke die errungene Freiheit vorenthalten will, daß man seine Souveränität verhöhnt; — und obgleich ein Ministerium nach dem andern zum Sturze gekommen, greift man, hartnäckig genug, wieder von neuem zu Männern, die allerdings das Vertrauen der Regierung, aber nicht das des Volkes besitzen. — Es geht daraus hervor, daß die bisherigen Minister nicht Männer des Volkes, sondern Organe des Thrones waren. In einer Monarchie aber, die nicht auf freie Institutionen begründet ist, deren Stützen nicht im Sinne der Wahrheit im Herzen des Volkes wurzeln, stehen die Interessen der Regierung denen des Volkes schnurstracks entgegen; das beweisen alle Revolutionen. Es waren die bisherigen Ministerien demnach volksfeindlicher Natur!
Bei dieser Sachlage bleibt uns nichts Anderes übrig, als dem volksfeindlichen Streben von dieser Seite, das Streben nach äußerster Freiheit entgegenzusetzen. Wir wollen demnach den Kampf, mit der Wahrheit gewappnet, der Lüge gegenüber von neuem beginnen; wir wollen zunächst, als Mitglieder des preußischen Staates, in unserm Kreise zu wirken suchen, indem wir nur in der Befreiung der einzelnen deutschen Staaten eine Einigung Deutschlands für möglich halten und eine deutsche Centralgewalt so lange ohnmächtig sein wird, bis die Macht der Fürsten gebrochen. Dies ist die Richtung, die unsere Blätter bis jetzt verfolgt haben, die sie mit neuer Kraft verfolgen werden und bitten wir unsere Freunde uns in diesem Streben zu unterstützen.
Köln, im September 1848.
Die Redaktion, Bernh. Dietz.
Die Blätter werden vom 1. Oktober an in Köln erscheinen, wodurch etwa vorgekommene Unregelmäßigkeiten in der Versendung aufhören.
Briefe bittet man schon jetzt dahin zu adressiren.
Für Köln und Mülheim beträgt der Pränumerationspreis 15 Sgr., auswärts durch die Postanstalten bezogen jetzt nur 18 3/4 Sgr. — Insertionsgebühren die Zeile 1 Sgr.
Zu zahlreichem Abonnement wird freundlichst eingeladen.
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Ein Lebewohl, ein warmes herzliches Lebewohl der lieben kölnischen Bürgerschaft, und unsern besondern Dank den Männern, die sich für unser Wohl interessirten und sich Mühe gaben, den alten Haß zwischen Bürger und Militär immer mehr zu entfernen. Wenn es auch noch nicht ganz gelungen ist, uns eine andere Stellung im Staate zu verschaffen, und den Unterschied zwischen Bürgern im rothen Rocke und unsern andern Mitbürgern aufzuheben, so hoffen wir, daß der Geist der Zeit die Bestrebungen jener Edlen bald mit schönen Erfolgen kronen wird und versichern, daß sich unsere Gesinnungen ewig gleich bleiben werden. Deutscher Brudergruß von Mehreren Soldaten des 2. Bat. 25. Infanterie-Regiments.
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Der Exminister Hansemann traf heute Nachmittag hier ein, und stieg bei Hrn. Gottfried Efferts, Marchand Tailleur, ab. Se. Excellenz beauftragte denselben so schnell als möglich einen einfachen Civilrock anfertigen zu lassen.
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Vollständige Minister-Anzüge sind zu haben bei Gottfried Efferts, Pützgasse Nr. 1, im ungebauten Eckhäuslein.
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Heute Morgen verlor ein Reisender, vor Abgang des 1. Zuges auf dem Bahnhofe der „Rheinischen Eisenbahn“, einen blau und bräunlich seidenen Geldbeutel, welcher an jedem Ende 20 Livres Sterling, mithin zusammen 40 Livres Sterling enthielt.
Der redliche Finder wird gebeten, denselben gegen eine recht gute Belohnung, Clemensstraßen-Ecke (St. Cunibert) eine Treppe hoch, abzugeben.
Köln, den 9. September 1848.
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Für franz. Handelscorrespondenz eröffnete ich Montag den 11. d. Mts. einen Cursus.
J. Lehweß, Lehrer, Hohestraße Nr. 104.
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Aufforderung.
Wer von dem verstorbenen Kunst-Con#r#ator, Herrn Christ. Geerling, Gelder, Kunst- oder andere Gegenstände in Händen, oder irgend eine Verpflichtung gegen dessen Erbmasse zu erfüllen, oder Ansprüche an dessen Masse zu machen hat, wende sich an den unterzeichneten Bevollmächtigten der Geschwister und Geschwisterkinder des Verstorbenen.
Köln, den 11. September 1848.
Pet. Steph Riphahn.
Gr. Sandkaul Nr 26.
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Hr. Rolinger, Lehrer in Lüttich, rue de la régence Nr. 18, wünscht einige junge Leute in Kost und Unterricht zu nehmen.
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Ein fleißiger mit guten Zeugnissen versehener Handlungs-Gehülfe sucht eine Stelle. Die Exp. sagt das Nähere.
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Es sind wieder ganz frische Austern vorräthig bei G. Bettger et Comp.
Kl. Budengasse Nr. 6.
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Theater-Anzeige.
Dienstag den 12. Sept.:
Norma.
Große Oper in drei Akten von Bellini.
Am 20. d M. beginnt das erste Abonnement.
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W Dietz, unter Hutmacher Nro. 17.