[0521]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 105. Köln, Sonntag den 17. September. 1848.
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Uebersicht.
Deutschland.Köln. (Die Freiheit der Berathungen in Berlin. ‒ Der Abgeordnete Schwiderath) Frankfurt. (National-Versammlung: Debatte über den Waffenstillstand). Berlin. (Vereinbarungssitzung. ‒ Zeughaus-Prozeß. ‒ Die Potsdamer Revolte). Wien. (Reichstag. ‒ Die ungarische Deputation. ‒ Aus Ungarn. ‒ Die demokratische Judenpresse. ‒ Angeblicher Krieg zwischen der Pforte und Rußland. ‒ Erzherzog Ludwig. ‒ Unruhen). Chemnitz. (Arbeiter-Aufstand.) München (Ministerieller Erlaß an die Armee).
Italien. (Messina genommen. ‒ Die Livorneser Forderungen bewilligt. Bologna entwaffnet. ‒ Venedig bedrängt). Mailand. (Radetzki und Jellachich).
Französische Republik.Paris. (Legitimistische Propaganda. ‒ Senards Correspondenz-Bureau. ‒ Eisenbahn-Kommission. ‒ Kriegsgericht. ‒ National-Versammlung).
Schweiz.Basel. (Die Bundesverfassung angenommen).
Großbritanien.London. (Die Börse. ‒ Chartistenverhaftung).
Dublin. (Neue Insurrektion in Tipperary).
Deutschland.
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Edition: [Friedrich Engels: Die Freiheit der Beratungen in Berlin. In: MEGA2 I/7. S. 717.]
[ ** ] Köln, 16. September.
Es ist in der kontre-revolutionären Presse seit dem Eintritt der Krisis fortwährend behauptet worden, die Berliner Versammlung berathe nicht frei.
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[ * ] Köln, 16. Sept.
In Nr. 101 fehlt unter den rheinischen Abgeordneten, welche für den Stein'schen Antrag gestimmt, Hr. Schwickerath, Deputirter für den Kreis Prüm. Dies zur Ergänzung der ebengedachten Liste mit dem Bemerken, daß Hr. Schwickerath stets mit der Linken votirt hat.
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[ !!! ] Frankfurt,14. September.
77. Sitzung der National-Versammlung. Beginn 1/2 10 Uhr. Präsident v. Gagern. Tagesordnung: Berathung über die Waffenstillstandsfrage. Tribunen und Gallerien (so weit sie nicht kastrirt) sind gedrängt voll. Auf dem durch Beschluß der National-Versammlung geräumten Theil der Gallerien stehen Stühle für eximirte (?) Zuhörer.
Präsident verliest unter tiefster Stille die Anträge der Majorität und Minorität der beiden Ausschüsse.
Hierzu kommen vermittelnde Amendements von v. Lindenau, Franke u. a.,Wedekind u. a., Winter, Jahn (Gelächter), Adams, v. Maltzahn und mehrere u. s. w.
Vor Beginn der Verhandlung beantragt Wesendonk: Die National-Versammlung solle von allen (pro et contra) eingelaufenen Petitionen in Kenntniß gesetzt werden, deren Art, Anzahl der Unterschriften und Anträge verlesen werden.
Präsidentverspricht dies im Laufe der Verhandlung zu thun.
(Widersprüch: links: Gleich! Alle! Gleich!)
v. Lindenau (unter fortwährendem Rufe: Laut! Laut!) erklärt (so viel zu verstehen möglich: „daß er weder mit der Majorität noch der Minorität der Ausschüsse stimmen könnte, deshalb einen eignen vermittelnden Antrag stellt. Von der Motivirung seines Antrags versteht man nichts, „Ehre Deutschlands“ höre ich oft erwähnen. (Schluß!)
SekretairBiedermannverliest von Lindenau's Anträge, welche lauten:
1. daß die im 3. Satz des Art. VII. angeordnete Aufhebung der seit dem 17. März 1848 für die Herzogthümer erlassenen Gesetze, Verordnungen und Verwaltungsmaßregeln wegfallen soll;
2. daß die Vorstände derjenigen Kommissionen, die zur interimistischen Verwaltung von Schleswig-Holstein und Lauenburg, von den Königen von Preußen und Dänemark niederzusetzen sind, von der National-Versammlung ernannt werden;
3. daß über die Friedensverhandlungen nach Anleitung des in der W. S. A. Art. 48. 49. enthaltenen Vorschriften, von der Centralgewalt, unter Theilnahme der National-Versammlung verhandelt werden möge.
Heckscher(Exminister): Mit schmerzlicher Ungeduld habe ich dieser Stunde geharrt. Der Friede Europas, die Einigkeit Deutschlands, Glück und Wohlfahrt der Herzogthümer; Geist und Richtung des künftigen Ministeriums hängen von ihr ab. Ich empfehle ihnen zweierlei: 1. daß uns kein definitiver Friedensschluß vorliegt; 2. daß vom Ministerium die Krone Preußens beauftragt war, einen Waffenstillstand zu schließen, daß nicht die Centralgewalt ihn abgeschlossen. Heckscher liest seine ganze Rede mit brechender Stimme ab. Er geht die Präcedentien mit äußerster Breite durch. Preußen hatte versprochen, so viel als möglich an den zu Bellevue festgestellten Bedingungen im Wesentlichen festzuhalten. Darauf hin (d. h. auf dies Versprechen Camphausens) hat der Reichsverweser die Vollmacht ausgestellt. Und zwar nur unter obiger Voraussetzung hat er die Vollmacht ertheilt. Heckscher rechtfertigt die (wie er sagt, vielfach mißverstandene) Sendung des Herrn Max Gagern. Er sollte sich nur in der Nähe aufhalten; denn nach der Vollmacht wäre es unschicklich gewesen, sich in di Verhandlungen selbst einzumischen. (Gelächter) Er sollte auch die Notisie kationen der Centralgewalt der dänischen Regierung (trotz des Krieges) übergeben, um dadurch wo möglich zu influiren. Ueber die Zusammensetzung der Regierungskommission für die Herzogthümer, glaubte die Centralgewalt, wäre es besser, sich gleich in Bezug der Personen zu einigen ‒ ein Prinzip, nach welchem die Zusammensetzung statt fände, nicht erst festzustellen. ‒ Ueber die Sistirung der konstituirenden Versammlung in den Herzogthümern während des Waffenstillstandes sucht der Exminister das Ministerium und Hrn. Camphausen zu rechtfertigen. Seine Beweisführung ist die eines [Fortsetzung]
[Feuilleton]
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Leben und Chaten des berühmten Ritters Schnapphahnski.
(Fortsetzung.)
Es ging Herrn v. Schnapphahnski wie den jungen Katzen, die sechs Mal aus der Dachrinne in die Straße hinunterpurzeln können ohne den Hals zu brechen. Unser Ritter besaß wirklich vor allem Andern die Eigenschaft, daß er ein unbeschreiblich zähes Leben hatte.
Nach so fatalen Niederlagen, wie sie unser Held in München und Wien erfuhr, würde jeder andere Mensch nach Indien, nach Amerika, oder nach einem Eiland des stillen Oceans gereist sein. Nur ein Schnapphahnski durfte noch hoffen, auch an einem andern Orte eine Rolle spielen zu können.
Der Ritter konnte sich gratuliren, daß er deutscher Abkunft war, oder eigentlich wasserpolakischer. Wäre er als Pariser oder Londoner einmal in recht Schnapphahnski'scher Weise durchgefallen, so würde er sich schwerlich so schnell wieder erholt haben. Bei den vielen Höfen des deutschen Vaterlandes wußte sich der erfinderische Mann aber schon eher zu retten, und Gott weiß es, zu welchen verwünschten Prinzessen er sich noch hinabgelassen hätte, wenn nicht um die Mitte des Jahres 1840 durch den Tod eines großen Monarchen plötzlich so viele Hindernisse für unsern Helden aus dem Wege geräumt worden wären, daß er schnell wieder den Plan aufgab, sich einstweilen nur in den mehr verborgenen Sphären des germanischen Adels herumzutreiben, und es abermals wagen zu können glaubte, sogar in Berlin sein holdes Antlitz von Neuem sehen zu lassen.
Sollte man es glauben? Schnapphahnski wieder in Berlin! ‒ Man wird über die Keckheit unseres Helden lachen, wenn man bedenkt, wie schmählich er das dortige Feld einst räumen mußte. Wurde nicht das Abentheuer aus O. in Schlesien und das Duell aus Troppau noch manchmal bei Hofe erzählt? Lächelte nicht Carlotta noch immer so selig von der Bühne hinab in das Parquet, wo der Adonis der Garde stand, und wußte man nicht noch allerwärts die rührende Geschichte jener armen Tänzerin, die sich gerade so großmüthig von des Ritters Diamanten trennte, wie der Ritter die Tänzerin ungroßmüthig im Stiche ließ? Aber alles das machte nichts. Der Ritter war davon überzeugt, daß noch etwas aus ihm werden könne. Sein gewaltigster Feind war dahin; neue Gesichter verdrängten die alten, und unser Held hätte nicht Schnapphahnski heißen müssen, wenn er nicht versucht hätte, die Wendung der Dinge auch für sich zu exploitiren. Keck setzte er den Fuß wieder in das Berliner Leben.
Schnapphahnski mußte etwas wagen, denn er hatte drei Sachen nöthig, drei Dinge die man ungern im Leben zu entbehren pflegt. Unser Ritter bedurfte des Vergnügens, der Ehre und des Geldes; nach dem letzteren sehnte er sich am meisten. Für das Vergnügen war in Berlin schon gesorgt; Ehre konnte der Umschwung der politischen Zustände mit sich bringen; mit dem Gelde sah es am schlimmsten aus, und kopfschüttelnd dachte unser Ritter bisweilen an das alte Sprüchwort: „Wo Geld ist, da ist der Teufel; aber wo kein's ist, da ist er zwei Mal.“
Ueber die Geldverhältnisse unseres Helden finden wir in den schon erwähnten Dokumenten die genauesten und wichtigsten Aufschlüsse. Wir würden unserm Freunde gern die Demüthigung ersparen, so vor allem Volke seine Tasche umzukehren. Leider sehen wir uns aber gewissermaßen dazu gezwungen, denn die spätern Liebesabentheuer unsers Ritters stehen in so genauem Zusammenhange mit seinem Beutel, daß wir wirklich das Eine nicht ohne das Andere schildern können.
„Die in der Wasserpolackei gelegenen Güter Schnapphahnski's“ ‒ heißt es in unsern Notizen ‒ „waren fast gänzlich ertraglos, da enorme Schulden auf ihnen lasteten; Schulden, die dadurch täglich stiegen, daß der edle Ritter auch nicht im entferntesten nur so viel Einkünfte besaß, als zur Bezahlung der Hypothekenzinsen nöthig waren. Der Vater Schnapphahnski's schaffte sich einen Theil dieser Schuldenlast auf höchst geniale Weise vom Halse, indem er sich seiner Zeitfreiwillig interdicirenließ. Die Güter gingen durch dieses Manoeuvre auf den damals noch blutjungen Ritter über, der die Schulden des Vaters nicht bezahlte, da Majorate nicht angreifbar sind und selbst auf die Revenuen derselben nur so lange von den Gläubigern gerechter Anspruch gemacht werden kann, als der eigentliche Schuldner Herrdes Majorates ist.
Durch dieses feine Finanzkunststück der Familie Schnapphahnski war zwar mit den Schulden großentheils tabula rasa gemacht und manche bürgerliche Canaille ruinirt worden. Aus Mangel an jedem Betriebskapitale geriethen indeß die Güter sehr bald wieder in die alte Lage. Alle ihre Einkünfte wurden abermals verpfändet und der ganze Besitz war wiederum von Hypotheken erdrückt. An und für sichsind die Einkünfte dieser Güter sehr bedeutend.
Tzztzztzzt ‒ hier trägt das Manuscript einen unaussprechlich schönen, wasserpolakischen Namen, den wir dem Scharfsinn unserer Leser zu buchstabiren überlassen ‒ also, an und für sich sind die Einkünfte dieser Güter sehr bedeutend. Tzztzztzzt hat in ganz Deutschland die beste Zucht von Merino-Mutterschaafen und Böcken ‒ „ich bitte meine freundlichen Leserinnen höchst aufmerksam zu sein, da meine Skizzen über Herrn v. Schnapphahnski in diesem Augenblicke sehr belehrend werden ‒ „diese Merino-Mutterschaafe und Böcke werfen allein jährlich einen Ertrag von 60,000 Thlrn. Revenue ab, von denen Se. Hochgeboren indeß damals nicht einen Heller besah.“ ‒
Armer Schnapphahnski! Für 60,000 Thaler Schaafe und Böcke und dann nicht einmal einen Pfennig Einkommen. ‒ Das ist unbegreiflich, das ist entsetzlich! Uebrigens hat die Geschichte etwas [Fortsetzung]
[0522] [Spaltenumbruch]
[Deutschland]
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[Fortsetzung] Tertianers Man hätte es gefährlich erachtet, Beschlüsse fassen zu lassen von der konstituirenden Versammlung, während man noch nicht einmal wisse, wer in dem Lande Befehle zu geben haben würde. Er beleuchtet die Frage: wie es damit steht, daß Preußen eine unumschränkte Vollmacht erhalten habe, wie das Berliner Ministerium behauptet hat.
Das Reichsministerium konnte die Hoffnung hegen auf eine Identitätsbill der Nationalversammlung bei Ertheilung der Vollmacht, da ja am 9. Juli sogar der etwaige Friede mit Dänemark ganz in die Hände der Centralgewalt gelegt worden ist. (Vor der Kirche Tumult. Die Versammlung zeigt Theilnahmlosigkeit und Unruhe.) Er sucht die Vorwürfe zu widerlegen, die man in Bezug auf die Vollmacht dem Reichsministerium gemacht hat. Preußen habe ja nie das Vertrauen Deutschlands verscherzt. (Unruhe.) Auf den Vorwurf: warum das Ministerium nicht selbstständig über Annahme oder Nichtannahme beschlossen hätte, antwortet er: verwerfen konnten wir ihn nicht aus höhern (und deshalb unsichtbaren!) Gründen für das Wohl Deutschlands; annehmen auch nicht. Geht zur Prüfung des Waffenstillstandes selbst und nimmt die einzelnen Bedingungen durch, die er nach alter Advokatenmanier zu rechtfertigen sucht. Bezüglich der 7 Monate ist die Centralgewalt auf den ersten Anblick schmerzlich überrascht gewesen. Preußen, so meine ich, war sogar selbst überrascht. (Gelächter!) Als Grund giebt man: Schweden habe genügende Zeit verlangt, um seine Truppen zu dispansiren. (Gelächter.) Auch in der Trennung der schleswigschen Truppen von den holsteinischen findet er keinen Grund zur Unzufriedenheit, vielmehr findet er dies sehr gut, um die dänischen Elemente von den deutschen zu trennen!
(Sehr gut!) In Bezug auf Artikel VII., die Administration der Herzogthümer: Auch uns war der Artikel unwillkommen, aber man muß billig sein. Moltke hätte mit Recht Unzufriedenheit erregt (Wahrhaftig!) Gegen die anderen Regierungsmitglieder nichts Wesentliches zu erinnern. Aus seiner Beleuchtung müsse es klar geworden sein, daß das Ministerium für Annahme des Waffenstillstandes stimmen mußte. Die Nachtheile des Gegentheils sind: 1. Bruch mit Preußen, dessen Ehre verpfändet. (Unterbrechungen. Tumult an der Kirchenthür.) „Preußens Ehre ist gewissermaßen engagirt,“ dies sind die Worte des Exministers. 2. Zerrissenheit, Entzweiung Deutschlands. 3. Die Fortführung der Krieges etc. bei Fortführung des Krieges zu Gunsten Preußens. (Links: Nein!)
Ich stehe hier im Bewußtsein, nie und nimmer in meiner Amtsführung gefehlt zu haben. Der deutsche Gesandte in London, und der offiziöse Gesandte Englands hier, werden mir (mit weinender Stimme) das Zeugniß geben. Zum Schluß heult Hr. Heckscher, weil kein anderes Mittel ihm übrig bleibt. (Fortwährender Tumult vor der Kirche.) Alle Mächte Europas haben mit Krieg gedroht. Keine Drohung gilt bei mir, aber das Wohl Deutschlands. Bedenken Sie, daß ein Waffenstillstand kein Friede ist. Ich begreife nicht, wie die deutsche Ehre dadurch verloren gehen kann. (Gelächter.) Selbst wenn kein Krieg zu fürchten, müssen wir Rücksicht nehmen auf die andern Länder Europas, in deren Verband Deutschland als Neuling tritt. (Zischen.) Endlich sucht er noch durch ein Rechenexempel zu beweisen, daß die Majoritöt des Ausschusses keine Majorität sei, weil er nicht mitgestimmt.
Vogt: Ich bitte die Namen der Redner zu verlesen. ‒ Gagern: Nein! ‒ (Auf dem Platz des Herrn Radowitz sitzt ein Sekretär der emsig nachschreibt.‒ Radowitz selbst fehlt.
Venedey wird weniger von der Ehre Dänemarks, (wie Heckscher) als von der Ehre Deutschlands sprechen. ‒ Wird auch die Aktenstücke durchnehmen und das Gegentheil von Herrn Heckscher beweisen! ‒ (Die Bänke ken der Abgeordneten lichten sich.) v. Arnim (früher Gesander in Paris) und Wrangel erwähnt er rühmend in dieser Sache. ‒ Aus einer Note Bunsen's beweist er daß derselbe, einer der besten Staatsmänner Deutschlands, die Bedingungen des Waffenstillstandes für ganz verwerflich erklärt hat. (Links: Hört! Hört!) ‒ Auerswald in einer Note spricht von der Centralgewalt und National-Versammlung als von einer dritten Macht, die sich in diese Angelegenheit mischt. ‒ Er hat sich auf den Standpunkt des Auslands in dieser Frage gestellt. ‒ Von Allem spricht er darin, nur nicht von Uns! ‒ Ebenso verhält es sich mit Herrn Camphausen. ‒ (Während der Rede Venedeys gehen die meisten Volksvertreter spazieren.) Die auswärtigen Mächte alle, glauben mit uns wohlfeiles Spiel zu haben, man verachtet uns, man tritt uns auf den Füßen herum. (Schallendes Bravo auf den Gallerien.) Wer die Vollmacht gemacht und gegeben hat, hat unser erstes Recht mit Füßen getreten. (Sehr gut!) Heckschers Vertheidigung des alten Ministeriums sei so schwach, daß er sich scheue dasselbe noch anzugreifen. ‒ Mit Max von Gagern habe man sein Spiel in Schleswig getrieben. ‒ Wenn es uns nicht gelingt, uns wieder Achtung zu verschaffen, wird es mit der Achtung Preußens auch vorüber sein. Preußen ist nur eine deutsche Provinz. (Schallender Beifall) Präs: der Beifall der Gallerien ist verboten. Einer auf der Gallerie ruft: (Nicht verboten und wird von den Constablern heraus geschmissen! ‒)
Arndt.(Aufregung.) Diesseits und jenseits ist in meiner Abwesenheit in dieser Sache geredet worden. Heute z. B. von dem wailand Reichsminister Heckscher. (Gelächter.) Ich will nur von der Stellung des Hauses in dieser Sache sprechen. Er denkt mit Wehmuth an die Küstenländer, in denen er geboren ist. ‒ Unser Zustand des Augenblicks hat mich bewegt in dieser Sache meine Meinung zu ändern.‒ Seit vierzehn Tagen haben wir keine Regierung, kein Ministerium! (Gelächter ‒ ) Dies ist ein gefährlicher Zustand. ‒ In großen Gefahren hat mein altes Herz nie gezittert, immer die rechte Entscheidung gefunden. ‒ Der alte Mann redet immer confuser in's Blaue und wird von dem Präsidenten zur Sache ermahnt. ‒ (Das Haus lacht.) ‒ Zuletzt scheint er sich (denn er faßt dies sehr dunkel) für die Anträge der Majorität, die er selbst mit unterzeichnet hat, zu erklären. ‒
Präs: (zur Linken.) M. H. ich bin erbötig die Petitionen vorlesen zu lassen. Rechts: Nein!
Eisenmann. Ebenso wie Arndt fühlt er sich gezwungen in dieser Sache seine Meinung zu ändern. ‒ Norddeutsche Blätter meinen, es gäbe bei diesem Waffenstillstand noch geheime Artikel. (Rechts: Gelächter!) Er bewundert die schnellen Fortschritte die Heckscher in der Diplomatie gemacht.(Schwerin und Vinke gebärden sich ungezogen.) Endlich fragt sich, ob man über so einen absurd geschlossenen Waffenstillstand erst zu entscheiden nöthig hätte. ‒ Einheit über Alles ist mein Grundsatz. Ich stelle sie sogar fast noch höher als die Freiheit. (Bravo links) Preußen anlangend; ‒ was ist denn Preußen ohne die Centralgewalt. ‒ Erinnern sie sich, wie Preußens Regierung nach den Märztagen schwankte, wie es eben die Centralgewalt wieder aufrichtete; und wie hat Preußen dies gelohnt! ‒ Er erinnert daran, daß Preußen (hört! hört!) die Berliner Versammlung auseinander sprengen wolle, wenn sie nicht jenem trotzigen Cabinet folgt. (v. Schwerin und Vinke Unterbrechungen. ‒ Links Bravo!) Es scheint es gibt Männer und Regierungen. die nur dann des Volkes Stimme hören, wenn es von den Barrikaden zu ihnen spricht. (Links: Bravo!) Wenn der Volksvertreter sich überzeugt, daß die große Menge des Volks hinter ihm; enn ist es Pflicht seine Meinung darnach zu richten. Unter der Legion [Spaltenumbruch] von Petitionen werden sie sehr gewichtige Stimmen finden. ‒ Endlich! Was ziehen sie vor? Ein Zerwürfniß mit Preußen oder eines mit Deutschland? ‒ Preußen ist mit Deutschland stark, ohne Deutschland ein Zwerg! Wir haben den festen Punkt endlich gefunden, von dem aus wir, wie Archimed mit der Welt thun wollte, die Reaktion und den Despotismus aus ihren Angeln heben wollen. ‒ Der Punkt ist das Volk! (fortwährendes Bravo links begleitet die Rede.) Schließlich stellt Eisenmann selbstständige Anträge, auf vorläufige Verwerfung des Waffenstillstand's und Abschließung eines solchen Seitens der Centralgewalt.‒ (Links und Gallerien Bravo! ‒)
Franke,Regierungs-Präsid. aus Schleswig (mit sehr unvernehmlicher Stimme) (laut!) hat zwar für Sistirung des Waffenstillstands gestimmt, ‒ aus Dankbarkeit für Preußen (Zischen links und Galerie ‒ rechts und diplomatische Tribüne bravo! ‒) Der edle König von Preußen (langes Zischen! furchtbares Bravo von Schwerin und von Vinke,) ist in der Bewegung Deutschland ja immer vorausgegangen. ‒ Theilt die Furcht vor dem Ausland und den inneren Zerwürfnissen. ‒ Einige Punkte im Waffenstillstand findet er außerordentlich vortheilhaft. Alle Punkte übrigens präjudiciren ja dem Frieden nicht. ‒ (Langes Zischen begleitet ihn von der Tribüne.)
von Maltzahn Landgerichts-Direktor von Küstrin. Die Sorge für sein engeres Vaterland (Preußen) treibt ihn auf die Tribüne. ‒ Er hat am 5. September mit der Minorität gestimmt, weil er die Akten noch nicht kannte. ‒
Wenn Moltke an der Spitze in Schleswig-Holstein geblieben wäre und die Centralgewalt (Vertreterin eines Volkes von 45 Millionen) in dem Waffenstillstand ganz vernachläßigt wäre, so würde er ihn wohl auch mißbilligt haben. Aber seit dem 5 habe sich vieles geändert. Er stellt die Anträge: In Erwägung, daß der Waffenstillstand theils unausführbar, theils den Wünschen des Volks nicht entsprechend ist, ‒ soll der Waffenstillstand doch genehmigt werden, aber mit Modifikationen. ‒
von Hermann(Vicepräsid.) Vor der Vollmacht hätte das Reichsministerium sollen der Nat.-Vers. die Bedingungen vorlesen. ‒
Man hat einen Bevollmächtigen (Max Gagern) in die Nähe der Verhandlungen geschickt, hätte man ihn doch so nahe geschickt, daß er sie mit angehört hätte ‒ Ich hätte mich (wenn ich das Ministerium gewesen wäre) (hört!) an die preußische Regierung gewendet und ihr voraus gesagt, solche Bedingungen können nicht ratifizirt werden ‒ (Links sehr gut!) Man hat gesagt, Preußens Ehre sei verloren, wenn wir nicht ratifiziren. Nein! Es handelt sich nur um die Ehre einiger Minister. Warum haben sie einen ungeschickten Vertrag geschlossen? ‒ In der Nichtratifizirung liegt gerade Preußens Ehrenrettung! (allgemeines lautes Bravo! Warmer Beifall! Zischen rechts!) Das gewesene Ministerium hat gemeint es habe immer gewissenhaft gehandelt man kann gewissenhaft handeln, und doch viele Fehler machen. (Gelächter Bravo!) ‒
Ich bin bei Camphausen gewesen, und habe ihn gefragt, ob kein Ausweg möglich, keine Vereinbarung der verschiedenen Anträge, durch Aenderung der Artikel. ‒
Camphausen hat sich nur für Modalitäten bei der Ausführung des Waffenstillstandes, nicht für Aenderung einzelner Artikel erklärt. Ich habe unter den Fraktionen dieses Hauses herumgehört, ob ein vermittelnder Antrag möglich sei der die Meinungen vereint. Ich habe mich von der Unmöglichkeit überzeugt. ‒ (Links: hört!) Deshalb trete ich in meine alte Stellung zurück, und erkläre mich für den Antrag der Majorität des Ausschusses. (Lauter Beifall!) ‒ Wir sprechen einfach aus, wir genehmigen nicht, so hat die ganze Sache ein Ende! Man hat der Sache eine übergroße Wichtigkeit beigelegt; ‒ man hat uns mit Preußen gedroht ‒ Das Gefühl was sich in Preußen (hier und da) kund giebt ist eine übertriebene Tugend. ‒ An einen Krieg zwischen deutschen Stämmen glaube ich überhaupt nicht. Meine Herren, wollte Preußen einen Krieg, es würde den Feind in seinen eignen Lagern haben, nämlich alle Freunde der Einheit, alle Freunde der Freiheit. (Stürmischer Beifall.) Danemark diese kleine Macht, die obendrein noch den Krieg mit Unrecht führte, hat sich, ich sage es unverhohlen, die Achtung aller europäischen Mächte erworben, durch seine Energie! ‒ Ahmen Sie es darin nach;‒ hüten sie sich daß man ihnen nicht eines Tages nachsagt: „sie sind zum Kinderspott geworden!“ ‒ (Endloser Beifall von allen Seiten des Hauses außer etwa 15 Mitgliedern der Rechten und der Diplomatentribüne.)
Schmerling(wailand Minister) greift, statt über die Sache selbst zu reden, unter fortwährendem Ruf: „zur Sache!“ mit bissigen Worten Hermann an, den er den neuen Ministerkandidaten nennt. Sucht das alte Ministerium zu rechtfertigen. Seine kurze Rede athmet das, was man „Brodneid!“ nennt.
Nach Schmerling wird die Diskussion bis Morgen um 9 Uhr vertagt. ‒ Schluß um 1/2 4 Uhr.
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[ 103 ] Berlin, 14. Sept.
Die Ministerkrisis dauert noch fort. Nach einem Schreiben, welches der Minister-Präsident an den Präsidenten der Vereinbarer-Versammlung heute gerichtet und welches nach Eröffnung der heutigen Sitzung verlesen wurde, wird Herr von Beckerath erst morgen Nachmittag hier erwartet und da das neue Ministerium demnach noch nicht gebildet ist, stellt der Minister-Präsident anheim, die Sitzungen noch ferner auszusetzen. ‒ Da der Umzug nach dem Konzertsaal des Schauspielhauses morgen beginnt und bis Dienstag beendet sein wird, so ist die nächste Sitzung zu Dienstag Vormittag 9 Uhr anberaumt worden.
Auf Antrag von 18 Mitgliedern der linken Seite, daß das Präsidium während der Zeit des Umzuges aus dem jetzigen Lokal in das neue für ein passendes Versammlungslokal Sorge tragen möchte, für den Fall, daß es nothwendig wäre, daß sich die Vereinbarer versammeln müßten, hat das Präsidium die Aula der Universität zu diesem Zwecke bestimmt und vom Rektor der Universität auch die Genehmigung dazu erhalten. Nachdem diese kurze Mittheilungen heute gemacht waren, wurde die Sitzung wieder geschlossen.
‒ Nicht nur in dem formellen Justizwesen sondern auch in der Gesetzgebung schreitet die Reform vorwärts. Der Entwurf zu einer neuen Hypothekenordnung ist beendigt, der Entwurf zur Gerichtsordnung aber befindet sich bereits unter der Presse. Wie man hört, soll dieser Entwurf aus nicht mehr als 900 Paragraphen bestehen. Die alte Gerichtsordnung zählt nicht weniger als 5160 Paragraphen. Rechnet man dazu die seit 33 Jahren her ergangene ungeheure Anzahl von ergänzenden und erläuternden Gesetzen und Rescripten, so kann man schon hieraus die ganze Schwerfällig- [Spaltenumbruch] keit unserer formellen Gesetzgebung ermessen und wie ein Zurechtfinden darin den Richtern kaum mehr möglich ist, geschweige denn dem nicht juristisch gebildeten Bürger. ‒ Wie man hofft, werden wir bis zum Schlusse dieses Jahres Geschwornengerichte nicht nur in Berlin, sondern im ganzen Lande erhalten, wenigstens vorläufig gewiß bei allen politischen und Preßprozessen. Was die Aufstellung der Geschwornenlisten zu den Assisen anbetrifft, so scheint man dahin übereingekommen zu sein, diese für jetzt durch die aus dem Wahlgesetze vom 8. April hervorgegangenen Wahlmänner vornehmen zu lassen.
(Publicist.)
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[ * ]
Die „Vossische Ztg.“ berichtet aus Köln, Freiligrath sei „nicht wegen Majestätsbeleidigung, sondern wegen Erregung von Mißvergnügen und Unzufriedenheit“ angeklagt ‒ so wenigstens soll Hr. Nikolovius einer Deputation des Arbeitervereins gesagt haben. Die gute „Vossische“, die ihre angebornen Landrechtskategorieen von „Majestätsbeleidigung“, und „Erregung von Mißvergnügen“ etc. etc. für die ganze Welt für maßgebend hält!
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[ * ] Wien.
Unsere Wiener Briefe vom 11. waren uns gestern ausgeblieben, so daß wir die Reichstagssitzung nach den dürftigen Berichten norddeutscher Blätter mittheilen mußten. Heute kommen uns gleichzeitig die Briefe vom 11. und 12. zu, und wir vervollständigen daher noch nachträglich aus dem Schreiben unseres [ 61 ] -Korrespondenten die Reichstagsdebatten über die Berichte des Petitionsausschusses.
Doliak trägt als Berichterstatter das Gutachten des Kommissionsausschusses über eine Petition der Dalmatiner vor, worin verlangt wird, daß für die italienischen Abgeordneten die Fragestellungen, Anträge, Auszüge der Verhandlungen u. s. w. in ihre Sprache übersetzt werde.
Borrosch spricht sich in sehr satyrischer Weise dagegen aus, indem er auf die Schwierigkeiten der Ausführung und auf die Kosten aufmerksam macht, wenn alle Nationalitäten des Reichstags ein gleiches Verlangen stellten.(Palacki lacht höhnisch dabei).
Ambrosch stellt einen ähnlichen Antrag für die Südslaven in den deutschen Provinzen.
Hawlitschek will die Uebersetzung auch für die Polen und Ruthenen, indem er die Sprache, die jeder spreche, für die beste ausgibt. Die Mehrzahl verstehe polnisch und ruthenisch.
Trojan hält sich nicht für schlechter als ein Deutscher, schließt sich aber Borrosch's Antrag auf Ernennung einer Kommission an, die darüber entscheiden solle.
Potocki: Wir haben nie auf des Recht verzichtet, hier unsere Sprache zu reden; es fragt sich nur, ob es zweckmäßig ist, daß wir sie reden; das Unrecht ist nur da vorhanden, wo die Abgeordneten kein Deutsch verstehen.
FürstLubomirski, der poln. Demokratenrenegat: Wir haben freiwillig deutsch gesprochen, wir müssen also auch den guten Willen der Petenten anerkennen. Was für Viele ein Recht ist, kann nicht wegen Schwierigkeiten verweigert werden; es verursacht keine Verspätung, wenn die Uebersetzung auch in 30 Sprachen geschieht. (Dieser dreißigfache Dudelsack würde einen herrlichen Canon heulen).
Borrosch: Es ist an meine Gerechtigkeit appellirt worden, ich nehme die Berufung an. Aber die Gerechtigkeit ist nicht zu seziren; die politische Gerechtigkeit steht mit dem Vernünftigen auf einer Stufe. Wenn wir fortfahren, uns mit solchen Dingen abzugeben so wird die Knute über uns siegen; die Nationalität wird sehr oft als Hetze gemißbraucht. Wir sitzen schon 8 Wochen und sprechen deutsch. Wenn wir Polyglottie einführen, so ist dieser erste Reichstag auch der letzte. In Nordamerika, in der Schweiz gibt es auch Sprachen, aber keinen Sprachstreit. Kein französischer Republikaner hat jemals das abgeschmackte Verlangen gestellt, daß der Baske, der Provenzale in seiner Sprache reden könne. (Murren, Bravo, Zischen). Nur hier kommen Nationalitätsliebhabereien und reaktionäre Sonderbündeleien zum Vorschein. (Wüthendes Gebrüll unter den Czechen und einem Theil der Polen; sie erheben sich, ballen die Fäuste gegen Borrosch. Vor allen andern zeichnen sich dabei Rieger, Palacki, Lubomirski, Trojan, Klaudy u. s. w. aus. Ordnungsruf von allen Seiten; der Präsident klingelt verschiedenemale und ruft mit büreaukratisch-leidenschaftlicher Stimmung den unter diesem Gewitter mit stoischer Ruhe stehen gebliebenen Borrosch zur Ordnung).
Borrosch will, immer gegen den grimace-schneidenden Palacki gewendet, weiter reden; der Präsident ermahnt ihn in dem vorigen Tone, sich der; Geschäftsordnung gemäß gegen ihn zu wenden.
Borrosch (mit spöttischer Verbeugung): Ich werde dem Herrn Präsidenten geschäftsordnungsschuldig gehorchen und beantrage ein eigenes Gericht für Uebersetzertreue.
Der Schluß der Debatte wird beantragt.
Löhner beantragt eine Vertagung auf morgen.
Lasser dagegen, weil der Petitionsausschuß ohnehin schon Vorwürfe bekommen habe.
Goldmark unterstützt den Antrag auf Vertagung.
Ein Abgeordneter stellt den Antrag, über Löhners und Goldmarks Antrag zur Tagesordnung überzugehen.
Die Tagesordnung wird angenommen
Rieger (mit tiefausgeholter czechischer Entrüstung): Ich bin bewegt, empört uber die Worte, die hier entfallen; man hat sich nicht entblödet....(bei seiner Wuth kaum verständlich).
Borrosch. Ich ersuche den Herrn Präsidenten, den Abgeordneten Rieger zur Ordnung zu rufen.
Präsident ruft denselben zur Ordnung, weil Borrosch vorhin die Erklärung gegeben, daß er keine Nationalität habe angreifen wollen.
Rieger: Damit kann ich nicht zufrieden sein. Wollen die Deutschen die Gleichberechtigung so verstehen, daß nur sie das Recht haben sollen, in ihrer Sprache zu reden? Sie sind die Minorität, wir Sklaven bilden die Macht, von uns hängt das Schicksal der Monarchie ab. Es gibt keine Staatssprache, keine privilegirte Nation, also auch keine privilegirte Sprache. Wir haben die Zwangsjacke an, wenn wir nur diese Sprache reden sollen. Die Nationalität ist so heilig, wie die persönliche Freiheit und wenn die Versammlung die deutsche Sprache als Geschäftssprache anerkennt, so werde ich mich diesem Beschluß nicht fügen, denn sie kann mir nicht rauben, was mir angeboren ist. (Herr Rieger spricht übrigens so gutes deutsch, wie ein geborner Deutscher und seine flegelhaften Wuthausdrücke, welche die Verhandlung sehr widerlich machen, sind ebenfalls sehr national-deutsch.)
Löhner: Die diese Frage jetzt einbrachten, haben das Gewicht nicht bedacht, nicht die Folgen, die sie haben muß. Im Anfang des Reichstag's [Fortsetzung]
[Spaltenumbruch]
[Feuilleton]
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@facs0522
[Fortsetzung] sehr patriarchalisches. Man denke sich den kleinen Schnapphahnski „ sporenklirrend, schnurrbartkräuselnd“ mitten zwischen seine Schaafe und Böcke tretend. Zu seiner Rechten stehen die Schaafe, zu seiner Linken die Böcke. „ Verehrte Mutterschaafe und Böcke,“ beginnt Schnapphahnski‒„ ich bin im höchsten Grade erfreut Euch wieder zu sehen. Ich habe viel gereis't und außerordentliche Thaten bezeichnen meine Laufbahn. In O. in Schlesien, setzte ich dem Grafen S. ein Paar Hörner auf“. ‒ hier unterbrach den Redner das freudige Geblöck sämmtlicher Böcke ‒ In Troppau erschlug ich den wilden Menschenfresser, den Grafen G. (allgemeines Erstaunen). In Berlin genoß ich den Lilienleib Carlottens (alle Schaafe schlagen verschämt die Augen nieder). In Spanien erwarb ich mir unsterblichen Ruhm unter Don Carlos (Schaafe und Böcke brechen in Oho und Bravo aus). In München erschoß ich den Herzog von...... und wurde deswegen verbannt (schmerzliche Rührung auf allen Gesichtern). In Wien drohte mich die Liebe der Damen zu erdrücken‒(die Böcke wedeln und beißen einander in die Ohren). Verehrte Heerde, theure Majorats-Mutterschaafe und Böcke! Ihr begreift, daß mich ein wehmüthig süßes Gefühl beschleichen muß, wenn ich nach so ungewöhnlichen Fahrten und Schicksalen endlich in Euren stillfriedlichen Kreis zurückkehre (stilles Einverständniß aller Seelen). O, es ist mir zu Muthe, wie einem jener alten Nomaden, die uns das Buch der Bücher in so trefflichen, arabeskenhaften Mährchen zu schildern sucht. Gleiche ich nicht einem Joseph, einem Benjamin oder lieber jenem:
‒ ‒ ‒ Sohne des Hethiten,
Der einst die Maulthier' in der Wüst erfand,
Als er des Vaters Esel mußte hüten?
[(Allgemeines Interesse.)]
O, ihr Gespielen meiner Jugend, ihr lieben Angehörigen der Familie Schnapphahnski, seid mir gegrüßt, ja, seid mir von Herzen willkommen! Mit Euch aufgewachsen bin ich, ihr unvergleich- [Spaltenumbruch] lichen Mutterschaafe, und gern denke ich noch daran, wie ich Euch oft so zärtlich an die Lämmerschwänzchen faßte. Ja, mit Euch habe ich mich entwickelt, ihr herrlichen Böcke und nie werde ich vergessen, daß ich von Euch alle meine tollen Sprünge lernte, bis ich endlich älter und erfahrener wurde, und zu einem großen Sündenbock gedieh (Rauschender Beifall.) Ihr Schaafe zur Rechten und ihr Böcke zur Linken, hört meine Rede! Beide liebe ich Euch, und es ist nur ans altadliger Courtoisie, daß ich mich gewöhnlich mehr der Rechten zuwende; ja, Euch ihr trefflichen Mutterschaafe, da ihr der Stamm und der Hort der ganzen Race seid. (Bravo! Bravo! auf der Rechten.) O, mein Enthusiasmus für Euch und für diese Versammlung kennt keine Gränzen. Mit Euch, ihr Schaafe und Böcke, will ich schaffen und wirken für alle Schaafe und Böcke außerhalb dieser Versammlung. (Stürmische Jubelunterbrechung.) Groß ist unsere Aufgabe, aber nichts wird uns erschüttern. Einer der kühnsten Streiter stehe ich unter Euch, heiter das Haupt erhebend, und nur eins, ach, kränkt mich und schnürt mir das Herz zusammen (peinliche Aufmerksamkeit und lautlose Stille). Ja, eins nur thut mir weh, daß Ihr herrlichen Merino-Mutterschaafe und Böcke alle miteinander hypothezirt seid, und daß ihr nicht geschoren werdet für mich.“
Es wird meinen Lesern nicht entgangen sein, daß die Beredsamkeit unsres Helden namentlich in einer tieftraurigen elegischen Wehmuth ihren Hauptreiz hat. Viele der ausgezeichnetsten Schaafe und Böcke haben mir versichert, daß sie bei verschiedenen Gelegenheiten wahrhaft davon bezaubert gewesen seien und sich schon bereit gehalten hätten, den Demosthenes der Wasserpolakei mit einem Donner des Applauses auf seinen Sitz zu begleiten, wenn nicht wider Erwarten, trotz aller adlig-patriarchalischen Phrasen, schließlich der Finanznoth blasse Wehmuth, tiefe Trauer, zum Vorschein gekommen wäre und der ganze Sermon in einem unsterblichen Gelächter sein Ende erreicht hätte.
Ja, die Finanznoth! Sie spielt in dem Leben unseres Helden [Spaltenumbruch] eine eben so große Rolle als die Liebe. Die Finanznoth war es auch, welche Sr. Hochgeboren vor allen Dingen wieder nach Berlin trieb.
Es wäre hier die Stelle, näher auf die Festlichkeiten einzugehen, die bei der Huldigung im Spätjahre 1840 in Berlin statthatten. Wir unterlassen dies aber. Herr von Schapphahnski hatte sich natürlich sehr darauf gefreut. Er hoffte, daß man bei dem allgemeinen Tumult nicht mehr an seine seltsame Vergangenheit denken würde. Mit der angebornen liebenswürdigen Frechheit glaubte er das Verlorene wieder erobern zu können und dann auch schnell zu Amt, Ehre und Credit, kurz, zu Allem zu gelangen was sein Dasein wünschenswerth machte.
„In Berlin“ ‒ heißt es in unsern Manuscripten ‒ „wartete Sr. Hochgeboren aber ein äußerst schlechter Empfang von Seiten der schlesischen Ritterschaft. Nach langen Debatten beschloß dieselbe nämlich, zu einem Diner, das sie als Korporation gab, Herrn von Schnapphahnski nicht zuzulassen. Unser Ritter fand sich aber dennoch ein und setzte sich mit zu Tische. Da erhob sich die ganze Ritterschaft…(Fortsetzung folgt.)
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@facs0522
Die Petitionskommission der Vereinbarungsversammlung hat einen zweiten Bericht veröffentlicht. An Kuriositäten ist derselbe wo möglich noch reicher als der erste. Fast die meisten der in ihm besprochenen Petitionen erstreben eine Abhülfe der partikulärsten Noth, Geldunterstützungen, Erlaß von Pachtzinsen, Erdledigung lästiger Prozesse u. dgl. m. Ein Hr. v. Brandenburg zu Memel bittet sogar um Veranstaltung einer Kollekte zur Abhülfe seines Nothstandes, da er, „obgleich Verkünder einer bessern Temperatur, Entdecker der wahren Entstehungsursache der Cholera und Stifter eines neuen naturgemäßen Weltsystems, von der Vorsehung mit unüberschwänglichen Gaben ausgestattet, dennoch unbelohnt und arm geblieben sei.“
[0523]
[Deutschland]
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@facs0523
[Fortsetzung] hätte man sie noch diskutiren können, nicht aber gegenwärtig. Weh' uns, wenn jetzt Nationalitätskämpfe uns spalten! Vergessen wir nicht die eine Sprache, die wir alle reden sollen, die Sprache der Freiheit, die uns so nöthig ist! Die Reaktion steht hinter diesem Streit, das Grauen des Absolutismus. Der Boden ist nicht mehr fest, die Wände werden unheimlich und Menschenalter sind hinter dem März, wenn wir also fortfahren. Lassen wir uns daher vergessen, was wir vor 8 Wochen hätten thun können! Ich stimme für eine Kommission zur Regelung der Sprachverhältnisse. (Bravo links. Zischen der Reaktionäre.)
Mit mehr oder minder Leidenschaftlichkeit sprechen hierauf noch im slavischen Sinne Dylewski, Hawelka, Hauschild, Potocki. Letzterer bemerkt: da die Nationalfrage hier zum Vorschein gekommen ist, so muß ich eine Erklärung machen. Borrosch hat das Wort Gesammtvaterland ausgesprochen. Ich finde darin nur mein Vaterland Polen. Ich stelle es höher, als jedes Prinzip.(!) So lang dies Vaterland verletzt ist, können wir nicht von Gesammtinteressen reden.
Borrosch: Wir bilden einen Völkerkongreß, zu welchem man hätte Leute schicken sollen, die fähig sind, sich zu verständigen.
Doliak, Berichterstatter, sucht Löhner und Borrosch zu widerlegen, wird dabei heftig und sagt unter Anderm: Wenn die Stimmung hier schon so ist, so mag man erst beurtheilen, wie man sich in Frankfurt wider uns benimmt. (Heftiger Lärm, von allen Seiten erheben sich Abgeordnete, Löhner will den Redner zur Ordnung gerufen haben).
Doliak verlangt, daß mit Namensaufruf über den Antrag des Petitionsausschusses abgestimmt werde.
Ein Anderer verlangt Vertagung auf 10 Minuten. Beides angenommen.
Präsid. verliest erst die verschiedenen Anträge Löhner's, Borrosch's, Lubomirski's, Hawlitschek's, Bosner's und ordnet sie.
Rieger will den Ordnungsruf zurückgenommen; er habe sich keiner Persönlichkeit schuldig gemacht, den § 66 der Geschäftsordnung also nicht übertreten.
Präsident nimmt den Ordnungsruf zurück.
Borrosch will nun auch den seinen zurückgenommen wissen und appellirt an die Gerechtigkeit des Präsidenten.
Präsident thut es unter umschweifenden Erklärungen.
Doliak: Die Dalmatiner haben erklärt, daß sie auf ein ausführliches Detail verzichten, und nur einen kurzen Auszug der stenographischen Berichte verlangten, wie ihn die Wiener Zeitung gebe.
Bei der gewöhnlichen Abstimmung fallen die Anträge Löhner's und Borrosch's durch, alle slavischen Anträge werden angenommen.
Der fernere Antrag Borrosch's, daß der Kommissionsantrag auf alle Nationalitäten ausgedehnt werde, wird ebenfalls angenommen.
Bei der namentlichen Abstimmung wird dieser Kommissionsantrag angenommen.
Die Abgeordneten können also nun in ihren Sprachen reden, Anträge stellen u. s. w. Der Reichstag wird eine Uebersetzungsanstalt, eine babylonische Verwirrung, deren Resultat Auflösung sein wird. Finis Austriae.
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@facs0523
[ 61 ] Wien, 12. Sept.
Der Reichstag hält heute keine Sitzung, um der Kommission Zeit zu lassen, den Verfassungsentwurf zu vollenden. Sein gestriger Nationalitätenhader hat auf das Volk einen höchst peinlichen Eindruck gemacht; macht er sich auch unter diesem geltend, so wird ein unbeschreiblicher Kampf entstehen, schlimmer als alle Religionskriege je gewesen. Nur die Aristokratie und der Absolutismus könnten daraus Vortheile ziehen. Ich will nicht daran glauben.
Als die ungarische Deputation den ungenügenden kaiserlichen Bescheid erhalten und den Brief Ferdinand's an Benjamin Jellachich erfahren hatte, steckten sehr viele der Abgeordnetenrothe Federn auf die Hüte.
In Preßburg harrte ihrer eine große Menschenmenge und empfing sie mit Eljen, allein die Deputation blieb lautlos und einer der Deputirten sprach folgendes zum Volke:
„Brüder Magyaren! Wir waren in Wien bei unserem König, haben aber dessenungeachtet nichts Näheres erfahren; wir wissen eben so viel, als wir vorher gewußt haben. Volk von Ungarn, Brüder! Ihr seht, wir sind uns nun ganz allein überlassen, auf fremde Hülfe können wir nicht bauen, unsere einzige Stütze ist unser eigener Arm. Auf daher, Volk von Ungarn! Wer immer nur das Rohr zu lenken und das Schwert zu führen weiß, der reihe sich unter die Fahnen zum heiligen Kampfe, zur Rettung unserer Freiheit, zur Rettung der ungarischen Nationalität! Magyaren! in Wien bildet sich ein zahlreiches Freikorps, das mit uns für die heilige Sache der Freiheit kämpfen will; mit diesem vereint laßt uns siegen oder sterben!“ ‒ „Auf zum Kampfe!“ schrie das ganze Volk.
Pesth und Ofen sind in der größten Aufregung. Alles greift zu den Waffen. Folgendes Plakat wurde sofort nach Wiederankunft der Deputirten dort angeschlagen:
„Bürger! Die sich über das Vaterland zusammenthürmenden Verhängnisse haben die Gleichheitsgesellschaft bewogen, aus ihrem Schooße ein permanentes Comité zu ernennen, dessen Aufgabe sei, wie ihr es einzeln thut, so im Ganzen über die Ereignisse zu wachen. Mit jener patriotischen Begeisterung, die in des Vaterlandes gegenwärtigen Augenblicken kein wahrer Bürger entbehren kann, fordert das Comité jeden Bürger auf, alles was er weiß, was auf das Vaterland von Einfluß sein könnte, dem Comité so schnell als möglich mitzutheilen.“
Aus der Generalsitzung der Gleichheitsgesellschaft.
Madaràsz Làszló, Zerrssi Gusztav.
Die Wiener Demokratie theilt noch die allgemeine ideologische Erbärmlichkeit der deutschen. Statt mit den Ungarn gemeinschaftliche Sache zu machen, hat die ganze demokratische Presse über die Ungarn nicht genug schimpfen können und beginnt erst jetzt, wo es fast zu spät ist, anderer Einsicht zu werden. Wie richtig die fortwährenden Denunziationen gewesen, die ich Ihnen in Beziehung auf unsere demokratische Judenpresse immer gemacht, beweisen täglich die ungarischen Korrespondenzen unserer sogenannten demokratischen Journale selbst. Was Sie Bourgeois nennen, das sind hier die Juden, die sich der demokratischen Leitung bemächtigt haben. Dies Judenthum ist indessen noch zehnmal niederträchtiger als das westeuropäische Bourgeoisthum, weil es die Völker unter der erheuchelten, börsengestempelten Maske der Demokratie betrügt, um sie direkt in den Despotismus des Schachers zu führen.
Wo die Demokratie nur die Dummheit und die jüdische Schacher- und Stellenjägerei-Gemeinheit zur Grundlage hat, wird sie es weit bringen.
So eben vernehme ich, daß die ungarische Nobelgarde, die herrlichste Kavallerie der Erde, ihre Entlassung eingereicht hat, um sich in die Armee ihres Vaterlandes aufnehmen zu lassen. ‒ Der Hof soll gestern einen Kourier mit dem Auftrage an Jellachich abgesendet haben, vorläufig Halt zu machen. Jellachich selbst soll an die Ungarn eine Proklamation erlassen haben, worin er verkündet, daß er nicht gegen das ungarische Volk, sondern gegen das Ministerium zu Felde ziehe. (In der That!)
Aus zuverlässigen Privatnachrichten geht hervor, daß Rußland der Pforte den Krieg erklärt hat. England soll letztere zu einer entschiedenen Erklärung wider die russische Einmischung in die Angelegenheiten der Donaufürstenthümer vermogt haben. ‒ Das Ganze ist wohl nur eine diplomatische Komödie, um für den Fall eines ungarischen Siegs die Anwesenheit der russisch-türkischen Heere zu beschönigen und dann gemeinschaftlich mit dem persiden Oestreich wider die Freiheit zu operiren. Jedes andere Interesse tritt ja einstweilen noch in den Hintergrund.
Der Minister v. Schwarzer soll nun bestimmt aus dem Ministerium treten, er hat den Tritt des Mephistopheles gefühlt. An seine Stelle kommt ein wüthender Metternichianer Namens Brück.
Der Erzherzog Ludwig, der hartnäckigste Vertheidiger des alten Systems, ist in Schönbrunn wieder angelangt. Er ist unser„Prinz von Preußen“ und soll sich oft schnupfend und fluchend im Park von Schönbrunn herumtreiben.
Unter der Redaktion des Arbeiters Hillisch erscheint seit einigen Tagen eine Arbeiterzeitung, welche von dem ersten Wiener Arbeiterverein ausgeht.
Der Drucker von Schmid hat Freiligrath's Gedicht: „Die Todten an die Lebenden“ nachgedruckt und setzt dasselbe zu 2 Kr. C. M. in ungeheurer Anzahl ab. ‒ Die Dichter singen und werden in den Kerker geworfen, aber die gemeinen Schacherjuden ziehen den Gewinn davon. Freiligrath wird von den erlösten Kreuzern schwerlich einen zu sehen bekommen. ‒ Ich habe mehre Redakteure hiesiger Blätter auf den Unfug aufmerksam gemacht und sie werden den Drucker bei der Ehre angreifen, ‒ Bourgeoisehre!
Nachschrift. So eben 12 Uhr wurde auf Befehl des Ministers Dobblhoff Generalmarsch geschlagen. Alles läuft nach dem Judenplatze, wo sich das Ministerium des Innern befindet. Der Platz ist gedrängt voll Menschen; von allen Seiten rückt Nationalgarde heran, das Volk empfängt sie mit Hochs, sie steckt die Bajonnette ab und entfernt sich bald wieder unter dem Beifalljauchzen des Volkes.
Die Veranlassung zu diesem Auftritt ist folgender Maueranschlag, der alle Gewerbetreibenden ebenso in Aufregung brachte, wie die frühere Herabsetzung des Arbeitslohns die Arbeiter, und der zwischen Bürgerwehr und Nationalgarde dieselben Scenen herbeizuführen droht:
Der von dem Hrn. Swoboda gegründete Aktienverein kann nur als eine Privatunternehmung angesehen werden, daher Niemand verhalten werden, die durch ihn ausgegebenen Aktien als bares Geld anzunehmen.
Dieser Umstand hat diejenigen, welche sich bei diesem Verein betheiligten, in ihren Hoffnungen getäuscht, und zu den gestern stattgefundenen Auftritten, welche nicht zu entschuldigen sind, Anlaß gegeben.
Damit aber der verarmte Gewerbsmann, welcher von obigem Vereine und von den durch ihn ausgegebenen Aktien Hülfe erwartete, nicht zu empfindlichem Schaden gelange, und damit die Vervielfältigung dieser Aktien nicht zu Störungen des allgemeinen Verkehrs und der öffentlichen Ruhe verleite, so hat das Ministerium des Innern sich bewogen gefunden eine Kommission zusammenzusetzen, welche sich vorerst mit der Liquidirung der von Herrn Swoboda ausgegebenen Aktien und mit der theilweisen Einlösung derselben von dem unmittelbaren Empfänger, sohin aber auch mit der Frage beschäftigen wird, unter welchen Bedingungen und Vorsichten der fernere Bestand des swobodischen Aktienvereins gestattet werden könne.
Diese theilweise Einlösung der bereits ausgegebenen und noch in dem Besitze der ursprünglichen Empfänger befindlichen Aktien in dem Maße, welches von der Kommission bestimmt werden wird, beginnt morgen 13. Sept. von 8 Uhr früh bis 2 Uhr Nachmittags. Ueber die bereits an dritte Personen abgetretenen Aktien werden später die nöthigen Bestimmungen getroffen werden.
Der baldige und befriedigende Abschluß dieser Angelegenheit kann nur durch Mäßigung, Ordnung und Vertrauen erreicht werden, jede Art von Aufregung aber, oder von ungestümen, unmöglichen Forderungen würde das Ministerium in die unangenehme Nothwendigkeit versetzen seine bereitwillige Unterstützung zur Ausgleichung dieses Gegenstandes zurückzuziehen und gegen gesetzwidrige Eingriffe mit Strenge einzuschreiten.
Wien, 12. September 1848.
Vom Ministerium des Innern,Doblhoff.
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@facs0523
Swoboda hatte einen Aktienverein zur Unterstützung zurückgekommener Gewerbtreibenden gestiftet, bei welchem sich der Kaiser mit 10,000 fl. C. M. betheiligt hatte. Dieser Verein wurde den Bank- und Börsenjuden ein Dorn im Auge; sie glaubten ihr Privilegium dadurch geschmälert und zettelten Intriguen an, in deren Folge gestern ein Volkssturm auf das Landhaus stattgefunden hat, wobei im Innern des Gebäudes vieles zertrümmert wurde. Dadurch entstand obige Verordnung Dobblhoffs, worauf sich das Volk heute sofort in Massen vor seinem Ministerium versammelte. Die reichen Bürgergrenadiere und die goldene Kavallerie, die eigentlichen Bankjuden, ergriffen die Sache des Ministers d. h. ihre eigene und kamen dadurch mit einem Theil der Nationalgarde, die dem Gewerbestande angehört, in Konflikt. Auf den Generalmarsch des Ministers erschien nun zwar ein bedeutender Theil der Nationalgarde, fraternisirte aber sogleich mit dem Volke und zog, dem Generalmarsch zum Trotz, wieder ab. ‒ Das Ministerium ist noch in diesem Augenblick vom Volke umringt, die Minister zittern und, wenn, wie vorauszusehen, Morgen die Nationalgarde zur Ausübung der Strenge nicht erscheint, so wird es neue Auftritte geben. Jedenfalls hat sich das Ministerium nun auch bei der Nationalgarde moralisch vernichtet und nur mehr die Bankjuden sind noch seine Stütze. Es muß gänzlich fallen. Ein Blatt publizirt folgende Ministerliste: Schuselka, Auswärtiges; Löhner, Inneres; Kudlich, Handel; Borrosch, Justiz u. s. w.; aber die Slaven werden kein deutsches Ministerium mehr aufkommen lassen; sie werden ein knutiges schaffen.
Morgen schon wird der neue Reichstagspräsident erwählt. Die Czechen bieten Alles auf, wiederum einen antideutschen Präsidenten durchzusetzen. Europa wird über diese Nationalhetze lachen.
Die akademische Legion hält eine allgemeine Säuberung; jeder Nichtstudent, der nicht den Künsten und Wissenschaften unmittelbar angehört, wird ausgestoßen. Die ganze Legion wird rothe Halsbinden tragen. Die Bevölkerung befreundet sich immer mehr mit der Republik; sie wird hier ganz gewiß zum Ausbruch kommen und muß siegen, wenn Ungarn den ersten günstigen Schlag gethan.
Die reaktionäre Stimmung schlägt täglich mehr um, man spricht schon davon, daß der Sicherheitsausschuß bald wieder als provisorische Regierung auftauchen werde. Durch Maueranschläge ladet derselbe heute die Gewerbtreibenden in das Nationaltheater an der Wien zur Empfangnahme der zu ihrer Unterstützung eingegangenen Gelder ein. Das wirkt. ‒ Wenn Ungarn siegt, wird der slavische Reichstag, weil er aus Deutschenhaß mit dem Absolutismus gemeinschaftliche Sache macht, vom Volke gesprengt werden. Man ist im höchsten Grade unzufrieden mit ihm.
Der Sturz der Ministerien in Berlin und Frankfurt hat ungemein gewirkt und trägt viel bei, den Sturz des hiesigen zu beschleunigen.
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@facs0523
Wien, 12. Septbr.
Gestern Abend fand eine starke Zusammenrottung vor dem Ständehause statt. Wir konnten im Augenblicke nur erfahren, der alte Gemeindeausschuß sei im Ständesaal gesessen und habe vom Volke einige Unannehmlichkeiten zu erdulden gehabt. Man sagte sogar, die Herren haben etwas unfreiwillig den Saal verlassen. Es scheinen aber keine politischen Interessen, sondern pekuniäre dabei im Spiele gewesen zu sein, denn das Volk war dann auf den Judenplatz vor die Wohnung des Hrn. Swoboda gezogen, wegen der von ihm ausgegebenen Aktien. Es ward auch eine Deputation zum Minister des Innern geschickt, um eine Garantie für das Geld zu verlangen, das für diese Aktien gegeben worden ist. Der Minister soll auf heute Morgens Untersuchung und Ordnung dieser Angelegenheit versprochen haben.
[(Constitution.)]
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@facs0523
[ * ] Chemnitz, 11. Sept.
Unsere Stadt ist in der größten Aufregung, Generalmarsch wird geschlagen, die Hauptwache (bloß 150 Mann) erhält scharfe Patronen, und die Straßen sind von erbitterten Arbeitern durchwogt. Ueber die Ursache Folgendes: In der am vergangenen Sonnabend abgehaltenen Arbeiterversammlung war erzählt worden, daß ein bei dem Bäckerkrawall verhafteter Fabriktischler nunmehr vierzehn Monate in unnöthiger Weise verlängertem Arrest gehalten werde, ja man hörte sagen, er sei vierzehn Wochen lang in kein Verhör gekommen. Von der bei Einigen auftauchenden Meinung, den Gefangenen zu befreien, wurden sie abgebracht, und man beschloß, Montags durch eine Deputation die Freilassung der Gefangenen zu verlangen. Deshalb versammelten sich schon Nachmittags nach 3 Uhr viele Arbeiter auf dem Markte, während die Deputation auf das Stadtgericht ging. Hierauf begab sich der Gerichtsrath Grötsch mit einem Arbeiter in das Stadtgefängniß, wohl um diesen zu überzeugen, ob der Gefangene wirklich so schlecht behandelt werde, als man erzählt hatte. Auf dem Neumarkt wurden die Arbeiter unterdessen unruhig; die reitende Kommunalgarde überritt ein Kind, und dies gab den Anlaß, daß die Arbeiter unter wüthendem Rachegeschrei einen Angriff mit Steinen gegen die Hauptwache machten. Es gelang einigen Bürgern, die Arbeiter durch den Vorschlag einer großen Versammlung, zum Zweck einer Amnestiepetition, für den Augenblick zu beruhigen. Noch war ein allgemeiner planmäßiger Angriff indeß nirgend erfolgt. Um 7 Uhr Abends nahm die Bewegung einen ernstlicheren Charakter an, die Frohnfeste ward von der Masse gestürmt, die beiden Gefangenen wurden gewaltsam befreit und im Triumph nach der „Aue“ geführt. Die schwache Besatzung der Frohnfeste und des dahin führenden Gäßchens mußte fliehen, an der Hauptwache begann die Menge Barrikaden zu errichten und das Pflaster aufzureißen, Steine flogen und es mögen gegen 20 Verwundungen vorgekommen sein. Von der etwa 2000 Mann starken Kommunalgarde waren im Ganzen 300 Mann erschienen, die gegen die Massen Nichts ausrichten konnten und im entscheidensten Moment zum Abtreten und Nachhausegehen kommandirt wurden.
Vor der Hauptwache traten um 1/2 10 Uhr die Behörden mit den Arbeitern in Unterhandlung. Die Arbeiter verlangten: die Kommunalgarde soll bis auf die gewöhnliche Wache abziehen, die Arbeiter sollen sich entfernen und das Amnestiegesuch unterschreiben. Die Bedingungen werden angenommen, und die Arbeiter ziehen nach dem Gasthofe zur Aue, wo das Gesuch unterzeichnet wird. Die Straßen sind noch belebt, aber ruhig.
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@facs0523
Chemnitz, 12. Sept. 4 Uhr.
Die Revolte entbrennt auf's Wüthendste wieder, da man die freigegebenen Gefangenen heute wieder verhaftet hatte(!!!).Soeben ertönt Rottenfeuer des Militärs in der Johannisgasse, wo zwei Barrikaden errichtet und mehrere Häuser abgedeckt sind. Vor dem Johannisthore ebenfalls Barrikaden, nicht minder an der Frohnfeste aufgerissenes Pflaster; Geschrei, Toben und dazu ‒ kaum der fünfte Theil der Kommunalgarde; doch Kavallerie aus Freiberg und Marienberg. Diese Notiz unter den Waffen, ‒ der Himmel weiß, was die Nacht bringt.
6 Uhr. Salve auf Salve von beiden Seiten, Barrikaden in allen Gassen, viele Verwundete; die Revolte scheint einen politischen Charakter anzunehmen, eine Disposition macht sich bemerkbar, die Vorstädte sind bewaffnet gegen uns, das Militär noch zu schwach, die Kavallerie kann wenig wirken wegen des aufgerissenen Pflasters und der Barrikaden, die mit Kunst konstruirt sind. Wie soll das enden? Die Maschinenarbeiter sind furchtbar ergrimmt. Um 7 Uhr erwartet man Militär von Schneeberg. Die beiden Gefangenen mußten auf's neue freigelassen werden.
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@facs0523
Dresden, 13. Sept. Mittags.
Rittmeister Helbig und ungefähr 20 Soldaten sind geblieben, Geh. Regierungsrath Todt durch einen Steinwurf auf der Brust verwundet. Die reitende Batterie ist von Radeberg hier durch nach Chemnitz abgegangen.
[(Dresd. J.)]
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@facs0523
München, 10. Sept.
Durch ein Circular des königlichen Kriegsministeriums werden sämmtliche Militärkommandos auf die Rechte und Pflichten des stehenden Heeres vom verfassungsmäßigen Standpunkte aufmerksam gemacht; es soll in der Armee die größtmögliche konstitutionelle Einsicht verbreitet werden; daß der freie Gebrauch des Wortes und der Presse, so weit er nicht durch Strafgesetze beschränkt ist, auch dieser Klasse von Staatsbürgern gewährleistet ist, die bewaffnete Macht nach Außen gerichtet sei und nur auf Requisition der Civilbehörde einzuschreiten habe, dies Alles soll der Armee eröffnet werden.
Italien.
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@facs0523
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 17. September 1848. In: MEGA2 I/7. S. 720.]
[ * ] Messina
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@facs0523
Mailand, 7. Sept.
Der Feldmarschall Radetzky hat dem Banus Jellachich eine Million Gulden überschickt.
[(Grad'aus.)]
Französische Republik.
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@facs0523
Paris, 14. Sept.
Nächst dem Arbeitsrecht regt die legitimistische Propaganda die Gemüther am Meisten auf. Legitimistische Zettelträger rennen von Haus zu Haus und prophezeien die Rückkehr des alten Glücks und Königsgeschlechts für Ende dieses Monats mit einer wahrhaft klassischen Unverschämtheit.
In der Rue Duphot hob gestern die Polizei einen legitimistischen Klub auf. Ein Stoß von Papieren, aufwieglerische Lieder, vorzüglich aber die Namenlisten sämmtlicher Glieder wurden mit Beschlag belegt.
‒ In Bannes wird ein neues legitimistisches Orakel„La Bretagne, redigirt von Georg Cadoudal“ vom 15. Septbr. an erscheinen.
‒ Senard, Minister des Innern, zeigt sich im heutigen Moniteur gewaltig ergrimmt gegen die Reforme, weil sie gestern die Existenz eines geheimen lithographischen Korrespondenzbureaus, das die Departementspresse mit reaktionärem Proviant versehe, denunzirt hatte. Hr. Senard verneint es, erklärt jedoch bei der Reinheit seiner alten republikanischen Gefühle am Schluß, „daß, wenn wirklich ein Korrespondenzbureau des Genre's bestehe, wie ihn die Reforme signalisire, so sei Hr. Senard und die Angestellten seines Ministeriums demselben persönlich fremd.“ Beruhigen Sie sich, Hr. Senard, die Reforme war gut unterrichtet, das fragliche Bureau zur Beaufsichtigung des öffentlichen Geistes existirt wirklich, nur wandeln Ihre Couverts aus der Rue de Grenelle in die Rue de Barennes, von wo sie gefüllt zur Post expedirt werden.
‒ Der Moniteur enthält die Namenslisten der jüngsten Insurgentenverpackung nach Havre. Es sind deren 500, darunter mehrere Ausländer, z. B. Bergys, Bildhauer aus Belgien, Frank, Trich, Kohner, Link, Maurer, Zott, Gilmer, Specht, Meyer, Typograph, Fick, Ulmann etc. aus den Rheingegenden.
‒ Ein Dekret der Exekutivgewalt setzt eine neue Eisenbahn- [0524] [Spaltenumbruch] kommission an die Stelle der in der letzten Zeit unter Guizot errichteten ähnlichen Behörde zur Beaufsichtigung und Schlichtung von Eisenbahnstreitigkeiten ein.
‒ Gestern fällte das Kriegsgericht nach viertägiger Debatte und Vernehmung eines Heeres von Zeugen, sein Urtheil gegen den berüchtigten Maire des 12. Bezirks, der auf Seite der Insurgenten mit Arago und Lamartine von den Barrikaden herab parlamentirt hatte. Pinel, Grandchamp, sein Name, wurde von Chair d'Est Ange vertheidigt, und hört, hört, nur zu 1jährigem simplem Gefängniß verurtheilt. Seinen Kameraden auf der Barikade, Bataillonschef Dupont, der sich geflüchtet, traf dagegen eine 10jährige Kettenstrafe in Contumaciam.
‒ Das „Bien Public“ erklärt heute die von ihm gegebene Nachricht für ungenau: daß Hr. Labrousse, Gründer und Exdirektor der Brüsseler Handelsschule, und jetziger französischer Volksrepräsentant, vom König Leopold als französischer Gesandter in Brüssel zurückgewiesen sei.
Nationalversammlung Sitzung vom 14. September. Anfang 12 1/2 Uhr Mittags. Präsident Marrast. Tagesordnung: Die Debatte über das Recht auf Arbeit und Staatshülfe für den Armen, nach dem Antrage Matthieu's zum § 8. der Verfassungs Einleitung.
Bouhier de l'Ecluse bekämpft den Antrag; er gehe zu weit. Andererseits sei der Verfassungsentwurf zu engherzig; ihm zufolge müsse der Staat zwei Zwecke erfüllen, den Handel ermuntern und die Volksaufklärung durch gute Schulen heben. Das sei aber Alles, worauf man sich beschränken müsse.
Cremieur legt sein Ausschußgutachten über die erforderlichen Majoritäten bei den neuen Geschwornen-Gerichten auf ben Tisch.
Martin Bernard unterstützt das Arbeitsrecht. Es sei die schönste Ueberschrift welche die Versammlung der Verfassung geben könne. Der Geist der Assoziation wirke verjüngend auf die Gesellschaft, er versetze dem alten Gespenst „Politik“ den Todesstoß. Der Staat müsse der Regulator des Kredits werden. Nur auf diese Weise sei eine vernünftige Transaktion zwischen Ueberfluß und Elend, Arm und Reich möglich.
Billault (allg. Aufmerksamkeit.) Ich bin kein Utopist, beginnt er; während meiner polit. Laufbahn bestrebte ich mich, stets praktisch zu sein. Ich gestehe es Euch ganz demüthig ich bin nur ein Republikaner du lendemain; aber ich hege die Ueberzeugung, daß jeder Ehrenmann sich dem republikanischen Prinzip weihen muß und daß wir, die den Staat als Gesammtgesellschaft repräsentiren, gütlich der Februar-Revolution Zugeständnisse machen müssen (allg. Erstaunen; Entsetzen zur Rechten, der Redner gehörte bekanntlich zu den einflußreichsten Glieder der ehmal. Kammerlinken.)
Duvergier de Hauranne warnt vor Uebertreibungen und bewies uns die Nothwendigkeit die Frage nakt und klar zu betrachten. Wohlan, ich rathe Ihm sich nicht von dem Glauben hinreissen zu lassen, daß Ihre sozialistischen Gegner die Welt einreissen wollten, um sie nachher wieder aufzubauen ‒ im Studirzimmer. Es giebt unter den Sozialisten Leute, die allmählige Reform wollen, zu dieser Schule sog. Progressisten gehöre er Was verlangt man von Euch? Sollt Ihr Eure Staats-Einnahmen als Almosen vertheilen und das Volk umsonst füttern? Keineswegs. Wir verlangen nur die Anerkenntniß einer Schuld, die Ihr später bezahlen sollet. Ein altes Sprüchwort sagt: Adel verpflichtet,“ wohlan der Februarsieg sagt Euch: „Republik verpflichtet,“
Dufaure sucht den günstigen Eindruck zu verwischen, den Billault's Rede hervorbracht. Der Redner beharrt dabei, daß man die Pflicht zu Arbeitsgabe, aber nicht das Recht auf Arbeit in die Verfassung schreiben dürfe und schließt mit einer Voltaireschen Floskel.
Die Sitzung wird auf zehn Minuten aufgehoben. Dann erhält Lamartine das Wort.
Er berichtet von vornherein, daß er nicht für, sondern gegen das Amendement stimme, und den Fassungs-Ausschuß unterstützen werde.
Lamartine's Rede trug keinen bestimmten Charakter. Sie schwamm zwischen dem Amendement, dessen Geist er lobte, aber dessen Form er verurtheilte. Wir haben nie den poetischen Advokaten des Proletariats schwächer gesehen. Seine Rede wurde wohl gehört, aber sie machte fast gar keine Wirkung zur Linken.
Dufaure erwidert einige Worte. Keine Bedeutung.
Glais-Bizoin entwickelt sein Amendement, das die Worte eingeschoben wissen will:
„Der Arbeiter hat das Recht auf Existenz durch Arbeit und Staatshilfe, nach den Gesetzen.“
Mathieu schließt sich dieser Fassung an.
Der Rapporteur protestirt
Goudchaur, Finanzminister, besteigt die Bühne, um das Amendement zu bekämpfen. Er beginnt wie gewöhnlich mit der Betheurung, sich sein ganzes Leben lang mit dem Arbeiterwohle beschäftigt zu haben. Er liebe die Arbeiter. Die Arbeiter ernähren die Regierung, nicht die Regierung die Arbeiter. (Beifall.) Allein der Kredit fehle ihnen und den müsse man ihnen verschaffen. (Gut) Dies könne ihnen aber nur die Ruhe und der Frieden des Landes geben, nicht jene socialistischen Lehren. (Oh! Oh!) Ja wohl, ihr Leute des Berges, die Welt wird ohne Euch und trotz Euch marschiren, denn Ihr wollt sie tödten.
Diese Worte rufen einen furchtbaren Tumult hervor. Goudchaur steht wie ein armer Sünder auf der Tribune. Endlich gönnt man ihm Gehör. Er leistet Abbitte und vollendet seine Rede über Hals und Kopf.
Lagrange stürzt auf die Bühne und treibt den Minister förmlich herunter. Gräßlicher Scandal. Lagrange protestirt im Namen des Berges gegen die blutigen Anschuldigungen Goudchaur
Die Rechte schreit: Schluß! Schluß der Debatte auf morgen!
Favre protestirt mit einigen Worten gegen den Schluß, aber vergebens G. Bizoins Amendement wird mit 596 gegen 187 verworfen und die Sitzung geschlossen.
Großbritannien.
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[ * ] London, 14. Sept.
Die Nachrichten aus Irland, wie die vom Kontinent versetzten die Börse in große Unbehaglichkeit. Die Verhaftungen von Chartisten dauert fort. In Saddleworth (Yorkshire) wurden vorgestern wieder 12 Chartisten in's Gefängniß gesetzt.
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[ * ] Dublin, 13. Sept.
Der „Kilkenny Moderator“ enthält Folgendes:
„Es bleibt kein Zweifel mehr, daß sich in Tipperary eine Insurgentenschaar gesammelt hat, die zum Aeußersten entschlossen ist Das Hauptkorps der Insurgenten wird auf 4000 Mann angegeeben. Sie lagern auf Aubrey-Hill und in den angränzenden weitläutigen Schiefersteinbrüchen. Sie haben eine starke Stellung und mit großem Geschick die natürliche Festigkeit durch jedes Mittel erhöht. Die Führer müssen jedenfalls Militärs sein. Das Landvolk wird regelmäßig einexerzirt. Die meisten sind mit Piken, viele aber auch mit Büchsen bewaffnet. Es heißt, Richard O'Gorman sei der Chef und auch Doheny befinde sich unter ihnen. Sämmtliche Konstablergebäude sind angegriffen und zum Theil verbrannt worden. Ein Theil der Konstablers wudre entwaffnet; die übrigen flüchteten nach Clonmel und Carrick. Ein anderer Bericht meldet, daß 500 Bewaffnete aus der Grafschaft Waterford den Insurgenten zu Hülfe ziehen.“
In Carrick herrschte die größte Aufregung. Einige Regimenter marschiren gegen die Insurgenten, welche in der Nacht auf allen Anhöhen Signalfeuer angezündet hatten. Diese Zeichen wurden weithin erwiedert. Bei der großen Militärmacht, die seit einigen Monaten Irland besetzt hält, wird diese neue Insurrektion keine lange Dauer haben. Wahrscheinlich werden sich aber dann eine Menge Guerilla's bilden.
Donaufürstenthümer.
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Jaffy, 3. Sept.
Die Lage der Fürstenthümer wird ernstlicher. Großbritannien hat sich entschlossen, die Pforte gegenüber von Rußland in den Unterhandlungen über die Moldau und Walachei zu unterstützen. Der englische Konsul zu Bucharest hat der Regierung seine Glückwünsche dargebracht, daß die Pforte die von den Romanen verlangten Reformen anerkannt habe. Die türkischen Truppen sammeln sich. Man darf die Macht auf 300,000 Mann Türken und Egypter schätzen, welche unter Jbrahim Pascha Rußland die Spitze bieten können. Als letzte Friedensmaßregel war ein Adjutant Soliman Pascha's an General Duhamel mit der Aufforderung abgegangen, die Moldau zu räumen, da die Ordnung hergestellt und es nöthig sei, die durch die Umstände gebotenen Veränderungen in der Moldau auf demselben Fuß, wie in der Walachei vorzunehmen. Auf die Antwort des russischen Generals, daß er nur auf Befehle des Gesandten in Konstantinopel handeln durfe, ist Soliman Pascha sogleich dahin abgereist.
Nachtrag.
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Frankfurt, 15. September.
Nationalversammlung. Es sprachen in der Waffenstillstandsfrage: Sylvester Jordan, Moritz, Blömer, Schoder, Mühlfeldt, Ghiskra, Literat Jordan aus Berlin (der von Radowitz sehr billig erworbene Apostat), Vogt. Nach Vogt wird die Debatte auf Morgen vertagt. Ein Resultat ist noch nicht vorherzusehen; eben so wenig ein Ministerium. Die Zahl der eingelaufenen Adressen, welche fast ohne Ausnahme die Zustimmung zu dem Beschluß vom 5ten aussprechen, beläuft sich auf 80.
Handels-Nachrichten.
gap: insignificant
[Anzeige]
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Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
Den 13. Joh., S. v. Michel Richartz, Tagl., Schemmergasse. ‒ Clotilde, T. v. Salomon Koppel, Kaufm., Hochstr ‒ Martin, S. v. Joh. Werner Düssel, Schuster, Kranenbäumen.
Sterbefälle.
Jacob Meyer, 1 J. 11 M. alt, Kämmergasse. ‒ Clem. Aug. Richrath, 1 J. 3 M. alt, kl. Griechenmarkt. ‒ Maximilian Jos. Trivelli, 2 M. alt, Ursulastraße. ‒ Wilh. Mühlens, 5 J. alt, Gereonswall. ‒ Gert. Kaufmann, geb. Hilgers, 72 J. alt, Minoritenspital. ‒ Melch. Meyer, Maurergeselle, 75 J. alt, Wwr., Minoritenspital. ‒ Gudula Cotten, geb. Fasbender, 38 J. alt, Kämmergasse.
Heirathen.
Georg Gerh. Fischer, Schmied, v. Isselburg u. Cath. Deussen, v. Düsseldorf. ‒ Joh. Gottl. Reinhardt, Stellmacher, Wwr., v. Pegau u. Conr. Carolina Stücker, v. Salzwerk. ‒ Ludw. Kessel, Friseur, Wwr. v. Bonn und Maria Odilia Pauß v. Wevelinghoven. ‒ Joh. Schmidt, Hausknecht, v. Horchheim und Elis. Schmitz v. hier. ‒ Jacob Binzen, Dachdeckergeselle, v. Mesenich u. Maria Elis. Baltes, v. Traben. ‒ Pet. Roesberg, Tagl., und Marg Delcour, beide v. hier. ‒ Paul Bürvenich, Taglöhner, v Buschhoven, u. Cunigunda Pütz, v. Königswinter. ‒ Pet. Rost, Stellmacher, und Anna Sophia Schrage beide v. hier.
Anzeigen.
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Schifffahrts-Anzeige.
Köln, 16. September 1848.
Angekommen: Fr Kühnle und H. Bechert von Heilbronn. Kapt. Willms von Rotterdam mit 5324 Ct. Kapt. Baumann von Amsterdam mit 4517 Ctr. Peter Schneider vom Obermain.
Abgefahren: L. Tillmann nach Koblenz: M J. Deis nach der Saar. Jac. Schaaf nach Wesel. C. Konigsfeld nach Duisburg. Seb. Schulz nach dem Niedermain. M. Roth nach dem Obermain. Wwb. Wilhelm Dunk nach Mannheim.
In Ladung: Nach Antwerpen G. Verwaayen Nach Rotterdam W. Hogewegh. Nach Ruhrort bis Emmerich H. Lübbers. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr J. Budberg. Nach Andernach und Neuwied C. Kaiser. Nach Koblenz, der Mosel und der Saar J. Zeiler. Nach der Mosel, und Trier und der Saar N. Bayer. Nach Bingen und nach Mainz J. Hirschmann. Nach dem Niedermain Frz. Schulz. Nach dem Mittel- und Obermain F. C. Schneider. Nach Worms und Mannheim H. Mundschenk. Nach Heilbronn H. Bechert. Nach Kannstadt und Stuttgardt L. Bühler.
Ferner nach Rotterdam Capt. Demmer Köln Nr. 25.
Ferner nach Amsterdam Capt Scholwerth, Nr. 3
Ferner nach Stettin Capt Range, Bark „Fortschritt.“
Rheinhöhe am 16. Sept. 6′ 1 1/2 ″.
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Brodpreis der Stadt Köln.
Vom 17. bis zum 24. Sept.
Ein Schwarzbrod von 8 Pfd. soll kosten 4 Sgr 10 Pf.
Köln, 16. Sept. 1848
Der interimistische Polizei-Direktor, Geiger.
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Cochem, 3. Sept. Der demokratische Verein hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, daß kein Mitglied die Kölnische Zeitung halten, auch kein Wirtshaus besuchen solle, wo die Kölnische Zeitung gehalten wird.
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Koblenz. Der politische Klub hat in seiner Sitzung vom 5. c. folgenden Beschluß gefaßt: „Die Kölnische Zeitung vertritt nicht die Gesinnung der Rheinprovinz.“
Koblenz, den 8. Sept. 1848.
Sprecher und Schriftführer des politischen Klubs.
Caspers. Dotzler.
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Gebrauchte Dachziegeln und Laien werden zu kaufen gesucht, die Expedition sagt wo.
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Bezugnehmend daß jetzt in Deutschland überall Dampf aufsteigen wird ‒ empfehle ich meine rein geborten Pfeifen, welche ein besonderes Dampf-Organ für diese Zeit sein werden. Der Bürger Schlechter, zu Köln am Vater Rhein Wo man vernunftvoll wird sein.
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Freiwillige Versteigerung.
Am Montag den 18. d. M., Nachmittags 3 Uhr, sollen im Hause Christophsstraße Nr. 1. C. verziehungshalber verschiedene wohlerhaltene Mobilien von Mahagoni und Nußbaumholz: als Sopha, Tische, Consol, Bettstellen, Porzellan und Küchengeräthschaften etc., gegen gleich baare Zahlung durch den Unterzeichneten versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher, Clören.
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Einladung für die Bürgerwehrmänner der 16. Compagnie, auf Montag den 18. dieses zur Fahnenweihe und Feldmanöver am Gremberge.
Versammlung 2 U. im Standquartier.
Der Hauptmann.
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Der zweite Rheinische Demokraten-Kongreß findet am 24. d. M. in Köln statt, und soll wo möglich, Morgens 10 Uhr, eröffnet werden. Die Abgeordneten wollen sich bis dahin im obern Saale bei Stollwerk oder im Pfälzerhofe (Appellhofplatz Nr. 17) melden.
Es sind auch Demokraten aus solchen Orten, wo keine Vereine bestehen, so wie Abgeordnete von Vereinen aus den die Provinz begränzenden Gegenden, welche sich noch keinem Kreisvororte angeschlossen haben, willkommen.
Adr. Dr. jur. H. Becker.
Der Kreis-Ausschuß.
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Meine ächt chemische Dampfreinigung von Federbetten und Haarmatratzen, welche von Kennern bereits öffentlich den lebhaftesten Beifall erhalten, befindet sich Follerstraße Nr. 62, wohin ich meine Mitbürger sich zu wenden bitte.
Friedr. Custodis,
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Zum Klavierstimmen und repariren empfiehlt sich, R. B. Mayr, Musik. Instrumentenmacher, St. Apernstraße Nr. 57.
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Volks-Versammlung.
Am Sonntag den 17. dieses Monats findet zwischen 12 und 2 Uhr Mittags in Worringen eine große Volks-Versammlung statt.
Die Demokraten Kölns sind eingeladen sich daran zu betheiligen. Es werden Kähne von Worringen hier ankommen, um sie gegen Vergütung von 1 Sgr. an den Ort der Versammlung zu bringen. Man schreibt sich ein bei Simons im Kranz und heute (Freitag) Abend im demokratischen Verein im Eiserschen Saale.
Zur Rückfahrt kann die Eisenbahn (Station Langenfeld) benutzt werden.
Die Kähne fahren ab von der Trankgasse, Sonntag Morgens Punkt 8 Uhr.
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Buchheimer Kirmeß.
Größtes Kaiserzelt.
Heute Sonntag den 17. September: große Tanzmusik wozu ich mir erlaube ein verehrliches Publikum ergebenst einzuladen.
Joh. Hub. Breuer.
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Amtliche Bekanntmachung.
Mit Bezugnahme auf die diesseitige Bekanntmachung vom 18. Juli d. J. wird hiermit zur Kenntniß des betreffenden, handeltreibenden Publikums gebracht, daß der Gemeinderath für den, am Montag den 2. Oktober d. J. hier stattfindenden großen Viehmarkt, folgende Prämien für Viehhändler bewilligt hat, nämlich:
1. für denjenigen, welcher den besten Ochsen zum hiesigen Markte bringt, 100 Thaler;
2. für denjenigen, welcher den zweitbesten Ochsen zum hiesigen Markte bringt, 50 Thaler;
3. für denjenigen, welcher die beste Kuh zum hiesigen Markte bringt, 50 Thaler;
4. für denjenigen, welcher die beste Verse zum hiesigen Markte bringt, 30 Thaler, und
5. für denjenigen, welcher das meiste Vieh zum hiesigen Markte bringt, 20 Thaler.
Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß bei Zuerkennung der Prämien lediglich auf die Qualität resp. Quantität des Viehes Rücksicht genommen werden wird, so wie auch selbstredend das Vieh, wofür die Prämien bewilligt werden, am Markttage zum Schlachten auf dem hiesigen Markte verkauft werden muß. Ebenso wird erwartet, daß die Viehhändler, denen die Prämien zuerkannt werden, den hiesigen Viehmarkt auch ferner regelmäßig mit ihrer Waare besuchen werden.
Die Beurtheilung des Viehes, resp. die Zuerkennung der Prämien, erfolgt durch die, für den hiesigen großen Viehmarkt bestehende Metzger-Deputation.
Köln, den 16. September 1848.
Das Oberbürgermeisteramt.
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Bürgerwehr General-Versammlung.
5. Compagnie.
Wegen wichtigen Berathungen Montag den 18. Abends 7 Uhr
bei Gottfried Zell,
Bollwerk Nr. 23.
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Ein Kaufmann, Deutscher, 30 Jahre alt, welcher mit der französischen, englischen und italienischen Sprache vollkommen vertraut ist, auch schon verschiedene Geschäftsreisen durch Deutschland, Frankreich, die Schweiz und Italien machte, sucht als Korrespondent oder Reisender ein anderweitiges Engagement.
Offerten unter A. A besorgt die Expedition d. Zeitung.
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Ein braves Mädchen, von guter anständiger Familie, außerhalb Köln gebürtig, sucht eine Stelle als Zweitmädchen Dasselbe ist im Fein-Nähen sehr bewandert.
Unter Goldschmidt Nr 13
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Sarg-Magazin.
Bei Schmidt, Mühlengasse Nr. 10 sind alle Sorten Todten-Laden zu billigen Preisen zu haben.
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Theater-Anzeige.
Montag den 18. Sept.:
Nachtwandlerin.

Große Oper in 3 Akten von Bellini.
Amina, Frl. Reuß als Gast.
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W. Dietz, unter Hutmacher Nro. 17.