[0531]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 107. Köln, Mittwoch den 20. September. 1848.
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Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Die Ratifikation des Waffenstillstandes. ‒ Bestrafung von Soldaten wegen Clubbesuch.) Berlin (Die Krisis.) Wien. (Reichstag. ‒ Aus Ungarn. ‒ Kossuth gestürzt. ‒ Nachricht vom Kriegsschauplatz. ‒ Telegraphie. ‒ Die Vorfälle am 13.) Breslau. (Posensche Gefangne.) Halle. (Adresse) Elberfeld. (Adressen)
Ungarn. Pesth. (Das Ministerium Kossuth als provisorische Regierung.)
Italien. (Auto-da-fe in Genua. ‒ Adresse nach Turin. ‒ In Neapel die Kammer vertagt.)
Französische Republik. Paris (Die Wahlagitation. ‒ Die sozialdemokratische und die kontrerevolutionäre Presse über Deutschland. ‒ Vermischtes.)
Schweiz. Zürich. (Die Bundesverfassung Gesetz. ‒ Die Forderung des Herrn Mathy.)
Deutschland.
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Edition: [Friedrich Engels: Die Ratifikation des Waffenstillstandes. In: MEGA2 I/7. S. 724.]
[ ** ] Köln, 19. Sept.
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[ * ] Köln, 19. Septbr.
An der letzten Sitzung des hiesigen demokratischen Vereins nahmen eine Anzahl Artilleristen Theil. Wegen dieses Verbrechens ist ihnen freigestellt worden: zwischen 6 Tagen Mittel- und 3 Tagen strengen Arrest zu wählen. Sie haben sich, wie wir hören, für letzteren entschieden. Es steht sehr zu bezweifeln, daß man den Geist der neuen Zeit, der auch im Heere erwacht ist, durch Einsperren zugleich abzusperren im Stande sein wird!
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[ 103 ] Berlin, 17. Septbr.
Mehrere Compagnien unserer Bürgerwehr haben eine Adresse an die Vereinbarer-Versammlung gerichtet, sich für souverain und als eine constituirende Versammlung zu erklären. Wir wollen abwarten ob die Herren Vereinbarer aus dem Centrum, die 38 hin und her wackelnden Mitglieder, den Muth haben werden, sich auf eigene Füße zu stellen, denn bisher hatten sie jeden Standpunkt verloren und nur am 7. September wagten sie einen kühnen Griff nach der linken Seite. Werden sie sich daran festhalten? ‒
Unter diesen Umständen wird es dem Herrn v. Beckerath sehr schwer ein Ministerium zu bilden. Ueberall erhält er hier zierlich geflochtene Körbe und daher sieht er sich genöthigt seine Collegen aus der Ferne kommen zu lassen.
Obgleich die Minister-Crisis schon zehn Tage dauert, so herrscht diesmal doch nicht die sonst allgemein verbreitete Spannung. Denn sobald man eingesehen, daß der König kein Ministerium der Linken wolle, war man auch uberzeugt, daß jedes andere Ministerium nur von einer kurzen Dauer sein kann und es ziemlich gleichgültig bleiben dürfe, wer in ein solches Ministerium eintritt. Daher die gegenwärtige Gleichgültigkeit. Für heute circulirte folgende Candidatenliste: v. Beckerath: Präsident ohne Portefeuille. Pinder: Inneres. Mevissen: Finanzen. Harkort: Handel und Ackerbau. Baumstark: Landwirthschaft. Wenzel: Justiz. v. Strotha: Krieg. v. Vinke: Auswärtiges. ‒ Einige Namen von diesen Genannten, mögen nur der guten Laune eines Spaßvogels ihre Candidatur verdanken, dagegen sind mehrere andere als gewiß in Aussicht zu stellen.
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[ 102 ] Wien, 13. Sept.
41. Reichstagssitzung. (Schluß.)
Er nennt dabei Oestreich das Australien des 19. Jahrhunderts, und meint, auch der weiße Adler Polens müsse im Neste des Doppeladlers bleiben. (Zischen.) Italien sei eine deutsche Eroberung. Lasser tritt ab, nachdem er vergebens auf Akklamation gewartet.
Graf Borkowski, Galizien, in gebrochenem Deutsch. Ich fasse diese Sache nicht in einer Parabel, auch nicht aus den Berichten der Zeitungen zusammen. Ich frage, ob die italienische Armee Oestreich wirklich solche Vortheile errungen hat, daß ihr dafür der Dank eines freien Volkes gebührt? Man lasse sich nicht durch das Aeußere der Ereignisse hinreißen. Im Auslande ist besser bekannt, was in Italien geschehen ist Est ist ein entsetzlicher Krieg geführt, viel Blut ist vergossen worden, der nicht geführt, das nicht vergossen werden durfte, wenn die Freiheit und nicht der Absolutismus gewaltet hätte. (Großer Beifall.) Ist der Krieg in Italien ein gerechter? Erzherzog Johann hatte versprochen, daß nur die Waffenehre dort gewahrt werden solle; die Ehre der Waffen besteht allein darin, die Waffen wider die Freiheit nicht zu führen. Ich bedaure meine Landsleute, welche freiwillig oder gezwungen an dem Kriege gegen Italien Theil genommen. Die Tapferkeit der Armee mag wahr sein, ihre Anwendung aber ist eine schlimme. Auf den Patriotismus dürfen Sie nicht hinweisen; wir Polen kennen ihn, aber wir haben in der ganzen Welt für die Freiheit geblutet.
Es ist auch Patriotismus, für den Ruf des Reichstags besorgt sein; wir sind keine freien Männer mehr, wenn wir erklären, daß die Unabhängigkeit der Nationen uns nicht heilig ist. (Beifall.) Auch der Ehrenkrieg ist Despotismus. [Großer Beifall]. Können nicht auch die Russen unsere Gränze mit dem Vorgehen überschreiten, sie seien nicht gegen die Freiheit, aber sie dürften keine eigene Verfassung, keine Konstitution an ihrer Gränze dulden?
Kriegsminister Latour: Hr. Präsident, ich ersuche Sie, dem Redner das Wort zu nehmen, ihn zur Ordnung zu rufen, von der Tribüne mit ihm, das ist infam!
Fast die ganze Kammer erhebt sich; von allen Seiten: zur Ordnung mit dem Kriegsminister. Präsident Strobach zögert; der Ruf wird heftiger, Tumult.
Präsident: Ich ermahne den Hrn. Kriegsminister, sich zu setzen und den Redner nicht zu unterbrechen. [Ungeheuerer Beifall mit Bravos, Händen und Füßen].
Bokowski, der unterdessen mit großer Ruhe auf der Tribüne gestanden Wenn die Armee eine Pflicht zu erfüllen hatte, so hat auch der Reichstag eine solche zu erfüllen; eine Dankadresse würde indessen kein schmeichelhaftes Zeichen für die Erkennung dieser Pflicht und seiner Interessen sein. [Steigt unter ungeheuerm Beifall von der Tribüne].
Violand: Ich lobe die Armee als militärischer Körper; in jedem andern Betracht mag ich nichts von ihr wissen. Schon längst hat das Volk erklärt, daß die Erwerbung Italiens Oesterreich nur Unheil gebracht Oesterreich hätte sich an der Donau ausbreiten müssen; dort war seine Aufgabe. Die Trauer unserer Politik liegt am Tage, da wir nur durch Bombardements, durch Grausamkeiten und Blutvergießen unsere eigenen Provinzen aufrecht erhalten können. Die Armee mag einen Heldencharakter gezeigt haben, aber von ihr sind in Italien auch Barbarenthaten an Greisen und [Fortsetzung]
[Feuilleton]
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Leben und Thaten des berühmten Ritters Schnapphahnski.
(Fortsetzung.)
Die Herzogin ist also eine geiernasige und geieräugige, aus Kunst und Natur zusammengesetzte, achtundfünfzigjährige kleine Dame. Wir wünschen Hrn. v. Schnapphahnski von ganzem Herzen Glück. „Der Teint der Herzogin ist gelb verwittert,“ setzt das Manuskript hinzu, „die Herzogin hat höchst scharfe Züge. Ihr ganzes Angesicht gleicht aber der Brandstätte aller Leidenschaften.“
Brandstätte der Leidenschaften!
Seit wir diesen Vergleich haben, brauchen wir unsere Herzogin weiter nicht zu mehr zu schildern. Es ist unnöthig, wenn wir noch hinzusetzen, daß unsere Heldin sich stets sehr jugendlich kleidet, daß sie eine zweireihige Garnitur falscher Zähne besitzt und daß sie einen total haarlosen Kopf hat und deshalb auch schon seit undenklichen Zeiten eine vollständige Perrücke trägt…
Die kahlen Köpfe waren in der Familie der Herzogin von jeher en vogue. Die älteste Schwester unserer Heldin, eine höchst ausgezeichnete Dame, die sich von vier Männern scheiden ließ und die eigentlich in der ganzen Familie einzig und unerreicht dasteht, beschäftigte sich während der zweiten Hälfte ihres schönen Lebens fast ununterbrochen mit der Auffindung irgend eines Mittels, das die letzten Reste des herzoglichen Familienhaares konserviren könne.
Pythagoras entdeckte seinen Lehrsatz; Columbus entdeckte Amerika und die Herzogin von … entdeckte die berühmte schwarze Haar-Tinktur. Ich weiß nicht, ob die Herzogin den Göttern Hekatomben schlachtete, nachdem sie die Tinktur erfunden hatte; jedenfalls ist es aber für gewiß anzunehmen, daß sie den Augenblick der Entdeckung für den wichtigsten ihres Lebens hielt.
Das Unglück, keine Haare mehr auf dem Kopfe zu besitzen, ist so groß, daß es eigentlich nur dann zu ertragen ist, wenn man Haare auf den Zähnen hat. Ein Mensch, der sie weder da noch dort trägt, ist sehr zu bedauern. Er ist ein kahles Feld, ein entlaubter Baum; die Sonne seines Lebens hat sich in einen Mond verwandelt. Der Abend ist hereingebrochen und bald wird die Nacht kommen, und am andern Morgen wird der arme Mond todt sein, mausetodt. Wenn man seinen kahlen, schneeweißen Kopf mit einer vollen kohlschwarzen Perrücke krönt, so erlebt man mit seinem Monde gewissermaßen eine Mondfinsterniß. Aber eine Mondfinsterniß ist vergänglich. Der Wind kann eine Perrücke davontragen und man hat eigentlich nur den Vortheil davon, daß der Tod vielleicht einst nur die Perrücke faßt, wenn er uns nach dem Schopf greift und daß der wirkliche Kerl davonläuft ‒ à revoir ‒ sterben Sie wohl, Herr Tod!
Wie ich bereits bemerkte, trägt unsere Heldin eine Perrücke…
Dies schien mir von hoher Wichtigkeit zu sein; ich sah darin den bedauerlichsten Widerspruch mit der von der älteren Schwester erfundenen Tinktur. Pflichtgetreu stellte ich die genauesten Nachforschungen an und leider hat sich dadurch herausgestellt, daß der Schädel unserer Heldin sogar der berühmten herzoglichen Familien-Tinktur siegreich widerstanden hat, und daß sich unsere Freundin dabei beruhigen muß, eine Perrücke auf dem kahlen Kopfe und kein Haar auf den falschen Zähnen zu besitzen. Es thut mir leid, daß ich nicht näher auf die Tinktur eingehen darf. Man könnte Bände darüber schreiben. Es kommt unendlich viel auf das Haar an. Einer der ersten Künstler der Welt bezeichnete seine hinterlassenen Perrücken mit vollem Recht, als den Hauptschatz seines Nachlasses.
Doch nun noch etwas über den Fuß der Herzogin!
Goethe behauptete stets, ein schöner Fuß sei der einzig dauernd schöne Theil an einem Weibe; er bleibe immer reizend, wenn er einmal reizend sei; er verändere selten seine Form. Der alte Herr hatte von jeher gern mit den Füßen zu thun; er hörte nichts lieber, als eine Frau in Pantoffeln, mit hohen Absätzen klipp, klapp, einen langen hallenden Korridor hinunterschreiten. Ich bin natürlich mit dieser hohen Autorität durchaus einverstanden. Auch unsere Herzogin hatte aus den Tagen der Jugend einen Fuß gerettet, der wenigstens zu einem schönen Schuh Veranlassung gab. In vielen Fällen wird man nach der Form des Fußes den ganzen Menschen beurtheilen können; auf die Race kann man stets danach schließen. Es verhält sich mit den Füßen wie mit den Zähnen und den Fingerspitzen. Ich mache mich verbindlich, nach der Weiße und der Reinheit der Zähne und der Fingerspitzen eines Menschen genau zu sagen, wie viel Mal er in der Woche ein reines Hemd anzieht. Die Fingerspitze steht aber in genauem Zusammenhange mit dem Zahne; der Zahn mit dem Hemde und das Hemd mit dem ganzen Menschen.
Seit Benvenuto Cellini aus den schönen Zähnen seines erschlagenen Nebenbuhlers eine Kette für die lächelnde Herrin arbeitete, hat es wohl keine bessern Kinnladen gegeben, als die der neulich am Kap verunglückten englischen Offiziere. Sie wurden von den Kaffern ermordet; nach einigen Tagen fand man sie in der Tiefe des Waldes. Geld, Uhr und Waffen: Alles hatte man ihnen gelassen. Man nahm ihnen nur das Leben und die ‒ Zähne. Die Engländer sind die reinlichsten Leute. Nach Liebig verbrauchen die Engländer die meiste Seife; dann kommen die Franzosen, dann die Deutschen u. s. w., zuletzt die Russen. Die Engländer haben die reinsten Hände, die saubersten Zähne und die weißeste Wäsche. Die Engländer sind die Herren der Welt.
Geier-Augen, Geier-Nase, ein ausgestopfter Raubvogel und im Antlitz die Brandstätte aller Leidenschaften: Das ist unsere Herzogin. In unsern Notizen finden wir noch ausdrücklich bemerkt, daß die Herzogin nur Leute, die in der engsten Intimität mit ihr stehen, bei Tage empfängt. In den meisten Fällen nimmt sie nur Abends Besuche an, wie sie sich denn überhaupt auch nur bei Abend zeigt, da sie nur zu wohl weiß, wie sehr sie des Lampenlichtes bedürftig ist.
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[Deutschland]
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[Fortsetzung] Frauen verübt worden Sie hat nur dem dynastischen Interesse gedient, ein Interesse, das jetzt nur mehr durch Standrecht und Blut zu erhalten ist.
Latour, die Hand in der Tasche: Die geehrten Redner hätten sich darauf beschränken sollen, ihr Gefühl zu fragen; sie Alle müssen damit einverstanden sein, daß unsere mit Lorbeeren gespickte (!) Armee bei der Rückkehr in die Heimath von Frau und Kind, Bruder und Freund mit Jauchzen begrüßt werde. Es handelt sich hier nicht darum, die politischen Verhältnisse zu erörtern, es handelt sich blos um die Verdienste der Armee.
Füster. Das demokratische Prinzip ist Lebensprinzip des Reichstags; aus ihm mögen und dürfen sich nur alle Funktionen des Reichstags entwickeln. Der italienische Krieg ist ein trauriges Erbstück des Absolutismus; denken Sie an die 500 Szegedin gehaltenen Gefangenen! Wenn Sie ein Dankesvotum aussprechen, so treten Sie das demokratische Prinzip mit Füßen; Sie gerathen in Widerspruch mit Ihrer Entstehung und in Kollision mit dem, was Sie sind.
Borrosch: Mit meinen Feinden weiß ich fertig zu werden, Gott hüte mich vor meinen Freunden! Ich bin entrustet über Lasser's Beschuldigungen; doch die Linke muß sich allezeit gefallen lassen, linkisch angegriffen zu werden. Er vertheidigt die Journalisten-Bank, zu der man hier nicht reden dürfe, weil sie schweigen müsse. ‒ Wer von dem Reichstag ein Dankesvotum begehrt, appellirt nicht an sein Gefühl, sondern an seinen parlamentarischen Verstand; die Armee muß sich dies gefallen lassen, sie muß sich überhaupt an konstitutionelles Leben gewöhnen. Das Ministerium wurde nicht verfehlen, den Dank als Vertrauensvotum für die italienischen Angelegenheiten zu interpretiren. Die Armee kennt noch immer keinen andern, als den Fahneneid des Absolutismus (Schallender Beifall.) Sie muß erst jeder Verdächtigung enthoben werden, als könnte sie ein blindes Werkzeug wider die Freiheit bleiben.
Der Präsident will die Sitzung auf Morgen vertagen, als Latour auf die Tribüne tritt.
Latour. Schon vor einer Stunde habe ich mittheilen wollen, daß die Stadt in großer Aufregung ist und ein Aufstand sich vorbereitet. Man will von der Aula aus nicht nur das Ministerium, sondern auch den Reichstag stürzen und sprengen. Die National-Garde rückt nicht aus, ich sehe mich genöthigt, Militär einrücken zu lassen. (Furchtbarer Lärm, der Präsident ersucht die Abgeordneten auf ihre Plätze zu gehen)
Löhner: Ich trage darauf an, daß der Reichstag sich für parmanet erkläre.
Es geschieht.
Latour (auf der Tribüne) liest einige Anzeigen über das Treiben der Aula und über das Nichtausrücken der Nationalgarde ab. Es ergibt sich aber auf Befragen mehrer Abgeordneten, daß diese Anzeigen keineswegs vom Ober-Kommando der Garde gekommen, sondern daß es nur anonyme Briefe sind. (Erstaunen, Latour verspricht nahere Berichte)
Präsident. Der Abgeordnete Goldmark ist der nächste eingeschriebene Redner.
Goldmark redet über die italienische Dankadresse. Viele Abgeordnete entfernen sich. Unterbrechung
Bach erklärt nach einer halben Stunde, der Abgeordnete Füster sei mit andern im Ministerium gewesen und habe die Wiederherstellung des Sicherheitsausschusses beantragt, sei aber von dem Ministerium abgwiesen worden. (Beifall.)
Sierakowski beantragt, daß das Militär nur auf Requisition des Reichstags erscheinen dürfe; daß der Sicherheitsausschuß wieder herzustellen sei, daß die Oberkommandanten der Nationalgarde und Legion vor dem Hause zu erscheinen hätten, um Auskunft zu geben
Peutscher. Ich komme so eben von der Aula; es ist keine Silbe von den Absichten wahr, die der Kriegsminister ihr angedichtet; er hat uns wollen ins Bockshorn jagen; wir müssen seine Angaben für eine Lüge erklären.
Bach Es scheint ein Mißverständniß obzuwalten.
Jonak [Bohemien]. Die Gründe der Permanenz haben also aufgehört; ich trage auf ihre Aufhebung an; das Ministerium mag seine Feuerprobe bestehen; es sind keine neuen Sicherheitsorgane nöthig.
Schuselka für die Permanenz; Rieger fordert das Ministerium zur Erklärung auf.
Bach. Wir haben keine anderen Berichte mehr erhalten, Schuselka's Besorgnisse sind also ungegründet. Wir werden streng und gewissenhaft verfahren. Klagt zum Schluß über die fortwährenden Angriffe der Presse.
Paul.
Wir haben Offiziere gesagt, die Mediziner hätten gedruckte Zettel vertheilt, auf welchen die Herstellung des Sicherheitsausschusses verlangt werde.
Klaudi und Tropau für die Permanenz bis zu neuen Berichten.
Borrosch. Ich glaube nicht an die anarchischen Absichten einer Partei, aber ich glaube daran, daß die Reaktion uns auch im parlamentarischen Kampfe umringeln will.
Schuselka protestirt gegen Witzreißen in so ernstem Augenblicke.
Borrosch. Sollte die Reaktion so einfältig sein, nicht zu wissen, daß ein Gewaltstreich mit einem Blutbad in allen Provinzen beantwortet würde?
Löhner für Permanenz, sonst Abstimmen durch Namensaufruf.
Ein Abgeordneter bringt eine Proklamation und übergibt sie dem Präsidenten.
Präsident liest: Bürger Wiens! Nur eins kann uns retten, die Wiederherstellung des Sicherheitsausschusses u. s. w.
Jude Mayer. Nur außerordentliche Umstände lassen eine Permanenz zu.
Schwarzer. Das Militär erscheint nur auf ausdrucklichen Befehl der Nationalgarde.
Rieger.Dann müssen wir beisammen bleiben.
Es ist 4 Uhr. Vertagung auf 1/2 Stunde.
Hornbostel. Handelsminister. Die Stadt ist ruhig; die Garde ist gut. Ob die Ruhe wieder hergestellt wird, weiß ich nicht.
Eine Adresse des Ausschusses der Studenten Wiens langt an und wird verlesen:
Der Ausschuß setzt zur Vermeidung von Verdächtigungen den Sachverhalt über die Vorgänge auf der Universität auseinander. Die Aula sei seit einigen Wochen für's Volk geschlossen gewesen und nur zu Studentenversammlungen geöffnet worden, die dort Beschlüsse gefaßt habe. Die Akademie habe dagegen protestirt. Sie habe die Anschuldigung des Kriegsministers so eben vernommen und gebe die Versicherung, daß sie keine Störung bezwecke, jedoch laut die Herstellung des Sicherheitsausschusses verlangen müsse. Die Adresse schließt mit der Versicherung, daß die akademische Legion den Reichstag mit ihrem Leben schützen wurde. (Allgemeiner Beifall).
Schuselka: Der Kriegsminister ist aufzufordern, woher ihm die anonymen Zettel zugegangen seien, durch welche die akademische Legion verdächtigt worden?
Brauner: Mir genügt die Erklärung des Ministers nicht; die Permanenz dauere fort.
Rieger: Schicken wir eine Deputation an die abwesenden Minister. (Oho! Nein!)
Außer Schwarzer und Hornbostel ist nämlich seit Stunden kein anderer Minister mehr anwesend. Mit Stadion ist Furst Lubomirski Arm in Arm abgegangen.
Hornbostel: Wenn der Reichstag will, daß die Minister erscheinen, so werde ich sie rufen.
Pause. Wiedereröffnung 5 1/4 Uhr.
Hornbostel: Auf dem Hof hat vor dem Kriegsministerialgebäude eben ein Zusammenstoß stattgefunden. Garden und Akademiker, den bewußten Zettel auf den Czatos, sind dorthin gekommen und haben einen Angriff gewagt. Es scheint, man will den Sicherheitsausschuß mit Gewalt durchsetzen. Die Minister werden erscheinen, sobald es möglich ist.
Um 5 3/4 Uhr.
Minister Schwarzer: Vor einer halben Stunde drang ein Hause von 30 bis 40 Individuen, Zettel auf den Hüten, über den Hof durch das Carree der Nationalgarde; einige wurden verhaftet. Darauf erschien ein Trupp von 500 Bewaffneten, denen 400 andere folgten; alle mit den Zetteln. Sie stellten sich dem Kriegsgebäude gegenüber auf. Der Ministerrath erließ eine Aufforderung zur Abnahme des revolutionairen Abzeichens. (Zischen).
Schwarzer(mit barscher Gemeinheit): Ja, es kann nur ein revolutionaires Zeichen genannt werden. Maßregeln zur Entwaffnung sind getroffen. Selbst der Oberkommandant der Nationalgarde hatte das Zeichen aufgesteckt Es ist möglich, daß ein Konflikt entsteht.
Löhner: Ich beantrage, daß der Minister diesen Bericht schriftlich deponire. Sind alle bewaffnet gewesen?
Schwarzer: Beide Schaaren waren bewaffnet; die Minister können nicht erscheinen.
Der Antrag Löhners wird unterstützt.
Präsident: Sollen weitere Mittheilungen abgewartet werden.
Angenommen.
Mayer: Wir müssen mit Namensaufruf abstimmen, ob der Sicherheitsausschuß, wie es Sierakowski beantragt, wieder erstehen soll.
Sierakowski giebt eine Geschichte des Sicherheitsausschusses und schildert sein gutes Wirken.
Doliak (Beohmien): Der Sicherheitsausschuß war eine Behörde der Unordnung; [von allen Seiten: Nein, nein!] er hat die guten Behörden gestört. [Oh! Oh!] In den Provinzen herrschte wegen seiner Anmaßung nur eine Stimme, daß er aufgelöst werden müsse. [Oh! Oh! Zischen]
Es ist 7 Uhr. Der Reichstag sendet eine Deputation in die Aula und eine an den Kriegsminister zum Zurückziehen des Militairs.
Acht Uhr.
Hornbostel: Es hat sich nicht bestätigt, daß Barrikaden gebaut werden; nur in der Wollzeile sind Versuche dazu gemacht worden.
Goldmark [aus der Aula kommend]: Je näher der Universität, um so mehr Menschen; die Nationalgarde schließt sich der Universität immer mehr an. Ich wurde mit Jubel empfangen. Man hat keine republikanische Bewegung vor. Das Militair zieht theilweise ab. Wegen des Militair nur wollte man Barrikaden bauen, um die Universität zu schützen und die Auflosung der akademischen Legion zu verhindern.
Lotzel: Ich komme vom Kriegsministerium. Das Militair wird sich allmählig zurückziehen.
Schwarzer: Die Ordnung ist gestört worden, aber den Ministern ist der Gedanke fern, durch Militair die Freiheit zu beeinträchtigen. Zu rasches Zurückziehen würde aber zu falschen Annahmen verleiten. Auch die Nationalgarde müsse sich zurückziehen. Die Bewegung ist angelegt worden. [Von dem Ministerium.]
Goldmark: Wir haben also lauter falsche Angaben erhalten; das Ministerium hat noch gar nichts klar gemacht. Wir haben beschlossen, daß das Militair sich sogleich entferne; unser Beschluß muß Wort für Wort ausgeführt werden; kein strategisches Zurückziehen dürfen wir dulden. Es sind noch Grenadire eingerückt. Smolka's Antrag auf Entfernung des Militairs muß ganz vollstreckt werden.
Pinka [Bohemien]: Es wird auch sogleich zurückgezogen.
Ein Bauer: Der Stephansplatz ist noch voll von Militair.
Lotzel: Der Kriegsminister hat den Befehl zum Zurückziehen des Militairs vor unsern Augen erlassen.
Pause 8 3/4 Uhr. Die Kommission kommt aus der Aula zurück.
Borrosch: Auf dem Stephansplatz standen Militairmassen; sie gaben uns ein Geleite, das wir ablehnten, um kein Mißverständniß zu veranlassen. Auf der Aula wurden wir mit Jubel empfangen. Die Aula hat Vertrauen zum Reichstag, sie will die Ruhe aufrecht erhalten [Bravo. Applaus], sollte der Reichstag auch ihren Wünschen in Betreff des Sicherheitsausschusses nicht entsprechen. [Allgemeiner Beifall].
Schuselka: Die Aula hat auch Forderungen; sie will den Sicherheitsausschuß; sie will, daß die Verdächtiger vom Reichstag in Anklage versetzt werden.
Borrosch: Wir haben erklärt, daß der alte Sicherheitsausschuß nicht wieder herstellbar sei, daß aber einer aus dem Reichstag erstehen würde.
Rieger: Das konnten wir nicht im Namen des Reichstags erklären.
Borrosch: Ein Gemeinderath mit dem Vertrauen des Volks existirt in diesem Augenblicke nicht; die Polizeigewalt ist doch wahrlich keine Behörde, die Vertrauen hat! Hätten wir eine Sicherheitsbehörde, dann würden keine Zettel ohne Unterschriften uns zukommen.
Es ist 9 Uhr. Eine Pause tritt ein.
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Wien, 13. Septbr.
Der gegenwärtige Minister der öffentlichen Arbeiten hat, durchdrungen von der Wichtigkeit der größeren Ausdehnung der telegraphischen Linien, sich in einem amtlichen Artikel der Wiener Zeitung dd. 4. August d. J. Nro. 214 über die Fortsetzung derselben in südlicher Richtung von Cilli bis Triest, dann mit Rücksicht auf das Lombardisch-Venetianische Königreich vorläufig bis Görz ausgesprochen, und diese auch bereits in Angriff nehmen lassen.
Seither ist auch die Ausdehnung der nördlichen Linie vorläufig bis Oderberg beschlossen, eine zweite Drahtspannung in nördlicher und südlicher Richtung, wegen Trennung der Eisenbahn-Dienst- von der Staats-Correspondenz, endlich die Concentration der nördlichen und südlichen Telegraphenlinie, durch eine unterirdische Leitung sowohl in dem Ministerium des Innern, als auch in einem Appartement nächst des Reichstags-Saales eingeleitet. Durch letztere Maßregel wird es ermöglicht, während den Reichstagssitzungen selbst Mittheilungen nach und von entfernten Orten machen und empfangen zu können. Nicht minder steht die Absicht fest, nach und nach nicht nur durch größere Entwicklung und Ausdehnung der Staats-Telegraphie nach allen Hauptrichtungen der Monarchie ein großartiges telegraphisches Netz heranzubilden, und die vorschreitenden Linien zur Beförderung von Staats-Depeschen, sondern auch zur Privat-Correspondenz sowohl im Interesse des Staates, als in jenem des Publikums zu benützen, folglich diese Anstalt vollkommen gemeinnützig zu machen, wie sie bereits namentlich in Amerika, in England und im Norden Deutschlands benützt wird. Durch die Fortsetzung bis Oderberg und Breslau wird die telegraphische Verbindung mit Paris demnächst ins Leben gerufen werden können.
[(Wien. Z.)]
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[ 61 ] Wien, 14. September.
Die Stadt hat heute wieder ihr gewöhnliches Ansehen. Nachdem gegen 10 Uhr gestern Abend die Deputation, welche der Reichstag an den Kriegsminister gesendet hatte, um die Ausführung des Beschlusses, ‒ Zurückziehen des Militärs ‒ zu überwachen, wieder zurückgekehrt war und das wirklich erfolgte Abziehen der Soldateska gemeldet hatte, wurde die Permanenz um 10 1/2 Uhr aufgehoben.
Einen Augenblick schien es, als breche der Sturm in der That los. Meines Erachtens würde der Sieg schließlich auf der Seite des Volkes gewesen sein. Die Nationalgarde der Vorstädte, als sie das Militär erblickte, entschied sich immer mehr für die Universität; aber man hatte sie fern davon aufgestellt, während um die Universität in der nächsten Nähe nur Militär und die Nationalgarde der Stadt standen.
Soviel steht fest, die Latour's, Bach's und ihre Handlanger hatten schlimme Nachrichten aus Ungarn erhalten, wo das Ministerium bis auf Koffuth und Szemern nach dem Wiedereintreffen der Wiener Deputation abgedankt hat, um erstern mit der Allgewalt der Diktatur auszustatten. Sie wollten hier einen raschen Sieg feiern, um alle ihre Kräfte gegen Ungarn wenden und nach dessen Besiegung Italien's wegen den Franzosen gegenüber den Kopf in den Nacken werfen zu können; denn eine andere Bedeutung hat die Annahme der Mediation Frankreich's nicht, als Zeitgewinn.
Koffuth bildete sich aus Mezaros, Pazmandi, Ryari und Peronyi ein neues Ministerium und erklärte der Gutheißung des Palatins nicht zu bedürfen. Er ließ sich vom Hause sofort das Banknoten-Emissionsgesetz mit 61 Millionen, das Rekrutirungsgesetz zu einer rein magyarischen Armee, die Schadloshaltung für aufgehobene Fendallasten u. s. w. bestätigen.
Dem Palatin Stephan war von den Verfügungen des Hauses Anzeige gemacht worden; er soll der Deputation geantwortet haben, daß er die Gesetze kenne und beobachte; er sehe in der Bestätigung vorstehender Gesetze durch das Haus, sowie darin, daß man, ohne ihn zu fragen, Minister ernannt habe, ein Mißtrauen, welches allein ihn nöthigen könnte, sein geliebtes, angebetetes Vaterland zu verlassen; er erklärt, daß das Haus, solange es sich innerhalb der Gränzen der Gesetzlichkeit bewege, eine feste Stütze an ihm haben werde, darüber hinaus aber durchaus nicht. Diese Antwort erregte im Hause allgemeine Mißstimmung und ein nicht enden wollendes Elgen für Koffuth.
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@facs0532
[ * ] Wien, 14. Septbr.
Man schreibt aus Pesth: Im Pallast ist die Contre-Revolution ausgebrochen. Als sich in der jüngsten Reichstagssitzung Koffuth eben zum Sprechen anschickte, zeigte Bathyany dem Hause an, daß er vom Erzherzog mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt sei. Die Linke nahm die Nachricht mit lautem Zischen, die Rechte mit Stillschweigen auf; nur aus dem Centrum erhob sich ein matter Beifallsversuch. Somit ist Koffuth gestürzt! In einigen Tagen wird der Sturm im Volke losbrechen.
Der Erzherzog Stephan hat außerdem die Annahme der ungarischen Banknoten verboten.
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@facs0532
Wien, 14. September.
Jellachich hat nach authentischen Nachrichten die ungarischen Gränzen bereits überschritten und ist mit einer verhältnißmäßig sehr geringen Streitmacht ‒ circa 6000 Mann ‒ in das Zalader-Comitat eingebrochen. ‒ Bei Abgang des Couriers, der diese Nachricht überbrachte, war es bereits zwischen den croatischen und ungarischen Truppen zum Kampf gekommen, dessen Ausgang jedoch noch nicht bekannt ist.
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@facs0532
[ * ] Wien, 14. Sept.
In der neuesten Nr. der „Constitution“ finden wir eine Erklärung eines Garden der Legion, woraus hervorgeht, daß die Vorfälle am 13. ein Komplot der Hofpartei waren, und u. A. ein verrätherisches Niedermetzeln der Legion bezweckten. Nachmittags um 4 Uhr erschien der Oberkommandant Streffleur am Universitätsplatz, steckte unaufgefordert einen Zettel für Einsetzung des Sicherheitsausschusses auf den Hut, und ermunterte die Legion ein Gleiches zu thun. Diese Zettel waren den Soldaten als Abzeichen der „Republikaner“ denunzirt! Dann gab Streffleur einer Abtheilung von 200 Akkademikern den Befehl, mit einer andern Bürger-Kompagnie, welche die Zettel bereits an den Hüten trug, nach dem Judenplatz zu marschiren. Sie stellten sich dem Befehl gemäß mitten auf dem Platz auf und jetzt wurde der Platz auf einmal ringsherum durch Militär abgesperrt.
„Offiziere dieser Garden eilten an uns heran und verlangten, daß wir die Waffen ablegen. Ich bemerkte, daß bei unserm Erscheinen am Platze vom Militär und von einem Theile der Garden die Gewehren vor unsern Augen geladen worden und daß unterdessen alle Garden von uns zurückgewichen waren, uns als [Fortsetzung]
[Feuilleton]
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@facs0532
[Fortsetzung] Armer Schnapphahnski! Theuerer Mann, Du gehst mit einem heroischen Entschluß um!
„Und würfst Du die Krone selber hinein,
Und spräch'st: wer mir holet die Kron',
Der soll sie tragen und König sein ‒
Mich gelüstete nicht nach dem theuern Lohn!“
Ja, armer Schnapphahnski.
Unsere Herzogin ist niemand Anders als die Herzogin von S., die jüngste Tochter des Herzogs von K., die Gespielin eines „talentvollen“ Königs, mit dem sie erzogen wurde und mit dem sie sich dutzt. Die Herzogin heirathete den Prince de D., den Neffen jenes berüchtigten Diplomaten, der gerade so viel Eide brach, als er Eide schwur. Nach einigen Jahren trennte sie sich aber, zwar nicht auf gerichtlichem Wege, von ihrem jetzt noch lebenden Manne und zog zu eben dem alten Fuchs, den wir in diesem Augenblick erwähnten, mit dem sie ein Verhältniß hatte, und machte in seinem Hause die Honneurs u. s. w. Da ihr indeß die Anwesenheit des Fürsten D. in Paris lästig war, so mußte der alte T. ihm unter der Bedingung Geld geben, daß er sich sofort entferne und nach Florenz gehe. Nachdem dies geschehen, zog unsere Heldin mit T. auf allen seinen Ambassaden herum, bekannt wegen ihres Verstandes, unendlich mehr berühmt aber wegen ihres ausschweifenden bis in's Schaamloseste gehenden Lebenswandels. Mit allen Kutschern und Domestiken stand sie in dem traulichsten Centralverhältniß. Ja, der Flug ihrer raffinirten Phantasie verleitete sie zu so abenteuerlichen Spaziergängen der Wollust, daß ihr unter Karl X. der Hof verboten wurde.
Bemerken muß ich noch, daß die Herzogin beim Einrücken der Alliirten in Paris, dem ersten Kosaken hinten aufs Pferd sprang und frohlockend über den Sturz Napoleons, die ganze Parade der Truppen mitmachte. Sie soll bei dieser Gelegenheit vor Freude außer sich gewesen sein und ihren Kosaken mit Liebkosungen überhäuft haben.
Charakteristisch für die Weise, in der die Herzogin ihre Liebschaften betrieb, ist der folgende Zug, den wir wörtlich aus den uns vorliegenden Papieren wiedergeben. „Einst war sie in V.,“ heißt es, „einem Schlosse des alten T. Es war sehr wenig Besuch da und schlechterdings nichts acceptables, außer einem dicken, ältlichen Herrn, der ihr entschieden mißfiel.“
Indeß ‒ faute de mieux ‒ entschloß sie sich, seine Bewerbungen reussiren zu lassen. Nachdem sie sich hinlänglich verständigt haben, fragt der dicke Begünstigte, ob er Nachts zu ihr kommen dürfe ‒ ‒ Sie schlägt ihm dies ab und verspricht, zu ihm auf sein Zimmer kommen zu wollen, was sie auch thut… Die Nacht verstreicht so glücklich wie möglich; aber auch dem Glücklichsten schlägt endlich seine Stunde, und als es an's Scheiden geht, fühlt sich der dicke Herr gedrungen, ihr nicht nur für ihre Hingebung, sondern namentlich dafür den tiefgefühlten Dank auszusprechen, daß sie dieselbe so weit getrieben hat, auf sein Zimmer zu kommen, statt ihn auf das ihrige kommen zu lassen. Mit einer enormen Naivetät entgegnete da die Herzogin auf den überfließenden Dank des Dicken: Pas de quoi! Sie habe gehört, daß dicke Leute, auf dem Kulminationspunkt der Glückseligkeit mitunter vom Schlage getroffen würden, und da habe sie, après tout, doch lieber gewollt, daß dies auf seinem Zimmer passire ‒ ‒ auf dem ihrigen wäre es fatal gewesen.“ Meine Leser werden sich davon überzeugen, daß wir es mit einer geistreichen Dame zu thun haben.
Schon lange getrennt von ihrem Manne, fühlt sie sich einst Mutter werden. Es schien eine Unmöglichkeit, das Kind noch auf Rechnung des abwesenden Gemahls zu bringen. Und doch war sein Name für dasselbe nothwendig. Die Herzogin ist in keiner kleinen Verlegenheit; sie besinnt sich hin und her, zuletzt entschließt sie sich kurz; sie faßt ein Herz und reist zu ihrem Gemahle. Spät am Abend läßt sie sich bei ihm melden; er ist nicht zu Hause. Ohne Weiteres läßt sie sich daher auf sein Zimmer führen. Um Mitternacht kommt der harmlose Gemahl endlich zurück, nicht ahnend, was ihm bevorsteht. Er ist natürlich im höchsten Grade überrascht über den unerwarteten Besuch und sucht seinem Erstaunen in den trefflichsten Ehemanns-Phrasen Luft zu machen.
Das eine Wort gibt das andre und bald sind sie im besten Zuge sich recht gemüthlich zu zanken. Der holde Gatte merkt gar nicht, daß das Antlitz der Herzogin immer freudiger zu strahlen beginnt, während sein eigenes immer länger und länger wird. Mit jeder Minute wachsen die Hörner des zärtlichen Mannes; da ist eine Stunde herum und die Herzogin springt plötzlich auf indem sie erklärt, daß sie jetzt gehen werde. Vor ihrer Abreise, setzt sie hinzu, wolle sie ihm indeß noch sagen, welches der Grund ihres Besuches gewesen sei ‒ der ehrenwerthe Gatte erhebt seinen Hornschmuck und spitzt die Ohren. Nichts ist interessanter als das Bekenntniß einer schönen Seele. Vertraulich legt die Herzogin ihre Hand auf den Arm des horchenden Mannes und theilt ihm leise flüsternd mit, daß sie sich Mutter fühle ‒ ‒ sie habe getrennt von ihm gelebt, jetzt könne sie durch alle Hausleute beweisen, eine Stunde in der Nacht bei ihm gewesen zu sein. Ihr sei geholfen.
Adieu mon ami!
„Den Seinen schenkt's der Herr im Traum. Weiß nicht wie dir geschah.“ ‒
Der Gemahl der Herzogin legte sich mit dem beruhigenden Bewußtsein zu Bette auch nicht im Geringsten etwas Böses gethan zu haben. Die Herzogin entfernte sich aber so rasch als möglich und hell klang ihr glückliches Lachen.
„Das Kind, für dessen Legitimität so weise gesorgt wurde war eine Tochter, die später den Grafen C. heirathete. Der alte T. hielt sich für den Vater dieser Tochter und vermachte derselben bei seinem Tode 80,000 Franken Revenne. Sein ganzes übriges Vermögen vermachte er der Herzogin, die, so glänzend bezahlt, nun selbst zu bezahlen anfing.“ ‒
Auf das Gerücht hin, daß die Herzogin bezahle: erscheint Schnapphahnski.
(Fortsetzung folgt.)
[0533]
[Deutschland]
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@facs0533
[Fortsetzung] Zielscheibe am Platze lassend, hingegen Kanonen gegen uns gerichtet wurden.
„In der Gewißheit, daß jeder von uns zu sterben, keiner von uns sich zu übergeben bereit ist, schwiegen wir trotzig und marschirten gegen eine Abtheilung deutscher Grenadiere, welche den Judenplatz absperrte, entschlossen, uns mit dem Bajonette einen Weg zu bahnen.“
Auf die Anfrage der Legion ließen diese Grenadiere sie durchpassiren. Wenige Minuten nachher kam vom Kriegsminister aus dem Kriegsgebäude, von wo er sich den „Fang“ ansehen wollte, der Befehl, die eingeschlossenen Akademiker zu verhaften oder zu erschießen.
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@facs0533
[ 102 ] Wien, 14. September.
In der heutigen um 10 1/4 Uhr beginnenden Sitzung des Reichstags erstattete die Finanzkommission Bericht über den gestrigen Antrag Brestis, den Gewerben Wiens 2 Mill. Fl. an Unterstützung zukommen zu lassen. Die Debatte, in welcher viel Hexel gehackt wurde, dauerte bis 3 Uhr. Der Antrag wurde trotz der Bohemiens, denen ein ähnlicher Kredit für Prag in Aussicht gestellt wurde, angenommen Die gewerbtreibenden Burger Wiens sind also für einstweilen anti-revolutionair gemacht und dieser Umstand macht die gestrige Versäumniß noch unentschuldbarer.
Um 3 Uhr begann eine allgemeine Interpellationshetze wider die kaum ausgeschlafenen Minister. Löhner stellte Latour wegen seiner gestrigen Lügen zur Rede; ebenso Schuselka, der durchaus auf Untersuchung wider den Anonymus drang, der dem Kriegsminister angezeigt, die Aula beabsichtige den Sturz des Ministeriums und die Sprengung des Reichstags. Latour sagt, es sei ein diensteifriger Offizier gewesen, den er nicht nennen würde. Der Reichstag, meist aus Irokesen und bureaukratischen Patrioten bestehend, scheint sich damit zufrieden geben zu wollen.
Auch Doblhoff versichert, daß der National-Oberkommandant, zur Verantwortung gezogen, erklärt habe, daß er den Sicherheits-Ausschußzettel nicht aufgesteckt. Durch die Stimmung des Hauses ermuthigt spricht Bach mit der rührendsten Unverschämtheit, daß das Ministerium gestern seine Pflicht gethan, daß es die Freiheit beschützt habe und mit seinem Blute beschutzen werde; daß eine strenge Untersuchung eingeleitet werde; daß die eigentlichen Leiter der Bewegung nicht zum Vorschein gekommen seien (Die Minister?); daß man sie aber zu finden wisse; daß sie nicht nur in der Aula sich befänden, sondern auch ‒ auf die Linke hinsehend ‒ in der Nähe. (Tumult, Zischen und Bravo's).
In diesem Augenblicke (5 Uhr) beschäftigt sich das Haus mit der Neuwahl des Präsidenten, des Vicepräsidenten und Sekretare. Um wiedergewählt zu werden, hatten die Bohémiens dafür gesorgt, daß ein dummer Deutscher eben noch eine alberne Anklage wider den Präsidenten Strobach einreichte, die von der Kammer übel aufgenommen wurde und zur Folge haben wird, daß sie aus deutschem Biedersinn und Rechtsgefühl, aus czechisch-slavischem Kamarilla-Geist und aus der Irokesendummheit der Uebrigen den Bohémien Strobach wahrscheinlich wieder zum Präsidenten erwählen wird.
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@facs0533
Breslau, 14. Septbr.
Als Beleg für die im Posenschen, „mit Gott für König und Vaterland“ ausgeübten Brutalitäten dient u. A. ein Schriftchen, das von E. Pehmler verfaßt und bei Zapanski in Posen erschienen, seine „Erlebnisse in der preußischen Gefangenschaft auf der Festung Posen“ enthält. Die „Od. Z.“ theilt folgendes daraus mit:
Die Männer, gegen deren Verfahren Ed. Pehmler seine Anklage namentlich richtet, sind: Obrist Graf v. Lüttichau, Commandeur des 2. Husaren-Regiments; v. Dittfurth, Premier-Lieutenant der 5. Jäger-Abtheilung; v. Vietinghoff, Lieutenant im 19. Infanterie-Regiment. Ueber das Verfahren des Letztern nur einen Belag. „Mich sperrte dieser Herr Lieutenant ‒ erzählt Pehmler ‒ vom 8. Juni Abends bis zum 12. Morgens in die Grollmannsche Kasematte, welche 48 Fuß tief unter der Erde sich befindet. Weder Sonne noch Mond scheint in dieses scheußliche Gefängniß, in dem das Wasser von den Wänden läuft und das dem Gefangenen zum Lager dienende Stroh durchweg naß ist, hinein. Würmer und Kröten befinden sich darin in bedeutender Zahl und dienen dem darin Sitzenden als Gesellschaft.
Jeder wird fragen, welches die Veranlassung war, daß ich in dieses Loch kam? Einfach kann ich nur antworten, daß ich mich bei dem die Kranken besuchenden Militär-Arzte über das schlechte und ungesunde Essen beschwert hatte! Als mich am 12. der v. Vietinghoff aus der Kasematte herausholte, in der ich bei Wasser und Brot gesessen, in der man mir in den ersten 24 Stunden auch nicht einmal dieses reichte und in den ersten 48 Stunden nicht gestattete, hinaus zu gehen, um meine Nothdurft zu verrichten, so daß ich gezwungen wurde, dieses in der Kasematte zu thun, sagte er (nämlich der v. Vietinghoff): „ Daß Sie nicht Prügel bekommen haben, können Sie mir allein verdanken, denn zudiktirt waren sie Ihnen; bei der nächsten Veranlassung aber, sobald Sie über das Essen oder irgend eine andere Sache sich beklagen, erhalten Sie 25, aber nicht so etwa, daß Sie braun und blau sind, denn das ist gar nichts: sondern daß das Blut spritzen soll. Noch herschen die rothen Kragen in Preußen“, fügte er hinzu, „und der Teufel soll uns die Herrschaft nicht entreißen.“
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@facs0533
[ 62 ] Halle, 15. September.
Der hiesige Volksverein hat durch den Abgeordneten für Erfurt an die preußische konstituirende Versammlung eine Adresse eingereicht, in welcher er erklärt: daß der Wille des Volkes, vertreten durch die konstituirende Versammlung, das höchste Gesetz sein müsse, und daß jede Beschränkung desselben vor Feststellung einer Verfassung ein Eingriff in die Rechte des Volkes sei. Der Volksverein schließt mit der Erklärung: „daß er gegen jedes Ministerium, welches die Beschlüsse der konstituirenden Versammlung nicht auszuführen gedenkt, im Namen der durch die Revolution errungenen Souveränetät des Volkes, auf das Nachdrücklichste protestirt.
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@facs0533
[ G. ] Elberfeld, 15. September.
Der wohlbekannte Ex-Landtagsdeputirte und Banquier, Herr August von der Heydt, welchen einige Journale sogar als Preußen's künftigen Finanzminister bezeichnet haben, hat eine Adresse gegen die Vereinbarungs-Versammlung, in Folge ihres Beschlusses vom 7. September, zu Stande gebracht. Dagegen hat indeß sofort das Volk von Elberfeld protestirt. Eine Volksversammlung auf dem Rathhause, eine andere im politischen Klub, die dritte unter freiem Himmel haben Proteste gegen das von der Heydt'sche Attentat beschlossen und die mit Tausenden von Unterschriften bedeckten Adressen an die Berliner Versammlung kommen überein in der Erklärung: daß die Versammlung, wenn eine Auflösung versucht werden möchte, bis zur Vollendung des Verfassungswerkes sich permanent erkläre und auf das Volk stütze, welches die Versammlung mit Gut und Blut zu schützen bereit ist.
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@facs0533
[ ! ] Kassel, 16. Sept.
Es ist ruhig bei uns. Nachdem so und so viel Unschuldige arretirt und außerdem bei der Arrestation von Bürgergarde und von Schutzwache mit Kolben gelauf't sind etc. ist Alles ruhig. Ein verwundeter Arrestant ist in der Untersuchungshaft gestorben. Die Haupthelden beim Einschreiten waren solche Leute, die erst dann Courage haben, wenn sie sich in Masse zusammen sehen; junge brodlose Schutzmänner, oder neubebartete Referendare. Die Wuth der Bourgeoisie war erhaben. Bei jeder Kleinigkeit wird Alarm geschlagen, und wenn man zusammen ist, ist Alles vorüber. Nun wird ins Blinde gewüthet und Jeder verhaftet, der eine Miene verzieht. Die Reaktionäre scheinen gehofft zu haben, daß die Tumulte fortdauern würden, trotz alles Bürgerwehraklarms. Man ließ der Bürgerwehr eine Frist von 24 Stunden stellen; wenn sie bis dahin nicht Ruhe hergestellt habe, solle das Militär einschreiten. Diesen Befehl hatte der interimistische Vorstand des Innern Hr. Wippermann gegeben.
Dieser Hr. Wippermann soll das Portefeuille des Finanzministeriums mit dem Versprechen angetreten haben, einen Vergleich zwischen Fürst und Land zu bewirken, was das liebe Geld betrifft. Im Augenblick ist er mal wieder in Frankfurt, hofft mit den andern Männern dort auch Minister zu werden. So ein Reichsministerium: Bassermann, Biedermann, Eisenmann, Wippermann könnte uns sehr glücklich machen.
Wiedermal hat Kurhessen keinen Kriegsminister. Der alte Hr. v. Bardeleben soll doch nicht so gichtbrüchig gewesen sein, wie wir glaubten. Er hat dem Kurfürsten 4 Wochen lang böse Tage gemacht. Aber S. kön. Hoheit sind nach wie vor Generalissimus der Armee und uniformiren, kommandiren und graduiren nach Höchstdero erhabener Einsicht. So'n armer Kriegsminister muß das Geld anschaffen; er ist wie die alten Landstände zum Verwilligen da, sonst …‥ Das hat denn der alte Haudegen nicht thun wollen. Hauptsächlich aber soll der Umstand seinen Zurücktritt verursacht haben, daß er das Avancement von Unteroffizieren zu Offizieren verlangt hat, und daß dieses Verlangen Allergnädigst abgeschlagen wurde. Eine Portion unmündiger Burschen sind wieder Offiziere geworden. In der Kaserne ist die Stimmung darüber nicht die allerbeste, wie im Allgemeinen der Geist unserer Soldaten eben nicht ein sehr subordinationsmäßiger genannt werden kann. Kürzlich haben Soldaten ihren eigenen Rittmeister ausgepfiffen, der sich thätlich an einem seiner Leute vergriffen hatte. Der Rittmeister bekam kurzen Strafarrest. Die Soldaten und das Volk mit ihnen beabsichtigten eine Katzenmusik für den Wütherich, wie man sagt. Seit drei Nächten sind die Wachen wieder verstärkt, und die Zugänge zum Hause des edlen Rittmeisters besetzt. Das Zeughaus wird jede Nacht von einer Kompagnie Soldaten bewacht, die alle 2 Stunden abgelöst wird. Die Leute sollen mit Gewalt wüthend werden. Aber sie merken sehr gut, was man beabsichtigt; sie sagen, es soll uns nicht darauf ankommen, ob wir einige Stunden mehr oder weniger schlafen, wir halten zum Volk. An Ausstreuung von Gerüchten fehlt es nicht. Denn soll die demokratische Partei am 15., dann am 20. eine Schilderhebung beabsichtigen.
Der Zurücktritt des Kriegsministers und der Umstand, daß wieder kein anderer zu finden ist, hat dem Deputirten Henkel in der gestrigen Ständesitzung Gelegenheit gegeben, nochmals auf seinen frühern Antrag zurückzukommen, daß der Fürst nicht mehr Generalissimus der Armee sein dürfe. Wird nächstens zur Abstimmung kommen.
Der demokratische Verein hatte während der Crawalltage seine regelmäßigen öffentlichen Sitzung ausgesetzt, um den Philisterseelen jeden Vorwand zu nehmen, ihn mit den Unruhen zu identifiziren. Das demokratische Element ist übrigens im Zunehmen, namentlich seit den letzten Reaktionsversuchen in Berlin und Wien. Gegen die Berliner Camarilla herrscht hier durchgehends die furchtbarste Erbitterung; sie zeigte sich namentlich in einer Volksversammlung, wo von den Demokraten (von Wallach und Kellner) eine Adresse an die Nationalversammlung und ein Zuruf an die Schleswig-Holsteiner (betreffend den Waffenstillstand) vorgeschlagen und mit donnerndem Applaus angenommen wurde. Die Erbitterung gegen die preußischen Hofschurken zeigte sich ebenfalls in der gestrigen Sitzung des demokratisch-sozialen Vereins, wo Dr. Kellner bei der Darstellung der reaktionären Bestrebungen die schauderhaften Vorfälle in Mainz schilderte. Die Menge, mit ihr die anwesenden Militärs, rief Fluch und Schmach auf die Urheber dieser Gräuelthaten. Auch der Bürgerverein sucht sich aus seiner schiefen Stellung, die er durch seine Manöver in der Wahlangelegenheit eingenommen hatte, empor zu winden. Er hat einen Aufruf an alle nationalen Vereine in Deutschland ergehen lassen, welcher Partei sie angehören mögen, insgesammt der Reaktion entgegenzutreten, und zu dem Behufe einen großen Congreß zu halten. Dem demokr.-sozialen Verein in Kassel aber hat er noch Nichts zukommen lassen, dieser könnte ihm zuvorkommen, wie er das bei den meisten Sachen gethan hat.
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@facs0533
[ ! ] Kassel, 17. Sept.
Am 10. hatten wir hier ein Turnfest. An der Spitze der hiesigen Turngemeinde steht der Deput. Henkel; und wie dieser Mann mit einem Fuß noch in dem Constitutionalismus steht, so ging es auch seiner Turngemeinde. An seinem Feste aber waren viele fremde Turner zugegen; und namentlich die anwesenden Göttinger sprachen sich dahin aus, ein Turner müsse ein Republikaner sein. Der Dep. Henkel übersetzte nur das Wort Republikaner in Demokrat; ob er nun mit seinen Turnern sich wirklich zur Republik gewendet hat? An diesem Tage kam der Spaß vor, daß plötzlich die Gewehre des Militärs, welche auf dem Königsplatze standen, während die Soldaten in der Kirche waren, nach der Kaserne geschafft wurden. Der Kurfürst selbst soll den Befehl gegeben haben. Die Angst ist groß! ‒ Am 15. war der Jahrestag der ersten Verfassungsverheißung (am 15. Sept. 1830). Die Demokraten der Burgergarde drangen darauf, daß man diesen Tag festlich begehe, einmal, weil er der Anfang vom Ende ist, dann weil man ihn früher in Kassel nicht feiern durfte, zuletzt weil man den 20. Aug. (den Geburtstag des Kurfürsten) gefeiert habe. Es wurde eine Bürgerparade abgehalten vor dem Kommandeur und einigen Ministern.
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@facs0533
[ 14 ] Hamm, 17. Sept.
Gestern hat bei uns ein unpolitischer Kongreß stattgefunden. Eine große Anzahl alter Corpsburschen, die sich im burgerlichen Leben die vielversprechende Stellung als Auskultatoren, Referendarien und unbesoldete Assessoren erschwungen, aber trotzdem von dem schönen Burschenleben nichts gelernt und nichts vergessen haben, hielten hier eine Zusammenkunft. Ueber den Zweck dieser Versammlung ist nichts in's Publikum gedrungen. Die Sitzung war für öffentlich erklärt, der Zufall nur wollte, daß das Lokal, in welchem die Gerechtigkeit tagte, das Monopol der heiligen Hermandat und statutenmäßig dem Pöbel unzugänglich ist. So viel aber steht fest, daß das festordnende Comité eine Anzahl der beliebtesten Lieder aus dem Commersbuche abgedruckt und an die Fremden vertheilt hat, woraus zu entnehmen, daß die Tagesordnung eine sehr gemüthliche gewesen. Am besten sollen die neuen Volkslieder „Schleswig-Holstein meerumschlungen“ und „Rinaldini“ gefallen haben; ich hörte Morgens 2 Uhr, einen heimkehrenden Trupp angehender Justizminister diese schönen Weisen mit tiefer Andacht und inbrünstiger Begeisterung absingen.
Ungarn.
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@facs0533
[ 15 ] Pesth, 12. Sept.
Mit welch' schnödem Hohne die Reichstagsdeputation, welche den König zur Sanktion der Gesetze nach Pesth einlud, zu Schönbrunn empfangen und entlassen wurde, werden Sie bereits erfahren haben. Mit welcher Spannung man aber hier der Rückkehr der Deputation entgegen sah, läßt sich leicht ermessen, wenn man bedenkt, daß in der Antwort das Sein oder Nichtsein der Selbstständigkeit des ungarischen Volkes liegen sollte. Man beschloß in Schönbrunn das Nichtsein, der Kaiser von Oestreich opferte den König von Ungarn und bestätigte, um die der ungarischen Nation geschlagene Wunde noch tiefer zu graben, zu gleicher Zeit den am 10. Juli zum Hochverräther erklärten Ban von Kroatien in seiner faktisch nie unterbrochenen Thätigkeit. Die Würfel sind nun gefallen, Ungarn muß nun den ungleichen Kampf wagen und wird eher untergehen, als sich in's alte Joch knechten lassen. Eben der Gedanke durchwehte die gestrige Kammersitzung und entschied die Ministerkrise. Schon seit längerer Zeit war das Ministerium in zwei Parteien gespalten; die Fraktion Batthyany wollte Alles auf friedlichem Wege gelöst sehen, und ließ den Strom der Empörung im Süden mit beispielloser Apathie immer höher anschwellen. Die Fraktion Kossuth hingegen wollte gleich Anfangs energisches Einschreiten, offenen Kampf gegen die Kamarilla. Im Ministerium selbst lauerte der Verrath eines Szechenyi, eines Messaros, eines Batthyany, und nun, da sie das Vaterland an den äußersten Rand des Verderbens gebracht, wird der eine wahnsinnig, treten die andern zurück von dem Schauplatze. Das so zerrissene Ministerium reichte also gestern seine Demission dem Palatin ein, der nun die Zügel der Regierung allein zu erfassen und zu führen erklärte. Die willkührliche Verletzung aller Gesetzesformen, selbst von dem bisher geachteten Palatin nach dem schnöden Wortbruche des Königs, brachte aber eine neue Reaktion hervor, und Kossuth übernahm, auf ein altes Gesetz, das in Abwesenheit des Königs dem Parlament die höchste Macht einräumt, gestützt, die von der Kammer ihm angebotene Präsidentschaft des neu zu bildenden Ministeriums, das zwar vom Palatin nicht bestätigt worden, seine Funktionen jedoch nichts destoweniger sofort übernahm, um unter Kossuth's Diktatur den Kampf gegen die alte Despotie zu kämpfen.
Aus der Kammer. So eben wird ein Schreiben des Grafen Teleki, Kommandanten des freiwilligen Korps an der kroatischen Gränze, der Kammer mitgetheilt, daß Jellachich die Drau überschritten und bereits auf ungarischem Boden stehend seinen Marsch gegen Ofen angetreten habe. Werden die um Ofen konzentrirten Truppen bei dem Geiste, den die östreichische Armee athmet, dem Schildknappen des Absolutismus ernstlichen Widerstand leisten? Das ist kaum anzunehmen, und Jellachich wird Budapesth gleich Prag und Mailand gut östreichisch machen. Nicht minder verzweifelt sieht es an den römischen Schanzen und im Lager von Szent-Tamas (dem Kriegsschauplatze gegen die Serben) aus, wo das Militär mehr als lau verfährt, die freiwilligen Schaaren und Nationalgarden nicht nur an Erfolgen hemmt, sondern sie sogar im Stiche läßt. Sie werden es jetzt begreiflich finden, wie eine Macht von 60 - 80,000 Mann seit Monaten vor einfachen Verschanzungen steht, wie eine Macht, die unter guter Leitung in weit kürzerer Zeit die stärkste Festung bezwungen hätte, einige Tausend Räuber nicht bezwingen konnte. Verrath von Innen, Verrath von Außen! Nur die Revolution, nur das Vorrücken der Kolonnen der französischen Republik an den Po und Mincio kann uns retten!.
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@facs0533
Agram.
Die Agramer Zeitung schreibt: Hauptquartier der croatisch-slavonischen Armee in Warasdin am 11. Septbr. 1848.
Heute um halb 5 Uhr Früh ist unsere Armee, und zwar die Division Kempen, über die Drave; der Ban ist bereits mit seinem Gefolge in das Hauptquartier zurückgekehrt; der Ban und die Armee wurden von jenseitiger Bevölkerung mit Civio empfangen. Redelic und Cakaturn ist von unserer Truppe ohne Schwertstreich und ohne einen Schuß eingenommen worden. Das 3. Bataillon von Ernst hat sich unserer Truppe angeschlossen. Morgen rückt das Hauptquartier nach Redelic.
Italien.
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@facs0533
Edition: [Friedrich Engels: Italien. 20. September 1848. In: MEGA2 I/7. S. 726.]
[ * ] Genua hielt am 11. Septbr.
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Französische Republik.
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@facs0533
[ 17 ] Paris, 16. Sept.
Der Wahlsturm ist los. Die Sozialpartei strengt sich mehr an als früher und ist minder uneinig. Kersausie, Dupoty und Alton Shee haben sich von der Liste gestrichen, um den drei Kandidaten Thoré, Raspail und Cabet nicht Abbruch zu thun. Auch Schölcher, heißt es, wird freiwillig zurücktreten. Wohin man blickt, klebt das kleine Zettelchen mit jenen drei Namen und darüber ein Winkelmaaß und Richtscheid: „Im Namen der demokratisch-sozialen Republik die demokratischen Assoziationen (lies: Klubs) und Arbeiter-Korporationen.“ Auf den Riesenplakaten der Bourgeoisie ist keine Einigkeit. Oft streichen die Blousenmänner den großen Achilles Fould und Adam und Benjamin Delessert und Konsorten weg und kritzeln die drei Volksmänner mit Bleistift hin; oft reißen feingekleidete Messieurs dieses ab, werden vom Volke arretirt, doch von den Polizeiagenten wieder befreit. Die Bourgeois knirschen; ich sprach heute drei Wechselagenten, die fast vor Ingrimm weinten: „Wir, die Junisieger, sind nahe daran, unsere Ordnungskandidaten durchfallen zu sehen. Gestern wichen die Börsenfonds aus Angst vor den sozialistischen Wahlresultaten. Und das Alles unter dem Belagerungszustande! Was wird erst kommen, wenn er aufgehoben ist?„ Die Ordnungspartei darf sich übringens rühmen, auch diesmal eine gränzenlose Anordnung in die Wahloperation gebracht zu haben; alle Demokratenblätter denunziren täglich, wie z. B. die Linie um das Votiren theils geprellt, theils mit Zwangsvotums behelligt wird (fünf Infanteristen hatten für den Arzt Raspail, den Maigefangenen, gestimmt und sitzen dafür in Arrest); wie die Arbeiter der Eisenbahnen und Industrieen bedroht und bestraft werden, wenn sie für die obrigen Drei stimmen; wie der 3. Bezirk, dieses klassische Land der Volksfeinde, seit dem 7. Sept. keine Einschreibungen mehr macht, obschon das Gesetz sie bis zum 14. Sept. gestattet; wie überall das tückische Gerücht ausgesprengt wird, kein in Folge des Juni entwaffneter Bürger dürfe votiren; wie absichtlich der Ausdruck „Identitätsfeststellung“ so vieldeutig gelassen ist, daß jeder der zwölf Maires und Polizeikommissäre ein verschiedenes Personalzeugniß den votirenden Ouviers abverlangt und sie von Pontius zu Pilatus schickt, nur damit sie so die Zeit verpassen. Auch enthalten sich Viele ganz des Votirens, aus Ekel. Höchst wacker ist der Klub „Bonne Nouvelle“, wo der Präsident Bernard, ein sehr tüchtiger Sozialdemokrat, allabendlich 4000 Männern Wahleifer einprägt; er hatte gestern den berüchtigten Herrn Thomas (von den Nationalwerkstätten) geradezu citirt und stellte ihn öffentlich zur Rede wegen seiner Kandidatur neben Girardin und Prinz Bonaparte. Herr Thomas verstummte zu allgemeinem Jubel. Der Arbeiterklub „St. Jean“ im Faubourg St. Antoine, unter dem jungen Sozialdemokraten Barnabé, ist auch sehr wacker. Die Sozialvorlesungen von Dameth, Boulevard du Temple, sind von Frauen und Kindern nicht minder besucht als die Hennequins im Freimaurersaale. Gegen all' dieses haben die Bourgeois bis jetzt nur ihren miserablen „Nationalgardeklub“ in der Chaussee d' Antin zu setzen. Der Kursus Dameth's giebt eine kleine Broschüre heraus, die viel wirkt. „Da steht Ihr nun,“ ruft „La Liberté“ von Lyon, „Ihr elenden Tröpfe in Gold und Seide, Ihr Börsenherren und Arbeitskommandanten, mit all' Euren tausend Kanonen und Mobilen und laßt Bücher schmieren gegen unsere Idee'n, und kein Mensch kauft sie, Ihr großen Geister! ob Herr Thiers oder Herr Tocqueville gegen Kommunismus kritzelt, berührt uns nicht, aber die kleinste Broschüre unserer Autoren verschlingen wir. Und Eure Mobile wird nicht lange mehr mobil bleiben, glaubt's uns; eine Truppe, die, gleich nordamerikanischen Rothhäuten, den an die Fensterläden gebundenen Junigefangenen, zwanzig Minuten lang, unter Lachen, Glied um Glied abschoß, wird nicht immer in Aktivität bleiben.“ Dieses saubere Faktum ist mir [0534] [Spaltenumbruch] übrigens von mehreren Augenzeugen (Nationalgardisten und Krämern) auch mitgetheilt worden. ‒ „Wenn die Herrscherklasse mit Kanonen nochmals auf unsere Idee'n schießt, so werden die Kugeln zerplatzen und rikochettiren “ (ruft „Le Constituant“), „und die Mobile und die Contrebarrikaden werden auf einmal zu den nicht existirenden Dingen gehören. Wollt Ihr's probiren? Gut. Wir haben Nichts zu verlieren, Alles zu gewinnen, sind folglich bereit!“ ‒ Mehrere Provinzblätter halten sich darüber auf, daß Preußen bei der republikanischen Polizei wegen der deutschen und polnischen Flüchtlinge nachgefragt, und sie ersuchen den Polizeipräfekten, immerdar so energisch „den absolutistischen Spionen“ zu entgegnen. ‒ Die Demokratenpresse von Paris und den Departements fordert täglich Deutschlands „wackere und aufopfernde Sozialdemokraten“ auf, den letzten Hieb zu riskiren und das Wort „Volkssouverainetät“ zur Wahrheit zu erheben; „mögen unsere hochherzigen Brüder jenseits des Rheines an unserm scheußlichen Konstitutionsspiele von 1815 bis 1848 endlich ein warnendes Exempel nehmen“, ruft „Le National de l'Ouest“ in Nantes, „und bedenken, daß diese 33 bitteren Jahre eine lange Frist sind in einem Menschenleben.“ Cavaignac wird ermahnt, „das Schwert des Harmodius und Gelon für den Propagandakrieg“ zu ziehen und sich loszureißen „von den rath- und thatlosen Männern des Carrel'schen Blattes“ (des „National“); „laß Dich warnen, Bruder Godesroy's, schon beunruhigt man Deine Feste; schläfst Du, Brutus? sieh', die Cäsaren pochen draußen an Frankreichs Thür!“ Dies bezieht sich auf das in Paris minder bekannt gewordene, aber nichts desto weniger wahre Faktum, daß schon dreimal Blousenleute über die Gartenmauer kletterten, als Cavaignac Abendgesellschaft gab; die Schildwachen schossen, und manche Gäste verließen eilig das Haus. Uebrigens hat jeder uniformirte Nationalgardist Zutritt, während „der Athenienser Marrast“ Karten zu seinen Donnerstagssoirée'n austheilt. Von dem dumpfen Grimme gegen Letztern zeugt auch das schwarze Plakat mit weißen Buchstaben, das bereits mehrmals an seinem Plakat klebte: „Marrast, Exmaire von Paris, Pethion und Bailly desgleichen“ (mit Hinweisung auf den Guillotinentod seiner Vorgänger). ‒ Die Reaktionsblätter werden immer böswilliger gegen Deutschland; „La Presse“ sagt heute: „Die rothen Journale in Berlin meinen zwar, bei'm Konflikte mit der Krone werde die demokratische Partei siegen, allein daß die Monarchisten siegen werden, wenn die Krone nur erklärt, eine konstitutionelle bleiben zu wollen, das scheint uns gar klar und das hoffen wir.… In Frankfurt singt man, Deutschland scheue selbst gegen ganz Europa nicht Krieg; wie Beaumarchais sagte, was gar zu dumm ist, spricht man nicht, man singt's.
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@facs0534
Paris, 17. Sept.
Unsere „moderirte“ Republik, die auf dem Sprunge steht, in den aller abgeschmacktesten Bourgeois-Terrorismus überzugehen, naht sich ihrem Ende. Es wird dem guten General Cavaignac nichts Anderes übrig bleiben, als zu den Beduinen zurückzukehren, oder sich den Rothen in die Arme zu werfen.
‒ Der Gesandtschaftsrath, Hr. v. Thom, hat gestern dem General Cavaignac die Papiere überreicht, die ihn als Geschäftsträger Oestreichs bevollmächtigen.
‒ Heute finden die berüchtigten Ersatzwahlen für die Nationalversammlung statt. Vor Donnerstag Nachmittags kann das Resultat nicht bekannt sein. Wenn uns die Anzeichen nicht täuschen, so siegen in Paris die Sozialisten (Raspail, Thoré, Cabet). Die Bannmeile wird vielleicht den Märtyrer Louis Napoleon durchsetzen.
‒ Die Regierung ist entsetzlich furchtsam. Die Truppen in in den Kasernen, unter den Zelten und in den Forts hält sie konsignirt und die Boulevards werden von Patrouillen durchzogen.
‒ Auf dem Marsfelde heute wieder Revue.
‒ Pascal Duprat's Abreise nach Pesth ist, wie man hört, aus noch nicht bekannten Gründen verschoben worden.
Schweiz.
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[ *** ] Zürich, 15. Sept.
Mit 17/2 Stimmen hat am 12. d. die Tagsatzung die neue Bundesverfassung angenommen und als Grundgesetz der Eidgenossenschaft erklärt, zugleich auch den Beschluß gefaßt, die erforderlichen Bestimmungen zur Einführung der Verfassung, Wählen zum Nationalrath etc., sofort von sich aus zu treffen. In Zeit von einer Stunde wurde die Nachricht von der Annahme durch Kanonenschüsse durch die ganze Schweiz verbreitet; am Abend leuchteten Freudenfeuer von allen Höhen herab, Festessen mit obligaten Toasten, rhetorischem Jubel, Freudenschüssen, nichts fehlte. Von der Gassenjugend wurde sogar auf den Patriotismus spekulirt: Buben, welche auf einem erhöhten Punkt in einer Vorstadt ein Feuer angezündet hatten, ersuchten mich, als ich vorbeiging, um einen Schilling „für das Fastnachtsfeuer“, womit sie den neuen Bund begrüßten. Einer der ersten Streitpunkte im neuen „Nationalrathe“ wird die Wahl der neuen Bundesstadt sein. Bern hatte vorher mit der größten Sicherheit auf diese Ehre gerechnet. Jetzt aber machen nicht nur die beiden andern Vororte, Zürich und Luzern, Ansprüche auf den Sitz der Bundesbehörden, sondern auch noch eine Reihe kleinerer Städte. Ueber die den lombardischen Flüchtlingen abgenommenen Waffen, 7000 Gewehre und 34 Kanonen, wird die Tagsatzung entscheiden. ‒ Außer den Roten, mit welchen Radetzky und Hr. von Kaisersfeld in der letzten Zeit die Tagsatzung geplagt haben ‒ die Zahl der Flüchtlinge hat sich aber selbst in Tessin bereits so sehr vermindert, daß die eidgenössische Kommission von dort abberufen ist ‒ hat auch das badische Ministerium die Tagsatzung mit einer neuen Note beehrt, als Replik auf die Antwort der Tagsatzung, daß die badischen Flüchtlinge in der Schweiz durchaus keine Veranlassung zu Beschwerden gäben. Diese neue Note sagt geradezu, beweisen könnte man allerdings Nichts, aber dennoch sei es ganz unzweifelhaft, daß die Flüchtlinge neue Ruhestörungen beabsichtigten. Und mit solchem Gewäsch wagt man es, von einer fremden Macht Beschränkung des Asylrechts zu verlangen! Zugleich aber sind von Baden und Würtemberg gegen die Einfuhr von Schweizer Weinen so belästigende Maßregeln ergriffen worden, daß sie einem gänzlichen Verbot gleich kommen; durch solche nachbarliche Plackereien scheint man die mangelnden Beweise ersetzen zu wollen. Vielleicht ist es Manchem unter ihren Lesern noch nicht bekannt, daß Hr. Mathy, nach dessen Erklärung ein politischer Flüchtling sein Heimathsrecht verliert, früher selbst als politischer Flüchtling in der Schweiz ein Asyl und wegen seiner damaligen politischen Gesinnungen Freunde gefunden hat, die ihm in Solothurn eine Schulmeisterstelle verschafften. Nach diesem wirft sein Verfahren gegen die Schweiz ein neues Licht auf diesen „antiken Charakter“. ‒ Daß bei der neapolitanischen Expedition gegen Sicilien wiederum 2 Schweizerregimenter zur Unterdrückung eines Volkes mitwirken müssen, setzt unsere Liberalen, nachdem sie die Scenen in Neapel mühsam übertuscht hatten, in eine grausame Verlegenheit. Die Berner Zeitung will behaupten, diese Verwendung sei kapitulationswidrig. Das ist aber eine dürftige Ausflucht, denn in Art. 112 der Kapitulation heißt es: „Das Bernerregiment kann in allen Theilen von Europa gebraucht werden, ausgenommen gegen sein eigenes Vaterland.“ Als wenn man überhaupt Schweizersöldlinge jemals zu etwas Anderem, als zur Unterdrückung der Freiheit gehalten hatte!
Nachtrag.
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[ !!! ] Frankfurt, 18. Sept.
Die Volkversammlung auf der Pfingstweide hat stattgefunden, ‒ gebildet aus Frankfurtern, Hanauern, Mainzern, und Bürgern aus etwa 20 Ortschaften, über 15-20,000 an der Zahl. Alle Vermittlungsvorschläge (des Montagskränzchens) u. s. w. wurden nach der Reihe verworfen.
Der Antrag, die Linke zum Austritt aufzufordern, und ihr den Schutz des Volkes zuzusagen: angenommen. Der Antrag, die Majorität für Volksverräther zu erklären: angenommen.
Die Vorstände der Vereine traten nach der Versammlung zusammen, um nach Beschluß die Linke von dem Resultat in Kenntniß zu setzen. Nur 19 Mitglieder der äußersten Linken (Vogt nicht!) und einer der Linken (Zimmermann aus Spandau) erklären sich für den Austritt! So verrathen die „Volksfreunde“ das Volk in der Gefahr!
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[ !!! ] Frankfurt, 18. Sept.
Früh 11 Uhr. In der Nähe der Paulskirche alle Straßen gesperrt. Die Aufregung gewaltig. Eben kommt auch baierische Kavallerie. Die Börse ist mit Soldaten gespickt. Das Volk wogt, größtentheils bewaffnet, durch die Straßen. Die Sachsenhäuser ziehen am preußischen Militär vorüber. Man errichtet Barrikaden. An den Thoren stehen die Hanauer Bürger; gegen Abend wird weiterer Zuzug erwartet.
2 Uhr Nachmittags. Fast die ganze Stadt ist verbarrikadirt. Bei einem Angriff der Preußen an 20 Personen verwundet. Die Hanauer haben ihr Zeughaus geleert und eilen uns zu Hülfe.
3/4 3 Uhr. Eine Barrikade eben mit Sturm genommen. Ein slavisches Regiment Oestreicher hat zuerst geschossen. Man schießt aus den Fenstern. Es kommen so eben neue 1000 Mann Preußen, und eine Deputation der Linken geht zum Reichsverweser, daß er das Militär entfernen lasse. Am Friedberger Thore ist eine ungeheure Barrikade; dort das Hauptquartier des Volkes. Verwundete Preußen werden so eben bei mir vorübergetragen. Ein Theil Oestreicher sind entwaffnet.
5 1/4 Uhr. Es ist eine kleine Waffenruhe bis 1/2 6 Uhr abgeschlossen. Der Reichsverweser wollte die Truppen zurückziehen; es ist aber kein Minister zur Gegenzeichnung des Befehls da. Viel Blut ist schon auf beiden Seiten geflossen.
6 Uhr. Statt des Friedensboten sprengt Artillerie durch die Straßen; voran der berüchtigte Boddien (Deputirter von der Rechten) und hintendrein hessische Kavallerie. Neue Deputation zum Reichsverweser, um die Bedingungen des Volkes vorzulegen.
Heute Abend werden 10,000 Mann Truppen hierversammelt sein.
Die Post wird gesperrt, ich muß hinweg. Die Kanonade wird bald beginnen; vom Ende des Kampfes keine Rede. (1/2 7 Uhr.)
[Anzeigen]
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Civilstand der Stadt Köln.
Geburten.
Den 16 Jenas Cornel., S. v. Cornel. Dahlmeyer, Bierb., kl. Budeng. ‒ Adolph, S. v. Caspar Benegey, Seilermstr, Karthäuserwall. ‒ Ant., S. v. Pet. Körner, Bäcker, kl. Budeng. ‒ Bern., S. v. Salomon Goetz, Metzger, Streitzeuggasse. ‒ Maria Elis. Jos., T. von Carl Grein, Lederhändler, Eigelstein. ‒ Kath., T. von Dominicus Bernards, Kunstgartner an der Eiche. ‒ Joh. Wilh, S. v. Pet. Jos. Henrichs, Kleidermacher, Ulrichsgasse. ‒ Christina und Jacob, Zwill. v. Joh. Jos. Mecklenbruch, Gasarbeiter, Ulrichsgasse. ‒ Elis. Joh., T. v. Wilh. Latz, Schlossermeister, Blindg. ‒ Maria Louise Elis, T. v. Friedrich Nering-Bögel, Doktor der Philosophie, Apernstr. ‒ Heinrich, S. v. Carl Wiegand, Farber, Achterstr.
Sterbefälle.
Den 16. Casp. Hab. Klein, 3 J. alt, Kostgasse. ‒ Joh. Renner, ohne Gewerbe, 89 J. alt, verheir. Thürmchenswall. ‒ Gert. Knoch, 22 J. alt, unverh, Machabäerstraße. ‒ Cath. Jos. Pflug, Wwe. Wehn, 52 J. alt, unverh., Minoritenspital. ‒ Jodocus Joseph Rheindorff, Krankenwärter, 32 J. alt, unverh., Cäcilienspital. Gudula Gladbach, geb. Brünagel, 37 J. alt, Mariminstraße. ‒ Jacob Grüsgen, Bierbrauer, 31 J alt, verh Kämmergasse. ‒ Anna Maria Illrich, 1 J. alt, Katharinengraben. ‒ Jos. Derenne, Bildhauer, 17 J. alt, Kunibertkloster. ‒ Apollonia Radermacher, Wwe. Radermacher, 64 J. alt, Cäcilienspital.
Heirathen.
Den 15. Christ. Lohe, Lehrer, und Apollonia Wolff, beide v. hier.
Den 16. Wilh. Engels, Schneider v. Richrath, und Marg. Spinnrath v. hier.
Heiraths-Ankündigungen.
Adolph Offermann, Tagl., gr. Spitzengasse, mit Margaretha Franke, Achterstr. ‒ Heinr Jos. Berntgen, Metzger, unter Taschenmacher, mit Christ. Junggeburt, Apernstr. ‒ Carl Jos. Passendorf, Klempnermeister, mit Maria Joh. Cath. Stahl, gr. Neugasse. ‒ Laurenz Rießen, Kfm., unter Sachsenhausen, mit Elis. Klütsch, vor St. Martin. ‒ Joh. Wil. Adams, Wwr., Schneider, mit Anna Magd. Sontgen, Wwe. Braun, beide Poststr. ‒ Joh. Hochholz, Ackerer zu Poll, mit Anna Sib. Tillmann, Wallrafsplatz. ‒ Wernerus Bollig, Maurerg., Ortmannsgasse, mit Helena Otto, Löhrgasse.
Anzeigen.
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Schifffahrts - Anzeige. Köln, 19. September 1848.
Angekommen: J. Jonas von Bingen; Kapt. Wilson von Amsterdam mit 4251 Ctr.; v. Emster von Rotterdam mit 5138 Ctr.
In Ladung: Nach Antwerpen G. Verwaayen. Nach Rotterdam W. Hogewegh. Nach Ruhrort bis Emmerich H. Lübbers. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr J. Budberg. Nach Andernach und Neuwied C. Kaiser, M. Wiebel. Nach Koblenz, der Mosel und der Saar J. Zeiler. Nach der Mosel, und Trier und der Saar R. Bayer. Nach Bingen und nach Mainz Ant. Bender. Nach dem Niedermain Frz. Schulz. Nach dem Mittel- und Obermain M. Lenz. Nach Worms und Mannheim A. Distel. Nach Heilbronn H. Bechert. Nach Kannstadt und Stuttgardt L. Bühler.
Ferner nach Rotterdam Capt Baumann Köln Nr. 14. nach Amsterdam Capt Willms Köln Nr. 20 nach Stettin Capt Range, Bark „Fortschritt.“
Rheinhöhe am 17. Sept. 5′ 10 1/2′.
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Annonce.
Deutz, 18. Sept. Am Sonntag fand die große Volks-Versammlung auf der Worringer Heide statt. ‒ Die Züge der Eisenbahn waren sehr besetzt, als sich plötzlich das Gerücht verbreitete, Lassalle komme mit 7 bis 8 Republikanern auf dem Berliner Zuge, um die rothe Fahne an der Spitze den Deutzern die Republik zu bringen. ‒ In aller Eile wurden zwei Kompagnien Militär requirirt, und an der Post aufgestellt, die Husaren standen sattelfertig, und sogar der Kommandant unserer Bürgerwehr begab sich in vollem Ornat nach dem Bahnhof, um die Republikaner fangen zu helfen. Die Nachricht kam mit dem elektrischen Telegraphen von Langenfeld hierher, vielleicht das Wichtigste aus der Wirksamkeit unsres elektrischen Telegraphen. ‒ Unser Kommandant hat wohl durch die beabsichtigte Erbeutung der rothen Fahne wohl neben der Rettungsmedaille sich den rothen Adler-Orden verdienen wollen.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am 23. September 1848, Vormittags 11 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Apostelnmarkte zu Köln, verschiedene Mobilien, als: Tische, Stühle, Schränke, ein Sopha, einen Spiegel, eine Uhr, eine Fournaise etc., gegen baare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher, Simons.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am 22. September 1848, Vormittags 11 Uhr, sollen durch den Unterzeichneten auf dem Waidmarkte zu Köln, verschiedene Mobilien, als: Tische, Stühle, ein Ladengestell mit Theke, eine Kommode, sodann mehrere Blechwaaren, als Brotkorbchen, Präsentirteller, Kaffeetöpfe, Kessel, Emimer, Wagen, verschiedene Einsätze zwei Oelkasten etc., gegen baare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher, Simons.
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Durch alle Buchhandlungen, in Köln durch J. G. Schmitz ist zu haben:
Schwert und Zopf. Beleuchtung der Schrift über die deutsche Central-Gewalt und die Preußische Armee. 2 1/2 Sgr.
Die Rettung des Gewerbestandes, oder Grundzüge eines neuen Gewerbesystems, von H. Windwart. (Verlag von C. Flemming). 3 Sgr.
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Die Leipziger Feuer-Versicherungs-Anstalt versichert alle Mobilar- und Immobilar-Güter, auch Fruchthaufen auf freiem Felde, so wie die Waaren auf der Reise begriffen zu den der Gefahr angemessenen billigst gestellten Prämien-Sätzen. Meine Herren Hülfsagenten, die dem verehrlichen Publikum bereits bekannt, sind stets bereit, Anträge entgegen zu nehmen, um mir solche zur Ausfertigung der Policen einzusenden und über die Bedingungen genügende Auskunft zu ertheilen.
Alle Versicherungen bis zu sehr bedeutenden Summen werden durch mich in Vollmacht und im Namen der Anstalt sofort gezeichnet und sind von dem Augenblicke an, wo die Prämie gegen Aushändigung der Police bezahlt ist, in Obligo für die Anstalt.
Köln, im August 1848.
Der General-Agent der Leipziger Feuer-Versicherungs-Anstalt für die Regierungs-Bezirke Köln und Koblenz.
Mainone.
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Futter gegen Ratten, Mäuse, Wanzen und Schwaben Thurnmarkt Nr. 39.
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Einladung zum Abonnement auf die Rheinische Volkshalle.
Diese neue politische Zeitung wird vom 1. Oktober c. ab in Köln täglich, mit Ausnahme der Montage, in großem Formate erscheinen, redigirt von drei bewährten Publizisten unter Mitwirkung von vielen tüchtigen Korrespondenten.
Der Abonnementspreis beträgt für Köln vierteljährig 1 Thlr. 15 Sgr., für alle übrigen Orten in Preußen 1 Thlr. 24 Sgr. 6 Pf. Für die Plätze außerhalb Preußens mit Zuschlag des ausländischen Portos.
Inserate kosten 1 Sgr. 3 Pf. per vierspaltige Petitzeile oder deren Raum.
Bestellungen werden angenommen bei der Expedition der „Rheinischen Volkshalle“, Hochstraße Nr. 166 (Welters Buchhandlung, Gebr. Stienen) in Köln, und auf alle Postämtern.
Der Gerant, H. Stienen.
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Im Verlag von Beruh. Dietz ist erschienen und der Buchhandlung von Gebr. Stienen in Kommission gegeben:
Wie's jetzt im preußischen Heere aussieht. Von F. Anneke, ehemals Lieutenant in der preußischen Artillerie.Preis 2 Sgr.
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Der zweite Rheinische Demokraten - Kongreß findet am 24. d. M. in Köln statt, und soll wo möglich, Morgens 10 Uhr, eröffnet werden. Die Abgeordneten wollen sich bis dahin im obern Saale bei Stollwerk oder im Pfälzerhofe (Appellhofplatz Nr. 17) melden.
Es sind auch Demokraten aus solchen Orten, wo keine Vereine bestehen, so wie Abgeordnete von Vereinen aus den die Provinz begränzenden Gegenden, welche sich noch keinem Kreisvororte angeschlossen haben, willkommen.
Adr. Dr. jur. H. Becker.
Der Kreis-Ausschuß.
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So eben ist erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben:
Freiligrath! ein Gedicht.
Preis 1 1/2 Sgr.
In wenigen Tagen wurden hiervon Tausende von Exemplaren verkauft.
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Der wohlbekannte Herr, welcher vorigen Sonntag Königsstraße Nro: 5 einen Stock und einen Hut mitgenommen hat, wird ersucht, solche dort gleich zurück zu geben, wenn er nicht durch andere Maßregeln hierzu gezwungen sein will.
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Bei W. A. Rosenkranz (Weberstraße Nr. 24 ist zu haben:
Das schöne goldene A B C in Christi Schule.
Eine Gedenktafel aufgezeichnet von dem gottseligen Thomas von Kempen.
Ebenso sind noch eine große Auswahl verschiedener anderer Gebete und Bildereien dort vorräthig, die zu äußerst billigen Preisen abgelassen werden.
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Der dahier am Bollwerk Nr. 1, in der Nähe der Bahnhöfe, der Rheinischen und Köln-Mindener Eisenbahn und der Landungsplätze, der sämmtlichen Dampfboote gelegene Gasthofe zum Schützenhofe, mit einem Salon und 23 Zimmern, verbunden mit einer Restauration und bedeutenden Schenkwirthschaft steht zu vermiethen, zu verkaufen oder gegen einen kleineren Haus zu vertauschen. Das Nähere bei M. Sieben am Frankenthurm Nr. 23.
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Getragene Herrenkleider werden angekauft Peterstraße Nro. 4.
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Ein fleißiger mit guten Zeugnissen versehener Handlungs-Gehülfe sucht eine Stelle. Die Exp. sagt das Nähere.
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Theater-Anzeige.
Mittwoch, den 20. September: Robert der Teufel, große Oper in 5 Akten von Meyerbeer.
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W Dietz, unter Hutmacher Nro. 17.