[0541]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 109. Köln, Freitag den 22. September. 1848.
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Uebersicht
Deutschland Köln. (Neuestes aus Berlin. ‒ Armeebefehl Wrangels. ‒ Das Ministerium der Contre-Revolution. ‒ Die Truppen in Potsdam marschfertig. ‒ „Faedrelandet“ über den Waffenstillstand. ‒ Demolirung des Adam'schen Hauses in Koblenz. ‒ Volksversammlung). Düsseldorf. (Anklage-Akt gegen Freiligrath). Elberfeld. (v. d. Heydt nach Berlin) Berlin. (Beckerath gescheitert. ‒ Vereinbarungssitzung ‒ Soldaten-Exzesse). Breslau. (Soldaten-Exzesse). Wien. (Radetzky's Schaaren. ‒ Das schwarz-gelbe Komplott. ‒ Ungarn und Kroaten. ‒ Reichstag. ‒ Wandernde Demokraten). Frankfurt. (Amtliches. ‒ Schilderung des Kamfes ‒ National-Versammlung). Rendsburg. (Das Grundgesetz publizirt).
Ungarn. Pesth. (Kriegsrüstungen). Agram. (Vom Kriegsschauplatz).
Italien. (Lazzarenische Unruhen in Neapel. ‒ Die Erhebung der Sizilianer. ‒ Das Parlament in Palermo. ‒ Anleihe. ‒ Karl Albert in Turin. ‒ Proklamation an die Nationalgarden. ‒ Der Waffenstillstand. ‒ Der Oesterreichische Kommandant in Monza).
Franz. Republik. Paris. (Journalschau. ‒ Die Legitimisten im Süden. ‒ Die Wahlen. ‒ Aus Italien. ‒ National-Versammlung).
Großbritannien. London. (James Roß und Sir I. Franklin). Dublin. (Der Aufstand unterdrückt).
Deutschland.
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[ * ] Köln, 21. Sept.
Wir erhalten folgendes Extrablatt der Berliner Zeitungshalle. Sind die darin enthaltenen Nachrichten begründet, so dürfen wir uns auf einen blutigen Zusammenstoß und auf eine entscheidende Schlacht gefaßt machen.
Wir geben zuerst den Armee-Befehl des General Wrangel, der in der folgenden Nachricht citirt wird und der folgendermaßen lautet:
„Armee-Befehl. Potsdam, den 17. Sept. 1848. Seine Majestät der König haben mir einen neuen Beweis Seiner Gnade und Seines Vertrauens gegeben, indem Sie mir mittelst Allerhöchster Kabinets-Ordre vom 15. d. M. den Oberbefehl über die sämmtlichen in den Marken stehenden Truppen ertheilt haben. Meine Aufgabe ist, die öffentliche Ruhe in diesen Landen, da, wo sie gestört wird, wieder herzustellen, wenn die Kräfte der guten Bürger hierzu nicht ausreichen. Die Aufgabe ist schwer und mit großer Verantwortung verknüpft, das verkenne ich nicht, aber sie wird ausgeführt werden; dafür bürgen mir das gegenseitige Vertrauen zwischen dem Soldaten und seinem Offizier, seinem Führer, durch welches sich die preußische Armee, so lange sie besteht, immer rühmlichst ausgezeichnet hat, sowie die Liebe und die treue Hingebung für den König, von der wir Alle gleich erfüllt sind. Ich gebe mich indeß der bestimmten Hoffnung hin, daß ich keine Veranlassung erhalten werde, mit der militärischen Macht einzuschreiten, denn auch mein Vertrauen zu den Bürgern, daß sie ebenfalls nur das Gute wollen, steht fest; es ist ja ihr eigener Heerd, den sie und ich beschützen sollen. Es sind jedoch im Lande auch Elemente vorhanden, welche zur Ungesetzlichkeit verführen wollen, sie sind zwar nur gering, aber desto kräftiger treten sie hervor, während die guten Elemente sich zurückhalten. Diesen letztern will ich fortan zunächst eine moralische Stütze sein, um ihnen die Erhaltung der öffentlichen Ordnung zu erleichtern, ohne die keine gesetzliche Freiheit möglich ist. In Potsdam habe ich schon die erfreulichsten Beweise erhalten, wie dessen Bewohner mit der ganzen Bürgerwehr sich zu diesem Zweck gern um mich schaaren. Dies war mir um so erfreulicher und um so werthvoller, als es schon am ersten Tage meiner Uebernahme des Oberbefehls in den Marken geschah; es erfüllt mich deshalb mit Hoffnung und Vertrauen für die Zukunft. ‒ Soldaten! laßt Euch nicht irre leiten von den Reden und Proklamationen, welche von Euch unbekannten Leuten an Euch gerichtet werden; hört nicht darauf, wenn sie auch noch so schmeichelhaft für Euch klingen und sie Eure Zukunft mit herrlichen Worten ausmalen, sobald Ihr die Euch gegebenen Rathschläge befolgt. Zu den Versammlungen, wo dergleichen Reden an Euch gehalten werden sollen, geht lieber gar nicht hin; hört dagegen auf meine Stimme, die Stimme Eures Generals, sie ist wohlgemeint! Haltet fest an Euren Offizieren, wie diese an Euch; zwischen beiden darf sich kein fremdes Element einschleichen. Habt Ihr gerechte Wünsche, so tragt sie Euren Offizieren in der gesetzlichen Weise vor, von Niemand wird Euch sicherer geholfen werden, als von diesen, denn Niemand kennt Eure Bedürfnisse besser als sie, und Niemand ist mehr von dem Wunsche beseelt, Euch mit Rath und That beizustehen. ‒ Als Beweis, in welchem Grade ich nicht nur für Euer Wohl als Soldat, sondern auch für Euer häusliches Wohl zu sorgen bereit bin, bestimme ich hiermit, daß die durch Einziehung von Reserven auf die Kriegsstärke gesetzten Infanterie-Bataillone sofort auf 900 Mann vermindert werden, und binnen Kurzem hoffe ich eine abermalige Verminderung derselben bis auf 800 Mann eintreten lassen zu können. Zu der ersten Entlassung sind zunächst alle Reklamirten und dann Diejenigen aus den ältesten Reserven zu bestimmen, deren häusliche Anwesenheit dringend nothwendig ist; nach deren Berücksichtigung hat das unparteiische Loos unter den ältesten Reserven zu entscheiden. Zum Schluß rufe ich Euch zu, Offiziere und Soldaten! haltet fest in Eurem gegenseitigen Vertrauen und an Euren theuren König! Er lebe dreimal hoch! Der Oberbefehlshaber in den Marken.
(Gez.) v. Wrangel.
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Die Nachricht selbst lautet wie folgt:
Potsdam, 19. September, Nachmittags 2 Uhr.
Das hiesige Militär, Kavallerie, Artillerie und Infanterie hat in einem Extra-Appell, 1 Uhr Mittags, die strengste Ordre erhalten, sich marschfertig zu machen. Die Soldaten selbst glauben nicht anders, als daß es nach Berlin gehen soll, vielleicht heut Abend, oder morgen früh. Denn kein Soldat darf seine Wohnung verlassen; Jeder ist angewiesen, den Befehl geheim zu halten. Fleisch und Reis ist den Leuten geliefert. ‒ Die Offiziere fühlen sich sichtlich stark. ‒ Stehen wir auf einem Krater?
Dieses kurze Schreiben erhalten wir so eben (6 1/2 Uhr) aus Potsdam. Der Verfasser hat sich uns genannt und erklärt, daß er für die Nachricht bürge. Wir dürfen dieselbe dem Publikum nicht vorenthalten, um so weniger nach dem heutigen Wrangel'schen Armeebefehl, und nachdem wir jetzt als gewiß erfahren, daß folgende Ministerkombination zu Stande gekommen sei:
Pfuel, (von Höllenstein) Premier,
Bonin, Inneres,
Eichmann, Kultus,
Wentzel, Justiz,
Dönhoff, Auswärtiges ‒
also vollständig reaktionär.
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Edition: [Friedrich Engels: Fædrelandet über den Waffenstillstand. In: MEGA2 I/7. S. 733.]
[ ** ] Köln, 21. Septbr.
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[ * ] Köln, 21. Sept.
Am gestrigen Abend fand auf den Aufruf des Sicherheitsausschusses, des demokratischen und des Arbeitervereins eine Volksversammlung im Eiser'schen Saale statt, in welcher eine Proklamation beschlossen wurde, dahin lautend:
1. die Mitglieder der Frankfurter Nationalversammlung, mit Ausnahme derjenigen, welche sich dem Volk bereit erklärt haben auszutreten, sind Volksverräther;
2. die Frankfurter Barrikadenkämpfer haben sich um das Vaterland wohl verdient gemacht.
Diese Proklamation wird durch Maueranschläge und weiterhin durch die Presse möglichst verbreitet werden.
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[ * ] Köln, 20. Sept.
Reisende erzählen, daß in Koblenz das Haus des Abg. Adams, welcher sich an dem volksverrätherischen Beschluß über Annahme des Waffenstillstands betheiligte, vom Volke demolirt worden sei.
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[ 15 ] Düsseldorf.
Am 16. d. M. haben die Herren Appellations-Gerichtsräthe Krey (Präsident), v. Gerolt, v. Fuchsius, v. Drüffel und Hermes zu Köln auf Antrag des Herrn Prokurators Ackermann den Dichter F. Freiligrath an den hierselbst am künftigen Montag zusammentretenden Assisenhof verwiesen. Der Anklageakt schließt folgendermaßen:
„Demnach wird F. Freiligrath angeklagt, im August d. J. durch das Vortragen des von ihm verfaßten Gedichtes „die Todten an die Lebenden“ in einer öffentlichen Versammlung zu Düsseldorf, so wie auch durch den Druck desselben die Bürger direkt aufgereizt zu haben, sich gegen die landesherrliche Macht zu bewaffnen, auch die bestehende Staatsverfassung umzustürzen.
Verbrechen gegen Art. 102 und 87 des Str. G. B.“
Der Art. 102 droht mit dem Tode, wenn die Aufregung Erfolg, und mit Verbannung, wenn sie keinen Erfolg gehabt hat. In dem Anklageakte wider Wulff heißt es ausdrücklich, daß die von ihm verursachte Aufreizung keinen Erfolg gehabt habe. Es ist also Absicht, daß in dem Anklageakte wider Freiligrath gar nichts davon erwähnt ist. Am 3. Oktober wird die Sache contra Freiligrath, am 4. die contra Wulff verhandelt werden. Von den Konstellationen am politischen Himmel wird es abhangen, ob man der angeblichen Aufreizung Freiligrath's Erfolg beimessen wird oder nicht.
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[ 106 ] Elberfeld, 20. Sept.
Gestern Abend ist August v. d. Heydt nach Berlin berufen und heute schon dorthin abgereist. Also mit einem solchen abgestandenen Vereinigten Landtagsritter will sich Beckerath rekrutiren? In der ersten Volksversammlung, die hier stattfand, sagte dieser Ex-Abgeordnete wörtlich: „Dieser Mensch, (der König nämlich) hat uns immer getäuscht, er verdient kein Vertrauen, wir müssen jetzt Garantien haben.“ Und in der letzten Philisterversammlung sagte derselbige Ex-Abgeordnete: „die Nationalversammlung hat am 7. d. M. die heiligen Rechte der Krone verkannt und müsse sofort aufgelöst werden.“
Der Ex-Abgeordnete und hoffnungsvolle Ministerkandidat wird nun wohl in Berlin die Versammlung sofort auflösen, um somehr, als er es in Elberfeld so trefflich verstanden hat, anarchische Bestrebungen niederzuhalten und zwei Katzenmusiken vermittelst der Polizei zu widerstehen.
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[ 103 ] Berlin, 19. Sept.
Unsere Ministerkrisis, die man heute beendigt glaubte, fängt wieder von Neuem an. Schon gestern Nachmittag verbreitete sich das Gerücht, Beckerath hätte den erhaltenen Auftrag zur Bildung eines neuen Ministeriums in die Hände des Königs zurückgegeben, welches heute von allen Seiten bestätigt wird. Man erzählt, daß Hr. Beckerath dem Könige ein ganz liberales Programm vorgelegt hatte, ein Programm, welches sich der Unterstützung der Centren zu erfreuen gehabt und aus deren Mitte er wohl Einen oder Mehrere ins Ministerium gezogen hätte. Er verlangte vor Allem die Genehmigung des Königs zu den Beschlüssen der Vereinbarerversammlung, namentlich für die bereits angenommenen: Gesetz über Abschaffung der Todesstrafe, Gesetz zum Schutz der persönlichen Freiheit und für den Steinschen Antrag vom 7. September. Der König soll aber beharrlich seine Zustimmung für diese Gesetze und Beschlüsse der Vereinbarer verweigern und deshalb mußte Beckerath auf die Bildung des neuen Ministeriums verzichten. Er beabsichtigte schon gestern Abend wieder abzureisen, soll aber auf dringendes Ersuchen des Königs noch einige Tage hier bleiben. Die Umgebung des Königs soll einen sehr großen Einfluß auf seine Beschlüsse haben und ihn zu Gewaltmaßregeln anspornen.
Der heute bekannt gewordene Armeebefehl des General Wrangel, der zum Oberbefehlshaber sämmtlicher Truppen zwischen Oder und Elbe ernannt ist, hat einen schlechten Eindruck in der ganzen Stadt hervorgebracht. Man sieht darin gerade das Gegentheil von dem, was der Steinsche Antrag bezwecken sollte und glaubt, daß Radowitz und die Kamarilla ihre Hände dabei im Spiele haben. Es ist nicht mehr möglich, in dieser Verwirrung klar zu sehen. An der Börse fängt die Bourgeoisie an, sehr ängstlich zu werden. Die Reichen zittern schon vor der in Aussicht stehenden Einschließung Berlins, im Falle die Vereinbarerversammlung aufgelöst würde, was diese Leute jetzt als gewiß voraussetzen. So nähern wir uns von allen Seiten der Entscheidung.
[0542]
Die heutige Sitzung der Vereinbarer-Versammlung, welche zum ersten Male im Concertsaale des Schauspielhauses stattfand, begann mit der Verlesung eines Schreibens des Ex-Minister Präsidenten Auerswald an den Präsidenten, worin er anzeigte, daß die Verhandlungen, wegen Bildung des neuen Ministeriums noch zu keinem Resultate gediehen seinen und daher anheim stellt die Sitzung wieder auszusetzen. ‒
Abg. v. Berg beantragt in Folge dessen, daß die Versammlung beschließe, eine Deputation bestehend aus dem Präsidenten, dem Vicepräsidenten und zwölf durch das Loos zu bestimmende Abgeordnete zum König zu senden, um ihn zur baldigen Bildung eines Ministeriums zu veranlassen. Er wünscht, daß dieser Antrag Donnerstag discutirt werde. Wir glauben aber nicht, daß dieser Antrag durchgehen wird. Sowohl die Rechte als die Linke erklärt sich dagegen; die Linke wird darauf bestehen mit den Berathungen der vorliegenden Gesetze auch ohne Ministerium fortzufahren. ‒
Hierauf ging die Versammlung sogleich zur Wahl des neuen Präsidiums über Die Linke hatte den Abg, Philipps als Präsident bestimmt. Die Partei Robbertus unterstützte diese Canditatur. Die Rechte und die Centren hingegen stimmten für den bisherigen Präsidenten Grabow und da das Resultat sehr zweifelhaft erschien, kamen sogar die alten Minister Auerswald, Milde, Hannemann und Gierke, die auch Abgeordnete sind, in die Versammlung um ihre Stimmen für Grabow abzugeben und einige Schwankende wieder für Grabow zu gewinnen. Die Ministerstühle nahmen sie nicht ein, sondern die Herren Ex-Minister bewegten sich unter den verschiedenenen Gruppen, welche sich gebildet hatten. Das Resultat der Wahl war, daß von 330 Abstimmenden, (Majorität 166) Grabow 179 Stimmen und Philipps 51 Stimmen erhielt. ‒ Grabow ist demnach wieder Präsident. Während der Wahl der Vicepräsidenten die mehrere Stunden dauerte wird von mehrern Bürgern eine Adresse an den König verbreitet, welche auch schon zahlreiche Unterschriften erlangt hat, und den König bittet: „den Abgeordneten Waldeck mit der Bildung des neuen Ministeriums zu beauftragen.“
Die Wahl der Vice-Präsidenden rief heute einen harten Kampf hervor der von 11 Uhr Vormittags bis 5 Uhr Nachmittags dauerte und damit endete daß die Linke drei ihrer Canditaten durchsetzte, wärend die Rechte nur einen einzigen vom rechten Centrum-Geheimrath Jonas-durchbringen konnte. ‒ Das erste Serutinium brachte keinen einzigen Namen mit absoluter Majorität hervor; im zweiten wurden Philipps, Waldeck und Jonas gewählt und zuletzt wo eine engere Wahl zwischen Unruh und Kosch stattfand, wurde der Erste als Candidat der Linken zum vierten Vice-Präsidenten gewählt. Kosch war seit Monat Juni Vice-Präsident und fiel heute zum ersten Mal durch, da er nur von der Rechten unterstützt wurde. ‒
Vom Abgeordneten Rees von Esenbeck sind schon zwei dringende Interpellationen für das zukünftige Ministerium angekündigt. Die erste lautet: „der Herr Justiz-Minister möge, in Erwägung, daß das von der Versammlung beschlossene Gesetz, zum Schutz der persönlichen Freiheit dem Volke nicht einen Augenblick hätte vorenthalten werden sollen, erklären, wann dieses Gesetz und zwar in der kürzsten Frist, Gesetzeskraft erhalten werde.“ Die zweite: das hohe Ministerium wolle erklären, ob es das von dem abgetretenen Ministerium eingebrachte Gesetz zur Beschränkung des freien Versammlungsrechts bei der Versammlung zu vertreten gewilltsei?
Die nächste Sitzung der Vereinbarer wird regelmäßig übermorgen Statt finden. Im Falle bis dahin noch kein Ministerium gebildet ist, haben wir interessante Debatten zu erwarten Ist das neue Ministerium von schwarz-weißer Farbe bis dahin gebildet, so muß es in dieser ersten Sitzung sogleich an die oben angekündigten Interpellationen scheitern. Alles ist hier auf Donnerstag gespannt. ‒
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Berlin.
Gestern Abend den 18. ds. drangen eine große Anzahl von Soldaten vom Füselier-Bataillon des 24. Regiments in den in der Karlstraße belegenen Tabaksladen des Herrn Wigaart ein und begannen damit, die darin befindlichen Vorräthe, gleich einer Räuberbande hinauszuwerfen und zu zerstören, ohne daß zu dieser ruchlosen That von Seiten des Hrn. Wigaart oder seiner Leute die mindeste Veranlassung gegeben worden wäre, es müßte denn sein, daß ein mit dieser Horde in Streit gewesener Schutzmann vor derselben in den Laden flüchten wollte. Wenn gleich es der herbeigeeilten Nachbarschaft und Bürgerwehr gelang, einige dieser Missethäter zu verhaften, so konnte doch der gänzlichen Zerstörung und Beraubung des Ladens nicht vorgebeugt werden, so wie auch noch diese Soldaten auf ihrem Rückzuge nach der Kaserne ihre Wuth nicht allein an den Fenstern der Karlstraße, sondern auch an die ruhig auf der Straße befindlichen ihnen begegnenden Personen durch thätliche Mißhandlungen, ausließen. ‒ Von den Verhafteten aber zeigten Einige Reue über dieses Betragen und thaten die merkwürdige Aeußerung, daß sie von ihren Vorgesetzten dazu aufgestachelt worden wären. Am Sonnabend den 16. Abends war ein ähnlicher Fall in der Karlstraße Nr. 2 vorgekommen, wo von Soldaten desselben Bataillons ein Branntweinladen demolirt wurde.
[(B. Z.-H.)]
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[ 12 ] Breslau, 18. Septbr.
Die hiesige Jägerabtheilung hatte sich in letzterer Zeit stark bei den abendlichen Versammlungen des hiesigen demokratischen Centralvereins betheiligt. Der Major von Pfircks, Kommandeur dieser Abtheilung hatte dies kaum erfahren, als er die Jäger antreten ließ, dieselben haranguirte und ihnen schließlich den Besuch dieser Versammlungen untersagte. Dies dem freien Vereinigungsrecht wiederstrebende Verfahren war kaum im Publikum bekannt geworden, als dem ohnedieß in hiesiger Stadt seit dem 19. März mißliebigen Major eine Katzenmusik gebracht wurde. Dieselbe widerholte sich am Sonnabend und sollte am gestrigen Tage wieder stattfinden. Ein Haufe zog gegen die Straße, 8 Uhr Abends heran, als ohne allen Warnungsruf 28 in grauen Jacken gekleidete Oberjäger aus dem Hause des Majors herausstürzten, blank zogen, mit scharfen Hirschfängern blindlings einhieben und so gegen 30 Personen mehr und minder verwundeten. Die gemeinen Jäger hatten die Mitwirkung bei dieser feigen und hinterlistigen That versagt. Die Aufregung über diese schamlose Willkühr der Soldateska ist groß und es wird heute Abend jedenfalls unruhige Auftritte geben, obgleich der demokratische Verein in Plakaten davon abräth.
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[ 61 ] Wien, 16. Sept.
Gestern Nachmittag fanden starke Zusammenrottungen auf dem Kohlmarkt und Graben Statt, die bis in die Nacht hinein dauerten.
Die Tagespresse ist über die Ereignisse des 13, vielmehr über die zu bedauernden Nichtereignisse, bereits fast stumm oder äußert sich doch höchstens nur ad usum Delphini. Die „Konstitution“ hat es so weit gebracht den Minister Bach zu einem Mephistopheles avanziren zu lassen. Sie wissen, daß ich denselben keineswegs für eine solche Größe, sondern höchstens nur für einen fuchsschnautzigen Schwätzer ausgegeben habe, der seinem Grundcharakter nach Polizeispion ist. Kraft dieses Genie's arbeitet er gegenwärtig an einem Repressivgesetze wider die so unschuldige sogenannte Demokratenpresse des Kaiserreichs. Ich würde Ihnen nun noch berichten müssen, was der „Radikale“ sagt, was der „Freimüthige“ und Konsorten sagen, wenn sie nicht alle gar nichts sagten, wenigstens für mich und Ihre Leser. Mit der „Presse“ jedoch, Stadion's gedrucktem Gewissen, verhält es sich anders. Sie hat heute eine diplomatische Wendung gemacht; ihr leitender Artikel streichelt ‒ Ungarn. Nicht möglich! werden Sie ausrufen. Aber dennoch. Kossuth's Diktatur, die Energie der Magyaren haben Angst und Bestürzung in Schönbrunn hervorgebracht. Der König von Kroatien ist außer sich, er könnte als König von Ungarn dergestalt siegen, daß er als Kaiser von Oestreich in eine so bedeutende Klemme gerathen müßte, daß ihn selbst die Krone der Zigeuner nicht mehr zu schirmen vermöchte.
Die Presse sagt: „Vor Allem läge es dem Ministerium ob, den kriegführenden Ländern seine freundschaftliche Vermittlung anzubieten, die sicherlich von keiner Seite abgelehnt würde.“ Welche Wendung nach der Abweisung der ungarischen Deputation! Haben Ferdinand und Frau Sophie Besorgnisse bekommen? ‒ Die listige „Presse“ sagt ferner: „Der Standpunkt, von dem die östreichische Vermittlung auszugehen hätte, muß offenbar jener des Rechtes sein, da es uns wohl nicht einfallen kann, lediglich durch Gewalt, ohne Rücksicht auf Ungarns Verfassung, die Integrität des Kaiserreichs herstellen und die Magyaren als Besiegte behandeln zu wollen.“ Welch interessanter Rückzug! „Höchst gefährlich wäre es, die Zugeständnisse, die im März den Ungarn wurden, in Frage zu stellen (sakerlot!), weil sie in Sturm und Hast gegeben sind. Solche Behauptungen kann der Freund der Freiheit (eine östreichische Katze, die sich zufällig jetzt Sophie nennt) nie billigen. ‒ Sind die Grundzüge des Staatsorganismus bestimmt, so kann man auch Ungarn einladen, dem östreichischen Gesammtreiche beizutreten.“ (!) Welches unendliche paradiesische Hochgefühl in diesem „Beitritt“ liegt!
Aus der heutigen Sitzung des Reichstags habe ich Ihnen nur eine Interpellation Violands anzumelden. Er fragte den Minister des Aeußern und des Hauses, (!) dem darüber die Brille von der Nase fiel und das Zähnekauen verging, 1) ob es wahr sei, daß nur er und Latour Zutritt zum Kaiser hätten, während das gemeine Ministerpack à la Schwarzer gleich übelduftenden Pferdeknechten in Schönbrunn nicht erscheinen dürfe?
Wessenberg mit der entrüsteten Hitze bundestagsmäßigen Blutes: Nein!
2) Ob es wahr sei, daß die Beschlüsse der Minister, bevor sie zur Vollziehung kämen, noch andern unverantwortlichen Räthen (Stadion, Pillersdorf, Cibini, Sophie, Windischgrätz, Metternich u. s. w.) vorgelegt werden müßten?
Bach, als dienstfertiger Handlanger: Das Ministerium kennt kein Kabinet über sich; es steht in direktem Verkehr mit dem Monarchen; es kann nicht dulden, daß der Monarch, der unverletzliche, in eine solche Debatte gezogen wird.
Violand: In der That, der Monarch kümmert mich wenig, um so mehr aber das monarchische Ministerium.
4. Wie es komme, daß der Brief, den der Kaiser am 4. Sept. von Schönbrunn aus an Jellachich geschrieben, weder von einem östreichischen noch von einem ungarischen Ministerium kontrasignirt worden und auf welchem Fleck seiner Gesammtstaaten dieser Kaiser noch ein absoluter sei?
5. Welche Ansicht und Politik das Ministerium über Ungarn und Kroatien habe?
Wessenberg verspricht morgen eine von dem geheimen Kabinet berathene schriftliche Antwort lautlos abzulesen.
Auch Schwurzer wurde von Borrosch wegen von k. k. Beamten gestohlenen 300,000 Fl, interpellirt; die Antwort war Schwarzers würdig, nämlich eine Grobheit.
Als ich den Reichstagssaal aus Langweile verließ, stand ein Trupp Nationalgarden in der Vorhalle. Sie klagten, daß der Hornbostel dem der Reichstag am 14. 2 Millionen Gulden zur Unterstützung herabgekommener Gewerbtreibenden bewilligt, dieselben nur dann und so vertheile, daß die Petenten ihm für das zu empfangende Unterstützungsquantum eine goldene Uhr, eine Tabacksdose u. dergl. verpfänden müßten. Sie meinten, unter diesen Bedingungen hätten sie auch auf das Leihaus gehen können; sie meinten die 2 Millionen hörten ihnen und sollten dazu dienen, die in ihrem Besitze befindlichen Swoboda'schen Aktien zu heben und ihnen auf diese Weise Geld zu verschaffen. Die Leute schienen mir sehr vernünftig zu sein; ich sprach mit ihnen und sie wollten mich zum Minister haben, als ich ihnen erklärte, daß die reichen Bankjuden noch keine unprigilepirten Aktienkonkurrenten brauchen könnten.
Fröbel hält heute demokratische Vorträge und schreibt an einem Werk über kroatisch-slavonisch-serbisch-illyrisch-magyarisch-czechische Wirren, wird aber dann nach Frankfurt abreisen, und eine neue Zeitung in's Leben rufen.
Der große Johannes Ronge ist gestern ebenfalls hier angekommen und hält Morgen seine erste ‒ Predigt. Ungeheure Aufregung unter allen Demokraten und Demokratinnen Italiens. Aus allen Winkeln Deutschlands werden wir mit demokratischen Abentheurern überschüttet.
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[ 61 ] Wien, 17. Sept.
Der Krieg der Schwarzgelben gegen die Trikoloren oder gar Rothen wurde gestern Mittag und Abend mit dem eigentlichen Humore Wiens fortgesetzt. ‒ Gewaltige Streitheere belagerten Graben, Kohlmarkt und andere nahe Straßen, so daß die Kommunikation unterbrochen war. Jedoch kam es zu nichts, als zu einigen Faustkriegen, die aber, da fast Jeder einen Stockdegen trägt, doch einmal eine blutige Wendung nehmen dürften.
In der Nacht vom 15. auf den 16. sind Windischgrätz Cheveauxlegers und neue Infanterie hier angekommen.
Das Prager Abendblatt vom 13. Sept. schreibt im Augenblicke, als hier Unruhen ausgebrochen waren: „So eben vernehmen wir, daß eine telegraphische Depesche von Wien ankam, in welcher dem Fürsten Windischgrätz mitgetheilt wird, in jeder Stunde zu einer Abreise nach Wien bereit zu sein.“
Aus einem Handschreiben des Kaisers an Vetter Stephan vom 31. August gehen die Bedingungen hervor, unter welchen das östreichische Ministerium die Vermittlung in der ungarisch-kroatischen Angelegenheit übernommen hatte. Sie lauten:
1) Den Verhandlungen in Wien ist Baron Jellachich oder ein Bevollmächtigter desselben und der betheiligten Landestheile zuzuziehen.
2) Alle Angriffe, Feindseligkeiten und Rüstungen Ungarns gegen Kroatien, Slavonien und die Militärgränze und umgekehrt sind alsogleich einzustellen und zu unterlassen.
3) Die gegen den Ban und Metropoliten ergriffenen persönlichen Maßregeln sind zurückzunehmen.
4) Die Militärgränze ist provisorisch der Leitung des Wiener Kriegsministers zuzuweisen.
Gestern sagte man, Jellachich sei hinter die Drau zurückgegangen. Soviel ist gewiß, er hat unvermuthet zwei neue Feinde bekommen, welche ihn in seinem Vordringen nach Ungarn bedeutend hemmen dürften. Der eine offene Feind sind die Türken, welche die Entfernung der Gränzer von der Heimath benutzt haben und aus Bosnien und türkisch Kroatien raub- und plünderungssüchtig in die Militärgränze eingefallen sind; der andere geheime ist der Bladika von Montenegro.
Aus Peterwardein wird geschrieben, daß die Serben Unabhängigkeitsgelüste trügen, die dem Banus, wenn er keine eigenen Ambitionen verfolgt, übel bekommen dürften. Man ruft: „Hier ist und bleibt der serbische Boden, der durch unsern eigenen König verwaltet werden muß; keine ungarische Kreatur, keine „Schwabenbrut“ (Schwaben heißen bis tief in die Türkei hinein alle Deutsche). Wenn der Ban noch länger die Befehle Sr. Majestät annimmt, so wird er vernichtet werden!“
Der große am 13ten mißglückte Schlag der Contrerevolution thürmt sich von Neuem immer mehr über Wien zusammen und wird für einen Moment ‒ gelingen. Italien, Böhmen und Süd-Ungarn sind gebunden; Tyrol hat den Geist des März noch nicht einmal gerochen; die äußersten Ende der Monarchie sind also todt; alles drängt sich nach dem Herzen, nach Wien und Pesth. ‒ Vom französischen Judenthum verlassen, ohne Hoffnung auf den Krähwinkelzustand Deutschlands, Jellachich, Windischgrätz, Radetzky und russische Heere im Rücken, an der Spitze unserer Demokratie nur feige, treulose Schacherjuden und Phrasenhelden, sehe ich nicht ab, wie wir siegen sollen. Und wenn wir siegen, werden wiederum nur gemeine Juden, deren feiges Spekulantentreiben der Demokratie im Volke alles Ansehen beraubt, den Gewinn davon tragen, um uns in alle Niederträchtigkeiten eines Bourgeoisregimentes zu leiten. An der Spitze aller demokratischen Vereine, an der Spitze der ganzen Presse stehen nur Juden. Sie führten auch im Sicherheitsausschusse das Regiment, spielten dort die Demokraten, zogen Scharen von Juden von überallher nach Wien und als sie, wie Fischhof, Mannheimer und Mayer, ihr Ziel als Ministerialräthe erreicht hatten, wurden sie urplötzlich die schamlosesten Volksverräther. Der allgemeine Nothstand wird von dem eingezognen Schwarm mit wahrem Heißhunger zum schändlichsten Wucher benutzt. Sehr viele Bourgeois-Nationalgarden versicherten mich, sie würden sich augenblicklich für Wiederherstellung des Sicherheits-Ausschusses entscheiden, wenn sie sich der Judeneindringlinge zu erwehren wüßten. Als ich mich neulich in Gegenwart mehrer Judenredakteure in dieser Weise ausdrückte, hatte einer derselben die Frechheit, zu sagen, er würde, wenn er's vermöchte, alle fremden Demokraten von Wien austreiben lassen. Daraus machen Sie sich einen Begriff von dem Standpunkt der hiesigen Demokratenpresse, denn der dies sagte, redigirt ein sogenanntes demokratisches Organ. Wenn es wirklich die That gilt, dann sind diese Geister Tausenau, Jellenik, Kolisch, Deutsch, Silberstein, zwei Löbenstein, Eckhard, Löve, Mahler, Reinisch, Hrzka, u. s. w. nirgendwo zu sehen; am andern Tage aber quaken sie wieder. Es gibt in Oestreich eine ganze Million Juden, die sich nur von dem Schacher ernähren; also auf 30 Menschen ein Blutsauger.
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[ !!! ] Frankfurt, 19. Sept.
Folgender Artikel konnte gestern nur für die Abonnenten in der Stadt abgedruckt werden:
Die Stadt ist ruhig ‒ von Soldaten übersät. Frankfurt und Sachsenhausen sind von den Insurgenten gereinigt. Die National-Versammlung hat drei Anträge Zachariä's angenommen:
1) Dem Reichsministerium die Zustimmung für die getroffenen Maßregeln;
2) den Ministern Unterstützung für ihre zukünftigen Maßregeln für die Einheit und Freiheit Deutschlands auszusprechen und
3) den Reichstruppen den Dank des Vaterlandes (!) für ihre Hingebung und Mäßigung auszusprechen.
Die Versammlung vertagte sich dann bis morgen. Uebermorgen Begräbniß Lychnowski's und Auerswald's.
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@facs0542
Frankfurt, 19. Sept.
Unter der Rubrik „Amtliches“ enthält die Ob.-P.-A.-Z. folgende Bekanntmachungen, die im Laufe des 18. erschienen.
Bürger von Frankfurt! Die bedauerlichen Vorfälle, welche vorgestern Abends hier stattgefunden haben, und die durch zahlreiche Zuzüge von Außen herbeigeführte Bedrohung der Ruhe und Ordnung haben den Senat der freien Stadt Frankfurt veranlaßt, das Reichsministerium aufzufordern, daß es unmittelbar die Pflicht, die National-Versammlung vor äußerer Gewalt zu schützen, zu erfüllen übernehme. In Folge dieser Aufforderung hat das Reichsministerium sich unverzüglich bereit erklärt, die zum Schutze der konstituirenden deutschen National-Versammlung und zur Herstellung der Ruhe und Ordnung erforderlichen Maßregeln selbst zu ergreifen.
Das Reichsministerium ist entschlossen, innerhalb der Schranken der Gesetze mit aller Kraft und Entschiedenheit die Berathungen der National-Versammlung vor jeder Einwirkung von Außen sicher zu stellen, und es rechnet dabei mit Zuversicht auf die Mitwirkung und bereits wiederholt erprobte aufopfernde Thätigkeit der biederen Bewohner von Frankfurt.
Frankfurt, den 18. September 1848.
Das Reichsministerium des Innern: Schmerling.
Erinnerung. Alle Familienhäupter werden aufgefordert, dahin zu wirken, daß ihre Angehörigen so viel möglich zu Hause und von Zusammenläufen ferne gehalten werden, da das Reichsministerium entschlossen ist, die Ruhe dieser Stadt und den Schutz ihrer Bewohner mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten und Störungen zu unterdrücken.
Frankfurt, den 18. September 1848.
Der interim. Reichsminister des Innern: Schmerling.
Erinnerung. In Folge der Zuzüge befindet sich eine Menge von Personen in der Stadt, die geeignet ist, deren Ruhe zu gefährden. Es ergeht daher an alle Jene, die an den Zuzügen Theil genommen haben, die ernstgemessene Ermahnung, die Stadt zu verlassen, und in ihre Heimath zurückzukehren, widrigenfalls gegen sie mit der Strenge der Gesetze verfahren werden würde.
Frankfurt, den 18. September 1848.
Der interim. Reichsminister des Innern: Schmerling.
Belagerungsstand. Bei der Fortdauer des Aufruhres wird Frankfurt in Belagerungsstand erklärt, und das Kriegsgesetz verkündet. Alle Vereine sind suspendirt, und es wird deren Mitgliedern verboten sich zu versammeln. Wer zu Aufruhr aufreizt, wer den Truppen Widerstand leistet, oder sich nur unbefugter Weise bewaffnet einfindet, wird standrechtlich behandelt.
Frankfurt, den 18 September 1848.
Der Reichsverweser Johann.
Der Reichsminister des Innern Schmerling.
Bekanntmachung. Zur Durchführung der zur dauernden Ruhe erforderlichen Maßregeln, wird die Entwaffnung der hiesigen Einwohner, insofern sie nicht zur organisirten Bürgerwehr und Schutzwache gehören, hiermit verfügt. Es sind daher alle Feuergewehre, Hieb- und Stichwaffen unverzüglich in das Kriegszeugamt abzuliefern. Diejenigen, welche diesem Befehle nicht längstens binnen 24 Stunden entsprochen haben, werden nach der Strenge der Kriegsgesetze behandelt.
Frankfurt a. M. am 19. Septbr. 1848. Morgens 10 Uhr.
Der interimistische Reichsminister des Innern: Schmerling.
Ueber den Kampf gibt die Oberpostamts Zeitung folgende Schilderung:
Frankfurt, 19. Sept. Die ersten Anzeichen des Barrikadenkampfes, der gestern von 2 1/2 Uhr Nachmittags bis 11 Uhr Nachts (mit Ausnahme einer kurzen Waffenruhe zwischen 5 1/2 und 6 1/2 Uhr Abends) andauerte, zeigten sich bereits um 12 Uhr Mittags, durch gewaltsame Erbrechung mehrerer Läden und Magazine, wo man Waffen zu finden hoffte und zum Theil auch fand. Die Barrikade beim Türkenschuß, an der Ecke der Zeil und der Hafengasse, war noch nicht vollendet, als sie von östreichischen Reichstruppen ohne Widerstand genommen wurde. Um so hartnäckiger bethätigte sich die Gegenwehr der Aufständischen an der Barrikade am andern Ende der hier sehr schmalen Hafengasse, an deren Mündung in die Döngesgasse, in welcher letztern, am trier'schen Höfchen, ebenfalls eine Barrikade sich erhoben hatte, die gegen den von preußischen Reichstruppen besetzten Platz Liebfrauenberg gerichtet war. In gleicher Weise war die Döngesgasse von der Fahrgasse abgeschnitten. In dieser letzteren befanden sich vier Barrikaden: an der Mündung der Zeil und Allerheiligengasse, an jener der Schnurgasse, und zwei, welche die Straße unsern der Mehlwage und der Johanniterkirche durchschnitten. An mehreren andern Stellen war das Straßenpflaster aufgerissen und zeigten sich Anfänge von Barrikaden in verschiedenen Straßen und an den Ausgängen der Plätze, namentlich des Pfarreisens. Die stärksten Werke dieser Art waren jedoch in der Friedberger und Altegasse, am Eingang der Stelzengasse gegen die Zeil und in der Allerheiligengasse; ferner zwischen dem Waisen- und dem Versorgungshause, unsern der Gensd'armerie-Kaserne, im obern Graben etc.
Am stärksten war der Kampf in der Döngesgasse, an der Mündung der Allerheiligen- und Fahrgasse, in der Friedberger- und Altgasse zwischen 3 1/2 und 5 Uhr Nachmittags, wie von 7 bis 9 Uhr Abends. Die preußischen und östreichischen Truppen, denen noch kurhessische und hessendarmstädtische Infanterie beigegeben worden, verfuhren überall mit eben so großer Ruhe als Entschiedenheit. Um 6 Uhr Abends langten die ersten hessendarmstädtischen Geschütze unter Bedeckung von Chevauxlegers an, und jene wurden unmittelbar gegen die Barrikaden am Ende der Allerheiligen- und Fahrgasse und in der Döngesgasse, am trierschen Höfchen gerichtet. Nach 10 Uhr Abends erreichte der Kampf sein Ende; alle Barrikaden wurden geräumt und im Laufe der Nacht von den Truppen besetzt. Die Zahl der Gebliebenen und der Verwundeten auf beiden Seiten läßt sich noch nicht genau bestimmen, doch soll sie nicht unbedeutend sein. Unter den ersteren befinden sich der Fürst v. Lichnowsky und der Oberst v. Auerswald.
Die Ob.-P.-A.-Ztg. bemerkt dazu in einer Nachschrift: „Die Börse blieb gestern geschlossen; es konnten also durchaus keine [0543] Geschäfte in Staatspapieren gemacht werden.“ Beklagenswerthe Wucherer!
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@facs0543
Frankfurt, 19. Sept.
G. Metternich ist heute Morgen, als er ruhig über die Straße ging, von Soldaten verhaftet und schwer in den Hals durch Stiche verwundet worden.
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@facs0543
[ * ] Frankfurt, 19. Sept.
Wie es heißt, standen 2000 bewaffnete Hanauer vor den Thoren, die sich an dem Kampfe betheiligen wollten, wenn die Insurgenten die Republik ausrufen wollten.
Jahn wird vermißt. Nach Einigen wäre er in Bockenheim erschlagen worden; Andere versichern, daß er wohl bald aus einem Keller ans Tageslicht kriechen wird.
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@facs0543
[ !!! ] Frankfurt, 19. September.
81. Sitzung der National-Versammlung.
Die Vertreter versammeln sich spärlich und allmählig und in großer Aufregung. In den Straßen wogt es von Soldaten. Die Stadt sieht aus wie ein Heerlager. Niemand darf hinaus. Der Belagerungszustand ist erklärt. Unzählige Truppen bivouakiren auf den Straßen.
Die Vertreter haben sich bis gegen 10 Uhr zahlreich versammelt.
Das Protokoll wird verlesen. Fuchs vermißt 2 Thatsachen. 1. Das Eindringen des Volks in die Versammlung. 2. Die Eingabe der Volksversammlung wegen der Landesverrätherei.
Präsident: Meine Herren! Unter dem Eindruck der traurigsten Ereignisse eröffne ich die Versammlung. Neue Opfer der Bewegung sind muthwillig geliefert worden. Unter diesen Opfern v. Auerswald und Lichnowsky. Sie sind meuchlings gemordet worden. (Aufregung). Was ist die Veranlassung? Was die Folgen? Die Veranlassung der Beschluß der Mehrheit der Versammlung am 16 September. Ich ehre alle Ueberzeugungen. Die der Minorität und Majorität Der Gehorsam gegen die Majoritat ist muthwillig verweigert worden. Die gerechte Strafe wird folgen. (Ja! Ja!) Man hat angestrebt durch diesen Aufruhr gegen die Einheit des Vaterlandes. Wer behauptet, der Norden habe ein schlechteres Ehrgefühl als der Süden, der zerreißt das Vaterland. Auch die Freiheit ist gefährdet.
Aber das Rachegefühl muß unterdrückt werden. Noch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist geübt worden durch die Thaten des gestrigen Abends und der Nacht. Die neuesten Ereignisse sind hervorgegangen aus einem Zerwürfniß dieser Versammlung und dem Parteigeist. Es ist wahr, daß ein Reichsministerium jetzt keine Mojorität hat. Es ist leicht, ein Ministerium zu stürzen, aber schwer, ein neues zu bilden. Deshalb mussen wir jetzt das Ministerium schützen, denn die Zeit ist wichtig und die Verantwortlichkeit ist groß. (Jawohl! Bravo! Arndt und Stedmann weinen).
Schmerling: Als ich Ihnen vor 24 Stunden sagte, daß wir das Ministerium behalten würden, wußte ich wohl, daß ernste Bewegungen bevorstehen, aber so schrecklich habe ich sie nicht geahnt. Im Bewußtsein, die National-Versammlung auf jede Weise schützen zu müssen, haben wir unsere Maßregeln getroffen, um die Ruhe der Stadt um jeden Preis herzustellen. Barrikaden wurden zum Theil genommen. Die Waffenruhe wurde zugestanden. Dies war ohne Erfolg. Deshalb Angriff mit Kanonen, Reinigung der Straßen und Häuser. Ich habe die Ehre Ihnen mitzutheilen, daß ganz Frankfurt und Sachsenhausen in den Händen der gesetzlichen Macht ist (Bravo!) Deshalb Kriegs-und Belagerungszustand! (Bravo!) Er wird so lange dauern, bis die Ruhe vollständig. (Bravo!) Die Ruhe der Stadt und der Nachbarstaaten ist gesichert durch die Soldatenmassen.
Minister v. Mohl: Wenn die Untersuchungen eingeleitet, wird Ihnen das Resultat mitgetheilt werden. Macht ferner eine Mittheilung wegen der Sicherheit der National-Versammlung. Es muß ein Gesetz zu ihrem Schutz gegeben werden. Diesen Gesetzentwurf werden wir morgen vorlegen.
Venedey: Im Namen der Linken erklärt er, daß die Linke die Entrüstung theilt, daß der gestrige Sieg, ein Sieg der National-Versammlung. Doch ist der Sieg gefährlich, hüten Sie sich, daß die Reaktion ihn nicht ausbeutet. (Jawohl, hüten Sie sich!)
Zachariä: Centralgewalt und Reichsministerium muß man jetzt stützen. Deshalb stelle ich mit vielen Mitgliedern des Hauses den Antrag: Die National-Versammlung beschließt:
1. Dem Reichsministerium die volle Zustimmung zu den Maßregeln, die es bisher getroffen, auszusprechen.
2. Unterstützung der zukünftigen Maßregeln für Einheit Deutschlands und Vertrauen dazu auszusprechen
3 Dank des Vaterlandes an die Reichstruppen für die Hingebung, mit der sie sich geschlagen (!). (Bravo! Bravo!)
Venedey: Nicht unserer Würde angemessen, jetzt über eine solche Diskussion schon einzugehen Gegen die Dringlichkeit.
Baly Für die Dringlichkeit. Namentliche Abstimmung über die Dringlichkeit.
Vogt: Ueber Punkt 1 und 3 kann unmittelbar verhandelt werden, obgleich ruhige Diskussion noch nicht möglich. Ueber Punkt 2, das Vertrauensvotum für das Ministerium ist jetzt nicht zu berathen.
Beseler. Für die Dringlichkeit aller Punkte
Raveaux: Jetzt ist noch keine ruhige Diskussion möglich. Das Ministerium muß und wird unterstützt werden. Aber die Anträge Zachariä mögen durch die Ausschüsse gehen. Die Dringlichkeit ist nicht auszusprechen.
Vinke: Durch das Vertrauen ist die Verantwortlichkeit nicht ausgeschlossen. Für die Dringlichkeit.
Schaffrath. Aufregung! Die Beschlüsse sind unnöthig und überflüssig. (Unruhe!) Das Ministerium hat ohne unsere Beschlüsse seine Rechte und Pflichten. ‒ Gegen die Dringlichkeit. ‒
Präsident. Abstimmung über die Dringlichkeit.
Die Dringlichkeit der 3 Zachariäschen Anträge erkannt.
Eisenmann. Er kann versichern, daß die Linke die Bewegung mit Aufopferung und mit persönlichem Muth zu verhindern gesucht hat. (Bewegung ‒ Widersprüche rechts;) ‒ Zur Sache! Für Punkt 2: die Billigung der zukünftigen Maaßregeln, kann er sich nicht aussprechen (Unruhe.) Dies ist gegen unsre Pflicht und unsre Würde. Das Ministerium hat selbst erklärt, Stadt und Vorstadt ist ruhig. Also wo denn die Dringlichkeit, wo denn die Gefahr, die außerordentliche Maaßregeln erheischt. (Unruhe. Schluß!)
Major Teichert, hält eine Lobrede auf die Sachsenhäuser (Vorstädter von Frankfurt) die den Bau der Barrikaden verhindert. ‒ (Bravo!) Die National-Versammlung solle sich ein Beispiel nehmen. ‒
Präsident. Verbesserungsantrag, der Punkt 2 der Zachariäschen Anträge von Schaffrath: zu sagen, nicht bloß zu allen Maaßregeln der Einheit, sondern auch der Freiheit. ‒
Jordan (Berlin.) Für unbedingte Annahme des Antrags, und sofortige Abstimmung ohne Diskussion (Bravo! Schluß!)
Präsident. Amendement von Rösler von Oels: den Soldaten nicht bloß für ihre Hingebung, sondern auch für ihre Mäßigung zu danken. (Bravo!)
Zachariä: nimmt beide Amendements von Schaffrath und Rösler von Oels in seine Anträge auf; ‒ und bemerkt: seine Anträge sollen nur eine moralische Stütze für das Ministerium in diesem kritischen Augenblick sein, kein Vertrauensvotum zu allen möglichen etwaigen Maaßregeln. ‒
Der erste Punkt wird angenommen. (Die Linke bleibt sitzen)
Während der Abstimmung schreit man von vielen Seiten nach namentlicher Abstimmung. Tumult. Unruhe.
Jordan gegen die namentliche Abstimmung wegen der Gefahr derer die gegen die Anträge stimmen würden. (Links Geschrei: Wir brauchen Ihren Schutz nicht! Wir wollen namentliche Abstimmung!)
Rösler von Oels. Nach der Motivirung des Herrn Jordan muß ich Ihnen erklären, daß wir uns nicht fürchten vor dem Kugelregen, wie wir gestern bewiesen, ‒ und auch vor keiner namentlichen Abstimmung. ‒
Baly verlangt namentliche Abstimmung für den 2. Punkt.
Präsident. Die ist zu spät! ‒ Es wird wie gewöhnlich abgestimmt. ‒ 2. Punkt mit Schaffraths Amendement angenommen.
3. Punkt dito. (auch die Linke steht auf außer 8 bis 10 Mitglieder.)
Beseler stellt den Antrag heut die Versammlung zu schließen ‒ Angenommen.
Zugleich wird beschlossen die nächste Sitzung Morgen zu halten.
Uebermorgen Leichenbegängniß von Lychnowsky und Auerswald. ‒
Die Stadt ist ruhig, so ruhig wie ein Militärlager. ‒ Verhaftungen ‒ Soldatenherrschaft.
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@facs0543
[ * ] Rendsburg, 19. Sept.
Heute ist das Grundgesetz für Schleswig-Holstein amtlich publizirt worden.
Ungarn.
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@facs0543
Pesth, 13. Sept.
Die Ereignisse häufen sich so schnell übereinander, daß man kaum zum Athmen kommt. In der Morgensitzung formulirte Kossuth seine Gesetzvorschläge. Truppen werden im Wege der Werbung ausgehoben, und die Anzahl der auszuhebenden Mannschaft auf jeden Bezirk und Comitat ausgeworfen, und nur im Falle mittelst der Werbung die Anzahl nicht aufzustellen wäre, dann wird nach dem Konskriptionsgesetze verfahren. Die von den Linientruppen in den neuen Regimentern sich einreihen lassen, denen wird die Zeit ihres Dienstes eingerechnet. Die Sprache, wie auch Kleidung und Farben sind ganz national. Also sind die vom Kriegsminister vorgeschlagenen und auch vom Hause schon angenommenen Gesetze verändert, indem die Mannschaft mittelst der Werbung und nicht der Konskription, in keines der bestehenden alten Regimenter eingereiht, vielmehr auch jene in die neuen eingereiht werden. So geschah es gestern Abends, daß von dem ungarischen Regiment Thursky in Masse die Mannschaft in das von Kossuth zu errichtende Regiment Hungady herüberkamen, ja die Bande sogar ist herüber. In zwei Tagen sind die Offiziere ohne Mannschaft, trotzdem die schärfsten Strafen von den Offizieren der Mannschaft auferlegt sind. Auch treten von dem italienischen Regimente Cecopieri über und lassen sich zum Regimente Hungady einreihen.
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@facs0543
Preßburg, 15. Sept.
Unsere Stadt ist nicht zu kennen. Seitdem die ungarischen Deputirten von dem König von Ungarn eine kaiserliche östreichische Antwort erhielten, rüstet sich jung und alt zum Kriege.
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@facs0543
Agram, 13. September.
Heute wurde hier folgendes Bülletin von der kroatisch-slavonischen Armee publicirt: „Warasdin, 12. September 1848. Heute ist das Hauptquartier über die Drave, und die Armee bereits über die Mur, und zwar ohne jeden Widerstand gerückt. ‒ Jenes Gerücht, als hätten die Magyaren die Brücke über die Mur verbrannt, ist den neuesten Daten zufolge falsch. Morgen geschieht der zweite Uebergang über die Drave, um gegen Kanischa vorzurücken.“ Dieser zweite Uebergang geschieht bei Virje im Sct. Georger-Gränzregimente, wo eine große Truppenmacht aus dem Warasdiner Gencralate konzentrirt ist.
Italien.
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Edition: [Friedrich Engels: Italien. 22. September 1848. In: MEGA2 I/7. S. 735.]
[ * ]
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
Französische Republik.
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[ 17 ] Paris, 19. Sept.
Der „Conrrier francais“ theilt die Kölner Adresse an die Versammlung ausführlich mit. Mehrere Departementsblätter sprechen sich abermals aufs freudigste aus über „die entschiedenen und taktvoll geführten Bestrebungen der Demokraten in Deutschland, welche bei der bösartigen Zerrissenheit des Landes eine weit schwierigere Aufgabe haben als die jetzigen französischen.“ Le National de l'Quest (in Nantes) vergleicht erstere mit den französischen Einheitsrepublikanern von 93; „wie diese unsere ewig ruhmstrahlenden Vorfahren, haben auch die heutigen deutschen Demokraten das vielköpfige, giftgeifernde Scheusal des Föderalismus zu bekämpfen; sie werden es, hoffen wir, mit Glück, und wie Theseus den Minotaur erschlug, wird die junge Demokratie das alte thierische Sonderbundswesen zermalmen. Robespierre, St. Just, Couthon, die gewaltigen Ritter vom Berge, haben gegen vier Fünftel Frankreichs gesiegt und sind siegend verblutet; mögen unsere edlen deutschen Brüder ein Beispiel daran nehmen. Ihre Rolle ist erhaben, ist welthistorisch; sie werden das feurige Schwert der Gleichheit, die Donnerkeule der Freiheit zu schwingen haben gegen die Banditen und Ränkemacher der heiligen Allianz, gegen die Bajonnete der Geldfürsten, gegen die Giftmischer des religiösen Aberwitzes und der metaphysischen Pedanterie; sie werden gegen die Mongolen des Zaren ihre Blitze zu schleudern haben, aber wie Erzengel Michael werden sie den Satanas überwinden. Dies Vertrauen hegen wir zu der Ehrenhaftigkeit und Macht des deutschen verjüngten Nationalcharakters“ u. s. w. ‒ Die Spannung, die etwas nachgelassen, beginnt wieder; die Wahlkämpfe in Paris sind heißer gewesen als alle früheren; der Constitutionel heult: „wenn die rothen Kandidaten Cabet, Thoré, Raspail in die Kammer kommen, dann ist alles aufs Spiel gestellt; zwar wird die honnette Majorität sich von den drei Unruhstiftern nicht übermannen lassen, allein die Provinzen würden tief betrübt, ja empört werden, die wahnsinnige Partei der Rothen würde neuen Muth schöpfen und Juniscenen herbeiführen.“ Dies klingt ziemlich deutlich; noch deutlicher der Aufruf des Marschall Bugeaud (er hat mindestens drei ankleben lassen) dieser „Vater der Bauern, Soldaten und ‒ Arbeiter“ (die er in der Straße Transnonain massakrirte); es heißt: „Ich erbiete mich zum Schwertführer der Republik aller honnetten Leute, und kämen die Kommunisten wieder herangerückt, ich würde gern meinen letzten Blutstropfen gegen sie verspritzen.“Dieser „Vater“ wird bereits offen in der Deputirtenklike der Straße Poitiers, und deren saubern Blätter als Nebenbuhler dem General Cavaignac entgegengehalten. „Hr. Thiers schwört zwar auf die Republik, aber er schämt sich nicht gegen die energische Maßregel Cavaignac's 25 Volksrepräsentanten in die von Königsspionen aufgestachelten Provinzen als Kommissäre zu senden, mit Händen und Füßen zu opponiren. Ha! bis in den Staub schmiegte sich diese Thierspartei, mit gekrümmtem Rückgrat, und grüßte mit Heuchlerrede den Sonnenaufgang der Volksherrlichkeit; warum heulen sie denn so gegen Cavaignac's Maßregel?“ sagt Bareste in La Republique.“ ‒ In Rogent schreit man auf der Straße: „es lebe Heinrich V., herunter die Republik.“ Der „Independant de l'Ouest“, ein Legitimistenblättchen reinsten Wassers, jauchzt: „hier haben die Männer der Rechten über die Liberalen gesiegt.“ In Ganges ward ein Bezirksrath dieser Partei unter dem Jubelruf: es lebe der König! ernannt, man zog um Mitternacht die Glocken, trommelte, ließ Raketen steigen, und ein Triumphbogen mit weißgrünem Papier und Lilienfahnen prangte. Cavaignac hat den erzköniglichen Stadtrath in Montpellier aufgelöst; die Wuth des „Echo du Midi“ gränzt daher an Epilepsie. „Die Honnetten allein sind Menschen, sind Christen“, kreischt es in seiner letzten Nummer. ‒ In Paris kam es seit kurzem zu öftern Prügeleien, man fand sich beleidigt durch die Impertinenz der Volksfeinde, die auf Straßen und im Kafé ihre Republik als „honnett“ proklamiren; ein Blousemann schrie: „also sollen wir wohl malhonnett sein?“ Honnetten Bourgeois, die kommunistische Wahlaffischen abrissen, ward Hut und Rock weidlich zerklopft; was der stets geistreiche Constitutionnel so erzählt: „ein kurzsichtiger Ehrenmann (sic!) hat ohne böse Absicht mit dem Finger eine Affiche berührt um dadurch besser lesen (sic) zu können; sofort ward er von entarteten (sic!) Handwerkern brutalisirt.“ Derselbe Constitutionnel sagte früher: „ach, da sitzt ein Proudhon in der Kammer, und wem verdanken wir's? nur seinen Wählern.“ Im Klub Bonne Nouvelle wurde dies Schmutzblatt neulich vom Präsidenten Bernard in ganzer Niedertracht enthüllt, und der Saal brach fast zusammen vor endlosem Beifall; Bernard zeigte sodann die Wahl der drei Volksmänner als unausbleiblich an, und zugleich eine endlose Menge perfider und plumper Umriebe, z. B. wieder das Schließen der Einschreiblokale um 6 Uhr statt um 8, die Austheilung von Zetteln mit den Namen zweier der Volksmänner und dem eines Volksfeindes, u. dgl. Dieser Klub ist der energischeste, er steht in direkter Verbindung mit den Delegirten der Arbeiterkorporationen und demokratischen Associationen, die eine Affische erließen, worin sie sagen: „Volk, auf! nicht zum Schlagen diesmal, zum Wählen. Du bist trotz deiner fünfzigjährigen Kämpfe wider die Despoten immer noch elend. Warum? weil du nach deinem Siege dich jedesmal deinen Gegnern anvertrautest. Volk! du hast seit Februar wenigstens Wahlrechte; und du brauchtest nur zu wollen, da traten Lagrange, Proudhon, P. Leroux, Caussidiere ins Repräsentantenhaus… Laß jetzt die drei an Stimmenzahl am 5. Juni reichsten eintreten: Cabet, Thoré, Raspail. Arbeiter, wer von Euch einen zerfetzten Rock hat, aus Elend und Arbeitsmangel, der schäme sich deßhalb nicht zur Wahlurne zu eilen. Bürgerinnen! ihr die ihr unsere Noth und Sorgen treulich theilt, stärkt unsern Muth und Eifer, kommt mit uns bis zur Wahlurne. Und möge Niemand sagen: ich gehe nicht stimmen, weil ich arbeiten muß; Freunde, diese Stunde Arbeitsverlust wird Euch nicht gereuen. Hilf, dir, so hilft dir der Himmel, Volk! im Namen der social-demokratischen Republik!“ Bernard empfahl ferner, an der Urne Tag und Nacht Wache zu stehen, damit nicht „die honnetten Republikaner wie im April und Juni mit langen Haken Votazettel herausfischen, auch beim Skrutiniren zugegen zu sein, damit nicht wieder, wie in Courbevoie, dem Dr. Francois Raspail 390 Stimmen von seinen 490 gestrichen werden, weil die Herren Skrutinirer Raspail Fs. für Raspail Sohn ([unleserlicher Text]) auszulegen beliebten, oder der Name Thiers 699 Male statt Thoré punktirt werde, wie im 5. Bezirk letzthin.“
‒ Die Misere steigt, während „Perikles-Marrast“ 6000 Fr. Monatszulage fordert, „um durch würdiges Repräsentiren die Ehre des Amtes zu wahren und dem Kommerz aufzuhelfen“ (wörtlich) müssen die Garnisonssoldaten täglich etliche hundert Bettlerfamilien füttern, denen sie die überschüssige Suppe hinausreichen. „Wir sind begierig auf den Winter, sagt La Republique, und versprechen im Voraus den weisen Vätern des Vaterlands, den Priestern der Konkurrenz, den Anbetern des Malthus, den Verhöhnern des Arbeits-d. h. des Lebensrechts, eine fröhliche Rückkehr des Vertrauens.“
‒ La Reforme zeigt die Constituirung des „deutschen Vereins zu Paris“ in seinem Cirkular an, und sagt: „Die hiesigen deutschen Demokraten haben jetzt eine Societät gebildet um mit ihren Brüdern in Deutschland sich zu verbinden, welchem Schritte wir lebhaft Beifall zollen, denn seine weitern Folgen können der Sache der europäischen Demokratie mächtig nützen“, während die „Erenouvelle“ des Pater Lacordaire sagt: „unsere östlichen Nachbaren scheinen die ärgste Seite unsrer modernen Geschichte, die Jahre 92 und 93, sich zum Muster zu wählen, und allerdings steht von der Nation, die eine luther'sche Kirchenrebellion, eine kant'sche Vernunft- und Glaubensrevolution, endlich einen zum Sozialismus führenden Pantheismus und Atheismus der Welt schenkte, in diesem Jahre noch viel Gefahr zu befürchten.“
Nachschrift. Auf dem letzthin abgegangenen Eisenbahnzuge mit „Juniräubern“ befinden sich die drei Deutschen: Peter Jakobs (Marmorsäger) aus Preußen, Johannes Hattenhauer, 50 J. alt, (Schreiner) aus Vochlitz in Sachsen, Blank aus Rheinbaiern. Da ist hohe Zeit, daß die demokratischen Vereine Deutschlands wegen dieser und der früher transportirten Landsleute auf Einschreiten der Gesandtschaft in Paris dringen. Daß der Murmelthierkönig Karl Albert, daß Leopold „auf breitester Basis“ die transportirten Savoier und Belgier nicht reklamirt, darf keine Norm für das revolutionäre Deutschland abgeben.
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@facs0543
Paris, 19. Sept.
Der Wahlakt ist vorüber. Gestern Abend 9 Uhr wurden die sämmtlichen Listen geschlossen und heute werden die Stimmen gezählt. Vor 4 Uhr dürfte jedoch schwerlich ein Resultat bekannt werden.
‒ Der Wahlakt ging ohne Störung vorüber. Klubs und Straßen waren zwar bis tief in die Nacht überfüllt; allein zu Störungen kam es nicht. Nur auf dem Platze Chatelet, nächst dem Stadthause wäre beinahe Blut geflossen. Die Arbeiter hatten sich dort in Masse versammelt und die Patrouillen trieben sie ziemlich ernst auseinander.
‒ 1 1/2 Uhr Mittags. Die Wahlen sind ganz bonapartistisch und roth ausgefallen.
‒ Gegen die Vorsitzer der beiden volksthümlichsten Klubs im Café Spectacle am Boulevard Bonne Nouvelle und der Flitt'schen Reitbahn, Chaussee d'Antin, sind gewisser Anträge und Reden halber Untersuchungen eingeleitet worden. Somit fände das berüchtigte Klubgesetz seine erste Anwendung!
Auch gegen die Drucker des Blanqui'sche Plakats aus dem Donjon und einer Anempfehlung des Prinzen Joinville zum Kandidaten der Nationalversammlung sind gerichtliche Schritte geschehen.
‒ Die Gerber (corroyeurs) haben ihre Arbeiten eingestellt. Die Erbitterung unter ihnen soll fürchterlich sein. Deshaies, der die größte Arbeiterzahl beschäftigt, hat die Polizei um Schutzmannschaften gebeten, weil sie ihm drohte, seine Fabriken in Brand zu stecken.
In Elbeuf herrscht immer noch die größte Gährung unter den dortigen Fabrikarbeitern. Sie sind wüthend, daß die Nationalversammlung das Arbeitsstundendekret vom 2. März abschaffte. Nur mit unsäglicher Mühe gelingt es den Behörden die Ruhe aufrecht zu erhalten.
‒ Die Lyoner Schneiderwerkstätten arbeiten über Hals und [0544] Kopf an sardinischen Soldatenröcken, deren sie an 50,000 zu liefern übernommen.
‒ In dem Marseiller großen Krankenhause Hotel Dieu ist eine Weiberrevolte ausgebrochen, die nur durch Nationalgarde und Militär unterdrückt werden konnte.
Nationalversammlung. Sitzung von 19. September. Tagesordnung: Präsidentenwahl und Diskussion des Lamoricierischen Auswanderungsplans nach Algerien.
Vicepräsident Malleville eröffnet die Sitzung und läßt sogleich zur Präsidentenwahl schreiten. Zahl der Stimmenden 670. Absolute Mehrheit 336. Marrast erhält 527, Dusaure 54, Bac 50 und Lacroste 17 Stimmen Marrast wird sonach wiederholt zum Präsidenten ausgerufen. Die Versammlung geht dann zur Berathung des Kredits von 50 Millionen Franken für Anlagen von Auswanderungskolonien in Algerien über. Dieser Plan soll bekanntlich 15,000 Proletarierfamilien eine neue Heimath öffnen. Indessen zeigt sich die hohe Versammlung wenig geneigt, der Debatte große Aufmerksamkeit zu schenken. Auf den Bänken entspinnen sich allerlei Gespräche; Louis Napoleon sei in Paris und in einigen Departements fast einstimmig gewählt worden, er sei in Boulogne schon gelandet, ferner werde die halbe Linke einem großen Banket am 22. Zum Andenken an die erste Einführung der republikanischen Staatsform beiwohnen u. s. w. u. s. w.
Poujoulat unterstützt unter dieser allgemeinen Zerstreutheit den ministeriellen Entwurf.
Didier bekämpft den Entwurf. Der Staat habe kein Geld, die Arbeiter würden sich bald auf ihre nakten Arme beschränkt sehen. Lamoriciere habe den Plan in den Mappen seiner Vorgänger gefunden. Derselbe sei so mangelhaft wie alle früheren, werde deshalb ebenso fruchtlos ausfallen als sie. Kaum daß noch einige Dörfer von allen frühern, kostspieligen Versuchen übrig blieben. Das einzige Mittel, wodurch der Plan gelingen könne, sei die freie Assoziation aller Arbeiter unter einander, und die Erwerbung des Grundbesitzes durch Arbeit, das aber habe der Minister aus dem Plan gestrichen.
Lamoriciere rechtfertigt sein Plan.
Bruner bekämpft den Entwurf: Man wolle die Uebervölkerung nach Algerien schicken und sie dort niederlassen, werde man sich aber in den Erwartungen nicht täuschen? Wird der Entwurf seinen Zweck erfullen? Er hält die 50 Millionen zum Fenster hinausgeworfen. Bugeaud, Bedeau und Lamoriciere hätten Pläne vorgelegt, die einander schnurstraks entgegenlaufen. Die Sache sei nicht grundlich geprüft und sehr zu überlegen.
Möntreuil will die Bühne besteigen. Man ruft aber: Schluß! Schluß!
Die allgemeine Diskussion ist geschlossen.
Etienne stellt einen Zusatz der für dieses Jahr 5 Millionen bringt.
Deslongrais unterstützt ihn.
Lamoriciere bekämpft ihn.
Dufaure im Namen des Ausschusses desgleichen.
Die Artikel I. bis III. werden angenommen. Letzterer mit einer unwesentlichen Aenderung.
Artikel IV., der vom Eigenthumsverhältniß handelt und von dem Recht, sich zu associren, ist unstreitig der wichtigste.
de Rancé (aus Algier) versichert der Versammlung, daß sie den Segen von ganz Algerien für diesen Paragraphen verdiene, so wie überhaupt für den ganzen Kolonisationsplan.
Buchez trägt darauf an, das Prinzip der Association ausdrücklich anzuerkennen.
Lamoriciere widersetzt sich der ausdrücklichen Anerkennung oder Verpflichtung. Das Associationsrecht soll durchaus fakultativ für die Einwanderer bleiben. Die Regierung widersetzte sich der Associarion nicht. Die Einwohner blieben darin völlig frei.
Die Versammlung trat dieser Ansicht bei. Artikel IV geht durch.
Die Diskussion der übrigen Artikel (V., VI., VII., VIII., IX., X., XI., XII., XIII.) bietet wenig Erhebliches. Die Artikel werden fast wörtlich angenommen.
Ein 14. Artikel wollte eine Inspektionskommission für 1849 einsetzen, die sich vom Zustande der Kolonien im Interesse der Auswanderer im nächsten Jahre an Ort und Stelle überzeuge.
Nach einigen Erörterungen zwischen Dufaure und Lamoriciere wurde der Artikel fallen gelassen.
Das ganze Gesetz ist angenommen.
Senard, Minister des Innern, legt einen Gesetzentwurf über die Nationalbelohnungen für die Februarkämpfer vor.
Die Sitzung wird um 6 1/4 Uhr geschlossen.
Nachtrag.
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@facs0544
[ * ] Frankfurt, 20. Septbr.
Justizminister Mohl legt einen Gesetzentwurf wegen Sicherheit der National-Versammlung vor. Darin soll unter Andern bestimmt werden, daß 5 Meilen in der Runde um Frankfurt keine Volksversammlung im Freien stattfinden dürfe. Die Strafbestimmungen sind höchst erbaulich und zeigen, daß man den Pariser Reaktionärs bestens nacheifert. Stavenhagen möchte außerdem auch die Presse bestens geknebelt haben. Die Rechte schreit furchtbares Bravo! Mohls Vorschlag zu schnellster Berichterstattung an den Gesetzgebungsausschuß verwiesen. Sodann heftige Debatte, in welcher die ganze reaktionäre Wuth der Rechten zu Tage tritt, über Brieglebs Vorschlag, eine Proklamation ans deutsche Volk zu erlassen. Der Vorschlag angenommen. Hr. Jahn hat sich natürlich aus seinem Versteck wohlbehalten wieder eingestellt; auch Heckscher ist den Höchstern entflohen. Morgen keine Sitzung, weil die gefallenen Offiziere und Soldaten beerdigt werden. Die heutige Sitzung zeigt, daß Deutschland sehr bald seine Septembergesetze erhalten wird, wofern es die Herren von der Rechten nach Belieben schalten läßt.
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@facs0544
Vom Niederrhein. Mag man sich immerhin über den Sieg der Berliner Vereinbarer-Versammlung in Betreff des Steinschen Antrags freuen. Die Uebelstände selbst, welche jenen Antrag hervorriefen, nämlich die im Millitair- und Civilbeamtenheere vorhandenen reaktionairen Bestrebungen, sind damit noch keineswegs gehoben. Wer daran noch zweifeln wollte, findet die Bestätigung des Gesagten in dem eklatanten Beispiele eines hochgestellten Beamten, der schon seit Jahren der Gegenstand der öffentlichen Verachtung ist, ohne daß er aus seiner einflußreichen Stellung entfernt worden wäre. Wir sprechen von dem General-Postamtsdirektor Schmückert.
In wie weit wir Recht haben, mag man aus folgenden Mittheilungen eines Erfurter Postbeamten entnehmen.
Zur Postreform.
Schon im Jahre 1840 bei dem freien Aufschwunge der Presse zeigte sich eine entschiedene Mißstimmung gegen die demoralisirende Verwaltungs-Behörde und gegen einige mißliebige Personalitäten; die Folge davon war, daß die unvergeßliche Rheinische Zeitung mit ihren Postartikeln verboten und hiermit der Ruf der Postbeamten nach Gerechtigkeit sofort im Keime erstickt wurde.
Die Persönlichkeit, welche besonders die Stimme der Oeffentlichkeit zu fürchten hatte, zeigte großen Eifer, die in einigen Beamten vermutheten oder geheim ermittelten geistigen Kämpfer für Recht und Wahrheit durch Versetzungen zu maaßregeln. Solchen Versetzungen gingen in der Regel zärtliche Empfehlungsschreiben an die Amtsvorsteher voran, welche dem bisherigen Spionirsystem vollkommene Ehre machten.
Unwürdige Mittel hatte das General-Post-Amt außerdem angewendet, um in den Beamten das Gefühl der Abhängigkeit zu erhalten. Um Ordnungsstrafen zu erpressen, entwürdigte man Beamte so weit, daß man sie dazu benutzte, unter fremden Namen, als Spione, umher zu reisen, sollte auch dadurch nur ein verpönter Schnurrbart bei einem Postbeamten erspähet werden. Wir sind im Stande, der Behörde aktenmäßig nachzuweisen, daß dieselbe bei willkürlichen Versetzungen dem Postbeamten nur einen Gnadenpaß ertheilte, daß eine Allerhöchste Kabinets-Ordre vom 17. Oktober 1826, welche zu kleinen Nebenausgaben bei Dienstreisen für den Beamten 5 Sgr. pro Station auf 2 Meilen bewilligte, geheim gehalten und nur bei Günstlingen zur Ausführung gebracht worden ist. Wenn demnach eine Kabinetsordre von der obersten Post-Behörde unbeachtet bleibt wie kann man erwarten, daß die Bitten der Subalternbeamten von ihr beachtet werden.
Herstellung einiger Selbstständigkeit stand und steht den Postbeamten obenan, die Entfernung des General-Direktors Schmückert. Es ist bekannt, daß Schmückert bei der Johanni-Feierlichkeit v. J. in der Loge der Freimaurer, aus welcher alle Politik fern bleiben soll, die damaligen Landtags-Deputirten, welche mit den Forderungen freierer Institutionen hervortraten, geschmähet und ein Wehe über sie ausgesprochen hat.
Der bisher durch Despotie geknechtete Geist der Postbeamten hat nunmehr seine Fesseln abgestreift. Postbeamtenvereine haben sich gebildet, die Gebrechen des Postinstituts sind in umfangreichen Denkschriften dem Ministerium und dem Post-Chef v. Schaper offen aufgedeckt und gegen 500 Postbeamte haben bei dem Minister-Präsidenten auf Entfernung des General-Direktors Schmückert aus seiner einflußreichen Stellung angetragen.
Dennoch aber sind die gerechten Forderungen der Postbeamten bis heute erfolglos geblieben. Der Chef von Schaper hat den Postvereinen gegenüber weder auf das Korporations-, noch auf das Petitionsrecht gerücksichtigt. Die Beamten sind nun weiter gegangen. Es sind Männer unter ihnen aufgetreten, die ohne Scheu, unter Preisgebung ihrer Namen, zu spezielleren Bezeichnungen geschritten sind, welche auf die Gefahr hin, jede beliebige Strafe zu erleiden, selbst mit dem Verlangen zur Untersuchung gezogen zu werden, wenn sie Unwahrheiten gesagt hätten, sichtliche Verbrechen und gravirende Thatsachen aufgedeckt haben. Die Presse wird ferner, in Beurtheilung dieser Verwaltung ihre Macht bewähren und die verwundbaren Stellen schonungslos angreifen. Nach monatelangem Schweigen und Laviren vor der öffentlichen Meinung hat endlich die Behörde die Bahn der Vertheidigung betreten, und welche? Das General-Postamt Schmückert verlangt, daß die Redaktionen denunciren damit die Verfasser der Artikel wegen sogenannter Injurien zur Untersuchung gezogen werden könnten!
Man beweise, daß die Beschuldigungen unwahr sind, man beweise, daß das Regiment Schmückert keine Herrschaft der Willkühr, der Tyrannei gewesen ist, daß keine Uebergriffe, keine Bestechlichkeit, keine Bevorzugungen aus Nepotismus, keine Eigenmächtigkeiten, kein Mißbrauch der Amtsgewalt, keine amtlichen und moralischen Vergehen stattgefunden, und die Wirkungen dessen, was jetzt als Wahrheit betheuert wird, werden verloren gehen. Vorher aber erledige man die dem Postchef v. Schaper darüber eingereichten Denkschriften gegen Schmückert und die Denunciationen, die vorliegen, man übergebe sie der Presse, damit die Welt wisse und erfahre, welche ehrenvolle Erledigung sie gefunden.
In wie weit aber die Verwaltung, der Charakter und die amtliche ob er bürgerliche Vergangenheit des Hrn. Schmückert ohne Injurien berührt werden können, mögen die Prozesse erweisen
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Schifffahrts-Anzeige.
Köln, 21. September 1848.
Angekommen: Pet. Kühnle von Kannstadt I. B. Mundschenk von Mannheim. Fr. Gerling vom Niedermoin. Fr. Seelig vom Obermain.
Abgefahren: F. C. Schneider nach dem Obermain. L. Bühler nach Kannstadt. H. Lübbers nach Wesel.
In Ladung: Nach Antwerpen G. Verwaayen. Nach Rotterdam W. Hogewegh. Nach Ruhrort bis Emmerich J. A. Orts. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr A. Meyer. Nach Andernach und Neuwied C Kaiser, M. Wiebel. Nach Koblenz, der Mosel u. der Saar J. Zeiler. Nach der Mosel, und Trier und der Saar N. Bayer. Nach Bingen und nach Mainz Ant. Bender. Nach dem Niedermain Frz. Schulz. Nach dem Mittel- und Obermain M. Lenz. Nach Worms und Mannheim A. Distel. Nach Heilbronn H. Bechert. Nach Kannstadt und Stuttgardt H. Huber.
Ferner nach Rotterdam Capt Baumann Köln Nr. 14.
Ferner nach Amsterdam Capt Willms Köln Nr. 20.
Ferner nach Stettin Capt Range, Bark „Fortschritt.“
Rheinhöhe am 21. Sept. 5′ 8″.
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Gerichtlicher Verkauf.
Am Montag den 25. September 1848, Vormittags 11 Uhr, sollen durch den Unterzeichneten auf dem Markte in der Apostelnstraße zu Köln verschiedene Mobilar-Gegenstände als: Tische, Stühle, Spiegeln, Gemälde, Schildereien, Sophas, Oefen, Küchengeräthe etc. an den Meistbietenden gegen baare Zahlung verkauft werden.
Der Gerichtsvollzieher, Fülles.
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Demokratische Gesellschaft.
Versammlung.
Freitag den 22. September 7 Uhr Abends bei Eiser Komödienstraße.
Von 6 Uhr an werden alle Karten erneuert, und neue Einzeichnungen gemacht.
Der Vorstand.
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Börse bei Halin.
Heute Freitag den 22. September 1848:
Große Musik- u. Abendunterhaltung der holländischen Gesellschaft des Herrn Sauvelet bestehend aus 3 Damen und 4 Herren.
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Ein braves Mädchen, von guter anständiger Familie, außerhalb Köln gebürtig, sucht eine Stelle als Zweitmädchen. Dasselbe ist im Fein-Nähen sehr bewandert.
Unter Goldschmidt Nr 13.
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Getragene Herrenkleider werden angekauft. Peterstraße Nro. 4.
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Gebrauchte Dachziegeln und Laien werden zu kaufen gesucht, die Expedition sagt wo.
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Ein fleißiger mit guten Zeugnissen versehener Handlungs-Gehülfe sucht eine Stelle. Die Exp. sagt das Nähere.
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Theater-Anzeige.
Freitag den 21. Sept:
Der Barbier von Sevilla.
Komische Oper in 2 Akten von Rosini.
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Kundmachung und Empfehlung.
Hierdurch gebe ich mir die Ehre zur öffentlichen Kenntniss zu bringen, wie ich nunmehr auch Hrn. Gabr. Wilh. Schlechter in Cöln, Hochstrasse Nr. 122 ein Depot der allerwärts rühmlichst bekannten, k. k. patentirten Goldberger'schen Galvano-Elektrischen Rheumatismus-Ketten à Stück mit Gebrauchs-Anweisung 1 Thlr., stärkere 1 Thlr. 15 Sgr. übergeben und in den Stand gesetzt habe, zu den Fabrikpreisen zu verkaufen. Diese Rheumatismus-Ketten (mit denen die sogenannten „Rheumatismus-Ableiter“ oder „Amulette“ weder ihrer Form noch ihrem Wesen nach irgendwie eine Aehnlichkeit haben) sind nach chemisch-physikalischen Grundsätzen so konstruirt, dass durch sie auf die passendste Weise, eine fortwährende elektrische Strömung hervorgebracht wird, welche wie vieljährige Erfahrung hinreichend darthut, einen äusserst wohlthätigen und heilsamen Einfluss auf den thierischen Organismus auszuüben vermag. Meine Rheumatismus-Ketten sind auch bereits von vielen geachteten Aerzten und Chemikern untersucht und als sehr heilsam und nützlich empfohlen worden, als unter Anderen: von dem königl. Kreisphysikus und Sanitäts-Rath Herrn Dr. Filchne in Erfurt, dem königl. Kreisphysikus Herrn Dr. Engler in Breslau, dem königl. Kreisphysikus Hrn. Dr. Gustek in Wollmirstedt, dem akkademischen Prokurator der kaiserl. königl. Universität zu Wien Hrn. Dr. Alois Prosper Raspi in Wien, dem Communal-Arzt Hrn. Dr. Arnold in Schweidnitz, ferner von den praktischen Aerzten Hrn. Dr. Wendt in Boitzenburg, Hrn. Dr. v. d. Decken in Ratibor, Hrn. Dr. Beier und Hrn. Dr. J. T. Kirsten in Leipzig, Hrn. Dr. Ley in Schleusingen, Hrn Dr. Pauly in Landau, Hrn. Dr. J. C. A. Buhle in Alsleben a. S., Hrn. Dr. Oppler und Hrn. Dr. Neide in Tarnowitz, dem königl. Bataillons-Arzt Hrn. Rabetge in Oppeln, Hrn. Dr. Haarmann in Gerbstädt und Hunderte von Genesenen haben dies in öffentlichen Danksagungsschreiben und Attesten bekundet, die bei sämmtlichen Depotinhabern, in einer Broschüre zusammengestellt, zur geneigten Durchsicht ausliegen. Ich kann deshalb dieses ganz besonders kräftige Mittel, Allen die mit nervösen rheumatischen u. gichtlischen Uebeln, als Kopfgicht, Gesichts- und Halsweh. Zahnschmerzen, Ohrenstechen, Brust,- Rücken- und Lendenweh, Gliederreissen, Krämpfen, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Rose und andern Entzündungen, Harthörigkeit u. s. w. behaftet sind, gewissenhaft anempfehlen.
Zur Bequemlichkeit des verehrlichen auswärtigen Publikums habe ich auch Depots meiner Rheumatismus-Ketten errichtet, in:
Aachen bei Hrn. J. Hensen et Comp. Iserlohn bei Hrn. J. Speyer, jr.
Berncastel bei Hrn. Jacob Weidner. Landau bei Hrn. Thomas Iäger.
Cleve bei Hrn. Napoleon Weinhagen. Lüdingshausen bei Hrn. A. W. Reinhartz et Comp.
Coblenz bei Hrn. Carl Münster. Mainz bei Hrn. A. D. Ganz.
Creuznach bei Hrn. J. F. Maurer. Münster bei Hrn. Herm. Höttger.
Elberfeld bei Hrn. F. J. Baer. Neuwied bei Hrn. G. A. v. d. Beck.
Euskirchen bei Hrn. M. Brinkmann. Saarbrück bei Hrn. Siebert und Omlor.
Frankfurt a. M. bei Hrn. J. J. Stiebel. Soest bei Hrn. H. Brakelmann.
Gladbach, M. bei Hrn. Carl Hollweg. Schüttendelle bei Hrn. Robert Schöttgen.
Hagen bei Hrn. Gustav Butz. Trier bei Hrn. J. F. Streck.
Hamm bei Hrn. W. Huffelmann. Wiesbaden bei Hrn. Carl Leyendecker.
Hattingen bei Hrn. Albert Friess. Wittlich bei Hrn. Hugo Hensch.
Jülich bei Hrn. Fr. Rimbach, Apotheker. Worms bei Hrn. J. M. Rahke.
J. T. Goldberger, in der freien Bergstadt Tarnowitz.
K. K. patentirte Fabrik von elektro-magnetischen Apparaten.
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Einladung zum Abonnement auf die Rheinische Volkshalle.
Diese neue politische Zeitung wird vom 1. Oktober c. ab in Köln täglich, mit Ausnahme der Montage, in großem Formate erscheinen, redigirt von drei bewährten Publizisten unter Mitwirkung von vielen tüchtigen Korrespondenten.
Der Abonnementspreis beträgt für Köln vierteljährig 1 Thlr. 15 Sgr., für alle übrigen Orten in Preußen 1 Thlr. 24 Sgr. 6 Pf. Für die Plätze außerhalb Preußens mit Zuschlag des ausländischen Portos.
Inserate kosten 1 Sgr. 3 Pf. per vierspaltige Petitzeile oder deren Raum.
Bestellungen werden angenommen bei der Expedition der „Rheinischen Volkshalle“, Hochstraße Nr. 166 (Welters Buchhandlung, Gebr. Stienen) in Köln, und auf alle Postämtern.
Der Gerant, H. Stienen.
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W. Dietz, unter Hutmacher Nro. 17.