[0621]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 123. Köln, Sonntag den 22. Oktober. 1848. Zweite Ausgabe.
Deutschland.
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[ * ] Köln.
In seiner Rede vom 16. Oktober (Stenographischer Bericht p. 2651) richtet der Biedermann Bassermann folgende Apostrophe an die Nationalversammlung zu Frankfurt:
„Es ist eine Thatsache, daß die Banden, welche zu Worringen Hurrah schrieen diesen Mördern (Lichnowsky's und Auerswald's), daß diese Banden Niemand anders zur Herrschaft bringen wollten, als die linke Seite dieses Hauses. In derselben Volksversammlung, wo man den Mördern ein Hurrah rief, rief man ein Hoch der linken Seite dieses Hauses. Das ist eine Thatsache, meine Herren. Diese ist nicht zu leugnen.
Brutus Bassermann sagt's und Brutus Wassermann ist ein „ehrenwerther Mann“ und Brutus Bassermann ist nebendem gefeit gegen jede Kritik durch sein Votum über die Maßregeln zum Schutze der Nationalversammlung.
Das ist eine Thatsache, meine Herren, diese ist nicht zu leugnen.
Es wird Herrn Bassermann bekannt sein, daß man sich in jüngster Zeit nicht gescheut hat, den Evangelisten selbst schriftstellerische Wunder nachzuweisen, Wunderthaten gegen die Geographie, gegen die Chronologie und was dergleichen profane Kleinigkeiten mehr sind.
Wir hoffen, die Sicherheitsmaßregeln, die Herr Bassermann zu seinem eigenen Schutze votirt hat, stellen ihn nicht über die Evangelisten. Kommen wir zur Evangelienkritik.
Das ist eine Thatsache, meine Herren, diese ist nicht zu leugnen.
Der Evangelist behauptet also, daß die Banden in der Volksversammlung zu Worringen, die am achtzehnten, schreibe achtzehnten September stattgefundene Ermordung Lichnowsky's und Auerwald's leben ließen und gleichzeitig die Linke zu Frankfurt.
Die Versammlung zu Worringen fand am siebenzehnten September Statt, die Ermordung Auerswald's und Lichnowsky's aber erst am achtzehnten September.
Das ist eine Thatsache,“ Herr Bassermann, „diese ist nicht zu leugnen.“ Ein Wunder, bei Gott ein Wunder! Der „ehrenwerthe“ Bassermann läßt am siebenzehnten September 1848 zu Worringen eine „Ermordung“ feiern, die sich erst am achtzehnten September 1848 zu Frankfurt zugetragen hat. Der „ehrenwerthe“ Bassermann schuldet den Worringer „Banden“ eine Aufklärung.
Die Bassermann'sche Versammlung zu Worringen hat also, profan zu reden, niemals stattgefunden. Und die „Hochs,“ die auf derselben ausgebracht wurden, sind, profan zu reden, eine akustische Täuschung Bassermann's. Und profan zu reden, hat Bassermann, was man im gewöhnlichen Leben eine Lüge nennt, debitirt und zwar eine abscheuliche Lüge, eine Lüge unter erschwerenden Umständen, eine Lüge, welche die linke Seite der moralischen Mitschuld an der Frankfurter „Ermordung“ bezüchtigen sollte.
Im höheren geistlichen Sinne, im verborgenen Sinne aber befindet sich der Evangelist Bassermann mitten in der Wahrheit und mit Recht predigt er in sittlich entrüstetem salbungstriefendem Kanzeltone der linken Seite zu:
„Und nun muß ich gestehen, daß, wenn ich, ein politischer Mann, stehend auf der Stelle, wohin ich berufen bin, um das Vaterland zu retten aus der Gefahr, in der es schwebt, sähe, daß Rohheit und Mordlust mich zur Herrschaft bringen wollen, wenn ich auf solcher Seite Sympathieen fände, [unleserlicher Text] wahrlich ich würde mich bergen in den entferntesten Winkel des Vaterlandes, und würde mit mir zu Rathe gehen, ob ich auf dem rechten Wege sei, und ich glaube, ich würde zur Erkenntniß kommen, daß ich nicht auf dem rechten Wege sein könne, (wenn ich mich links halte), denn der rechte Weg kann nur der sein, auf dem ich die Sympathieen erndte von sittlicher, von patriotischer und vaterländischer („patriotisch!“ undvaterländisch.“ Angenehme Variation!) Gesinnung: denn was ist die Freiheit Anderes, was wollen wir Anderes für unser Vaterland erringen, als den Zustand, wo die Besten, die Edelsten herrschen.
Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß der ehrenwerthe Hr. Bassermann ein „politischer Mann“ ist. Wir halten ihn ganz dazu berufen, „das Vaterland zu retten.“ Ein Mann, der den 27. September 1848 auf den 28. September 1848 folgen lassen kann, was kein Gott vermag, ein solcher Mann ist der Mann, wahrhaft auserwählt und „berufen,“ das „Vaterland zu retten.“ Deutschland hat gefunden den Retter, den großen Mann, den Bassermann. Und es wird seiner Definition der „Freiheit“ zujauchzen, daß sie nichts anderes ist, als die „Herrschaft“ der Edelsten, der Besten, der Biedermänner, der Bassermänner. Vor allem aber wird es an das große Wort des badischen Deputirten glauben:
„Was wollen wir anders für unser Vaterland, als den Zustand, wo die Edelsten, die Besten (euphemistische Umschreibung für Bassermann und seine Kollegen) herrschen.“ Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit Deutschland nach der Dynastie Bassermann. Hoch klingt das Lied vom braven Mann, vom Bassermann. Pauken und Trompeten huld'gen seiner jungen Herrlichkeit.
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[ X ] Dortmund, 21. Oktober.
Der „berühmte Volks-General Böhm von dem in Nro. 121 Ihres sehr geschätzten Blattes gesprochen wird, heißt Bem und ist ein Pole. Mag sein daß er deutscher Abkunft ist. Bem war vor dem Unabhängigkeitskriege von 1831 Artilleriehauptmann. Im Kriege avancirte er schnell zum Oberst und zum General. Der Glanzpunkt seines militärischen Wirkens war die Schlacht bei Ostrolenka. Vor dieser Schlacht handelte es sich darum, die polnische Armee unter Skrzinecki (sp. Skschinezki) auf dem rechten Narewufer in der guten Position bei Ostrolenka zu vereinigen und den Russen die Schlacht anzubieten. Durch eine schnelle Flankenbewegung des General Diebitsch war eine polnische Division ins Gedränge gekommen und hatte Mühe die Brücke von Ostrolenka zu passiren. Noch war das berühmte 4te Regiment und ein anderes, dessen Nummer meinem Gedächtniß entfallen ist auf dem linken Ufer. Die russische Uebermacht drängte, und eine der besten Brigaden der polnischen Armee war in Gefahr abgeschnitten und aufgerieben zu werden. Da rück Oberst Bem mit der ganzen polnischen reitenden Artillerie von 12 Geschützen im Galop gegen die russischen Kolonnen vor und eröffnet auf 400 Schritt ein mörderisches Kartätschenfeuer. Bem verließ nicht eher seine kühne Stellung als bis die polnischen Bataillone die Brücke passirt hatten. Dieses ebenso kühne als wohlberechnete Manöver begründete Bem's Ruf als Artilleristen und Taktiker. ‒ Bem ist entschiedener Demokrat und ein Mann von Charakter. Sie wissen, daß es unter den Polen zwei Parteien giebt, die demokratische und aristokratische. Diese Parteien findet man überall wo es ein selbst eignes politisches Leben giebt, und die eine oder andere Partei nicht schon einen vollständigen Sieg errungen hätte. Auch ist dieser innere Parteizwist nicht das eigentliche Unglück Polens, sondern die Verräther sind es, welche das Land an Rußland verkaufen. Die guten Deutschen, welche früher unter dem Joch des Absolutismus ihre Einigkeit zu rühmen und mit einer gewissen komischen Selbstgenügsamkeit auf die Parteikämpfe in Frankreich, England, der Schweiz, Spanien u. s. w. herabpublicken pflegten, machen jetzt auch die Erfahrung ‒ wenn auch etwas sehr spät ‒ daß da wo freies politisches Leben sich regt, Parteikampf unvermeidlich ist.
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[ 103 ] Berlin, 19. Okt.
Wir haben zur morgenden Sitzung von unserer liebenswürdigen rechten Seite einen dringenden Antrag, den Schutz der Versammlung betreffend, zu erwarten. Die hohen Vereinbarer möchten sich gerne, wie ihre Frankfurter Genossen, mit einer Truppenmacht umgeben und unter dem Schutze der Kanonen und Kartätschen berathen. Konstabler, die der Minister des Innern mit Freuden anbot, scheinen nach den Worten des Abg. Rehfeld, dieses tapfern Helden, noch nicht einmal zu genügen. Nach den Aeußerungen der Centren, durch ihre Organe: Uhlich und Kirchmann, läßt sich aber erwarten, daß die Rechte mit ihrem Antrage morgen wieder glänzend durchfallen wird. Sie muß sich schon an diese Drohungen gewöhnen.
Außer diesem Antrage sind zu morgen oder übermorgen schon mehrere dringende Interpellationen und Anträge angemeldet. Unsere Opposition sorgt schon dafür, daß das Ministerium immer in Thätigkeit gehalten wird. Abg. Pauckert will das Ministerium wegen der von den Kreisständen des Zauch-Belziger Kreises ausgeschriebenen Steuer interpelliren; nach dem Beschlusse der Versammlung haben die Kreisstände die Befugnisse nicht mehr. Die Abgeordneten Feierabend und Richter wollen wegen der Verpachtung der Domänen in den östlichen Provinzen interpelliren; Abgeordneter Gladbach gleichfalls, in Betreff einer Verfügung der königlichen Regierung zu Arnsberg, wegen der jüdischen Lehrer und Geistlichen, welche kein dem evangelischen Geistlichen ähnliches Ornat tragen sollen.
Bemerkenswerth ist der vom Abg. Krause (Sagan) eingereichte Gesetzentwurf einer Einkommensteuer. Er schlägt eine progressive Einkommensteuer vor und zwar von 1/2 pCt. den niedrigsten Satz für die Arbeiter bis zu 20 pCt. bei einem Einkommen von 10,000 Thlr. und darüber jährlich.
Das feierliche Leichenbegängniß der am Montag Gefallenen wird morgen stattfinden. Ein Comite, aus Mitgliedern der Linken und Klubpräsidenten bestehend, wird die Feierlichkeit anordnen. Alle Mitglieder der Linken, alle Klubs, alle Gewerke, die Maschinenarbeiter, die ganze Bürgerwehr und die fliegende Korps werden Theil nehmen. Auch Magistrat und Stadtverordneten werden folgen; zwar wollten sie den gefallenen Arbeitern diese Ehre nicht erweisen. Da aber die Gattin des gebliebenen Bürgerwehrmanns Schneider sich dahin entschlossen hat, ihren Gatten mit den Arbeitern zusammen beerdigen zu lassen, und der Magistrat beschlessen hat, dessen Leichenzuge zu folgen, so werden sie genöthigt sein, sich dem großen Leichenzuge anzuschließen.
Die demokratischen Klubs haben nun beschlossen, aus ihrer Mitte einen gemeinschaftlichen Sicherheitsausschuß zu wählen. Das Volk soll einen Mittelpunkt haben, wohin es sich in den Tagen der Gefahr wenden kann.
Ein Konstabler wurde gestern am hellen Tage auf seinem Posten von Arbeitern, welche ihm in Folge einer Denunciation und spätern Gefangennehmung eines Kameraden Rache schwuren, erschossen. Man fand diesen Sohn des Ministeriums der That leblos auf der Straße liegen. Die Thäter sind bis jetzt unbekannt geblieben. Die Schutzmänner sind als eine angenehme Erbschaft auch vom neuen Ministerium acceptirt worden.
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[ 103 ] Berlin, 19. Octbr.
Sitzung der Vereinbarer-Versammlung.
Der Abg. Meusebach verlangt das Wort und macht die Mitheilung von dem, was ihm und seinen Freunden gestern beim Ausgange aus dem Saale begegnet. Ein Theil des Volkes hatte ein Spalier gebildet, wo alle Abgeordneten durchgehen mußten. Der Volkswitz habe dies „Spießruthenlaufen“ genannt. Beim Durchgehen durch dieses Spalier seien mehrere Drohungen ausgestoßen worden und Stricke gezeigt, mit dem Ausruf: „die sind für die Rechte bestimmt!“ Der Redner ergehet sich in langen Redensarten über diese Vorfälle, erinnert an ähnliche Scenen, die früher vorgefallen wären und erinnert, daß wenn das Volk einmal in Wuth sei, es sich auch an Mitgliedern der Linken vergreifen könnte. Er sei überzeugt, daß es gestern kein Ernst mit diesen Drohungen gewesen sei, aber er muß doch darauf bestehen, daß das Ministerium etwas zum Schutze der Versammlung thue.
Abg. Rehfeld erzählt, daß er bei einem neulichen Drängen am Ausgange, einen Constabler aufforderte, Platz zu machen, derselbe habe geantwortet: „Ja, wenn Sie wahrhaft Volksvertreter wären, Sie sind aber Volksverräther!“ ‒ Es wird uns aber am Ende nichts mehr übrig bleiben, als daß wir uns zu unserm persönlichen Schutz bewaffnet hier einfinden. (Großes Gelächter zur Linken. Lachen Sie nicht darüber, zur Rechten.)
Abg. Uhlich spricht sehr freundlich von dem Berliner Volke. Obgleich er, wie bekannt, kein Günstling desselben sei, habe man ihm doch stets nach einigen freundlichen Worten Platz gemacht. Wenn man nicht jedem Abgeordneten eine Sauvegarde bis in sein Haus gäbe, würde doch nichts helfen.
Minister des Innern: Sie können wohl denken, daß dem Ministerium diese Vorwürfe sehr empfindlich sind, es gibt aber kein anderes Mittel, als ein großes Corps Schutzmänner vor dem Sitzungssaale aufzustellen. Vor einiger Zeit, als wir den Versuch dazu machten, dies zu thun, erhob sich großer Widerspruch dagegen. Ich weiß aber kein anderes Mittel, als die Aufstellung der Schutzmänner.
Abg. Temme muß an die vielen Drohbriefe, die er und seine Freunde täglich erhalten, erinnern, und daß sogar dem Abg. Lipski am Abend des 15. eine Kugel durch das Fenster auf seinen Lehnstuhl flog. Aber nie ist es mir und meinen Freunden eingefallen, diese Drohungen und Anfälle zur Sprache zu bringen. Wenn darüber geklagt wird, daß die Versammlung nicht frei berathen könne, so erinnere er an den Armeebefehl Wrangels, der mit seinen 50,000 Mann Berlin cernirt habe. Dieses bedrohe die freie Berathung in höherem Maaße als alles Andere.
Nachdem noch einige Mitglieder der Rechten, die ihnen gemachten Drohungen mitgetheilt, wird diese unerquickliche Debatte geschlossen.
Man geht zur Tagesordnung über: die Fortsetzung der Berathung über den ersten Titel des Entwurfs der Verfassungs-Urkunde.
Abg. Lüdicke als Berichterstatter vertheidigt den Kommissions-Entwurf des §. 1 , daß Alle Landestheile der Monarchie in ihrem gegenwärtigem Umfange, das preußische Staatsgebiet bilden. Man müsse wohl anerkennen, daß den Einwohnern des Großherzogthums Posen polnischer Abkunft die wiederholt verheißene Reorganisation Seitens des Staats gewährt werden müsse, unbedenklich auch werde gewährt werden, daß aber jedenfalls an dieser Stelle, wo es sich lediglich vom Staatsgebiete handele, eine solche Erwähnung ungehörig erscheine, zumal auch jene Bewohner des Großherzogthums Posen den Wunsch, an der dem ganzen preußischen Staate zu gebenden Verfassung Theil zu nehmen, durch die Wahl und Entsendung der Abgeordneten zur gegenwärtigen Versammlung in Gemäßheit des Wahlgesetzes vom 8. April unzweideutig an den Tag gelegt hätten. Man war deßhalb der Meinung, daß der gewünschte Zusatz des §. 1. nicht passend, der späteren Erwägung aber anheimzugeben sei, ob an einer ander Stelle, etwa bei Art. 102, ein derartiger Vorbehalt zweckmäßig einzuschalten sein möchte.
Abg. Philipps: Denjenigen, die außerhalb des Großherzogthums Posen leben, die diese Sache nur objectiv auffassen, können nur nach einer grüundlichen Beurtheilung aller diesen Gegenstand betreffende Urkunden und Traktate sich darüber auslassen. Deshalb wäre es wünschenswerth gewesen, wir hätten zuvor die Berichte der zur Regulirung der Angelegenheit des Großherzogthums Posen niedergesetzte Kommission angehört. Da dies aber nun nicht so ist, so müssen wir uns schon heute auf eine nähere Diskussion einlassen. ‒ Er läßt sich alsdann darüber aus, daß die nichtdeutschen Volksstämme in Deutschland und in Preußen sich der Majorität unterordnen müssen, wenn man nur ihre Nationalitäten achte. Hier fragt sich aber nur, ob dem Großherzogthum Posen besondere Rechte zuzuertheilen seien, ob es eine besondere Konstitution erhalten müsse. ‒ Er untersucht hierauf die Urkunden von 1815 und meint, daß der Aufruf vom 15. Mai 1850, nicht nur an die Polen, sondern an die Bewohner im Allgemeinen erlassen sei. Die deutsche Bevölkerung schreibe sich schon von frühern Jahrhunderten her und demnach müsse der Aufruf doch an beide Nationalitäten gerichtet gewesen sein. ‒ Er hält es für eine ganz indifferente Frage, ob man von einer Personal- oder Staats-Union in Hinsicht des Großherzogthums sich entscheide. Hieraus zieht der Redner das Resultat, daß dem Großherzogthum zwar keine besondere Verfassung, aber doch besondere Rechte garantirt worden seien. Diese müssen heilig gehalten werden, und demnach ist er auch gegen die Demarkationslinie. Er stellt folgendes Amendement:
„Den Bewohnern des Großherzogthums Posen werden die ihnen bei der Verbindung des Großherzogthums Posen mit dem preußischen Staate eingeräumten besondern Rechte gewährleistet. Ein gleichzeitig mit dieser Verfassungs-Urkunde zu erlassendes organisches Gesetz wird diese Rechte näher festsetzen.“
Abg. Arntz: Der Artikel 1 der Verfassung scheint keine große Debatte hervorrufen zu können, und in einem andern Staate würde auch gar kein Grund dazu vorliegen. Wir müssen aber bemühet [0622] sein, diese Frage nach den Grundsätzen der Politik und des Staatsrechts zu entscheiden, weil sie für uns zu wichtig sei. Wir müssen zuerst auf die Wiener Verträge zurückgehen; wir müssen alle Verpflichtungen halten, die diese Verträge uns auferlegten.
Der Redner erzählt die Hergänge am Wiener Kongreß, wo man Anfangs Willens war, ein großes Polenreich zu bilden; wie Kaiser Alexander dafür schwärmte, wie dies aber unmöglich gemacht wurde. Ein freies unabhängiges Polen wieder herzustellen, dis war seit 1810 die einstimmige Meinung aller Großmächte. Als England und Frankreich die Unmöglichkeit sahen, bemühten sie sich, Preußen auf die Gefahren hinzuweisen, welche die gänzliche Vernichtung Polens haben würde. So in mehreren Noten des Jahres 1814. Der Art. 1 des Wiener Vertrages sicherte den Polen ihre politische Existenz. In der preußischen Redaktion ist davon abgewichen. Der Redner gibt eine sehr vollständige stundenlange Kritik der Wiener Verträge von 1815, welche auf das Großherzogthum Posen Bezug haben. ‒ Im vollen Widerspruch mit den Besitznahmepatenten steht der Huldigungseid des Großherzogthums. Ich kann mir diesen Eid nicht erklären. Und wie ist mit den früheren Verträgen der Bericht des Oberpräsidenten Flotwell vom 15. Mai 1841 vereinbar?
Ich halte die Trennung der beiden Nationalitäten für eine Unmöglichkeit, weil sie schon so miteinander verwachsen sind, daß eine Trennung, ohne Ungerechtigkeit nicht mehr möglich ist. Aber auch im Interesse unserer Sicherheit ist die Demarkation zu verwerfen. Unsere erste Vertheidigungslinie gegen Osten bildet die Weichsel, die zweite die Oder. Die Festung Posen die nothwendige Verbindung. Gegen die Amendements von Geßler und Auerswald muß ich mich ganz entschieden erklären. Der Beschluß der Frankfurter Versammlung kann uns hier nicht vorgreifen. Gewiß ist die Frage wegen des Großherzothums eine „innere“ und unsere Zustimmung also erforderlich. Ich glaube indeß nicht, daß schon heute die Zeit, die Frage wegen der Demarkation zu verhandeln. Es kann uns ganz gleichgültig sein, ob ein Theil unseres Landes zu Deutschland gehört oder nicht. Wir wollen nur Gerechtigkeit für Polen und müssen deshalb auch unsere Verpflichtungen erfüllen, abgesehen von allen Sympathieen. In einem besondern Gesetze müssen wir die Rechte der Polen feststellen.
Abg. Geßler, Nach der poetischen Auffassung, mit welcher die beiden Redner diese Frage aufgefaßt, sehe ich mich genöthigt, zur Prosa zurückzukehren. Jene wollen diese Frage jetzt ungelöst lassen und den Status que von 1815 erhalten, ich will aber die endliche Lösung. Die deutsche Bevölkerung des Großherzogthums befindet sich in einer unglücklichen Lage. Sie will von ihren Nachbarn, die gezeigt haben, daß sie es nicht gut mit ihr meinen, getrennt sein. Dieser zweifelhaften Lage muß aber ein Ende gemacht werden. Diese Versammlung hat noch nichts dafür gethan. Die zur Untersuchung der posenschen Angelegenheiten niedergesetzte Kommission hat bis jetzt noch kein Zeichen ihrer Wirksamkeit gegeben. Sie haben vom letzten Redner, einem Mitgliede dieser Kommission, gehört, wie sie über die deutsche und polnische Bevölkerung denken. Andere Mitglieder dieser Kommission haben auch ihre Aeußerungen auf dieser Tribüne fallen lassen, welche keinesfalls die deutsche Bevolkerung zufriedenstellen können. Sogar ist von dieser Kommission darauf angetragen, daß die Beschlüsse der deutschen Nationalversammlung Hinsichts der Demarkationslinie nicht anzuerkennen. Können solche Ansichten die deutsche Bevölkerung beruhigen? Sehen wir nicht aus den Amendements der polnischen Abgeordneten, was ihr Zweck eigentlich ist? Um die Rechte der deutschen Bevölkerung zu wahren, stelle ich daher folgendes Amendement: 1) Bei der Einleitung einzuschalten hinter: „Völker“ die Worte: „für die zu Deutschland gehörigen Landestheile.“ 2) Bei § 1 hinzuzufügen: für die nicht zu Deutschland gehörigen Theile des Großherzogthums Posen wird die Vereinbarung einer besondern Verfassung vorbehalten. Um dieses Amendement zu begründen geht er auf die Vorfälle des Frühjahrs im Großherzogthum zurück und setzt den Konflikt der deutschen und polnischen Bevölkerung und das Nähere über die Festsetzung der Demarkationslinie auseinander. Wir Deutsche in der Provinz Posen halten unsere Nationalität so lange für gefährdet, als die polnische Bevölkerung noch aufstehen kann und sagen, dieser Boden ist polnisch, wir wollen Euch allenfalls polnische Schutzverwandte im Lande behalten. Machen Sie es nicht wie in Oestreich, stellen Sie vielmehr mit der deutschen Nationalversammlung endlich die Theilung fest.
Diese Rede ruft einige Berichtigungen von verschiedenen Seiten hervor. Zwei Mitglieder der Kommission beklagen sich über die Ausdrücke des Abg. Geßler. Auch einige polnische Abgeordnete verwahren sich gegen die ihnen untergeschobenen Absichten.
Abg. Wachsmuth: Die Verfassungskommission ist von dem ursprünglichen Regierungsentwurfe, welcher auch nur von dem zu Deutschland gehörigen Landestheile spricht, deshalb abgegangen, weil sie nicht eingesehen, warum nicht alle Landestheile der preußischen Monarchie an unserer Verfassung Theil nehmen, warum der polnische Theil davon ausgeschlossen bleiben solle. Ob eine Demarkationslinie festgestellt wird oder nicht, bleibt hier ganz ohne Einfluß. Unsere polnischen Brüder werden bei der Berathung der Verfassung schon am geeigneten Orte für die Sicherstellung ihrer Nationalität Sorge tragen. Ich halte es für meine Pflicht, mit Gut und Blut wieder gut zu machen, welches unsere Väter der polnischen Nation zugefügt haben.
Abg. v. Auerswald: Ich glaube nicht, daß der Gegenstand, worüber wir heute berathen, noch ferner ausgesetzt werden kann, wenn wir die Schwierigkeiten nicht vermehren wollen. In der Verfassung muß die Linie genau begränzt sein, für welchen Kreis sie gelten solle. Wir sind wohl alle darüber einig, daß wir nur eine Verfassung für ein deutsches Land machen wollen. Wir müssen dies genau bezeichnen. Würden wir heute schon eine Verfassung des deutschen Reichs vor uns liegen haben, so würden wir gewiß darüber bald einverstanden sein, daß in einem deutschen Lande kein fremdes Gebiet eingeschlossen werden könne. ‒ Die Zeit liegt noch nicht ferne uns, wo durch unbestimmte Ausdrücke die Flamme des Zwietrachts empor loderte; vermeiden wir daher gleiche Unbestimmtheiten. Wir sind mit Gut und Blut, alle, so weit wir Deutsche sind, verpflichtet, für die deutsche Grenze zu wachen. Vergeblich berufen wir uns auf eine vergangene Zeit. Wir können auf die Vergangenheit nicht zurückkommen. Der Redner spricht noch gegen alle eingereichte Amendements und empfiehlt das seinige, statt der Worte: „in ihrem gegenwärtigen Umfange“ die Worte: „so weit sie zu Deutschland gehören“ aufzunehmen.
Abg. Pockzywnicki. Die staatsrechtlichen Verhältnisse des Großherzogthums Posen sind bereits vom Abg. Ahrens so gründlich dargelegt worden, daß ich mich aller Gründe, die aus den Wiener Verträgen herzuleiten seien, enthalten kann. Meiner Ansicht nach, welche ich durch Verträge nachweisen will, existirt nur eine Personal-Union zwischen dem Großherzogthum und dem übrigen Staate. Ich will aber auf diesen Grund verzichten, da die Real-Union seit 1820 faktisch in Kraft war. Auch ich bin der Ansicht, daß das Prinzip der Nationalität sich in ganz Europa Bahn brechen und daß eine Zeit kommen wird, wo alle Nationalitäten sich zu einem Staate einigen werden. ‒ Der Redner kommt auf die falschen Gründe, die für eine Theilung hervorgerufen sind, und beweist, daß sogar in dem Theile des Großherzogthums, welches zu Deutschland geschlagen werden solle, die polnische Bevölkerung die Majorität habe. Hierauf kommt der Redner auf einen Bericht des Generals Pfuel, als damaligen Pacifikator des Großherzogthums zu sprechen, welcher dem damaligen Ministerium den Rath gibt, da sich die Polen keine Demarkationslinie gefallen lassen wollen, das ganze Großherzogthum nach und nach zu germanisiren. Er glaube wohl, daß der Hr. v. Pfuel jetzt anderer Ansicht sein könne, aber man sieht doch was möglich sei. (Der Minister-Präsident verwahrt sich gegen die angegebene Aeußerung, welche nur in einem Privatschreiben enthalten sei, und ist erstaunt, sie veröffentlicht zu sehen.) Der Redner hebt die Zukunft des der Demarkationslinie zu unterwerfenden Theiles des Großherzogthums hervor, wenn dieser Theil nicht zum preußischen Staatsgebiet zugehören würde. In diesem polnischen Theile würden sich alsdann der Heerd aller polnischen Emigranten und Flüchtlinge anderer Länder zusammenfinden. Würde Rußland dazu stillschweigen? Es würde dieses kleine polnische Reich besetzen, wenn es aber zum preußischen Staatsgebiet gehöre, würde Rußland dies unmöglich sein.
Abg. Bauer. (Krotoschin.) Zum dritten Male kommt die polnische Frage in unsrer Mitte zur Sprache, und zum drittenmal sind alle Leidenschaften entflammt. Man wirft den Preußen noch immer die Theilung Polen's vor; aber dieses Verbrechen ist gesühnt durch alle die Wohlthaten, welche den Polen von Preußen gewährt wurden. Hier handelt es sich aber um unsere deutsche Brüder, welche sich theils erst in der neuesten Zeit im Großherzogthume niedergelassen haben; sie wollen Deutsche bleiben, sie wollen ihre Nationalität nicht aufgeben und nicht unter der Herrschaft der Polen stehen. Das unabhängige Polen hat keine weitere Aufgabe, als sich die Gränzprovinzen so schnell wie möglich anzueignen. ‒ Worauf beruhen denn die Forderungen auf Absonderung des Großherzogthums Posen? Sie beruhen auf den Wiener Verträgen, auf den Versprechungen des März, und wir haben gehört, wie unsicher dieser Grund ist.
Abg. Moritz: Ich glaube, wir sind von der ursprünglichen Debatte abgewichen. Der Artikel 1 handelt nur vom preußischen Staatsgebiet. Ueberall spricht die Verfassung nur von Preußen. Wer sich also für keinen Preußen hält, der ist der Verfassung nicht unterworfen. Wir müßten dann neben den Rechten der Preußen auch noch die Rechte der Polen feststellen.
Abg. v. Lisiecki beschränkt sich nur darauf, mehrere von dem Redner vorgebrachte Thatsachen zu berichtigen. Besonders nimmt er auf die vom Abgeordneten Geßler gemachte Aeußerung Bezug, daß die Polen den Status quo von 1815 wollten und er von 1848. Ja, wir wollen den Status quo von 1815, da sah es noch anders im Großherzogthume aus. Seitdem hat ein Flottwell alles zu germanisiren gesucht. Man hat die Provinz mit deutschen Beamten überschwemmt, welche aber wahrlich nicht die Blüthe Deutschlands waren. Man will durch die Demarkationslinie, die ich eine satanische Erfindung nennen möchte, uns ganz abtrennen. Man gibt diesen Strich Landes verloren. Man wünscht uns darin alles Gute. Aber ist es möglich, daß wir uns darin absondern können? Beschließen Sie immerhin die Aufnahme des einen Theils in Deutschland, die Herzen der Polen, die in diesem Theile wohnen, können Sie nie zu deutschen machen.
Um 2 Uhr wird die Sitzung aufgehoben und die Debatte vertagt.
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[ 126 ] Breslau, 18. Oktbr.
Der Wiener Postzug, der um 3 1/2 Uhr Nachmittags ankommen sollte, kam erst 4 3/4 Uhr an. Reisende, die den 17. Abends Wien verließen, erzählen folgendes:
Die Ungarn haben die österreichische Grenze überschritten mit einer Macht von 100,000 Mann (??) und stehen nur eine Stunde von Auersperg's Lager. (?) 6-7000 Mann Gratzer Nationalgarde haben sich durch die feindliche Armee durchgeschlagen und sind in Wien angekommen. Bei Prerau sollen die Garden des Kaisers von der Nationalgarde entwaffnet sein.
Ich theile diese Nachrichten mit, ohne für ihre Wahrheit bürgen zu wollen, obgleich wir in einer Zeit der Wunder leben.
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@facs0622
[ !!! ] Frankfurt, 20. Okt.
Sitzung der National-Versammlung. Präsident v. Gagern. Tagesordnung: Fortsetzung der Berathung des Verfassungsentwurfs. §. 2, 3 und 4.
Vor der Tagesordnung interpellirt v. Maifeld: Warum Baden einzig unter allen deutschen Ländern den Parlamentsmitgliedern keine Portofreiheit bewilligt? und ob das Reichsministerium der Badischen Regierung mittheilen wolle, daß ihr dies übel ansteht? (Große Heiterkeit).
Folgen Flottenbeiträge.
Tagesordnung: Berathung über den Verfassungsentwurf.
§. 2. „Kein Theil des deutschen Reiches darf mit nicht deutschen Ländern zu einem Staat vereinigt sein.“
Minoritätserachten. Zusatz: „Insofern die eigenthümlichen Verhältnisse Oesterreichs die Ausführung dieses §. 2 und der daraus abgeleiteten Paragraphen hinsichtlich desselben nicht zulassen, soll die angestrebte Einheit und Macht Deutschlands im größtmöglichsten Maße durch den innigsten Anschluß Oesterreichs an Deutschland im Wege des völkerrechtlichen Bündnisses zwischen der Reichsgewalt und der österreichischen Regierung, erzielt werden. (Mühlfeldt, Detmold, Rothenhahn, Lassaulx).
§ 3. „Hat ein deutsches Land mit einem nichtdeutschen Lande dasselbe Staatsoberhaupt, so ist das Verhältniß zwischen beiden Ländern nach den Grundsätzen der reinen Personal-Union zu ordnen.“
§. 4. „Das Staatsoberhaupt eines deutschen Landes, welches mit einem nichtdeutschen Lande in dem Verhältniß der Personal-Union steht, muß entweder in einem deutschen Lande residiren oder in demselben eine Regentschaft niedersetzen, zu welcher nur Deutsche berufen werden dürfen“
Minoritätserachten: „Das Staatsoberhaupt eines deutschen Landes, welches mit einem nichtdeutschen Lande durch Personal-Union verbunden ist, darf nichtdeutsche Truppen in seine Länder nicht verlegen, außer in Veranlassung von Reichskriegen auf Anordnung der Reichsgewalt.“ (Schüler, Blum, Wiegard).
Die zahlreichen Amendements folgen bei den Abstimmungen. Die Diskussion über §. 2 bis 4 wird beschlossen.
Es erhebt sich eine äußerst komische Debatte über die Einschreibungen der Redner, welche heute früh in etwas wilder und illegaler Weise vorgenommen zu sein scheinen. Die Zahl der Redner, welche theils für, theils wider den Entwurf des Verfassungsausschusses zu sprechen, eingeschrieben sind, beträgt mindestens Sechszig!!
Die Diskussion, welche wohl heute kaum geschlossen werden dürfte, und aus der ich Ihnen natürlich nur das hervorstechendste mittheilen werde, bewegt sich vorzüglich um Vereinigung mit Oesterreich zu einem deutschen Reiche, oder theilweiser Lostrennung von demselben. Sie sehen aber, daß der Ausschuß in seiner Majorität diesmal im Sinne der Linken sich ausgesprochen, d. h. nach dem Prinzip der Nationalitäten
Die Diskussion beginnt mit Fritsch (aus Oesterreich), welcher sich gegen den Entwurf ausspricht. Er will ganz Oesterreich mit Deutschland zu einem Reiche verbinden. Im entgegengesetzten Falle würde Deutschland sich schwächen, Oesterreich zerfallen, zum Theil russisch, zum Theil slawisch werden. Der Redner spricht sehr lange und sehr undeutlich, wird durch „Schluß!“ unterbrochen, meint aber unter Heiterkeit, „er habe noch gar nicht lange gesprochen;“ und fährt fort!
Eisenmann, dessen Rede mit tiefer Stille und gespannter Aufmerksamkeit gehürt wird, sagt u. a.: Als im Frühjahr Oesterreich aufwachte und den Frühling der Völker auf die würdigste Weise mitfeierte, wee hätte es da für möglich gehalten, daß je in der Paulskirche die Frage entstehen könnte, ob Oesterreich deutsch sein solle oder nicht? (Bravo!) Die deutsche Einheit geht mir über Alles. Hier berathen Deutsche, keine Slaven. Wenn in Wien die Demokratie siegen würde, sollte es mir leid thun (?), aber wenn die Camarilla siegte, dann meine Herren, würde ich nicht mehr länger hier sitzen wollen! (Bravo!) Was die Ungarn anlangt, diese hätten seit Jahrhunderten gegen die pragmatische Sanktion gekämpft. Diese käme ihm vor wie der Hut eines Taschenspielers, man könne ihn drehen und wenden wie man wolle. (Heiterkeit.) Wie perfid sei das Verfahren Oesterreichs gegen Ungarn gewesen? Erst habe man Jellachich desavouirt. Später habe man deutlich sehen lassen, was man mit ihm beabsichtige. Falsche Handbillette habe die Camarilla den Kaiser an Jellachich schreiben lassen. Wer könne einer so treulosen Regierung trauen? In der ungarischen Angelegenheit seien die meisten deutschen Zeitungen an die österreichische Camarilla verkauft (Bravo! Hört!); z. B. die Ober-Postamts-Zeitung! (Großer Beifall links. Gelächter. Schmerling scheint emsig in ein Zeitungsblatt vertieft.) Was sei es für eine gränzenlose Unverschämtheit von einem Blatte, sogar den Zug des Croaten Jellachich gegen die Freiheit der Wiener zu rechtfertigen. (Energisches Bravo.) Ungarn ist überdem ein ganz loyales Land, will gar keine Republik, will sogar einen Theil der österreichischen Staatsschuld übernehmen. Er erinnert an das ungarische Moriamur pro rege nostro Maria Theresia. Die Ungarn sind bereit, den Reichstag in Wien als vermittelnde Korporation anzunehmen.
Läßt der Redner die Gründe folgen, weshalb er gegen eine österreichische Föderativmonarchie ist. Ich hoffe, sagt er, unsere Verfassung soll so ausfallen, daß kein Nachbarstaat dadurch verletzt wird. Die Hauptsache aber ist, daß keiner von den Hiersitzenden das Recht hat, durch sein heutiges Votum 7 Millionen Deutsche aus dem deutschen Staatenverband herauszureißen. Die Konsequenzen dieser Lostrennung führen zum Bürgerkrieg, rother Republik (puh!) etc. Es giebt in Oesterreich gescheidte Leute. (Heiterkeit. Schmerling klatscht mit Distinktion), welche wohl wissen, daß es zu keinem Flintenschuß in Wien gekommen sein würde, wenn nicht Ungarn hätte sollen unterdrückt werden. Wenn Metternich noch da wäre, wäre es nicht dahin gekommen. (Heiterkeit.) Erringen Sie zuerst die deutsche Einheit, das Uebrige wird sich finden. (Langer Beifall.)
Arend aus Oesterreich hält unter Beifall von rechts und den Centren eine lange, glänzende Rede im entgegengesetzten Sinne als der Entwurf. Er schließt, man solle Deutschlands schönste Perle, „Oesterreich,“ nicht fallen lassen. Seine Rede geht natürlich gegen den Entwurf.
Reitter aus Böhmen ist für den Entwurf. Wie oben bemerkt, ist diesmal der größte Theil der Linken für die Fassung des Entwurfs (wie oben). Der Redner zeigt der Versammlung an, daß die Deutschen in Böhmen bereits ernstlich gefährdet sind. (Links: Hört!) Dafür haben wir taube Ohren. Wo sind die beim letzten böhmischen Aufstand Kompromittirten, welche festgesetzt waren, hingekommen? Im kaiserlichen Hoflager sind sie. (Hört, hört!) Der Redner schließt damit, daß er die Personalunion anempfiehlt, die auch das einzige sei, was die österreichische Dynastie retten kann.
Wiesner, von der außersten Linken, (gegen den Entwurf:) In dem Augenblicke, wo der Kampf der Reaktion gegen Wien, gegen die Freiheit tobt, in dem Augenblicke, wo, wie sie selbst sagen noch nichts entschieden ist, wollen wir hier ein Band losen, was Jahrhunderte geheiligt hat, das Band zwischen Oestreich und Deutschland. ‒ „Kein Oestreich, kein Preußen mehr!“ diesen Spruch scheint man umändern zu wollen in: „Kein Oestreich, sondern ein Preußen!“ ‒ (Beifall.) (Das Haus ist ungemein leer,) Ein neues freies Oestreich wird aus diesen Wirren auferstehen, die man den Heerd der Anarchie nennt, ein freies Oestreich, mit dem wir uns verbinden wollen. ‒ Oestreich hat sich schon aus kritischern Lagen gerettet als die gegenwärtige. ‒ Der Geist der Freiheit geht durch Oestreich, die Völker fühlen es, daß sie um jeden Preis zusammenhalten müssen. ‒ Nach den ungeheuren Verlusten, die Germania erlitten, Burgund, Lothringen, Elsaß, Holland etc., hat man noch den Muth, Deutsch-Oestreich in eine Position bringen zu wollen, die es von Deutschland lossagen soll. ‒ Die süddeutschen Provinzen werden es gewiß mit Oestreich halten. Höchstens das spezifische Preußenthum könnte dies nicht wollen. ‒ Jedes Sürrogat für die Vereinigung Oestreichs mit Deutschland, wie es das Minoritätserachten (S. oben ad §. 2) bietet, werden wir Oestreicher mit Stolz zurückweisen. ‒
Zum Schluß sagt Wiesner: „Meine Herren, Sie haben oft meiner Parthei den Vorwurf gemacht, daß sie aus Republikanern bestehe. Es ist wahr, es sitzen dort (nach links) Republikaner, und ich bin einer von ihnen, aber eben deswegen will ich nicht für eine Personalunion stimmen bei einer Verfassung, in der sie (die Personalunion) hoffentlich bald nutzlos sein wird. (Bravo links.)
Waiz, Professor aus Göttingen, hält einen langen Vortrag für den Paragraphen des Ausschusses. ‒ Er kennt nur eine Alternative: Die deutschen Lande Oestreichs entweder ganz bei Deutschland, oder gar nicht, d. h. ganz bei Oestreich als einen alleinstehenden Staat. ‒ Es werden sonst nie die Fälle fehlen, wo Oestreich in Conflikt geräth zwischen seinen Interessen und Deutschlands. Der Bau der deutschen Einheit würde ohne Oestreich ein leichter sein, aber ich glaube nicht, sagt Waiz, daß einer hier, der deswegen Oestreich wegwerfen will, weil mit ihm der Bau der deutschen Einheit schwieriger ist. (Bravo der Centren.)
von Wurth aus Oesterreich, (Unterstaatssekretär), gegen den Entwurf. Er kann sich nicht denken, daß es dazu kommt, daß man die Trennung von Oesterreich ausspricht. ‒ Wenn es je geschehen sollte, daß Oestereich in Trummer geht, dann würden sich slawische und magyarische Reiche bilden, welche Deutschland gefährden würden. ‒ Mit einigen Modifikationen könnten die deutschen Länder Oesterreichs in den deutschen Bund eintreten. ‒ Die Centralgewalt solle sich mit der österreichischen Regierung in's Einvernehmen setzen, (Gelächter) unter welchen Modifikationen Oesterreich in den deutschen Bund eintreten könne. (Links: Nein! Nein!).
Giskra für den Entwurf (Sensation.) Im Anfange des Verfassungsbaues tritt uns eine scharfe, kantige Ecke in den Weg ‒ Oesterreich! Diese Ecke muß weggerissen werden, unser Ausschuß hat es glücklich erkannt. ‒ (Bravo!) Keine historische Erinnerung ist stark genug, kein Habsburger Löwe, um das Entfalten des Banners zu verhindern, unter welches sich die erwachten Völker schaaren wollen. (Sehr gut! Bravo!) ‒ Man sehe Italien ‒ Ungarn! ‒) Unser Haus soll der Zukunft trotzen. Die Pfeiler der Vergangenheit werden es nicht tragen ‒ Welches politische Gewicht wiegt schwerer im Rath der Völker? ‒ Oesterreich oder Deutschland? Die Papierbesitzer freilich (die Metalliquisten!) (Gelächter), die freilich klammern sich fest an Oesterreich. ‒ (Sehr brav! Sehr gut!) Man sagt, das Gras werde in den Straßen von Wien wachsen ‒ wenn der Osten von Oesterreich losgerissen wird; ‒ meine Herren, auch in den Straßen von Rom ist das Gras gewachsen, und keine Macht der Erde konnte es hindern, weil der Geist der Zeit es mit sich brachte. ‒ (Sehr wahr!)
Giskra's Rede ist lang und glänzend, mit jener Kraft und Frische und Schnelligkeit, (welche die Stenographen in Verlegenheit setzt) vorgetragen, die dem Redner eigen ist. Das Haus horcht mit schärfster Spannung. Nur einzelne „Sehr gut! Sehr wahr!“ unterbrechen ihn. ‒ Er spricht vorzüglich für das Minoritätserachten zu §. 2. für die Wahrung und Berechtigung der Nationalitäten Deutsch-Oesterreich zu Deutschland. ‒ Ungarn und Italienern und Slaven ihr Recht!
Die österreichische Harlequinsjacke, die nur durch die vis inertiae der Völker bisher zusammengehalten, muß endlich und wird zerrissen werden. Wir wollen nicht durch Einverleibung aller bisherigen österreichschen Provinzen Deutschland mit aller Gewalt in Bürgerkrieg verwickeln Die Unhaltbarkeit, und den Unsinn der pragmatischen Sanktion weist Giskra treffend unter lautem Beifall nach. Hierauf folgt eine Rechtfertigung der ungarischen Erhebung und einige Worte zum Ruhme Kossuths, welche stürmischen Beifall der Linken und der Gallerien hervorrufen. Wenn die Regelung der Völker nach Nationalitäten durchgeführt wird, dann ist es nicht mehr möglich, was in diesem Augenblicke geschieht, daß ein Ban von Croatien mit seinen Horden von Croaten, Slaven und Pollaken, Bosniaken, und Gott weiß was für Landen und Gesindel, es wagt, auf deutschem Boeen die deutsche Freiheit zu unterdrücken. (Heißer Beifall!)
Ich muß mich endlos wundern, sagt Giskra, wie ein hochgestellter Beamter der Centralgewalt (Herr v. Würth) sich dahin aussprechen kann, man solle sich mit der österreichischen Regierung ins Einvernehmen setzen, unter welchen Modifikationen die deutschen Provinzen Oesterreich's in den deutschen Bund aufzunehmen sein. Meine Herren, frei sind wir hier zusammengetreten, und frei werden wir die Bestimmungen für unser Land treffen, und keinen König, keinen Kaiser, keinen Reichstag und keinen Landtag dazwischsn reden lassen (stürmisches Bravo.) Die deutschen Provinzen sollen und müssen bei Deutschland verbleiben, und wenn alle Kronen darüber verblassen und alle Throne zusammenstürzen! (Stürmischer und langanhaltender Beifall im linken Centrum, links und Gallerien.) Die Diskussion wird vertagt.
Vogt und Reitter aus Prag wollen in Folge der Wichtigkeit der österreichischen Ereignisse und des Hauptschlags, welcher sich in Wien jetzt vorbereitet, Morgen Sitzung halten. Soiron aber rückt mit seinem Verfassungsausschuß vor, welcher Zeit zu seinen Sitzungen haben müsse. Er dringt durch. Morgen ist keine Sitzung. Fortsetzung der Debatte Montag 9 Uhr. Wahrscheinlich dauert sie noch 2 Tage. Schluß heute 3 Uhr.
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[ 61 ] Wien, 17. Oktober.
Reichstagssitzung. Die von Borrosch zur Disziplinar-Verordnung für die mobile Garde beantragten §§ 7 und 8 werden berathen und angenommen. Schuselka fährt dabei fort, sich durch feig-eselhaftes Geschwätz zu verewigen. (Unterbrechung.)
6 3/4 Uhr Abends Fortsetzung. Minister Krauß würdigt die Versammlung nicht mehr seiner Anwesenheit. Am Eingang des Reichstags stehen etwa 500 Frauen, die eine Adresse zur Aufrufung des Landsturms übergeben lassen. Auch auf den Galerien befinden sich viele Frauen.
Schuselka, als Berichterstatter des Ausschusses: Ich bin nicht im Stande, die neue Adresse an Se. Majestät vorzulesen, weil sich bei ihrer Debatte im Ausschusse Schwierigkeiten erhoben haben. Man beantragt dazu eine neue Proklamation an die Völker Oesterreich's und will, daß eine Abschrift davon der Adresse an Se. Majestät beigelegt werde. (Warum verfertigen die Schuselka-Genies nicht einige Dutzend Adressen an Gott und die Welt im Vorrath?) Wir wollen uns darin noch einmal über unser Verhalten aussprechen, weil wir allerorten vielfach verläumdet werden. Wir wollen den Völkern im Wesentlichen sagen: 1) warum wir [0623] zur Vertheidigung Wien's nicht nur unsere Zustimmung gegeben, sondern auch die Initiative ergriffen haben, und daß unsere Rechtfertigung darin besteht, weil wir Wien für den Mittelpunkt der Gesammtinteressen aller Völker Oesterreich's halten müssen. 2) Unsere Rechtfertigung besteht auch in der thatsächlichen Nothwendigkeit der Vertheidigung, weil wir vor den Thoren durch Armeen bedroht sind. Wir wollen historisch (Pergament und Leder) darstellen, was wir alles zur friedlichen Beilegung versucht haben; wir wollen ebenso historisch (warum nicht mythologisch, begelisch, deutsch-katholisch u. s. w.?) ausführen, was vor den Thoren geschehen, daß sogar Mitglieder des Reichstags angehalten und beschimpft worden sind; (warum wird dieses Aeußerste so lange verheimlicht?) daß unser Ultimatum an den kommandirenden General ohne Antwort geblieben ist (Ihr armen Schlucker, erwartet die Antwort vom Volke!) u. s. w. Wir müssen entwickeln, daß uns Gefahr droht, das müssen wir den Völkern Oesterreich's kund geben. (Bravo.) Sie werden euch in eurer historischen Entwicklung gar bald noch verwickeln.)
Wioland will eine Eingabe des ersten demokratischen Frauenvereins verlesen.
Schuselka: Ich habe dieselbe, sie enthält die Forderung zum Aufruf des Landsturms; ich werde sie sogleich verlesen.
Violand: Ich bin ein Freund der Entschiedenheit. Wir müssen Jellachich als unsern entschiedenen Feind ansehen; er ist ein kroatischer Heerführer, der hier nichts zu thun hat; er entwaffnet die Nationalgarde, läßt die Briefe auffangen und erlaubt sich jede Ungebühr. In Prag ist ein Plakat erschienen, welches sagt, daß Windischgrätz mit Truppen nach Wien aufgebrochen sei; wir können nicht so lange warten, bis wir gänzlich umzingelt worden sind. Das ganze Volk ist einig, es weiß, daß es mit Feinden zu thun hat. Bieten wir daher den Landsturm auf. Wenn wir die Revolution vom 6. anerkennen, so genügt es nicht, blos zu protestiren, wir müssen das Volk auffordern, sich um Wien zu schaaren; wir müssen diesen Aufruf dem Kaiser mittheilen und wir werden dadurch nicht nur größeres Blutvergießen ersparen, sondern auch imponiren. Das ganze Land wird für uns sein. (Ungeheueres Bravo mit Applaudiren, namentlich von den Gallerien, die der Präsident zur Ruhe ermahnt.) Laßt uns mit dem Volke stehen oder fallen! (Erneutes Bravo. Zischen).
Ziemialkowski: Ich habe einen Bericht aus Krakau erhulten; die Bureaukratie verbreitet in Galizien die abscheulichsten Bosheiten, sie verschreit den Reichstag als reaktionär. Ich trete dem Antrag der Kommission bei.
Borrosch (im demokratischen Pfaffenton): Kraft und Besonnenheit führen zum Siege; in der Vertheidigung, im O'Connelismus liegt die Stärke der Kammer. (Mit der gesteigerten Feierlichkeit eines Magnetisirten). Eine Proklamation und ein Bauernaufruf sind ein Widerspruch, in dem letzten liegt eine neue Revolution. Ich bin bereit zu stehen oder zu fallen; die Revolution und Reaktion arbeiten in fortwährerdem Kampfe, die Konstitution wird der Friedensengel sein; bis dahin bleibt die Revolution permanent. Dieses klar erkennen, ist die Pflicht des Reichstags. Ist das Haus bestimmt zu fallen, so falle es seiner würdig. Wir müssen alle gesetzliche Mittel erschöpft haben, bevor wir zu Anderem greifen; darum bin ich gegen den Aufruf. Zu Ungarn hat der Bauernaufstand eine andere Bedeutung, als hier; dort ist der Bauer arm, die Bevölkerung dünn; ich muß bedauern, wenn man Wien mit dem Landsturm retten will. Durch ein allzuschnelles Herausfordern der Reaktion gehen wir der Militärdiktatur entgegen, während wir sonst alle Hoffnung haben, die Freiheit zu retten.
Sierakowski: Der von uns an die Völker Oesterreichs erlassene Aufruf ist in Galizien ganz unbekannt geblieben. Die Gouverneure, die Bureaukratie, die Post haben ihn überall unterdrückt und nicht ankommen lassen; ich stelle daher den Antrag, daß alle solche Gouverneure u. s. w. für Landesverräther erklärt werden. (Bravo!)
Violand: Der Aufruf des Landsturms ist nichts Ungesetzliches, er ist kein Aufstand. Haben wir einmal gesagt, Wien solle vertheidigt und befestigt werden, so können wir auch weiter gehen und zu dieser Vertheidigung 20,000 Bauern herbeirufen.
Borrosch: Ich habe nicht von Ungesetzlichem Gesprochen. Die Revolution vom 6. war eine vollkommen berechtigte, weil man den nationalen (nur darum?) Gefühlen der Wiener Bevölkerung nicht Rechnung getragen. Unsere Aufgabe bleibe die, daß wir nicht den Militairdespotismus erhalten, und in dieser Beziehung hat der Reichstag Energie gezeigt. Hätten wir Auersperg angegriffen, so würden tausende gefallen sein. Sind wir denn heute schwächer? Gewiß nicht. (?) Lassen wir noch einige Tage sich hinziehen, dann werden die Provinzen antworten.
Potocki, des wahnsinnig gewordenen Lubomirski Busenfreund: Was soll ein Aufruf an die Provinzen?
Schuselka fragt, ob er noch einmal sagen solle, was der Ausschuß vorschlage. (Nein, nein;)
Potoki: Wenn ausgeführt wird, was wir für den Frieden gethan, dann bin ich mit dem Ausschuß einverstanden; meint man aber einen Aufruf zu den Waffen, dann muß ich an 1846 erinnern. Wir können keine ähnliche Scenen hervorrufen wollen; ich muß immer ein freier Sohn meines Vaterlandes bleiben können, auch wenn es sich von Gesammtinteressen handelt. Wer die Verhältnisse Galiziens kennt, wird mir nicht Unrecht geben. (Einige Bravo's.)
Schuselka: Die Aufrufung des Landsturms ist weder zweck-zweckmäßig, noch gewissenhaft (Bravo aller Esel) das größte Unglück wird daraus erfolgen. (Bravo aller Esel.) Ich habe noch nicht die Ueberzeugung der Gesetzmäßigkeit der Nothwehr. Schon jetzt leiden wir Mangel an Lebensmitteln, woher sollen wir Massen ernähren? (Kommt davon, wenn Esel und Verräther die Kunktatoren machen.) Ich würde tausend und tausend Sturmpetitionen mich entgegenstemmen. (Eine ordentliche Ohrfeige genügte, dich Lügen zu strafen.) Ich habe keine Furcht vor der stürmenden Partei. (Bravo) Der Reichstag muß erklären, daß er lieber sterben will, als seine Gesinnung ändern. Obwohl der Ausschuß keinen Aufruf zu den Waffen will, so kann doch nicht vermieden werden, daß von Waffen geredet wird; wir fordern die Provinzen nur auf, einsehen lernen zu wollen (!!!), daß Wien Schutz verdiene. Mit Sierakowski stimme ich von Herzen überein, wir dürfen es aber hier nicht aussprechen.
Violand: Ich nehme meinen Antrag zurück, weil ich keinen Zwiespalt veranlassen will, ich behalte aber meine Ueberzeugung. (Schwachmatikus.)
Es wird angenommen, daß der Ausschuß die Proklamation abfasse.
Schuselka: Das Ministerium (wo ist es?) muß aufgefordert werden, die galizischen und andern Behörden zu ersuchen, alle Beschlüsse des Reichstags zu veröffentlichen und das Briefgeheimniß zu wahren. (Angenommen. Sierakowski's Antrag kommt daher nicht zur Abstimmung. O sancta simplicitas!
Schuselka verliest die Eingabe der Frauen. Sie ist im entschiedensten Sinne abgefaßt. ‒ „Unsere Wünsche und die unserer Brüder,“ heißt es, „sind eins. Der Reichstag ergreife mit energischer Kraft die Zügel der Regierung, bevor es zu spät ist. Er biete den Landsturm auf, wir werden helfen, den Sieg zu erkämpfen. Es gilt zu handeln, wir dürfen mit Reden nicht länger säumen.“ ‒ Eine große Anzahl von Frauenunterschriften bedeckt die Eingabe. Schon während sie verlesen wird und namentlich am Schluß erröthen weder die Elenden im Reichstage, noch die Elenden auf den Journalistenbänken ‒ zu lachen.
Die linke Deputation des Frankfurter Froschteichs macht hier nicht das geringste Aufsehen. Doch es ist eine Schande, daß Deutschland um Wien herumliegt und es mit Flachköpfigkeit und Mattherzigkeit in seinem Todeskampfe bloß anglotzt, Deutschlands Revolution ist vom Wiener Volke geboren worden. Mit der Freiheit Wiens ist der Absolutismus in Europa ferner unmöglich. Darum laßt Wien nicht untergehen, fabelhaft erbärmliches Volk der Deutschen! Ich ersuche Ihr Blatt, zu Gunsten der akademischen Legion und Arbeiter eine Subscription zu eröffnen.
Zum Vergnügen der deutschen Idioten sende ich Ihnen folgenden Tagesbefehl.
Indem die mobilen Corps das Feldlager vom Belvedere beziehen, habe ich für die ubrige Garde folgende Befehle und Anordnungen zu erlassen.
Erstens: Die Herren Bezirks-Commandanten haften mir für die Ueberwachung ihres ganzen Bezirkes. Sie müssen mit ihren eigenen Kräften für die Befestigung der äußern Linien und Thore wirken.
Zweitens: An den Thoren darf, solange von mir kein weiterer Befehl erlassen wird, die Zufuhr und der Personenverkehr keinerlei Störung erleiden.
Drittens: Die Bezirke Leopoldstadt, Landstraße, Wieden erhalten von morgen an die nöthigen Verpflegsgelder aus der Operationskasse im Belvedere, die übrigen Bezirke dagegen vom Gemeinderathe.
Viertens: Zur Vermeidung möglicher Störungen in der Verpflegung haben sämmtliche Herren Bezirks-Chefs noch heute ein Verlagsquantum von 1000 Gulden zu erheben.
Fünftens: Ich befehle und verordne, daß die Bedeckung des Hauptquartiers in folgender Art gebildet werde:
a) Aus je 4 Garden von allen Kompagnien und je 8 Garden aus jeder Escadron, sämmtlich entschlossene muthige Männer. Sie werden den Titel „Garden des Hauptquartiers“ fuhren. Ihnen ist die Vertheidigung des Hauptquartiers anvertraut. Ich werde ein besonderes Abzeichen für sie bekannt geben. Die Herrn Bezirks-Chefs haben sogleich nach Erhalt dieses Befehls ihre sämmtlichen Garden ohne allarmiren zu versammeln, und diese 4 Vertrauensmänner auswählen zu lassen. Sie müssen bei persönlicher strenger Verantwortung der Herren Bezirks-Chefs, von mir und dem hohen Reichstage, bis 6 Uhr Abends zuverlässig im Lager eingetroffen sein, und sich in der Feld-Adjudantur gemeldet haben. ‒ Sie treten sogleich in die Verpflegung des Hauptquartiers.
b) Die akademische Legion gibt zu der Bedeckung des Hauptquartiers eine vollständige Kompagnie mit ihren Offizieren, und wird nich abgelöst.
c) Eine Kompagnie, gebildet aus Vertrauensmännern von allen mobilen Korps
d) Aus je einem Zuge der steierischen Schützen, der Brünner Freiwilligen und der polnischen Legion.
Verpflegung der akademischen Legion.
Da die gesammte akademischen Legion lagert, so erhält sie auch daselbst ihre Verpflegung, und zwar derart:
Die Herren Officiere nach ihrem Range wie die übrigen.
Die Legionärs für den Kopf gleich den andern nur 25 Kreuzer. Ihr Bewußtsein wird ihnen die materielle Verkürzung ihrer entschiedensten Verdienste ersetzen.
Bis 6 Uhr Abends haben die Herren Bezirks-Chefs einen Herrn Offizier mit zwei [unleserlicher Text] enden Ordonanzen, welche vor drei Tagen nicht abgelöst werden, ebenfalls unfehlbar in das Lager eintreffen machen. Alle diese Herren haben sich bei dem Platz-Hauptmann Du Bein zu melden und unterstehen den höheren Befehlen des Fed-Adjutanten Hauptmann Fenneberg.
Die beim Antritte meines Commando's aus der Wahl der Herren Bezirks-Chefs hervorgegangen und vom hohen Reichstags-Ausschusse bestätigten drei Stellvertreter des Ober-Commandanten: Herrn Oberst Schaumburg, Herr Hauptmann Thurn und Herr Commandant Aigner haben sich gleichfalls bis Abends im Lager einzufinden. Sie haben sich daselbst mit einem Adjutanten und zwei Ordonanzen versehen zu lassen, und werden morgen bei den in Schlachtordnung befindlichen Truppen, Commando's erhalten.
Als Hauptbefehle und Verordnungen mache ich Folgendes bekannt:
Bei dem Erscheinen der ungarischen Armee erfolgt die Allarmirung der Stadt auf meinen Befehl vom Lager aus. Eine weiße Rauchsäule von Sr Stephan wird nächst dem Trommelwirbel das Zeichen sein.
Hierauf haben alle Wehrmänner sich auf ihren Sammelplätzen einzufinden, die Herren Bezirks-Kommandanten die Freiwilligen aufzurufen, welche als Reserve auf das Glacis vor dem Verbrennhause mit den gehörigen Chargen abzuschicken sind.
Dort werden sie von Generalstabs-Offizieren empfangen, und als die Reserve des Lagers aufgestellt. Zur Sicherung ihrer Bezirke haben die Herren Bezirkschefs Betetten an den Außenlinien, Unterstützen und Reserven auszustellen. Die Hauptmacht bleibt in Ruhe in Bereitschaft. Auf Familienväter ist die größte von Billigkeit und Menschlichkeit gebotene Rücksicht zu nehmen. Sie sind zum patrouilliren, zum Wachtdienste im Innern der Bezirke zu verwenden.
Ich stelle die fremden Gesandten, die k. k. und Nationalgebäude, so wie das k. k. Militairgut und deren Personen unter den Schutz der Ehre des betreffenden Bezirks. Für die innere Stadt ist keinerlei Gefahr zu besorgen. Es darf demnach nicht befremden, wenn ich alles Geschütz aus der Stadt im Lager koncentrire. Von dort aus werde ich Hülfe auf die bedrohten Punkte senden.
Damit die Personen meines Hauptquartiers schon von Weitem erkennbar sind, finde ich zu verordnen: Der Ober-Commandant, der Herr General-Lieutenant Bem, Herr Artillerie-Oberst Jelowicki, und die von mir morgen ernannt werdenden Corps-Commandanten tragen weiße Reiherbüsche; alle Herren Offiziere des Generalstabes grüne Federbüsche, dazu die Feldbinde nach früherem Befehle. Der Chef des Haupt-Geschäfts-Bureau wird diese Abzeichen, so wie jene der Garde des Hauptquartiers noch heute in das Lager abliefern. Die Vertheilung daselbst erfolgt durch die Feld-Adjutantur.
So eben erhalte ich die Nachricht, daß die dritte Compagnie des Stubenviertels, unter dem Commando des Herrn Oberlieutenants Brentano, das Ansuchen stellte, sich den mobilen Corps im Lager anzuschließen. Ich fühle mich von dem ausgezeichneten Geiste dieser Compagnie auf das Angenehmste überrascht. Dieses schöne Beispiel von Hingebung wird Nachahmung finden. Ich glaube die ganze Compagnie zu ehren, indem ich ihren Führer Herrn Oberlieutenant Brentano sofort zum Hauptmann ernenne. Dieser trefflichen Compagnie wird die erste Bewachung des Hauptquartiers anvertraut.
In mehreren Bezirken hat sich der Irrthum verbreitet, als würden den unbemittelten Garden für 24stündigen Wachdienst 40 Kreuzer verabfolgt. Solches ist völlig unrichtig. Der Rückersatz darf wohl nicht angesprochen werden, aber dem Herrn Bezirks-Chef Nessel drücke ich allgemein mein tiefes Bedauern aus, daß Unbesonnene sich soweit vergaßen, ihn in kränkenden Verdacht zu ziehen.
Da ich, wie schon erwähnt, heute mein Hauptquartier in das Belvedere verlege, so belasse ich behufs des ungestörten Geschäftsverkehrs mit den hohen Behörden das Central-Geschäfts-Bureau unter Leitung des Herrn Hauptmanns Schneider in der Stallburg.
An dieses Bureau sind sonach alle amtlichen Korrespondenzen, welche nicht militärische Gegenstände betreffen, zu richten, und von da aus wird auch deren Erledigung erfolgen.
Zur Aufrechterhaltung der Disciplin sind bereits von dem hohen Reichstage Disciplinar-Verordnungen erlassen worden.
Sie werden im Laufe des Tages öffentlich bekannt gemacht werden.
Wien, am 17. Oktober 1848.
Messenhauser, provisorischer Ober-Kommandant.
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@facs0623
[ * ] Köln, 21. Okt.
Der Eisenbahnzug, der am Freitag Morgen von Hannover abfuhr, und die Berliner Post enthielt, flog zwischen Haste und Linthorst, kurz vor Stadthagen aus den Schienen; die Lokomotive wurde in den Graben geschleudert, da aber der Tender riß, so geschah dem Zuge selbst nur in so weit Schaden, als mehrere Bagagewagen und der Postwagen zertrümmert wurden. Glücklicherweise ist kein Menschenleben dabei verloren gegangen.
An dem Orte, wo das Malheur vorfiel, waren vor einigen Tagen neue Schienen gelegt, und die Erdarbeiten in Folge dessen noch in unsicherm Zustande.
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@facs0623
Klagen unserer Abonnenten über die vernachlässigte Beförderung der „Neuen Rheinischen Zeitung“ durch die Post.
An die Expedition der „Neuen Rheinischen Zeitung in Köln
In Folge Ihres Avertissements in Nro. 102 der „Neuen Rheinischen Zeitung“ richten wir unterm 9. Oktober c. ein Schreiben an Sie, worin wir Beschwerden führten über die Unregelmäßigkeit in der Lieferung und die Unterschlagung von mehreren Exemplaren der „Neuen Rheinischen Zeitung“ Wir wandten uns dieserhalb schon früher einmal an die Redaktion dieser Zeitung und glaubten jetzt, da wir unsere Beschwerden wiederholten, um so sicherer eine regelmäßigere und vollständigere Lieferung besagter Zeitung erwarten zu können, aber wir sehen uns in unseren Erwartungen auf eine auffallende Weise getäuscht, indem uns die Neue Rheinische Zeitung in dem jetzt begonnenen Quartal so unregelmäßig, so mangelhaft geliefert wird, daß Einem alle Geduld ausgeht und uns eine Unterschlagung unserer Reklamationsbriefe vermuthen läßt. Auf das oben erwähnte Schreiben vom 9. d. M. lösten wir der sichern Beförderung wegen einen Rekommandationsschein ein, erwarteten aber denselben bis heute vergebens, woraus wir sicher schließen müssen, daß dasselbe unterschlagen worden ist. Wir lassen deßhalb diesen Brief unter einer anderen Adresse über Mülheim a. Rhein laufen, damit unsere Beschwerden endlich an den Ort ihrer Bestimmung gelangen werden.
Zur Begründung derselben lassen wir eine Bescheinigung der hiesigen Postexpedition folgen, mit dem Ersuchen, bei der resp. Postbehörde höhern Orts die geeigneten Schritte zu thun, damit die betreffenden Postbeamten der gerechten Strafe nicht entgehen und der anmaßenden Frechheit derselben endlich ein Ziel gesetzt wird. Im Falle Sie den quest. Brief nicht erhalten haben, was übrigens keinem Zweifel mehr obliegen kann, und die Unterschlagung desselben geeigneten Orts nicht weitre verfolgen wollen, so bitten wir Sie, uns dieses gefälligst mittheilen zu wollen, damit wir auf Grund Ihrer Erklärung und der Bescheinigung der hiesigen Postexpedition die betreffenden Postämter bei dem General-Postamt in Berlin in begründeter Weise verklagen können.
Schließlich bitten wir Sie noch, die in der eben besagten Bescheinigung angeführten Exemplare der „Neuen Rheinischen Zeitung“ falls Sie dieselben noch vorräthig haben, uns nachträglich gefälligst zusenden zu wollen.
Hochachtungsvoll
Kirchberg auf'm Hunsrücken, 16. Oktober 1848.
Jul. Junk, Geometer.
Kanditat Franz Junk. Baue.
Auf Verlangen des Abonnenten der „Neuen Rheinischen Ztg.“, Julius M. Junk, bescheinigt die hiesige Postexpedition, daß derselben die Nummern 31, 99, 113, 115 und die Beilagen zu Nr. 114 und 117 der „Neuen Rheinischen Zeitung“ bis heute nicht geliefert worden, daß ferner die übrigen Beilagen dieser Zeitung sehr selten mit denjenigen Blättern erschienen, zu welchen sie gehörten, sondern ganz unregelmäßig und meistens einige Tage später, als sie geliefert werden mußten, und daß endlich der Abonnent etc. Junk am 9.Oktober c. einen Reklamations-Brief an die Expedition der „Neuen Rheinischen Zeitung“ hier auf die Postexpedition abgegeben hat, wovon der eingelößte Recommandationsschein der hiesigen Postexpedition bis heute noch nicht zur Abgabe an etc. Funk zugesandt wurde.
Kirchberg, 16. Oktober 1848.
Post-Expedition.Bordolb.
Einer unserer Abonnenten in London beklagt sich bitter über die lüderlich Besorgung der „N. Rh. Ztg.“ durch die Postbehörden des Auslandes. Er behauptet, die an verschiedenen Orten aufgedruckten Poststempel führten den unwiederleglichen Beweis, daß nur die Postbehörden Schuld an aller Lüderlichkeit seien.
Wir fordern die Postbehörden des Auslandes auf, ihre Pflicht zu thun, und nicht mehr die Privat-Anstalt einiger Wenigen zu sein.
Münster-Maifeld, den 20. Oktober 1848.
‒ ‒ ‒ „Um nur eins hier anzuführen: Am 17. d. M. erhielten einzelne Ihrer Abonnenten kein Exemplar; die Beilage fehlte überall und nun heute am 20. schickten Sie an alle Abonnenten das alte Blatt vom 17. und das heutige wurde vergessen. In ihrem eigenen Interesse habe ich daher übernommen, im Namen Ihrer hiesigen Abonnenten Beschwerde zu führen, indem wir uns der Hoffnung hingeben, in Zukunft eine permanente Regelmäßigkeit in der Versendung bewirkt zu sehen.
Ihr Abonnent G.“
Wir bemerken zu dieser Klage, daß von unserer Seite die Zeitung mit der größten Pünktlichkeit expedirt wird, die Schuld also auf Seiten der Post liegt. ‒ Wir werden dagegen klagen.
Calcar, den 19. October 1848.
Am 9. d. Mts. habe ich bei dem hiesigen Post-Expediteur Hangkamer die „Neue Rheinische Zeitung“ für das jetzige Quartal bestellt und bezahlt. Bis jetzt habe ich dieselbe nicht erhalten, obschon der etc. Hangkamer nach seiner Aussage wiederholt darum geschrieben hat. ‒
Mein Ersuchen geht nun an die verehrliche Redaktion, mich baldigst die Gründe wissen zu lassen, weshalb mir die Zeitung nicht zugekommen ist und ob vielleicht der Post-Expediteur dieselbe nicht bestellt hat.
P. J.
Die hiesige Ober-Post-Amts-Zeitungs-Expedition, die stets mit der größten Pünktlichkeit die Bestellungen für unsere Zeitung besorgt hat, bestellte das Exemplar für Calcar am 19. d. Mts.; die Schuld wird also wohl an Hrn. Hangkamer in Calcar liegen.
Unsere Abonnenten in und um Trier beschweren sich über die absichtliche Nachlässigkeit in der Besorgung unserer Zeitung durch die Post-Anstalten.
Aus Neisse in Schlesien kommt uns die Klage zu, daß unsere Zeitung förmlich nach dem Gutdünken der Post-Anstalten, ‒ die eine Art von Censur auszuüben scheinen ‒ häufig gar nicht, oder sehr verspätet ausgegeben wird.
Recklinghausen, den 19. October 1848.
An die Redaktion der „N. Rh. Ztg.“
Zehnmal habe ich schon hier schriftlich bei der Post Reklamation eingelegt, weil die „N. Rh. Ztg.“ entweder ganz oder doch zeitweise ausblieb. Ist Ihnen keine dieser Reklamationen zugekummen? ‒
Nr. 119 ist ganz ausgeblieben und Nr. 120 erhalte ich eben Mittags 2 Uhr. Woran liegt die Schuld? (An den Postbehörden der dortigen Gegend.)
Mit vorzüglicher Hochachtung
der Ihrige W. B.
Siegen, den 20. October 1848.
Als Abonnent der „Neuen Rheinischen Zeitung“ und selbst in deren Interesse muß ich mich nochmals an löbliche Direktion wenden mit der Bitte, dafür Sorge zu tragen, daß die Zeitung regelmäßig befördert wird. ‒
In unseren bewegten Zeiten muß den Abonnenten der öffentlichen Blätter natürlich viel daran gelegen sein, mit den Ereignissen schleunigst vertraut zu werden; es ist daher sehr unangenehm einen Tag keine Zeitung und den andern denn zwei zu erhalten.
Tritt in dieser Beziehung bei der „N. Rh. Ztge.“ nicht größere Pünktlichkeit ein, so werden die Abonnenten sich natürlich vermindern aber nicht mehren.
Ergebenst C. Sch.
Die Namen der Kläger sind in unserer Expedition einzusehen.
Köln, den 21. Oktober 1848.
Die Expedition der „N. Rh. Ztg.“
Handels-Nachrichten.
gap: insignificant
[0624]
[Anzeigen]
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Brodpreis der Stadt Köln.
Vom 22. bis zum 28. Okt.
Ein Schwarzbrod von 8 Pfd. soll kosten 4 Sgr. 8 Pf.
Köln, 22. Okt. 1848.
Der interimistische Polizei-Direktor, Geiger.
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Civilstand der Stadt Köln.
Den 18. Oktober 1848.
Geburten.
Den (17.) Math., S. v. Jacob Aderhunck, Anstr, Thieboldsgasse.
Cathar., T. v. Jacob Gerhartz, Steinhauer, Entenpf. ‒ Gustav Friedr., S. v. Gustav. Dürselen, Kfm., Waisengasse. ‒ Doris, T. v. Karl Stein, Banquier, Neumarkt. ‒ Heinr., S. v. Aloys Weingarten, Kleiderm., Straßburgergasse.
Sterbefälle.
Anna Schäfer, 1 J. 3 M. alt, kl. Sandkaul. ‒ Ida Ther. Korsten, Wittwe Siebertz, 67 J. alt, Blaubach. ‒ Friedr. Phil. Becker, ohne Gew., früher Friseur, 74 J. alt, verheir., Sterneng ‒ Jos. Mann, 5 J. alt, Römerg. ‒ Wilhelm, Schmidt, Wittwe Huthmann, 81 J. alt, Poststr. ‒ Anselm Heymann, ohne Gew., 87 Je alt, Wittwer, Hahnenstr. ‒ Cathar. Dreesch, Wittw Heckenrath, 76 J. alt, Minoritensp.
Heirathen.
Hieron. Schnell, Zuckerarb, v. Rudersdorf, und Maria Elisab. Rämer, v. Rüscheid. ‒ Heinr. Baum, Steinmetz, v. hier, und Anna Cathar. Ginzler, v. Lohrsdorf. ‒ Wilh. Weber, Schneider, und Christ. Eichhoff, beide von hier. ‒ Wilh. Collin, Leimsieder, v. hier, und Anna Maria Fuhr, v. Weldergoven. ‒ Heinr. Rick, Gärtnerknecht, v. Wormersdorf, und Sus. Cathar. Oebel, v. Frechen. ‒ Peter Jos Schiesser, Schneider, v. Niehl, und Maria Cathar. Hergarten, Wittwe Stricker, von Berzdorf. ‒ Gottfr. Neumann, Post-Kondukteur, Wittwer, v. Dalkau, und Friedr. Wilh. Neuhoff, v. Altenkirchen ‒ Herm. Jos. Kleinagel, Tagl., Wittwer und Anna Maria Calenberg, beide v. hier. Wilh. Jos Peters, Bildhauer, v, Düsseldorf, und Helena Sophia Huberta Huklenbroich, v. Neuß. ‒ Joh. Heinr. Samnen, Hutmacher, Wittwer, und Anna Maria Bottem, Wittwe Freidel, beide v. hier. ‒ Friedr. Aug. Müseler, Rechnungsführer und Feldwebel, v. Guben, und Margar. Henr. Frieder. Momburg, v. Dierdorf. ‒ Math. Pütz, Büchsenm., v. Hersel, und Doroth. Cosmann, v. hier.
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Bekanntmachung.
Die Lieferung nachstehender Viktualien- und Wirthschaftsbedürfnisse für die hiesigen Wohlthätigkeits-Anstalten soll auf dem Wege schriftlicher Submissionen an den Wenigstfordernden verdungen werden, als:
95,300Pfd. Ochsenfleisch.
32,000Pfd. Kalbfleisch.
13,200Pfd. Nieren- oder Rinderfett.
9,900Pfd. geräuchertes Speck.
550Pfd. Schweine Schmalz.
300Centner Weizenmehl.
140Centner Weizengrütze.
95Centner Hafermehl.
100Centner Hafergrütze.
45Centner Hirsen.
690Centner ordin. Gersten-Graupen.
450Centner Reis.
63Centner gebackene Pflaumen.
54Centner Kaffe, gelber Cheribon.
13Centner weißen Kochzucker, Farin.
585Centner trockene Erbsen.
740Centner trockene Bohnen.
970Centner trockene Linsen.
3Centner Pfeffer.
6Centner Pottasche.
1150Pfd. Melis.
550Quart Baumöl.
1250Quart gereinigtes Brennöl.
300Quart Rüböl.
55Ohmen Weinessig.
4Ohmen Weingeist.
15Ohmen Branntwein.
374Pfd. Talglichte.
7/8Tonne grüne Seife.
196Klaster Scheitholz.
183Schock Stroh.
31,000Pfd. Heu.
20,000Stück Lohkuchen.
Lieferungslustige Unternehmer werden eingeladen, ihre verschlossenen Submissionen bis zum 3. November c. unter der Aufschrift „Submission für die Lieferung der Victualien etc.“ auf dem Sekretariate der Armen-Verwaltung an der Cäcilienstraße hierselbst abzugeben. Die Verwaltung behält sich die Wahl unter den 3 Mindestfordernden vor. Nachgebote werden nicht angenommen; dagegen hat jeder Submittent von den Bedingungen Kenntniß zu nehmen und dieselben durch seine Namensunterschrift anzuerkennen; im andern Falle kann auf dessen Submission keine Rücksicht genommen werden. Die Eröffnung der Submission findet Statt Freitag den 3. November c., Nachmittags 4 Uhr.
Köln, den 18. Oktober 1848.
Die Armenverwaltung II. Abth.
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Herr J. G. Langerfeld beabsichtigt auf dem an der Josephsstraß sub Nr. 13 ‒ gelegenen Grundstücke eine Destillerie anzulegen.
Nach Maßgabe der Bestimmungen der allgemeinen Gewerbeordnung vom 17. Januar 1845 und der Verfügung der königlichen Regierung vom 20. huj., werden demnach diejenigen, welche glauben, gegen dieses Etablissement ein Interesse geltend machen zu können, hiermit aufgefordert, ihre Einsprüche binnen einer präklusivischen Frist von 4 Wochen dem königl. Polizei-Kommissariat der 1. Sektion, (Landsbergerstraße), schriftlich anzuzeigen.
Köln, 21. Oktober 1848.
Königl. Polizei-Direktion.
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Kölnischer Kunstverein.
General-Versammlung.
Die resp. Mitglieder des Kunstvereins werden zu der Sonntag den 29 dieses Monats, Morgens um 11 Uhr, in dem großen Rathhaussaale Statt findenden General-Versammlung ergebenst eingeladen, in welcher der Jahres-Bericht erstattet und die statutmäßige Wahl des Verwaltungs-Ausschusses vorgenommen wird.
Köln, 12. Oktober 1848.
Im Namen des Direktoriums, der Sekretär Dr. Ernst Weyden.
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Kölnischer Kunst-Verein.
Die zehnte Kunst-Ausstellung
auf dem Saale Gürzenich ist jeden Tag von Morgens 9 bis Abends 6 Uhr geöffnet. Eintrittspreis für die Wochentage 5 Sgr, für Sonn- und Feiertage 2 1/2 Sgr. Das Personal-Abonnement für die Dauer der Ausstellung 1 Thaler. Verzeichnisse der ausgestellten Kunstwerke sind zu 5 Sgr. am Ausgange zum Saale bei St. Alban zu haben.
Anmeldungen zu Aktien können auf dem Saale in die dazu bereit liegenden Listen eingeschrieben werden.
Dr. Ernst Weyden, Sekretär.
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Versteigerung.
Am Montag den 23 Oktober 1848, Vormittags 9 Uhr, sollen auf dem Markte zu St. Aposteln in Köln, verschiedene Hausmobilien, als: Tische, Stühle, Spiegel, Ofen, Sopha etc., sodann 1 Theke, 1 Kleider resp. Tuchgestell u. s. w., gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher, Clören.
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Der Freischaaren-Feldzug in Schleswig-Holstein und Jütland.
Von einem Freiwilligen des von der Tann'schen Korps.
Der im Frühjahr d. J. an die Jugend Deutschland's ertönende Hülferuf Schleswig-Holstein's veranlaßte mich, um meinen bedrängten deutschen Brüdern mit gewaffneter Hand zu Hülfe zu eilen, meine in Berlin innehabende Komptoirstelle aufzugeben, und mich den von dort abgehenden Freikorps anzuschließen. Unter Führung unseres tapferen v. d. Tann kämpfte ich in den siegreichen Gefechten bei Altenhof und Hopdrup, und wurde bei Auflösung sämmtlicher Freikorps in die Heimath entlassen. Die jetzige Handelskrisis ließ mich weder in Berlin, Hamburg, Bremen oder in Frankfurt a. M., noch in anderen Handelsstädten eine Stellung finden. Durch die Reise sind meine Mittel erschöpf, ich ergriff deßhalb die Feder, schrieb eine getreue Schilderung unseres Feldzuges, durch dessen Herausgabe mir für den Augenblick eine ehrenhafte Existenz zu sichern, und erlaube mir daher hiermit die patriotischen Bürger Köln's zu ersuchen, mich durch recht zahlreiche Subscription auf dieses kleine Werk gütigst unterstützen zu wollen.
Der Preis desselben ist 10 Sgr. pro Exemplar.
Wilhelm Roller, Kaufmann, früher Freiwilliger im v. d. Tann'schen Korps.
Köln, im Oktober 1848.
Eine Subscriptionsliste liegt zum Unterzeichnen in der Expedition der „Neuen Rheinischen Ztg.“, unter Hutmacher Nr. 17, auf.
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Freie Volksblätter
erscheinen wöchentlich 3 Mal. ‒ Pränumerations-Preis für Köln und Mülheim 15 Sgr.; auswärts durch die Postanstalten bezogen 18 3/4 Sgr. pro Quartal.
Freunde der demokratischen Sache werden zum Abonnement freundlichst eingeladen. ‒ Die bereits erschienenen Nummern dieses Quartals werden nachgeliefert.
Cöln, den 14. Oktober 1848.
Der Herausgeber, Bernh. Dietz.
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Bei J. W. Dietz in Köln ist erschienen und in Welter's Buchhandlung (Gebr. Stienen, Hochstraße Nr. 160, zu haben:
Austritt dreier Offiziere aus der preussischen Armee nach der März-Revolution.
Von Wülfing, Attaché der deutschen Gesandtschaft in Bern, Lieutenant a. D.
Ohne die ausgedehntesten volksthümlichen Reformen in der Armee haben wir keine Garantie für die Freiheit.
Preis 5 Sgr.
Ein höchst interessantes, empfehlenswerthes Schriftchen, welches mit ungemeiner Schärfe und Klarheit einen Vorfall bespricht, der nach den Errungenschaften des März nicht mehr hätte vorkommen dürfen, und zugleich von den Ansichten des Militärs über Diensteid etc., sowie dem reaktionären Geiste desselben, bündiges Zeugniß gibt.
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Berlin: Oekonomie-Administratoren ‒ Wirthschafts-Inspektoren ‒ Forst- und Domainen-Beamte ‒ Rentmeister ‒ Sekretaire ‒ Oberkellner ‒ Brennerei-Verwalter ‒ Braumeister ‒ Destillateure ‒ Fabrikaufseher und herrschaftliche Diener können sehr einträgliche und dauernde mit hohem Gehalt verbundene Stellen erhalten. Näheres auf briefliche Meldungen in der Agentur des Apothekers Schultz in Berlin, Alexanderstraße N. 63.
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Weinmost.
Von heute an verzapfe ich Weinmost die Flasche zu 5 Sgr. Salzgasse Nr. 10.
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Rheinische Eisenbahn.
Fahr-Ordnung vom 21. Oktober 1848 an.
Von Köln nach Aachen und Belgien.
6 3/4UhrMorgens, nach ganz Belgien, Anschluß in Brüssel an den Nachtzug nach Paris.
10UhrVormittags, bis Brüssel, Antwerpen und Gent.
2 1/2UhrNachmittags, bis Lüttich.
6UhrAbends, bis Aachen
Von Aachen nach Köln und nach Belgien.
6 1/2UhrMorgens, nach Verviers und Lüttich.
7UhrMorgens, nach Köln.
9 1/2UhrMorgens, nach ganz Belgien, Anschluß in Brüssel an den Nachtzug nach Paris.
11 1/2UhrVormittags, nach Köln.
12 1/2UhrMittags, nach Brüssel, Antwerpen und Gent.
3 1/4UhrNachmittags nach Köln.
5 1/2UhrNachmittags nach Verviers und Lüttich.
6 1/4UhrAbends nach Köln.
Die Direktion.
Bemerkung. Die Stations-Uhren werden nach der Kölner Post-Uhr gerichtet und sind für die Abfahrt der Züge maßgebend.
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Vereinte Weser-Dampfschifffahrt.
Die Fahrten der Dampfschiffe zwischen Ha. Münden und Hameln bestehen in bisheriger Weise. Die Fahrten zwischen Hameln und Pr. Minden werden vom 20. d. M. an, wegen zu geringer Benutzung durch das Publikum eingestellt. Auswanderer und andere Reisende werden jedoch auf den 1. und 15. jeden Monats, als den gewöhnlichen Abgangstagen der Seeschiffe, von Ha. Münden bis Bremen auf Kosten der Gesellschaft befördert.
Das Nähere ergeben die auf den Schiffen, Agenturen, Eisenbahnen, Posten, in den Redaktions-Bureaus, einzusehenden Fahrpläne.
Preis für Auswanderer von Ha. Münden bis Bremen 2 Thaler.
Hameln, den 16. Oktober 1848.
Die Direktion
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Bonn-Kölner Eisenbahn.
Vom 15. Oktober 1848 ab fahren die Züge täglich:
Von Köln nach Bonn:
6 1/2,10,11 1/2 Uhr Vormittags.
2 1/2,5 Uhr 10 Minuten,7 1/2 Uhr Nachmittags.
Von Bonn nach Köln:
7,8 3/4,12 Uhr Vormittags
2 Uhr 20 Min.5,7 Uhr 20 Min. Nachm.
Die Direktion.
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Rheinische Dampfschifffahrt.
Kölnische Gesellschaft.
Tägliche Abfahrten von Köln:
Schnellboot5 1/4Morgens nach Mainz.
Schnellboot5 1/2Morgens nach Arnheim.
Schnellboot9 3/4Morgens nach Koblenz, Anschluß an die 1. Züge von Aachen, Düsseldorf-Elberfeld.
Schnellboot10Abends nach Mannheim, Anschluß an die direkten Züge von Belgien, Paris, Berlin etc.
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Dampfschifffahrt für den Nieder- und Mittelrhein.
Düsseldorfer Gesellschaft.
Die Nachtfahrt von hier nach dem Oberrheine ist bis auf Weiteres ausgesetzt.
Köln, den 21. Okt. 1848.
Die Haupt-Agentur.
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Mosel-Dampfschifffahrt.
Täglicher Dienst.
Abfahrt von Trier Morgens um 5 Uhr.
Abfahrt von Koblenz (nach Ankunft der Nachtboote von Köln) Morgens um 6 Uhr.
Trier, den 24. August 1848. Die Direktion.
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Dampfschifffahrt zwischen Bremen und New-York.
Das amerikanische Post-Dampfschiff Washington, Capt. Johnston, wird am 25. Okt. von der Weser nach New-York abgehen.
PassagepreisnachNew-Yorkin1. CajüteThlr. Gold 195,
PassagepreisnachNew-Yorkin2. CajüteThlr. Gold 100.
PassagepreisnachSouthamptonin1. CajüteThlr. Gold 25
Für Kinder und Domestiken in erster Cajüte die Hälfte.
Güterfracht 25 und 35 Dollars per 40 Cub.-Fuß mit 5 pCt. Primage.
Die zweite Cajüte ist für diese Reise besetzt. Näheres bei
C. A. Heineken et Comp. in Bremen, Agenten der Oc. Steam Rav. Comp.
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Die Leipziger Feuer-Versicherungs-Anstalt versichert alle Mobilar- und Immobilar-Güter, auch Fruchthaufen auf freiem Felde, so wie die Waaren auf der Reise begriffen zu den der Gefahr angemessenen billigst gestellten Prämien-Sätzen. Meine Herren Hülfsagenten, die dem verehrlichen Publikum bereits bekannt, sind stets bereit, Anträge entgegen zu nehmen, um mir solche zur Ausfertigung der Policen einzusenden und über die Bedingungen genügende Auskunft zu ertheilen.
Alle Versicherungen bis zu sehr bedeutenden Summen werden durch mich in Vollmacht und im Namen der Anstalt sofort gezeichnet und sind von dem Augenblicke an, wo die Prämie gegen Aushändigung der Police bezahlt ist, in Obligo für die Anstalt.
Köln, im August 1848.
Der General-Agent der Leipziger Feuer-Versicherungs-Anstalt für die Regierungs-Bezirke Köln und Koblenz.
Mainone.
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Neuer Wein.
1848r Rheinbreitbacher Bleichart à 6 Sgr. per Quart.
Brückenstraße Nro. 7.
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Das Haus Entenpfuhl Nr. 31 ‒ steht zu verkaufen. Im Hause selbst das Nähere.
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Bollwerk Nr. 15 wird ein gutes Klavier zu miethen gesucht.
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Bekanntmachung.
Durch die allerhöchste Kabinets-Ordre vom 8. April d. J. (Gesetzsammlung Nr. 14) ist das Porto für Papiergeld (Kassen-Anweisungen etc.) und Staatspapiere bei Versendung mit der Post bedeutend ermäßigt worden- Es ließ sich erwarten, daß in Folge dessen die Versendung, namentlich von Kassen-Anweisungen, ohne Deklaration aufhören, oder sich doch vermindern würde, und zwar im eigenen Interesse des Publikums, weil wenn Briefe mit nicht deklarirten Kassen-Anweisungen verloren gehen, gesetzlich kein Ersatz gewährt wird. Jene Erwartung hat sich jedoch nicht erfüllt, im Gegentheil mehren sich die Reklamationen wegen Verlust von dergleichen undeklarirt abgesandten Papieren Insoweit bei der Versendung undeklarirten Papiergeldes nur eine Porto-Ersparniß beabsichtigt wird, scheint ganz übersehen zu werden, daß der dadurch zu erlangende Vortheil verglichen mit der geringen Mehrausgabe für deklarirte Geldsendungen fast durchgehends ganz unerheblich ist, jedenfalls aber mit der Gefahr, bei unterlassener Deklaration in keinem Verhältnisse steht:
So kostet beispielsweise:
ein Brief von Köln nach Bonn, mit 50 Thlr. Kasten-Anweisungen, 1 1/4 Loth schwer,
undeklarirt 2 Sgr.,
deklarirt 2 1/4 Sgr., mehr 1/4 Sgr.
ein Brief von Köln nach Minden mit 100 Thlr. Kassen-Anweisungen, 2 1/2 Loth schwer,
undeklarirt 9 Sgr.,
deklarirt 10 Sgr., mehr 1 Sgr.
ein Brief von Köln nach Berlin mit 200 Thlr. Kassen-Anweisungen, 2 Loth schwer,
undeklarirt 12 1/2 Sgr.,
deklarirt 16 1/2 Sgr., mehr 4 Sgr.
Das General-Postamt hält sich für verpflichtet, das Publikum hierauf aufmerksam zu machen.
Berlin, den 21. Juni 1848.
General-Postamt.
(gez.) v. Schaper.
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Eine bedeutende Auswahl in Winterhandschuhen zu jedem Preise erhielt und bietet dieselben zur geneigten Abnahme an:
P. Leurs Sohn, Schildergasse Nr. 14
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ENGLISCHER HOF in Cöln.
Casinostrasse Nr. 1.
Empfiehlt einem reisenden Publikum auf's Angelegentlichste.
Herm. Jos. Thibus.
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Frisches Mainzer Sauerkraut.
Per 1/8 Ohm Thlr. 1. 1/4 Ohm Thlr. 2.
1/2 Ohm Thlr. 3 25 Sgr.
Schöne Kastanien zu haben bei F. G. Schädler, Pfannenschläger Nr. 15.
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Glace-Damenhandschuhe zu 8 Herrenhandschuhe zu 10 Sgr. so wie ganz feine Ziegenlederne Handschuhe empfiehlt in großer Auswahl
P. Leurs Sohn.
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Ein besonders gut empfohlener braver Handlungsgehülfe der in verschiedenen Geschäftszweigen gearbeitet hat, wünscht recht bald eine Anstellung und sieht nicht so sehr auf hohes Salair als auf eine freundliche Behandlung. Die Expedition sagt welcher.
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Futter gegen Ratten, Mäuse, Wanzen und Schwaben Thurnmarkt Nr. 39.
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Theater-Anzeige.
Fünfte Vorstellung des Balletmeisters Herrn Martin und Frau Martin-Zimmann, erste Tänzerin des kgl. Theaters St. Carlos in Lissabon.
1. Zum Erstenmale:
Neues Pas de deux.
Gesetzt von Herrn Martin; getanzt von demselben und Frau Martin-Zimmann. Musik von Mayfeder.
2. Zum Erstenmale:
L'Andalouse.
Spanischer Tanz
Gesetzt von Herrn Martin; ausgeführt von Frau Martin-Zimmann, Musik von Lindpaintner.
3. Zum Schluß:
Nouvelle Tyrolienne.
Pas de caractère.
Gesetzt von Herrn Martin, getanzt von demselben, Frau Martin-Zimmann und Frl. Lina Gärtner.
Musik von Francesco Pinto.
Freischütz.
Oper in 4 Akten von M. v Weber.
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W. Dietz, unter Hutmacher 17.