[0677]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 134. Köln, Samstag den 4. November. 1848.
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Zu Nr. 133 der „Neuen Rheinischen Zeitung“ ist am Freitag, 3. November, Morgens eine zweite Beilage ausgegeben und so viel als thunlich versandt worden; ein Theil der geehrten auswärtigen Abonnenten erhält dieselbe mit dieser Nummer. Die Expedition der „Neuen Rhein. Ztg.“
Uebersicht.
Deutschland. Düsseldorf. (Eine Bataille). Berlin. (Die Sturmpetition und ihr Schicksal. ‒ Das Jagdgesetz. ‒ Pfuel. ‒ Die Abschaffung des Adels. ‒ Eichmann's Erlaß). Aus dem Mecklenburgischen (Hegel II.) Aus dem deutschen Reiche. (Fürst Heinrich LXXII. Lippe-Detmold).
Italien. Turin. (Die „Concordia“ über Garibaldi. ‒ Die obre Lombardei und das Beltlin im Aufstande).
Schweiz. Basel. (Metternich aus Straßburg verwiesen).
Franz. Republik. Paris. (Pariser Zustand. ‒ Bourgeois und Arbeiter. ‒ Theater Dumas. ‒ Die „Presse“ und der „National.“ ‒ Vermischtes).
Dänemark. Kopenhagen. (Reichstag).
Egypten. (Ibrahim Pascha).
Amerika. New-York. (Die Wahlen. ‒ Magee. ‒ Handelsnachrichten.
Canada. ‒ Quebeck). Mexiko. (Paredes und Bravo. ‒ Cuba).
Asien. Bombay. (Die Belagerung von Mooltan aufgegeben. ‒ Abfall Shere Singh's. ‒ Rückzug General Whish. ‒ Truppenbewegungen. ‒ Handelsnachrichten).
Deutschland.
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[ 109 ] Düsseldorf, 2. Nov.
Gestern hat sich hier eine kleine Bataille ereignet, welche, so heiter auch ihr Ausgang war, dennoch auf eine wahrhaft empörende Weise zeigt, wie noch ganz wie ehedem im alten Polizeistaat, die unverschämtesten und brutalsten Mißhandlungen bei unsrer Polizei und Gensdarmerie an der Tagesordnung sind. Hören Sie, auf welche Weise die Düsseldorfer Polizei die vor Kurzem erst erlassene Habeas-Corpus-Acte respektirt. Vorgestern Abend traf bei dem hiesigen Polizei-Inspektor Zeller die Denunciation ein, daß sich der flüchtige Redakteur der N. Rhein. Ztg. Heinrich Bürgers in Düsseldorf im Hause der Gräfin Hatzfeld befinde. Gestern früh erscheint ein Lohndiener aus dem Europäischen Hofe im Hause der Gräfin mit der Bestellung, ein aus Köln angekommener Herr wünsche Herrn Bürgers auf's Eiligste und ohne jeden Verzug zu sprechen. Wie fein! Hrn. Bürgers aber, wenn er sich anders wirklich im Hause der Gräfin befand, war diese Unterredung nicht so eilig, sie schien ihm überhaupt nicht wünschenswerth zu sein; kurz, er begab sich nicht zu dem Rendezvous mit den Dienern der heiligen Hermandad, zu welchem er so freundlich eingeladen war. Die Polizei, da Herr Bürgers ihre Aufmerksamkeitsbezeugungen so schnöde unerwidert ließ, beschloß andere Maßregeln zu ergreifen.
Nachmittags kurz vor 5 Uhr erscheint ein Polizeikommissar mit zwei Sergeanten und einem Gensd'armen am Hause der Gräfin von Hatzfeldt, erzwingen mit Gewalt und unter Mißhandlung des erschreckten Hausmädchens, welches die Thür nicht öffnen will, den Eintritt, und stürmen die Treppe hinauf. Kaum hatte die Gräfin, welche sich grade beim Diner befand, Zeit, durch den Lärm avertirt, vom Tisch aufzuspringen und sich mit Hrn. Lassalle und ihrem Sohne vor die Thür des Speisezimmers zu postiren, in welchem sich Hr. Bürgers jedenfalls wohl befunden haben würde, wenn er wirklich im Hause war. Die heranstürzende Polizeimannschaft begehrte stürmisch Einlaß ins Zimmer, um Herrn Bürgers zu sahen.
Die Gräfin erklärte, daß nach den in der unlängst publizirten Habeas-Corpus-Akte enthaltenen Bestimmungen über die Unverletzlichkeit des Domizils, die Polizei nur dann gegen den Willen des Hausbesitzers in ein Haus eindringen dürfe, wenn sie einen richterlichen Befehl vorzeige, der sie dazu ermächtige. Die Polizisten aber erwiederten, dies seien überflüssige Formalitäten, sie seien herbeordert, um eine Haussuchung zu halten, und würden das mit Gewalt durchsetzen.
Unmöglich kann ich Ihnen den Höllenskandal beschreiben, der sich jetzt erhob. Auf die wiederholte Protestation der Gräfin, ohne richterlichen Befehl die Polizisten keinen Schritt vorwärts zu lassen, ergossen sich diese in eine Fluth der rohesten Beleidigungen gegen die Gräfin und Hrn. Lassalle, drohten mit den Fäusten und schickten sich an, Gewalt zu brauchen. Die Gräfin, da alle Berufungen auf Recht und Gesetz unnütz blieben, befahl jetzt ihren Bedienten die vorgesetzte Behörde, den Hrn. Polizeiinspektor Zeller, herbeizuholen. Das aber wollten die Polizisten, im Bewußtsein der Brutalitäten, welche sie sich bereits hatten zu Schulden kommen lassen, um jeden Preis verhindern. Der Polizeikommissar eilte die Treppe hinunter und verbot dem an der Hausthür stehenden Gensd'armen irgend Jemand zum Hause hinauszulassen. Als Hr. Lassalle erklärte, selbst sich zum Polizeiinspektor begeben zu wollen und hierzu die Treppe hinunterstieg, stürzte ihm der Polizeikommissar entgegen, packte ihn an der Kehle und riß ihn zu Boden. Sein ihm zu Hülfe eilender Diener wurde von den andern Polizisten mit Faustschlägen mißhandelt. Die Gräfin selbst wurde von dem Polizeikommissar mit Fäusten angepackt, herumgestoßen und so empfindlich am Arm gedrückt, daß sie ein in allen Farben schillerndes Andenken davon behielt. Als es ihr und Hrn. Lassalle dennoch gelang, das Hausthor zu erreichen, zog der daselbst postirte Gensd'arm seinen Säbel zur Hälfte, stieß die Gräfin vor die Brust und rief donnernd, weder die Gräfin noch Hrn. Lassalle oder sonst Jemand zum Hause hinaus zu lassen. Auf ihre desfallsige Frage, ob sie eine Gefangene in ihrem Hause sei, wurde dieselbe nebst ihrer ganzen Hausgenossenschaft vom Polizeikommissar förmlich zu Gefangenen in ihrem eigenen Hause erklärt! So oft Jemand den Versuch wiederholte, sich zum Haus hinauszubegeben um den Polizeiinspektor zu holen, wurde er von den Polizisten durch körperlichen Widerstand daran gehindert und mit Fäusten zurückgestoßen.
Inzwischen überzeugten sich die Polizisten durch den Löwenmuth, mit welchem die Gräfin den innern Eingang vertheidigte und durch die beständigen Versprechungen des Hrn. Lassalle, Ihnen die „schönste Kriminalanklage von der Welt“ anhängig machen zu wollen, etwas abgekühlt, daß sie ohne weitere Verstärkung nicht im Stande sein würden, die Haussuchung zu erzwingen. Da nun inzwischen bereits ein Hausbewohner über die hintere Gartenmauer entkommen war um den Polizeiinspektor zu holen, wurde jetzt auch von Seiten der Polizei nach diesem geschickt. Als Hr. Zeller erschien, endete der tosende Lärm, welchen die Polizeibeamten bis dahin gemacht hatten und die Scene nahm einen mehr parlamentarischen Charakter an. Hr. Zeller fommirte die Gräfin mehremal feierlichst, die Haussuchung zu gestatten. Die Gräfin erklärte eben so feierlichst unter Bezugnahme auf die Habeas-Corpus-Akte, keine Haussuchung zu dulden, die nicht auf Grund eines besondern richterlichen Befehls, der hierzu autorisire, vorgenommen werde. Hr. Zeller zog den gegen Hrn. Bürgers erlassenen Steckbrief aus seiner Tasche und wollte diesen als einen solchen Befehl geltend machen. Die Gräfin erklärte, daß ein Steckbrief gegen einen beliebigen Menschen ‒ deren die Polizei ja stets zu Dutzenden besitzt ‒ kein passe par tout durch die Häuser aller Bürger sei, in welchem Falle die Bestimmungen über die Unverletzlichkeit des Domizils in der Habeas-Corpus-Akte rein illusorisch wären, daß vielmehr ein die Haussuchung verfügender spezieller richterlicher Befehl von nöthen sei. Hr. Zeller erklärte im Nothfall Gewalt anwenden zu müssen und die Gräfin erklärte, daß sie sich einer gewaltthätigen und illegalen Haussuchung mit derselben Gewalt widersetzen werde. Da unterdeß eine Masse Publikum vor das Haus herbeigeströmt war, hätte letzterer Erklärung sehr wohl ein geeigneter Nachdruck gegeben werden können.
„Inzwischen ‒ mitten unter allen diesen Erklärungen und Gegenerklärungen ‒ schlug die dumpfe Geisterstunde“ nehmlich 6 Uhr, wo, wie Sie wissen, der Polizeispuck verschwinden muß. Wie Bertram in Robert dem Teufel wenn die Glocke Eins schlägt, verschwanden die Polizeidämonen und Bürgers wenn er wirklich im Hause war, war gerettet. Nur 14 Gensdarmen wurden in die dem Hause gegenüberliegenden Gesträuche versteckt um das Entfliehen Bürgers zu verhindern.
Inzwischen hatte sich in der Stadt das Gerücht von den stattgehabten Vorgängen verbreitet, man erzählte: die Gräfin, ihr Sohn, Herr Lassalle wären verhaftet worden, und so fanden sich denn gegen 10 Uhr Abends an hundert Bürger und Arbeiter ‒ eine Vereinigung so ausnehmend handfester Männer, wie ich sie selten gesehen habe, ‒ vor dem Hause der Gräfin ein. Nach einem Hoch auf die Gräfin, ausgebracht um sie für die erlittnen Mißhandlungen zu entschädigen und einem Hoch auf Herrn Bürgers aus Köln wurden die Massen, um diese Artigkeit zu vergelten, ins Haus eingelaßen welches sie einige Minuten drauf wieder verließen. Wäre nun Herr Bürgers wirklich im Hause gewesen, so wird er wohl jedenfalls dasselbe mitten unter dieser mannhaften Bedeckung verlassen und sich in Sicherheit gebracht haben. Die 14 Gensdarmen hielten es nicht für rathsam den Zug als er das Haus verließ zu belästigen, und so erreichten denn alle Mitglieder desselben, wie ich Sie versichern kann, unbehelligt ihr Ziel.
Heute früh fand nun die Fortsetzung der gestrigen Vorfälle Statt. Um 10 Uhr erschien Herr Polizeiinspektor Zeller mit zwei Sergeanten und befragte die Gräfin, ob Herr Bürgers in ihrem Hause wäre. Die Gräfin erklärte, jede Auslassung hierüber zu verweigern. Hierauf eröffnete ihr Herr Zeller, daß er verpflichtet sei, eine Haussuchung vorzunehmen. Die Gräfin erklärte zu Protokoll, daß sie auf Grund des § 6 des Gesetzes vom 24. September d. J. (welcher lautet: „Haussuchungen dürfen nur in den Fällen und nach den Formen des Gesetzes, unter Mitwirkung des Richters, der gerichtlichen Polizei und, wo diese noch nicht eingeführt ist, der Polizeikommissarien etc. geschehen“) sich jeder Haussuchung als einer völlig ungesetzlichen widersetzen werde, welche nicht unter Mitwirkung eines Richters erfolge, da sie sämmtliche Zimmerthüren verschlossen habe und es dem Polizeiinspektor überlassen müsse, diese gewaltsam zu erbrechen, woran sie ihn jedoch nicht durch Anwendung von Gewalt hindern werde.
Der Polizeiinspektor zog sich hierauf mit seinen Leuten zurück, um mit der obern Behörde über diesen kritischen Fall zu konferiren.
Gegenwärtig ‒ 2 1/2 Uhr Mittag ‒ ist noch nichts weiteres erfolgt. Wir haben in der angenehmen Spannung eine Art von Belagerungszustand. Die Gräfin hat übrigens sofort über die gestrigen Vorfälle Protokoll aufnehmen lassen, um über die durch den Polizeikommissar, seine Sergeanten und den Gensd'armen verübten körperlichen Mißhandlungen und Ueberschreitungen ihrer Amtsbefugnisse sowie Verletzung der Gesetze über die persönliche Freiheit eine ernste Prozedur einzuleiten. Der § 6 der Habeas-Corpus-Acte ist auf das schreiendste verletzt worden. Noch deutlicher wird das brutale und willkührliche Auftreten des Polizeikommissars und seiner Leute durch das vergleichungsweise bei weitem legalere Handeln des Polizei-Inspektors, welcher sich auf die oben mitgetheilte Erklärung der Gräfin hin ruhig zurückzog, während der Polizeikommissar gestern um den richterlichen Befehl befragt unter der Antwort: „Ach was, wir haben Ihnen gar nichts vorzuzeigen; das geht uns nichts an, wir gebrauchen Gewalt,“ gewaltsam und unter Mißhandlung der davor befindlichen Personen, den Eintritt in die Zimmer zu erzwingen versucht hatte. Wir werden sehen, ob unsere Justizbehörde, welche, wenn man den Gensdarmen Brutalitäten vorhält, sofort auf Grund der beleidigten „Delicatesse“ derselben Correctionellproceduren einleitet, nun andrerseits die offenbarsten Verbrechen, welche sich dieselben in Ausübung ihres Amtes ungescheut erlauben, zu verfolgen wissen wird, oder ob die Strafen des Code pénal wirklich nur für die Bürger und nie für die Beamten da sind. ‒ Die Denunciation über den Aufenthalt des Hrn. Bürgers im Hause der Gräfin ist übrigens, wie ich aus dem Protokolle des Polizei-Inspektors selbst erhoben habe, auf folgende Weise zu demselben gelangt. Am 31. hatte die Gräfin einen Sieglungstermin auf Calcum, dem Schlosse ihres Gemahls. Hr. Bürgers, der nicht glaubte, daselbst bekannt zu sein, soll die Gräfin dahin begleitet haben. Sofort aber ging von Schloß Calcum die betreffende Denunziation an den Bürgermeister zu Kaiserswerth und von diesem an den hiesigen Polizei-Inspektor. Graf Hatzfeld hat seinen sonstigen Verdiensten somit jetzt auch noch das Verdienst hinzugefügt, politische Flüchtlinge zu denunziren.
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[ 14 ] Berlin, 1. Nov.
Die Vereinbarer begannen um 5 Uhr das Wohl oder Wehe Deutschlands zu berathen. Es währte lange, sehr lange, ehe sie mit letzterem zu Stande kamen. Draußen das Volk wurde unruhig. Gegen 6 Uhr fand es, daß die da drinnen so hell erleuchtet säßen und sie da draußen im Dunkeln sich beregnen lassen müßten. Rasch wurden Fackeln geholt, die gleich riesenhaften Irrlichtern, durch die dunkelen Massen flackerten. Drinnen ließen sie den Antrag Waldecks fallen und mit ihm war eigentlich die Petition des Volkes schon gefallen. Noch aber gab es Auswege, die Versammlung erkannte sie nicht. Das Amendement des Berliner Genies Duncker fiel auch, und die gutmüthigen Seelen der Linken hatten ihre kleine Freude. Da kam Hr. Rodbertus, der Mann der Möglichkeit, mit seinem Amendement, das die Reichsverwesung ersucht, Hülfe zu leisten. Draußen machte ein Redner dem Volke diese Mittheilung, und tausende von Stimmen riefen: „Nicht die Reichsverwesung, die wir verachten, die da drinnen sollen helfen!“ Vergebens, manchem von denen da drinnen mochten die Zähne klappern, aber das Gewissen schlug ihnen nicht. Sie beriethen weiter. Eine Stunde später (nach 8 Uhr) sahen wir, daß alle Ausgänge des Schauspielhauses vom Volke besetzt waren. Die hintern Thüren wurden vernagelt und vor jeder bewegten sich Gruppen mit Fackeln. Weder Abgeordnete noch Zuhörer konnten aus dem Hause. Das Volk hatte nur noch einen Gedanken: die da drinnen verrathen uns. So wurde es 9 Uhr. Das Horn der Bürgerwehr klang, die Trommel rasselte, die bewaffneten Herren rückten mit gefälltem Bajonnette an, und es gelang ihnen, die unbewaffneten Haufen von den Eingängen des Schauspielhauses zu vertreiben. Jetzt wäre es Zeit gewesen, wenn die „Veranlasser“ der Sturmpetition sich gezeigt hätten. Aber kein großer Geist Berlins ließ sich blicken. Ein Fremder erlaubte sich die Herren von der Bürgerwehr anzureden, und sie zu fragen, weshalb sie denn gegen das Volk zögen. Ein Bajonnetstich war die Antwort.
Die Annahme des Rodbertus'schen Unsinns wurde bekannt gemacht. Ein Schrei der Entrüstung. Dennoch mochte es den Abwieglern gelungen sein, den Maschinenbauern blauen Dunst vorzumachen. Die edlen Menschen kamen mit einer weißen Friedensfahne. Zum Danke wurde dem Fahnenträger der Finger abgehauen, ein Andrer erhielt einen Bajonnetstich durch den Leib, und soll todt sein.
Heute ist eine drückende Stille. Der Katholizismus rettet die Herren der Rechten vor Insulten: es ist heute nämlich wegen eines katholischen Festtags keine Kammersitzung. Trotzdem treibt sich eine Masse Menschen vor dem Sitzungslokale umher, und unterhält sich im bittern Gefühle ihrer gestrigen Entwürdigung.
Nachträglich erfahre ich, daß außer den obenerwähnten noch mehrere Andere vom Volke schwer verwundet wurden, und wie das Gerücht sagt, einige muthige Abgeordnete erst heute in aller Frühe aus den Kellern des Schauspielhauses hervorkrochen.
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[ * ] Berlin.
Die „Neue Preußische Zeitung“, Ritterin vom Landwehrkreuz, schildert die Folgen der Aufhebung des feudalen Jagdrechts also:
Wenn das jetzige Jagdrecht zerstört sein wird, so werden es nicht blos die Eigenthümer auf ihrem Grund und Boden ausüben, sondern Jeder, dem es beliebt, ja die Reaction wird so weit gehen, daß ein privilegirtes Jagdrecht auf Menschen eintreten wird.
Wie wir hören, hatte das Ministerium Pfuel das Veto des Königs gegen das neue Jagdgesetz in der Tasche, wagte es aber nicht, den Vereinbarern mitzutheilen. Und den folgenden Tag zog der König sein Veto zurück und gab statt dessen seine Sanktion.
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[ ** ] Berlin, 1. November.
Aus sicherer Quelle geht uns noch folgende Nachricht vom gestrigen Abend zu: Der Premier-Minister General v. Pfuel fand nur darin Rettung vor der dringendsten persönlichen Gefahr, daß er sich unter den Schutz des Abgeordneten Jung begab. Dieser nahm ihn mit in seine Wohnung, wo Herr v. Pfuel bis nach Mitternacht verweilte, und sodann durch die Herren Jung, Schramm, Jakoby eskortirt, in das Kriegsministerium zurück kam. ‒ Auch mehrere andere Minister und Abgeordnete konnten erst spät in der Nacht in ihre Wohnungen zurückkehren.
So berichtet die „Neue Preußische Zeitung.“ Dasselbe Blatt macht folgende witzige Bemerkungen über die Abschaffung des Adels:
„Der Adel ist abgeschafft und der „plebejische“ Theil der hohen National-Versammlung hat jetzt das Glück erobert, nicht hinter Dessau zurückgeblieben zu sein, auch sich vorläufig wenigstens im Reiche der Phantasie unter seines Gleichen bewegen zu können. Kiolbassa und Mroß, Graf Reichenbach und von Lisiecki, jetzt ganz gleiche Brüder, die wohl auch der Unterschied des „ungerechten Mammons“ nicht mehr trennt. Mit dem Jagdgesetze der erste Eingriff in den Besitz überhaupt, mit der Abschaffung des Adels der erste Eingriff in das Erbrecht, und wer jetzt dazu ermuntert hat, den innern Adel durch Ablegung des äußern zu beweisen, wird bald daran erinnert werden, daß sich mit dem innern und äußern Reichthum ein ähnliches Wortspiel treiben läßt.“
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Berlin.
Pröbchen aus der deutschen Reform über die Ereignisse in Wien, um das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden:
Den 27. Morgens. „Das Windischgrätz das Bombardement [0678] der Stadt am 24. begonnen haben soll, ist gestern bereits mitgetheilt worden.“
Den 27. Abends. „Der Kampf hat noch nicht begonnen. Die Frist ist bis zum 25. Abends verlängert.“ ‒ „Die Stadt ist streng cernirt, daß nur mit großer Schwierigkeit der Durchgang zu bewirken ist. Die Truppen (100,000 Mann?) sind sämmtlich (die Croaten doch mit eingeschlossen) gut disziplinirt und zum Kampf entschlossen. Die Gerüchte von häufigen Desertionen sind ungegründet.“ ‒ „20 von 170 Mann der Regimenter Richter und Deutschmeister, welche nach Wien übergegangen waren, hatten einen Versuch gemacht, zum Heere zurückzukehren, waren aber von Auersperg zurückgewiesen, da er mit Deserteuren nichts zu thun haben wolle.“ (Das ist gewiß sehr klug von Auersperg!) ‒ „Die Deputationen, welche aus der Stadt an Windischgrätz geschickt werden, stellen offiziell Bedingungen, erklären aber insgeheim daß sie die endliche Einnahme der Stadt dringend wünschen“ (also durch Verrath). ‒ „Wirklich desertirt sind nur 3 Mann.“ ‒ „Obgleich die Cernirung der Stadt schon jetzt so hart ist, daß sie fast jede Kommunikation hindert, so will man doch aus einigen Truppenbewegungen schließen, daß die Stadt noch enger eingeschlossen werden soll.“
Den 28. Morgens. „So haben sich um Wien drei große Lager gebildet mit ungefähr 46,000 Mann.“ (Die Leute lassen mit sich handeln.) ‒ „Selbst als Männer verkleidete Frauenzimmer haben sich bereits zum Wachtdienst gemeldet.“
Den 30. Abends. „Die Anführer der Studenten flüchten.“ Flüchten? Wohin? Auf den Stephansthurm;
[(B. Z.-H.)]
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Aus dem Mecklenburgischen.
Die mecklenburgische Zeitung, welche mit dem 2. October in's Leben trat, ist Regierungsorgan und steht unter der Leitung des Herrn Prof. Hegel in Rostock. Den Erwartungen hat sie bisher nicht entsprochen, wie denn auch das Urtheil über dies Unternehmen nicht sehr günstig ausgefallen ist. Der Herr Professor mag ein tüchtiger Philosoph sein, für ein bedeutendes publicistisches Talent wird ihn Keiner, der seine schwülstigen leitenden Artikel gelesen hat, halten. Von der schlagenden, spitzfindigen, alle Zeit fertigen Dialektik seines Vaters soll fast gar nichts auf ihn übergegangen sein, und der kleine Mann schwer an dem großen Namen tragen.
[(Osts. Z.)]
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@facs0678
Berlin.
Der Minister Eichmann hat in Verfolg seines Circulars vom 14. d. M., die politischen Vereine betreffend, in einer weiteren Verfügung vom 26. Oct. den Regierungen Vorwürfe wegen der ungenügenden Berichterstattung gemacht. „Ich habe, heißt es in dem letzten Rescripte ‒ zu meinem Bedauern die Ansicht gewinnen müssen, daß die Landespolizeibehörden in mehreren Bezirken einem so wichtigen Gegenstande nicht die gebührende Aufmerksamkeit widmen, und daß es ihnen entweder an der Fähigkeit oder an dem Willen fehlt, in dieser ernsten Zeit ihre Schuldigkeit in vollem Umfange zu thun.“ Im Betreff der politischen Vereine werden die Regierungspräsidenten aufgefordert, Separatberichte zu erstatten.
Ein zweites Rundschreiben des Ministers des Innern erscheint uns so wichtig, daß wir dasselbe in extenso mittheilen: „Die neuerdings an vielen Orten hervorgetretene, nicht minder durch heimliche Umtriebe als durch öffentliche Aufforderungen genährte politisch-soziale Aufregung hat einen so bedenklichen Charakter angenommen, daß die öffentliche Sicherheit und Ordnung dadurch ernst gefährdet erscheint. Die mannigfach bekundete, große und weitverbreitete Thätigkeit einer auf den Umsturz aller bestehenden staatlichen Verhältnisse hinarbeitenden Partei so wie die Absicht dieser Partei in der nächsten Zeit entscheidende Schritte zu thun, welche in der am 16. d. Mts. stattgehabten Sitzung der deutschen Nationalversammlung zur Sprache gekommen ist, werden der königl. Regierung nicht unbekannt geblieben sein. Ich finde mich veranlaßt, die besondere Aufmerksamkeit der Polizeibehörden auf diese, selbst die gesetzliche Thätigkeit der deutschen Nationalversammlung bedrohende Gefahr zu richten und denselben namentlich eine gewissenhafte Anwendung der Bestimmung (§. 4 der Verordnung vom 6. April d. J.), wonach nur solche Versammlungen unter freiem Himmel, welche für die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht gefahrbringend sind, von der Obrigkeit gestattet werden können, zur Pflicht zu machen. Die königl. Regierungen sind dafür verantwortlich, daß dieser Bestimmung überall vollständig nachgekommen werde. Handelt es sich um solche Versamlungen, deren Verhinderung oder Auflösung im öffentlichen Interesse nöthig erscheint, so müssen zuvörderst die Mittel der Güte zu diesem Zwecke versucht, wenn aber diese erfolglos bleiben, die Mittel der Gewalt in Anwendung gebracht werden. Es ist in diesem letzteren Falle zunächst die Bürgerwehr, wo sie vorhanden ist, zu requiriren, wenn dieselbe aber fehlt oder nicht ausreicht, die Hülfe des Militairs nach den allgemein dieserhalb zwischen den Oberpräsidenten und Generalkommando's getroffenen Verabredungen in Anspruch zu nehmen. Außerdem muß in Erwägung gezogen werden, in wiefern gegen unerlaubte Versammlungen auf Grund des §. 11 der Instruktion vom 23. Okt. 1817 eine allgemeine Strafandrohung zu erlassen sein wird. Zu einer solchen Androhung in Geld- und Gefängnißstrafen innerhalb der in dem angeführten §. gezogenen Grenzen will ich hierdurch die königl. Regierung ausdrücklich ermächtigen.
Zugleich mache ich bei dieser Gelegenheit auf den Inhalt des bereits durch die Gesetzsammlung publizirten Reichsgesetzes vom 10. d. Mts. aufmerksam und nehme im Uebrigen auf die Circular-Verfügung vom 4. curr. Bezug.
Berlin, 19. Oktober 1848. Der Minister des Innern,
(gez.) Eichmann.
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@facs0678
Aus dem deutschen Reiche.
Heinrich der 72. Fürst Reuß, Heinrich der 72., derselbe, der „20 Jahre lang auf einem Prinzip herumgeritten hat,“ ist nicht mehr. Das heißt, er hat aufgehört: Fürst von Reuß zu sein. In einem rührend schönen Erlasse theilt er uns dieses wichtige Ereigniß mit, indem er hinzusetzt, daß ihn nicht nur eine „erschütterte Gesundheit“ veranlaßt habe, die Führung der Regierung niderzulegen, sondern daß namentlich „durch schwarzen, unerwarteten Undank von mancher Seite sein Wirken abgeschnitten worden sei.“
Armer Heinrich!
„Ich lege, kraft dieses, zum Besten Meines verfassungsmäßigen Nachfolgers, Ihro des regierenden Fürsten von Schleiz Durchlaucht und Liebden, die Regierung nieder.“
So spricht Fürst Reuß der Ehemalige, und wir fühlen die ganze Wucht seiner gewichtigen Worte. „Starre Gemeinschaftszustände,“ meint er und: starre Bundes- und Protokollen-Nacht haben meinen öffentlichen Charakter verschleiert. Aber die große Zukunft wird Alles bessern!“
Natürlich!
Der offiziellen Entsagungsurkunde läßt Herr Reuß dann noch eine Mittheilung an seine zahlreichen auswärtigen Freunde und Bekannte folgen, aus der wir sehen, daß nicht nur eine „zerrüttete Gesundheit“ und „schwarzer, unerwarteter Undank von mancher Seite,“ sondern auch drittens: „eine Masse von Erbärmlichkeit, die in der Flachsensingerei eines kleinen Staates mit dem März auftauchte und an die Stelle wahrhaft glücklicher Zustände trat,“ Se. weiland Durchlaucht vom Throne vertrieb.
Ueber diese „Flachsenfingerei“ giebt uns Reuß noch in so weit Ausschluß, als er uns mittheilt. wie ihm ach! zuletzt Niemand mehr habe gehorchen wollen. ‒ ‒
Lebe wohl Heinrich! Sanfter, stiller Heinrich, lebe wohl! Sechs volle Dutzend Deines Namens hat die Welt besessen, aber Du warst der edelste, der beste unter ihnen. Ziehe hin in Frieden!
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@facs0678
Detmold, 1. Novbr.
Die Nachricht, daß es sich in Frankfurt um nichts weniger als um die Mediatisirung des Fürstenthums Lippe drehe, hat hier natürlich allgemeines Entsetzen erregt. „Lieber die Republik, als hannoverisch oder hessisch werden!“ so lautet jetzt der Schrei des Tages und in allen Städten und Dörfern werden protestirende Adressen an die Nationalversammlung vorbereitet. Die Landleute glauben, daß sie dieselben wohl unterzeichnen würden, aber sie erklären sich auch nur unter der Bedingung dazu bereit, daß der Fürst augenblicklich die Aufhebung des Jagdrechts verkünde. Wenn man bedenkt, wie sehr Se. Durchlaucht noch an den Rehböcken des Teutoburger Waldes hängt, so wird man begreifen, eine wie harte Nuß in diesem Falle höchsten Ortes zu knacken wäre.
Die Regierung sucht daher auch schon in den Bauern nicht die einzige Stütze, und hat es vorgezogen, das herannahende Unheil lieber durch die größeste Höflichkeit der Centralgewalt gegenüber, abzuwenden. Sie hat demnach bei Publizirung der Mohl-Schmerling'schen Annonce vom 3. Okt. die Ueberwachung der politischen Vereine betreffend, den einzelnen Behörden aufgetragen, sofort in den nächsten acht Tagen über die in ihren Bezirken vorhandenen politischen Vereine, deren Tendenzen, Statuten, auffallende Beschlüsse, Einfluß auf das Volksleben, ihre Verbindung mit Vereinen in andern deutschen Städten etc., amtliche Mittheilung zu machen.
Zur Rettung des Fürstenthums Lippe sollen also statt der teutoburger Rehböcke, die teutoburger Demokraten geopfert werden.
Italien.
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@facs0678
[ * ] Turin, 27. Okt.
Das Ministerium wird in den Sitzungen der Kammern fortwährend auf's Heftigste wegen der von ihm angenommenen Vermittlung angegriffen. Ebenso macht die „Concordia“ der Regierung lebhafte Vorwürfe, daß sie Garibaldi, der sich am 14. Okt. zu Genua nach Palermo einschiffte, (wie man sagt, um die ihm von den Sizilianern angetragene Oberbefehlshaberstelle anzunehmen), habe ziehen lassen. Es sei unverantwortlich, zürnt die „Concordia“, daß man einen Mann, wie Garibaldi, nicht mit einem Kommando bedacht habe; er gehöre dem italienischen Festlande, nicht Sizilien an; man möge ihn à tout prix auf's Schleunigste zurückberufen.
[ * ] Die Aufstandsgerüchte aus der Lombardei und dem Veltlin bestätigen sich. Außer Como hat sich auch das platte Land der obern Lombardei erhoben; Chiavenna ist im vollen Aufstande begriffen und hat die Oestreicher davon gejagt. Die Insurrektion soll sich bis nach Welsch-Tyrol ausdehnen.
Schweiz.
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@facs0678
Basel, 30. Oktober.
Germain Metternich kam am 27. hier durch, um sich nach Genf zu begeben. Er hatte, auf die Weisung des Ministeriums in Paris, Straßburg verlassen müssen.
Französische Republik.
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@facs0678
[ 19 ] Paris, 31. Oktbr.
Sie werden in den Zeitungen einen Brief des gefangenen Demokraten Raspail gefunden haben, worin derselbe die gegen Paris gerichteten drohenden Militärrüstungen im Fort Vincennes schildert. Aehnliche Zurüstungen werden auch in andern Forts mit großer Hast und Eifer betrieben; in Paris sieht man seit den letzten Tagen mehrfach Munitionswagen der Artillerie ein- und ausfahren und dabei möglichst die belebteren Straßen vermeiden; die Militärmacht endlich, welche noch immer in und um Paris (namentlich in den Faubourgs St. Antoine und St. Germain) liegt, bildet ein furchtbares, jeden Augenblick schlagfertiges Kriegesheer. Alles deutet darauf hin, daß sich die honette Republik auf eine neue Junischlacht gefaßt macht.
Die Stadt scheint auf den ersten Blick eine solche Vorsicht nicht zu rechtfertigen. Das Paris, welches Sie unmittelbar nach der Februarrevolution gesehen haben, existirt nicht mehr. Damals, im März und April sah man die Revolution noch in den Straßen, an den öffentlichen Orten. Die Revolution hatte die Stadt umgewendet wie einen Rock, dessen linke Seite besser ist, als die schäbige abgenutzte rechte. Die Häuser hatten ihr Inneres nach Außen gekehrt; der Theil, der früher versteckt, zurückgezogen, in Unterdrückung und Verachtung gelegen hatte, befand sich plötzlich auf der Oberfläche, in die Helle des Tages versetzt, und die bisherige „Glanzseite“ hatte sich in die Stille und Verborgenheit der ersten gekehrt. Die „Umwälzung“ war eine sichtbare. Die eleganten Karossen, die Wappen und Ordensbänder waren verschwunden; an den Palästen standen als Schildwache die Proletarier, welche von den Junihelden als „Räuber und Mordbrenner“ gebrandmarkt wurden, und über die Boulevards zogen Abends bei Fackelschein, die Marsellaise singend, lange Reihen von Blousenmännern, auf deren Schultern ein Arbeiter stand, die phrygische Mütze auf dem Kopf, die Arme bloß, eine Fahne und einen Säbel in den Händen. Alles das ist seit dem Terrorismus der geängstigten, feigen Junisieger vorüber. Der Rock ist wieder auf die alte, schäbige Seite gekehrt. Die Bourgeoisie, die Industrieritter, Juden und Beutelschneider sind wieder obenauf; die Privilegirten der „ordnungsmäßigen“ Aussaugungen, die „gesetzlichen“ Volksblutigel beherrschen wieder überall das öffentliche Leben, die Arbeiter sind verschwunden, ‒ transportirt, füsilirt, mit Bajonnetten und Kartätschen in die Höhlen ihrer Sclaverei zurückgepeitscht. Noch lange Zeit nach der Junischlacht war es mit Lebensgefahr verbunden, in gewissen Quartiers mit einer Blouse sich blicken zu lassen, und die honette Bourgeoisie, die jetzt frecher als je ihr Haupt trug und bereits offen und ungestraft die monarchischen und Prätendentengelüste sich erheben läßt, benutzte die Gelegenheit, um alle ersten „Errungenschaften“ der Februarrevolution, die Preßfreiheit und das Associationsrecht, schamloser als je unter den Königen zum ausschließlichen Monopol der herrschenden Klasse zu eskamotiren. An dem Aussehen der Stadt sieht man, wie der Junisieg ein Sieg der Bourgeoisie über Alles ist, was Arbeiter heißt. Auch die Ouvrieren, die Grisetten, sind von ihren alten Orten verschwunden, und die honette Begleiterin der Geldherrschaft, die Prostitution „um Geldeswillen“, nimmt in wohlgeordnet aufsteigendem Verhältniß überhand.
Diese scheinbare Ruhe der gesetzlichen Wucherordnung ist indeß nichts als die Ruhe, welche dem Sturme vorausgeht, die Waffenstillstandsruhe, in welcher sich die Leidenschaften aufs Neue zum Kampfe rüsten. Die Bourgeoisie ist trotz ihres äußeren Uebermuthes innerlich verzagter als je; die ganze Frechheit ihrer reaktionären Schreckensherrschaft birgt nur die Furcht und Ohnmacht ihrer eigenen Verzweiflung und sie wagt Alles, weil sie Alles zu verlieren fürchtet. Die Arbeiter ihrerseits, obwohl unterdrückt, decimirt, gleich Geächteten von Hunden und Mördern gehetzt, sind zwar geschlagen aber nicht besiegt. Man kann sich nicht leicht über den Gedanken an die Bestialitäten der Bourgeoisie nach den Junitagen hinwegsetzen, über den Gedanken, wie die besten revolutionären Kräfte des Volks gefallen, in Fesseln geschlagen, und nächtlicher Weile (wie im Souterain des Tuileriengartens) von ihren honetten Siegern massenweise gemordet sind: aber es ist gewiß, daß der Junisieg den Besiegten den besseren Dienst geleistet hat. Der vollständige Bruch des Volkes mit der Vergangenheit ist sein erstes Resultat. Die Mordbrennereien der Honetten in dem Arbeiter-Faubourg St. Antoine haben nur die Brücken zwischen Arbeitern und Bourgeois verbrannt, und die Junischlacht war das erfolgreichste Mittel, um die Arbeiter von dem wahren Inhalte der Bourgeois-Fraternité à la Lamartine, von dem wahren Unterschiede zwischen rother und trikolorer Republik zu überzeugen. Und die Kräfte des Volks sind nicht erschöpflich, wie die Mittel der Bourgeoisie erschöpflich sind!
Unter diesen Umständen zittert die Bourgeoisie vor Allem, auch dem Geringfügigsten, was an die drohende Kluft zwischen ihr und den Arbeitern erinnert. Eine solche, an sich unbedeutende Erscheinung, die nur durch den Lärm der Bourgeoisblätter Aufmerksamkeit erregt hat, ist z.B. in diesem Augenblicke die Aufführung der Dumas'schen Tragödie: „Catilina“ im Théatre-Historique. Herr Alexandre Dumas, der ehemalige Freund des Prinzen Joinville, wünscht bei irgend einer Gelegenheit noch gewählt zu werden, und da ihn die Bourgeoisie schon durchfallen ließ, muß er der Volksgunst schmeicheln. Zu diesem Zweck ist das obige Drama geschrieben. Herr Dumas hat sich darin mit unbestreitbarer Gewandheit der gegenwärtigen Lage der Republik bemächtigt; man könnte sagen, er hat die Rollen an die gegenwärtigen Parteichefs vertheilt: Catilina ‒ Hr. Ledru-Rollin; der schönrednerische Schurke Cicero ‒ Hr. v. Lamartine; Cesar ‒ ein junger Constabler mit einem Adler. Im dritten Akt nun ereignet sich eine Scene zwischen Catilina und Cicero, welche das ganze Publikum mitspielt. Der tugendhafte Cicero, der von der Verschwörung Catilina's durch eine honette Dame von „horizontalem Handwerk“ Kenntniß erhalten hat, erscheint um Catilina zu verhaften. Zuerst aber versucht er honette Mittel, ihn unschädlich zu machen. Cicero-Lamartine spricht: „Catilina, du willst Consul werden, du geizest nach der Macht, ‒ ich auch; laß uns zusammengehen, und die Welt wird uns als die größten Männer anstaunen.“ (Man sieht, Cicero conspirirt mit der Gewitterwolke als honetter Blitzableiter.) Catilina aber antwortet: Cicero, du bist ein tugendhafter moralischer Bürger, während ich ein bürgerlich sehr unmoralischer Mensch bin; wir können nicht zusammengehen, die Welt trägt nur Einen von uns Beiden.“ Nun hüllt sich Lamartine-Cicero in den Mantel der Tugend: „Catilina, du bist ein Verschwörer; im Interesse Roms, im Interesse der Republik, der honetten Moral eröffne ich den Kampf gegen dich. Was willst du eigentlich? Du weißt es selbst nicht. Du willst bloß umstürzen, in der Hoffnung Nutzen für dich daraus zu ziehen. Für das Volk geschieht es nicht; das Volk ist frei: haben wir nicht die Brüderlichkeit proklamirt, lebt das Volk nicht in der Republik? Du willst die Anarchie, die Gesetzlosigkeit.“ Und Catilina entgegnet dem Patrioten: „Tugendhafter Mann, sieh deine Brüderlichkeits-Phrase! Du sagst, du wollest mich verfolgen, weil ich nicht deinen Weg gehe, du wollest dich nicht mit meiner Besiegung begnügen, deine gesetzlichen Formen genügten dir nicht im Augenblicke der Gefahr, du würdest erst mit meinem Tode dich zufrieden stellen. Wo ist deine Brüderlichkeit, deine Gesetzlichkeit und Ordnung der Republik? Und du fragst, was ich eigentlich will? Ich will es dir sagen, tugendhafter Mann.“ Dann verweis't er den reinen Republikaner auf die Straßen und öffentlichen Plätze, wo das Volk liege, bleich vor Hunger, ohne Arbeit, die es suche aber nicht finde, in Gossen das Licht der Welt erblickend und in Gossen verendend, ohne daß ihm die „Freiheit“ der Republik und der „Brüderlichkeit“ der honetten Freunde des bürgerlich-moralischen Schönredners etwas hülfe. „Und du fragst mich, was ich will? Ich will es dir sagen: Einen Sturmwind will ich beschwören, der dies freie, aber geknechtete Volk aus seinem Elend oben hin trägt, und die tugendhaften Sclavenhändler, wie dich und Cato, zu Boden wirft!“ ‒ Während dieses ganzen Dialogs findet eine wahre Schlacht zwischen den Logen und dem stets dichtgedrängten Paradies statt. So oft Catilina spricht, jauchzen die Galerien in endlosem Beifall, während man in den Logen die Achseln zuckt und lacht; wenn aber der „Mann der Brüderlichkeit“, der tugendhafte Lamartine redet, klatschen die Logen und die Galerien übertäuben sie mit einem wahrhaft wüthenden Geschrei.
Ich habe Ihnen dies Schauspiel, welches sich seit 14 Tagen jeden Abend unter denselben Umständen wiederholt, nur deshalb mitgetheilt, weil es bereits von dem offenkundigen Zwiespalt der Arbeiter und der „honetten Republik“ Zeugniß gibt, und weil bereits einige Bourgeoisblätter die Regierung geradezu aufgefordert haben, eine Tragödie, welche das Volk zum „Haß gegen eine Klasse der Gesellschaft anreize“, zu unterdrücken. Ernster aber ist der Zwiespalt in einer „Klasse“, den verschiedenen Theilen der Armee ausgebrochen.
Zuerst herrscht in der Linie ein förmlicher fanatischer Haß gegen die Garde mobile, vorzüglich deshalb, weil diese 15-20 jährigen lazzaroniartigen Gamins, die im Juni im Schnapsrausche die Barrikaden stürmen mußten, mit Orden und Auszeichnungen überschüttet wurden, während sich die alten Soldaten von Cavaignac zurückgesetzt sehen. An allen Schaufenstern sind Heldenthaten dieser republikanischen Janitscharen ausgestellt, in allen Journalen, auf den Straßen und in den Boudoirs der Bourgeoisweiber werden sie für die Schlächterei an den Arbeitern belohnt. Dazu kömmt, daß schon im Juni die Linie nur gezwungen und mit dem größten Widerwillen den Arbeitern gegenüber stand, weil sie bereits nicht mehr gegen das Volk kämpfen will. Ihre Verachtung der Mobilen aber ist gränzenlos, und bei einem neuen Straßenkampf wird sie nicht mehr an deren Seite stehen.
Die Nationalgarde ist in sich zerfallen. Ein Theil derselben, wie Sie schon aus den Wahlen für Raspail, Cabet und Thoré ersehen haben, ist offen für die „rothe Republik“ aufgetreten. Durch die nackte Schamlosigkeit der Royalisten, durch die Thatsachen, daß sich andere Theile der Nationalgarde nach London zu royalistischen Banketts und selbst zum Besuch Louis Philipps begeben, ist die Erbitterung zwischen diesen Legionen immer weiter ausgebrochen, und die wachsende Theilnahme der Nationalgarden an den demokratischen Banketts beweist, wie wenig auf dieser Seite die Unterdrückung einer demokratischen Erhebung zu erwarten steht.
Endlich aber hat selbst ein großer Theil der Garde mobile eine Wendung zu den Arbeitern gemacht. Die Verachtung, mit der auf beiden Seiten von der Linie wie von den Arbeitern behandelt, hat Viele über ihren Junirausch zur Besinnung gebracht. Als in Lyon kürzlich die Unruhen unter der Mobilen wegen ihrer Entwaffnung ausbrachen, wendeten sie sich um Beistand an die Arbeiter, die ihnen aber mit Hinweis auf die Pariser Junitage erklärten, daß sie nichts mit ihnen zu schaffen hätten. Ein Theil der Pariser Mobilen beginnt sich zu schämen; ein anderer Theil besteht aus neueingekleideten, durch die Noth beschäftigungslosen Arbeitern, deren Gesinnung nicht zweifelhaft ist. Vor einigen Tagen wollte der Zufall, daß ich eine Nacht auf der Wache eines Korps Mobilen zubringen mußte, weil ich mich nach Mitternacht, als ich aus dem Theater kam, zu einer unter dem Belagerungszustand ungesetzlichen Stunde bei einem Weinhändler ertappen ließ. Unter diesen Mobilen traf ich einen Polen, der mir im Lauf des Gesprächs mittheilte, daß er selbst Arbeiter und nur aus Arbeitsmangel bei den „Hunden“ eingetreten sei; bei dem Bau der ersten Barrikade aber werde er zu seinen Brüdern zurückkehren. Dabei versicherte er mir, daß selbst die Stimmung der eigentlichen Junikämpfer in Folge der Verachtung Seitens der Arbeiter so verändert sei, daß Cavaignac und die Bourgeoisie kaum auf ein Drittheil mehr zählen könnten.
Die ganze gegenwärtige Lage der Dinge deutet darauf hin, daß bei der ersten Erhebung der Arbeiter nicht mehr diese allein gegen die bewaffnete Reaktion der „ordnungswüthigen“ Beutelschneider auf den Barrikaden stehen, sondern wie in der letzten Wiener Revolution Nationalgarden gegen Nationalgarden, Truppen gegen Truppen, und zwar mit der wüthendsten Erbitterung, sich schlagen werden. Und diese Erhebung der Arbeiter wird stattfinden. Obwohl geschlagen, in ihre Höhlen zurückgejagt, war ihre bisherige finstere Zurückgezogenheit nichts weniger als die Resignation oder Verzweiflung. Eine kurze Zeit gelang es zwar dem ehrenwerthen Peter Proudhon, einem Theil der Arbeiter aus der Reaktion der Junisieger zu deduciren, daß alle „politische“ Revolution eine Abgeschmacktheit sei und nur die „Wissenschaft“ ihnen Brod geben könne: aber die Arbeiter hatten zu viel gesunden Sinn, um nicht diesem „Denker“, dessen Armuthszeugniß schon durch die Bewunderung der Berliner Literaten hinlänglich festgestellt ist, sehr bald den Rücken zu kehren.
Das Jahr 1848 wird zu der Zeit noch nicht geendet haben, wo Paris von Neuem unter dem Ruf erzittert: Du pain ‒ ou du plomb! Vivre en travaillant ‒ ou mourir en combattant!
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[ * ] Paris, 31. Oktober.
E. Girardin fühlt sich mehr oder minder gravirt durch die an allen Mauern von Paris angeschlagenen Riesenplakate, worin der Artikel der „Presse“ vom 8. Aug. 1840 gegen Louis Napoleon und ihr Artikel vom 27. Okt. 1848 gegen Louis Napoleon neben einander gestellt sind. Girardin erklärt übrigens, daß der Artikel gegen Louis nicht von ihm persönlich herrühre. Er interpellirt Herrn Cavaignac, auf wessen Kosten, ob aus eigener Börse oder aus der Staatsbörse die 500,000 Abzüge der zwei Artikel bezahlt worden sind!
Der „Univers“ bemerkt über dasselbe Thema:
„Unglücklicher Weise sind die politischen Aussichten durch ein Gesetz verboten, und eben erst hat man gegen den gemäßigten Club vom Mont-Blanc einen Prozeß anhängig gemacht wegen einer derartigen Veröffentlichung. Die anti-bonapartistischen Aussichten haben eine solche Verfolgung nicht zu befürchten. Wie, wenn nun die Anhänger Louis Bonapartes den Artikel der „Presse“ gegen Cavaignac affichiren ließen? Wo bleibt die Gleichheit vor dem Gesetze?
Der „National“ durch die vielen Nadelstiche der „Presse“ gezwungen, antwortet endlich in folgenden melodramatischen Zeilen:
„Es ist wahr, es kömmt uns ein großer Theil der Schuld zu an dem, was gewisse Leute das Verbrechen des Februars nennen. Wir sind stolz darauf, durch 18 Jahre des Kampfes zur Verwirklichung des republikanischen Prinzips beigetragen zu haben. Unser Leben vor dem Februar war ein langer Kampf und dieser Kampf endete mit einem Siege. Aber dieser Sieg, er ist der Sieg Frankreichs, und wir erkennen, daß es ganz Frankreich zukommt, ihn zu organisiren und seine Früchte zu pflücken.“
Girardin erwidert in der „Presse“:
„Rühmt euch dessen! Krönt euch mit Lorbeeren! Spart die Hymnen nicht!
„Frankreich, meine Herren, hat gesehen, wie ihr auf alle Stellen und Stellungen euch warst, wie ihr, im Amte, das Schauspiel der schmählichsten Ohnmacht darbotet!
„Heute gefällt es euch, bescheiden zu sein, aber diese falsche Bescheidenheit wird Niemanden täuschen.
„Ihr leugnet, daß ihr es seid, die seit dem 24. Februar regieren, ihr leugnet die sonnenklare Evidenz.
„Nach dem 25. Februar, wart ihr es nicht, die sofort aus Herrn Cavaignac, Feldmarschall zu Dran, einen Generalgouverneur von Algier machten, uneingedenk der Rechte des damals zu Algier anwesenden Generallieutenants Changarnier? Nicht zufrieden, den General Cavaignac zum Generalgouverneur von Algier gemacht zu haben, beeilt ihr euch nicht, ihn zum Generallieutenant zu machen? Wart ihr es nicht, die nicht ruhten, bis ihr seine Rückkehr aus Algier bewirktet, um ihm das Kriegsministerium in die Hände zu geben? Seid ihr es nicht, die, durch eine Masse Manöver, am 24. Juni es dahin brachten, die Stelle der Mitglieder der exekutiven Kommission einzunehmen, nach der ihr geiltet seit dem 24. Februar? Habt ihr nicht, unter dem Titel Maire von Paris, in der größten Eile euch des damals wichtigsten Postens bemächtigt, des Hotel de ville ? Ist es euch nicht nach und nach geglückt, eure Hand zu legen auf das Ministerium der Finanzen, auf das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, auf das Ministerium der Justiz, auf das Kriegsministerium, auf alle wichtigen Ministerien und endlich auf die Präsidentschaft der National-Versammlung? In welchen Händen sind denn die beiden Präsidentschaften, die Präsidentschaft der Republik und die Präsidentschaft der National-Versammlung? Befindet sich nicht die eine in den Händen des Herrn Cavaignac (vom National), die andere in den Händen des Herrn Marrast (vom National)? Was konntet ihr denn mehr wünschen, mehr nehmen? Habt ihr nicht alles Nehmbare genommen? Republik und Diktatur. Mit Hülfe aalglatter Windungen in unermüdlicher Taktik gelang es euch, zwischen Lamartine und Ledru-Rollin verstohlen einzuglitschen und den einen wie den andern zur Thüre hinaus zu begleiten.
„In Wahrheit, ihr seid zu bescheiden, ihr Herren vom National. Ihr seid die Herrscher und man erwartet es. Eure Bescheidenheit, rührt sie daher, daß ihr schon zu dem verhängnißvollen Punkte gekommen seid, wo ihr die Verantwortlichkeit für die Vergangenheit und die Strenge der Zukunft zu fürchten habt? Es war schwer, in kürzerer Frist größeres Leid auf ein großes Land zu wälzen.
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@facs0679
Paris, 1. November.
Börse und die meisten Handelshäuser sind heute geschlossen. Das Allerheiligenfest ist einer der größten Feiertage für den Pariser. Nationalversammlung und alle übrigen Behörden halten heute keine Sitzungen.
‒ Der Moniteur beschenkt uns heute mit dem ersten Schub neuer Präfekten. Sie gehören alle der politischen Farbe der Rue de Poitiers an. Hier ihre Namen: Corbin, Staatsraths-Auditor, für Aisne; Dupont White, Generalsekretär im Justizministerium, für Aude; Mars Lariviere für Cotes du Nord; Sohier, für Creuse, Pagès, für Jura; Bruno-Devès für Vienne; Pasquier, für Gers; Riviere, für Charente; Lécureux, für die Ober-Loire; Caylus für die Marne; De Sainte Croix, für Dordogne; Gauja, für Indre und Loire; Cazavan, für Vendée; Dausse, für die Ober-Garonne.
Außerdem bringt uns der Moniteur etwa hundert neue Friedensrichter etc. Wir rücken der Thiers'schen Monarchie immer näher.
‒ Die äußeren Boulevards, namentlich die Barriere Poissoniere, La Chapelle etc. sind seit einigen Abenden der Schauplatz sehr bedenklicher Ereignisse. Es finden dort regelmäßige Rauffereien zwischen der beliebten Mobilgarde und dem verhaßten Arbeitervolk, das dort in Masse wohnt, Statt. In den letzten Abenden zogen die Mobilgardisten sogar ihre Säbel, die Arbeiter schossen mit Terzerolen gegen sie, und seit vorgestern durchziehen starke Patrouillen jene Viertel mit Anbruch des Abends in Folge dieser Rauffereien.
Seit den verhängnißvollen Junitagen haben die Arbeiter der Mobilgarde den Tod geschworen. Sie nennen selbige nicht anders als die Henker Cavaignac's, die Leibeigene der Bourgeoisie, die Schutzwächter des Kapitals und dergl. schöne Bezeichnungen mehr. Dies ärgert natürlich einen großen Theil der Mobilgarde, von der unglückseligerweise ein Bataillon in jener Gegend, in der Kaserne La Nouvelle France, kasernirt ist, und das dort häufig mit den Arbeitern zusammentrifft. Vorgestern Abend brach am Ende der Rue Cadet, die dorthin führt, ein abermaliger Krawall los, der den General Lamoriciere veranlaßte, starke militärische Vorsichtsmaßregeln zu treffen, welche die Proletariergelüste zunächst im Zaume halten sollen. Ein nicht unbeträchtlicher Theil dieses Gesindels (wie wir die Mobilgarde nennen) harmonirt übrigens jetzt schon besser mit den Arbeitern. Es bleibt ihm in der That nichts übrig, als sich vollständig wieder mit ihnen auszusöhnen und zum Februar zurückzukehren. Jedenfalls sind diese Kämpfe höchst wichtig.
‒ Cavaignac's kleiner Moniteur „das Journal von Karr,“ ist eingegangen.
Karrist naiv genug, in einem Briefe an die Demokratie zu gestehen, daß kein Blatt fürs Volk gestiftet beim Volke gar keinen Anklang gefunden habe. Der Bourgeoisschriftsteller wird sich wieder seiner eigentlichen Sphäre zuwenden und die „Wespen“ fortsetzen.
‒ Denjoy, der in der Nationalversammlung den bekannten Sturm wegen des rothen Bankets in Toulouse hervorrief und dafür von den Legitimisten in Bordeaux bekränzt wurde, ist ein ehemaliger Schauspieler, der auf dem Toulouser Theater ausgepfiffen wurde. Daher sein Haß gegen die „Kanaille“
‒ Auf den Boulevards und in den feineren Zirkeln hört man hier mitunter jetzt östreichisch sprechen. Ein Beweis daß sich eine Zahl von Familien aus Wien hierher flüchtete.
‒ Die radikale Regierungsunfähigkeit der Marrastianer tritt mit jeder Sitzung der Nationalversammlung klarer hervor. Um das Defizit von 3 bis 4 Millionen Franken zu decken, beginnen sie (durch ihre Organe Goudchaux, Duclerc etc.) damit: denjenigen Beamten 200 Fr. jährlich abzunehmen, welche 1800 Fr. jährlich einnehmen. Als ob man mit Weib und Kind von 1600 Fr. (etwa 400 Thaler) leben könne! Das ist die große Tiefe der Nationalökonomie! Die Beamtenwelt wird nun wohl die Republik vollends zum Teufel wünschen.
‒ Dem Proudhon ist es endlich gelungen, sein Journal wieder erscheinen zu lassen. Es führt den Titel „Le Peuple“ und hat seine Caution durch freiwillige Beiträge der Sozialistenpartei aufgebracht. Die erste Nummer liegt vor uns. Sie enthält ein Manifest an das Volk, das etwas schwülstig ist. Wir entnehmen daraus folgende Stelle:
„…‥Republikaner! Zählet auf uns. Aber um unsere Hingebung für Euch wirksam zu machen, müssen auch wir auf Euere Unterstützung zählen können. Und welches ist diese Unterstützung? Wir sagen es Euch hiermit schließlich: Diese Unterstützung, die Euere und unsere Stärke bildet, heißt Geduld. Lasset Euch durch die tückischen Herausforderungen zur Revolte und Bürgerkrieg nicht verlocken. Bürgerkrieg ist das einzige Mittel, von dem das Königthum noch Erfolg hofft. Die Dinge sind heute durch die „providentielle Kombination“ (!) auf den Punkt angekommen, daß, wenn das Volk einige Zeit unbeweglich bleibt, das Königthum mit all' seinem infernalischen Cortege auf immer verloren ist.“
Außerdem enthält diese Nummer eine Kritik der letzten 70 Tage, während welcher der „Repräsentant du Peuple“ unterdrückt war, und in welcher Proudhon die Kandidatur Louis Bonaparte's bekämpft.
Der neue Gerant heißt G. Duchéne; der alte ist bekanntlich zu Gefängniß verurtheilt.
(Bestimmung des Mont-Balerien.) Wir meldeten jüngst, daß dieses Fort mit 100 Kanonen ausgerüstet worden und daß Ingenieurs, Pionire und Artilleristen fast Tag und Nacht daran arbeiten. Das „Bien Public“ zeigt heute an, daß man an der Vollendung eines großen Saales arbeite, in welchem die Nationalversammlung bei etwaigen neuen Volksstürmen ihre Sitzungen zu halten beabsichtigte. Die Republik des National auf dem Mont-Balerien hinter Kanonen und Lafetten! ‒ Dieses Schauspiel muß Marrast dem erstaunten Europa noch geben.
‒ Im übermorgigen Moniteur (morgen erscheint keiner), werden wir wahrscheinlich eine Erklärung lesen, die aus Bastides Feder fließt und in welcher Se. Excellenz läugnet, daß er jemals den Gedanken gefaßt habe, Venedig der östreichischen Habsucht oder der deutschen Handelsmarine zu opfern. Mehrere Blätter wollen nämlich das Gegentheil behaupten.
‒ Eine Post aus Turin bringt uns einen Ministerwechsel in etwas liberalem Sinne und einen Aufstand im Valteliner Lande, unweit der Schweiz.
Dänemark.
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@facs0679
Kopenhagen, 27.Oct.
In der gestrigen Versammlung des Reichstages meldete, nach der Wahl des Adreß - Komité's (Olterstrom mit 121, Madvig mit 106, Claussen mit 97, Okirk mit 78, Nyholm mit 60, Jespersen von Viborg mit 58, Prof. Larsen mit 51 Stimmen), der Präsident eine Interpellation des Hrn. Nyholm an den Minister des Auswärtigen über die schleswigsche Angelegenheit an. Eine Geschäftsordnung fehle noch und der Präsident müsse vorläufig hier entscheiden; allerdings sollte solche Interpellation Tags vorher schriftlich eingereicht sein, um dem Betreffenden bekannt zu sein. In diesem speziellen Fall habe nun der Minister des Auswärtigen gestattet, daß die Interpellation ohne vorhergehende Anmeldung gestellt werde. ‒ Hr. Nyholm erhielt also das Wort. ‒ Hr. Nyholm: Die letzten Nachrichten aus Schleswig und namentlich die unerwartete Ankunft der beiden Kommissarien Reedtz und Stedmann haben allgemeine Unruhe und Bekümmerniß erweckt. Er wende sich darum an den Minister des Auswärtigen um Aufklärungen, so weit solche mitgetheilt werden könnten, im Voraus dankend für die ausgesprochene Bereitwilligkeit. ‒ Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Graf Knuth, erwiderte: Er habe bereits gestern die Bereitwilligkeit der Regierung zu solchen Aufklärungen erklärt, wenn man nur wisse, welcher Art und welcher Ausdehnung die verlangten Aufklärungen seien. Es liege inzwischen in der Natur der Sache, daß je öfter gerade bei Sachen von großer spannender Wichtigkeit die Reichsversammlung Aufklärung wunsche, die Regierung sie am Wenigsten geben könne. Das sei nun auch gerade der Fall mit der vorliegenden Frage. Die Regierung habe bereits durch öffentliche Blätter vorläufige Nachrichten gegeben und werde das Ausführlichere folgen lassen. Alles, was er jetzt mittheilen könne, sei, daß, da die neue Regierungs-Kommission bei Weitem ihre Competenz überschritten, Kammerherr Reedtz sich sogleich bestimmt habe, Schleswig zu verlassen, woran er vollkommen Recht gethan, und Einheit zwischen sie, zwischen seinem und seiner Regierung Auftreten herbeigeführt habe. Der Minister sah es dabei als günstig an, daß der deutsche Regierungs-Kommissär sich den dänischen angeschlossen. Nähere Aufklärungen sei er nicht im Stande, vor 2 bis 3 Tagen mitzutheilen.
(B. H.)
Aegypten:
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@facs0679
Alexandria, 14. Oktbr.
Laut den heute aus Kairo vom 12. erhaltenen Briefen hat sich der Gesundheitszustand unseres neuen Vizekönigs, Ibrahim Pascha, nicht gebessert, sondern sich eher verschlimmert; man hat auf Befehl der Regierung öffentliche Gebete für seine Erhaltung in allen Moscheen verlesen lassen. Dies ist ein schlimmes Zeichen. Uebrigens kann man wenig Bestimmtes über seine Krankheit erfahren, da sein wahrer Gesundheitszustand so viel als möglich von den ihn umgebenden Aerzten verheimlicht wird. Mehemed Ali befindet sich noch immer mit Geistesschwäche behaftet in Schubra. Ibrahim Pascha soll sich geäußert haben, daß wenn sein Uebel nicht bald eine bessere Wendung nehme, er eine Reise nach Italien antreten werde.
‒ Der Nil ist dieses Jahr auf eine Höhe gestiegen, wie er seit Menschengedenken nicht gewesen; er ist aus seinen Ufern getreten und hat alle angränzenden Dorfschaften überschwemmt. Auch die ganze Duraherndte, ein Hauptnahrungsmittel der Eingebornen, ist zu Grunde gerichtet, was großes Elend unter dem Landvolk hervorrufen wird. Dagegen hat Ibrahim Pascha eine Maßregel getroffen, die sehr wohlthätig auf die ärmere Klasse in diesem Lande wirken wird, er hat nämlich den Armen ein Drittel der Kopfsteuer erlassen, und ein anderes Drittel soll noch von den Armen auf die Vermögenden übertragen werden; dieser Nachlaß wird ihn sehr populär machen.
[(A. A. Z.)]
Amerika.
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@facs0679
[ * ]
Die Cambria erreichte Liverpool am vorigen Dienstag und brachte Nachrichten von New-York bis zum 17., Boston 18., Halifax 20. Oktober. In der Politik gab es nichts Neues. Die Vorbereitungen zur Präsidentschaftswahl nehmen ihren Fortgang und die Aussichten General Taylors hatten sich etwas gebessert. Thomas Darcy Magee, einer der Redakteure der Dubliner „Nation,“ der nach der letzten Insurrektion die Flucht ergriff, war in New-York angelangt und hatte sich sofort an's Werk gemacht, die Yankee's in irischem Interesse zu bearbeiten. ‒ Im Handel ist es stille; es geht nur wenig um und der Geldmarkt ist ohne alle Spekulation. Die Importation von Europa ist, wie gewöhnlich um diese Jahreszeit, unbedeutend. Die Baumwollerndte kann als außerordentlich günstig angenommen werden.
Die Berichte aus Canada lauten eben nicht erfreulich, da der Handel schlecht ging. Die Schifffahrtsgesetze und die übeln Folgen eines einseitigen Befolgens des Freihandelssystems, bildeten den Hauptgegenstand der Debatten. Quebeck litt durch das Darniederliegen des Schiffbaues.
Die Nachrichten aus Mexiko sind befriedigend, und im Ganzen war man mit der Präsidentschaft Herrera's zufrieden. Aus den Provinzen treffen minder günstige Berichte ein. Paredes stand nämlich wieder an der Spitze von etwa 600 Mann und wie man sagte, wollte er nach dem naheliegenden Tobasco marschiren. General Bravo zog ihm mit 400 Mann entgegen, kehrte aber dann wieder um und erwartet jetzt den Feind. ‒ Die Kaufleute von Corpus Christi beabsichtigen einen Güterzug nach Chihuahua zu senden und überhaupt diesen Weg für den Handel zu eröffnen. Ueber das Gold des Sacramento-Flusses trafen wieder zweifelhaftere Nachrichten ein. Auf Cuba war die Ruhe wieder hergestellt.
Asien.
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@facs0679
[ * ]
Die indische Post über Marseille bringt Berichte von Calcutta 22. Sept., Madras 25., Bombay 3. Okt. Die Operationen der englischen Armee vor Mooltan und der allgemeine Zustand des Punjab sind nicht sehr befriedigend. Man erlitt einen ziemlich fühlbaren Schlag durch den Abfall der Sith-Hülfstruppen. Gerade als General Whish's Brigade im besten Zuge war, die getroffenen Maßregeln durchzuführen, entfernte sich nämlich Shere Singh, mit seiner fast 5000 Mann starken Truppe, und ging, sehr wahrscheinlich nach einem längst vorbereitetem Plane, zu dem Dewan über. General Whish wurde hierdurch gezwungen, die Belagerung aufzugeben und nach einer rückgängigen Bewegung, seine Streitkräfte ungefähr 15 Meilen von der Citadelle entfernt, in einem verschanzten Lager zu vereinigen, um dort Verstärkungen von Ferozepore aus Seinde abzuwarten.
Moolraj's Armee stieg durch die Verrätherei Shere Singh's auf ungefähr 20,000 Mann und erwartet außerdem soviel Zuzug, daß sie vielleicht bald noch einmal so groß ist. Shutter-Singh, der Führer der Rebellen im Hazareh marschirte dem Dewan mit ungefähr 10,000 entgegen. ‒ In Lahore war es auch wieder unruhiger, bei den trefflichen Maßregeln der Behörden, glaubte man aber nicht, daß die jetzige Aufregung zu schlimmen Resultaten führen würde. ‒ Von Bombay sandte man fortwährend Truppen nach Seinde, um die Linie des mittleren Indus zu besetzen und auch nöthigerweise in den Punjab einzurücken; wenn die Bombaytruppen beieinander sind, so mögen sie wohl 10,000 M. betragen. Von der Bengalischen Gränze her wird man ebenfalls vorwärts marschiren, so daß dann General Gilbert mit ungefähr 20,000 Mann auf Mooltan losrücken würde. Bis zu dem Augenblick, wo diese Verstärkungen anlangen, wird sich General Whish mit seinen 70 Kanonen jedenfalls vor Mooltan halten können. Der Erfolg, den man von diesen imposanten Truppenmassen hofft, tröstet einigermaßen über die schlechten Erfolge der letzten Zeit.
Die Handelsnachrichten aus Bombay lauten günstig. Es wurde ziemlich viel umgesetzt; in den Preisen, namentlich aller Manufakturartikel, war aber noch keine bedeutende Besserung eingetreten.
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(Verspätet.)
Neustadt a. d. H., 24. Okt.
Nachstehendes Schreiben von dem hiesigen königl. Polizeikommissär erhielt Dr. Hepp, als Vorstand des Volksvereins, worauf letzterer Folgendes erwiederte:
Neustadt, 21. Oktober 1848.
„Seiner Wohlgeboren Herrn Dr. Hepp dahier.
Zufolge eines Rundschreibens des Reichsministeriums vom 3. I. M., sowie einer Ministerial-Entschließung vom 11. dieses ‒ bin ich gemäß Landkommissariats-Verfügung vom 20. Oktober beauftragt, Euer Wohlgeboren als Vorstand des Volksvereins zu ersuchen, wenn möglich umgehend, die Statuten des Vereins, die bisher bekannt gemachten Beschlüsse und die Angabe der Zahl der Vereins-Mitglieder, mir zur weitern Erledigung des gegebenen Auftrags übersenden zu wollen.
Besagtes Rundschreiben des Reichsministeriums, sowie die Ministerial-Entschließung will ich, wenn Euer Wohlgeboren dies wünschen, auf meinem Bureau Ihnen zur Einsicht vorlegen.
Mit vorzüglichster Hochachtung, der königl. Polizeikommissär, unterzeichnet: Reuthner.“
„Sr. Wohlgeboren dem Herrn königl. Polizeikommissär dahier.
Ihre gestern in Folge höheren Auftrages an mich, in meiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des hiesigen Volksvereins, gerichtete schriftliche Aufforderung kam mir, nach den vorausgegangenen Nachrichten öffentlicher Blätter und verschiedenen düsteren Anzeichen der Zeit, nicht unerwartet, und legt mir die Pflicht auf, Ihre Zuschrift zu beantworten, wenn auch nicht in dem gewünschten Sinne. Ich bin nicht allein Vorstandsmitglied des hiesigen circa 400 Mitglieder zählenden Volksvereines, welcher bekanntlich ein Zweigverein des am 9. April I. J. in Kaiserslautern gegründeten Pfälzischen Volksvereines ist, daher auch ‒ wie sich von selbst versteht ‒ die Satzungen des ganzen Vereines nur theilt und keine eigenen besitzt, sondern bin auch Mitglied des Central-Kreisausschusses des Pfälzischen Volksvereins.
In letzterer Eigenschaft fühle ich mich verpflichtet, gegen die in Folge des von Ihnen angeführten Rundschreibens des Reichsministeriums vom 3. l. M. und Erlasses des baierischen Ministeriums vom 11. dieses, uns angesonnene Vorlage der Statuten des Vereins und der bisher bekannt gemachten Beschlüsse desselben etc., vorläufig in persönlichem Namen ‒ da mir eine Verständigung mit den übrigen nicht hier anwesenden Mitgliedern des Centralausschusses im Augenblicke nicht möglich ist. ‒ Verwahrung einzulegen, und die Gründe, die mich hierzu bestimmen, hervorzuheben.
Im März dieses Jahres hat uns das ganze deutsche Volk den politischen Druck, der so schwer auf ihm lastete, durch seine edle, kräftige Erhebung von sich abgeschüttelt und die freie Bewegung seiner gefesselten Glieder wieder erlangt. Das Volk fühlte sich mündig und wollte frei sein ‒ und es wurde frei, indem sich keine Macht stark genug erachtete, um dem überall kräftig ausgesprochenen Volkswillen entgegenzutreten oder die Gewährung zu versagen. Eine der schönsten Errungenschaften dieser Volkserhebung bildet das unbeschränkte Vereinsrecht, in dessen faktischem Besitz das deutsche Volk sich schon seit mehr als 6 Monaten befindet und das nebst dem Versammlungsrechte dem bayerischen Volksstamme insbesondere durch ein vor den Ständen des Landes öffentlich gegebenes Ministerwort in so lange feierlich gewährleistet wurde, bis im Wege der Reichs- und Staatengesetzgebung die definitive Feststellung dieses so wie der andern Grundrechte des Volkes stattgefunden haben würde. Der verfassunggebende Reichstag in Frankfurt hat bereits die wesentlichen Grundrechte des Volkes zum erstenmale berathen und über das Vereinsrecht insbesondere in seiner 86sten Sitzung den Beschluß gefaßt:
„Die Deutschen haben das Recht, Vereine zu bilden. Dieses Recht „soll durch keine Maßregel beschränkt werden.“ [0680] Dadurch hat diese hohe Versammlung, welche die Souveränetät der ganzen Nation repräsentirt, unzweideutig ausgesprochen, daß sie weit entfernt ist, solche das Recht selbst gänzlich verkümmernde Polizeimaßregeln bezüglich des Vereinsrechtes, wie die angesonnenen, welche jeden Vaterlandsfreund nur allzusehr an den dahingeschiedenen Bundestag und dessrn unheiltvolles Wirken erinnern, ‒ fernerhin zuzulassen und daß sie entschlossen ist, das Vereinsrecht dem Volke in Wahrheit und unverkümmert zu erhalten und zu sichern, ‒ was durch die ganz nahe bevorstehende 2te Berathung der Grundrechte in Aussicht gestellt ist. ‒
Wenn gleichwohl das Reichsministerium, im direkten Widerspruche mit dem ausgesprochenen Beschlusse des deutschen Reichstages selbst, es unternommen hat, das unbeschränkte Vereinsrecht dem Volke zu entziehen und den untergegangenen Polizeistaat wieder, unter Anmaßung der gesetzgebenden Gewalt, ins Leben zurückzurufen: so wird hiegegen die ganze deutsche Nation ‒ wie ich hoffe ‒ einen wirksamen Protest erheben und wird von einer competenteren Seite demselben nachgewiesen werden, daß diese Befugniß ihm in keiner Weise zusteht.
Die Grundlage der Existenz des Reichsministeriums liegt in dem durch die deutsche Nationalversammlung erlassenen Gesetze vom 28. Juni l. J. Danach hat die provisorische Centralgewalt für Deutschland:
„Die vollziehende Gewalt zu üben in allen Angelegenheiten, welche die allgemeine Sicherheit und Wohlfahrt des deutschen Bundesstaates betreffen,“
und ist die Errichtung des Verfassungswerkes selbst von ihrer Wirksamkeit gänzlich ausgeschlossen.
Das Reichsministerium hat sonach als Exekutivbehörde wohl die Verpflichtung, den Reichsbürger in seinen verfassungsmäßigen Rechten ‒ mögen sich diese auf die Reichs- oder Staatenverfassung gründen ‒ zu schützen und alle Angriffe auf die Sicherheit und Wohlfahrt des deutschen Bundesstaates kräftig abzuwehren und insbesondere die Beschlüsse der constituirenden Nationalversammlung zu vollziehen, keineswegs aber steht demselben die Befugniß zu, in die Gesetzgebung des Reiches oder der einzelnen Staaten irgend wie einzugreifen oder auch nur ein einziges Recht eines Staatsbürgers anzutasten oder zu suspendiren. So lange noch in Deutschland die vollziehende von der gesetzgebenden Gewalt getrennt ist und so lange wir noch nicht dahin gelangt sind, daß das ganze deutsche Volk unter das Kriegsgesetz gestellt, d. h. die Herrschaft der Gesetze suspendirt ist, ‒ so lange steht dem Reichsministerium das Recht nicht zu, beschränkende Verfügungen über die Rechte des Staatsbürgers zu erlassen.
Wenn ich hiernach erkläre, daß ich Ihrer Aufforderung nicht Folge leisten kann, noch werde, und daß ich hoffe, daß alle Mitglieder des pfälzischen Volksvereins, so wie aller anderen politischen Vereine in ganz Deutschland eben so handeln werden: so gehe ich hiebei von dem Grundsatze aus, daß es Pflicht eines jeden freigesinnten deutschen Mannes ist, den auf Verkümmerung der Errungenschaften der Neuzeit gerichteten Bestrebungen, woher sie auch kommen mögen, mit männlicher Entschiedenheit entgegen zu treten und nur der Gewalt allein zu weichen, indem die principielle Anerkennung des Rechtes der Regierungsgewalt zu einer ungesetzlichen und willkührlichen Maaßregel alle andern Freiheitsrechte des Volkes mit der Vernichtung ebenfalls bedrohen würde. Nur dieser Grund ist es, warum ich Ihrer Anforderung nicht entspreche, vielmehr gegen dieselbe protestire. Außerdem bestünde wahrlich kein Grund zur Verweigerung Ihres Begehrens: denn das Wirken des pfälzischen Volksvereins ist bekannt: sein Zweck, seine Beschlüsse, sowie seine Satzungen, worüber in öffentlichen Sitzungen verhandelt wurde, sind für Niemanden ein Geheimniß, durch die Presse ihrer Zeit mehrfältig veröffentlicht worden und dürfen darum auch als eine den Polizei- und Verwaltungsbehörden unseres Landes längst bekannte Sache betrachtet werden.
Sollte das königl. bayerische Staatsministerium beschlossen haben, dem Volke die Errungenschaften der Neuzeit dadurch zu entziehen, daß es die Existenz politischer Vereine von der Vorlage und Genehmigung der Statuten und einer fortwährenden polizeilichen Aufsicht abhängig machen will: so müßte ich dieses beklagen, würde aber immerhin die völlige Aufhebung aller politischen Vereine durch den Machtspruch der Gewalt einer Fortexistenz unter der Aufsicht der Polizei vorziehen. Ob aber eine solche Maßregel auch nur im Geringsten durch die seitherige musterhafte Haltung der ganzen Bevölkerung der Pfalz gerechtfettigt erscheinen kann, ob sie gute Früchte bringen, oder ob sie Aufregung, Unwillen und Entrüstung in der bis jetzt so ruhigen und durch ihren Sinn für gesetzliche Ordnung sich auszeichnenden Bevölkerung der Pfalz hervorrufen wird: dies will ich Andern zur Beurtheilung anheimgeben und mich meinerseits für alle Fälle damit trösten, daß die Verkümmerung der großen Freiheitsrechte eines Volkes, welches zur Erringung derselben entschlossen ist und sich mündig fühlt, ‒ jedenfalls nur von kurzer Dauer sein wird.
Neustadt an der Haardt, 22. Oktober 1848.
Mit vollkommener Hochachtung, Dr. Hepp.

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Civilstand der Stadt Köln.
Den 26. u. 27. Okt. 1848.
Geburten.
Jos, S. v. Joh. Peter Bungard, Kleiderm., Maximinenstr. ‒ Phil. Jacob, S. v. Leon. Giesen, Maurer, Spulmannsg. ‒ Pet. Jos. Hub., S. v. Heinr. Dahmen, Kfm., Benesisstr. ‒ Pet. Jof. Julius, S. v. Anton Theod. Bormacher, ohne Gew., Plankg. ‒ Gerh., S. v. Hub. Kürten, Rothgerbertagl., alte Mauer am Bach. ‒ Heinr. Jos., S. v. Wilh. Schallenberg, ohne Gew., Waidmarkt. ‒ Christ., S. v. Pet. Jos. Schwarz, Tagl., Catharinengr. ‒ Christ., T. v. Joh. Heinr. Röttgen, Fuhrm., Löhrg. ‒ Anna Maria, T. v. Friedr. Wilh. Frings, Spezereih., Sterneng. ‒ Robert, S. v. Christ. Idel, Kfm., Filzengr. ‒ Theod. Ferd., S. v. Friedr. Salomon, Post-Kondukteur, Wolfsstr ‒ Maria Cath. Hubert, T. v. Theod. Sprenger, Tagl., Perlengr. ‒ Wilh., S. v. Laur. Aug. Gipperich, Tischlerm., Severinsw. ‒ Ein unehel. Mädchen.
Anna Maria, T. v, Friedr. Wilh. Eblinghaus, Schmid, kl. Griechenm. ‒ Agnes, T. v. Nicol. Lender, Nagelschmied, Severinsw. ‒ Titus, S. v. Conr. Stock, Gerießhändl., Weichserhof. ‒ Sib, T. v. Franz Bernard, Steinhauer, gr. Griechenm. ‒ Anna Cath. Hubert., T. v. Peter Jos. Hilgers, Spitzenhändl, Severinstr. ‒ Elias, S. v. Friedr. Wilh. Falkenberg, Schreinerges., Entenpf. ‒ Herm., S. v. Otto Engels, Kfm., Hochpforte. ‒ Joh. Jacob Heinr. Maria, S. v. Joh. Jacob Weyland, Lehrer an der höh. Bürgerschule, Weberstr. ‒ Hel., T. v. Heinr. Cronenberg, Kleiderm., Rinkenpf. ‒ Cathar., T. v. Anton Hecker, Gerißträger, kl. Spitzeng.
Sterbefälle.
Peter Schüntzler, 5 J, 9 M. alt, gr. Griechenm. ‒ Heinr. Heller, Leinenw., 71 J. alt, verheir., Mariengarteng. ‒ Magdal. Herser, Wittwe Mattler, 62 J alt, kl. Griechenm.
Everh. Laur. Jacob Jos. Hub. Niessen, 9 M. alt, Mühlenb. ‒ Gotth. Leop. Alex. Veling, 44 J. alt, Chemiker, verheir., Glockeng. ‒ Theod. Faßbender, Gärtner, 29 J. alt, unverh., Severinskl. ‒ Heinr. Eschweiler, 3 1/2 J. alt, Thieboldsg. ‒ Nicol. Döring, 5 M. alt, Thürmchensw.
Heiraths-Ankündigungen.
(29.) Paulus Frings, Plattirer, Johannstr., u. Anna Maria Cath. Hackenbroch, Mariengarteng. ‒ Wilhelm Nicksch, Rheinarb., Catharinengr., und Anna Cathar. Schaeffer, Hahnenstr. ‒ Jacob Schell, Büttenmacherm., Spulmannsg., und Maria Louise Heusser, zu Frankfurt. ‒ Casp. Sieberz, Schreiner, Marzellenstr., und Anna Cathar. Hubert. Delonge, Elsterg. ‒ Wilh. Höfer, Schuster, St. Apernstr., und Maria Hel. Schmitz, Glockeng. ‒ Karl Casp. Tillmann, Schuster, Streitzeugg., und Anna Segschneider, Elisenstr. ‒ Simon Heinr. Christ. Schneidewind, Tagl., und Doroth. Louise Wilhelm. Wehmann, beide Severinstr. ‒ Joh. Fabry, Schuster, Eigelstein, und Elisab. Elsen, Wollkuche, früher zu Düren. ‒ Franz Karl Jos. Simon, Handlungsgeh., unter Goldschmied, und Anna Maria Haaß, zu Wesseling. ‒ Andr. Diel, Stellmacher, Antoniter, und Cathar. Nußbaum, zu Linz. ‒ Peter Breuer, Tagl., Severinstr., und Anna Cathar. Bachem, zu Bottenbroich. ‒ Peter Mybach, Dienstkn., zu Solingen, und Joh. Roß, zu Westhoven. ‒ Peter Bürgel, Tagl., und Margar. Wingen, beide Thieboldsg. ‒ Peter Jos. Lintz, Eisenbahnarb., zu Nippes, und Elisab. Holthuisen, Linde. ‒ Jos. Anton Claessen, Doktor der Medizin, Wittwer, Langg., und Ida Theegarten, Waidm. ‒ Gust. Otto Schagen, Omnibus-Kondukteur, Brückenstr., und Frunc. Türck, Butterm. ‒ Joh. Wilh. Mondinalli, Fuhrm., Lintg., und Cathar. Becker, Castellgäßchen ‒ Laurenz Effgen, Seidenw., unter Kranenb., und Magdal. Lamberg, unter Kalenh. ‒ Jos. Zach. Kallenberg, Faßb., Severinstr., und Cathar. Arenz, Quirinstr. ‒ Christ. Ludw. Schneider, Sattler, und Elisab. Christ. Margar. Maria Nigge, Wittwe Heinrichsdorf, beide Zollstr.
Vom 29. Okt.
Geburten.
Thomas, S. v Clem. Froitzheim, Tischlerm., unter Goldschm. ‒ Margar., T. v. Ludw. Leichenich, Rheinarb., Goldg. ‒ Wilh., S v. Casp. Quenter, Tagl., Buttermarkt. ‒ Cacilia Hubert., T. v. Joh. Jacob Dansard, Kammacherm., Röhrerg. ‒ Anna Cathar. Hubert., T. v. Rene Ransone, Beigeord. Landgerichts-Sekretär, Pfeilstraße. ‒ Mathilde Carol., T. v. Joh. Heinr. Adenauer, Landgerichts-Sekretär, Benesisstr. ‒ Anna Gertr., T. v. Theod. Breuer, Maurer, Seyeng. ‒ Rob., S. v. Peter Joh. Platte, Rentner, Mauritiussteinw. ‒ Herm. Jul., S. v. Hieron. Hartmann, Restaurateur, gr. Witschg. ‒ Peter und Cathar., Zwill., v. Joh. Lohmar, Fuhrmann, unt. Kranenb. ‒ Drei unehel. Knaben und zwei Mädch.
(27.) Casp. Conr. Hub., S. v. Joh. Conr. Schulte, Schreinerm., gr. Neug.
Anna Maria Hubert., T. v. Jos. Schumacher, Faßb., Lyskirchen. ‒ Phil. Jacob, S. v. Karl Wiedekop, Handelsmann, Maximinenstr. ‒ Peter Jos., S. v. Paul Bremer, Branntweinbr., Johannstr. ‒ Aug. Hein., S. v. Heinr. Stolzfuß, Cigarrenm., Josephstr. ‒ Jos., S. v. Joh. Friedrich, Schreinerm., Quirinstr. ‒ Maria Joh. Emilie, T. v. Karl Aug. Gelonneck, Priv-Sekr., Telegraphenstr. ‒ Jacob, S. v. Georg Dahlen, Gärtner, Probsteig.
Sterbefälle.
Gertr. Kremer, 2 1/2 J. alt, Catharinengr. ‒ Gertr. Barb. Leiendecker, 8 M. alt, Franziskaner-Kaserne. ‒ Franz Phil. Jos. Joh. Nepom. Hub. DuMont, ohne Gew., 46 J. alt, unverh, Ursulapl. ‒ Franz Mich. Bürvenich, Anstreicherm., 68 J. alt, verheir., St. Agatha. ‒ Reg. Klemm, 27 J. alt, unverh., Steinfelderg. ‒ Margar. Schneider, 20 J. alt, unverh., Schafenstr. ‒ Joh. Schäfer, Spezereihändl., 71 J. alt, verheir., Sterneng. ‒ Cäcilia Juckert, 32 J. alt, unverh., Cäciliensp. ‒ Ein unehel. Knabe und ein Mädchen.
Hel. Wolter, Wittwe Schmitz, 74 J. alt, Schilderg. ‒ Joh. Dittscheidt, ohne Gew., 59 J. alt, verheir. Rothenberg. ‒ Peter Thelen, Tagl., 69 J. alt, verheir., Thürmchensw. ‒ Margar. Ennenbach, Wittwe Transfeld, 62 J. alt, Mathiasstr. ‒ Rein. Valder, ohne Gew., früher Schuster, 67 J. alt, Wittwer, Elsterg.
Heirathen.
Martin Wolter, Gärtner, Wittwer, v. Bonn, und Maria Anna Mohr, v. Westum. ‒ Peter Verheyen, Polizei-Sergeant, Wittwer, v. Weeze, und Anna Christ. Wipperfürth, v. hier.
Anzeigen.
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Schifffahrts-Anzeige.
Köln, 3. November 1848.
Angekommen: P. v. Lith von Dordt, mit 1196 Ctr. C. Bovens von Dordt, mit 3105 Ctr. W. Fromm von Dordt, mit 2536 Ctr.
Abgefahren: A. Meyer nach Duisburg. J. Bayer nach der Saar. Wtb. Jak. Schaaff nach Wesel.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Wwe. H. Lübbers. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr A. Meyer. Nach Andernach und Neuwied Jacob Schilowski C. Kaiser. Nach Koblenz, der Mosel u. Saar G. Weidner. Nach der Mosel, nach Trier und der Saar N. Pisbach. Nach Mainz J. Hirschmann. Nach dem Niedermain C. Nees. Nach dem Mittel- und Obermain. C. Hegewein. Nach Worms und Mannheim L. Müller. Nach Heilbronn G. C. Schmidt. Nach Bingen Wwe. Jonas.
Nach Rotterdam Kapt. Peer Köln Nr. 13.
Nach Amsterdam Kapt. Demmer Köln Nr. 25.
Rheinhöhe am 3. Nov. 6′ 1″.
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Bekanntmachung.
Vom 1. November ab, wird die jetzt zwischen Koblenz und Bonn koursirende Schnellpost, während der Wintermonate oder bis auf weitere Bestimmung bis Köln ausgedehnt.
Zu dieser Post werden wie früher 12-sitzige Wagen eingestellt.
Der Abgang aus Koblenz erfolgt täglich Abends 7 3/4 Uhr, Ankunft in Köln des Morgens 4 Uhr. Der Abgang aus Köln, täglich Abends 8 Uhr, Ankunft in Koblenz des Morgens 5 Uhr.
Die mit dieser Post abzusendenden Briefe, müssen in Köln spätestens bis 6 1/2 Uhr Abends zur Post gegeben werden.
Köln, den 25. Oktober 1848.
Ober-Post-Amt, Rehfeldt.
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Omnibus-Fahrten zwischen Köln, Bergheim und Jülich.
Während der Winter-Periode 1848-49 vom 1. November c. ab.
Von Köln nach Bergheim Morgens gegen 7 und 10, Nachmittags gegen 4 Uhr.
Von Köln nach Jülich.
Morgens gegen 10 Uhr.
Von Bergheim nach Köln.
Morgens gegen 7, Nachmittags gegen 1 und 5 Uhr.
Von Jülich nach Köln.
Morgens gegen 10 1/2 Uhr
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Die Gesellschaft zur „Vereinbarung der Heuler und Wühler“ hält heute 7 Uhr ihre vierte Sitzung, Mühlengasse Nr. 1, im Lokale der Gesellschaft „Lätitia“; zur Theilnahme wird eingeladen. Mit 50 Mitgliedern wird die Liste geschlossen.
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Casino-Ball-Gesellschaft.
Es werden im Laufe dieses Winters 6 Casino-Bälle Statt finden, und zwar:
Derersteam18. November 1848.
Derzweiteam2. Dezember 1848.
Derdritteam31. Dezember 1848.
Dervierteam20. Januar 1849.
Derfünfteam3. Februar 1849.
Dersechsteam17. Februar 1849.
Köln, den 3. November 1848.
Die Casino-Ball-Direktion.
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Bonn-Kölner Eisenbahn.
Vom 1. November d. J. ab werden versuchsweise Billets zur 1. Wagen-Klasse, für Hin- und Rückfahrt zwischen Bonn und Köln an demselben Tage gültig, zum Preise von 25 Sgr. per Billet verkauft.
Die Direktion.
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Köln-Mindener Eisenbahn.
Um auch diejenigen Stationen unserer Bahn, welche nicht direkt in den nord-deutschen Eisenbahn-Verband aufnenommen sind, an den Vortheilen desselben möglichst Theil gehmen zu lassen, ist die Einrichtung getroffen, daß die Güter, welche mit direkten Frachtbriefen nach Magdeburg, Leipzig, Berlin oder weiter versehen sind, durch unentgeltliche Um-Expedition in Minden auf Verlangen der Absender in den Verbandverkehr aufgenommen werden.
Daä Nähere ist bei den Güter-Expeditionen zu erfahren.
Köln, den 25. Oktober 1848.
Die Direktion.
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Regelmäßige Packet-Schifffahrt zwischen Antwerpen, New-York u. New-Orleans am 1. und 15. jeden Monats für Kajüten- u. Zwischendeck-Passagiere, so wie für Waaren-Transport.
Näheres über die Preise der Plätze und Frachten bei Strecker, Klein & Stöck in Antwerpen, den Agenten, und bei den Unterzeichneten:
Dr. G. Strecker, in Mainz.
Ant. Jos. Klein, in Bingen.
Jos. Stöck. in Kreuznach.
In Köln ertheilt nähere Auskunft das Handlungshaus van Maenen & Cp., Thurnmarkt 73.
In Ladung nach New-Orleans:
Der amerikanische Dreimaster „CONSTELLATION“, Kapt. Flitner, Abfahrt am 25. Oktober.
In Ladung nach New-York:
Der ausgezeichnet schöne amerikanische Dreimaster „PETER HATTRICK“, Kapt. Rockwell, Abfahrt am 1. Nov
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Kölnischer Kunst-Verein.
Die zehnte Kunst-Ausstellung auf dem Saale Gürzenich ist jeden Tag von Morgens 9 bis Abends 6 Uhr geöffnet. Eintrittspreis für die Wochentage 5 Sgr., für Sonn- und Feiertage 2 1/2 Sgr. Das Personal-Abonnement für die Dauer der Ausstellung 1 Thaler. Verzeichnisse der ausgestellten Kunstwerke sind zu 5 Sgr. am Ausgange zum Saale bei St. Alban zu haben.
Anmeldungen zu Aktien können auf dem Saale in die dazu bereit liegenden Listen eingeschrieben werden.
Dr Ernst Weyden, Sekretär.
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Ober-Moseler-Weinmost und neuer Wein-Ausbruch im Freischützen.
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Ein kräftiger gesunder Mann sucht irgendwie Beschäftigung, um sich und seine Familie zu ernähren. Näheres Kostgaße Nr. 15.
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Ein Kappenmacher-Lehrling gesucht. Hochstraße Nr. 66.
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Mosel-Dampfschifffahrt.
Täglicher Dienst.
Abfahrt von Trier Morgens um 5 Uhr.
Abfahrt von Koblenz (nach Ankunft der Nachtboote von Köln) Morgens um 6 Uhr.
Vom 1. November c. an fahren unsere Schiffe nur Schiffe nur viermal wöchentlich und zwar:
von Trier Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags, Morgens um 5 Uhr von Koblenz Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags Morgens um 6 Uhr.
Trier, den 23. Oktober 1848.
Die Direktion.
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Bei G. Tonger, Pauluswache ist zu haben:
Die Weissagungen des 97jährigen Benediktinermönchs Paola in seiner Todesstunde, 6 Pfg.
Wunderbare Prophezeiungen des Bruders Hermann v. Lehnin über das preuß. Regentenhaus und die Schicksale des preuß. Staates. ‒ Merkwürdige Prophezeiungen des Simon Speer. ‒ Bericht eben bekannt gewordener Prophezeiungen etc. Zusammen in einem Hefte. 18 Pfge.
(Die hier angezeigten 3 Prophezeiungsbüchlein zusammen 2 1/2 Sgr., so wie dutzendweise bedeutend billiger.)
Lebensbilder in Erzählungen aus dem Französischen. (Ladenpreis 20 Sgr.) 6 Sgr.
Naturgeschichte der Vögel in naturtreuen Abbildungen und ausführlicher Beschreibung von Prof. Strack. Dicker Quartband mit 102 prachtvoll kolorirten Tafeln-Abbildungen. (Ladenpr. ungeb. 8 Thlr) jetzt mit starkem schönem Einbande nur 2 Thlr.
Die angezeigten Artikel sind sämmtlich neu und wo kein Einband angegeben, sauber geheftet und in Mehrzahl vorräthig.
Auswärtigen die Anschaffung zu erleichtern, sende ich trotz der geringen Preise, jede Bestellung von mindestens 2 Thlr. das Paket portofrei zu, und lege außerdem noch jeder Bestellung von mindestens 4 Thlrn. ein Loos zur Gemälde-Verloosung, worauf ein Gemälde von 30 bis 200 Thlr. Werth gewonnen werden kann, gratis bei, so bei Bestellungen von wenigstens 8 Thlrn. 2 u. s. w. Jeder Bestellung muß aber der Betrag portofrei beigefügt werden.
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Sehr gute irdene Kochgeschirre und steinerne Einmachstöpfe sind billig zu haben, bei Paul Jos. Bungartz, unter Hutmacher Nr. 18.
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Römischer Circus.
Von Alexandro Guerra.
Abreise der Gesellschaft.
Heute den 4. November 1848, große Vorstellung mit neuen Abwechselungen, zum Beschluß die Vorposten oder das Zusammentreffen zweier Freunde nach der Schlacht von Ostrolenka, große Pantomime mit Gefecht zu Pferd, und mehreren Tabbellaux, ausgeführt von sämmtlichen Herren der Gesellschaft.
Alexandro Guerra.
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Heute Samstag den 4. November 1848:
Abends 7 Uhr.
Restauration im Stollwerck'schen Saale.
Entree à Person 10 Sgr., wofür Getränke verabreicht werden.
Hierbei große musikalische dramatische Abend-Unterhaltung.
Das war ich.
Lustspiel.
Zum Schluß.
Der Nachbar im Omnibus.
Posse.
Kassa-Eröffnung 6 Uhr.
Franz Stollwerck.
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Theater-Anzeige.
Samstag den 5. November 1848.
Achte Gastdarstellung und Benefiz der Frau Martin-Zimmann, Solotänzer vom königlichen Hoftheater zu Lissabon.
Zum letzten Male:
„Gott und die Bajadere.“
Große Oper mit Ballet in 2 Aufzügen. Musik von Auber.
Die Ballets sind von Balletmeister Herrn Martin arrangirt.
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W. Dietz, unter Hutmacher 17.