[0687]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No. 135. Köln, Sonntag den 5. November. 1848.
Zweite Ausgabe.
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Wiener Nachrichten. ‒ Bunsen.) Berlin. Ministercrise. ‒ Empfang der Volksrepräsentanten bei Friedrich Wilhelm IV. ‒ Ein Wupperthaler. ‒ Natioealversammlung.) Stettin. (Milde.) Frankfurt. (Nationalversammlung,) Mannheim. (Der bürgerfreundliche Bekk.) Prag. (Depesche.)!
Italien. Messina. (Zustand. ‒ Neueste Nachrichten.)
Französische Republik. Paris. (Versammlung der Clubs in Wahlversammlungen. ‒ Nationalversammlung. ‒ Vermischtes.)
Deutschland.
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Edition: [Karl Marx: Wiener Nachrichten, vorgesehen für: MEGA2, I/8. ]
[ X ] Köln, 5. Nov.
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[ * ] Köln, 3. Novbr.
Der Ritter Bunsen ist gewiß ein ehrenwerther Mann. Der Ritter Bunsen spricht englisch und was noch viel wichtiger ist, er reitet auch englisch: der Ritter Bunsen ist der Gesandte Preußens in London.
Man sieht, was alles aus einem simpeln evangelischen Kandidaten werden kann!
Der Ritter Bunsen ist ein frommer Mann; er schrieb Dutzende von Traktätchen und hielt Dutzende von Reden in Konventikelchen. Der Ritter Bunsen ist der Groß-Ceremonien-Meister eines neuen pietistisch-protestantischen Cultus, der leider nie recht zum Ausbruch kam, der leider nie Gelegenheit hatte, sich einmal praktisch von Grund aus zu blamiren.
Das letztere ist uns immer ein Räthsel gewesen. Der Name Bunsen und das Wort Blamage sind nemlich so eng mit einander verbunden, daß Bunsen ohne eine Blamage fast ein Widerspruch ist.
Wir bekommen jedes Mal einen heiligen Schrecken, wenn wir den Namen Bunsen in irgend einem Blatte genannt sehen, denn wir wissen dann im Voraus, daß irgend ein Unheil im herannahen ist ‒ wie die Möwe dem Sturm, so fliegt der Name Bunsen jeder Blamage vorher. Der Ritter Bunsen ist der Blamagenvogel Deutschlands.
Wehe uns aber erst, wenn wir den edlen Ritter in einem englischen Blatte, wenn wir ihn gar in der Times lobend erwähnt finden! Zu dem Bewußtsein einer Blamage gesellt sich dann noch die Ueberzeugung, daß wir diese Blamage mit unserm guten Gelde baar bezahlen müssen, daß wir den Engländern dafür büßen müssen, in Pfunden, Schillingen und Pencen.
Der Ritter Bunsen ist der kostspieligste Gesandte, den Deutschland je gehabt hat. Eine Lobhudelei des Ritter Bunsen in der Times kostet dem deutschen Volke Hunderttausende.
Doch zur Sache. Seit einiger Zeit wurde Hr. Bunsen nicht mehr genannt. Seit dem Augenblick, wo der Ritter auf das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten der deutschen Centralgewalt spekulirte und sich verspekulirte, war er wie todt und todt mit ihm die Blamage.
Da schlagen wir gestern die Times von Mittwoch, dem 1. Nov. auseinander, und wahrhaftig, wir irren uns nicht, Hr. Bunsen, ist von den Todten auferstanden, die Blamage lebt wieder, die Times bringt einen langen lobenden Leitartikel über den Ritter über eine kleine Broschüre, die er vom Stapel laufen ließ, eine wahre Tartine kaum der Rede werth und erschrocken reiben wir uns die Stirn.
Von wo mag der Wind pfeifen? Was ist der Grund dieses Lobes? Wo steckt die Blamage? Geben wir unsern Lesern Aufschluß darüber.
Am 5. Sept. erließ das Ministerium „Auerswald-Hansemann-Milde eine provisorische Verordnung, die Erhebung eines Zuschlages zu den Eingangsabgaben von einigen ausländischen Waaren betreffend.“ Diese Zollerhöhung, da sie englische Wollen-Garne und Wollenwaaren traf, war ein harter Schlag namentlich für alle Häuser der Grafschaft Yorkshire, die über Hamburg, Rotterdam oder Antwerpen jährlich enorme Quantitäten dieser Artikel nach dem deutschen Kontinente hinübersenden. Wir sehen daher auch die Exporteure von Bradford, Leeds, Huddersfield u. s. w. schon gleich nach Publizirung der preuß. Verordnung, sich in einer energischen Adresse an Lord John Russel wenden, in der man ihn ersuchte, sofort die nöthigen Schritte zu thun, um die Maßregel preußischer Seits rückgängig zu machen. In Deutschland selbst wandten sich die bei der Sache Interessirten mit ähnlichen Protestaktionen direkt an das Handelsministerium in Berlin.
Wir wollen hier nicht untersuchen, ob die Verordnung vom 5. Sept. für das Interesse Deutschlands günstig oder ungünstig war; so viel ist aber gewiß, daß sie schon vor mehreren Tagen eben so feierlich von Preußen wieder zurückgenommen wurde, als sie vor mehreren Wochen feierlich proklamirt ward.
„Es freut uns, sagte die Times am 31. October, die Mittheilung machen zu können, daß die Staaten des Zollvereins, in Betreff einer Erhöhung der Eingangsrechte die Zulassung britischer Waaren, frei von allen additionellen Zöllen beschlossen haben, falls diese Waaren von einem Ursprungs-Certifikate begleitet sind. Das preußische Gouvernement hat außerdem die Absicht, die additionellen Zölle, welche bereits auf, von gehörigen Certifikaten begleitet gewesene Waaren bezahlt wurden, zurückzuerstatten, und die andern Staaten des Zollvereins zu einem ähnlichen Schritte zu veranlassen.“
Wir fragen unsere Leser aber, ist es nicht eine Blamage sonder Gleichen, daß eine kaum gegebene Verordnung, welche die deutschen Handelsinteressen bis in die weitesten Verzweigungen berührt, so flott und leicht zurückgenommen wird, als drehe es sich um eine wahre Lapalie, um ein reines Kinderspiel?
Was werden die Engländer sagen, die ihre besten Köpfe Tage und Nächte lang über auch nur die kleinste Aenderung der kommerziellen Gesetzgebung im Parlamente debattiren lassen, wenn sie sehen, wie liederlich und wie kindisch wir mit den wichtigsten Angelegenheiten umgehen!
Aber die Engländer lachen uns eben aus, sie wissen, daß wir wieder nach ihrer Pfeife tanzen werden und das Lob der Times über jeden literarischen Wisch des Ritters Bunsen klingt daher nur wie die höhnischste Schadenfreude über ein Volk, das trotz aller Revolutionen, die wichtigsten Gesandtschaftsposten noch in solchen Händen läßt, wie in denen eines Bunsen.
Die Null Bunsen wird wieder einmal vergöttert und Deutschland hat sich wieder einmal plamirt. Wie lange wird dies noch dauern?
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[ X ]Berlin, 3. Nov. 8 Uhr Abends.
Der Graf Brandenburg, jetzt Herr Brandenburg, hat sein Portefeuille, so wie wir eben hören, zurückgegeben, weil es ihm nicht gelungen ist, eine Minister-Combination zusammenzubringen. Der Abgeordnete Kirchmann, Staatsanwalt, hat sofort den Auftrag zur Bildung eines neuen Ministeriums erhalten. Er wird so wenig zusammenbringen, wie Brandenburg. ‒ Es ist bei der Nationalversammlung der Antrag auf Bildung einer Kommission zur Untersuchung der gegenwärtigen Lage des Landes gestellt worden. ‒ In der Vereinbarersitzung liefen am Schlusse die Minister fort, wie Schuljungen, taub gegen das Geschrei Dazubleiben. ‒ Ueber den Empfang der Volksrepräsentanten beim Könige folgendes Authentische: Die Deputation mußte lange warten in einer dunkeln Gallerie; dann erschien der Adjutant, Major v. Manteufel, zum Anmelden. Er kam mit der Antwort zurück, Se. Maj. empfange keine Deputation ohne Minister. v. Unruh ersuchte, ihn Sr. Maj. persönlich zu melden. Der Adjutant kehrte zurück mit der diplomatischen Aeußeeung, Se. Maj. habe soeben eine ministerielle Depesche über die Ankunft der Deputirten empfangen, und nun wolle er die Deputation empfangen. Also Audienz. Die Adresse wurde vom Präsidenten verlesen. Als er zu der auf Wien bezüglichen Phrase kam, kehrte der König der Volksrepräs. den Rücken zu, wendete sich jedoch bei dem Worte „Herz u. s. w.“ wieder herzgerührtest um. Dann nahm Er die Adresse, faltete, knitterte sie zusammen, sich entfernend. Jakoby: „Wir sind nicht allein hieher gekommen, um die Adresse zu überreichen, sondern um die wahre Sachlage des Landes Ew. Maj. vorzulegen. Wollen Sie uns nicht geneigtes Gehör schenken?“
Nein, sagt S. M.
Worauf Jacobi erwiderte: „Es ist ein Unglück für die Könige, daß sie die Wahrheit nie hören wollen.“
S. M. verschwindet. Bald darauf erscheint der Adjutant zurück und sagt, S. M. könne nicht antworten ohne Minister, vielweniger noch in Folge der letzten Worte.
Der Präsident Unruh bat S. M. zu bemerken, daß die Adresse beinahe einstimmig angenommen sei, die Worte des Abgeordneten Jacobi dagegen nur der Ausdruck einer persönlichen Meinung seien. Rodbertus ( ‒) und Berg (Karrikatur des Abbé's des 18. Jahrh. moins l'esprit) versuchten zu bemerken, daß sie Jacobi's Meinung nicht theilten, (es also für ein Glück der Könige halten, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen; les bons hommes!); Baumstark (Montesquieu LXXII) bemerkt, daß sie alle (alle Baumstarks nämlich!) nicht beipflichteten, worauf D'Ester den Adjutanten ersucht, Se. M. nicht die Phrase des Montesquieu Baumstark, die „Alle“, zu hinterbringen, da Er, D'Ester, Jacobi beipflichte und ganz dessen Ansicht theile. Schließlich theile ich Ihnen noch ein interessantes Faktum mit. Als der Abg. D'Ester in der Sitzung der National-Versammlung vom 3. Nov. bemerkte: (zur faktischen Berichtigung): „Ich muß nothwendig dem Berichte des Präsidenten v. Unruh etwas zufügen. Als die Deputation Sr. Maj. die Adresse überreicht hatte, entfernte sich der König sofort, ohne eine Antwort zu „ertheilen,“ stürzt ein Wupperthaler Kaufmannsbursche, Abg. Scheid oder Scheidt, die Ortographie des großen Mannes ist unbekannt, mit geballter Faust gegen die Tribüne: „Die Buckskinshändler von der Ruhr das sind die klügsten Leut!
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[ 103 ] Berlin, 3. Nov.
Nach Schluß meines gestrigen Briefes währte die Permanenz der Nationalversammlung fort. Beschlüsse konnten nicht gefaßt werden, indem die Versammlung nicht in beschlußfähiger Anzahl versammelt war. Die Mitglieder der Linken erschienen nach 9 Uhr wieder vollständig auf ihren Bänken, aber die der Rechten blieben leer. Ein kleiner Theil Schwankender von der Rechten hielt sich noch im Nebensaal auf, der größte Theil hatte sich gänzlich entfernt. Da wurde nach 10 1/2 Uhr die Abschrift einer telegraphische Depesche, die eben von Potsdam angekommen, verlesen. Sie war vom Präsidenten Unruh an die Minister Eichmann und Bonin gerichtet, daß sich die Minister schleunigst nach Potsdam zum König begeben möchten. Obgleich diese Depesche schon um 9 Uhr in Potsdam abging und der elektromagnetische Telegraph keinen merklichen Zeitraum zur Beförderung braucht, kam sie dennoch erst nach 10 1/2 Uhr in die Hände des Präsidenten Phillips. Die anwesenden Mitglieder der Rechten, neugierig was die Depesche enthielt, kamen in den Sitzungssaal und die Versammlung war wieder beschlußfähig. Der Präsident brachte nun den Antrag der Nachmittags vom Abgeordn. Schulze (Delitzsch) und Pilet gestellt war: „daß die Versammlung bis zur Rückkehr der Deputation permanent bleibe“, zur Berathung. Die schwankend gewordenen Antragsteller nahmen den Antrag zurück, da die Deputation sobald noch nicht zu erwarten sei. Aber die äußerste Linke nahm ihn auf und der Antrag wurde mit 114 gegen 106 Stimmen nach längerer Debatte angenommen. Die Rechte verlangt hierauf die namentliche Abstimmung; sie entfernt sich aber während derselbrn, so daß die namentliche Abstimmung; ergibt, daß der Permanenzantrag mit 115 gegen 68 Stimmen angenommen ist. Da sich die Rechte entfernt hat, ist die Versammlung wieder beschlußunfähig geworden. Ein Brief des Ministers Eichmann wird verlesen, worin derselbe dem Präsidenten anzeigt, daß er erst am andern Morgen mit dem ersten Zuge, nebst den andern Ministern zum Könige gehen werde. ‒ Dieser Brief erregt allgemeine Entrüstung. „Das ist ein Hohn gegen die Versammlung“, ruft Elsner u. A. ‒ Was ist nun zu thun? Der König in Potsdam will der Deputation ohne Anwesenheit der Minister keine Antwort geben. Es ist schon gegen 1 Uhr Morgens. Da vertagt der Präsident Phillips die Sitzung bis um 9 Uhr Morgens.
Kurz nach Schluß der Sitzung kommt die Deputation von Potsdam zurück. Wie sie erzählt, konnte sie nur mit großer Mühe vorkommen. Als dies geschehen, ließ sich der König die Adresse vorlesen und gab kein Wort Antwort. Bei dem Worte, das von der Lage Oestreichs spricht, soll der König der Deputation den Rücken zugewendet haben. Als ihn Jacoby frug, ob er keine Antwort geben wolle, soll der König kurz mit nein geantwortet und sich entfernt haben. Jacoby soll ihm nachgerufen haben: „Das ist das Unglück der Könige, daß sie nie die Wahrheit hören wollen!“
Heute Vormittags 9 1/2 Uhr wurde die heute Morgen 8 Uhr vertagte Sitzung vom Präsidenten Unruh wieder aufgenommen. Behufs der Feststellung der stenographischen Berichte schloß der Präsident die gestern Morgen 9 1/2 Uhr eröffnete 92ste Sitzung und eröffnete zugleich die 93ste Sitzung. ‒ Hierauf macht der Präsident die Mittheilung vom Verlaufe der Deputation. Als sie um 6 Uhr gestern Abend mit einem Extrazuge nach Potsdam abgefahren und in Sanssouci angekommen war, ließ sich die Deputation durch den dienstthuenden Adjutanten beim Könige anmelden. Der Adjutant antwortete jedoch, daß es seit März Vorschrift wäee, keine Deputation ohne Gegenwart der Minister vorzulassen. Selbst den Präsident Unruh, der eine Audienz für seine Person verlangte, wollte der Adjutant nicht anmelden. Endlich verfügte sich der Adjutant dennoch zum Könige und kam mit der Antwort zurück, daß eben eine Depesche von den Ministern angekommen sei, der König möge die Deputation empfangen. Diese ging daher zum Könige, erhielt aber keine Antwort von demselben. Eine telegraphische Depesche an die Minister brachte nach einigen Stunden die Antwort zurück, daß die Minister vom Könige den Befehl erhalten hätten, am andern Morgen zu ihm zu kommen. Hierauf kehrte die Deputation nach Berlin zurück. Der Präsident fügte noch hinzu, daß die Mitglieder der Deputation, Kühlwetter, Gierke und Mätzke sich privatim zum Könige begaben, der ihnen sagte, daß er es mit den konstitutionellen Prinzipien nicht verträglich finde, der Deputation ohne Anwesenheit der Minister eine Antwort zu geben.
Die Ministerbank ist leer. Deshalb glaubt der Präsident, daß man in der Tagesordnung nicht fortfahren könne; da zwar das Prinzip nicht fest steht, daß man ohne Anwesenheit der Minister kein Gesetz berathen dürfe, aber man müsse heute bedenken, daß es den Ministern unmöglich gemacht ist, zu erscheinen, da dieselben beim König zur Berathung versammelt seien. ‒ Da keine Geschäfte vorliegen, beschließt die Versammlung, sich bis Nachmittags 3 Uhr zu vertagen. Bevor die Vertagung ausgesprochen wird, stellt jedoch die Linke den Antrag, die Deputation möge alle Vorgänge des gestrigen Abends bei der Königl. Audienz feststellen. Nach einiger Debatte kommt man darüber zur Abstimmung und nach der Zählung ergibt sich, daß der Antrag mit 187 gegen 170 Stimmen verworfen ist. (Die Zählung geschieht durch 9 Scrutatoren. Einige Leute behaupten, daß gar nicht so viel Mitglieder anwesend waren, und daß sich die Scrutatoren der rechten Seite wenigstens um 20 Mitglieder verzählt haben müsse, die sie zuviel angaben. Die Linke wird sie künftig besser kontrolliren.)
D'Ester nimmt jedoch hierauf das Wort: Ich halte es für nothwendig, noch etwas zum Berichte des Präsidenten über die Vorgänge bei der Audienz hinzuzufügen. Nachdem die Adresse [0688] vom Präsidenten verlesen war, entfernte sich der König, ohne ein Wort zu antworten, der Abg. Jakoby nahm jedoch das Wort und sagte: (Hier erhebt sich ein fürchterlicher Lärm von der Rechten.) „Die Krone darf nicht in die Debatte kommen. D'Ester spricht von der Tribüne zur Rechten, aber kein Mensch versteht ein Wort, so groß ist der Lärm. ‒ Der Präsident stellt endlich die Ruhe her, indem er sagte, der Abg. D'Ester referirt nur was vorgefallen; das ist keine Debatte. Er bittet auch denselben, kein Raisonnement an sein Referat zu knüpfen. ‒ D'Ester fährt fort:
„wir sind nicht blos hierher gesandt, um Ew. Majestät eine Adresse zu überreichen, sondern auch um über die Lage des Landes Bericht zu erstatten.“
Der König gab keine Antwort. ‒ Jacoby fährt fort:
„Gestatten Ew. Majestät uns Gehör?“ ‒ Der König antwortet: Nein! und entfernt sich; Jacobi ruft ihm nach:
„Das ist das Unglück der Könige, daß sie nie die Wahrheit hören wollen!“ (Bravo! Links.)
Die Abgeordneten Brett und Pelzer (von der Rechten, Mitglieder der Deputation) verwahren sich dagegen, daß Jacobi im Namen der Deputation gesprochen. Er wäre nicht befugt gewesen, das Wort zu ergreifen. Die Deputation hätte das Mandat gehabt, eine Adresse zu überreichen und nicht zu sprechen. Uebrigens hätte der größte Theil der Deputation, die Herren Rodbertus und Berg an der Spitze, diese Reden desavouirt.
Jacoby: Es ist hier gesagt worden, ich wäre nicht befugt gewesen, zum König zu sprechen, es wäre mir auch kein Auftrag dazu ertheilt gewesen. Aber die Adresse enthält ausdrücklich den Passus, daß die Deputation über die Lage des Landes dem Könige Bericht erstatte. ‒ Es ist auch nicht ganz richtig, daß ich unmittelbar nach Verlesung der Adresse das Wort ergriff. Ich wartete vergebens auf die Antwort des Königs, und als er sich ohne Antwort entfernte, redete ich ihn an; wir als eine von der Versammlung abgesandte Deputation waren berechtigt dies zu thun.
Rodbertus erklärt, daß er allerdings nach Beendigung der Audienz dem Adjutanten gesagt habe, er möge zum König gehen und ihm sagen, daß Se. Majestät die Adresse der Nationalversammlung von den Worten eines Einzelnen unterscheiden möge.
Waldeck macht die Bemerkung, daß nicht alle Mitglieder der Deputation die Worte Jacoby's verläugnen und desavouiren, er und seine Freunde wären nicht in diesem Falle.
Reichensperger hält es noch für seine Schuldigkeit, mitzutheilen, daß der Adjutant ihm gesagt habe, der König hätte sich entfernt und wolle in Folge der Worte des Abgeordneten Jacoby keine Antwort geben.
Nachdem Karl Grün einigen Unsinn gesprochen, vertagt sich die Versammlung bis 3 Uhr Nachmittags. Der Präsident und einige Sekretäre bleiben aber permanent auf ihren Plätzen.
Um 4 Uhr Abends wird die Vormitags vertagte Sitzung wieder eröffnet. Die Minister sind auf ihren Plätzen. Eine kön. Botschaft als Antwort auf die gestern dem Könige überreichte Adresse wird verlesen. Sie ist ist vom Minister Eichmann contrasignirt und lautet:
Wir Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden König von Preußen etc. haben die am gestrigen Tage uns überreichte Adresse der zur Vereinbarung der Verfassung berufenen Versammlung in reifliche Erwägung gezogen und eröffnen derselben darauf folgendes:
Fest entschlossen, den von uns in Uebereinstimmung mit den Wünschen unseres getreuen Volkes betretenen constitutionellen Wege unverrückt zu verfolgen, haben wir den General-Lieutenant Grafen Brandenburg mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt, weil wir nach seinen uns bekannten Gesinnungen fest überzeugt sind, daß er zur festen Begründung und gedeihlichen Entwickelung der constitutionellen Freiheiten mit Freudigkeit seine Kräfte widmen und sich bemühen wird, die ihm von uns gestellte Aufgabe in entsprechender Weise zu erfüllen. Wenn ihm dies gelingt, so wird das neue Ministerium wie Wir hoffen, sich Ansprüche auf das Vertrauen des Landes zu erwerben wissen. Einem andern Ministerium, als ein solches von dem wir dies erwarten können, dessen dürfen die Vertreter unseres Volkes sich überzeugt halten, werden wir nie die Leitung der Regierung anvertrauen. Wir können uns daher weder durch die in der Adresse vom gestrigen Tage ohne nähere Begründung angedeuteten Gerüchte, die in keiner Handlung unserer Regierung Bestätigung erhalten, noch durch die ausgesprochenen Besorgnisse bewogen finden, den, in Folge Unserer wohlerwogenen Entschließung, dem Grafen Brandenburg ertheilten Auftrag zurückzunehmen.
Mit Genugthuung haben wir aus der Adresse das Anerkenntniß entnommen, daß unser Herz stets für das Wohl des Volkes warm geschlagen. Das Wohl des Volkes bleibt stets das einzige Ziel unseres Strebens und hoffen wir, daß die gewissenhafte Verfolgung desselben stets im Einklange mit den Wünschen des Volkes stehen wird und rechnen dabei auf die kräftigste Unterstützung der Vertreter desselben.“
Nachdem diese Botschaft verlesen war, fügte der Präsident Unruh noch hinzu, daß er soeben vom Grafen Brandenburg gekommen, welcher ihn berufen hatte um über die Lage des Landes Auskunft zu geben. Er habe diese Auskunft nach seinem besten Wissen gegeben. ‒ Elsner frägt den Präsidenten, ob er diese Auskunft als Präsident der Nationalversammlung oder als Privatperson gegeben habe. ‒ Der Präsident erwiederte, daß sich das Letztere von selbst verstehe, da er als Präsident nur im Auftrage der Versammlung eine Antwort geben könne.
Waldeck, Jacoby und Temme stellen hierauf einen dringenden Antrag, der an die Prioritäts-Kommission verwiesen und dem auch die Priorität zur morgenden Sitzung zuerkannt wird.
Die Minister haben gleich nach Verlesung der Königl. Botschaft die Sitzung wieder verlassen.
v. Berg stellt den Antrag: „Bis morgen Vormittag 10 Uhr die Sitzung zu vertagen und bis dahin die Anwesenheit der Minister zu fordern. ‒ “
Dieser Antrag wird ohne Debatte angenommen, und die Sitzung ist daher bis morgen Vormittag vertagt.
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Stettin.
Hr. Milde hat den Deputirten der Nationalversammlung eine Denkschrift überreicht, in welcher er die Ansicht geltend zu machen sucht, der Staat könne nichts Besseres thun, als schleunigst alle Eisenbahnen an sich zu bringen, denn Herr Milde sieht hierin (wir beneiden ihn um ein solches Auge) nichts mehr und nichts weniger, als die Lösung der ganzen socialen Frage. Ehe wir auf die Denkschrift selber eingehen, haben wir zuvörderst zu untersuchen, welche Motive überhaupt Hrn. Milde möglicherweise bewogen haben; eine solche Denkschrift zu schreiben.
Was hat Hrn. Milde bewogen? Hr. Milde ist uns niemals als ein Mann erschienen, der sich mit reinem Feuer für eine gemeinnützige Idee zu entzünden vermag; jede Seite des vor uns liegenden Werkes trägt aber entschieden den Stempel der Berechnung, den Stempel der Spekulation (nicht der philosophischen). Unwillkürlich drängt sich uns bei dieser Gelegenheit die Erinnerung einer seltsamen Geschichte auf, die uns bereits vor Monaten, noch unter Hansemann, von Berlin aus mitgetheilt wurde. Wenn wir nicht irren, so ward uns berichtet, daß schon Hr. Hansemann damals ein ähnliches Projekt im Hinterhalt hatte, daß man aber in Wirklichkeit an die Realisirung gar nicht denke; es sollte sich nur darum handeln, die Frage mit großem Geschrei in die Kammer zu werfen, und dadurch ‒ die Eisenbahnaktien, sei es auch nur momentan, in die Höhe zu treiben. Es seien, so ward uns berichtet, bei dieser Spekulation die „höchsten Herrschaften“ stark betheiligt, und große Massen von Papieren seien bereits in einzelnen Händen konzentrirt. Wir legten diese Korrespondenz bei Seite, weil wir sie für eine Erfindung hielten, weil wir nicht glauben konnten, daß gerade in dieser Zeit ein solches Attentat auf den schon an sich geschmälerten Geldbeutel der Kapitalisten kaltblütig von oben herab gemacht werden könne.
Sollte jener Nachricht dennoch einige Wahrheit zu Grunde gelegen und sollte Hr. Milde die Erbschaft von Hansemann übernommen haben? Wir möchten diesem Gedanken nicht gerne Raum geben, indessen, wenn wir uns fragen, ob ein Mann, wie Herr Milde, wirklich an die Möglichkeit einer Realisirung seines Planes unter den gegenwärtigen Verhältnissen glauben kann, so müssen wir doch gestehen, daß wir, wie phantastisch auch immer sein sonstiger Gedankengang sein mag, ihm eine solche Fülle der Phantasie nicht zutrauen können. Also die Realisirung des in der Denkschrift aufgestellten Projekts kann nicht der letzte Zweck des Verfassers sein, und die Kombination über die eigentlichen Motive gewinnt den weitesten Spielraum. Wir enthalten uns weiterer Auseinandersetzungen und überlassen es Jedem, zu glauben und zu kombiniren, was er will. Blicken wir einen Augenblick auf die Folgen. Sobald die Frage in die Kammer kommt, wird die Debatte allein genügen, die gedrückten Aktien wieder in die Höhe zu treiben; das Papier scheint sicherer zu werden und die Nachfrage wird größer. In diesem Augenblicke erscheinen gleichzeitig an allen Fondsplätzen die in den Händen der einzelnen aufgehäuften Effekten zum Verkauf, und wenn sie auch den Kours ein wenig drücken, werden sie dennoch mit einem vortrefflichen Avance gegen ihren jetzigen Stand zu versilbern sein. Bis dahin geht Alles vortrefflich, denn Alle haben gewonnen; aber das schlimme Ende kommt nach; wir sehen uns nach der Kammer um, und diese, da ihr die Unzweckmäßigkeit und Unmöglichkeit des Planes gewiß nicht entgehen kann, hat ihn abgelehnt. Oder gesetzt auch, das Projekt würde zum Gesetz erhoben, auch dann noch wäre es eine Illusion zu glauben, daß schon an und für sich der Besitz des Staates hinreicht, den Papieren einen höheren Kours zu geben, als er durch die Verhältnisse der Zeit geboten und nothwendig ist. In jedem Falle kommen die Aktien auf ihren ursprünglichen Stand zurück, und die auf perfide Weise verlockten Käufer zahlen die Differenz, welche klingend in die Tasche der Spekulanten geflossen ist.
[(Ostsee-Ztg.)]
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@facs0688
Mannheim, 3. Nov.
Dem „wohlwollenden, bürgerfreundlichen“ Ministerium Bekk blieb es vorbehalten, eine Vorlage zu machen, deren drakonische Bestimmungen dem eynischen Despotismus Rußlands nahezu den Rang ablaufen. Es ist der Entwurf eines definitiven Gesetzes über die Anwendung des Standrechts, wodurch das Leben der Bürger unter Umständen der Willkür des militärischen Befehlshabers unbedingt preisgegeben wird. Damit nicht, wie Hr. Schaaff sich ausdrückte, das Standrecht hinterdrein hinke, wie ein altes Weib, kann es allerwärts, wo ein „bewaffneter Aufruhr“ ausbricht, gegen welchen militärische Gewalt aufgeboten wird, ohne vorherige Verkündung vom Truppenkommandanten gegen Jeden zur Anwendung gebracht werden, der Anstifter des Aufruhrs ist, der an seiner Ausführung oder an damit in Verbindung stehenden Verbrechen Theil genommen, ‒ was läßt sich nicht Alles unter dieser Theilnahme begreifen! ‒ der endlich durch Beischaffung von Munition und Waffen oder als Spion Beihülfe geleistet, d. h. mit andern Worten, gegen Jeden, der solcher Dinge angeschuldigt wird. Ob die Anschuldigung gegründet sei, darüber entscheidet nach Stimmenmehrheit ein Kriegsgericht, welches der Kommandant nach seinem Gutfinden aus sechs Militärpersonen verschiedenen Grades und Einem „richterlichen Beamten“ des nächstbelegenen Ortes zusammensetzt, binnen 24 Stunden endgültig. Fällt sein Urtheil, gegen welches dem Schuldigbefundenen weder Rechts-noch Gnadenmittel zustehen, nicht freisprechend aus, so kann es nur auf Todesstrafe, welche binnen drei Stunden durch die Kugel vollzogen wird, oder auf 10 jährige Zuchthausstrafe lauten. Raschheit geht vor Gerechtigkeit ‒ binnen 24 Stunden muß Alles abgethan sein; könnte der Angeklagte seine Schuldlosigkeit sonnenklar durch Entlastungszeugen darthun, ‒ sie nützen ihm nichts, sofern sie nicht binnen 24 Stunden zur Hand sind.
[(M. A. Z.)]
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Prag, 1. Nov.
Heute 7 Uhr Abends ist mir vom Herrn Bürgermeister Wanka aus Ollmütz folgende telegraphische Depesche zugekommen:
„Die Prager Deputation wurde bei Sr. Maj. am 31. Oktober um 12 Uhr 30 Minuten zur Audienz vorgelassen und hat sich in Folge dessen bestimmt gefunden, zur Erzielung einer bestimmten Antwort weitere Schritte zu thun.“
Prag, 31. Oktober.
Mecsury.
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[ !!! ] Frankfurt, 3. Nov.
Sitzung der Nationalversammlung. Wie Sie sehen, besteht die Tagesordnung wieder einmal in der Ausräumung von einer dicken Portion Ausschuß-Schutt. Sie lautet:
1) Wahl eines Schriftführers an die Stelle des ausgetretenen Herrn v. Moring.
2) Berathung des vom Abgeordneten Siehr, Namens des Finanzausschusses, erstatteten Berichts, baldige Verzeichnung und Aufnahme der Bevölkerung durch ganz Deutschland betreffend.
3) Berathung des vom Abgeordneten Naumann, Namens des Ausschusses für die Geschäftsordnung, erstatteten Berichts über den Antrag von Wichmann und Genossen, auf zusätzliche Bestimmung zu §. 42 der Geschäftsordnung.
4) Berathung des vom Abgeordneten Röben, Namens des Marineausschusses, erstatteten Berichts, das Gesetz über die deutsche Kriegs-und Handelsflagge betreffend.
5) Fortsetzung der Berathung über Abschnitt II. des Verfassungsentwurfs,
und eventuell:
6) Berathung des vom Abgeordneten Böcler, Namens des Ausschusses für Gesetzgebung, erstatteten Berichts, über die Anträge von Wiesner, Brentano etc., auf sofortige Aufhebung der Strafe der körperlichen Züchtigung bei den Reichstruppen.
7) Berathung des vom Abgeordneten Carl, Namens des volkswirthschaftlichen Ausschusses, erstatteten Berichts über verschiedene Anträge und Petitionen, das Eisenbahnwesen betreffend.
8) Berathung des vom Abgeordneten Lette, Namens des volkswirthschaftlichen Ausschusses, erstatteten Berichts, über die demselben fernerhin zugegangenen Petitionen, wegen Aufhebung der Feudalverhältnisse.
9) Berathung des vom Abgeordneten Leue, Namens des Ausschusses für Gesetzgebung, erstatteten Berichts, über den Antrag der Abgeordneten Schaffrath und Genossen vom 20. September 1848, Aufhebung des Belagerungszustandes betreffend.
10) Berathung der vom Abgeordneten Compes, Namens des Prioritäts-und Petitions-Ausschusses, erstatteten Berichte:
a) über die Eingabe des Mechanikus Joh. Jos. Graß zu Düsseldorf, die Gefangenen zu Bruchsal betreffend.
b) über die Eingabe des Obergerichtsanwalts Sternberg in Marburg, die Wahlen zur Reichsversammlung betreffend.
c) die Ausweisung des Literaten Diezel betreffend.
Vor der Tagesordnung.
Präsident zeigt den Austritt des Abgeordneten Pogge aus Mecklenburg an.
Mittermaier (im Namen des Verfassungsausschusses) erstattet den Bericht über die in meinem gestrigen Bericht erwähnten Anträge, welche die über Deutschlands Wehrverfassung handelnden Paragraphen erst zu Ende des Verfassungsentwurfs vornehmen, also fürs erste hinausschieben wollen. Der Ausschuß beantragt, auf keinen verschiedenden Antrag einzugehen, sondern im Entwurf der gewöhnlichen Ordnung nach fortzufahren.
Benedey (für den Ausschuß über die österreichischen Angelegenheiten) verliest einen langen Bericht (jetzt !!! kommt Deutschland!) Der Ausschuß in Folge von früher mitgetheilten Anträgen von Rauwerk, Rank, Berger, Wiesner etc., und in Erwägung von unendlich vielen Punkten, fühle sich veranlaßt zu beantragen, wie folgt:
(Es klingt jetzt fast wie Hohn!)
„Die hohe Versammlung möge das Reichsministerium auffordern, alle mögliche und nachträgliche Sorge dafür zu tragen:
1) daß die Reichskommissare das Ansehen und die Anerkennung der deutschen Centralgewalt überall kräftigst zur vollen Geltung zu bringen sich angelegen sein lassen;
2) daß sie die Interessen Deutschlands in Oesterreich überall zu schützen suchen;
3) daß sie ihren vollen Einfluß aufbieten, die fernere Entwicklung der österreichischen Wirren auf friedlichem und unblutigem Wege herbeizuführen;
4) daß sie endlich, wie diese Entwickelung auch ausfallen möge, die in den Monaten März und Mai zugestandenen Rechte und Freiheiten der österreichisch-deutschen Völker gegen alle Angriffe in Schutz nehmen.
Zachariä (für den internationalen Ausschuß). Bericht über einen Antrag wegen der diplomatischen Verbindung mit Rußland. Ausschuß beantragt Verweisung an das Reichsministerium und Tagesordnung. (Links: sehr brav!)
Eckart aus Bromberg interpellirt: In Erwägung des direkten Widerspruchs des Beschlusses der Nationalversammlung und der Berliner Vereinbarer-Versammlung über Posen ‒ welche Maßregeln hat das Reichsministerium zur Aufrechterhaltung des Beschlusses der Nationalversammlung in der Posen'schen Angelegenheit, und zur Beruhigung der durch den Berliner Beschluß in Deutsch-Posen gewaltig erregten Bevölkerung getroffen? ‒ Dieselben Interpellationen stellen Jordan von Berlin, Dunker und Kerst.
Schmerling wird diese 4 Interpellationen Montag den 6. November beantworten,
Präsident (v. Gagern) verliest einen höchst dringlichen Antrag zur Wahrung der Wiener Bevölkerung, den obenangedeuteten Bericht Benedey's sogleich vor der heutigen Tagesordnung zur Debatte und Beschlußnahme zu bringen. Der Antrag wird als dringlich erkannt. (Gallerien Bravo!) „Spät kommt ihr, doch ihr kommt!“ Diesmal leider zu spät.
Es wird sehr lebendig in der Versammlung in Folge der zu verändernden Tagesordnung.
Punkt 1 der Tagesordnung (Einsammlung von Stimmzetteln zur Wahl eines neuen Schriftführers) wird erledigt. Hierauf geht man zu der Diskussion über die Wiener Angelegenheit.
Zu den matten Anträgen des Ausschusses sind eine ganze Portion mit etwas starken Dosen gestellt. (Rechts lacht man über dieselben. ‒ links wüthend Ruhe, es ist hier nichts zu lachen.) Unter andern beantragt man, Windischgrätz (den Städtebezwinger) und noch mehrere andere in Anklagezustand zu versetzen. Die Anträge von Bauernschmied, mitunterzeichnet von mindestens 30-40 Abgeordneten lauten:
1) Die unumwundene Anerkennung der Centralgewalt Seitens Deutsch-Oesterreichs zu verlangen.
2) Den Belagerungszustand von Wien aufzuheben.
3) Sämmtliche Truppen, Croaten und alle andern (nicht-deutschen) aus und von Wien fortzuschicken.
4) Alle im März für Deutschland errungenen Volksfreiheiten auch in Wien zu schützen.
Zur Ausführung dieser Anträge sollen neue Reichskommissäre an Welker's und Mosle's Stelle erwählt, und die Ausführung nöthigerweise durch Reichstruppen unterstützt und bewirkt werden.
Pattai (dem Linke und linkes Centrum das Wort geben) frägt vor der Debatte das Ministerium, ob es aus Oesterreich nicht neuere Depeschen gebe als die im Ausschußbericht berührten?
Schmerling (Minister) hat seit dem 24. Oktober (!) keine weitere Depesche erhalten. (Verwunderung.)
Die Diskussion beginnt mit
Eisenmann. Weswegen wagt man es, ein solches Verfahren gegen Wien einzuschlagen? weswegen wagt man es, Wien in Schutt und Asche zu legen? (Bravo. Getümmel.) Die Revolution in Wien ist entstanden, weil man deutsche Truppen nicht zum Schergendienste fremder Horden brauchen lassen wollte. ‒ Wer dies mißbilligt, ist nicht werth ein Deutscher zu sein. ‒ (Tumult, lauter Beifall, Präsident unterbricht Herrn Eisenmann mißbilligend). Den Mord Latours! wem legen. Sie denn den zur Last? Etwa der Legion? Etwa der Aula? Etwa den braven Arbeitern von Wien? (Rechts Gelächter.) In Oesterreich ist so mancher ermordet worden seit Wallenstein! (Bravo links) Was hat die österreichische Regierung zur Sühne der ermordeten polnischen Aristokratie in Gallizien gethan? ‒ Antwort: Nichts! Was sagen Sie zu der scheußlichen Ermordung jener vier Studenten? ‒ Das Organ des Reichs-Ministeriums (die Oberpostamts-Zeitung!) hat diese Morde mit einem gewissen Wohlgefallen betrachtet. (Links Bravo. Tumult. Rechts pfui! Der Präsident (von Gagern) ruft den Redner zur Ordnung!) ‒ Der Ausschuß sagt: Windischgrätz hat die Reichskommissäre mit einer gewissen Schroffheit empfangen ‒ soll heißen, hat sie zur Thür hinausgeworfen! ‒ Eisenmann beantragt schließlich:
1) Mosle und Welker abzurufen.
2) Das Benehmen der österreichischen Regierung gegen dieselben zu untersuchen und zu mißbilligen. (Langes Bravo.)
Schneer (Unterstaatssekretariats-Kandidat aus Breslau) meint, unsere Versammlung theilt sich in drei Lager. Nr. 1 will sich bloß mit der Verfassung befassen. Nr. 2 (links) will, wie der französische Convent alles selbst regieren. (Links zur Ordnung!) Präsident empfiehlt Leidenschaftslosigkeit. (Ist ganz überflüssig!) Die dritte Partei ist die Vermittelnde, wozu ich (Schneer) gehöre. (Gelächter!) Der Grund, warum wir bisher in der österreichischen Angelegenheit nichts gethan, ist, weil Frankfurt von Wien 4 Tagereisen entfernt ist. (Gelächter). Folgt eine Lobrede auf Herrn Welker, und schließlich meint Herr Schneer, von der National-Versammlung aus sei für Wien schon zuviel geschehen! (Was denn?)
Löwe aus Kalbe. Wie sollten wir in dieser Frage nicht Leidenschaft zeigen, wenn die herrlichste Stadt Deutschlands in Schutt verwandelt wird.
Meine Herren, wie der Protestantismus auf den Trümmern von Magdeburg erstand, so wird aus dem Schutt über den Leichen Wiens die Freiheit emporsteigen (Donnerndes Bravo.) ‒ Alles was wir jetzt noch in dieser Sache reden sind eben nur Worte. ‒ Was seit der Märzrevolution uns so heruntergebracht hat sind die Phrasen gegenüber den Thaten. (Das ist wahr!) Phrasen nichts als Phrasen!
Die Reichskommissäre haben gar nichts gethan. Soweit ist es mit uns gekommen, daß die preußische Versammlung (nach dem Antrag von Rodbertus für den sogar Pfuel stimmte.) die Centralgewalt zu energischem Handeln für Wien auffordern muß. ‒ Man hat gesagt, der Weg von Frankfurt nach Wien sei weit, wir aber reisen über Berlin dahin. ‒ Die Kommissäre Welker und Mosle müssen zur Verantwortung gezogen werden. Ebenso Windischgrätz. (Bassermann wiederspricht vom Platz. Links Bravo.) Löwe empfiehlt die Anträge von Bauernschmied. ‒ Dazu einen Antrag der den Schutz des Reichstags ausspricht. ‒
Reitter aus Prag, spricht diesmal für den Ausschuß, weil er dazu gehört. Natürlich ist der Ausschußantrag das Minimum.
Wiesner (haufenweise unter Gelächter und großer Unruhe verlassen die Centren das Haus.) In einer kräftigen Rede gegen die Ausschußanträge und für die Bauernschmiedschen meint er u. a. man hat den Wienern vorgeworfen, das ungarische Gold habe sie zum Aufstande bewogen. Die Ungarn haben nicht einmal Silber, vielweniget Gold.
Wenn Welker nicht durch sein früheres Leben achtbar dastände, sagt er, so würde ich ihn einen Landesverräther nennen, so kann ich nur sagen daß re vollkommen undiplomatisch und ungeschickt gehandelt hat. (Bravo.)
Rüder aus Oldenburg für den Ausschuß. (Ganz unbedeutende Rede.)
Der Minister von Bekkerath: macht seine gewöhnlichen rührenden Phrasen zur Bewegung der Centren. Er kommt dabei auf die Frankfurter Emeute, die Pfingstwiese u. s. w. zurück und versetzt den Abgeordneten die sich bei der Volksversammlung betheiligt noch ein paar Schläge. (Links zur Sache!) Welker und von Mosle hält er eine warme Lobrede. ‒ (Zum Schluß kein Bravo.)
Vogt. Es giebt eine Ansicht in der Staatskunst, welche die Kanonen und Kartätschen für Mittel zur Völkerbeglückung hält. Zu diesen gehöre derv orige Redner nicht ‒ er sei einer von denen sich vom Wagen der Zeit so nachschleppen lassen. ‒ Er käme wie die Reue nach der Missethat. ‒ Man müßte auf ihn anwenden: sag mir mit wem du gehst, und ich sage dir wer du bist. (Rechts und Centren höhnisch bravo.) ‒ Die Mehrheit der Versammlung habe fortwährend die Wiener Verhältnisse als nicht dringlich betrachtet. ‒ Ist keine Noth verhanden gewesen, Wien zu schützen fragt Vogt? ‒ (Bassermann und rechtes Centrum: Nein!) Vogt zu Bassermann: Bewahren Sie diese Ansicht aber wollen Sie ja nie sagen, daß Sie ein Herz für das Wohl des deutschen Vatersandes haben. (Lautes Bravo.) Die Minister und die Reichskommissäre beschuldigt Vogt in dieser Sache offen des Verbrechens. (Das Centrum bekommt einen Schreck.) Man spräche sich billigend aus über die Generäle, welche den konstitutionellen Ministern Kraus und Hornbostl den Gehorsam verweigert haben, wie Auersperg und Windischgrätz (der Städtebezwinger) ‒ ob denn diese Billigung im konstitutionellen Sinne sei? ‒ Die Herren Reichskommissäre sind von Windischgrätz gradezu, und vom Kaiser und Hof in Ollmütz mit einigen Umständen herausgeschmissen worden und dies nehmen Sie ruhig hin. ‒ Erklären Sie doch offen, daß Sie den alten Partikularismus haben wollen, und dann wird Ihnen meine Anerkennung nicht fehlen. ‒ Unser Ministerium wurde sogar in Rußland und Asien keine Reaktion finden. Wenn eine schauderhafte Entwickelung in Oesterreich folgen wird, hat die Versammlung offenbar Mitschuld. ‒ Fahren Sie nur fort an ihrem Verfassungswerk zu bauen, während die Zeit drängt und Sie überflügelt. Ihr Einfluß geht zu Ende im Volke. Sie haben Furcht, in das Rad der Zeit einzugreifen.
(Präsident verweist der Gallerie ihre „unschickliche“ Theilnahme, welche in Bravoklatschen besteht.) Ein Redner hat gefürchtet, Wien wird ein Mausoleum der Dynastie werden, ich fürchte dies nicht, denn ich hoffe es. ‒ Das Blut, was in Wien vergossen wird, wird früher oder später über Sie kommen. ‒ Aber die Freiheit wird dennoch kommen. Ihr Weg, wie Franklin sagt, geht urch Blut! (Langer Beifall.)
[0689]
Giskra zeigt wie immer in gewaltiger Rede, heißblütig, wie in Wien alle konstitutionellen Freiheiten verletzt werden, wie man die Kämpfer der Freiheit in die Festungen abführt, wie Windisch-Grätz zur Rettung eines Phantoms ‒ der militairischen Ehre ‒ mit seiner Soldateska mordet. Das Alles wegen eines Ministers, den man gehängt hat, weil er ein Volksverräther war. (Brutus-) Bassermann und seine Freunde haben freilich die Wiener Freiheitskämpfer Buben genannt. (Schaffrath vom Platz: Das ist eine Ehre für sie.) Ich muthe ihnen nicht zu, schließt Giskra, Throne zu stürzen und Kronen verblassen zu lassen, wenn das Volkswohl in Gefahr ist, wie ich zum Schluß meiner letzten Rede gesagt habe; aber wenn Sie wie hier die Wahl haben zwischen einem Kaiser und seinem ganzen Volk, dann kann ich doch wohl verlangen, daß Sie sich fürs Volk entscheiden, sonst säßen sie nicht in der Paulskirche. (Naive Ansicht!) Blutströme sind nicht der Kitt für Throne. (Donnernder Beifall. Brutus-Bassermann macht störende Bemerkungen.)
Brutus-Bassermann. (Links: Schluß! Rechts und Centren: Reden!) Die ganze Linke verläßt mit Getöse den Saal und bleibt draußen, so lange er spricht. Trotzdem spricht Brutus immer von der linken Seite des Hauses, und zeigt dabei auf dieselbe, was einen äußerst spaßhaften Eindruck macht, da die Linke ganz leer steht.
Während Bassermann spricht, gestatten Sie mir, frühstücken zu gehen Nach ihm klatschen die Centren heftig bravo und setzen den Schluß der Debatte durch, was Schaffrath „sehr natürlich“ findet. Der Präsident rüffelt Herrn Schaffrath.
Der Berichterstatter Venedey spricht unter großem Beifall links und heftigem Widerspruch der Centren. Er sei nicht einverstanden mit den Anträgen des Ausschusses ‒ er sei nur das Organ des Ausschusses. Nach ihm gehandelt, wäre längst das Dekret zur Anklage des Windisch-Grätz und Zurückberufung der Reichskommissare unterwegs. Die Majorität, meint er u. a., die jetzt hier sitzt, wird über kurz oder lang eine andere sein, welche die wahren Interessen Deutschlands vertreten wird. (!) Venedey spricht vielerlei, aber nur nicht für den Ausschuß. (Dazu rufen wir: Bravo!) Nachdem Venedey geendet hat, rufen mehrere aus dem Centrum: zur Sache!
Präsident verliest eine Erklärung des Dr. Eisenmann, welche den Präsidenten auffordet, den Ordnungsruf (s. oben) gegen Eisenmann zurückzunehmen, widrigenfalls er an die Versammlung, und wenn er von dieser zurückgewiesen, ans deutsche Volk deshalb appellirt.
Präsident: Sie mögen appelliren an wen Sie wollen (Gallerie: Oh!), ich nehme den Ordnungsruf nicht zurück.
Bei der Abstimmung wird:
1. Ein Antrag auf motivirte Tagesordnung mit 354 gegen 69 Stimmen von der Rechten) verworfen.
2. Die Anträge von Bauernschmied (s. oben) durch Namensaufruf mit 305 gegen 108 Stimmen (von der Linken) verworfen.
3. Eisenmanns Anträge (s. oben bei Eisenmann) in einfacher Abstimmung verworfen. (Die ganze Linke stimmte dafür).
4. Die Anträge von Makowizka werden mit 250 Stimmen gegen 163 verworfen. (Sie sind ähnlichen Inhalts wie die von Bauernschmied).
5. Die Ausschußanträge (s. oben) werden mit großer Majorität angenommen.
6. Der Zusatzantrag von Wigard (Anklagezustand des Fürsten Windisch-Grätz u. s. w.) wird verworfen. (Nur die Linke dafür).
7. Ein Zusatz von Giskra: „Den Wiener Reichstag zu schützen gegen jeden willkührlichen Eingriff, welcher eine Verlegung oder Vertagung desselben bezweckt, wird mit 228 Stimmen gegen 176 verworfen.
Die Sitzung dauerte bis gegen 5 Uhr, in der Kirche wurde es so finster, daß man kaum mehr schreiben konnte. Um das Bureau wurden die Lichter angezündet (wie beim Beschluß von Malmö und bei der Verhaftungs- und Verfolgungsangelegenheit der Abgeordneten).
Morgen und Sonntag keine Sitzung. Montag um 9 Uhr Sitzung in der reformirten Kirche, wegen der Heitzungsapparate der Paulskirche.
Italien.
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@facs0689
[ * ] Messina, 23. Okt.
Das von England und Frankreich festgesetzte neutrale Gebiet wird von beiden kriegführenden Mächten respektirt, und für den Augenblick genießt die Insel der vollkommensten Ruhe. Der interimistische Zustand soll den Sicilianern sehr günstig sein, und der neapolitanische Kommandeur beklagt sich bitter über dessen ungebürliche Verlängerung. Der Handel leidet außerordentlich bei dieser Lage der Dinge.
[ * ] Die Bewegung nimmt zu. Die livorneser Patrioten haben Garibaldi verhindert, sich nach Sizilien einzuschiffen, und er hat sich bereit erklärt, ihrer Sache neuerdings seine Kräfte zu widmen. Von Toscana aus will er den Vertilgungskrieg gegen Oestreich organisiren, und der „Corriere mercantile“ behauptet sogar, daß er zum Generalissimus der toskanischen Truppen ernannt worden sei. ‒ Aus Genua schreibt man unterm 29. Okt., daß eine Emeute daselbst ausgebrochen war. Die Bürgergarde, von der Linie unterstützt, hatte aufs Volk geschossen und die Ruhe einstweilen wieder hergestellt. Die Verhaftung eines Afficheurs war Ursache eines Krawalls. ‒ In Turin Ministerwechsel; Graf Alfonso della Marmora Kriegsminister an da Bormida's Stelle, Torelli Handesminister für Santa-Rosa. ‒ Die Consulta lombarda hat ein Manifest erlassen, worin sie dem König von Sardinien erklärt, der Augenblick zum Wiederbeginn des Kriegs sei jetzt gekommen. Die piemontesischen Truppen bewegen sich auch schon in der Richtung von Genua und Alexandrien auf die Grenzen zu; die neuen Generäle haben ihre Posten angetreten.
Einem zu Turin verbreiteten Gerüchte, der Großherzog von Toskana sei geflohen und zu Piombin angekommen, schenkte man einstweilen keinen Glauben. ‒ Zu Modena weht von Neuem die italienische Trikolore; der Herzog hat die Stadt verlassen. ‒ In Rom die regste Thätigkeit, die Kriegsvorräthe zu vervollständigen; mehr als anderthalb Millionen Patronen befinden sich schon in den Magazinen. ‒ Die Unruhen im Veltlin werden vollkommen bestätigt.
Großbritannien.
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@facs0689
[ * ] Dublin, 1. Nov.
Auch über O'Doherty ist gestern das Schuldig ausgesprochen, der Verurtheilte aber, in Anbetracht seiner Jugend und der aufgeregten Stimmung des Publikums zur Zeit, als er seine „hochverrätherischen“ Schriften veröffentlichte, der Gnade empfohlen worden.
Französische Republik.
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@facs0689
Paris, 2. November.
Wer wird Präsident der Republik werden? Diese Frage bildet den Gegenstand aller Gespräche, aller Journale, aller Plakate u. s. w. Eine Karrikatur jagt die Andere. Wir sahen gestern Eine, die nicht ohne Geist ist. Ihre Zusammensetzung ist folgende:
Paris (der junge) steht in der Mitte einer Kandidatengruppe. Mann erkennt Louis Bonaparte, Lamartine, Cavaignac, Ledru-Rollin und einige sonstige (Kandidaten-) Schatten mit mehr oder weniger langen Nasen. Zaudernd hält Paris den Apfel; endlich überreicht er ihn dem Exprinzen, dem geliebten Louis Bonaparte, der einen Kratzfuß schneidet. Cavaignac darüber wüthend, ruckt seine Militärmütze über's Ohr und faßt krampfhaft an seinen ungeheuren Säbel; Lamartine erfaßt dagegen ein Zephyr und entführt ihn in alle Lüfte; Ledrü-Rollin, die Stirn keck in die Höhe hebend und den Kopf wie gewöhnlich stolz emporgeworfen, blickt hohnlächelnd und mit einem ungeheuer langen fourieristischen Schweif versehen, über diese Scene hieraus.
‒ An vielen Straßenecken entstand gestern einige Bewegung. Man drängte sich nämlich um einen kolossalen Anschlag, der mit den Worten begann: „Leset! Leset Alle!“ und in ziemlich energischer Weise die Kandidatur des Louis Bonaparte bekämpfte. Zwischen den Anhängern des Exprinzen und dessen Gegnern kam es hie und da zu derben Rippenstößen; namit war es jedoch vorläufig aus.
‒ Es organisiren sich wieder mehrere große Bankette. In einem populären Bankett zu Batignolkes-Monceaux wurde gestern auch der Vereinigung der französischen und deutschen Demokraten in einem Trinkspruche gedacht, den ein Deutscher, Hr. Appuhn, Mitglied des Pariser deutschen demokratischen Vereins ausbrachte. Diese Bankette ersetzen allmählig die Klubs. Lisler, ein elsässer Steinmetzer, brachte folgenden Trinkspruch aus: „Dem Recht auf Arbeit und der Gesundheit desjenigen, der es im Februar zuerst proklamirte und die Arbeit zuerst organisirte: nämlich Louis Blanc! Angelot trank auf „Allgemeine bessere Volkserziehung!“ und Camet „auf Universalassoziation, namentlich auf Abschaffung der Arbeitszahlung in baarem Gelde!“
Raspail richtet aus seinem Kerker folgende Zeilen an die „Patrie“ und „Opinion publique“ (zwei Erzlügenmäuler):
Donjon von Vincennes, den 1. Nov. 1848.
Bürger Redakteur! Sie zeigen in Ihrer jüngsten Nummer an, daß ich dem Präsidentenamte zu Gunsten Ledrü-Rollin's entsagen würde, falls die Wahl auf mich fiele. Man hat Sie belogen. So etwas ist mir nie eingefallen, hat überhaupt keinen Sinn in meinem Auge. Man kann wohl einem Recht entsagen, aber keiner Wahl. Mit welchem Recht könnte sich wohl dieser oder jener Bürger überhaupt zum Kandidaten der Präsidentur für die Republik aufwerfen und auf diese Weise den freien Volkssinn beschränken? Das Volk allein ist Meister und hat über seine Stimmen zu verfügen. Was mich betrifft, so verhielt ich mich demokratisch, d. h. ich haschte nach keinen Ehrenstellen, entsagte ihnen aber auch nicht zu Gunsten irgend eines Dritten.
Welchen Platz mir das Volksinteresse daher auch anweis't, das Gefängniß oder die Präsidentschaft, so nehme ich ihn an, ohne zurückzuweichen. Aber es sei auch weit von mir, die Volksmeinung in irgend einer Weise zu bearbeiten, denn nur der Wunsch, ihr zu dienen, ist mein Glück. Ich darf wohl von Ihrem Rechtssinn erwarten, daß sie diese Erwiderung in Ihrer nächsten Nummer veröffentlichen.
(gez.) F. V. Raspail, Volksvertreter.
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@facs0689
Paris, 3. Nov.
Die Luft wird wieder sehr schwül. Die Klubausschüsse hielten gestern Abend eine Zusammenkunft in der Rue de Grenelle St. Honoré und der Polizeikommissar, der den Verhandlungen beiwohnen wollte, wurde zurückgewiesen. Es ist, wie wir hören, der Beschluß gefaßt worden, sämmtliche „Klubs“ in Wahlversammlungen zu verwandeln, denen gesetzlich keine Polizei beiwohnen darf.
Nationalversammlung. Sitzung vom 2. November. Um 1 Uhr, in dem Augenblicke, wo sich die Reprasentanten in die Sitzung begaben, zogen etwa 4 bis 500 Frauen dem Sitzungsgebäude der Nationalversammlung zu. Am Kopf der Concordienbrücke angekommen, sperrte ihnen ein Trupp von Polizeidienern mit einem Polizeikommissarius an der Spitze, den Weg. Auf die Frage: was sie wollten? enspann sich einige Unordnung; viele Blusenmänner, die man bisher nur einzeln auf dem Concordienplatze bemerkt hatte, sammelten sich plötzlich um die Frauen und erklärten dem Polizeikommissarius, daß die Herbeiziehenden der Nationalversammlung einen Antrag auf Amnestie überreichen wollten. Der Polizeikommissarius erwiderte, daß es durch ein Gesetz verboten sei, der Versammlung Petitionen in ganzen Körperschaftten zu überreichen, daß er sich aber ein Vergnügen daraus machen würde, ihren Antrag unverzüglich dem Präsidenten zu überreichen. Dieser Vorschlag wurde angenommen und die Frauen zogen ab.
Während dieß außerhalb vorging, erklärte Marrast die Sitzung für eröffnet und zog die monatlichen Abtheilungen durchs Loos. Dann ging es an die Tagesordnung.
Marrast: Ehe wir die zweite Diskussion der Verfassung beginnen, rufe ich der Versammlung ihr Dekret vom 11. August zurück, das also lautet: „Einziger Artikel: Nach Votirung der Artikel geht der Verfassungsentwurf an die Verfassungs-Commission zurück. Fünf Tage darauf hat die Commission diejenigen Aeußerungen zu beantragen, die sie nöthig hält. Sind diese Aenderungsanträge erledigt, dann schreitet die Versammlung zur definitiven Abstimmung über die ganze Verfassung.“
Cremieux legt von der Tagesordnung abweichend einen Antrag rücksichtlich der Verantwortlichkeit des Staats-Chefs und seiner Minister nieder. Er verlangt schleunige Berathung (Ja, Ja, Nein!)
Nach einigem Tumult geht der Antrag an die Abtheilungen, Marrast liest nun den ersten Artikel der Verfassung vor.
Deville beschwert sich, daß man das Recht der Repräsentanten, Spezialanträge zu stellen, kassirt habe. Auf diese Weise steht der Verfassungs-Commission die Initative allein zu. Das sei unrecht.
Marrast: Aber die Versammlung habe es so entschieden!
Deville bestreitet eine solche Entscheidung. Das Volk habe seine Vertreter hierher geschickt, um eine neue gute Verfassung reiflich zu berathen und nicht eine Art 1830er Charte über Hals und Kopf zu votiren. Ueberden sei diese neue Charte unter Säbelherrschaft und dem Belagerungszustande votirt worden. (Lärm und Trommeln zur Rechten). Eine Menge von Anträgen sei in den Papierkorb geworfen worden‥…
Marrast: Nicht wahr; sie sind alle hier!
Deville: Dann verlange ich daß sie gedruckt und ausgetheilt werden.
Dupin (der Alte) ereifert sich gewaltig gegen die Deville'schen Ausfälle. Nie sei eine Staatsverfassung mit größerer Sorge berathen worden. Wen wolle man glauben machen, daß der Belagerungszustand das Gewissen irgend eines Gliedes beengt habe. (Widerspruch vom Berge.) Man könne doch unmöglich wieder von vorn anfangen.
Deville besteht auf Vertagung des Generalvotums. Die Versammlung geht aber zu den von der Verfassungs-Commission beantragten Modificationen über.
Goudchaux schlägt vor, in den ersten Artikel die Worte einzuschalten: „Die republikanische Regierungsform habe zum Zweck‥… und den Wohlstand eines Jeden durch graduelle Reduktion der Steuern (statt Chargen) zu fördern etc.“
Deslongrais will noch hinzugefügt wissen: „‥‥ und der öffentlichen Ausgaben.“
Beide Anträge gehen durch.
Felix Pyat stellt den Antrag, in den Artikel 8 das berüchtigte Recht auf Arbeit wieder einzuschalten. (Artikel 2, 3, 4, 5, 6 und 7 boten keinen Stoff zur Diskussion). Dieser Pyatsche Antrag rief ein furchtbares Donnerwetter hervor, während welchem Marrast den Pyat drei Mal zur Ordnung rief. Pyat hätte es gewagt, die Junirevolution einen Protest zu nennen.
Andre (ein sogenannter Arbeiter): tritt gegen den Pyatschen Kommunismus auf. Seine Wuth gegen die Pyatsche warme Vertheidigung des Rechts auf Arbeit war wahrhaft possirlich. Er legte die Hand aufs Herz und sagte, er sei selbst Arbeiter. (Das ist nicht wahr, Sie arbeiteten als Patron! vom Berge). Er habe als simpler Arbeiter geschafft, wiederholt er stotternd und versichert der Versammlung, daß die Pyatschen Ideen uns sicher wieder in die Blancsche Arbeitsorganisation, ins Luxemburgschloß, kurz in den Kommunismus führen müßte. (Oho! Oho! zur Linken. Beifall zur Rechten).
Corbon (ein anderer patronartiger Arbeiter) bekämpft ebenfalls den Pyatschen Antrag des Rechts auf Arbeit und meint, daß der Artikel 13 der Verfassung vollkommen genüge. Dieser Artikel garantirt bekanntlich den Bürgern die Freiheit der Arbeit und der Industrie, d. h. die Freiheit zu Arbeiten und zu fabriziren, wenn sie etwas zu arbeiten und zu fabriziren haben.
Dufaure (Minister des Innern) entsetzt sich gewaltig über die Kühnheit, mit welcher Pyat die Junischlacht einen Protest des Elends genannt habe. Er nennt diesen Vortrag einen mordbrennerischen und trägt auf Verwerfung des Antrags des Rechts auf Arbeit an.
Die Versammlung schreitet zur Abstimmung und verwirft den Pyatschen Antrng mit 638 gegen 86 Stimmen. (Gerade die Zahl des Berges).
Diesem Votum folgte einige Aufregung im Saale.
Die acht Einleitungsparagraphen sind somit angenommen. Man tritt nun in die eigentlichen Verfassungsabschnitte.
Kapitel 1, nur aus Einem Paragraphen bestehend, wird angenommen.
Kapitel 2, aus 17 Artikeln bestehend, nach geringer Debatte desgleichen:
Kapitel 3, aus 2 Artikeln bestehend, desgleichen.
Kapitel 4 (Artikel 28 die Beamten vom Volksdeputirtenmandat ausschließend) ruft Lagarde, Martin den Straßburger und General Bedeau auf die Bühne.
Der Zusatz der Verfassungskommission:
„Die Ausübung jedes öffentlichen Amts ist mit dem Deputirtenmandat unverträglich,“
wird verworfen und die Fortsetzung der Debatte auf morgen verschoben.
Die Sitzung schließt um 9 Uhr.
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@facs0689
In Folge des gestern im Demokratischen Vereine (s. Nro. 131 d. Bl.) ergangenen Aufrufs zur Unterstützung der nach Wien bestimmten Freischaar sind bei der Expedition bereits abgegeben.
Durch Hrn. Dietz von V. 5 Thlr., W. 1 Thlr.
Von St. 1 Thlr., Mehreren 27 1/2 Sgr., B. B. W. St. 20 Sgr., von einer alten Frau 4 Sgr.
Vom Demokratischen Verein gesammelt: 15 Thlr. 7 Sgr. 8 Pf.
Fernere Beiträge werden gerne entgegengenommen.
Die Expedition der „N. Rh. Ztg.“
[Klassenlotterie]
Berichtigung. In der ersten Ausgabe der heutigen Zeitung ist der Datum vor dem Bericht der Berliner Versammlung (Nachmittags-Sitzung) in den 2. November zu verwandeln.
[Anzeigen]
@typejAn
@facs0689
Bei G. Tonger, Pauluswache ist zu haben:
Morgengebete, häusl. Andachten für kathol. Christen von Deutschmann, (Ldpr. 6 Sgr) nur 18 Pf.
Naturgeschichte in Bildern, jedes Heft mit 6 Tafeln schön kolorirten Bildern und Beschreibung, einzeln das Heft 2 1/2 Sgr., 5 Hefte für 10 Sgr., 18 Hefte für 1 Thlr. In großer Auswahl. (Jedes Heft kostet im Ldnpr. 15 Sgr.)
Kleine Stickmuster, 12 Blätter in eleg. Etuis 2 1/2 Sgr. Die 16 Stationen in Etuis, 2 1/2 Sgr.
Memoiren eines Apostaten, aus dessen Papieren herausgegeben von Pipitz. (Ldnpr. 1 1/2 Thlr.) nur 7 1/2 Sgr.
Schneeglöckchen, kleine poetische Erzählung von Mainz, 18 Pf.
Rücktritt zur katholischen Kirche von 60 engl. Geistlichen und Universitäts-Mitgliedern und 50 anderen angesehenen Personen etc. von Gondon, 5 Sgr.
Wahrsager-Karten, oder Enthüllung der Zukunft nebst Auslegung der gewöhnlichen Spielkärten, in Etuis, 2 1/2 Sgr.
Die angezeigten Artikel sind sämmtlich neu und wo kein Einband angegeben, sauber geheftet und in Mehrzahl vorräthig.
Auswärtigen die Anschaffung zu erleichtern, sende ich trotz der geringen Preise, jede Bestellung von mindestens 2 Thlr. das Paket portofrei zu, und lege außerdem noch jeder Bestellung von mindestens 4 Thlrn. ein Loos zur Gemälde-Verloosung, worauf ein Gemälde von 30 bis 200 Thlr. Werth gewonnen werden kann, gratis bei, so bei Bestellungen von wenigstens 8 Thlrn. 2 u. s. w. Jeder Bestellung muß aber der Betrag portofrei beigefügt werden.
@typejAn
@facs0689
Dampfschifffahrt für den Nieder- und Mittelrhein.
Düsseldorfer Gesellschaft.
Die Nachtfahrt von hier nach dem Oberrheine ist bis auf Weiteres ausgesetzt.
Kötn, den 21. Okt. 1848.
Die Haupt-Agentur.
@typejAn
@facs0689
Gasthof zum Bönn'schen Posthause.
Auf die veränderte Einrichtung seiner Abend-Restauration macht der Unterzeichnete ganz besonders aufmerksam.
Wm. Hilgers.
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@facs0689
Schwarzen und kouleurten Sammt in reicher Auswahl billig bei Gebr. Seligmann.
@typejAn
@facs0689
Gesuch.
Ein junger militärfreier Mann, welcher bereits seit 4 1/2 Jahr auf Reisen so wie auf dem Komptoir in einem Manufaktur en gros Geschäft zur Zufriedenheit seines Prinzipals gearbeitet, sucht in einem derartigen Geschäft als Kommis oder Reisender ein neues Engagement.
Der Zeit-Umstände wegen, würde er sich auch verpflichten, in den ersten Monaten als Volontär zu arbeiten, vorausgesetzt daß er auch später in dem Hause bleiben kann.
Hierauf Reflektirende bittet man sich unter Lit. B. an die Expedition dieses Blattes zu wenden.
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@facs0689
Obstbäume und Pflanzen sowie 15,000 Stück kanad. Pappeln sind in unserer Baumschule vorräthig und billig zu kaufen.
Reusrath zwischen Opladen und Langenfeld.
Theodor Pohlig et Söhne.
@typejAn
@facs0689
ENGLISCHER HOF in Cöln.
Casinostrasse Nr. 1.
Empfiehlt einem reisenden Publikum auf's Ange legentlichste.
Herm. Jos. Thibus.
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@facs0689
Mosel-Dampfschifffahrt.
Täglicher Dienst.
Abfahrt von Trier Morgens um 5 Uhr.
Abfahrt von Koblenz (nach Ankunft der Nachtboote von Köln) Morgens um 6 Uhr.
Vom 1. November c. an fahren unsere Schiffe nur Schiffe nur viermal wöchentlich und zwar:
von Trier Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags, Morgens um 5 Uhr
von Koblenz Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags Morgens um 6 Uhr.
Trier, den 23. Oktober 1848.
Die Direktion.
@typejAn
@facs0689
Casino-Ball-Gesellschaft.
Es werden im Laufe dieses Winters 6 Casino-Bälle Statt finden, und zwar:
Derersteam18. November 1848.
Derzweiteam2. Dezember 1848.
Derdritteam31. Dezember 1848.
Dervierteam20. Januar 1849.
Derfünfteam3. Februar 1849.
Dersechsteam17. Februar 1849.
Köln, den 3. November 1848.
Die Casino-Ball-Direktion.
[0690]
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@facs0690
Brodpreis der Stadt Köln.
Vom 5. Okt. bis zum 11. Okt.
Ein Schwarzbrod von 8 Pfd. soll kosten 4 Sgr. 7 Pf.
Köln, 4. Nov. 1848.
Der interimistische Polizei-Direktor, Geiger.
@typejAn
@facs0690
Civilstand der Stadt Köln.
Den 30. .u. 31. Okt. 1848.
Geburten.
Joh. Jos., S. v. Adam Balkhausen, Kfm., Mühleng. ‒ Egid., S. v. d. verstorb. Jos. Kreuwel, Nagelschm., Peterstr. ‒ Maria Magdal. Hubert., T. v. Wern. Columban Dolff, Spezereihändl., Ehrenstr. ‒ Maria Sophia Louise, T. v. Ludw. Schmidt, Glasmaler, Entenpfuhlgäßchen. ‒ Karl Joh., S. v. Adam Ludwig, Hausknecht, Minoritenstr. ‒ Jacob, S. v. Joh. Weis, Kutscher, Catharinengr. ‒ Jos., S. v. Herm. Peter Hoitz, Steinh., alte Mauer an Aposteln. ‒ Phil. Jos., S. v. Adolph Fix, Schneider, Fischmarkt. ‒ Alwine Franc., T. v. Friedr. Wilh. Sartorius, Kfm., Casinostr. ‒ Jos. Hub., S v. Anton Brück, Kfm., unter Hutmacher. ‒ Cathar., T. v. Franz Jof. Karl Urbach, Strumpfwirker, Spinnmühleng. ‒ Elisab. Aug. Jacob., T. v. Friedr. Laur. Chebaldt, Stellmacher, Kupferg. ‒ Anton, S. v. Anton Kremer, Fabrikarb., Löhrg. ‒ Anna Maria, T. v. Peter Dato, Tagl., Friesenw. ‒ Cathar., T. v. Joh. Schmitt, Schneider, Sionstr. ‒ Karl Eugen, S. v. Wolff Isaac de Jonge, Kfm., Breitstr.
Sterbefälle.
Peter Mindermann, 1 Jahr 7 M. alt, Hochpfortenbüchel. ‒ Friedr. Faust, 11 M. alt, Achterstr. ‒ Marg. Wimbeck 1 J. 7 M. alt, Thürmchensw. ‒ Anna Maria Gölden, 28 J. alt, unverh., Cäciliensp. ‒ Cathar. Vanderweiden, geb. Nolden, 48 J. alt, Engg. ‒ Math. Borenkott, Brauerknecht, 28 J. alt, unverh, Severinstr. ‒ Wilh. Liblar, 7 M. alt, kr. Büchel. ‒ Margar. Fischer, 4 M. alt, Thürmchensw. ‒ Maria Magdal. Hutmacher, 40 J. alt, unverh., Cäcilienkl. ‒ Anna Margar. Fey, 66 J. alt, unverh., Minoritensp. ‒ Gertr. Schmitz, 1 J. 11 M. alt, Severinstr. ‒ Joh. Schladen, 2 J. 5 M. alt, unter Kalenh. ‒ Christina Siburg, 5 J. 11 M. alt, Weißbütteng. ‒ Andr. Küpper, 4 W. alt, Entenpf.
Vom 1. Nov.
Geburten.
Jos. Anton, S. v. Anton Waldhausen, Wagenfabrik., oben Marspforten. ‒ Jos. S. v. Wilh. Moers, Seidenweber, Machabäerstr. ‒ Jacob Adolph, S. v. Joh. Adolph Greven, Branntweinbr., Komödienstr. ‒ Christ., T. v. Jos. Hallescheck, Steinh., unter Kranenb. ‒ Jac., Margar., T. v. Casp., Hackhausen, Gastw., Hochstr. ‒ Maria Henr., T. v. Gottfr. Josue, Rothgerber, Rothgerberbach. ‒ Julia, T. v. Joh. Roesberg, Tagl, Spulmannsg. ‒ Margar., T. v. Leon. Dornbach, Glaser und Anstr., gr. Griechenm.
Sterbefälle.
Anna Maria Nettesheim, 10 M. alt, Pelzerg. ‒ Hub. Christ. Jos. Thywissen, 4 M. 3 W. alt, Cigelst. ‒ Jos. Hub. Esser, 1 J. 6 M. alt, unter Goldschm. ‒ Cathar. Hubert. Iven, 16 T. alt, Röhrerg. ‒ Zwei unehel. Mädchen.
Anzeigen.
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Schifffahrts-Anzeige.
Köln, 4. November 1848.
Angekommen: C. Wenneis vom Niedermain.
Abgefahren: G. C. Schmidt nach Heilbronn. J. Acker nach Mainz. Fr. Seelig nach dem Obermain.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Wwe. H. Lübbers. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr A. Meyer. Nach Andernach und Neuwied H. Schumacher. C. Kaiser. Nach Koblenz, der Mosel u. Saar D. Schlaegel. Nach der Mosel, nach Trier und der Saar M. J. Deiß. Nach Mainz J. Hirschmann. Nach dem Niedermain C. Nees. Nach dem Mittel- und Obermain. Th. Messerschmidt. Nach Worms und Mannheim L. Müller. Nach Heilbronn H. Müssig. Nach Bingen Wwe. Jonas.
Nach Rotterdam Kapt. Peer Köln Nr. 13.
Nach Amsterdam Kapt. Demmer Köln Nr. 25.
Rheinhöhe am 4. Nov. 6 4″.
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Bekanntmachung.
Die Lieferung des Bedarfs der hiesigen Artillerie-Werkstatt für das Jahr 1849 von ungefähr
10000PfundBlankleder,
300PfundBrandsohlleder,
600PfundKalbleder,
500PfundKrausleder,
300PfundWeißgarleder,
200StückLamm- und Schaffelle.
1500PfundReh- und Kälberhaare.
2000EllenLeinenwaaren.
1400PfundRüböl.
1500PfundLeinöl.
soll am 22. November c., Vormittags 9 Uhr, in einem hier abzuhaltenden Submissionstermine den Mindestfordernden kontraktlich übertragen werden.
Lusttragende werden eingeladen, die in unserm Bureau aufgelegten Bedingungen und Proben einzusehen und ihre versiegelten Preisforderungen unter der Aufschrift: „Submission auf Lieferung von etc.“ vor dem bezeichneten Termine an uns einzusenden; später eingehende Gebote bleiben unberücksichtigt.
Deutz, 31. Oktober 1848.
Königliche Verwaltung der Haupt-Artillerie-Werkstatt.
Unger, Hauptmann.
Trespe, Lieutenant.
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Anfragen in Betreff der Kriminal-Prozedur von Seligmann und Cohen in Köln.
Ist es wahr, daß bei einem solchen bedeutenden Prozesse die Staatsbehörde es nicht der Mühe werth erachtete, auch nur einmal auf die Vertheidigung zu repliziren und weßhalb nicht? Ist es wahr, daß ein Mitglied der Geschworenen, nachdem das Resultat unter ihnen festgestellt war, sich aus dem Berathungszimmer vorzeitig entfernen wollte? Ist es wahr, daß das Publikum das Resultat der Geschworenen schon früher kannte, bevor noch der erste Geschworene dasselbe verlesen hatte? Ist es wahr, daß einer der Geschworenen unmittelbar nach der Publikation des Urtheils einem der Freigesprochenen die Hand drückte? Ist es wahr, daß von dem Versuch der Bestechung des Syndiks von Brambach und Goldmann, welcher Umstand von diesem zu Protokoll gegeben worden ist, in der Verhandlung keine Rede war und wäre es endlich nicht von Interesse die Namen der Geschworenen, welche auf die von der Staatsbehörde gestellten Fragen mit Ja und Nein antworteten, einzeln zu kennen?
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Börse bei Hallin.
Die jetzige, in politischer Beziehung so außerordentliche wichtige Bewegung, welche ganz Europa wie mit elektrischer Macht durchzittert, hat das unabweisliche Bedürfniß hervorgerufen, nicht täglich, sondern stündlich aus den verschiedensten Gegenden bewährte Nachrichten einzuziehen. ‒ Diese Zeitereignisse haben mich veranlaßt, mein Etablissement auch in solcher Rücksicht auf das Niveau der strengsten politischen Anforderungen zu stellen. Das verehrte Publikum wird demnach von jetzt an, alle wichtigere Journale Deutschlands und der europäischen Hauptländer bei mir zur Durchsicht aufgelegt finden, von denen wenigstens ein Theil nachstehend verzeichnet ist.
Deutsche Zeitungen:
Preußischer Staats-Anzeiger.
Vossische Zeitung.
Die deutsche Reform.
Berliner Zeitungs-Halle.
Neue Preußische Zeitung.
Kölnische Zeitung.
Neue Rheinische Zeitung.
Rheinische Volkshalle.
Freie Blätter.
Neue Kölnische Zeitung.
Fortschritt und Gesetzlichkeit.
Arbeit, Freiheit und Brüderlichkeit.
Kölnisches Fremdenblatt.
Wächter am Rhein.
Aachener Zeitung.
Düsseldorfer Zeitung.
Elberfelder Zeitung.
Rhein- und Mosel Zeitung.
Mainzer Zeitung.
Trier'sche Zeitung.
Augsburger Allgemeine Zeitung.
Deutsche Zeitung.
Frankfurter Journal.
Ober-Post-Amts-Zeitung.
Karlsruher Zeitung.
Mannheimer Abend-Zeitung.
Bremer Zeitung.
Hamburger Börsen-Halle.
Allgemeine Oder-Zeitung.
Leipziger Zeitung.
Schleswig Holstein'sche Blätter.
Neue Königsberger Zeitung.
Allgemeine Oesterreichische Zeitung.
Wiener Zeitung.
Konstitutionelle Blätter aus Böhmen.
Illustrirte Düsseldorfer Monatshefte.
Kladderadatsch.
Französische Journale.
La Presse. La Réforme. Courrier Français.
Pariser Charivari.
Magazin Pittoresque.
Belgische Journale.
La Nation. L'Observateur. L'Indépendance. Le Journal de Liége. Le Libéral Liégoir.
Holländische Blätter.
Amsterdamer Handelsblatt.
Italiänische Journale.
Concordia von Turin. Alba von Florenz. Contemporaneo von Rom.
Englische Journale.
London Punch.
The Standard.
The Economist.
The Northern Star.
Gleichzeitig bemerke ich, daß ebenfalls die lithographirten Korrespondenzen, Course, sonstige Handelsnotizen und wichtigen Nachrichten, täglich in meinem Salon auf einer schwarzen Tafel ausgestellt werden sollen, und zwar jedesmal von des Morgens 10 Uhr an, mithin 4 Stunden vor Eröffnung der hiesigen Börse. Mit dieser dem Handels- und Gewerbe-Publikum hoffentlich erwünschte Einrichtung, wird dem Besucher auch aufs bereitwilligste Auskunft über Posten, Dampfschiffe, Eisenbahnen etc. ertheilt. Selbst die Nicht-Konsumenten sind eingeladen, mein Lokal und dessen Institut mit ihrem Besuche zu beehren.
Köln, im November 1848.
J. H. Hallin.
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Bei I. W. Dietz, unter Hutmacher Nr. 17 ist zu haben:
Ideen Napoleons.
Von dem Prinzen Napoleon-Ludwig-Bonaparte.
8 Bogen brosch. 5 Sgr.
Wir machen auf dieses Werk in einem Augenblicke, wo der Verfasser allem Anschein nach zum Präsidenten der französischen Republik erwählt wird, hiermit aufmerksam. ‒ Der Preis ist höchst billig gestellt.
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Die C. M.-Eisenbahn muß großen Mangel an Beamten haben, da dieselbe körperlich gebrechliche resp. buklige zum Betriebs-Dienste auserwählt, und sogar in eine Inspektor-Uniform steckt, wie es auf der Station H ‥ m der Fall ist.
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Herrenkleider werden gewaschen und reparirt, Herzogstraße Nr. 11.
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Zur Beachtung für Auswanderer.
Der Unterzeichnete, dem die Herren Carl Pokrantz & Comp. in Bremen ihre General-Agentur für die Rheinprovinz übertragen haben, erlaubt sich, diejenigen Familien welche nach Amerika auszuwandern gesonnen sind, auf die vielen Vortheile, welche ihnen die Beförderung über Bremen verspricht, in Betreff der Sicherheit des Transports, vorzüchlicher und genügender Auswahl von Lebensmitteln und Billigkeit der Fracht-Bedingungen ‒ besonders aufmerksam zu machen. ‒
Auf portofreie Anfragen ertheilt der Unterzeichnete bereitwillig jede wünschenswerthe Auskunft über Abfahrt der Schiffs-Transportkosten und die Verhaltungs-Maßregeln während der Reise.
Köln, im Oktober 1848.
Jean Scheib, am Hof 33.
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So eben ist erschienen:
„Der Freischärler.“
Zeitschrift für Kunst und sociales Leben, redigirt von Louise Aston.
Alle Mittwoche eine Nummer. Abonnementspreis für die Monate November und Dezember 10 Sgr. Bei Beziehung durch die Post tritt der sehr unbedeutende Postaufschlag hinzu.
Berlin, 1. November 1848.
Vossische Buchhandlung.
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Annonce.
Will Herr Stupp nicht eine Dankadresse an Herrn Windischgrätz von wegen des Belagerungszustandes und Bombardements von Wien vom Stapel laufen lassen?
Mehrere Wiener Heuler.
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Anfrage.
Ist der Männergesang-Verein ein Heuler-Verein geworden? Wir vermißten denselben bei dem gestrigen Fackelzuge für unseren Abgeordneten.
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Anfrage.
Warum vermißten wir unsern rühmlichst bekannten Männergesang-Verein bei dem gestrigen Fackelzuge zu Ehren unseres Deputirten Herrn Kyll?
Viele Fackelträger.
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Mailust in Deutz.
Heute Sonntag den 5. November Tanzmusik.
Anfang um 3 Uhr.
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16. Comp. der Bürgerwehr.
Montag den 6. November Abends 7 Uhr Versammlung zur Rechnungs-Ablage bei Opladen in der Streitzeuggasse.
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Schlafröcke und Hausröcke in großer Auswahl per Stück 2 Thlr. bis 8 Thlr.
Trikots, Unterhosen und Jacken von 15 Sgr. an bis 25 Sgr. im neuen Laden Obenmarspforten 21 A gegenüber dem Jülichsplatz.
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Eine große Auswahl in gesteppten und wollenen Bett-Decken empfiehlt bestens D. Kothes, Altenmarkt Nr. 69.
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Nachricht für die Herren Tapeten-Fabrikanten.
So eben erhalte ich von Nürnberg wieder eine sehr bedeutende Sendung Blattgold (geschlagenes Metall), was ich hiermit ganz ergebenst anzeige.
D. Kothes, Altenmarkt Nr. 69.
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Das Haus Mühlengasse Nr. 18 steht zu vermiethen. Bescheid Hohestraße Nr. 20-24.
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Kommoden, Nachtskommoden, nußbaumene Kinderbett lädchen, kleine Tische und Arbeits-Tischchen sind billig zu haben bei Schmidt, Mühlengasse Nr. 10.
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Oeffentlicher Verkauf im hiesigen Leihhause.
Mittwoch den 8. November 1848 und folgenden Tag aus dem Monat Oktober 1846.
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Regenschirme in schwerster Seide per Stück 2 Thlr. 10 Sgr. bis 3 1/2 Thlr.
Regenschirme in feinstem Zeug per Stück 22 Sgr. bis 1 Thlr. 15 Sgr.
Schirmgestelle werden in Zahlung genommen im neuen Laden Obenmarspforten 21 A gegenüber dem Jülichsplatz.
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Westenstoffe neueste Muster und große Auswahl in Wolle, Seide und Sammt per Weste 15 Sgr., 20, 25 Sgr., 1 Thlr. bis 2 1/2 Thlr.
Eine Partie zurückgesetzte Westenstoffe (ältere Westen) zu 8 Sgr. bis 20 Sgr im neuen Laden Obenmarspforten 21 A gegenüber dem Jülichsplatz.
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Severinstraße Nro. 80 steht der zweite Stock zu vermiethen, anhabend 3 Zimmer. Auch ist daselbst 1 Zimmer, was sich zu einer Gesellschaft eignet zu beziehen.
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Eine bedeutende Auswahl in Winterhandschuhen zu jedem Preise erhielt und bietet dieselben zur geneigten Abnahme an:
P. Leurs Sohn, Schildergasse Nr. 14.
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Römischer Circus.
Von Alexandro Guerra.
Abreise der Gesellschaft.
In der Reitbahn des Hrn. Bauch, Lungengasse Nr. 15.
Heute Sonntag den 5. November 1848.
Große Benefiz-Vorstellung der Dem. Louise Lettard.
Zum Schluß.
Zum zweitnmal: Das englische Stippel-Chaisen.
Ueber mehrere Hindernisse, von mehreren Herren und Damen der Gesellschaft.
Alexandro Guerra.
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Heute Sonntag den 5. November 1848:
Abends 7 Uhr.
Restauration im Stollwerck'schen Saale.
Entree à Person 10 Sgr., wofür Getränke verabreicht werden.
Hierbei große musikalische dramatische Abend-Unterhaltung.
Auf allgemeines Verlangen:
Spiele des Zufalls.
Lustspiel in 3 Akten von Lebrun, und hierauf: Die Wiener in Berlin.
Vaudevill-Posse.
Kassa-Eröffnung 6 Uhr.
Franz Stollwerck.
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Theater-Anzeige.
Sonntag den 5 November:
Elfte Vorstellung des Balletmeister Herrn Martin und Frau Martin-Zimmann, erste Tänzer vom königl. Hoftheater St. Carlos in Lissabon.
„Die Puritaner.“
Große romantische Oper in 3 Akten. Musik von Vincenzo Bellini.
Im 3. Akt:
Zum erstenmale wiederholt das neue Pas de deux Serieux.
Arrangirt von Herrn Martin. Getanzt von demselben, und Frau Martin-Zimmann. Musik v. Ad. Adam.
Im Finale des 3. Akt:
Zum Erstenmale wiederholt das beliebte Pas de trois caractère.
La Tyrolienne.
Arrangirt von Herrn Martin, ausgeführt von demselben. Frau Martin-Zimmann und Frl. Lina Gärtner. Musik von Norberto Pinto.
Montag den 6. Nov. (Zum Benefiz für Hrn. Walliser).
„Der Thurm von Nesle.“
Romantisches Drama in 5 Akten. Nach dem Französ. von L. W. Both.
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W. Dietz, unter Hutmacher 17.