[0717]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 140. Köln, Samstag den 11. November. 1848.
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Becker und Schapper). Dortmund. (Die bewaffnete Intervention in Dortmund. ‒ Schaamlosigkeit der Kölnischen Bourgeoisie). Berlin. (National-Versammlung. ‒ Dringende Anträge. ‒ Ein Bonmot des Königs. ‒ Die Garderegimenter. ‒ v. Vinke). Aus Sachsen. (Kriminalistisches). Liegnitz. (Reichserekutionstruppen). Inowraclaw. (Neue Anstrengungen der Netzbrüder). Wien. (Zur Statistik des österreichischen Kaiserstaats ‒ Reichstagssitzungen vom 24. Und 25. Oktbr). Frankfurt. (National-Versammlung). Altenburg. (Verhaftungen. ‒ Hannöversche Einquartirungslast). Bernburg. (Ein Duodezferdinand). Schleswig. (Rendtz. ‒ Bülow. ‒ Aus der schleswig-holsteinischen Landesversammlung ausgeschiedene Mitglieder. ‒ Der Protest gegen Stedtmann).
Polen. Von der polnischen Gränze. (Russisch-religiöse Propaganda).
Donaufürstenthümer. (Rußland die Stütze der „Weltordnung.“ ‒ Bukarest. (Die Russen in der Walachei).
Italien. Turin. (Die Vermittlung. ‒ Adresse des italienischen Kongresses. Aus der Lombardei. (Die Insurrektion).
Schweiz. Aus der Republik Neuschatel. (Das Exfürstenthum). Bern. (Neue Note der Reichsgewalt an die Schweiz). Wallis. (Ursulinerinnen und Nonnenkolonie).
Großbritannien. London. (Die westindische Post.-Handelsnachrichten).
Deutschland.
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[ 16 ] Köln, 7. Nov.
Gestern haben Schapper und Becker in ihrer Untersuchung wegen „Complotts zum gewaltsamen Umsturz der Verfassung, zur Erregung von Bürgerkrieg und gewaltsamen Widerstand gegen die bewaffnete Macht“ Schlußverhör gehabt. Seit heute liegen die Akten dem Staatsprokurator Hecker vor. Da derselbe bekanntlich binnen 3 Tagen seine Anträge nehmen muß, so ist nicht zu zweifeln, daß die Rathskammer in ihrer nächsten Sitzung am 14. d. M. die Sache erledigen wird. Die Untersuchung hätte sich nicht so lange ‒ die Verhaftungen geschahen am 25. Septbr. ‒ hingezogen, wären nicht die Vorfälle auf dem Altenmarkt vom 26. Septbr. ebenfalls Gegenstand der Anklage geworden und letztere Anklage auffallender Weise mit der bereits schwebenden Sache verbunden worden. So mußten die Verhafteten für die Vergehen Anderer, die bekanntlich entflohen sind, die Vorhaft mitgenießen.
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[ 105 ] Dortmund, 8. Nov.
Wir haben unserm letzten Berichte eine bemerkenswerthe Thatsache nachzutragen. Den Kölner Eisenbahn-Bourgeois bloß „böse Träume und bleiche Furcht“ als Motiv ihrer Soldatenrequisition zu unterlegen, war unserseits arge Täuschung. Die Freunde der Belagerungszustände sind weit praktischer.
Gestern wurde dem Schmiedemeister Höne und zwei andern Leitern des frommen „Handwerkervereins“ vom Betriebs-Ingenieur Leopold unter dem Schutze der Bajonnette die von uns vorausgesagte Entlassung angekündigt. Dies war der Grund der v. Möller'schen Maßregel.
Die Maßregel des Regierungspräsidenten ist ein direkter Beweis für den Ausspruch der „Neuen Rheinischen Zeitung“, daß „sich die Bourgeoisie überall im geheimen Einverständnisse mit der bewaffneten Macht befindet“.
Die Köln-Mindener-Eisenbahndirektion will drei Arbeiter beseitigen wegen Hochverraths an der Majestät der Bourgeoisie. Sie fürchtet jedoch die Folgen ihrer Niedertracht. Herr v. Möller, der Eisenbahnkommissar, wird in's Complott gezogen, es werden falsche Gerüchte erfunden, und Hr. v. Möller, der Regierungspräsident, leistet der Bourgeoisie starke Hand mit 150 Bajonnetten. Es stellt sich zuletzt heraus, daß die „Ehre“ der Armee keineswegs durch die gemeinsten Bütteldienste beeinträchtigt werden kann.
Hr. v. Möller macht uns auf angenehme Weise mit den Vortheilen der konstitutionellen (Bourgeois-) Monarchie bekannt. Diese angenehme Verfassung wird den Hrn. Regierungspräsidenten auch sicher stellen vor der Anklage wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt.
Es lebe die Dynastie Oppenheim!
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[ 105 ] Dortmund, 8. Nov.
Von der Schamlosigkeit der Kölner Bourgeoisie ein Beispiel. Jedem Arbeiter der Köln-Minden. Eisenbahn, welcher 6 Minuten bei der Arbeit zu spät kommt, werden für 2 Stunden, sage 2 Stunden Lohn abgezogen. Um hierüber gewissenhafte Kontrolle führen zu können, haben sich die Herren folgendes Mittelchen ausgedacht. An der Wohnung des Aufsehers wird eine Tafel mit numerirten Blechschildchen ausgehängt. Jeder Arbeiter muß seine bestimmte Nummer dort abholen und an seine gleichfalls, nach Art der herrschaftlichen Marställe, numerirte Arbeitstelle anheften. Punkt 6 Uhr 6 Minuten des Morgens und Punkt 1 Uhr 6 Min. des Mittags wird die Tafel eingezogen und man hat durch die hangengebliebenen Schildchen die Delinquenten erwischt. Amüsant, nicht wahr?
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[ 103 ] Berlin, 8. November.
National-Versammlung.
Gegen 10 Uhr eröffnet der Präsident Unruh die Sitzung. Das Protokoll wird verlesen. Die Ministerbank bleibt noch immer unbesetzt, obgleich die alten Minister, in Folge eines gestrigen Beschlusses, zu erscheinen aufgefordert waren. Im Protokoll war vom Sekretar die persönliche Erklärung des Abg. Auerswald II, welche derselbe gestern gegen Jacoby abgab, gegen die Bestimmung der Geschäftsordnung aufgenommen worden. Der Abg. Schulze von Wanzleben protestirt dagegen und die Versammlung beschließt mit 169 gegen 165 Stimmen die Streichung dieser Erklärung aus dem Protokoll.
Hierauf wird ein Schreiben der Minister Eichmann, Bonin, Kisker und Dönhof verlesen, worin sie anzeigen, daß sie der gestrigen Einladung des Präsidenten, in die Sitzung der National-Versammlung zu erscheinen, nicht nachkommen könnten, indem sie Anstand nehmen müßten, der Berathung eines Gesetzes beizuwohnen, da sie sich außer Stand befinden, Erklärungen im Namen der Krone abzugeben, und beziehen sich schließlich auf das Schreiben des Grafen Brandenburg vom 2. d., wonach sie den Auftrag haben, nur die laufenden Geschäfte bis zur Bildung des neuen Ministeriums fortzuführen.
Der Präsident Unruh erklärt, daß sich die Versammlung durch dieses Schreiben nicht könne abhalten lassen, dem gestern gefaßten Beschlusse gemäß, in der Berathung des Gesetzes wegen unentgeltlicher Aufhebung der Lasten fortzufahren.
Abg Scheidt schreit von seinem Platze aus: Das ist inkonstitutionell und illegal, wir können ohne Minister nicht berathen. Er stellt den Antrag, die Sitzung sofort zu schließen und morgen früh eine neue zu eröffnen.
Ueber diesen Antrag entspinnt sich eine Debatte und es werden noch die verschiedenartigsten Anträge gestellt und begründet. Von der Rechten hebt man wieder hervor, daß ohne Anwesenheit der Minister keine Berathung eines Gesetzes stattfinden könne. Die Linke besteht darauf, daß der gestrige Beschluß aufrecht erhalten werde. Die Centren schwanken, sie wollen einige unerhebliche Anträge zur Berathung zulassen.
Temme wirft dem Ministerium vor, daß es inkonstitutionell handle, weil es nicht in der Versammlung erscheint, trotzdem daß es mit der Fortführung der laufenden Geschäfte beauftragt sei.
Abg. Schmidt (Landshut) ist für die Fortsetzung der Berathung, denn ob wir die Zustimmung oder die Ablehnung der Minister zu unsern Beschlüssen hören oder nicht, das ändert an unsern Beschlüssen nichts.
Abg. Waldeck: Wie auch der gestrige Beschluß gedeutet werden mag, so liegt doch unzweifelhaft darin, daß wir heute in der Berathung des Lastengesetzes fortfahren sollen. Dies wichtige Gesetz muß so schnell wie möglich zu Ende gebracht werden. Wozu auf die Anwesenheit der Minister dringen. Ich will Ihnen sagen, was die Minister, wenn sie anwesend sind, thun werden. Sie werden gegen jede unentgeltliche Aufhebung einer Abgabe sich erklären, das geht aus dem bisherigen Benehmen der Minister hervor. Jetzt wissen Sie die Erklärung der Minister, lassen Sie uns daher dies Gesetz noch diese Woche zu Ende bringen.
Arntz reitet wieder sein Steckenpferd und beruft sich auf die Ministerkrisen in Frankreich, wo man in den Kammern die Berathungen fortsetzte, demnach ist die Fortsetzung der Berathung konstitutionell. Ueberzeugend wirkt der Grund, den er schließlich vorbringt, daß die Minister ja im Laufe der Ministerkrise königliche Botschaften der Versammlung zugesandt haben und auch mehrere Male hier anwesend waren. Warum weigern sie sich nun heute zu erscheinen?
Der Antrag des Abg. Scheidt, die heutige Sitzung bis auf morgen zu vertagen, wird verworfen.
Der Antrag des Abg. Daniels:
„In Beziehung auf die heutige Erklärung der Minister die heutige Morgensitzung zu schließen, weil die Berathung des Gesetzes keinen Zweck haben kann,“
führt vor der Abstimmung noch zu einer stürmischen Debatte über die Fragestellung und die Geschäftsordnung. Die Rechte und das Centrum fühlt, wie schlecht der Antrag gestellt ist und will den Kopf und die Füße des Antrags abhauen, um nur über die Worte abstimmen zu lassen: „Die heutige Morgensitzung zu schließen.“ Die Linke will aber den ganzen Antrag, eben weil er so schlecht motivirt ist, verwerfen; warum ist er nicht besser eingereicht? Jetzt, wo man zur Abstimmung schreitet, kann nicht mehr der Antrag selbst geändert werden, das hätte früher geschehen müssen. Endlich wird darüber abgestimmt, ob der Antrag des Abg. Daniels getheilt zur Abstimmung kommen solle. Die Theilung wird mit 179 gegen 177 Stimmen angenommen. (Die Rechte hat wieder falsch gezählt, was die folgende namentliche Abstimmung über den Antrag selbst ergiebt.) Der erste Theil des Antrages: „In Beziehung auf die heutige Erklärung der Minister die heutige Morgensitzung zu schließen,“ wird nach namentlicher Abstimmung mit 186 gegen 172 Stimmen verworfen.
In Folge dieser Abstimmung fährt man in der Berathung des Entwurfs eines Gesetzes wegen unentgeltlicher Aufhebung verschiedener Lasten und Abgaben fort.
Nro. 11. des § 1 wird angenommen.
Schulze von Delitzsch stellt den Antrag:
„Mit Wegfall der heutigen Abendsitzung, die für die Tagesordnung von heute Abend anberaumten Gegenstände morgen zu erledigen und alsdann in der Berathung des Lastengesetzes fortzufahren,
wird mit großer Majorität angenommen.
Nachdem noch einige Amendements zu Nro. 11 des § 1 des Lastengesetzes erledigt sind, wird die Sitzung geschlossen.
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[ 103 ] Berlin, 8. November.
Trotz der Unentschiedenheit des Centrums, welches übereinstimmend mit der Rechten der Ansicht war, daß kein Gesetz ohne Anwesenheit der Minister berathen werden möge, setzte es die Linke mit einer Majorität von 14 Stimmen durch, daß man heute die Berathung des wichtigen Lastengesetzes wieder aufnahm. Um die Zeit unnützer Weise zu tödten, forderte die Rechte bei einem ganz unerheblichen Amendement die namentliche Abstimmung. „Das ist eine Komödie“, rief eine Stimme aus der Linken. Die Rechte schreiet: zur Ordnung! Und will den Namen wissen. „ Elsner “ ruft derselbe, „und ich sage es nochmal, es ist eine Komödie.“ ‒ Die Rechte benahm sich auch heute wieder ganz unparlamentarisch; ihre Taktikt erregt den Unwillen des größten Theils der Zuhörer. Das falsche Zählen ihrer Scrutatoren bei den zweifelhaften Abstimmungen liegt auf der Hand und erregt allgemeinen Unwillen. So tief ist diese Partei schon gesunken, um zu solchen verwerflichen Mitteln ihre Zuflucht nehmen zu müssen.
Folgende dringende Anträge werden margen berathen werden: Schramm, Behnsch und Pinoff: Das Ministerium aufzufordern:
Keine politischen Flüchtlinge, die von Oestreich nach Preußen übertreten, auszuliefern, ihnen vielmehr denjenigen Schutz angedeihen zu lassen, welchen die Humanität und das Völkerrecht in solchen Fällen gebieten.
Motive: Die hohe Versammlung hat am 31. October mit 261 gegen 51 Stimmen den Beschluß gefaßt: „Sr. Majestät Regierung aufzufordern, bei der Centralgewalt, schleunige und energische Schritte zu thun, damit die, in den deutschen Ländern Oestreichs gefährdete Volksfreiheit und die bedrohte Existenz des Reichstags in Wahrheit und mit Erfolg in Schutz genommen und der Friede hergestellt werde.“ An dem nämlichen Tage, an welchem dieser Beschluß hier in Berlin gefaßt wurde, fiel Wien in die Hände der Reichsfeinde. Jetzt ist dort die Volksfreiheit, welche die hohe Versammlung retten wollte, vernichtet, das Ansehen des Reichstages dergestalt gebrochen, daß er, nach erfolgtem Wiederzusammentritt, nur noch eine Schein-Existenz fortführen kann. Es fruchtet Nichts mehr darüber nachzudenken, ob die Centralgewalt in Frankfurt, den Voraussetzungen der Versammlung entsprechend, diejenigen eingreifenden Maßregeln anordnen wird, welche die Versammlung erwartet. Diese Maßregeln würden, der Hauptsache nach, jetzt zu spät kommen. Auf friedlichem Wege kann das, was in Wien preisgegeben und zerstört worden ist, nicht wieder hergestellt werden. ‒ Nur Eines bleibt übrig, was die Versammlung jetzt noch auf diesem Wege dem heldenmüthigen, von Barbarenhorden mit Füßen getretenen, Bruderstamme gewähren kann, und wozu sie keine Vermittlung durch andere Mächte bedarf:
Ein Asyl für die Flüchtigen. ‒ Dieses Letzte kann und wird sie ihm nicht versagen.
Dringender Antrag der Abgeordneten Grimm, Boost, Schornbaum, Otto (Trier), D'Ester, Grebel, Kaul:
„Den Staatsministerien aufzugeben, den Anmeldungstermin für die Deklaration der diesjährigen Wein-Crescenz bis nach beendigter Debatte über die Moststeuer zu prolongiren.“
Motive: Die Moselwinzer harren sehnsüchtig der Befreiung von einer sie schwer drückenden Last. Sie waren bisher bei aller Unzufriedenheit stets willige Zahler. Da nun aber die Berathung der Moststeuer noch immer verschoben ward, so hat sich ein Geist allgemeiner Unzufriedenheit verbreitet, der an offene Widersetzlichkeit streift. Der diesjährige Wein wird vergeblich zu 3 Nthlr. per Ohm feilgeboten und darauf haften noch 25 bis 27 Sgr. Steuer!! Die Prolongation des Termins der Anmeldung ist daher Lebensfrage für die Ruhe dortiger Gegend.
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Berlin, 8. Nov.
Die „N. Pr. Ztg.“ berichtet: Es hatte sich gestern das Gerücht verbreitet, die hier stationirten Regimenter sollten in der Nacht von hier aus-, und die nahe um Berlin kantonnirenden Garde-Regimenter einmarschiren, in Folge dessen sich schon am Abende große Massen Volks in der Nähe der Kaserne am Kupfergraben, sowie an der in der Friedrichsstraße, versammelten. Der angesagte Ausmarsch erfolgte nicht, und spät erst verliefen sich die Massen.
Die Veranlassung zu jenem Gerücht ist wohl, daß die hier stationirten Truppen schon seit einigen Tagen marschfertig in den Kasernen konsignirt standen, und die betreffenden Garde-Regimenter ihre jetzige Lage als ferner unerträglich geschildert und bei ihren Vorgesetzten den Antrag formirt haben, daß ihnen die Kasernen in Berlin eingeräumt würden. Also nicht die Vorgesetzten verlegen die Garde-Regimenter in die Berliner Kasernen, die bösen Garden verlegen sich selbst hinein.
‒ Der im Kreise Pr. Stargardt zum Abgeordneten für die Preußische National-Versammlung gewählte Herr v. Bincke hat auf die an ihn ergangene amtliche Anfrage, ob er dieses Mandat annehmen will, die Erklärung abgegeben: „Er sei zur Uebernahme der auf ihn gefallenen Wahl gern bereit, er müsse jedoch, da er zur Zeit noch in Frankfurt durch die Theilnahme an den Geschäften der deutschen National-Versammlung in Anspruch genommen sei, den Antrag stellen, für jetzt seinen Stellvertreter einzuberufen.“
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[ * ] Berlin, 8. Nov.
Der König soll in Betreff des Ministerii Brandenburg geäußert haben: „Entweder Brandenburg in der Kammer, oder die Kammer in Brandenburg!“ Die „Neue Preußische Zeitung,“ jetzt offizielles Organ, macht hierzu folgende Randglossen:
[ 7 ] Unsere Ministerwirren scheinen darin ihre Lösung finden zu sollen, daß künftig Brandenburg in der Kammer und die Kammer in Brandenburg sein wird. „ Gibt es denn in Brandenburg außer der Besserungs-Anstalt noch ein so geräumiges Lokal, daß die Versammlung Platz findet?
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[ 45 ] Provinz Sachsen, 5. Nov.
Es ist bekannt, daß vorzugsweise in unserer Provinz politische Vergehen mit großer Strenge stets verfolgt und bestraft worden sind. Der Oberpräsident v. Bonin und der O.-L.-Gerichtspräsident v. Schlickmann, die früheren Träger des pietistisch-absolutistischen Systems, leiteten in unserer Provinz dieses System und die Polizei und Justiz. Mit großem Erstaunen vernimmt man jetzt ein Straferkenntniß, welches das O.-L.-G. zu Naumburg wegen politischer Vergehen gesprochen hat. Am 4. Juni d. J. fand zu Erfurt ein Tumult Statt, welcher durch Militär sofort unterdrückt wurde, wobei jedoch auch zwei Verwundungen von den Tumultuanten verübt, vorgefallen sind. Man sagt allgemein, daß der eigentliche Zusammenstoß durch ein voreiliges Einschreiten der bürgerlichen Schutzwehr, welche damals mit Stöcken bewaffnet war, und aller gesetzlichen und ordentlichen Organisation ermangelte, provocirt worden sei. Das O.-L.-G. zu Naumburg hat nun aber die Tumultuanten zu einer Zuchthausstrafe von neun und sechs Jahren in erster Instanz verurtheilt, wie der Kriminal-Direktor Petersen zu Erfurt unter Benutzung des öffentlichen Anzeigers zum Amtsblatt, „zur Warnung“ bekannt macht. ‒ Das Erkenntniß ist noch nicht rechtskräftig. ‒ Es muß dieses Erkenntniß, welches die äußerste Strenge des alten barbarischen Strafrechts zur Geltung gebracht haben dürfte, umsomehr Erstaunen erregen, wenn man dasselbe vergleicht mit vielen bei öffentlichem Verfahren gefällten Strafurteln des Kammergerichts zu Berlin in bei Weitem schwereren Attentaten, wie z. B. bei dem Zeughaussturm, bei dem Angriff auf die Minister-Hotels und bei Emeuten, bei welchen Menschenleben verloren gingen. ‒ Es ist nicht zu hoffen, daß jenes furchtbare Erkenntniß in der höheren Instanz gemildert werden wird. Die höhere Instanz ist bei demselben O.-L.-G. zu Naumburg. Wegen derjenigen Tödtungen und Verwundungen, welche im März d. J. durch ein übereiltes Requiriren und Einschreiten des Militärs an unschuldigen Bürgern verübt worden sind und welche der Abgeordnete für Erfurt schon vor 4 Monaten in der National-Versammlung zu Berlin zur Sprache gebracht hat, ist gegen die betheiligten Beamten und sonstige Offiziere noch nicht erkannt worden. ‒ Geschworenengerichte und wieder Geschworenengerichte. Aber Geschworenengerichte ohne Census! Nur keine rheinischen Geschworenengerichte!
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[ 306 ] Liegnitz, 6. Nov.
Eine der wichtigsten Errungenschaften des März, die Erfindung von „ Reichs-Exekutionstruppen “, ist auch uns in diesen Tagen zum Bewußtsein gebracht worden. Nachdem bei Haynau eine Truppenmacht von circa 6000 Mann aller Waffengattungen und 15 Stück Geschütz durch die Eisenbahnen konzentrirt worden war, rückte dieselbe vor acht Tagen nach allen strategischen Regeln, „die Schwerter haarscharf geschliffen und die Kugeln in den Gewehren“ gegen unsere Stadt vor und occupirte dieselbe mit einem Aufwande kriegerischen Schaugepränges, der den hiesigen Reaktionären einen lauten und begeisterten Hochgenuß zu gewähren, vollkommen geeignet war. 1300 Mann wurden so- [0718] dann in die Stadt, die übrigen in die umliegenden Ortschaften zur Einquartirung auf unbestimmte Zeit verlegt. Die Hoffnung der Reaktion, einen offenen Konflikt herbeizuführen und dadurch unter unserer größtentheils demokratisch gesinnten Bevölkerung ein Blutbad anzurichten, ist übrigens bis jetzt an der ruhigen und besonnenen Haltung der Bürger gescheitert. Die Soldaten sind möglichst gut aufgenommen worden, besuchen fleißig die Volksversammlungen und die Sitzungen des demokratischen Vereines und geben auf alle Weise ihre volksthümlichen Gesinnungen kund, so daß in dieser Hinsicht das beste Einvernehmen stattfindet. Indessen bewog der materielle Druck der übermäßigen Einqurtirung eine sogleich am ersten Tage vom demokratischen Verein berufene Volksversammlung, durch eine Deputation in Berlin, deren Entfernung zu beantragen, welchem Schritte sich auch die Stadtbehörden anschlossen. Das Ministerium ertheilte zur Antwort, erst müsse die widerspenstige Landwehr eingezogen werden und damit wurde denn auch in den letzten Tagen unter wiederholter Entwickelung großartiger militärischer Vorsichtsmaßregeln vorgeschritten. Hierbei werden eine große Anzahl Landwehrmänner, die bei der ersten verunglückten Einziehung nicht bestellt worden waren, zur Einkleidung kommandirt und unter Kavallerieskorte abgeführt; ebenso bleiben die dringendsten Reklamationen, wegen persönlicher Verhältnissevon der Einkleidung befreit zu bleiben, unberücksichtigt. Viele, die bereits durch die Einziehung zur Landwehr im vergangenen Sommer Monate lang ihren Geschäften und Familien entzogen worden sind, werden die durch vollends materiell ruinirt. In andern Kreisen Schlesiens unterbleibt dagegen die Einziehung der Landwehr ganz oder beschränkt sich auf einige, die sich freiwillig dazu melden. Zur Rechtfertigung dieser Maßregeln ist eine Kabinetsordre publizirt worden, durch welche der Kommandeur des schlesischen Armeekorps mit der Einziehung beauftragt wird. Da die Landwehr ihrem Statute nach nur zur Abwehr des äußeren Feindes verwandt werden soll, ein solcher aber gegenwärtig nicht bekannt ist, auch von jener Kabinetsordre früher nichts verlautete, so war die frühere Weigerung der Landwehrmänner nicht ohne eine positiv-rechtliche Begründung. Um so größer ist die allgemeine Entrüstung über dieses ganze Verfahren. Die Reaktionäre hoffen sogar noch auf weitere militärische Strafgerichte und gehen triumphirend und verklärten Blickes, das Volk verhöhnend, umher, während in diesem sich die feste Zuversicht ausspricht, daß sich dieser Jubel seiner Feinde binnen kurzer Zeit nur in eine desto größere Niedergeschlagenheit verwandeln wird.
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@facs0718
Inowraclaw, 1. Nov.
Der höchst wichtige Beschluß der Berliner Versammlung in Bezug auf das Großherzogthum Posen hat hier natürlich verschiedene Sensation erregt. Die Polen sind damit zufrieden, indem derselbe die Frankfurter Beschlüsse aufgehoben und die Demarkationslinie unmöglich gemacht. Die Deutschen aber sind außer sich, es werden Protestationen gegen den Kammerbeschluß geschmiedet, die Hauptabsicht aber geht dahin, neue Unruhen zu erregen, um die öffentliche Meinung wieder durch bekannte Lügengeschichten gegen die Polen einzunehmen, besonders aber das Soldatenregiment wieder einzuführen, damit nicht allein der Belagerungszustand in Posen nicht aufgehoben, sondern derselbe wieder über die ganze Provinz verbreitet werde. So wurde in Bromberg vorgestern die Liga polska, welche sich dort versammelt hatte, auseinandergeprügelt. Hier waren am Montage, wo unsere Liga Versammlung hatte, scharfe Patronen vertheilt worden. Gern hätte man einen Konflikt mit irgend einem Bauer herbeigeführt; jedoch die Bauern, deren sich einige Hundert in der Versammlung befanden, wurden beschworen, sich ruhig zu verhalten, auch wenn sie gereizt würden. Diesebe Bitte sollten sie an ihre Mitbewohner der Dörfer richten, besonders wenn sie am heutigen Feiertage in die Stadt kämen; denn für heute hat unser Militär besondere Vorkehrungen getroffen, da ihm der Ausbruch einer Revolution oder wenigstens ein öffentlicher Aufzug mit polnischen Fahnen auf heute notifizirt ist.
Natürlich findet Jeder, der irgend die hiesigen Verhältnisse kennt, es höchst lächerlich, so etwas zu glauben. Die Polen haben jetzt Anderes als Demonstrationen zu machen, und wie gesagt, solche Dinge werden rein erfunden von der deutschen Partei, oder besser, der deutschen Bureaukratie, um irgend wo einen Zusammenstoß zu Stande zu bringen. Uebrigens werden hier zu Lande solche Maßregeln allein von den Militärbehörden ohne die Civilbehörden angeordnet. Im Augenblick höre ich dem Militär die Lärmsignale geben, man ist aber deßhalb so ruhig, daß man kaum von dem Vorfall Notiz nimmt. Ich schicke den Brief auf die Post, deren Schluß sehr nahe ist, ohne mich noch zuvor nach der Ursache des Allarmirens erkundigt zu haben; denn, wie gesagt, es wird wohl ein blindes sein.
[(A. O.-Z.)]
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@facs0718
Wien.
Die „A. A. Ztg.“ theilt aus „A. Tebaldi über die Slaven des österreichischen Kaiserthums. Wien 1848“ folgende Notiz zur Statistik der in Oestreich hausenden Slaven, Deutschen und Italiener mit:
Würde man bloß den Namen: deutsche, ungarische, slavische und italienische Provinzen folgen, so wäre die Frage auch in numerischer Hinsicht sogleich zu Gunsten der Deutschen und Ungarn entschieden. Böhmen, Mähren, österreichisch Schlesien, Oesterreich ob- und unter der Enns, Salzburg, Steiermark, Kärnthen, Krain, Küstenland, Tirol und Vorarlberg sind mit 11,993,617 Einwohnern die „deutschen“ Provinzen des Kaiserreichs; Ungarn, Civil-Kroatien und Slavonien, Siebenbürgen, Militärgränze und Dalmatien gehören zu den „ungarischen“ Provinzen mit 14,259,878 Einwohnern. Es stünden danach also die genannten Theile der Monarchie mit einer Gesammtbevölkerung von mehr als 26 Millionen, den 5,130,208 Einwohnern der „slavischen“ Provinzen Galizien, Bukowina und Krakauer Gebiet, sowie den 4,740,000 Italienern des lombardisch-venetianischen Königreichs massenhaft überlegen gegenüber. Allein die deutschen und ungarischen Provinzen sind nicht ausschließlich deutsch und ungarisch bevölkert, vielmehr haben selbst mehrere deutsch-österreichische Provinzen eine überwiegende Slavenbevölkerung, und ebenso beherbergen die ungarischen Provinzen mehr Slaven und Deutsche als Magyaren. Die Vertheilung des gegenseitigen Gewichts der Volksmenge nach den unter Oesterreich vereinten Nationalitäten ist eine andere, den Deutschen, Ungarn und Italienern entschieden ungünstig. In dreizehn Provinzen (Böhmen, Mähren mit österreichisch Schlesien, Steiermark, Kärnthen und Krain, Küstenland, Dalmatien, Ungarn, Civil-Kroatien und Slavonien, Siebenbürgen, Militärgränze, Galizien, mit Krakau und Bukowina) vertheilen sich 17,422,177 Slanen, während die Gesammtmasse der Deutschen nur 7,833,175 in 18 Provinzen beträgt, die Ungarn bloß 5,472,910, die Italiener 5,506,000 ansmachen. Die Slaven bilden sonach 40/100, beinahe die Hälfte der Gesammtbevölkerung der österreichischen Monarchie.
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@facs0718
Wien.
Wir geben nachträglich die östreichische Reichstagssitzung vom 24. und 25. Oktober.
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@facs0718
[ 102 ] Wien, 25. Oktbr.
Reichstagssitzung von gestern. Eröffnung um 12 1/2 Uhr durch den Präsidenten Smolka.
Präsident: Nachdem mir angezeigt worden ist, daß in Florisdorf vom Militär drei Abgeordnete an der Rückkehr nach Wien verhindert worden, so habe ich sofort um 10 Uhr einen Eilboten an Se. Durchl. (!) den Fürsten zu Windischgrätz mit einer Zuschrift abgesendet, worin ich denselben ersuche, die wahrscheinlich nur aus Mißverständniß an der Weiterreise verhinderten Abgeordneten frei ziehen zu lassen. Ich habe mich deshalb mit dem Finanzminister Krauß vorher ins Einvernehmen gesetzt und auch er hat eine ähnliche Zuschrift abgefertigt. Ich erfuhr die Festhaltung der Abgeordneten durch einen von dem Abg. Koszowski geschriebenen, mir überbrachten Zettel folgenden Inhalts. (Verl. denselben:)
Potocki: Sind die Namen der andern beiden Abgeordneten bekannt?
Präsident: Nein, ich erfuhr nur den Namen Koszowski's. ‒ Der Abg. Dilewski verlangt krankheitshalber (? unterdessen er spazieren geht) einen Urlaub von 4 Tagen. Es ist dem permanenten Ausschuß eine Kundmachung des Fürsten Windischgrätz zugekommen, über welche er noch berathet, ich setze die Sitzung also bis 5 Uhr aus.
5 1/2 Uhr. Nur wenige Abgeordnete sind da, als der Präsident seinen Sitz einnimmt und die Glocke rührt. Das Publikum hat sich massenweise auf die Gallerien gedrängt. Erwartung und tiefe Spannung beherrscht alle Gemüther. Robert Blum befindet sich auf der Gallerie der Journalisten.
Präsident: Die zur Berathung nöthige Anzahl von Abgeordneten ist vorhanden, ich eröffne daher die Sitzung, indem ich den Abg. Schuselka ersuche, den Bericht des permanenten Ausschusses zu erstatten. (Tiefe, athemlose Stille, während Schuselka die Tribüne besteigt).
Schuselka: Wir haben weitere Geldbeiträge erhalten; Hr. Mahler hat als uns Ertrag einer Sammlung 385 Fl. übergeben (Bravo); der Abg. Meiedl desgleichen 213 Fl. im Namen der Stadt Braunau in Ober-Oestreich (Bravo). Letzte sind mit folgender Zuschrift begleitet; (verliest dieselbe.) Der Inhalt der Zuschrift ist sehr freisinnig, die Stadt will sich auf einen Wink des Reichstags erheben und schwärmt für ein freies starkes Oestreich und einiges Deutschland. (Bravo) Der Abg. Borrosch hat Namens der Gemeinde N… 43 Fl. abgegeben.
Durch den Finanzminister ist uns ein Schreiben Auerspergs als Antwort auf unsere Beschwerde vom 19. über die Absperrung von Lebensmitteln zugegangen, worin derselbe sein Verfahren damit entschuldigt, daß die Verpflegung der Truppen, da die Stadt dieselbe nicht ferner geleistet, nur auf diese Weise habe geschehen können. Das Schreiben (verliest dasselbe) ist datirt Ingersdorf, 21. Oktbr. Der Ausschuß hat sich alle Mühe gegeben, die Truppen zu verproviantiren und hat den Proviant anfänglich sogar durch die akademische Legion eskortiren lassen, als aber die Umzingelung der Stadt immer bedrohlicher wurde, mußte er zur Erhaltung der eigenen Bevölkerung die Ausfuhr von Lebensmitteln einstellen. (Bravo). In einer zweiten Zuschrift des Finanzministers erhalten wir die Antwort, welche Windischgrätz auf unsere Zuschrift und Zustellung des Manifestes vom 19. an denselben ertheilt hat. Wir haben uns damals der sanguinischen Hoffnung hingegeben, Fürst Windischgrätz würde sich dadurch bestimmen lassen, von Gewaltmaßregeln abzustehen, derselbe hat jedoch nur mündlich dem Eilboten des Ministers die Bescheidung gegeben, er kenne keine andere Exekutivbehörde in Wien als den Gemeinderath, der unter ihm stehe und betrachte den Minister Krauß als Gefangenen (Bravo Hr. Krauß, geschickter Spieler!) Der Eilbote hat diese Antwort niedergeschrieben und dem Minister mitgetheilt. (Verliest dieselbe unter ängstlich zurückgehaltenem Zischen der Versammlung).
Heute erhielten wir durch den Gemeinderath eine neue Proklamation des Fürsten Windischgrätz. Ich bin nicht beauftragt, mich darüber zu äußern und will es auch für meine Person nicht thun; die Geschichte wird ihr Urtheil darüber sprechen. (Hier folgt die Proklamation von Windischgrätz aus dem Hauptquartier Hetzendorf vom 23. Oktbr., welche wir bereits mittheilten.) Wir haben Abdrücke von dieser Proklamation nach Olmütz geschickt, um zu erfahren, ob der Minister Wessenberg sie mit der konstitutionellen Freiheit für vereinbar erkläre. Wir konnten uns indessen damit nicht begnügen. Es stehen uns allerdings nur moralische Mittel (!!!) zu Gebote und von diesen Mitteln wollen wir Gebrauch machen. Wir haben uns als unerschrockene Wächter der Freiheit auszusprechen (Bravo) und vor der civilisirten Welt, der Geschichte und vor Gott (!) zu protestiren. Als aufrichtige, treue Anhänger des konstitutionellen Prinzips werden wir in unserer Proklamation sagen, daß durch das Verfahren des Windischgrätz dem monarchisch-konstitutionellen Prinzip Schaden erwachse, mehr als durch die feindlichsten Maßregeln. (Gewaltiges Bravo.) Wir glauben, daß die Darstellung, Windischgrätz kämpfe für das konstitutionelle Prinzip (!!!), auf ihn Eindruck machen wird. (!!!) Indessen hat sich über unser Thun im Ausschusse eine Meinungsverschiedenheit gebildet. Die Minorität glaubt, es sei mit unserer Erklärung vom 22. Okt. abgethan, während die Majorität der Ansicht ist, eine wiederholte, kräftige Erklärung, daß namentlich der konstitutionelle Thron in Gefahr stehe, würde noch fruchten. Der Antrag der Majorität lautet: (nach dessen Annahme) „Da Feldmarschall Fürst Windischgrätz im offenen Widerspruche mit dem kaiserl. Worte vom 19. Oktbr. und in offener Nichtachtung des Reichstagsbeschlusses vom 22. Oktbr. in einer neuen Proklamation d. d. Hetzendorf 23. Okt. 1848, Maßregeln über Wien verhängt, die nicht nur die vom Kaiser sanktionirten konstitutionellen, sondern die allgemeinen Bürger- und Menschenrechte völlig aufheben, so erklärt der Reichstag, daß dieses Verfahren des Fürsten Windischgrätz nicht nur ungesetzlich, sondern ebenso sehr gegen die Rechte des Volkes, wie des erblichen konstitutionellen Thrones feindlich sind.“
Präsident. Wünscht Jemand über diesen Gegenstand zu sprechen? (Nach langer Pause, während welcher die Abgeordneten sich mit den Augen prüfen und das Centrum unaufhörlich hustet.)
Gscheitzer: Ich schlage als Zusatz vor, daß Windischgrätz für alle verderblichen Folgen verantwortlich gemacht werde.
Präsident. Wünscht noch Jemand das Wort?
Vadil (Czeche). Mit unserer Erklärung der Ungesetzlichkeit ist Alles abgethan. Oesterreich hat so viele Hauptstädte, als es Provinzen hat und wir können nicht auf alle, z. B. nicht auf Böhmen, zählen, wenn wir uns übereilen.
Borrosch. Dieses neuerliche Manifest hat eine zweifache Wirkung zur Absicht, entweder die Raserei der Verzweiflung eines edeln Volks herauszufordern, um hinterher noch Gründe für die Militär-Diktatur zu finden, oder Zwiespalt in der Bevölkerung und Bürgerkrieg zu veranlassen. (Bravo.) Es hat Wien sich einst gegen einen Feind 7 Monate gehalten, zeigt es jetzt dieselbe Begeisterung und Aufopferung, wie damals, so wird es sich noch eine Weile zu halten vermögen. Ich halte das Manifest vor der Hand für eine Schreckrakete. Ich erkenne es an der verlangten Auslieferung einer unbestimmten Anzahl von Individuen, von Geieln, ‒ Geiseln, meine Herren, wie im Mittelalter! (Gewaltiges Bravo.) In der Zeit des Christenthums und nicht einmal wider einen auswärtigen Feind, gegen das Herz der Monarchie will man soviel wagen? (Bravo.) Was würde der für ein Bürger sein, der seinen Mitbürger als Geisel hingibt? Ich kann also, noch einmal gesagt, nur glauben, daß eine solche Proklamation nur eine Schreckrakete ist. ‒ Unsere Aufgabe ist nicht nur die konstitutionelle Urkunde, sondern auch die Konstituirung des Vaterlandes zu vollenden. Die Abgeordneten der Centralgewalt werden gerade auch nicht lau oder ohnmächtig sein. Wegen der Verantwortlichkeit können wir uns nicht an den Fürsten Windischgrätz, sondern nur an Wessenberg halten, denn es steht einer legislativen Kammer nicht zu, die physische Gewalt für verantwortlich zu erklären. Wo keine anderen Mittel übrig bleiben, dürfen wir nicht lässig werden, zu protestiren und wenn wir es 2, 3, 4mal vergeblich thun; wir erhalten wenigstens die Beruhigung erfüllter Pflicht. Ich kann mich daher nur dem Antrage der Ausschußmajorität anschließen.
Sierakowski. Ich beantrage, daß der Gemeinderath ersucht werde, den Beschluß in allen Ortschaften bekannt zu machen und an die Offizire der Armee, an Windischgrätz, Auersperg und Jellachich zu senden.
Präsident. Verlangt noch Jemand das Wort? (Athemlose, langanhaltende Pause.)
Goldmark. Ich gehöre zu der Minorität des Ausschusses, weil ich etwas Entschiedenes gethan haben will. Das Andere haben wir schon alle gethan und ich mag keine Tautologie und keine Wiederholung. Könnten wir energische Schritte thun, dann würde ich mit dem letzten Antrage einverstanden sein. Das Wort ungesetzlich stellt den Windischgrätz außer Gesetz; er ist daher ein Verräther am Vaterlande, der der Welt einen zweiten und neuen Tschintschiskan zeigen und beweisen will, daß man in Neapel nur eine Spielerei getrieben gegen das, was ein k. k. General zu thun wagt. Es ist Pflicht, jeden Gehorsam aufzukündigen, das ganze Land muß sich erheben gegen diesen Mörder der Freiheit. (Ungeheurer Beifall.) Dies sind die Details des Wortes ungesetzlich sie müssen zur Ausführung kommen, wenn wir die Freiheit retten wollen. (Die Esel treffen immer das Rechte trop-tard.)
Vadil. Wären wir Vertreter eines Volks, (Unterbrechung des Redners durch wirres Geschrei.) ‒ Ich beweise meinen Muth, indem ich hier rede, meine Herrn: (Bravo) wären wir Vertreter eines Volks, so könnten wir einheitliche Maßregeln ergreifen, allein die verschiedenen Nationalitäten hindern uns daran.
Polaczek. Ist die Publikation der Proklamation diesmal wiederum von dem Gemeinderathe verlangt worden?
Schuselka. Davon ist mir nichts bekannt.
Polaczek. Wir haben noch nicht die Gewißheit, daß die Proklamation von Windischgrätz herrührt, wir können darüber also nur mit dem Gemeinderathe kommuniziren. Wie ich gehört habe, soll ein Offizier der Armee dieselbe in den Gemeinderath mit der Aufforderung gebracht haben, den Empfang zu bescheinigen.
Borrosch. Wir haben niemand anders, durch welchen wir Jemand zur Verantwortung ziehen können, als das Ministerium. Daß ein mächtiges Heer die Proklamation unterstützt, ändert nichts in der Form. Die Konsequenzen geben sich von selber für den, der die Macht hat, ihnen Geltung zu verschaffen. Wir haben uns schon ein richterliches Urtheil angemaßt, es ist daher überflüssig, noch einen politischen Selbstmord zu begehen, wo die Armee hinter uns steht. Fallen wir, so fallen wir mit Ehre; den Bajonetten trotze ich. Ich habe am meisten zu fürchten, denn ich habe noch freier gesprochen. Ich will mit Ehre, nicht mit Schmach fallen, nicht gegen meine Ueberzeugung, nicht gegen mein Gewissen. Wir sind die Vertreter des ganzen Reiches, das bitte ich zu bedenken. Wenn wir nicht Alles thun, uns zu erhalten, so gehen wir einem Racenkrieg, vielleicht einem 30jährigen entgehen.
Scherzer. Ich beantrage den Schluß der Debatte. (Angenommen.)
Goldmark. Ich stehe ebenso gefährdet da, wie Borrosch. Ich bin solange für meine Konsequenzen, als sie nicht logisch widerlegt sind. Man sagt, Windischgrätz sei Plenipotentiär der Krone gegenüber der Volksfreiheit, darum wäre ich für die Maßregeln, wie ich sie will. Besteht die Freiheits-Begeisterung fort, dann mögen diese Plenipotentiäre kommen, sie werden Wien nicht besiegen.
Schuselka. Gscheitzers Zusatz ist Windischgrätz gegenüber unpraktisch. (Gscheitzer nimmt ihn zurück.) Wir müssen uns darauf beschränken, daß wir Windischgrätz vor der Nachwelt verantwortlich machen. (Das sind die schauerlichen Konsequenzen konstitutioneller Eselei.) Wir haben uns nicht auf eine blose Wiederholung beschränkt, wie Goldmark meint, sondern wir haben ganz neue Punkte hervorgehoben, indem wir auf Verletzung der allgemeinen Bürger- und Menschen-Rechte verwiesen und den Fürsten als Ritter der Legitimität und des Absolutismus einen Feind des Thrones genannt haben.
(Pillersdorf tritt herein, der Jude Fischof hinter ihm her, setzt sich neben ihn.) Die Proklamation gab ganz Wien einen Schnitt ins Herz, denn sie ist inhuman. (wie bescheiden, dennoch aber Bravo.) Was die Authentizität anbelangt, so ist das eingehaltene Verfahren der Zustellung geraderecht das des Windischgrätz; er wollte uns eine Galgenfrist geben Der Antrag Sierakowski's ist unausführbar, obwohl die Ausführung wünschenswerth erscheint.
Präs. Es sind 194 Abgeordnete anwesend, wir sind also beschlußfähig. (Der Antrag der Kommission wird angenommen, alle Abgeordnete außer Pillersdorff, dem Juden Fischoff, Eckel und Fleischer haben sich dafür erhoben.) Der Druck wird bestimmt, Sierakomski's Antrag fällt durch.
Borrosch: Es ist nöthig, die Namen der Anwesenden aufzunehmen, damit es konstatirt ist, daß wir beschlußfähig gewesen sind. (Nein, nein!)
Das Protokoll wird vorgelesen, die Sitzung beendigt.
In der heutigen um 12 1/2 Uhr eröffneten Sitzung las der Präs. eine Antwort Windischgrätz auf die Anfrage wegen der zurückgehaltenen Abgeordneten vor, worin gesagt ist, daß jeder, der sich als Abgeordneter ausweisen könne, nach Wien gehen dürfe, die Angabe des Reichstags also auf einem Irrthum beruhen müsse. Sodann kündigte der Präs. an, daß Windischgrätz den Finanzminister Krauß zu sich ins Lager zitirt und der Abgeordnete Brestl sich ihm freiwillig dahin angeschlossen habe. Er theilte ferner mit, daß eine Depesche aus Olmütz angelangt sei, über welche der Ausschuß noch berathe und setzte darum die Sitzung bis um 5 Uhr aus.
Um 5 3/4 Uhr fand die Wiedereröffnung statt, die Versammlung zeigte dem Anscheine nach eine ziemlich aufgeräumte Physiognomie. Präs. Smolka hielt eine Vorrede, worin er die Kammer ersuchte, die Depesche aus Olmütz mit dem gewohnten würdigen Ernste aufzunehmen.
Schuselka verkündet neue Geldbeiträge und erzählt, das Gerücht gehe, die Studenten hätten Briefe aufgefangen und geöffnet, der Ausschuß habe darauf eine Zuschrift an sie gerichtet und zur Antwort erhalten, sie hätten allerdings einen hohen Herrn mit einem Briefsack zur Aula gebracht. Derselbe habe sich aber als envoyé des Finanzministers ausgewiesen, sein Sack das Siegel des Reichstags getragen und sei darauf wieder entlassen worden. (Sehr konstitutionell gescheidt.) Hierauf verliest er eine Hochachtungsadresse des Gemeinderathes an den Reichstag (Bravo) und meldet, daß im permanenten Ausschuß gestern auch der Vorschlag aufgekommen sei, mit Windischgärtz eine mündliche Unterredung zu halten. Dieselbe sei jedoch nach dem bisherigen Verhalten für unmöglich erachtet worden, ohne daß man aber deßhalb eine Gelegenheit der Art von der Hand zu weisen gewollt habe, indem kein Ausweg unversucht bleiben dürfe. Der Abgeordnete Pillersdorff habe, aber ohne Vollmacht des Ausschusses, diese konsidentielle Mission übernommen und werde am besten über den gethanen Schritt berichten können. Pillersdorff besteigt auf Ersuchen des Präsidenten hierauf die Tribüne und erzählt in sehr ausführlicher Weise seinen Besuch bei Windischgrätz. Er entwickelt die Vorstellungen, die er demselben gemacht, alle Antworten, die Windischgrätz darauf gegeben. Die Erbitterung desselben, sagt er, beruhe hauptsächlich darin, daß die Bevölkerung von Wien sich feindselige Akte wider das Militär erlaubt habe, weshalb er von den von ihm gestellten Bedingungen nicht abgehen könne. Jedoch habe er sich geneigt gezeigt, sich mit einer Deputation des Reichstags in Unterhandlungen einlassen zu wollen. Pillersdorff endete seinen langen [0719] Vortrag, welchen er vielfach von einem Blatte ablas, unter großem Beifall.
Niemand stellte den Antrag auf eine solche Deputation.
Hierauf verlas der Präsident die aus Olmütz eingegangene Depesche des Kaisers. Dieselbe fordert den Reichstag, wenn er seine Sitzungen nicht schon unterbrochen habe, auf, sich zu vertagen und sich am 15. Nov. In Kremsier, einem einsamen Schlosse Mährens, zu versammeln. Die Depesche, ein non plus ultra von Hohn, wurde mit Zischen angehört. ‒ Schuselka bemerkt, daß der Ausschuß den Abgeordneten Umlauft mit der Verfassung einer Adresse beauftragt habe, in welcher der Reichstag erkläre, Wien nicht verlassen zu können. Umlauft liest die sehr breit gearbeitete Adresse vor. Borrosch schlägt einige Aenderungen vor, die angenommen werden und hauptsächlich dahin wirken, daß der Ausdruck des Bittens, welchen Umlauft immer brauche, vermieden werde. Als wir nach Eröffnung des Reichstags die Rückkehr Sr. Maj. nach Wien forderten, sprach Borrosch, damals schlug ich einen andern Ausdruck vor, jetzt aber ist die Zeit des Bittens vorüber.
Es zeigt sich, daß die Kammer nicht beschlußfähig ist, indem nur 191 Abgeordnete anwesend sind. Eine kleine Pause tritt ein, während welcher noch einige Abgeordnete herbeigeholt werden und die Adresse darauf angenommen wird. Schluß der Sitzung gegen 8 Uhr Abends. Morgen Sitzung um 12 Uhr.
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@facs0719
[ !!! ] Frankfurt, 8. Novbr.
Sitzung der National-Versammlung. (In der reformirten Kirche.)
Tagesordnung.
1) Ergänzungswahlen
2) Erledigung eines Berichts von Jordan, über die Bildung einer Central-Marinebehörde.
3) Fortsetzung der Berathung über den Verfassungsentwurf. (Art. III, § 12 ff.)
Vor der Tagesordnung.
Präsident zeigt den Austritt von 2 Abgeordneten an. Die Stellvertreter sollen einberufen werden.
Wesendonk wünscht, daß beim Austritt von Abgeordneten sogleich Neuwahlen vorgenommen, und nicht der Stellvertreter einberufen werde. So sei es in Berlin.
Präsident in den gestern nach Schaffrath's Antrag festgestellten Ausschuß sind gewählt: Hergenhahn, Raumer, Schwarz, [unleserlicher Text]auer, Wiedenman, Werner, Giskra, Jordan (Berlin), Zachariä, Sauken, Jordan (Marburg) etc. (Wie Sie sehen, kein einziges Mitglied der linken Seite ‒ wie überhaupt seit undenklicher Zeit kein Mitglied der Linken in einen Ausschuß gewählt wird. S. gestrige Sitzung.) ‒ Folgen Flottenbeiträge, u. a. 750 Dollars aus Pernambuko von den dort lebenden Deutschen (Bravo).
Rösler von Oels interpellirt das Reichsjustizministerium, wegen der aus Oesterreich nach Schlesien geflohenen und dort festgenommenen ungarischen Soldaten, welche dem Zwange, gegen ihr Vaterland zu fechten, entgehen wollten. Ob selbige nach Ungarn zurückgeschickt, oder ihrem sichern Tode, d. h. dem Fürsten Windischgrätz ausgeliefert werden sollen?
R. v. Mohl (Minister) wird darauf nächsten Montag antworten.
Präsident: Der Magistrat von Friedland hat in derselben Sache eine Eingabe (fürsprechende Eingabe) an das Reichsjustiz-Ministerium übergeben.
Engel mit 20 andern Abgeordneten stellt einen dringlichen Antrag in schleswig-holsteinischen Angelegenheiten. Als nicht dringlich erkannt, geht an den internationalen Ausschuß.
Tagesordnung.
Zuerst nimmt man Ergänzungswahlen vor.
Punkt 2 der Tagesordnung. In Folge des bereits vom Handelsminister Duckwitz vorgelegten Marine-Organisation-Planes, geht die Nationalversammlung über den Bericht des Marineausschusses zur Tagesordnung über. Den Organisationsplan des Minister Duckwitz sende ich Ihnen seiner Zeit. Man geht zum dritten Punkt der Tagesordnung (S. o.) über.
Artikel III. des Verfassungsentwurfs.
(Wehrangelegenheit. §. 12. ff.) Man beschließt eine allgemeine Diskussion.
Rauwerk, der vorletzte Redner, nennt die Soldaten eine Kaste, welche die Bürger unterdrücken für deren (der Bürger) eignes Geld! ‒ Die Soldaten haben mehr Ruhe geschafft, als wir brauchen (Bravo rechts). Meine Herren! Es ist noch nicht aller Tage Abend. Das Reichsministerium hat eine wahre Virtuosität gezeigt, im „Ruhe und Ordnung.“ Ich muß Ihnen beiläufig bemerken, daß die Herren des Centrums es sich zur edlen Aufgabe machen, Herrn Rauwerk, weil er ein etwas seltsames Organ hat, auf die empörendste und unpassendste Weise zu verhöhnen und am Reden zu verhindern.
Wigardschließt die 3stündige Debatte mit der Vertheidigung des Minoritätserachtens zu den Paragraphen der Wehrverfassung. Wiegard meint im Verlauf seiner Rede, er hofft: „das Volk werde sich gegen den Mißbrauch der bewaffneten Macht zu schützen wissen.“ Diese „Phrase“ versteht der gegenwärtig präsidirende Vicepräsident Simson nicht, und bittet sich gegen alle Funktionen eines Präsidenten eine Erklärung darüber aus!
Nachdem Herr Mittermaier als Berichterstatter des Wehrausschusses.
Die allgemeine Diskussion wird geschlossen, und auf die Diskussion über §. 12 verzichtet. Ueber diese Verzichtleistung echauffiren sich Stavenhagen und Mittermaier auf äußerst komische Weise; ‒ es bleibt aber beim Alten, man hat das Diskutiren satt.
Da aber der Präsident auf die Stellung der Fragen zu §. 12 nicht genügend vorbereitet ist, wünscht er die Vertagung.
Nachdem hierfür auch noch Hr. v. Soiron zur Befriedigung der Majorität sich ausgesprochen, vertagt man sich auf morgen. Schluß 1/2 2 Uhr. Morgen Verfassungsentwurf.
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@facs0719
Altenburg, 7. Nov.
In diesen Tagen ist der Hofadvokat Wiedemann gefänglich eingezogen worden; ebenso ein Schreiber des Advokaten Erbe und ein Schreiber der Katasterkommission. Es scheint überhaupt, als wenn die sog. Volksführer alle nach und nach zur Haft gebracht werden würden. Erbe ist noch nicht zurückgekehrt. In der Kürze wird hier ein Bürgerkonvent stattfinden, behufs der Reorganisirung der Bürgerwehr. Künftig sollen nur Bürger berechtigt sein, Waffen zu tragen. Erbe als Kommandant der Bürgerwehr wird beseitigt werden. ‒ Als jüngst Advokat Dölitzsch vor den Stadtrath wegen Einquartirung requirirt war, sprach sich derselbe dahin aus, daß er seine Insolvenz anzeigen müsse, wenn er Einquartierung nehmen solle. Die hannoversche Einquartierungslast ist eine überaus drückende.
[(O. P. Z.)]
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[ * ] Bernburg, 7. Novbr.
Der Herzog von Bernburg, ein Cretin, wie der Kaiser von Oesterreich, läßt sich ebenfalls von der Camarilla entführen. Statt Windischgrätz und Jellachich verspricht er seinen Ländern Reichscommissäre,
Ein Extrablatt zum Regierungs-Blatte enthält außer einem Herzoglichen Erlaß, dem zufolge das bisherige Staats-Ministerium entlassen und der Geheime Regierungsrath von Krosigk untern 3. November d. J. mit der einstweiligen Führung der Ministerial-Geschäfte beauftragt worden ist, folgende Proclamation:
„An Meine geliebten Anhalt-Bernburger.
„Meinen geliebten Anhalt-Bernburgern ist gewiß bekannt geworden, daß der Landtag die Berathung des Verfassungs-Gesetzes beendigt hat, und daß Mir dasselbe nunmehr zur Genehmigung und Vollziehung vorgelegt werden wird. Durch mehrere vom Landtage gefaßte Beschlüsse hat der demselben vorgelegte Verfassungs-Entwurf Bestimmungen enthalten, zu denen Ich, nach den Mir obliegenden Pflichten für das Land und für Mein Herzogliches Haus, die landesherrliche Sanction nicht ertheilen kann. Ich habe daher, in Hinblick auf anderwärts vorgekommene Vorgänge, und da Mir bekannt ist, daß auch in Meinem geliebten Anhalt-Bernburg sich schroff entgegenstehende Parteien gebildet, zur Vermeidung etwaiger bedauerlicher Konflikte, vorläufig Meinen Aufenthalt allhier genommen. Zugleich setze Ich Meine geliebten Anhalt-Bernburger davon in Kenntnis, daß Se. Kaiserliche Hoheit der Erzherzog-Reichsverweser wiederholt um schleunige Absendung eines Reichs-Commissairs ersucht worden ist, und ein baldiges Eintreffen desselben mit Grund erwartet werden kann. Sollte Ich indessen die Ueberzeugung erhalten, daß Ich ferner zum wahren Wohle Meines geliebten Anhalt-Bernburgs nicht mehr zu wirken im Stande sei, so würde Ich es als Meine Pflicht erachten, die Regierung niederzulegen, und auch durch dieses, wenngleich mit blutendem Herzen gebrachte Opfer Meine dem Lande stets gewidmete landesväterliche Fürsorge zu bethätigen. Ich vertraue, daß alle Bewohner des Landes die Entwickelung der jetzigen Zustände mit Ruhe und Besonnenheit abwarten und Mir die vielfach bewiesene Treue und Anhänglichkeit auch ferner stets bewahren werden.
Quedlinburg, den 2. November 1848.
Alexander Karl, Herzog zu Anhalt.“
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Schleswig, 4. Nov.
Die Erklärung der Kommissäre hat unsere Stadt aufgeregt. Kammerherr v. Reedtz ist nicht wieder zurückgekommen. Ein Herr v. Bülow, der Besitzungen in Holstein hat, ein Sohn des unter König-Herzog Friedrich vielvermögenden Generalmajors v. Bülow, ist statt dessen hier eingetroffen. Ob derselbe als k. dänischer Kommissär hier verweilen wird, können wir nicht sagen.
[(H.-C.)]
‒ Die „Schlesw.-Holst. Ztg.“ enthält folgende amtliche Bekanntmachung: Aus der schleswig-holsteinischen Landesversammlung sind ausgeschieden: Der Präsident der gemeinsamen Regierung Graf Th. Reventlow, die Mitglieder der gemeinsamen Regierung A. v. Moltke und der Oberappellationsgerichtsrath Preusser, die interimistischen Departementschefs Amtmann Jacobsen, Landvogt Jensen und Obergerichtsrath Mommsen, sowie endlich der Pastor Bahnson aus Oldesloe. Die Wahldirektoren für den 2., 17., 24. und 25. Holsteinischen, sowie für den 12., 22. und 25. schleswigschen Wahldistrikt sind in dieser Veranlassung beauftragt worden, die erforderlichen Ergänzungswahlen sofort anzuordnen und baldigst vollziehen zu lassen. Gottorf, 4. Nov. 1848.
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@facs0719
Schleswig, 6. Nov.
Das Bureau der Landesversammlung tritt heute Abend, in Veranlassung des Stedmannschen Protestes, wie sich erwarten ließ, zur Berathung über die etwa nöthig gewordene Berufung der Landesversammlung zusammen.
Die schon erwähnte in der gestrigen Bürgerversammlung beschlossene Eingabe an das Reichsministerium in Frankfurt lautet also: „Der Reichskommissar, Hr. Stedmann, ist von Sr. kaiserl. Hoheit dem Erzherzog-Reichsverweser nach Schleswig-Holstein gesandt, um den Waffenstillstand von Malmö zur Ausführung zu bringen und dabei die Interessen des Reichs und zunächst die Rechte und Nationalität jener Lande zu wahren. Nachdem derselbe in Gemeinschaft mit dem dänischen Kommissar Hrn. Reedtz die gemeinsame Regierung für die deutschen Herzogthümer am 22. Okt. d. J. eingesetzt, reiste er am 23. d. M. mit dem dänischen Kommissar nach der Hauptstadt Dänemarks, nach Kopenhagen, und hat dort, anstatt mit aller Entschiedenheit die nationalen und Landesrechte Schleswig-Holsteins zu vertreten, gemeinschaftlich mit dem dänischen Kommissar gegen die gesetzmäßigen Schritte der gemeinsamen Regierung der Herzogthümer Einsprache erhoben, wodurch er mit der Reichsgewalt, die ihn abgesandt, in geraden Widerspruch gerathen ist. Deshalb haben die unterzeichneten Einwohner der Stadt Schleswig zu diesem Manne alles Vertrauen verloren und sehen sich zu der dringendsten Bitte veranlaßt: das Reichsministerium des Innern wolle den Reichskommissar Stedmann sofort von seinem Posten abberufen, und einen Kommissar nach Schleswig-Holstein senden, der sich das Vertrauen des Landes zu erhalten weiß.“ (Folgen 460 Unterschriften.)
[(S. H. Z.)]
Polen.
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Von der polnischen Gränze, 25. Okt.
Die Proselytenmacherei zu Gunsten der russisch griechischen Kirche wird in unserem Königreiche fortwährend mit besonderer Konsequenz betrieben. Bei dem Adel und den gebildeten Klassen überhaupt hat dieselbe aber keineswegs einen für das Gouvernement erfreulichen Erfolg. In der Konfession, in welcher sie am meisten betrieben wurde und noch wird, in der römisch-katholischen, hat sie den heftigsten Widerstand gefunden und zwar zunächst bei den Frauen. Der Bauer jedoch, der weniger als der Edelmann in das Wesen des Unterschieds der russisch-griechischen von der römisch-katholischen Religion einzudringen vermag, zeigt weit mehr Nachgiebigkeit gegen die Ueberredung der russischen Popen. Die Mittel, welche dieselben zur Bekehrung der Landleute anwenden, haben für die Letzteren eine bedeutende Ueberredungskraft. Sie versprechen ihnen z. B. Freiheit vom Militärdienst, Erleichterung der Frohntlasten etc.
[(Danz. Z.)]
Donaufürstenthümer.
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[ * ]
Die russische Regierung veröffentlicht einen längeren offiziellen Artikel aus Petersburg, worin sie über das Einschreiten der russischen Armee in die Donau-Fürstenthümer Rechenschaft ablegt. Die Absicht des Czaren dabei war einzig seine väterliche Besorgnis für die Ruhe der Fürstenthümer. Nach der Rede des Metropoliten Woloski an den General Lüders ist der Kaiser „gegenüber dem revolutionären Treiben, das die Wallachei in's Unglück stürzt, kein gleichgültiger Zuschauer geblieben,“ und die beruhigte Landschaft ist deßwegen, wenigstens nach der angeführten Rede, außer sich vor Rührung und Dankbarkeit. Die Knute ist ein sicheres Calmirungsmittel.
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@facs0719
Bucharest, 20. Okt.
Die russischen Truppen, die bereits in einem Theile der Walachei stehen, sollen, sicherem Vernehmen nach, bis auf 25,000 Mann verstärkt werden. General Rüdiger war schon am 2. d. M. in Buzen eingerückt. Die Okkupationstruppen, wovon die Hälfte aus Kavallerie besteht, werden von 6 Brigade-Generalen, darunter General Danili, befehligt. Kosaken bilden die Avantgarde, und die Armee marschirt längs der Bergkette gegen Rimnichi, wo in den bedeutenderen Orten Orten überall gegen 1000 Mann zurückgelassen werden, was auch in Buzen geschehen ist, wo überdem ein Lazareth für 300 Kranke eingerichtet wurde. Der Einmarsch der Russen in die Wallachei verursachte Furcht und Entsetzen; in Fokschan arretirten sie den Administrator, sowie mehrere Personen, die sich bei der Einführung der Konstitution betheiligt hatten. Die Partei des früheren Systems fordert, daß man alles Hab und Gut der Revolutionäre verkaufen und damit die Unkosten der russischen Okkupations-Armee bestreiten soll. Die Haltung dieser letzern ist schön. Rüdiger hat auf den Protest Omer Pascha's die Antwort ertheilt: „Der Kaiser, sein Herr, habe ihm den Befehl gegeben, die Wallachei zu besetzen, um sie von den Revolutionären zu säubern, was er (Omer Pascha) durchaus nicht gethan.“ ‒ Am 9. d. M. waren die russ. Truppen unter General Lüders vor unserer Stadt angelangt, wo sie ihr Lager in dem eine Stunde entfernten Luftschloß und Dorf Kolentina aufschlugen. Hier in der Stadt wurde für die Mannschaften eingeräumt. ‒ Das Pandurenkorps, was Magern bei Rimnichi zusammengebracht und auch mit einer Batterie verstärkt hatte, ist vernichtet oder vielmehr zerstoben. Als Magern erfuhr, daß 7800 Russen mit 14 Geschützen einer- und 6000 Türken unter Ismail Pascha andererseits gegen ihn anrücken, entließ er seine Mannschaft. So ist der russisch-türkisch-wallachische Krieg zu Ende. Eliad und Tell, die beiden fürstlichen Locotenenten, trafen vor Kurzem in Kronstadt ein, wo man ihnen einen Fackelzug brachte. Eliad begiebt sich nach Frankfurt, um dort Hülfe zu suchen ‒ wir zweifeln, ob mit Erfolg. ‒ Nachschrift. Das russische Lager ist von Kolentina aufgebrochen und General Lüders hat mit der Infanterie die Stadt besetzt, wo Quartiere bezogen werden. Die Kavallerie ist jedoch außerhalb geblieben.
[(A. O. Z.)]
Italien.
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Turin, 3. Novbr.
In der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer theilte Hr. Montezemolo mit, daß die Frankfurter Centralbehörde einen Vermittlungsvorschlag auf neuen Grundlagen gemacht habe, und fragte zugleich an, ob das Ministerium darauf eingegangen sei. Der Minister des Innern gab zur Antwort, die Regierung werde nie erlauben, daß irgend eine Macht außer England und Frankreich sich in die Vermittlung mischen dürfe.
Nach der „Opinione“ soll das Ministerium in den letzten Tagen eine Collektivnote der vermittelnden Mächte erhalten haben, worin dieselben erklären, daß, wenn Piemont die Feindseligkeiten wieder beginnen wolle, die Vermittlung sofort aufgehalten werde. Möchten neue Unfälle eintreten, so würden die beiden Mächte zur Hülfleistung bereit sein, doch würden sie immer nur die Ueberschreitung des Tessin durch Oestreich als einen Anlaß zur Intervention betrachten.
Der italienische Kongreß hat eine Adresse an die Fürsten und Parlamente Italiens erlassen, worin er zur schleunigen Zusammenberufung einer konstituirenden Versammlung auffordert. Es sei dies das einzige Mittel, Italien gründlich zu regeneriren.
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[ * ] Aus der Lombardei.
Die Insurrektion macht reißende Fortschritte. Von allen Seiten laufen Nachrichten von größeren und kleineren Siegen über die Oestreicher ein. Der Succeß der Venetianer bestätigt sich vollkommen. Die sardinische Flotte, 14 Segel stark, ist vor Venedig angekommen, und so ist von der Seeseite die Blokade so gut wie aufgehoben. Garibaldi hat sich auf die erste Nachricht von der lombardischen Schilderhebung von Genua nach Parma begeben.
Schweiz.
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Edition: [Friedrich Engels: Das Exfürstentum, vorgesehen für: MEGA2, I/8. ]
[ ** ] Aus der Republik Neuchatel, 7. Nov.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
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Bern, 2. November.
Der deutsche Reichsgesandte hat heute durch seinen Stellvertreter Ritter Neuwald eine neue Note d. d. 23. Oktober erlassen; sie ist in gleicher Art wie die frühere gehalten; den vom Vorort verlangten Nachweis dafür daß selbst Beamte einzelner Kantone dem badischen Aufstand Vorschub geleistet haben, will die Reichsgewalt nicht übernehmen. Sie sagt aber: daß sie, von Unterhandlungen nichts mehr hoffe, und daher zu Entschließungen geschritten sei die jedoch aufhören sollen wenn die Eidgenossenschaft billig entgegenkommen. Welche Entschließungen das sind, wird nicht gesagt.
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Wallis, 2. Nov.
Den Ursulinerinnen (weibliche Jesuiten), die von Sitten ausgewiesen wurden, gestattet der Staatsrath nun wieder den Aufenthalt im Kanton, ja er bot ihnen die Klöster Brienz oder Collombey als „Asyl“ an. ‒ Mit Entrüstung weist das Journal du Valais den Gedanken zurück, als beabsichtige der Staatsrath, „die kleinen Nonnenkolonien, welche sich in mehreren Gemeinden mit Erziehung der Jugend abgeben“, aufzuheben. ‒ Es ist jetzt kaum ein Jahr, daß man die Jesuiten ausjagte und jetzt öffnet eine radikale Regierung dem Jesuitismus Thüre und Thor. L'affaire marche! ‒ Der schweizerische Geschäftsträger in Paris, Hr. Barman, ist wieder auf seinen Posten abgegangen.
[(Bern.Ztg.)]
Französiche Republik.
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Paris, 8. Novbr.
Unter den Klubs herrscht eine ungeheure Gährung. Die Ausschüsse sind zusammengekommen und haben eine Deputation ernannt, die sich zu Ledru-Rollin begeben und ihm ein von Proudhon, Leroux und Cabet verfaßtes Manifest mit der Frage vorgelegt hat: Ob er diesem Manifest beitreten wolle oder nicht?
Ledru-Rollin, den in letzter Zeit Gichtanfälle und starke Schnupfen fast fortwährend hinderten, an den Volksbanketten vor den Barrieren und in den Departements Theil zu nehmen, las das Manifest und schien einige Einwendungen zu machen. Aufgefordert, dieselben schriftlich anzubringen, ist man nun sehr gespannt, ob sich die Klubausschüsse mit Proudhon, Leroux und Cabet an ihrer Spitze, den Ledru-Rollinschen Einwendungen fügen werden oder ob der Bruch mit dem Februardanton vollständig zu Stande kommen wird? Geschieht Letzteres, dann hätte ein Alliance zwischen Eavaignac und Ledru-Rollin gar keinen Sinn.
‒ Die ultrareaktionäre „Patrie“ trägt heute darauf an, auch die „vorbereitenden Wahlversammlungen“ der gesetzlichen Strenge [0720] gegen die Klubs zu unterwerfen, da die Verwandlung der Klubs in Reunions Electorales ein reines dämagogisches Manöver sei.
‒ Girardin bewacht Cavaignac auf Tritt und Schritt. In seinem heutigen Börsenbülletin zeigt er an, daß Cavaignac alle Minen springen lasse, um Ledru-Rollin zu bewegen, auf seine Präsidentschaftskandidatur zu verzichten. Ledru-Rollin soll jedoch die Bedingung gestellt haben, wieder Minister des Innern (mit Georges Sand'scher Mitarbeit?) zu werden. Daher das Gerücht an der Börse und der Glaube, daß Cavaignac seinen schon längst gefürchteten Husarensprung in das rothe Lager endlich ausgeführt habe.
‒ Dufaure, Minister des Innern, sei, heißt es, mit Cavaignac, dem Ministerpräsidenten, zerfallen, weil ihn Cavaignac habe zu einigen Maßregeln behufs Begünstigung seiner Kandidatur zwingen wollen.
Diese Behauptung wird dem betreffenden Journal, dem wir sie entnehmen, abermals eine Widerlegung des Moniteur zuziehen.
‒ Die Verluste, die das Haus Rothschild neuerdings in Wien erlitten, sollen dasselbe zu dem positiven Entschlusse gebracht haben, seine Geschäfte ganz aufzugeben und zu liquidiren. Seit dem 24. Febr. hatte übrigens dieses Haus nur äußerst wenig Bankgeschäfte gemacht und längst den Plan zu erkennen gegeben, eine Liquidation zu veranstalten, dies auch zum Theil schon begonnen. Die Wiener Katastrophe und nun gar noch die Berliner Stürme, die man hier schon sausen hört, scheinen daher eine solche Furcht in allen hiesigen Bankhäusern verbreitet zu haben, daß ein gänzlicher Abbruch mit Deutschland in Aussicht steht.
‒ Es ist Jedermann klar, daß im Kabinet eine sehr große Zerrissenheit herrscht, ungeachtet sich der heutige Moniteur das Ansehen gibt, als ob Cavaignac nie daran gedacht habe, sich jemals der rothen Republik zu nähern. Er sagt: „La Presse und L'Opinion publique behaupten, daß bei dem letzten Ministerwechsel den Herren Ledru-Rollin und Flocon Portefeuilles angeboten worden seien, die sie aber ausgeschlagen hätten. Wir sind ermächtigt, diese Behauptung als völlig grundlos zu widerlegen.“
‒ Der Moniteur bringt uns ein halbes Hundert neuer Friedensgerichte und sonstiger Magistrate, auf zwei Spalten.
‒ Die Kandidatur des „Prinzen“ Louis Bonaparte kann gar nicht fehlschlagen, denn sie wird von allen ältern Parteichefs unterstützt. Thiers, Genoude, Emil v. Girardin, Berryer und Larochejaquelin bekränzen bereits mehr oder weniger offen die Stirne des demokratischen Kaisers, den sie als ganz sichere Uebergangsbrücke in ihr gallisches Himmelreich betrachten. Außer dieser mächtigen Unterstützung der politischen Koryphäen auf dem platten Lande kommt nun noch die russische Ehe in Betracht, die sie den Prätendenten mit einer russischen Prinzessin bereits schließen lassen. Es ist zum Todtlachen!
‒ Der National schiebt die ganze Geldkrisis dem armen Prinzen Bonaparte in die Schuhe. Das Gold (d. h. 1000 Fr. in Goldstücken) kostet jetzt 24 Fr. Ach, seufzt der alte Sünder, das sind die bitteren Früchte der Kandidatur Louis Bonaparte's.
‒ Im Flecken Mirambeau schaarten sich die kleinen Eigenthümer zusammen und widersetzten sich mit Gewalt der Einziehung der 45 Centimensteuer. Sie riefen den Exekutoren ins Gesicht: Warum will der Fiskus nicht bis zum 10 Dezember warten, wo der neue Kaiser Alles für uns zahlt? Das Militär mußte die Ruhe wiederherstellen.
‒ Vater Cabet zeigt seine Abreise nach Texas (Ikarien) für den 20. Nov. an.
‒ An der Barriere Bercy sowie an der Barriere Dü Maine haben am Sonntag und Montag sehr ernste Zusammenstöße zwischen Linie und Mobilgarde und Arbeitern und Mobilen stattgefunden. Ein starker Haufe Linie schritt durch das Gitter und rief an der Wache, die von Mobilen besetzt war aus: „Schaut da, die Schlächter Cavaignacs! Eine fürchterliche Rauferei entspann sich hierauf zwischen Mobilen, Liniensoldaten und Arbeitern. Die Mobilen flüchteten sich zuletzt in das Wachthaus, luden ihre Gewehre und wollten losfeuern. Nur der Anmarsch eines Detaschements machte der Rauferei ein Ende.
‒ An der Pariser Universität sind seit gestern fast sämmtliche Collegia eröffnet.
‒ Die Nationalversammlung hat entschieden, daß sie sich nicht prorogire, sondern höchstens eine Suspension der Sitzungen eintreten lassen wolle.
Nationalversammlung. Sitzung vom 8. November. Marrast eröffnet sie um 1 1/2 Uhr. Da die Bänke ziemlich leer schienen, so wird sofort, bei Gelegenheit eines Landstraßenkredits, eine namentliche Abstimmung veranlaßt, wahrend welcher sich die Bänke rasch füllen. Die Abstimmung konstatirt die Anwesenheit von 592 Gliedern, von denen 575 obigen Landstraßenkredit genehmigten.
Coutauseau aus der stokbonapartistischen Charente reicht seine Entlassung ein.
Bastide, Minister des Aeußern, überreicht 1. einen Handels- und Schifffahrts-Vertrag mit Südamerika; 2. einen Vertrag mit der Sandwichsinsel. Letzterer ist, als von der gesturzten Regierung abgeschlossen, noch nicht zu ratifiziren.
Lamoriciere, Kriegsminister, legt einen Gesetzentwurf vor, der die pro Ende 1848 fälligen 80,000 Mann Rekruten unter die Fahnen ruft. Ich bin glücklich ‒ fügt der Minister hinzu ‒ Ihnen anzeigen zu können, daß in Folge der Ihnen gestern auf dieser Bühne gemachten Erklärung rücksichtich der politischen Lage Europas, 55,000 Mann in ihre Heimath entlassen werden können. (Starker Beifall zur Rechten.) Ich verlange die Dringlichkeitserklärung. (Bewilligt.)
Dufaure, Minister des Innern, kommt mit einem ganzen Stoß von Gesetzvorschlägen auf die Bühne. Die Ersteren beziehen sich auf Selbstbesteuerungbetrage des Departements Tarn, Garonne, Seine und Finistere etc.
Ein anderer Entwurf beantragt eine neue Organisation des Armen-Unterstützungs-Modus, offenbar in der Absicht, um die Almosen (von denen jetzt die Hälfte von Paris lebt) in die wahrhaft bedürftigen Hände gelangen zu lassen.
Ein letzter Gesetzentwurf bezieht sich auf die Generalräthe, die sich dieser Tage versammeln werden und eine etwas wichtigere Rolle wie bisher spielen sollen.
Er verlangt Dringlichkeitserklärung.
Bineau widersetzt sich gegen dieselbe Die Versammlung entscheidet, daß die Entwürfe erst gedruckt und vertheilt werden sollen. Also wie gewöhnlich.
Dann geht sie endlich zur eigentlichen Tagesordnung, nämlich zum rektrifizirten Büdget pro 1848 wieder über.
Das Justizministerialkapitel wird mit einigen Gehaltsänderungen angenommen.
Die Debatte über das Büdget der Auswärtigen ging ziemlich rasch vorüber.
Die Besprechung des Büdgets des Ministeriums des Aeußern berührte einige sehr interessante Punkte.
Guerin trägt auf Unterdrückung oder wenigstens bedeutende Verkürzung des Gehalts für den Auditor an der römischen Rota an. Das sei ein Faullenzerposten.
Wird jedoch verworfen. Bischof Foqet von Orleans widerlegt ganz besonders den Antragsteller.
Lherbette nimmt das Wort für eine Interpellation an den Justizminister (hört! hört!). Bethmont, der bekannte Exminister der provisorischen Regierung und Volksvertreter, sagt er, habe seine Demission nur deshalb gegeben, um zum ersten Präsidenten des Pariser Appelhofes ernannt zu werden. Ob das wahr sei?
Marie, Justizminister, gibt eine Antwort, woraus hervorgeht, daß er dieß durchaus nicht ungesetzlich thäte.
Lherbette ereifert sich gewaltig gegen diese Definition. Es sei dieß ein arger Verstoß gegen das Gesetz vom 14. Juni, das jedem Vertreter die Annahme irgend eines Staatspostens während der ganzen Dauer der Session verbiete. (Beifall links. Rechts zur Ordnung! Zur Tagesordnung)
Marrast erklärt die Interpellation erledigt und das Büdget des auswärtigen Ministeriums wird wieder aufgenommen.
Bineau's Finanzausschuß und mehrere andere Glieder, welche die Geldkrisis der Republik durch Ersparnisse heben wollen, schlagen folgende Unterdrückung als Staatsposten vor.
1. Des Konsulats in Boston.
2. Des Konsulats in Port Louis auf St. Morizinsel.
3. In Carthagena (Spanien).
4. In Mogador (Marokko).
5. In Calcutta (Madras und Bombay).
6. In Jassy (Donaufürstenthümer).
Diese Aufhebungsanträge werden jedoch nach kurzer Debatte verworfen und obige Konsulate sämmtlich beibehalten.
Die Sitzung wird um 6 Uhr aufgehoben.
Großbritannien.
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[ * ] London, 8. November.
Die eben durch den Avon eintreffende West-Indische Post hat nicht viel Neues mitgebracht. Der Zustand der englischen Kolonieen war noch derselbe.
Aus Manchester und den übrigen Fabrickdistrikten Lancashire's lauten die Nachrichten günstig, da ziemlich große Bestellungen eingetroffen waren und die Spinnereien daher vollauf zu thun hatten. Die Ermäßigung des Discontos der Bank von England scheint indeß einstweilen nicht zu Spekulationen Veranlassung zu geben.
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(Verspätet.)
Für die nach Wien bestimmte Freischaar:
Von einem Unbekannten 1 Thlr. 3 Sgr. 6 Pf. ‒ Dito 10 Sgr. 5 Pf. ‒ Gesammelt in der Zweipfanne für die gerechte Sache 1 Thlr. 27 Sgr. 2 Pf.
Es sind zusammen eingegangen 27 Thlr. 9 Sgr. 10 Pf.
Fernere Beiträge werden gerne entgegengenommen.
Die Expedition der „N. Rh. Ztg.“
[Klassen-Lotterie]
gap: insignificant
Handels-Nachrichten.
gap: insignificant
Anzeigen.
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Schifffahrts-Anzeige.
Köln, 10. November 1848.
Angekommen: Val. Pfaff von Mainz. J. Jonas und Harling von Bingen.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Wwe H. Lübbers. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr Chr. Königsfeld. Nach Andernach und Neuwied Peter Gies u. Ch. Schäfer. Nach Koblenz, der Mosel u. Saar D. Schlaegel. Nach der Mosel, nach Trier und der Saar M. J. Deiß. Nach Mainz J. Kiefr. Nach dem Niedermain C. Hartig. Nach dem Mittel- und Obermain. Th. Messerschmidt. Nach Worms und Mannheim Fr. Elbert. Nach Heilbronn H. Müssig. Nach Bingen Wwe. Jonas.
Nach Rotterdam Kapt. Willemsen Köln Nr. 6.
Nach Amsterdam Kapt. Demmer Köln Nr. 25.
Rheinhöhe am 10. Nov. 11′ 4″.
@typejAn
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Bekanntmachung.
In hiesiger Packkammer-Expedition lagern seit längerer Zeit noch bezeichnete Pakete, wozu keine Adressen vorhanden sind:
1Paketgez.B. B. V.34653Pfd.Köln.
1ditogez.F.405Pfd.
1ditogez.P.15110Pfd.ohne Ort.
Die Eigenthümer werden hierdurch aufgefordert, solche nach erfolgter Legitimation in Empfang zu nehmen.
Köln, den 5. November 1848.
Ober-Post-Amt, Rehfeldt.
@typejAn
@facs0720
Herr Johann Peter Bartz, Gutsbesitzer und Messerschmied, wohnhaft in Cochem, läßt am Donnerstag den 30. d. M., des Nachmittags um 2 Uhr, 3 Fuder 1846er, 8 Fuder 1846er und 4 Fuder 1847er, gut und rein gehaltene weiße Weine, größtentheils eigenen Wachsthums, unter Gestattung eines Zahlungs-Ausstandes bis zum 15. Februar nächsthin gegen Bürgschafts-Stellung öffentlich versteigern.
Cochem, am 8. November 1848.
Günther, Notar.
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Zur Warnung.
Heute ereignete sich hier in Köln ein trauriges Unglück, welches zwar nicht neu in seiner Art aber dennoch zur allgemeinen Warnung mitgetheilt wird, nämlich Vergiftung einer Familie durch Grünspahn. ‒ ‒ Die Familie des hiesigen Maurermeisters Hoffacker, Vater, Mutter und 4 Kinder hatten von einer in einem kupfernen Kessel gekochten Suppe genossen und in Folge dessen ist zuerst die älteste Tochter ein hübsches starkes Mädchen von 16 Jahren, dann die Mutter, der das traurige Loos wurde sich selbst und den Ihrigen unverschuldeter Weise die Todesbrühe zu kochen, gestorben, der Vater und drei andere Kinder ringen noch mit dem Tode.
Nur drei Kinder welche zufällig von jener Suppe nichts genießen wollten, sind noch gesund.
Eingesandt.
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Bei G. Tonger, Pauluswache ist zu haben:
Wahrsager-Karten, oder Enthüllung der Zukunft nebst Auslegung der gewöhnlichen Spielkarten, in Etuis, 2 1/2 Sgr.
Rheinlands-Sagen, Geschichten und Legenden v. A. Reumont, mit acht schönen Stahlstichen nach Kretschmar, Plüdemann, Rethel, Sonderland etc., Papbd. (Ldnpr. 2 1/2 Thlr.) 25 Sgr.
Preußen und Frankreich, Staatswirthschaftlich und politisch (von Hansemann), 378 Oktavseiten stark. (Ldpr. 2 Thlr.) nur 9 Sgr.
Die belgischen Kolonieen in Guatemala u. Brasilien. Darstellung des Thatsächlichen mit einem Hinblick auf die Hoffnungen, welche sich daran knüpfen. (Ldpr. 10 Sgr.) nur 2 1/2 Sgr.
Der auswärtige Handel Deutschlands von H. Pütter. (Ldnpr. 7 1/2 Sgr.) nur 18 Pfennige).
Die Convulsionen in der Schwangerschaft während und nach der Entbindung, von Belpeau. Nach dem Französischen mit Anmerkungen und Hinzufügungen der neueren deutschen Beobachtungen von Bluff. (Ldnpr. 20 Sgr.) nur 5 Sgr.
Taschen-Reisebibliothek zur Erheiterung, Schwänke, Witze, Parodieen, Anekdoten und andere komische und humoristische Aufsätze. 2 Bdchen. (Ldnpr. 12 1/2 Sgr.) nur 3 Sgr.
Humoristische Schwänke in sechs Abschnitten: 1) Anekdoten und Erzählungen; 2) Charaden, Räthsel etc.; 3) Calembourgs und Atrapen; 4) Karten- und andere Kunststücke; 5) Toaste, Trinksprüche etc; 6) buntes Allerlei. (Ldnpr. 10 1/2 Sgr.) nur 2 1/2 Sgr.
Erzherzog Karl und der Weltstreit von 1792 bis 1815. Vaterländisches Geschichtsbild von Groß Hossinger. In 5 Lieferungen. (Ldnpr. 2 1/2 Thlr.) nur 20 Sgr.
100 sehr feine schöne Heiligenbilder mit Farb- oder Goldrandverzierung, 15 Sgr. Andere Sorten Heiligenbilder von 4 Sgr. bis 2 1/2 Thlr. das 100.
Marco Visconti, ein historischer Roman aus dem 14. Jahrhundert von Grossi. Aus dem Italienischen von Czarnowski. 2 Bde. (Ldnpr. 3 Thlr.) nur 12 1/2 Sgr.
Neue Bildergnllerie mit 120 ausgemalten Abbildungen, oder methodische Anleitung zum Lesenlernen, geb. (Ldnpr. 10 Sgr.) nur 3 1/2 Sgr.
Mutter, wo bleibt das Geld? Tagebüchlein eines armen Dorfschulmeisters, 18 Pfge.
Geschichte des Lebens und der Reisen Christoph Columbus von Washington Irving. Aus d. Englischen übersetzt. 4 Bände, im Ganzen 1256 enggedruckte Seiten stark, nur 15 Sgr.
Die heimliche Sünde, für Eltern, Lehrer u. Erzieher, 1 1/2 Sgr.
Königslieder, 15 Lieder mit mehrstimmigen Melodieen, 6 Pf.
Liederbuch für Volksheer, Bürgerwehr und Turngemeinden. Ein Beweis der Vortefflichkeit dieses Buches ist der starke Absatz, so daß bereits über 10,000 Exemplare davon abgesetzt wurden. Mit beigedruckten Melodien, 3 Sgr. in Partieen bis 100 Exemplare mit 25 und über 100 mit 33 1/3 Proc. Rabatt.
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Futter gegen Schwaben, Mäuse, Ratten und Motten. Thurnmarkt Nr. 39.
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Es sind 2/4 Preuß. Lotterie-Loose zur 4. Klasse jetziger Ziehung Nr. 62301 und 34216 abhanden gekommen. Der redliche Finder wird gebeten dieselben bei der Expedition dieser Zeitung gef. wieder abzugeben und wird vor dessen Ankauf gleichzeitig gewarnt.
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Regenschirme in schwerster Seide per Stück 2 Thlr. 10 Sgr. bis 3 1/2 Thlr.
Regenschirme in feinstem Zeug per Stück 22 Sgr. bis 1 Thlr. 15 Sgr.
Schirmgestelle werden in Zahlung genommen im neuen Laden Obenmarspforten 21A gegenüber dem Jülichsplatz.
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Westenstoffe neueste Muster und große Auswahl in Wolle, Seide und Sammt per Weste 15 Sgr., 20, 25 Sgr., 1 Thlr. bis 2 1/2 Thlr.
Eine Partie zurückgesetzte Westenstoffe (ältere Westen) zu 8 Sgr. bis 20 Sgr im neuen Laden Obenmarspforten 21A gegenüber dem Jülichsplatz.
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Schlafröcke und Hausröcke in großer Auswahl per Stück 2 Thlr. bis 8 Thlr.
Trikots, Unterhosen und Jacken von 15 Sgr. an bis 25 Sgr. im neuen Laden Obenmarspforten 21A gegenüber dem Jülichsplatz.
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Neue Rheinische Zeitung.
Die Herren Aktionäre werden hiermit zu einer außerordentlichen General-Versammlung zur Berathung über Verwaltungs-Angelegenheiten auf Samstag den 11. November, Abends 8 Uhr, bei Hamspohn im Freischütz höflichst eingeladen.
Die Geranten.
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Römischer Circus.
Von Alexandro Guerra.
Heute den 11. November 1848, große Vorstellung, zum Beschluß die Wiederholung der Pantomime aus dem Theater die Räuber von Callabrien, große historische Pantomime mit mehreren Gefechten zu Fuß und zu Pferd, mit mehreren Tableaux und der National Tarentella, ausgeführt von sämmtlichen Damen und Herren der Gesellschaft.
Alexandro Guerra.
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Heute Sonntag den 11. November 1848:
Abends 7 Uhr.
Restauration im Stollwerck'schen Saale.
Entree à Person 10 Sgr., wofür Getränke verabreicht werden.
Hierbei große musikalische dramatische Abend-Unterhaltung.
2. Gastdarstellung des Herrn Caspar Auf vielseitiges Verlangen Der grade Weg der Beste.
Lustspiel in 1 Akt von Kotzebue.
Vorher:
Der schelmische Freier.
Posse in 1 Akt.
Zwischen beiden Stücken, unter gefälliger Mitwirkung des Bürger-Gesang-Vereins.
Männerchor aus der Zauberflöte und Quartett von Stunz.
(Freiheits-Gesang) mit verstärktem Orchester.
Kassa-Eröffnung 6 Uhr.
Franz Stollwerck.
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Theater-Anzeige.
Sonntag den 12 November:
Auf Verlangen:
„Der Thurm von Nesle.“
Romantisches Schauspiel in 5 Akten von Roth.
Montag den 13. November:
„Lucia, die Braut von Lammermoor.“
Große Operin 3 Akten von Donizetti In nächster Woche beginnt das Gastspiel des Herrn Formes.
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W. Dietz, unter Hutmacher 17.