[0847]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 159. Köln, Sonntag den 3. Dezember. 1848.
Keine Steuern mehr!!!
Zweite Ausgabe.
Deutschland.
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[ * ] Berlin, 1. Dec.
Von den Männern des Volkes in der Nat.-Vers. wird Keiner nach Brandenburg hinübergehen. Zwar hatten in den Berathungen der Fraktion Mylius die Abg. Stein und Reichenbach die Ansicht geltend gemacht, es sei zweckmäßig, nach Brandenburg zu gehen, um dort durch die Macht der Majorität das Ministerium zu stürzen. Es ward aber namentlich von D'Ester, Waldeck, Jakobi darauf hingewiesen, daß das Kabinet Manteuffel sich vor einer spätern Majorität eben so wenig zurückziehen werde, als es vor der fast einstimmig angenommenen Mißtrauensadresse der Nat.-Vers. zurückgetreten sei, daß man also nur eine fruchtlose Inkonsequenz begehen würde, während es dringend nöthig sei, durch unerschütterlich konsequentes Benehmen in den Augen des Volkes, das für Ehrenpunkte ein so feines Gefühl hat, die unbefleckteste Reinheit zu bewahren und sich so der Zukunft und dem, wenn auch verschobenen, doch unausbleiblichen Siege der Volkssache zu bewahren. Diese Ansicht hat denn auch das Uebergewicht erlangt und steht in der Folge davon zu erwarten, daß die hervorragendsten Männer der Linken binnen Kurzem ihr Mandat feierlich niederlegen und Berlin verlassen werden, um in den Provinzen die stillere, aber vielleicht fruchtbringendere Thätigkeit der Propaganda zu beginnen. Ein Gleiches werden auch die Herren Rodbertus, Unruh, Kirchmann, Berg, Schulze (Delitzsch) und andere Häupter des linken Centrums thun. Wenn übrigens das Centrum und einige Gebliebenen der Rechten nach Brandenburg hinübergegangen sind, so hat hierzu die Thätigkeit der zahllosen vom Klub Brünneck hieher gesandten und unablässig thätig gewesenen Emissäre keinen geringen Antheil.
Heute erschien nach vierzehntägiger Unterbrechung auch die Nationalzeitung wieder. Ihr leitender Artikel fordert freilich deu Rücktritt des jetzigen Kabinets und eine demokratisch-konstitutionelle Monarchie, ist aber sonst ganz in jener alten, matten, schwankenden Weise gehalten, welche diesem Organ des Juste-milieu von Anfang an eigen war und aus der nur es in der ersten Hälfte des November durch die Gewalt der Ereignisse herausgedrängt worden.
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[ * ] Berlin, 30. Nov.
Auf die vom hiesigen reaktionären Magistrat erlassene Ansprache an die Berliner, ist folgende Erklärung erschienen:
„Der Magistrat der Stadt Berlin hat unter dem 21. d. M. eine Ansprache „An unsere Mitbürger“ erlassen. Der Bezirks-Central-Verein, zusammengesetzt aus Deputirten der einzelnen Bezirks-Vereine der Stadt Berlin, hält es für seine Pflicht, dem Magistrat hiermit öffentlich entgegenzutreten.
Berlin hat in keinem Moment seit der Revolution auf den Magistrat mit Vertrauen hingeblickt; unsere Mitbürger sind keinen Augenblick darüber zweifelhaft gewesen, daß sie in den Zeiten der Gefahr bei dem Magistrat nur Unentschlossenheit, in den Zeiten der Sicherheit nur Neigung zum Rückschritt erwarten dürften. Niemanden konnte es überraschen, als erst jetzt „da die Aufregung des Augenblicks der vorurtheilsfreien Ueberlegung Raum gegeben hat“, der Magistrat mit seiner Meinung hervortrat.
Aber wohl konnte es überraschen, wohl konnte es jeden Freund des Rechts und der Wahrheit tief betrüben, daß die höchste Behörde der Stadt, entgegen der einmüthig geäußerten Willensmeinung der Bürgerschaft, die Nationalversammlung verläugnete, ja nicht genug damit, sie auf's gröbste anklagte, und um diese Anklagen zu stützen, auch die Bevölkerung der Stadt selbst, welche sie hätte vertreten sollen, durch die äußerste Entstellung der Thatsachen vor aller Welt zu brandmarken suchte.
Der Bezirks-Central-Verein kann es unterlassen, die Nationalversammlung zu vertheidigen. Ihre Handlungen wird die Geschichte gerecht zu beurtheilen wissen. Sie wird nicht von einer „Fraktion“ sprechen, welche „die Fahne der Gesetzlosigkeit erhoben“ und „die Bahn zum Bürgerkriege, zu dem Versuche, eine Republik herzustellen, eröffnet hat.“ Nein, sie wird von einer vollkommen beschlußfähigen Versammlung der Volksvertreter reden, welche den gesetzlichen Widerstand mit Muth und Konsequenz geübt hat.
Allein der Bezirks-Central-Verein kann es nicht dulden, daß die Haltung Berlins, welches vor Allem befähigt ist, die Vertreter des Volks zu begreifen, irgendwie zweifelhaft erscheinen dürfe, und wenn es ihm auch unmöglich ist, den dunkeln Fleck auszulöschen, welcher durch die Schuld des Magistrats diese glänzenden Blätter der preußischen Geschichte verunziert, so hofft er doch von der Bevölkerung Berlins den Verdacht fern halten zu können, als sei sie an dem Verfahren von Männern betheiligt, welche niemals die Gesinnung der Stadt wahrhaft vertreten haben.
Es ist uns nicht bekannt, daß der Magistrat „seit den Tagen des März das Erwachen unseres Volkes zu nationaler Freiheit und politischer Mündigkeit mit Freude begrüßt hat, daß er sodann zur Feststellung der errungenen Freiheiten und Rechte des Volkes durch seine Mitwirkung an der Entwickelung des öffentlichen Lebens überhaupt, und namentlich bei der Organisation der Bürgerwehr, sowie bei der Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung an seinem Theile beigetragen und die schwere Aufgabe zu lösen gesucht habe, in der Zeit allgemeiner Geschäftslosigkeit unseren ärmeren Mitbürgern lohnende Arbeit zu verschaffen.
Im Gegentheil wissen wir nur, daß der Magistrat in einer durchaus zweifelhaften Haltung der Entwickelung der Dinge zugesehen hat, ohne seine Freude oder seine Theilnahme, welche gewiß von den segensreichsten Folgen gewesen sein würde, zu äußern; wir wissen nur, daß die meisten Mitglieder desselben gegen den offenen Ausdruck des Mißtrauens, der ihnen von der Bürgerschaft zu Theil wurde, stumm und zähe auf ihren Sitzen blieben; wir wissen nur, daß die Organisation der Bürgerwehr, welche die erste Bedingung der Sicherung unserer Zustände hätte sein können, von dem Magistrat vollkommen vernachlässigt ist, daß an den Orten, wo es darauf ankam, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, nie ein Magistratsmitglied sich hat sehen lassen, daß endlich das Geld der Bürgerschaft meist an Arbeiten ohne Nutzen und nicht selten an Arbeiten ohne Verdienst verschwendet worden ist.
Es ist eine Unwahrheit, daß die National-Versammlung sich unter den Schutz „der das Sitzungslokal belagernden Massen, denen sie den Ehrennamen Volk beigelegt,“ gestellt hat und daß dadurch „die National-Versammlung oder die Regierung dem Terrorismus derer, welche jene Massen dirigirten, Preis gegeben war.“ Die National-Versammlung hat sich unter den Schutz der Bevölkerung Berlins gestellt, und sie durfte wohl erwarten, daß die städtischen Behörden es verstehen würden, an der Spitze dieser Bevölkerung, wo ihr Platz war, für den Schutz der National-Versammlung zu sorgen. Allein die städtischen Behörden glaubten genug gethan zu haben, indem sie einen ungesetzlich konstituirten Körper, dem sie den revolutionären Namen eines Sicherheitsausschusses beilegten zusammensetzten, um ja zur rechten Zeit Militär requiriren zu können. Da sie wußten, daß sie mit der Bevölkerung im Widerspruch waren, so dachten sie natürlich nur daran, sich eine äußere Hülfe zu sichern. Statt Maßregeln zu treffen, durch eine kompakte Organisation der Bürgerwehr und durch eine Stärkung des moralischen Einflusses der städtischen Behörden die Massen der Einwirkung jener gefürchteten Führer zu entziehen, und die Vertreter des Volkes vor jeder Unbill zu sichern, proklamirten sie durch die Installation jenes Sicherheitsausschusses selbst die Anarchie, die ihnen später als Grund für die Rechtfertigung der Gewaltstreiche eines von der ganzen Bevölkerung zurückgewiesenen Ministeriums dienen sollte.
Die Vorwürfe, welche der Magistrat sich nicht scheut, auf die ehrenhafte National-Vrrsammlung zu schleudern, werfen wir auf ihn zurück. Er ist es, der durch seine volksfeindliche Haltung, durch seine Nachlässigkeit und Feigheit die Begriffe von Recht und Ordnung verwirrt, und das Gefühl für Gesittung abstumpft. Er ist es, der sich in den Tagen der Gefahr feig zurückzieht und nach der Herstellung der Ruhe böswillig hervortritt. Er hält jede Reaktion fär unmöglich! Freilich, wenn man selbst die Reaktion ist, wie könnte man sie vor sich sehen?
Berlin, am 25. November 1848.
Der Bezirks-Central-Verein.
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[ * ] Brandenburg, 1. Dezember, 10 Uhr Vormittags.
Heute Morgen um 9 Uhr sind an hundert Abgeordnete (das ganze linke Centrum, der Rest des Centrums mit dem Präsidenten Unruh und einige von der Linken) hier angekommen. Sie versammelten sich im Saale der Eisenbahn-Restauration um sich über den einzuschlagenden Weg zu berathen. Diese Abgeordnete sind von Berlin mit der Idee hierher gekommen, nur dann hier als National-Versammlung zu berathen, wenn sie für die Anerkennung aller in Berlin vom 9-15. November gefaßten Beschlüsse die Majorität gesichert sehen. In diesem Falle müßte die heutige Sitzung, unter dem Vorsitz des Präsidenten Unruh, mit Verlesung des Protokolls der Sitzung vom 15. November, der zuletzt in Berlin von der National-Versammlung im Mielentzschen Saal abgehaltenen, begonnen werden. — Die äußerste Linke hat, in consequenter Verfolgung der früher einstimmig gefaßten Beschlüsse, jede Theilnahme an den hiesigen Versammlungen und an den Berathungen mit einem des Hochverraths für schuldig erklärten Ministerium, abgelehnt.
Es ist unglaublich, welche verschiedenartige Mittel von der hier tagenden Partei im Laufe dieser Woche angewendet wurden, um die Versammlung bis zur beschlußfähigen Anzahl von 202 Mitgliedern zu bringen. Emissäre wurden täglich nach Berlin gesendet und verbreiteten dort im Publikum und in den verschiedenen Fraktionen der Abgeordneten daß die Andern nach Brandenburg gingen, ohne daß diese im Entferntesten daran dachten. Am Gravirendsten hat sich der Ex-Minister Milde bei diesen Werbungsversuchen benommen.
Durch solche Mittel war es gelungen täglich mehrere Abgeordnete hierherzuziehen Die tyrannischen Verfolgungen und Gewaltstreiche, denen die Abgeordneten in Berlin unterworfen waren, trugen auch dazu bei, manchen Schwankenden hierher zu treiben.
Versammlung Brandenburg. Fünfte Sitzung. Um 11 Uhr 20 M. erklärt der Alters-Präsident Brünneck die Sitzung für eröffnet. Das Protokoll der gestrigen Sitzung wird verlesen. — Ein Schreiben des Abgeordneten Lüdecke wird verlesen, womit derselbe sein Mandat niederlegt. Niemeyer aus Halle zeigt an, daß er in dem stenographischen Bericht vom 27. Nov. als fehlend bezeichnet ist, er habe aber schon am 14. Nov. sein Mandat niedergelegt und dies auch damals dem Präsidium der Nationalversammlung angezeigt. Das Ministerium ist in Folge dessen ersucht worden, eine Neuwahl anzuordnen.
Der Namensaufruf beginnt. Während desselben treten über hundert Abgeordnete vom Centrum, linken Centrum und der äußersten Linken ein, namentlich: Kirchmann, Kämpf, Bucher, Schneider, Grebel, Dierschke, Dörk, Kosch, Krackrügge, Matthaei, Schaffraneck, Siebert, Wachsmuth, Weichsel, Borchard II. als Stellvertreter für Borchard I., u. A.
Schneider verlangt das Wort zu einer persönlichen Bemerkung.
Brünneck glaubt, daß da die Versammlung heute beschlußfähig sein wird, man zuerst mit der Konstituirung des Bureau's vorangehen müsse. Es sei auch ein Antrag auf Vertagung gestellt, und das Resultat der Zählung werde bald proklamirt werden. Ich bin der Meinung, daß dies zuerst geschehe und dann sofort zur Konstituirung des Büreau's übergegangen werde, da vorauszusehen ist, daß wir heute beschlußfähig sein werden.
Schneider (zur Geschäftsordnung): Nach der Geschäftsordnung kann das Wort zu persönlichen Bemerkungen jederzeit genommen werden. Dies ist hier auch in den früheren Tagen geschehen, ohne daß die Versammlung vollständig war.
Brünneck: Dies geschah, weil in diesen Tagen die Versammlung nicht vollzählig im Voraus zu erkennen war. Indeß werde ich den Beschluß der Versammlung einholen.
Parrisius (zur Geschäftsordnung): Von den verehrten Mitgliedern, die sich von Anfang an in dieser Versammlung befunden haben, ich nenne z. B. Hrn. Reichensperger, ist anerkannt worden, daß wenngleich die Beschlußunfähigkeit der Nationalversammlung noch nicht feststand, das Wort zu persönlichen Bemerkungen gestattet werden mußte. Sie werden nicht inkonsequent sein, am wenisten, wenn es gilt, die Freiheit dieser Tribüne zu beschränken. Ich verlange, daß die Versammlung darüber beschließe, ob das Bureau erst zu konstituiren oder erst über die Vertagung abgestimmt werde.
Brünneck: Ich werde das Resultat der Zählung zunächst mittheilen; „anwesend sind 260, entschuldigt 11, fehlend 131.“ Die Versammlung ist vollzählig; ich werde jetzt den Beschluß der Versammlung extrahiren. (Lärmender Widerspruch).
Dahne: Nach § 39 der Geschäftsordnung muß Jedem, der sich zu persönlichen Bemerkungen meldet, vor allen Andern das Wort gegeben werden. Ich protestire gegen jeden Beschluß der Versammlung daüber.
Bauer: (Berlin) Es ist hier ein unnützer Streit. Ehe Sie nicht anerkannt haben, daß wir eine Versammlung sind, d. h. ehe wir nicht konstituirt sind, können Sie nicht das Geschäftsreglement auf uns anwenden. (Lärm vom Berge.) Wenn in dieser Weise wieder verhandelt werden soll, so werden wir die Wünsche des Landes nicht erfüllen können. Ich bitte mich von der Tribüne herab zu widerlegen.
Pelzer: Der § 39 lautet: „Es können die Zulassung zum Worte verlangen:‥‥ 2) Diejenigen, welche über eine persönliche Angelegenheit reden wollen.“ Daraus folgt nicht, daß die Versammlung Jeden hören müsse. Sollte dies zulässig sein, so würde die ganze Zeit mit persönlichen Bemerkungen hingehen. Was in Berlin geschehen ist, werden wir hier nimmermehr dulden. (Bravo rechts).
Dahne: Wenn Sie Beschluß fassen wollen, über eine persöuliche Bemerkung, so setzen Sie auch eine konstituirte Versammlung voraus.
Kämpf: Es ist gesagt worden, man werde hier nicht dulden, was man in Berlin geduldet habe. Aber das weiß ich, daß Sie gerecht auch hier werden sein wollen. Nicht zehn werdrn hier sein, die den Paragraphen 39 so auslegen werden, wie er eben ausgelegt wurde.
Wachsmuth: Ich frage Sie, meine Herren, ob Sie in diesen drei Tagen sich noch nicht auf die Geschäftsordnung berufen haben, obwohl Sie wußten, daß sie unbeschlußfähig waren. Ich bestreite dem Herrn Oberpräsidenteu das Recht einen Beschluß in dieser Beziehung zu veranlassen.
Brünneck: Ich bin vollkommen dieser Ansicht. Nur heute habe ich geglaubt, das dringende Geschäft der Konstituirung vor allen Dingen vornehmen zu müssen. Ich ertheile übrigens dem Herrn Abgeordneten Schneider das Wort zu einer persönlichen Bemerkung:
Schneider: Im Namen mehrerer meiner politischen Freunde und in meinem eigenen Namen lege ich folgende Erklärung nieder: „Wir Unterzeichnete erklären, daß wir, festhaltend an den Beschluß der Nationalversammlung vom 9. November fortdauernd der Krone das Recht bestreiten, die Nationalversammlung von Berlin zu verlegen, sie zu vertagen oder aufzulösen. Nachdem die Fortsetzung der Berathungen der Nationalversammlung in Berlin durch Militärgewalt verhindert, und versucht worden ist, wenn auch auch auf ungesetzlichem Wege, die hiesige Minorität durch Einberufung der Stellvertreter zu vervollständigen, erscheinen wir hier in Brandenburg, alle andere Rücksichten dem Wohle des Landes opfernd.“ (Folgen etwa 40 Unterschriften, die Namen v. Unruh, Philips, Plönies, und Schneider an der Spitze.)
Hierbei habe ich zu bemerken, und Ihnen im Auftrage des Präsidiums mitzutheilen, daß die Präsidenten v. Unruh, Philips und Plönies hier nicht haben erscheinen können, weil sie mit der Einberufung der noch fehlenden Mitglieder der Nationalversammlung nach Brandenburg noch beschäftigt sind. (Lachen auf der Rechten. Eine Stimme: „Das ist doch zu arg!)
Brünneck: Es liegt ein Antrag des Abgeordneten Parrisius vor, auf Vertagung der Sitzung bis Montag 10 Uhr. Ich muß bemerken, daß §. 31 sehr genau bestimmt, daß Anträge auf Tagesordnung und Vertagung der Diskussion den Vorzug haben sollen. Es handelt sich hier aber um Vertagung der Sitzung. Ich stelle daher die Frage: ob sofort zur Konstituirung des Bureaux übergegangen werden soll? (Unruhe, von vielen Seiten wird widersprochen. Moritz und Andere verlangen namentliche Abstimmung. Kuhrt, Parrisius, Dunker, Bornemann machen Bemerkungen über die Fragestellung. Der Präsident läutet fortwährend mit der Glocke. Er ruft: Hören Sie doch nur! — Weichsel: Dies Lokal ist nicht zum Hören. Man kann hier kein Wort verstehn!)
Endlich beginnt der Namensaufruf. Das Resultat ist: 113 für, 145 gegen die Vertagung.
Brünneck: Wir schreiten also sofort zur Konstituirung des Bureaus.
Schneider: (zur Geschäftsordnung.) Ich habe vorher schon darauf aufmerksam gemacht, daß das Präsidium damit beschäftigt ist (Lärm).
Brünneck: Das ist keine Bemerkung zur Geschäftsordnung.
Schneider: Diese wird sofort erfolgen; und ich glaube, daß die Redefreiheit auch in Brandenburg beachtet werden wird. Es sind noch mehrere Mitglieder hierher zu berufen. Als Sekretär der Nat.-Vers. weiß ich, daß über hundert Mitglieder noch nicht berufen sind. Der Antrag auf Vertagung erschien deshalb durchaus nothwendig. Gegenwärtig, da wir sehen, daß Sie auf die Vertagung nicht eingehen wollen, sind wir genöthigt für heute den Saal zu verlassen.
Baumstark. Es ist hier davon die Rede gewesen, daß ein Präsident von Unruh und Vicepräsidenten mit Einberufung von Abgeordneten beschäftigt sind. Wir kennen keinen Präsidenten v. Unruh. Die Wahlen, die am 12. Oktbr. stattgefunden haben, hatten mit dem 12. Novbr. ihre Wirkung verloren. Eine in der Zwischenzeit vorgenommene Wahl können wir nicht anerkennen, [0848] weil sie nicht in gesetzlicher Weise, von einer gesetzmäßig verhandelnden Versammlung vorgenommen ist.
Weichsel: Gesetzlich ist, daß die Mitglieder durch das Präsidium eingeladen werden. Es steht keineswegs fest, daß der St.-Anzeiger von jedem Abgeordneten gehalten oder gelesen werden muß, am wenigsten, wegen der Erlasse eines Ministeriums, das wir nicht anerkennen können. (Bravo und ungeheurer Tumult.).
Fleischer: Ich wollte mir die Bemerkung erlauben, daß die Meinung des Hrn. Baumstark nicht die meiner Freunde ist; aber keineswegs sind wir hierher gekommen, um Prinzipienfragen und Zwiespalt hervorzurufen.
Baumstark: Ich war der erste, der in dieser Versammlung zur Versöhnung gesprochen hat. Aber die Art, wie heut diese Fragen angeregt sind, entspricht nicht dem Sinne der Versöhnung. Es thut mir leid, wenn ich irgend Jemand zu dem Glauben verleitet habe, daß ich einen Zankapfel in der Versammlung werfen wollte. Es ist mir nicht in den Sinn gekommen.
Parrisius: Ich habe den Antrag auf Vertagung gestellt. Wider meinen Willen ist derselbe ohne Diskussion zur Abstimmung gekommen.
(An 90 Mitglieder verlassen den Sitzungssaal.)
Brünneck fordert zur Abgabe der Stimmzettel zur Wahl des Präsidenten auf. Von mehreren Seiten wird dagegen protestirt.
Grabel verlangt den Namensaufruf, da die Versammlung nicht mehr beschlußfähig sei. — Ein Anderer glaubt, daß die bisherigen Präsidenten noch im Amte seien.
Bornemann erklärt, daß er, obgleich am 19. Novbr. zum Vicepräsidenten erwählt, sich dennoch nicht als für diese Versammlung gewählt ansehen könne.
Der namentliche Aufruf zur Abgabe der Stimmzettel findet statt.
Brünneck erklärt endlich, daß nur 172 Abgeordnete anwesend sind, und demnach die Versammlung nicht mehr beschlußfähig ist.
Simons bringt seinen Antrag: „Die Stellvertreter für alle bei dem letzten Namensaufruf Abwesenden, einzuberufen,“ zur Debatte. Von vielen Seiten wird dagegen protestirt, weil die Versammlung nicht beschlußfähig sei. — Nach längerer Debatte kommt man zur Abstimmung.
Da verlangen Wachsmuth und Andere namentliche Abstimmung, um dem Lande zu zeigen, wer einen solchen unrechtmäßigen Beschluß faßt.
Der Antrag wird mit großer Majorität angenommen werden.
(Abgang des Dampfzuges.)
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[ 24 ] Wien, 29 Nov,
Aus Allexandrien so eben eingehende Nachrichten (vom 16. d.) melden, daß auch Ibrahim Pascha gestorben. Der gesetzliche Nachfolger wäre Abbas Pascha, ein talentloser und religiös-fanatischer Mensch.
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[ * ] Kremsier, 27. Nov.
Die Contrerevolution, die sich überall, hier, wie in Potsdam-Brandenburg-Berlin, in Wien wie zu Frankfurt, mit heuchlerischen Phrasen von „konstitutionellen“ Staatsformen, von Begründung wahrer konstitutioneller „Freiheit“ zu maskiren versteht: ist namentlich um Aufstellung von wunderschönen vielversprechenden Programme nirgends in Verlegenheit. Doch mit allen ihren jesuitischen Redensarten von wahrer Freiheit, mit all' ihren Verheißungen und Zusagen macht sie die sehend Gewordenen nicht wieder blind. Die Beispiele allerneuester Zeit von dem Bombadirer Ferdinand in Neapel an bis zum dem idioten Ferdinand dem „Gütigen“ waren zu stark, um sobald wieder aus dem Gedächtniß zu schwinden. Die Ereignisse in Wien, Berlin etc. haben genügend dargethan, daß eins der Lebenselemente der Reaktion in Lüge und Eidbruch besteht. Danach beurtheilt auch das Volk mit vollem Recht folgendes heuchlerische Programm, das vom jetzigen östreichischen Ministerium durch den Ministerpräsidenten in der heutigen Reichstagssitzung aufgestellt worden. Es lautet:
Meine Herren!
Zufolge der Berufung Sr. Majestät ist der konstituirende Reichstag zur Fortsetzung der Berathungen über die Verfassung hier zusammengetreten.
Als das Vertrauen des Kaisers uns in den Rath der Krone berief, verkannten wir nicht die Schwierigkeit der Aufgabe, die Größe der Verantwortlichkeit gegenüber dem Throne, wie dem Volke.
Wunden aus der Vergangenheit sind zu heilen, Verlegenheiten des Augenblicks zu beseitigen, eine neue Ordnung der Dinge in der nächsten Zukunft aufzubauen. Das Bewußtsein eines redlichen Strebens für das Wohl des Staates, des Volkes und für die Freiheit, das Vertrauen auf Ihre Mitwirkung bei dem großen Werke bestimmten uns, persönliche Rücksichten der Liebe für das Vaterland zu opfern und dem Rufe des Monarchen zu folgen.
Wir übernehmen die Handhabung der Regierungsgewalt aus den Händen Sr. Majestät zugleich mit der Verantwortlichkeit, fest entschlossen, jeden unverfassungsmäßigen Einfluß fern zu halten, aber eben so wenig Eingriffe in die vollziehende Gewalt zu gestatten.
Einig in den Grundsätzen, werden die Worte und Handlungen eines Jeden von uns der Ausdruck der Politik des Gesammt-Ministeriums sein.
Wir wollen die constitutionelle Monarchie aufrichtig und ohne Rückhalt. Wir wollen diese Staatsform, deren Wesen und gesicherten Bestand wir in der gemeinschaftlichen Ausübung der gesetzgebenden Gewalt durch den Monarchen und die Repräsentantenkörper Oestreichs erkennen, — wir wollen sie begründet auf der gleichen Berechtigung und unbehinderten Entwickelung aller Nationalitäten, so wie auf der Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz, gewährleistet durch Oeffentlichkeit in allen Zweigen des Staatslebens, getragen von der freien Gemeinde und der freien Gestaltung der Ländertheile in allen inneren Angelegenheiten, umschlungen von dem gemeinsamen Bande einer kräftigen Centralgewalt.
Wir hoffen, das Ergebniß Ihrer Berathungen über die Verfassung möglichst bald der Sanction Sr. Majestät des Kaisers unterlegen zu können.
Das Ministerium wird die Verwaltung nach den Bedürfnissen der Zeit umzuformen bemüht sein und, bis hierfür im Wege der Gesetzgebung bleibende Bestimmungen getroffen sind, die nöthigen Verordnungen erlassen.
Ein zweifaches Ziel wird uns hierbei vorschweben: ungeschmalerte Erhaltung der den Völkern Oestreichs zugesicherten Freiheit, Sicherstellung der Bedingungen, ohne welche die Freiheit nicht bestehen kann. Daß diese zur lebendigen Wahrheit, daß ihren Bedingungen Erfüllung werde, dahin gedenken wir mit Ernst und Nachdruck zu wirken.
Das Ministerium will nicht hinter den Bestrebungen nach freisinnigen und volksthümlichen Einrichtungen zurückbleiben, es hält vielmehr für seine Pflicht, sich an die Spitze dieser Bewegung zu stellen.
Die Landbevölkerung, eben erst befreit von den Grundlasten, harrt mit Ungeduld den gesetzlichen Bestimmungen über Maßstab und Art der Entschädigung, so wie den von ihr zu tragenden, nach den Grundsätzen der Billigkeit zu bemessenden Antheil.
Die Grundlage des freien Staates bildet die freie Gemeinde; daß dieser durch ein freisinniges Gemeindegesetz die selbstständige Bestimmung und Verwaltung innerhalb der durch die Rücksicht auf das Gesammtwohl gezogenen Gränzen gesichert werde, ist dringendes Bedürfniß.
Als eine nothwendige und unabweisbare Folgerung der Selbstständigkeit der Gemeinden ergibt sich die Vereinfachung der Staatsverwaltung und eine dem Bedürfnisse der Zeit entsprechende Regelung der Behörden.
Ueber diese Gegenstände, so wie über Umgestaltung der Rechtspflege im konstitutionellen Geiste, Einrichtung landesfürstlicher Gerichte statt der Patrimonial- und Kommunal-Gerichte und durchgreifende Trennung der Verwaltung von der Justiz, werden Ihnen, meine Herren, die geeigneten Vorlagen gemacht werden. Ebenso auch über Hintanhaltung des Mißbrauches der Presse durch Repressiv-Maßregeln über Regelung des Vereinsrechts, auf einer mit den Staatszwecken verträglichen Grundlage, und über die Einrichtung der Nationalgarden. Denn eben weil das Ministerium die Sache der Freiheit zu der seinigen macht, halt es die Wiederherstellung eines gesicherten Rechtszustandes für eine heilige Pflicht.
Das Ministerium verspricht sich das thätige und pflichtgetreue Zusammenwirken aller Behörden. Die Regierungsorgane im Mittelpunkte der Monarchie, so wie in den Provinzen, in der Ausübung ihrer amtlichen Obliegenheiten auf das nachdrücklichste zu kräftigen, wird seine vorzüglichste Sorge sein.
Beklagenswerthe Ereignisse haben stattgefunden. Die Gewalt der Waffen mußte zur Anwendung kommen gegen eine Fraction, welche die Haupt- und Residenzstadt in einen Schauplatz anarchischer Wirren verwandelt hatte. Tiefe Wunden sind geschlagen worden. Sie zu lindern und zu heilen, so weit dies möglich, Wien, das Herz des Reichs, seinem früheren Wohlstande zurückzugeben und dafür zu sorgen, daß dem durch das Gebot der Nothwendigkeit herbeigeführten Ausnahmezustande, sobald es die Verhältnisse gestatten, ein Ende gemacht werde, wird unser eifriges Bestreben sein.
In Italien hat unser glorreiches Heer über Treubruch und Verrath gesiegt und die alten Tugenden der östreichischen Armee, die brüderliche Eintracht aller Stämme, die todesmuthige Hingebung für Oestreichs Ehre, Ruhm und Größe auf das glänzendste bewährt. Noch muß es dort gerüstet stehen, um die Integrität des Reichs zu wahren.
In der organischen Verbindung mit dem konstitutionellen Oestreich wird das lombardisch-venetianische Königreich nach Abschluß des Friedens die sicherste Bürgschaft finden für die Wahrung seiner Nationalität. Die verantwortlichen Räthe der Krone werden feststehen auf dem Boden der Verträge. Sie geben sich der Hoffnung hin, daß in nicht ferner Zukunft auch das italienische Volk die Wohlthaten einer Verfassung genießen werde, welche die verschiedenen Stämme in voller Gleichberechtigung umschließen soll.
Die Verletzung dieses ersten Rechtes der [unleserlicher Text]ationen entzündete den Bürgerkrieg in Ungarn. Gegen eine Partei, deren letztes Ziel der Umsturz und die Lossagung von Oesterreich ist, erhoben sich dort die in ihren unveräußerlichen Rechten gekränkten Völker. Nicht der Freiheit gilt der Krieg, sondern denjenigen, die sie der Freiheit berauben wollen. Aufrechthaltung der Gesammt-Monarchie, ein engerer Verband mit uns, Anerkennung und Gewährleistung ihrer Nationalität sind der Gegenstand ihrer Bestrebungen. Das Ministerium wird sie unterstützen mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln. Mit Gewalt der Waffen wird, da leider alle Wege der Versöhnung fruchtlos eingeschlagen worden, die Schreckensherrschaft einer verbrecherischen Partei bekämpft und der innere Friede wieder hergestellt werden.
Meine Herren! Das große Werk, welches uns im Einverständniß mit den Völkern obliegt, ist die Begründung eines neuen Bandes, das alle Lande und Stämme der Monarchie zu Einem großen Staatskörper vereinigen soll.
Dieser Standpunkt zeigt zugleich den Weg, welchen das Ministerium in der deutschen Frage verfolgen wird. Nicht in dem Zerreißen der Monarchie liegt die Größe, nicht in ihrer Schwächung die Kräftigung Deutschlands. Oesterreichs Fortbestand in staatlicher Einheit ist ein deutsches, wie ein europäisches Bedürfniß. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, sehen wir der natürlichen Entwicklung des noch nicht vollendeten Ungestaltungs-Prozesses entgegen. Erst wenn das verjüngte Oestreich und das verjüngte Deutschland zu neuen und festen Formen gelangt sind, wird es möglich sein, ihre gegenseitigen Beziehungen staatlich zu bestimmen. Bis dahin wird Oestreich fortfahren, seine Bundespflichten zu treulich erfüllen.
In allen äußeren Beziehungen des Reichs werden wir die Interessen und die Würde Oesterreichs zu wahren wissen und keinerlei beirrenden Einfluß von außen auf die unabhängige Gestaltung unserer inneren Verhälnisse zulassen.
Dies sind die Hauptgrundzüge unserer Politik Wir haben sie mit unumwundener Offenheit dargelegt, weil ohne Wahrheit kein Vertrauen, und Vertrauen die erste Bedingung eines gedeihlichen Zusammenwirkens zwischen Regierung und Reichstag.
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@facs0848
München, 29, Nov.
Vorigen Monat Abends wurde der Buchdruckereibesitzer J. Deschler in der Au, in dessen Offizin die Blätter: Gradaus, das freie Wort, Rückwärts, Allerneueste Nachrichten, der reisende Teufel, der Revolutionsteufel und andere Blätter gedruckt werden, verhaftet, und seine ganze Druckerei mit Beschlag belegt. Ich höre daß die nächste Veranlassung zu dieser Maßregel ein noch nicht verbreitetes, aber bereits in vielen Exemplaren gedruktes Flugblatt gewesen sey, in welchem Majestätsbeleidigungen in kaum glaublicher Ausdehnung enthalten seyn sollen. Der Fall wird wohl vor den Assisen verhandelt werden.
[(A. A. Zt.)]
Italien.
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@facs0848
Rom, 21. Nov.
Die Deputirtenkammer ist gestern endlich doch zum Sitzen gekommen. Sie war eben nur knapp vollzählig. Marchese Potenziani machte den Vorschlag, eine Loyalitätsadresse an den Papst zu richten, wobei er bei dem Fürsten v. Canino auf heftigen Widerspruch stieß. Dieser dauerte auch fort, als er sich dahin erklärte, daß es keineswegs seine Meinung sei, dem Papst für die gemachten Konzessionen, die auch er als Errungenschaften der Revolution betrachte, zu danken, sondern nur zu erklären, daß man mit ihm und für ihn sei. Als es zum Abstimmen kam, schien der Vorschlag Unterstützung zu finden, bei der Gegenprobe aber, welche Canino verlangte, fiel er durch.
Der „Circolo popolare“ hat seine Permanenz für aufgelös't erklärt, Gallieno, der neue Befehlshaber der Civica, hat bereits einen Tagesbefehl erlassen. Rosmini ist mit einer geheimen Sendung von Rom abgereis't, wie man glaubt, nach Paris. Zucchi und Mamiani, welcher letztere in Livorno eine Zusammenkunft mit Guerrazzi hatte, werden in Rom erwartet.
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Mailand.
Nach einer Kundmachung in der Mailänder-Zeitung vom 20 Nov. wurde zu Como ein gewisser Jos. Maestrazzi, Posidente, 33 Jahr alt, gebürtig von Brescia wegen des Versuchs österreichische Soldaten zur Desertion und zum Uebertritt in fremde Kriegsdienste zu verleiten, standrechtlich erschossen. Seinem Mitschuldigen Peter Ronchetti, Wirth von Como, wurde im Gnadenwege die Todesstrafe in zweijährigen Festungsarrest umgewandelt. — Nach einer weitern Kundmachung der nämlichen Zeitung vom 21 d. wurde ebenfalls zu Como ein gewisser Crescieri Schmid, 49 Jahre alt, gebürtig von Argagno, auf Grund standrechtlichen Urtheils erschossen, weil er, während die k. k. Truppen zur Unterdrückung der Rebellen an jenem Orte wirkten, von einer Patrouille angehalten ward, wie er eben eine Pistole und ein Bajonnet in einem Sacke trug.
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@facs0848
[ * ] Piacenza, 22. Novbr.
Die Oestreicher sind fortwährend mit der immer stärkern Befestigung hiesiger Stadt beschäftigt. Sollte die piemontesische Armee wieder ins Feld rücken, so würde sie hier ein bedeutendes Hinderniß finden.
Die Desertionen bei den Oestreichern dauern fort. Es werden zu ihrer Verhinderung unglaubliche Vorsichtsmaßregeln getroffen, die aber doch ihren Zweck nicht erreichen. Es sind namentlich Ungarn, welche günstige Gelegenheit zum Entkommen benutzen. Die Bevölkerung hiesiger Stadt wartet mit Sehnsucht auf das Anrücken der Piemontesen. Die Gewaltmaßregeln der Oestreicher haben eine verbissene, ingrimmige Wuth erzeugt, die kaum zu beschreiben ist.
Schweiz.
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@facs0848
[ * ] Tessin.
Ein italienischer Flüchtling schreibt aus Lugano an die Turiner Opinione: „So lange wir Geld hatten, hat man uns ungeschoren gelassen, mau profitirte von uns. Sowie wir keins mehr haben werden, wird man uns wegjagen. Ich sage nichts gegen die Tessiner und ihre Regierung, aber diese ist machtlos und die eidgenössische Repräsentanten benehmen sich sehr unehrenhaft. Die schweizerisch-deutschen Truppen hier sind fast lauter Sonderbündler, und unterscheiden sich nur durch die Uniform und den Namen von den Kroaten.“
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@facs0848
[ ** ] Zürich, 24. Nov.
Daß in unserem industriellen Kanton die Civilisation rasch fortschreitet, dafür kann kein besserer Beweis geliefert werden, als folgende statistische Nachweise über Conzentration des Kapitals und Steigen des Pauperismus.
Auf eine Bevölkerung von 231,574 Köpfen kommen nur 42,841, welche überhaupt Vermögen besitzen, und zwar zusammen circa 206,741,900 frs. Von diesen Vermögenden besitzt etwa 1/3, nämlich 12,770 weniger als fünfhundert Frs. per Kopf. Etwas über die Hälfte der Gesammtzahl, nämlich 22,665, besitzen 500 und 5000 Frs. Jeder; etwa 1/7 der Besteuerten, oder 1[unleserlicher Text]35 der Gesammtbevölkerung, nämlich 6555, besitzen zwischen 5000 und 40,000 Frs.; 744 Personen haben Vermögen zwischen 40,000 und 160,000 Frs., und 113 besitzen über 160,000 Frs. Nach einer mäßigen Durchschnittsberechnung (das durchschnittliche Vermögen der Letzteren zu 300,000 Frs., das der vorletzten Kategorie zu 80,000 Frs. gerechnet, was notorisch unter der Wirklichkeit bleibt) befindet sich fast die Hälfte des Gesammtvermögens (94 Mill. Frs.) in den Händen von 857 Personen, Weiber und Kinder eingerechnet, d. h. in den Händen von weniger als 200 Haushaltungen. Nach zehn Jahren werden diese nicht mehr die Hälfte, sondern 2/3 des Gesammtvermögens besitzen — wer da hat, dem wird gegeben!
Nun das Gegenstück. Wir haben also eine besitzlose Klasse von circa 190,000 Köpfen, theils arme Landpächter, theils Ackerknechte, theils Handwerker, theils Fabrikarbeiter. Von dieser besitzlosen Bevölkerung erhielten öffentliche Unterstützungen im Jahr
1836-9783 Personen, mit zusammen 155,865 Fr.
1846-11,756 Personen, mit zusammen 307,982 Fr.
1847-13,820 Personen, mit zusammen 374,730 Fr.
Der Zuwachs ist erfreulich, wie man sieht. Nun die Art und Weise des Uebergangs aus der besitzenden Klasse in die besitzlose: von 1831 bis 1847 sind 6457 Falliten, durchschnittlich 431 im Jahre, vorgekommen. Die Zahl der Falliten stieg von Jahr zu Jahr. In denselben 15 Jahren sind nur 378 Falliten rehabilitirt worden.
Und nun sage man noch, daß die Schweiz in der Civilisation zurückbleibt!
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Edition: [Friedrich Engels: Neues aus der Schweiz, vorgesehen für: MEGA2, I/8. ]
[ ** ] Bern, 29. Nov.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
Französische Republik.
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[ 12 ] Paris, den 30. Nov.
„Die Philosophen bringen mich noch so weit, daß ich am Ende in die Messe gehe.“ Setzen wir an die Stelle der Philosophen die Republikaner, und die Sache bleibt immer noch richtig. Was nicht in Frankreich Alles möglich ist! Cavaignac eilt dem Papste, der Kirche, der christlichen Religion zu Hülfe: die republikanische Regierung, die ruhig Messina in Flammen hat aufgehen lassen, und Oestreich den Kroaten Preis gegeben hat, diese republikanische Regierung eilt dem Papste zu Hülfe, um dem Stellvertreter Christi, dem Nachfolger Petri zu seinem rechtmäßigen Throne, dem rechtmäßigen aller Throne von Gottes Gnaden zu verhelfen, um den geistigen Reichsverweser wieder in das Reich des Geistes einzusetzen. Und alles dieses weiter nichts als eine ultramontane Reklame, von Seiten Cavaignac's um Präsident zu werden! Wahrhaftig, aus lauter Verzweiflung möchte man in die Messe gehen.
In der Person Pius IX. sind bekanntlich 2 Personen vereinigt, der geistige und der weltliche Herr, der Scepter und die Tiare. Die Franzosen sagen: Nicht den Scepter wollen wir retten, sondern die Tiare: Nicht in die Politik wollen wir interveniren, sondern in die Religion. Der Gott ist in Gefahr. Es handelt sich um den Papst als Oberhaupt der Kirche, und nicht um den Fürsten. Die Römer sagen grade umgekehrt: Nicht mit dem Papste haben wir zu thun, sondern mit dem Fürsten. Dem geistigen Herrn wollen wir kein Haar auf dem Haupte krümmen; er soll ungeschoren bleiben. Wir wollen den politischen Herrscher stürzen. Die Politik ist im Spiel und nicht das Dogma, und ihr Franzosen mit Cavaignac an der Spitze, die Ihr mit Eurem Systeme der Nicht-Intervention Italien gemordet habt, Ihr bekommt auf einmal eine so zarte Sorgfalt für die Rettung Gottes! Dahinter muß etwas anderes stecken! Und die Italiener haben Recht. Hinter dem Gotte steckt etwas anderes, und dieses Andere ist die Präsidentschaft Cavaignac's. Was hat nun aber die Präsidentschaft Cavaignac's mit dem Papste und incl. mit dem Gotte zu thun?
So weit ist's nunmehr gekommen mit den Franzosen, seit dem unglücklichen Siege über die Juni-Insurgenten, daß sie nur noch zu wählen haben zwischen einem Ochsen und einem Schurken, zwischen Cavaignac und Napoleon. Die Wahl der hohen Finance der großen Bourgeois ist nicht zweifelhaft. Wir lieben keinen von beiden, gesteht das „Journal des Debats“ offen ein. Keiner von beiden hat unsere Sympathien. Aber da uns keine andere Wahl übrig bleibt, da wir in die traurigen Alternative gestellt sind, zwischen dem Ochsen und dem Schurken zu wählen, so stimmen wir ehrliche Banquiers für den Schurken. Er hat die Ordnung des Papiergeldes und die Ruhe der Curse gerettet: Ein Schurke ist immer besser als ein Ochs, zumal wenn dieser Ochs Tausend von Treibern hinter sich hat. Der Ochs hat alle Bauern hinter sich und Tausende von unzufriedenen Arbeitern, denen in der Unmöglichkeit ihren Candidaten Raspail für den Augenblick durchzubringen, ebenfalls keine andere Wahl übrig bleibt, als zwischen dem Schurken und dem Ochsen. Ihre Wahl ist nicht zweifelhaft. Sie stimmen für den Ochsen, dem sie jede mögliche Richtung geben zu können hoffen.
Da also hinter dem Ochsen die Bauern, hinter den Bauern der Pfaffe, hinter dem Pfaffen der Pabst nnd hinter dem Pabst der Gott steht, so geht der Schurke ein Bündniß ein mit dem Gott, um die Bauern dem Ochsen abtrünnig zu machen. Der Gott ist das Gutheißen der schlechten Umstände, die Resignation unter dem Drucke der Steúern. Und da Cavaignac unter dem Vorwande Gott zu retten, den Pabst und mit dem Pabste die Pfaffen rettet, so verlangt er von den letztern, daß sie die Bauern bewegen, die 45 Centimes sich gefallen zu lassen, den Gott gutzuheißen und den Cavaignac als Oberhaupt anzuerkennen.
Es gibt Republikaner vom Vorabend und vom andern Tage. Bonapartisten vom Vorabend gab es eigentlich nie; wenigstens waren die reinen Bonapartisten, die Bonapartisten von Geburt in sehr geringer Anzahl. Bonapartist ist man über Nacht geworden. Der Ochse interessirte die Leute auf der Stelle für sich, aus Haß gegen den Cavaignac, den Republikaner vom Vorabend, [0849] „den Republikaner von Geburt“, welcher der Auserwählte der Königlichen von aller Ewigkeit her geworden. Aber inmitten dieses Treibens taucht eine andere Kandidatur auf, schrecklich und drohend, wie die Juni-Insurrektion. Es ist „die Kandidatur Raspail's“. Die Montagnards, die so viel gethan, um Ledru-Rollin als demokratischen Kandidaten durchzubringen, sind bereit, sich einem demokratischen Kongreß aus den Klubs aller Departements bestehend, zu unterwerfen, und Raspail anzuerkennen, wenn er die Majoritat im Kongresse hat. Ochsen und Schurken zittern; die Debats eifern giftiger als je: denn der Insurgent von den Maitagen wird die Juni-Insurrektion wieder zu Macht und Ehren bringen!
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@facs0849
Paris, 30. Nov.
An der heutigen Debatte über Italien nehmen folgende Redner Theil: Ledru-Rollin, Montalembert, Senard, Falloux, Montreuil, Treveneue, Pascal (aus Aix), E. Quinet, Jules Favre, Drouin de Lhuys, Sarrans, Billault, Charles Dupin u. A.
Auf den Galerien sind alle Plätze längst vergeben.
— Das hiesige Kabinet hatte dem Londoner die Maßregeln rücksichtlich Rom's angezeigt und um schleunige Antwort gebeten. Gestern Abend ist ein außerordentlicher Kurier mit dieser Antwort eingetroffen.
— Bugeaud, Ney (Moskawa) etc. treten in die Kammer und werden von der Rue de Poitiers mit offenen Armen empfangen.
— Cavaignac vertheilt im heutigen Moniteur wiederholt mehrere Dutzend Ehrenlegionkreuze an Offiziere der Mobilgarde und Linie.
— Die beiden Oberspione, welche Senard, Exminister des Innern, zur Ueberwachung der spanischen Patrioten in die mittäglichen Gränzdepartements schickte, heißen Vidocq junior und Labrièr-Quetier. Ihre Strenge z. B. gegen das Haupt der spanischen Patrioten, Exminister Escosura, ging so weit, daß ihre Gensd'armen sogar die Suppe auf dem Tische Escosura's mit der Säbelspitze umrührten, um sich zu überzeugen, ob auch dort keine Korrespondenzen verborgen?!… Das that die 1848ger Republik gegenüber den Königinnen Isabella und Maria Christine mit ihrem Leibhusar Narvaez!!
Dieses Faktum steht im Moniteur universel vom 30. Novbr.
— Der Moniteur beginnt heute eine erste offizielle Statistik des Pariser Hungers. Leider ist dieselbe nicht vollständig; sie betrifft nur die Fleischvertheilungen, gegen welche das Dominikanerblatt „Ere nouvelle“ einige Beschwerden erhoben hatte. Laut dieser Statistik werden in diesem Augenblick blos an Fleischbons 30,181 Rationen per Tag an 2062 verschiedene Hanshaltungen vertheilt, deren jede 29 Centimen kostet (im Ganzen 1436 Frk 40 Cnt. per Tag). Hinzu treten 2280 Frk. monatliche Gehalte an die Beamten, welche mit Vertheilung der Almosen bearftragt sind. Früher geschah diese Vertheilung durch 400 sogenannte wohlthätige Bürger, welche kein Gehalt bezogen. Da ergab sich aber eine tägliche Schmuggelei von 1892 Fleischrationen, deren Kostenpreis obige Gehalte bei Weitem überstieg. (Moniteur vom 30. Nov.)
— „‥‥ Cavaignac muß in Anklagezustand versetzt werden! ruft das Blatt Ledru-Rollin's aus und begründet diesen Antrag in folgender Weise: Nach der Verfassung hat der Präsident der Republik kein Recht, ohne Genehmigung der Nationalversammlung auch nur ein Bataillon über die Gränze marschiren zu lassen. Cavaignac, der noch keineswegs Präsident der Republik ist, sondern noch ganz und gar von dem absoluten Willen der Nationalversammlung abhängt, stürzt das Land in eine bewaffnete Intervention, deren Folgen durchaus nicht zu berechnen, da die Gründe, auf denen sie beruht, sich als falsch erwiesen haben. Das Volk von Rom hat ein Ministerium verjagt, an dessen Spitze ein Mann stand, welcher sich rühmte, „die Revolution überall zu ersticken;“ es hat die Schweizergarde aufgelös't und eine Nationalversammlung verlangt, welche, aus allgemeinem Stimmrecht hervorgegangen, eine Verfassung entwerfe; nichts ist im Quirinal verändert, wozu das Volk kein Recht hätte. Der Papst ist um kein Haar breit in seiner religiösen Freiheit und Macht geschmälert; er kann seinen Seegen urbi et orbi nach wie vor aussprechen; den Gläubigen die Höllenthore nach wie vor schließen oder öffnen. Aber er darf nicht länger weltlicher Fürst ohne alle Verantwortlichkeit und Regierungskontrolle bleiben. Was soll also Courcelles mit seinen 3500 Mann in der Mündung der Tiber? Hr. Bastide hat das mit seinem Gebieter Cavaignac zu verantworten. Frankreich, das der Reaktion nimmer vergiebt, daß sie seine Schwester, Oberitalien, unter den Schlägen Oestreich's bluten läßt, wird nicht zugeben, daß seine Kinder zu Schergen des Papstthums herabsinken und die gewechselten Wachtposten einer schweizerischen besoldeten Leibgarde einnehmen. Was soll aus dem Prinzip der Volkssouveränetät und Völkerfreiheit werden, wenn eine solche Kabinetspolitik noch länger geübt wird?“
— Den Hrn. Guizot und Duchatel steht nun kein Hinderniß mehr entgegen, frei und ungehindert nach Frankreich zurückzukehren und dort der Einführung des neuen 4jährigen Königthums beizuwohnen; denn der hiesige Obergerichtshof erließ gestern eine Ordonnanz, wonach der gepflogenen Voruntersuchung gemäß kein Grund zur Verfolgung der Februarminister Louis Philipp's gesetzlich vorliegt. Bravo! Das heißt konsequent handeln.
National-Versammlung. Sitzung vom 30. November. Anfang 1 Uhr. Präsident Marrast. Der Zudrang ist sehr stark. Nach Verlesung des Protokolls nimmt Joly das Wort.
Joly: Ein Brief, den ich rücksichtlich der unglücklichen Spanier erhalten, die auf der G[unleserlicher Text]elette Montanera in die Verbannung geschickt werden sollten, sich aber im Angesichte der französischen Küste empörten und den Kapitain zur Landung in Bordcaux zwangen, wo sie ausgeliefert worden, meldet mir, daß 15 davon zum Tode, 15 zur Galeerenstrafe und die Uebrigen zur Verbannung in die Havannah verurtheilt worden sind. Die 15 Todesurtheile liegen dem Generalkapitain noch zur Bestätigung vor; ich ersuche den Minister des Aeußern, sich für diese Unglücklichen zu verwenden und ihre Begnadigung zu erwirken.
Stimme: Aber der Minister ist ja noch nicht hier.
Cavaignac, der in diesem Augenblicke in den Saal tritt, verspricht dieses Begnadigungsgesuch, d. h. die Verwandlung der Todesstrafe in Galeerenstrafe sofort abgehen zu lassen.
Hierauf geht die Versammlung zur Tagesordnung über, nämlich zur Debatte über Italien.
Ledru-Rollin: Bürger, Rom ist ruhig. Diese Ruhe war vom Minister des Auswärtigen leicht vorauszusehen. Sie haben die Depesche gelesen. Die ersten Schüsse gegen das Volk fielen von den Schweizern, dann erst schritt die Bürgerwehr ein, dann erst entschied das Volk, die Waffen nicht früher niederzulegen, als bis das Fremden-Ministerium abgedankt habe. Harcourt, unser dortiger Gesandter, schreibt, er wolle erst abwarten, welchen Gang die Ereignisse nähmen, ehe er sein Verfahren einschlüge. Das Volk hatte den Rossi als Fremden getödtet; die Schweizer waren so verhaßt, eben weil sie Fremde sind und in diesem Willen beruhigt es sich nicht früher, als bis das Ministerium gestürzt und die Schweizer entlassen sind. Hoffentlich sehen Sie hierin keine bloße Emeute. Nein, es war eine Revolution, die ein vollkommen zu billigender Fremdenhaß erzeugt hatte. Und in diesem Moment schickt das Ministerium fremde Uniformen nach Rom, wirft es französische Truppen zwischen Papst und Volk! Heißt das nicht eine europäische Gährung herbeiführen? Muß das Volk nicht Eure Truppen hassen? Hättet Ihr (zu Cavaignac gewandt) den Papst oder auch nur seinen hiesigen Nuntius berathen, sie würden Euch selbst von der Expedition abgerathen haben. Erlaube man mir, daß ich den wahren Sinn der Expedition auseinander setze. Man hat Euch gesagt, die Maßregel geschehe lediglich im Interesse und zum Heil der Person des Papstes. Dem ist keineswegs so; wenigstens wäre der Vorwand lächerlich, da Niemand dem Papste etwas zu Leide thun wollte. Die Revolution war nur gegen das weltliche Regiment desselben gerichtet. Wie kam es nun, daß diese Bewegung, die mit dem politischen Morde Rossi's begann, so große Aufregung in Paris verursachte, während die Ermordung Robert Blum's das Ministerium so kalt ließ? Rossi's Blut galt also theurer, als das des Demokraten Blum? Leugnet es nicht, Eure Expedition verräth eine rein politische und nicht kirchliche Farbe. Aber wenn Ihr nun einmal im Verein mit Radetzki handeln wolltet, warum fragtet Ihr nicht erst die National-Versammlung, ob sie eine solche Politik genehmige? Ihr seid nichts als Werkzeug der National-Versammlung. (Unterbrechung.) Nichts als Werkzeug! Ihr kompromittirt das franzosische Volk, ohne daß Ihr vorher seine Vertreter berathschlagtet. (Beifall vom Berge).
Montalembert, einer der Häupter der Ultramontanen, setzt in langer Rede auseinander, daß durchaus keine Analogie zwischen dem Charakter der Februar-Revolution und der römischen Insurrektion (Unterbrechung zur Linken) herrsche. Er lobt die Absicht des Ministeriums, tadelt aber die Art der Ausführung.
Edgar Quinet fürchtet sehr, daß man die französische Republik einer Gefahr zuführe, die er bei Weitem höher anschlägt, als das Kabinet sie sich vorgestellt zu haben scheint.
Charles Dupin vertheidigt die Regierung wegen ihres raschen und weisen Entschlusses.
Jules Favre ist keineswegs der Ansicht, daß die römische Bewegung einen blos religiös-katholischen Charakter trage, wie Montalembert behauptet. Die dortige Entwickelung sei entschieden politisch. Er bedauert das französische Geld, Blut und Ehre.
Dufaure übernimmt die Vertheidigung des Kabinets. Er löst zunächst die oberitalienische Frage von der römischen und weist nach, daß keine Zeit vorhanden gewesen, die National Versammlung vorher zu konsultiren. Er liest mehrere Depeschen. Wir können, wirft man uns vor, fuhr Dufaure nach Verlesung der Depeschen fort, Oesterreich erzürnen und es veranlassen, ebenfalls vor Rom zu erscheinen. Wie aber, wenn uns Oesterreich zuvorgekommen wäre? Dann hatte uns man mit Recht mit Vorwürfen überhäuft und sie wären dann völlig begründet gewesen. Wir wollen keinen Krieg. Wir haben nur unsere Pflicht gethan. Uebrigens fürchtet die Republik den Krieg nicht, sie wurde ihn vielmehr mit Glück fuhren. (Beifall zur Rechten).
Larochejaquelin: Meine Parteistellung ist kritisch. Ich möchte zuerst dem Kriegsminister die Frage stellen: ob die Flotille abgefahren ist?
Minister: Ja!
Larochejaquelin: Wohlan, dann erkläre ich, daß Sie Ihre Vollmachten überschritten. (Sensation. Tumult).
Poujoular: Man spricht von Conciliation zwischen Papst und Volk. Ich besitze Nachrichten, welche melden, daß ein Glied der römischen Kammer den Antrag stellte, dem Papst durch öffentlichen Akt die Unterwerfung zu bezeugen. Lucian Bonaparte, der in Rom eine gewisse ultra-demokratische Rolle spielt, hat sich aber solcher Demonstration widersetzt und der Antrag ist verworfen worden.
Favre ergreift wiederholt das Wort
Cavaignac besteigt die Bühne und erklärt durch Daten, daß die National-Versammlung keineswegs umgangen worden. Am Dienstag sei sie benachrichtigt worden; hatte sie die Schritte nicht genehmigt, dann wäre es immer noch Zeit gewesen, den Befehl zurückzunehmen.
Larochejaquelin will noch sprechen, kann aber des Lärmens wegen nicht. Man schreit: Zur Tagesordnung! Zur Tagesordnung!
Trevenenc schlagt eine sogenannte motivirte Tagesordnung vor, die dem Ministerium günstig ist und mit 480 gegen 63 Stimmen angenommen wird.
Schluß 1/4 vor 6 Uhr.
Nationalversammlung. Sitzung vom 1. December. Anfang 1 1/3 Uhr. Präsident Marrast.
Reibell, ein beruhmter Wasserbaumeister und Deputirter der Manche, reicht Krantheits halber seine Demission ein.
An der Tagesordnung ist das rektifizirte Büdget von 1848. Die Versammlung war bis zum 8. Kapitel des Marine-Büdgets (See-Justiz) vorgeruckt.
Dieses Kapitel wird angenommen.
Ebenso Kapitel 9.
Kapitel 10 (Kosten des bekannten afrikanischen Geschwaders zur Unterdruckung des Sclavenhandels). Dieselben belaufen sich auf 3 Millionen Franken jährlich.
Billault bekämpft diesen Kredit, weil er seinen Zweck nicht erfülle. Diese Geschwader seien zur Unterdrückung des Negerhandels unzureichend. Selbst das englische Parlament uberzeugte sich davon. Es sei also jetzt der günstige Augenblick, die schweren Kosten jener Flotille im Einverstandniß mit dem englischen Kabinet zu verweigern. Statt den Schacher zu tilgen, verschlimmert man nur die Lage der unglücklichen Sklaven, weil man allerlei List gebrauche, um jene Kreuzer zu umgehen.
Dann, ein halber Mohr, theilt diese Ansimt nicht.
Schoelcher, der bekannte Sklavenfreund, halt seine Jungfernrede. Er protestirt mit menschenfreundlicher Warme gegen jede Schwachung jenes Geschwaders, wonach dieser Menschenhandel wieder eine fürchterliche Ausdehnung nehmen wurde.
Lacrosse erklärt sich als keinen Vertheidiger dieses infamen Handwerks, aber er findet den von Frankreich und England adoptirten Modus mangelhaft und gefährlich, weil er die P[unleserlicher Text]st unter der Schiffsmannschaft erzeuge.
Mortreull unterstutzt Billauits Vorschlag. Man möge nach England schreiben.
Verninae, Marine-Minister, verspricht das Geschwader zu vermindern, sobald er sich mit England verständigt haben werde, ohne deshalb den infamen Handel irgendwie zu erleichtern.
Kapitel 10 geht endlich durch.
Die nächsten beiden Kapitel boten nichts Interessantes. Dagegen wurde die Kolonialverwaltung lebhaft besprochen.
Lavavasseur, ein reicher [unleserlicher Text]heder aus Dieppe und Havre, will wissen, ob der Minister an die Möglichkeit der Einführung des allgemeinen Stimmrechts in den Kolonien glaube? und so nicht die Eigenthümer (Pflanzer) daselbst die höchste Gefahr laufen? Der Redner verlangt Garantien. Er spricht indessen so heiser, daß man kaum das zehnte Wort versteht.
Dain, der Mohr, hält eine vortreffliche Gegenrede. Die Kolonien verlangten Schulen und wurden sich die Freiheit nimmer entreißen lassen.
Inmitten der Budgetdebatte erscheint Cavaignac.
Cavaignac steigt auf die Bühne; Bürger Repräsentanten! Die Regierung hat so eben folgende Depesche erhalten:
„Marseille, 28. Nov. 6 Uhr. Aus Civita Vecchia vom 24. Nov. 3 Uhr Nachts. Der französische Konsul an den Minister des Auswärtigen in Paris. Der Papst ist plötzlich am 24. Novbr. 5 Uhr Abends von Rom abgereist. Er hat sich auf dem Tenarre eingeschifft und begibt sich nach Frankreich. Rom ist ruhig und indifferent.“ (Sensation.)
Die Versammlung nimmt die Büdgetdebatte wieder auf.
Poujonlat unterbricht die Büdgetdebatte. Ich erzählte gestern, daß sich Lucian Bonaparte im römischen Parlament einer Ergebenheitsadresse an den Pabst widersetzt habe, die Hr-Potentiani beantragte. Zwei Verwandte Lucianis, welche in diesem Saale sitzen, haben mir vorgeworfen, daß ich das Faktum entstellt hätte. Ich zeigte darauf dem Hr. Peter Bonaparte das betreffende Journal Rom's, welchem ich die Thatsache entnommen und schlug ihm vor, es im Original zu lesen, um sich von der Wahrheit zu überzeugen.
Lyerbette: Aber was geht das die Nationalversammlung an?
Poujoulat: Man fragt, was das die Versammlung angehe? Ich antworte darauf, daß mir daran liegt, als kein Entsteller der Wahrheit zu gelten. (Ah! Ah!)……
Peter Bonaparte nährt sich der Bühne, spricht mit dem Redner einige Worte, worauf letzterer herabsteigt.
Die Versammlung kehrt zum Büdget zurück.
Die Besprechung des Rechtes des Marinebüdgets verfließt ohne Bedeutung.
Man geht zum Finanzbüdget über.
Fould eröffnet die Generaldiskussion mit einer langen Philippika gegen die Goudchauschen und Tronve-Chauvelschen Finanzpläne: Einkommensteuer, Erbschaftssteuer, Abschaffung der lästigen Getränkekontrolle, die Hr. Fould am meisten bedauert u. s. w.
Trouve Chauvel erwidert ihm, daß er am Finanzplan pro 1849 festhalte.
Hier tritt eine neue Unterbrechung ein. (2. Depesche).
Vivien, Staatsbautenminister, zeigt im Namen des Ministeriums an, daß Bürger Freslon, Unterrichts- und Kultusminister, nach Marseille abgeschickt worden, um Pius IX., der von Rom sich nach Gaeta (auf neapolitanischem Gebiet) geflüchtet und die Absicht zu erkennen gegeben habe, nach Frankreich zu kommen. Der Tenare habe ihn dort aufgenommen und nach Marseille gebracht.
Proudhon und Pyat sind nirgend zu sehen.
Die Sitzung wird um 6 Uhr geschlossen.
Spanien.
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@facs0849
Madrid, 24. Novbr.
Die beiden Minister Bravo Murillo und Arrazola scheiden aus dem Kabinet. Ersterer, heißt es, solle zum Präsidenten der Deputirtenkammer erkoren sein, um ihn für das Portefeuille zu entschädigen.
— Aus den Provinzen nur so viel, daß die Insurrektion noch lange nicht erdrückt ist.
Türkei.
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@facs0849
[ * ]
Unter dem Befehl des amerikanischen Schiffskapitäns Lynch wurde voriges Frühjahr eine Expedition nach Palästina zur Erforschung des Sees Tiberias und des Todten Meeres unternommen. Die türkische Regierung hatte dazu bereitwillig ihre Erlaubniß und die gemessensten Befehle an die Behörden in Palästina zur Unterstützung der Expedition gegeben. Kapitän Lynch theilt in einem Briefe kurz die Resultate mit, die er bald ausführlicher in einem größeren Werke veröffentlichen wird. Er hatte aus New-York 2 metallene Boote — ein kupfernes und ein eisernes — mitgebracht, die er in St. Jean d'Acre landete. Von da wurden sie durch Kameele unter unglaublichen Schwierigkeiten zu Lande weiter geschafft und am 8. April in die blaue Fluth des galiläischen Meeres hinabgelassen. Zum ersten Mal wehte das amerikanische Banner auf diesen Gewässern. Die Schifffahrt auf dem Jordan, der das galiläische und das todte Meer verbindet, war äußerst beschwerlich. Die Expedition hatte 27 gefährliche Stromschnellen zu passiren. Der Jordan macht außerdem unendliche Krümmungen; auf 60 (engl.) Meilen hat er eine Länge von 200 Meilen. Der Unterschied zwischen dem Wasserspiegel der beiden Seen beträgt 2000 F. Einige hundert Schritt von der Mündung ist das Wasser des Jordan süß. Dasjenige des todten Meeres ist ohne Geruch, aber von bitterem, salzigen und eckelhaftem Geschmack. „Wie der nördliche Theil des Sees tief,“ sagt Lynch, „so ist der südliche seicht. Die größte Tiefe, die wir bis heute (3. Mai) fanden, betrug 1128 engl. Fuß; im südlichen Theil auf einer großen Strecke nur 18 Fuß. In der Nähe des Ufers ist der Grund eine Salzinkrustation; in der Mitte weicher Schlamm mit rechtwinkligen Krystallen, meist Würfeln von reinem Salz. Daß Vögel und Insekten am Ufer gefunden werden, unterliegt keinem Zweifel. Bisweilen erblickten wir Enten auf dem See. Aber in seinen Gewässern fanden wir kein lebendes Wesen. Die höchste Spitze der Westküste ist nach unsern Messungen mehr als 1000 Fuß über dem Wasserspiegel des Sees; und diese Küste steht im gleichen Niveau mit dem Spiegel des Mittelmeeres.“
[Leserbrief]
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Denkschrift des Berliner Bezirks-Central-Vereins zu dem Bericht, welchen der Abgeordnete und Unterstaatssekretär Herr Bassermann über seine Sendung nach Berlin in der deutschen National-Versammlung erstattet hat.
Die Hauptstadt der preußischen Monarchie ist seit der Märzrevolution häufig und mannigfach Verläumdungen, Schmähungen und Lügen ausgesetzt gewesen, diese traten aber meist namenlos auf, ihre Absicht war leicht zu erkennen, sie zerfielen in sich selbst.
Jetzt erhebt sich nun aber Herr Bassermann, der aus früherer Zeit den Klang eines liberalen Namens trägt, vor der deutschen National-Versammlung im Angesichte von ganz Deutschland mit einer Anklage gegen Berlin, die hinter keinem frühern namenlosen Angriffe zurückbleibt. Die Anklage muß in den Augen der vom Schauplatze entfernter Stehenden an Gewicht gewinnen, weil sie in eine Art offiziellen Gewandes gehüllt ist; denn Herr Bassermann hat seine Erfahrungen gesammelt und seinen Bericht erstattet als offizieller Karakter. — Die flüchtigen Reiseeindrücke eines Herrn Bassermann konnten leicht ignorirt werden, der offizielle Bericht des Unterstaatssekretairs Bassermann verdient die Beachtung, welche ihm hiermit der Berliner Bezirks-Central-Verein angedeihen läßt.
Es kann diesem Verein, der fern von jeder einseitigen Parteistellung den Kern der hauptstädtischen Bevölkerung in ihren verschiedenen Schichten vertritt, nicht darauf ankommen, die Angriffe, welche Herr Bassermann gegen die preußische National-Versammlung richtet, zu beleuchten oder zu widerlegen — dies ist ohnehin von anderer Stelle in ausnehmender Weise geschehen — hier handelt es sich um die Zurückweisung der Reiseeindrücke des Herrn Bassermann, welche auf die Ehre Berlins Flecken zu werfen beabsichtigen.
Herr Bassermann ist am 9. November Abends in Berlin eigetroffen, und hat wahrscheinlich die Stadt am 14. oder 15. d. M. verlassen, er hat sich also in Berlin 5 bis 6 Tage aufgehalten, freilich in einer für Preußen und Deutschland epochemachenden Zeit; aber wie hat Herr Bassermann diese Zeit aufgefaßt und begriffen? „Ihn erschreckte die Bevölkerung, welche er spät Abends am 9. November auf den Straßen erblickte; er sah Gestalten, die er nicht schildern will.“ — Die Preßfreiheit Berlins in diesen Tagen ging weit über das hinaus, was Herr Bassermann selbst in Süddeutschland davon gewohnt ist; denn das Unglaubliche hat er gesehen: den „Traum eines Republikaners“ und zwar auf rothes Papier gedruckt, was die Spitze alles Schreckens bildet; denn dieses rothe Papier verwirrt die Phantasie des Hrn. Bassermann so weit, daß er daraus später „einen rothen Träumer der Laternenpolitik“ emporwachsen läßt. — Dies ist die schreckliche Seite von den Erfahrungen, welche Herr Bassermann in Berlin gemacht hat; die Rückseite dazu ist die Bassermannsche Wahrnehmung, „daß ihm nach dem Einmarsch der Truppen, also am 10 oder 11. November, die Straßen belebter auch von andern Personen erschienen, daß er bei den Bürgern ein wiedergekehrtes Gefühl der Sicherheit fand.“ — Sage mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, wer du bist. — Herr Bassermann verkehrte in Berlin mit den Ministern, die er „in der männlichsten Fassung“ später mit „ruhig lächelndem Munde“ fand; Herr Bassermann „conferirte“ auch mit dem Könige, „hörte die Aeußerungen vieler Bürger der Stadt, war den ganzen Tag von Besuchern umlagert“ — der Glückliche — und, was die Hauptsache, „täglich von einem Abgesandten demokratischer Klubs besucht.“
Man erblickt hier den vielseitigen Umgang eines Diplomaten, der aber dessenungeachtet aus den Täuschungen nicht herauskommt. — Herr Bassermann kommt mit Vorurtheilen nach Berlin; er hält die Berathungen hier nicht mehr für frei — weil — hört! — die Versammlung in der polnischen Frage anders als die Frankfurter geurtheilt hat; statt der Beweggründe der innern Ueberzeugung erkennt er als angehender Diplomat „die Todesbedrohungen der Deputirten, und die Vernagelung des Sitzungssaales“ an. Herr Bassermann kehrt auf diesen Punkt wiederholt zurück; es ist ihm Herzenssache, nachzuweisen, daß die Deutsche Einheit und Freiheit in seinem Sinne nicht zu Stande kommen können, so lange die Preußische National-Versammlung unter der Schreckensherrschaft des Berliner Volks stände. — Wird aber das Preußische und so Gott will, das Deutsche Volk dem Herrn Bassermann glauben, Einheit und Freiheit des ganzen Vaterlandes wären besser berathen, wenn die National-Versammlung unter der Obhut der Bayonnette ihre Beschlüsse faßt! —
Herr Bassermann hat von der Berliner Schreckensherrschaft mancherlei gehört, gesehen im Grunde nichts, wenn man nicht den „auf rothes Papier gedruckten Traum eines Republikaners“ dahin rechnet, oder die Gestalten, welche am 9. November die Straßen bevölkerten, die aber Herr Bassermann nicht schildern will.“
Wir trauen dem Herrn Unterstaats-Sekretär scharfe Organe der Wahrnehmung zu, wie sie auf diplomatischer Sendung nothwendig sind, aber wir bedauern, daß er seine Beobachtungen, wo sie lehrreich werden konnten, zurückhält. — „Ihn hat die Bevölkerung auf den Straßen in der Nähe des Sitzungslokales am 9. November erschreckt.“ Es muß die Berliner Bürgerwehr gewesen sein, die Herrn Bassermann in Schrecken versetzte; denn sie umlagerte zunächst das Sitzungslokal; von großen, wogenden Menschenmassen war außerdem an diesem Abend auf den Straßen Berlins keine Spur wahrzunehmen.
„Der Zustand Berlins, wie er sich äußerlich abspiegelt, ist nach Herrn Bassermann deshalb kein erfreulicher, weil die Tagespresse über das hinausgeht, was man in Süddeutschland sich gefallen läßt.“ Soll das ein Lob für Süd- oder ein Tadel für Norddeutschland, zumal für Berlin sein? In Süddeutschland hat man die Republik einzuführen versucht: in Berlin träumt höchstens ein Republikaner auf rothem Papier. Wenn Hr. Bassermann aus seinem Bericht nur diesen Punkt fortgelassen hätte, so wäre er wenigstens dem Gelächter ehrlicher Bürger Berlins entgangen; jetzt aber ist er dem Berliner Witz unrettbar verfallen; denn er hat nicht einmal begriffen, daß der Witz sich auch in der Laternenpfahlpolitik üben kann, und so geschmeidig ist, um hintereinander reaktionäre und republikanische Träume zu erzeugen. Die Ersteren sind aber, hoffentlich nach Hrn. Bassermanns Geschmack, bereis für Berlin und Umgegend eingetroffen.
Wenn der Frankfurter Diplomat in Dessau am Stationsplatze und in Luckenwalde die Stärke seiner Apperception bekundet, so zeigt er den Umfang seines Kombinationsvermögens, indem er den Traum des Republikaners ganz nahe an die Gränzen der Wirklichkeit führt und ernsthaft versichert, „es sei mehrere Male so weit gekommen, daß Mitglieder der Rechten der Nationalversammlung nur dem Zufall ihr Leben verdankten.“
Wir werden niemals pöbelhafte Exzesse beschönigen wollen, sie nicht für [0850] „das Wellenspritzen der Freiheit halten,“ aber wir wissen auch, daß sie die fast unvermeidlichen Begleiter tiefer Leidenschaften in der Epoche welterschütternder Ereignisse sind, daß sie bei unfreien Völkern viel roher und blutiger hervortreten, und daß an ihrem Erscheinen unter uns viel mehr die vergangene Zeit der Unterdrückung, als die emporstrebende Freiheit die Schuld trägt. — Und kennt denn Herr Bassermann die Quellen und Ursachen, aus welchen nach der Märzrevolution die Straßen-Krawalle hervorgingen? — Es herrscht ja darüber ein großes Dunkel selbst für den aufmerksamen Berliner Beobachter; und wir können nicht annehmen, daß Herr Bassermann in diesen Zusammenhang der Dinge trotz seines scharfen Instinktes tiefer eingedrungen ist, als eine fortgesetzte Beobachtung an Ort und Stelle. — Wir können schon deshalb dem Herrn Bassermann durchaus kein kompetentes Urtheil über die Berliner Zustände einräumen, weil es ihm auch nicht einmal eingefallen, darüber nachzudenken, woher denn wohl die Störungen der äußerlichen Ordnung und der von ihm so hochgeschätzten Ruhe, dieser ersten Bürgertugend in früheren Zeiten, gekommen sein mögen. —
Wie sind der Meinung, daß die mit einer politischen Revolution unzertrennlich verbundenen Leidenschaften allerdings in den letzten Monat n nachgewirkt haben, weil ausreichende Gründe in der Haltung der Regierung vorlagen, das Mißtrauen der Berliner Bevölkerung wach zu erhalten. Dazu kam, daß den städtischen Behörden, welche in so aufgeregten Zeiten feste und kräftige Stützpunkte für das öffentliche Vertrauen bilden mußten, schon aus der Zeit vor der Märzrevolution, der öffentliche Glaube an ihren Freiheitssinn und ihre Energie fehlte. Durch Haltungslosigkeit und Schwäche zogen diese Behörden so wie alle übrigen die Bevölkerung der Hauptstadt in immer größere Schwankung und Unsicherheit hinein — Die Berliner Bürgerwehr that überall, wo sie gut geführt wurde, ihre Schuldigkeit, und bewahrte durch unermüdliche Anstrengungen und große Opfer die Stadt vor den Gefahren, welchen sie durch die vollständige Anarchie von Oben ausgesetzt war. Im Vergleich zu dieser Anarchie ist die Haltung der eigentlichen Volksmasse in der That eine wahrhaft bewunderungswürdige gewesen; sie hat von unten aufkeimende Exzesse sehr bald erdrückt. Auf die Freiheit der Berathungen und Abstimmungen aber in unserer Nationalversammlung haben diese Exzesse niemals einen nachweisbaren Einfluß geübt; oder Herr Bassermann müßte denn die Vertreter des preußischen Volkes, tapfere und muthige Männer, der Feigheit bezüchtigen wollen. Wie leichtgläubig Herr Bassermann ist, wie gern er sich Mährchen erzählen läßt und daran glaubt, beweiset seine Erzählung von den kurzen Messern und Handbeilen, mit welchen auf das Verlangen eines Volksredners Tausende von Menschen eines Abends am Schauspielhause erschienen Es kann das nur eine Episode aus dem Traume eines Republikaners sein, den Herr Bassermann mit seinem reaktionären Instinkte belauscht hat. — Jede Behauptung in dem Berichte, welchen die deutsche Nationalversammlung zu Frankfurt aus dem Munde ihres diplomatischen Agenten zu vernehmen Geduld und Zett fast verschwendet hat, trägt an sich den Stempel thörichter Leichtgläubigkeit und erbarmenswerther Uebertreibung; das Ganze ist ein Gewebe von Entstellung und Verwirrung, in welchem sich nur der beschränkteste Unterthanenverstand gefangen nehmen lassen kann.
Der Gesichtskreis des Herrn Bassermann wird heiter, als er die Truppen unter General Wrangel in Berlin einrücken sieht; die Stadt gewinnt ihm zufolge alsbald ein verändertes Ansehen, was seine Richtigkeit hat; denn 15,000 Mann Truppen mit der gehörigen Artillerie auf Straßen und Plätzen aufgestellt, müssen die Physiognomie einer Stadt verändern, die Straßen lebhafter machen. Wenn Herr Bassermann von dem wiedergekehrten Gefühl der Sicherheit bei den Bürgern spricht, so kann er damit nur die Sicherheit meinen, welche Jemand empfindet, der in's Gefängniß gesteckt worden ist.
Was der Berliner Bürger von dieser Sicherheit im Belagerungszustande hielt, konnte der Frankfurter Agent leicht bei der Bürgerwehr und allen für das öffentliche Wohl und die Freiheit besorgten Einwohnern der Stadt in Erfahrung bringen; er benutzte indeß seine Zeit zu vergeblichen Vermittelungsversuchen, und entnahm daraus Stoff zur Erzählung von Mährchen, die er der deutschen National-Versammlung auftischte.
Doch kommen wir zum Schluß mit Herrn Bassermann: er ist nach Berlin gereist, und hat sich hier mehrere Tage ruhig und gefahrlos aufhalten können, trotz der von ihm entdeckten Anarchie, während seine früheren Collegen, die Herren Hecker und v. Itzstein, zur Zeit der dem Herrn Bassermann erwünschten Polizeiruhe die Stadt augenblicklich verlassen mußten; er erblickt den Traum eines Republikaners an den S[t]raßenecken, und wird dadurch vollkommen verwirrt; er sieht nur noch Banditen in der Berliner Bevölkerung mit Beilen, Messern, Stricken, Brandfackeln, erblickt die Laternenpfähle voll von Leichen, und kehrt mit diesen gräulichen Bildern seiner Phantasie nach Frankfurt zurück, um die dortige Versammlung mit einem traurigen Pilgerbericht über Berliner Zustände zu unterhalten. —
Wir vermögen in dem Bassermann'schen Berichte über Berliner Zustände höchstens flüchtige Reiseeindrücke, die aller Wahrheit entbehren, zu erblicken, und müssen gegen die Tendenz desselben auf's Entschiedenste protestiren, mag nun derselbe aus Selbsttäuschung oder, was wir nicht annehmen mögen, aus Böswilligkeit entsprungen sein. —
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@facs0850
Verhandlungen des Gemeinderaths zu Köln.
Außerordentliche Sitzung vom 2. Dezember 1848.
Der Vorsitzende verlas ein Schreiben des Herrn Kusters aus Leipzig vom 17. vorigen Monats, wonach sich dorten ein Comite zur Unterstutzung der Hinterbliebenen von Robert Blum gebildet hat, welches beabsichtigt, für die als Pensionärin 2. Klasse im hiesigen Bürgerhospital lebende Mutter von Robert Blum Fürsorge zu treffen und ihr durch diesseitige Vermittelung einen Geldbetrag zu überweisen.
Der Gemeinderath beschließt, daß die Stadt Köln die Verpflegungskosten der Frau Blum übernehme und beauftragte, nach Beseitigung des Antrags eines Mitgliedes, derselben durch eine Deputation des Gemeinderaths Kenntniß von diesem Beschlusse zu geben, die anwesenden Mitglieder der Hospitalverwaltung, der Pensionärin anheim zu stellen, ob sie aus der 2. in die 1. Verpflegungsklasse übergehen wolle. Dem Comite zu Leipzig soll es überlassen bleiben, inwiefern dasselbe die Bewilligung von Geldbeträgen für die Mutter des Robert Blum dennoch für gut halte.
Der von einem Mitgliede g[e]stellte Antrag, die unterm 18. v. M. durch eine Deputation an Se. Majestät den König gesendete, aber nicht in dessen Hande gelangte Adresse, nachträglich einzusenden, wurde von der Versammlung mit 16 gegen 6 Stimmen abgelehnt.
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@facs0850
Die „Rheinische Volks-Halle“ enthält folgende Erklärung:
Einer verehrlichen Redaktion der „Rheinischen Volks-Halle“.
In Nr. 155 der „Neuen Rheinischen Zeitung“ ist die Vermuthung ausgesprochen, als sei ich bei der Redaktion Ihres Blattes betheiligt. Sie wurden mir eine große Gefälligkeit erzeigen, wenn Sie in Ihrem Blatte sich darüber aussprechen wollten, ob ich jemals in einem und in welchem Verhältnisse zu demselben gestanden oder noch stehe?
Köln, den 1. Dezember 1848.
v. Hontheim.
Unter dem Ausdruck des Bedauerns, Herrn Hontheim nicht zu unsern Mitarbeitern zu zählen, bezeugen wir, daß der „Rheinischen Volks-Halle“ bis heute auch noch nicht eine Zeile von der Handschrift des genannten Herrn zugekommen ist.
Köln, den 1. Dezember 1848.
Der Herausgeber der „Rheinischen Volks-Halle.“
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@typejArticle
@facs0850
Als Abonnent Ihrer Zeitung erlaube ich mir, Ihnen nachstehendes Faktum zu übersenden mit der Bitte, ihm in Ihrem Blatte ein bescheidenes Plätzchen einzuräumen.
Ich schickte untenstehende Annonce zum Intelligenz-Comtoir zur Insertion, von dort mußte dieselbe erst zu einem General gebracht werden, von wo dieselbe zurückgegeben wurde mit dem Bemerken, das Polizei-Präsidium hat darüber zu bestimmen; im Polizei-Präsidium wurde ganz kurz geantwortet: Nein!!!
Es lassen sich daran so mannichfache Bemerkungen knüpfen, als: v. Bardeleben hat die Censur nicht übernehmen wollen, es mußte also ein willigerer Diener gesucht werden, und der fand sich in der Person des v. Hinkeldey; zweitens ist die Preßfreiheit nicht aufgehoben und dabei hier Censur eingeführt, wo doch ein Jeder für die Artikel, die er einrücken läßt, verantwortlich ist.
Ich überlasse es Ihnen, diesen Aufsatz dem Publikum in einer anderen Fassung zu geben, da ich weder Schriftsteller bin, noch die gehörige Ruhe habe, bei diesen Gewaltmaßregeln mit kaltem Blute zu schreiben.
Meine Annonce lautet folgendermaßen:
Demokratische Bier-Halle.
Königstraße Nr. 53.
Einem geehrten Publikum die ergebene Anzeige, daß mir heut ein lithographirter Befehl des Kgl. Polizei-Präsidiums zugekommen, laut Ukas des General Wrangel, mein Lokal um 10 Uhr Abends zu schließen, widrigenfalls —. Ich lade daher ein geehrtes Publikum ein, mich bis zu der gnädigst festgestellten Zeit mit recht zahlreichem Besuch zu beehren. Mein Bier ist sehr gut.
Berlin, den 24. Novbr. 1848. A. de. Layal.
Handelsnachrichten.
gap: insignificant
Frucht- und Fourage-Preise vom 16. bis 30. Nov.
gap: insignificant
[Anzeigen]
@typejAn
@facs0850
Civilstand der Stadt Köln.
28. Nov.
Geburten.
Gertr., T. v. Jacob Ewerth, Eisengießer, Weberstr., — Gertr Hubert., T. v. Rein. Reimbold, Buchb., unter Goldschm. — Auguste Christ. Alwine, T v. Karl Friedr. Schultz, Kfm, Heumarkt. — Franc., T. v. Peter Zäh, Tischlerges., Weberstr. — Friedr. Wilh., S. v. Joh. Abrah. Esser, Maurer, Gereonsw. — Jacob, S. v. Jacob Bettendorf, Schreinerm., Marienpl. — Phil. Peter, S. v. Phil. Frings, Plattirer, Johannstr. — Hub, S. von Joh. Bern. Hünlinghof, Zuckerarb, Eigelst. — Pet, S. v. Friedr. Ohlemacher, ohne Gew., Weiherstr. — Ein unehel. Mädchen.
Sterbefälle.
Anna Helena Breuer, 78 J. alt, unverh., Andreaskl. — Karl Albert Stuckart, 1 J. 4 M. alt, Weidenbach-Kaserne. — Cathar. Westermann, geb. Böning, 62 J alt, Hochstr. — Joh. Adam Gehlen, Drechsler, 26 J alt, verheir., Hahnenstr. Ludw. Becher, 8 M. alt, Bayenstr. — Margar. Müller, 1 J. 10 M. alt, Maximinenstr. — Joh. Wilh. Spiritus, Sanitätsrath und Kreis-Physikus zu Solingen, 62 J. alt, verheir., Waidm. — Auguste Weidlich, Wittwe Ickes, 35 J. alt, Thieboldsg.
Anzeigen.
@typejAn
@facs0850
Schifffahrts-Anzeige.
Köln, 2. Dezember 1848.
Abgefahren: A. Hartmann nach Bingen und Frankfurt.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Wwe. Joh. Linkewitz. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr L. Ducoffre. Nach Andernach und Neuwied J. Krämer u. H. Schumacher. Nach Koblenz, der Mosel und Saar Jos. Zeiler. Nach der Mosel, nach Trier und der Saar. J. M. Hain. Nach Mainz Ant Bender. Nach dem Niedermain Seb. Schulz. Nach dem Mittel- und Obermain M. Roth. Nach Worms und Mannheim Wwe. A. Dunk. Nach Heilbronn F. Müssig. Nach Bingen A. Hartmann. Nach Kannstadt und Stuttgart L. Hermann.
Nach Rotterdam Kapt. Cösen Köln Nr. 15.
Nach Amsterdam Kapt. Kalfs Köln Nr. 2.
Rheinhöhe am 2. Dez. 9′ 6 1/2″.
@typejAn
@facs0850
Bekanntmachung.
Da es den bisherigen Bemühungen ungeachtet noch nicht gelungen ist, die Verfertiger der hin und wieder zum Vorscheine gekommenen falschen preußischen Banknoten à 25 Thlr. und 50 Thlr. zu entdecken, so wird hiermit Jedem, der zuerst einen Verfertiger oder wissentlichen Verbreiter falscher preußischer Banknoten den Behörden dergestalt anzeigt, daß er zur Untrrsuchung und Bestrafung gezogen werden kann, eine Belohnung von dreihundert Thalern, und wenn in Folge der Anzeige auch die Beschlagnahme der zur Verfertigung der falschen Banknoten benutzten Formen, Platten und sonstigen Geräthschaften erfolgt, eine Erhöhung dieser Belohnung bis zu fünfhundert Thalern zugesichert. Wer Anzeigen dieser Art zu machen hat, kann sich an jede Orts-Polizei-Behörde wenden und auf Verlangen der Verschweigung seines Namens sich versichert halten, in so fern diesem Verlangen ohne nachtheilige Einwirkung auf das Untersuchungs-Verfahren zu willfahren ist. Zugleich wird hierdurch die Mitwirkung des Publikums mit dem Anheimgeben in Anspruch genommen, bei dem Empfange von preußischen Banknoten deren Buchstaben, Nummer, Betrag und den Zahlenden sich zu merken, was, da alle Banknoten über großere Summen lauten (zu 25 Thlr., 50 Thlr., 100 Thlr. und 600 Thlr.), in der Regel ohne zu große Mühe thunlich ist. Es wird dies wesentlich dazu beitragen, dem Verbrecher auf die Spur zu kommen und den Ersatz des Schadens zu erlangen.
Berlin, 10. August 1848.
Der Chef der preußischen Bank.
Im Allerhöchsten Auftrage: (gez.) v. Lamprecht.
Vorstehende Bekanntmachung wird hiermit republizirt.
Berlin, 21. Nov. 1848.
Der Chef der preußischen Bank.
In Vertretung: (gez.) v. Lamprecht.
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Zu verkaufen eine eiserne Achse, zwei kupferne 8 Pfund schwere Büchsen, Friesenstraße Nr. 85.
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Brodpreis der Stadt Köln.
Vom 3. bis zum 9. Dez.
Ein Schwarzbrod von 8 Pfd. soll kosten 4 Sgr. 6 Pf.
Köln, 3. Dez. 1848.
Der interimistische Polizei-Direktor, Geiger.
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Bekanntmachung.
Mittelst Allerhöchster Verordnung vom 24. Mai d. J. (G.-S. Nr. 29 pr. 1848) ist vorgeschrieben worden, daß die preuß. Post-Anstalten bei Aufgabe von Briefen oder Brief-Adressen auf Verlangen baare Zahlung in Beträgen bis zu fünfundzwanzig Thalern aufwärts einschließlich zur Wiederauszahlung an einen bestimmten Empfänger im Bereiche des preuß. Post-Verwaltungs-Bezirkes anzunehmen verpflichtet sein sollen. Durch diese Allerhöchste Bestimmung wird dem Geldverkehr in kleinen Beträgen eine wesentliche Erleichterung gewahrt, indem danach die Uebermittelung mäßiger Summen mit weniger Mühe, größerer Sicherheit und größtentheils für geringere Kosten wird erfolgen können, als bei der baaren Versendung. — Diese neue Einrichtung soll, nachdem die desfalls erforderlichen Vorbereitungen beendigt worden sind, mit dem 1. Dez d. J. zur Ausführung kommen. Dabei ist folgendes Verfahren zu beobachten: Jede preuß Post-Anstalt ist verpflichtet, Einzahlungen von den kleinsten Beträgen bis zu fünfundzwanzig Thalern einschließlich, in kassenmäßigem Gelde auf Briefe oder Brief-Adressen zur Wiederauszahlung an einen bestimmten Adressaten nach Orten innerhalb des preuß. Post-Verwaltungs-Bezirks anzunehmen. Fur die richtige Auszahlung solcher Beträge haftet die Post-Verwaltung in derselben Weise, wie bei der Versendung von Geldern. Die für dergleichen Zahlungsleistungen zu entrichtende Gebühr beträgt einen halben Silbergroschen für jeden Thaler und für jeden Theil eines Thalers. Auf dem Briefe oder der Brief-Adresse muß der Vermerk: „Hierauf eingezahlt ‥‥Thlr. ‥‥Sgr. ‥‥Pf.“ enthalten sein. Die Thalersumme muß in Buchstaben, der Betrag an Groschen und Pfennigen in Zahlen ausgedrückt sein. Seinen Namen braucht der Absender diesem Vermerke nicht beizufügen. Ueber die geleistete Einzahlung wird dem Absender ein Schein ertheilt. Auf Briefe, welche deklarirtes Geld oder Geldeswerth enthalten, ferner auf rekommandirte Briefe und auf Packet-Adressen, es mögen zu denselben ordinäre oder geldwerthe Packete gehören, werden vorläufig baare Einzahlungen nicht angenommen. Vorerst können Briefe oder Brief-Adressen, worauf baare Einzahlungen Statt gefunden haben, nur mit den Fahrposten und den denselben gleichzuachtenden Postengattungen versandt werden. Am Bestimmungsorte wird dem Adressaten ein Formular zum Auslieferungsschein und zugleich der Brief oder die Brief-Adresse behändigt. Gegen den vollzogenen und untersiegelten Schein wird dem Adressaten der Betrag der Statt gefundenen Einzahlung ausgezahlt. Erfolgt die Bestellung des Scheines und Briefes durch den Briefträger, so wird dabei in gleicher Weise verfahren, wie bei der Bestellung des Auslieferungsscheines zu einem Geldbriefe. Die Mitsendung des baaren Geldes durch den Briefträger findet, wenn der Adressat am Orte der Post-Anstalt wohnt, nicht Statt. Wohnt der Adressat im Umkreise der Post-Anstalt, so können mäßige Beträge dem Land-Briefträger zur Auszahlung an die Adressaten mitgegeben werden. Wenn ein Brief, auf welchem eine Einzahlung Statt gefunden hat, nach dem Abgangsorte zurückkommt, so wird derselbe dem Absender gegen Quittung und Aushändigung des Einlieferungsscheines zurückgegeben. Ist der Absender äußerlich nicht zu erkennen, so geht der Brief an die Retour-Oeffnungs-Kommission. Kann auch auf diesem Wege der Absender nicht ermittelt werden, so wird derselbe, wie bei zurückgesandten Geldbriefen zur Empfangnahme öffentlich aufgefordert. Meldet sich der unbekannte Absender nicht, so wird der Brief dem General-Postamte eingereicht und der eingezahlte Betrag zur Post-Armen-Kasse abgeliefert. Die Porto-Tare für dergleichen Uebermittelungen setzt sich zusammen: 1) aus dem Porto für den Brief oder die Brief-Adresse nach den gewöhnlichen Sätzen und 2) aus der Einzahlungs-Gebühr. Die Einzahlungs-Gebühr beträgt als Minimum, nämlich für eine Einzahlung unter und bis zu einem Thaler incl. 1/2 Sgr. und so fort für jeden Thaler oder Theil eines Thalers 1/2 Sgr. Es steht dem Absender frei, die Sendungen frankirt oder unfrankirt aufzugeben; doch kann die Bezahlung des Porto und der Einzahlungs-Gebühr nicht von einander getrennt werden. Bei nachzusendenden Briefen mit Einzahlungen wird das Porto für den Brief nach den für solche Fälle bestehenden allgemeinen Vorschriften erhoben. Die Einzahlungs-Gebühr bleibt sich für alle Entfernungen gleich. Bei zurückzusendenden Briefen mit Einzahlungen wird das Porto und die Gebühr nur für den Hinweg, nicht aber für den Rückweg erhoben. Wenn Behörden, Corporationen oder Personen eine portofreie Rubrik gebrauchen, so kann dieselbe nur auf den Brief Anwendung finden. Die Gebühr für die Einzahlung muß auch in solchen Fällen von dem Absender oder Empfänger entrichtet werden. Das Bestellgeld ist dem für gewöhnliche Briefe gleich. Für Beträge, welche durch die Landbriefträger überbracht werden, ist das Bestellgeld für den Brief und das Geld 2 Sgr. Sobald die Erfahrung das Bedürfniß der einzelnen Post-Anstalten an Zahlungsmitteln für solche Geldzahlungen festgestellt hat, wird das General-Postamt Anordnungen treffen, damit überall die erforderlichen Summen zur prompten Berichtigung der Zahlungen bereit gehalten werden. Auch für den Fall eines, bis dahin etwa hervortretenden ungewöhnlichen Bedürfnisses an Zahlungsmitteln sind die Post-Anstalten mit der nöthigen Instrukttion versehen worden. Es kann indeß in der ersten Zeides Bestehens der neuen Einrichtung dennoch der Fall eintreten, daß einzelne Auszahlungen um kurze Zeit verzögert werden. Wenn gleich solche Fälle thunlichst vermieden werden sollen, so wird doch dieserhalb ein Entschädigungs-Anspruch gegen die Post-Verwaltung nicht erhoben werden können.
Berlin, 23. November 1848.
General-Postamt.
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Die rühmlichst bekannten Stollwerk'schen Brustkaramellen deren treffliche Wirkung sich ganz besonders gegen Heiserkeit, Halsweh und selbst bei schmerzhaftem Auswurf ununterbrochen als ein probates Hausmittel bewährt, und die ihre wohlthuende Kraft dadurch äußern, daß sie für den Leidenden bei ihrem angenehmen aromatischen Geschmacke ein linderndes Mittel bilden, haben sich fortwährend einer so entschiedenen Theilnahme von Seiten des Publikums zu erfreuen, daß dieselben nicht allein in ganz Deutschland, sondern auch in den meisten übrigen Ländern Europa's mit dem günstigsten Erfolge fortwährend verkauft werden, Ich glaube daher auch eine Pflicht gegen alle diejenigen zu erfüllen, welche an den oben erwähnten Uebeln leiden, die von mir fabrizirten Brustkaramellen wiederholt zu empfehlen.
Ich enthalte mich aller weiteren Anpreisungen, da die Karamellen sich durch ihre vortreffliche Wirkung bei allen Konsumenten ungewöhnlichen Ruf und Empfehlung erworben haben, und sich Jeder leicht von der Wahrheit des Gesagten durch einen keineswegs kostspieligen Versuch überzeugen kann
Zur Erleichterung meiner geehrten Abnehmer habe ich in den meisten Städten Europa's Niederlagen errichtet, so auch hier in Köln bei den Herren
C. J. Hoegel, Bobstraße 20
W. T. Kirchner, Hochstraße 78.
W. A. Hospelt, Apostelstraße 9.
H. Gerhartz, Altenmarkt 73.
J. Sauset, unter Kasten.
G. Tonger, Marzellenstraße 1.
Dieselben sind nur in meinen mehrmals öffentlich bekannt gemachten Niederlagen und in Köln nur bei mir und den oben Bezeichneten das Paket à 4 Sgr. oder 14 Kreuzer zu haben.
Franz Stollwerck, Hoflieferant, Schildergasse Nr. 49
@typejAn
@facs0850
Herr Heuser und Hölterhof, Sie suchen die Mitglieder der Eiser'schen Gesellschaft stets zu verdächtigen. Sind darin auch nicht so reiche und große Leute wie in den Kreisen, worin Sie sich bewegen, so sind darin auch nicht so große Verräther und Schurken, als unter Ihren Genossen.
Ein Mann von Eiser.
@typejAn
@facs0850
Als Mittelspersonen zur Ausstreuung unwahrer Gerüchte in Betreff der hiesigen Demokraten, bedient man sich jetzt moralisch verdächtiger, unter polizeilicher Aufsicht stehender Subjekte So hörte man gestern an vielen Orten erzählen, daß man am Abend in der demokratischen Gesellschaft „mehre Spione (Menschen?) morden wolle“ — u. s. w Das moralische Gefühl der Soldaten aber fürchtend wurde diesen beim Appell mitgetheilt, die Demokraten hätten sich in zwei Parteien getheilt, welche am Abend ihre Kräfte gegenseitig erproben würden etc. Hieran knüpfte sich der natürliche Rath, den Verein nicht zu besuchen. Später! Später!
@typejAn
@facs0850
Anfrage.
Sind die Häuser auf dem Neumarkt und der daran gelegene Holterhof in der Hagel-Assekuranz versichert?
@typejAn
@facs0850
Herr Hölterhof.
Was kosten die 12,000 Thaler?
@typejAn
@facs0850
Zum Abrechnen gehören zwei.
(Siehe Kölnische Zeitung 1. Beilage Nr. 323).
Der Freund der Naturwissenschaft wird ersucht, uns zu sagen, ob im Stalle der beiden hölzernen Schimmel keine Esel sind.
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Auf Häuser werden gute Obligationen billig angekauft bei Hol-ter-Hof. Näheres beim Allg.-Adr.-Comptoir Rathhausplatz.
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@facs0850
Bitte! bitte! Herr Stollwerk, geben Sie doch bald den 1. Akt aus:
„Bange machen gilt nicht“ von Heuser und Hölterhof. Mehrere Damen
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Bange machen gilt nicht, aus dem Leben von M. Hölterhof.
Franz Raveaux!
Antworten Sie doch auf die Erbärmlichkeiten eines Klüngler nicht: und denken Herr verzeih Ihm, denn er weiß nicht was er thut.
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Verkauf dreier Pianoforte's.
Von 120 Thlr., 110 Thlr. und 90 Thlr.
Domhof Nr. 13 bei Späner.
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Ein Küfer-Kellner gesucht, bei Halin in der Börse.
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Frankfurter Hof in Köln.
Unmittelbar am Justizgebäude gelegen, empfiehlt sich bei Gelegenheit der, den 27. c. begonnenen Assisen-Verhandlungen.
E. Leonhard.
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ENGLISCHER HOF in Cöln.
Casinostrasse Nr. 1.
Empfiehlt einem reisenden Publikum auf's Angelegentlichste.
Herm. Jos. Thibus.
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Börse bei Halin.
Heute und jeden Sonntag Mittags und Abends große Harmonie.
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Samstag, Sonntag und Montag Rehbraten, Hasenbraten, Schellfische mit Kartoffeln, Bückinge mit Eier etc. bei einem guten Schoppen in der oberländischen Küche, Langgasse 1.
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Der Gerant: Korff.