[0895]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 167. Köln, Mittwoch, 13. Dezember. 1848.
Keine Steuern mehr!!!
Uebersicht
Deutschland. Bonn. (Preußische Heldenthaten.) Berlin. (Aus dem Bericht der Finanzkommission — Schluß.) Wien. (Neue Hinrichtung.) Kremsier. (Reichstagssitzung vom 6. Decbr.) Krasna. (Einfangung ungarischer Husaren.) Leobschütz. (Die desertirten ungarischen Husaren). Hohenasberg. (Urtheil gegen Soldaten des 8. Reg. — Offiziersbrutalitäten.)
Französische Republik. Paris. („La Commune sociale“ über das Manifest des demokratischen Kongresses zu Berlin. — Lamoricière's Maaßregeln gegen Offiziere der demokratisch-socialen Parthei. — Ledru-Rollin und Raspail als Präsidentschaftskandidaten. — Karrikaturen. — Bewegung in Paris. — Volkshaufen. — Bedrohung der Garde mobile. — Aufregung der Arbeiter in Lyon. — Proklamation des dortigen Maire's. — Depesche aus Gaeta. — Abstimmung in Marseille. — Verurtheilung der Rouener und Elbeufer Arbeiter.)
Dänemark. Ein Bericht aus Island.
America. Montevideo. (Die englische Vermittlung. — Rofas.)
Neueste Nachrichten. Köln. (Furcht vor den Franzosen.)
Deutschland.
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@facs0895
[ 43 ] Bonn, 11. Dez.
Gestern hatten die Demokraten des Kreises Rheinbach eine Volksversammlung in dem geräumigen Saale des Gastwirthes Habbig zu Miel zusammenberufen und die Bonner eingeladen, sie durch Redner zu beschicken. Große Gefahr für den Staat, größere vielleicht für den geliebten Bürgermeister! Unter dem im Monat Dezember ziemlich lächerlichen Vorwande, die Versammlung solle im Freien gehalten werden, sandte der Commandant von Bonn, Herr Oberst-Lieutenant von Götze, eine halbe Compagnie Siebenundzwanziger und eine halbe Schwadron Dragoner nach Miel, welche gleichzeitig mit den bonner Abgeordneten in die Feldflur des Dorfs, und bald auch ins Dorf selbst einrückten. Daselbst blieben sie die Nacht hindurch im Quartier und kehrten, im Hochgefühl einer niedergedrückten Revolution, heute früh 12 Uhr quasi re bene gesta hierher nach Bonn zurück.
Wenn ein Dorf eine Volksversammlung hält, so bekommt es sogleich ungebetene Mitesser. Die Einquartierung revidirt im Namen des Königs die Speisekammer der Bauern, sie stärkt sich dadurch im Republikanerhaß und nährt am Kochheerd ihre feurige Liebe zum Königthum: agupe in cacabis fervet, sagt der alte grobe Kirchenvater Tertullian, der dafür auch nicht in dem Heiligenkalender Aufnahme gefunden hat.
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@facs0895
[ * ] Berlin, 10. Dezember.
Die zukünftige deutsche Centralgewalt und das persönliche Verhältniß der preußischen Krone zu dem Repräsentanten dieser Centralgewalt bildet noch immer einen hervorragenden Gegenstand der Berathungen an unsern und an andern deutschen Höfen. Namentlich hängt die letzte Anwesenheit des Prinzen Karl von Baiern innig mit dieser Angelegenheit zusammen. Einmal nämlich steht es ziemlich fest, daß Baiern positiven Einspruch gegen die Verleihung der deutschen Kaiserkrone an das Haus Hohenzollern erhoben hat. Wem die halboffiziellen Artikel des Rürnberger Correspondenten über die baierische Opposition gegen Preußen noch nicht völlige Gewißheit gegeben haben, der kann dieselbe aus dem bissigen Artikel schöpfen, welchen heute Morgen das, mit Gagern in ziemlich engem Parteizusammenhang stehende Organ unseres rechten Centrums, die deutsche Reform, gegen das oben erwähnte baierische Blatt bringt. Andererseits wird uns aus sehr achtbarer Quelle berichtet, die Anwesenheit des Prinzen Karl von Baiern habe auch den Zweck gehabt, den preußischen Hof zu bewegen, daß er seine Einwilligung darin gebe, bei der nächstens unvermeidlich eintretenden Abdankung des Reichsverwesers Erzherzog Johann, den genannten baierischen Prinzen an dessen Stelle treten zu lassen. Preußischer Seits ist dies entschieden abgelehnt worden. Man verfolgt vielmehr von Seiten unseres Hofes den Plan, den Prinzen Karl von Preußen zum Reichsverweser proklamiren zu lassen, falls nicht die baierische Opposition gegen das preußisch-deutsche Kaiserthum vorher beseitigt werden kann.
Aufmerksame Beobachter der hiesigen Vorgänge werden sich erinnern, daß der Major von Sommerfeld, welcher an der Spitze einer Abtheilung des 12. Infanterie-Regiments die Austreibung eines Theiles des Bureaus der Nationalversammlung aus dem Saal des Schützenhauses am 13. November zu leiten hatte, bald darauf erst zur Disposition gestellt ward und dann seinen Abschied erhielt. Wir erfahren jetzt folgende interessante Einzelnheiten über die Ursachen und den innern Zusammenhang dieser Maßregel. Bei der Expedition gegen das Schützenhaus war auch ein junger Sekonde-Lieutenant, von Wiedburg, verwandt worden. Dieser, ein entschiedener Demokrat, hatte seinen politischen Ueberzeugungen Gewalt angethan, so lange er in amtlicher Thätigkeit gestanden. Als er aber am Abend desselben Tages seine dienstlichen Pflichten erfüllt hatte, glaubte er auch seinen individuellen politischen Ueberzeugungen Genüge thun zu müssen. Er schrieb daher zwei Briefe; den einen an den Major von Sommerfeld, den andern an den Präsidenten der Nationalversammlung v. Unruh. In beiden setzte er auseinander, daß nach seiner Ueberzeugung die Nationalversammlung vollkommen im Recht sei, und diejenigen, die Gewalt gegen sie befehlen und anwendeten, nicht besser als Hochverräther. Er selbst habe nur mit größtem Bedauern seine Pflicht des passiven Gehorsams gegen die Befehle der Obern erfüllt. Unvorsichtigerweise ließ der junge Offizier beide Briefe von dem Bataillonsschreiber mundiren, und dieser letztere beging die Indiscretion, von dem Inhalt beider Briefe einem ihm befreundeten Lehrer an einer hiesigen Elementarschule Mittheilung zu machen. Dieser seinerseits beging die Schurkerei, Wrangel davon in Kunde zu setzen. Die natürliche Folge war, daß der Lieutenant von Wiedburg sofort aggregirt und nach Spandau geschickt wurde, wo in diesem Augenblick eine Untersuchung gegen ihn schwebt, da er beschuldigt ist, über die Operationspläne des General Wrangel, von denen er als Bataillonsadjutant Kunde hatte, an Klubpräsidenten verrathen(?) zu haben. Die Aggregation findet sich im amtlichen Militär-Wochenblatt Nr. 49 unter dem Datum des 16. Nov. Major von Sommerfeld aber verfiel den obenerwähnten Strafen, weil er den Brief seines Adjutanten nicht von selbst den höheren Militärbehörden denuncirt hat.
Arnold Ruge ist gestern wieder hier angekommen und hat bereits bei General Wrangel durch seinen Rechtsanwalt die nöthigen Schritte thun lassen, um das Wiedererscheinen der Reform möglich zu machen.
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[ * ] Berlin.
Aus dem Bericht der Finanzkommission.
(Schluß).
Spezial-Rechnung VI. Dispositions-Fonds.
1) Landrath Graf von Keller in Erfurt hat zur Erziehung seiner drei Kinder jährlich 300 Thlr. erhalten.
2) v. Lengefeld, Oberst a. D. in Anclam, für zwei Söhne bis zum 20. Lebensjahr jährlich 200 Thlr.
3) Geheimer Justiz-Rath v. d. Hölle in Gr. Glogau, Erziehungsgeld für drei Söhne jährlich 300 Thlr.
4) Für zwei Söhne des verstorbenen Grafen von Schwerin, Erziehungsgeld jährlich 500 Thlr.
5) Lieutnant von Schlickfuß in Görlitz bis zu seiner Beförderung zum Hauptmann. jährlich 300 Thlr. etc.
Die ganze Ausgabe beträgt 448,617 Thlr. 20 Sgr.
Spezial-Rechnung VII. Hauptextraordinarium.
1) Aus diesem Fonds sind die Reisekosten, für die im Gefolge des Königs Majestät sich befundenen Mitglieder des geheimen Civil- und Militair-Cabinets, desgleichen die Diäten, einiger Beamten, als z. B. die des General-Lieutenant von Neumann, während des Aufenthalts in Potsdam etc. gezahlt.
Im ganzen sind unter dieser
Benennung verausgabt 15,847 Thl 28 Sgr. 1 Pfg.
4) Auf die Verwaltung der Domainen und Forsten sind außerordentlich verausgabt 43,494 Thl. 25 Sgr. 1 Pfg. und darunter an den Geheimen-Ober-Finanz-Rath Senfft von Pilsach, welcher einen fixirten Gehalt von 4000 Thlr. hat:
a. Reisekosten in Melioriationsangelegenheiten 3,488 Thlr. 3 Sgr. 8 Pf.
b. Büreaukosten 1,940 Thlr. 0 Sgr. 0 Pf.
5,428 Thl. 3 Sgr. 8 Pfg.
9) Kommandirende General Graf zu Dohna in Königsberg, Beihilfe, jährlich 2,000 Thlr.
N. B. Verausgabt unter Titel: Geschenke und Unterstützungen.
10) Hoffmaur, wirklicher geheimer Ober-Regierungsrath a. D., Beihilfe als Zuschuß zu seiner Pension, jährlich 728 Thlr. 10 Sgr.
11) Familie des verstorbenen General von Grolmann, Geschenk zur Errichtung eines Familien-Fidei-Commisses 26,250 Thl.
12) Ober-Präsident Bötticher, außerordentliches Geschenk, 3000 Thlr.
13) Minister Eichhorn, Geschenk mit Bezug auf die General-Synode 1,000 Thlr.
N. B. Im Ganzen sind aus diesem Fonds als Geschenke und Unterstützungen ausgegeben 82,720 Th. 25 Sg. 6 Pf.
14) Sub Titel Gehalts-Vorschüsse und zinsenfreie Darlehen sind ausgegeben 279,577 Thlr 26 Sgr.
15) Bei dem Titel, zu verschiedenen Zwecken, stehen unter andern aufgeführt:
a. Wilhelm, Prinz v. Preußen, Königl. Hoheit, als Gouverneur von Mainz, 5,000 Thlr.
b. General-Lieutnant v. Hueser, Zulage als Vice-Gouver-von Mainz, 6,000 Thlr.
c. Bauten im Theater, 13,500 Thlr.
d. Für Herstellung und Einrichtung des Schlosses in Coblenz und der damit in Verbindung stehenden Gartenanlagen 139,734 Thlr. 26 Sgr.
N. B. In Summa sind bei diesem Titel verausgabt 230,794 Thlr.
16) Die ganze Ausgabe des Haupt-Extraordinariums beträgt 1,431,088 Thlr. 13 Sgr. 4 Pfg.
Spezial-Rechnung VIII. Extraordinarien-Etat.
Unter den Ausgaben dieses Etats befinden sich:
1) Zur Ausführung der Sculpturen an den größern Kunstbauten in Berlin sind verausgabt 110,000 Thlr. [Fortsetzung]
[Feuilleton]
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Leben und Thaten des berühmten Ritters Schnapphahnski.
Zweite Abtheilung.
Vorspiel an die Leser.
Als der Verfasser des Lebens und der Thaten des berühmten Ritters Schnapphahnski die ersten Arabesken seiner wundervollen, affen- und ebentheuerlichen Geschichte schrieb, da fiel es ihm im Traume nicht ein, daß zur Belohnung für all' die herrlichen Erzeugnisse seines unsterblichen Geistes, einst ein Gerichtsvollzieher bei ihm erscheinen werde, um ihn mit würdiger Miene, aber in sehr nachdrücklichem Tone vor den Herrn Instruktions-Richter des Königlich-Preußischen Landgerichtes in Köln zu citiren.
Der Verfasser des Schnapphahnski hielt sich bisher für einen der unschuldigsten Menschen unsres verderbten Jahrhunderts. Er hatte sich oft darüber geärgert — denn nichts ist langweiliger und uninteressanter als die Unschuld. Als er aber den Gerichtsvollzieher sah und den Erscheinungsbefehl, in dem es klar und deutlich zu lesen war, daß er sich binnen zwei Tagen in dem Verhörzimmer des Richters melden solle, widrigenfalls nach der ganzen Strenge der Gesetze gegen ihn verfahren werde — kurz, als er sich davon überzeugte, daß man ihn für nichts mehr und nichts weniger als einen — Verbrecher halte: Da sprang er empor mit dem Schrei des Entzückens, mit dem Jubel der Freude, ob der endlich verlorenen Unschuld — er warf den Sessel um, und den Tisch und Alles was darauf stand, und wäre fast dem Gerichtsvollzieher um den Hals gefallen, um ihn zu herzen und zu küssen, und ein über das andere Mal frohlockte er: ich bin ein Verbrecher! ein Verbrecher! Verbrecher!
Die Freude des Verfassers hat sich seitdem in etwa gelegt. Er erschien nemlich wirklich vor Gericht und es wurde ihm plötzlich sehr seltsam zu Muthe. Das heilige Gerichtsgebäude der fröhlichen Stadt Köln machte trotz alle dem einen unangenehmen Eindruck auf ihn. Mit den zwei nach vorn gekrümmten Seitenflügeln, schien es ihn, wie mit zwei abscheulichen Armen ergreifen und nicht wieder loslassen zu wollen. Und als nun gar rechts einige Erzengel der Gerechtigkeit mit langen Schleppsäbeln und großen häßlichen Schnurrbärten aufmarschirten und links Advokaten, Instruktionsrichter und Landgerichtsräthe — alles Leute, die am Abend, im Wirthshause, bei einer Flasche Wien ganz manierlich aussehen — in langen, wallenden Talaren, mit weißen Beffchen und altmodischen, höchst schauerlichen Mützen vorbeispazierten: da regte sich mit einem Male eine gewisse Stimme in der Seele des Angeklagten und sprach: „Wehe dir, wenn du etwas Böses gethan hast; mit der heiligen Themis ist nicht zu spassen!“
Doch was soll ich meinen Lesern die Gemüthsbewegungen des unglücklich-glücklichen Verfassers noch weiter schildern —? Was geht meine Leser der Verfasser an? — — wenden wir uns daher zu dem Prozesse selbst.
Die Anklage lautet auf Verläumdung. Cervantes verläumdete den Don Quixote, Louvet verläumdete den Chevalier Faublas, ich soll den Ritter Schnapphahnski verläumdet haben. Das ist schrecklich!
Hat man den Cervantes gehängt? Nein. Hat man den Louvet guillotinirt? Nein. Wird man mich köpfen? Wer weiß es? Es wäre schade um mich. Es giebt nichts schlimmeres auf Erden, als wenn man den Kopf verliert.
Einstweilen besitze ich ihn noch und hin und her habe ich mich besonnen, ob es wohl schon je so etwas gegeben hat, was dem Prozesse Schnapphahnski ähnlich sah. Die heilige Justiz möge mir verzeihen, wenn ich ihr unrecht thue — ich konnte noch nichts finden. Und nähmt ihr die Flügel der Morgenröthe und flögt bis zum äußersten Meere: ihr fändet noch keinen zweiten Prozeß Schnapphahnski.
Das Einzige, was ihm entfernt ähnlich sieht, finden wir aufgezeichnet in dem 11ten und 12ten Kapitel des 2ten Buches der „Erschrecklichen Heldenthaten und Ebentheuer Pantagrueli, der Dipsoden König, in sein ursprünglich Naturell wiederhergestellt durch Meister Alcofribas, der Quintessenz Abstraktor.“ Ich brauche meinen Lesern nicht zu bemerken, daß dieser Alcofribas, niemand anders ist als: Meister Franz Rabelais, der Arzenei Doktoren.
Meister Franz schildert uns in dem erwähnten Kapitel seines unübertrefflichen Werkes, für das er ebenfalls weder gehängt, guillotinirt, noch geköpft wurde: den Prozeß Leckebock-Saugefist. Um meinen Lesern einen Vorschmack von dem möglicherweise zum wirklichen Ausbruch kommenden Prozeß Schnapphahnski zu geben, führe ich das Plädoyer jenes merkwürdigen Falles wörtlich an:
„Da sprach Pantagruel zu ihnen: Seid ihr es, die ihr den großen Streit mit einander habt? — Ja, gnädiger Herr — antworteten sie. — Und welcher von Euch ist der Kläger. — Ich bin's, sprach Herr von Leckebock. — Nun, mein Freund so erzählet uns also Punkt für Punkt euren Handel rein nach der Wahrheit: denn bei dem hohen Sakrament! wo ihr auch nur ein Wort dran lügt, hol' ich den Kopf euch von den Schultern, und will euch weisen, daß man in Rechten und vor Gericht nur die lautere Wahrheit sagen soll. Darum hütet euch also wohl, eurer Sache etwas zuzusetzen oder davonzuthun! Saget an.
Da begann denn Leckebock wie folgt: Gnädigster Herr, es ist wohl wahr daß eine brave Frau meines Hofes Eier zu Markte trug — bedeckt euch, Leckebock, sprach Pantagruel. — Großen Dank, Herr, sagt der Junker: doch weiter im Text: zwischen den beiden Wendezirkeln kam sie sechs Kreuzer zenithwärts und einen Stüber, in Betracht daß die Riphäischen Berg dies Jahr sehr unfruchtbar an Gimpelschwänzen gewesen waren, mittelst eines Aufruhrs, der sich zwischen den Kauderwelschen und den Accusirnern [0896] erhoben, wegen der Rebellion der Schweizer, die sich auf Fünfzig an der Zahl zum Heereszug gen Neuennadel versammelt hatten, im ersten Loch des Jahres, da man die Supp den Ochsen, und den Jungfrauen den Kohlenschlüssel zum Haberschmaus für die Hund verabreicht. Die ganze Nacht ward (Hand am Pot) nichts weiter geschafft, als daß man Bullen expedirt auf Posten zu Fuß und Knecht zu Roß, um alle Käse in Beschlag zu nehmen, denn die Schneider wollten ein Blaserohr aus den gestohlenen Flicken machen, den Ocean zu überdachen, der damals nach der Heubinder Meinung mit einem Krautgemüs schwanger ging. Aber die Physici meinten, 's wäre an seinem Wasser kein Zeichen zu sehen, so deutlich wie am Fuß des Trappen, Hellebarden mit Senf zu pappen, wofern nicht die Herrn Oberrichter der Syphylis aus Be Moll verböten, hinter den Laubwürmern drein zu stoppeln, und also während des Gottesdienstes spazieren zu gehen. Ha, ihr Herren, Gott helf uns weiter nach seinem Rath, und wieder des Unglücks böse Tücke zerbrach ein Kärrner nasenstüblings seine Peitsche: denn das Gedächtniß verrauchet oft, wenn man die Hosen verkehrt anzeucht. — Hier sprach Pantagruel: Sacht, mein Freund, nur sacht! sprecht langsam, ereifert euch nicht, Ich versteh' den Kasus; fahret fort.“
Und Leckebock fuhr fort, noch eine halbe Stunde lang zu reden, in bisheriger Weise. Nachdem er sich aber aller seiner Weisheit entledigt hatte, setzte er sich und murmelte: „Demnach, Gestrenger, bitt ich schön, Euer Hoheit woll in dieser Sach erkennen und sprechen was Rechtens ist, nebst Kosten, Zinsen und Schadenersatz.“
Da erhob sich Herr von Saugefist; er räusperte sich vier und sechszig Mal und erwiderte: „Gnädigster Herr, und ihr andern Herrn, wenn die Bosheit der Menschen so leicht nach kategorischem Urtheil erkannt würd', als man die Mücken im Milchnapf sieht, so würd' das vier Ochsen-Land von den Ratzen nicht so zerfressen sein als es ist, und manche zu schimpflich gestutzte Ohren würden annoch auf Erden sein. Denn obschon, was die Geschichte des Facti und den Buchstaben anbetrifft, des Gegners Bericht auf ein Härlein wahr ist, so sieht man doch gleichwohl, meine Herren, die Listen, Schlich und die feinen Häklein, und sieht wo der Hund begraben liegt. Ey, heilige Dam! man kann den Schnabel nicht mit Kuhmist heitzen, ohne sich Winterstiefel zu kaufen, und die Schaarwache kriegt ein Klystier-Decoct oder den Kackstoff. Muß man deßhalb die hölzernen Bratspieße schmoren? Doch der Mensch denkt und Gott lenkt, und wenn die Sonne hinunter ist, sitzt alles Vieh im kühlen Schatten. Anno Sechs und dreißig kaufte ich mir noch einen Fuchsschwanz. Er stand sein hoch und kurz; die Woll' so ziemlich, aber gleichwohl hing der Notar sein Cetera dran.
Ich bin kein Studierter, aber im Buttertopf, wo die vulkanischen Instrumente besiegelt wurden, ging das Gerücht, der gepökelte Ochs der spürt den Wein in stockfinsterer Mitternacht ohne Licht aus, und stäcke er auch zu unterst im Sack des Kohlenbrenners. Zwar ist an dem, daß die vier Ochsen, von denen die Rede ist, einigermaßen ein etwas kurz Gedächtniß hatten, doch was die Murrner anbetrifft, so hätten sie auch bei der Hundshochzeit zum Garaus geblasen und der Notar hätte auf kabbalistisch seinen Rapport darüber erstattet, daß sechs Morgen Wiesenland keine 3 Flaschen Dinte geben.“
So sprach auch Saugefist noch eine lange Weile. Als er aber ebenfalls ausgeredet, erhob sich Pantagruel, rief alle Präsidenten, Räthe und Doctores zusammen und sprach zu ihnen: Wohlan ihr Herren, ihr habt nun vivae vocis oraculo den Handel gehört, davon die Red' ist; was dünkt euch dazu?
Und sie antworteten: Freilich haben wir's gehört, aber wir verstanden für'n Teufel auch nicht ein Wörtlein davon. Bitten Euch demnach una voce unterthänigst um die Gunst, daß Ihr nach eurer Einsicht wollt das Urthel sprechen.
Da nahm Pantagruel das Wort und sprach: Auf Vernehmen, Anhörung und reifliches Erwägen des Streites der Herren von Leckebock und Saugefist, erkennt das Gericht, daß: in Betracht dessen und dessen und in Erwägung, daß die Glas-Molken auf nächsten Mai in Mitten August zahlbar sind, und die Guttural-Beinschellen durch Heu verstopft werden müssen, jene zu leisten schuldig sind und Freund wie vor, ohne Kosten, aus Ursach.“
Also lautete die Fällung des Urtheils und beide Theile gingen zufrieden mit dem Bescheid von dannen, welches schier ein unglaublich Ding war: denn seit dem großen Regen hätt' man noch nicht erlebt und wird's auch schwerlich in dreizehn Jubeljahren erleben, daß zwo uneinige Parteien in einem Rechtsstreit ebenmäßig das Endurtheil gut heißen sollten.
Die übrigen anwesenden Räthe und Doctoren aber saßen dort wohl noch an drei Stunden steif und starr in stummer Verzückung, außer sich für Staunen ob des Pantagruels übermenschlicher Weisheit, welche sie aus Entscheidung dieses so schweren und kitzlichen Handels klar erkannten. Und säßen noch allda, wenn man nicht Essig und Rosenwasser die Fülle gebracht hätte, zu Erweckung ihrer fünf Sinne und Lebensgeister, da denn Gott ewig Lob für sei. —“
So weit Alcofribas, der Quintessenz Abstraktor.
Vor dem Prozeß der Herren Leckebock und Saugefist gab es keinen ähnlichen; und nach ihm gab es nur den des berühmten Ritters Schnapphahnski.
Erwarten wir von ihm das Möglichste. Oeffentlich, werde ich an den meistbietenden Advokaten die Ehre mich zu vertheidigen, verkaufen lassen.
Unsterblich kann er sich machen, durch meine Vertheidigung! Denn meinen Prozeß werde ich besingen, in Jamben in Da[unleserlicher Text]tylen, in Trochäen,
„In Spondeen und Molossen,
In antiken Verskolossen —“
der Gegenwart zur Lust, der Nachwelt zu unauslöschlichem Gelächter.
(Ende des Vorspiels.)
[Deutschland]
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@facs0896
[Fortsetzung] 4) Zur Fortsetzung des Baues des Normal-Krankenhauses in Berlin verausgabt 200,000 Thlr.
5) Zur Fortsetzung des Dombaues in Cöln 50,000 Thlr.
6) An die Rent-Amts-Kasse Berlin zu den Verschönerungs-Anlagen im Thiergarten, auf dem Fasanerie-Terrain und auf dem Exercierplatz. 23,132 Thlr.
9) Zu den Immediatbauten in Potsdam jährlich 30,000 Thlr.
10) Zur Allerhöchsten Disposition noch einen Reseve-Fond von 49,595 Thlr 24 Sgr 6 Pfg. vorbehalten etc.
Seehandlungs-Institut.
Bei der Seehandlung werden angeblich nur kaufmännische Bücher, aber nicht vollstündige Rechnungen geführt. Zur Einsicht der Bücher, glaubte die Deputation nicht beauftragt zu sein.
(Und warum nicht?)
Nach Lage der Rechnungen der General-Staats-Kasse hat das Seehandlungs-Institut seit seinem Bestehen zur Staats-Kasse abgeliefert:
im Jahr 1845. 100,000 Thlr.
im Jahr 1846. 100,000 Thlr.
Ueberhaupt 200,000 Thlr.
Dagegen hat dasselbe im Jahr 1848. aus dem Staatsschatz empfangen 1,000,000 Thlr.
Aus der speziell geprüften Rechnung der Regierungs-Hauptkasse zu Königsberg, entlehnen wir folgende Einzelposten.
1) An sämmtliche Kassenbeamte und auch an Solche, welche ansehnliche Gehalte beziehen, sind Gratifikationen von resp. 50, 75, 100 bis 120 Thlr. gezahlt.
2) Die Schloßbeamten in Königsberg mit Einschluß des dasigen Stadtmusikus beziehen jährlich 1047 Thlr. 10 Sgr.
3) Für mehrere Reparaturen in der Wohnung des Oberpräsidenten Bötticher sind verausgabt 3080 Thlr.
4) Mehrern Bureaubeamten sind unverzinsliche Vorschüsse zur Bezahlung ihrer Schulden verabreicht.
5) Die Vorschußreste haben bis ultimo 1846 40,079 Thlr. betragen.
Aus der Spezialrechnung G. von der Verwaltung des Innern.
1) Der Landrath in Osterod zahlt an Miethe für die Wohnung im Schlosse nur 40 Thlr.
Aus der Spezialrechnung H. von der Verwaltung des geistlichen und Unterrichtswesens.
1) Die Schloßkirche zu Königsberg erhält einen jährlichen Zuschuß von 1250 Thlr. und außerdem werden aus der Staatskasse noch die Hofprediger besoldet.
2) Die Reisekosten eines Provinzial-Schulraths haben 982 Thlr. 7 Sgr. 6 Pf. betragen.
Aus der Spezialrechnung L. von den Besoldungen und allgemeinen Verwaltungskosten.
1) Von 4 Subalternenstellen sind an Gehalten gegen den Etat 1536 Thlr. 12 Sgr. 6 Pf. erspart und diese unter die ältern Regierungssekretäre vertheilt, dagegen zur Besoldung der Supernumerarien dem Etat zugesetzt 2400 Thlr. Außerdem sind für Nebengeschäfte noch bedeutende Gratifikationen verabfolgt.
2) Der Ober-Landforstmeister hat zur Haltung eines Schreibers eine besondere Entschädigung von 243 Thlr. 10 Sgr. empfangen.
3) An Diäten und Fuhrkosten in allgemeinen Verwaltungsangelegenheiten sind verausgabt 13,226 Thlr. 17 Sgr. 3 Pf.
4) Zu den Dienstbedürfnissen für das Regierungskollegium mit Einschluß der Kosten für Schreibmaterialien sind 10,106 Thlr. 18 Sgr. verausgabt und außerdem noch an die Beamten als fixirte Vergütung 1138 Thlr. 15 Sgr. gezahlt.
5) Dem Oberpräsidium sind 2000 Thlr. zur Disposition gestellt und diese zum größern Theil auf Remunerationen ausgegeben. Ein einzelner Subalternbeamter im Oberpräsidial-Bureau hat 370 Thlr. bezogen.
Aus der Rechnung der Regierungs-Hauptkasse zu Stralsund.
1) Unter A. Abtheilung III. Titel 6 der Einnahme finden sich 2 Prozent Tantieme von Kollekten zu wohlthätigen Zwecken als Kassenverwaltungskosten aufgeführt; z. B. von der Kollekte für den Greifswalder Universitäts-Freitisch, desgleichen für den Neubau einer katholischen Kirche in Spandau, desgleichen für die Abgebrannten in Loitz, u. s. w.
2) Der Regierungspräsident bezieht ein Gehalt von 3248 Thlr. und erhält noch 600 Thlr. für Wohnungsentschädigung, außerdem Reisediäten. Der erste Regierungsrath erhält 1500 Thlr. Gehalt, 300 Thlr. für Stellvertretung des Präsidenten und 200 Thlr. persönliche Zulage.
3) Einzelne Beamte, zumal die, welche ohnehin schon hohen Gehalt beziehen, verbinden noch andere Posten gegen besondere Vergütigung. So ist der Rechnungsrath Müller (Gehalt 1189 Thlr.) noch mit der Revision der Greifswalder Universitätsrechnung gegen 100 Thlr. Honorar betraut und verwaltet außerdem noch die Stelle des Greifswalder Universitäts-Kanzellariatssekretärs. Letztere Stelle ernährte sonst einen eigenen Beamten sehr gut mit circa 1000 Thlr. Gehalt. Ebenso erhält der Landrentmeister Möller außer seinem Gehalte von 1484 Thlr. 5 Sgr. noch 300 Thlr. für Inspektion des Salzmagazins.
4) An die Regierungsbeamten sind 264 Thlr. 2 Sgr. 6 Pf. an Schreibmaterialien gezahlt. Daneben ist eine große Quantität dieser Materialien noch angekauft und besonders verrechnet.
Verwaltungsperiode 1847.
Wie schon im Anfange dieses Berichts bemerkt worden, sind die Rechnungen für das Jahr 1847 noch nicht vollständig gelegt, es hat die Recherche daher auch nur auf Einsicht der Rechnungsbücher sich erstrecken können.
Nach der von der Regierung vorgelegten und in den Händen der Abgeordneten sich befindenden Uebersicht von den Resultaten der Finanzverwaltung im Jahre 1847, haben die Staatskassen ultimo 1847 einen Bestand besessen von 9,270,456 Thlr.
Nach den Uebersichten von den Resultaten der Finanz-Verwaltung in den Jahren 1840 bis einschließlich 1846, sind aus dem Jahre 1839 in das Jahr 1840 an Beständen übertragen 16949157 Thlr.
Es haben also in den letzten acht Jahren die Bestände sich vermindert um 7678701 Thlr.
Hieraus geht hervor, daß die Verwaltung seit dem Jahr 1840 keine Ersparnisse gemacht, sondern im Gegentheil Zuschüsse gebraucht hat.
Verwaltungsperiode 1848.
Schon in den letzten Jahren waren die Bedürfnisse in der Art gestiegen, daß die Einnahmen zur Deckung der Ausgaben nicht mehr zureichten. Die Bestände aus der frühern Zeit hatten sich nach und nach vermindert, es war daher eine natürliche Folge, daß im Jahr 1848, in welchem bedeutende außerordentliche Ausgaben erforderlich wurden, eine Geldverlegenheit eintreten mußte.
Die dem Berichte beigeschlossene Uebersicht, von den Einnahmen und Ausgaben der General-Staats-Kasse pro I., II. und III. Quartal 1848 weiset nach:
Einnahme:
a) An laufenden Einnahmen nach dem Etat 38080758 Thlr.
b) An außeretatsmäßigen Einnahmen 7347545 Thlr.
c) An extraordinären Deckungs-Zuschüssen:
1. Aus dem Staatsschatz 12389325 Thlr.
2. An freiwilligem Darlehn 10436000 Thlr.
3. An patriotischen Geschenken 1987 Thlr.
Summa: 68255615 Thlr.
Ausgabe:
a) Zum gewöhnlichen Staatshaushalt 59307372 Thlr.
b) Zu den außergewöhnl. Staatsbedürfnissen:
1. Für die durch den extraordinären Etat pro 1848 vorgesehenen extraordinären Bedürfnisse 1123036 Thlr.
2. Ausgaben aus Veranlassung der neueren Zeitereignisse und zur Abhülfe des Nothstandes 7204309 Thlr.
Summa: 67634717 Thlr.
Einnahme: 68255615 Thlr.
Bestand: 620898 Thlr.
Dazu der Bestand bei der Restverwaltung bis zum Jahr 1847, nach einer dem Berichte anliegenden Uebersicht 3426663 Thlr.
Es war daher bei dem ultimo September 1848 erfolgten Abschluß pro III. Quartal 1848 im Ganzen ein Rechnungs-Bestand von 4047561 Thlr.
Dabei darf aber nicht übersehen werden, daß an laufenden Einnahmen in den drei ersten Quartalen 1848 gegen den Etat zwar 13,583,987 Thlr. weniger eingekommen sind, daß diese Summe aber nicht als Ausfall betrachtet werden darf, indem sie zum größeren Theil in Gefällen besteht, die im 4. Quartal eingezahlt werden.
Wie der Zustand der Kasse am Schlusse des laufenden Jahres sein wird, läßt sich im Voraus nicht genau angeben, den besten Ueberschlag dürfte die vergleichende Uebersicht der laufenden Einnahmen und Ausgaben bei der General-Staats-Kasse pro I., II. und III. Quartal 1848, gegen denselben Zeitraum pro 1847 ergeben.
Nach dieser Uebersicht sind im Jahr 1848 weniger eingekommen 922600 Thlr.
und im Jahr 1848 mehr ausgegeben 8434650 Thlr.
9357250 Thlr.
Wird nun nach Verhältniß dieses Betrages, der Mehrbedarf pro IV. Quartal berechnet, und 1/3 hinzugesetzt mit 3119083 Thlr.
so ist anzunehmen, daß im Jahr 1848 durch außerordentliche Mittel zu decken sein werden 12476333 Thlr.
Aus dem Staatsschatz und aus den freiwilligen Darlehen sind, wie schon angeführt, der General-Staats-Kasse 22827312 Thlr. zugewiesen worden, es ist mithin durch diese Summe das Defizit bereits vollständig gedeckt.
Die General-Staats-Kasse und die zu derselben gehörigen Neben-Fonds haben am 30. Oktober 1848 einen Geldbestand von 12588753 Thlr. gehabt.
Unter den „allgemeinen Bemerkungen,“ welche der Kommissionsbericht daran knüpft, ist die richtige und deshalb erwähnenswerthe die, daß „die Rechnungslegung sehr verwickelt ist und keine hinreichende Uebersicht gewährt.“
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@facs0896
[ * ] Wien, 8. Decbr.
Daß mit „Pulver und Blei“ auch jetzt noch immer fortgewüthet wird, ersieht man aus dem Regierungsorgan „Wiener Zeitung“, worin sich heute folgende Bekanntmachung findet:
„Johann Horváth aus Csodno, Oedenburger Comitat in Ungarn gebürtig, 44 Jahr alt, katholisch, ledig, Schmiedegesell von Profession und ausgedienter Capitulant des Infanterie-Regimentes Erzherzog Ernst, ist bei erhobenem Thatbestande, theils geständig, theils durch Zeugen-Aussagen rechtlich überwiesen, daß er, nachdem er am 5. Oktober d. J. kurz vor Ausbruch der Revolution mit dem jüd. Handelsmanne Maier Spitzer von Wieselburg nach Wien gekommen war, sich hier mit einem aus dem kaiserl. Zeughause entwendeten Karabiner und scharfer Munition versah, mit welcher Bewaffnung er hoher Wahrscheinlichkeit zu Folge an den Oktober-Ereignissen Theil nahm, daß er ferner nach Einnahme der Stadt ungeachtet der durch die Proclamation Sr Durchlaucht des Herrn Feldmarschalls Fürsten zu Windischgrätz und der k. k. Stadt-Commandantur vom 1, 13. und 17. Novbr. d. J. angeordneten Ablieferung der Waffen, diesem allgemeinen auch ihm nicht unbekannt gebliebenen Befehle vorsätzlich nicht Folge geleistet, sondern nachdem er von dem Karabiner, angeblich um besser daraus schießen zu können, die Riemstange abgenommen hatte, solchen im geladenen Zustande in einem Magazine in der Leopoldstadt nebst einer Anzahl von 27 Stück scharfen Patronen verbarg, wo beides am 4. d. M. bei einer vorgenommenen Haus-Revision vorgefunden worden ist.
Da J. Horvàth selbst gestand, daß ihm das gegen die Verbergung von Waffen angedrohte standrechtliche Verfahren bekannt war, so ist derselbe wegen vorsätzlicher Verhehlung abzuliefernder Waffen und Munition durch standrechtliches Urtheil vom 7. d. M. zum Tode durch den Strang condemnirt, und das Urtheil nach der um 12 Uhr Mittags erfolgten Kundmachung an demselben Nachmittage um 4 Uhr durch Erschießen mit Pulver und Blei vollzogen worden.
Wien, den 7. Decbr. 1848.
* — Wir geben aus einem uns heute zugekommenen Privatbriefe (Wien, datirt 7. Decbr.) nachfolgende Stelle, um zu zeigen, in welcher Gestalt Windischgrätz der Phantasie des Wieners erscheint.
„Aus der Prager Junischlächterei, in welcher Windischgrätz fortfährt sich zu üben, und neue Bestellungen anzunehmen, wird Ihnen erinnerlich sein, daß damals seine Frau erschossen wurde. Ein aus dem Dienste entlassener Jäger wurde als Urheber bezeichnet. Man behauptet indeß jetzt, Windischgrätz habe seine Frau selbst erschossen, und gründet diese Behauptung auf die konstatirte barbarische Mißhandlung, welche dieselbe ununterbrochen von ihrem Gemahl hat erdulden müssen. Jemand, der mit den häuslichen Verhältnissen des Feldmarschalls ganz vertraut ist, versichert mir, Windischgrätz habe seine Frau, ein hochgebildetes Weib, z. B. täglich geprügelt, so daß sie sich wiederholt und laut den Tod gewünscht.
Windischgrätz paßt daher gut zu Sophien, die es umgekehrt treibt, und oft schon so maliziös-katzenartig gewesen ist, daß sie beim Bügeln, womit sie sich hie und da die Zeit vertreibt, ihren Kindern wenn sie die Händchen auf dem Bügelbrett hatten, mit dem heißen Eisen darüber gefahren ist. Von ihren galanten Abentheuern wird ebenfalls viel Abentheuerliches erzählt.“
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@facs0896
Kremsier, 7. Dezember.
In der gestrigen von Smolka präsidirten Reichstagssitzung ertheilte Stadion auf Schuselkas Interpellationen Antwort. Sie lautete:
1. Oesterreich steht unter keiner militärischen Diktatur. Die vollziehende Gewalt in allen ihren Beziehungen wird von dem Monarchen unter der Verantwortlichkeit seiner Räthe geübt. Alle Organe derselben wirken im Einklange mit dem Ministerium, und es ist keinerlei verfassungswidriger Einfluß außer ihm für seine Handlungen maßgebend. Außerordentliche Verhältnisse haben die Ausnahmszustände in der Residenz und in Lemberg herbeigeführt. Die Sorge für die Aufrechthaltung der gesetzlichen Ordnung, der Grundbedingung unserer konstitutionellen Entwickelung hat sie geboten. Was den Ausnahmszustand von Wien anbelangt, so hat das Ministerium Sorge getragen, daß derselbe auf das durch das Gebot der Nothwendigkeit abgedrungene Maß (!) beschränkt und dadurch der Wiederbelebung des so lange völlig gestört gewesenen Handels- und Gewerbebetriebes in keiner Weise entgegengetreten werde (und der jetzige Handel?). Gegen das im Aufruhr begriffene Nachbarland muß die Gewalt der Waffen angewendet und dem dort mit offenem Hohn niedergetretenen Gesetz wieder die gebührende Achtung verschafft werden Kriegsmaßregeln sind noch im Zuge, und wir hoffen, daß in Bälde auch dort wieder der innere Friede hergestellt und der Boden zur endlichen Beilegung der eingetretenen Wirrnisse geebnet sein wird.
2. Das Kriegsgericht zur Untersuchung und Aburtheilung der bei dem letzten Oktoberaufruhr in Wien betheiligten Individuen ist eine Folge des Belagerungszustandes; bereits ist das Standrecht für diese Fälle außer Wirksamkeit getreten.
3. Die Hinrichtung des Mitglieds der deutschen National-Versammlung, R. Blum, erfolgte in Gemäßheit des vom Kriegsrechte erfolgten Urtheilsspruches. Die provisorische Centralgewalt der deutschen Bundesstaaten hat aus diesem Anlasse zwei Abgeordnete als Kommissäre mit der Vollmacht hierher gesandt, sich dieserwegen mit den österreichischen Behörden in Verbindung zu setzen und die geeignetsten Maßregeln zu ergreifen, um den von der deutschen Centralversammlung zu Frankfurt am 29. und 30. Septbr. d. J. gefaßten Beschlüssen Anerkennung und Geltung zu verschaffen. Diese Kommissäre haben nach ihrer Ankunft das Ersuchen um die Einsicht in die Untersuchungsakten gestellt, welche ihnen ohne Anstand gewährt wurde. Die in Folge dessen von denselben an das Ministerium gelangte Eröffnung läßt voraussetzen, daß sie durch Einsicht der Untersuchungsakten die Ueberzeugung (?!) gewonnen haben, es sei bei der Aburtheilung der Abg. Blum und Fröbel das zur Anwendung (?) gekommene österreichische Kriegsgesetz weder in formeller noch in materieller Rücksicht verletzt worden, sondern in beiden Beziehungen von dem Militärgerichte seiner Pflicht getreu und dem Gesetze gemäß geurtheilt und gehandelt worden. — Dieselben haben, ohne diese Thatsache in Abrede zu stellen, gegen den diesfälligen Vorgang aus dem Grunde Verwahrung einzulegen befunden, weil dabei das deutsche Reichsgesetz vom 29. und 30. Sept. nicht beachtet worden. Zugleich fordern die Herren Kommissäre, daß dem fraglichen Gesetze sofort in Oesterreich volle Wirksamkeit eingeräumt werden soll. Die thatsächliche Nichtbeachtung jenes deutschen Reichsgesetzes aber findet schon in dem Umstande genügende Begründung, daß zur Zeit, als die Verhaftung und Verurtheilung der genannten Individuen erfolgte, dasselbe nicht einmal offiziell dem österreichischen Ministerium bekannt, also noch weniger im gesetzlichen Wege den österreichischen Gerichten maßgebend geworden war und dieses auch in so lange nicht werden kann, bis nicht überhaupt das neugestaltete staatliche Verhältniß zwischen Oesterreich und Deutschland im beider- [0897] seitigen Einverständniß bleibend geordnet ist In diesem Sinne sind die entsprechenden Weisungen dem österreichischen Bevollmächtigten bei der provisorischen Centralgewalt zur weiteren Mittheilung an dieselbe zugegangen.
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@facs0897
[ * ] Krasma, (in Mähren) 5. Dez.
In einem Dorfe, nicht weit von hier, nahm die hiesige und die wallachisch-meseritscher Nationalgarde an 56 Husaren nebst 80 Pferden gefangen. Es gelang jedoch 24 Husaren zu entkommen. Sie gehörten sämmtlich zum Palatinal-Regimente, und sind aus Böhmen dersertirt, um in ihrem Vaterlande gegen die Horden des Absolutismus kämpfen zu helfen.
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@facs0897
Leobschütz, 6. Dezember.
In Betreff der desertirten ungarischen Husaren geht uns die Nachricht zu, daß sie bis in die Gegend von Hultschin kamen, dort aber den 4. Dezember frühzeitig von Infanterie und Ulanen aus Ratibor gefangen genommen worden sind. Von Hotzenplotz an sollen sie überall die Hauptstraße vermieden und Seitenwege eingeschlagen, dabei sich aber überall sicherer Führer bedient haben, die sie mit 2 Dukaten belohnten. Es bestätigt sich auch, daß sie an allen Orten wo sie rasteten, Alles, was sie sich verabreichen ließen, auf Heller und Pfennig bezahlten.
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@facs0897
Hohenasberg, 4. Dezember.
Soeben rollte vor unsern Blicken die wahrhaft jammervolle Scene einer Urtheilspublikation sich auf, die das Ergebniß einer 7 monatlichen Untersuchung gegen die noch inhaftirten Soldaten des 8. Regiments ausspricht. Der Eindruck des Vorgangs konnte für die Zuschauer nur derjenige eines verbissenen Ingrimms sein, mußte für die Verurtheilten aber zu dem eines Grolles sich steigern, wie er in einem Carré von starrenden Bajonetten irgend laut werden kann. Als man mit Schließenlassen dagegen drohte, hörten wir aus der Reihe der unglücklichen 25 jungen Männer rufen: „nicht schließen, nein, erschießen“ — und „stille, oder ich steche Sie nieder“, antwortete ein anwesender Offizier (Major Bayha, vom 1. Regiment; Hauptmann Schwarz dagegen drohte mit Ohrfeigen!) Ein bis sechs Jahre Arbeitsstrafe wurde der Lohn für die gerechte Beschwerde der jungen Bürgersöhne, die sich in sklavischer Unterwerfung zu Polizeibütteln gegen Freiheit und zu Mördern ihrer Eltern und Geschwister nicht mehr gebrauchen lassen wollten; der Lohn für den kühnen Muth, eine Petition an das Kriegsministerium einzureichen.
Französische Republik.
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@facs0897
[ 17 ] Paris, 10. Dez.
Ein sehr entschiedenes für „Arbeiter“ geschriebenes pariser Socialblatt „La Commune sociale“ sagt in ihrer letzten Nummer unter anderm:
„In Berlin dauert der Belagerungszustand immer fort, weil keiner von beiden Theilen losschlagen möchte. Uns scheint indessen, das berliner Volk sollte endlich diesem Trödeln ein Ende machen, und wählen zwischen Freiheit und Dienstbarkeit. Es sollte nicht vergessen, daß die Landesfürsten allemal die vom Volk verschleuderte Zögerungsfrist trefflich auszubeuten verstehen; wenn es einst siegt, möge es eingedenk sein des gewaltigen Zornwortes eines unserer berühmtesten Konventmänner: Könige muß man nicht richten, muß man einfach vom Leben zum Tode bringen.“ — „Wir wollen die sociale Gleichheit als Zweck, und bedienen uns der politischen als Mittel. Das vom Berliner demokratischen Kongreß Ende Oktober erlassene Manifest, welches sich auf das im Februar bereits vor der Revolution, zu London deutsch gedruckte Manifest der kommunistischen Partei stützt, ist eins der vorgeschrittensten, die je irgendwo erschienen, und man sieht jetzt wie große Macht in Preußen und in Deutschland überhaupt, der Socialismus hat. Die Basis des Manifestes ist ganz kommunistisch, und die sich daraus ergebenden Folgerungen sind nothwendig die Anfänge des Kommunismus; wir wollen demnach mit Freuden es ganz und gar unterschreiben, zumal seine Verwirklichung nicht übermäßig schwierig ist. Die französischen und nicht französischen Kommunisten, sie sämmtlich wollen in der Uebergangsperiode den Staat an Stelle der Banquiers und der Kompagnien setzen. In dem wichtigen deutschen Manifeste ist der Müßiggang verdammt; die vielbelobten Prämien, Renten, Zinsen und Privilegien, die das Kapital sich anmaßt, sind als ein Raub gegen die Arbeit getadelt und abgeschafft. Bei uns und überall stehen die Arbeiter auf der Stufe des dritten Standes vor 1789, sie sind nichts und produciren alles. Dieser Unfug, dieser Hohn der Vernunft muß enden. Auch die achtundvierziger Revolution, gleich der neunundachtziger, wird ihre Nacht vom vierten August feiern, wo die letzte Wurzelfaser der schändlichen Ausbeutung eines Menschen durch den andern ausgereutet werden wird; dann erst haben wir gesellschaftliche Gleichheit, wie unsere Väter politische errangen. Wir rufen die Aufmerksamkeit aller unserer Freunde auf dies deutsche Kongreßmanifest, welches jedenfalls der Ausfluß lange vorher durchgearbeiteter und in die Gemüther eingedrungener Maximen ist; wir empfehlen es angelegentlichst dem ernsten Nachdenken derer, die nicht verstehen wollen, daß tief im Grunde der Revolution die unendlich umfangsreiche Frage des Wohlseins ruht. Während bei uns die Revolution stille hält, sogar einer Reaktion unterliegt, wandelt sie jenseits des Rheins im Riesenschritt.“ Folgen die verschiedenen Paragraphen, wie sie vor einigen Wochen bereits in allen pariser und departementalen Journalen erschienen, sogar im „Constitutionnel“ und „Journal des Debats“ erstrer seufzte: „da sähe man, wie weit hegelsche und atheistische Doktrinen führten, wenn sie einmal das ihnen speziell zugehörige Feld der abstrakten Metaphysik verließen.“
Ledru-Rollin, der auf dem Bankett im Chateau rouge so beredt dem Angedenken R. Blum's huldigte, erhielt ein Bild des „von Windischgrätz geopferten großen Patrioten“ wie La Reforme sich ausdrückt, nebst einem Briefe des deutschen Künstlers.
Die Niederträchtigkeit der Reaktionspartei steigt jetzt so hoch, daß sie mit Umgehung des Gesetzes mit den Linienoffizieren wegen social-demokratischer Ueberzeugung Händel sucht; z. B. der Kriegsminister Lamoriciere, einst ein eifriger Besucher der saintsimonistischen Vorlesungen, hat so eben den Lieutenant Bouland vom 55. Regiment aufs empörendste behandelt, bloß weil dieser zum s. g. Nationalkongreß der Demokraten als Mitglied in Paris bleiben wollte. Der Minister jagte ihn kurzweg nach seinem Garnisonstädtchen zurück, obschon der Oberst dem jungen Offizier ein gutes Zeugniß und die Erlaubniß, dem Congreß beizuwohnen, ausgestellt hatte. In einer erbaulichen Audienz erklärte Lamoriciere ihm, die am Congreß theilnehmenden Deputirten der äußersten Linken wären Leute, gegen die „wohl nächstens auf den Straßen von Paris mit Flintenschüssen von der Regierung verfahren werden dürfte;“ womit das Gerücht zusammenhängt von der durch die Minister Dufaure und Lomoriciere beabsichtigten Provocirung eines Krawalls, der schon gestern in der Kammer als „eine rothe, kommunistische Emeute gegen die mit allergrößter Strenge aufzutreten,“ pränumerando angezeigt ward. Der Lieutenant berief sich auf die Konstitutionsrechte, die jedem Franzosen die Associationsfreiheit sichern; vergebens; er sagte zuletzt dem afrikanischen Despoten herb die Wahrheit und drohte mit Interpelliren in der Kammer. „Die Jammer wird zur Tagesordnung gehen, ich hab's so schon oft mit Offizieren wegen Politik gemacht,“ lächelte der Minister. „So werde ich beim Chef der Exekutive mich beschweren.“ — „Gut, soviel Sie wollen, aber nur in der hierarchischen Subordinationsreihe; wo nicht, so gibt's vier Tage Arrest.“
Das sind die Februarerrungenschaften!
Das Blatt der Börsenfürsten, Journal des Debats, ruft heute, nachdem es die halb väterliche, halb korporalartige Proklamation Cavaignacs die gestern Abends spät an den Ecken erschien und ruhigen Respekt vor dem Wahlresultat fordert, gepriesen: „Geworfen ist der Würfel, jacta alea est, sprach einer der Prätendenten des Präsidentensessels; Hr. Lamartine war wohl etwas entmuthigt, als er sprach. Die Spaltung im Heerlager der Sozial-Demokraten ist immer größer geworden, sie haben jetzt nicht Ledru-Rollin allein, sondern auch Raspail als Bewerber; so kann Jeder hübsch nach seinem speziellen Temperament votiren, was sehr angenehm ist.“ La Reforme, das offizielle Blatt des Berges, bringt folgendes: „Stimmt für Ledru-Rollin, Bürger, bewahrt das französische Blut für den Kampf mit den Feinden Frankreichs, die auch die des Menschengeschlechts sind. — Stimmt wie Ein Mann, wiederholt das große Vereinigungswort unserer Väter in der Revolution des letzten Jahrhunderts: das Vaterland ist in Gefahr! — Wir verachten alle tückische Herausforderung zu brutalem Bürgerkriege. Es lebe hoch die demokratischsociale Republik! A. Marcellin, Lorreze, A. Boyer, Gosset, Tamar, Arbeiter. Daneben auf derselben Mauer klebte folgendes: „Die Politik des Volkes. Der Centralrath an die demokratisch-sozialen Wähler. Bürger, stimmt für Raspail. Wir sind nicht Kaiserliche noch Königliche, und nicht Agenten des Bürgerkriegs, noch zu Umtrieben besoldet, daher stimmen wir nicht für Bonaparte. Wir sind nicht konservative Republikaner, daher stimmen wir nicht für Cavaignac. Wir sind nicht Verehrer der unfruchtbaren, hohlen revolutionären Bewegung, daher stimmen wir nicht für Ledru-Rollin. Wir sind Sozialreformer, daher stimmen wir für Raspail. — Wahrscheinlich werden zwei große von Ehrsucht geplagte Fraktionen sich nächstens mit der Waffe in der Faust befehden; der Patron aller Despoten, Bonaparte, und der Mann der engherzigen Bourgeoisrepublik, Cavaignac. Wir wissen, daß wir vor jetzt nur protestiren können. Bürger Sozialreformer, laßt jene Beiden ihren gottlosen Kampf durchfechten; mengt euch nicht hinein; möge auf sie beide das Blut fallen und die Schmach. Aber steht rastlos auf der Wacht, daß Niemand Hand lege an unsern heiligen Hort, die Republik; haltet euer scharfes Schwert bereit, und zaudert nicht, diejenigen unerbittlich zu schlagen, die es wagen sollten. — Alton Shee, Expair; Genillier, Professor der Mathematik; Pardigon.“
Cavaignac ist völlig der Vasall der Börsen- und Bankbourgeoisie geworden; faktisch ist, daß seit Wochen bereits Bestellungen in Manufakturen und im Handel mit der Klausel „für den Fall der Nichtwahl des Generals — ungültig“ gemacht wurden. Die Holzköpfe bilden sich steif ein, mit seiner Präsidentur werde jeder Sozialist in die Erde kriechen, folglich Kredit und Schacher wieder auf Erden erscheinen. Die Tuchfabrikanten von Paris haben ihm dies durch eine feierliche Deputation kund gethan, und in allen Zeitungen und in Privatcirkularen sich an ihre Provinzialgeschäftsbrüder gewandt, so daß er in den Fabrikdistrikten auf ziemlich viele Stimmen rechnen darf.
Die Wuth der Adelsklique gegen Alton Shee, den ehemaligen Pair der die Barrikade am Palais royal im Februar so tapfer vertheidigen half, schnappt ins groteske über; die Lions und Volksfeinde vom „Corsaire“ beehren ihn heute mit folgenden Insulten: „Er nennt sich in den Manifesten seiner Partei einen Theiler (partageux, der bekannte Spottname, der den Sozialreformern im Bauerndialekt gegeben wird) aber der Herr Exgraf irrt wohl; er ist eher ein Accapareur, der seine alten Ehrentitel abwirft, anspeit, mit Füßen tritt, in der Weinjauche der Barrierekneipen herumschleift und somit sich bei den sogenannten reinen Socialisten ein Hurrah erschleicht. Und wäre er ein echter Theiler, bei Gott, er theilte seine zwölftausend Franken Einkommen, die ihm ein unter Napoleon geschaffnes Majorat einbringt.“ Der altgallische Witz schmettert „wie die Lerche“ im Charivari mitten durch das wüste Getümmel; der langweiligste und dürrste aller Philister, der General Cavaignac, wird aufs ergötzlichste als vollendeter Chemiker dargestellt, der eine Sauce erfunden, durch die ein weißes Votivblatt nach 48 Stunden im Kasten grün, roth, blau u. s. w. wird, wodurch die scheinbar weißen Zettel Bonaparte's ungültig gemacht würden; Girardin habe diese Unthat entdeckt und Girardin verstehe sich auf dererlei. Es kursiren einige treffliche Karrikaturen: ein Pyrenäenbär tritt düstern Gesichts vor den Stimmkasten und brüllt dem entsetzten Skrutinirer zu: ich als Montagnard (vom Berge) stimme für Ledru-Rollin.“ Eine andre: Ledru-Rollin steht in schwindelnder Höhe auf einem Gebirge und tief unten ein Bauer in Holzschuhen, Blouse und Zipfelmütze (der nationalen Bauerntracht), der ruft: „Zum Teufel, Herr, ich habe gestimmt und nicht für Sie, ich sehe Sie jetzt erst, warum stehen Sie so verdammt hoch?“ Eine andre: ein neugebornes Kind, ganz mit Hautmälern bedeckt, welche Freiheitsmützen, Napoleonshüte, Bergspitzen, Kamphercigarros (à la Raspail) u. s. w. vorstellen; die Hebamme erklärt dies Monstrum dem erschreckten Bourgeois dadurch, daß seine Gemahlin heftige Lust zu votiren gehabt habe. Ueberhaupt ist für Erschütterung des Zwerchfells glücklich durch gewisse Fratzen hier gesorgt: „giebt es etwas burleskeres („Citoyen“ von Dijon) als diesen Bonaparte, für den kein Mensch mehr Sympathie haben kann, wenn er nicht total unwissend, oder so in materielles Elend versunken ist, daß er napoleonische Dukaten annimmt. Das köstlichste aber ist, daß wir diese unsere Worte bereits in Girardin's Blatt vom August 1840 vorfinden, welches ihn jetzt so feurig vertheidigt.“ Bonaparte „der Kleine“ ist Autor des Büchleins: „Vertilgung des Pauperismus.“ „Nicht übel, Bonaparte der Große hat 20 Jahre vergeblich darüber studirt; der Neffe hat's gelöst. Er sieht die Misere des Landmanns in den kleinen Grundstücken, und will in jeder Gemeinde durch je 10 Arbeiter einen Geschäftsführer, von je 10 Geschäftsführern einen Direktor, für je 10 Direktoren einen Gouverneur ernannt wissen; Unteroffiziers-Hauptmanns-Oberstenrang; die Arbeiter sind einfache Soldaten. Ihnen gibt der Staat 6,127,000 Hectars jetzt unbebauten Landes; sind zu viele Arbeiter in den Industrieen, oder zu wenige, so schickt man sie in diese Militärkolonien oder ruft sie von daher; die Geschäftsführer, in Verbindung mit den Gemeindevorstehern, besorgen diesen Wechselzug von Arbeitern zwischen Land und Fabrik. Die Kolonisten wohnen ärmlich, hart, einfach, aber gesund, und Sold, Kleidung u. s. w. sind militärisch und halten sich am streng Nothwendigen; die Hütten bestehen aus Lehm und Stroh, (also ein verteufelt spartanischer Bursche dieser Prinz Bonaparte!), und das alles kostet jährlich 160 Millionen dem Staate. Also Ihr wollt kein Phalanster? schön, hier kriegt ihr Hütten von Erde. Ihr wollt L. Blanc's sanftmüthiges System nicht? schön, hier kommt der Prinz mit dem Ladestocke. Eure Jungens werden Trommler und Pfeifer, Eure Damen werden Marketenderinnen, Eure Demoisellen laufen den Rekruten nach. Famos! Ihr schreit über Soldatendienst: dann seid Ihr darin bis an Euern Tod.“
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@facs0897
[ 12 ] Paris, 10. Dez.
Wir haben es gesagt: die Präsidentenwahl ist das Gruppiren der Parteien unter Einem Namen, das Aneinanderreihen von Gleichgesinnten und Gesinnungslosen unter Einer Parole: Die Aufstellung der Gruppen und Truppen in Schlachtordnung. Ihr, die Ihr für Cavaignac oder Napoleon stimmt, stellt Euch diese Seite, Ihr Andern, die Ihr für den Hunger stimmt, auf jene. Der Sieg gehört dem Stärkern. Lassen wir für einen Augenblick Cavaignac und Napoleon, um auf die Hungerseite, die Seite der Arbeit und der Unterdrückung zu schauen, die jetzt sich mit fürchterlichem Getöse vernehmen läßt. In allen Quartiers bilden sich wieder die seit Juni verschwundenen Zusammenrottungen von Tausenden von Blousenmännern; die Blouse ist wieder herrschend geworden; die Blouse, die im Juni massakrirt oder in dumpfe Kellerraume eingesperrt wurde, tritt wieder triumphirend an's Tageslicht, und der furchtsame Krämer, ob Bonapartist ob Cavaignacist, schließt seine Bude und löscht das Gaslicht aus. Geht nur in die Klubs der Faubourgs hin, z. B. im Faubourg Maubert, wo der Arbeiter vor einigen Monaten noch sich und sein Elend und seine ausgehungerte Familie verbergen mußte, und seht wie die Juni-Insurrektion hier siegreich das Haupt erhebt. „Ihr sprecht von Rollin oder Raspail? Wir wollen gar keinen Präsidenten! Haben wir nicht noch nach dem Skeutinium uns zu vereinigen, um eine ganz andere Schlacht zu kämpfen?“ Blanqui, Barbés, Sobrier, Alles tritt in den Hintergrund; heute ist das Volk souverän und jeder Arbeiter mit dem bleichen Gesichte ist Mitglied des souveränen Volkes. Die schönen französischen Köpfe drängen sich in schwarzen Massen zusammen. Wo nur Polizeikommissare in den Klubs sich blicken lassen, werden sie gewaltsam herausgetrieben, und die Mobilgardisten stehen das Mitleid der Juni-Insurgenten an. Im Klub der Redoute tritt der Redner Barnabés Chauvelot auf und spricht den Dolch heilig, der die römischen Lande von dem imfamen Rossi befreit hat. Mobilgardisten und Liniensoldaten kommen ungeachtet aller Befehle in diese Klubs, um mit dem Volke zu fraternisiren. Marrast, Molé, Thiers — alle werden mit der ihnen gebührenden Verachtung behandelte, Molé, Thiers und Bugeaud, die jetzt die Hand desjenigen küssen, den sie vor Kurzem noch mit dem größten Hohne abwiesen! Von Zeit zu Zeit lassen Letztere ihre Klagen ertönen über das gänzliche Verschwinden der „moralischen Kraft.“ Als nach Besiegung der letzten Aufstände im Jahre 1834 und 1839 die Macht Louis Philipps so fest da stand, daß man auf jeden Versuch zur Umwälzung mit Lächeln herabsah, da war die „moralische Kraft“ recht in ihrer Blüthe. Man dachte gar nicht mehr an die Bajonnette Bugeauds und anderer Generäle, welche dieses statu quo durch Niedermetzeln der Arbeiter begründet hatten, und man brauchte nur noch den Abdruck von Bajonnetten, gemahlten Gewehren und Flinten von Zeit zu Zeit in den Städten und Wachtposten auszuhängen und das statu quo aufrecht zu halten.
Kam ja ein revolutionärer Wind, so mahlte man einige Flinten dazu, und Alles war abgemacht. Diese gemahlten Flinten — das war die moralische Kraft, das Statu quo und mit dieser Waffe war es auch, womit man Louis Napoleon „abdeckelte,“ das heißt ihm den kaiserlichen Hut abschlug. Dieser kaiserliche Hut wird nun von eben den Männern, die ihn früher abschlugen, aufgehoben, als letzte Stütze und man kann sich denken, mit welcher Verachtung die französischen Proletarier, die das französische Blut und den französischen Witz gerettet haben, auf sie herabblicken müssen. In dem Mont-Parnasse spricht man gerade zu von der Vernichtung dieser elenden Clique. Felix Pyat trägt darauf, daß den Armen wiedergegeben werde, was diese unverschämten Herrn des Privilegs ihnen geraubt hätten; Langlois trägt vor, daß die Transportirten und Gefangenen von Vincennes sich wohl um's Vaterland verdient gemacht hätten: Alles deutet darauf hin, daß der Sturz derjenigen Republick, welche nach dem Ausdrucke Pyat's wechselweise eine Polizei-Mütze und eine Schlafmütze auf dem Kopfe trägt, vor der Thüre steht. Auf dem Platze Maubert versammeln sich alle Abende über 10,000 Arbeiter und rufen: Tod der Mobilgarde, Tod den Henkern Cavaignac's. Unter diesen 10,000 befinden sich dis Weiber und Kinder der 10,000 Juni-Besiegten, die in den Cassematten schmachten, und schreien um Rache. Auf dem Platze Vendome, wo Louis-Napoleon wohnt, versammeln sich die Napoleoniten und hier darf der Name Cavaignacs nicht genannt werden.
„Bürger, ruft Bernard, in dem Club Batignolles aus, schwere Begebenheiten stehen uns bevor: seid auf Alles gefaßt: und wenn ja Napoleon oder Bonaparte zum Präsidenten ernannt wird, so haltet Eure Dolche in Bereitschaft, denn wir könnten ihrer bedürfen zur Befreiung von einem Tyrannen! Und denn denkt an Eins: wir haben es mit keiner Candidatur zu thun: für uns handelt es sich darum, die gestohlenen Millionen den goldenen Kälbern und ihren Verehrern zu entreißen!“
Die Regierung schickt in allen Departements Bulletins mit dem Namen Cavaignac herum, die an den Rändern mit Kronen und Blumen eingefaßt sind. Es mag dies eine jener geistreichen Erfindungen des jetzigen Staatssekretairs und ehemaligen Buchhändlers Hetzels sein; aber es ist dieses so fehl gegriffen, daß selbst der konservative Korrespondent der belgischen Independance diese Maßregel mißbilligt. Cavaignac, ruft Bernard aus, verdient noch eher Kaiser zu sein, als Napoleon; denn Napoleon, der wirkliche Kaiser Napoleon, hat höchstens einige Dutzend Patrioten auf den Stufen der Kirche St. Roch niederschießen lassen, während Cavaignac tausende mit seinen Kartätschen gemordet hat.
Dies ist die Stimmung in Paris. Die Arbeiter sind wieder zu Tausenden aus ihren Häusern in die Straße hinabgestiegen. — —
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@facs0897
Paris, 10. Dez.
Die Boulevards, der Vendomeplatz, die Eingänge zu den Sektionsurnen und die breitesten Straßen der ganzen Stadt bieten heute das Bild eines Jahrmarktes dar. Die Punkte, auf denen es am lebhaftesten hergeht, sind immer noch der kaiserliche Palast auf dem Vendomeplatze; die Triumphbogen von St. Denis und Martin, so wie die Viertel von St. Jacques und Marcel.
In St. Marcel und St. Jacques wollte das Volk den Sturm gegen die Mobilgarde erneuern. Allein Lamoriciere roch den Verrath und verlegte gestern Abend 5 Uhr das 8. Bataillon der Mobilgarde, das gänzlich vernichtet werden sollte, in ein anderes Stadtviertel, nämlich in die Kasernen von Petits-Pures. In Folge dieses Manövers erscheint auch der berüchtigte Maubertusplatz ruhig und auch in jenem ewig revolutionären Viertel dürfte der heute begonnene Wahlakt ohne Blutvergießen vorüber gehen.
— Obgleich heute keine öffentliche Sitzung, so sind doch die Konferenzsääle der Nationalversammlung voll Repräsentanten, die sich namentlich über den Tag und die Proklamation der neuen Präsidenten besprechen. Wie es scheint, will man die Stimmzählung von Algerien und Korsika nicht abwarten, so daß wir noch vor dem 20. d. M. das Resultat kennen werden.
— In Lyon scheint außer der Präsidentenkomödie noch ein anderes Element eine große Gährung unter dem dasigen Proletariat hervorgerufen zu haben. Große Agitation herrscht in dem gefürchteten Viertel der Fabriken und Watiers von Croix-Rousse. Weiber und Kinder steckten am 8. Dezember mehrere Baugerüste in Brand und die Lyoner Journale („Salut public“, ein konservatives Blatt) überraschten uns heute mit folgender Proklamation an die Arbeiter:
Proklamation des Maire's von Croix-Rousse in Lyon an die Arbeiter!
Bürger! Die Gemeindeverwaltung empfindet sehr tief die allgemeine Aufregung, welche die Nachricht unter Euch hervorgerufen hat, daß die alten Festungsbastionen wieder aufgebaut werden sollen. Sie hat einen Ausschuß zu den betreffenden Behörden gesandt, um ihnen Eure Beunruhigungen mitzutheilen. Der Ausschuß hat die Versicherung erhalten, daß seine Reklamationen unverzüglich an die Exekutivgewalt in Paris berichtet werden sollen. Hoffet und bleibet ruhig.
Lyon, 8. December 1848.
(gez.) Rejanin, Maire.
— Cavaignac richtete gestern Abend eine lange Proklamation an die Pariser, aus der wir folgende Stellen entnehmen:
„Bürger! Morgen ist Jeder von Euch zur Erfüllung des feierlichsten Akts [0898] der Volkssouveränität berufen. Eine große Nation — vertrauend in ihre Rechte, vertrauend in ihre Stärke, vertrauend in ihre Aufklärung — wird den Mann wählen, dem sie für einen Zeitraum die Sorge, das Amt auflegt im Vereine mit der Nationalversammlung über ihre Ruhe, Interessen und Ehre zu wachen.“ (Folgt die Behauptung, daß die Regierung seit 6 Wochen sich den Wahlgeist ohne offizielle Einmischung entfalten ließ.) Bürger! Man hat Euch und uns selbst gesagt, daß Wüthende (insensés) sich herausnehmen würden, die Volksstimme zu überrumpeln (juger le choix du peuple) um demnächst ihre Dienste theuer anzubringen (marchander ensuite leur obeïssance). Beruhigt Euch, die Regierung kennt ihre Pflichten und sie war nie fester entschlossen, sie zu erfüllen. ‥‥ Heute als Regierung, morgen als einfache Bürger wird sie in ihnen nur Feinde der öffentlichen Ordnung sehen, die das Gesetz nicht schützen will und darf. Bürger! Beweisen wir der Welt, daß wir der Ausübung eines Rechts würdig sind, das man uns nicht zu bestreiten wagt, aber das in Zank verwandelt zu sehen man sich höchlichst freuen würde. Vergessen wir nicht, daß unsere Haltung morgen die Republik bestätigen oder aufs Spiel setzen kann.
Paris, 9 December 1848.
(gez.) E. Cavaignac.
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@facs0898
— Der Moniteur veröffentlicht heute folgende telegraphische Depesche:
Marseille, 9. Dezember, 10 Uhr früh.
So eben läuft folgende Depesche ein:
Gaeta, 7. Dezember.
An den Minister des Auswärtigen in Paris!
Hr. Corcelles ist dem Papste durch Hrn. v. Harcourt vorgestellt worden. Seine Heiligkeit schien lebhaft gerührt von dem edelmüthigen Entschlusse der französischen Regierung. Sie sehnt sich danach, Frankreich zu besuchen und zeigt die förmliche Absicht an, sich dahin zu begeben, so bald es die Umstände erlauben werden. Die vor der Insel Pomégue (im Angesicht von Marseille) lagernden Truppen sind zur Mission unnütz.
Für die Richtigkeit dieser Depesche:
(gez.) Alexandre, Telegraphendirektor.
Die „Assemble“ sagt hierzu: Die Regierung will sich nicht selbst Lügen strafen und hat deshalb obige Depesche so gestellt, als ob wirklich noch Hoffnung vorhanden wäre, den Papst in unserer Mitte zu sehen. Eitle Hoffnung!
— Das nunmehr auszuschiffende Geschwader vor Marseille wurde in Rücksicht auf seine Abreise etwas früher zum Votum berufen. Der „Semaphore“ vdm 7. Dezbr. bringt uns folgendes Resultat:
Für Louis Napoleon stimmten 1064.
Für Cavaignac stimmten 914.
Den Rest theilen sich Lamartine und Ledru-Rollin.
— Der Assissenhof von Caen, der die Rouener und Elbeufer Proletarier richtete, hat sie, wie uns so eben der Courrier de Havre berichtet, dutzendweise zu lebenslänglichem, 20jährigem, 10jährigem und 5jährigem Gefängniß (größtentheils Kettenstrafe) verurtheilt.
— Alle detachirten Forts bei Paris sind mit Munition und Lebensmitteln vollgepfropft.
Dänemark.
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In „Norske Rigstidende“ befindet sich ein Bericht aus Island, er erzählt, wie auch der Drang zu einem freiern Volksleben, zu einer größern nationalen Selbstständigkeit sich auf der alten norwegischen Insel geltend gemacht hat. Um diese Foderungen nach nordischer Sitte in ruhiger und klarer Weise durchsetzen zu können, hatten diesen Sommer einige isländische Männer sich in Reikiavig, der Hauptstadt des Landes, vereinigt, und nachdem sie über die Stimmung der Inselbewohner genaue Nachrichten eingezogen hatten, dem König von Dänemark diese vorgebracht. Sie haben demselben zuerst ihren Dank und ihre Anerkennung für die freien politischen Institutionen dargebracht, die er in allen seinem Scepter zugehörigen Ländern einzuführen gedenkt; sie haben aber zu gleicher Zeit, als die einstimmige Foderung aller Isländer, sich bei ihrem König eine besondere, eigne Nationalversammlung erbeten, die im Lande selbst tagen muß, und durch welche sie, unter den Segnungen derselben freien Verfassung wie Dänemark, ihrer besondern nationalen Entwickelung im Geiste der Väter und der neuen Zeit wahrhaft entgegengehen können. Der König von Dänemark, der selbst auf Island gewesen ist, sich überhaupt mit großem Interesse dem nordischen Alterthume zugewendet hat, und also Island und seine Eigenthümlichkeiten kennt, hat auf jene Adresse erklärt, daß er nichts auf die Rechte der Isländer Bezügliches sanctioniren oder zur Ausführung gebracht wissen wolle, bevor die jetzige isländische Althingversammlung sich darüber ausgesprochen habe, und daß sowohl die speciellen Verhältnisse Islands wie die verfassungsmäßige Stellung der Insel durch eine Versammlung im Lande selbst mit der Krone zu vereinbaren sei. Rigstidende fügt hinzu, daß man somit hoffen darf, daß Island eine freie, volksthümliche Verfassung erhalten werde, und daß hierdurch zugleich der wesentlichste Grund zu einer Spannung zwischen Norwegen und Dänemark verschwinden würde.
Amerika.
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[ * ] Montevideo.
Der „Economist“ bringt in seiner jüngsten Nummer eine Korrespondenz aus Montevideo vom 13. Sept., wonach der neue englische Bevollmächtigte, Mr. Southern, von Lord Palmerston beauftragt wäre, die Hood'schen Vermittlungsvorschläge mit einer kleinen, die Schifffahrt auf den oberen Flüssen betreffenden, Modifikation zu wiederholen. Möchte Rosas dieselben auch diesmal nicht annehmen, so würde England aus einem ernsteren Tone reden. Uebrigens scheint es, daß Rosas die Absichten Englands schon errathen hat, und man glaubt allgemein, daß er denselben wie früher, so auch jetzt mit gewohnter Schlauheit zu begegnen wissen wird. Er ist gegenwärtig mit starken Rüstungen im Heer und in der Flotte beschäftigt, die nach allgemeinem Dafürhalten einen Angriff auf Paraguay bezwecken. Sollte dieser Zug siegreich ausfallen und Paraguay eine argentinische Provinz, werden, so hat Rosas, der englisch-französischen Vermittlung gegenüber, gewonnenes Spiel, und er wird die Mächte nicht zu wohlfeilen Kaufes aus dem Handel sich zurückziehen lassen. Wie er schon jetzt jede Kommunikation mit den Booten der englischen und französischen Kriegsschiffe untersagt und offen erklärt hat, England und Frankreich führten Krieg mit ihm, so wird er eventuell auch den Kauffahrteischiffen beider Nationen die Landung verbieten und von der Schifffahrt auf den obern Strömen kann vollends keine Rede mehr sein. Von der Grausamkeit des Diktators liefert der folgende kürzlich vorgekommene Fall wieder einen Beweis.
Vor einem Jahre ungefähr entführte ein Priester aus Buenos-Ayres eine junge Dame von irischer Abkunft, Camilla O'Gorman. Lange hörte man nichts von ihnen, bis sie endlich vor Kurzem in einer Provinz im Innern entdeckt und auf Rosas' Befehl beide — erschossen wurden. Die junge Frau war im achten Monat schwanger: es versteht sich von selbst, daß das ungeborene Kind vor der Exekution der Mutter noch getauft werden mußte!! Daran fehlt's nicht!
Neueste Nachrichten.
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[ * ] Köln, 12. Dezember.
Dem ganzen Rhein entlang, bis zum Baienthurme hin, hat man, wie uns versichert wird, Kanonen aufgepflanzt. Die Preußen fürchten allgemein, daß hier in Köln Franzosen sich verborgen halten, die das Ergebniß der Peäsidentenwahl in Paris abwarten, um die „gutgesinnten“ Rheinpreußen zu verlocken und sie mit sich nach Frankreich hinüberzuziehen.
[Leserbrief]
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Die „neue Preußische Zeitung“ macht in gehässiger Weise bekannt, daß neben andern Mitgliedern auch ich am 1. Dezember in Brandenburg meine Diäten als Abgeordneter in Empfang genommen habe. Diese Angabe gehört zu der Masse von offenbaren absichtlichen Lügen, durch die sich die „neue Preuß. Ztg“ auszeichnet. Ich war am 27. Novbr. und am 1. Decbr. in Brandenburg, ohne meine Diäten zu empfangen und hatte ich auch um so weniger Veranlassung dazu, als die Stadtverordneten von Erfurt in ihrer Sitzung vom 17. Novbr. beschlossen hatten, mir aus der Gemeinde-Kasse die Diäten zu bezahlen, falls sie mir hier verweigert werden sollten. Der Wahrheit gemäß und bezeichnend würde es sein, wenn die neue Preuß Ztg. die Namen derjenigen ministeriellen Deputirten mittheilen wollte, welche Reisekosten im Betrage von 1 bis 200 Thalern liquidirt und erhalten haben, für eine Reise, welche sie während der Vertagung in ihre Heimat gemacht haben.
Berlin, den 9. Decbr. 1848.
Krackrügge.
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Die in einer besonders bierzu berufenen zahlreichen Volksversammlung anwesenden Einwohner der Stadt Düren an den Herrn Professor Braun in Frankfurt:
„In Ihrer eigenen Angelegenheit treten Sie als ein tüchtiger Streiter öffentlich auf. Jetzt, wo es sich um unsere Angelegenheiten handelt, sind Sie wie verstummt.
„Wir können deshalb nicht beurtheilen, ob Sie uns in der National-Versammlung in Frankfurt wirklich vertreten.
„Wir ersuchen Sie daher, Ihre Ansichten über die Grundrechte bekannt zu machen, dmit wir erfahren, ob die Ihrigen mit den unsrigen übereinstimmen.
„Düren, den 3. Dezember 1848.
(Folgen die Unterschriften).“
(Die in derselben Volksversammlung ausgesprochene Zurückberufung des Advokat-Anwalt Stupp, weil er mit seinen Committenten im grellsten Widerspruch stehe, so wie eine Anerkennung für Hrn. Appellationsrath Graeff für seinen Rücktritt, erledigen sich nach dem Staatsstreiche vom 5. d. M. von selbst).
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Der Gerant: Korff.
Druck J. W. Dietz, unter Hutmacher 17.
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Civilstand der Stadt Köln.
Vom 6. u. 7 Dezember 1848.
Geburten.
Phil., S. v. Franz Vogt, Gärtnerkn., kl. Griechenm. — Christ. Hubert. Barb., T. v. Jos. Breuer, Gastw., Trankg. — Anna Maria, T. v. Joh. Orth, Tagl., Achterstr. — Elisab., T. v. Ignatz Weisenberg, Schlosserm., Blindg. — Cathar. Hubert., T. v. Joh. Anton Klaut, Tagl., Thieboldsg. — Maria, T. v. Barth. Hamacher, Schuhm., Weingarteng. — Anton Jacob Eduard, S. v. Joh. Justus Schwaner, Handschuh-Fabrikant, Hochstr. — Joh. Nicol., S. v. Math. Engels, Kutscher, Thieboldsg. — Andr., S. v. Heinr. Bergmeister, Tagl., Thürmchensw. — Maria Anna, T v. Wilh. Keller, Metzger, Johannstr. — Ein unehel. Knabe.
Herm., S. v. Joh. Heinr. Macherey, Faßb., Machabäerstr. — Heinr. Jos., S. v. Peter Efferath, Stellm., Zugasse. — Gertr. Carol. Franc., T. v. Heinr. Aloys Ristelhueber, Kfm., Trankg. — Joh. Paul, S. v. Friedr. Köhler, Kfm., Severinstr. — Andr. Ludw., S. v. Heinr. Euler, Spezereih., Severinstr. — Elisab., T. v. Ferd. Mohr, Metzger, kl. Budeng — Paul, S. v. Math. Mohr, Dachdeckerm., Severinstr. — Maxim, S. v. Wilh. Jos. Schetter, Hauskn., Hundsg.
Sterbefälle.
Gertr. Kamphausen, geb. Baaden, 42 J. alt, Mühleng. — Joh. Peter Assenmacher, Tabakfabr., 76 J. alt, verheir., Severinstr. — Franz Schmitz, Rothgerber, Tagl., 34 J. alt, verheir., gr. Griechenm. — Anna Maria Fuxius, geb. Assenmacher, 48 J. alt, Straßburgerg. — Joh. Adam Schäfer, Steinh., 58 J. alt, Wittwer, Kupserg. — Anton Franz Apoll. Wirz, 2 T. alt, Columbastr. — Maria Clem. Kinzel, 1 J. 5 M. alt, kl. Griechenn
Heirathen.
(6.) Simon Heinrich Christ. Schneidewind, Tagl., v. Nahlhof, und Doroth. Louise Wilhelm. Wehmann, v. Bielefeld. — Anton Brait, Schuster, v. Glött, und Joh. Margar. Greuling, v. Idstein. — Joh. Anton Schmitz, Tagl., und Cathar. Breuer, beide von hier. — Andr. Kauffmann, Tagl., und Anna Maria Sterns, beide v. hier. — Andr. Löhr, Schneider, Wittwer, v. Bonn, und Magdal. Weingard, von Dockweiler. — Heinr. Theod. Koch, Tagl., von Höxter, und Anna Schoenefeld, von Niederzündorf.
Heiraths-Ankündigungen.
(10. Dec.) Joh. Theod. Stockle. Drechsler, Weißbütteng., und Anna Rosa Nehgeber, Hoseng. — Benjamin Hartw. Hellwitz, Kfm., Breitstr., und Anna Guradze, zu Schloß Tost. — Chrst. Sam. Sander, Musicus, und Anna Wülfrath, beide Kranenb. — Joh. Peter Heinr. Fischer, Bierbr., Streitzeugg., früher zu Königswinter, und Anna Cathar. Rondorff, Weiherstr. — Joh. Karl Christ. Zeiger, Schuster, und Joh. Sib. van Walsam, beide Hämerg. — Joh. Peter Winckler, Maurer, und Margar. Junger, beide Thieboldsg. — Joh. Jos. Becker, Schreinergesell, kl. Griechenm., und Gertr. Nagelsch., Burgmauer. — Math. Büttgen, Tagl., Perlenpf., und Anna Maria Derichsweiler, Streitzeugg. — Wilh. Braß, Schneider, Langg., und Anna Sophia Jacobine Kouth, Kupferg. — Franz Gustav Boisserée, Doctor der Medicin, Hochstr., und Helene Aline Moll, zu Mühlheim. — Christ. Heinr. Jenen, Schreinerm., Marienpl., u. Gertr. Wahlen, Stephanstr. — Joh. Haift, Tagl., Perlengr., und Sophia Bliesing, Perlengr.
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Schifffahrts-Anzeige.
Köln, 12. Dezember 1848.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Wwe. Wb. Jac. Schaaff. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr C. Königsfeld. Nach Andernach und Neuwied C. Kaiser und M. Wiebel. Nach Koblenz, der Mosel und Saar G. Weidner. Nach der Mosel, nach Trier und der Saar P. Kohlbecher. Nach Bingen H. Harling. Nach Mainz Val. Pfaff. Nach dem Niedermain. Nach Worms und Mannheim M. Görgens. Nach Heilbronn G. A. Klee.
Nach Rotterdam Kapt. Breynks Köln Nr. 21.
Nach Amsterdam Kapt. Berns Köln Nr. 4.
Rheinhöhe am 12. Dez. 10′ 4″.
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Licitation in der gerichtlichen Theilungssache der Wittwe und Kinder von Heinrich Burbach, wird das Haus Weisbüttengasse Nr. 15 hiesiger Stadt sammt Hofraum, Garten und Hintergebäude Donnerstag den 14. Dezember d. J., Nachmittags 3 Uhr, vor dem unterzeichneten hierzu kommittirten Notar und auf dessen Schreibstube, woselbst Expertise und Heft der Bedingungen einzusehen sind, einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt und dem Meistbietenden definitiv zugeschlagen werden.
Köln, den 27. November 1848
Fier.
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Bekanntmachung.
Donnerstag den vierzehnten Dezember 1848, Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Waidmarkte zu Köln mehrere Stücke Bucksking gegen baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher, Brochhausen.
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Bekanntmachung.
Donnerstag den vierzehnten Dezember 1848, Vormittags elf Uhr, sollen auf dem Waidmarkte zu Köln verschiedene Mobilien, als: Tische, Stühle, Schränke, Kommoden, Oelgemälde, ein Ofen nebst Rohr, ein Säulenofen, mehrere Sophas, sodann verschiedene Küchengeräthe, eine Dezimalwaage und eine Partie Eau de Cologne etc., gegen baare Zahlung öffentlich versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher, Brochhausen.
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Inserat.
Wie ein Thell unseres Forstpersonals das neue Jagdgesetz versteht und dasselbe zu handhaben beflissen ist, erhellt aus folgendem Vorfalle.
Mehrere Jagdliebhaber von hier und Umgegend machten am 4. dieses Monats eine Promenade im Königsforst und begegnen da dem Waldwärter Solbach aus Rath, der sich freundlich mit ihnen unterhält; — 2-3 Stunden später aber kömmt er in Begleitung seines Sohnes und des Försters Westphal zu ihnen zurück an der Spitze von circa 40 Holzhauern, die sich wild und Banditenähnlich aussehend, unter Kroatengeschrei auf die Jäger werfen und dieselben mit Aexten der größten Qualität angreifen. Die Jagdliebhaber wollten von ihren Waffen keinen Gebrauch machen und begnügten sich mit passivem Widerstand. Sie waren beschäftigt, den Waldwärtern unaufgefordert ihre Namen zu notiren, als die Bande angereizt von dem Waldwärter Solbach je mit den Aexten losschlug und mehrere der Jagdliebhaber gefährlich verwundeten; — Letzteren gelang es endlich unter Mithülfe des Försters Westphal die blutgierige Horde von weiterem Blutvergießen zurückzuhalten und den Kampfplatz mit den Verwundeten zu verlassen, nachdem ihnen die Gewehre gewaltsamer Weise abgenommen waren.
Die verwundeten Jagdliebhaber, deren einem die Strecksehnen am Daumen mit der Axt abgehauen sind, haben den Vorfall zur Anzeige gebracht und ist zu hoffen, daß die Waldwärter und Holzhauer bestraft werden und ihnen bedeutet wird, daß sich die freie Jagd nicht auf Menschen erstreckt.
Die Holzhauer sind bekanntlich meist Leute, die sich vom Holzfrevel ernähren bis sie in den königl. Forsten beschäftigt werden und man sie dann nebenbei dazu benutzt, um des Sonntags unentgeltlich die Hirsche und Rehe zu treiben, welche man zu Zweckessen etc. schießt. — Diese Menschen haben vermuthlich den Aufreizungen der Waldwärter nachgegeben, um ihren letzten Erwerbzweig nicht durch eine Weigerung zu verlieren.
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Hat der Ochse denn eine so dicke Haut, daß er sich bereits dreimal zur Rechnungs-Ablage auffordern läßt?
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„Neue Rheinische Zeitung.“
Die Herren Aktionäre werden hiermit auf Freitag den 15. Dezember, Abends 8 Uhr bei Hamspohn im Freischütz, zu einer außerordentlichen General-Versammlung behufs definitiver Beschlußnahme über Verwaltungs-Angelegenheiten eingeladen.
Köln, 12. Dezember 1848.
Die Geranten der „Neuen Rheinischen Zeitung.“
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Einladung zum Abonnement auf die Mainzer Zeitung.
(Herausgegeben von Karl Bölsche und Ludwig Bamberger.)
Wer Etwas schreibt, der will, daß es so viel als möglich gelesen werde. Woher nähme er das Recht, drucken zu lassen, wenn er seine Arbeiten nicht für lesenswerth hielte? Leider hindert die partikularistische Selbstständigkeit, die auch auf dem literarischen Felde Deutschland zersplittert, daß ein Journal sich selbst auf große Strecken hinaus empfehlen könne. Man muß sich also immer wieder zu dem leidigen Klappern des Handwerkes entschließen, um nur einmal vor die Probe zu kommen. Also: eine Réclame! „Lesen Sie! Lesen Sie! Das Blatt ist vortrefflich!“ — Was sollen wir sagen? — Die Erfolge, welche unsere Zeitung in ihrer natürlichen Umgebung begleitet haben, geben uns den Glauben, daß sie Verbreitung verdiene. Unsere Gesinnung ist mit einem Worte charakterisirt: demokratisch, ohne Klausel, ohne Vorbehalt, demokratisch, wie das Wort vom Volke verstanden wird. Die Auswahl an guten demokratischen Blättern ist jedenfalls so gering, daß es sich der Mühe lohnen wird, auch mit uns es zu versuchen. Wir haben Korrespondenten in den wichtigsten Theilen von Deutschland und in Paris. Wir geben die Verhandlungen von Frankfurt am folgenden, die Börsen-Course am nämlichen Tage; desgleichen Mainzer Marktberichte; ein Feuilleton in zwangloser Folge, nach Maßgabe des Materials und der Weltstimmung. Die demokratischen Vereine von Rheinhessen, der demokratische Turnerbund von ganz Deutschland haben uns zu ihrem Organe bestimmt. Der Central-Ausschuß in Berlin steht in direkter Verbindung mit uns.
Das Abonnement auf die Mainzer Zeitung beträgt vierteljährig im Großherzogthum Hessen, der Provinz Hanau, dem Herzogthum Nassau, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt fl. 2. 30 kr. In anderen Gegenden tritt, je nach der Entfernung, ein entsprechender Postaufschlag ein.
Bestellungen auf die Mainzer Zeitung wolle man bei den zunächst gelegenen Postämtern und zwar möglichst bald machen, indem auf vollständige Exemplare, nur bei rechtzeitigem Eintreffen der Bestellung in Mainz, gerechnet werden kann.
Ankündigungen werden mit 4 kr. für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet. Mainz, im Dezember 1848.
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Heute Mittwoch den 13. Dezember, Abends 8 Uhr, findet der vierte große Festball unter Leitung des Herrn Franken Sohn Statt. Zur gefälligen Nachricht diene, daß die Karten nur für die bezeichneten Eingeladenen Gültigkeit haben.
Franz Stollwerck.
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Oberländische Küche Langgasse 1.
Gastwirthschaft und Restauration.
Zu jeder Tageszeit alle der Saison angemessene Speisen, vorzügliche Weine, Liqueure, Punsch etc.
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Theater-Anzeige.
Mittwoch den 13. Dezember: Die weiße Frau.
Komische Oper in 3 Akten von Boieldieu.
Anna, Frl. Minna Marpurg, vom Theater in Königsberg. Jenny, Frl. Auguste Marpurg, vom Theater in Dresden als Gäste.