[1003]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 186. Köln, Donnerstag den 4. Januar. 1849.
@typejExpedition
@facs1003
Bestellungen auf die „Neue Rheinische Zeitung“ für das jetzige Quartal, Januar bis März 1849, wolle man baldigst machen und zwar in Köln bei der Expedition der Zeitung (unter Hutmacher Nr. 17), auswärts bei allen Postanstalten Deutschlands.
Für Frankreich übernimmmt Abonnements Herr Dr. Ewerbeck, rue de l'Ulm 33 in Paris und das königl. Oberpostamt in Aachen, für Holland und Belgien: die belgischen Briefpostämter, für Großbrittanien: Mr. Thomas, Catherine Street-strand in London und das belgische Briefpostamt in Ostende.
Durch den Wegfall des Stempels wird der Abonnementspreis ermäßigt und beträgt von jetzt ab für Köln nur 1 Thlr. 7 Sgr. 6 Pf., bei allen preußischen Postanstalten, (das Porto einbegriffen) nur 1 Thlr. 17 Sgr. vierteljährlich; für Abonnenten im übrigen Deutschland tritt ein verhältnißmäßiger Postaufschlag hinzu.
Die Redaktion bleibt unverändert.
Die bisherigen Monatsgänge der „Neuen Rheinischen Zeitung“ sind ihr Programm. Durch ihre persönlichen Verbindungen mit den Chefs der demokratischen Partei in England, Frankreich, Italien, Belgien und Nordamerika ist die Redaktion in Stand gesetzt, ihren Lesern die politisch-soziale Bewegung des Auslandes richtiger und klarer abzuspiegeln, als irgend ein anderes Blatt. Die „N. Rh. Ztg.“ ist in dieser Beziehung nicht blos das Organ der deutschen, sondern der europäischen Demokratie.
Inserate: Die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 1 Sgr. 6 Pf.
Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen unseres Blattes eine sehr weite Verbreitung. Die Gerantur der „Neuen Rheinischen Zeitung.“
Durch die bedeutend vergrößerte Auflage unserer Zeitung ist es unmöglich geworden, Anzeigen, welche noch für den folgenden Tag in die Zeitung inserirt werden sollen, bis 1 Uhr Mittags anzunehmen; wir ersuchen daher das geehrte Publikum, die Anzeigen bis 12 Uhr Mittags in die unterzeichnete Expedition abzugeben.
Köln, den 3. Januar 1849.
Die Expedition der „Neuen Rheinischen Zeitung.“
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Deputation und Adresse an Herrn Nikolovius.) Münster. (Die Stellen in der politischen Prozeßkomödie.) Dortmund. (Tagesordnung des rhein.-westphäl. Kongresses der konstit. Centralvereine.) Berlin. (Verhaftsbefehle) Striegau [in Schlesien]. (Verhaftungen. — Die Eintheilung der Wahlkreise. — „Selbstständigkeit“ der Urwähler.) Stettin. (Festmahl zu Ehren Gierke's.) Wien. (Die Standrechtblätter über L. Napoleon und die Verhältnisse in Frankfurt. — Ein Curiosum aus dem Reichstag. — Ministerielle Finanzberathungen. — Die „Presse“ gegen die pol. Deputirten. — Die Loyalitätsadressen. — Aussicht auf Septembergesetze. — Neue Journale in Grätz. — L. Raveaux. — Welden. — Das Proletariat. — Der Sultan Standrechtsverbündeter. — Der „Lloyd“ über Metternich und Palmerston. — Frankreichs Verrath an den Völkern. — Warnung. — Schmerling. — Russen unter den Serben. — Finanzmanöver des Ministeriums. — Die „Presse“ über Deutschland. — Die Einnahme Raab's. — Verfahren gegen die Gefangenen Ungarn's. — Der Kampf in Ungarn.) Dresden. (Wahlsiege der Vaterlandsvereine.)
Italien. Palermo. (Die Zwangsanleihe. — Die Armee. — Desertionen aus der neapolitanischen Armee. — Die Deputirtenkammer für den Anschluß an die Constituante. — Antonius.)
Neapel. (Rüstungen.) Rom. (Die „Abba“ über die Lage der Dinge. — Das neue Ministerium. — Abreise Rapier's. — Gavazzi nicht ausgewiesen. — Anstalten zum Empfange des Pabstes in Civita-Vecchia.) Modena. (Auflösung der Nationalgarde.) Mantua. (Vorbereitungen zum Kriege.) Genua. (Konstitutionelle Demonstration)
Französische Republik. Paris. (Attributionen des Präsidenten. Jury von Blousenmännern. — Das christlich-germanische, jüdisch-germanische und französische Weib. — Vermischtes)
Deutschland.
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[ * ] Köln, 2. Januar.
Heute Mittag begab sich eine Deputation Düsseldorfer Bürger, welcher sich Deputationen des hiesigen Arbeitervereins und der demokratischen Gesellschaft angeschlossen hatten, im Ganzen 16 Personen, zu dem Generalprokurator, Herrn Nicolovius, um demselben die nachfolgende Adresse zu überreichen. Auf die mündlichen Vorstellungen, unter welchen die Uebergabe der Adresse erfolgte, äußerte Herr Nicolovius im Wesentlichen, daß die Untersuchungen gegen die Bürger Lassalle, Cantador und Weyers möglichst beschleunigt und ihnen selber während der Verhaft alle zulässigen Erleichterungen zu Theil werden sollten. Was die Beschwerde darüber anlange, daß gegen die Ungesetzlichkeiten, welche Beamte seit der Erklärung des Belagerungszustandes in Düsseldorf verübt haben sollten, von Seiten der rheinischen Justiz nicht eingeschritten worden sei, so müsse er anheimgeben, sich deshalb an seinen Vorgesetzten, den Herrn Minister der Justiz, zu verwenden. Uebrigens würden diese Vorfälle ja wohl in der nächsten Sitzung der Landesrepräsentanten zur Sprache gebracht werden.
Erwähnte Adresse lautet:
An den Königlichen General-Prokurator zu Köln Herrn Nicolovius Hochwohlgeboren.
Bereits ist vielfach öffentlich die Klage laut geworden, daß in Folge der jüngsten politischen Zerwürfnisse fort und fort nur Bürger und Private zur gerichtlichen Verantwortung gezogen werden, daß dagegen nirgendwo gegen Behörden und Beamte, selbst bei den offenbarsten Ungesetzlichkeiten und Gewaltthaten, eingeschritten worden ist. Man hat sich vergebens bemüht, Gründe des Rechtes für diese befremdende Erscheinung aufzufinden und es bleibt am Ende nur die traurige Annahme, daß die richterliche Gewalt, die doch berufen ist, ohne Ansehen der Person und erhaben über allen Partheiung das Gesetz zu handhaben, zu schützen und nur dem Gesetze zu leben, sich zu einer Parthei geschlagen habe, die das Gesetz über den Haufen wirft, nachdem sie durch die Gewalt den Sieg davon getragen.
Denn was ist geschehen und was geschieht? Eine Versammlung von Männern, die gesetzlich zur Herstellung eines neuen Staatsgebäudes zusammen berufen war, ist durch den Machtspruch einer Gewalt, der sie gleichberechtigt, wenn auch nicht mit gleichen Kampfmitteln, gegenüberstand, nicht blos verlegt und vertagt, nein sie ist unter dem offenbarsten Bruche feierlicher Gelübde und rechtskräftig bestehender Gesetze aufgelößt und auseinander getrieben worden. Die Herrschaft des Gesetzes ist gebrochen und eine Usurpation an ihre Stelle getreten, die sich vergebens bemüht, das beleidigte Recht durch begütigende Geschenke zu versöhnen. Und dieser Usurpation haben die Vertreter des Gesetzes sich freundlichst zugewendet und sind beeifert, ihr als einer gesetzlichen Macht das Recht zu vindiciren. Sie betrachten sie als die legitime Regierung und bemühen sich nach Kräften, die Männer des Volkes, welche der Gewalt zum Trotz an dem Rechte festhielten und für das Gesetz zu kämpfen bereit waren, als Verschwörer, Aufrührer und Hochverräther in die Kerker zu werfen und den schwersten Strafen zu überliefern.
Wie ganz anders dagegen das Verhalten der Gerichte gegen Behörden des Civil- und Militärstandes, die, noch abgesehen von dem „Rechtsboden“, auf dem sie sich bewegten, in ihren einzelnen Maaßnahmen und Anordnungen sich die gröbsten Ungesetzlichkeiten haben zu Schulden kommen lassen! Hier willkürliche Suspension der unverbruchlichsten Rechte, gewaltsame Einführung von Ausnahmezustände, die Leben und Eigenthum der Bürger den Exzessen wüthender Soldatenhaufen preisgaben, Unterdrückung des Vereinsrechts, der Preßfreiheit, gewaltsame Entwaffnung der Bürger, Verletzungen jeder Art eines kaum erst erlassenen Gesetzes zum Schutz der persönlichen Freiheit — und Angesichts aller dieser Thatsachen auch nicht eine einzige gerichtliche Behörde, die Entschlossenheit zeigte, dieser obrigkeitlichen Anarchie entgegenzutreten! Auch nicht ein Versuch, dem Gesetze Schutz zu gewähren gegen die Uebergriffe der Gewalthaber! Wahrlich wo mit so verschiedenem Maaße gemessen wird, da kann von einer Gleichheit vor dem Gesetze, von einer vertheilenden Gerechtigkeit nicht mehr die Rede sein!
Auch wir, die unterzeichneten Bürger der Gemeinde Düsseldorf, haben über diese vertheilende Gerechtigkeit die schlimmsten Erfahrungen zu machen gehabt. Männer wie F. Lassale, der in der kurzen Zeit seines öffentlichen Auftretens sich die zahlreichsten und begeistertsten Freunde erworben hat, während seine ärgsten Feinde ihm die Gerechtigkeit lassen müssen, daß er die Kräfte seines reichbegabten Geistes, die Gewalt seiner Rede und seine unermüdliche Thätigkeit nur der Aufrechthaltung der verfassungsmäßigen Freiheit gewidmet und den Boden des gesetzlichen Widerstands keinen Augenblick verlassen hat — sie schmachten seit Wochen im Kerker und sind Untersuchungen ausgesetzt, die, auf die widersinnigsten Denunziationen gebaut, leicht ins Endlose fortgesponnen werden können. Aber auf die Anklagen, welche hiesige Bürger gegen den Herrn Regierungs-Präsidenten v. Spiegel und den Herrn Generallieutenant v. Drigalski wegen der handgreiflichsten Gesetzwidrigkeiten an die Staatsbehörde gerichtet haben, ist auch nicht das Mindeste erfolgt. Ja es scheint, daß selbst die Regierung, in deren Interesse sie doch gehandelt haben, sich noch eher veranlaßt sieht, sie zur Rechenschaft zu ziehen, als die hiesige Prokuratur.
Wir wenden uns daher an Sie, Herr General-Prokurator, um laute Klage zu erh[e]ben gegen diese schreiende Ungerechtigkeit. Wir ersuchen Sie, von den Verbrechen Kenntniß zu nehmen, welche hiesige Beamte seit der Erklärung des Belagerungszustands verübt haben und zu verordnen, daß auf Grund derselben Verfolgungen eingeleitet werden.
Wir ersuchen Sie ferner sich Bericht geben zu lassen über die schwebenden Untersuchungen, besonders über die gegen die Bürger Lassalle, Cantador und Weyers, welche auf die Art. 87, 91 und 102 C. P. gerichtet sind. Wir ersuchen Sie, sich über den Gang dieser Untersuchungen zu unterrichten und zu veranlassen, daß sie mit Beseitigung aller nicht auf positive Anzeigen sich stützender Nachforschungen schleunigst ihrem Ende zugeführt werden. Denn so sehr wir überzeugt sind, daß sich schwerlich ein Anklagesenat finden wird, der auf das Ergebniß dieser Untersuchungen eine Verweisung vor die Gerichte aussprechen möchte, so sehr müssen wir befürchten, daß die Untersuchungen selber, falls ihre Beschleunigung nicht besonders eingeschärft wird, über Gebühr, sei es absichtlich oder unabsichtlich, in die Länge gezogen werden. Ist es doch notorisch, daß der Richter, welcher sie führt, zu den entschiedensten politischen Gegnern der Angeschuldigten gehört und nimmt man das Beispiel hinzu, welches die jüngsten Assisenverhandlungen zu Köln geliefert haben, so darf es nicht Wunder nehmen, wenn der Argwohn mehr und mehr um sich greift, daß es auch darauf abgesehen sei, die Männer, welche das Vertrauen des Volkes besitzen, ihm fernzuhalten, und zwar gerade jetzt, wo alles aufgeboten wird, eine den jüngsten Staatsstreichen günstige Landesrepräsentation zu erzielen. So grundlos solche Vermuthungen auch sein mögen — die ganze Haltung, welche die Gerichte angenommen haben, berechtigt leider nicht, sie von vornherein als völlig unglaubhaft von der Hand zu weisen.
Nicht wenig Nahrung giebt diesem Mißtrauen, welches am Ende alle Zuversicht auf unsre gerichtlichen Institutionen vernichten muß, auch die willkürliche Art, wie die Beschuldigten während der Haft behandelt werden. Und das ist ein weiterer Punkt, über den wir bei Ihnen, Herr General-Prokurator, Beschwerde zu führen haben. Während sonst für alle Gefangene bestimmte Tage angesetzt sind, an denen sie Besuch empfangen dürfen, ist bei unsern wegen politischer Vergehen Verfolgten in dieser Beziehung eine sehr große Ungleichmäßigkeit der Behandlung hervorgetreten. Lassalle z. B. durfte während dreier Wochen nur zweimal und zwar jedesmal höchstens 10 Minuten Besuch empfangen, und dem Arbeiter Weyers wurde sogar [Fortsetzung]
[Feuilleton]
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@facs1003
Ein Brief Heinrich Heine's
an
Varnhagen von Ense
über
Ferdinand Lassalle.
Paris, 3. Januar 1845.
Theuerster Varnhagen!
Es ist dies der erste Brief, den ich in diesem neuen Jahre schreibe und ich beginne ihn mit dem herzlichsten Glückwunsch. Möge in diesem Jahre leibliches und geistiges Wohlsein Sie beglücken. Daß Sie von körperlichen Leiden so oft niedergedrückt, höre ich mit größter Betrübniß. Ich hätte Ihnen gern zuweilen ein tröstendes Wort zugerufen, aber Hekuba ist eine schlechte Trösterin. Mir ging es nämlich in der letzten Zeit spottschlecht und das Schreiben erinnert mich beständig an mein körperliches Mißgeschick: ich kann kaum meine eigenen Schriftzüge sehen, indem ich ein ganz geschlossenes und ein bereits sich schließendes Auge habe und jeder Brief mir nur neue Pein verursacht.
Ich ergreife daher mit innigster Freude die Gelegenheit, Ihnen durch einen Freund mündlich Nachrichten von mir zukommen zu lassen und da dieser Freund in alle meine Nöthe eingeweiht ist, so kann er Ihnen umständlich mittheilen, wie entsetzlich mir von meinen nächsten Sippen mitgespielt worden und was etwa in dieser Beziehung noch für mich zu thun wäre.
Herr Lassalle, der Ihnen diesen Brief bringt, ist ein junger Mann von den ausgezeichnetsten Geistesgaben, mit der gründlichsten Gelehrsamkeit, mit dem weitesten Wissen, mit dem größesten Scharfsinn, der mir je vorgekommen. Mit der reichsten Begabniß der Darstellung verbindet er eine Energie des Willens, eine Habilité im Handeln, die mich wahrhaft in Erstaunen setzen, und wenn seine Sympathie für mich nicht erlöscht, so erwarte ich von ihm den thätigsten Vorschub. Jedenfalls war diese Vereinigung von Wissen und Können, von Talent und Charakter für mich eine freudige Erscheinung und Sie bei Ihrer Vielseitigkeit im Anerkennen werden gewiß ihm volle Gerechtigkeit wiederfahren lassen.
Herr Lassalle ist nun einmal so ein ausgezeichneter Sohn der neuen Zeit, der nichts von jener Entsagung und Bescheidenheit wissen will, womit wir uns mehr oder minder in unserer Zeit hindurchgelungert und hindurchgefaselt. Dieses neue Geschlecht will genießen und sich geltend machen im Sichtbaren; wir, die Alten, beugten uns demüthig vor dem Unsichtbaren, fischten nach Schattenküssen und blauen Blumengerüchen, entsagten und flennten und waren doch vielleicht glücklicher, als jene harten Gladiatoren, die so stolz dem Kampftode entgegengehen.
Das tausendjährige Reich der Romantik hat ein Ende und ich selbst war sein letzter und abgedankter Fabelkönig. Hätte ich nicht die Krone vom Haupte fortgeschmissen, sie hätten mich richtig geköpft — —
Vor vier Jahren hatte ich, ehe ich abtrünnig wurde von mir selber, noch ein Gelüste mit den alten Traumgestalten herumzutummeln im Mondschein, und ich schrieb Atta Troll, den Schwanengesang der untergehenden Periode und Ihnen habe ich ihn gewidmet. Das gebührte Ihnen, denn Sie sind immer mein wahlverwandtester Waffenbruder gewesen, in Spiel und Ernst. Sie haben gleich mir die alte Zeit begraben helfen und bei der neuen Hebammendienst geleistet — ja, wir haben sie zu Tage gefördert unter Schrecken — es geht uns wie dem armen Huhn, das Enten-Eier ausgebrütet hat und mit Entsetzen sieht, wie die junge Brut sich in's Wasser stürzt und wohlgefällig schwimmt.
Ich bin durch Buchhändlerkontrakt verpflichtet, den Atta Troll herauszugeben; das soll in einigen Monaten geschehen — mit Vorsicht, damit man mir nicht den Prozeß macht und mich köpft.
Sie merken, theurer Freund, wie vag', wie ungewiß mir zu Muthe ist. Solche schwachmatische Stimmung ist jedoch zumeist in meiner Kränklichkeit begründet. Schwindet der Lähmungsdruck, der gleich einem eisernen Reifen mir die Brust einklemmt, so wird auch die alte Energie wieder flügge werden. Ich fürchte jedoch, das wird noch lange dauern. Der Verrath, der im Schooße der Familie, wo ich waffenlos und vertrauend war, an mir verübt wurde, hat mich wie ein Blitz aus heiterer Luft getroffen, und fast tödlich getroffen.
Wer die Umstände erwägt, wird hierin einen Meuchelmords-Versuch sehen. Die schleichende Mittelmäßigkeit, die 20 Jahre lang harrte, ingrimmig neidisch gegen den Genius, hatte endlich ihre Siegesstunde erreicht. Im Grunde ist auch das eine alte Geschichte, die sich immer erneut.
Ja, ich bin sehr körperkrank, aber die Seele hat wenig gelitten. Eine müde Blume, ist sie ein bischen gebeugt, aber keineswegs welk und wurzelt noch fest in Wahrheit und Liebe.
Und nun leben Sie wohl, theuerster Varnhagen. Mein Freund Lassalle wird Ihnen sagen, wie viel und wie unaufhörlich ich an Sie denke, was um so begreiflicher, da ich jetzt gar nicht lesen kann und bei den langen Winterabenden nur von Erinnerungen mich erheitere.
Heinrich Heine.
Wie unsere Leser aus dem Datum sehen, wurde der vorstehende [1004] Brief heute vor vier Jahren geschrieben. Heine ist noch immer krank und sein Freund Lassalle sitzt augenblicklich zum dritten Male im Gefängniß. Im Grunde ist das auch nur die alte Geschichte, die sich immer erneut. — — Wenn Lassalle schon zwei Mal in langer Haft saß und die Tortur einer achttägigen Assisenverhandlung zu bestehen hatte, weil er die „Energie seines Willens“ und seine erstaunliche „Habilité im Handeln“ zu Gunsten einer unglücklichen Frau geltend machte, so finden wir ihn in diesem Augenblick in einen Prozeß verwickelt, weil er der irrigen Ansicht war, daß im März die Sache des Volkes gesiegt habe, ja, weil er als Vertheidiger der kaum errungenen Freiheit auftrat.
„Die schleichende Mittelmäßigkeit“, die sich jüngst so lärmend breit machte, ließ den jungen, vierundzwanzigjährigen Genius, mit seinen „ausgezeichneten Geistesgaben“, mit seiner „gründlichen Gelehrsamkeit“, mit seinem „weiten Wissen“ u. s. w. schmählich im Stich. — —
Wenn daher gestern, wie unsere Leser aus einem Artikel unsrer heutigen Zeitung ersehen werden, die Deputationen der Düsseldorfer Bürger und mehrerer hiesigen Vereine, sich mit dem Ersuchen an den General-Prokurator wandten, die Untersuchung gegen Lassalle zu beschleunigen und ihm die Freiheiten des Kerkers zu gestatten, welche ihm den Gesetzen gemäß zustehen, so können wir diesem Ersuchen nur unsere Bitte hinzufügen und den Wunsch aussprechen, daß man nicht im Kerker verkümmern lasse, was unser armes Land an Jugend hat, an Talent und an allen jenen Fähigkeiten, die einer der größten Geister so richtig zu würdigen wußte.
Doch den rheinischen Richtern wird es auf's Neue vorbehalten sein, Jemand der Freiheit wiederzugeben, der sich der Freiheit rücksichtslos opferte.
[Deutschland]
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@typejArticle
@facs1004
[Fortsetzung] jede Kommunikation mit seiner Ehefrau verwehrt. Der Arme, der nicht im Stande ist, sich selbst zu beköstigen, durfte nicht einmal Butter und Brod erhalten, während er mit Leuten zusammengesperrt wurde, deren Gesellschaft für den braven, ehrlichen Arbeiter im höchsten Grade erniedrigend sein muß. Ist es nicht eine grausame Quälerei, Männer, die politischer Vergehen beschuldigt sind, auf solche Weise den ungerecht[e]sten Beschränkungen zu unter[w]erfen, muß es nicht den Anschein nehmen, als ob man die Vorhaft, die doch nur den Zweck haben soll, die Untersuchung zu erleichtern, als eine Strafe für verwerfliche Gesinnungen gelten lassen wolle? Gewiß muß es so erscheinen, und wir können Sie daher, Hr. General-Prokurator, auch in diesem Punkte nicht dringend genug ersuchen, dahin zu wirken, daß den uns theueren Verhafteten alle mit den Zwecken der Vorhaft verträgliche Erleichterungen ungeschmälert zu Theil werde.
Endlich eine letzte Bitte. Können wir, Hr. General-Prokurator, zu der Kraft Ihrer amtlichen Vermittlung das Vertrauen hegen, daß die schwebenden Untersuchungen unverzüglich zum Abschluß gebracht werden; so glauben wir ebenso von Ihnen erwarten zu dürfen, daß, falls die Entscheidung des Geschwornengerichts über den einen oder andern der Beschuldigten nothwendig werden sollte, eine außerordentliche Assisensitzung anberaumt werde, damit für die schwer Verfolgten um so eher der Tag der Freiheit anbreche. Wir fordern nichts Unbilliges, denn wir bedenken, daß es nicht gewöhnliche Anklagen sind, um die es sich handelt, Anklagen, bei denen nicht sowohl die Handlungen einzelner Individuen, als die Bestrebungen einer großen politischen Parthei abgeurtheilt werden sollen.
(Folgen 2800 Unterschriften.)
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@facs1004
[ 77 ] Münster, 1. Jan.
Als das Volk im März seine Dränger für einen Augenblick zum Taumeln und um die Besinnung gebracht hatte, war es großmüthig und milde, selbst gegen die, welche nicht den Hut vor ihm zogen. Die Reaktion dagegen zeigt sich als Inbegriff der blödsinnigsten Verfolgungssucht und des niedrigsten Egoismus. In Münster hatte die Revolution wenig Wurzel geschlagen; es gab dort nur wenige namhafte Männer, die entschieden und mit Bewußtsein der neuen Zeit gehörten. An eine demokratische Partei war damals noch nicht zu denken, drum fehlte es auch an jeder Thätigkeit für lieberale Wahlen. —
Der sehr reiche Adel und der damit verbundene Klerus (der seine Wirksamkeit durch den katholischen Verein bethätigte und sämmtliche Deputirte durchsetzte), das sogenannte Altmünster und die Patrizier und Ren[i]ner, endlich das hier zusammengehäufte Beamtenthum, verhinderten jede liberale Wahl. — Dem Volke hatte man glauben gemacht, es handle sich blos um die Religion!
Allmälig hat sich jedoch eine zahlreiche demokratische Partei gebildet, die in der eigentlichen Bürgerklasse ihre Stütze findet. Aber auch auf dem Lande hat sie bedeutenden Anhang erworben, weil das Landvolk die ihm bereiteten Täuschungen begriffen hat. Da nun die Demokratie im Münsterlande allmälig guten und nachhaltigen Boden gewann, so war's kein Wunder, daß die Feinde sich rüsteten. Zwei Menschen sind es besonders, die den Mittelpunkt der Verfolgungen bilden; — der Eine, der unter dem Titel eines „General-Mandatars seiner Eltern“ die gutsherrlichen Gefälle derselben bei den Gerichten eintrieb und unter der Aegide seines Bruders rasch zum R.-Präsidenten stieg; der Zweite ist der bekannte Banquier v. O., ein Bruder der bekannten Brüder —.
Der erste hat das Unglück, daß, wo er sich aufgehalten, Denunziationen so wohlfeil waren, wie Brombeeren. Als er z. B. noch Landrath in H. war, wurde unter Anderm eine scheußliche Inquisition gegen den freisinnigen Gymnasialdirektor K. wegen entstellter Aeußerungen in der Schule eingeleitet, — die Schüler wurden durch den Pastor Platz — heimlich vernommen und Herr K. entging nur mit Mühe der Intrigue. Als H. v. B. in Minden war, entwickelten sich die Denunziationen ebenfalls zur vollsten Blüthe. Man munkelt, daß Niemand anders als H. v. V. die Auswahl der wegen des Congresses Verhafteten trifft — Wohl möglich, weil bei einem Manne Alles möglich ist, von dem Hr. Pastor Platz ‥‥ in vollem Ernste gesagt: Hr. v. B. seie so voll der Gnade des Herrn, daß er nie die Kirche zu besuchen brauche!
Der Genosse v. O. ist bekannt — der mißbeliebteste Mann Müns[i]ers, als solcher auch bei jeder Volksaufregung zertrümmerte Fensterscheiben beklagend (seine Glaserrechnung soll sich beiläufig gesagt dies Jahr in die Hunderte summiren) ist dennoch Meister vom Stuhl und vom Kredit — er hat aber auch in Berlin sehr kräftige Unterstützungen durch seinen Bruder, den bekannten Intendanten v. O., den reaktionärsten Mann und eine Hauptstütze der „Neuen Prß. oder Galgen-Zeitung.“ — Die Polizei, die er privatim exerzirt, kann mit der Justiz Hand in Hand gehen, denn der Oberlandesgerichts-Vicepräsident v. O. ‥‥ (zugleich Aspirant auf die erledigte Chefpräsidentenstelle) ist sein Bruder, und dieser hat wieder einen Schwiegersohn bei dem Land- und Stadtgericht, der zwar nur Assessor ist, aber seiner Fähigkeiten wegen, das ganze Stadtgericht, „das Erleuchtete!“, im Schlepptau führte. — Die Reaktionswuth des Schwiegervaters hat sich im Schwiegersohn vollständig verjüngt und neu gekräftigt.
Die Rollen in der hiesigen politischen Prozeßkomödie sind vertheilt, der Vorhang geht auf!
Wegen des hier gehaltenen westfälischen Congresses hat der Magistrat denunzirt; — der Assessor v. H. soll sogar der Dezernent sein, obwohl er Verwandter des Denunzirten ist. Nicht blos das Land- und Stadtgericht, sondern auch das O.-L.-Gericht besteht mit wenigen Ausnahmen aus mit dem Patriziat engverbundenen münsterschen Kindern. Jeder Fremde und daher auch Hr. Temme ist diesen exklusiven Sinekuristen ein Gräuel. Der juristische Ruf sämmtlicher Kollegien ist gleich Null! Der Präsident v. O. hat nie die dritte Prüfung bestanden, ist demohngeachtet unbestritten der schlauste Mann Münsters und sonst Hauptkonsulent des Adels gewesen. Die Olfers'sche Familie ist, wie die Sethe'sche, Kisker'sche, Rinteln'sche, eine kleine Beamtenhierarchie. Der Geheimrath v. Hartmann war als Stellvertreter für Münster Mitglied der äußersten Rechten, so äußerst, daß er unversehens aus der Thür rutschte und zurückkam ohne — ein Wort gesagt zu haben.
Der Geheimrath v. Viebahn, obwohl vermögend, wurde dem Minister als arm und bedürftig notirt, um eine Zulage zu erringen, die sonst ursprünglich den Subalternbeamten bestimmt war. —
Der Rath Hellweg ist ein echtes Münstersches Kind, der es im März glücklich zum Stadtrathe gebracht, dann aber aus Furcht seinen Posten (wegen der damals in Münster herrschenden Bewegung gegen den Magistrat) verließ, und seit dieser Zeit jede Bewegung wüthend haßt.
Die Mitglieder des Kriminal-Senats, welche hier zunächst in Frage kommen, und wo jedes auf seine Weise sich ein ewiges Denkmal gesetzt hat, heißen:
Temme, Tushaus, v. Velten, Freusberg, Sethe u. v. Druffel.
Tushaus war das bekannte Mitglied der äußersten Rechten, das allnächtlich von Volkswuth und erhaltenen Püffen und Stößen träumte. Seine Wuth verließ ihn nicht, selbst als die Mehrheit seiner Wähler ihn mit Mißtrauensvota überschütteten — er blieb! Er fühlte sich stark als Mitglied des katholischen Vereins! Auch Rath v. Detten sucht Trost und Muth in diesem Vereine —. Ich erwähne nur beiläufig, daß sein Bruder Rentmeister des Grafen v. Galen ist. Bei Rath Freusberg bemerke ich blos, daß es seinem Schwager, dem Med.-Rath Turtual, eben jetzt nach einer Regierungsmedicinalraths-Stelle juckt.
Rath Sethe ist ein ganz naher Verwandter des Berliner Sethe, und
v. Druffel der einzige nicht altadelige Mann in Münster, welcher, unstreitig seiner Verdienste wegen, Mitglied des exklusiven Adelsclubs geworden. Von dem Adel war er auch zum Jagdtheilungskommissar gewählt, und hatte in Folge dessen die heftigsten Differenzen mit Gierse. Außer dem Rath Stahlknecht gibt es keinen einzigen, auch nur einigermaßen freisinnigen Beamten bei dem Oberlandgericht.
Noch betrübter in dieser Beziehung sieht es bei dem Stadtgericht aus.
Was den Direktor Hülsmann, einen Freund von B. und weiblich-schwachen Mann betrifft, so haben Plakate am Stadtgerichtsgebäude gestanden, die höchst unangenehm gelautet haben sollen und wohl nur deshalb zu keiner gerichtlichen Verfolgung geführt haben, weil die Verfolgung politischer Verbrechen natürlich den Vorrang hat. Der zweite Direktor, Hr. Giese, ist neben seinem Amte Rentmeister für hohe Adlige, was ihm jährlich über 1000 Thlr. einbringt.
Der Schwager des Inquirenten Justizrath Ludorf in Warendorf ist Mitglied des Westphälischen Kongresses gewesen, ebenso ein Schwager des Oberlandesgerichtsrath v. Unger. Die kühnen Griffe des Stadtgerichts scheinen erlahmt. War es zu bedenklich, den Stadtrath Zumloh, den Rittergutsbesitzer Humann zur Untersuchung zu ziehen, weil es Münstersche Kinder sind und verwandt mit einflußreichen Personen? Das Mitglied Dierix war gleichfalls ein vom Adel gewählter Jagdtheilungskommissar. Er sowohl, als der Rath Kocks, der nur von den Jesuiten träumt, sind Mitglieder des katholischen Vereins. Rath Schweling ist erbitterter Reaktionär, weil ihn die Silhouetten des volksthümlichen Hermann getroffen. Rath Hoffbauer — ihr Götter — verkennt nicht den fabelhaften, der — „bim, bim“? — Wäre nicht selbst seine Frau über ihn tiefsinnig geworden, man könnte von der Zukunft Anderes hoffen.
Bei Gelegenheit eines Preßprozesses gegen Steinmann wurde er von dem Oberlandgericht entfernt, weil das Ministerium die geschäftliche Verbindung mit dem Präsidenten Olfers für unzulässig hielt. — Die Sache hat sich nicht geändert.
Das sind die Helden des Drama — das nach den §§. des heiligen preußischen Landrechts sich entwickeln wird. Zum Schluß will ich nur abermals hervorheben, daß der eifrigste Gegner der demokratischen Partei und der jetzt Verfolgten der katholische Verein ist, der sich in Plakaten gegen jene Luft gemacht hat. — Können Mitglieder desselben über jene zu Gericht sitzen? Ueber Temmes Hieherkunft war die heilige Hermandad sehr bestürzt. Als Vorstand des Kriminal-Senats konnte er Vieles aufdecken. Seine Haft soll zugleich das Gute haben, daß (so hofft man) er hier nie mehr fungiren kann. Die an[h]ängig gemachten Untersuchungen sollen ferner glauben machen, daß die liberale Partei die Barbareien des 15. Regiments gegen eine Volks-Versammlung veranlaßt habe. Das ist unsere politische Prozeß-Komödie.
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[ * ] Dortmund, 30. Dezember.
Anbei übersende ich Ihnen folgendes saubere Aktenstück, da es schade wäre, wenn es nicht zur Publizität gelangte. Es ist die
Tagesordnung
zu dem außerordentlichen Kongresse des konstitutionellen Centralvereins für Rheinland und Westphalen, welcher am Samstag, den 6. Jan. 1849, zu Dortmund stattfinden wird.
I. Beschluß: Die preußische Verfassung vom 5. Dezember 1848 und deren Durchbildung, im innigsten Anschlusse an die allgemeine deutsche Verfassung, ist fortan das gemeinsame Programm des konstitutionellen Centralvereins für Rheinland und Westphalen.
In Erwägung, daß Oesterreichs Völker und Regierung für den Fortbestand der österreichischen Staatseinheit sich ausgesprochen haben, daß damit über der Eintritt von Deutsch-Oesterreich in den deutschen Bundesstaat nicht vereinbarlich
spricht der Kongreß seine Ueberzeugung aus, daß es höchst dringlich ist, die Verfassung des deutschen Bundesstaates und zwar ohne die fernere Mitwirkung der österreichischen Regierung oder österreichischer Abgeordneten endlich zu vollenden, und daß hierauf baldigst ein möglichst inniges Bundesverhältniß zwischen Deutschland und Oesterreich im Interesse beider Staaten hergestellt werden müsse.
a. Amendement des politischen Klub zu Elberfeld: Der Centralverein ‥… bekennt sich zu der monarchischen Verfassung auf demokratisch-konstitutioneller Grundlage — und erachtet für seine Aufgabe, in Feststellung und Fortentwickelung der mit Verletzung des Gesetzes vom 8. April l. J. am 5. Dezember von der Krone Preußens einseitig gegebenen Verfassung dem demokratischen Elemente Geltung zu verschaffen.
b. Antrag des konstitutionellen Vereins zu Elberfeld: Der von der Minorität der Reichsversammlung gegründete Märzverein ist den verfassungsmäßigen Rechten des Volkes und der Regierungen wie der gesetzlichen Ordnung feindlich; derselbe widerspricht dem Programm des konstitutionellen Gesammtvereins für Rheinland-Westphalen und ist die Betheiligung an demselben von Seite Einzelner sowohl als ganzer Vereine mit einem Verbleiben im Gesammtvereine unvereinbar.
Diesem Antrage sind beigetreten der konstitutionelle Verein zu Wesel, der konstitutionelle Verein für Stadt und Land zu Münster, der konstitutionelle Bürgerverein zu Bonn
c. Erklärung des konstitutionellen Vereins zu Hamm auf das Programm des zu Frankfurt von Deputirten des Reichstags gebildeten Märzvereins: daß er
1. als Regierungsform für Preußen nur die in der Verfassung vom 5. Dezember 1848 gegebene konstitutionelle Monarchie anerkennt;
2. als Vertretung des deutschen Volkes bei der Begründung der deutschen Reichsverfassung einzig den Frankfurter Reichstag anerkennt;
3. in der Begründung des Märzvereins durch Deputirte der Frankfurter National-Versammlung als solche:
einen Widerspruch mit ihrem Mandate als Abgeordnete, — die Absicht, das Vertrauen zur Reichsversammlung zu untergraben, — die Beförderung eines allgemeinen, alle geistigen und materiellen Interessen gefährdenden Mißtrauens, — und Gefahr für die Einheit, für den Frieden und für die Freiheit Deutschlands erblickt.
d. Antrag des konstitutionellen Bürgervereins zu Dortmund: Der Kongreß moge beschließen, daß diejenigen Vereine, welche bei dem Kongresse zu Münster sich betheiligt haben, von dem Centralvereine ausgeschlossen werden.
e. Antrag des Bürgervereins zu Koblenz: „Dem Könige für die Verleihung einer so freisinnigen Verfassung, wie die gegebene, einen Dank auszusprechen.“
f. Antrag des konstitutionellen Vereins zu Obenkirchen: Der Kongreß möge seine entschiedene Mißbilligung des Antrages des Abg. Wesendonk in der deutschen National-Versammlung aussprechen, die Octroyirung der preußischen Verfassungsurkunde betreffend, als eine neue Brandfackel der Anarchie und offenbare Verachtung der wahren Volksstimme, die sich durch die allseitige Zufriedenheit der preusischen Staatsbürger mit der Verfassung selbst und der nothwendig gewordenen Octroyirung kund gegeben hat.
g. Antrag des Burgervereins zu Koblenz: An das königliche Staatsministerium Seitens des Kongresses das Gesuch zu stellen, daß keiner, soll wohl heißen: „Jeder,“ der Ageoroneten, welche am 15. November c. an den Beschlussen der Steuerverweigerung Theil genommen, deshalb verfolgt werde
h. Antrag des konstitutionellen Vereins zu Soest: der Gesammtverein wolle beschließen, eine Petition dahin zu veranlassen, daß das ad 4 der nach dem Patent vom 5. Dezember dieses Jahres in kürzester Zeit zur Publikation zu bringenden Verordnungen erwähnte Gesetz über die Organisation der Gerichte nicht eher zu erlassen, als bis die einzelnen Kreise darüber gehört worden.
II Der Centralverein stellt es sich zur Aufgabe, im Sinne dieses Programmes auf die bevorstehenden Wahlen der Abgeordneten in den beiden Provinzen zu wirken, und zu dem Ende durch die Presse (Zeitungen, Kreis- und Lokalblatter, Flugblätter), durch Vereinsversammlungen und sonstige mit der Freiheit und Unabhangigkeit der Wahl verträgliche Mittel dahin zu streben:
1. die Einsicht und Ueberzeugung zu verbreiten, daß bei der Bedeutung und Wichtigkeit der bevorstehenden Wahlen jeder Staatsbürger nicht blos das Recht, sondern die Pflicht habe, bei den Wahlen mitzuwirken;
2. daß jeder Verein, sei es allein, sei es in Verbindung mit andern Vereinen, die Wahl der Wahlmänner sowohl als der Abgeordneten auf solche Personen lenke, die im Sinne jenes Programmes zu wirken entschieden sind.
(Die nähern Mittel und Wege werden auf dem Kongresse berathen und festgestellt).
a. Antrag des konstitutionellen Vereins zu Odenkirchen: In Betreff der vorzunehmenden Wahlen in die 2. Kammer wolle die Versammlung sich dahin aussprechen, daß: a. jeder Verein durch abzuhaltende Volksversammlungen rrsp. Wahlbesprechungen und Vorwahlen in den einzelnen Wahlbezirken;
b. durch zeitige Versammlung der Wahlmänner, denen eine Kandidatenliste von Deputirten, über deren politische Gesinnung man sich vergewissert, vorzulegen;
c. durch Kommunikation mit benachbarten Vereinen, dem Centralvereine und durch diesen mit allen Gleichgesinnten Preußens
mit allen erlaubten Mitteln auf ein günstiges Wahlergebniß zu wirken habe.
b. Antrag des konstitutionellen Vereins zu Essen: Der Kongreß wolle erklären, daß diejenigen Mitglieder der aufgelösten National-Versammlung, welche den konstitutionellen Rechtsboden verlassen, sich der königl. Botschaft wegen Verlegung und Vertagung der Versammlung widersetzt und nach der Verkundigung derselben fortgefahren haben, in Berlin zu tagen und Beschlüsse zu fassen, als Vertreter des Volkes in die gesetzgebenden Kammern nicht zu wählen seien.
c. Antrag des Burgervereins zu Duisburg: Die Mitglieder der National-Versammlung, welche die Steuerverweigerung beschlossen haben, sollen nicht zur Wahl als Abgeordnete kommen können.
d Antrag des Bürgervereins zu Koblenz: Daß bei den bevorstehenden Wahlen die konfessionellen Unterschiede gänzlich bei Seite gesetzt; daß die Wahl üllerall nur auf solche Männer gelenkt werden möge, die durch sittlichen Wandel, Charakterfestigkeit, Gemeinsinn und Vaterlandsliebe sich des Vertrauens ihrer Mitbürger würdig erwiesen haben.
III. a. Antrag des Bürgervereins zu Duisburg: In dem ordentlichen Kongresse statt eines geschäftsführenden Vereines, wo möglich einen Central-Ausschuß zu wählen, dessen Mitglieder, seien es auch nicht alle, so weit an einem Orte wohnen, um beschlußfähig zu sein.
b Antrag des Gummersbacher Bürgervereins: In Erwägung, daß der Kölner Bürgerverein, wie die Sitzung vom 13. und der Protest vieler Mitglieder in der außerordentlichen Beilage zu Nr. 311 der Kölnischen Zeitung beweisen, unfrei in seinen Berathungen ist und durch den Terrorismus des Pöbels, wie weiland die Berliner National-Versammlung, zu Beschlüssen getrieben wird, welche sich mit seinem Statut nicht in Einklang bringen lassen, so beschließt der Gummersbacher Bürgerverein, bei sämmtlichen verbündeten Vereinen, auf einen Kongreß zur Wahl eines andern vorortlichen Vereins ergebenst anzutragen
Der Gummersbacher Bürgerverein hat hiezu einen Auszug aus dem Protokoll seiner Sitzung vom 17 Dezember 1848 eingesandt, also lautend: Nach verschiedenen Debatten stellte es sich heraus, daß die vom Kölner Bürgerverein versuchte Rechtfertigung uns nicht genügen könne, und wurde vom Sekretär Siebel beantragt:
Den vorortlichen Verein in Köln zu ersuchen, daß der von uns angeregte Gegenstand absolut bei dem nächsten Kongresse auf die Tagesordnung komme,
welcher Antrag mit dem Zusatz vom Pastor Oelbermann: „weil die uns eingesandte Rechtfertigung nicht genügend sei,“ zum Beschluß erhoben wurde.
c. Der konstitutionelle Bürgerverein zu Bonn beantragt eine Berathung, wie durch gemeinsame Thätigkeit der verbundenen Vereine eine Verbreitung geeigneter Flugblätter erzielt werden könne.
Zusatz:
IV. Antrag aller obigen Vereine: Belagerungszustand da, wo noch ein halber Demokrat; allgemeines Standrecht, neue Beschaffung von Kartätschen und Bomben etc. etc. und Verleihung von Orden an die Mitglieder der Bürgervereine und Besetzung der Ministerstellen durch sie.
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@facs1004
[ * ] Berlin, 1. Januar.
Unser Staatsanwalt hat, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, das alte Jahr auf eine seiner bisherigen Thätigkeit würdige Weise beschlossen. Er soll nämlich 167 Verhaftsbefehle gegen Abgeordnete, welche am Steuerverweigerungsbeschlusse Theil genommen, unterzeichnet haben. Diese Maßregel läßt darauf schließen, daß mit dem Monsterprozeß doch vorgeschritten werden soll.
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@facs1004
Striegau, in Schlesien, 29. Decbr
Vorgestern sind der deutsch-katholische Prediger Wander, früher Abgeordneter zur Nationalversammlung, und der Kaufmann Seliger, Präsident des hiesigen demokratischen Clubs, verhaftet und von hier in das Inquisitoriat zu Schweidnitz abgeführt worden. Ein hiesiger Arzt hatte sie wegen Reden denuncirt, die sie während der Novembertage in Volksversammlungen gehalten. Es ist dadurch ihr nicht unbedeutender Einfluß auf die bevorstehenden Wahlen abgeschnitten. Das Resultat derselben ist um so weniger schon jetzt abzusehen, als die früheren Wahlkreise überall verändert sind; so sind in hiesiger Gegend die Kreise Schweidnitz, Neumarkt und Striegau zu einem einzigen Wahlkörper zusammengefaßt, welcher 3 Abgeordnete zu ernennen hat. Die sehr bedeutende Ausdehnung dieses Distrikts erschwert Vorberathungen der Wähler außerordentlich, obgleich sie den Vortheil bieten mag, daß rein lokale und persönliche Interessen schwerer Geltung erlangen. Die Urwahlen werden sich von denen des Mai in ihrem Ergebniß wohl nur sehr wenig unterscheiden. Höchst auffallend ist es jedoch, daß manche mit Ausführung der Wahlen beauftragte Behörden von den Erklärungen gar keine Notiz nehmen, welche das Ministerium zuletzt über die von der Verfassung geforderte Selbstständigkeit der Urwähler gegeben hat. Wenn nach diesen Erklärungen dem Worte für den bevorstehenden Wahlakt durchaus keine exklusive Bedeutung gegeben werden soll, so schließt dagegen eine Bekanntmachung des hiesigen Landrathsamtes die Söhne im elterlichen Hause, das unverheirathete Gesinde, die unverheiratheten Gesellen etc. von der Wahlliste aus. Es wäre dringend zu wünschen, daß über diesen Punkt nochmals sofort eine klare Instruktion an alle Behörden erginge; viele Wahlen müssen sonst vielleicht später kassirt werden.
[([unleserlicher Text]. Z)]
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@facs1004
[ * ] Stettin. 30. Dezember.
Zum Aerger der Galgenzeitung und ihrer Partei der Kamarilla und des Krautjunkerthums, wurde [1005] gestern Abend Hrn. Gierke zu Ehren ein Festmahl veranstaltet, an welchem sich einige hundert Männer, besonders Kaufleute, betheiligten. Unter den zahlreichen Trinksprüchen führe ich den des Dr. med. Scharlau an. Letzterer sagte:
„In den politischen Bewegungen dieses Jahres sind zwei Principien auf dem Kampfplatz erschienen; sie beginnen erst den Kampf gegen einander; sie heißen Absolutismus und Demokratie. Der Kampf wird bald viel ernster werden und mit der Vernichtung des einen enden. Welches? das kann nicht zweifelhaft sein, wenn erwogen wird, daß der Absolutismus, in sich selbst unsittlich, nur die unsittlichen Mittel der Gewalt und Geistesknechtung in seinem Solde hat, während die Kraft der Demokratie in ewigen Wahrheiten ruht. Es lebe die Demokratie!“
Die Reihe schloß Buchhändler Saunier mit folgendem Toaste:
„Dem Andenken der Männer, die mit den Waffen um die Freiheit gekämpft und sie mit ihrem Herzblut bezahlt haben; die nicht todt sind und niemals sterben werden für unsere Dankbarkeit.“
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@facs1005
[ 61 ] Wien, 27. Dez.
Nachdem die Standrechtsblätter Bonaparte's Wahl anfänglich als ein ganz im Geiste des Absolutismus von Irkutz-Olmütz ausgefallenes Mißtrauensvotum wider die Republik begrüßt hatten, und der „Lloyd“ ohne Widerspruch des französischen Ambassadeur's geradeaus den Sturz der Republik verlangte und den guten Oesterreichern quasi schon proklamirte, überfällt eben dieselben Pulver- und Blei und Galgenblätter nun nach der Wahl Bonaparte's eine unheimliche Angst ohne Gleichen. Mit Entsetzen lesen das Ministerium und seine Windischgrätze Napoleon's Feldzüge in Italien und Deutschland; sie beben vor der Begeisterungslosigkeit, mit welcher Frankreich gewählt hat. „Könnten wir in dieser Wahl irgend ein Zeichen hinreißender Begeisterung erblicken“, ruft die „Presse“ aus, „wir wären beruhigt; aber die Franzosen sind in diesem Augenblicke nicht begeistert. Wir fürchten sehr, Frankreich will sich in neue Bahnen werfen. (Ei, ei!) Sollte Louis Bonaparte es versuchen wollen, die Plane seines großen Oheims in seine schwache Hand zu nehmen und in Italien Oesterreich gegenüber den Schiedsrichter und Gründer neuer Geschicke zu spielen? — Wir wagen nicht, es zu verneinen.“ Die kroatischen Spione müssen schlimme Berichte aus Paris geschickt haben, „starkes“ Ministerium des mächtig-ohnmächtigen Oesterreichs!
Wie ich von „offiziell sehr honettem“ Umgang erfahre, sollen darum von den neulich bewilligten 80 Milliönchen einige zur Bestechung nach Paris, ja selbst nach London wandern. Auch Berlin und Frankfurt sollen nicht übergangen werden. In Paris hat, oder wird man vor allen Dingen Herrn Girardin einige Kübel neu geprägter Kremnitzer zum Neujahr mit der sinnreichsten Ueberraschung zustellen, damit er österreichisch auf seiner Posaune von Jericho bläst, und das große Prinzip der Nichteinmischung in's Gehirn Bonaparte's u. s. w. träufelt. Nun, die Pariser werden Girardin's österreichisch-kaiserliche Dukaten in den Goldkübeln der Wechsler nächstens zu sehen bekommen!
In ihrer neu napoleonischen Angst, die auch das Hängen, Erschießen, Verbrennen und Martern der sogenannten „Neudemokratie“ nicht zu bewältigen vermag, möchte sich die österreichische Katze neben Rußland, dessen Krallen sie auch nicht ganz traut, noch gar zu gerne an irgend einen Löwen, Leopard, Adler, selbst an den famosen Hahn vertraulich anschließen; es geht aber nicht. Es bleibt sogar nichts übrig, als dem standrechtlich behandelten Deutschland vornehm-verächtlich die Kur zu machen. Man weiß, der gute Junge nimmt Fußtritte an und läßt sich demungeachtet zu allem gebrauchen. Aber hier ist Preußen aus dem Sattel zu heben. Der Habsburger intriguirt deßhalb mit allen kleinen Kartoffelfürsten, streichelt Frankfurt, ja lobt sogar die preußische Kreatur Gagern, indem er seinen „Lloyd“ z. B. sagen läßt. „Von Frankreich wenden sich die Augen aller Politiker nach Frankfurt (erste wirklich habsburgisch-humoristische Phantasie!). Der Reichsminister von Schmerling hat abgedankt (i. e. Oesterreich ist hinausgewiesen worden) und Heinrich von Gagern hat seinen Platz eingenommen (i. e. die Hohenzollern drohen die kaiserliche Dividende einzuziehen, welche ihnen meine windischgrätzige Brutalität eingebracht hat). Europa sieht dem Streite, welcher sich entspinnen wird (!), mit athemloser Erwartung entgegen (zweite habsburgische Phantasie!). Ob die gigantische Gestalt eines mitteleuropäischen Reichs, welche, eine erhabene Erscheinung, eine Verkünderin einer wirklich neuen Zeit, vor dem innern Auge des Geistes gestanden ist, wirklich in's Leben treten wird, oder spurlos wie ein Nachtgespenst verschwinden soll (ja, aber im andern Sinne, Dalai-Lama!), das ist die welthistorische Frage, welche jetzt auf Entscheidung harrt. Als das Frankfurter Parlament die §§. 2 und 3 der Verfassung annahm, wußte es wahrlich nicht, was es that (Michel wird die Milde dieser Ohrfeige zu erkennen wissen). Deutschland mag zerfallen, Oesterreich wird nicht zerfallen. Deutschland wollte sich einigen, indem es Oesterreich veruneinigte, und diese schwere Versündigung (!!! unverzeihlich!) fällt jetzt auf das eigene Haupt zurück. Eine tiefe Abneigung hat in vielen Theilen Deutschland's gegen Preußen Wurzel gefaßt; das Haus Habsburg und die historischen (metternich-windischgrätzigen) Erinnerungen, welche sich an dasselbe knüpfen, sind noch immer dem deutschen Herzen theuer (habsburgische Liebe! o edles deutsches Herz!). Deutschland hatte stets seine Hintergedanken. (Seit wann ist es so gescheit?) Es wollte den Hafen von Pola. Es wollte die ganze Donau. Es wollte die Einfahrt in das schwarze Meer u. s. w.“ Ist das starke Ministerium nicht wahrhaft ergötzlich in seiner captatio an die habgierige Bourgeoisie, indem es ihr zeigt, was sie bekommt, wenn sie sich den habsburger Kroatenhäuptling gefallen läßt!
Aus dem Reichstag habe ich Ihnen als Kuriosum noch die Aeußerung des Finanzministers zu melden: „Die Lombardei ist für Oesterreich so nöthig, wie Oesterreich der Lombardei.“ Den ersten Theil des Satzes bewahrheitet der Minister damit, daß er das Gold und Silber, welches man in die Lombardei hat schleppen müssen, im Vorgefühle daß die Lombardei den zweiten Theil des Satzes bald als eine Lüge bezeichnen wird, noch rasch wieder herausziehen will, um dafür eine Sündfluth von Banknoten zwangsweise dort unterzubringen, und so die Lombarden am bevorstehenden allgemeinen Bankrott noch Theil nehmen zu lassen. 5000 Kilogramm Banknoten sollen zu diesem Ende bereits an Radetzky abgegangen sein. Schmerling, der hier angekommen ist, Kübeck und Kraus halten in Olmütz permanente Sitzungen zur Berathung der Finanzmaßregeln, denen Frau Sophie präsidirt, während ihr Junge auf einem Schaukelpferde den „jugendlichen“ Dalai-Lama spielt. Die gelehrten Herrn berufen sich umsonst auf die Bewilligung der 80 Millionen durch Hans Jörgel, die Juden bleiben dabei: „Wir haben kein Geld!“ Zu den Erbärmlichen, welche nach nichtssagenden Tiraden die 80 Millionen bewilligten, gehört natürlich auch Schuselka. Nur die Polen haben sich entschieden gegen die Forderung gewehrt. Dafür geißelt sie die Presse, wie folgt: „Was bezwecken die Herrn Borkowski, Bilinski, Turbasiewic's, Hubicki, Langie und Konsorten mit ihren destruktiven Tendenzen? nichts anderes, als das Unglück ihres eigenen Vaterlandes. Sie denken: hat sich nur erst Ungarn von Oestreich losgetrennt, ist die Wiederherstellung Polens in seinen alten Grenzen auch nicht mehr ferne. Nehmen wir an, Kossuth's Partei reussirte, und das Land der Magyaren stände da, eine Macht vom fünften Rang (da es Oesterreichs Hälfte ist, so wäre das „mächtige Kaiserreich“ also nur mehr eine 2/5tels Macht!), was wäre damit gewonnen? Ein Athem Sympathie im Süden, gegen eine Welt voll drohender Gefahr im Norden. Um Pole für ewige Zeit zu bleiben, muß sich der echte Pariot dieses Landes entschließen, vor der Hand Galizianer (i. e. Ruthener), das ist, Genosse der freien verbrüderten (welcher Hohn!) österreichischen Völker zu sein. — Die untersten Schichten dieser Provinz ahnen (mit Hülfe des dargereichten Schnapses) die Nothwendigkeit dieser Politik und befolgen sie instinktmäßig, (i. e. man macht sie besoffen, sagt ihnen, sie seien Ruthener und gibt ihnen ein Schlachtmesser in die Hand) nur die Repräsentanten des Bürgerthums und des niedern Adels, die s. g. „Schlachtizen“ (d. h. die zu schlachtenden Opfer) provoziren den Ruin des Landes u. s. w.“
Sie werden in unsern Blättern ein Heer nach Olmütz geschickter Loyalitäts-Adressen und Deputationen finden. (Ganz wie im Preuß. Staats-Anzeiger und Blättern ähnlichen Gelichters für Potsdam fabrizirte Haufen von Adressen aufgestapelt sind.) Lassen Sie sich davon nicht beirren, sie sind entweder standrechtlich erzwungen oder aus der schwarzgelben Menagerie. Triest verspürt trotz seiner Loyalitätsadresse z. B. venetianische Gelüste. „Schade, daß einige wenige“ (ruft der Lloyd aus) „Triest in Mißkredit bringen, — ich spreche von den Redakteuren und Mitarbeitern des Giornale de Trieste und der Gazetta Triestina. Immer dringlicher stellt sich das Bedürfniß eines Repressivgesetzes in Preßsachen heraus!“
In Gratz werden mit Neujahr 12 mehr oder minder demokratische Journale erscheinen. Das möge Ihnen vom Gegendruck Zeugniß geben, den man dort wider die jetzige Henkergewalt versucht.
In die Ministerien werden lauter Ruthenen, Kroaten und Czechen ernannt. Beweis, daß Oesterreich, um entdeutscht und entmagyarisirt zu werden, immer mehr kroato-czecho-ruthenisirt, oder, was dasselbe ist, russifizirt werden soll. Man sieht den Zeitpunkt herankommen, wo man mit den slavischen Bestien noch einmal die verfaulte Gesammtmonarchie zusammenflicken soll.
Die hiesigen Blätter schreiben die in ihren Kram passenden Artikel Ihres Blattes ab, ohne dessen jemals zu erwähnen.
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@facs1005
[ 121 ] Wien, 27. Dez.
Ich habe Ihnen vor einigen Tagen geschrieben, daß der Gardist Ludwig Raveaux, Bruder des bekannten Abgeordneten und hier ansässiger Kaufmann, eingezogen worden sei. Derselbe ist nunmehr „durch Zusammentreffen von Umständen“, wie die Henkerformel heißt, zum Strang verurtheilt. Er soll den Spiritus zum Anzünden der Sophienbrucke geliefert haben. Sie werden den Blutspruch demnächst mit der Exekution in der offiziellen Henkerzeitung antreffen. Vielleicht wird Python die Milde haben, diesen zweiten Kölner Bürger — sonderbar, daß gerade Köln Python die meisten Opfer liefert; vielleicht kommts noch zur Trias — zu 12 Jahren Schanzarbeit oder Kerker in schwerem Eisen zu begnadigen. Aber statt Python herrscht jetzt Welden hier, der den Meister-Satan weit hinter sich läßt, und keine andere Gnade kennt, als Pulver und Blei. Darum wird Raveaux vielleicht Morgen schon erschossen sein. Das gibt eine Drachenzähnesaat! — In der Nacht werden vor den Mundungen der auf den Basteien aufgestellten riesenhaften Belagerungsgeschützen vom vorübergehenden Volke mitunter kleine Katzenmusiken improvisirt, die Herrn Welden ennüyiren; er hat daher den Befehl ertheilt, bei der geringsten derlei Demonstration mit dem Pfiff der Geschütze zu antworten. Da ihre Mündungen in alle Vorstädte und in die Straßen der Stadt gerichtet sind, wo fortwährend die Menge einherwogt, so können Sie sich einen Begriff von der Wirkung einer solchen Antwort machen. Unser Leben und unser Eigenthum hängen von einem mißliebigen, von den Henkern zum Vergnügen vielleicht selbst improvisirten, Pfiff ab. Das Proletariat, namentlich das verschämte, leidet bei der Kälte die entsetzlichste Noth, aber es muß sich verborgen halten. Auf jede Klage folgt eine Verurtheilung zur Armee nach Italien oder Ungarn neben anhaltender scheußlichster Mißhandlung und Todesmarter. Der Olmützer Korrespondent, ein Bestienblatt pur sang, rühmt die geschehene energische Beseitigung des Proletariats. Das Alles haben wir der cavaignac'schen Junivorlesung zu verdanken, deren Lehre die plumpen Apostel der europäischen Schakale in ihrer Heimath mit dem Fanatismus dieser Bestien nachpredigen.
Das alte Wort, das Wort erschallt:
Gehorche willig der Gewalt!
Dazu aber:
Und bist du kühn, und hälst du Stich,
So wage Haus und Hof und — Dich.
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@facs1005
[ 121 ] Wien, 29. Dezbr.
Die Beilage zur Wienerin versicherte uns gestern Abend: „Eben eingehenden Berichten aus Belgrad vom 24. zufolge, hatte der Fürst Cara Georgewitsch und der serbische Senat nach Eingang der Nachricht, daß der Kaiser von Oestreich die serbische Woiwodschaft mit einem Patriarchat anerkannt habe, beschlossen, ein reguläres Hülfskorps nebst einem bedeutenden Subsidienbeitrag zur Verfügung dieser Woiwodschaft zu stellen. Außerdem wurde die Erlaubniß ertheilt, daß Freischaaren über die Donau setzen dürfen, um zu den serbischen Truppen in Ungarn zu stoßen. Jung und Alt greift jetzt in Serbien zu den Waffen. Der Pascha von Belgrad hat alle diese Verfügungen der serbischen Regierung anerkannt.“
Und nun enthüllt uns der ministerielle Lloyd Europa's und unsere nächste Zukunft mit der diplomatischen, aber bedeutungsvollen Theezirkel-Nachricht: „Der Herzog von Wellington hat zu Weihnachten auf seinem Schlosse Strathfieldsaye unter Anderm den Fürsten und die Fürstin von Metternich, den östreichischen Gesandten Baron von Neumann und dessen Gattin, sowie den Baron Hügel geladen.“
Freilich bezwecken diese alten Teufel mit dem krummen Horn zunächst den Sturz Palmerstons, von welchem Sophie in ihrem Blättchen von Olmütz spricht:
„Was aber für die Rolle, die England als vermittelnde Macht hier spielen soll, entscheidend ist, kann irgend Jemand zur Vermittlung ungeeigneter sein, als Lord Palmerston, der so ziemlich allen Parteien gleich verhaßt ist, der alle Anerbietungen Oestreichs während des Krieges hochmüthig zurückwies, der durch seine Rathschläge den König von Sardinien in seine gegenwärtige verzweifelte Lage brachte, und dem revolutionären Geiste, der von der völlig unausführbaren Herstellung einer großen italienischen Republik träumt, allen möglichen Vorschub leistete?“ aber, daß sie noch weit mehr bezwecken, das verstehen wir dumme Oestreicher, wenn wir den Namen Metternich hören, noch besser, als Deutschlands Taunus-Esel. O, der Verzweiflungszorn unseres freiheitdürstenden Volks ist ungeheuer! Zuerst hoffte es auf Frankreich, ja auf das deutsche Reich!
Wien's ärmster Proletarier würde seinen letzten Kreuzer geopfert haben, um den Franzosen entgegenzueilen, sie bei sich wie Brüder zu bewirthen. Er verlor gar bald den Glauben an das deutsche Reich, als er dessen Welckers erblickte; nun verliert er auch den Glauben an Frankreich.
Im Februar sprach es: „Erhebt euch, Völker, ich bin euer Bruder!“ Wir erhoben uns, aber unsere Mörder erkannten, daß Frankreich uns nur ein Schnippchen geschlagen; daß seine Brüderlichkeit nur eine Phrase gewesen. Der stärkste Bruder der Freiheit verließ alle seine schwächeren Geschwister, um sie von rachedürstigen Bestien erwürgen zu lassen, und, o der Schande, steht, wenn auch versteckt, auf ihrer Seite! Frankreich erzittere vor den fehlgeschlagenen Hoffnungen der Völker, es erzittere vor der Stunde, wo Ungarn, Italien und Deutschland weiter nichts mehr sein werden, als die Rekrutenställe des Absolutismus; es erzittere, wenn es noch einmal duldet, daß, während die Hallunken handeln und das Eisen zu schmieden wissen, die Völker von Frankreich nichts hören, als: Monsieur Thiers a parlé pendant deux heures etc. Seid doch so klug, wie die Windischgrätze, die selbst der Passivität keinen Pardon gewähren, und bedenkt, daß Europas Völker bei euch einst diese ratio windischgraeziana geltend machen könnten; helft uns, Franzosen, wie ehrlich-muthige Brüder, bevor es heißt: Trop tard!
Gestern brachten die Standrechtsblätter Napoleons Thronrede. Die Phrase: „Wir werden die unglücklichen Völkerschaften unterstützen“, war überall hinweggelassen, obgleich sie dem an Frankreich verzweifelnden Volke wenig neue Hoffnungen gegeben hatte. — Der neue Münch-Bellinghausen und östr. Spion Schmerling ist vom Ministerium mit dem Auftrag nach Frankfurt geschickt worden, dort alles aufzubieten, damit der östreich. Hans nicht verdrängt, Oestreichs Suprematie nicht beseitigt werde. Seine Instruktionen hat er direkt von Metternich erhalten, das Ministerium machte nur den Ueberbringer. Bevor er abreiste, wurden die Wahlmänner des ersten Bezirks zusammengetrommelt und Schmerling hielt vor denselben eine Standrechtsrede, aus welcher ich folgende Sätze ausheben muß. Er sagte:
„Ich mußte hören, wie ein verrätherischer König und ein aufrührerisches Volk Italiens Gränzen bis an den Brenner und Karst zurückgeschoben wissen wollten. Gleicherweise sprach man in Frankfurt vom Aufgeben Galiziens, und stellte das Ansinnen eines diplomatischen Verkehrs mit einem selbstständigen Ungarn. Nie konnte ich an die Realisirung diesen so verletzenden, so schmerzlichen Meinungen glauben.
Bald hatte ich Gelegenheit freudigen Stolz über die großartigen, wunderbar schnellen Siege der östreichischen Armee in Italien zu empfinden. Am 6. August, am selben Tage als die deutschen Truppen, theilweise nur, dem Reichsverweser ihre Huldigung darbrachten, hat der greise Radetzky in Mailand die östreich Farben aufgepflanzt. Als die theuere Vaterstadt, als Wien, der Schauplatz der trübsten Scenen und so vielen Unglückes geworden, war es mir doch freudige Genugthuung, daß in weniger als 14 Tage neue, ansehnliche Heere erstanden, und daß ihr eben so kriegserfahrener als heldenmüthiger Führer, Fürst Windischgrätz, mit bewunderungswerther Mäßigung durch seinen Sieg die wahre gesetzliche Freiheit zu befestigen gewußt. (Bravo!)
Während all dieser inhaltschweren Zeiten hat mich der mächtige Lauf der Ereignisse fern von dem mir theuern Wien gehalten. Ich war berufen, an die Spitze des Bundestages zu treten, und ich glaube, während meiner zweimonatlichen Leitung desselben mich nicht unnützlich bewiesen zu haben, da es mir gelang, die anarchischen Tendenzen und die Conventsgelüste, welche in Frankfurt rege geworden, zu beseitigen. Stolz fühlte ich mich damals, als Oestreicher solches bewirkt zu haben.
Als mich der Reichsverweser ins Ministerium berief, beseelte mich das erhebende Gefühl, ein Deutscher zu sein; doch vergaß ich hierüber keinen Augenblick, daß ich vor Allem Oestreicher sei.
So wie in den Stürmen des Mai und Juni, so immer ist mir die Aufrechterhaltung der Integrität des östreich. Staates, das höchste und wichtigste im Leben. Oestreich muß, wie seit tausend Jahren, eine europäische Großmacht bleiben. Kein Zoll von den durch Verträge erworbenen und durch Siege behaupteten Landen darf verloren gehen.
Hr. Schmerling ist beauftragt, in Frankfurt zu versichern, die §§. 2 und 3 könnten bleiben, wofern dem Hause Habsburg einmal die deutsche Kaiserkrone übertragen und ihm von der Reichsgewalt die Integrität und Unabhängigkeit seiner außerdeutschen Länder durch ein Schutz- und Trutzbündniß würde zugesichert werden. Damit er reussire, soll er die Religion ins Spiel bringen und namentlich die Rheinlande darauf aufmerksam machen, daß Oestreich eine katholische Macht ist!
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@facs1005
[ 102 ] Wien, 29. Dez.
Die Russen passiren jetzt mit unter dem Namen der Serben en masse bei Belgrad die Grenze, um die im Süden siegreichen Magyaren zu bewältigen. Dem Sohne Latours sind letzthin beide Beine abgeschossen worden und er ist darauf gestern in Schönbrunn gestorben.
Damit der Kredit sich hebe, läßt das Ministerium im Namen des Auslandes an der Börse Metalliques aufkaufen, allein die Börsenhelden, pfiffiger als die plumpen Henker, lassen sich nicht irre machen und das Steigen der Fonds bleibt unbemerkbar, während ihr Fallen um so bemerkbarer wird. Das Silberagio beträgt bereits über 10 pCt., das Geldagio über 18 pCt. Auf 100 Friedrichsd'or würde ich hier 20 gewinnen können, ja noch mehr.
Die heutige „Presse“ enthält wiederum einen jesuitischen Artikel über Deutschland, der die Sendung Schmerlings, die deutsche Uneinigkeit à tous prix, deutlich enthüllt. Es heißt darin z. B.: „Katholizismus und Protestantismus stehen sich in zwei großen Lagern, in Süd und Nord, gegenüber!“
Die östreichischen Henker wollen in Deutschland einen Religionskrieg anfachen, um ihre Teufelszwecke zu erreichen; sie wollen in Deutschland denselben Dämon heraufbeschwören, den sie in Ungarn heraufzubeschwören wußten. In Deutschland Religions- und Manneshetze, in Ungarn Nationalhetze unter dem Heuchelschein der Freiheit und den ehrwürdigen Erinnerungen der Habsburgischen Familie.
Raab soll wirklich besetzt sein, natürlich unter dem Jubel der Bevölkerung, der nirgends zu sehen ist. Als Windischgrätz in Preßburg einrückte, hatten alle zurückgebliebenen Bewohner ihre Häuser und Fenster verschlossen. Er ließ ihnen bedeuten, sich zu zeigen und die schwarz-gelbe Fahne auszustecken. Es unterblieb. Da drohte er ihnen mit einer Brandschatzung von 80,000 fl. C.M. In den besetzten Städten soll, wie Reisende erzählen, mit fürchterlicher Mordwuth verfahren werden. Die Leute werden dutzendweise erschossen und man erblickt ganze Schaaren in Ketten geschlossen, welche in die czechischen Festungen geschleppt werden.
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@facs1005
[ 7 ] Wien, 30. Dezbr.
Welden meldet in einem Armee-Bülletin vom gestrigen Datum, daß nach den aus dem Hauptquartier Raab ihm am 28. Abends zugekommenen Nachrichten die Magyaren zum Rückzug genöthigt und von der Kavalleriebrigade Ottinger bis Babolna (auf der Straße nach Osen) verfolgt worden seien. Daselbst habe ein Bataillon des Regiments Prinz von Preußen, 600 Mann stark, Stand gehalten, sei von 2 Divisionen Wallmoden-Kuirassiren angegriffen, und großentheils zusammengehauen worden. Außerdem seien von Honved-Bataillons noch 7 Offiziere und 700 Mann, worunter 200 Verwundete gefangen genommen worden. — Die Besitznahme von Raab hat viel, sehr viel Blut gekostet und erforderte einen Zeitaufwand von fast acht Tagen. Davon schweigen indeß die offiziellen Berichte! Man meldet nur die magyarischen Schlappen. Als Gerücht kursirte schon gestern, der Kommandant von Komorn habe die in der Festung, eine der stärksten Ungarn's, befindlichen Garden zu einem Ausfall gegen die kaiserl. Armee bestimmt, dann aber, im heißesten Kampfe, die zurückgebliebene Militärgarnison mit Kartätschen in die Gardea feuern lassen, und nach ihrer Vernichtung zwischen zwei Feuern die Festung dem Windischgrätz übergeben. Kossuth hätte in Komorn also einen Verräther seiner Sache gelassen. Offiziell ist hiervon noch nichts bekannt. Ist diese Verrätherei wahr, so steht's schlimm mit der magyarischen Sache, denn sie wird anstecken und die Entmuthigung wird sich des Volkes bemächtigen. Komorn ist von hier aus der Schlüssel zu Ungarn. Etwas nördlicher liegt die kleinere Festung Leopoldstadt, welche gestern bombardirt worden sein soll. Windischgrätz kann erst dann auf Osen und Pesth losrücken, wenn diese beiden Punkte in seiner Gewalt sind; dann wird auch seine Heeresmacht durch Vereinigungen um so beträchtlicher.
[1006]
— Der Korrespondent berichtet, General Schlick sei bereits bis Miscolcz vorgerückt und folglich Herr der Slovakei. — In Südungarn sind die Magyaren wider die aufgehetzten Natiönchen siegreich, ohne aber bis jetzt sich der festen Punkte Arad, Temesvar, Karlsburg und Kronstadt bemächtigt zu haben, in denen sich die Kaiserlichen halten. Dort ist nur Peterwardein, freilich die stärkste Festung des Landes, in den Händen der Magyaren.
Im Nordosten besitzen die Magyaren noch die sehr starke Festung Muncacz. Wenn der Verrath nicht die oben berichtete Rolle spielt, so werden sie sich zuverlässig den Winter über zu halten vermögen. Siebenbürgen ist völlig getheilt; die Deutschen im Süden stehen auf des Kaisers, die Szekler u. s. w. auf des Königs Seite. Die Deutschen bilden dort die in den Städten Hermannstadt, Klausenburg, Kronstadt, Karlsburg u. s. w. lebende Bourgeoisie von Osteuropa.
Von all den mit großem Eifer verbreiteten schwarzgelben Nachrichten glaubt das hiesige Publikum nur wenig, weil es weiß, daß sie gemacht werden, um Oesterreich vor Europa wieder als eine unerschütterliche Allmacht erscheinen zu lassen, die Kredit verdiene und sich auch in Italien keine Vorschriften gefallen lasse. So heißt es auch, General Bem sei an der Gränze Siebenbürgens auf's Haupt geschlagen worden und der Olmützer Korrespondent meint: „Das Vorrücken unserer Truppen in Ungarn und die Entmuthigung (!) der sich ihnen nirgends ernstlich entgegenstellenden Feinde, übersteigen jede Erwartung.“ — Die Sache Ungarns soll und muß ex officio und unter standrechtlicher Strafe als eine verlorene betrachtet werden! Kossuth, der die Bravour und Gesinnung der Bourgeoisie im entscheidenden Augenblicke zu kennen scheint, hat dieselbe in Budapest schon seit dem 14ten entwaffnen lassen.
Italien.
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@facs1006
Palermo, 19. Dez.
Ein bekanntes Banquierhaus in Paris hatte sich unserer revolutionären Regierung gegenüber zu einer Anleihe verpflichtet. Beim ersten Zahlungstermine ließ es sie im Stich. Man begreift die Wirkung dieser Nachricht in einem Lande, welches sich rüstet, den Kampf auf Leben und Tod wieder zu beginnen, wovon die Brandstiftungen und Metzeleien in Messina eine Probe lieferten. Die Niedergeschlagenheit machte indeß bald einem hochherzigen Enthusiasmus Platz und wir haben einen der schönsten Tage unserer Revolution erlebt. Der Finanzminister schlug der Kammer eine Zwangsanleihe vor; das Parlament bewilligte sie. Sofort, den 15. dieses Monats, ist die Liste der in der Stadt Palermo zur Anleihe Verpflichteten veröffentlicht. Diese bringen unmittelbar in einem halben Tage die auf sie fallende Summe von 1 1/2 Mill. ungefähr in die Staatskasse. Die andern Städte folgen diesem patriotischen Beispiele.
Italienische, französische und polnische Offiziere organisiren unsere kleine Armee, welche schon über 14,000 Mann regelmäßiger Truppen beträgt, mit einem Dutzend Artilleriebatterieen. Man befestigt die Seestädte; das Artilleriematerial vermehrt sich täglich; die militärische Erziehung befähigt die Nationalgarde immer mehr zu einer Reservearmee.
Die Desertionen von neapolitantscher Seite nehmen zu. Ein avancirter Vorposten bei Barcelona wurde z. B. auf diese Weise völlig entblöst, indem alle Mannschaften desselben mit Waffen und Bagage zu uns übergingen.
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@facs1006
[ * ] Rom, 23. Dezbr.
Das Ministerium ist nunmehr wie folgt zusammengesetzt worden: für Galletti tritt der Advokat Armellini ein, die Justiz übernimmt Galleotti, die Finanzen Mariani. Sterbini und Campello bleiben.
An Mamiani's Statt übernimmt die auswärtigen Angelegenheiten interimistisch Muzzarelli, der Ministerpräsident bleibt. — Lord Napier ist am 21. nach Neapel zurückgereis't. — An der Ausweisung des Paters Gavazzi ist auch nicht ein wahres Wort. — Aus Gaeta hören wir, daß zwei der dort anwesenden fremden Gesandten den Papst bearbeiten, in seine Staaten zurückzukehren. In Civita-Vecchia sollen heimliche Anstalten zu seinem Empfang getroffen werden.
Französische Republik.
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[ 12 ] Paris, 1. Januar.
Was soll der Präsident thun? Wenn man schon mit dem sollen anfängt, d. h. wenn man schon anfängt zu fragen, was Einer anfangen soll, dann ist's schon mit dem Anfange zu Ende! Die Liberté behandelt diese Frage auf ihre Weise. Dumas, der sein Ideal in Monte-Christo niedergelegt hat, und für Prinzen und Chevalier, für Gold, Corail und Vermeil schwärmt, ist Redakteur der „Liberté“. Er frägt mit ernstem Bedenken: Was soll der Präsident thun? Er, der weder gouverne noch regne, der weder aktiver noch passiver König ist. Präsidiren? Dazu wäre der Minister-Präsident Barrot schon ausreichend gewesen. König darf er nicht sein, Kaiser will er nicht sein, und Präsident kann er nicht sein? Wozu ist er denn da? zum Präserviren! antwortet die „Presse“. Es ist etwas da, was präservirt werden soll, damit diesem „Ctwas“ kein Leid geschehe! Und was ist's? Das will uns die „Presse“ erst zeigen, oder sagen, wenn alle die überflüssigen Minister, die Bixio's, die Faucher's, die Lacrosses's etc. etc. abgeschafft sind. Und nun fängt Girardin wieder von vorn an: Ein dirigirender Minister, ein anderer, der ausgibt, ein dritter, der einnimmt! Weiter nichts. — Ein Credit, ein Debit und die Balance. Und das ist Alles so leicht, daß Girardin gar nicht begreift, warum es noch nicht da ist. Auf der Stelle würde das Defizit verschwinden. Die „Reforme“ verhöhnt mit Recht Girardin's neue Buchhalterkunst. Die Hauptsache bleibt die hohe Finanze, sie „regiert“ und „gouvernirt“. — Als das Ministerium seine Entlassung gab, ging Rothschild in eigener Person zu Passy und beschwor ihn, zu bleiben. Passy, der Finanzminister, ist geblieben, die Course haben sich gehalten; was will man mehr? Napoleon und Rothschild!
Wir halten wieder an der Februar-Revolution. Aber das Beste, was aus dieser Revolution geblieben ist, die einzige, wahre Errungenschaft ist, das mit dem allgemeinen Stimmrechte zusammenhängende, Recht für die Arbeiter, als Geschworene zu sitzen. Bisheran kümmerten sich die Blusenmänner wenig darum, über unglückliche Criminal-Verbrecher als Richter zu sitzen. Sie sahen ein, daß alle Verbrechen am Ende nur ein Produkt der jetzigen Verhältnisse, des fortbestehenden Gegensatzes zwischen Kapital und Arbeiter seien, und daß nur ein gänzlicher Umsturz dieser Verhältnisse dem socialen Leiden und den aus ihnen entspringenden sogenannten sozialen Verbrechen abhelfen könnte. Nun kann es aber vorkommen, daß Journale und Artikel, welche diesen Gegenstand behandeln, ebenfalls als „Verbrecher“ vor die Jury gestellt werden.
Die Wichtigkeit dieses Falles haben die Blousenmänner erkannt, und zwar vor allen die Schriftsetzer. Sie haben ein besonderes Interesse, in Preßvergehen zu Gerichte zu sitzen, und da überhaupt die Blousenmänner in allen Geschwornengerichten die überwiegende Mehrheit bilden, so handelte es sich vor allen Dingen für sie darum, die Hindernisse zu beseitigen, die sich ihrer Anwesenheit bei der Art Prozessen entgegensetzen könnten. Das ist dann vor allen Dingen der Verlust ihres Arbeitslohnes während der Tage der Assisensitzungen. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, haben die Typographen-Arbeiter bereits angefangen, eine Vereinskasse zu bilden, aus der den zu Gerichte sitzenden Arbeitern in Preßprozessen Unterstützungen zufließen sollen.
Dem Beispiele der Schriftsetzer werden binnen Kurzem die verschiedenen andern Professionen nachfolgen, und so bildet sich, dem Parquet gegenüber, eine Macht, die fürchterlicher ist, als alle Prokuratoren-Weisheit, und die allein schon hinreichend ist, alle Anflüge von Septembergesetzen in ihrer Geburt zu ersticken. Das Parquet wird oft genug Gelegenheit haben, sich jener Worte eines berühmten Rechtsgelehrten zu erinnern: „Nach jeder Freisprechung gibts kein anderer Schuldiger als die Anklage.“ Was werden dazu die preußischen Behörden sagen, denen jeder politisch Angeklagte, trotz seiner Freisprechung, noch immer als schuldig erscheint? Werden sie es wohl fassen können, daß ein Geschworner mit der Bluse über einem Kommandanten in Generals-Uniform steht?
Bastide hat die Sprache wiedererlangt, seitdem er aufgehört hat, Minister zu sein. Als er vorgestern zum ersten Male auf die Rednerbühne stieg, entstand auf der Journalistentribüne ein allgemeines Staunen, und einer der Journalisten ließ sogar sein Erstaunen laut werden durch eine zu lebendige Interjektion. Marrast, der Präsident der Versammlung, vergaß, daß er früher als Journalist an derselben Stelle gesessen und drohte die Journalistentribüne räumen zu lassen. Da entstand unter den Journalisten ein allgemeines Geschrei über den übermüthigen Marrast, der, ehe er Präsident, der unruhigste Geist auf der Tribüne war, und jetzt seinen Ursprung verläugnen wollte. Einer der Journalisten ließ ihm bedeuten, daß er wohl bald auf die Journalistentribüne zurückkehren müsse, und diese Ermahnung scheint wirklich auf Marrast gewirkt zu haben. Denn Marrast hat bereits angekündigt, daß er sich nicht zur Kandidatur auf die Präsidentschaft melden werde.
Die sozialistischen Banquets verbreiten sich unter den Frauen; Proudhon scheint eine Hauptrolle dorten zu spielen. In seiner gewohnten apodiktischen Sprachmanier gruppirt er sogenannte Extreme und hält sie dem weiblichen Publikum vor. Das „Journal des Debats“ ist entzückt darüber: menagère ou courtisane, Hausfrau oder Buhlerin, sagt Proudhon, und er will die Hausfrau mit ihren christlich-germanischen Tugenden. Das Journal des Debats nimmt Akt von diesem Ausdruck und freut sich, daß Proudhon nur dann Atheist ist, wenn es gilt, eine „Antinomie zu entwickeln.“ Proudhon, indem er „sein Dilemma“ Hausfrau oder Buhlerin entwickelt, kommt wirklich an alle den häuslichen, gemüthlich-patriarchalischen Eigenschaften an, aus denen die christlich-germanische Frau hervorgegangen ist. Das Journal des Debats, indem es die christlich-germanische Frau des Herrn Proudhon zergliedert, kommt richtig an der jüdisch-germanischen Frau des alten Testaments an: „Das Weib sei liebenswürdig mit ihrem Mann, wie Rachel, keusch wie Rebecca, treu wie Sara.“
Zwischen dem Peuple und dem Journal des Debats, zwischen dem Weibe Proudhon's und dem Weibe Rothschilds, zwischen dem dem christlich-germanischen und dem jüdisch-germanischen Weibe liegt ein Weib in der Mitte, das beide nicht kennen: das französische Weib, die französische Grisette, das Weib des Arbeiters außerhalb des bürgerlichen Lebens — im 13. Arrondissement!
[Redakteur en chef: Karl Marx. ]
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Civilstand der Stadt Köln.
Heirathen.
(28. Dez.) Peter Rumpen, Musiklehrer, v. Aachen, u. Maria Clara Jos. Longerich v hier
Heiraths-Ankündigungen.
(31. Dez.) Martin Krahn, Schifferin, und Cathar. Kronenberg, beide Maximinenstr. — Karl Dubbelmann, Gerißhändl., Klingelp., und Cathar. Stachel, Norbertst. — Heinr. Ferd. Mottken, Büchsenm., Gereonskl., und Cathar. Henr. Elisab. Arzbücher, Engg., früher zu Düsseldorf. — Friedr. Wilh. Struth, Handelsm, zu Königswinter, und Anna Maria Brosy, Poststr — Andreas Strunk, Schneider, zu Groß-Altendorf, und Sib. Blied, Poststr, — Theod. Koch, Drechsler, Ursulapl., früher zu Lüdenscheid, und Juliana Wilhelm. Carol. Jonahaus, Ursulapl. — Heinr. Wilh. Zimmermann, Dachdeckerm., Wittwer, zu Stollberg, und Anna Maria Berschel, Breitstr. — Paul Kuth, Knecht, Kupferg., und Veron. Münz, zu Godesberg, früher zu Köln. — Joh. Tuchscherer, Tagl., und Anna Cathar. Bock, beide Hoferg. — Clem. Müther, Tagl, Ketteng., früher zu Aachen, und Josepha Siegen, K[unleserlicher Text]tteng. — Franz Kemperdick, ohne Gew., Glockenring, und Anna Maria Schöster, auf der Ruhr. — Peter Jos. Decker, Bäckerg, Lintg., und Anna Margar. Hey, Richmodstr.
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Holzverkäufe in der Oberförsterei Gerresheim.
Donnerstag den 4. Januar k. J., Morgens 10 Uhr, zu Kreuzweg in der Gemeinde Rath, bei Schenkwirth Friedrich Tack, aus der Försterei Grafenberg:
1) Im Distrikt Bauernhauserkopf:
100 Klafter Buchen, Scheit- und Knüppelholz.
4100 ditto Schanzen und 8 Eichen Nutzholzblöche.
2) Im Distrikt Hülsenberg:
15 Buchen-Nutzholzblöcke, 33 Klafter ditto Scheitholz und 1900 ditto Schanzen.
Freitag den 5. Januar k. J., Morgens 10 Uhr, zu Lintorf bei Gastwirth Friedrich Holzschneider, aus der Försterei Lintorf:
1) Im Henkesforst:
77. Stück stärkere und 40 Stück geringere Erlen-Nutzhölzer, 200 ditto Latten und Recken, 120 ditto Knüppelklafter und 6500 ditto Schanzen; ferner 700 Kiefern-Stangen zu Latten und Necken und 25 Haufen ditto Reiser-Abfall.
2) In der Drucht:
38 Stück Erlen-Nutzhölzer und 15 Klafter ditto Brennholz.
3) Im Dipt:
104 Klafter Hainbuchen-, Brenn- und Kohlholz, 4 Klafter ditto Hamspähne und 1 Buchen-Nutzholzstück und
4) Am Sandbrinkel:
44 Klafter Hainbuchen-, Brenn- und Kohlholz.
Die Zahlung der Kaufschillinge vor der Abfuhr des Holzes wird ausbedungen und ist das Nähere bei den Lokalförstern Däke, Rottländer, Knittel und Brinner zu erfragen.
Benrath, den 26. Dezember 1848.
Der Oberförster, Fritze.
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Mühlen-Versteigerung.
Am Donnerstag den 18. Januar nächsthin, Morgens um 10 Uhr, wird Herr Mühlenbesitzer Keuffer zu Saarburg seine oberhalb Trassem an dem wasserreichen Leuckbache gelegene, [s]ogenannte „oberste Neumühle“, welche zwei Mahlgänge und einen Oelgang enthält, sammt Scheune, Stallung und den um dieselbe befindlichen Wiesen, Gärten und Ackerländereien, das Ganze einen Flächenraum von 31 Morgen 150 Ruthen umfassend, gegen einen fünfjährigen Zahlungs-Ausstand in dieser Mühle selbst öffentlich versteigern.
Trier, den 18. Dezember 1848.
Der Notar, Funck.
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Holzverkauf in der königlichen Oberförsterei Ville, Revier Königsdorf.
Dienstag den 9. Januar 1849, Vormittags 10 Uhr, soll das im Schlage Sterz und Großbuchenbusch aufgearbeitete Holz, bestehend in:
Eichen-Nutzholzstämmen, etwa 10 Stück,
Buchen-Nutzholzstämmen, etwa 1 Stück,
Eichen, Buchen und gemischtes Brennholz, etwa 39 Scheit- und Knüppel-Klaftern,
Reiserholz, hart und weich gemischt etwa 139 Schock,
in kurzen und langen Bunden öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden.
Der Verkaufstermin wird bei dem Wirthe Mathias Schiefer zu Groß-Königsdorf abgehalten.
Brühl, den 25. Dezember 1848.
Der k. Oberförster, Schirmer.
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Landwirthschaftliches.
Die von uns aus Nordamerika eingeführten Frühkartoffeln“, welche höchst ertragreich und überaus angenehm von Geschmack sind, 45pCt. Mehl geben, das Unkraut unterdrücken, auch einen viel größeren Kältegrad als andere Kartoffeln ertragen, haben übera[l]l in Deutschland, wo man Versuche damit anstellte, so bedeutend gelohnt und eine so gesunde Frucht geliefert, daß wir jetzt um den Landwirthen Gelegenheit zu geben, sie im Großen anbauen zu können, 3 Millionen Stück Knollen haben kommen lassen. Hierdurch sind wir nun im Stande, sowohl diejenigen Aufträge, welche wir voriges Jahr wegen zu später Meldung unberücksichtigt lassen mußten, als auch neue Bestellungen, wenn sie schleunigst gemacht werden, sofort auszuführen. Der Preis der Kartoffeln, so wie auch von den gleichzeitig von Amerika mitgekommenen schweren Saathafer, Sommerweizen, Mais und der bereits rühmlichst bekannten Phönix-Gerste ist 10 Sgr. per Pfd. Amerikan. Runkelrübensaat 7 1/2 Sgr. per Loth.
Direktion des landwirthschaftlichen Industrie-Comptoirs in Berlin.
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Geschäfts-Verlegung.
Comptoir und Wohnung habe ich nach meinem neugebauten Hause Severinstraße Nr. 205 verlegt, wo ich ein vollständig assortirtes Lager von Sturzblech, Weißblech, Zink, Eisendraht, Schmelztiegeln u. s. w. unterhalte.
Franz Heinr. Rödder, Severinstraße Nr. 205.
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Inserat.
Berichtigung.
In dem Gespräche der Herren v. W. und v. G. siehe Feuilleton Nr. 178 dieser Zeitung ist der Passus „Alles wird seine gute Früchte tragen“ dahin zu berichtigen, daß Hr. v. W. sich nur der Worte bedient hat. „Die Wahrheit darf man immer sagen.“
Uebrigens bemerken wir, auf Verlangen des Berichtigers, daß uns die Mittheilung jenes interessanten Gespräches nicht direkt durch ihn zuging.
„Die Red. der N. Rh. Ztg.“
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Bürgerw.-Cavallerie.
General-Appell, bei Herrn Jüsgen im Stern.
Donnerstag den 4. Januar 1849, Abends 8 Uhr.
Empfangnahme der Eintrittskarten zu dem am Dreikönigen-Tage im Eiser'schen Saale stattfindenden Ball.
Der stellv. Commandeur.
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Ein in dem gewerbreichsten Theile der Stadt gelegenes Laden-Lokal nebst erster Etage billig zu vermiethen und gleich zu beziehen. Die Expedition sagt wo.
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Zu sehr billigen Preisen wird verkauft:
Regenschirme in schwerer Seide per Stück 2 Thlr. 10 Sgr. bis 4 Thlr. Regenschirme in feinem Zeug per Stück 22 Sgr. bis 1 1/2 Thlr. Seidene Fo[unleserlicher Text]lards per Stück 18 Sgr. bis 1 Thlr. 20 Sgr. Herrnshwals in Wolle per Stück 10 Sgr. bis 20 Sgr. Atlaß, Schlips und 4eckige seidene Herrnbinden per Stück 20 Sgr. bis 2 Thlr. Gumihosenträger das Paar 3 Sgr. bis 20 Sgr Alle Sorten Stahlschreibfedern und pòrt monnaie Cigaren-Etui, Börsen u. s. w
Joseph Sacks aus Frankfurt a. M., im Hause des Herrn Johann Maria Farina, gegenüber dem Jülichsplatz.
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Im neuen Laden, Obenmarspforten, gegenüber dem Jülichsplatz, wird zu sehr billigen Preisen verkauft:
Haus- und Schlafröcke gut wattirt per Stück 2 Thlr. bis 6 Thlr. Sehr gute Winterpaletos per Stück 4 Thlr. bis 12 Thlr. Feinstes Tuch und Bucksking die vollkommene Hose 2 Thlr. bis 4 Thlr. Westenstoffe in Wolle, Seide, Cachemir die Weste 8 Sgr. bis 2 Thlr. die eleganteste Seidensammtweste gestrickte Unterbeinkleider das Paar 14 Sgr. Gestrickte Unterjacken per Stück 17 Sgr. Alle Arten Handschuhe das Paar 2 Sgr. bis 15 Sgr. das Paar bei
Joseph Sacks aus Frankfurt a. M., im Hause des Herrn Johann Maria Farina, gegenüber dem Jülichsplatz.
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Große Auswahl von vorzüglichen Stahlfedern, zu äußerst billigen Preisen, bei G. Tonger, Pauluswache.
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Bekanntmachung.
Freitag den fünften Januar 1849, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Waidmarkte zu Köln, mehrere Mobilargegenstände, als: ein Tisch, ein Sopha, ein Schreibpult, ein Spiegel, ferner ein Laden und Theke, sodann mehrere Stücke feines Tuch verschiedener Farbe, öffentlich versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher, Brochhausen.
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Versteigerung.
Am Freitag den 5. Januar 1849, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Waidmarkte zu Köln: mehrere Stücke Buckskin gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher, Clören.
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(Eingesandt.)
Konstitutionelle Anfrage.
Welches ist die beste Kritik der preußischen Verfassung
Absolute Antwort.
Die Anwendung des Art. [unleserlicher Text]110: fortdauernder Belagerungszustand in Berlin!
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Mehrere gute Klaviere, billig bei G. Tonger.
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Konzessionirtes Vaudeville-Theater.
Heute Donnerstag den 4. Januar 1849: Ich irre mich nie oder Der Räuberhauptmann.
Lustspiel in 1 Akt von Lebrün.
Hierauf: Die Leiden des jungen Werthers
Vaudeville-Posse in 1 Akt von Mühling.
Zum Schluß: Der Kurmärker und die Picardie.
Genre-Bild in 1 Akt von Schneider.
Entree 10 Sgr. à Person, wofür Getränke verabreicht werden.
Kassa-Eröffnung 6 Uhr.
Anfang 7 Uhr.
Franz Stollwerck.
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Rheinhöhe.
Am 3. Januar 1849 5′ 6.″
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Theater-Anzeige.
Donnerstag den 4. Januar 1849: Christoph und Renate.
Lustspiel in 2 Akten von Carl Blum.
Hierauf: Der Sohn auf Reisen.
Lustspiel in 2 Akten von Feldmann.
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W. Dietz, unter Hutmacher 17.