[1043]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 193. Köln, Freitag den 12 Januar. 1849.
@typejExpedition
@facs1043
Bestellungen auf die „Neue Rheinische Zeitung“ für das jetzige Quartal, Januar bis März 1849, wolle man baldigst machen und zwar in Köln bei der Expedition der Zeitung (unter Hutmacher Nr. 17), auswärts bei allen Postanstalten Deutschlands.
Für Frankreich übernimmt Abonnements Herr A. Havas, Nr. 3 Rue Jean Jacques Rousseau in Paris und das königl. Oberpostamt in Aachen, für Holland und Belgien: die belgischen Briefpostämter, für Großbritannien: Mr. Thomas, Catherine-Street, Strand in London und das belgische Briefpostamt in Ostende.
Durch den Wegfall des Stempels wird der Abonnementspreis ermäßigt und beträgt von jetzt ab für Köln nur 1 Thlr. 7 Sgr. 6 Pf., bei allen preußischen Postanstalten, (das Porto einbegriffen) nur 1 Thlr. 17 Sgr. vierteljährlich; für Abonnenten im übrigen Deutschland tritt ein verhältnißmäßiger Postaufschlag hinzu.
Die Redaktion bleibt unverändert.
Die bisherigen Monatsgänge der „Neuen Rheinischen Zeitung“ sind ihr Programm. Durch ihre persönlichen Verbindungen mit den Chefs der demokratischen Partei in England, Frankreich, Italien, Belgien und Nordamerika ist die Redaktion in Stand gesetzt, ihren Lesern die politisch-soziale Bewegung des Auslandes richtiger und klarer abzuspiegeln, als irgend ein anderes Blatt. Die „N. Rh. Ztg.“ ist in dieser Beziehung nicht blos das Organ der deutschen, sondern der europäischen Demokratie.
Inserate: Die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 1 Sgr. 6 Pf.
Anzeigen aller Art erlangen durch die großen Verbindungen unseres Blattes eine sehr weite Verbreitung. Die Gerantur der „Neuen Rheinischen Zeitung.“
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Ein neuer Rechtsboden). Düsseldorf. (Wahlklüngelei. — Prinz Friedrich. — Die Gesellschaft „Verein“ und die „N. Rh. Ztg“). Essen. (Einschreibung der Uhrwähler). Breslau. (Die politischen Verhaftungen. — Wahlaussichten. — Kriminaluntersuchung. — Pfarrer Schaffranecks Pater peccavi. — Ein neuer Staatsstreich in Aussicht). Wien. (Das 10. Armeebülletin. — Aufwiegelung der Slowakei. — Rothschild. — Stadion und § 1 des Grundrechtentwurfs. — Reichstagsjämmerlichkeit. — Auflösung der Brünner akademischen Legion. — Gemeinderäthliches Defizit. — Verwendung der nordamerikanischen Märzgelder. — Hofrath Werner. — Zunahme der Diebstähle und Raubanfälle. — Die Zwanzigernoth. — Das Czechenthum. — Ministerielle Polemik gegen Preußen. — Die Siegesberichte. — Niederlage der Serben in Südungarn. — Die Szekler und Haromseker in Kronstadt und Hermannstadt. — Ofen. — Magyarische Gefangene. — Die deutschen Hüte. — Noth und Wahnsinn. — Nikolaus. — Die Studenten. — Landsturm. Südslavische Bestrebungen. — Beabsichtigte Umschmelzung der kurrenten Münze. — 11. und 12. Armeebülletin. — Die Mörder Latours). Prag (Die Noth der Kattundrucker. — Geldnoth) Frankfurt. (National-Versammlung). Heidelberg. (Die badische Demokratie). Göttingen. (Wahlagitation zur Kammerwahl). Kiel. (Das Preußenthum in Schleswig-Holstein).
Italien. Rom. (Die Einberufung der Constituante). Gaeta. (Meßhonorare des Papstes). Turin. (Der Krieg vor der Thür). Verona. (Dekret Gerhardi's).
Schweiz. Waadt. (Delarageaz). Wallis. (Das Hospiz auf dem St. Bernhard). Bern. (Vorarbeiten zur eidgenössischen Hochschule. — Dufour).
Franz. Republik. Paris. (Faucher und die Koalitionen. — Die Arbeiterassociationen und das offizielle Frankreich. — Bilanz Frankreichs. — Die Amnestiefrage. — Vermischtes. — National-Versammlung).
Spanien. Madrid. (Die Kammer).
Belgien. Brüssel. (Dr. Wilhelmi und der „konstitutionelle Musterstaat“).
Großbritannien. London. (Die Goldminen in Kalifornien).
Amerika. Liverpool. (Ankunft des Niagara).
Deutschland.
@xml:id#ar193_001
@typejArticle
@facs1043
[ * ] Köln, 11. Jan.
Die Abonnements für das laufende Quartal hat die ehrenveste „Kölnische Zeitung“ in Händen. Jetzt findet Herr Brüggemann sogleich Zeit, auf Entdeckungen auszugehen, die er sich noch vor einigen Tagen nicht erlaubt hätte. Gegen Ende des dahingeschiedenen und in den ersten Tagen des neuen Jahres wurde der Schrank, worin die für Abonnementsperioden fest verwahrten liberalen, auf einer Seite sogar mit radikalschillernder Farbe versehenen, Artikel und Phrasen aufbewahrt sind, waidlich hergenommen. Die geläufigsten wurden herausgeholt, in sogenannte Jahresübersichten gestopft und ebenso als Antidotum gegen Desabonnementsgelüste, wie als Aphrodisiacum zur Anreizung neuer Liebhaber der zahn-, herz- und gehirnlosen Greisin, in die Welt gesandt.
Obgleich alt, verjüngt sie sich gleichwohl jedes Quartal auf's Neue.
Hat sich die Erfindung rentirt, so kehrt man zur süßen Alltagsgewohnheit, zum Herumreiten auf irgend einem Boden, wo möglich auf dem „Rechtsboden“ zurück.
Unglücklicherweise waren Herr Dumont-Brüggemann und Komp. vor einigen Wochen urplötzlich eingebrochen; der geliebte Boden war geborsten, verschwunden, verloren.
Namenlose Seelenqual folgte diesem Unfall. Es hätte einen Stein in der Erde erbarmen mögen.
Ganz Köln war traurig, und jede Nacht ging es mit einer Thräne über Brüggemann's dahingeschiedenen Liebling, den famosen Rechtsboden — die eigentliche Merkwürdigkeit Köln's — zu Bett, und der erste Gedanke beim Erwachen war: sollte für Herrn Brüggemann keine Hilfe mehr auf Erden zu finden sein?
Auch wir haben damals Mitleid gefühlt, und obgleich uns über den abgelebten Rechtsboden viel Anrüchiges zu Ohren gekommen, machte uns die Trauer stumm, und wir summten leise vor uns hin: do mortuis nil nisi bene!
Es war ein junges Leben, das so schnell am Schlage verblich. Bei seiner Erzeugung — vom 19. bis 20. März — ging's eigentlich etwas barbarisch, unrechtlich und verwirrt zu. Herr Brüggemann hielt sich indeß an die Geburt desselben — zwischen dem 6. und 8. April 1848 — und erkannte ihn als legitim an. Nach und nach wurde Herr Brüggemann ganz verliebt in ihn, ja, vernarrt, so sehr pflegte, hätschelte, lospries, streichelte und belorbeerte er ihn. Ob damals aus Berlin eingesandte Pflegegelder die Liebe noch erhöht haben, davon schweigen die öffentlichen Memoiren des Dahingegangenen.
Wie groß die Liebe Herrn Brüggemann's zu seinem theuern Rechtsboden vom 8. April war, geht z. B. aus der Nr. vom 24. September der „Kölnischen Zeitung“ höchst unzweideutig hervor.
Herr Brüggemann sagte damals (am 24. September — bekannte Abonnementsperiode, die ihn quartaliter befällt —):
„Aber was würde der Sieg des Staatsstreiches sein? Mit der größten Mäßigung verbunden, d. h. mit der Oktroyirung einer sonst ganz genügenden Verfassung — würde dennoch immer zunächst das beklagenswerthe unmoralische Beispiel einer Verlassung des Rechtsbodens gegeben! Dadurch aber würde für die Zukunft das so nothwendige Vertrauen des Volkes und die eigne Treue (ja wahrlich, eine ganz eigne Treue) der Krone nochmals vergiftet, und eben damit der jungen Pflanze der Verfassung ein vielleicht tödtlicher Wurm mitten in's Herz gelegt sein. Es würde der um sich fressenden Zerrüttung ‥‥ aller öffentlichen Moral ein heilloser Vorschub geleistet werden! u. s. w.“
Das ist eine der zahlreichen Stellen, in welchen Herr Brüggemann seinen geliebten Rechtsboden mit biederbster Tapferkeit verfocht. Trotzdem wurde er ihm schon im November erschlagen, und man bestattete die Hülle des Verblichenen zur ewigen Ruhe.
Jedermann fürchtete in jenen Tagen, daß sich Herr Brüggemann auf eine tragische Katastrophe vorbereite, daß er in solcher Verwaisung nicht lange den unsäglichen Schmerz eines so urplötzlich und tief zerrissenen liebenden Vaterherzens überdauern werde.
Vergeblich waren Anfangs alle Tröstungen des treuen Schwanebeck, vergebens trocknete Papa Dumont die von seines Hauptredakteurs Antlitz herabrollenden Thränenströme mit einem Schnupftuch, in welches die „eigene Treue“ der preußischen Krone sinnbildlich eingewebt worden. Wie einst Augustus im verzweiflungsvollen Seelenkampf nur die Worte wiederholte: „o Varus, o Varus, gieb mir meine Legionen wieder!“: so rief Herr Brüggemann unaufhörlich: O Brandenburg, o Manteuffel, stellt mir meinen (durch ein so „unmoralisches Beispiel“) hingemordeten Rechtsboden zurück.
Doch das fortwährende Flennen und Winseln ärgerte endlich unsern Dumont. Das Ende des Quartals und die neuen Abonnements kamen täglich um 24 Stunden näher gerückt. Er forderte seinen Redakteur daher auf, die Geschichte nicht zu übertreiben. Viele Eltern hätten schon ihre geliebtesten Sprößlinge verloren, aber ein vernünftiger Kerl sei der, welcher seine Mannheit nicht im Stöhnen vergeude, sondern auf Ersatz und neue Zeugung verwende. Die geflügelten Worte des Mahners fanden Eingang. Es blitzte in der Seele des Gebeugten und — er erwiderte:
Wohl, Vater Dumont, nicht sogleich ist dem Menschen es möglich, sich über so schreckliches Erlebniß hinwegzusetzen, doch stunde nur die völlige Ablegung meines Trauergewandes bis nach den heiligen Dreikönigen. Dann haben wir unsere Abonnenten und ich zugleich einen neuen Rechtsboden gewonnen, der in neuer Liebe gezeugt, auch mit neuer Liebe gepflegt werden soll.
Er schwor's bei seinem Barte, schnitt eine Feder und schrieb einen noch sehr leidenden Artickel: „Die preußische Verfassung vom 5. Dezember“ und über deren Geist. „Wir erkennen in ihm den „Geist der wahren Freiheit“ (rief der schon nicht mehr ganz verwaiste Herr Redakteur aus). Ja er erkennt in dieser Verfassung den „Geist der (belagerungs-) stätigen, freigesetzlichen Entwickelung der Demokratie und (Kroaten-) Humanität. Man vergl. Nr. 333 der „Kölnischen“.
Der Anfang war gemacht. Herr Brüggemann hatte die Verfassung „erkannt“, und in der heutigen Nummer ist er schon im Stande, uns die Frucht dieses Erkennens — den neuen Rechtsboden — in bester Form zu präsentiren.
Seine Anzeige faßt er in folgende Worte:
„Diese ausdrückliche Annahme des von der Krone (mit dem obigen „beklagenswerthen unmoralischen Beispiel“) dargebotenen und vom Volke bereits angenommenen (wie der allgemeine Belagerungszustand und die Verhaftungen en masse beweisen) breiten Rechtsbodens ‥‥ ist der Kardinalpunkt, für welchen alle Freunde der Ruhe vereint einzustehen haben u. s. w.
Also: Le roi est mort, vive le roi!
Auf Brüggemann'sch: Der Rechtsboden ist todt, es lebe der Rechtsboden!
@xml:id#ar193_002
@typejArticle
@facs1043
[ 109 ] Düsseldorf, 10 Januar.
Nächst den verkannten Genie's deren auch wir mehrere Prachtexemplare aufweisen können, giebt es nichts Komischeres als die hiesigen Wahlmanöver, von welcher Partei sie auch ausgehen.
Ich versichere Sie, so unglaublich es klingen mag, allen Parteien, und was die demokratische Partei anlangt, wenigstens den Häuptern und „verkannten Genie's“ derselben, würde man in diesem Augenblick durch die Aufhebung des Belagerungszustandes den größten Schabernack spielen. Was giebt es auch Lieblicheres für den Krämergeist als die stille Klüngelei! Wären Volksversammlungen gestattet, man müßte seine Kandidaten öffentlich nennen, sich herumstreiten und zanken, und das Alles hat seine schlimme Seite. Aber unter dem Belagerungszustand, wenn man nur gute Beine zur Verfügung hat, da geht Alles ganz herrlich von Statten. Man kennt seine Leute, die „verkannten Genie's“ machen Alles ganz gemüthlich unter sich ab, und dann laufen die Pagen dieser Trauerweiden umher, und suchen unter Anpreisung derselben die Leute zu stimmen. Die Parole ist nun ausgetheilt, man wartet den Erfolg ruhig ab. Ist das nicht sehr gemüthlich?
Daß die Heulerpartei glückselig ist, bedarf keiner Versicherung. Diese Herren glauben sich ihrer Sache so gewiß, daß sie wähnen, ihnen bliebe nur der l'embarras du cboix. Man nennt als Kandidaten derselben drei Personen, von denen zwei Mitglieder der Deputation nach Potsdam. Die Dritte wird aber wohl die Stimmen dieser Herren erhalten, und das ist — der Prinz Friedrich, königl. Hoh. Nur zittert man, Se. Hoheit werde die unterthänige Wahl nicht annehmen. Sie sehen, in den Erfolg setzt man keinen Zweifel mehr. Es lebe der Belagerungszustand!
Wundern Sie sich nicht, wenn je nach dem Erfolg der Wahlen die eine oder andere Partei dem königl. Kommunisten nächstens für das Geschenk des Belagerungszustandes einen Ehrensäbel verehrt.
@xml:id#ar193_003
@typejArticle
@facs1043
[ X ] Düsseldorf, 10. Jan.
Die Contrerevolution wird in Düsseldorf zum humoristischen Genrebild.
Versetzen Sie sich einen Augenblick aus der Pariser Nationalversammlung oder dem Kremsier Reichstag in die Gesellschaft „Verein“, eine in jeder Hinsicht „geschlossene“ Gesellschaft.
Auch die Gesellschaft „Verein“ hat ihre Präsidentenwahl erlebt. Der Düsseldorfer Louis Bonaparte heißt im alltäglichen Umgange: Robert Westhoff. Notiren Sie sich diesen Namen. Der Mann, der ihn trägt, wird früher oder später diesen seinen Namen in die europäische Wagschale werfen, wie einst Brennus sein Schwert. Also Robert Westhoff, ist als einer der Direktoren der Gesellschaft „Verein“ proklamirt worden. Heil Herrn Robert Westhoff;
Euler lst aus dem Direktorium entfernt, weil er der gefallenen Partei der Montagnards, wir wollten sagen der linken Seite der Vereinbarer angehörte, ebenso Hr. Leutze, weil er aus New-York datirt, also „geborner Republikaner“ ist.
Die Wahl des allergrößten Robert Westhoff, die Entfernung der Anarchisten aus der mehr oder minder provisorischen Regierung der Gesellschaft „Verein“, erfüllten die Partei der „honnetten“ Republikaner, wie vorauszusehen, mit siegestollem Uebermuth. Sie beschlossen einen coup de main. Der Belagerungszustand konnte leider nicht mehr in Düsseldorf eingeführt werden. Aber die Lorbeeren des „Bürgers und Kommunisten“ Drigalsky, des Düsseldorfer Cavaignac, ließen den Düsseldorfer Bonaparte nicht schlummern. Geheimrathssitzungen, Machinationen, mysteriöse Rendezvous, Hin- und Herrennen der Mitglieder des Klubs Poitiers — alles ließ auf ein schicksalsschwangeres Ereigniß schließen. Herr Robert Westhoff nahm ganz die airs Robert des Teufels an, obobgleich er das Gold nie als Chimaire verschrieen hat. Herr Robert Westhoff beschloß mit seiner Partei dem Kommunisten Drigalsky den Rang abzulaufen — durch ein Verbannungsdekret. Robert Westhoff war seiner Majorität sicher. Die „Neue Rheinische Zeitung“ wurde von dem Lesetische der Gesellschaft „Verein“ verbannt. Unglückliche schöne Sünderin! Verbannt aus den Augen eines Drigalski, eines Westhoff! Racine starb an einem ungnädigen Blicke Ludwig XIV. und die „Neue Rheinische Zeitung“, eine weibliche Kreatur, sollte die Verbannung aus den Augen ihres Robert Westhoff überleben! Wie Ovid wird sie sich in eine thracische Einsiedelei (unter Hutmacher Nr. 17) zurückziehen und ihre libri tristium schreiben. Eheu! Eheu! Eleleleu!
Indessen rief das Verbannungsdekret seinen parlamentarischen Sturm hervor. Die Minorität legte Protest gegen obigen Beschluß ein und beantragte die Wiederanschaffung der „Neuen Rheinischen Zeitung“. Sie legte zu dem Ende eine von den Minoritätsmitgliedern unterschriebene Liste auf dem keuschen „Lesetische“ der Gesellschaft „Verein“ auf.
Diese Liste bot den beissenden Epigrammatisten der siegreichen Majorität erwünschte Gelegenheit ihre petits oeuvres der öffentlichen Bewunderung preißzugeben. Todschlaglaunige Runen wurden auf die Liste eingemeißelt.
Hr. Peter Göring (der große Unbekannte) warf sich in dramtisch-wilder Stimmung auf den ersten besten Pythiasessel nieder und nach mehrstündigem Nachdenken gelang es ihm, seine unmaßgebliche Ansicht in folgenden tiefsinnigen Worten zusammenzufassen:
„Ich stimme gegen dieses Schmähblatt.“ Gez. Peter Göring.
Hr. v. Henaumont (Vater des tapfern Husarenlieutenants und Schwager des rechten v. Daniels) hatte dem Peter Göring sein Lebtage solchen Witz nicht zugetraut. Dreimal schlug er sich erbittert vor die Stirne und murmelte in den Bart: „Auch da steckt Witz, wenn er nur herauswollte.“ Plötzlich brach er in eine herzerschütternde Lache aus. Sogar der „Lesetisch“ der Gesellschaft „Verein“ spitzte die Ohren. „“, schrie Hr. v. Henoumont wie toll, [unleserlicher Text] ! Peter Göring kann sich begraben lassen. [unleserlicher Text] !“ Und Hr. v. Henoumont meißelte auf die Liste:
„Ich stimme für dieses Blatt, damit wir auch die Lügen erfahren.“ Gez. Henaumont.
Sofort beschloß die Gesellschaft „Verein“ den Charivari abzuschaffen. Sie hatte einen Beaumarchais in ihrem Schooße [1044] entdeckt. Henaumont schmunzelte stillverschämt, als Bonaparte Westhoff sich melancholisch zu ihm herüberbeugte und bewundernd stotterte: „Henaumont, habt Ihr das selbst gemacht?“ Henaumont deutete auf seine Stirn und drehte sich dreimal auf dem Absatze herum.
Leider rissen die Erfolge Peter Görings und Henaumonts ein junges Genie, Haustrunk, oder wie der hoffnungsvolle Jüngling sonst heißt, über die gesetzlichen Schranken der Konkurrenz hinweg. Dieser Haustrunk betrachtet sich seit geraumer Zeit als eventuellen konservativen Deputirten und Unterstaatssekretär in spe.
Es galt seine Rivalen zu überbieten und der Unterstaatssekretär in spe schrieb eigenhändig auf die verhängnißvolle Liste:
„Punctum
„Streu Sand drum.“
(unterz.) Bloem II.
Dr. Bloem II., höchst erstaunt über dies qui pro quo, fand bald die Spur des „Verbrechers“, des Verbrechers nicht aus verlorner, sondern erst zu gewinnender Ehre. Oeffentlich stellte er den Unterstaatssekretair in spe zur Rede und Trunkhaus legte heulend und weinend vor der in pleno versammelten Gesellschaft „Verein“ die feierliche Erklärung ab, wie er zu seiner Schande gestehen müsse, voreilig gewesen zu sein, indem er sich einer falschen Unterschrift bedient habe.
Tröste Dich Trunkhaus! Weine, weine, weine nur nicht! Auch der Gerechte strauchelt siebenmal an einem Tage. Wie nicht ein Unterstaatssekretär und ventrus in spe?
@xml:id#ar193_004
@typejArticle
@facs1044
[ 12 ] Essen, 8. Jan.
Der Wahltag für die erste Kammer, ein Tag, dessen Resultate einen unendlichen Einfluß auf die Revision der, von der gottbegnadeten Regierung in die Welt geschickten Verfassung ausüben wird, ist nahe. Die Listen der Urwähler für diese Kammer sind angefertigt, und 63 von dem Magistrate darin eingeschrieben. Sage 63, bei einer Bevölkerung von nahe an 10,000 Einwohnern; bei einer Bevölkerung, welche verhältnißmäßig sehr begütert ist, welche ein unmerkliches Proletariat in sich faßt, ja, ein solches eigentlich gar nicht kennt. Wie das möglich ist, wird leicht begreiflich werden, wenn man die Sache etwas beim Lichte besieht. Daß die Demokratie hier stark wächst und daß sie bis jetzt noch bei allen Parteikämpfen glänzend siegte, wird vorausgeschickt und ergibt nach Vorstehendem, daß dieselbe auch viele Begüterte unter sich zählen muß. Wer ist nun in die Wählerliste aufgenommen? Die Antwort ist bitter aber wahr! Es ist die Büreaukratie mit den dicksten Geldsäcken gepaart! Es sind die Herren reagentes! Und findet man wirklich einige (?) freisinnige Männer, die müssen wie vom Himmel dazwischen geschneit sein. Man hat sie gewiß nur mit einem Seufzer eingeschrieben, weil man nicht anders konnte. Hunderte, welche theils über 500 Thlr. jährliche Einnahme, theils im Grundvermögen noch weit über 5000 Thlr. haben, wurden entweder durch viele Abweisungen Anderer abgeschreckt sich zu melden, oder mit einer wichtigen Bureaukratenmiene von dem Magistrate an den Landrath verwiesen. Sie mußten — o Traurigkeit! — passiven Widerstand leisten! Der Landrath fordert Beweise und so sind die Leute gezwungen, ihr Vermögen auf eigene Kosten abschätzen zu lassen, und dennoch wissen sie nicht ob ein solcher Beweis beachtet wird, denn wenn die Behörde in die Aufnahme willigen wollte, so konnte sie die Erfordernisse dazu leicht in der Grundsteuer-Mutterrolle und im Kataster,- die sie in Händen hat, finden. Freilich, zu den Herren reagentes geht der Bürgermeister besorglich ins Haus und ertheilt kurz selbst ein Attest. Warum geht er nicht auch zu Anderen? Warum werden Wähler zur ersten Kammer nicht ebenso wie die zur zweiten von Haus zu Haus aufgenommen? Warum wird, wenn eine genaue Abschätzung nöthig ist, hierzu vom Magistrate nicht eine besondere Kommission auf Kosten der Stadt niedergesetzt. Warum endlich behandelt man eine so wichtige Angelegenheit so oberflächlich, ja, man möchte sagen versteckt, da in allen Bürgermeistereibezirken noch nicht einmal eine Aufforderung zur Meldung an das Publikum ergangen ist?
Eine Antwort hierauf geben uns die Manteuffel'schen Andeutungen (s. Nr. 185 d. Bl.) und mit diesen hängt wahrscheinlich auch ein mehrtägiger Besuch des provisorischen Regierungspräsidenten v. Möller aus Düsseldorf zusammen, welcher bei vielen Mitgliedern des hiesigen Heulervereins Besuche machte. Nun, man kann es ihm nicht verdenken, wenn er hier nebenbei als Kandidat für die erste Kammer auftritt, und sich im Hintergrunde eine Ministerstelle denkt. Dieser Herr wird gewiß dem wohlweisen Magistrate die Manteuffel'schen Andeutungen recht begreiflich gemacht haben! O, es wird gewiß noch schöner! Man wird am Ende den Urwählern für die zweite Kammer noch aufgeben, ihren Taufschein mitzubringen. Michel! Michel! wie lange willst Du noch schlafen? Du wirst jetzt derbe gerüttelt!
@xml:id#ar193_005
@typejArticle
@facs1044
[ 24 ] Breslau, 8. Januar.
Politische Verhaftungen in Schlesien seit dem Anfange Dezember vorigen Jahres: Gürtler Orth aus Hirschberg, Dr. John aus Schmiedeberg, Baron v. Rothkirch von Panthen, vulgo Bürger Rothkirch aus Freiburg, Buchdrucker Riek ebendaselbst, ebenso noch zwei andere, deren Namen mir unbekannt aus Freiburg, ferner: Prediger Wander, Ex-Deputirter und Kaufmann Seliger aus Striegau, Thierarzt Weisker und noch zwei aus Falkenberg, Dr. Benner und Stud. Wecker aus Köben. Viele andere Verhaftungen betreffen untergeordnetere Leute, besonders die, welche an dem Freischarenzuge nach Breslau aus dem Gebirge Theil genommen. Dieser Zug zerstreute sich in Freiburg wieder, weil die Nachrichten aus Breslau ganz ungünstig lauteten. — Viele sind auf der Flucht oder halten sich versteckt, wie Max v. Wittenburg aus Reichenbach, Schlinke aus Breslau und andere. Processe werden in Unmasse eingeleitet wegen aller möglichen Lappalien, die im November vorgekommen. Viele Beamte, besonders Magistrate und Lehrer sind mit Disciplinar-Untersuchung bedroht oder bereits dazu gezogen. Die Reaktion sucht das Landvolk möglichst zu bearbeiten und da die Jahreszeit den Verkehr erschwert und Volksversammlungen im Freien ohnehin verboten sind, so ist man über das Resultat der nächsten Wahlen unsicher, hofft jedoch das Beste.
Es erscheint hier ein Witzblatt, „Putsch.“ Dieses enthielt in einer Nummer einen Brief des Kaisers Nikolaus an den hiesigen Klempner Vogt, den „königlich handgedrückten“ Mann, den Mann mit der „geweihten“ Hand. Wegen dieses Briefes ist der Redakteur zur Criminaluntersuchung gezogen.
General Stößer, der hier kommandirt, hat bereits in den dreißiger Jahren mit dem General-Superintendenten Hahn im Vereine eine militärische Expedition gegen die Alt-Lutheraner in Hönichern bei Oels geleitet. Die Einnahme von Liegnitz ist also nicht seine einzige Heldenthat.
@xml:id#ar193_006
@typejArticle
@facs1044
[ X ] Breslau, 8. Januar.
Sie kennen die Erklärung des Ministerium Brandenburg-Manteuffel über das Wort „selbstständig.“ In dieser sehr auf Schrauben gestellten Erklärung vom 19. Dec. steht auch, daß die Gefangenen nicht zu den selbstständigen Preußen gehören. Wer hätte geglaubt, daß diese Erklärung gebraucht werden solle zu einem neuen „Staatsstreiche.“ Ich kann Ihnen nämlich aus ziemlich sicherer Quelle mittheilen: das Ministerium beabsichtigt falls die Aussichten auf demokratische Wahlen günstig sind, um dann in die organisirte damokratische Partei Unordnung, Rathlosigkeit und Bestürtzung zu bringen, den 21. Januar sämmtliche auf die Wahlen einflußreiche, demokratisch gesinnte Männer einzuziehen.
Die Aussicht auf diesen neuen Staatsstreich muß durch alle Zeitungen verbreitet werden, damit die demokratische Partei nicht überrascht und das Ministerium vielleicht durch das Bekanntwerden seiner Absicht abgeschreckt werde.
@xml:id#ar193_007
@typejArticle
@facs1044
[ 24 ] Breslau, 8. Januar.
In Warmbrunn sang man neulich: „Es leben unsere Linken!“ Ob das die guten Leute cum grano salis gemeint haben, bleibe dahin gestellt. Jedenfalls wäre aber eine ganz bedeutende Sichtung nöthig, ehe man „unsere Linken“ leben und gar erst hoch leben läßt. Was für klägliche Individuen sich unter „unsern Linken“ befunden haben, das wird Jeder aus folgender Erklärung des Pfarrers Schaffraneck entnehmen können, die derselbe, um die bischöfliche Suspension rückgängig zu machen, der Oeffentlichkeit übergeben hat. Sie lautet:
Errare humanum est.
Meine politische Haltung in Berlin seit dem 9. November v. J., insbesondere meine Betheiligung in der leidigen Steuersache, hielt ich niemals für unfehlbar. Selbst die gemessensten Deduktionen gewiegter Staatsmänner und Juristen in der Residenzstadt ließen mir stets ein gewisses konstitutionelles Wagniß und nicht ganz unmerkliche Sophisterei durchschimmern. Doch die Majorität gab den Ausschlag am 15. November. Seitdem hat aber auch der Erfolg gerichtet. Ueberdies hat mein vorgesetzter Bischof, im Einklange mit ihm eine große Anzahl meiner geistlichen Amtsbrüder, und, wie sie, wohl gar der größte Theil des katholischen Volkes in geheimen und öffentlichen Erklärungen mißbilligend die Stimme über jene Maßregel der Nationalvertretung erhoben. Wie damals als politischer Volksvertreter, so — ja mehr noch jetzt von meinem reinkirchlichen Standpunkte aus und als Priester halte ich die richtende vox populi und Ecclesiae für eine vox Dei, furchte, Aergerniß gegeben zu haben, bereue jedwede der Kirche oder einzelnen Gläubigen, wie auch Ungläubigen dadurch verursachte Betrübniß und hoffe mit dieser öffentlichen Erklärung nur desto unzweifelhafter ausgesöhnt dazustehen vor aller Welt, da es in Preußen seit der Octroyirung doch eigentlich weder Reichstags-, noch Fraktions- oder Parteiversammlung überhaupt, namentlich aber in meinem kirchenamtlichen Priesterleben nur eine Linke und Rechte Dessen giebt, der kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten
Breslau, den 3. Januar 1849.
Jos. Schaffraneck, susp. kathol. Pfarrer von Ober-Beuthen.
Das „schlesische Kirchenblatt“ Organ des mehr als Brandenburg-Manteuffelsch gesinnten Fürstbischofs, der durch einen Hirtenbrief die Wahlen im Sinne des Absolutismus zu leiten sucht, bemerkt hierzu wohlgefällig, daß damit die Suspension Schaffraneck's selbstredend zurückgenommen sei. So haben beide Theile ihren Zweck erreicht. Wahrhaftig: „Errare humanum est.“ Ein hübsches Motto! Jede Jämmerlichkeit, jeden Volksverrath kann man schließlich damit bemänteln!
@xml:id#ar193_008
@typejArticle
@facs1044
[ 61 ] Wien, 6. Jan.
Ein 10. Armeebülletin klebt seit gestern Abend in den Straßen — Man hoffte die Besetzung Leopoldstadts, Komorns und Budapesths darin zu finden, welche schon seit mehren Tagen als bestimmt eingetreten, gleichsam offiziell im Publikum angekündigt, und namentlich durch das Bourgeoisblatt des Kuranda als Abonnements-Empfehlung zum neuen Jahr anticipando dekretirt worden war. Die eigene Existenztendenz dieses schmiersalbigen Blattes indessen schrieb ihm diese gesinnungsvolle Standrechtszuvorkommenheit vor.
Nach diesem Bülletin befindet sich das windischgrätzische Hauptquartier seit dem 4. d. in Bia, 4 Stunden von Ofen; Jellachichs Vorposten stehen am rechten Donauufer, er selbst in Lovas Beruny; Nugent und Dahlen rücken von den Grenzen Steiermarks und Kroatiens vor, aber Schlick ist in Miskolz noch nicht eingerückt; die Gefechte bei Farro und Szikszö scheinen also nicht, wie das Bülletin behauptet, so ganz zu Gunsten der Armee ausgefallen zu sein, obwohl es darin heißt: „Der Plan ge[lan]g, die in Uebermacht auf den Höhen von Szikszö aufgestellte ungarische Kavallerie ergriff sehr bald die Flucht … die Höhen wurden erstürmt … nur die einbrechende Nacht rettete den Feind vor der gänzlichen Niederlage.“
Schon vor 14 Tagen hatte man die Besetzung von Miskolz offiziell als Thatsache kundgemacht, jetzt stell[t] sich heraus, daß es eine Lüge gewesen; für den 29. hatte Windischgrätz die Erstürmung der Festung Leopoldstadt versprochen und das Gerücht verbreiten lassen, der Kommandant von Komorn habe diese starke Festung übergeben. Lüge! das Publikum glaubt daher gar nichts mehr. Windischgrätz muß in allen besetzten Städten Besatzungen zurücklassen, was seine Armee nicht wenig schwächt. Die Armee Perczels und Sekuluhs soll von Jellachich, wie es hieß, keineswegs geschlagen worden sein und steht in Stuhlweißenburg. Wie ich höre, soll dieselbe sich dort verstärken, um dann vereint mit der Besatzung von Komorn im Rücken des Windischgrätz aufzutreten.
Simmunich hat ebenfalls noch nichts erzielt; es soll ihm sogar schlecht gehen; er hat die Erstürmung der Festung Leopoldstadt zu erwirken. Aus dem südlichen Ungarn fehlen alle Nachrichten, und man will daraus schließen, daß dort keine glänzenden Resultate erreicht werden. Dazu kommt, daß der neue Bandenführer der Serben, Suplikaz, plötzlich mit Tod abgegangen ist. Es muß mit diesem Tod, so glaubt man, eine eigene Bewandniß haben; Niemand glaubt an den plötzlichen Brustkrampf, an welchem Suplikaz, wie die Standrechtsblätter sagen, gestorben sein soll. Zu alledem kommt eine große Schaar von Flüchtlingen, welche seit einigen Tagen aus den von den kais. Truppen besetzten Städten hiehereilen, und welche großentheils aus kais. gesinnten ungarischen Beamten bestehen. Warum fliehen sie, fragt man, wenn die Armee auf allen Punkten so siegreich vorschreitet?
Die Aufwiegelung der Slowakei wird jetzt von einem neuen kais. Abentheurer betrieben, scheint indessen auch nicht nach Wunsch zu gehen. Der Korrespondent berichtet darüber:
Göding, 1. Jan. Der seit der September-Invasion in der Slowakei rühmlich bekannte Janecek, seines kriegerischen Talentes wegen allgemein Ziska genannt, steht neuerdings mit einer Mannschaft von 1300 Bauern bei Miawa und Werbowce, und ruft die tapferen Vaterlandssöhne auf, sich ihm anzuschließen und in dem Kampfe gegen die Magyaren ehrenvollen Antheil zu nehmen. Obwohl er bis jetzt nicht vorgerückt ist, hat er doch den Magyaren durch Wegnahme einer beträchtlichen, für die Rebellen bestimmten Zahl Pferde, Wägen, Leder, Tuch u. s. f. fühlbaren Schaden zugefügt.“
Man verbreitet heute folgende Nachricht: „Neuesten Nachrichten aus Ungarn zufolge hat das Bombardement von Ofen sogleich begonnen, als Fürst Windischgrätz die mit mehreren Uebergabsbedingungen an ihn aus beiden Städten abgeschickte Deputation abgewiesen, und unbedingte Uebergabe beider Städte gefordert hatte. Das Bombardement erstreckte sich jedoch nur auf Ofen und dauerte nur 4 Stunden, worauf es in Folge einer abermals erschienenen Deputation vorläufig eingestellt wurde. Das weitere Resultat über diese Deputation ist nicht bekannt, doch soviel ist gewiß, daß der größte Theil des Bürgerstandes und auch der übrigen Bevölkerung für die Uebergabe beider Städte gestimmt ist, hieran jedoch bisher durch zahlreiche Haufen von Mobilgarden und bewaffneten Proletariern gehindert wurde. Eine große Anzahl der Revolutionsleiter soll aus Pesth geflohen, Kossuth jedoch bewacht sein.
Danach soll sich auch Pulzky bereits nach Breslau geflüchtet haben, Kossuth aber soll sich vor dem Andringen der kais. Truppen nach Debreczin geflüchtet, und die heil. Stephanskrone sammt den Reichskleinodien mitgenommen haben.
Allmählig verlassen die ungarischen Insurgentenanführer das „siegreiche“ Lager der Honved. Auch Oberst Kiß hat sich, sichern Nachrichten zufolge, über Krakau ins Preußische geflüchtet.
Der Zweck, weshalb solche Nachrichten verbreitet werden, ist nur zu klar und spricht sich in folgender Behauptung des Fremdenblattes sehr deutlich aus: „Das Haus Rothschild soll der östr. Regierung wegen Uebernahme eines Theiles des neuen Anlehens von 80 Mill. bereits Anträge gemacht haben.“
Endlich werden Sie mit Rücksicht auf das Gesagte auch folgende Versicherung der Frau Sophie zu würdigen wissen:
Olmütz, 4. Jan. Briefe aus Babolna melden, daß das Hauptquartier des Fürsten Windischgrätz am 31. v. M. noch daselbst war. Sie sagen: von Fanatismus im Volke haben wir bisher keine Spur gesehen, eben so wenig bei den gefangenen Soldaten. Die angebliche üble Stimmung in den besetzten Städten und Ortschaften verschwindet immer mehr bei der Nachricht unserer Siege.“
@xml:id#ar193_009
@typejArticle
@facs1044
[ 121 ] Wien, 6. Jan.
Aus dem Proteste, welchen Stadion im Tone eines berittenen Kommandeurs im Namen des Gesammtministeriums am 4. in Kremsier wider §. 1 der Grundrechte erhob, und welchen der Reichstag, indem er auf den Antrag der Kreatur Szabel die Berathung bis zum 8. verschob, mit bebendem Stillschweigen anhörte, dürften insbesondere folgende Worte zu beachten sein: „Unter dem Banner dieser Theorie (d. h. der absoluten Volkssouveränetät), die nach dem vorliegenden Kommissionsantrage an die Spitze der Verfassung gestellt werden soll, wurden die Gesetze verletzt (Schmerlings), den Vollzugsorgane offener Widerstand entgegensetzt, unter ihrem Banner wurden die Begriffe der Menge verwirrt, die Straßen zum Schauplatze wilder Ausschweifungen gemacht, wurde das Blut des edlen Grafen Latour vergossen. Das Recht der Krone darf von dieser hohen Versammlung nicht in Frage gestellt werden; eine solche Sendung lag nicht in der Berechtigung der Wähler.“
Wie es heißt, wird der Reichstag sich beeilen, den §. 1 zurückzuziehen, sonst … ja sonst ruft Stadion die That von seinem Gedanken herbei. Ein furchtsam serviler Hund, das ist der Reichstag in Kremsier. In Wien beschloß z. B. mit Majorität, daß die Stadt Tarnow in Galizien den Reichstag mit noch einem Abgeordneten beschicke; die Stadt wählt dazu den Polen Wapusa, einen freisinnigen Mann, aber Stadion protestirt gegen dessen Eintritt, indem Tarnow nicht das Recht habe, zwei Abgeordnete zu wählen. Was thut der servile Hans Jörg? Er kassirt nach dem Antrage Stadions seinen frühern Beschluß und sendet den Wapusa wieder heim. Wäre Wapusa eine Kanaille von 1846 gewesen, Stadion würde für die Wahl gesprochen haben.
Die akademische Legion von Brünn hat sich aufgelöst, um nicht mit Gewalt aufgelöst zu werden. — Im hiesigen Militärspitale sind Cholerafälle vorgekommen. — Unsere Universität scheint ganz einzugehen; es darf sich kein nicht nach Wien zuständiger Student in Folge dessen hier aufhalten. „Die neuen verschärften militärischen Maßregeln, sagt das Fremdenblatt, sollen durch eine von Frankfurt an das hiesige Ministerium gelangte Mittheilung, daß hier noch immer demokratische Vereine bestünden, veranlaßt worden sein.“ Das diesjährige Defizit der Stadt Wien stellt sich auf 1,337,451 fl. C.-M
Der Gemeinderath verwendet die ihm für die Freiheitskämpfer aus Amerika zugekommenen Summen zur Anfertigung von 5000 Hemden und 5000 Unterhosen für das kais. Militär!! Die Amerikaner sollten ihr Geld zurückfordern lassen. Ihr Geschäftsträger sollte es von selbst thun.
Ich habe Ihnen neulich Borkowski's Rede wider die Bewilligung der 80 Mill. mitgetheilt, derselbe muthige Pole hat nunmehr auch gegen den Beschluß der Bewilligung protestirt, wofür ihn die Standrechtsblätter heute mit dem boshaftesten Geifer überschütten.
Der Hofrath Werner, ein Kroatier, die Metternich zu allen geheimen Diensten gebrauchte und der namentlich dazu verwendet wurde, das Potsdamer Kabinet zur Auflösung des 1846 nach Berlin berufenen Vereinigten Landtags zu veranlassen, ist Unterstaatssekreeär im Auswärtigen geworden. Der Ministerpräsident Schwarzenberg will den frühern „Oestr. Beobachter“ wieder ins Leben rufen, und zwar durch eine aristokratische Aktiengesellschaft, die Aktie zu 1000 fl. C.-M.
Die Diebstähle mehren sich namentlich in den Vorstädten außerordentlich und Raubanfälle sind auf den Glacis nichts Seltenes. — Wie ich nachträglich zum Gestrigen noch bemerken muß, hatte man die beiden verurtheilten Spione Pova und Padovani, absichtlich nach der Grenzfestung Theresienstadt gebracht, um die Entweichung zu erleichtern. — In den Provinzen ist die Zwanzigernoth noch größer, als hier; die Kaufleute machen dort Papierzwanziger und Zehner, um wechseln zu können. Das wird einst eine schöne Sauce werden, wenn dazu noch die von Kossuth angefertigten ungarischen Noten kommen.
@xml:id#ar193_010
@typejArticle
@facs1044
[ 14 ] Wien, 6. Januar.
Die Erbärmlichkeit des Czechenthums wird immer großartiger. Die Slovanska Lipa von Prag will die alten Hussitenzeiten wieder heraufbeschwören und gleicht darin der Frankfurter Gesellschaft mit ihrem Kaiser aus dem Kyffhäuser.
In der Neujahrsnacht feierte diese Slovanska Lipa auf der Sophieninsel eine Beseda, auf welcher sich die Herren Czechen wie die Urbären benommen haben sollen. Für denjenigen, welcher, wie ich, Prag aus persönlichem Aufenthalte kennt, wird dies s. g. slavisch-demokratische Verhalten um so lächerlicher, als eben dasselbe Prag seiner Wesenheit nach deutsch ist, und von dort das Czechenthum als eine besondere Volksmacht erst neuerdings gleichsam erfunden hat. Sämmtliche Herren Czechen sprechen in der Regel besser deutsch, als czechisch, wovon man sich à l'evidence schon im Reichstag überzeugen kann. Die meisten dieser Herren sind weiter nichts, als Kreaturen à la Palaky und Rieger, die sich mit antideutschem Insektengifte auffüllen, und nichts können, als dem Absolutismus in die Hände arbeiten. — Ein gewisser Leitenberger richtete an die Slovanska Lipa eine Adresse von wegen eines Anschlusses an den deutschen Zollverein. Leitenberger kennt kein czechisch, darum beschließt diese sich demokratisch nennende Slovanska Lipa, ihm auf czechisch, und nur auf czechisch zu antworten!
Da das Ministerium nicht den Muth besitzt, eine direkte Polemik wider Preußen zu eröffnen, so schickt es unaufhörlich Aufsätze in auswärtige Blätter, namentlich in die englischen, und bringt sie dann in seinen offiziellen Organen als auswärtige Ueberzeugungen. Sie sollen viel Geld kosten diese Ueberzeugungen, von denen „The Times“ vom 20. Dez.: ein starkes Müsterchen enthalten.
@xml:id#ar193_011
@typejArticle
@facs1044
[ 121 ] Wien, 7. Jan.
Die Wiener Zeitung von heute bringt Ihnen ein 11tes Armeebülletin, welches gestern Abend ausgegeben wurde. Dasselbe wird für ebenso bedeutungslos gehalten, wie das vorhergehende; man sieht's ihm an der Stirn an, daß es darauf berechnet ist, an der Börse und im Auslande Wunder zu wirken. Die Magyaren sind immer an Streitkräfte überlegen (eine Lüge, da Windischgrätz 90,000 Mann hat), ziehen sich jedoch stets rasch und ohne Gefecht zurück und schicken Unterwerfungs-Deputationen. „Es wurde ihr ganz lakonisch bedeutet u. s. w.“ entlockte den Lesern des Bülletins überall ein unwillkürliches Lächeln. — Wenn Windischgrätz vordringt, so dringt er nur unter furchtbaren Verlusten und nach den hartnäckigsten Kämpfen vor. Daß er aber seine Einbußen und Niederlagen verschweigt, ist natürlich. Schon Italiens und der 80 Millionen wegen muß er's thun. Obschon die Presse unter standrechtlicher Drohung angewiesen ist, jedes nachtheilige Gerücht zu verschweigen und dafür um so mehr günstige zu verbreiten, so lassen sich die vollständigen Schlappen, welche die Armee sammt den auffanatisirten Natiönchen im Süden erhalten, doch nicht verbergen. Die serbischen Horden unter Suplikaz sind am 18. Dez. bei Jankowac gänzlich vernichtet worden; es ist eine Lüge, daß Suplikaz in Pancsowa am Brustkrampf plötzlich gestorben ist; er ist vielmehr mit niedergemacht worden. [1045] An seiner Statt soll nun der Serbenfürst Petrowic den serbischen Landsturm aus der Türkei aufbieten, Stratimirowic aber das Kommando übernehmen. Von dem serbischen Aufstande hatte man sich in Olmütz die größten Erfolge versprochen.
In den Distrikten Kronstadt und Hermannstadt gewinnen die Szekler und Haromseker immer mehr Terrain; Kronstadt soll bereits in den Händen der letztern sein. Unter Somborys Kommando haben die Szekler schon am 13. Dezember die Kaiserlichen zwischen Udvorholz und Koholom geschlagen. Was bis heute dort geschehen, wird man nicht gewahr; glaubt aber, daß Russen und Türken in den Süden Ungarns eingerückt sind. — Auch die Bukowina ist in vollem Aufstande, den aus Kremsier heimgekehrte Bauerndeputirte dort leiten sollen.
Windischgrätz zählt bedeutend auf die Bourgeoisie in den Städten, namentlich in Pesth; er kann es um so gewisser, da sie großentheils aus Juden besteht. Nach weitern standrechtlichen Gerüchten wäre die Ständetafel nach Debreczin verlegt, und hätte das Bombardement von Ofen bereits begonnen, sei aber nach 4 Stunden wieder eingestellt (?) worden. Die Uebergabe von Budapesth soll nur durch zahlreiche Haufen von Mobilgarden und bewaffneten Proletariern (? in Pesth?) verhindert worden sein. Kossuth soll dort bewacht sein, während gestern versichert wurde, er sei mit der Krone des h. Stephan nach Debreczin geeilt. Das Fremdenblatt, der boshafteste und niederträchtigste Lügenschmied von Wien, versichert sogar, „Kossuth soll einem Gerüchte zufolge von seinen Satelliten Madaraß und Nyary gefangen genommen worden sein, weil dieselben einen Brief von seiner Gattin aufgefangen hätten, worin dieselbe ihrem Gatten geschrieben habe, daß bereits Alles zur Flucht nach Amerika vorbereitet sei. In diesem Briefe soll auch erwähnt gewesen sein, daß die überschickten 12 Millionen bereits in Sicherheit gebracht worden seien. Dieses Gerücht dürfte sich leider nur auf einen frommen, patriotischen Wunsch gründen. Indeß unmöglich ist ein solches Ende Kossuth's nicht. Flucht, Selbstmord oder Strang werden zweifelsohne das Ende dieses Abentheurers sein.“ Was das Hängen anbetrifft, so geschieht es in Ungarn jetzt dergestallt, daß, wo die Magyaren einen gehängt haben, die Kaiserlichen dafür immer zwei hängen. Gestern Mittag wurden hier einige hundert ungarische Gefangenen eingebracht und theils im Theresianium, theils im Stabstockhause eingesperrt. Kroaten mit gespanntem Hahn führten sie durch die Straßen. Es geschieht bloß aus Ostentation, um die Wiener eingeschüchtert zu halten. Wie es heißt, sollen in den bereits besetzten Städten die Leute zur Unterstützung der Bülletins eingefangen und dann wie Vieh hieher geschleppt werden. — Wenn die Italiener jetzt nicht losschlagen, so sind sie die größten Esel und verdienen die Prügel, die sie nachher unzweifelhaft bekommen.
@xml:id#ar193_012
@typejArticle
@facs1045
[ 14 ] Wien, 7. Jan.
Den Hutmachern ist unter standrechtlicher Bestrafung geboten worden, die Hüte mit Federn und alle deutschen Hüte aus den Auslagekasten zu entfernen. Wer einen deutschen Hut trägt, wird ohne weiteres ergriffen, um nicht mehr zum Vorschein zu kommen. Ein Mann verkaufte in einem Hause ein Exemplar der Ameise und wurde sogleich verhaftet. Die ungeheure Noth, die bei der geringsten Klage mit Verschwinden beseitigt wird, und der Schmerz der Eltern, Gatten, Geschwister und Kinder der Gehängten, Ermordeten, Erschossenen, zum Kerker Verurtheilten und Verschwundenen macht viele Leute wahnsinnig. So sind seit den letzten 8 — 10 Tagen eine 70jährige Pfründnerin und eine Branntweinersgattin auf der Wieden, eine fünfzehnjährige Schneiderstochter auf der Windmühle, dann ein Musikus, ein Tagelöhner und eine Hauptmannswittwe, ebenfalls auf der Wieden, ferner eine Greißlerswittwe im Neulerchenfelde, ein Zeitungs-Colporteur in der Stallburg, eine Webergesellenfrau in Rustendorf, und ein Webermeister in der Leopoldstadt irrsinnig geworden. Die Meisten hiervon fantasirten vom Sturmläuten, Erschießen, Plündern, sahen Flammen vor ihren Augen oder andere schreckliche Szenen, so daß man die Nachwehen und Opfer der Octobertage nicht verkennen kann. Es gibt satanische Blätter genug hier, die sich darüber lustig machen. — Das Fremdenblatt z. B. erfindet jeden Tag ein Schock der elendesten Lügen, um das Proletariat zu verdächtigen. Meistens sind es Gauner- und Spitzbubenstückchen. — Der Gemeinderath von Wien hat 743,000 Fl. C. M. bei der Bank aufgenommen. Die Zeitungen enthalten täglich lange radikal östreichisch geschriebene Artikel aus den französischen und englischen Journalen. Herr Girardin, der die meisten liefert, muß damit ungeheure Summen verdienen.
Der hiesige Rothschild scheint nicht anbeißen zu wollen, darum heißt es seit gestern, das Ministerium würde die 80 Mill. in Amsterdam bekommen. Sollte Jann wirklich so dumm sein, oder Nikolausens Almosen etwa auf diese Weise aus Schamgefühl verdeckt werden?
Derselbe Nikolaus soll dem jugendlichen Standrechtskaiser den Befehl haben zukommen lassen, eine weimarische Prinzessin zur Frau zu nehmen.
Auf Studenten wird Tag und Nacht gehetzjagdtet. Gestern wurden einige junge Leute, die man für solche hielt, mit Kavallerie durch die Straßen verfolgt; sie entwischten aber dennoch. — Das Ministerium will den Redakteur der Presse, den ehemaligen Spion Metternichs und Juden Landsteiner in den Reichstag wählen lassen. Alles der 80 Mill. wegen und weil die hiesigen Juden zu allen Schandthaten zu gebrauchen sind. Die immer zunehmende Antipathie aller Völker Oesterreichs wider das sie sämmtlich aussaugende und mit jeder Gewalt verbrüderte Judenpack, das sich hier jetzt bis auf 70,000 Köpfe vermehrt haben soll, und sich wie die Wanzen in alle Thätigkeiten festsetzt, hat hier ganz andere Motive, als die Religion oder den Nationalhaß.
Die Gemeinen des Infanterie-Regiments Nassau: Lukas Tesluk und Ignaz Kowalzik sind wegen Desertion und Theilnahme am Aufstande zu 10- und 5jähriger Schanzarbeit in schwerem Eisen begnadigt worden, nachdem sie zum Strang verurtheilt waren.
Zur Würdigung der südslavischen Bestrebungen, mit welchen Olmütz bald in ernsten Konflikt gerathen dürfte, theile ich Ihnen folgendes Aktenstück mit:
@xml:id#ar193_013
@typejArticle
@facs1045
Agram.
Die hiesige „Slavjanska lipa“ hat an die Istrianer nachstehenden, den Standpunkt und die Tendenzen scharf charakterisirenden Gruß erlassen: „Geliebte Brüder Istriens! Unsere heldenmüthigen Herzen sind von Freude entzückt worden, als wir aus euerer Protestation vom 14. Dezbr. vernommen, mit welch' männlicher Entschiedenheit ihr, werthe Brüder, gegen das Fremdenthum aufgetreten, wie ihr euch als treue Söhne der slavischen Mutter euerer lieben Abstammung und ritterlichen Wiege erinnert. Deshalb entsenden wir euch aus diesem Schwesterlande euerer einstigen und so Gott will auch zukünftigen Heimath den brüderlichen Gruß. Wir grüßen euch und strecken von Ferne die Arme aus, um euch als stammverwandte, innigstgeliebte Brüder zu umarmen, und segnen jenes Land, das euch als eine undurchdringliche Wand mitten im wogenden Meere neben dem umsichgreifenden Fremdenthum an Körper und Geist dem gemeinsamen süd-slavischen Heimathlande unversehrt erhalten hat. Diese Protestation hat bereits dieser Verein Sr. Exzellenz unserm Ban, wie auch unserm Herrn Minister Baron Kulmer mit der Bitte vorgelegt, daß sie euere Wünsche im Sinne des Artikels XI. 6. unseres letzten Landtages vor dem kaiserlichen Throne unterstützen möchten. — Liebe Brüder! die einstige glückliche Zeit wird wieder kommen. Es ist uns wohl bekannt, wie ihr, geliebte Brüder, am Strande der Adria außer Gott von Jedermann verlassen an den kahlen Felswänden kümmerlich lebet; wohl ist uns bekannt, daß euer Land im brüderlichen Verbande mit den stammentsprossenen Brüdern im gesegneten Zustande aller Art blühen und jenes undankbare Gewerbe der Kohlenbrennerei, das eure bedürftigen Landbewohner ersonnen, um von heute auf morgen das Leben zu fristen, in Handel und Industrie jeder Art umgestaltet werden könnte, wenn es nur Jemand gäbe, der euch lieben, der euere kahlen Berge eines mildthätigen Blickes würdigen würde, wenn ihr einen Beschützer hättet, dessen Herz nicht härter wäre, als die Felsen euerer Heimath. Geliebtes Volk! Hoffe und erwarte glücklichere Zeiten im vollen Vertrauen zu deinen Stammesbrüdern; nicht mehr fern ist die Zeit, wo das gewaltige Thor, das euch von der so sehr geliebten Stadt Nieka (Fiume) absperrt, sich auf ewige Zeiten öffnen, wo das reiche Fahrzeug eures nationalen Glückes von der einen bis zur andern euerer Seestädte segeln wird. Zu diesem glücklichen Ziele hoffen wir bald zu gelangen, wenn nur euere entschlossene Vaterlandsliebe, was wir gar nicht bezweifeln, beständig sein wird. Mit der Bitte, uns in ununterbrochener Wechselseitigkeit euere klaffenden Wunden, die der Heilung bedürfen, zu entdecken, um mit aller Kraft des slavischen Geistes auftreten zu können, verharren wir bei dem Wunsche, daß ihr auch für die Zukunft Träger unseres Geistes seid und die Leben schaffende Parole unserer Zeit bis zur Adria hin von Stadt zu Stadt, von Dorf, zu Dorf verkündet. Nehmt hin noch einmal unseren brüderlichen Gruß.“
@xml:id#ar193_014
@typejArticle
@facs1045
Wien, 6. Jan.
Es verlautet, sagt die Allgem. Oestr. Ztg., daß man im Einverständnisse mit den deutschen Regierungen eine Umschmelzung der kurrenten Silbermünzen beabsichtigte. Auf diese Art hofft man die Menge des kursirenden und versteckten Silbers kennen zu lernen und hierdurch dem gesunkenen Kredit aufzuhelfen.
@xml:id#ar193_015
@typejArticle
@facs1045
[ * ] Wien, 7. Januar.
Das 12. Armeebülletin lautet:
Feldmarschall Furst Windischgrätz ist am 5. dieses Mittags an der Spitze der k. k. Truppen ohne Schwertstreich in Ofen und Pesth eingezogen. Das 11. Armeebülletin bringt folgende nähere Details.
Das Hauptquartier des Feldmarschalls war am 4. d. in Bia, 3 Stunden vor Ofen; das 1. Armeekorps in Teteny und Promontor, das 2. in Budaörs und Umgegend, das 3. in Bia und Concurrenz. Aus dieser Aufstellung wird am folgenden Tage vorgerückt. Beim Vorrücken des 1. Armeekorps von Marton-Vasar gegen Teteny unweit Haussaveg hat den 3. gegen Mittag der Banus einen Zusammenstoß mit dem Feinde gehabt, welch Letzterer einige Batterien auf den Höhen vorbrachte und damit auf große Entfernung das Feuer eröffnete. Das 1. Armeekorps erwiederte dasselbe beim Naherkommen überaus lebhaft und der Banus ließ sogleich die Division Hartlieb links im Staffel vorgehen und bedrohte dadurch die Rückzugslinie des Gegners um so mehr, als auch vom 2. Armeekorps bei Bia die daselbst anwesende Cavalleriebrigade rechts entsendet worden war, wodurch ein Abdrängen des Feindes von Ofen um so wahrscheinlicher wurde. — Die Magyaren, dem Banus an Streitkräften überlegen, zogen sich rasch gegen Promontor zurück, welchen Ort sie auch räumten und die Höhen von Ofen besetzten. Gestern fand sich in Bitske eine Deputation des ungarischen Reichstags ein, bestehend aus dem ehemaligen Ministerpräsidenten Grafen Louis Bathyany, dem Bischof Lonovits, dem Grafen Majlath und dem gewesenen Minister Deak. Selbe wurde nicht vorgelassen und ihr bedeutet, daß nur von unbedingter Unterwerfung die Rede sein könne.
Generalmajor Götz begann am 31. v. M. von Jablunka aus die Offensive, besetzte am 31. mit der Hauptkolonne Czaza und mit einer Umgehungskolonne das Dorf Thursowka. Am 1. Jan. rückten beide Kolonnen nach Neustadt vor, welchen Ort der Feind verlassen und bei Budatin und Sillein Stellung genommen hatte, um den Brodner Engpaß und den Uebergang über die Waag zu vertheidigen. Am 2. griff die Hauptkolonne die Rebellen an. Letztere waren 3 Bataillons Honved, einige 1000 Nationalgarden und eine Abtheilung Houved-Kavallerie stark. Durch Umgehungskolonnen im Rücken und der rechten Flanke angegriffen, zog sich der Feind nach mehrstündigem Gefechte, wobei ihm 2 Kanonen demontirt wurden, so eilig über die Waag zurück, daß ihm nur wenig abgenommen werden konnte. Ebenso laufen aus Pancsova vom 31. Dez. höchst günstige Nachrichten für die Fortschritte der k. k. Truppen im Banate und der untern Donaugegend ein. Oberst Baron Wernhardt zeigt an, daß er am 24. Dez. Deutsch-Bogsan, Wallachisch-Bogsan und Reschitz angreifen ließ und diese stark besetzten Orte nach mehrstündigem Gefechte und Eroberung von sechs Kanonen eingenommen habe. Oberst v. Mayerhofer hat in Pancsova das Kommando des Obersten v. Supplicatz übernommen und ist 20,000 Mann, darunter einige Tausend Serben, bereit, die Offensive zu ergreifen. Wien, am 6. Jan. 1849.
@xml:id#ar193_016
@typejArticle
@facs1045
Wien, 7. Jan.
Am Freitag hat ein Mitwisser der gedungenen (von oben oder unten) Mörder des Grafen Latour, als er sich dem Tode nahe fühlte, den Hauptthäter gerichtlich angezeigt. Er ist ein Schneidergeselle, der sogleich eingezogen wurde.
@xml:id#ar193_017
@typejArticle
@facs1045
Prag, 6. Januar.
Seit einigen Tagen gehören die Interpellationen der beschäftigungslosen Kattundrucker wieder zum Stadtgespräch. Heute war eine Deputation von ihnen bei der Stadthauptmannschaft, um Erleichterung ihrer, bei dieser Jahreszeit allerdings Mitleid erregenden Lage zu begehren. Man hat sie dem Vernehmen nach an die Bezirke, wo sie wohnhaft, gewiesen. Es dürfte überhaupt schwer sein, bei längerer Zeit anhaltend strenger Witterung ein geeignetes Auskunftsmittel zu finden. Da mit den in Kurzem beginnenden Frühjahrsmärkten wohl zweifelsohne ein größerer Absatz an Manufakturwaaren in Ungarn zu erwarten, indem es dort seit Monaten an vielen Artikeln fast gänzlich fehlt, so wäre Unterbringung in den Fabriken fast das einzige Mittel, diese Leute, wenigstens in Wochen abwechselnd, zu beschäftigen. Es frägt sich nur, ob die Fabrikanten ein Kapital auf Vorrath-Arbeiten zu verwenden geneigt sind, zumal der Fabriksbetrieb im Winter mit Schwierigkeiten und höheren Kosten verbunden.
[(C. Bl. a. B.)]
Uebrigens zeigt sich eine allgemeine Geldnoth in allen Geschäften. Man sieht im Detailgeschäft lediglich die magistratischen 19 und 20 Kr. Noten, von denen circa 150,000 Fl. ausgegeben sind. Selbst Kupfergeld ist sehr rar geworden, und Silbergeld fast ganz verschwunden. So berichtet die Allg. Od.-Z.
@xml:id#ar193_018
@typejArticle
@facs1045
[ 24 ] Frankfurt, 9. Januar.
Sitzung der National-Versammlung. Hr. Simson präsidirt.
Pattai u. A dringen auf Vornahme der Berathungen über die Grundrechte und wollen wöchentlich mindestens 1 Tag dazu angesetzt wissen.
Beseler (der unfundirte) will dagegen das Verfassungswerk ohne Unterbrechung zu Ende gefuhrt sehen. Pattai's Antrag verworfen. Hr. Soiren spricht das Schlußwort in Betreff der Bestimmungen über den „Reichshaushalt.“
Wegen Ordnung der Fragen entsteht eine lange Debatte, an der sich die Herren Vincke, M. Mohl, Plathner, Hehner und Rösler betheiligen. Bei der Abstimmung werden die gestern angegebenen 8 Punkte (siehe Nr 192, 4te Seite) bis auf den funften ungeändert angenommen. Der 5te Punkt erhält dagegen folgende Fassung:
„Dieses ordentliche Budget wird auf jedem Reichstag zuerst dem Volkshaus vorgelegt und von diesem in seinen einzelnen Ansätzen und nach den Erläuterungen und Belegen, welche die Reichsregierung vorzulegen hat, geprüft, und „ganz oder theilweise“ bewilligt „oder verworfen.“
(Die Worte mit Anführungszeichen sind aus den Verbesserungsanträgen)
Sodann wurde zwischen 2 und 3 ein Paragraph eingeschaltet und angenommen, der also lautet:
„Alle Bewilligungen von Ausgaben sind nur für den besondern Zweck, für welchen sie gefordert wurden, ertheilt anzusehen und nur in der Grenze der Bewilligung kann die Verwendung erfolgen.“
(Wahres Reichs-Deutsch!)
Auch wird weiter bestimmt, daß die Uebereinstimmung der Reichsregierung und des Reichstags auch erforderlich ist: „wenn Papiergeld eingeführt oder das Vorhandene vermehrt werden soll.“
Auf der Tagesordnung steht der Bericht über Mohr's Anträge wegen der „Reichs“-Einquartierung in Rheinhessen.
Hr. Peucker erklärt, daß die letzten „Reichs“-Truppen bald aus Rheinhessen zurückverlegt werden sollen.
Die Versammlung geht darauf, trotz einer Rede von Mohr und seines Antrags auf motivirte, zur simplen Tagesordnung über.
Es kommt die Untersuchung gegen den Abgeordneten Würth zur Verhandlung. Die verlangte Einwilligung zur Untersuchung wird ertheilt.
Nauwerk und Wesendonk interpelliren, ob nicht bald der Petitions- und der s. g. Biedermann'sche Ausschuß ihre Berichte über die preußischen Angelegenheiten fertig haben.
Schließlich wird Simon (Trier) am Verlesen einer Interpellation verhindert. Der Redeverein besorgte, wieder eine Pille zu bekommen.
Man geht nach Hause, nachdem die nächste Sitzung für Donnerstag in der Paulskirche, wo's jetzt ganz komfortabel sein soll, anberaumt worden.
Tagesordnung für Donnerstag:
Berathung des Gagern'schen Programms in der österreichischen Frage.
@xml:id#ar193_019
@typejArticle
@facs1045
[ 82 ] Heidelberg, 6. Jan.
Man wird durch das constitutionelle Staatsleben so wenig Republikaner, als man durch fleißiges Spazierengehen schwimmen lernt. Unser Baden ist ein sprechender Beweis zu dieser Behauptung. Wer hat nicht vor dem März Baden gerühmt als das einzige Land des Deutschen Bundes, in welchem „politisches Leben“ herrschte, in welchem die Vertreter des Volkes todesmuthig auf die Tribüne traten und — das Todesschweigen des geknebelten Volkes mit liberalem Geplapper verdeckten, so daß man beinah glaubte, es sei doch nicht ganz still? Wer erinnert sich nicht der während der Märzrevolution auf den begeisterten Ruf: Deutsche Republik! hundertmal erwiederten und bis zur Trivialität wiederholten Phrase: Ja, Baden ist gewiß reif zur Republik, aber nehmet doch Rücksicht auf das „unreife“ Preußen, Meklenburg etc.! — Nun — und wie steht es jetzt?! Keine Bevölkerung hat sich für das Erringen der Republik, für den demokratischen Parteikampf unreifer gezeigt als die badische. Dasselbe Baden, welches vor dem März, im Vollgenusse seiner octroyrten Verfassung schwelgte, von allen 38 Nationalitäten Deutschlands beneidet, dasselbe Baden ist bekanntlich seit dem März in der politischen Bildung hinter allen deutschen Staaten zurückgeblieben. Und was ist der Grund davon? Das Volk von Baden besitzt im höchsten Grade die Eigenthümlichkeit des süddeutschen Charakters, daß ihm Persönlichkeiten Alles und Principien — Nichts gelten; daß es sich nicht über einzelne Männer, welche es liebt oder haßt, hinaus erhebt zu dem Principe, welches es in ihnen liebt oder haßt, daß es also der Täuschung durch Persönlichkeiten und Schlagwörter im höchsten Grade ausgesetzt ist. Damit hängt zusammen, daß der Badenser für die Entwicklung der Begebenheiten — und besonders unsrer Revolution — im Ganzen und Großen wenig Verständniß hat, und daß sein Blick kaum über die Grenzen seines Baden hinaus geht (Baden ist bei Rastatt vom Rhein bis zur Würtembergischen Grenze gerade 4 Meilen breit; es ist doch ein schönes Ding um das Nationalgefühl.). Während sonst der Prophet in seinem Vaterlande Nichts gilt, gelten die badischen Propheten des Liberalismus nirgends mehr als in ihrem Vaterlande. Der Badenser jauchzte laut auf, als Welcker an Blittersdorff's Stelle in den Bundestag kam; und nachdem er gar noch seine große Carlsruher Sturmpetition vollführt hatte — bei der übrigens noch so viel Unklarheit herrschte, daß selbst Struve mit der Wiederherstellung eines Preßgesetzes von 1831 (!) „seine Mission“ beendet glaubte — da glaubte er vollends im Bewußtsein seiner Verdienste um Deutschland vom Arbeiten und vom — Nachdenken ausruhen zu können. Willig und gedankenlos ließ er den schwatzhaften Fünfziger-Ausschuß und den sonstigen lahmen Gang der Begebenheiten über sich ergehen — da wurde er durch die Heckersche Schilderhebung überrascht, Die Schaaren Hecker's waren bloß durch die Macht seiner imposanten Persönlichkeit herangezogen; aber eine Persönlichkeit reicht denn doch nicht hin, ein ganzes Land in Bewegung zu setzen. Der Badenser begriff nicht, daß jetzt oder nie der Zeitpunkt einer gewaltsamen Revolution sei; sogar seine gewöhnliche Energie des „Dreinschlagens“ verließ ihn, da ihm die Kraft der Ueberzeugung fehlte, und es blieb ihm daher Nichts übrig, als mit täppischer Gebärde dem Kampfe zuzuschauen. Er sah Hecker unterliegen — und als er fort war, da sang der Badenser in einem glücklichen Anfalle von Selbstironie recht breitmäulig sein: „Hecker, hoch dein Name schalle!“
Der Sommer 1848 verging uns in voller Unthätigkeit, und der lächerliche Studenten-Auszug nach Neustadt war das wichtigste Ereigniß, das während desselben vorfiel. Der Minister Bekk (nächst den Centralpolizisten und Brandenburg-Manteuffel vielleicht der erste Reaktionär in Deutschland) regiert mit seinen zwei antediluvianischen Kammern vom März bis jetzt ohne erhebliche Anfechtung; nicht einmal die „Errungenschaft“ fast jedes deutschen Winkelstaates, eine Constituante oder doch Vereinbarante, wußten die Badenser sich zusammenzubringen. Nicht einmal zur Organisation der eigenen Partei benutzte man diese Zeit, wie denn überhaupt von einer eigentlichen demokratischen Partei nur in Mannheim und allenfalls in Heidelberg die Rede sein kann. Die Mannheimer Demokraten stehen unter Leitung des Herrn Florian Mördes, eines höchst zweideutigen Charakters. Herr Mördes belehrte uns vor Kurzem, daß man das bisher verfolgte (?) Princip fahren lassen und den Weg der Reform betreten müsse. Nun aber war es gerade Herr Mördes, der im Juli (also seiner Meinung nach noch zur Zeit des revolutionären Princips), wo es den Badensern zuerst einfiel, an eine constituirende Versammlung zu denken, einer solchen entgegenwirkte; jetzt aber betreibt er „von wegen der Reform“ eine mattherzige Agitation für eine Constituante — auf Grund der Grundrechte. Da haben Sie gleich eine Probe von unsrer Demokratie. Auf Grund der Grundrechte! Gott segne die Studia des Herrn Florian Mordes: uns will es aber scheinen, als ob sich über den Strom der Revolution nur als dünne Eisdecke (vom Vincke'schen Rechtsboden „Eisberg“ her) die Grundrechte gelagert hätten. Und wer kräftig darauf zutritt, der bricht ein und holt sich einen tüchtigen Schnupfen.
Unsere demokratische Presse ist das getreue Abbild dieser Zustände. Wir besitzen kein einziges Blatt, welches über Baden hinaus Interesse erregen könnte. Die Mannheimer Abendzeitung ist jedenfalls unser relativ bestes Blatt, noch von früher her durch ihre Gesinnungstüchtigkeit schätzenswerth: aber auch bei ihr vermißt man großartige Auffassung und principielle Schärfe: sie wird immer nur von der Zeit fortgetragen. Der Deutsche Zuschauer von Fl. Mörders ist die matteste Wassersuppe, die je aus der Küche eines politischen Proletariers gekommen ist. Recht eigentlich bezeichnen die badische Presse: die Oberrheinische Zeitung (Freiburg) und die Seeblätter (Constanz). Viel Phrasen und Schlagwörter mit wenig Inhalt; wo es auf klares Aussprechen revolutionärer Grundsätze ankommt, das Princip: „wasch' mir den Pelz und mach mich nicht naß“ — und namentlich von socialen Fragen fast kein Begriff. Ein Anhängsel zur Badischen Presse bildete die „Demokratische Zeitung“, welche in Neustadt (Pfalz) erschien, aber in Heidelberg geschrieben und redigirt wurde, und sich wenigstens in Bezug auf die Klarheit der Grundsätze vor den badischen Blättern rühmlich auszeichnete; sie ist aber an der Kinderkrankheit aller Zeitungen, dem Abonnentenmangel, kürzlich verstorben.
Die badische Demokratie nimmt den Mund sehr voll, es ist aber wenig dahinter. Der badischen Demokratie fehlt es an
(Siehe den Verfolg in der Beilage.)
[1046]
[Anzeigen]
@typejAn
@facs1046
Civilstand der Stadt Köln.
Den 6. u. 7. Januar 1849.
Geburten.
(5.) Adelh., T. v. Joh. Krämer, Tagl., Bayeng.
Casp. Melch. Balthas. Theod., S. v. Nicol. Trimborn, Zuckersiederm., Bayeng. — Urs., T. v. Anton Jos. Breuer, Tagl., Entenpf. — Joh. Melch., S. v. Seb. Jerusalem, Kleiderm., Bayardsg. — Wilh., S. v. Aug. Simmert, Tischlerm., Benefisstr. — Friedr. Jos., S. v. Friedr. Wilh. Jansen, Schreinerges., Weiherstr. — Cath., T. v. Theod. Höveler, Tagl. Löhrg. — Joh. Jacob Balthasar, S. v. Joh. Anton Schulzendorf, Zimmermann, Spulmannsg. — Carol. Henr., T. v. Jos. Weiß, Theatersänger, Gereonstr. — Herm., S. v. Jacob Kramer, Fuhrm, unter Kalenh. — Gertr., T. v. Joh. Peter Schiffer, Spezereih., Weingarteng. — Heinr. Jos. Engelbert, S. v. Franz Xav. Frings, Barb., Marzellenstr. — Gert. und Thom., Zwill. v. Joh. Peter Roth, Kutscher, Cäcilienstr. — Ein unehel. Mädchen.
Cathar., T. v. Joh Heinr. Strohe, Spulmannsg. — Joh. Ludw. Hub., S. v. Peter Schmitz, Schreinerges., Glockenring. — Andr., S. v. Heinr. Lauvenberg, Fruchtträger, Weideng. — Agnes, T. v. Heinr. Kuhl, Seilerg., Josephsstr. — Heinr., S. v. Joh. Theisen, Rothgerber, Spulmannsg. — Joh. David, S. v. Gerh. Heinen, Tagl., Buttermarkt.
@typejAn
@facs1046
Bekanntmachung.
Nach Art. 67 der Verfassungs-Urkunde für den Preußischen Staat vom 5. Dezember v. J. und Art. 1 und 2 des Wahlgesetzes für die zweite Kammer vom 6. Dezember v. J. ist jeder selbstständige Preuße, welcher das 24. Lebensjahr vollendet, nicht den Vollbesitz der bürgerlichen Rechte in Folge rechtskräftigen richterlichen Erkenntnisses verloren hat, in der Gemeinde, worin er seit sechs Monaten seinen Wohnsitz oder Aufenthalt hat, stimmberechtigter Urwähler in sofern er nicht aus öffentlichen Mitteln, Armenunterstützung erhält.
Die namentlichen Verzeichnisse aller, gemäß den oben angeführten gesetzlichen Bestimmungen, stimmberechtigten Wähler hiesiger Stadt, sind von Morgen den 11. d. Monats ab, während 3 Tagen in dem hiesigen Rathhause ausgelegt. Wer sich darin übergangen glaubt, hat nach §. 4 des Reglements, zur Ausführung des Wahlgesetzes für die zweite Kammer vom 8. Dezember v. J. seine Einwendungen binnen drei Tagen nach der gegenwärtigen Bekanntmachung anzugeben und zu bescheinigen.
Die stimmberechtigten Urwähler hiesiger Stadt werden demnach eingeladen, von den ausgelegten Verzeichnissen möglichst bald Einsicht zu nehmen, um die gestellte Reklamationsfrist nicht zu versäumen, und ihr Stimmrecht zu wahren und auszuüben.
Köln, am 10. Januar 1849.
Der kommissarische Oberbürgermeister, Gräff.
@typejAn
@facs1046
Bekanntmachung.
Die Eröffnung der gewöhnlichen Assisen für den Bezirk des königlichen Landgerichts zu Köln für das 1. Quartal des Jahres 1849 wird hiermit auf Donnerstag den 25. Januar 1849 festgestellt und der Herr Appellations-Gerichts-Rath Cremer zum Präsidenten derselben ernannt.
Gegenwärtige Verordnung soll auf Betreiben des königlichen General-Prokurators in der gesetzlichen Form bekannt gemacht werden.
Köln, am Appellations-Gerichtshof, 30. Dez. 1848.
Der erste Präsident des königl. rheinischen Appellations-Gerichtshofes, (gez.) Schwarz.
@typejAn
@facs1046
Bekanntmachung.
Am 16. Januar 1849, Vormittags 10 Uhr, soll im Garnison-Bäckerei-Hofe, Severinstraße, eine Partie ausrangirter Mehlfaßstäbe, welche zur Anfertigung kleiner Gefäße noch brauchbar sind, und eine Partie alter Faßbänder unter den im Termin bekannt zu machenden Bedingungen an den Meistbietenden versteigert werden.
Köln, 9. Januar 1849.
Königl. Proviant-Amt.
@typejAn
@facs1046
Bekanntmachung.
Die Lieferung von 460 Klaftern Brennholz, wovon 270 Klaftern in eichenem, und 190 Klaftern in buchenem Scheitholze abzuliefern ist, soll für das hiesige Königliche Magazin an den Mindestfordernden in Verding gegeben werden.
Zu dem Behuf ist Termin auf den 23. Januar c., Vormittags 10 Uhr, in unserm Geschäfts-Lokale angesetzt, und werden daher die Lieferungslustigen hierdurch eingeladen, zunächst ihre schriftlichen Anerbietungen bis dahin portofrei einzureichen, und bei deren Eröffnung, so wie bei den ferneren Verhandlungen über diesen Gegenstand gegenwärtig zu sein.
Die Forderung ist für eine preuß. Klafter für jede Holzsorte zu stellen.
Die bezüglichen weiteren Lieferungs-Bedingungen liegen in unserem Bureau zur Einsicht der Unternehmungslustigen offen.
Köln, den 8. Januar 1849.
Königl. Proviant-Amt.
@typejAn
@facs1046
Bekanntmachung.
Der dahier verstorbene Rentner Heinrich Mehl hat eine Stiftung von 500 Thalern errichtet und bestimmt, daß die Revenuen davon unter arme Mitglieder seiner Familie, welche sich dem Studium widmen oder eine Profession erlernen, vertheilt werden.
Wir bringen dies zur öffentlichen Kenntniß und fordern die Berechtigten zugleich auf, ihre Ansprüche auf den Stiftungsgenuß unter Nachweisung ihrer Unvermögenheit bis zum 15. Februar c. bei uns anzumelden.
Köln, den 2. Januar 1849.
Der Verwaltungsrath der Studien-Stiftungen.
@typejAn
@facs1046
Gerichtlicher Verkauf.
Am Samstag den 13. Januar 1849, Vormitags zehn Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Altenmarkte zu Köln, circa zwei Fuder Moselwein an den Meist- und Letztbietenden gegen baare Zahlung öffentlich verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher, Gassen.
@typejAn
@facs1046
Gerichtlicher Verkauf.
Am Donnerstag den 18. Januar 1849, Vormittags 9 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Apostelnmarkte zu Köln, ein Sopha, Tische, Stühle, ein Ofen, ein Glaskasten, Bettstelle mit Bettzeug, Kleidungsstücke, drei kleine Oelgemälde, Buchbinderpressen, sowie verschiedene andere Buchbinderwerkzeuge, dem Meist- und Letztbietenden gegen gleich baare Zahlung öffentlich verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher, Gassen.
@typejAn
@facs1046
Segel-Schifffahrt!
Da die preußische Regierung sich erboten hat zur Aushülfe der Segelschiffer des Rheines, denselben die Anschaffung von Dampfschiffen zu erleichtern, so kommt es darauf an zu ermitteln auf welche Weise ein Schleppdienst einzurichten ist, und mit welchen Mitteln jeder der Schiffer beizutreten vermag, wie auch zur Gründung eines Schiffer-Vereins.
Alle deutsche Segelschiffer, zunächst welche einem solchen Unternehmen beitreten wollen, werden aufgefordert sich am 20. Januar 1849, Morgens 9 Uhr, in Koblenz bei dem Unterzeichneten zu einer Versammlung anzumelden, und dabei ihre Patente, wie auch die letzten Gewerbsteuer-Quittungen mitzubringen.
Leonhardt Tillmann.
@typejAn
@facs1046
Verkaufs-Anzeige.
Am Montage den 15. Januar 1849, Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Apostelnmarkte hierselbst drei Stücke Wollentuch verschiedener Farbe öffentlich dem Letztbietenden durch den Unterzeichneten versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher, Fülles.
@typejAn
@facs1046
Verkaufs-Anzeige.
Am Montage den 15. Januar 1849, Vormittags 11 Uhr, sollen durch den Unterzeichneten auf dem Apostelnmarkte hierselbst verschiedene Hausmobilien bestehend in 1 Sopha, 2 Sekretairs von Mahagoniholz, 1 Ofen, 1 Spiegel, 1 Tafeluhr etc., öffentlich dem Meistbietenden gegen gleich baare Zahlung zugeschlagen werden.
Der Gerichtsvollzieher, Fülles.
@typejAn
@facs1046
Verkaufs-Anzeige.
Am Montage den 15. Januar 1849, Mittags zwölf Uhr, sollen auf dem Apostelnmarkte hierselbst, zehn Stück kupferne Kaffekessel und zwei Stück kupferne Wasserkessel, öffentlich dem Letztbietenden gegen baare Zahlung verkauft werden.
Der Gerichtsvollzieher, Fülles.
@typejAn
@facs1046
Gerichtlicher Verkauf.
Am Samstag den 13. Januar 1849, Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Apostelnmarkte hierselbst, durch den Unterzeichneten, Tische, Stühle, Schränke, Spiegel, Kupferstiche, 1 Schreibpult, 1 Sopha, 1 Kommode, 1 Sessel, 1 Ofen nebst Trommel und Rohr, sodann mehreres Küchengeräthe öffentlich an den Meistbietenden gegen gleich baare Zahlung verkauft werden.
Der Gerichtsvollzieher, Fülles.
@typejAn
@facs1046
Gerichtlicher Verkauf.
Am Samstag den dreizehnten Januar 1849, Mittags 12 Uhr, sollen auf dem Apostelnmarkte hierselbst, durch den Unterzeichneten 1 Tisch, Stühle, 1 Schrank, 1 Ofen, 1 Spiegel und verschiedene andere Haus- und Küchengeräthe öffentlich an den Meistbietenden gegen gleich baare Zahlung verkauft werden.
Der Gerichtsvollzieher, Fülles.
@typejAn
@facs1046
Eschweiler und Pannesheider Bergwerks-Vereine.
Auf dem Lager, an der Station der rheinischen Eisenbahn am Thürmchen dahier, sind immer frische Vorräthe von:
Eschweiler Fettgeriß,
ditto Fettkohlen,
Pannesheider (Badenberger) Brandgeriß,
ditto ditto Stückkohlen.
Die beiden letzten Qualitäten eignen sich vorzüglich zur Stubenheizung, und werden zu diesem Zwecke besonders empfohlen.
Die Preise sind billigst gestellt und erleiden in den Wintermonaten keine Erhöhung.
Aufträge werden entgegen genommen auf dem Comptoir des Unterzeichneten, Filzengraben Nr. 24, oder auf dem Lager am Thürmchen.
Der Agent der Eschweiler und Pannesheider Bergwerks-Vereine.
August Kramer.
@typejAn
@facs1046
Vakanter Posten.
In einem höchst achtbaren Handlungshause in Havre, wird unter sehr vortheilhaften Bedingungen ein deutscher Correspondent verlangt.
Reflektirende belieben sich in frankirten Briefen zu wenden an G. & M. post rest. Havre.
@typejAn
@facs1046
Kapitalien verschiedener Größe zum Ausleihen auf gute Hypotheken liegen bereit.
Landgüter (Rittergüter, Höfe, Bauerngüter etc.) werden zu pachten, auch nach Umständen zu kaufen gesucht.
Schriftliche Aufsätze, Vorstellreden, Bittschriften an Behörden, Reklamationen, Erbschaftsstempel-Deklarationen, wissenschaftliche Abhandlungen, Zeitungs-Inserate, Briefe etc. werden abgefaßt, sowie Gemeinde-, Armen-, Kirchen- und andere verwickelte Rechnungs-Sachen erledigt; imgleichen können ältere Münzen resp. Course berechnet resp. waredirt, Erbschafts-, Theilungs- resp. Prozeß-Verhältnisse regulirt und geleitet, wie auch solide Dienste vermittelt werden etc. etc. — im Correspondenz-Comptoir Drususgasse Nro. 25 (an Minoriten).
@typejAn
@facs1046
Wahlangelegenheit.
Da die Anmeldungen zur ersten Kammer nunmehr hier in Köln geschlossen sind, so ersuchen wir diejenigen echten Reaktionaire, welche gewählt sein wollen, ihre Namen zu veröffentlichen, damit wir für sie in engern Kreisen wirken können.
Ein Observator.
@typejAn
@facs1046
Wahl.
Könnten wir nicht erfahren, wie viele Kölner Bürger sich zur Wahl in die erste Kammer gemeldet haben?
Kein Wahlmann.
@typejAn
@facs1046
Beste Sorte Patent Gummi-Schuhe für Damen, Herren und Kinder, empfiehlt zu sehr billigen Preisen Fr. Hermann, Marsplatz Nr 3.
Alle Reparaturen werden bestens besorgt.
@typejAn
@facs1046
Jos. Bauduin praktischer Hühneraugen-Operateur Follerstraße Nr. 32 in Köln a. Rhein empfiehlt sich einem geehrten Publikum bestens
@typejAn
@facs1046
Benachrichtigung an Auswanderer.
Am 1. und 15 eines jeden Monats, vom 1. März bis Ende November, expedirt der Unterzeichnete von den besten, schnellsegelnden, zum Transport von Passagieren erbauten und eingerichteten Seeschiffen, in der Klasse A1. stehend, nach New-York, Baltimore, Philadelphia etc., wie im Frühjahre und Herbste nach New-Orleans.
Nähere Auskunft über Preise und Bedingungen, Namen der Schiffe und Kapitaine ertheilt der zum Abschluß von Ueberfahrts-Verträgen bevollmächtigte Haupt-Agent F. H. Schlicher, Schildergasse Nr. 85 in Köln.
Bremen, im Januar 1849.
J. H. P. Schröder.
@typejAn
@facs1046
Holz-Verkauf in der königl. Oberförsterei Kottenforst.
Aus nachbenannten Schlägen sollen folgende Holzquantitäten öffentlich versteigert werden:
1. Im Forstrevier Schönwald.
Dienstag den 16. Januar d. J., Vormittags 9 Uhr. im Gasthofe zum Heideweg zu Endenich.
Obere Greishecke: Ungefähr 80 Klafter Aspen-Brennholz und 78 Schock Reiser-Wellen.
Merler Viehweide: 2 Stück Eichen-Nutzholz; 51 1/2 Klafter Eichen- und gemischtes Brennholz und 32 Schock Reiser-Wellen.
Verbrannte: Etwa 21 Stück Eichen-Nutzholz; 11 Klafter Eichen- und Buchen-Brennholz und 15 Schock Reiser-Wellen.
2. Im Forstrevier Buschhoven.
Freitag den 19. Januar d. J., Vormittags 9 Uhr, im Forsthause zu Buschhoven.
An der Dünstekover Viehtrifft ober der Kölnischen Straße: Ungefähr 40 Stück Eichen-Nutzholz; 18 Klafter Eichen- und gemischtes Brennholz und 130 Schock Reiser-Wellen; sodann das im Schlage befindliche Lohholz in 6 Loosen.
3. Im Forstrevier Venne.
Dienstag den 23. Januar d. J., Vormittags 9 Uhr, im Gasthofe zum Heideweg zu Endenich.
Dickenbogen: Etwa 8 Stück Eichen-Nutzholz; 220 Klafter Eichen-, Buchen- und gemischtes Brennholz und 120 Schock Reiser-Wellen.
Donnerstag den 25. Januar d. J., Vormittags 9 Uhr, im Gasthofe zum Heideweg zu Endenich.
Daselbst: Desgl. 200 Klafter Eichen-, Buchen- und gemischtes Brennholz und 130 Schock Reiser-Wellen.
4. Im Forstrevier Hardt.
Dinstag den 30. Januar d. J., Vormittags 9 Uhr, auf dem Forsthause Hardt.
An der Eremitage: Ungefähr 215 Stück Eichen-Nutzholz; 40 Klafter Eichen- und Buchen-Brennholz und 190 Schock Reiser-Wellen.
Endenich bei Bonn, 12. December 1848.
Der Oberförster Riesen.
@typejAn
@facs1046
Mühlen-Versteigerung.
Am Donnerstag den 18. Januar nächsthin, Morgens um 10 Uhr, wird Herr Mühlenbesitzer Keuffer zu Saarburg seine oberhalb Trassem an dem wasserreichen Leuckbache gelegene, sogenannte „oberste Neumühle“, welche zwei Mahlgänge und einen Oelgang enthält, sammt Scheune, Stallung und den um dieselbe befindlichen Wiesen, Gärten und Ackerländereien, das Ganze einen Flächenraum von 31 Morgen 150 Ruthen umfassend, gegen einen fünfjährigen Zahlungs-Ausstand in dieser Mühle selbst öffentlich versteigern.
Trier, den 18. Dezember 1848.
Der Notar, Funck.
@typejAn
@facs1046
Der Wächter am Rhein ruft auch im Laufe des Jahres 1849 sein Halt-wer-da in die Stadt, und bespricht die öffentlichen Verhältnisse mit besonderer Anknüpfung an die Verhältnisse in Köln. Er gibt demjenigen, dem die Zeit nicht gestattet, größere Blätter aufmerksam durchzulesen, Gelegenheit, sich vom Stande der Sachen in der Kürze zu unterrichten. Seine Farbe ist diejenige der Demokratie. Zwar gehört er nicht zu der extremsten Richtung, das aber, was er für Recht erkennt, verficht er deshalb mit nicht minderer Entschiedenheit. Seine Wachtstube bringt Kunstberichte, namentlich auch Theaterberichte, Gedichte, Erzählungen u. s. w.
Er erscheint wöchentlich 3 Mal, Sonntag, Mittwoch und Freitag. Der Abonnementspreis beträgt per Quartal in Köln 15 Sgr. pränumerando, auf inländischen Postämtern 18 3/4 Sgr. Man kann in Köln selbst auf 1 Monat zu 5 Sgr. abonniren. Einzelne Blätter kosten 1 Sgr.
Die stets zunehmende Abonnentenzahl, verbunden mit dem billigen Preise der Einrückungsgebühren, 6 Pf. für die Zeile der drittel Spalte, macht ihn für Anzeigen stets geeigneter.
@typejAn
@facs1046
Halswick, Horndrechsler, Thurnmarkt Nr. 43 gegenüber dem Hof von Holland.
Empfiehlt sich in allen vorkommenden Artikeln seines Geschäftes.
Pfeifenköpfe und Schnupftabaksdosen mit dem gutgetroffenen Portrait Robert Blum's.
Patentpfeifen à 10 Sgr. etc.
@typejAn
@facs1046
Bürgerwehr 9. Comp.
Die Mitglieder der ehemaligen 9. Compagnie ladet auf Sonntag den 14. d. M., Morgens 11 Uhr im „Holze“ auf der Breitstraße Nr. 64 zur Entgegennahme der Rechnungsablage und zur Besprechung wichtiger Gegenstände zu erscheinen freundlichst ein der von seiner in die benachbarten freien Länder, Holland und Belgien unternommenen Reise heimgekehrte ehemalige Hauptmann Karl Wachter.
@typejAn
@facs1046
Drei Zimmer zu vermiethen Rothenberg Nr. 3, nahe an der Friedrich-Wilhelmstraße.
@typejAn
@facs1046
Ein Ladenlokal nebst erster Etage zu vermiethen und gleich zu beziehen. Columbastraße 1A.
@typejAn
@facs1046
Nachdem gegen folgende Personen:
1) Tagelöhner Franz Joseph Kuhlmann, geboren zu Münster den 18. Dezember 1806, welcher vor etwa 14 Jahren nach Holland ausgewandert,
2) Maurer Anton Rickmann, zuletzt wohnhaft zu Münster, welcher vor ungefähr 16 Jahren nach Belgien in den Krieg gezogen,
3) Kötter Johann Caspar Spinker, geboren im Kirchspiele Rinkenrodde, Gerichtsbezirk Münster, den 11. April 1795, welcher im Jahre 1813 oder 1814 zum fremdherrlichen Militärdienst ausgehoben worden,
4) Galanteriehändler Caspar Heinrich Wörmann, geboren am 1. Oktober 1798, zu Obergöllenbeck bei Bielefeld, welcher sich etwa im Jahre 1836 von seinem Wohnorte Münster entfernt hat, ohne ein Ziel seiner Reise anzugeben,
von Seiten der zurückgelassenen Verwandten und resp. Ehefrauen, welche seit der Entfernung der vorgenannten Personen aus den königlichen Landen von deren Leben und Aufenthalte keine Nachricht erhalten haben, auf Todeserklärung angetragen ist, so werden die vorgenannten Personen, so wie die von ihnen etwa zurückgelassenen unbekannten Erben hiermit aufgefordert, sich bei dem unterzeichneten Gerichte oder in der Registratur desselben schriftlich oder persönlich zu melden und weitere Ausweisung zu erwarten, spätestens aber in dem auf den 17. Oktober 1849, Vormittags 11 Uhr, vor dem Deputirten Herrn Referendar Dahlmann angesetzten Termine zu erscheinen, widrigen Falls die Todeserklärung ohne Weiteres erfolgen wird.
Münster, den 4. Dezember 1848.
Königl. Land- und Stadtgericht.
@typejAn
@facs1046
Allgemeine Bürger-Versammlung im Eiser'schen Saale.
Die Demokratische Gesellschaft in Köln
In Erwägung, daß die bevorstehenden politischen Wahlen die Theilnahme aller Bürger in Anspruch nehmen, setzt bis auf Weiteres ihre ordentlichen Freitagssitzungen aus und ladet hiermit alle Urwähler Köln's ein, am künftigen Somstage, den 13. Januar 1849, Abends 7 1/2 Uhr im Dickopf-(Eiser-)schen Saale zur Besprechung, der Wahl-Angelegenheiten zu erscheinen.
Die Mitglieder der demokratischen Gesellschaft werden ersucht, ihre Karten für 1849 im Bureau der Gesellschaft von 6 Uhr an gegen ihre alten Karten einzutauschen.
@typejAn
@facs1046
Eine baierische Bierbrauerei auf das Beste eingerichtet, steht im nördlichen Westphalen zu verkaufen. Diese Bierbrauerei setzt alljährig 1500 Ohm ab, wovon 300 in der eigenen Schenke verzapft werden.
En gros erhält die Brauerei für 1 Ohm 6 Thlr. und für den Seidelen-Detail 1 Sgr. 3 Pf. bei dem Preise der Gerste von 28 Sgr. per 1 Berliner Scheffel. Näheres zu erfragen bei der Expedition auf frankirte Briefe.
@typejAn
@facs1046
In meinem Verlage ist erschienen, und vorräthig in Köln bei A. Baedecker und M. Lengfeld: Meine Rede vor dem Geschwornengericht zu Köln, am 23. Dez 1848 von Andreas Gottschalk.
Preis 2 1/2 Sgr.
Die Vertheidigungsrede des Hrn. Dr. Gottschalk wurde bekanntlich durch den Präsidenten des Gerichtshofes abgeschnitten, indem dieser den Angeklagten aufforderte sich bei der Sache zu halten, worauf dieser erklärte, seine Vertheidigung, bei gefährdeter Redefreiheit, nicht mehr fortsetzen zu wollen. Es erscheint nun hier die ganze Rede zum erstenmal vollständig und genau, indem ihr der durch jenen Umstand weggebliebene Schluß vom Verfasser beigefügt ist. Die immense politische Bedeutung jenes ganzen Prozesses sichert dieser meisterhaften Vertheidigungsrede das allgemeine Interesse des Publikums.
W. Sulzbach.
@typejAn
@facs1046
Central-Verein für Auswanderung.
Bei dem für nächstes Frühjahr voraussichtlich großen Andrange der Auswanderer zu den Hafen-Städten dürften sich die Ueberfahrtspreise nach den überseeischen Ländern nicht nur wesentlich steigern, sondern auch die Schiffsgelegenheiten sehr gesucht werden.
Wir haben uns deßhalb veranlaßt gesehen, uns schon jetzt Schiffe 1. Klasse zur Abfahrt von Bremen am 1. und 15. März k. J. zu sichern und sind dadurch im Stande, feste Kontrakte zu sehr mäßigen Preisen abzuschließen
Indem wir Auswanderer hierauf aufmerksam machen, bemerken wir, daß die näheren Bedingungen, so wie der Prospektus des Vereins in unseren Geschäfts-Lokalen und auf allen unseren Agenturen unentgeltlich entgegen genommen werden können.
Köln, Hof Nr. 20, Düsseldorf, Hohestraße Nr. 914, den 29. Nov. 1848.
J. A. Roeder.
Ch. Fremery.
L.Spiegelthal.
@typejAn
@facs1046
Coaks ist wieder in sehr guter Qualität vorräthig, in der Gas-Erleuchtungs-Anstalt, Buschgasse 11.
@typejAn
@facs1046
Berlin: Oekonomie-Administratoren — Wirthschafts-Inspektoren — Forst- und Domainen-Beamte — Rentmeister — Secretaire — Oberkellner — Braumeister — Fabrik-Aufseher — Pharmaceuten — Buchhalter- und Handlungs-Commis (für Banquier-, Comptoir-, Fabrik-, Manufactur-, Schnitt-, Material-, Reise- und sonstige Geschäfte) können sehr gute und dauernde, mit hohem Gehalt verbundene Stellen erhalten, und wollen sich baldigst wenden an die Agentur des Apothekers Schulz in Berlin, Alexanderstrasse Nr. 63.
@typejAn
@facs1046
Sarg-Magazin.
Die schönsten eichenen zu 10 Thlr., tannenen 1 Thlr. 15 Sgr., Kinder-Lädchen 10 Sgr., Mühlengasse Nr. 10 bei Schmidt
@typeimprint
@facs1046
Der Gerant Korff.
Druck von J. W. Dietz, Unter Hutmacher Nr. 17.