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Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 207. Köln, Sonntag den 28. Januar. 1849.
Morgen früh wird eine zweite Ausgabe ausgegeben.
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Der magyarische Kampf. — Preußischer Steckbrief gegen Kossuth. — Interpellation an Hrn. F. Diergardt. — Wahlnotizen. — Zwei Wahlberichte der Galgenzeitung) Düsseldorf. (Hr. v. Faldern) Aus dem Kr. Euskirchen, Bornheim, Aldenhoven, Jülich, Mayen, Crefeld, Hittorf, Mettmann. (Wahlen und Wahlmanöver.) Berlin. (Wahlverfälschungen. — Preßprozeß.) Halle. (Eine fromme Entdeckung.) Oberschles. östr Gränze. (Die drei Mächte. — Kirchmann. — Sankt. Lichnowsky.) Dresden. (Heubners Antrag.) Eisenach. (Demokr. Wahlen.) Schleswig. (Einfall und Niederlage dänischer Freischaaren.) Rendsburg. (Ein Urtheil. — Die Demokraten.) Aus Schleswig-Holstein. (Rüstungen.) Wien. (Neues Bulletin. — Welden's Aerger. — Ein Strohmann erschossen.) Prag. (Proklamation des Kommandanten.) Frankfurt. (National-Versammlung.)
Ungarn. Pesth. (Verbot der Getreide-Ausfuhr.)
Polen. Czernowitz. (Ein Bauern-Rebell eingebracht.)
Italien. Rom. (Garibaldi. — Der Wohlfahrtsausschuß in Thätigkeit. — Einigkeit in Rom, Zwietracht in Gaeta.) Neapel. (Der Schadenersatz an die Schweizer.)
Franz. Republik. Paris. (Die Royalisten. — Falloux. — Vermischtes. — Nationalversammlung.)
Großbritannien. London. (Gogarty. — Mitchell. — Unglück in einer Kohlengrube.)
Schweiz. Neuenburg. (Mißglückte Contrerevolution.)
Amerika. New-York. (Eisenbahnprojekte in Central-Amerika. — Californisches.)
Deutschland.
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[ 068 ] Köln, 26. Jan.
Wir erhalten folgende Mittheilung eines in der magyarischen Armee mitkämpfenden rheinischen Offiziers. Wir beeilen uns sie zu veröffentlichen, um so mehr, als sie, wie unsere Leser sehen werden, unsern Redaktionsartikel über den magyarischen Kampf in Nr. 194 Wort für Wort bestätigt:
Die Windischgrätz'schen Sieges-Bülletins sind verstummt, und statt ihrer füttert der glorreiche Feldherr das schwarz-gelbe Publikum von Wien in seinem officiellen Standrecht-Blatt mit Steckbriefen, die wo möglich noch lächerlicher sind, als seine in so hohem Tone gehaltenen Sieges-Bülletins. Um das Publikum glauben zu machen, daß es mit der ungarischen Sache schon zu Ende sei, läßt er Kossuth sammt seiner Frau steckbrieflich verfolgen, als ob beide schon auf der Flucht wären, die aber zu keiner Zeit weniger als jetzt an eine Flucht aus Ungarn gedacht haben. Besonders merkwürdig ist der Steckbrief gegen Madame Kossuth, welche der Frau Sophie ein Dorn im Auge zu sein scheint, weil sie vermuthlich in ihr eine Kronconcurentin zu sehen glaubt, denn nur aus diesem Grunde kann in ihrer Personalbeschreibung unter der Rubrik „besondere Kennzeichen“ angeführt sein: stolzer Blick, hochmüthige Haltung, Kleidung wahrscheinlich elegant. Denn das hochmüthigste der Weiber kann sich die Frau eines so mächtigen Mannes nicht anders als übermüthig denken, sowie der Fürstenknecht in ihr eine andere Frau erblickt, als die ihm täglich vorschwebenden Bilder des Hofes, bei denen stolzer Blick und Hochmuth das natürliche Attribut einer Fürstin sind. Diejenigen, welche Gelegenheit hatten, Frau Kossuth persönlich keinen zu lernen, würden eine von obiger ganz verschiedene Personalbeschreibung geben und unter der Rubrik: besondere Kennzeichen, der Wahrheit gemäß anführen, liebenswürdig, einfach, anspruchlos und bürgerlich in ihrer äußeren Erscheinung. Für die östreichische Polizei würden wir den für dieselbe leicht faßlichen Zusatz machen: Blick und Benehmen gerade das Gegentheil von des jungen Dalai-Lama Mutter. Lassen wir übrigens solche Persönlichkeiten bei Seite und gehen wir zur Mittheilung einiger berichtigenden Aufklärungen über die Lage der Dinge in Ungarn, und besonders über die vielfach entstellten militärischen Operationen über. Bekanntlich geben sich alle schwarz-gelben Blätter die verzweifelte Mühe, zu beweisen, daß nicht allein die Ungarn besiegt seien, sondern sich auch schmählich feig benommen hätten, um dadurch die Theilnahme für Ungarn im Allgemeinen zu schwächen, sowie im Besonderen den Wienern begreiflich zu machen, wie dumm es war, sich im Oktober mit und für Ungarn zu erheben. Da Kossuth Alles in Allem ist, und schon durch die Operation in Ungarn Tag und Nacht in Anspruch genommen wird, dann aber auch die Verbindung mit dem Auslande sehr erschwert ist, hatte die schwarz-gelbe Presse bis jetzt ein leichtes Spiel über den militärischen Charakter, die Gesinnungen und die Lage Ungarns im Auslande falche Begriffe zu verbreiten, da sonst keine Stimme zur Vertheidigung und zur wahrheitgetreuen Darstellung der Sachlage laut wurde. Den wahrheits- und freiheitsliebenden Lesern wird demnach eine aufrichtige Darstellung der ungarischen Verhältnisse willkommen sein. Zur Vertheidigung von Ungarn bedarf es einer Armee von 120-150000 Mann und mußte diese zur Zeit, als die östreichische Regierung den gesetzlichen Boden verließ und Anstalten traf, mit Gewalt der Waffen Ungarns Rechte und Freiheit zu rauben, so zu sagen, ganz neugeschaffen werden. Es war demnach die Hauptaufgabe der ungarischen Nation, welche außer ihrer Kavallerie einige wenige der Volkssache treugebliebene Bataillone Infanterie und etwas Artillerie besitzt, sobald als möglich eine Armee zu schaffen.
Man mußte also streben, den Feind so lange als möglich außer den Gränzen zu halten, und wurde Preßburg zu diesem Zwecke befestigt, so wie die obern Gränzen so lange als möglich defensiv behauptet. Durch den Plan der östreichischen Kamarilla: Ungarn auf neun Punkten anzugreifen, sowie das von Metternich in Gallizien angewandte Mordprinzip, die verschiedenen Racen aneinander zu hetzen und sich selbst zu zerfleischen, auch in Ungarn zur Ausführung zu bringen, wurde es doppelt schwer, bei dem Mangel an Waffen und Vorräthen, die nöthigen Streitkräfte zusammen zu bringen. Trotz allen diesen Hindernissen ist es Kossuth gelungen, eine Armee von 67 wohlbewaffneten Honved-Bataillonen, 12 Regimentern Kavallerie (in Bälde 18) und einen Artilleriepark von über 300 Kanonen zu organisiren. Gehen wir jetzt zur näheren Geration des General Görgey über Wie oben gesagt, war Preßburg nur zu einem längeren Zurückhalten der östreichischen Armee befestigt, und als Windischgrätz seine Truppen bei Preßburg vollständig gesammelt, so wie einen ernsten Angriff beschlossen hatte, war es Sache des Görgey, sich von da zurückzuziehen, um so mehr, als bei einer längern Vertheidigung General Schwarzenberg und Simonith über Tyrnau, sowie ein anderer Theil der östreichischen Armee über Oedenburg hinter seinem Rücken in das Innere Ungarns vorrücken konnte, da den 12,000 Mann des ersteren der Brigadier Zyön nur 1700 Mann entgegensetzen konnte; in Oedenburg aber nur 150 Mann von der deutschen Legion und eine Division Husaren zur Bewachung der Gränzen postirt waren.
Der Rückzug der Armee, sowie der Transport von Lebensmitteln, Schlachtvieh, Waffen etc. nach Komorn fand ungestört und in der größten Ordnung statt, und zwar der Art, daß ein Theil des Görgey'schen Korps über das linke Ufer nach Komorn, der andere über das rechte nach Raab marschirte, wo es außer einigen Scharmützeln zwischen der Vorhut der Oestreicher und Nachhut der Ungarn zu keinem größern Gefechte kam; bei solchen kleinen Kämpfen hat sich die so vielseitig angefochtene Tapferkeit der Ungarn auf das Glänzendste bewährt. Als Beweis führen wir nur an, daß Görgey bei dem durchaus nicht zu vertheidigenden Orte Tyrna, sich, wie schon vorgesagt, beinahe einen ganzen Tag mit kaum 1700 Mann gegen Schwarzenberg, der ihn mit 12,000 Mann angriff, hielt, und dabei nur einen Verlust von 300 Mann erlitt. Bei Paarendorf schlugen zwei Divisionen Husaren (die östreichische Kavalleriedivision besteht bekanntlich aus zwei Eskadrons) ein ganzes Kavallerieregiment in die Flucht, ebenso bei Altenburg. Obschon die Verschanzung von Raab in strategischer Beziehung nicht von Wichtigkeit war, und nicht auf Anordnung des Görgey, sondern nur auf Befehl des nicht strategisch gebildeten Landesvertheidigungs-Ausschusses geschehen ist; da außer diesem Wege zum Vorrücken nach Pesth und Ofen dem Feinde die Fleischhackerstraße offen steht, so war es doch anfangs Plan, dort den Feind einige Zeit zurückzuhalten, ja, selbst eine Schlacht anzubieten. Durch das Einrücken des Generals Schlick war Görgey genöthigt, zur Operation gegen denselben einen großen Theil seines Armeekorps abgehen zu lassen, andererseits war aber auch der persönliche Haß zwischen Görgey und Perczel, da letzterer sich nicht unter das Kommando des ersteren stellen wollte, ein zweites Hinderniß, und endlich wurde durch das unerwartete Zufrieren der Moräste das Vorrücken der östreichischen Armee über die Fleischhackerstraße bedeutend erleichtert.
Demzufolge beschloß Görgy, wie er auch nicht anders durfte, Raab nicht zu vertheidigen und sich nach Pesth und Ofen zurückzuziehen. Obschon das Nachrücken der östreichischen Armee von schönem Wetter begünstigt, schneller als zu erwarten, geschah, so wurden doch nichts desto weniger aus Raab Lebensmittel, Waffen etc. ohne Störung vorher nach Komorn und Pesth abgeführt und zwar in der Art, daß in den letzten 3 Tagen allein 1780 Wagen befördert wurden. Bei dem Rückzuge von Raab nach Pesth kam es ebenfalls außer einem Scharmützel zwischen der deutschen Legion und Bataillon Prinz von Preußen und dem östreichischen Vortrab, zu keinem größern Gefecht, bei welcher Gelegenheit die deutsche Legion 20, Prinz von Preußen 150 Mann verlor; dagegen das Perczel'sche Corps von der Armee getrennt und von einem dreifach überlegenen Feind angegriffen, zerstreut wurde; indessen nicht, wie die östreichischen Sieges-Bulletins sagen, ganz aufgerieben wurde, sondern wie sich bei der Sammlung in Kabin herausstellte, nur 800 Mann verloren hat. In Pesth und Ofen war eine hinreichende Macht versammelt, um sich defensiv gegen die östreichische Macht zu halten, und dies war auch der Plan, um sobald man die in den andern Theilen Ungarns zerstreuten Truppenabtheilungen dort zusammen hatte, gegen die feindliche Armee die Offensive zu ergreifen. Das schnelle Zufrieren der Donau einerseits, das säumige Verhalten Mehzaros, dessen Truppen nicht zu gehöriger Zeit anlangten, andererseits, stellten der ungarischen Regierung die sehr wichtige Alternative: entweder vom feindlichen Corps förmlich zernirt und so von allen Truppen des Landes und von der Gesammtbewohnerschaft abgeschnitten zu sein, oder, was einzig zweckmäßig war, mit der ganzen Hauptmacht an einem bestimmten Conzentrationspunkt sich zu sammeln, um so immer fast dem Feinde eine kompakte Truppenmacht entgegenstellen zu können. Das Letztere geschah in Uebereinstimmung des Reichstages sowohl, als des Landesvertheidigungs-Ausschusses, und Debreczin wurde als der geeignetste Ort dazu gewählt und zwar aus folgenden Gründen: 1) Ist Debreczin, in einem Abstande von 42 Meilen von Pesth und Ofen gelegen, die Mutterstadt des Magyarenthums, umgeben von den Festen Munkacz und Sziget, zugleich flankirt von der rechten Seite des Szatmarer Komitats, Knotenpunkt der rein magyarischen Operationslinie, die erste wichtige Handelsstadt nächst Pesth, gestützt mit dem linken Flügel auf Temeswar und mit dem rechten Flügel gelehnt an die Hochkarpathen, und 2) ist anzunehmen, daß die Ausdehnung der Debrecziner Haide, ein Flächenraum von ungefähr 30 Quadrat-Meilen, den Operationen der östreichischen Armee, durch die bei der geringsten Wetteränderung wirklich unzugängliche unbrauchbare Wege mehr Hindernisse entgegensetzen werde, als Napoleon sie auf seinem Rückzuge von Moskau über die Beresina fand. Die Länge der Angriffslinie macht ihre Durchbrechung um so nachtheiliger, als die Operation des General Bem an der galizischen Gränze bisher von vielem Erfolge begleitet zu sein scheint, und man kann nicht erwarten, daß das Vorrücken der kaiserlichen Truppen im Innern von Ungarn mehr Sympathieen erwecken werde, als es bisher in den Gränzladen gefunden hat. Siege sind leicht zu gewinnen, aber ein taktisch zurückgedrängtes Volk ist deshalb noch keinesweges strategisch oder politisch bezwungen. Der endliche Sieg von Ungarn beruht bloß auf seinem Vermögen, die Zustände in Deutschland abzuwarten, und uns über den Charakter des russischer Seits ausgebeuteten Gedankens des Pansslavismus klar zu machen.
Ein Rheiländer, Offizier in der ungarischen Armee.
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Edition: [Friedrich Engels: Preußischer Steckbrief gegen Kossuth, vorgesehen für: MEGA2, I/8. ]
[ * ] Köln, 21. Januar.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
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[ 068 ] Köln, 27. Januar.
Die Wahlen zur ersten Kammer rücken heran. Bis jetzt sind wenig Kandidaten offiziell aufgestellt worden oder aufgetreten. Die wenigen Kandidaten aber, die bereits im Felde sind, verdienen um so mehr unsere Berücksichtigung als die erste Kammer überhaupt zum Schutz der Krone und zur Deckung der Contrerevolution erfunden worden ist.
Für heute haben wir ein Wörtchen mit Hrn. Friedrich Diergardt in Viersen, Geheimer Commerzienrath, Ritter mehrerer Orden, Inhaber diverser Medaillen etc. etc. (worüber seine Handelsfakturen nachzusehen), zu sprechen.
Am 26. Dezember 1839 fand in Viersen bei Gelegenheit des Stiftungsfestes „Harmonie“ ein Mittagsessen statt. Gegen alle Antecedentien wurde ein Toast auf den König ausgebracht, der wenig Anklang fand. Hr. Diergardt folgte mit einem Toast auf den damaligen Kronprinzen; die Familie Schleicher blieb sitzen. Mehrere Stunden nachher machte Hr. Diergardt, wie es heißt, einem Gliede dieser Familie Grobheiten deswegen und erhielt eine derbe Ohrfeige. Die Ohrfeige ist konstatirt durch ein gerichtliches Urtheil; sie kostete Hrn. Schleicher zehn Thaler Courant.
Dies sind die Antecedentien. Wir fragen nun Hrn. Diergardt:
1) war er es, der die Familie Schleicher wegen des Sitzenbleibens bei den Toasten der Polizei denunzirt?
2) war er es, der Hrn. Julius Schleicher noch besonders wegen einer 6-7 Jahre vorher in Amsterdam in einem Gasthof gethanen Aeußerung denunzirte?
So viel ist gewiß, daß sowohl gegen die Familie Schleicher im Allgemeinen, wie gegen Hrn. Julius Schleicher im Besondern damals die Untersuchung wegen Majestätsbeleidigung eingeleitet, und nur durch die Amnestie von 1840 unterbrochen wurde.
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Hr. Diergardt möge antworten. Antwortet er nicht, so wird sich wohl irgend ein ehrenhafter Wahlmann zur ersten Kammer finden, der ihn abermals und zwar auf sein Ehrenwort, darüber befragt.
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[ 068 ] Koln, 27. Januar.
In Erfurt hat trotz des Belagerungszustandes, und obgleich die Urwähler sich nur in kleiner Zahl (höchstens zu 10 Personen) versammeln und besprechen durften, die Demokratie ihre Gegner vollständig aus dem Felde geschlagen — dies geben selbst die ärgsten „Heuler“-Organe Berlins zu. Die heute aus der Mark Brandenburg weiter eingehenden Nachrichten lauten für die demokratische Partei viel günstiger, als irgend Jemand erwartet hätte. Aehnlich verhält es sich mit der Provinz Pommern. Cöslin hat unter 34 Wahlmännern 32 Demokraten, Colberg unter 38 Wahlmännern 34; in Wollin sind unter 17 Wahlmännern 15, welche das „liberale Komité“ (im Gegensatz zu den Preußenvereinlern) aufgestellt hatte, durchgegangen; in Neustettin 12 entschiedene Liberale und 5 Conservative, i. e. Reaktionärs. In Stargard gehören von 52 Wahlmännern 40 der „Linken“ an; in Stolp sind sämmtliche 49 Wahlmänner Demokraten. Auf dem platten Lande sind meist „kleine Leute“ gewählt worden. — Elbing hat, wie sich denken läßt, entschieden reaktionär gewählt. Die weitern Wahlberichte aus Schlesien bürgen dafür, daß die Majorität der Wahlmänner auf Seiten der Demokratie steht. In der Festung Posen sind die „Schwarzweißen“ Sieger geblieben. Krotoschin, Lissa, Kempen und mehrere andere posensche Städte haben vollständig im demokratischen Sinne gewählt. Das nämliche ist selbst in Rawicz der Fall gewesen, was doch früher als ein Hauptsitz der Reaktion galt.
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[ 068 ] Köln, 27. Januar.
Zur Bestätigung unserer Mittheilungen aus Greifswald etc. lassen wir hier aus der „Kreuzritterin“, dem Organ der Brandenburg-Manteufel folgende zwei Wahlberichte wörtlich folgen: „Stargard in Pommern, den 23. Jan. Bei dem vorherrschend conservativen Geist unserer Bürgerschaft haben wir doch kaum ein Fünftel der Wahlmänner im Sinne vernunftgemäßer Freiheit und Ordnung durchgesetzt, und alle Wühler dieser guten Stadt sind zu Vertrauensmännern dergestalt geworden. In einem Bezirk, wo acht Wahlen geschahen, gelang es erst, unsern Haupt-Candidaten beim achten Male durchzubringen, und derselbe war ein Mann, dessen Freisinnigkeit vor dem März Niemand bezweifelte, der gesuchteste Arzt weit und breit, ein edler, gebildeter, humaner Mensch, geachtet, werkthätig, wie Wenige. Und wer ward ihm vorgezogen? Unter Anderen ein Mann, der in dem Thermometer der öffentlichen Meinung längst schon unter Null stand. Aber die Organisation der Demokraten war vortrefflich, während die Conservativen den Fehlgriff begingen, daß sie sich zersplitterten, indem sie theils bei den Durchgefallenen stehen blieben, theils zu den Folgenden vorgingen.“
Greifswald, den 23. Jan. Unter 50 Wahlmännern finden sich nur drei, die der conservativen Partei angehören, und wie man sagt, ist diesen Wenigen nur durch Mißgriffe, die die Demokraten eines Wahlbezirks begangen haben, der Sieg geworden. In den übrigen 16 Bezirken sind die Radicalen schon im Voraus ihres Sieges gewiß gewesen.“
Solches meldet die brave „Kreuzritterin.“
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[ Z ] Düsseldorf, 25. Jan.
Sie kennen bereits das Eindringen des Polizeimannes Hrn. v. Faldern in eine Versammlung der Wahlmänner, die Art seines Empfanges, seines Rückzugs etc. Ich berichte nun das Weitere. Nach Hrn. v. Falderns Abtritt waren die Verhandlungen bei verschlossenen Thüren mit Ruhe und Würde wieder aufgenommen worden. Aber draußen hatte sich jetzt schon eine unzählige Menschenmasse verbreitet, aus welcher manches Hoch den Demokraten, manches Hoch für Cantador und Lasalle erscholl. Starke Patrouillen erschienen sie zogen in breiten Reihen durch die Straßen, namentlich über die Bolkerstraße, auf welcher der Gasthof liegt. Wie man erzählt, soll sich der General Drigalski, — was Recht ist, muß Recht bleiben — sehr schön benommen haben; als man ihm nämlich den Vorfall hinterbrachte, soll er sich geäußert haben, daß, wenn die Polizei selbst einen Aufruhr veranlasse, sie denselben auch selbst unterdrücken möge; und er zog die Soldaten zurück. Man brachte dieser Handlung ein Hoch. Der Abend verlief demnächst ohne weitere Störung. Betrachtungen über diesen Vorfall anzustellen, wie das Gesetz, die Verfassung gehandhabt wird, welche Ursachen zu Grunde liegen, was wir in der Zukunft von der Gewalt zu hoffen haben, das mag sich Jeder selbst fragen. So viel ist gewiß, daß die Reaktion Alles aufbietet. Denken Sie sich, am Sonntage soll der Garnisonpfarrer Lampenscherff gepredigt haben: ein Demokrat könne kein guter Christ sein! — So wird jetzt das sogenannte „Gotteswort“ verdreht. Lampenscherff stand erst in Münster, ist jetzt hier Garnisonpfarrer mit bedeutendem Gehalte und schrecklich, schrecklich vieler Amtsarbeit!! Er sieht sehr gut genährt aus, und — hat jüngst von seinem Könige den rothen Adlerorden bekommen! sapienti sat.
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@facs1130
[ 15 ] Düsseldorf, 26. Januar.
Gestern theilte ich Ihnen ein Pröbchen von der Art und Weise mit, wie die octroyirte Verfassung Seitens der begnadeten Königl. Preuß. Polizei gehandhabt wird. Heute kann ich Ihnen die Fortsetzung liefern. Unser octroyirter Polizei-Inspektor, v. Faldern, Ex-Lieutenant von Bonn, öster in Siegburg, wuthentbrannt über die gestern ihm angethane Schmach, daß der beschränkte Unterthanenverstand es gewagt, der Hohen Polizei nicht unbedingt Folge zu leisten; brennend vor Begierde, diese Scharte auszuwetzen und es seinen hohen Vorbildern Drigalski und Spiegel gleich zu thun, versuchte heute einen anderen der zahllosen preußischen Kniffe, um die Versammlungen unserer durch und durch demokratischen Wahlmänner zu hindern. Hr. v. Faldern erschien nämlich heute Mittag in dem Versammlungslokale bei Capellen, und in dem allbekannten preußischen Bureautone sprach der Gewaltige:
Ich bin der Herr v. Faldern — ja ich
Polizei-Inspektor allhier, ja, ja
Ich liebe die Freiheit gar mächtig,
Doch ist mir hier vieles verdächtig.
Fortfahrend in gewaltiger Rede erkundigte der Edle sich dann sehr theilnehmend, ob heute eine Versammlung der Wahlmänner sei. Ihm erwiderte darauf der Herr des Hauses Alexis: Entschuldigen Sie gefälligst, nein! Aber wenn Sie die Ehre haben wollen, noch nähere Bekanntschaft mit den Herren zu machen als gestern, so belieben Sie sich nur zur rechten Zeit einzufinden. Ob der feinen Wendung des Wirths ergrimmt, strich der Edle seinen preußisch-normalen Schnauzbart und drohte: „Morgen werde ich wiederkommen, ich habe meine Maßregeln getroffen, kommen Exzesse vor, so merken Sie sich die Anwesenden, diese sind für alles Vorfallende verantwortlich.“
Sprachs und schüttelte grollend das Haupt, wie der König der Wüste,
Dem er jedoch nicht gleicht, vielmehr einem englischen Bulldog,
Wandte sich klirrenden Fußes sodann und verschwand mit Grandezza.
Die Geschichte ist ungeheuer komisch, wenn sie nicht so verdammt ernst wäre. So wird also morgen der freiheitsliebende Polizeimann unsern Wahlmännern wieder zeigen, was das Ministerium Manteuffel darunter versteht, „freies Wahlrecht üben.“
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[ 096 ] Kreis Euskirchen, 25. Jan.
Es freut mich, Ihnen auch von hier aus berichten zu können, daß der stattgehabte Wahlkampf fast in der ganzen Gegend zu Gunsten der Volkspartei entschieden worden ist. Die Ansicht, keine besoldeten Beamten in die Kammern zu wählen, ist vorherrschend bei den Wahlmännern, und es steht mit Gewißheit zu erwarten, daß unser Kreis nicht hinter den Wahlbezirken der rheinischen Städte zurückbleiben wird. — Die gottbegnadete Partei hält heute unter der Anführung des königl. schwarz-weißen Landraths Schroeder (einer Eintagsfliege des Brandenburger Domklubs) eine amtliche Berathung in Lechenich — worin vielleicht einigen Herren Pastores Gelegenheit gegeben wird, sich in herzbrechendem Lamento über die Verderbtheit des verblendeten Volks abzuquälen und die alte Geschichte vom kreisenden Berg und der Maus aufzuführen; Alles für Gott, König und Junkerschaft!
Scheven, im Kreise Schleiden, hat im vorigen Frühjahre erst seine Berühmtheit erlangt. Auf einer ältern Karte werden Sie den Ort gewiß vergebens aufsuchen. Dieses Scheven verdankt sein Renomée dem dasigen Bürgermeister Fabritius. Derselbe ist ein Abkömmling aus der Bürgermeister-Fabrik des Landraths, Grafen von Beißel, Hochwohlgeboren, und dadurch bekannt, daß er bei den unter ihm stehenden Bauern in jeder Weise den Pascha en minature spielt. — Nach dem März wurden seine Verdienste erst in's rechte Licht gestellt, und das souveräne Volk ging mit der handgreiflich gewordenen Idee um, ihn weiter zu befördern. So etwas hatte der Dorf-Pascha nicht erwartet; sein Gebein zitterte und er versprach dem Volke Buße, ja, er stellte sich sogar an „die Spitze der Bewegung“, d. h. man gab ihm eine schwarz-roth-goldene Fahne in die Hand, hing ihm eine alte Gießkanne um den Hals, und so schritt er muthig auf den Wegen, die ihm das Volk vorzeichnete, als unfreiwilliger Tambour, seinem Schicksale entgegen. — Herr Fabritius war in letzter Zeit auch Sekretär des konstitutionellen Bürger-Vereins in Schleiden seligen Andenkens, Mitarbeiter des Schleidener Wochenblatts, und am 22. d. M. gottbegnadeter Wahl-Kommissar für Scheven und Umgegend. — Der Herr Bürgermeister mußte natürlich als Wahlmann gewählt werden, und um dieses hohe Ziel zu erreichen, mußte Alles aufgeboten werden. Die Urwähler waren versammelt, — der Wahlakt sollte beginnen, da überzählt er die Häupter seiner Lieben, und findet bei genauer Musterung, daß einige Urwähler zur ersten Kammer zugegen sind, die ihm möglicherweise den Sieg streitig machen könnten. Er dekretirt also, daß jene Herren weder Wähler seien, noch gewählt werden könnten, und zwar aus dem Grunde, weil sie Wähler der ersten Kammer seien. Einer der anwesenden bezeichneten Herren, H. K., Bergwerksbesitzer, protestirte gegen die bürgermeisterliche Willkür, und gleich erhoben sich kernige Fäuste, um diesen Protest thatkräftigst zu unterstützen. Hr. K. aber, dem der Hr. Bürgermeister persönlich die Thür gewiesen, fand es, um Skandal zu vermeiden, besser, das Wahl-Lokal zu verlassen; ihm folgten über 50 Urwähler, und während von dieser Seite ein schriftlicher Protest vorbereitet wurde, ließ sich der Hr. Bürgermeister von den zurückgebliebenen 17 Wählern zum schwarz-weißen Manteuffel'schen Wahlmanne stempeln. — Hr. K. hat die Sache bereits, von 50 Zeugen beglaubigt, der Regierung mitgetheilt, und wird sie nöthigenfalls bis an's Ministerium verfolgen. (Bis an die Kammer selbst, sonst hilft's doch nichts!)
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@facs1130
[ 12 ] Bornheim.
Bei den hiesigen Wahlen haben die Demokraten entschieden gesiegt.
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@facs1130
[ 103 ] Aldenhoven bei Jülich, 23. Jan.
Bei der hier gestern stattgehabten Wahl ist der Demokratie zwar nicht der Sieg gelungen, indessen hat sie auch keine Niederlage erlitten, das Resultat ist, 3 Wahlmänner links, 3 rechts.
Der hiesige Ort war in zwei Wahlbezirke eingetheilt und zum Commissar der rechten Seiite der hiesige Bürgermeister (sog. Oberbürgermeister, in Gnaden erlassener Landwehrlieutenant und Postexpediteur à la fois) ernannt.
Diesem ausgezeichneten Kopf ist es nun nicht allein durch die Geltendmachung seiner gehabten und noch habenden Gewalten, sondern auch noch durch Anwendung folgender Manöver gelungen, die rechten Wahlmänner (worunter er natürlich selbst gehört) durchzubekommen.
Nachdem die Versammlung nämlich als konstituirt erklärt, Protokollführer und Stimmzähler ernannt und vereidet waren, las der Bürgermeister einen, seine Weisheit bekundenden schriftlichen Aufsatz betitelt: „Meine lieben Mitbürger“ ab, worin namentlich die Aufforderung, nur Leute in seinem bekannten Sinne zu wähen, dann aber auch die lieblichen Worte des Königs an die Nessiner enthalten waren, welche sich obendrein noch einer herrlichen Interpretation zu erfreuen hatten. Die von einem der Urwähler gemachte Protestation gegen dieses parteiische und ungebührliche Verfahren erklärte der hochweise Commissar für Diskussion und verbot sie auf Grund des Reglements zum Wahlgesetz mit gravitätischer Commissarswürde. — Der Wahlgang wird übrigens angegriffen werden.
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@facs1130
Jülich, 25. Jan.
Auch hier hat die Volkspartei einen glänzenden Sieg davon getragen! Trotz aller nur erdenklicher Mühe der Gegenpartei, aller Anstrengung, Ueberredung (denn sogar das wohlbekannte politische Dichterkäuzchen hat seinen politischen Rundflug gemacht), trotz alledem und alledem haben die Demokraten von 16 Kandidaten in einem Bezirke alle acht, Herrn von Berg mit großer Majorität zuerst, und in andern sechs mit Glanz durchgebracht. Während die Herren Heuler schon wochenlang versammelt, geklüngelt, gedruckt und pamphletirt hatten, bedurfte es bei den Demokraten nur einer am Sonntag abgehaltenen Volksversammlung, um sie in Masse in die Wahllokale zu bringen! Die beiden zuletzt durchgekommenen Kandidaten gehören der Heulerpartei an, und sind ein Ingenieur-Lieutenant und der Wahlkommissar selbst, der beiläufig gesagt, schon bei der zweiten Wahl gegen den liberalen Gegenkandidaten, Beigeordneter Dr. B., 3 mal durchfiel, nachdem er die für ihn natürlich nicht günstige Wahl 2 mal umzustoßen vermocht hatte. Es sollen übrigens verborgene Kräfte bei diesen beiden Herren geholfen haben, besonders aber Urwähler, die wenigstens viel älter gewesen als ihre Taufscheine, und darunter viele Söhne der rothen Erde.
Lauter Jubelruf, begleitet von obligaten Posthörnern, verkündeten dem fast eingeschlafenen Städtchen noch um 10 Uhr die frohe Botschaft. —
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@facs1130
[ X ] Mayen.
Der politische Klub in Mayen zeigt uns an, daß von den dortigen 21 Wahlmännern 18 der entschieden liberalen Partei angehören. In diesem Kreise wird also, vollends nach dem in Andernach erzielten Resultat, die Wiederwahl D'Ester's keinen Anstand finden.
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@facs1130
[ 213 ] Crefeld, 26. Jan.
Das Wahlresultat ist hier günstiger, als man uns anfangs berichtet hatte: von 134 Wahlmännern sind 54 oppositionell. Da in Neuß, Uerdingen, Linn und theilweise in Kempen die Demokraten gesiegt haben, so bringt der Kreis am Ende doch noch einen demokratischen Deputirten zu Stande.
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@facs1130
[ 35 ] Hittorf, 26. Jan.
Die Reaktionäre hatten hier alles aufgeboten, um die Wahlen in ihre Hände zu bekommen. Gegen 100 demokratische Urwähler waren von der Liste wegeskamotirt. Als es zur Wahl kam, weigerte sich der Kommissar, den desfallsigen Protest dem Protokoll beizufügen. Die Demokraten erklärten, sich zurückziehen zu wollen. Der Wahlkommissar bestand darauf, die Wahl vorzunehmen und wenn nur 10 Urwähler gegenwärtig seien. Da blieben die Demokraten und setzten, trotz aller Intriguen, alle ihre sieben Kandidaten durch.
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@facs1130
[ 104 ] Mettman, 25. Jan.
Wir müssen die frühere Nachricht, daß die Wahlen hier ganz reaktioniär ausgefallen, dahin berichtigen, daß es doch nicht so schlimm damit aussieht. Zwar ist der preußische Steuereinnehmer (Wagner), ein entschiedener Reaktionär, zum Wahlmann ernannt worden. Die übrigen Wahlen sind aber nur auf Leute aus dem Handwerkerstande von unentschiedener politischer Gesinnung und auf Demokraten gefallen. Eins aber muß hier noch bemerkt werden, daß die Heulerpartei ihren Arbeitern befohlen und sie gezwungen hat, bei keinem Handwerksmann, Krämer etc. zu kaufen, und zu keinem Gastwirth zu gehen, die sich nicht verpflichteten, im „heulerischen“ Interesse zu stimmen oder die gar offene Opposition gegen das gottbegnadete „Schwarz-weißthum“ wagen sollten.
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@facs1130
[ 068 ] Berlin, 25. Jan.
In allen vier größeren Wahlbezirken haben gestern Abend Versammlungen der Wahlmänner, behufs Vorbereitung für die Deputirtenwahlen stattgefunden. Nur eine derselben hatte einen gemischten Charakter, nämlich die im Hotel de Nussie gehaltene des 2. Bezirks, in welchem die demokratische Partei nur eine schwache Majorität hat. Die übrigen drei Versammlungen trugen einen ausschließlichen Parteicharakter, waren aber jede von weit über 200 Wahlmännern besucht. Diese eine Thatsache thut also auf die schlagendste Weise die Wahrheit dar, daß die Wahlen hier ganz im Sinne der Oppositionspartei ausfallen werden, eine Wahrheit, die jetzt so handgreiflich ist, daß selbst Tante Voß sie heute Morgen eingesteht. Die Personenfrage ward in den Parteiversammlungen einstweilen ganz vertagt und ein Comite von 5 Wahlbezirken für jeden Bezirk ernannt, um gemeinschaftlich über die Vertheilung der Abgeordneten unter die einzelnen Bezirke zu berathen. Dagegen ward die Prinzipienfrage und namentlich das Verhältniß der zu Wählenden zur oktroyirten Verfassung vielfach besprochen und äußerte man sich durchschnittlich dahin, daß dieselbe für die neue Versammlung etwa das sein sollte, was der Camphausen'sche Entwurf für die Nationalversammlung war. Nur machte sich hierbei zwischen den einzelnen Bezirken der Unterschied bemerkbar, daß diese Ansicht z. B. im dritten den entschiedenern Wahlmännern angehörte, während sie umgekehrt im vierten nur als ein aus Nützlichkeitsrücksichten angenommenes Amendement zu einem viel weiter gehenden Hauptvorschlage auf Nichtanerkennung der Verfassung auftrat. Ueberhaupt ist dieser vierte Hauptbezirk der radikalste. Außer diesen allgemeinen Beschlüssen ward in der Versammlung des ersten Wahlbezirks eine Petition der Wahlmänner an das Ministerium, um baldige Aufhebung des Belagerungszustandes beschlossen und eine Kommission mit Ausarbeitung derselben beauftragt. Die Versammlungen der Wahlmänner werden übrigens zur gegenseitigen Besprechung und Einigung jeden Abend stattfinden. Gewisse Kandidaturen, wie Waldeck, Jacoby, Temme, Berends, erscheinen schon jetzt ganz gesichert. Neu auftauchende demokratische werden sich wohl erst bei den in Berlin unausbleiblichen Nachwahlen geltend machen, und auch bei diesem Anlasse erst wird es einzelnen Interessen, die sich gern vertreten sehen möchten, gelingen, Einfluß auf die Wahlen zu üben.
In einer Kompagnie der hiesigen Garnison, die zufällig allein einen Wahlmann zu stellen hatte, soll sich folgender Vorfall zugetragen haben. Vor Beginn der Wahl sagte der Hauptmann, der und der Offizier ist zu wählen, alle diejenigen, die es mit ihrem Könige gut meinen und diesen Offizier wählen wollen, mögen sich auf jene Seite des Saales begeben. Anfangs zeigte sich einige Unschlüssigkeit; nachdem aber erst Einige Ordre parirt hatten, siegte die Macht der Disziplin und die ganze Kompagnie trat über. Nur ein Unteroffizier blieb stehen. Um das Warum befragt, antwortete er: Ich glaube, es ist der Wille des Königs, daß wir nach den Eingebungen unseres eigenen Vertrauens und nicht nach Ordre wählen sollen. Der Hauptmann verbiß seinen Grimm und die Wahloperation ging vor sich, ergab aber das unerwartete Resultat, daß beinahe sämmtliche Stimmen der Kompagnie dem renitenten Unteroffizier zufielen.
Wegen eines im Juni hier erschienenen Plakats: „Offener Brief an den gewesenen Ober-Borgermeister Krausnick von Isaac Moses Hersch“ hatte Hr. Krausnick gegen den Buchhändler Löwenberg und die Buchdrucker Brandes und Schulze auf Pasquill geklagt. Die drei Angeklagten wurden gestern „von der Anklage entbunden,“ weil der eigentliche Verfasser nicht zu ermitteln war und gegen den Verleger und die Drucker nicht genügender Beweis vorlag, daß sie den Inhalt vollständig gekannt hatten.
Die Brandenburg-Manteufel'sche „Galgenzeitung“ ist über den Erlaß des Hrn. v. Ladenberg an die Volksschullehrer, resp. seine drohende Aufforderung an dieselben, sich unter jeder Bedingung als contrerevolutionäre Wahlagenten zu prostituiren, förmlich entzückt. „Ton und Inhalt“ findet sie gleich „vortrefflich;“ den Lehrern und Direktoren sei nun das Gewissen „rücksichtlich ihrer amtlichen (?) und bürgerlichen (!) Stellung geschärft worden.“ Das liebliche Blatt fügt unter Anderm hinzu: „Die rechte Gesinnung kann man freilich Keinem beibringen, aber Mancher wird doch wenigstens vorsichtiger werden, damit man ihn nicht geradezu bei den Ohren kriegen kann, und die Direktoren müssen auch anders zugreifen.“
Ein kleines Pröbchen, und wahrlich noch eins der mildesten, wie die Klicke „mit Gott für König und Junkerschaft“ die Wahlen theils verfälscht hat, theils zu verfälschen suchte. In einem der hiesigen Wahlbezirke wurde auf den verlesenen Namen Karl Schmidt (Charlottenstraße Nr. 3) Arbeitsmann, ein lautes „hier“ geantwortet. Der bisherige Wirth des Karl Schmidt erinnerte, daß Schmidt in einen andern Bezirk verzogen und die auf seinen Namen lautende Urwählerkarte zurückgegeben sei. Der wieder aufgerufene Name Karl Schmidt wurde abermals mit „hier“ beantwortet. Der Antwortgeber erklärte auf Befragen, daß er nicht Karl Schmidt sei, sondern Bonnes, Diener beim Major v. Rauchhaupt, daß die Karte ihm von Professor Huberdt, Vorstandsmitglied des patriotischen Vereins eingehändigt sei, damit er in dem Bezirke unter Schmidts Namen mitwähle, obgleich er nach Ausweis der Urwählerliste nicht zur Wahl berechtigt war. Der Bonnes wurde entfernt. In der großen Aufregung, welche das Ereigniß herbeiführte, vernahm man zahlreiche Stimmen, welche auch die Entfernung des Professor Huberdt forderten. Derselbe blieb jedoch bis zum Schluß des Wahlakts.
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@facs1130
[ 130 ] Halle, 24. Jan.
Wissen Sie, weshalb die National-Versammlung in Berlin hat auseinandergejagt werden müssen und warum die Frankfurter Gesellschaft nahe daran ist, es zu werden? Sie denken vielleicht deshalb, weil jene über 5 Monate zur Besinnung brauchte, während die Contrerevolution sich viel früher besonnen hatte, und weil die Frankfurter überhaupt unfähig war, je zur Besinnung zu kommen? Irrthum, pure Täuschung! Die hiesige „Galgenzeitung“, (auch „Neue Halle'sche Ztg.“ genannt) hat in ihrer Nr. 9 den einzig haltbaren Grund entdeckt. Es ist der: „Beide Versammlungen haben ihre Sitzungen ohne kirchliche Feier begonnen, und damit ausgesprochen, daß sie Gottes und des göttlichen Segens nicht bedürften!“ Jetzt wissen Sie's.
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@facs1130
[ 61 ] Oberschlesisch-östreichische Gränze, 23. Januar.
Gestern verbreitete sich hier die Nachricht und veranlaßte große Freude, daß die Magyaren einen bedeutenden Sieg erfochten. Das Wo und Wie habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können; soviel indessen verlautet, soll der Sieg in Central-Ungarn, also wider Windischgrätz, erfochten worden sein. Gott gebe es!
Bei dem Mangel an öffentlichen Blättern, namentlich freisinnigen, und bei dem allerwegen zur höchsten Vollkommenheit gebrachten russisch-östreichisch-preußischen Spionen-Unwesen und Verschwindungsgelüste ist es fast unmöglich, genaue Details in Erfahrung zu bringen. — Der Knutenkaiser, der Standrechtskaiser und der Kyffhäuserkaiser scheinen für unsere Ecke ganz besondere Besorgnisse zu hegen: sie mögen sich auch nichtgar zu sehr irren. Die ma- [1131] gy arische Bewegung wird sich immer mehr mit einer polnischen amulgamiren, und vielleicht einen polnischen Aufstand möglich machen. Bem zieht von allen Seiten polnische Verstärkungen an sich und steht bereits auf polnischem Gebiete; Windischgrätz ist in Pesth zur momentanen Unthätigkeit verdammt, Boden und Wetter verhindern seinen Weitermarsch; Kossuth aber rüstet sich in Debreczin zum entscheidenden Schlage. Südungarn und Siebenbürgen sind so ziemlich ganz in Händen der Magyaren. In Westgalizien und Krakau wird der Tanz in einigen Tagen losbrechen, und wir hoffen, die Oestreicher hier durchaus zu vernichten. Dadurch wird der Weg nach Preußen geöffnet, wo Magyaren und Polen im Volke bedeutende Sympathieen haben.
In Ratibor befindet sich ein Waffendepot von Gewehren, welche für die Magyaren bestimmt sind, jedoch von den preußischen Behörden zurückbehalten werden. Sie kamen über Breslau, und würden unbeanstandet weiter befördert worden sein, wenn nicht einer der sich massenhaft hier herumtreibenden österreichischen Spione sie unterwegs entdeckt und von den preußischen Behörden ihr Aufhalten offiziell verlangt hätte. Dies geschah um so bereitwilliger, als viele der betreffenden preußischen Gränzbehörden auch im österreichischen Solde stehen, und vorzugsweise demjenigen der drei Kaiser gehorchen, welcher am besten honorirt. Die Magyaren und Polen sollen mitunter übrigens noch besser bezahlen, als ihre Henker, und darum trotz derselben manches durchbringen. — Alles hängt in diesem Augenblicke von Frankreich ab; das Donnerwetter im Westen wird die Donnerwetter im Süden und Osten vollends zum Ausbruch bringen. Doch man möchte rasend werden, wenn man das infame Treiben des offiziellen Frankreich's, seine bourgeois-päbstlich-napoleonisch-legitimistisch-kroatisch-verrückte Diplomatie in Erwägung zieht.
Der gestrige Wahlmännertag scheint ziemlich demokratisch ausgefallen zu sein. Kirchmann wurde in Ratibor sogar in einem Bezirke durchgesetzt, in welchem die ausgemachtesten Beamtenseelen dominirten und alle Intriguen zur Verhinderung seiner Wahl ex officio springen ließen. Dafür soll er nun, wie es heißt, verhaftet und ihm der Prozeß gemacht werden. Rinteln soll die Verhaftungordre schon längst für den vorkommenden Fall hiehergesandt und deren Vollstreckung für den endlichen Fall der Wahl Kirchmann's zum Abgeordneten befohlen haben. Nun, wir werden sehen. Kirchmann wird ganz zuverlässig gewählt werden. Als er vor vier Wochen in Ratibor ankam und die üblichen Besuche machte, ließ sich die Bureaukratie überall vor ihm verleugnen; dann versuchte sie auf höhern Befehl, ihn zum Uebertritt zu verlocken; der Chef-Präsident Wenzel war nämlich angewiesen, sich zu befreunden, und mußte Arm in Arm mit ihm im wasserpolakischen Kothe Ratibors herumdämmern. Der Kniff zog nicht, Kirchmann blieb unverbesserlich und wird nun in gewissen Galgenblättern mit eben demselben wasserpolakischen, aber christlich-germanisch-civilisirten Kothe beworfen, in welchem er zu Ratibor waten muß. Aber das Volk wird, ihn trotz der „verlorenen Ecke“, nicht sinken lassen. — An manchen Orten, wo man radikale Wahlen befürchtete, provozirte die offizielle Kanaille offiziellen Skandal, zu welchem man dann sofort königliche Erzengel beorderte. Das Volk wird indessen durch diese Instruktoren merkwürdigerweise immer aufgeweckter gemacht, und hat ihnen im Grunde viel zu verdanken.
Letzthin bekam ich eine Lichnowsky-Medaille zu Gesichte. Man sucht dieselbe namentlich unter dem schlesischen Volke Oesterreichs zu verbreiten, und ihm den schönen Kopf als einen neuen Heiligen darzustellen, den der Pabst nächstens kanonisiren würde. In österreichisch Oderberg kam neulich ein griechischer Bischof aus dem berühmten Stamm der galizischen Hukuler, der zum Verwundern sehr vortreffliches Deutsch redete, auf seiner Reise nach Olmütz zum jugendlichen Kalbe durch. Er war rundum mit runden thalergroßen Goldstücken behangen und nahm beim standrechtlichen Legitimiren des preußischen Trains die Gelegenheit wahr, dem im Bahnhof versammelten Publikum eine Predigt über Lichnowsky's Martyrthum und Gebet am Oelberg, sowie über seine endliche Himmelfahrt zu halten.
Die Eisenbahnstrecke von Oderberg bis Kosel und von dort bis Myslowitz befindet sich de facto zwar auf dem von Friedrich II. eroberten Terrain, allein die Oesterreicher scheinen dies Terrain durchaus mit dieser Eisenbahnstrecke wieder erobert zu haben, denn sie herrschen ausschließlich von Oderberg bis Myslowitz. Unter den Uniformen der preußischen Beamten stecken lauter Oesterreicher und österreichische Spione. In dieser Uniform wird z. B. ein eigener Kommissarius unterhalten, der immerfort zwischen den genannten Orten mit einem Generalstab von Spitzeln hin- und herfährt, und über alle Reisende die umständlichste Kontrolle zu führen sich bemüht. Auf den täglichen Zügen befinden sich fast nur Oesterreicher. — Während die hochlöbliche Nationalversammlung in Frankfurt centralledern von einer preußisch-österreichisch-russischen Disharmonie programmatisch zu faseln nicht aufhört, und wunders glaubt, wie schöpferisch-allmächtig sie sei, weil Potsdam ihren 1001 nächtigen Phantasien zuzuhören scheint, um das deutsche Volk kaiserlich-legitim zu beschäftigen und im Einverständniß mit den Knuten- und Standrechtsmajestäten von der illegitimen Demokratie sachte zu entfernen, während, sag' ich, diese edle Versammlung einen Kaiser-homonculus backt oder auch nicht backt, und eine österreichisch-preußische Kriegsaussicht à la Fritz von Sans-souci heraufbeschwören zu können glaubt, gibt's in der That, wovon man sich hier täglich überzeugen kann, gegenwärtig keine größere Eintracht in Europa, als die zwischen Olmütz, Potsdam und Petersburg. Sie passirt tagtäglich hier vorüber.
Potsdam hat in Olmütz auf das bestimmteste versichern lassen, es denke an keinen deutschen Kaiser, sondern in Gemeinschaft mit ihm an ganz andere Dinge, an die gemeinschaftliche Wiederherstellung des alten Zustandes, zum Beispiel.
Indessen, sprach Potsdam, müsse man den Geist des deutschen Michel verläufig noch mit dem kaiserlichen Kyffhäuserspuck zu unterhalten suchen, um ihn von seinen unanständigen Beschäftigungen abzulenken. Man solle Frankfurt nur gewähren lassen; die Biedermänner würden wirklich einen demokratischen Fabelkaiser ernennen, der dann von Niemand anerkannt würde, nicht von Rußland, nicht von Oesterreich, am wenigsten aber von Potsdam, wo man darüber ebenso lache, wie die gescheuteren Demokraten.
Unter der Hand aber müsse man mit der Knute, mit dem Standrecht, mit Pulver und Blei und andern metternichischen Apothekerwaaren um so thätiger sein. Es wäre unbegreiflich, wenn es nicht begreiflich wäre, wie stockdumm die Deutschen namentlich dann sind, wenn sie ihr eigentliches Gehirn erst auskramen, und z. B. als urdeutsche Reliquie in die Paulskirche senden.
Doch die Italiener sind fast ebenso beschränkt, wenn sie dem Karl Albert noch einmal, wenn auch nur ein Stück, italienisches Geschick anvertrauen. Karl Albert spielt in Italien die Rolle von Sanssouci. Er steht an der Spitze der italienischen Bewegung; hat sich auch wirklich in Bewegung gesetzt, um den Oestreichern die Lombardei wieder erobern zu helfen. Das genügte aber nicht; er muß die Oestreicher nun auch in Turin haben, um daselbst die republikanische Atmosphäre mit Kroaten zu säubern. Die Sache ist auch mit Paris in dieser Weise abgekartet worden; Bugeaud wird seiner Alpenarmee die Kroaten als Freunde vorstellen. O, es ist entsetzlich, aber die Bornirtheit der Demokraten und Völker, die das Volteschlagen der Könige und Bourgeois nicht durchschaut, ist doch noch entsetzlicher. Amen!
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@facs1131
[ * ] Dresden, 23. Jan.
In der ersten Kammer wurde heut der von Heubner gestellte Antrag wegen der Oberhauptsfrage diskutirt und angenommen. Alle Redner bis auf Einen sprachen sich entschieden radikal aus. Der Heubner'sche Antrag ist der nämliche, den Schaffrath in der zweiten Kammer gestellt und durchgesetzt hat.
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@facs1131
Eisenach, 21. Jun.
Die Landtagswahlen für das Großherzogthum Sachsen sind am 18. Jan. erfolgt. Die demokratische Partei ist im entschiedenen Vortheil geblieben.
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@facs1131
Schleswig, 23. Jan.
Nachdem die Dänen lange Zeit vergeblich gesucht haben, durch unablässige Aufwiegelungen, namentlich durch die überall heimlich verbreitete Proklamation des Königs von Dänemark vom 15. Dec. v. J., die Nordschleswiger zum Aufruhr zu verleiten, haben in diesen Tagen selbst dänische Freischaren von Ripen und von Jütland aus einen Einfall auf schleswigsches Gebiet gemacht. Nachdem es diesen vor ein paar Tagen gelungen war, eine kleine Abtheilung Dragoner von 10 Mann, die in Scharrnbeck lag, zu einer rückgängigen Bewegung zu nöthigen, ist es gestern, nachdem von der Stadt Hadersleben und von Flensburg Verstärkungen nach dem Westeramte Hadersleben geschickt waren, zu einem förmlichen Gefechte bei Bröns gekommen. Dem Rittmeister v. Rumohr, welcher unsere Truppen im Westeramte Hadersleben kommandirt, ward gestern Morgen gemeldet, daß ein 5 bis 600 Mann starker, mit Piken und Flinten bewaffneter Haufe von der jütischen Grenze her in Schleswig eingefallen, und bereits bis Reisbye gekommen sei. Er zog sogleich mit einer Schwadron Kavall. und einer Abth. Jäger (lauter schleswigsche Truppen) den Dänen entgegen, und traf bei Bröns mit ihnen zusammen. Während er durch gütliches Zureden die Aufrührer zum Niederlegen der Waffen bewegen wollte, fiel von dänischer Seite ein Schuß, durch den einer unserer Dragoner, Namens Jansen, getödtet wurde. Nun wurde sofort zum Angriff kommandirt, und nach einem kurzen Gefecht waren die Dänen gänzlich geschlagen und zerstreut. Außer dem erwähnten Dragoner ist auf unserer Seite noch ein Jäger gefallen. Von den dänischen Freischärlern sind drei gefallen, vier schwer und 22 leicht verwundet und gefangen, die Uebrigen in die Flucht geschlagen; außerdem sind auch einige Pferde und Waffen erbeutet. Die Verwundeten sind nach Tondern ins Hospital, die übrigen Gefangenen nach Hadersleben geschickt. Dieser Einfall ist somit vorläufig abgeschlagen; es ist aber nicht unwahrscheinlich, daß bald mehrere ähnliche Versuche nachfolgen, und es sind deshalb sofor mehrere Truppenatheilungen nach dem nördlichen Schleswig zum Schutz der Gränze abgegangen.
[(B. H.)]
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@facs1131
[ 14 ] Rendsburg, 24. Januar.
Unsre Militärwirren, d. h. die übermüthige Wirthschaft des preußischen Junkerthums, hat auch zu einem kompletten Tendenzprozesse, Veranlassung gegeben. Wie immer vermutheten Bonin und Consorten, auch hinter der Adresse der Pontonnierkompagnie, worin ein Armeebefehl Bonin's kritisirt wurde, Civilpersonen, sogenannte Wühler, welche die Soldaten zu dieser Handlung verleitet haben sollten. In Rendsburg wurde demnach ein Dr. Baurmeister, nach der Entwaffnung jener Kompagnie und den dabei vorgefallenen sonstigen Militär-Unruhen, verhaftet, später aber gegen Caution freigelassen. In diesen Tagen wurde nun das Urtheil gegen diesen Baurmeister publicirt. Da man ihm weiter kein Vergehen nachweisen kann, so hat man folgende vage Phrase gegen ihn geltend gemacht. Er sei zu 4wöchentlichem Civilarrest verurtheilt „weil er seine Stellung im bürgerlichen Leben zu einem ungebührlichen Einfluß auf das Militär benutzt habe.“ Wie wir hören wird Baurmeister appelliren.
Der antidemokratischen Partei wird dieses Erkenntniß wieder Jubel entlocken. Diese Partei, die zu den perfidesten Mitteln ihre Zuflucht nimmt, ging bei dem, von den verbundenen Volksvereinen Schleswig-Holsteins, zur Zeit der Installirung der „gemeinsamen Regierung,“ gefaßten Steuerverweigerungsbeschluß, so weit, daß sie die Steuerverweigerer als verkappte Dänen bezeichnete, um dadurch das Volk im Allgemeinen gegen die Demokraten einzunehmen.
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@facs1131
[ 43 ] Aus Schleswig-Holstein, 24. Januar.
Den Rüstungen zur See scheint die gemeinsame Regierung jetzt auch mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. In mehreren Orten an der Elbe, Eider und Ostsee sind außer den schon fertigen vielleicht noch 10-12 Kanonenböte in Arbeit, und müssen bis Mitte März geliefert werden. Ebenso findet in diesen Tagen auch die Aushebung zum Seedienst statt, und sollen wie man hört, die Seefahrenden bis zum 40sten Jahre gezogen werden.
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@facs1131
[ 24 ] Wien, 23. Jan.
Schon wieder ein — Siegsbülletin — das 17. Generalmajor v. Götz berichtet aus Mossocz vom 17. d. M., daß er nach Unterwerfung des, durch seine Terraingestaltung sehr schwierigen Turoczer Comitates, und nach Besetzung dessen Eingänge bei Batuska und Stuben gegen Neusohl und Kremnitz den 16. Nachmittags eine Rekognoscirung gegen diese Bergstadt angeordnet hatte, um nähere Nachrichten vom Feinde und seiner Stellung zu erhalten.
Die zu diesem Behufe ausgesendete Abtheilung stieß bei Turczel auf den Feind, vertrieb ihn aus seiner Stellung, wobei Lieutenant Betiany eine Haubitze eroberte, besetzte sie, wurde aber durch die mittlerweile eingebrochene Nacht verhindert, den bereits erlangten Vortheil kräftig zu verfolgen.
Den 17. Früh rückten neue Insurgentenschaaren aus Kremnitz an, die den Abend zuvor verlorene Position wieder zu gewinnen.
Durch den festen Widerstand unserer Truppen aber, und den in kurzer Zeit erlittenen Verlust von 117 Gemeinen und 4 Offizieren an Gefangenen, von 100 Mann, welche todt am Schlachtfelde blieben, und vielen Verwundeten, die sie wegführten, entmuthigt, zogen sie sich nach vierstündigem Gefechte wieder zurück, nachdem sie durch ihren Angriff unserer auf Entdeckung geschickten Abtheilung Gelegenheit gegeben hatten, ihre Aufgabe mit glänzendem Erfolge zu lösen, und den Hrn. Generalmajor v. Götz in Kenntniß ihrer Stellung und Stärke, somit in die Lage zu setzen, diese feindliche Schaar, welcher Hr. Feldmarschall-Lieutenant Baron Csorich von Pesth über Waitzen auf dem Fuße gefolgt war, im Einverständnisse mit ihm, und unter seiner Mitwirkung anzugreifen und zu vernichten.
Berichte aus dem Hauptquartier des Hrn. Feldmarschall-Lieut. Graf Schlick vom 17. d. M. enthalten die Nachricht, daß der zu Debreczin versammelte ungarische Reichstag von der Unmöglichkeit überzeugt, seinen wühlerischen Plänen eine weitere Folge zu geben, den Beschluß gefaßt hat, die ungarische Armee aufzulösen.
Um ihn in dieser Ansicht zu bestärken, und jeden etwaigen Fluchtversuch einzelner Führer der Insurgenten zu vereiteln, hat oberwähnter Hr. Feldmarschall-Lieutenant, in der Kenntniß, daß eine Kolonne unserer Armee, 4 Bataillons, 8 Eskadrons und 18 Geschütze stark, unter den Befehl des Hrn. Feldmarschall-Lieutenants Schulzig sich von Pesth über Gyöngyös und Mezökövesd gegen Miskolz, jene des Generalmajors v. Götz sich über Kremnitz und Schemnitz gegen die Zips bewege, und die Umstände in Siebenbürgen neuerdings eine günstige Gestaltung angenommen haben, Leutschau durch Major v. Kiesewetter mit einer angemessenen Abtheilung besetzen lassen, und den 15. d. M. ein Streifkorps von Eperies gegen Hannsfalva, Varano bis Homona entsendet, um sich am Rückwege bei Gerenda und Töke Terebes mit einem zweiten den 17. d. M. von Kaschau ausgehenden zu vereinigen, und sodann über Sarospatak gegen die Theiß zu manövriren
Feldmarschall-Lieutenant Graf Schlick marschirt, nach Zurücklassung der Brigade Deym in Kaschau, selbst mit der Hauptkolonne gegen Tallya, sammelt daselbst wieder sein ganzes Korps und rückt gegen Tokaj und Debreczin.
Wien, den 21. Jan. 1849.
Welden,
Feldmarschall-Lieutenant, Civil und Militär-Gouverneur.
Mit diesem Bülletin begnügt sich aber Hr. Welden nicht. Er hat auch für Verbreitung folgenden Gerüchts gesorgt: „Eben eingehenden Briefen aus Pesth von vorgestern Abends war der Präsident des Kossuthschen Reichstages von Debreczin dort eingetroffen. Er hatte vom Fürsten Windischgrätz Erlaubniß zu seiner Rückkehr erhalten. Der Reichstag hat sich in Debreczin aufgelöst. Kossuth ist landesflüchtig.“
Hr. Welden ärgert sich über nichts so sehr, als über die Ungläubigkeit der Wiener. Wer sich mit letzterer zu sehr herauswagt, wird dem Kriegsgericht, der Ausweisung, Assentirung (Einsteckung ins Militär etc.) anheimgegeben.
Vor einigen Tagen gab die Wache in einer Vorstadt auf einen Mann Feuer, der, die Uniform der akademischen Legion tragend, auf wiederholten Zuruf nicht antwortete. Er stürzte zu Boden, — leblos wie er gewesen, da es ein zum Spuk hingestellter Strohmann war. — Das Wasser in der Leopoldstadt ist gefallen, und man besorgt nunmehr kein weiteres Unglück.
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@facs1131
[ * ] Prag, 21. Jan.
Weil in der Nacht auf einen Wachtposten geschossen worden sein soll, ist folgende Proklamation erschienen:
„Vom Prager k. k. Stadt- und Festungskommando. Prag am 19. Jänner 1849. Aus dem Anlaß des in vergangener Nacht höchst unangenehmen Vorfalls hat das hohe Generalkommando anzubefehlen für gut befunden, daß von nun an sämmtliche Wachen mit geladenen Gewehren aufzuziehen haben, und die abseits stehenden Posten wurden angewiesen, des Nachts jeden sich Nähernden anzurufen, und wenn derselbe auf den wiederholten Ruf nicht stehen bleibt, ohne weiters Feuer zu geben, welches man sich die Ehre gibt, einem löbl. St. V. Kollegium in Dienstfreundschaft bekannt zu geben. In Verhinderung Bar. Godart, Pz. Obst. An ein löbl. Stadtverordneten-Collegium.“
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@facs1131
[ !!! ] Frankfurt, 25. Jan.
National-Versammlung. Simson präsidirt. Tagesordnung § 2 ff. des „Reichsoberhaupts.“
Der Justizminister beantragt im Namen des Grüneberger Inquisitoriats Erlaubniß zur Untersuchung gegen den Abgeordneten Levysohn wegen Pasquill und Gott weiß was. Dies ist die dritte Untersuchung gegen Levysohn. Das muß ein „Hauptrebeller“ sein. Die Angelegenheit geht an den Polizei-Ausschuß.
Würth aus Sigmaringen will einen Ausschuß wegen eines vor einigen Wochen übergebenen Antrags, die Reichstruppenbelästigung von Sigmaringen betreffend, fragen. (Wird unterbochen.)
Tagesordnung.
Das Haus ist öd und leer. Der Geist der Langeweile schwebt über den Köpfen.
§ 2 lautet:
Das Reichsoberhaupt führt den Titel: „Kaiser der Deutschen.“
Minoritätserachten. Statt dieses Paragraphen möge es heißen:
Das Reichsoberhaupt führt den Titel Reichsstatthalter.
Schuler aus Jena. H. Simon. Wigard. Reh. Ahrens. Zell.
Ein präjudizeller Antrag ist eingelaufen. Grundner und Consorten will den § 2 der zweiten Berathung überlassen, und heut § 3 vornehmen. Eine Diskussion über diesen Antrag beginnt.
Arndts aus München verhöhnt die Versammlung furchtbar. Meint, sie wird sich lächerlich machen, einen Titel zu schaffen für ein Individuum, was noch ganz in Frage steht; das komme ihm vor wie ein Messer ohne Klinge, woran der Stiel fehlt.
Moritz spricht gegen den Antrag. Der Antrag wird verworfen.
Die Diskussion über § 2 wird Gott lob abgelehnt. — Man stimmt über den § 2 namentlich ab. Der Titel „Kaiser der Deutschen“ wird mit 214 Stimmen gegen 205 angenommen. (Die Linke, welche spazieren und fruhstücken läuft, statt im Hause zu sein und die Augen aufzusperren, ist an dieser Lumpenmajorität von 9 Stimmen schuld. Es fehlten offenbar viele Mitglieder der Linken.) Es lebe also der „Kaiser der Teutschen“ mit 9 Stimmen; mehr Stimmen wird er wohl auch im deutschen Volke nicht finden! —
§ 3.
Die Residenz des Kaisers ist am Sitz der Reichsregierung. Wenigstens während der Dauer des Reichstages wird der Kaiser dort bleibend residiren.
So oft sich der Kaiser nicht am Sitz der Reichsregierung befindet, muß einer der Reichsminister in seiner unmittelbaren Umgebung sein.
Die Bestimmungen über den Sitz der Reichsregierung werden einem Reichsgesetz vorbehalten,
wird ohne Diskussion angenommen.
§ 4.
Der Kaiser bezieht eine Civilliste, welche der Reichstag festsetzt.
Man beschließt die Diskussion.
Buß aus Freiburg (Ultramontan mit weißer Halsbinde) beantragt, den Paragraphen zu streichen, weil die Regenten, die ein Anrecht, Reichsoberhaupt zu sein, haben wohl auf die Civilliste verzichten können. Er gehöre übrigens zu denen, die einen Kaiser haben wollen, aber den von Oestreich, deshalb stimmt er jetzt gegen den Kaiser. (Zuruf: zur Sache, zur Civilliste. Tumult. Buß hält seine ganze Rede, die er zu § 1 präparirt hatte. Rechts und die Preußen ärgern sich buntscheckig. Die Oestreicher haben ein ungeheures Vergnügen. Fortwährende Unterbrechungen.) Buß verlangt Abstimmung darüber, ob er bei der Sache ist oder nicht. — Der Präsident droht Herrn Buß mit Entziehung des Worts. Buß verzichtet darauf. (Langer Beifall.)
Zachariä von Göttingen wird nun links mit dem Zuruf: zur Sache! unterbrochen, da er von Allotriis beginnen will. Präsident findet, daß er bei der Sache ist.
Die ganze Geschichte fängt an (doch nicht jetzt erst?) äußerst spaßhaft zu werden. Z. spricht für die Civilliste.
Die Debatte wird geschlossen, § 4 angenommen. (Also das deutsche Volk wird dem 35. Landesvater, oder „Kaiser der Teutschen“ neue Steuern hergeben? Zahle guter Michel, bis du schwarz wirst!)
Artikel 2. § 5.
Die Person des Kaisers ist unverletzlich.
Der Kaiser übt die ihm übertragene Gewalt durch verantwortliche von ihm ernannte Minister aus.
Minoritätserachten:
Der Reichsstatthalter hat die oberste Leitung der Regierung.
Schüler aus Jena. H. Simon. Reh. Wigard.
Minoritätserachten:
Der Reichsstatthalter ist für seine Regierungshandlungen nicht verantwortlich; er übt die ihm übertragene Gewalt durch verantwortliche von ihm ernannte Minister.
Schüler aus Jena. H. Simon. Reh. Wigard.
Der Antrag der Majorität (§ 5) wird ohne Diskussion angenommen. Ebenso § 6, welcher lautet:
Alle Regierungshandlungen des Kaisers bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung von wenigstens einem der Reichsminister, welcher dadurch die Verantwortung übernimmt.
Ebenso
Artikel 3 § 7.
Der Kaiser übt die völkerrechtliche Vertretung des deutschen Reichs und der einzelnen deutschen Staaten aus. Er stellt die Reichsgesandten und Consuln an und führt den diplomatischen Verkehr.
§ 8.
Der Kaiser erklärt Krieg und schließt Frieden.
Man beschließt Diskussion.
Culmann (Baiern) spricht dagegen und will das Recht über Krieg und Frieden nur dem Volkshaus vindiziren. Durch solche Beschlüsse (Recht über Krieg und Frieden nur dem Kaiser zu geben) vergrößern Sie das Gewicht des Kosakenthums in unserem Vaterlande. — (Seiner Rede folgt großer Beifall.)
Wurm, der sich bekanntlich jenachdem von Partei zu Partei windet, bald vor der Revolution, bald vor der Reaktion kriecht, spricht mit unendlicher Arroganz, aber sehr schwachen Motiven, für den Paragraphen. In der belgischen, holländischen und noch mehreren Verfassungen sei es ebenso. (Es ekelt einem vor solcher Wurmlatwerge.)
Schluß der Debatte.
Der Berichterstatter Beseler für den §. — § 8 (nach der Majorität des Verfassungs-Ausschusses) in namentlicher Abstimmung mit 282 Stimmen gegen 136 angenommen.
(Siehe den Verfolg in der Beilage.)
[1132]
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@facs1132
Bekanntmachung.
In der Ober-Post-Amts Packkammer lagern die in der Nachweisung A. bezeichneten Gegenstände, wovon die Adressaten — wahrscheinlich Militärs, die ihr ursprüngliches Standquartier verlassen haben — nicht bekannt sind.
Es ist wahrscheinlich, daß diese Pakete bei andern Post-Anstalten vermißt worden, und fordere ich dieselben hierdurch auf, solche, möglichst unter Mitsendung der Original-Adressen, zu reklamiren. Dagegen fehlen hier die in der Nachweisung B. verzeichneten Gegenstände, die unbezweifelt von den Condukteuren unterwegs unrichtig abgegeben sind, und auf verschiedenen Stationen herrenlos lagern. — Die betreffenden Post-Anstalten werden ersucht, solche sofort zu übersenden.
Köln, 16. Januar 1849.
Der Ober-Post-Direktor, Rehfeldt.
A.
Nachweisung von denjenigen Paketen, welche seit längerer Zeit in der Packkammer des Königl. Ober-Post-Amts in Köln lagern.
Nr.Gegenstand.Bezeichnung der Packete.Gewicht.
Pfd. Loth.
Lagerzeit.Bemerkungen.
11 P. in LeinenH. M.7 2226. Dez. 1848Adresse Musk. Heinrich
2ditoB. 2. Mainz0 24Kehrmann.
3ditoC. P.2 730. Dez. 1848Magdeb. — Köln beklebt
41 P. in PapierK. B.7 3130. Dez. 1848Bochum — Köln.
51 P. in LeinenW. Z.5 1130. Dez. 1848
61 KisteA. W.5 19
71 P. in Leinen40210 24Rheda — Köln beklebt.
8ditoF. A. od. F. St.9 20circa 12 TageMagdeburg — Köln.
9ditoK. M.4 6Hamm — Köln.
10ditoJ. R. 9005 18gehört wahrsch. einem
Soldaten d. 34. Rgts.
11ditoC. M.4 27Magdeburg.
12ditoH. E. G.1 012. Dez. 1848P. Stargard — Berlin.
131 P. in PapierA. S.2 22. Dez. 1848eine Reisetasche enth.
14ditoH.1 16Hamm beklebt.
Nachweisung von denjenigen Packeten, welche keine Signatur haben und geöffnet worden sind.
Nr. Inhalt.
1 Ein Packet in Wachsleinwand mit 4 Packeten Tabak, einer alten Weste und ein Stück Cervelat:Wurst.
2 Ein Packet in Wachspapier mit einem Kuchen und 5 Würsten.
3 Ein Packet in Wachspapier mit einem Kuchen, 4 Blut- und einer Leberwurst.
4 Ein Packet in Wachspapier mit einem Hemde J H Nr. 6 gezeichnet.
5 Ein Packet in grauer Leinwand mit 3 Gänsebrüsten.
B.
Nachweisung von denjenigen Packet-Adressen zu welchen die Packete fehlen.
Nr.Name und Charakter des Empfängers.Bezeichnung der Sendung.
Pfd. Lth.
Ort woher.Tagesstempel.Porto-Betrag.
1Unteroff. Schulz 16. Regt.1 Packet H S2 20Ziesar.20/123
2H. Corthun per Adr. M. Neven1 P. per Adr.24 0Düsseldorf.23/1216
3C. Daeves per Adr. Schaaffhausen1 P. HD 516 0Windheim.24/122
4Math. Roedder1 P. MR 81 16Düsseldorf.28/124
5Garde-Pionier Jos. Peving1 P. I P0 22Zinna.19/120
6H. Peitz 7. Comp. 26. Regt.1 P. H P2 4Oebisfelde.21/120
7J. H. Stratmanns 8 Cp. 17. Regt.1 P. E S 45 8Nieukerk.24/122
8J. Kleinschmidt 8. Cp. 26. Regt.
zu einem Geldbriefe mit 2 Thlr.
1 P. F K 306 28Tangermünde.18/120
9Feldwebel Will 34. Regt.1 Kiste A W 15 24Berlin.24/120
10H. Tendering 7. Cp. 17. Regt.1 Packet p. Adr.6 4Rees.22/120
11Gerh. Melchers 6. Cp. 17. Regt.1 Packet p. Adr.3 16Geldern.21/122
12Ed. Grünheide 5. Cp. 26. Regt.1 P. E G2 16Kakerbeck.19/124
13Franz Stork 12. Cp. 26. Regt.1 P. A B2 0Warstein.20/120
14Cath. Schaefer Domhof 32.1 P. C S0 4Bonn.31/124
15F. Königstedt 8. Cp. 26. Regt.1 P. F K5 30Moeckern.29/120
16Blocksdorf 3. Cp. 34. Regt.1 P. M B6 16Coeslin.28/120
17Chr. Müller 6. Cp. 26. Regt.1 P. L M5 10Morsleben.26/120
18Fr. Liedigkeit 7. Cp. 34. Regt.1 P. F L6 0Goldapp.11/120
19F. Dusdam 7. Cp. 26. Regt.1 Kober F D8 8Tangermünde.28/120
20Joh. Bartels 5. Cp. 26. Regt.1 P. J B6 8Osterburg.23/120
21Aug. Baurs 5. Cp. 26. Regt.1 P. B B5 0Salzwedel.28/120
22Barth. Bartecki 7. Cp. 34. Regt.1 P. M B4 12Strzelno.6/120
23Holz 4. Comp. 34. Regiment.1 P. D F H1 12Belgard.27/120
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Bekanntmachung.
Mit dem 1. Febr. d. J. treten in den Post-Verbindungen folgende Aenderungen ein:
I. Aufgehoben werden: 1) die tägliche zweispännige Personenpost zwischen Brühl und Kirschseifen; 2) die tägliche Cariolpost zwischen Schleiden und Stadtkyl.
II. Eingerichtet wird: eine tägliche zweispännige Personenpost zwischen Köln und Losheim, auf dem Wege über Brühl, Euskirchen, Commern, Gemünd, Schleiden und Kirschseifen. Diese Post wird aus Koln täglich 5 Uhr Morgens abgefertigt und trifft in Losheim um 4 Uhr Nachmittags, zum Anschluß an die Personenpost von Aachen nach Trier, und von Losheim nach Coblenz ein. Aus Losheim wird diese Post um 6 Uhr Morgens, nach Ankunft der Personenpost von Trier nach Aachen abgefertigt und trifft in Köln um 5 Uhr Nachmittags ein.
Vorläufig werden Omnibus, später 6sitzige Personenwagen benutzt. Die Post wird durch Condukteure begleitet. Auf den Stationen Köln, Brühl, Euskirchen, Commern, Schleiden und Losheim werden Beichaisen gestellt. In Gemünd wird nur eine 4sitzige Beichaise im Fall des Bedürfnisses gestellt.
Das Personengeld ist zwischen Köln und Euskirchen auf 4 Sgr., zwischen Euskirchen und Losheim auf 6 Sgr. für die Person und Meile, einschließlich 30 Pf. Freigepäck, festgesetzt.
III Eine Aenderung im Gange erleiden: 1) die Personenpost zwischen Brühl und Euskirchen, welche aus Brühl täglich 11 Uhr Morgens und 3 Uhr 30 Minuten Nachmittags; aus Euskirchen tächlich 9 Uhr Morgens und 4 Uhr 45 Minuten Nachmitt. abgefertigt wird. In Brühl steht diese Post mit den Eisenbahnzügen in Verbindung. 2) Die Personenpost zwischen Euskirchen und Zülpich, welche aus Zülpich täglich 11 Uhr Morgens, zum Anschluß an die Personenpost von Losheim nach Köln; aus Euskirchen täglich 1 Uhr 45 Min: Nachmittags, nach Ankunft der um 11 Uhr Morgens von Brühl nach Euskirchen abgegangenen Post, abgefertigt wird. 3) Die Cariolpost zwischen Euskirchen und Flamersheim, welche aus Euskirchen tägiich um 9 Uhr 15 Min. Morgens, nach Ankunft der Personenpost von Köln nach Losheim; aus Flamersheim täglich um 11 Uhr 30 Min. Morgens, zum Anschluß an die Personenpost von Losheim nach Köln, abgefertigt wird. 4) Localpost zwischen Call und Wallenthal, welche aus Call tögjich 10 Uhr 15 Min. Morgens, aus Wallenthal täglich 11 Uhr Morgens, abgefertigt wird.
Bonn, 24. Jan. 1849.
Der Post-Inspektor Friedrich.
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Brodpreis der Stadt Köln.
Vom 28. bis zum 3. Febr. 1849.
Ein Schwarzbrod von 8 Pfd. soll kosten 4 Sgr. 5 Pf.
Köln, 28. Jan. 1849.
Der Polizei-Direktor, Geiger.
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Civilstand der Stadt Köln.
Den 22. Januar 1849.
Geburten.
Wilh, S. v. Joh. Fürth, Schneider, kl. Witschg. — Phil. Heinr., S. v. Gottfr. Sürth, Gärtner, Catharinengr. — Andr. Jos., S. v. Karl Teuscher, Sattler, Hoseng. — Margar., T. v. Friedr. Jos. Hoffmann, Schuhm., Mariengarteng, — Cathar., T. v. Jacob Ziesekoven, Maurer, Thieboldsg. — Agnes, T. v. Joh. Bonnenberg, Schiffer, an Lyskirchen.
Sterbefälle.
Joh. Pütz, Schreinerges., 29 J. alt, unverh., Severinstraße. — Gertr. Zündorf, 9 J. alt, Spulmannsg. — Cathar. Hamacher, geb. Pertz, 41 J. alt, Weingarteng.
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Bekanntmachung.
Das Projekt zum Ausbau des Hafens an der Rheinau ist nunmehr ausgearbeitet und durch den Druck vervielfältigt. Eine gründliche und vielseitige Beleuchtung dieses, für Handel, Schifffahrt und Gewerbe höchst wichtigen Gegenstandes kann der städtischen Verwaltung nur erwünscht sein. Um Jedem, welcher sich dafür interessirt, die Mittel zur Beurtheilung des Projektes an die Hand zu geben, wird auf dem Stadtbauamte, Rathhausplatz Nr. 9, der gedachte Plan, nebst der zugehörigen Denkschrift, den sich Meldenden täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage in der Mittagsstunde von 12 bis 1 Uhr unentgeldlich verabreicht werden.
Köln, den 26. Januar 1849.
Der kommiss. Ober-Bürgermeister, Graeff.
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45. Wahlbezirk.
Heute Nachmittag 3 Uhr Versammlung im Schwarzwald bei Herrn Hummelsheim, Streitzeuggasse, sämmtlicher Urwähler des Bezirks, wegen Besprechung des Protestes gegen den ersten Wahlakt.
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An den Steinmetz-Gesellen Herrn Schmid zu Berlin. Es liegt ein Brief für Sie auf der Post zu Berlin.
A. C. Moll.
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Bekanntmachung.
Das königl. Kadettenhaus zu Bensberg hat die Lieferung des Bedarfs an Feuerungs-Materialien pro 1849, bestehend in 26 Klafter buchen Knüppelholz,
4000 Scheffel Fettgries,
30000 Stück Reisigbündel,
an den Mindestfordernden zu übergeben, Kautionsfähige Unternehmer wollen ihre Offerten unter der Aufschrift: „Submission auf Brenn-Material“ bis zum 12. Februar c an den mitunterzeichneten Rendanten abgeben, bei welchem auch die Submissions-Bedingungen einzusehen sind. — Nach 12 Uhr Mittags an besagtem Tage noch eingehende Offerten müssen unberücksichtigt bleiben.
Bensberg, 22. Januar 1849.
Die Oekonomie-Kommission des Kadettenhauses:
v. Asmuth,
Hauptmann als Präses.
v. Leutsch,
Premier-Lieutenant.
Tulodziecki,
Rendant.
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Köln-Mindener Eisenbahn.
Dampfschiff zwischen Köln und Deutz.
Nachdem die hiesige Schiffbrücke wieder aufgefahren ist, werden von Samstag den 27. c. ab, die regelmäßigen Fahrten unseres Dampfschiffs zwischen dem Trankgassenthore und dem neuen Thore in Deutz von Morgens 7 Uhr bis Mittags 1 Uhr und von Nachmittags 2 Uhr bis Abends 6 Uhr, ununterbrochen Statt finden.
Zwanzig Minuten vor Abgang eines jeden Zuges fährt das Dampfschiff vom diesseitigen Ufer nach Deutz.
Köln, 25. Januar 1849.
Die Direktion.
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In Amsterdam liegen in Ladung nach Constantinopel via Malta: Allison, Cpt. Robson.
Syra u. Smyrna: Oscar, Cpt Tonnesen.
Triest: Geziena, Cpt. Deetjeu.
Neapel: Margherita: Cpt. Cafiero, neap. Flagge.
Livorno, Genua: Harmina Catharina, Cpt. Sissingh.
Marseille: Elisabeth Clara, Cpt. Barbe.
Lissabon: Porto: holländ. Schiffe.
Bordeaux: Trekvogel, Cpt. Lov[unleserlicher Text]us.
Petersburg: Elisabeth Johanna, Cpt. Ekens.
Riga, Riga: Cpt. Korter.
Königsberg: Christina, Cpt. Bekkering.
Danzig: Dieverdina, Cpt. Meints.
Stettin: Ulrica, Cpt. Bekkering.
Rostok, Kopenhagen, Hamburg, Bremen, viele Schiffe.
Californien: Acolus, Cpt. Slichtenbree.
Zur Beförderung von Gütern empfehlen sich Tholen et Cp. in Amsterdam.
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OSTENDER-AUSTERN- und HOMARDS-DEPOT für Deutschland, große Budengasse Nr. 1 in Köln.
In diesem Depot werden fortwährend sowohl in als außer demselben, die nachstehend verzeichneten Sorten Austern, zu den beigesetzten Preisen, so wie auch mehrere feine Seefisch- und Käse-Arten zu den beigesetzten Preisen verabreicht.
Kleine Austern Sgr. 25 p. 100
Mittel Austern Thlr. 1 1/4 p. 100
GROESSTE gemästete Austern Thlr. 2 p. 100
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Tübingen, 23. Februar 1849.
In Betreff des unter der Firma Goedel et Keller in Tübingen mit einer Faktorei zu Rheydt für Rechnung von mir und J. Goedel bestandenen Fabrik-Geschäfts bringe ich zur öffentlichen Kenntniß, daß ich von fernerem Betrieb für gemeinschaftliche Rechnung zurückgetreten bin.
W. Keller.
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VAN EETEN & Cmp. in Antwerpen.
Nachfolger des Herrn JULES VAN EETEN.
Bureau zur Beförderung Auswanderer nach Amerika.
Regelmässige Schifffahrt zwischen Antwerpen und New-York für Passagiere und Güter, durch schöne, gekupferte und kupferfeste gut seegelnde Dreimast-Schiffe, deren Namen zur Zeit werden angezeigt werden.
Die Abfahrten von Antwerpen sind auf den 1., 10. und 20. jeden Monats bestimmt, und nehmen vom 1 März 1849 Anfang.
Diese Gesellsehaft übernimmt den Transport der Auswanderer nach Amerika mit oder ohne Beköstigung für jede oben erwähnte Abfahrt während 1849, liefert Contrakte für alle Plätze im Inneren der Vereinigten Staaten per Eisenbahn und Dampfschiffe, und expedirt ebenfalls Schiffe nach Baltimore, New-Orleans, Galveston, Rio-Grande, Rio-Janeiro etc. und zwar unter den vortheilhaftesten Bedingungen u zu den billigst möglichsten Preisen.
Nähere Nachricht ertheilen auf frankirte Anfragen die Herren VAN EETEN et Comp. in Antwerpen, und alle Agenten dieser Gesellschaft in Deutschland.
Antwerpen, den 27. December 1848.
VAN EETEN et Comp.
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Ein Wirthschaftslokal, nahe am Rheine gelegen, worin seit 8 Jahren Wirthschaft mit gutem Erfolge betrieben wurde, kann mit oder ohne Möbeln übernommen werden. Näheres Altenmarkt Nr. 36.
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Sonntag den 28. Abends 7 1/2 Uhr Versammlung der Mitglieder des rosenfarbenen Blaumontagskränzchen und sämmtlicher Carnevals-Freunde in der Restauration von C. Hackhausen, Herzogstraße Nr. 4. Kappen und Lieder bittet man mitzubringen.
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Rosenfarbenes Blaumontags-Kränzchen.
Hochpforte Nro. 8 bei Herrn Lölgen. Montag den 22. Abends 7 1/[unleserlicher Text] Uhr.
5. General-Versammlung *). *) Nicht-Mitglieder haben Zutritt à 5 Sgr.
Hört mich, ihr treuen Unterthanen!
Was soll dies frevelnde Erkahnen? —
Wie? was muß von euch ich hören —
Gegen einen Engel wollt ihr protestören? —
Damals galt Protest, als der Kommandante
Befahl: „Abgebet rasch mir eure Flante!“
Was! — Durchfiel, ob er sich auch sträubte
Der Kanzler, der edle, der allbeleubte? —
Und auch Du Brutus; Du edle Gasse Spuhlmann,
Ließ fallen durch, den Busch als Wuhlmann? —
Oh!!! was hör' ich? nur ein einziger Schrei —
Gesiegt hat die Demokratei! —
Das ist euch süßer zwar als Honig;
Doch noch bin ich eu'r unumschränkter König!
Ich üb', wollt so den Bau ihr zimmern,
Das Jagdrecht bald an beiden Kimmern
Im Uebrigen verbleiben wir euch in Gnaden gewogen Hanswurst.
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Filial-Club Nr. III. des Arbeiter-Vereins.
Versammlung jeden Sonntag, Abends 8 Uhr, bei Herrn Herschel im Sternchen, an der Linde Nr. 17, gegenüber der Cunibert-Kirche.
Tagesordnung für Sonntag den 28. Januar: „Besprechung der bevorstehenden Wahlen und der octroyirten Verfassung“
Der provisorische Präsident, Carl Schapper.
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Heute Sonntag den 28. Januar: Große Harmonie u. Tanz bei Joh. Dickopf, im Eiser'schen Saale, Komödienstraße Nr. 34.
Anfang 4 Uhr.
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Börse bei Halin.
Heute Mittag Harmonie und Abends nach Beendigung des Comite's große karnevalistische National-Produktion der kölner „Concordia.“
Die Lieder der heutigen Sitzung werden Abends im Saale bei mir vertheilt.
J. H. Halin.
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Herr M. HUTTER hat die Ehre einem geehrten Publikum anzuzeigen, daß er mit seinem Monster Elephanten hier angekommen ist.
Dieser Elephant ist 73 Jahre alt, 12 Fuß hoch und 8200 Pfd. schwer. Es ist derselbige, welcher im verflossenen Jahre in den Champs Elisees dem Pariser Publikum gezeigt wurde und allgemeine Aufmerksamkeit erregte. Das Monster Thier ist zu sehen in der Bude vor St. Martin, nahe beim Gürzenich, von Morgens 10 bis Abends 7 1/2 Uhr. — Die Fütterung wird um 11, 2, 3, 4 und 5 Uhr stattfinden. Um 6 Uhr Haupt-Fütterung, wo man zugleich sehen kann, wie er 6 bis 8 Eimer Wasser verschlingt, und auf welche Weise er sich des Rüssels bedient um das Wasser zu sich zu nehmen. Um 7 Uhr letzte und große Fütterung.
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Theater. Sonntag den 28. Januar, Gastdarstellung des Herrn Balletmeisters Martin und der Frau Martin-Zimman, erste Tänzer vom königl. Theater zu Lissabon: Johann von Paris.
Komische Oper in 2 Aufzügen, Musik von Boieldieu.
Vorkommende Tänze.
Im zweiten Akte: Jaleo de Xèrés, arrangirt von Hrn. Martin getanzt von Demselben und Frau Martin-Zimman.
Musik von Donizetti.
Auf vielseitiges Verlangen: das Ballet aus der Oper: Robert der Teufel.
[unleserlicher Text]*** „Robert“ Herr Martin.
[unleserlicher Text]*** „Helene“ Frau Martin-Zimman.
Grande Bacc[unleserlicher Text]anale, ausgeführt von Frau Martin-Zimman, Fräulein Lina Gärtner und den Damen vom Chor.
Pas de la Fascination, Verführungstanz der Helene.
Nouveau Pas seul, ausgeführt von Frau Martin-Zimman, unter Mitwirkung der Fräul. Lina Gärtner und den Damen vom Chor.
Die eigens dazu componirte Musik ist vom Capellmeister Stiegemann in Hamburg.
Finale, ausgeführt von Frau Martin-Zimman, Frl. L. Gärtner und den Damen vom Chor.
@typeimprint
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W. Dietz, Unter Hutmacher Nr. 17.