[1135]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 207. Köln, Sonntag den 28. Januar. 1849.
Zweite Ausgabe.
Deutschland.
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Edition: [Karl Marx: Die Berliner „National-Zeitung“ an die Urwähler, vorgesehen für: MEGA2, I/8. ]
[ 068 ] Köln, 27. Jan.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
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[ 068 ] Köln, 27. Januar.
Gestern stellte sich wieder einer der September-Flüchtlinge, Friedrich Engels, Redakteur der „Neuen Rheinischen Zeitung“, vor den Instruktionsrichter. Es wurde nach kurzem Verhör die Erklärung erlassen, daß nichts gegen ihn vorliege. Dies zur Berichtigung einer kurzen Notiz in der „Düsseldorfer Zeitung.“
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[ * ] Köln, 27. Jan.
Ver einigen Tagen lief hier in der Stadt ein Bezirksfeldwebel mit einem gewaltigen Paket Briefe herum, die er an die Adressaten, lauter Reservisten und Landwehrmänner des 1. Aufgebots vertheilte. Als die Empfänger diese Briefe öffneten, fanden sie darin — den Neujahrswunsch Sr. Majestät des Königs an „Mein herrliches Kriegsheer, Linie und Landwehr!“ So agitirt die königl. preußische schwarz-weiße Kamarilla offiziell vermittelst der Landwehr-Bezirksfeldwebel am Vorabend der Wahlen. Ein Exemplar dieser gratis zugesandten Armeebefehle liegt in der Expedition dieser Zeitung zur beliebigen Ansicht bereit.
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[ 068 ] Köln, 27. Januar.
Der kommissarische Oberbürgemeister Hr. Gräff läßt uns mit lobenswerther Eile so eben folgende Antwort auf unsre gestrige Interpellation zukommen:
Auf die Anfrage in der neuen rheinischen Zeitung vom heutigen Tage unter der Rubrik „Köln, den 26. Januar“ bemerke ich, daß nach der amtlichen Aufstellung der hiesigen Kommandantur vom 11. d. Monats die Seelenzahl in der Dominikanerkaserne 1266 Seelen und 277 Urwähler beträgt, sohin die Wahl von 5 Wahlmännern ganz richtig ist. Die Angabe in der spätern Bekanntmachung, daß nur 3 Wahlmänner zu wählen, beruht auf einem Schreibfehler. Der betreffende Wahlkommissar hatte auch deshalb angefragt und war ihm das obige Sachverhältniß zum Bescheid geworden.
Köln, den 27. Januar 1849.
Der kommissarische Oberbürgermeister. Graeff.
An die Redaktion der neuen rheinischen Zeitung hier.
Hiernach wäre Hr. Gräff also bei der Sache unbetheiligt, und Herr Oberst Engels allein hätte sich noch zu rechtfertigen.
Wir erklären, daß wir die Mittheilung, in der Artillerie-Kaserne seien nur 830-850 Seelen domizilirt, aus sehr guter Quelle erhalten und erst nach wiederholt eingezogenen Erkundigungen aufgenommen haben. Wir können natürlich unsre Quelle nicht angeben, man begreift aus welchen Gründen. Wir fordern nun Hrn. Engels auf, den specifizirten Nachweis der Existenz obiger 1266 Kasernenbewohner zu liefern. Sollte Hr. Engels sich dazu nicht veranlaßt sehn, so dürfte die N. Rh. Ztg. in Kurzem vielleicht im Stande sein, den specifizirten Nachweis ihrer Behauptung zu liefern, soweit dies nämlich möglich ist bei dem Geheimniß, das Alles umhüllt was in einer preußischen Kaserne vorgeht.
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[ 113 ] Aus dem untern Kreise Solingen.
Auch von hier kann ich Ihnen die erfreuliche Mittheilung machen, daß die Demokratie bei den Wahlen den Sieg davon getragen hat, fast drei Viertel der Wahlmänner sind entschiedene Demokraten, und steht zu erwarten, daß wenn die Wahlen im obern Kreise Solingen so wie im Kreise Lennep nur in etwa gut ausgefallen sind, wir zur zweiten Kammer unsere Kandidaten zu Abgeordneten durchbringen werden.
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[ 070 ] Attendorn, 24. Januar.
Die Wahlen in unserer Stadt sind auf entschiedene Demokraten gefallen. Mit fast doppelter Majorität gingen alle sechs Wahlmänner aus der Wahlurne hervor. — Von den in den Landgemeinden des Amts Attendorn gewählten zwölf Wahlmännern gehören eilf der Demokratie an. In unserer Nachbarstadt Olpe hat die Demokratie ebenfalls den Sieg davon getragen. Die dort erwählten sieben Wahlmänner sind entschiedene Anhänger der Volkssache. Dem dortigen Piusvereine waren die Augen aufgegangen, und er hatte sich theilweise dem politischen Vereine angeschlossen. — In dem benachbarten Bilstein wurden 2 entschiedene Democraten gewählt. — Ueberhaupt ist der Sieg der Demokratie bei den Wahlen im Kreise Olpe außer allem Zweifel. Nur in einigen wenigen Gemeinden, wo noch gar keine politische Bildung zu finden, und die Männer des Geldes im Bunde mit der jüngern Geistlichkeit in ihrer Omnipotenz da stehen, sind die Wahlen im Sinne der Reaktion ausgefallen.
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[ 115 ] Dortmund, 25. Januar.
Das genauere Resultat unserer Wahlen ist folgendes: Unter 34 Wahlmännern sind 28 demokratische Kandidaten durchgesetzt. Das für Westphalen überraschende Resultat wurde durch die Theilnahme des Mittelstandes (avis à M. Brüggemann!) bei den Wahlen zu Wege gebracht, und diese Theilnahme war Folge der Fluth von Traktätlein (encore avis à M. Brüggemann) und des glorreichen Manteuffel'schen Regiments. In Iserlohn hat die Volkspartei unter 42 zu Wählenden 36 Wahlmänner durchgesetzt.
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[ 102 ] Trier, 24. Januar.
„Wie beim Gähren des Weines der Dreck anfangs oben schwimmt, allmählich aber von den edlen, aufquillenden Perlen verdrängt wird, um für immer am Boden zu liegen, so wird auch jetzt wohl bei den Wahlen der Dreck (das Volk) von den edlen Perlen (der Bourgeoisie) auf ewige Zeiten zu Boden geschleudert werden.“ Dies waren die Worte, womit Herr Druckenmüller, Direktor der hiesigen Bürgerschule, bei einer Heulerversammlung am 21. d. Mts. den „bevorstehenden“ Sieg der Herren Bourgeois (der Perlen) celebrirte. Hr. Druckenmüller, der Schreinerssohn, der sich in seiner natürlichen Bescheidenheit mit den edlen Perlen des Vereins vergleicht, scheint vergessen zu haben, wie er eben diesem sogenannten „Dreck“ entsprossen und wie seine nächsten Verwandten sich heute noch in den Dreckregionen bewegen. Jene klassischen Worte entzückten gewaltig die Herren Bourgeois; sie jubilirten und sangen und tranken des „perlenden“ Champagners bis in die späte Nacht hinein, zur Feier des zu erwartenden Sieges — der Perlen über den Dreck. Und jetzt möchten wir Hrn. Druckenmüller fragen, wer nun eigentlich als „Dreck“ zu bezeichnen sei? Die Demokratie trug den glänzendsten Sieg davon — trotz des Ausschlusses von 1100 demokratischen Wählern, worüber ich Ihnen in meinem Briefe vom 18. berichtete, und trotz aller sonstigen Manöver der edlen Heulerzunft. Von den 72 Wahlmännern, welche Trier mit den Vorstädten zu wählen hatte, trugen 71 Kandidaten der Demokratie den entschiedensten Sieg davon; nur ein einziger Heuler echappirte, dessen Wahl nebenbei noch, wegen gewisser unschuldiger Umtriebe, contestirt wird. Unsere Bevölkerung hat den Heulern, so wie den Pfaffen einen Schlag versetzt, den sie denn doch nicht erwarteten. — Bezeichnend für den Geist unseres Volkes sind ewige Zwischenfälle, die man bei den Wahlen zu beobachten Gelegenheit hatte. So war z. B. in einem Bezirke von den Demokraten ein einfacher Israelite als Kandidat aufgestellt, während die Pfaffen den durch die Bonner Professoren Gildemeister und Sybel bei Gelegenheit des „heiligen“ Rockes so sehr blamirten Professor des Seminars, [1136] Hrn. Marx, als ihren Kandidaten hinstellten. Allein der Jude siegte über den frommen, geistlichen Herren und der Himmel wollte durchaus mit keinem Mirakel zu Hülfe springen. In dem heiligen Trier ist Aehnliches noch nicht erhört worrden! — Aber die Herren Pfaffen, haben es diesmal erfahren müssen, daß sie das Volk nicht mehr vor sich haben, das vor 4 Jahren noch zu ihren Lappen wallfahrtete, mit den Worten: „o, heil'ger Rock, du elfenbeinerner Thurm, bitt' für uns!“
Auf dem Lande sind die Wahlen auch größtentheils im demokratischen Sinne ausgefallen, und ich glaube deshalb Ihnen bereits heute mit Bestimmtheit die Wahl der Herren Otto und Ludwig Simon für die zweite Kammer bezeichnen zu können. — Zum Schlusse kann ich nicht ermangeln, der hiesigen Turngemeinde besonders belobend zu erwähnen. Die Mitglieder derselben haben sich bei Gelegenheit der Wahlen ganz vorzugsweise durch rastlosen Eifer für die Sache der Demokratie ausgezeichnet, was denselben auf das dankendste anzuerkennen ist.
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[ 133 ] Aus Westphalen, 25. März.
In einer Mittheilung der Hauptverwaltung der Darlehnskassen d. d. Berlin, den 28. November 1848, an die Regierungspräsidien heißt es unter andern, wie folgt:
„Zur Richtschnur für die Kassenbeamten bemerken wir noch, daß die Darlehns-Kassenscheine à 5 Thlr. in 11 Serien unter 8000 Nummern in jeder Serie und von jeder Nummer 10 Exemplare, die Darlehns-Kassen-Scheine à 1 Thlr. aber in 13 Serien unter 10,000 Nummern in jeder Serie und von jeder Nummer 10 Exemplare ausgefertigt worden sind.“
Hieraus ergiebt sich, daß 880,000 Stück Darlehns-Kassen-Scheine à 5 Thlr. und 6,300,000 Stück à 1 Thlr. ausgefertigtworden sind, welche zusammen die Summe von 10,700,000 Thlr. repräsentiren.
Im § 2 des Gesetzes vom 15. April 1848 heißt es dagegen wörtlich:
„Der Gesammtbetrag der Darlehns-Kassen-Scheine soll zehn Millionen Thaler nicht überschreiten.“
Nach den seitherigen amtlichen Bekanntmachungen sind zwar bis jetzt nur pp. 7 Millionen Thaler Darlehns-Kassen-Scheine ausgegeben worden. Es wirft sich aber die Frage auf, weshalb sind für 700,000 Thlr. Darlehns-Kassen-Scheine mehr ausgefertigt worden, als nach dem oben allegirten Gesetze ausgegeben werden dürfen?
Und wenn auch bei der Ausgabe der Darlehns-Kassen-Scheine die Summe von 10 Millionen Thalern nicht überschritten werden sollte, so ist es doch — namentlich auch, um die Aechtheit der circulirenden Darlehns-Kassen-Scheine prüfen zu können — durchaus erforderlich, daß man diejenigen Nummern bekannt macht, welche nicht ausgegeben, sondern vernichtet werden.
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[ * ] Berlin, 25. Jan.
Es ist gut, an der Quelle zu schöpfen. Was die christlich-germanische Regierung des Königs von Preußen bis jetzt gethan, wissen wir; was sie fernerhin vor hat — da sie nicht auf einmal Alles vernichten kann —: Wer könnte besser darüber Aufschluß geben, als grade das bei Hof so angesehene Blatt: die „Galgenzeitung“, als das Organ eben jener Regierung? Es lohnt sich deshalb der Mühe, von Zeit zu Zeit jenes Blatt selbstredend einzuführen. Diesmal genüge folgende ihm wörtlich entlehnte Stelle:
„Der erste Punkt nun, den ich erwähnen wollte, ist in den letzten Jahren schon vielfach pro und contra besprochen worden: die Vereidung des Militärs auf die Verfassung. Die Forderung dieser Vereidigung ist offenbar in einer Zeit des Ringens vom Mißtrauen gefordert, von demselben Mißtrauen, das die Bürgerwehr ins Leben rief, von demselben Mißtrauen, das bis auf die Wurzel verschwunden sein muß, wenn wir anders einer erklecklichen Zukunft entgegen gehen wollen.
Von dem Einfluß der Vereidigung auf die Disziplin will ich nicht reden, da ich hier, wie gesagt, diesen Punkt nur in Anregung bringen möchte: jedenfalls wird durch eine solche Vereidigung ohne allen Zweck der Wühlerei eine neue Handhabe geboten.‥… Deshalb geht unsere Ansicht dahin, daß die Volksvertreter, daß das ganze Land in Betracht, daß an der bewährten Militärverfassung nicht gerüttelt werden darf, die Eidesleistung ablehnen, und daß die Regierung in Betracht der veränderten Zeitverhältnisse auf diesen Antrag eingehen möge.“
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München, 24. Januar.
In Folge der Thronrede und des partikularistischen Geistes, der in den Erklärungen der Regierung sich ausprägt, ist eine merkliche Verstärkung der Linken eingetreten. Schon gleich nach der Eröffnung gingen zehn Mitglieder des Centrums zur entschiedenen Opposition über, und gestern Nachmittag erfocht bei der Wahl der Adreß-Kommission die Linke einen vollkommenen Sieg.
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[ !!! ] Frankfurt, 26. Jan.
National-Versammlung. Tagesordnung: Berathung über den „Reichsrath“. — Simson präsidirt.
Wurm stellt im Namen des Petitions-Ausschusses den dringlichen Antrag, daß (besonders mit Rücksicht auf die Oberhauptsfrage) alle Ausschüsse der Versammlung Bericht erstatten, über die an sie gelangten Petitionen.
Die Versammlung erkennt die Dringlichkeit.
Waiz (Präsident des Verfassungs-Ausschusses) spricht gegen den Antrag. Es seien die vorliegenden Berathungen wichtiger als die Petitionen. Soll heißen:
Die Stimme des Volks (durch die Petitionen) ist unwichtig gegen den vorliegenden Professorenquatsch.
(Dem Verfassungs-Ausschuß sind über 3000 Petitionen zugegangen.)
Eisenstuck, Goltz aus Brieg und Lette sprechen für den Antrag.
Der Antrag des Petitions-Ausschusses wird angenommen. Rechte und rechtes Centrum blieben sitzen.
Diskussion über den „Reichsrath.“
Schütz aus Mainz: Dies neue Institut sei nur geschaffen, um das monarchische Prinzip an die Stelle des demokratischen in die Verfassung zu bringen. Schon durch den angenommenen Artikel vom Reichsoberhaupt, sei demselben wahrhaftig Stärke genug gegeben, man brauche nicht noch einen „Reichsrath“ beizufügen, der zwar im Entwurf sehr unschuldig aussieht, aber doch nur dazu dasein kann, ein Collegium für fürstliche Interessen und Zwecke zu werden, als Wall gegen die Demokratie, die doch jetzt augenscheinlich unaufhaltsam Deutschland durchströmt. (Die neuen preußischen Wahlen sind allerdings ein exemplum ad oculos.) Sie werden durch Ihr Oktroyiren des monarchischen Prinzips in Deutschland denselben Kampf hervorrufen, der auch in andern Ländern durchgekämpft wurde. Brutus-Bassermann habe Frankreich im Vergleich zu den konstitutionellen Ländern deshalb tiefer gestellt, weil es seit 1789 an 23 Regierungen gehabt hat — aber er habe ganz vergessen zu sagen, daß eben des Constitutionalismus wegen, Frankreich so viele und doch noch keine genügende Verfassung gehabt. Dagegen lobposaune Herr Bassermann für England! — England sei gar keine konstitutionelle Monarchie; es sei die freiste Entwickelung der Aristokratie. Wenn die Chartisten im Unterhaus festen Boden gefaßt haben werden, dann erst wird die Demokratie die Verfassung Englands durchdringen und es mit Deutschland zu vergleichen sein. (Rechts zur Sache! Links: Ruhe!)
Die Partei des edlen Brutus will sich nicht überzeugen, daß Schütz bei der Sache ist. — „Nur die breiteste Entfaltung des demokratischen Prinzips in der Verfassung könne den gewaltsamen Zusammenstoß in Deutschland verhüten“, damit schließt Schütz. (Beifall.)
Jahn spricht Unsinn für den „Reichsrath“ („Der Maaßmann hat sich jüngst gekämmt, wie deutsche Blätter melden.“)
Buß (Ultramontan) für Beseitigung des ganzen Artikels „vom Reichsrath.“ Er macht heut keine Späße, folglich ist er sehr langweilig.
Welker für den Reichsrath Er sieht darin eine Rettung seines Abgotts des fast einstimmig verworfenen Direktoriums. — Heute ist er wieder ganz der alte Welker. — Er poltert für die Fürsten.
Die allgemeine Debatte wird geschlossen und der langweilige
Beseler empfiehlt noch zum Ueberfluß den Reichsrath. Schüler von Jena (für die Minorität) spricht kräftig und scharf gegen das Institut. Die Minorität des Verfassungsausschusses: H. Simon, Wigard, Reh, Schüler etc. stellen den präjudiziellen Antrag: „Die N.-V. möge beschließen, den von der Majorität des Verfassungsausschusses in 6 Paragraphen vorgeschlagenen Entwurf vom „Reichsrath“ in die Verfassung nicht aufzunehmen.“ Wird in namentlicher Abstimmung mit 211 Stimmen gegen 200 verworfen. (Also 11 Stimmen Majorität für den Reichsrath!!!) Nach diesem glorreichen Siege der Kaiserlichen geht man zu dem Dahlmann-Beseler'schen Reichsrath selbst. (Also für Deutschland ein Kaiser, ein Reichsrath, ein Staatenhaus, ein Volkshaus, — es fehlt nur noch ein Reichsabtritt. —)
Der Reichsrath.
Artikel I. §. 1.
Der Reichsrath besteht aus Bevollmächtigten der deutschen Staaten (sehr zweifelhaft angenommen.) Jeder im Staatenhaus vertretene Staat oder Staatenverband ernennt dazu ein Mitglied (mit 220 gegen 175 Stimmen verworfen. Links Beifall!) Das Minor.-Erachten an Stelle des verworfenen Satzes: „Preußen, Oestreich, Baiern, Sachsen, Hannover, Würtemberg und Baden ernennen je ein Mitglied, das achte die drei Hessen, das neunte Nassau, Luxemburg, Limburg und Braunschweig, das zehnte Schleswig-Holstein, Lauenburg, beide Meklenburg und Oldenburg, das eilfte die Thüringschen Fürstenthümer, Anhalt, die beiden Lippe, Waldek, Hohenzollern, Lichtenstein, das zwölfte die vier freien Städte — (wird mit 206 Stimmen gegen 204 verworfen. Links Gelächter und Bravo!) —
„Die Ernennung der Mitglieder des Reichsraths geschieht durch die Regierungen der betreffenden Staaten und Staatenverbände.“ (Dieser Satz war offenbar verworfen. — Simson, in gewohnter Parteilichkeit, erklärt ohne Umstände den Satz für angenommen. Links heftiger Tumult und Unwillen. Statt post festum Skandal zu machen, sollten die ganz matten und gleichgültigen Mitglieder der Linken bei so zweifelhaften Majoritäten als der jetzigen stets auf namentliche Abstimmung dringen).
§. 2.
Der Reichsrath bildet ein begutachtendes Collegium. Derselbe tritt am Sitz der Reichsregierung zusammen. Den Vorsitz im Reichsrathe führt der Bevollmächtigte des größten deutschen Staates, dessen Regent nicht das Reichsoberhaupt ist.
§. 3.
Die Beschlüsse des Reichsraths werden durch Stimmenmehrheit gefaßt. —
§. 4.
Die Reichsminister sind berechtigt den Sitzungen des Reichsrathes beizuwohnen oder sich in denselben durch Commissarien vertreten zu lassen. —
§. 5.
Dem Reichsrath sind die Gesetzentwürfe, welche die Reichsregierung bei dem Reichstage einbringen will, zur Begutachtung vorzulegen. — Der Reichsrath hat sein Gutachten binnen einer jedesmal von der Reichsregierung zu bestimmenden Frist zu erstatten. Wird diese Frist nicht eingehalten, so ist die Reichsregierung hierdurch an dem Einbringen des Gesetzentwurfs bei dem Reichstag nicht behindert.
§. 6.
Die Reichsregierung ist befugt in allen Fällen, in welchen es ihr angemessen erscheint, das Gutachten des Reichsrathes einzuziehen. — (Somit ist der Reichsrath zusammengearbeitet. Alle 6 §§. wurden so zweifelhaft angenommen, daß man sagen kann. Hr. Simson hat den Reichsrath oktroyirt.)
Simon von Trier stellt den dringlichen Antrag: die Nationalversammlung verfügt die Aufhebung der Haft gegen Temme und beauftragt das Reichsministerium mit der schleunigen Ausführung dieses Beschlusses. —
Die Dringlichkeit des Antrags wird zur Noth anerkannt. Die ganze Rechte und das rechte Centrum blieben sitzen. Simon spricht für seinen Antrag. Bassermann dagegen. Beseler beantragt Tagesordnung. Vogt für den Simon'schen Antrag. Mohl (Justizminister) dagegen, schlägt vor, „eine dringende Aufforderung zur Einsendung der Wahlakten des p. Temme an die preuß. Regierung ergehen zu lassen.“ Beseler's Tagesordnung wird verworfen, eben so Ludwig Simon's Antrag. Des Justizministers Qualm wird angenommen. — Schluß 3 Uhr. Nächste Sitzung Montag.
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@facs1136
Prag, 23. Jan.
Die hiesige Nationalgarde hatte vor den Oktobertagen Wiens 6000 Stück Aerarialgewehre zur Bewaffnung erhalten; jetzt verlangt das Generalkommando in höherm Auftrage die Bezahlung von 36,000 Fl. C.-M. dafür, oder die sogleich zu erfolgende Rückerstattung derselben in die Zeughäuser. Man weiß recht gut, daß die Finanzen der Stadt so zerrüttet sind, daß an eine Zahlung nicht zu denken ist; muß nun die Rückgabe der Gewehre erfolgen, so ist unsere Garde entwaffnet, ohne Grund zum Protest zu haben.
Italien.
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@facs1136
Rom, 19. Jan.
Obristlieutenant D. Sforza Cesarini ist von der Bürgerwehr zu ihrem General gewählt worden. Die provisorische Regierung hat eine Proklamation erlassen, worin sie allen Völkern Italiens die Zusammenberufung einer römischen Nationalversammlung ankündet. Dieses Aktenstück ruft gleichen Enthusiasmus auch außerhalb Rom's hervor.
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@facs1136
[ 068 ]
Die Oestreicher fangen an unruhig über ihre Stellung in der Lombardei zu werden. Welden soll, nach der Concordia, an Radetzki geschrieben haben: er möge sich Venedigs um jeden Preis bemächtigen, da sonst kein Ende der unlösbarsten Verwicklungen abzusehen sei. Radetzki ist von Mailand abgereist um am Oglio, Andere sagen bei Piacenza, ein verschanztes Lager aufzuwerfen.
Dasselbe Blatt theilt mit: Radetzki, der wieder ohne Geld sei, stehe im Begriff eine neue Brandschatzung von 8 Mill. Franken auszuschreiben, was die von der Lombardei seit August bezahlt, außerordentliche Steuern auf 58 Mill. bringen würde.
Inzwischen fürchten die Oesterreicher jeden Tag einen Ausbruch. In Padua, wo man vor einem Ausfall der Venetianer in Angst ist, sind telegraphische Signale, von Soldaten bewacht, längs der Eisenbahn angebracht. Am 8. hat man die Truppen den Eid erneuern lassen. Die 400 Ungarn, die in der Garnison sind, werden ununterbrochen bewacht.
In Bassano hat zwischen den k. k. Truppen und den Konstribirten ein blutiger Kampf stattgefunden, den erst neue Verstärkungen unterdrücken konnten. Zur Strafe wurden dem Bezirk 30,000 Fr. Buße auferlegt. Werden sie nicht zur bestimmten Zeit gezahlt, so kommen für jede Stunde noch 200 Fr. Zinsen dazu.
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@facs1136
[ ** ] Neapel, 16. Jan.
Die Regierung hat zwar die Unterdrückung mehrerer Journale, namentlich des „Independente“ und des „Telegrafo“, durchzusetzen gewußt, kann aber immer noch nicht das Erscheinen neuer, in dem nämlichen, ja in einem schärferen Oppositionsgeiste geschriebenen Blätter verhindern. So ist an die Stelle der obengedachten Journale „La Giovine Italia“ getreten, deren Titel allein schon der Regierungspartei Kolikanfälle verursacht haben würde und der Inhalt noch mehr. Auf diese Weise zieht sich der Krieg gegen die Presse in die Länge. Das Kriminalgericht hat den Muth und die Ehrenhaftigkeit bewiesen — warum läßt der Scharfrichter Ferdinand nicht gewisse preußische Gerichte kommen, die, wie die neuesten Vorfälle zeigen, vortrefflich zu ihm passen würden? —, das gerichtliche Verfahren gegen den „Independente“ entschieden abzulehnen. In Betreff des „Telegrafo“ schwebt die Untersuchung noch, wird aber wahrscheinlich eben so ausfallen. Zur Eröffnung der Kammern am 1. Februar werden schon jetzt Vorbereitungen getroffen.
Französische Republik.
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@facs1136
[ 068 ] Paris, 25. Jan.
Der „Revue des deux Mondes“ wird aus guter Quelle mitgetheilt, daß Metternich auf die Nachricht vom Gelingen der Februarrevolution den Franzosen das linke Rheinufer angeboten hatte, um sie dadurch von der Intervention zu Gunsten der Lombardei abzuhalten.
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@facs1136
Paris, 26. Jan.
Im Lot-Departement sind Bauernaufstände ausgebrochen. Das dortige Echo berichtet darüber:
„Seit einigen Tagen gibt sich in den Dörfern, welche um Gourdon liegen, eine große Gährung kund; die Bauern wollen die 45 Centimensteuer nicht zahlen; andere wollen überhaupt keine Steuern mehr zahlen und der Präfekt jenes Departements schickte zur Unterstützung der Steuereinnehmer ein Bataillon dahin ab. Er glaubte dadurch einer Revolte vorzubeugen. Aber das Gegentheil ist eingetroffen. In Nozac, Rouffillac, Payrac und Lamothe Fénelon wurde in der Nacht vom 19. Sturm geläutet und etwa fünftausend Bauern, mit Sensen, Hacken, Flinten, Mistgabeln und Stöcken bewaffnet, zogen nach Gourdon, wo der Sitz der Unter-Präfektur ist. Trotzdem das Militär und sieben gegen sie anrückende Gensd'armerie-Abtheilungen sie am Einzuge in die Stadt hindern wollten, waren die Bauern doch bald Herren derselben. Ohne zu rauben und zu plündern, wie es die Stadtbewohner befürchtet, begab sich ein Ausschuß der empörten Bauern in das Präfekturgebäude, wo er den Unterpräfekten, Bürger Martine, vorfand. Sie erklärten ihm, daß sie die Steuer verweigerten und übergaben ihm einen Bogen Papier, worauf diese Erklärung in Form einer Petition an die Nationalversammlung gerichtet war. Er solle zuerst unterschreiben, riefen die Bauern auf dem Platze vor dem Präfekturgebäude und da Martine mehrere Gründe vorschob, so verloren einige der Untenstehenden die Geduld und warfen einige Steine in die Fenster; auch ein Schuß fiel aus der Menge gegen die Truppen, doch hatte ihr Oberoffizier Verstand genug, das Feuer nicht zu erwidern. Bis zum 21. lief daher die Sache ohne Schlacht ab, weil die Bauern die Antwort von der obersten Behörde abwarten wollen. Aber, setzt das „Echo“ hinzu, der Unterpräfekt erhielt einen Hieb auf den Kopf, ferner wurden zwei Soldaten und mehrere Gensdarmen verwundet.“
— Der Minister des Innern, Hr. Leon Faucher, hat heute der Nationalversammlung das Gesetz gegen die Klubs vorgelegt. Alle Klubs sollen geschlossen werden. (!)
— Das Kabinet hält den Ausbruch eines Volkssturms in Paris so nahe, daß es alle Truppen in den Casernen consigntrt und starhe Patronenvorräthe organisirt. Auch mag folgendes Rundschreiben im Moniteur als Beweis dienen:
„Paris, 25. Januar. Mehrere Präfekte haben geglaubt, ihren Posten verlassen und sich nach Paris begeben zu dürfen ohne vorher beim Minister anzufragen. Ich kann ein solches Desertiren in einem Augenblick umsoweniger dulden, wo die Erfüllung der amtlichen Pflichten dringender ist als sonst. Ich benachrichtige daher, daß jeder Präfekt und Unterpräfekt welcher seinen Posten ohne vorherigen Urlaub verläßt, als Demissionär betrachtet wird. Empfangen Sie den Ausdruck meiner Hochachtung
(gez.) Leon Faucher, Minister des Innern.
— Aus Toulon vom 21. Januar erfährt man, daß 1500 Mann auf dem Christoph Columbus — nach Afrika (Algier) eingeschifft worden sind. Vom Papst ist keine Rede.
— Die Mitglieder des Berges, unterrichtet von der Absicht der Minister, alle Klubs zu schließen, sollen den Plan haben in allen volkreichen Vierteln von Paris Klubs zu eröffnen und sie mit ihrer Unverletzlichkeit zu decken.
— Im Corrège-Departement cirkulirt eine Petition um Wiedereintreibung der den Emigrirten unter der Restauration bewilligten Milliarde. Dieser sehr gescheute Einfall findet viel Anklang.
— Nationalversammlung. Sitzung v. 26. Jan. Anfang 2 1/2 Uhr. Präsident Marrast.
Nach Ueberreichung von Petitionen für und gegen Auflösung der Nat.-Vers. und andern interesselosen Geschäften, besteigt Leon Faucher, Minister des Innern, die Bühne und verliest einen Gesetzentwurf gegen die Klubs. Darin heißt es:
1) Die Klubs sind untersagt.
2) In Contraventionsfällen trifft die Zuwiderhandelnden eine Strafe von 100 bis 500 Fr.
3) Jeden, der sein Lokal leiht, trifft dieselbe Strafe.
4) Das Gesetz vom 28. Juli 1848 ist abgeschafft.
Der Minister verlangt Dringlichkeit.
Man begreift, daß der Minister hauptsächtlich in Bezug auf die Lage von Paris die Dringlichkeit verlangte. Sobald der Minister ausgesprochen, eilt Gent auf die Bühne und protestirt mit großer Heftigkeit gegen diesen Vorschlag eines Verfassungsbruchs. Marrast ruft ihn zur Ordnung und die Versammlung spricht die Dringlichkeit aus. Auf Marrast's Vorschlag wird Berichterstattung und Debatte auf morgen festgesetzt.
Die Versammlung kehrt hierauf zum 5. Titel der Staatsrathsorganisation zurück.
Die Artikel 30 bis 50 (von den Prozedurformen handelnd) gehen durch.
Die Debatte wird beim Artikel 50 des Entwurfs abgebrochen und die Sitzung um 6 1/4 Uhr geschlossen.
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@facs1136
[ 068 ] Perpignan, 18. Jan.
Concha ist krank; Villalonga wird ihn ersetzen. Herrlicher Stellvertreter! Die Diligence von Perpignan ist seit drei Tagen genöthigt, in Perthus zu halten, welches an den äußersten Gränzen liegt. Figueras ist blokirt von den Truppen Cabreras; die Blokade besteht darin, daß die „Matines“ Patrouillen machen um die Stadt, und die Einwohner bis unter den Kanonen des Platzes wegrauben. Die „Matines“ haben zur Bedingung gestellt, daß Figueras und Gerona Contributionen zahlen.
Schweiz.
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@facs1136
Neuenburg, 23. Jan.
Ueber die gestern gemeldete Royalisten-Demonstration wird der „Berner Ztg.“ Nachstehendes berichtet: In Ausführung des freisinnigen neuen Gesetzes über die Wahl der Geistlichen hat der Staatsrath die Wiederbesetzung sämmtlicher Pfarrstellen angeordnet. In der Stadt siegten die Konservativen, resp. die Royalisten. Mit Sang und Klang, geschaart um ihre Fahnen, durchzogen sie gestern die Stadt, und unter dem wiederholten Rufe: „Es lebe der König von Preußen! Nieder mit der Schweiz!“ gelangten sie vor das Schloß, welches Regierungslokal ist. Was sie da wollten, bewies der Inhalt ihres Gebrülls, der in Verbindung gesetzt werden muß mit bereits längst umlaufenden Gerüchten von Putschversuchen, von denen die Regierung Kenntniß hatte. Hr. Staatsrath Steck trat vor die preußischen Ruhestörer hin und forderte sie auf, auseinander zu gehen. Die Antwort waren schwere Mißhandlungen dieses geachteten Magistraten. Inzwischen war die Bürgerwache aufgeboten worden, und ihrem Sinn für Ordnung und ihrer Energie gelang es bald, in Gemeinschaft mit dem von allen Seiten massenhaft herbeieilenden Zuzug, die Wühler zu zerstreuen. In Folge dieses frechen Attentats auf die jetzige freisinnige Ordnung der Dinge sind mehrere der unverbesserlichsten Royalisten, wie Chambrier und Calame, an den Schatten gebracht worden.
Großbritannien.
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@facs1136
[ * ] London, 26. Jan.
Der beste Beweis, daß uns bald wieder eine europäische Revolution bevorsteht, liegt in der gränzenlosen Sicherheit und dem steigenden Uebermuth der hohen Finanz. Das Vertrauen kehrt allmählig wieder, namentlich in England.
Die Consols standen im Januar und Februar 89-89 1/2; nach der Februarrevolution 84; Ende März 80. Jetzt stehen sie 91, also höher als vor dem Februar. So sicher glaubt sich die engl. hohe Bourgeoisie. Aber je sicherer steist, desto näher ihr Sturz!
[1137]
Portugal.
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@facs1137
[ 068 ] Lissabon, 19. Jan.
In den Cortes dauert die Debatte über die Antwortsadresse fort; sie wird wohl an 10-11 Sitzungen wegnehmen. Die Silva Cabral-Partei hat bei dieser Gelegenheit die wüthendsten Angriffe gegen das jetzige Kabinet unternommen. Eine Hauptrolle bei dieser Attake spielt der Herzog Cunha Sotomayor, der sich früher als wüthender Septembrist gebehrdete, im Grunde seines Herzens aber Miguelist ist. Dieser Herr machte es selbst dem Präsidenten zu arg, der ihn zur Ordnung rief und da der Herzog nicht parirte, ihn „das Maul halten“ (cale se!) hieß und ihm das Lachen verbot. Doch der Herzog erklärte, daß er reden und lachen werde, so viel ihm beliebe.
Auf diesen folgte Silva Cabral, der in einer 4 Stunden langen Rede dem Ministerium eine Unmasse Thatsachen über schlechte Verwaltung, Verschleuderung etc. vorwarf und nachwies, gerade wie man sie seinem Bruder nachgewiesen hatte. Silva Cabral kannte das um so besser, als er selbst unter seinem Bruder dasselbe und viel Schlimmeres gethan. Hier, wenn irgendwo, paßte das Sprichwort: „Niemand sucht einen Andern hinter der Thür etc.“
Bei der schrecklichen Finanznoth wollte Saldanha die „Sete Casa[unleserlicher Text]“ — die Akzisegefälle von Lissabon — unter sehr verführerischen, für die Staatskasse höchst nachtheiligen Bedingungen verpachten, um nur baares Geld zu bekommen. Doch der Finanzminister opponirte; eine solche Verantwortlichkeit wagte er nicht, auf sich zu nehmen. Er wurde gleichwohl von seinen Kollegen zum Nachgeben bestimmt, allein die Sache fand in der Presse so heftigen Widerstand und zugleich war in den Cortes eine so starke Opposition zu erwarten, daß die Verpachtung rückgängig gemacht wurde. Jetzt unterhandelt das Ministerium mit der Bank von Lissabon über eine Anleihe von 540 Contos. Es ist mehr als zweifelhaft, ob die Bank darauf eingehen wird. Der Finanzzustand in diesem Lande ist unheilbar. Lange kann's und wird's nicht mehr so fortgehen. Die Unzufriedenheit ist fast allgemein im Lande und dieses Jahr wird nicht vorübergehen, ohne eine neue Revolution.
Neueste Nachrichten.
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[ * ] Köln, 27. Jan.
Aus den heute weiter eingegangenen Wahlberichten heben wir Folgendes hervor:
Hückeswagen hatte 12 Wahlmänner zu bestellen; von diesen hat der dasige „Arbeiter-Verein“ acht, die Gegenpartei den Rest durchgesetzt. Gleiches Verhältniß in Wipperfürth und Lennep.
In Neuvorpommern hat nächst Greifswald (das, wie schon berichtet, unter 58 Wahlmännern 47 demokratische zählt) Stralsund am entschiedensten gewählt. Unter seinen 72 Wahlmännern gehören 48 zur demokratischen Opposition. Bergen (Insel Rügen) hat lauter demokratische Wahlmänner ernannt.
Aus der Mark Brandenburg lauten die Wahlen, was das platte Land anbetrifft, nichts weniger, als günstig. Dort haben die Preußenvereine so recht con amore wirken können. Doch würde man irren, glaubte man, daß dort blos reaktionäre Wahlen stattgefunden. Es ergiebt sich vielmehr eine so ansehnliche Minorität von demokratischen Wahlen, daß ihr nur wenig fehlt, um Majorität zu sein. In Pritzwalk brachte der Preußenverein keinen einzigen Kandidaten durch, der demokratisch-konstitutionelle Klub dagegen sämmtliche 18. Perleberg wählte unter 24 Wahlmännern 17 demokratische. Fast das nämliche Verhältniß ergab sich für Havelberg und Gardelegen. In Fürstenwalde 18 Demokraten, 2 Konservative.
Aus der Provinz Preußen sind im Ganzen noch wenig Mittheilungen eingegangen. In Danzig ist die Majorität reaktionär (fast wie in Elbing); in Königsberg überwiegend liberal ausgefallen. In der Stadt Posen haben die Reaktionäre keineswegs einen solchen Sieg erfochten, wie gestern gemeldet wurde.
Die aus Schlesien heut angelangten, ziemlich spärlichen Berichte lauten überwiegend zu Gunsten der Demokratie.
[Redakteur en chef Karl Marx. ]
Handelsnachrichten.
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Meteorologische Beobachtungen.
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Die Zeitung für Norddeutschland (früher Bremer Zeitung), welche seit ihrer Uebersiedelung nach Hannover ihren Leserkreis bedeutend erweitert hat, wird die Verhandlungen des hannoverschen Landtags ihren Lesern sofort und in genügender Ausführlichkeit mittheilen. Der zum 1. Februar einberufene Landtag wird sowohl durch die Festsetzung der Stellung Hannovers in Deutschland, als auch durch die inneren Reformen des Landes eine allgemeine und ungewöhnliche Bedeutung erlangen. Wir eröffnen daher für die Monate Februar und März ein besonderes Abonnement auf die „Zeitung für Norddeutschland.“ zu dem wir Alle einladen, denen die Ausbildung der Volksfreiheit und die Begründung eines starken deutschen Bundesstaates am Herzen liegt.
Die Zeitung erscheint täglich 2 Mal, mit Ausnahme von Sonntag Mittag und Montag Morgen; das Hauptblatt, welches alle bis Abends 10 Uhr hier eingehenden Nachrichten und somit auch die Landtagsverhandlungen enthält, wird mit den von 5 Uhr Morgens, die 2. Ausgabe mit den von 3 Uhr 20 Minuten Nachmittags an abgehenden Bahnzügen und Posten versandt.
Der Preis für diese 2 Monate ist gleichmäßig bei allen Postämtern des Königreichs 1 Thlr. 4 Sgr.
Bestellungen bitten wir schleunigst dem zunächst gelegenen Postamte zu übergeben.
Hannover, im Januar 1849.
Expedition der „Zeitung für Norddeutschland.“
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Central-Verein für Auswanderer.
Am 1, und 15. eines jeden Monats, mit März beginnend, expediren wir von Bremen ab, vorzügliche, gekupferte Dreimast-Schiffe erster Klasse nach New-York, Baltimore, Galveston in Texas, und New-Orleans, ferner nach
Philadelphia von 6 zu 6 Wochen,
Quebeck in Canada am 15. April,
San Francesco in Californien am 15. und 20. März.
Port Adelaide in Südaustralien im April und Mai.
Wir übernehmen die Beförderung der Auswanderer zu festen Preisen von hier ab bis zum Bestimmungsinclusive der Fahrt bis Bremen, der Schiffsbeköstigung und des Kopfgeldes, so wie einer festen Versicherungssumme für die Effekten und das Passagegeld.
Die näheren Bedingungen enthält der Prospectus, welcher bei uns und unsern Agenten unentgeldlich entgegen zu nehmen ist.
Köln und Düsseldorf, im Januar 1849.
Der Central-Verein für Auswanderung.
Joh. Ad. Roeder. Chr. Fremery. L. Spiegelthal.
Geschäftslokal in Köln, Friedrich-Wilhelmstraße Nro. 6-8.
Geschäftslokal in Düsseldorf, Hochstraße Nro. 911.
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Das große Kleider-Magazin von L. Emanuel befindet sich jetzt Oben-Marspforte Nro. 5.
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Mailuft in Deutz.
Heute Sonntag zur Feier der Wiedereröffnung der so lange unterbrochenen Verbindung zwischen Köln und Deutz freie Harmonie (im großen Gartensaale). Anfang um 2 Uhr, wobei außer guten Weinen, Kaffe etc. ein vorzügliches baierisches Felsenbier verabreicht wird. Abends großer Maskenball unter Leitung des Tanzlehrers Herrn Gerstel. Jeder Herr und jede Maske muß, um auf den Ball eingelassen zu werden, mit einer Karte versehen sein, welche gratis zu haben sind bei Herrn Gerstel Poststraße Nr. 41, Herrn Hackhausen Herzogstraße Nr. 4, Herrn Halin in der Börse und im Ball-Lokale. An der Kassa werden 5 Sgr. für die Musik erhoben. Unmaskirte Damen sind frei. Anfang um 7 Uhr.
Die Direktion.
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Deutsches Kaffeehaus.
Heute Sonntag den 28. Januar 1849 Große Karnevalistische ABEND-UNTERHALTUNG und Damensitzung.
Anfang 8 Uhr.
Programm.
  • 1) Marsch.
  • 2) Lied Nr. 12: „Anliegen vun kölsche Mädcher an dä Hanswoosch.“
  • 3) Hexen-Galopp.
  • 4) Lied Nr. 13: „Immer vorwärts.“
  • 5) 2tes Narrenlied ohne Text.
  • 6) Lied Nr. 14: „Hanswurst vertheilt“
  • 7) Faschings-Walzer.
  • 8) Lied Nr. 15: „Der letzte Narr.“
  • 9) Hanswurstliche Ouverture.
  • 10) Marsch.
  • 11) Fortgesetzte Lust u. s. w.
Entrée 5 Sgr. — Damen frei.
Franz Stollwerck.
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Stollwerck'scher Saal.
Mittwoch den 31. Januar 1849 findet der zweite Grosse Masken-Ball unter Leitung des Herrn Franken Sohn Statt.
Franz Stollwerck.
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Bekanntmachung.
Die diesjährige Heberolle der Beiträge für die bei der Rheinischen Provinzial-Feuer-Societät versicherten Gebäude der Stadt Köln, ist heute dem Steuer-Einnehmer Herrn de Berghes zugestellt worden. Die betreffenden Hausbesitzer werden demnach hiermit veranlaßt, ihre resp. Beiträge innerhalb der im §. 29 des Reglements vom 5. Januar 1836 festgesetzten Frist von 8 Wochen an den genannten Empfänger einzuzahlen.
Köln, den 24. Januar 1849.
Das kön. Oberbürgermeister-Amt, Justizrath Schenk.
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Das neu hergestellte und auf's Eleganteste, im ersten Stock mit einem Divan und 3 Billards versehene Café Suisse, dem Theater de la Monnaie gegenüber, empfiehlt der Eigenthümer desselben um so mehr allen resp. deutschen Reisenden, da in demselben außer den französischen, englischen, belgischen und holländischen Journalen, auch noch folgende deutsche Blatter, in keinem sonstigen hiesigen Kaffehause vorräthig, zu finden sind:
Die Neue Rheinische Zeitung.
Weser Zeitung.
Zeitungs-Halle.
Frankfurter Journal und
Kladderadatsch.
Brüssel, 23. Januar 1849.
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Die Wahlmänner des Landkreises Köln und Mülheim, welche sich zur echten demokratischen Partei bekennen, werden hiermit zu einer Vorberathung Behufs Wahl der Abgeordneten, am 2. Februar c., Morgens 10 Uhr, bei Hrn. Johnen zum dicken Thomas, Glockengasse Nro. 39 in Köln, eingeladen.
Der Ausschuß der am 27. Januar in der Vorberathung zugegen gewesenen demokratischen Wahlmänner.
Coßman und Schaaff von Frechen.
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Honnef bei Königswinter, 26. Januar. Wie wir hören, hatte es der bei uns sich ansäßig gemachte pensionirte Oberstlieutenant v. S…… übernommen, den Saamen des Absolutismus nochmals auszustreuen, um das Kanonenministerium zu retten. Mittel zum Zweck war die Vertheilung eines Packes, der, von der Camarilla fabrizirten Schmutz-, Lug- und Trugblätter unter die Schuljugend, resp. deren Angehörigen Urwähler. Dieses saubere Blättchen trägt die Ueberschrift: „Was haben die Demokraten Euch versprochen, und was haben sie gehalten?“ und ergötzt sich dann in fortwährendem Schimpfen und Lügen über die sogenannten Demokraten, indem es alle, durch die Camarilla, den Adel, die pensionirten und anderen Beamten herbeigeführten contrerevolutionären Streiche, der Democratie zur Last wirft. Der pensionirte Zettelträger ist jedoch mit seinem Plane an dem gesunden Sinne unserer Bewohner gescheitert, indem dieselben sehr wohl wissen, daß Demokratie nichts anderes heißt, als Volkswohl, oder Enthebung der allzugroßen Staatslasten und nicht Vergeudung der vom Volke bezogenen Steuern. Es gingen aus der Wahlurne hervor, Wahlmänner der Demokratie. Wir fragen übrigens obigen Zettelträger zur gefälligen Beantwortung: Was haben die Preußen uns versprochen und was haben sie gehalten?
Feinster Punschsyrup von Franz Jos. Daniels, Hochstraße Nr. 82.
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J. P. Hospelt, Höhle 35 nimmt alle solide Gegenstände in Niederlage zum Verkauf an; kauft solche sowie Gold und Silbergegenstände.
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25jähr. Kornbrantwein.
Sternengasse Nr. 9 & 11.
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In Ladung zu Rotterdam.
Nach New-York, um gleich nach Wiederöffnung der Schifffahrt in See zu gehen; die Fregatte „Anna“, Capt. B. H. Kuyper.
Dieser kupferfeste Dreimaster ist einer der vorzüglichsten Segler unter den niederländischen Ost-Indienfahrern und übernimmt Frachtgüter für die sämmtlichen Vereinigten Staaten.
Näheres bei dem Rheder Herrn Franz Moll und den Schiffsmäklern Herren Huilig und Blockhuizen
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Messingene, bleierne & eiserne Saug- und Druckpumpen sind stets vorräthig, und werden nach Bestellung unter Garantie angefertigt bei August Hönig, Pumpenfabrikant, Altenmarkt Nr. 56 Köln.
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Restauration Guttenberg.
Obige Restauration empfiehlt durch preiswürdige Weine und Speisen bestens.
Romberg.
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Neusilberne und messingene Haarhalter bei August Hönig, Altenmarkt Nr. 56 Köln.
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Mittagessen. Auch kann ein einzelner Herr in Kost und Logis kommen.
Mühlengasse Nr. 24.
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Konzessionirtes Vaudeville-Theater.
Sonntag, den 27. Januar 1849: Auf vielseitiges Verlangen Der Dorfbarbier oder Die Schinkenkur.
Komische Oper in 2 Akten von Schenk.
Vorher: Der Prozeß.
Lustspiel in 1 Akt von N. Benedix.
Entree 10 Sgr., wofür Getränke verabreicht werden.
Kasseneröffnung um 4 1/2 Uhr. — Anfang 5 1/2 Uhr.
Montag, den 26. Januar: Der Kurmärker und die Picardie.
Genre-Bild in 1 Akt von L. Schneider.
Hierauf: Der reisende Student oder Das Donnerwetter.
Musikalisches Ouodlibet in 2 Akten v. Schneider.
Entrée 10 Sgr. wofür Getränke verabreicht werden.
Kassa-Eröffnung um 6 Uhr.
Anfang 7 Uhr.
Franz Stollwerk.
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Civilstand der Stadt Köln.
Den 23. Januar 1849.
Geburten.
Jos., S. v. Wilh. Harnischmacher, Tagl., Maximinenstr. — Peter, S. v. Franz Wahlen, Ziegelfabrikant, Pfeilstr. — Anna, T. v. Bertr. Jansen, Tagl. M[a]ximinenstr. — Valent., S. v. Heinr. Engels, Zuckerarb., Weberstr. — Wilh. Carol. Hubert. Juliana, T v. Joh. Conr. Julius Becker, Dampfschiff-Expedient, Salzmagazin. — Eva, T. v. Andr. Roth, Tagl., Zugasse. — Cathar., T. v. Joh. Wolf. Kleiderm., Maximinenstr.
Sterbefälle.
Winand Hansen, 3 J. alt, Lintg. — Joh. Offizier, 2 T. alt, Michaelstr. — Cathar. Gahlen. Witwe Mörs, 54 J. alt, Weberstr. — Jakob Wilh. Hub. Timotheus Schmitz, 11 J. alt, Berlich. — Gertr. Ammann, 64 J. alt, Löhrg. — Maria Sophia Müller, 1 M. alt, Kattenbug. — Franz Derenne, Gärtner, 18 J. alt, unverh., Cäciliensp. — Margar. Spicks, Wittwe Kunst, 77 J. alt, Cäciliensp.
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In der Provincial-Irren-Heilanstalt zu Siegburg ist die mit einem Jahrgehalt von 200 Rthlr. und freier Station verbundene zweite Assistentenstelle intermistisch für den Zeitraum von etwa vier Monaten, mit dem 10. Februar c. beginnend, zu besetzen. Zu der Annahme dieser Stelle geneigte Aerzte, welche über die rühmliche Absolvirung ihrer Studien die erforderlichen Zeugnisse vorlegen können, und die mit dieser Stelle verbundene Besorgung der Hausapotheke zu übernehmen im Stande sind, werden ersucht, ihre betreffenden Eingaben vor dem Schlusse dieses Monats portofrei an den Unterzeichneten einzusenden.
Siegburg, den 24 Januar 1849.
Jacodi, Königl. Obermedicinal-Rath und Director der Heil-Anstalt.
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Ein Wort für die Urwähler, Wahlmänner und Abgeordnete.
Nach dem von der Krone erlassenen Wahlgesetze ist zwar der Abgeordnete für unverantwortlich erklärt, indem er sich an das ihm gewordene Mandat nicht zu binden hat, also nur seinem Gewissen verantwortlich ist; aber jeder redliche und einsichtsvolle Abgeordnete wird eine solche Unverantwortlichkeit als etwas Peinliches erkennen, und aufrichtig wünschen derselben sich entledigen zu können.
Wenn er auch die Unverantwortlichkeit allenfalls bei Revidirung und Feststellung der Verfassung zu übernehmen gesonnen, und die etwa aufsteigende Bedenken durch seinen redlichen Willen und sein treues Wirken, für eine wahrhaft volksthümliche Verfassung zu beschwichtigen im Stande wäre, so möchte aber in Betreff der Berathung der socialen Fragen namentlich der Entwerfung und Feststellung der manigfaltigen organischen Gesetze einerseits und seiner beschränkten Einsichten und Kenntnisse anderseits er es dringend wünschenswerth erachten, Mittel und Wege zu finden, im Sinne seiner Urwähler seine Thätigkeit zu äußern. Da es nun keine Universal-Menschen gibt, d. h. solche, die Alles wissen, die überall zu Hause sind, so ist es Pflicht darauf zu sinnen, geeignete Wege aufzufinden, wodurch der Abgeordnete fortwährend in lebendigem und segensreichem Wechselverkehr mit seinen Urwählern bleibt. Alle Wahlmänner aber haben die unabweisbare Pflicht, nicht allein durch ein von dem zu erwählenden Abgeordneten schriftlich vorgelegtes Programm sich von seiner Gesinnung und seinen Bestrebungen bei der Feststellung der Verfassung wie bei der Emanirung der nöthigen Gesetze zu überzeugen, sondern denselben auch zu verpflichten, das ihm angebotene Mittel zu einem fruchtbringenden, Vertrauen erhaltenden Verkehr so viel als möglich, jedenfalls aber in allen wichtigen Fällen zu benutzen, um darnach seine Wirksamkeit zu bethätigen.
Wir erlauben uns nun, ein derartiges Mittel in Kürze vorzuschlagen, in Hoffnung, daß andere dadurch sich veranlaßt fühlen, über noch geeignetere nachzusinnen und sie zum Wohle des Ganzen zu veröffentlichen.
In jeder Gemeinde bilde sich ein Verein, der nicht so sehr die politischen als gerade die socialen Fragen zum Wohle der hartgedrückten unteren Stände der menschlichen Gesellschaft zu lösen sich als Zweck hingestellt hat.
Gewerbtreibende aller Art berathen sich noch besonders über die Angelegenheiten ihres Standes. So wird sich nicht nur herausstellen, wo in den verschiedenen Beschäftigungsarten der Menschen der Schuh drückt, sondern auch woher der Druck kommt, und wie demselben für die Zukunft nach und nach abgeholfen werden könne. In dem Gemeinde-Verein beschäftige man sich jedesmal mit den dringlichsten Sachen vorzugsweise, fasse über das berathene und beschlossene Protokoll ab, und wähle den tüchtigsten aus der Versammlung zum Abgeordneten in den Kreisverein, worin möglichst alle Arten Gewerbthätigkeiten des Kreises durch den Einsichtsvollsten zu vertreten sein müßten. Hier käme nun die Sache durch nochmalige umsichtige und gründliche Besprechung zu einem Abschluß und gelangte dann durch den Präsidenten des Kreisvereins an den Abgeordneten, um darnach seine Wirksamkeit einzurichten. Damit indeß solche Kreisbeschlüsse nicht zu spät einliefen, so ware es des Abgeordneten Sache, das dringlichste so früh als möglich zu bezeichnen, auf daß alle Gemeinde-Vereine auch daran vorzugsweise die Hand legen könnten. So würde der Abgeordnete mit freudigerem Muthe wirken und seine Urwähler sich der festen Zuversicht hingeben können, daß ihre Interessen in jeglicher Weise die beste Vertretung fanden.
Mehrere Urwähler und Wahlmänner des Kreises Solingen.
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An alle Urwähler zur ersten Kammer.
Mit Bezug auf einen Artikel in der Beilage zu Nr. 18. der Kölnischen Zeitung mit der Ueberschrift Diäten für die Deputirten zur 1. Kammer werden hiemit alle Urwähler zur 1. Kammer namentlich die der Kreise Solingen, Lennep und Elberfeld aufgefordert, in ähnlicher Weise Ihren Abgeordneten Diäten zukommen zu lassen, und zwar der Art, daß jeder Urwähler 10 Sgr. bei der vorzunehmenden Wahl der Wahlmänner entrichte, welche Beträge durch die Wahlmänner den Abgeordneten eingehändigt würden, wodurch jeder Abgeordnete bei einer Zahl von 1500 Urwähler eine Summe von 500 Thlr. erhielte und dadurch erst die Wahlmänner in den Stand gesetzt würden, frei wählen zu können und nicht an reiche Kapitalisten, ganze und halbe Millionäre gebunden zu sein. Hoffentlich werden alle Urwähler zur 1. Kammer bei der Wahl der Wahlmänner am 29. Jan. erscheinen, und dieses kleine Opfer gerne und bereitwillig bringen, um den unberechenbaren guten Zweck zu erreichen.
Mehrere Urwähler zur 1. Kammer des Kreises Solingen.
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Der biedere, treue Schuhmachermeister Schützendorf welcher von der Bourgeoisie als Kandidat zur zweiten Kammer vorgeschlagen wird, kann sich als politische Wetterfahne auf den Thurm der deutschen Freiheit setzen.
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Ein Dutzend schöne Stückfässer zu verkaufen bei Franz Brückmann, Zollstraße 5 —.
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Ein herrschaftliches Landhaus am Rhein mit vorzüglichen Gebäulichkeiten, enthaltend 22 Piecen, Stallung, Wagenremisen etc., außerdem 6 Morgen Areal, ist wegen Verziehens nach Amerika für 6000 Thlr. zu verkaufen. Bemerkt wird, daß der Realwerth der Gebäulichkeiten allein auf 10,000 Thlr. taxirt ist. Frankirte Nachfragen sub B. C. besorgt die Expedition d. Bl.
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Täglich frisch gebackene Fische bei Franz Brückmann, Zollstraße 5 —.
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Punsch-Essenz vorzügliche Qualität, die Flasche zu 18 Sgr. in der Liqueur-Fabrik von H. Cron. Unter Gottesgnaden Nr. 13 und 15.
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Eine schwere, fast neue Schiebkarre zu verkaufen. Zollstraße 5 —.
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Die Einladung zur Versammlung der Wahlmänner bei Harff, auf den 25. dieses Abends 7 1/2 Uhr, ist vielen derselben zu spät zugekommen, als daran Theil nehmen zu können. Die Unterzeichneten ersuchen für die Folge solche Einladung frühzeitiger zu besorgen.
Mehrere Wahlmänner der 2. Kammer.
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Ein Winzer beabsichtigt seinen 47er und 48er Wein gegen Oel zu vertauschen. Das Nähere bei Franz Brückmann, Zollstraße Nr. 5 —.
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Ein Bäcker-Lehrling wird gesucht. Die Expedition sagt wo.
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Antwort.
Die Anfrage an mich in Bezug auf die jüngsten Wahlen, bei welchen ich als Kandidat gar nicht aufgetreten bin, involvirt eine infame Verläumdung.
G. Heuser.
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Ganz reiner rother und weißer Wein per Quart 2 1/2 Sgr. in und außer dem Hause, bei Franz Brückmann, Zollstraße Nr. 5 —.
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Unterzeichneter ein Franzose von Geburt, empfiehlt sich im Ertheilen des französischen Sprach-Unterrichtes gegen billiges Honorar.
Auch können noch einige Herren der von mir errichteten französischen Gesellschaft zur Uebung in der Conversation beitreten.
Alphons Capette, konzess. Lehrer der franz. Sprache Georgstraße 2 G.
Auch ist daselbst ein möblirtes Zimmer nebst Kost billig zu vermiethen.
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Antillen-Rum den Krug zu Sgr. 12 1/2, vorzüglicher Nordhäuser zu billigem Preise bei H. Cron, Unter Gottesgnaden Nro. 13 und 15.
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Ein vorzügliches Pianino steht bei einem Privatmann billig zu verkaufen, wo sagt die Exp.
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Die Zeitung Freiheit, Arbeit von Nro. 1, so wie allerlei Gedichte, ferner 8 Stück Cigarren für 1 Sgr. sind zu haben, am Domhof unter der Hacht Nr. 1
H. M.
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Auf die Anfrage in Nr. 205 der „N. Rh. Ztg.“ Herr Dr. Gottschalk hat Köln nur bis zu dem Augenblicke verlassen, wo ihn die Stimme des Volkes zurückrufen wird.
Mehrere Freunde.
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Freies Tanzvergnügen.
Heute Sonntag den 28. Januar im neuen Kuhberg auf der Ehrenstraße bei L. Senf. Anfang 4 Uhr.
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Muzen, Muzenmandeln.
Ganz vorzüglich. Muzen 12 Sgr. und Muzenmandeln 10 Sgr. das Pfd.
Franz Stollwerck.
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Zum gefälligen Besuch empfehle ich meine Punschstube bestens.
H. Cron Unter Gottesgnaden Nr. 13 u. 15.
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Die Urwähler des 7. Wahlbezirks werden auf Dienstag den 30. d. M. Abends 8 Uhr, zu einer Besprechung bei Bungarten, Severinstraße eingeladen.
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Der ehemalige Demokrat Schützendorf hat ein Schutz- und Trutz-Bündniß mit den Heulern geschlossen, um zur 2. Kammer als Abgeordneter gewählt zu werden.
Dies zur Warnung für die Wahlmänner, besonders derjenigen, welche dem Handwerkerstande angehören.
Ein demokratischer Wahlmann.
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Aechter Gütersloher Pumpernickel ist fortwährend zu haben bei Weiler unter Gottesgnaden Nr. 9.
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Heilsame Erfindung.
Hümmert's Pollution-Verhütungs-Instrument, welches, ohne im Geringsten Unannehmlichkeiten oder nachtheilige Folgen für die Gesundheit herbeizuführen, durchaus keine Pollution zulässt. Die Wahrheit dieser Aussage ist durch vielfache Erfahrungen bestätigt und durch Zeugnisse der berühmtesten Aerzte, als von Herrn Prof, Dr. Braune, Herrn Prof. Dr. Carus, Herrn Prof. Dr. Cerutti zu Leipzig, Herrn Geh. Med.-Rath Dr. v. Blödau zu Sondershausen und vielen andern dargethan, weshalb ich mich jeder weitern Empfehlung enthalte. — Gegen portofreie Einsendung des Betrags erhält man Instrument nebst Gebrauchs-Anweisung vom Unterzeichneten zugeschickt.
1 Instrument in feinem Neusilber4 Thlr. Pr. Cour.
1 Instrument in feinem Messingmit Suspensorium
ohne
3 Thlr. Pr. Cour.
1 Instrument in feinem Holz2 Thlr. Pr. Cour.
Bleicherode bei Nordhausen. C. Filler.
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Literarische Anzeige.
Für Freunde gesinnungstüchtiger Lectüre.
Mit Neujahr dieses Jahres begann der 4. Jahrgang unserer Wochenschrift:
Der Leuchtthurm, redigirt von Ernst Keil.
Eine von den wenigen Zeitschriften, die schon seit Jahren die Sache der Freiheit mit energischer Entschiedenheit vertheidigen, hat sich der Leuchtthurm neuerer Zeit durch seine feste rücksichtslose Opposition im Kampfe gegen die Reaktion, besonders aber durch seine markvollen Artikel über die österreichischen, preußischen und centralpolizeilichen Volksverrathe die Achtung aller wahrhaften Demokraten so allgemein erobert, daß jede weitere Anpreisung überflüssig ist. Wir bemerken deshalb auch nur, daß die bisherige Haltung des Blattes mit derselben Konsequenz und Entschiedenheit auch in diesem Jahre aufrecht erhalten werden wird.
Der „Leuchtthurm“ erscheint jeden Ersten des Monats 4-5 Bogen und die übrigen Wochen 1 bis 1 1/2 Bogen stark, und bringt monatlich außer der dazu gehörigen Biographie das vortrefflich ausgeführte Portrait eines freisinnigen Zeitgenossen und dann und wann eine gute politische Carricatur.
Der Preis pro Qurttal ist nur 24 Sgr.
Die so eben erschienene Nro. 1 enthält:
Das Studentencomite in Wien. — Die octroyirte Verfassung Preußens, eine absolutistische Farce. — Robert Blum und sein Wirken im Jahre 1848. — März und Dezember. — Der deutsche Kaiser und Friedrich Wilhelm IV. — v. Unruh, der letzte Präsident. Biographie und Charakteristik. — Der „edle“ v. Gagern und Oesterreich. — Preußische Spiegelbilder. — Umschau in Deutschland. — Unterhaltungs-Magazin.
Mit: Unruh's Portrait. — Eine Stunde im Gebet. (Carricatur).
Leipzig, im Januar 1849.
Er. Keil & Comp.
Bestellungen auf diese gute Wochenschrift nimmt an die F. C. Eisen'sche Sortiments-, Buch- und Kunsthandlung in Köln, Friedrich-Wilhelmsstraße Nro. 2.
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Bürgerlicher Dombau-Verein.
Heute Abend große außerordentliche theatralische und deklamatorische Abend-Unterhaltung im Vereins-Lokale, Löwengasse Nr. 11. Anfang punkt 7 Uhr, wozu ergebenst einladet der Vorstand.
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Zwei Pianino von 95 Thlr. und 120 Thlr. zu verkaufen bei Späner, Domhof Nr. 13.
Vereinigter 1. und 2. gesell. Dombau-Verein.
Heute Abend 7 Uhr Versammlung. Breitstraße bei Menzen, im Palast.
Theatralische Abend-Unterhaltung.
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Medizinalrath Dr. Schmalz aus Dresden, wird kurze Zeit in Köln (Berlich Nr. 15) sich aufhalten, um Gehör- und Sprachkranken Rath zu ertheilen (10-1 Uhr).
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Minoriten Reparatur Bau-Verein.
Bei Jüsgen, jeden Dienstag Abend Versammlung.
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Morgen Montag den 29. Januar Kränzchen im Stollwerck'schen Saale.
unter Leitung des Herrn Franken, Sohn.
Franz Stollwerck.
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Ein ordentliches Dienstmädchen gesucht, welches mit guten Zeugnissen versehen ist. Telegraphenstraße Nr. 24 —.
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Geselliger Cuniberts Bau-Verein.
Morgen Abend 7 Uhr bei Herrn Nakatenus Eigelstein.
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Aechter Nordhäuser Korn-Branntwein à 6 Sgr. per Quart.
Rum-Punsch à 18 Sg. p. Flasche.
Antillen-Rum à 11 Sgr. per Krug.
per Dutzend billiger.
Alle andere Branntweine und Liqueure zu den billigsten Preisen bei J. G. DIDERICH, Weberstrasse Nro. 24.
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Fröhlicher St. Cuniberts-Bau-Verein.
Heute Abend 7 Uhr bei Herrn Kleefisch, Eigelstein 51.
[unleserlicher Text] Theatralisch-deklamatorische Unterhaltung. Damen haben heute Zutritt.
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Großes Maskenfest zu Köln.
Kölner Karnevals-Convent.
Heute Sonntag, den 28. Januar 1849, Abends 6 Uhr, im Saale des Herrn Jüsgen im Stern auf der Hochstraße.
Sechste Generalversammlung.
Motto: Verdrehten die Demokraten nicht den Leuten den Kopf, Mallich von uns hätt' alle Dag sein Huhn im Topf!
Ossendorf, den 28. Januar 1849.
Die organischen Gesetze, welche theils bereits in unserem Staate vollzogen, theils in den Abtheilungen in Berathung sind, müssen jeden honnetten, gutdenkenden, christlich-germanischen und auch den beschränktesten Unterthanen mit tiefer Trauer erfüllen. Wer vermöchte z. B. die Abschaffung des Adels gutzuheißen. Betrachten wir die Sache vom socialen Standpunkte aus, so würde unbedingt die bei uns noch nicht gelöste sociale Frage um so weiter zurückgeschoben werden, wie dies ein einfaches Rechenexempel beweisen wird.
Wir fragen: Was bleibt in Deutschland übrig, wenn man den Adel subtrahirt?
Deutschland
minus 11 11 = Adel
bleibt Schundt.
Merkt's euch, ihr Wühler! Nächstens die Division!
Mehrere Gutgesinnte.
X.-n. Unterschriften.
Vorstehende Zuschrift unserer geliebten Ossendorfer Narren bringen wir hiermit zur allgemeinen Kenntniß.
Der löbl. Vorstand des Kölner Karnevals-Konvents.
Wer leidet an Hypochondrie
Und gar nicht mehr genesen kann,
Den quälen Sorgen spät und früh',
Und ist ein recht geplagter Mann,
Der komme heute um sechs Uhr,
Zum Jüsgen in den Stern nur hin; *) *) Fremde haben Zutritt à 5 Sgr. Entree.
Dort schwindet seines Grames Spur,
Erfreuet wird ihm Herz und Sinn!
Euer Hanswurst.
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Unterricht in allen Elementarfächern ertheilt der konz. Privatlehrer J. H. Schwarz, Mathiasstraße Nr. 7.
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W. Dietz, Unter Hutmacher Nr. 17.