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Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 208. Köln, Dienstag den 30 Januar. 1849.
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Wahlnotizen. Düsseldorf. (v. Faldern dankt ab). Jüchen. (Die Wahlen). Viersen. (Wahlbülletin). Latum. (Wahlen). Hückeshagen. (Wahlen). Olpe. (Wahlen). Uerdingen. (Rache der Heuler). Burgsteinfurt. (Wahlbülletin). Neuwied. (Minister v. Arnim). Bergheim. (Untersuchung gegen Körfgen). Elberfeld. (Diergardt). Dortmund. (Wahlmänner-Vorversammlungen. — Programme). Münster. (Temme soll entlassen werden. — Ein Brief Rintelens an Temme. — Wahlen. — Justizministerialbescheid an die Dezembergefangenen). Berlin. (Die Kamm[e]rn sollen nach Brandenburg). Erfurt. (Die Grundrechte. — Die Wahlen). Ratibor. (Wahlbülletin. — Abmarsch des Militärs. — Entw[a]ffnung des östreichischen Militärs in Biala). Schabenau. (Verhaftung eines Agenten des konstitutonellen Centralvereins). Wien. (Verurtheilung. — Eine Schildwache ermordet. — Welden's Proklamation). Dresden. (Abdankung des Ministeriums. — Die 2. Kammer.) Weimar. (Radikale Wahlen für den Landtag.) Heidelberg. Nachmärzliche Polizei.)
Polen. Warschau. (Preise auf den Kopf Kossuths ausgesetzt. Furcht der Russen vor einem nahen Ausbruch.
Italien. (Die römische und italische Constituante. Giobertis Note wegen des Pabstes.) Aus der Lombardei. (Kampf italienischer Rekruten in Bassano gegen die Oestreicher.)
Franz. Republik. Paris. (Journalschau. — Marrast. — Lherminier. — Lenormand. — Der Constitutionnel über die Situation. — Protest der Journale gegen die Schließung der Clubs. — La Libertè. — Bonaparte und Nikolaus. — Die Clubs, die Associationen und die Journale. — Nat.-Vers. Fauchers Antrag durchgefallen. — Ledru-Rollin trägt auf Versetzung des Ministeriums in Anklagezustand an.
Großbritannien. London. (O'Connor auf dem Finanzialreformmeeting zu Nottinghill.)
Türkei. (Die Cholera. Zusammenziehung eines Truppenkorps bei Adrianopel.)
Deutschland.
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Köln, 29. Jan.
Ueber den Ausfall der Wahlen im Osten gehen uns folgende hervorzuhebende Mittheilungen zu:
Pommern: In den Städten hat die Opposition unzweifelhaft gesiegt. Am entschiedensten hat sich Colberg erklärt, da es unter 38 Wahlmännern 34 Demokraten durchgesetzt und zwar mit immensen Majoritäten und meist bei der ersten Abstimmung. In Graudenz sind unter 35 Wahlmännern 21 entschiedene Demokraten.
Schlesien: Ungeachtet der Belagerungszustände, die theils wirklich proklamirt, theils thatsächlich (wie im Liegnitzer, Löwenberger etc. etc. Kreise) vorhanden sind: haben die Landkreise überwiegend, eine Menge derselben fast ausschließlich im demokratischen Sinne gewählt.
Preußen: Königsberg hat 76 Konstitutionelle (Reaktionärs) und 165 Demokraten gewählt, Insterburg unter 39 Wahlmännern 34 Demokraten; Pillau lauter Demokraten, mit Ausnahme eines Konstitutionellen oder Preußenvereinlers, Tilsit eine bedeutende demokratische Mehrheit.
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[ 15 ] Düsseldorf, 28. Jan.
Schon sahen wir im Geiste wieder unsere freundlichen Straßen gesperrt von jenen messingbehelmten Engeln, schon hörten wir die barsche schnarrende Stimme der „Zaruckers“: „Hier ist keine Passage nicht!“ und manchem jugendlichen Lieutenant mochte das Herz unruhig in der wattegewölbten Brust schlagen bei dem Gedanken an die Heldenthaten, die ihm durch Verhängung des gesegneten Belagerungszustandes auszuführen möglich gemacht würden. Doch diesesmal hat uns ein gütiges Schicksal vor jenem Wrangel-Drigalski'schen Himmel bewahrt, der durch Kartätschen, Shrapnells Ruhe und Ordnung sichert. Die Konsequenz und die Würde unserer Wahlmänner fungirten als jenes Schicksals.
Trotz der Drohung des Hrn. v. Faldern, die Versammlung der Wahlmänner wieder mit seiner Gegenwart zu beehren, trotz der von dem Edlen „getroffenen Maßregeln“ versammelten sich gestern Nachmittag 5 Uhr die Wahlmänner wiederum sehr zahlreich in dem bekannten Lokale. Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung mit Verlesung eines Schreibens des Hrn. stellvertretenden Oberprokurators v. Ammon als Antwort auf die gegen v. Faldern bei ihm erhobene Anklage. Der würdige Wächter des Gesetzes, stets bereit Gesetzesverletzungen Seitens der Staatsbürger unnachsichtlich zu verfolgen, erklärt, daß der v. Faldern ganz in seinem Rechte sei und motivirt dieses (hört! hört!) durch eine antediluvianische bergische Verordnung aus dem glorreichen Jahre 1807, wonach es der Polizei freisteht, Märkte, Seiltänzer, Zigeuner und öffentliche Häuser unter ihre hohe Obhut zu nehmen. In welche dieser Kategorieen mag der Herr Prokurator nun wohl die Versammlungen unserer Wahlmänner stellen.
Gleich bei Empfang dieses liebenswürdigen Schreibens hatte sich eine Deputation von Wahlmännern auf die Königl. Regierung begeben und dem Dringen derselben, sowie der entschiedenen Mißbilligung der ganzen Angelegenheit sogar seitens unserer Heuler, haben wir es zu verdanken, daß endlich die Regierung in einer deshalb außerordentlich abgehaltenen Sitzung den Entschluß faßte, den v. Faldern an seinem Vorhaben, als etwas Ungesetzlichem, zu hindern. Die Wahlmänner durften endlich ungestört ihre Versammlung abhalten.
Herr v. Faldern durch den angeführten Regierungsbeschluß aufs Tiefste verletzt, erklärt, daß er unmöglich in einer Stellung verbleiben könne, in der ihm trotz seinem guten (!) Rechte (!) doch der Beistand und der Schutz der Regierung versagt sei und — dankt ab! Armer v. Faldern! So jung und glücklich schon auf dem ersten Staffel zum Tempel des Ruhmes angelangt, in der Ferne als Ziel des muthigen Strebens wohl gar Polizeiminister und jetzt? höchstens wieder Bürgermeister von Wald und Merscheid!
Sic transit gloria mundi.
Unser Abgeordneter von Frankfurt, Herr Wesendonk, der anfangs hier als Kandidat für die zweite Kammer auftrat, hat gestern in der Versammlung der Wahlmänner erklärt, daß er auf diese Candidatur verzichte. Herr Wesendonck hat diesen Schritt wohl nur deshalb gethan, um bei der hiesigen Wohl die Stimmen nicht zu zersplittern.
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[ 134 ] Jüchen, 25. Jan.
Auch in unserm Orte sind die Wahlen ganz im ächten demokratischen Sinne ausgefallen, da die „Schwarzweißen“ oder Konstitutionellen auch nicht einen einzigen Kandidaten durchgebracht haben.
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[ 103 ] Vierssen, 25. Januar.
Unsere am 22. dieses gehaltenen Wahlen sind ganz nach Wunsch ausgefallen. — Unsere Opposition (schwarz und weiß und Muckerthum) setzte keinen einzigen Kandidaten durch, im Gegentheil wurde sie in jedem Wahlbezirk, wo sie sich nur blicken ließen, mit Glanz geschlagen.
Der Geh. Commerzienrath Diergardt unterlag im ersten Wahlbezirk in sämmtlichen 10 Wahlen, und kam beim 10. Kandidaten in eine 3te engere Wahl mit einem Juden, (Lehrer, ein junger Mann nur hinsichtlich seiner demokratischen Ansichten bekannt) und unterlag mit einer großen Majorität an 50 Stimmen.
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[ 119 ] Latum, 27. Jan.
Das Resultat der Wahlen der Bürgermeisterei Lank im Kreise Crefeld ist folgendes: Von den 12 Wahlmännern der Gesammtbürgermeisterei Lank wurden 11 Demokraten und 1 Constitutioneller gewählt. Dieser Constitutionelle, obwohl er an der Wahl im Sommer vorigen Jahres durch einen saubern Hrn. Vetter mehrere Urwähler mit süßem Branntwein, Bier etc. hatte regaliren lassen, war dennoch damals mit Glanz durchgefallen. Jetzt, nachdem er den Urwählern, welche vorhatten einen echten Demokraten zu wählen, von einer belgischen Konstitution und andern unverständlichen Dingen viel vorgeplappert hatte, und auch nebenbei noch Gänse versprochen haben soll, kam er mühsam mit ein paar Stimmen Mehrheit durch.
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[ 30 ] Hückeswagen, 27. Jan.
Auch in unsern Bergen ist das Resultat der Wahlen keineswegs ein ungünstiges zu nennen. Von den hier zu wählenden 12 Wahlmännern wurden trotz aller angewandten Intriguen 8 Kandidaten des hier bestehenden (an 500 Mann starken) Arbeitervereins erwählt. Ein gleiches Verhältniß hat sich in Wipperfürth und Lennep ergeben. Die Heuler haben überall unterlegen und wenn, was nicht zu bezweifeln ist, in den übrigen Provinzen dasselbe Resultat herauskommt, so werden auch wohl dem Allergottbegnadetsten die Augen aufgehen, über die wahre Stimmung des Landes, trotz aller Schreibereien der Manteuffelischen Harkorte und ähnlichem Gelichter.
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[ 098 ] Olpe, 26. Jan.
In Olpe, Attendorn und Umgegend sind die Wahlen entschieden demokratisch ausgefallen. In Olpe brachten die Pius-Männer und die „schwarzweiße Partei“ von sieben Kandidaten keinen durch.
Im Siegenschen dagegen haben sämmtliche Wahlmänner keine politische sondern nur die Geldfarbe.
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[ X ] Uerdingen, 26. Januar.
So weit bis jetzt die Resultate der Wahlen bekannt, hat im Allgemeinen die Opposition gesiegt. Daß das Häuflein wühlender und heulender Geld-Sackträger die erlittene Schlappe nicht ruhig ansehen kann, und rachebrütend umhergeht, versteht sich von selbst. Den getriebenen Klüngel bei den Wahlen legen sie sich selbst als Interesse am Volkswohl aus, während sie die ruhige und besonnene Haltung unserer Demokraten zu verdächtigen suchen. Der arme Tagelöhner, der Handwerksmann etc. etc. müssen nun entgelten und fühlen, daß der gesunde Volkswille sich nicht verfälschen ließ.
Einer dieser saubern Sorte äußerte sich offen und frei am Wahltage: man muß es den Menschen am materiellen Wohl fühlen lassen, daß es noch welche giebt, die etwas thun und verdienen lassen können!! O du armer unerquicklicher Süßigkeitsfabrikant bedenke dein Wohl!! woran es hängt und hing??
Ein anderer, der hier ebenfalls zu denen gehört, die die erste Violine spielten (ein schnörgelnder Bassist) durfte, trotz seines Heiligkeitsgeruchs, einen armen Fuhrmann und Familienvater, einen unbescholtenen braven Mann, als er bei einer Abrechnung seine Dienste empfahl, mit den Worten abzuspeisen es wagen? Ihr seid ein Demokrate, laßt Euch von Euren Demokraten Arbeit und Verdienst geben!!!
Sollte man nicht die Namen dieser rachsüchtigen Biedermänner der Oeffentlichkeit preißgeben?
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[ 120 ] Burgsteinfurt, 23. Januar.
In unserm kleinen Städtchen hat leider die constitutionelle Parthei gesiegt, außer in einem unsrer drei Wahlbezirke.
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[ X ] Neuwied, Ende Januar.
In dem hier seit Neujahr erscheinenden „Volksblatt für Stadt und Land,“ das aber seinem Namen wenig Ehre macht, ist mehrmals die Behauptung aufgestellt worden, es wäre in Neuwied der allgemeine Wunsch, den früheren Minister, Freiherrn v. Arnim zum Deputirten in die 1. Kammer zu wählen, und derselbe sei auch gar nicht abgeneigt, diesen Wunsch zu berücksichtigen.
Vor Allem muß dies dahin berichtigt werden, daß Hr. v. A. lediglich zu dem Zwecke seiner Kandidatur seit einigen Monaten sich hier aufhält, und unendlich viele Mühe anwendet, sich einen Anhang zu schaffen. Wie wir aber auf das Bestimmteste versichern können, wird der Wunsch des Hrn. v. Arnim nur von einer sehr kleinen Partei getheilt, die in dem großen Irrthume befangen ist, sie repräsentire die Mehrheit der hiesigen Einwohner.
Gerade in Bezug auf die materiellen Interessen unserer industriereichen Gegend wäre die Wahl des Hrn. v. Arnim eine höchst unglückliche und gefahrdrohende, da derselbe sich zu dem chimärischen Freihandelssystem hinneigt, wie er seiner Zeit durch den Separatvertrag mit Belgien sattsam bewiesen hat.
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[ X ] Bergheim, 28. Januar.
Auf Requisition des Ober-Land- und Kammergerichts zu Berlin hatten sich heute der Herr Ober-Prokurator in Begleitung des Herrn Instruktionsrichters und Herrn Gerichtsschreibers hierher verfügt, um 4 Zeugen die Herren Dr. Schaffrath, Gastwirth Hons und Ehefrau Posthalter Oeppen in Untersuchungssachen gegen den Abgeordneten des Kreises Bergheim eidlich zu vernehmen. Es handelte sich darum ob der Abgeordnete Herr Friedensrichter Körfgen Pakete, enthaltend lithographirte Berichte über die letzten Sitzungen in Berlin so wie namentlich gedruckte Beschlüsse über die Steuerverweigerung, zur Verbreitung hierhin geschickt habe. Die Zeugen haben diese Fragen bejaht mit dem Bemerken jedoch, daß Herr Körfgen die Verbreitung derselben nicht ausdrücklich begehrt, vielmehr nur einzelne Exemplare seinen Freunden zugeschickt habe.
Das Volk sieht sehr gut ein, daß solche Untersuchungen gegen seine Vertrauensmänner dahin führen sollen, diese von der Kandidatur für die jetzigen Wahlen abzubringen.
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[ * ] Elberfeld, 28. Jan.
Wir erhalten von hier aus weitere Nachrichten über Hrn. Diergardt, Commerzienrath und Kandidat zur ersten Kammer, und fügen unsern ersten beiden Interpellationen folgende zwei neuen hinzu:
1) Indem Hr. Diergardt nicht selbst direkt die Herren Schleicher denunzirt hat, sollte er nicht einen ihm geschäftlich verpflichteten Freund, Hrn. Leopold Schmölder, mehr oder weniger veranlaßt haben, die fragliche Denunziation an den rechten Mann zu bringen?
2) Ist es wahr, daß Hr. Diergardt Ende vorigen Jahrs zweien seiner Commis kündigte, weil sie eine Adresse an die Berliner Nationalversammlung unterschrieben, und daß er ihnen erst dann provisorische Amnestie widerfahren ließ, als sein Sohn darum einkam bei Gelegenheit eines Familienfestes, das neue Bande zwischen Hrn. D. und einem Minister gottbegnadeten knüpfte?
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[ # ] Dortmund, 27. Januar.
Als jüngst in hiesiger Stadt das Wahlresultat bekannt wurde, ärgerten sich die Reaktionärs blutroth. Jetzt werden sie vor Freude roth werden, nachdem sich die hiesige Demokratie in einer Versammlung der Wahlmänner von ihnen recht hübsch hat übertölpeln lassen. Wahrhaftig, wenn die Demokraten anderer Orte nicht mehr Einsicht und Festigkeit besäßen als hier, so hätten die Volksfeinde gewonnenes Spiel!
Obgleich die demokratischen Wahlmänner zwei Drittel der Gesammtheit bilden, ließen sie sich doch von den Konstitutionellen- oder Preußenvereinern ein Programm aufhalsen, wie es der Reaktion nur erwünscht sein kann. War's schon ein Mißgriff, in der Vorversammlung einen ganz „Schwarzweißen“ zum Präsidenten zu ernennen, so setzte sich die Demokratie mit Annahme besagten Programms die Krone auf.
Zur Charakterisirung desselben genügt zu bemerken, daß es die octroyirte Verfassung und die Verordnung (soll heißen: Gesetz) vom 8 April 1848 anerkennt, also den offensten Widerspruch sich zu Schulden kommen läßt.
Ferner heißt es darin: „Aus- und Durchbildung der gegebenen Verfassung im Wege der Revision durch die verfassungsgemäße Gesetzgebung.“
Dies ist das Kleinod der „Schwarzweißen.“ Dies haben sie erringen wollen und die Demokraten gaben es ihnen hin!
Daß dann auch von „starkem Königthum“ etc. darin die Rede ist, läßt sich nach Obigem wohl denken.
Ganz andere Resultate haben die Vereinbarungssitzung der Wahlmänner des Kreises erzielt. Unter Andern trat hier ein Redner auf der in scharfen Worten, als Hauptpunkt für das Programm empfahl und motivirte; daß die erste Kammer, als eine nicht vom Volke ausgehende sondern eine dem Volke feindliche und berechtigte Kaste, von der zweiten Kammer völlig ignorirt werden müsse. Dieser Antrag wurde mit bedeutender Mehrheit angenommen.
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[ 105 ] Münster, 27. Jan.
In diesem Augenblicke heißt es, daß Temme auf Verfügung Rintelen's noch heute aus dem Zuchthause entlassen werden soll. Man sagt: daß Temme's Kränklichkeit die die Blamage einhüllen soll, die dieser in Freilassung liegt. Der zweite Grund, daß Temme in seiner Eigenschaft als Abgeordneter der Nationalversammlung freigelassen werden müsse, scheint unrichtig. Die Freilassung Temme's wäre dann gewiß nur auf „gehorsame Bitte“ der Frankfurter Versammlung geschehen.
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[ 105 ] Münster, 25. Januar.
Was vor einigen Tagen gerüchtweise von Berlin hierher gemeldet wurde, und woran Niemand glauben wollte, hat sich heute als schmachvolle Wahrheit bestätigt. Rintelen hat die Sache Temme's wiederum nach Paderborn verwiesen.
„Auf Ihr heute hier eingegangenes Gesuch vom 20. d. M. eröffne ich Ihnen, daß ich Ihr Schreiben vom 12. mittelst Rescript vom 16. an das Königl. Ober-Landesgericht Paderborn, als die kompetente Instanz, zur schleunigen Beschließung und Bescheidung abgegeben, und auch das erneute Gesuch dorthin habe abgehen lassen.“
Berlin den 23. Januar 1849.
Rintelen.
An den Königl. Oberlandesgerichts-Direktor Herrn Temme in Münster.
Das Ober-Landesgericht Paderborn muß nun natürlich konsequent sich abermals inkompetent erklären, und dann reisen die Akten hoffentlich noch recht lange zwischen Paderborn und Berlin. Hierbei wird der herrliche Zweck erreicht, daß wenn von Frankfurt aus die Akten verlangt werden, um Temme als Abgeordneten für Neuß einzuberufen, Berlin, Münster und Paderborn berichten können: die Akten befänden sich nicht am Orte. Doch wälzt Euch in Eurem Kothe. Das Volk hat am 22sten zu Gericht gesessen. Der vor einigen Tagen entlassene evangelische December-Gefangene Lieutenant Stricker ist zum Wahlmann gewählt dem Bischof [1140] Dr. Müller gegenüber, der am Tage vor der Wahlschlacht aus Dankbarkeit für den Orden, den ihm der 18. Januar gebracht, eine famose Wahlpredigt hielt. Auch der fromme General Groeben mit dem Demosthenes Schimmel ist trotz prinzlicher Dienerschaft und Adjudantur unterlegen. Mit Bezug auf das herrliche Wahlprogramm Rittmeister Schimmel's, sagt die eigene Partei in Wuth: „unsere Sache ist verschimmelt.“ Herr Banquier Olfers hat Arbeitern gesagt: Sie möchten bei denen Arbeit holen, die sie gewählt hätten. Armer Olfers! Nicht einmal zum Wahlmann wollen sie dich! Herr Ferdinand Theising, Reaktionär vom reinsten Wasser und Aspirant auf die Oberbürgermeister-Stelle, aber rief wuthschnaubend: „Die Kerls verdienen wegen der Wahl die Knute!“
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[ 105 ] Münster, 26. Jan.
Königlich preußische Rintelen-Manteufel'sche octroyirte Gleichheit vor dem Gesetze.
Während Rintelen seinem lieben Freunde (??) Temme an demselben Tage antwortet, wo er dessen Schreiben zu Händen bekommt, macht Rintelen mit den übrigen December-Verhafteten kein Federlesen. Das Lumpenvolk ist ja im Zuchthause gut verwahrt. Folgendes Schreiben an die December-Verhafteten als Beweis:
„Auf Ihre Eingabe vom 27. v. M. um Entlassung aus der Untersuchungshaft wird Ihnen eröffnet, daß der Justiz-Minister zwar Veranlassung genommen hat, dasselbe dem Königlichen Ober-Landesgericht zu Münster zur Prüfung und Berichterstattung zuzufertigen. Da indessen nach dem erstatteten Berichte von dem Land- und Stadtgerichte zu Münster, als dem kompetenten Untersuchungsgerichte, die Fortdauer der Untersuchungshaft nach den Gesetzen (?!?) für gerechtfertigt und resp. nach Lage der Sache für nothwendig erachtet, und das Ober-Landesgericht zu Münster dieser Ansicht beigetreten ist, so kann der Justiz-Minister sich gesetzlich nicht veranlaßt finden, in einer Angelegenheit seinerseits einzuschreiten, die wesentlich zur richterlichen Beurtheilung gehört und dieser überlassen bleiben muß.
Was die in der Vorstellung vom 5. d. M. vorgetragenen Perhorrescenzgründe gegen das Ober-Landesgericht zu Münster betrifft, so wird die Bescheidung darüber erfolgen, sobald eine noch erforderte Auskunft eingegangen sein wird.“
Berlin den 21. Januar 1849. Der Justiz-Minister.
In dessen Vertretung Müller.
Ein donnerndes Hoch der Königl. preußischen Verfassung inclus. Habeas-Corpus-Acte. Also 14 Personen ungesetzlich in's Zuchthaus einsperren, ist erlaubt. Diese aber zu entlassen, oder Ihnen nur dasselbe zu gewähren, wie Temme, ist gesetzlich verboten.
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[ X ] Berlin, 27. Jan.
Aus guter Quelle wird uns versichert, die Regierung habe, nach Empfang der Nachrichten über den Ausfall der Urwahlen im ganzen Staate, beschlossen, die Kammern von vornherein in Brandenburg zusammentreten zu lassen. Man bringt hiermit den Umstand in Verbindung, daß die eisernen Säulen und Fensterrahmen, welche für den neuen Sitzungssaal der zweiten Kammer bei Borsig bestellt gewesen, dieser Tage wieder abbestellt worden sind. Die Stadtverordneten scheinen der Ansicht, der Belagerungszustand werde etwa kurz vor oder kurz nach Vollendung der Wahlen für die erste Kammer aufhören, weil der Termin des 12. Februar ungefähr mit dem zusammenfällt, an welchem laut dem Bürgerwehrgesetz die hiesige Bürgerwehr reorganisirt werden muß. Wir glauben, daß das Ministerium heut selbst noch nicht weiß, wann es den Belagerungszustand aufheben wird.
Die kleinen Bürger fangen hier an, sich nachträglich sehr zahlreich in die Listen der Urwähler für die erste Kammer eintragen zu lassen; der Ausgang der Wahlen vom 22. hat sie ermuthigt, und es steht somit zu hoffen, das wenigstens hier selbst die Kandidaten zur ersten Kammer nicht ganz so antidemokratisch sein werden, als man bisher zu fürchten Grund hatte.
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[ X ] Ratibor, 24 Januar.
Unter den 32 Wahlmännern hiesiger Stadt sind nur 12 demokratische, 20 sogenannte konstitutionelle. Man hofft jedoch, Kirchmann als Abgeordneten durchzubringen. Das hiesige Militär mußte heute, den Grund und das Wohin weiß man nicht, abmaschiren. In Biala (Galizien) ist das Militär vom Volke entwaffnet worden; ganz Galizien, sagt man, wird aufstehen. Von Troppau und andern Städten aus, sind Eiltruppen nach den bedrohten Punkten bestellt worden.
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Schabenau, Kreis Guhrau.
Am Freitag fand hier eine Sitzung des Guhrauer demokratischen Zweigvereins statt. Nachdem einige Redner gesprochen, trat ein fremder Herr auf, den Niemand kannte, sagte: er sei Republikaner und würde der Erste sein, der den König wegjagte, wenn er nichts taugt u. s. w. Die Landleute merkten aber gleich, daß dies ein verkappter Denunziant sein könnte, welcher blos Andere zu ähnlichen Aeußerungen verführen und nachher denunziren wollte. Sie nahmen ihn fest und fanden bei ihm eine Legitimationskarte als: Aktuarius N. N., Agent des konstitutionellen Centralvereins. Er wurde als Aufruhrprediger arretirt und nach Guhrau aufs landräthliche Amt transportirt, wo man ihn aber gleich frei ließ.
[(Schl. Kreisbl.)]
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[ 24 ] Wien, 25. Januar.
Die kriegsrechtlichen Verurtheilungen gehen ihren gewohnten Gang fort. Das offizielle Blatt, die „Wiener Zeitung,“ theilt deren heute wieder drei ihren Lesern mit. Das ist das gewöhnliche Tages-Kontingent; — insoweit nämlich die Urtheile veröffentlicht werden.
Die Besorgniß vor weiterem Wasserunglück ist nun ganz geschwunden, obschon der Eisstoß im Donaukanal noch immer festsitzt. Eine Kundmachung des Gouverneurs Welden meldet die nächtliche Ermordung einer Schildwache am Hetzendorfer Schlosse. Den Thäter hat man bis jetzt noch nicht ermittelt. Hierbei werden die rechtlichen Bürger zur Rede gestellt, daß sie sich noch nicht verbanden, um derlei Schandthaten auf die Spur zu kommen, so daß immer nur die Waffengewalt selber entgegentreten müsse. Es scheint dieser Passus mit der verbreiteten Nachricht zusammenzuhängen, daß den Bürgern Bewaffnung und theilweises Versehen der Wachtposten angetragen worden sei, sie es jedoch abgelehnt hätten, sich hierbei der Zumuthung zu fügen, nach jedesmaligem Gebrauch die Waffen zurückzulegen.
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[ * ] Dresden, 26. Jan.
Die Minister haben heute sämmtlich ihre Entlassung gegeben. v. der Pfordten erklärte dies heute in der 2. Kammer im Namen des ganzen Kabinets. Als Grund gab er an: die „Schwierigkeiten, welche sich einer erfolgreichen Wirksamkeit von ihrer Seite für das Wohl des Landes entgegenstellen.“ Sogleich nach dieser Erklärung verließen sämmtliche Minister den Saal; blos Regierungskommissär Todt blieb am Ministertische. Vizepräsident Tzschirner erklärte, daß die ministerielle Erklärung nicht sage, ob es den Ministern unmögliich erscheine, mit den gegenwärtigen Kammern zu regieren, oder ob das Kabinet gewissen Einflüssen von außen nicht zu widerstehen vermöge. Der wahre Grund sei wohl jedenfalls in den Hindernissen zu suchen, welche der Einführung der Grundrechte unerwartet erwachsen seien. Jedenfalls würden die Minister morgen nähere Auskunft zu geben haben. Er rathe, sich in der Abmachung der laufenden Geschäfte nicht stören zu lassen. Es wird also in Berathung der Tagesordnung fortgefahren. Die nämliche Erklärung von der Demission der Minister gab von der Pfordten auch in der ersten Kammer. Die Hofpartei hat gegen das Ministerium so lange intriguirt, bis sie endlich im Stande ist, es zum Rückzuge zu zwingen. Die radikale Zusammensetzung der beiden Kammern bietet ihr zugleich einen Vorwand, hinter em sie [unleserlicher Text]re eigentlichen Pläne versteckt.
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[ * ] Dresden, 25. Jan.
Dir 2. Kammer ernannte heut die Deputation zur Prüfung des Rechenschaftberichts über die Ermordung Robert Blum's.
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[ 068 ] Weimar, 25. Jan.
Die Wahlen für den bald zusammentretenden Landtag lassen sich jetzt in ihrem Resultat überblicken; die Majorität ist entschieden radikal ausgefallen.
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[ 082 ] Heidelberg, 23. Jan.
Zur Geschichte der nachmärzlichen Polizei muß ich Ihnen aus unserm Lande ein eklatantes Beispiel erzählen. In Konstanz, welches als Ausgangspunkt der Hecker-Revolution noch bis auf diese Zeit reichlich mit „Deutschen Brüdern“ bedacht worden ist, ließen am 6. Dez. v. J. Würtembergische Soldaten im Wirthshause den Hecker hochleben. Einige freiheitsbegeisterte Philister setzten sich zu ihnen, man sang zusammen das Heckerlied, und Alles umarmte sich brüderlich. Aber solch frevelndes Beginnen rächt sich bald. Am folgenden Morgen tritt beim Appell der Offizier vor einen Soldaten hin, dem man die Heldenthaten des vorigen Abends am meisten ansehen mochte, und fragt ihn mit wuthschnaubender Standrechtsmiene: „Seid Ihr nicht gestern Abend von schlechten Kerls verführt worden, das Heckerlied zu singen?!“ Aus der Tiefe seines Katzenjammers heraus erwiedert der arme Schwab: „Ja, wir sind verführt worden.“ „„Wer hat Euch verführt?““ donnert es zum zweitenmale; die Antwort lautet: „Es werden so Gesellen gewesen sein:“ Nun war's gut. Im Nu wußte es die Polizei; der Ausspruch eines katzenjämmerlichen schwäbischen Soldaten ist ihr natürlich Autorität. Aber sie schließt noch mehr daraus. Gesellen, so folgert sie, können nur Gesellen qua solche sein, also nur der Arbeiterverein. O herrliche Logik eines Polizeikommissars! — Diese Logik ward übrigens bald praktisch; denn bei der nächsten Sitzung des Konstanzer Arbeiter-Bildungsvereins stürzt die heilige Hermandad herein, und unter dem Vorwande, daß der Verein verborgene Waffen besitze, wird das ganze Lokal durchsucht. Man fand zwar in keiner Ritze die kleinste Spur von Säbeln oder Pistolen; aber auf dem Tische lagen doch gefährliche Dinge, z. B. Bücher, Schriften, und namentlich die Kasse des Vereins, in welcher man wahrscheinlich Pulver verborgen glaubte. Alle diese Dinge wurden mit Beschlag belegt, und der Vorstand zur Haft gebracht. Nachdem diese, sowie die übrigen Mitglieder des Vereins, eine Unzahl von stundenlangen Verhören bestanden hatten, kamen sie nach drei Wochen frei; die Schriften aber und das Geld sind bis auf den heutigen Tag noch nicht zurückgegeben. Sie sehen, die Badische Polizei ist kommunistisch gesinnt, wie Ihr Freund Drigalsky.
Wegen einer ähnlichen „Verführung des Militärs“ besteht auch der Lieutenant Siegel auf der Festung Kißlau seit April d. J. Festungsarrest, und zwar im schwersten Grade. Er hatte nämlich gegen seine vom Hecker'schen Zuge zurückkehrende Kompagnie die gefährliche Aeußerung gethan: „Wäre es nicht besser gewesen, Eure Kugeln hätten, statt Eure Mitbürger, die Russen getroffen?! Als nun kürzlich in der Kammer Brentano eine Petition desselben um Strafmilderung bevorwortete, und bei einer unschuldigen Anspielung auf Windischgrätz sich stürmischer Beifall der Gallerieen erhob, ließ der Präsident die Gallerieen räumen, und gab dem Brentano durch den höflichen Zuruf: „Schweigen Sie,“ zu erkennen, wie sehr ihn seine Erwählung zum Bürgermeister von Mannheim ärgere. Diese Wahl hat überhaupt unter unseren Altliberalen furchtbar böses Blut gesetzt. Die Regierung hat ihre Bestätigung versagt: was leicht erklärlich. Denn da Baden sich freiwillig für die preußische Kaiserschaft ausgesprochen hat, so muß jetzt der verbrüderte deutsche Volksstamm (sonst Prinz v. Preußen) genannt, an Brentano gerächt werden.
Polen.
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[ * ] Warschau, 22. Jan.
Auf die Köpfe Kossuth's, Meszaros's und General Bem's hat die russische Regierung einen Preis ausgesetzt. Die Truppen in hiesiger Citadelle sind fast immer konsignirt; Paskewitsch traut den Polen keinen Augenblick und die ihm zugehenden Polizeiberichte versichern, daß von einem Tag zum andern eine Schilderhebung stattfinden könne.
Italien.
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[ * ]
Die italienische Revolution geht, trotz der europäischen Contrerevolution, ungestört und unbeirrt ihren Gang. Guerrazzi in Florenz, das Haupt der ganzen revolutionären Bewegung auf der Halbinsel, hat einen neuen Triumpf erlebt. Wie er zuerst die Berufung der italienischen Nationalversammlung gefordert hatte, so hatte er (wie wir früher mittheilten) bei der römischen Regiedarauf angetragen, daß die einberufene römische Constituante zugleich zur Repräsentation des römischen Staates in der italienischen Constituante bevollmächtigt werden sollte. Damit war die italienische Nationalversammlung ihrer Verwirklichung ein gutes Stück näher gerückt. Zugleich war die Existenz zweier nebeneinander berathenden, getrennten konstituirenden Versammlungen, so wie alle Susceptibilitäten eines möglichen römischen Partikularismus beseitigt.
Das römische Ministerium hat in einer Proklamation vom 18. diesem Antrag entsprochen. Die römische Constituante ist bevollmächtigt, einen Theil der italischen zu bilden. Da aber 200 Deputirte eine verhältnißmäßig zu starke Vertretung der römischen Bevölkerung bilden würden, so wird nur ein Theil der römischen Abgeordneten Theil nehmen.
Der Kern der italischen Constituante tritt also in wenig Tagen zusammen, und Toskana und Piemont werden nicht zaudern, ihre Deputirten ebenfalls nach Rom zu senden.
Inzwischen dauern die Intriguen in Gaeta fort. General Zamboni, der für den 21., den Tag der Wahlen, eine reaktionäre Bewegung vorbereitete, ist auf dem Wege nach Gaeta verhaftet worden. Die bei ihm gefundenen Papiere haben eine Menge neuer Verhaftungen veranlaßt. — Der radikale Advokat Mattioli ist zum Präsidenten der Stadt und Provinz Ankona gemacht worden.
Gioberti, Ministerpräsident in Turin hat auf die spanische Einladung zu Konferenzen aller ital. Staaten mit Oestreich und Spanien zur Rückführung des Pabstes nach Rom, und Wiedereinsetzung in seine geistliche Regierung eine Note erlassen, etwa folgenden Inhalts:
Die geistliche Gewalt des Pabstes sei von seiner weltlichen Macht so wenig zu trennen, daß man nicht über die erstere verhandeln könne, ohne sich in die zweite, d. h. in eine innere Angelegenheit des römischen Staats zu mischen, was zugegebener Maßen unzulässig sei. Darum aber könne die Einmischung zweier fremden Mächte, Spaniens und vollends Oestreichs, in eine ital. Angelegenheit nicht geduldet werden. Das Einzige, was zu thun sei, bestehe darin, den Pabst zu bewegen, nach Rom zurückzukehren, alle einmal gemachten Conzessionen zu bestätigen und sich mit den Römern gütlich zu verständigen.
Man sieht, der ehemalige Commis-Voyageur Karl Alberts hat sich gebessert, seitdem die Oestreicher wieder am Ticino stehen.
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@facs1140
[ * ] Aus der Lombardei.
In Bassano kam es wegen der Aushebungen zum Militär zu einem blutigen Konflikt. Die italienischen Rekruten erklärten ganz entschieden, daß sie eine Uniform, die das Abzeichen der Unterdrücker ihres Landes sei, nicht anziehen würden. Es wurden sofort über 100 bewaffnete Oestreicher gegen die unbewaffneten Rekruten aufgeboten, um letztere zum Gehorsam zu zwingen. Daraus entsprang ein wüthender Kampf; die italienischen Rekruten wehrten sich wie Verzweifelte; ihre Messer dienten ihnen als Waffen; 2 Rekruten wurden getödtet, 5 verwundet; die Oestreicher hatten einen viel größern Verlust: 1 Offizier und 5 Gemeine an Todten, und etliche 20 Verwundete. Inzwischen erhielten die Oestreicher Verstärkung: 200 Mann Infanterie und 150 Mann Kavallerie, und nun wurden die Rekruten überwältigt. Die Stadt Bassano sollte wegen dieses Vorfalls 30,000 Lire Strafe zahlen und für jede Stunde Verzögerung 2000 Lire.
Französische Republik.
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@facs1140
[ 17 ] Paris, 26. Jan.
„L'Union medicale“ bestätigt die von uns früher gelieferte Bilanz Frankreichs, indem sie sagt:
„450,000 Familien Reicher bewohnen unsere Städte und besitzen Landgüter; 660,000 Familien stehen unter der Botmäßigkeit der Staatsobergewalt, indem sie in deren Namen und Solde Aemter im Militär und Civil verwalten; davon sind manche auch Besitzende. Aber 900,000 Familien sind besitzlos, d. h. leben in den Städten von Tagelohn oder Industrie aller Art und 800,000 Familien sind in unsichrer Existenz, d. h. leben als kleine Rentner, kleine Pensionsverzehrer, oder sind ohne festen Erwerbszweig. Diese Bevölkerung von 2,810,000 Familien bewohnt eine Fläche von 52,768,610 Hektaren, dessen Fruchtbarkeit sich also klassifiziren läßt: beste Qualität (Norddepartement, die Limagne in der Auvergne, das Thal der Isere, die Ebene von Meaux, einige Partieen im Elsas), zweite Qualität (Normandie, Picardie, französisch Flandern und einzelne Partieen in andern Provinzen). Die erste ist etwa gleich 4 Departements, die zweite gleich 13, die dritte gleich 16, die vierte gleich 35, die fünfte ganz schlechte Qualität gleich 18 Departementen in Flächenraum durchschnittlich. Ein Fünftel des Bodens ist bewohnt von Leuten, die ohne Geld zu besitzen produciren, Nahrungsstoffe fabriciren ohne sie verkaufen zu können, und mit Mühe sich am Leben erhalten; sie sind im wilden Zustande mitten in der Civilisation des Jahrhunderts, und müssen stündlich und meist ohne Sieg, gegen das Wetter, Hungern und andere Feindseligkeiten der Naturelemente anringen.“
Die Bauern verdummen und verdorren geistig auf diese Weise; Hrn. Thiers ist das freilich noch nicht genügend, er will mit seinem Freunde Falloux die Primärschulen in die Klauen des Ultramontanismus geben; der alte liederliche Voltärianer hat sich alliirt mit dem jungen Jesuitenschüler. Und Marrast, der Präsident der Nationalversammlung, der Perikles von Paris, der bedeutend dick wird und weißes Haar kriegt, auch dieser alte Voltärianer ist einer Allianz mit dem heil. Loyola selbst und mit Metternich und Nikolaus fähig, sobald es auf Bekämpfung der social-demokratischen Republik ankommt.
Die Handschuhmacher, die Juweliere u. s. w. sind jetzt fanatische Königthümler, und demonstriren wie folgt: „König hin König her, es ist uns im Grunde nicht zu thun um Krone und Thron, wohl aber um einen bei uns Bestellungen machenden Hof, wir möchten drei, vier, zehn Höfe von Königen und Kaisern im Lande haben um Arbeit für jeden zu liefern; zu dem zieht der Hof fremde reiche Leute beides Geschlechts nach Paris. Marrast und Cavaignac versuchen uns zu nützen, aber die paar Bestellungen für ihre paar Hotels und Soireen halfen uns nicht viel, auch kommen keine reichen Fremdlinge nach Paris, so interessant ist ihnen weder Hr. Marrast noch Cavaignac. Folglich wollen wir keine Republik, weder rothe noch Marrastsche blaue, sondern einen Hof, und da kein Hof ohne König sein zu können scheint, wollen wir baldigst einen König oder Kaiser, denn wir haben nicht Lust mit Weib und Kind zu verarmen.“
„Wir haben meistens nichts gegen die Republik als solche einzuwenden,“ setzte einer dieser biedern Mittelbourgeois hinzu; „die wenigsten von uns haben Zeit und Lust mit der theoretischen Politik uns abzugeben. Wir sind praktisch erzogen, und bleiben praktisch bis an unsern Tod; wir gehen nie in Klubs, wir mögen kein Theoretisiren über Staatsformen hören, das scheint uns ganz nutzlos, und zudem haben wir ja unsere von uns salarirte Journalisten die mit Ideen und Theorieen umzugehen wissen.“ (Wörtlich.)
Der Spießbürger ist wesentlich ein Antiklubist und so ist nicht zu verwundern, wenn „seine bezahlten Schreiberknechte“ in Journalen und Journälchen die Schließung aller Klubs verlangen: „Klubs zu — heult der Corsaire — oder Läden zu. In die Klubs strömen die Faulenzer, die Brüllaffen, die hirnverbrannten Weltbesserer voll Schulden und Sünden, die Giftmischer, die Mordbrenner. Schließt die Klubs und eure Magazine, Bazare, Läden, Fabriken werden sich freudig aufthun und füllen; das Volk wird Arbeit finden, der reiche Mann wird noch reicher werden und gern Arbeitsbestellungen machen. Die Klubs nicht schließen, heißt: schließt die Boutiken, verarmt mit Frau und Kindern. O liebes Arbeitsvolk! geh nicht in die Klubs; das Evènnement (daran schreibt Alex. Dumas und Victor Hugo, der königl. romanhafte Hanswurst und der expoetische Pair de France) hat richtig die Klubs Mordspelunken betitelt. Volk! ergieb dich nicht dem Socialismus, du könntest dabei vielleicht durch Ermordung und Plünderung der Reichen, auch einen Tag Gold in der Tasche haben, allein das würde dir am Ende wenig nützen.“
In den Provinzen geht es entsprechend zu; z. B. ward „La Voix du Peuple“ auf der Straße verboten, die Ausschreier vom Maire mit Entziehung des Rechts bedroht; der Redakteur en chef machte hierauf einen Besuch und setzte durch sein bloßes Erscheinen diesen Philister so in Schrecken, daß er zu stammeln anfing und rückwärts, wie ein Krebs, in ein Kabinet schlich, welches er hinter sich schloß. Später fand eine zweite Audienz statt, wobei der Adjunkt dieses p. p. Maire schrie: „wir wollen, daß nichts in Marseille mehr erscheine, bevor wir es nicht gelesen, und um es kurz zu machen, eröffnen wir Ihnen, daß Ihr Blatt viel zu brandstifterisch ist; wir werden es auf alle Weise behindern.“ In derselben Stadt wird die sanftmüthige, aber durch ihr meist wissenschaftliches Räsonniren den reaktionären Heulern verhaßte, fourieristische „Democratie pacifique“, wenn sie mit der pariser Post anlangt, zuerst von obigem Bürgermeister durchstudirt und ein Exemplar jedesmal ad acta gefügt; das Schlagwort ist dort „brandstifterisch.“
So äußert sich die Furcht der Landaussauger.
„Die Democratie pacifique wird auch wohl endlich einsehen, daß Friedfertigkeit nichts ausrichtet gegen ein Gesindel, das im Privilegium gezeugt und geboren und aufgewachsen ist, mit eiskaltem Hohn die Unprivilegirten von sich stößt, und wie eine Bestie, die keine Menschensprache versteht, sondern nur die der Peitsche und des Knüppels, kreischt, sobald die rothe Republik Recht und Ehre aus Worten zu Thaten machen will. Nun so möge denn der Sozialismus diesem Otterngezüchte thun, wie es selber schon durch sein Gekreische zu prophezeien scheint.“ (Citoyen von Dijon.)
Die Democratie pacifique selbst sagt: „Am 24. dieses schleppte der Marschall Bugeaud, der Besieger des Kaisers von Marocko, ein s. g. monarchischer Republikaner, wieder eine Petition um Auflösung der Nationalversammlung in die Kammer. Die echten Republikaner hätten diesen Mummenschanz des allgemeinen Stimmrechts mit schweigender Verachtung aufnehmen sollen. Aber sie begingen die Thorheit, aufzubrausen, und schadeten der Republik mehr als die Petition. Wer unterzeichnet? Bauern. Wer bringt sie dazu? Legitimisten, Orleanisten, Feinde der Republik. Zweck dieser Petitionen ist Sturz der Republik, Wiederaufstellung des Thrones unter den Ungewittern eines Bürgerkriegs. Wer hat Wohlgefallen an Bürgerkrieg und Königthum? Nur die Klasse der Edel- [1141] leute und großen Grundbesitzer in Frankreich. Nach den Februartagen sagte sich die Bourgeoisie (ob aus Furcht oder Vernunft oder Beidem, bleibe dahin gestellt) wir wollen mal es mit der Republik probiren, da sie aufgekommen ist. Aber die Junkerschaft auf den großen Gütern, die immerdar am Throne klebt, beschloß diese Bewegung, welche viel zu urplötzlich war, um streng systematisch zu fahren, durch jedwede Mittel in Unordnung zu bringen, zu aller Art von Ueberschwänglichkeit zu treiben, Frankreich einen neuen Ekel vor der Republik einzuflößen und ihm dann zu guter Stunde ein Königlein wieder auf den Nacken zu pflanzen. Das Provisorium beging täglich Mißgriffe, die Bürgerschaft schrie Jammer und verwünschte die republikanische Staatsform. Ein Bund entstand zwischen legitimistischer Junkerschaft und unadliger Bourgeoisie; man nannte das den Bruderbund des Handels mit dem Boden. Die französische Bourgeoisie war und ist blind, sie sieht nicht, daß ihr Handel und ihre Industrie weit schneller, tiefer erschüttert werden können als der Bodenbesitz der Junkerschaft. Selbst der riesenhafte Weltsturm von 1789 hat unserm Adel nur einen Theil seiner Grundstücke abzwingen können, und es blieb in seinen Händen noch genug, um jetzt das politische Uebergewicht zu haben. Diese unsere Junker befehden nicht mit offenem Helm die Republik, bewahre; sie gehen den Gaunerweg, von hintenher schleichen sie, halten Handel und Wandel auf, vermehren die Anzahl der Armen, ermüden die Nation durch Aufregungen, und dies Alles um dem ruinirten Frankreich Henri V., das Wunderkind, zu präsentiren. Während dieses Manövers verliert der Adel einige Pächter aber den Boden nicht. Die Bourgeoisie aber verliert bei diesem schlechten Spaß Zinsen und Kapital, Kredit und Hülfsquellen; sie bankerottirt und muß heraus aus ihren Fabriken, Komptoiren und Läden. Wer darüber ins Fäustchen lacht, ist der Adel, denn glaubt nur nicht, daß er unsern Bourgeois das Jahr 1789 verziehen hat. In einigen Ortschaften geht ihnen ein Licht auf; sie weigern sich hie und dort, die Kammerauflösungsadresse zu signiren, denn es ärgert sie, daß die Geschäfte wieder stocken, seit diese Auflösung auf's Tapet gebracht worden. Aber wenn dann die Republikaner kommen und zur Unterzeichnung einer Adresse für das Bleiben der National-Assemblée aufrufen, bebt die Bourgeoisie auch zurück und schreit: ich will gar nichts unterzeichnen, ich bin nicht republikanisch. Die Bourgeoisie weiß nichts und will nichts thun; das ist wenig ehrenhaft für sie. Desto mehr thun Legitimisten und Republikaner. Aber der Bauer, der heute noch gegen die Nationalversammlung petitionirt, was will dieser Mann? Wir wissen es nicht; aber wir glauben, im Fall eines Bürgerkrieges, zumal wenn selbiger sich verlängert, daß alsdann unser Bauer als Nationalgüter die Grundstücke der Junker kaufen wird, die heute seine Unwissenheit mißbrauchend, ihm anarchische Unterschriften ablocken; im Bürgerkriege dürften sehr füglich die Gütereinziehungen einen Augenblick wieder auf die Bühne treten.“ Dasselbe Blatt sagt, da Professor Lerminier, der berüchtigte Volksfeind am Collège de France, durch den Jesuitenminister Falloux wieder eingesetzt, ja ihm in einem rührenden Handbillet tiefstes Bedauern über seine frühere Absetzung ausgedrückt wurde, Folgendes: „Die Zeitung Assemblée Nationale beklagt, daß dieser Professor so eben wieder durch Studenten, die von den Februar-Ideen verführt seien, ausgepfiffen worden.
Dies ist doch stark; also soll die Februar-Revolution sich malträtiren lassen von denen die sie besiegt hat? soll sich auf dem Lehrstuhl ruhig und fromm verspotten lassen? und das obenein indem die Reaktion alle Klubs, d. h- volksbelehrende Versammlungen sperrt? selbst volksthümliche Vorträge über Kunst und Wissenschaft verbietet (wie z. B im Redoutensaal die Fourieristischen, die in der Straße Arbalete über Physik und Geschichte) also der Denk-, Rede-, Schreib- und Lehrfreiheit auf's impertinenteste Hohn lächelt?“ Der Jesuitenknecht Minister Falloux hat die Frechheit gehabt, die seit Februar bestehende Administrativschule aufzuheben, worin ein mehrjähriger Lehrkursus die jungen Männer zu Verwaltungszweigen vorbereiten sollte, um dadurch nach und nach dem Nepotismus und der administrativen Vernageltheit vorzubeugen — wofür ihn „Le Pays“ und „L'Opinion publique“ in drei Nummern hinter einander belobt haben. — Die Dünste mehren sich, von allen Seiten ziehen sie sich schwül und grau zusammen. Wohl möglich daß ein Wolkenbruch, eine Sündfluth sonder Gleichen daraus entsteht; die Nationalpartei ist ohnmächtig gegenüber den Legitimisten, die auf dem 100 Mann und darüber starken Kongreß sich hier zusammen finden. Bonaparte heißt in ihrer Sprache nur noch „das Brett, welches allmälig durchgetreten und abgenutzt werden muß“, um nämlich zum Henri Bourbon, Gottes Sohn, zu gelangen. Die „Vérité“ eins der Lieblings-Blätter französischer Kreuzritterschaft, würdige Schwester der neuen preußischen Zeitung sagt: „Die Socialisten begnügen sich nicht mit den offiziellen Methoden des Unterrichts, sondern schreien nach größerer Beachtung der Landessprache, der lebenden Sprachen, der Special- und Professionsstudien, und zu diesem Umsturze (sic) — bouleversement — suchen sie durch jedes Mittel, bei jeder Gelegenheit, unter den imponirenden Vorwänden socialen Interesses und Privatwohlergehens, zu gelangen.“
Die 6000 Mobilgardisten die das Ministerium dieser Tage verabschiedet, d. h. aufs Pflaster wirft, die vielen tausend Büreaubeamten die, unter dem Vorwande einer Staatsersparniß, außer Brod versetzt werden, die Verweigerung der Amnestie, die Verpackung und Versendung der Vincenner Gefangnen nach Bourges vor einen höchst bösartigen Ultrabourgeoisgerichtshof der eigens dazu formirt wird, (Barbes, Raspail und Albert werden wahrscheinlich jede Antwort verweigern, aber trotzdem wohl in die Karre verurtheilt werden), endlich die Klubschließungen: das Alles hat vier Wochen vor dem Februarfest Bedeutsamkeit.
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@facs1141
[ 17 ] Paris, 27. Jan.
Die Glorie des Pascha petit père Armand Marrast, wie der Charivari beweiset, ist soweit herunter, daß er in der großen Oper, als er mit Glacé und golkdnöpfiger weißer Weste und Perlmutterbinocle unter Vorschreiten zweier Kammerhuissiers in der weiland kgl. Loge erschien, mit großem Geräusch und weitaufgerissenen Flügelthüren, vom Parterre erbärmlichst verhöhnt ward. Alle Welt schrie: ah, Marrast, aha, aha, aha. Und p. p. Marrast, einst Redakteur der Tribüne und Lobredner St. Just's und Robespierre's dann Perikles erröthete, was ihm noch nie in seinem Leben passirt war. — Das Auszischen des Renegaten, Professor L;Herminier, hat die Jesuitenschüler so erbittert, daß sie mit Knütteln und einem Hundert handfester Schlingels aus der sogenannten Kongregation des h. Paulus nächstes Mal in die Vorlesung rücken wollen; auch haben sie, heißt es, zu ihrem Schutze Bajonette requirirt. L'Herminier war einst Redakteur von dem Demokratenblatt „Bon Sens“, erklärte einst selbst, Armand Carrel sei ihm auch Arristokrat, und hinter den Barrikaden der Straße Saint Mery sei unter Louis Philipp's Kartätschen das edelste Blut unserer Republikaner geflossen; später abor trat er zu Montalivet's Hofpartei über und ward Maitre des Requetes mit hohem Gehalte. — Professor Lenormand ist vom Jesuitenminister Faloux zum Lehrstuhl des ägyptischen Alterthums ernannt worden, weil er früher in dem ultrajesuitischen „Correspondant“ schrieb und von den Sorbonnestudenten unter Louis Philipp als Päbstling ausgepfiffen und fortgejagt worden; einen ausgezeichneten Archiologen, Prisse, der nebenher 18 Jahre in Aegypten reiste und ein guter Republikaner vor 48 schon war, hat der Ministerjesuit übergangen. Es versteht sich, daß Lenormand nichts von dem Objekt versteht, das er vortragen soll. — Der geistbeschränkte Constitutionel hat übrigens ein dunkles Bewußtsein des nahenden Ungewitters und mit dem einem in seinen theuersten Privilegien bedrohten Tyrannen, eigenen Instink schreit er heute: „Die Situation wird schwärzer denn je seit den Junitagen, das Ungethüm der Demagogie erhebt sich auf's Neue mit verjüngten Kräften und ohne Zaudern rückt es auf sein Ziel los. Vor Kurzem schalten die Demagogen diese Versammlung, und jetzt erklären sie sie für das letzte Bollwerk ihrer Republik. Proudhon's Le Peuple bringt gestern einen Aufsatz: Krieg überschrieben. Es kündigt den Bürgerkrieg an und attakirt nicht etwa das Ministerium, nein, sogar die Person des Präsidenten der Republik (so eben höre ich, daß gegen Mittag die Wegnahme dieser Nummer in dem Redaktionsbureau vollzogen worden) und mit demagogischer Wuth treibt dies Blatt auf jenen ihm so theuren Zeitpunkt hin, wo die Liquidirung der gesammten bestehenden alten Gesellschaft eintreten soll. Wohlgethan hat also unser Ministerium, daß es heute der Kammer ein Gesetz vorlegt, welches alle Klubs in der ganzen Republik ein für allemal verbietet: Unter Klub verstehen wir eine öffentliche periodische oder nicht periodische Zusammenkunft, worin Politik diskutirt wird. Das Wort ist englisch, aber die Sache ist echt französischen Ursprungs und ist dennoch nicht zur französischen Gewohnheit bisher geworden. In England bestehen keine, der National irrt, wenn er den dortigen Dubliner und den Reformclub als Beispiele anführt; hat denn nicht Lord Clarendon den ersten, hat nicht die londoner Konstablerschaft den zweiten. als er in chartistischen Versammlungen unter freiem Himmel und in den Tavernen die sogenannte Volkscharte besprechen wollte, auseinandergetrieben? Nordamerika ist gleichfalls verschont mit diesem Unheil, denn als der französische Nationalconvent einen diplomatischen Agenten hinsandte, um dort Klubs zu formiren, die gegen England aufhetzen sollten, trieb Washington diesen Kluborganisator aus dem Lande.“ Die sozial-demokratischen Blätter erlassen heute eine feierliche Protestation gegen diese impertinente Verstummelung der eben erst votirten Konstitution nach der Franzosen jederzeit und überall das Recht haben, sich „friedlich und ohne Waffen“ zur Diskussion zu versammeln:
„In Betracht, daß das Ministerium somit in unerhörter Weise die Konstitution der französ. demokratischen Republik verletzt und zugleich die natürlichen Menschenrechte, in Betracht, daß das Vereinsrecht älter ist und zugleich länger währt, als jedes positive Gesetz, wie solches ja auch im Text unsrer Konstitution gesagt ist; in Betracht, daß dieser neue ministerielle Gesetzvorschlag nicht etwa Reglementirung der Ausübung dieses Rechts beabsichtigt, sondern es geradezu unterdrückt ohne Weiteres: so protestiren Unterzeichnete energisch und fordern die Versammlung zur Inanklagesetzung der Minister auf, die diesen Staatsstreich zu wagen sich erfrechten. La Reforme: Charles Ribeyrolles, R. en chef, Layla, Loy, Lagarde, Leoutre, Dirigeant und Gerant. La Republique: Eugen Barreste, R. en chef, Hervé. Le Peuple: Darimon, Sekretär, Langlois, Vasbenter, Madier de Montjau, Advokat des Peuple. Le Travail affranchi: Toussenel. Revolution democratique-sociale: Delescluze, R. en chef, Lemaitre, Pilette, Martin, Carré, Biy, der Corrector den Blattes. Die Clubs-Präsidenten: Tessier, Simon Bernard aus Carcassonne, Gamet, Bocquet, Madier de Montjau junior.“
Unter den Bonaparteblättern ist die „Liberté“, der komplette Gegensatz zum „Evenement.“ „Liberté“ fordert, als Organ des Pierre Bonaparte, sofortige Entlassung des Ministeriums Barrot-Thiers-Falloux und Kriegserklärung zu Gunsten Italiens und Polens; auf republikanische Formen gibt sie nicht viel, aber sie verabschut den Lgitimismus und Cavaignacismus. Sie wird stark gelesen auf den Ortschaften des pariser Weichbilds, dessen Bauern sich durch alle bisherigen Schritte ihres frühren Lieblings Louis Bonaparte wenig erbaut fühlen; diese Leute werden unwillig über der Verleugnung des Programms, das Se. Hoheit als Kandidat ihnen demüthiglich überreicht hatte. Er hat jetzt nur einen Kummer: von Nikolaus noch nicht ganz comme il faut anerkannt zu sein; der Romanoff hat dem Bonaparte so eben geschrieben, sein Name sei gefährlich und ehe er weiter mit ihm verhandle, müsse er Garantieen haben, besonders Beschränkung der Associationsfreiheit. Ein französischer Diplomat ist deshalb nach Berlin gereist. Wie die Demokraten diesen Louis Bonaparte beurtheilen, erhellt z. B. aus dem „Citoyen“ von Dijon, dem aus Paris von Charles Payn geschrieben wird: „Seltsame Dinge passiren hier. Der Präsident ist das Objekt der dubiösesten Hypothesen. Dieser Mann speist bei dem Unterrichtsminister Falloux, und dort findet er alle legitimistischen Honoratioren, Notabilitäten und Celebritäten, die dermalen in Paris; auch der Erzieher des Herzogs von Bordeaux (Henri V), ein sozusagen offizieller Reprasentant der Henrianer seit 1830. Volksvertreter, die in der Nähe all diesen Unfug ansahen, sagten mir, sie seien darüber noch ganz anders erschrocken, als die Journalisten, die von fern stehen. Ich will übrigens Sie genau von allen solchen Umständen in Kenntniß halten; das Land muß bereit sein für nahe Ereignisse. So heißt es Bonaparte wolle abdanken (natürlich zu Gunsten des lieben Heinrich), weil er sich zu schwach fühle und nicht auf die echten Republikaner stützen möge. Mag das Exil seine vielgerühmten Geistes- und Charakterkräfte untergraben, oder ein nur ganz leise in die Ohren geraunter Umstand sie geschwächt haben, kurz Bonaparte weiß nicht einen festen Entschluß zu ergreifen. Er läßt lieber sich fortschleppen vom Strom, und man dürfte Voltäre's Vers auf ihn anwenden:
Die bleiche Schwäche sitzt auf dieser Stirn,
Die bleiche Schwäche liegt in diesem Aug,
So blickt ein Tugendstörer, ein Despot,
Ein Missethäter …
Zerstört hat dieser Präsident der Republik in der That schon eine Menge Bürgertugenden, und wenn er den Schritt thut, von dem das Publikum hie und da zischelt, nun so ist die Missethat auch da. Verführer gibt es genug; die Herren von der Regentschaft, Molé, Guizot, Duchatel, die Politiker, nebst den Kriegsleuten Marschall Bugeaud und dem Kommandirenden der pariser Bürgerwehr, Changarnier. Auf der andern Seite zerrt die legitimistische Klike, die eine Regentschaft zu langweilig findet und geradewegs den Henri auf den Thron heben will. Diese Herrschaften waren die Gäste, mit denen Bonaparte dort zu Tische saß. Beide Parteien machen dem Herrn Thiers ihre Aufwartung. Ich versichere Ihnen, in den Vorsälen der Nationalversammlung läuft seit 8 Tagen das Gerücht, Bonaparte wolle als großmüthigster aller Sterblichen abdanken und den Thron herstellen, wodurch seine Eitelkeit sich geschmeichelt fühlt; er wolle thun, was der Kaiser nicht that, als Louis XVIII aus dem Exil ihm schrieb, er möge abdanken und den Titel eines Oberfeldherrn, eines Konnetable davontragen. Odilon Barrot ist jedenfalls schlecht gewillt, Opposition gegen dererlei Manöverchen zu machen; als er die guten Präfekten ab- und lauter louis-philippistische längst dem Volke verhaßt gewordene, wieder einsetzte, da tadelte ihn einer seiner ältesten Bekannten, dessen Illusionen eine nach der andern schwinden, und Hr. Barrot rrief: „„ich bereue bitter meine 18jährige Opposition gegen die Julidynastie; ich thue jetzt Buße!““ —
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[ 12 ] Paris, 27. Januar.
Die Klubs sind untersagt. In dieser frechen Manier beginnt Leon Faucher sein Dekret, trotz der Konstitution, die das Vereinigungsrecht gestattet. Den Franzosen das Vereinigungsrecht untersagen zu wollen, nach der Februar-Revolution, und bei der Herannahung des Jahresfestes der Revolution, das heißt gerade zur Erneuerung der Revolution provoziren. Leon Faucher will den Franzosen das Vereinigungsrecht untersagen, und die Franzosen vereinigen sich zu Tausenden, zu Hunderttausenden, um zu protestiren in unabsehbaren Zügen gegen wen? Gegen Leon Faucher! Armer Leon Faucher! Nein, sie rücken heran, um zu protestiren gegen die Gewalt, welche den Gedanken dieses Verbotes faßte, sowohl als gegen die Gewalt, welche über das Verbot dekretiren soll. Eine furchtbare, vereinigte Masse ist bereit, über Louis Napoleon, Faucher und Barrot hinwegzuschreiten, bis zu den Pontons hin, wo die Juni-Insurgenten noch immer auf die versprochene Amnestie harren.
Die Journale der Opposition haben alle protestirt gegen Leon Faucher's unerhörten Antrag; der National, obgleich er in seinem Leitartikel sehr heftig auftritt, hat den Protest nicht mitunterschrieben.
Die Revolution kündigt sich mit allen sie begleitenden Symptomen an. Die Revolution in Paris ist kontagiös. Es handelt sich nicht mehr von Banquets, wie im Februar, wo man schmauste und trank, um bei dem Schmausen und Trinken einige Toaste durchzubringen; es handelt sich nicht mehr vom gemeinschaftlichen Leben, wie es errungen worden durch die Februar-Revolution; es handelt sich von Coalitionen und Assoziationen, die ihren Ausdruck in den Klubs gewonnen hatten, und diese Klubs, als den Heerd des Contagiums will man vernichten. Da verläßt das Contagium seinen Sitz; es geht heraus aus den Sälen, aus den Häusern; es rafft sich zusammen in einer furchtbar schwarzen Masse und lagert sich in den Straßen von Paris.
Napoleon und seine 5 Millionen Stimmen? Aber diese 5 Millionen, haben wir immer gesagt, galten nicht Napoleon dem Kaiserlichen, nicht Napoleon dem Konstabler, sie galten jenem andern Assoziationsrechte, das nach Außen seinen Boden hatte, sie galten jenen Coalitionen der Franzosen, die sich dem coalisirten Europa entgegenstellen; und da Barrot und Napoleon und die ganze Rothschild'sche Clique dieses Assoziations-Recht zu ihren Gunsten deuten wollen, zu Gunsten der Ruhe und Ordnung, so steht auf einmal die Ruhe und Ordnung auf und erhebt ihr Haupt drohend gegen die Ruhe- und Ordnungsführer. Eine Regierung, gesteht das Journal des Débats ein, ist unvereinbar mit den Clubs; die öffentliche Sicherheit kann nicht bestehn mit dem Fortbestehn der Clubs; die Clubs stehn der öffentlichen Sicherheit feindlich gegenüben. — Die Freiheit der Clubs ist die Freiheit der Anarchie; wir achten alle Freiheiten, wir lassen sie alle gelten, diejenigen ausgenommen, welche einen Staat in dem Staate konstituiren, 20 Regierungen der regelmäßigen Regierung entgegensetzen will.“
Das ist die Sprache des Rothschild'schen Staates, desjenigen kleinen Staates, welcher den ungeheuren Proletarier-Staat durch Renten, Eisenbahn-Aktien und Bankscheine in seiner Tasche behalten will. „Die Nothwendigkeit der Gesellschaft, sagt der Constitutionnel, hat dem Ministerium die Nothwendigkeit geboten, die Clubs zu schließen.“ Das Vereinigungsrecht, ob es sich in den Clubs oder den Assoziationen kund gibt, steht also der Gesellschaft feindlich gegenüber. Es gibt also eine andere Gesellschaft, die ihren Untergang vor Augen sieht mit dem Fortbestehn der Assoziationen, der einzigen Errungenschaft der Februar-Revolution, und diese andere Gesellschaft, welche bereits im Februar unterlegen, welche aber, weil sie die Bedingungen ihrer Existenz, die Staatsschuld, die Hypotheken, die Eisenbahnen, mit einem Worte das Kapital gerettet, wiederum zur Herrschaft gelangt ist, kann nur ihre Herrschaft behaupten, indem sie die Assoziationen zersprengt, welche sich dem Drucke dieser Herrschaft entgegensetzten. Wenn also der Constitutionnel sagt, daß die Gesellschaft bedroht ist durch die Assoziationen, so heißt dies anders nichts, als daß das Kapital, welches die Gesellschaft exploitirt, sich im Widerspruch befindet mit der andern Gesellschaft, welche exploitirt wird. Und diese andere Gesellschaft, welche exploitirt wird, das sind nicht mehr die Proletarier allein; es ist der ganze kleine Mittelstand, der, nachdem er geholfen hat die Juni-Insurgenten zu bekämpfen, selbst bekämpft und in's Proletariat geschleudert wurde nach der Junischlacht durch die Verweigerung der Concordats à l'amiable von Seiten der großen Bourgeoisie. Die „Assemblé Nationale“ und der „Siécle“, treten für die bedrohte Gesellschaft auf. Wie nun die Frage gelöst werden mag, ob durch die Kammer, ob durch die Assoziationen, ob auf „gesetzlichem Wege“, oder durch die alleinige Kraft der Assoziationen, die durch ihr Auftreten, durch ihre massenhafte Erscheinung dem zu bildenden Gesetze Gesetzeskraft verleihen, die offizielle Gesellschaft Napoleon's und Barrot's ist vernichtet. Wenn nämlich die Kammer, als Ausdruck der offiziellen Gewalt, noch Zeit übrig haben sollte die Frage zu entscheiden, so setzt sie sich entweder in offene Feindschaft mit dem ganzen Proletariat, und dann ist der Kampf unvermeidlich, oder mit der hohen Bourgeoisie, und damit ist sie genöthigt, gemeinsame Sache zu machen mit den „Clubs, mit der Anarchie“ — dann stellt sie sich auf revolutionären Boden.
Der National, der für die Freiheit der Associationen auftritt und bereits durch eine sogenannte Regulirung der Klubs einen Mittelweg eingeschlagen hat, möchte auch dieses Mal diesen Ausweg einschlagen. Aber dieses Mittelding ist unmöglich. Die Regulirung der Klubs, wie sie damals unter Dufaure durchging, hat zur Regulirung der Associationen geführt; hinter den Klubs stehen jetzt die organisirten Associationen, die der Reaktion geradezu den Entschluß zur Schließung der Clubs eingegeben haben. Der Mittelweg ist daher jetzt unmöglich: und die Revolution steht vor der Thüre. Die Clubs haben in der letzten Zeit die Nationalversammlung unterstützt; sollte daher die National-Versammlung auch nur im geringsten Lust bezeugen, die Clubs zu schließen, so bleibt den Clubs nichts übrig, als ihrerseits die Nationalversammlung zu schließen.
Nationalversammlung. Sitzung vom 27. Januar.
Eröffnung der Sitzung um 2 1/2 Uhr. Fortsetzung der Diskussion über den Staatsrath. Ein Amendement des Herrn Rivot zu § 50 und 51 des Gesetzvorschlags wird angenommen.
Die Diskussion über den Staatsrath bietet für die auswärtigen Leser kein näheres Interesse.
Der Präsident (Marrast). Ich muß der Versammlung K[e]nntniß geben von einem Requisitorium des Generalprokurators bei dem Appelhof zu Paris, worin er um Autorisation zur gerichtlichen Verfolgung gegen den Bürger Proudhon bei der National-Versammlung ansucht.
Das Requisitorium lautet wie folgt:
„In Erwägung, daß Proudhon unterzeichnet hat und sich als Verfasser der beiden in das Journal „le Peuple“ eingerückten Artikel bekennt, die mit folgenden u. s. w. Worten beginnen: in Erwägung, daß diese Artikel die durch die Constitution dem Präsidenten der Republik übertragenen Rechte angreifen; in Erwägung, daß sie zum Hasse gegen die Regierung und zum Bürgerkriege aufreizen; in Erwägung, daß das durch das Journal „le Peuple“ verübte Vergehen durch Duchène, den verantwortlichen Geranten dieses Blatts, und durch den Herrn Proudhon begangen ist u. s. w. ersucht der Generalprokurator die National-Versammlung ihn zur gerichtlichen Verfolgung gegen Proudhon zu autorisiren.“
Der Präsident erklärt, daß das Requisitorium den Abtheilungen übergeben werden würde.
Proudhon: Ich protestire von vorn herein gegen diese Beschuldigung. Ich habe nur Eins bezweckt, vor diese Versammlung, vor die Gerichte die Frage von der Verantwortlichkeit des Präsidenten der Republik zu ziehen. Der Minister antwortet auf eine constitutionelle Frage durch Beschlagnahme von Journalen, durch Verfolgungen. Nun wohl, ich werde mich vor der Kommission aussprechen und auf der Tribüne, wenn es nöthig ist. (Bewegung.)
Nach Erledigung dieses Zwischenvorfalles kommt die Clubfrage auf die Tagesordnung.
Die zur Prüfung des vom Minister Faucher gestellten Dringlichkeitsantrags wegen Schließung des Klubs erwählte Kommis- [1142] ion ist zusammengesetzt aus den Bürgern: Bovoux, Germain Sarut, Th. Bac, Pegeorges, Th. Gaudens, Emmery, Baune, E. Pean, Ducoux, Bechard, Senard, Laurent, Liechtemberger, de Charencay und Cremieux.
Senard:(Als Berichterstatter im Namen der Kommission).
Die Kommission hat geglaubt, daß der so wichtige durch die Regierung vorgelegte Gesetzentwurf eine Verletzung des Art. 8 der Konstitution enthält. Wir haben den Minister des Innern ersucht, uns die überwiegenden Gründe anzugeben, welche die Dringlichkeit eines solchen Antrags motiviren könnten. Diese Gründe schienen uns unzureichend. Die Kommission hat daher die Dringlichkeit nicht anerkannt und beantragt die Verweisung des Vorschlags in die Abtheilungen.
Odilon-Barrot. Ich hielt dafür, daß die Frage, die euch vorliegt, eine der Fragen ist, die einmal gestellt, im kürzesten Zwischenraum gelöst werden muß. Der Sinn der Konstitution ist klar; sie unterordnet das Recht der Klubs dem Bedürfnisse der öffentlichen Sicherheit. Die Kommission hat ein schlechtes Mittel gewählt; wir haben unsere Schuldigkeit gethan.
Ledru-Rollin. Nicht wir, die Regierung hat die Frage gestellt, und wenn sie es ohne irgend eine neue Veranlassung gethan, so wird die Versammlung diese Taktik richtig würdigen. Man hat nicht einmal untersucht, ob es nicht genüge, die Klubs gewissen Regeln zu unterwerfen oder zu suspendiren. Es gibt eine Sache, die schlimmer ist als die Klubs. Es ist dies die Verletzung der Verfassung.
Senard besteigt noch einmal die Tribüne und führt noch einmal aus, daß eine so wichtige Materie der Gegenstand besonderer Studien in den Abtheilungen sein muß.
Auf den Antrag von mehr als 40 Mitgliedern wird zum Scrutinium geschritten.
Das Resultat der Abstimmug ist folgendes:
Zahl der Stimmenden 760.
Absolute Majorität 381.
Für den Antrag des Berichterstatters gegen die Dringlichkeit: 418.
Gegen den Antrag des Berichterstatters für die Dringlichkeit: 342.
Der Dringlichkeitsantrag des Ministers Faucher ist also verworfen. Montag wird eine Kommission von 15 Mitgliedern zur Prüfung des Gesetzesvorschlags über die Clubs ernannt worden.
Ledru Rollin deponirt einen Antrag auf Versetzung des Ministeriums in Anklagezustand.
Unter dem Rufe: „Es lebe die Republik!“ wird die Sitzung um 7 1/4 Uhr geschlossen.
Großbritannien.
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[ 068 ] London, 27. Jan.
Der heutige „Northern Star“ enthält einen ausführlichen Bericht über ein großes Bourgeois-Meeting zu Gunsten der von Cobden angeregten Finanz-Reform, welches am vorigen Montag zu Nottinghill abgehalten wurde und bei dem auch Feargus O'Connor, der Chartistenführer, als Eingeladener erschien und mit den donnerndsten Cheers empfangen wurde. In einer längern Rede erklärte O'Connor, daß er dieser Bewegung nicht beipflichten würde, wenn sie bloß die Interessen der Bourgeoisie verfolgte. Wäre dies der Fall, so würde er ihr opponiren. „Aber“, fuhr O'Connor fort, „ich pflichte ihr bei, weil ihr Führer, Mr. Cobden, es offen ausgesprochen hat: Hiebei bleiben wir nicht stehen! Es sind nicht allein die Mittelklassen und ihre Erleichterung durch eine Reform des jetzigen Steuersystems, die ich ins Auge fasse; ich halte mich vielmehr an die Arbeitsfrage durch deren Regelung die unzähligen Gewerbtreibenden, von welchen ich umgeben bin, unermeßlich gefördert werden würden. Ihr müßt die Steuern direkt machen und sie nicht auf die Industrie, sondern auf wirkliches Eigenthum erheben, (Cheers) und wenn der Steuerzahler der Gesetzmacher ist, so wird er durch Mr. Cobden's Brille sehen und finden, daß Friede durch Zufriedenheit billiger ist, als Friede durch Bajonette!“ — Später entwickelte der Redner, daß er natürlich die Charter der beabsichtigten Finanzreform als Mittel zur Hebung der Volkswohlfahrt vorziehe, daß dies jedoch ihn nicht abhalte, den gemeinsamen Feind, die Aristokratie, einstweilen Hand in Hand mit den Mittelklassen zu bekämpfen. Die Aristokratie habe ihn bestechen wollen, sich der Cobden'schen Reform zu widersetzen, er aber habe ihren Lockungen widerstanden, er werde mit den Arbeitern, für die er seit Jahren gerungen habe, stehen und fallen! — O'Connor's Auftreten fand den lebhaftesten Beifall. Als er die Charter erwähnte, wollten die Cheers und das Klatschen nicht enden, und die Versammlung nahm ihn auf Vorschlag des Präsidenten mit Hurrah zum Mitgliede der Assoziation auf. — Die Wichtigkeit einer durch dies Meeting angebahnten Näherung zweier Elemente, die sich bisher so feindlich gegenüberstanden, springt ohne weitern Kommentar in die Augen.
Schweden.
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Stockholm, 16. Jan.
Ein merkwürdiger Preßprozeß liegt den Gerichten der Hauptstadt vor. Es wurde neulich in der ersten Abtheilung des Untergerichts aufgerufen: „Se. Maj. der König von Preußen contra Andreas Wilhelm Rosenberg. Dieser Herr Rosenberg ist der neue Herausgeber des Dagligt Allehanda und dieses Blatt hatte in einem Gedicht den König von Preußen in einer Weise angegriffen, daß der preußische Minister einschreiten zu müssen meinte. Der schwedische Justizminister hat nun auch dem Ankläger Befehl gegeben, Hrn. Rosenberg zu belangen. Der Angeklagte wendet nun aber ein, daß das Gesetz nur die Beleidigung befreundeter Mächte verböte, damals zur Zeit des schleswigschen Krieges aber der König von Preußen feindselig zu Schweden gestanden. Der Präsident des Gerichts hat Hrn. Rosenberg den Beweis auferlegt, er möge durch irgend eine competente Behörde sich eine Bescheinigung verschaffen, daß der König von Preußen sich nicht in befreundeten Verhältnissen zu Schweden befunden. Der Faktor Rosenberg hat die Competenz des Gerichts bestritten. Die Sache ist neulich wieder ausgesetzt. —
Türkei.
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[ * ] Konstantinopel, 4. Jan.
Abbas Pascha und sein Justizminister warten noch immer auf die förmliche Investitur. Die Cholera ist wieder erschienen und ärger als zuvor. Sie verbreitet sich auch in Griechenland nahe an der türkischen Gränze, und aus Larissa sind die meisten Einwohner vor ihr nach den benachbarten (weil gesündern) Städten und Dörfern entflohen. Bei Adrianopel wird ein beträchtliches Heer zusammengezogen werden. Aus Anatolien langen bereits eine Menge Truppen an. Der Befehlshaber der anatolischen Armee ist nebst vielen andern militärischen Chefs hier eingetroffen.
Westindien.
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[ 068 ]
Der Dämpfer „Teviot“ ist mit der westindischen Post in Southampton eingelaufen. Die Nachrichten aus Jamaica gehen bis zum 22. December. Nichts Wichtiges. Der mexikanische Kongreß hatte sich am 2. Dcbr. vertagt. Gegen Santa Anna herrscht Verdacht, daß er in eine Verschwörung gegen die Regierung bereits tief verwickelt ist. In Mexiko soll eine Nationalbank zur Fundirung der Staatsschuld errichtet werden. Es wird eine völlige Reorganisation der mexikanischen Armee vorbereitet. Der Guerillakrieg in der Gegend zwischen Mexiko und Vera Cruz dauert fort. Die Diligenzen werden regelmäßig geplündert. Paez ist jetzt in Curacao. Die Venezuelische Flotte, die jetzt vor Cora liegt, salutirte vor ihm.
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[ 068 ]
Ein Correspondent des „Bülletin“ schreibt demselben: „Ich hatte gestern mit einem direkt aus Havana kommenden Herrn eine Unterredung, worin er mich versicherte, auf der ganzen Insel Cuba herrsche die Meinung, daß die Vereinigten Staaten wegen Ueberlassung Cuba's gegen einen anständigen Kaufpreis Unterhandlungen mit der spanischen Regierung angeknüpft hätten. Personen, die Grundeigenthum verkaufen wollten, schieben in der Hoffnung, daß sich das Gerücht bestätigen wird, ihre Pläne auf. Denn, sagen sie, wird die Insel an die Union abgetreten, so steigt der Werth alles Eigenthums um 3-500 Procent. Ein Pflanzer hatte schon die Auction seiner Besitzungen kundgemacht, als er aber von den eben gedachten Unterhandlungen hörte, riß er selbst die Auctionsassichen herunter und weigerte sich, den Verkauf stattfinden lassen. Onkel Sam steht auf der Insel in großem Credit.
[Redakteur en chef Karl Marx. ]
[Leserbrief]
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[ * ] Köln.
Hr Carsten-Finken. Fabrikmeister der Herren Gebr. v. Rath erklärte auf unsere Anfrage in der Beilage zu Nr. 204, daß das Gerücht von seiner Entlassung aus dem Dienste obiger Herren, in Folge der Wahlen, „rein aus der Luft gegriffen“ sei. Wir werden Erkundigungen einziehen, ob in der uns deßhalb gemachten Mittheilung Hr. Carsten-Finken gemeint ist, oder ob sie sich nicht vielleicht auf einen anderen bezog.
Handelsnachrichten.
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Der Gerant: Korff.
Druck J W. Dietz, unter Hutmacher 17.
[Anzeigen]
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Bekanntmachung.
Die diesjährige Heberolle der Beiträge für die bei der Rheinischen Provinzial-Feuer-Societät versicherten Gebäude der Stadt Köln, ist heute dem Steuer-Einnehmer Herrn de Berghes zugestellt worden. Die betreffenden Hausbesitzer werden demnach hiermit veranlaßt, ihre resp. Beiträge innerhalb der im §. 29 des Reglements vom 5. Januar 1836 festgesetzten Frist von 8 Wochen an den genannten Empfänger einzuzahlen.
Köln, den 24. Januar 1849.
Das kön. Oberbürgermeister-Amt, Justizrath Schenk.
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Das neu hergestellte und auf's Eleganteste, im ersten Stock mit einem Divan und 3 Billards versehene Café Suisse, dem Theater de la Monnaie gegenüber, empfiehlt der Eigenthümer desselben um so mehr allen resp. deutschen Reisenden, da in demselben außer den französischen, englischen, belgischen und holländischen Journalen, auch noch folgende deutsche Blatter, in keinem sonstigen hiesigen Kaffehause vorräthig, zu finden sind:
Die Neue Rheinische Zeitung.
Weser Zeitung.
Zeitungs-Halle.
Frankfurter Journal und
Kladderadatsch.
Brüssel, 23. Januar 1849.
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Anfrage.
Wie geht das zu, wenn man neue, feine wollene Unterröcke aus dem Pfandhause zurückerhält, daß sie denn gewaschen, und die Bänder abgerissen sind.
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Versteigerung.
Am Samstag den 3. Februar 1849, Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Markte St. Aposteln zu Köln, verschiedene Hausmobilien, als: Tische, Stühle, Kommode, Spiegel, Sopha, Schränke, ein Schreibpult, eine Theke etc, gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher, Clören.
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Versteigerung.
Am Dienstag, den 30. Januar 1849, Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Waidmarkte zu Köln, mehrere Stücke Buckskin gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher Clören.
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Versteigerung.
Am Dienstag, den 30. Januar 1849, Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Markte St. Aposteln in Köln, verschiedene Hausmobilien, als: ein Kleiderschrank, Ofen mit Trommel und Pfeife, ein Küchenschrank und Tisch gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvullzieher Clören.
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In der Ausgabe von Nro. 24 der Kölnischen Zeitung macht Hr. G. Heuser bekannt, daß die Neue Rheinische Zeitung seine „Antwort“ nicht aufgenommen habe, trotzdem er dieselbe schon am Sonnabend um 9 1/2 Uhr Morgens zur Expedition der N. Rh. Ztg. geschickt habe. — Herr G. Heuser hatte jedenfalls die N. Rh. Ztg. gelesen, als er der Köln. Ztg. die „Antwort“ mit der voreiligen Bemerkung darunter zuschickte; er mußte also gesehen haben, daß am folgenden Morgen eine zweite Ausgabe erscheinen und hiernach erwarten, daß seine „Antwort“ in dieselbe aufgenommen werden würde. Oder bildet sich vielleicht Herr Heuser ein, daß seiner „Antwort“ vor anderen Inseraten ein Vorrang zukomme?
Die Expedition der N. Rh. Ztg.
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Ein Lehrling wird gesucht für Dekorationen und Anstreichen, wo sagt die Expedition.
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J. van Binsbergen, D. Boers J. Hzn., J. Duuring Jr., J. Witkamp, A. C. Dalen, A. van Binsbergen, J. Kolff, J. F. Sauerbier, L. L. Jacobson, J. Sinderam, L. J. Plemp van Duiveland, C. Suermondt Jr., J. Boon, J. B. Breukelman, P. J. van Houten, M. Breukelman, J. F. Wisscherhoff, C. J. de Lange, H. Montauban van Swyndregt, F. R. Montauban van Swyndregt und W. H Montauban von Swyndregt, Mäkler zu Rotterdam, werden am Mittwoch, den 28. Februar 1849, des Vormittags um 11 Uhr, im Hause der Notarien daselbst, verkaufen:
  • 344 Ceronen süße Mandeln,
  • 182 Ceronen bittere Mandeln,
  • 36 Ceronen Abrikosenkerne,
  • 126 Ballen Wolle,
  • 28 Fässer Gummi-Arabicum,
  • 18 Fässer Gummi-Sandarac,
  • 8 Ceronen Gummi-Amoniac,
  • 4 Ceronen Orris-Wurzel,
  • 2 Ceronen Wachs,
  • 1 Faß Koloquinten,
  • 14 Ceronen Kümmel (Semen carvi),
  • 1 Cerone Anissamen,
  • 3 Ceronen Kümmel (Semen cumini),
  • 19 Fässer Gingelensamen,
  • 1 Fässer Kanariensamen,
  • 17 Fässer Olivenöl, und
  • 1 Partie Straußfedern,
angebracht durch das Schiff Newa, Capitän L. J Doekes, von Mogador (Marokko);
66 Stück Elephantenzähne,
3 Ballen Guincakörner, und circa
100 Stück schwarze Affenfelle,
angebracht durch das Schiff „Gouverneur van der Eb,“ Capitän J. van der Eb, von der Küste von Guinea;
45 Fässer Tamarinde (in Entrepot), angebracht durch das Schiff „Ternate,“ von Batavia;
88 Fässer Tamarinde (in Consumo), angebracht durch das Schiff „J. C. J. van Speyk,“ von Batavia;.
40 Fäßchen Curacaoschalen (in Entrepot), angebracht durch das Schiff „Raphael,“ Capitän Visser, von Cura[unleserlicher Text]ao;
23 Fäßchen Curacaoschalen (in Entrepot), angebracht durch das Schiff „Cornelius,“ Capitän Fokkes, von Curacao;
75 Fäßchen Curacaoschalen (in Entrepot), angebracht durch das Schiff „Jan Visser,“ Capitän Driest, von Curacao.
Die Mandeln, Abrikosenkerne, der Gummi-Sandarac, das Wachs und der Kümmel lagern im Entrepot, Wyk A Nro. 97, an den Boompjes.
Die 45 Fässer Tamarinde, angebracht durch das Schiff „Ternate,“ und die Curacaoschalen lagern im Entrepot, Wyck A Nro, 138, an den Boompjes.
Die übrigen Waaren lagern in Consumo in den Packhäusern hinter dem Comptoir des Herrn H van Ryckevorsel.
Der Verkauf geschieht in Partien, welche durch die Notizen näher bezeichnet werden.
Nähere Auskunft ertheilen die oben genannten Mäkler.
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Interpellation an den komm. Oberbürgermeister Gräff!
Nach der öffentlichen Bekanntmachung des komm. Oberbürgermeisters muß der zur ersten Kammer berechtigte Urwähler entweder für 5000 Thlr. Grundbesitz, oder 500 Thlr. reines Einkommen haben, oder endlich nachweisen, daß er 8 Thlr. Klassensteuer zahlt. Da nun aber hier in Köln keine Klassensteuer besteht, so hätte der komm. Oberbürgermeister angeben sollen, welcher Gewerbesteuersatz jener Klassensteuer von 8 Thlr. gleich steht.
Man hat hier theilweise angenommen, daß 24 Thlr. Gewerbesteuer so gut zur Urwahl qualifiziren, als 8 Thlr. Klassensteuer. Auch scheint dies amtlich hier angenommen worden zu sein, da Vi[e]le, die 24-30 Thlr. Gewerbesteuer zahlen, in die Listen aufgenommen, sehr viele aber ausgelassen worden sind.
Wir fragen nun den komm. Oberbürgermeister Gräff: Warum ist dies geschehen? Und warum hatte man nicht von Amtswegen alle diejenigen ohne Ausnahme aus der Steuerrolle in die Wählerlisten eingetragen, die wegen ihres Steuersatzes dazu berechtigt sind?
Hierauf möge der komm. Oberbürgermeister antworten!
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Anfrage an den komis. Ober-Bürgermeister Herrn Graeff hier.
Bei der Wahl der Stadträthe erhielt jeder Wähler der drei Klassen eine schriftliche Einladung von Amtswegen. Bei der heutigen Wahl der Wahlmänner zur 1. Kammer, ist dieses nicht geschehen, es kann also nicht jeder hierzu Berechtigter wissen, ob er aufgenommen ist und mit wählen kann, da eine Masse ausgelassen sein sollen. Weshalb unterblieb eine derartige Einladung. Vielleicht schützt man vor, die Zeit hierzu sei zu kurz gewesen, oder stecken vielleicht andere Motive dahinter? Wir erwarten eine offene Antwort.
Mehrere Wahlberechtigte
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Friedrichshaller Bitterwasser frische Füllung wieder angekommen bei Aug Itschert, Friedrich-Wilhelmstraße Nr. 3.
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Alle diejenigen, welche durch ihren Steuersatz, ihr Einkommen oder Vermögen zur Urwahl für die erste Kammer berechtigt, aber in die Liste der Urwähler nicht eingezeichnet sind, werden hiemit zur Berathung eines Protestes gegen das Verfahren des Oberbürgemeisters auf Dinstag den 30., Nachmittags 4 Uhr bei Obladen, Streitzeuggasse eingeladen.
Mehrer Urwähler für die erste Kammer deren Namen nicht in die Listen verzeichnet sind.
@typejAn
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Steinfeldergasse —1, ganze Haus 14 Piecen, gute Keller, Speicher, Gärtchen, Bleichplatz, Brunen- u. Regenwasser, oder auch theilweise zu vermiethen.
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Packetschiffahrt HEYDORN & Comp. Rheder in Bremen.
Die mir zugegangenen Berichte lauten: SAN FRANCISCO, den 31. Oktober 1848.
Man findet täglich neue Minen und dieselben sind buchstäblich unerschöpflich; die sanguinischen Erwartungen werden übertroffen, das Gold ist fast ganz rein, man findet täglich für circa 100,000 Dollars im Durchschnitt; bei den Gruben lässt sich Niemand Zeit zur Erholung, und da sich jeder mit dem Goldsuchen beschäftigt, so ist Proviant sehr theuer.
NEW-YORK, den 14. Januar 1840.
Die letzten Berichte aus Californien übertreffen alle frühern, indessen hofft man, dass durch die enorme Ausbeute, der Werth des Goldes doch nicht gedrückt werde und merkt man dies schon bei der lebhaften Frage nach Staatspapieren. Man macht in der Stille die grossartigsten Unternehmungen nach Californien.
WASHINGTOM, den 5. Januar 1848.
Im Congress macht man durchaus keine Anstalten um bei Ausbeutung der Goldminen in Californien einzuschreiten.
Das dreimastige gekupferte schnellsegelnde Packetschiff I. Klasse: TALISMANN von 550 Tons, Capt. A. HORSTMANN segelt jedenfalls im März von Bremen nach San Francisco
Diesem werden schnell nacheinander folgen die Packetschiffe I, Klasse: „REFORM“, „HERZOG ELIMAR“, „MATADOR“, „EXPRESS“ u. s. w.
Genauere Berichte zur Ueberfahrt, so wie Passagepreise, Güterfrachten, Assecuranzen u. s. w. werden auf franco Anfragen mitgetheilt von C. H. van Zütphen, Spediteur in Cöln
NB. Für Einschreibung der Güter und Lösung der Passagierbillets sind durchaus keine Provisionen zu vergüten.
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Stollwerck'scher Saal.
Mittwoch den 31. Januar 1849 findet der zweite Große Masken-Ball unter Leitung des Herrn Franken Sohn Statt.
  • Billets für Herren à 15 Sgr:
  • Billets für Damen à 7 1/2 Sgr:
  • sind bei Unterzeichnetem und bei Hrn Franken
    Sohn, Sassenhof, so wie Abends an der Kasse
zu haben.
Franz Stollwerck