[1223]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 223. Köln, Freitag den 16. Februar. 1849.
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Insertionen werden mit 18 Pf. die Petitzeile oder deren Raum berechnet.
Auskunft, Annahme und Abgabe chiffrirter Briefe gratis.
Nur frankirte Briefe werden angenommen.
Expedition Unter Hutmacher Nro. 17.
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Den Freunden unseres Blattes, welche noch zu abonniren wünschen, [die] Anzeige, daß wir für die Stadt Köln Abonnements für den Zeitraum vom 15. Februar bis 31. März zum Preise von 20 Sgr. praenumerando entgegen nehmen.
Auf die vielen Anfragen von auswärts bedauern wir erwidern zu müssen, daß unsere desfallsigen Anträge bei der Post auf Hindernisse gestoßen sind.
Die Geranten .
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Der demokratische Panslavismus. — Gödsche und Ritter.) Bonn. (Der Doppelprozeß gegen Kinkel.) Mühlheim. (Die Neuwahl.) Barmen. (Eine lämmelbrüderische Adresse.) Münster. (Dembinski.) Berlin. (Das Einrücken der Russen in Siebenbürgen bestätigt. — Die Wahlen. — Eine Herzensergießung des preuß. Königs. — Statistisches über preußische Eisenbahnen.) Halle. (Erklärung des Pastor Baltzer.) Breslau. (Wahlen zur ersten Kammer. — Engelmann. — Die „A. O. Z.“) Wien. (Neue Kassenanweisungen. — Verurtheilung. — Soldatenbestialität in Gratz.) Kremsier. (Memorandum des Salzburger Episkopats.) Frankfurt. (National-Versammlung. — Ein Curiosum.) Hannover. (Preußisches Aufgehen in Deutschland.) Apenrade. (Die Gefangenen des Brönser Landsturms.)
Ungarn. Pesth. (Vortheile der Magyaren.)
Italien. (Die Flucht des Großherzogs von Toskana.) Pistoza. (Flucht des Herzogs von Modena) Mailand. (Die militärischen Bewegungen. — Auswanderung. — Confiscation und Plünderung.) Vor Venedig. (Die Bombenballons. — Subscription.) Turin. (Albini.)
Franz. Republik. Paris. (Der Diplomaten-Congreß in Brüssel. — Ein Brief Odilon-Barrot's. — Vermischtes. — National-Versammlung.)
Belgien. Brüssel. (Die „Independance.“ — Lelewel.)
Großbritannien. London. (Parlament. — Ministerielle Resolutionen gegen die Schifffahrtsgesetze.)
Deutschland.
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Edition: [Friedrich Engels: Der demokratische Panslawismus, vorgesehen für: MEGA2, I/8. ]
[ * ] Köln, 15. Februar.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
[Feuilleton]
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Mein viermonatlicher Aufenthalt in Hoch-Californien unter den Goldwühlern.
Der Verfasser dieser Schrift ist ein engl. Arzt, Namens Brooks, der vor einigen Jahren nach Amerika ausgewandert war, um, wie man sagt, sein Glück zu machen, als Arzt wohlverstanden.
Er hatte die Provinz Oregon für seine ärztliche Praxis sich auserlesen; aber die Patienten liefen spärlich und das Glück noch spärlicher ein. Von Ort zu Ort nach Kundschaft laufend, beschloß er im Jahre 1848, als eben die Amerikaner Californien erobert hatten, denselben seine ärztlichen Dienste anzubieten.
Er machte sich daher auf nach San Francisco, und der Ehrgeiz unseres Arztes ging damals nicht weiter, als eine Chirurgenstelle in dem Regimente der Freiwilligen von Newyork zu erhalten, das unter dem Commando des Obersten Mason stand.
Nun denke man: mitten unter einer Bevölkerung, die damit beschäftigt war, Häuser und Magazine zu errichten, und alle Vorarbeiten zu einer Handelsstadt machte, die später mit London und Newyork wetteifern darf, traf plötzlich die Kunde ein von den unschätzbaren Goldlagen, die eben in dem benachbarten Thale von Sacramento, in einer Entfernung von kaum 30 Meilen, entdeckt worden. Die Wirkung davon ward gleich sichtbar.
In weniger als einer Woche stand Alles leer: Häuser, Magazine, Bauten, Laden, Alles wurde aufgegeben, und mit diesem abenteuerlichen Geiste und der Schnelligkeit des Entschlusses, welche die Amerikaner besonders charakterisirt, zog man hin zum neuen Eldorado: Magistrate, Kaufleute, Soldaten und Matrosen — alle hatten ihre Geschäfte niedergelegt, oder waren von ihren Posten desertirt, um die Goldminen aufzusuchen.
Unser Arzt Brooks folgte dem Strome, und war während vier Monate dermaßen mit seiner Goldmacherei beschäftigt, daß er die ganze Zeit über seine Familie und Freunde in Europa vergessen. Durch Krankheit genöthigt, in die Stadt zurückzukehren, will er seine Nachläßigkeit wieder gut machen, und schickt nun seiner Familie das Manuscript eines Tagebuches, das, wie man sich denken kann, in der Zeit seiner Expedition in dem Goldlande ziemlich unregelmäßig geführt worden. Dieses Tagebuch hat den Stoff zu dem Bändchen geliefert, das uns vorliegt, und welches vor einigen Tagen erst in London erschienen. Der Bruder des Hrn. Brooks nämlich hat es für seine Pflicht gehalten, die darin gesammelten Noten der Oeffentlichkeit zu übergeben, um den Auswanderern nach Californien einen Anhaltspunkt in die Hände zu geben. Die Erzählung, die wir hier in ihren Hauptumrissen mittheilen, wird zeigen, welchen Dienst Hr. Brooks dem Publikum geleistet.
Das Tagebuch fängt an mit dem 28. April 1848. An diesem Tage gelangte Brooks in den Hafen von San Francisco mit zwei andern Emigranten Malcolm und Macphail, die wie er, in der Provinz Oregon nicht sonderlich ihr Glück gemacht hatten, und die später seine Associrten in der Ausbeutung der Goldlager wurden.
Noch weit entfernt, auch nur die leiseste Ahnung von den Schätzen zu haben, die ihnen so nahe lagen, waren unsere Reisende die erste Zeit nur darauf bedacht, sich Erkundigungen über Klima, Boden u. s. w. einzuholen.
Ein Amerikaner, Namens Bradley, gab ihnen die gewünschten Aufklärungen. Dieser Bradley, der später mit ihnen nach den Goldquellen lief, hatte selbst, ungeachtet seines achtjährigen Aufenthalts in Californien, noch nicht die geringste Ahnung von dem vorhanden sein der kostbaren Metalle. Nach den ersten Erkundigungen wurde der Entschluß gefaßt, gemeinsam das Terrain zu sondiren, und bis zur Hauptstadt Monterey vorzudringen.
Sie durchstreifen das Land zu Pferde und im Tagebuch finden wir von dieser Excursion Notizen über Landbau, Häuseranlagen, Meierei, aber noch kein Wort von Gold. Erst in Monterey wird zum ersten Male davon gesprochen. Es war dies bei Gelegenheit eines Besuches, den Brooks mit seinen Reisegefährten dem Obersten Mason abstattete, um bei ihm um die Stelle eines Chirurgs in seinem Regimente nachzusuchen.
„Der Gouverneur, heißt es in dem Tagebuche, fragte den Hrn. Bradley, ob er nicht von dem Golde habe sprechen hören, das an den Ufern des Sacramentos entdeckt worden sei. Der Kapitän Fulsom, der von der Regierung der Vereinigten Staaten mit einer Mission in Californien beauftragt worden, habe ihm nämlich davon in einem Briefe geschrieben, wie von einem Gerüchte, das in San Francisco so ziemlich allgemein verbreitet sei.“
Hr. Bradley, (der wie gesagt, schon 8 volle Jahre im Lande gewohnt), antwortete, daß er allerdings davon habe sprechen hören; aber was ihn persönlich anbelange, so halte er diese Entdeckung von Gold für eine Fabel, obgleich sich schon Narren gefunden hätten, die nach den vorgeblichen Goldquellen gereist seien. Hiermit endete unsere Unterredung.“
Vollkommen befriedigt von ihrer Excursion kehren unsere Freunde nach San Francisco zurück. Erst am 8. Mai geschieht Erwähnung von den Goldminen, wie von einer Sache, die nicht ganz grundlos ist.
„Der Kapitän Fulsom kam heute zu mir, und sprach mir von einem Mann, welcher eben von den Ufern eines Flusses zurückgekommen, der unter dem Namen, die amerikanische „Fourche“ bekannt ist und sich etwa 100 engl. Meilen weiter nach dem Innern des Landes befindet. An diesem Flusse nun behauptet er, Gold aufgelesen zu haben. Der Kapitän Fulsom hat selbst dieses Gold gesehen; es waren ungefähr 23 Unzen in lauter kleinen Körnern. Der Mann sagte, daß er dies Alles in 8 Tagen Zeit am Flußufer gesammelt habe. Aber der Kapitän Fulsom will es durchaus nicht glauben. Er sagt zwar, daß er schon vor einigen Wochen mehrere Proben von diesem Gold gesehn habe, aber er glaubt, daß es nichts Anderes sei, als Mica. Sachkundige Männer haben, fügte er bei, sich indessen geäußert, daß das, was man ihm ge- [1224] zeigt, pures, ächtes Gold sei. Der Kapitän endet damit, daß er mir seine Absicht kund gibt, in eigener Person einen Ausflug an Ort und Stelle zu machen. Nach seiner Entfernung sagte uns Bradley, daß Malcolm vorhabe, sich gerade nach der Colonie Sacramento zu begeben, und da die „amerikanische Fourche“ sich in der Nähe befände, so würden wir wohl thun, ihn auf seiner Reise zu begleiten. Es ist dies 100 - 120 engl. Meilen (30 bis 40 franz. Meilen) von San Francisco.“
Der Verfasser bricht hiermit die Note in seinem Tagebuche ab, und wie ein Reisender, der bei der Niederschreibung solcher Noten wenig auf die Kunst der Uebergänge bedacht ist, finden wir erst unter dem Datum vom 10. Mai das Tagebuch weitergeführt.
„Gestern und heute ist von weiter nichts die Rede gewesen, als von der Mine, der „Goldlage“, wie man hier zu Lande sagt. Vier Personen sind heute wieder angekommen mit beträchtlichen Quantitäten von diesem Metalle. Der erste Alkade, so wie alle Kaufleute von hier haben es geprüft. Bradley ließ uns einen Goldkern von einer viertel Unze sehen, den er für 3 und einen halben Dollar gekauft hatte. Was mich anbetrifft, so zweifle ich nicht mehr, daß es gutes, ächtes Gold ist. Einige Personen, sagt man, sind schon abgereist, um die Mine selbst zu untersuchen. Nach der Zeitung, die hier am Orte erscheint, haben sie sich sogar mit Arbeitswerkzeugen, Schaufeln und Haken versehen, um auf eigene Rechnung zu arbeiten. Ich glaube jedoch, daß dies ihnen verboten wird, da der Kapitän schon an Hrn. Mason geschrieben hat, um die Bevollmächtigung zu erhalten, im Namen der Regierung, Besitz von der Mine zu nehmen, die, sagt er, Staatseigenthum sei.
„13. Mai.“ Die Sache ist abgemacht: nächsten Mittwoch reisen wir ab nach dem Thale von Sacramento. Ich weiß nicht — aber ich habe starke Anfälle von dem gelben Mineralfieber, das hier die herrschende Krankheit geworden, und ich warte auf den nächsten Mittwoch mit wahrer Ungeduld.
„17. Mai.“ Das ganze Land ist toll geworden. Die Handwerker lassen ihre Arbeit im Stiche und ziehen aus. Auf einer Promenade durch die Stadt bemerkte ich, daß von über 50 neuen Bauten, die man aufzuführen im Begriffe war, kaum noch an einem halben Dutzend fortgearbeitet wird. Ich zählte über 18 geschlossene Häuser. Die früheren Bewohner sind zur Goldquelle hin. Schickt der Oberst Mason wirklich, wie es allgemein hier heißt, Truppen an die „amerikanische Fourche“, so haben diese armen Leute ihre Zeit und Mühe verloren.“
Trotz ihrer immer steigenden Ungeduld, können unsere Leute ihre Reise noch nicht antreten. Der Sattler, der ihnen die nöthigen Gegenstände zu einer Excursion in ein noch wenig erforschtes Land liefern sollte, verliert nacheinander alle seine Arbeiter, die ohne Weiteres nach dem „Golddistrikte“ hinlaufen, und so vertröstet er seine Kundschaft von einem Tage zum andern. Während sich so unsere Freunde in die Nothwendigkeit versetzt sehen, auf den Sattler zu warten, vermehrt sich ihre Gesellschaft um eine neue Person; es ist dies ein Spanier, Namens Don Louis Palo, bei dem sie in Monterey vor noch nicht 14 Tagen zu Mittag gespeist hatten, und der damals so wenig an die Goldminen dachte, daß er darauf und daran war, sein Vermögen zu liquidiren, um nach Europa zurückzukehren.
„22. Mai.“ Neue Ungelegenheit: der Sattler hat sein Wort noch nicht gehalten. Während Malcolm, Bradley und ich im Fluchen gegen ihn begriffen waren, wer kömmt auf uns zu? Don Louis Palo. Das Goldfieber hatte sich bis nach Monterey hingezogen, und er hat sich entschlossen, nach der Mine zu gehen, um zu arbeiten, wie die Andern. Er hat als Bedienten bei sich einen Indianer, Namens José, und war klug genug, Alles, was er etwa nöthig gebrauchen kann, mitzunehmen. Er behauptet, daß Alles, was man von Truppensendungen von Seiten des Obersten Mason sagt, eine Fabel sei. Viele Soldaten aus der Garnison von Monterey seien zwar hin nach der „amerikanischen Fourche“, aber es seien dies schlechtweg Deserteurs, die dahin gegangen, um für ihre eigene Rechnung zu arbeiten.
So viel scheint gewiß, daß man Gold auf einer Fläche von mehrern engl. Meilen gefunden. Diese letzte Nachricht bestimmt uns vollends, ein Gleiches zu thun wie Don Louis, d. h. fortzugehen und selbst zu arbeiten wie Handlanger.
Allerdings, wenn vier Personen, die in der Gesellschaft einen gewissen Rang einnehmen, auf und davon laufen, um ihre Glückspläne auf vielleicht ganz absurde Gerüchte zu bauen, so mag man Ursache genug haben, sie für Narren anzusehen. Wenn man aber vor seinen Augen tagtäglich Tausende von Menschen mit denselben Plänen abziehen sieht, so ist es unmöglich, vom Beispiele nicht hingerissen zu werden.
Wir hielten demnach eine längere Berathung, um unsern Schlachtplan definitiv festzustellen, und während wir noch im Berathen begriffen waren, hatten wir die Freude, unsern Freund Macphail zu uns kommen zu sehen, um mit in unser Unternehmen einzutreten. Es wurde also folgendes allgemein beschlossen: Jeder sollte sich mit zwei Pferden versehen, eins für sich, und das andere, um seine Effekten zu tragen, so wie einen Theil des gemeinsamen Gepäckes. Außerdem mußte Jeder sich mit Gewehr, Pistolen, u. s. w. versehen, und wenn es anginge, auch mit einem Zelte, so wie mit Schaufeln, Hacken, einem guten Beile, Decken, Kaffee, Zucker, Branntwein, Messern, Gabeln, Tellern, Töpfen, kurz mit allen den Gegenständen, die man zum Leben im Feldlager gebraucht.
„Gegen 4 Uhr, nachdem wir den ganzen Tag dem Sattler nicht von der Seite gewichen, erhielten wir endlich unsere Koffer, Sättel u. s. w. Als ich gegen Abend zu ihm zurückkehren wollte, um eine kleine Aenderung an der Equipage vornehmen zu lassen, fand ich das Haus verschlossen, und auf der Thüre stand grschrieben: „nach der Mine abgereist.“
Den 24. Mai endlich reisen unsere Freunde ab, und gelangen
[Deutschland]
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Edition: [Friedrich Engels: Der demokratische Panslawismus, vorgesehen für: MEGA2, I/8. ]
Wie haltlos und unklar die Phantasterei des Slavenkongresses war, das beweisen seine Früchte. Das Bombardement einer Stadt wie Prag würde jede andere Nation mit dem unauslöschlichsten Haß gegen die Unterdrücker erfüllt haben. Was thaten die Czechen? Sie küßten die Ruthe, die sie bis aufs Blut gezüchtigt, die schworen begeistert zu der Fahne, unter der ihre Brüder niedergemetzelt, ihre Weiber geschändet worden waren. Der Prager Straßenkampf war der Wendepunkt für die östreichischen demokratischen Panslavisten. Um die Aussicht auf ihre elende „nationale Selbstständigkeit“ verkauften sie die Demokratie, die Revolution an die östreichische Gesammtmonarchie, an „das Centrum,“ „die systematische Durchführung des Despotismus im Herzen Europa's,“ wie Bakunin p. 29 selbst sagt. Und für diesen feigen, niederträchtigen Verrath an der Revolution werden wir einst blutige Rache an den Slaven nehmen.
Daß sie von der Contrerevolution nichtsdestoweniger geprellt worden sind, daß weder an ein „slavisches Oestreich“ noch an einen „Föderativstaat mit gleichberechtigten Nationen“ und am allerwenigsten an demokratische Institutionen für die östreichischen Slaven zu denken ist, das ist diesen Verräthern endlich klar geworden. Jellachich, der kein größerer Schurke ist als die meisten übrigen Demokraten der östreichischen Slaven, bereut bitter, wie man ihn exploitirt hat, und Stratimirovich, um sich nicht länger exploitiren zu lassen, hat den offenen Aufstand gegen Oestreich proklamirt. Die Slovanska Lipa-Vereine stehen überall der Regierung wieder gegenüber und machen täglich neue schmerzliche Erfahrungen darüber, in welche Falle sie sich haben locken lassen. Aber es ist jetzt zu spät; in ihrer eigenen Heimath ohne Macht gegen die von ihnen selbst reorganisirte östreichische Soldateska, zurückgestoßen von den Deutschen und Magyaren, die sie verrathen haben, zurückgestoßen von dem revolutionären Europa, werden sie denselben Militärdespotismus zu ertragen haben, den sie den Wienern und Magyaren aufbürden halfen. „Seid unterwürfig dem Kaiser, damit die kaiserlichen Truppen Euch nicht behandeln als seiet Ihr rebellische Magyaren“ — in diesen Worten des Patriarchen Rajachich ist es ausgesprochen, was sie zunächst zu erwarten haben.
Wie ganz anders haben die Polen gehandelt! Seit achtzig Jahren unterdrückt, geknechtet, ausgesogen, haben sie sich stets auf die Seite der Revolution gestellt, haben die Revolutionirung Polen's mit der Unabhängigkeit Polen's für unzertrennlich erklärt. In Paris, in Wien, in Berlin, in Italien, in Ungarn haben die Polen bei allen Revolutionen und Revolutionskriegen mitgekämpft, unbekümmert ob sie gegen Deutsche, gegen Slaven, gegen Magyaren, ja ob sie gegen Polen kämpften. Die Polen sind die einzige slavische Nation, die von allen panslavistischen Gelüsten frei ist. Aber sie haben auch sehr gute Gründe dazu: sie sind hauptsächlich von ihren eignen slavischen sogenannten Brüdern unterjocht worden, und bei dem Polen geht der Russenhaß noch vor den Deutschenhaß, und mit vollem Recht. Daher aber, weil die Befreiung Polen's von der Revolution unzertrennlich, weil Pole und Revolutionär identische Worte geworden sind, daher ist den Polen auch die Sympathie von ganz Europa, und die Wiederherstellung ihrer Nationalität ebenso sicher, wie den Czechen, Kroaten und Russen der Haß von ganz Europa und der blutigste Revolutionskrieg des ganzen Westens gegen sie.
Die östreichischen Panslavisten sollten einsehen, daß alle ihre Wünsche, soweit sie überhaupt erfüllbar, in der Herstellung der „östreichischen Gesammtmonarchie“ unter russischem Schutz erfüllt sind. Zerfällt Oestreich, so steht ihnen der revolutionäre Terrorismus der Deutschen und Magyaren bevor, keineswegs aber, wie sie sich einbilden, die Befreiung sämmtlicher unter Oestreich's Scepter geknechteten Nationen. Sie müssen daher wünschen, daß Oestreich zusammenbleibe, ja, daß Galizien bei Oestreich bleibe, damit die Slaven die Majorität im Staat behalten. Die panslavistischen Interessen stehen hier also schon der Wiederherstellung Polen's direkt entgegen; denn ein Polen ohne Galizien, ein Polen das nicht von der Ostsee bis an die Karpathen geht, ist kein Polen. Darum aber ist ein „slavisches Oestreich“ immer noch ebenfalls ein bloßer Traum; denn ohne die Suprematie der Deutschen und Magyaren, ohne die beiden Centren Wien und Budapesth fällt Oestreich wiederum auseinander, wie seine ganze Geschichte bis auf die letzten Monate beweist. Die Realisirung des Panslavismus würde sich demnach auf das russische Patronat über Oestreich beschränken müssen. Die offen reaktionären Panslavisten hatten daher ganz Recht, wenn sie sich an die Erhaltung der Gesammtmonarchie anklammerten; es war das einzige Mittel, irgend Etwas zu retten. Die sogenannten demokratischen Panslavisten waren aber in einem argen Dilemma: entweder Aufgebung der Revolution und wenigstens theilweise Rettung der Nationalität durch die Gesammtmonarchie, oder Aufgebung der Nationalität und Rettung der Revolution durch den Zerfall der Gesammtmonarchie. Damals hing das Schicksal der osteuropäischen Revolution von der Stellung der Czechen und Südslaven ab; wir werden es ihnen nicht vergessen, daß sie im entscheidenden Augenblick um ihrer kleinlichen Nationalhoffnungen willen die Revolution an Petersburg und Olmütz verrathen haben!
Was würde man dazu sagen, wenn die demokratische Partei in Deutschland ihr Programm mit der Rückforderung von Elsaß, Lothringen und von dem, in jeder Beziehung zu Frankreich gehörigen Belgien eröffneten, unter dem Vorwande, daß dort die Majorität der Bevölkerung germanisch ist? Wie lächerlich würden sich die deutschen Demokraten machen, wollten sie eine pangermanistische deutsch-dänisch-schwedisch-englisch-holländische Allianz zur „Befreiung“ aller deutschredenden Länder herstellen! Die deutsche Demokratie ist glücklicherweise über diese Phantastereien hinaus. Die deutschen Studenten von 1817 und 1830 trugen sich mit dergleichen reaktionären Schwärmereien herum und werden heute in ganz Deutschland nach Verdienst gewürdigt. Die deutsche Revolution kam erst zu Stande, die deutsche Nation fing erst an etwas zu werden, als man sich vollständig von diesen Futilitäten befreit hatte.
Ebenso kindisch und reaktionär wie der Pangermanismus ist aber auch der Panslavismus. Wenn man die Geschichte der panslavistischen Bewegung des letzten Frühjahrs in Prag nachliest, so meint man dreißig Jahre zurück versetzt zu sein: trikolore Bänder, altfränkische Kostüme, altslavische Messen, vollständige Restauration der Zeit und der Sitten der Urwälder; die Swornost eine komplete Burschenschaft, der Slavenkongreß eine neue Auflage des Wartburgfestes; dieselben Phrasen, dieselbe Schwärmerei, derselbe Jammer nachher: „Wir hatten gebauet ein stattliches Haus“ u. s. w. Wer dies berühmte Lied in slavische Prosa übersetzt lesen will, der lese Bakunin's Broschüre.
Gerade wie bei den deutschen Burschenschäftlern auf die Dauer die entschiedenste kontrerevolutionäre Gesinnung und der wüthendste Franzosenhaß und das bornirteste Nationalgefühl hervortrat, wie sie später Alle zu Verräthern an der Sache wurden, für die zu schwärmen sie vorgegeben — gerade so, nur rascher, weil das Jahr 1848 ein Revolutionsjahr war, löste sich bei den demokratischen Panslavisten der demokratische Schein sehr bald in fanatischen Deutschen- und Magyarenhaß, in indirekte Opposition gegen die Wiederherstellung Polens (Lubomirski), und in direkten Anschluß an die Kontrerevolution auf.
Und wenn einzelne aufrichtige slavische Demokraten jetzt den österreichischen Slaven zurufen, sie sollten sich der Revolution anschließen, die österreichische Gesammtmonarchie als ihren Hauptfeind ansehen, ja im Interesse der Revolution mit den Magyaren halten, so erinnern sie an die Henne, die am Rand des Teichs umherläuft in Verzweiflung über die jungen Enten, die sie selbst ausgebrütet und die ihr nun plötzlich auf ein wildfremdes Element entweichen, wohin sie ihnen nicht folgen kann.
Machen wir uns übrigens keine Illusionen. Bei allen Panslavisten geht die Nationalität, d. h. die phantastische, allgemeinslavische Nationalität vor der Revolution. Die Panslavisten wollen sich der Revolution anschließen unter der Bedingung, daß es ihnen gestattet werde, alle Slaven ohne Ausnahme, ohne Rücksicht auf die materiellsten Nothwendigkeiten in selbstständige slavische Staaten zu konstituiren. Hätten wir Deutschen dieselben phantastischen Bedingungen stellen wollen, wir wären im März weit gekommen! Die Revolution aber läßt sich keine Bedingungen stellen. Entweder ist man revolutionär, und acceptirt die Folgen der Revolution, sie seien welche sie wollen, oder man wird der Contrerevolution in die Arme gejagt und findet sich, vielleicht ganz wider Wissen und Willen, eines Morgens Arm in Arm mit Nikolaus und Windischgrätz.
Wir und die Magyaren sollen den östreichischen Slaven ihre Selbstständigkeit garantiren — so verlangt Bakunin, und Leute von dem Kaliber eines Ruge sind kapabel, ihm solche Versprechungen unter vier Augen wirklich gemacht zu haben. Man verlangt von uns und den übrigen revolutionären Nationen Europa's, wir sollen den Heerden der Contrerevolution dicht an unsrer Thür eine ungehinderte Existenz, freies Verschwörungs- und Waffenrech gegen die Revolution garantiren; wir sollen mitten im Herzen von Deutschland ein kontrerevolutionäres czechisches Reich konstituiren, die Macht der deutschen, polnischen und magyarischen Revolutionen durch dazwischen geschobne russische Vorposten an der Elbe, den Karpathen und der Donau brechen!
Wir denken nicht daran. Auf die sentimentalen Brüderschaftsphrasen, die uns hier im Namen der contrerevolutionärsten Nationen Europa's dargeboten werden, antworten wir: daß der Russenhaß die erste revolutionäre Leidenschaft bei den Deutschen war und noch ist; daß seit der Revolution der Czechen- und Kroatenhaß hinzugekommen ist, und daß wir, in Gemeinschaft mit Polen und Magyaren, nur durch den entschiedensten Terrorismus gegen diese slavischen Völker die Revolution sicher stellen können. Wir wissen jetzt, wo die Feinde der Revolution konzentrirt sind: in Rußland und den östreichischen Slavenländern; und keine Phrasen, keine Anweisungen auf eine unbestimmte demokratische Zukunft dieser Länder werden uns abhalten, unsere Feinde als Feinde zu behandeln.
Und wenn Bakunin endlich ausruft: „Wahrlich, nichts einbüßen soll der Slave, sondern gewinnen soll er! Wahrlich, leben soll er! Und wir werden leben. So lange uns der kleinste Theil unsrer Rechte bestritten wird, so lange ein einziges Glied von unsrem gesammten Leibe abgetrennt oder losgerissen gehalten wird, so lange werden wir bis aufs Blut, werden wir unerbittlich auf Tod und Leben kämpfen, bis das Slaventhum endlich groß und frei und unabhängig in der Welt dasteht“ — wenn der revolutionäre Panslavismus diese Stelle ernstlich meint, und wo es sich um die phantastisch-slavische Nationalität handelt, die Revolution ganz aus dem Spiele läßt, dann wissen wir auch was wir zu thun haben.
Dann Kampf, „unerbittlichen Kampf auf Leben und Tod“ mit dem revolutionsverrätherischen Slaventhum; Vernichtungskampf und rücksichtslosen Terrorismus — nicht im Interesse Deutschlands, sondern im Interesse der Revolution!
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Edition: [Friedrich Engels: Der demokratische Panslawismus, vorgesehen für: MEGA2, I/8. ]
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[ * ] Köln, 15. Febr.
Es gehen uns einige nähere Mittheilungen über den Expostsekretär Gödsche, Redakteur des Feuilletons der „Neuen Preußischen Zeitung“, zu. *)
*) Wir benutzen diese Gelegenheit, um auf eine Erklärung der Redaktion über den Gödsche in Nro 219 zurückzukommen. Wir finden bei näherer Ansicht, daß Gödsche von Düsseldorf, nicht von Berlin aus sich zum Mitarbeiter der „N. Rh. Ztg.“ anbot. Herr Gödsche schickte sogar Proben ein. [A. d. R.]
Gödsche redigirte früher in Düsseldorf das Kreisblatt und war fleißiger Mitarbeiter am „Rheinischen Beobachter“. Er war in den Prozeß der Gräfin Hatzfeldt verwickelt und mit Herrn von Stockum innig liirt; er mußte damals, auf einen Wink von oben, freiwillig ausscheiden. Uebrigens würden die in jenem Prozesse an's Licht gezogenen Briefgeschichten zur nähern Würdigung des Gödsche auszubeuten sein. Nachdem Gödsche aus dem Postdienste entfernt war, wurde er sofort zur Expedirung reaktionärer Flugblätter verwandt. Gödsche hatte fast in jedem Postbureau Bekannte, fand aber nur wenige, die seine Aufträge ausführten.
Ein genauer Freund dieses Obercolporteurs der Partei „mit Gott für König und Vaterland,“ ist der Postsekretär Ritter, der im vorigen Sommer von Hamm aus die westphälischen Gegenden mit skandalösen Flugblättern überschwemmte. In Hamm verbreitete er solche höchsteigenhändig, indem er sie den fremden Zeitungen beilegte und den Leuten, welche Briefe abholten, in die Hand drückte. Der Chef des Hamm'schen Postamtes ist ein alter Major, der die Stelle bloß als Civilversorgung inne hat. Der eigentliche Dirigent, der auch die Verfügungen des Majors gegenzeichnete, war aber Herr Ritter. Gleichwohl traten die jüngern Postsekretäre im Hammer Wochenblatte gegen diese ritterliche Amtsüberschreitung entschieden auf. Herr Ritter antwortete in demselben Blatte: Er habe sich bei der Verbreitung der Flugblätter nichts Böses gedacht, das Publikum wolle stets etwas Neues hören und nur um diesem gefällig zu sein, habe er die Blätter verbreitet.
Die Kölner Postbeamten beantragten hierauf beim Ministerium für Handel und Gewerbe, in Erwägung, daß Ritter 1) seine Amtsbefugniß überschritten, 2) dem Befehle des Herrn Kühlwetter, wonach kein Beamter reaktionäre Tendenzen an den Tag legen solle, insbesondere zuwiderhandle, die Entfernung des Ritter aus dem Staatsdienste, gaben auch der Frankfurter Nationalversammlung von dem Treiben des Ritter Kenntniß. Auf die ganze Denunciation erfolgte nichts, als daß der Regierungsrath Bergmann aus Arnsberg und der Landrath v. Vincke in Hamm (Bruder des Ritters) den Auftrag erhielten, den Ritter zu vernehmen. Wie derselbe sich mit beiden Herren vereinbart hat, ist uns zwar unbekannt geblieben. Das aber wissen wir, daß er zunächst im Auftrage des Generalpostamtes verschiedene Commissorien ausführte, welche ihm außer seinem Gehalte täglich 3 Thlr. 10 Sgr. einbrachten und daß er dann am 9. d. Mts. seinen Einzug in Köln hielt. Auch hier versieht er ein Commissorium. — Welches? Auch hier genießt er die Gehaltszulage von 1 Thlr. 10 Sgr. Wird vielleicht die Denunciation der hiesigen Postbeamten dadurch beantwortet, daß man sie jetzt durch den Denuncirten selbst beaufsichtigen läßt?
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[ 144 ] Bonn, 15. Febr.
Morgen, Freitag den 16. früh 9 Uhr, haben wir schon wieder einen politischen Prozeß, und zwar diesmal einen doppelten gegen Eine Person; beide aber sonderbarer Weise vor dem Zuchtpolizeigericht statt vor Assisen. Der Abgeordnete für die Kreise Bonn und Sieg, Professor Kinkel, Redakteur der social-demokratischen „Neuen Bonner Zeitung“ und ihres Beiblattes „Spartacus“, ist von Seiten des Mainzer Commandanten (des aus den bekannten Fiscus-Untersuchungen der preuß. Nationalversammlung berühmten Gratiflkations-Beziehers Hüser) wegen eines Artikels in der frühern Bonner Zeitung, der die grauenvolle Tödtung durch preußische Soldaten auf der Mainzer Brücke erzählte, der Calumnie gegen die damals in Mainz gestandenen preuß. Soldaten angeschuldigt. Die Vertheidigung wird darthun, daß diese Soldaten im Dienst waren, daß also, wenn eine Calumnie denkbar wäre ohne Bezeichnung eines bestimmten Individuums, jedenfalls der Prozeß vor Geschworene gehört, weil er ein politischer ist. Der andere Prozeß bezieht sich auf Steuerverweigerung. Kinkel hatte in einer von den Offizieren der Bonner Bürgerwehr damals (am 9. Nov.) einberufenen Versammlung der Wehrmänner den Antrag gestellt, die Thore zum Zweck der Steuerverweigerung mit Bürgerwehr zu besetzen. Er brachte auch diesen Antrag gegen ganz wenige Stimmen durch, um so mehr, da er ausdrücklich hervorhob, daß bereits durch Volkstumulte das Leben und die Gesundheit der Steuerbeamten gefährdet sei. Die Behörden verordneten damals die Verhaftung des Angeschuldigten, setzten also offenbar voraus, daß ein politischer Prozeß, somit eine Geschworenensache, vorliege. Aber man besann sich — und statt des Prozesses wegen Steuerverweigerung, mit dem man vor rheinischen Geschworenen nicht durchkonnte, beschuldigte man den Angeklagten, weil er eine Berathung des gesetzlichen Organs der Bürgerwehr zum Schutz der Volksrechte angeregt hatte, jetzt der — Aufforderung zu gewaltthätigem Angriff auf die Steuerbeamten, somit einer Correctionellsache! Jedenfalls wird der Competenzkonflikt erhoben werden. Kinkel hat für die rechtliche Seite der Frage den Advokaten Schneider II. zu seinem Rechtsbeistand gewählt, wird sich aber die Ehre nicht nehmen lassen, seine Sache in beiden Prozessen auch selbst zu ver- [1225] theidigen, und so wird, da hier sehr viele und verschiedene Gesichtspunkte in's Spiel kommen, die Verhandlung eine anziehende und stark besuchte werden.
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@facs1225
[ ** ] Mühlheim, a. R. den 15. Febr.
Die Neuwahl für die Kreise Mühlheim und Köln wird wahrscheinlich am 22. d. Mts. stattfinden. Die Heuler wühlen bereits über die Maaßen, um noch recht viele Wahlmänner auf ihre Seite zu ziehen und einen Manteufelschen Kandidaten durchzusetzen, der den hohen Herren in Berlin wohlgefällig sei. Die „schwarzweiße“ Partei der Wahlmänner ist bereits, in Folge eines gedruckten und geheim versandten Circulars, in Deutz (Hotel Fuchs) zur Vorwahl zusammengetreten. Mögen sich die freigesinnten Wahlmänner nicht abermals über den Löffel barbiren oder ins gottbegnadete Schlepptau nehmen lassen, sondern sich bei Zeiten unter einander verständigen, dann aber auch fest zusammenhalten. Mögen sie zugleich einen Mann durchsetzen, der mit Energie und Entschiedenheit das Interesse des Volkes wahrzunehmen geeignet sei. Denn daß die Interessen der Krautjunker, der hohen Beamten und Geldsäcke durch mehr als 170, Abgeordnete in der 2. Kammer vertreten sein werden: das lehrt uns die Liste der in den übrigen Provinzen ernannten Deputirten.
[Feuilleton]
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@facs1225
den 29. Mai bei einer Gruppe von 10 bis 12 Häusern an, Suterville genannt. Es ist dies nämlich die Niederlassung, die Festung, wenn man will, des Kapitäns Suter. Sie ist mit Gräben und 24 Stück Kanonen vertheidigt und findet sich auf der Karte mit dem Namen Neu-Helvetien bezeichnet, wie sie der Gründer Suter selbst genannt. Suter war Offizier in der Schweizergarde von Karl dem Zehnten, und nach der Katastrophe von 1830, wo er verwundet worden, verließ er für immer Europa, um erst in den Vereinigten Staaten, dann später, etwa vor 10 Jahren, in Californien sich niederzulassen. Californien war damals ein ödes Land, und der Kapitän erhielt dort ohne große Schwierigkeit von der mexikanischen Regierung eine Konzession von einem bedeutenden Terrän, 40 Meilen lang und 4 Meilen breit. Der Mittelpunkt dieser Konzession befindet sich am Zusammenflusse der „amerikanischen Fourche“ mit dem Sacramento, und man muß sich erinnern, daß gerade auf seinem Territorium das erste Gold von Hrn. Sutter und Marschall entdeckt worden ist.
Unsere Freunde, die vom Adjutanten des Gouverneurs an Herrn Suter empfohlen waren, wurden sehr gut aufgenommen, von ihm sowohl wie von seiner Frau, einer Pariserin von Geburt. Wenn ich sage sehr gut, so soll dies heißen, so gut als es die Umstände erlaubten. Denn die Diener des Herrn Suter waren schon fortgelaufen nach den Minen. Es waren dies Indianer, die Suter bei seiner Ankunft im Land zuerst bekämpfen mußte, und sie dann zum Kriegsdienste, zur Vertheidigung seines Hauses, sowie zur Bebauung seines prächtigen Grundbesitzes herangebildet hatte. Diese Diener also, die fortgelaufen, waren ersetzt worden durch die Menge von Abentheurern, die ebenfalls Gold suchen kamen, und bei ihrem Durchzuge die Gastfreundschaft des Kapitäns ansprachen. Die Festung war angefüllt von diesen Abentheurern, so daß die meisten von ihnen in den Höfen und Gassen bivonakiren mußten. Fast alle menschlichen Racen fanden sich vertreten. Der Kapitän thut sein Möglichstes, um Brooks und seine Freunde gut zu bewirthen. Auf seinen Rath versehen sie sich noch mit Pferden und Lebensmitteln, und gesellen ihrer Caravane, die aus 7 Personen bestand, noch einen neuen Diener, James Horry, zu, einem jungen, kräftigen und muntern Burschen, der von einem seit drei Tagen erst zu San-Francisco gelandeten Wallfischfahrer desertirt war. Fröhlichen Muthes zieht die Gesellschaft am 3. Juni aus der Festung Suterville und gelangt noch selbigen Tages an einen Ort, der ohne Unterschied bald Lower-Mines (Untere Minen) bald Mormon-Diggins (Mormonengruben) genannt wird.
„Sonntag, den 4. Juni. Gestern, mit Einbruch der Dämmerung, befanden wir uns Angesichts der Mormonengruben, die sich zwei oder drei englische Meilen dem linken Ufer der „amerikanischen Fourche“ entlang erstrecken. Wir fanden an 40 Zelten, dicht an den Bergen gelehnt, und fast ausschließlich von Amerikanern bewohnt, von denen einige ihre Familie mitgebracht hatten. Obgleich die Sonne schon nahe am Untergehen war, so arbeiteten doch Alle mit einer Thätigkeit, wie ich sie noch nicht gesehen. Alle zehn Schritte voneinander sah man Männer mit aufgestreiften Armen, die damit beschäftigt waren, durch Goldwasche den Goldsand oder die Goldkörner rein auszuziehen. Die einen hatten keine andere Werkzeuge als Sieben, Platten, Erdtöpfe, die sie kräftig hin und her bewegten. Andere hatten sich vier und vier zusammengethan, und arbeiteten gemeinsam mit großen, schweren Maschinen von Holz, die fast aussehen wie Wiegen mit Schaukelhölzern unten und die deßhalb auch Cradles genannt werden.
Es ist unmöglich, den Eindruck wiederzugeben, den dieses Schauspiel auf uns machte. Es war uns, als enthüllten sich plötzlich unsern Blicken die fabelhaften Schätze von Tausend und einer Nacht. Ich weiß nicht, wie es kam, aber wie instinktmäßig reichten wir uns die Hände und schwuren einander treu zu bleiben und energisch für das gemeinschaftliche Wohl zu arbeiten. Als wir von Zelt zu Zelt gingen, und die Goldklumpen sahen, welche diese Leute in wenigen Wochen aufgehoben hatten, wurden wir wie betäubt, und durch dieses Schauspiel bis zur Trunkenheit aufgeregt, hatten wir nurmehr einen Gedanken: unser Zelt in aller Eile aufzuschlagen und zur Arbeit zu rennen. Die Fingerspitzen brannten uns ordentlich von dem Golde, das wir sozusagen schöpfen wollten. In weniger als einer halben Stunde nach unserer Ankunft war das Pferd, welches Schaufel, Sieben, Beile u. s. w. trug, von seiner Last entladen, und wir alle ebenso feurig an der Arbeit als die übrigen.
Mit einer Kelle und einem blechernen Eimer versehen, stürzte ich mich in das ausgetrocknete Bett des kleinen Flusses, bei welchem wir eben unser Domizil aufgeschlagen hatten. Ich werde nicht so leicht das Gefühl vergessen, mit welchem ich mit meiner Kelle in den Sand stieß. Nachdem ich bis zur Hälfte den Eimer angefüllt hatte, tauchte ich ihn mit dem Rande eine Linie unter's Wasser; dann fing ich an, mit der Hand das im Eimer Befindliche stark herum zu rühren, wie ich es den Andern absah. Ich brauche wohl nicht zu bemerken, daß aus Mangel an Uebung ich einen großen Theil des kostbaren Metalls verlieren mußte. Jedoch konnte ich bald bemerken, wie die Grunderde in Auflösung gerieth, und mit dem Wasser fortging, während unten, auf dem Boden des Gefäßes, ein sandiges Sediment zurückblieb.
Ich leerte nachher sorgfältig meinen Eimer, und goß den Sand in eins von jenen impermiablen Körbchen, wie sie von den Indianern angefertigt werden. In meiner Ungeduld wollte ich ihn an unserm
[Deutschland]
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[ 145 ] Barmen, 14. Febr.
Eine Abschrift der vor einigen Tagen erwähnten frommen Adresse habe ich in Händen und übersende sie Ihnen zu beliebigem Gebrauch. Verfasser derselben ist der Direktor Wetzel (höhere Bürgerschule). „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen!“ Danach ist er ein wahres Musterexemplar von m[unleserlicher Text]ckerischem Schwarzweißthum. Ihre Leser werden wohl schon an folgender Stelle gedachter Adresse genug haben:
„Der Name Gottes durfte in derselben (der aufgelösten Nationalversammlung) ohne Spott kaum genannt werden. Eine tiefe und (für wupperthalerische Kretinen) furchtbare Gottentfremdung zog sich durch alle ihre Berathungen. Daher solche Beschlüsse, wie die über Abschaffung der Todesstrafe, (!) auch für solche Verbrechen, gegen welche die Obrigkeit nach göttlicher (banditenmäßiger) Ordnung das Schwert zu führen schuldig ist. Daher das Ansinnen, Ew. Majestät sollten das köstliche (ja wohl sehr köstliche, namentlich aber für das Volk sehr, sehr kostspielige!) „Von Gottes Gnaden“ als einen unbedeutenden und nichtssagenden (o, er sagt leider sehr viel, jährlich viele Millionen Schmu und Verschleuderung der Volksgelder) Zusatz zu dem Ausdrucke Höchstihrer Königlichen Würde und Macht fallen lassen.“
Weiterhin heißt es: ‥‥ „und je mehr wir überzeugt sind, daß auch Ew. Maj. daran gelegen sei (und ob?), daß Höchstihre Stände (aha „Stände“ Galgenzeitungsstyl!) in der Furcht Gottes zusammentreten und tagen (in's Wupper'sche übersetzt: nachten!“), desto vertrauensvoller wagen wir es, Ew. Maj. die unterthänigste Bitte vorzutragen:
„Allergnädigst zu befehlen, daß der Eröffnung der Kammern ein öffentlicher und feierlicher Gottesdienst vorangehe, um damit den Segen des Herrn zu erflehen, wie dies ja auch in andern Ländern (in welchen?) nichts Unerhörtes ist.“
Dann erst, sagen die lämmelbrüderischen Petenten, ist ein Boden da, „auf welchem allein eine Frucht erwachsen kann, welche Ew. Maj. (und uns schwarzweißen Schäflein) zur Freude gereicht.“ (Dieser freudenvollen Frucht, auf den Mistbeeten des gottbegnadeten König-, Junker- und Büreaukratenthums wachsend und von Eichhorns, Bodelschwinghs, Manteufels und Konsorten gepflegt und groß gezogen, scheinen die Leute, nach den Wahlen vom 5. Februar zu urtheilen, keinen sonderlichen Geschmack mehr abgewinnen zu können.)
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[ 072 ] Münster, 13. Febr.
Ihre Nummer 316 bringt einige Notizen über Dembinski, welche ich zu vervollständigen wünsche.
Dembinski steht bei den Polen in dem Rufe eines ausgezeichneten Kavalleriegenerals, und damit ist schon gesagt, daß Dembinski überhaupt einer der besten Kavalleriegenerale der Gegenwart ist. Dembinski ist aber mehr als Kavalleriegeneral: er ist der heiligen Alliance gegenüber vor allem Pole. Sein energischer und hochherziger Charakter zwingt alle Parteien ihn zu achten, wenngleich seine rücksichtslose Entschiedenheit ihm bei der Mittelmäßigkeit manche Feinde gemacht hat.
Nach der Schlacht bei Grochow und den mörderischen Gefechten bei Iganie befehligte Dembinski die Kavallerie bei dem nach Lithauen detaschirten Corps des General Gielgud. Dieser General glaubte vor der russischen Uebermacht nach Preußen entweichen zu müssen. Dembinski hätte einem solchen Mißgeschick den Tod vorgezogen. Er trennte sich von Gielgud, und sein fabelhafter Rückzug nach Warschau, auf einem Umwege von 300 Stunden und unter zahlreichen Kämpfen mit einer zwanzigfachen Uebermacht ist bekannt genug. Nach der Blutnacht vom 15. August und dem Rückzuge der polnischen Hauptarmee unter Skrzinecki von Sochaczew nach Warschau glaubte Dembinski, und zwar mit vollem Recht, daß die polnische Sache nur durch eine energische Diktatur gerettet werden könne. Der bigotte Aristokrat Skrzynecki hatte sich auch diesmal als unfähig zum Oberbefehl erwiesen. Er hatte die Russen ungestört über die Weichsel gehen lassen und in der Stellung an der Bgura vier Wochen lang unthätig die Erfüllung der perfiden Versprechungen Louis Philipp's abgewartet.
Die verrätherische, russenfreundliche Aristokratie vereitelte aber die Pläne Dembinski's in Warschau. Die Aristokraten kämpften in der zweitägigen Schlacht bei Warschau nur noch für die Rettung der äußern Ehre, aber nicht für Polen. Nach der Kapitulation von Warschau und dem Uebergange Rybinski's über die preußische Gränze, ging Dembinski mit andern 4000 polnischen Offizieren nach Frankreich.
Der Konflikt des Sultans Mahmud II. mit Mehemed Ali von Aegypten, die Eroberung Syriens durch letzteren, die Schlacht bei Konieh, in Folge deren zum Erstaunen Europas ein russisches Armeekorps zum erstenmale den Boden Kleinasiens betrat; alle diese Ereignisse hatten im hohen Grade die Aufmerksamkeit der polnischen Flüchtlinge in Fronkreich erregt. Da der Sultan es nicht verschmäht hatte, die Hülfe der Russen in Anspruch zu nehmen, so war es selbstredend, daß die Polen für die Sache Mehemed Ali's Partei nahmen. Gelänge es, dachte man, die Organisation der ägyptisch-syrischen Armee in polnische Hände zu bringen, so würde dadurch ein neuer Stützpunkt gegen das Kosackenthum gewonnen sein. Man knüpfte mit Mehemed Ali Unterhandlungen an, in Folge deren Dembinski mit mehreren Offizieren (unter denen sich auch Schreiber dieses befand) nach Aegypten abreiste. Die Intriguen des russischen Konsuls in Alexandrien, des Obersten Duhamel, vereitelten die Pläne Dembinski's, oder vielmehr die Tracasserien der durch die russische Diplomatie bestochenen Beamten des Paschas verleideten dem General alle seine Bemühungen. Nach zwei Monaten forderte er seine Entlassung. Der Pascha willigte ein, indem er dem General ein sehr höfliches Handbillet, begleitet von 30,000 Piastern türkisch (etwa 2500 Thlr.), als dem Betrage des kontraktlich zugesicherten Gehaltes für zwei Monate, zuschickte.
Allein Dembinski schickte das Geld wieder zurück mit dem Bemerken, daß er nicht Geldeshalber nach Aegypten gekommen wäre. Wir andern Offiziere glaubten uns einer solchen Delikatesse nicht unterziehen zu brauchen, sondern steckten die uns vom Pascha gracieusement angebotenen Gratifikationen cavalièrement in die Tasche.
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[ X ] Berlin, 12. Februar.
„Unsere gestrige Nachricht von dem Einrücken russischer Truppen in Siebenbürgen wird durch heute hier eingetroffene Briefe aus Wien bestätigt.“
Bei Hof und in den höhern ministeriellen Kreisen soll über den Ausfall der Wahlen zur zweiten Kammer eine außerordentliche Verstimmung herrschen. Das Ministerium, und namentlich die Partei des Schein-Constitutionalismus, ist sehr betrübt darüber, daß so wenig Männer der hohen Bourgeoisie in die Kammer gekommen sind, während der größere Landbesitz so zahlreich darin vertreten ist. Denn in diesem letzteren sieht die Partei der Büreaukratie für die wichtigen materiellen Fragen der Steuerausgleichung und der Ablösung der Feudallasten, Gegner und nicht Bundesgenossen, und fürchtet sie um so mehr, als auch ein großer Theil der ersten Kammer aus Leuten des Junkerparlaments bestehen wird. Ebenso unangenehm ist ferner dem Ministerium die überaus große Anzahl meist jüngerer Juristen, welche in der zweiten Kammer erscheinen werden. Das Ministerium soll von der Ansicht durchdrungen sein, daß die republikanische Partei stärker im Lande sei als je und namentlich sieht es in den Berliner Wahlen eine siegreiche Demonstration der Republikaner. Daher auch die schon letzthin von uns erwähnten Vorbereitungen für den Fall eines offenen Konfliktes.
Ueber die letzthin von uns erwähnte Provinzial-Korrespondenz, welche gleich der Parlaments-Korresp. durch das Zeitungscomptoir debätirt wird, können wir die zuverlässige Mittheilung machen, daß dieselbe in direktestem Zusammenhang mit der Neuen Preußischen Zeitung steht. Die Pr. K. bringt die anständigern Notizen aus dem „Berliner Zuschauer“ der Kreuzzeitung oft einen Tag früher als diese selbst. Auch ist die Handschrift einzelner Notizen, die des bekannten Redakteurs jenes Feuilletons. Außer Herrn Gödsche wird uns auch ein gewisser Herr Langbein als Redakteur der Pr. C. bezeichnet.
Der als freihändlerischer Journalist bekannte Crim.-Ger. Act. Stein,welcher seit einigen Tagen seiner politischen Ansichten halber aus dem Staatsdienst geschieden, beabsichtigt bei den hiesigen Nachwahlnn für die zweite Kammer als Kandidat aufzutreten.
Gestern ward der Eigenthümer der „Vossischen Zeitung“, Herr Lessing, vom hiesigen Stadtgericht zu 50 Thlr. Geldstrafe verurtheilt und zwar in Folge einer durch Herrn v. Unruh wegen Verbreitung der „Enthüllungen“ Nr. 2 gegen ihn angestellten Injurienklage.
Die heute bedeutend flauere Stimmung unserer Börse hat ihren Hauptgrund in der auch von Wien her bestätigten Nachricht von dem Einrücken der Russen in Siebenbürgen. Man fängt an zu befürchten, daß auch unsere Ostgränze bald diese ungebetenen Gäste sehen könnte und diese Hülfe gegen die Demokratie wäre selbst unsern Börsen-Reaktionärs keine erwünschte. — Auch mögen zu dieser flauen Stimmung die in ziemlich zuverlässigen Privatbriefen aus Wien enthaltenen Nachrichten, von einer abermaligen bedeutenden Niederlage der Oestreicher in Ungarn, beigetragen haben.
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[ * ] Berlin, 12. Febr.
Die versammelten Seminarlehrer hatte, wie man sich erzählt, der König zu sich rufen lassen, und richtete dem wesentlichen Inhalte nach folgende Ansprache an dieselben:
„All' das Elend, das im verflossenen Jahre über Preußen hereingebrochen, ist Ihre, einzig Ihre Schuld, die Schuld der Afterbildung, der irreligiösen Menschenweisheit, die Sie als ächte Wahrheit verbreiten, mit der Sie den Glauben und die Treue in dem Gemüthe Meiner Unterthanen ausgerottet und deren Herzen von Mir abgewandt haben. Diese pfauenhaft aufgestutzte Scheinbildung habe ich schon als Kronprinz aus innerster Seele gehaßt und als Regent Alles aufgeboten, um sie zu unterdrücken. Ich werde auf dem betretenen Wege fortgehen, ohne Mich irren zu lassen; keine Macht der Erde soll Mich davon abwendig machen. Zunächst müssen die Seminarien sämmtlich aus den großen Städten nach kleinen Orten verlegt werden, um den unheilvollen Einflüssen eines verpesteten Zeitgeistes entzogen zu werden. Sodann muß das ganze Treiben in diesen Anstalten unter die strengste Aufsicht kommen. Nicht den Pöbel fürchte Ich, aber die unheiligen Lehren einer modernen frivolen Weltweisheit vergiften und untergraben Mir meine Büreaukratie, auf die bisher Ich stolz zu sein glauben konnte. Doch so lange Ich noch das Heft in Händen führe, werde ich solchem Unwesen zu steuern wissen.“
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Halle, 11. Febr.
Der „Hall. Cour.“ enthält folgende öffentliche Erklärung:
„Die königl. Regierung zu Merseburg veröffentlicht unter dem 1. Februar Enthüllungen über die Novemberbewegungen, in denen ich als Aufwiegler der Landwehr genannt werde. Eine solche Bekanntmachung konnte und durfte nur das Ergebniß einer gerichtlichen Untersuchung sein. Diese ist gegen mich gar nicht eingeleitet, viel weniger die dort angeführte Thatsache nachgewiesen worden. Wie mich die königliche Regierung dem Publikum denuncirt hat, so denuncire ich ein solches Verfahren der rechtlichen Beurtheilung aller derer, welche die Idee eines Rechsstaates noch nicht aufgegeben haben. Meine Beschwerde an das Ministerium ist eingereicht.
Zwochau, den 9. Februar 1849. Baltzer, Pastor.“
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[ 43 ] Breslau, 12. Febr.
Die Heulerpartei der Breslauer Bourgeois hat ihre Ehre gerettet; bei der Wahl zur ersten Kammer erhielten die Mehrheit der Stimmen die Soldaten Excellenz Brandenburg und die Calicot Ex-Excellenz Milde.
Brandenburg ist überhaupt das Ideal der schlesischen Geldsäcke; in sehr vielen Kreisen wird er gewählt werden, z. B. in Schweidnitz. Die Begeisterung für diesen Mann ist bei den Heulern ganz natürlich, da er in den Kammern nie sprechen sondern still wie ein 14tägiges Kind sein wird. Könnte man dieß von allen Deputirten, ja von allen Menschen sagen, dann wäre Ruhe und Ordnung.
Schließlich noch eine Berichtigung der Correspondenz aus Breslau. Engelmann gehörte nie der „Vereinbarer Versammlung“ an, erkannte die Verfassung auch nicht als Gesetz sondern nur als eine Thatsache an, als er als Candidat auftrat. Allerdings hat Ihr — Correspondent nicht Unrecht. Es war etwas klägliches, zu sehen, wie sich gewisse Leute scheuten selbst in einer Parteiversammlung das Wort „Demokratie“ auszusprechen. Am besten werden Sie den Geist mancher Breslauer Demokraten erkennen, wenn Sie das quasi Wahlmanifest lesen. In diesem wurde z. B. gesagt: Die Deputirten sollten absehen ganz und gar von den Umständen, unter welchen die Verfassung octroyirt worden ist und dergleichen Unsinn mehr. Die Verfertiger dieses Machwerks sollen sein, der vereinigte Landtägler Siebig und der Rabbi Dr. Geiger.
Die Schlesische Demokratie besitzt kein Organ mehr zur Vertretung ihrer Interessen. Die Allgemeine Oder Zeitung, die eine demokratische Tünche eine Zeitlang sich aufgelegt hatte, bringt jetzt seit einiger Zeit sehr reactionäre Artikel über Kossuth und Frankreich.
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@facs1225
[ 24 ] Wien, 11. Febr.
„Zur Bedeckung der außerordentlichen Staatserfordernisse“ (Styl des Mittelreichs) ist der Finanzminister ermächtigt worden, für 25 Millionen 3prozentige Kassenanweisungen (a 1000, 500, 100 und 50 fl.) auszugeben. Ein schöner Nagel zum Sarge der österreichischen Finanzen! „Auf Verlangen werden zur Beförderung des Verkaufs und zur Verwechslung der Anweisungen“ auch Theilanweisungen von 25 fl. und 10 fl. verabfolgt, damit auch die große Masse des Volkes ihren gehörigen Antheil am Staatsbankrutt tragen möge. Die Hinausgabe der Anweisungen beginnt morgen. Die „Wiener Zeitung“, die gestern, weil kein standrechtliches Urtheil enthaltend, wie trauernd und verwaist dalag, bringt heute wieder diese unentbehrliche Kroatenwürze. Ein Studirender der Technik, Namens Sendeczky, aus Wien gebürtig und 16 Jahre alt, hat sich in einem hiesigen Tabaksladen beleidigende Aeußerungen gegen hochgestellte Militärpersonen erlaubt und ist von dem Kriegsrechte, in Betreff seines Alters und des (wahrhaft scheußlichen, alle Folterbegriffe des Mittelalters übersteigenden) Untersuchungs-Arrestes blos zu 3wöchentlichem Stockhaus verurtheilt worden. — Eine dem kaiserlichen Scharfrichterknecht zugedachte Katzenmusik ist bis jetzt noch nicht zur Ausführung gekommen. — In Grötz erregte ein Vorfall sehr viel Aufsehen. Der Redakteur der Volkszeitung, eines demokratischen Blattes, Namens Julius Gretschnigg, hatte den bekannten Aufsatz Bakunin's, der zuerst in Prager Blättern erschienen war, auszugsweise und mit nichtbilligenden Bemerkungen begleitet, abgedruckt. Am 7. Abends wurde er in seiner etwas abgelegenen Wohnung von 12 Mann des Chev.-Legers-Regiments Windischgrätz überfallen, und obwohl er krank im Bette lag, durch mehrere Hieb- und Stichwunden tödtlich verletzt. Die Bestrafung wurde vom Interims-Kommandirenden der an ihn ergangenen Deputation der National-Garde, bei welcher G. Lieutenant ist, zugesagt. Nach der „Presse“ wären jedoch 100 Mann in die Wohnung [1226] gedrungen, und Veranlassung wäre gewesen einige in letzter Zeit auf Fürst Windischgrätz gemachte Ausfälle, auch hätten diese Elenden, nachdem sie den Wehrlosen mit Säbelhieben tödtlich verletzt, ihm die goldene Uhr, Brieftasche und 4 Ringe genommen.
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@facs1226
Kremsier, 7. Febr.
Nachdem gestern die §§. 11 u. 12 der Grundrechte, das Versammlungs- und Vereinsrecht betreffend, im Reichstag angenommen worden, wie sie im Entwurfe stehen, sollte heute der Paragraph über die Glaubensfreiheit zur Berathung kommen. Da hat aber der katholische Klerus für gut befunden, einige Steine in Form von Adressen, Vorstellungen, Memoranden u. dergl. in den Weg zu werfen, so daß der hohe Reichstag bedächtig anhält und sich einige Bedenkzeit gönnt. Nach einstündigem Hin- und Hergerede beschloß man, die Berathung auf den 12. Febr. zu vertagen und einstweilen alle diese Eingaben und Petitionen zur Kenntniß zu nehmen. Das salzburger Episcopat meint, als von Gott gesetzter Vertreter der kirchlichen Interessen, unumwunden aussprechen zu müssen, was die katholische Kirche zur Sicherstellung der ihr aus „göttlichem Rechte“ gebührenden Freiheit und Unabhängigkeit von der Civilgewalt unumgänglich erheischt, und was nimmermehr verweigert werden kann. Das Episcopat Salzburg, dessen Fürst-Erzbischof, Cardinal Fürst Schwarzenberg, Bruder des jetzigen Ministerpräsidenten, jüngst die Reichsversammlung als Gast beehrte, verlangt: daß alle Lehrämter der katholischen Theologie, die geistlichen Aemter und Stellen, nur vom Bischofe besetzt werden; die Mittheilungen an den Klerus und an das gläubige Volk, die Verbindung mit dem Oberhaupte der Kirche sei frei von der entehrenden Schmach der controlirenden Aufsicht von Staatsbeamten, die überdies auch einer andern Confession zugethan sein können; das Recht der Selbstregierung verwahre die Kirche dagegen, daß Gegenstände kirchlicher Natur in die Competenz der Staatsbehörden, gleichsam als höhere Instanz, im kirchlichen Organismus gezogen werden; die Metropolitan- und Synodal-Institute seien neuerdings in's Leben zu rufen; in Fragen gemischter Natur ist das Episcopat keineswegs gemeint, sich feindlich abzuschließen, sondern es will mit der Staatsgewalt Hand in Hand gehen, so weit es die kirchlichen Grundsätze gestatten.
Im zweiten Puncte verlangt diese Adresse unbeschränkte Verkündigung der katholischen Lehre, so wie unbeschränkte Aufnahme der Bekenner; weltliche Verordnungen und kategorische Aufträge über die Verwaltung des Predigtamts müßte die Kirche entschieden zurückweisen. Ein unveräußerlicher Theil der kirchlichen Lehrgewalt ist die Erziehung der Jugend; die Kirche erklärt aber freimüthig, daß sie mit der Befugniß, in den Volksschulen nur den Religionsunterricht zu ertheilen, sich nicht begnügen dürfe! Dem Staate könne es nicht zustehen, die Aufhebung eines Klosters oder Stiftes einseitig zu verfügen! Der Kirche dürfe das Recht der eignen Gesetzgebung, der richterlichen und Strafgewalt nicht entzogen und nicht beschränkt werden durch die weltliche Macht. Drittens dringt das salzburger Episcopat, da durch die „einseitig“ verfügte Aufhebung der kirchlichen Zehent- und Grundrechte große Verluste drohen, auf angemessene Entschädigung. Ein selbstmörderischer Act wäre es, wollte der Staat sich am Kirchengute vergreifen. Die freie Verwaltung des Kirchenvermögens wird gefordert, und Einsicht in die Gebahrung des sogenannten Religionsfonds. Dies ist beiläufig der Inhalt der 1 1/2 Druckbogen starken Adresse, die von folgenden geistlichen Würdenträgern unterzeichnet ist: Friedrich, Cardinal und Fürsterzbischof zu Salzburg; Johann Nepomuk, Fürstbischof von Trient; Adalbert, Fürstbischof von Gurk! Anton Martin, Fürstbischof von Barant; G. Habtmann, Domcapitular und J. Amberg, fürstbischöflicher Rath in Brixen; J. Büchinger und M. Gruber, Domcapitulare von Seckau. In gleicher Weise sind mehrere Petitionen angekündigt, die um so dreister auftreten, da der Minister Stadion ein Circular ergehen ließ: Er würde es als Zeichen der Berufstreue ansehen, wenn die Geistlichkeit gegen die Grundrechte protestirten.
[(D. A Z.)]
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@facs1226
[ !!! ] Frankfurt, 13. Februar.
Vereinbarer-Versammlung.
Präsident Simson.
Tagesordnung: die letzten Paragraphen der Grundrechte.
Die Kirche ist unheimlich leer.
Man geht ohne Weiteres zur Tagesordnung, und beginnt, da man doch, um die zweite Lesung der Verfassung so weit als möglich hinauszuschieben, die Zeit honnett todtschlagen muß, eine allgemeine Debatte über Artikel 10 der Grundrechte. Er lautet:
§ 45.
„Jeder deutsche Staat muß eine Verfassung mit Volksvertretung haben.“
Minoritäts-Erachten:
„Die Feststellung der Verfassungsform eines jeden deutschen Staates ist Sache der Staatsangehörigen desselben. (Wigard, Blum, Simon, Schüler).
§ 46.
„Die Volksvertretung hat eine entscheidende Stimme bei der Gesetzgebung und der Besteuerung.
„Die Minister sind ihr verantwortlich.
„Die Sitzungen der Landtage sind öffentlich.“
M. Mohl spricht einige Worte dagegen.
Linde aus Mainz dafür. Letzterer ist einer der praktikabelsten, um die Zeit systematisch zu tödten. Kein Mensch achtet auf ihn — man plaudert ganz laut.
Nauwerk spricht für ein von ihm und 20 andern zu § 46 gestelltes Amendement des Inhalts:
„Wenn die Volksvertretung eines Einzelstaates die Abänderung der Regierungsform für nothwendig erklärt, so beschließt darüber eine sofort neu zu erwählende Volksvertretung. Zu ihrem Abänderungsbeschlusse bedarf es: 1. der Anwesenheit von wenigstens 2/3 der Mitglieder; 2 zweier Abstimmungen, zwischen welchen ein Zeitraum von wenigstens 8 Tagen liegen muß; 3. einer Stimmenmehrheit von wenigstens 2/3 der anwesenden Mitglieder bei jeder der beiden Abstimmungen; 4. der Zustimmung der Landesregierung. Der Abänderungsbeschluß erhält jedoch Gesetzeskraft, wenn er von derselben Volksvertretung nach Jahresfrist erneuert wird.“
Er eifert gegen das absolute Veto, und bezieht sich dabei auf einen Ausspruch der O.-P.-A.-Z. Diese gute Zeitung fragt an irgend einem beliebigen Orte: „wie lange werden den republikanischen Kammern gegenüber die Monarchien noch bestehen können?“ Dieser Frage stellt Nauwerk die Worte Friedrichs des Großen gegenüber, als er in der Schlacht von Culm seine Grenadiere, welche nicht mehr vorwärts wollten, fragte: „Wollt ihr Schelme dann ewig leben?“ (Beifall begleitete N. Rede).
In der speziellen Diskussion über § 45 sprach dagegen Rödinger, und dafür Linde.
§ 46 blieb undiskutirt.
Beseler hat im Namen des Verfassungsausschusses beide Paragraphen anzunehmen.
§ 45 (Majoritätsantrag) wird hierauf angenommen.
Würth hatte das Amendement:
„Die Wahl der Volksvertreter geschieht nach allgemeinem Stimmrecht ohne Census,“
vorgeschlagen. Wurde verworfen. (Es ist kaum glaublich. (O doch!)
Gulden amendirt:
„Das Veto der Staatsregierung gegen die Beschlüsse der Volksvertretung kann nur ein beschränktes sein“
Wird mit 246 Stimmen gegen 119 verworfen.
Alle Zusätze, welche der Souverainetät des Volkes den Weg bahnen konnten, wurden verworfen. Die zwei Drittel Ultra-Reaktionäre der Rechten und des Centrums saßen wie angenagelt.
Ein Antrag von Ludwig Uhland:
„Unter keinen Umständen darf eine Landesverfassung einseitig von der Regierung gegeben oder abgeändert werden“,
wird mit 203 gegen 199 Stimmen verworfen.
Also die Oktroyirung sanktionirt! Hurrah ihr Volksvertreter!!!
§ 46 wird angenommen.
Amendement Potzl:
„Die Volksvertretung hat auch das Recht der Initiative bei der Gesetzgebung“,
wird dazu mit 361 Stimmen gegen 53 angenommen
Zusatz von Spatz:
„Auch das Recht der Ordnung des Staatshaushalts“,
wird ebenfalls angenommen.
Ein Zusatz von M. Mohl:
„Keine direkte noch indirekte Staatssteuer darf ohne periodische Verwilligung der Volksvertreter erhoben werden“,
soll zu namentlicher Abstimmung kommen.
Die Centren schreien furchtbar: „Antrag zurücknehmen!“
Es ist nehmlich Zeit zum Mittagessen.
Mohl läuft zur Tribune. Die Centren klatschen lebhaft. Mohl erklärt: „Ich wollte nur sagen, den Antrag nehme ich nicht zuruck!“ (Bravo links und Gallerien — furchtbares Gelächter!)
Der Antrag wird mit 229 Stimmen gegen 176 verworfen.
Der liberale Wuttke stimmte dagegen. Ebenso Beckerrath, Dahlmann, Soiron, Degenkolb, Fuchs, Hergenhahn, Jordan aus Marburg, Mewissen, Riessen und alle die „Meerumschlungenen [unleserlicher Text]“, mit Ausnahme von Claussen.
Zu § 46 wurde noch ein Zusatz von Jordan von Berlin angenommen:
„Die Sitzungsperiode der Landtage der Einzelstaaten darf nie zusammenfallen mit der Sitzungsperiode der Reichsversammlung (Volks- und Staatenhaus).“
Nauwerk's Anträge werden verworfen.
Die folgenden §§ 47 und 48 werden auf Donnerstag vertagt.
Schluß 1/4 4 Uhr.
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@facs1226
[ !!! ] Frankfurt, 13. Febr.
Wenn unser Froschteig dem deutschen Volke schon lange nichts weiter bietet, als bisweilen einen schlechten Witz, so muß man nicht verabsäumen, dem Volk für sein schweres Geld wenigstens in dieser Beziehung zu referiren. Folgendes ist buchstäblich wahr. Der Reichshandelsminister Duckwitz hat ein Kind bekommen. Diesem hat er aus Ehrfurcht und andern unbekannten Gefühlen die Vornamen gegeben: „Heinrich“ „Gagern“, so daß dieser Reichssprößling „Heinrich Gagern von Duckwitz“ heißt. Der taufende Pfarrer vermeinte falsch gehört zu haben. Aber die Sache verhielt sich einmal so, und der kleine „edle Heinrich Gagern v. Duckwitz“ wurde in den Frankfurter Civillisten gebucht. — In der hiesigen Weinhandlung von Jacobi haben sich zwei äußerst aristokratischen Abgeordnete der äußersten Rechten von G‥‥… und S‥… im Verlauf eines politischen Disputes die Weingläser an die Köpfe geworfen und zur Erbauung der umstehenden unpolitischen Zuschauer sich weidlich zerprügelt!
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@facs1226
Hannover, 10. Februar.
In einer Note des preuß. Ministers des Aeußern an den hannov. Gesandten heißt es, „daß die preuß. Regierung sich das Recht vorbehalten habe, in jedem einzelnen Falle zu prüfen, in wie weit den Beschlüssen der Nationalversamm[l]ung zu Frankfurt und der provisor. Centralgewalt Gesetzeskraft für die preuß. Staaten zu geben sei, und daß sie bei diesem Grundsatze auch hinsichtlich der Grundrechte des deutschen Volkes stehen bleiben müsse.“
Das ist die November-Uebersetzung von dem königl. preußischen Märzschnee-Aufgehen in Deutschland!
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@facs1226
Apenrade, 7. Februar.
Heute Abend 6 Uhr kamen die Gefangenen des Brönser Landsturms, unter starker Bedeckung von Schleswig hier an, mußten aber, nachdem sie auf dem hiesigen Rathhause bespeiset worden, ihre Reise nach Hadersleben, woselbst ihnen ihr Strafurtheil verkündigt werden soll, weiter fortsetzen. Ueber den Ausfall der Strafe ist noch nichts bekannt.
[(K. C. Bl.)]
[Feuilleton]
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@facs1226
Bivonaksfeuer trocknen, denn die Sonne stand zu tief, um an ihren Strahlen das kostbare Depot verdünsten zu lassen. In einer halben Stunde war ich zurück im Lager, und da erst bemerkte ich, daß wir in unsrer Eile vergessen hatten, unsern Pferden die Last abzunehmen. Hr. Malcolm war vor mir angekommen, und brachte ungefähr eben so viel goldhaltigen Sand mit wie ich. Einen Augenblick nachher kamen auch Bradley und Don Louis. Sie waren beide in einem Zustande der Exaltation, von dem sich keine Vorstellung machen kann. „Ich hoffe, daß ich's jetzt heraushabe,“ sagte der Erste, indem er mit Stolz das Produkt seiner Arbeit zeigte. José seinerseits war unerschöpflich an Dankesergüssen an die heil. Jungfrau und den „großen Geist,“ die er auf eine höchst originelle, obgleich nicht eben orthodoxe Weise untereinanderwarf. Wir beschäftigten uns endlich damit, unser Zelt aufzuschlagen, und Malcom fing an, das Nachtessen zuzubereiten, aber in dieser Operation wurde er beständig gestört durch die Ungeduld, die wir hatten, unsern Sand an seinem Feuer zu trocknen, um den wahren Gehalt unserer Arbeit zu sehn. Während in der Glut des Feuers mehre Stücke von unserm Porzellan platzten, wurde jedoch unser Sand endlich ganz trocken, und nun fingen wir an, mit geschlossenen Augen den Staub wegzublasen, der unsere Schätze bedeckte. Nachdem wir zwei Minuten ungefähr geblasen hatten, fanden wir uns im Besitze von drei Pfötchen Pulver Gold: das war gewiß aller Ehren werth für den Anfang, und wir legten uns nieder mit den schönsten Hoffnungen. —
Ungarn.
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Edition: [Friedrich Engels: Vorteile der Magyaren, vorgesehen für: MEGA2, I/8. ]
[ 068 ] Pesth, den 8. Febr.
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Belgien.
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[ 068 ] Brüssel, 14. Februar.
Seit der Februar-Revolution erscheinen in der „Independance“, welche in Brüssel von Perrot, den Verwickelungen mit der bürgerlichen Gesellschaft aus Frankreich vertrieben, herausgegeben wird, regelmäßige Korrespondenzen über die Klubs und Banquets. Die Aufklärungen und Kommentarien, mit welchen diese Korrespondenzen begleitet werden, deuten offenbar auf einen Mann hin, her, unter der Maske des „rothen Republikaners“, sich ein Handwerk daraus macht, in alle Klubs sich einführen zu lassen, um sich nachher als Spion bezahlen zu lassen. Perrot und die belgische Regierung genießen einige Abfälle dieser polizeilichen Berichte. Der Korrespondent der „Independance belge“ ist aber nicht allein ein Spion, sondern auch, wie ihn die „Notion“ denunzirt, ein escroc, der früher zu drei Jahr Gefängniß verurtheilt worden. Das ist der Korrespondent der „Independance“, des honnetten Musterblattes in einem konstitutionellen Musterstaate.
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[ 068 ] Brüssel,
Joachim Lelewel, ehemals Mitglied der revolutionären Regierung zu Warschau von 1831, hat so eben eine Geschichte der Geographie des Mittelalters mit erläuternden Karten herausgegeben. Durch seine tiefe Kenntniß der slavischen Sprache war es ihm möglich, bisher uneroberte Gebiete der Wissenschaft sich anzueignen. Der liebenswürdige Greis Lelewel ist eine der glorreichsten Erscheinungen unsers Jahrhunderts, gleich ausgezeichnet durch seinen Patriotismus, seine revolutionäre Energie, seine Gelehrsamkeit und seine Urbanität.
Französische Republik.
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[ 068 ] Paris, 13. Febr.
Die Diplomaten sind nach Brüssel gereist, wo die famösen Konferenzen über die italienischen Angelegenheiten eröffnet werden sollen. Wie man versichert, werden diese Konferenzen nicht lange dauern, da die intervenirenden Parteien, mit Ausnahme Sardiniens, schon vollkommen damit einverstanden sind, Italien dem sogenannten allgemeinen Frieden zu opfern. Während die lombardischen und piemontesischen Abgeordneten ruhig zu Paris die Eröffnung des Kongresses abwarteten, um sich an ihren Posten zu begeben, arbeitete die englische Diplomatie im Interesse Oestreich's. Das ganze Resultat dieser Konferenzen wird darauf hinauslaufen, daß die vermittelnden Mächte die Ansprüche Oestreichs anerkennen werden, während andererseits Sardinien fruchtlos protestiren wird gegen die Besetzung derjenigen italienischen Provinzen, die durch ein einstimmiges Votum der Nation zu Piemont geschlagen sind.
Wenn also Frankreich so weiter fortgeht, so wird es bald Oestreich behülflich sein müssen, um Venedig wieder zu erobern und die Lombardei zu behalten. Am 24. März v. J. verspricht Hr. Lamartine den Italienern den bewaffneten Beistand Frankreichs, von dem Tage an, wo die Italiener desselben bedürftig sein würden. „Erster Betrug.“ Darauf kam das Ministerium Cavaignac und Bastide und dieses Ministerium verweigert die von den Italienern dringend verlangte Intervention. „Zweiter Betrug.“ Das Ministerium Cavaignac und Bastide verspricht jedoch die vollständige Befreiung Italiens durch die alleinige Wirkung der französischen Vermittlung. „Dritter Betrug.“ Wir halten jetzt am Ministerium Barrot-Falloux. Das Ministerium Barrot-Falloux wird keinen Betrug ausüben. Es meint es ehrlich mit den Oestreichern und die Italiener wissen im Voraus, was sie im Voraus von einem Barrot oder Falloux zu erwarten haben.
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Paris, 13. Februar.
Der Moniteur enthält ein Dekret, das die republikanische Garde (auch ein Februarauswuchs) der Gensdarmerie des Seinedepartements gleich stellt und sie reorganisirt.
— Eben (1 1/2 Uhr) besucht Bonaparte die Börse. Alles ruft: Es lebe der Präsident!
— Ein anderes Dekret setzt den Bürger Mathey, Präfekten des Ardennesdepartements ab, weil er ohne Urlaub seinen Posten verlassen.
— Heute vertheidigt Ledru-Rollin sein Blatt „La Revolution“ in Person vor den Assissen.
— Der Schluß der gestrigen Nationalversammlung ist für das Ausland so wichtig, daß wir ihn nach dem heutigen Moniteur so vollständig als möglich geben.
— Die Journale bringen folgenden Brief Odilon-Barrot's: „Sie sagen, in Ihrer Nummer von gestern, daß ich es sei, der am 24. Febr. dem Marschall Bugeaud den Befehl ertheilt hat, seine Truppen zurückzuziehen und auf die Gewaltmaßregeln zu verzichten. Sie sind schlecht unterrichtet worden, und die Thatsache ist vollkommen falsch. Hätten Sie meine Theilnahme an den Ereignissen dieses Tages gekannt, so würden Sie diesen Irrthum nicht aufgenommen haben.“ Odilon-Barrot.
Was geht aus diesem Briefe hervor? Daß Odilon-Barrot schon damals vielleicht den Bugeaud verwandt haben würde, wie er jetzt Changarnier verwendet, das heißt zum Schutze Louis Philipp's oder der Regence, und zur alleinigen Bekämpfung der Republik.
Sitzung der National-Versammlung vom 12. Februar (Nach 6 1/2 Uhr.)
Odilon-Barrot: Ich glaube, mich genügend darüber ausgesprochen zu haben, daß ich daran zweifle, der Marschall Bugeaud habe sich genau so ausgedrückt, wie dies die Blätter angeben. Ich habe erklärt, daß, wenn der Chef, dem das Oberkommando der Alpenarmee übergeben wurde, wirklich öffentlich oder in Privatgesprächen erklärte, daß die Alpenarmee nicht jene Bestimmung erhalten solle, die ihr gesetzlich und amtlich zugedacht wurde und die sie auch behält: so hätte dieser Chef alle seine Amtspflichten außer Acht gelassen, er hätte den stupidesten Unsinn begangen, er hätte sich selbst destituirt. (Gelächter.) Ich füge hinzu, daß mir die Sache Seitens des Marschalls Bugeaud dergestalt erstaunlich erscheint, daß es sich wohl der Mühe lohnt, sie verifiziren zu lassen. Ja, unsere schöne und tapfere Alpenarmee hat einer Frage die Spitze zu bieten (faire fa[unleserlicher Text]e), die noch unter uns brennt, welche aber die Weisheit und der gesunde Sinn sowohl der Nationen als der Regierungen zu pazifiziren suchen werden und zwar, wie ich hoffe, im Interesse der Freiheit selbst.
Wenn also die Alpenarmee wirklich berufen würde, die Alpen zu übersteigen, glaubt Ihr dann, daß es von keiner Gefahr sei, wenn in ihrem Rücken der Bürgerkrieg entbrenne?
David (Angers): Aber Sie selbst sehnen sich ja nach dem Bürgerkriege!
Arago (Emanuel): Billigen oder mißbilligen Sie die Sprache Bugeaud's? das ist die Frage.
Barrot (ohne auf die Unterbrechungen zu antworten fährt fort): Der Redner Arago scheint zu befürchten, daß die Aeußerungen Bugeaud's den Negoziationen schaden könnten, welche in diesem Augenblicke gepflogen werden. Beruhige er sich. Das Ausland sowohl, als die Regierung selbst, wissen sehr gut, daß je energischer der Geist der Unruhe im Innern unterdrückt wird, desto höher unser Einfluß nach Außen steigt. (Lärm vom Berge.) Das Ausland versteht die Worte Bugeaud's sehr wohl. Es sieht sehr gut, daß sich, Gott sei Dank, die Gefahr allmälig entfernen und sich mit jedem Tageschwächen wird. Diese Bemerkung bildet nicht nur die Freude aller wahren Patrioten (Ah! Ah!), sondern des Auslands selbst. (Oh! Oh! links-Beifall rechts) Die Ordnung und die Achtung der Obrigkeit, die in unsere Städte wieder eingezogen, sind Symptome, denen das Ausland vielleicht mit ebensoviel, oder noch größerer Aufmerksamkeit folgt, als wir. (Bewegung links. Rechts Geschrei: Tagesordnung! Tagesordnung!)
Coralli entgegnet: Dieses immerwährende Vorhalten eines blutigen Gemäldes von Bürgerkrieg im Innern birgt eine enorme Gefahr nach Außen. Daß die gesellschaftlichen Fragen mit Weisheit und unblutig gelöst werden müssen, ist schon hundert Mal auf dieser Bühne gesagt worden. Das ist der Wunsch und das Streben von uns Allen. Aber diese Befürchtung und Schilderung einer Gefahr bis auf's Aeußerste zu treiben (pousser à l'extrème), wollen Sie wissen, wie das heißt? Ein Plagiat? Verzeihe mir's der Hr. Konseilpräsident, aber er wiederholt das Spiel, wie man es 18 Jahre lang trieb. Seine Sprache ist reiner Guizot.
Barrot: Nie befand sich Hr. Guizot in meiner Lage!
Coralli: Es handelt sich hierbei nicht um die Person, sondern um das System. Repression nach Innen, braucht keineswegs den Frieden nach Außen à tout prix zu bedingen. Indem man nach Außen und Innen fortwährend von Staatsgefahr und Bürgerkrieg schreit, lähmt man die Kräfte nach Außen und Innen (des Verkehrs und der Armee). Die Erklärungen[Fortsetzung] Hierzu eine Beilage.