[1253]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
Nr. 228. Köln, Donnerstag den 22. Februar 1849.
@typejExpedition
@facs1253
Vierteljähriger Abonnementspreis in Köln 1 Thlr.
71/2 Sgr., bei allen preußischen Postanstalten 1 Thlr. 17 Sgr. ‒ Im Auslande wende man sich: in Belgien an die betreffenden Postanstalten; in London an W. Thomas, 21 Catherine- Street, Strand; in Paris an W. Thomas, 38 Rue Vivienne, und an A. Havas, 3 Rue Jean Jacques Rousseau.
Insertionen werden mit 18 Pf. die Petitzeile oder deren Raum berechnet.
Auskunft, Annahme und Abgabe chiffrirter Briefe gratis.
Nur frankirte, Briefe werden angenommen.
Expedition Unter Hutmacher Nro. 17.
Uebersicht.
Deutschland. Köln. (Hageh. ‒ „R. Pr. Z “) Berlin. (Vermischtes.) Greifswald. (Assessor Böhmer.) Wien. (Welden. ‒ Sereschaner.) Frankfurt. (Zwei Sitzungen der Nationalversammlung.) Jena. (Gerichtliches.) Schleswig- Holstein. (Die Reichstruppen. ‒ Bewaffnungsanstalten.)
Ungarn. (Windischgrätz. ‒ Juden und Sudslaven.) Agram. (Ursache des Belagerungszustandes von Karlowitz) Von der östreichischen Gränze. (Effek angeblich von den Kroaten genommen)
Schweiz. Wallis. (Auflösung der römischen Schweizerregimenter.)
Franz. Republik. Paris. (Vermischtes. ‒ Zwei Sitzungen der National- Versammlung.)
Belgien. Brüssel. (Neueste Nachrichten aus dem Musterstaate.)
Großbritannien. London. (Parlamentssitzung. ‒ Der Umweg um das Cap Horn.)
Italien. (Die Proklamation der Republik in Rom ‒ Die provisorische Regierung in Toskana und Leopold. ‒ Schreiben des ungarischen Gesandten an die Turiner Deputirtenkammer) Civita- Becchia. (Neapolitanische Pläne gegen Rom.) Rom. (Die Einsetzung der Republik.) Florenz. (Richtung der Flucht des Großherzogs.) Turin. (Chanowski.)
Deutschland.
@xml:id#ar228_001
@typejArticle
@facs1253
[ * ] Köln, 20. Febr.
Im Wahlkreis Bonn- Siegburg wird übermorgen ein Abgeordneter für die zweite Kammer gewählt. Wir empfehlen den betreffenden Wahlmännern den Advokat- Anwalt Dr. Hagen in Köln.
@xml:id#ar228_002
@typejArticle
@facs1253
Köln, 20. Febr.
Herr Zabel meldet sich bei der Doppelwahl von Gierse in Westphalen. ‒ Die National- Zeitung erwartet, daß ein jeder Westphälinger seine Schuldigkeit thut!
[(N. Pr. Z.)]
@xml:id#ar228_003
@typejArticle
@facs1253
[ X ] Berlin, 18. Febr.
Seit einiger Zeit sind hier ungewöhnlich viel Personen in türkischer Kleidung und mit türkischen Pässen eingetroffen, was natürlich namentlich bei der Polizei Aufsehen und allerhand Vermuthungen erregte. Man glaubte nämlich, es seien verkleidete Ungarn und hat daher die Regierung an die Grenzbehörden in Schlesien den Befehl abgehen lassen, Inhaber solcher Pässe nicht mehr so ohne Weiteres einpassiren zu lassen. ‒
Mit der Epurirung des Königlichen Hof- und Diener- Personals von allen irgendwie demokratischer Gesinnung verdächtigen Subjekten wird aufs eifrigste fortgefahren. So hat unter Andern gestern der Kastellan des Schlosses in Potsdam, trotz seiner vieljährigen Dienste, seinen Posten räumen müssen. ‒
@xml:id#ar228_004
@typejArticle
@facs1253
Berlin, 19. Febr.
Aus Münster geht die traurige Nachricht ein, daß Se. Königl. Hoheit der Prinz Waldemar von Preußen daselbst am 17. d. M. Nachmittags 4 Uhr an einem Herzleiden verstorben ist.
@xml:id#ar228_005
@typejArticle
@facs1253
Berlin.
Herr Heramer hat Aussicht, eine reiche Partie zu machen, die Liebschaft ist wenigstens angeknüpft.
Die Demokratie darf sich aber nicht einbilden, von einer reichen Frau pekuniäre Vortheile zu ziehen. Herr Ruge hat bereits gezeigt, welche Ansichten von Communismus man in diesem Punkt hegt. Der Einzige, welcher närrisch genug gewesen, sein Geld für Parteizwecke zu opfern, ist Assessor Jung. [(R. Pr. Ztg.)]
@xml:id#ar228_006
@typejArticle
@facs1253
[ 103 ] Greifswald, 17. Febr.
Unser Großinquisitor, Assessor Böhmer, hat sich durch seine zahlreichen Blamagen bei Gelegenheit von Verhaftungen hier schon einen nicht unbedeutenden Namen gemacht. Charakteristisch für ihn ist die neuliche Verhaftung eines Chirurgen Herrn Pfalzgraf. Diesen Herrn hat sein Eifer, Excesse zu verhüten, in das Gefängniß gebracht. Am 5. Abends nämlich wurden einem seiner politischen Gesinnungslosigkeit wegen verhaßten Manne die Fenster eingeworfen. Obgleich sich deswegen nur etwa 60 Menschen versammelten, konsignirte man dennoch augenblicklich die Bürgerwehr. Zur Verhütung von Exzessen nun ermahnte der [unleserlicher Text] Pfalzgraf die versammelte Menge, auseinanderzugehen. In dem Augenblick jedoch erscheint ein Theil der Bürgerwehr, circa 60 bis 70 Mann, die ohne irgend welche Veranlassung noch vorheriger Aufforderung die Gewehre fällen, sich zerstreuen und so vereinzelt auf die Einzelnen loshauen und stechen. Vor solcher Brutalität jener ehrenwerthen Ordnungsbestien rettete sich unter anderen durch die Flucht [unleserlicher Text]auch [unleserlicher Text]Herr Pf. Doch der Scylla entflohen, ereilte ihn die entsetzliche Charybdis: Hr. Böhmer Wohlgeboren forderte ihn vor sein unfehlbares Forum und läßt ihn seine strenge und furchtbare Logik fühlen. Ehe noch der Beklagte sich an den Anblick der gestrengen Herren Richter hat gewöhnen können, donnert ihn Herr B. wie folgt, an:
„Ihre Theilnahme an der Emeute vom 5. ist durch ihre Flucht bewiesen; Sie haben aber auch, leugnen Sie es nicht, die versammelte Menge in befehlendem Tone aufgefordert, sich zu zerstreuen; daß Sie befehlend sprachen, legt unumstößlich dar, daß Sie befehlen durften; daraus wieder folgt, daß Sie Anstifter oder Anführer jener Rotte gewesen sind, und müssen deshalb die Strafgesetze gegen Sie angewendet werden. Haben Sie darauf etwas zu erwidern? Ihre Aussage soll auch zu Protokoll genommen werden, Sie sehen, daß wir unparteiisch sind.“
Zu seinem Glück wußte gegen eine so starke Logik der Angeklagte nichts zu sagen und murmelte nur noch: O Allmächtiger, beschütze mich ‒ nicht vor Wahnsinn ‒ nur vor dem Untersuchungsrichter, Assessor Böhmer.
@xml:id#ar228_007
@typejArticle
@facs1253
[ 61 ] Wien, 14. Febr.
Oestreich hat nur zwei Möglichkeiten: die eine Möglichkeit heißt Metternich, und mit dieser ist's formel vorüber; die andere Möglichkeit heißt Standrecht, aber auch mit dieser ist's aus. Der Uebergang aus dem Standrecht zum Metternich ist unmöglich. Oestreich tritt in die dritte Phase, diese Phase heißt „Untergang“. Mit dem ungeheuersten Donnergetöse verkündet sich schon Oestreichs jüngster Tag; der Tag ist nahe. Melden will diesen Tag beschleunigen. Die letzte Ohnmacht des Olmützer Banditen-Regimentes soll durch das Verröcheln von Tausenden noch einmal konstatirt werden. 10,000 Sereschauer werden binnen Kurzem hier ein einrücken, um den Abgang der Garnison zu ergänzen. Welden hat sich gerade diese Banditen ausersehen, weil er von unersättlichen Tigergelüsten gequält wird, von dem Gelüste, die Bevölkerung Wiens mit den Messern der Sereschaner hekatombenweise abermals zu schlachten. Die Wiener rühren sich nicht, Jedermann weiß, daß die sogenannten Attentate auf das Militär, all die der Bevölkerung gemachten Beschuldigungen, welche die fabelhaft bornirten deutschen Blätter als baare Münze hinnehmen, nichts sind, als absichtliche Erfindungen, die Welden durch seine eigenen Kreaturen zur Ausführung bringen läßt, um Gründe zu haben, wider eine Bevölkerung zu wüthen, die sich am Ende zwar in Masse erheben wird, indessen viel zu klug geworden ist, sich in einzelnen, fruchtlosen Emeuten aufzureiben. Keines der Welden'schen Manöver hat die Bevölkerung zur Nachahmung zu verführen vermocht, wie er gewünscht. Der Banditen- Esel hat geglaubt, ein offizieller Schuß in den Straßen würde das Volk zum Aufstand reizen und ihm selbst Gelegenheit geben, seine Mordwuth zu befriedigen. Darum die Schüsse aus Häusern, auf der Straße u. s. w.; aber noch keinen Thäter hat man ertappt. Kennten Sie die Infernalität unserer Polizeibande, Sie würden die Entdeckung der Thäter für eine Kleinigkeit halten müssen. Doch diese Thäter dürfen nicht entdeckt werden, es sind Welden'sche Banditen- Söldlinge.
Um nun aber die Bevölkerung Wiens jedenfalls zum Aeußersten zu bringen, hat er sich 10,000 Sereschaner, Oguliner, Likkaner und Ottochaner, die auserlesensten Mordknechte der Erde, bestellt, und wird seinen Zweck mit ihnen erreichen. Denn diese Schaar wird durch ihre grausenhaften Unmenschlichkeiten die Bevölkerung Wiens so aufzustacheln wissen, daß sie sich vergessen muß. Die deutschen Hunde, die uns schon im Oktober den slavischen Mordgesellen preisgegeben, so sehr sie von deutschem Patriotismus faseln, werden dann nicht verfehlen, sich auf Seite der Krooten zu stellen, oder in hohes Bedenken und schweres Erwägen über die Seite, wo sich das Recht befindet, zu gerathen. O, es gibt nichts schauerlicheres auf Erden, als dies deutsche zähnebohrende Gesindel.
Die Einleitung zu den künftigen Mordscenen Welden's macht eine Kundmachung in der Wienerin. Er setzt einen Preis von 100 Dukaten aus, wenn ihm ein Thäter eingebracht werde. Es wird genug Buben geben, die Welden'sche Polizei wird sie schon haben, welche den ersten besten Mißliebigen der That bezüchtigen, vor dem Kriegsgerichte die nöthigen Eide leisten und so dem Zweck entsprechen werden. Auf diese Weise erhält Welden für 100 Dukaten eine Urkunde darüber, daß Attentate stattfinden; er kann diese Urkunde dann überall vorlegen, Niemand darf mehr zweifeln.
Die Rakete, welche am hellen Tage des 12ten zwischen dem Schotten- und Franzensthor aufstieg, ist von den Leuten Welden's losgelassen worden; die am Schenzel gefundene mit Granaten gefüllte Bombe ist von Welden's Leuten dort vergraben worden. Im hiesigen Publikum sind das keine Geheimnisse; was fragt aber Welden nach einem Publikum, das er gerade ermorden lassen will? Er will ja durch die selbstgemachten Attentate nur das Militär zur Wuth entflammen, und damit sie die rechte Manier des Mordens sehen und lernen, sollen Sereschaner die Avantgarde bilden.
P. S. Die Sereschaner sind bereits eingetroffen; an ihren rothen Mänteln und Banditen- Physiognomien können wir uns nach Belieben ergötzen. Mit ihnen kamen auch 2 Bataillons Kroaten.
@xml:id#ar228_008
@typejArticle
@facs1253
[ !!! ] Frankfurt, 17. Februar.
Simson präsidirt. ‒ Tagesordnung, Entwurf des Reichswahlgesetzes. Vorher kommt nichts vor. ‒ Mehrere neue Anträge werden verlesen. ‒ Die Anzahl derselben zu diesem Gesetz ist wie sich voraussehen ließ Legion.
Ich gebe die wichtigsten am geeigneten Ort. ‒ Vor der speziellen Diskussion über 1. wird ein Antrag von Rösler von Oels des Inhalts: „nach Abstimmung über die einzelnen §§. des Wahlgesetzes ist noch über Annahme oder Verwerfung des ganzen Gesetzes schließlich abzustimmen.“ ‒ angenommen. Wernher von Nierstein spricht über Titel und Eingang des Gesetzes. Er ist gegen das allgemeine Wahlrecht und sucht geschichtlich zu beweisen, daß dasselbe nur für Völker die sich noch im Naturzustande befinden, passend ist ‒ „Ich liebe mein Volk!“ ruft er pathetisch aus (homerisches Gelächter!) und eben deshalb will ich es vor den Gefahren behüten, an Dingen Theil zu nehmen, die es nicht versteht, wie an dem Wahlrecht! (Erneutes Gelächter der Gallerie. Simson verbietet der Gallerie das Lachen.) Dieser Ehrenmann (Wernher) schlägt vor, gar kein Wahlgesetz zu machen, sondern dies (hört! hört!) dem Staatenhause zu überlassen! ‒ Moritz Mohl und Eisenmann bekämpfen diesen noblen Vorschlag lebhaft. ‒ Folgt Debatte über §. 1 ‒ (31 Redner sind eingeschrieben.) von Linde beantragt die §§. 1 2 und 3 zusammen zu diskutiren. Auf der Rednerliste für den Entwurf stehen Beckerath und der edle Gagern. Mit 202 Stimmen gegen 171 wird beschlossen, die §§. 1 2 und 3 nicht zusammen zu fassen. Dagegen beschließt man mit 199 Stimmen gegen 182 die ersten beiden §§. zusammen zu diskutiren und zu votiren, wie der bemißtrauensvotete Biedermann vorschlug. ‒ Diese beiden fruchtlosen Abstimmungen kosteten eine volle Stunde. ‒ Zu biden §§. zusammen sind 91 Redner eingeschrieben. ‒
Jahn spricht zuerst zur Unterhaltung des Hauses gegen (!) den Entwurf. Unsinn und Sinn folgt so blitzschnell aufeinander in seiner Rede, daß man kaum folgen kann. Zuerst verbittet er sich allen Beifall und Mißfallsbezeugungen, gestattet dagegen der Presse in jeder Art über ihn herzufahren. Er verliest das preußische Wahlgesetz, wonach damals zur Nationalversammlung gewählt wurde, und scheint dies als Norm aufzustellen. Den vorliegenden Entwurf nennt er ein Mißtrauensvotum an's deutsche Volk. Er erinnert daran daß Deutschlands Sprache, Künste, Litteratur und jedes Attribut seiner Größe vom Volk, nicht von wenigen Erimirten erhalten worden. ‒ Die Fürsten hätten den ersten deutschen Volksbefreier Herrmann getödtet. Hier im Hause, sagt J., sehe ich viele die aus den Ständen hervorgegangen die man ausschließen will. ‒ Gegen den Begriff „selbstständig“ (S. unten §. 1) erklärt er sich durchaus, als gegen einen vagen und unbegrenzten Begriff. ‒ Die Wahlberechtigung müsse bestehen in Tüchtigkeit und Tugend allein. ‒ Der Entwurf würde das Vaterland in zwei feindliche Lager theilen. ‒ Man solle sich hüten, nicht durch seinen Beschluß im vorliegenden Fall das Berliner Witzwort zu bewahrheiten: „Die Stände seien aufgehoben, aber drei Stände seien übrig geblieben, der Belagerungszustand, der passive Widerstand und der Unverstand!“ ‒ (Gelächter und Beifall von allen Seiten des Hauses.) Professor von Raumer aus Berlin für den Entwurf mit einigen Aenderungen; aber für direkte Wahlen. (Beifall Centrum.) Hildebrand (von der Linken) Prof. aus Marbung, gegen den Ausschußentwurf. ‒ Seine Rede ist kurz und gut, bietet aber nichts Neues. Mölling (aus Oldenburg) für den Entwurf eingeschrieben spricht er fast gegen alle Bestimmungen desselben, für Zulassung der Dienstboten, Handwerker und Arbeiter, überhaupt ein volksthümliches Wahlgesetz. (Vicepräs.: Beseler präsidirt, und läßt einen solchen Lärm zu, daß man sein eigen Wort nicht, geschweige den Redner versteht.)
Venedey. Jede Ausschließung vom Wahlrecht schafft zwei gegenüberstehende Klassen, berechtigte und nichtberechtigte Bürger. ‒ Ich bin deshalb gegen jede prinzipielle Beschränkung. ‒ Die Begriffe von Selbstständigkeit und Unbescholtenheit sind nicht zu fixiren. ‒ Der Geldcensus ist das Elendste was sie als Prinzip aufstellen können. ‒ Die Beispiele anderer Länder passen eben so wenig für Deutschland, wie die verschiedenen Röcke den verschiedenen Personen. Der Unterschied, den man in Frankreich zwischen Bourgeoisie und Pöbel macht, findet sich in Deutschland nicht, dies beweist schon, daß man sich bei einem ähnlichen Vergleich des fremden Wortes Bourgeoisie bedient. Nur durch die Theilnahme des Volkes an den Regierungsgeschäften des künftigen Deutschlands werden Sie im Stande sein ein einiges Deutschland zu bilden.
Mathies (Professor aus Greifswald) neueingetretenes reaktionäres Mitglied, à la Beseler: „Man solle sich ja hüten ein Wahlgesetz zu machen, was mit den angenommenen Bestimmungen der Verfassung disharmonirt, (kann man naiver sein?) und wohl gar dem Socialismus und Kommunismus die Thür öffnet. ‒ Ein Census scheine ihm noch am zweckmäßigsten zu sein. ‒ Wer möchte behaupten, daß das Wahlrecht, das Recht in das deutsche Volkshaus zu wählen, zu den allgemeinen Menschenrechten gehört? (Einige Reichstruppen auf der Gallerie lachen.) Hr. M. erklärt sich gegen das allgemeine Stimmrecht, es sei weder vernunftgemäß noch praktisch. (Rechts: sehr richtig! links: Hohngelächter!) Hr. M. ist sehr wüthend und perorirt die Linke. Wird von der Gallerie ausgelacht und vom Präsidenten zurechtgewiesen. ‒ Mit 21 Jahren könne man noch nicht verständig genug zum Wahlgeschäft sein! (Auch noch nicht mit 50-60 Jahren, wenn man ein Professor Mathies ist.) Der Art spricht der Ehrenmann bis zu Ende. Nach ihm wird um 1 1/2 Uhr vertagt. ‒ Montag Fortsetzung.
@xml:id#ar228_009
@typejArticle
@facs1253
[ !!! ] Frankfurt, 19. Febr.
National- Versammlung. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Debatte über den „Reichswahlgesetzentwurf.“ Die Zahl der Amendements zu den beiden ersten Paragraphen beläuft sich bis jetzt beinahe auf 70. Der Präsident der würtembergischen Kammer ersucht die National- Versammlung in der Gründung des Baues der deutschen Einheit unbeirrt (soll heißen unbeirrt durch alle Noten) fortzufahren, und äußert die Hoffnung, dieser Bau werde doch noch begründet werden.
Fuchs aus Breslau äußert sich in sittlicher Entrüstung darüber, daß die Versammlung statt um 9 Uhr, sich immer erst gegen 10 Uhr einfindet, und erklärt, er werde von jetzt an jeden Tag Punkt 9 Uhr auf Zählung der Mitglieder antragen. (Bravo der Centren.)
Die Tagesordnung führt hierauf Herrn von Rappard auf die Tribüne, der gegen den Entwurf und für die unbeschränkteste Wahlfreiheit spricht.
Mathy (Unterstaatssekretär). Das Wahlrecht sei kein Staatsbürgerrecht, weil ‒ es in den Grundrechten nicht aufgenommen worden ist! In Frankreich habe dies allgemeine Wahlrecht den Legitimisten gedient, diese seien Anhänger desselben, während die Republikaner sich vor der zweiten Anwendung dieses Rechtes fürchten würden. (Und deshalb spricht Mathy dagegen??) Hierauf vertheidigt der ehrenwerthe Reichspolizist die indirekten Wahlen. (Bravo rechts, Zischen links.)
Wiesner (Unruhe rechts). Charakterisch für das Wahlgesetz sei es, daß dies vom Ausschuß einstimmig angenommene Wahlgesetz, jetzt sogar von einzelnen Ausschußmitgliedern bekämpft werde. Wiesner beantragt:
„Jeder 21jährige Deutsche ist wahlfähig.“
Die Ehre und den Schutz des Vaterlandes vertraue man ganz jungen Leuten, indem das Heer aus der Jugend gebildet werde, und zum Wahlgeschäft sollten sie nicht taugen? (Gallerien ließen W's Rede Bravo folgen, worüber die Rechte ein höhnisches Gelächter aufschlug.)
Odilon- Gagern (Reichsministerpräsident). Er erklärt sich für einen Anhänger der Partei, welche das allgemeine Stimmrecht für unvereinbar mit dem Volkswohl hält. Er erbost sich sehr darüber, daß Vogt den Constitutionalismus eine Lüge genannt. Dann wäre auch die Republik eine Lüge, denn sie sei auch auf eine Constitution und auf Repräsentativverfassung gegründet. ‒ Ueber diese tiefe „staatsmännische“ Hypothese erhebt sich links Zischen und Gelächter. Gagern meint, man möchte nachher lachen. Dieser Mann würde selbst das Zwergfell despotisiren, wenn es anginge. ‒ In der hessischen Kammer sei er für indirekte Wahlen gewesen, auch heute möchte er unter Umständen sich noch dafür erklären. Direkte Wahlen ohne Ausnahme in allen Wahlbezirken seien ein schreckliches Ding. Er wolle aber doch auf die indirekten Wahlen verzichten, und direkte zulassen, wenn das Stimmrecht kein allgemeines ist. Edler Mann, Du verzichtest auf die Peitsche, wenn Du die Knute gebrauchen darfst. ‒ Uebrigens, sagt G., sei es unwahr zu behaupten, der Ausschuß habe die Arbeiter durch den Ausschluß von den Wahlen schänden wollen. Kein Land in der Welt, ehre die Ackerbauer so sehr, nirgends seien die Fabrikarbeiter so gebildet und wohlgehalten, wie in Deutschland. ‒ (Und wäre dies so wahr als es unwahr ist, ‒ ist es dann ein Beweis dagegen, daß der Ausschuß mit seinem „noblen Entwurf“ die Arbeit und die Arbeiter schmäht?!) Nach einigen Theatercoups und der Erklärung für das Beseler'sche Census- Amendement (es folgt später) verläßt der große Mann die Tribüne unter Beifall der Rechten und der Centren und Zischen links und Gallerien)
Tellkampf gegen den Entwurf. Man läuft ehrerbietig frühstücken, nachdem man den Edlen gehört hat.
Eisenstuck. Er erklärt sich insoweit einverstanden mit dem Ausschuß, als ein gewisses Alter für die Wahlberechtigung festzustellen sei, und die Wahlen selbst direkte seien müssen. In allem Uebrigen haben ihm die Vorschläge des Ausschusses eine bittere Stunde bereitet. ‒ Indem der Ausschuß von vorneherein die Selbstständigkeit als Bedingung aufstellt, und hinterdrein die Arbeiter ausschließt, erklärt er daß in der Arbeit die Unselbstständigkeit liegt. ‒ Als er diese Bestimmungen über die Ausschließung des Volks gelesen, habe er unwillkührlich ausgerufen „Herr vergieb ihnen, denn sie wissen nicht was sie thun!“ Nie würden sich die Bestimmungen des Entwurfs realisiren lassen. ‒ Haben Sie bei Ausschließung der Dienstboten auch an jene Dienstboten gedacht, die man ausschließlich Hofgesindel nennt, und welche sich von den anderen Dienstboten nur dadurch unterscheiden, daß sie das Geld aus den Taschen derer beziehen, denen sie keine Dienste leisten. ‒ (Jubel auf den Gallerieen. Bravo links.) Ein Census sei in Deutschland bei der Ungleichheit des Werthes des Besitzthums ganz unmöglich durchzuführen. ‒ Mehrere von den gestellten Amendements macht Eisenstuck in sehr schlagender Weise lächerlich. ‒ Der Census- Antrag von Beseler (ich gebe ihn später) sei noch scheußlicher, er schließe 70 Procent der Bevölkerung aus (links: sehr wahr! sehr gut!) ‒ Endlich empfiehlt er Betheiligung aller großjährigen Deutschen an den Wahlen, ohne alle weitere Bedingung!“ (langanhaltender Beifall!!) Zugleich erfahren wir daß der [1254] reaktionäre Riesser aus Hamburg vor 9 Monaten beim Vorparlament eben diesen Grundsatz empfohlen hat ‒ (Heute sitzt dieser Ehrenmann im rechten Centrum und schachert um Unterstaatssekretäriate!)
Plathner trompetet für den Entwurf oder ähnliche erbärmliche Surrogate. ‒ Antrag auf Schluß der Debatte ward abgelehnt. (Links bravo.)
Simon von Trier. Der Ausschuß und Gagern haben sich gegen das allgemeine Stimmrecht ausgesprochen, weil dasselbe gegen das „Gemeinwohl “ sei! ‒ Aber worin liegt denn das Gemeinwohl? ‒ Nur allein im Volke, im ganzen Volke, und in nichts als dem Volke, in des Volkes Wünschen und Verlangen, in seinen Verneinungen und Bejahungen, da ist das Gemeinwohl zu suchen! ‒ Dort will man es nicht suchen, sondern in den Theorieen gewisser (kläglicher) Professoren (und in ihren hirnverbrannten Köpfen). ‒ Auch die absoluten Fürsten haben von je gesagt, wir [unleserlicher Text] das Volkswohl besser als das Volk. Und sie wollen auf's Neue diesen Ausspruch sanktioniren, sie, die das Volk in Revolution gegen jenen Grundsatz auf seinen blutigen Schultern zu diesem Platz empor gehoben hat. ‒ Selbst wenn ich ein Fürst wäre wurde ich solche Leute, die mir, hervorgegangen aus der Revolution, nun wieder Stufen zum Thron bauen wollten, mit Sack und Pack zum Tempel herausjagen. (Rauschender und heißer Beifall.) Hierauf geht S. auf die einzelnen Erbärmlichkeiten des Entwurfs ein und nimmt dieselben unter permanentem Beifall eben so scharf als neu durch. Und jene Klassen, die der Ausschuß unselbstständig nennt, haben sich in Zeiten der Wahlen und wo es Noth im Sinne des Ausschusses nur zu selbstständig erwiesen! ‒ Hätten wir denn ohne allgemeines Stimmrecht irgend eine jener errungenen Volksfreiheiten? Also das erste Recht ist das allgemeine Stimmrecht. ‒ Was bezweckt eigentlich der Ausschuß mit der Verweigerung des allgemeinen Stimmrechts? Weiter nichts als die Linke herauszuwerfen! Man ist unserer republikanischen Bestrebungen müde, man will ohne uns die Sachen zu Stande bringen! Man findet dies bequemer! Endlich sagt Simon, wenn Sie, die Vollmachtbegabten des Volks, hervorgegangen aus dem allgemeinen Stimmrecht, nun die Vollmachtgeber ihrer Rechte und vor Allen des allgemeinen Stimmrecht selbst berauben, so heißt dies im gewöhnlichen Leben und im Criminalcodex „Betrug!“ Vor einiger Zeit hat man vom Ministertisch einen „kühnen Griff“ gethan in die Einheit Deutschlands, indem man ein Stück von Deutschland, Oestreich, abschnitt, heut thut man von diesem selben Tisch einen sehr kühnen und verwegenen Griff in die Freiheit Deutschlands, indem man in den Leid des Volkes selbst sein Messer taucht. Retten Sie die Freiheit, damit die Einheit gerettet werde. ‒ (Sturmischer Beifall!!) ‒ Riesser (der Hamburger Reaktionär) nimmt das Wort gegen Eisenstuck's Angriff (s. oben). Neue Anträge werden verlesen. ‒
Der Schluß der Debatto wird angenommen, namentliche Abstimmungen vorbehalten, und kurz nach 2 Uhr bis morgen vertagt.
@xml:id#ar228_010
@typejArticle
@facs1254
[ !!! ]
Curiosum. Auf der gestrigen Parade der sogenannten Reichstruppen begann das hiesige Linienmilitär die Melodie „Was ist des Deutschen Vaterland?“ zu spielen. Der östreichische Oberst des hiesigen Regiments „Erzherzog Rainer“ untersagte ihnen diese Extravaganz mit der Bemerkung, sie möchten entweder die östreichische Volkshymne oder garnichts spielen. ‒ Sie spielten garnichts! ‒
@xml:id#ar228_011
@typejArticle
@facs1254
[ X ]Jena, 15. Febr.
Gestern erlebten wir hier zum ersten Male ein öffentlich- mündliches Gerichtsverfahren und zwar vor unserem Oberappellationsgerichte; die alten Herren Räthe schauten zum Theil sehr traurig darein und schienen den Tag zu bejammern, wo sie die Heiligthümer ihrer weiland geheimen Rechtsfindung den profanen Augen und Ohren so vieler Laien preisgegeben sehen mußten. ‒ Der Kaufmann Neubert in Coburg hatte in dem von ihm damals redigirien Tageblatte gleich nach dem Malmöer Waffenstillstand eine Kritik der Majorität unserer Nationalversammelten aufgenommen, die, im Ganzen ziemlich unschuldig, mit den Worten schloß: „Es gibt nur noch Verräther und Verrathene.“ Das famose Gesetz über die laesa majestas der Frankfurter existirte noch nicht und der Coburger Abgeordnete Briegleb, in einer Note als zur Majorität gehörig erwähnt, fand sich veranlaßt, auf dem Wege einer Injurienklage die Wiederherstellung seiner verletzten Ehre zu suchen. Das Gericht stimmte der Ausführung des Klägers bei, daß Briegleb zu den „Verräthern“ jenes Artikels zu zählen sei und verdammte in Folge dessen den Neubert zu 6wöchentlichem Gefängniß. Das hiesige O.- A.- Gericht bestätigte nun gestern diesen Spruch. Wir wollen über die Gerechtigkeit dieses Spruchs, über den Briegleb und seine Gesinnungsgenossen in ihrem konstitutionellen Vollblutsbewußtsein triumphiren werden, nicht weiter rechten. Derjenige aber zeigt wenig wahres Ehrgefühl und wenig politische Bildung, welcher auf eine Kritik seiner öffentlichen Wirksamkeit nur mit Injurienklagen zu antworten weiß.
Wollte man Gleiches mit Gleichem vergelten, die heulerischen Adressen nach Frankfurt, mit denen der hiesige konstitutionelle Klub sich plötzlich breit macht, böten Gelegenheit genug dazu. Ein Mal sammelt er Unterschriften für Preußens erbliches Kaiserthum, das andere Mal schämt er sich nicht, in einer submissen Adresse an den Reichsverweser auf die unanständigste Weise über die „frechen und schamlosen“ Beschlüsse der sächsischen Kammern zu schimpfen. Aber seit einigen Tagen sind die Konstitutionellen selig und überstolz; sie schmeicheln sich, daß ihr Verein nicht ohne Einfluß auf jene Handlung war, die in der Geschichte der Jenaischen Universität ewig Epoche machen wird: Die philosophische Fakultät in Jena hat dem edlen Heinrich von Gagern das Ehrendiplom ihrer Doktorwürde zuerkannt!
Die Verhandlungen über unsere Oktobergefangenen beginnen in der letzten Woche des Februar. Trotz des niederträchtigen Gesetzes, nachdem die Geschworenen, ihre Richter, gewählt sind ‒ die noch unter dem alten Regiment durch Regierungseinfluß gewählten, zum Theil noch durch die Gutsherren eingesetzten Ortsvorstände in Verbindung mit den großherzoglichen Aemtern wählen die Geschworenen ihres Bezirks, Sie können denken, was für Namen da zum Vorschein kommen! ‒ hoffen wir doch noch auf ihre Freisprechung, da die Ergebnisse der langen Voruntersuchung fast Null sind. Der Regierung soll besonders an der Verurtheilung Jähde's gelegen sein, in dem sie, da er zum Landtagsabgeordneten gewählt ist, den Führer der demokratischen Partei fürchtet.
@xml:id#ar228_012
@typejArticle
@facs1254
[ 15 ]Schleswig- Holstein, 17. Februar.
Es geht hier das Gerücht, daß das Reichsministerium angefragt habe bei der Regierung, wie lange Schleswig- Holstein 80,000 Mann Truppen nebst 25,000 Pferden ernähren könne? Eine schöne Aussicht für uns, wenn wir so viele Reichstruppen beherbergen sollen, denn Russen werden doch wohl nicht darunter verstanden sein. Wir können die Wahrheit der Nachricht nicht verbürgen ‒ doch ist dieselbe im ganzen Lande verbreitet.
Von den in Altona liegenden badischen Truppen des 4ten Regiments befinden die Herren Offiziere sich am Besten; man sieht dieselben viel in Hamburgs Bierhallen. Die Soldaten dagegen sind nicht so zufrieden, davon zeugt folgende Anfrage, welche zuerst in einem Altonaer Intelligenz- Blatt gestanden ‒ und dann auch unter den Nachrichten des Hamburg- Altonaer Telegraphen in den größeren Wirthschaftslokalen angeschlagen ist.
Anfrage.
1) Weshalb erhalten wir keine Feldzulage, während doch die Offiziere vom Lieutenant an bis zum höchsten hinauf ihre Feldzulage erhalten?
2) Warum behandelt man uns so gewaltig despotisch, sind wir etwa so sehr verwildert? oder wollen die Herren Offiziere durch ihre gewaltige Strenge gegen uns sich dadurch die Liebe der Soldaten erwerben? Wir sind der Meinung, man möge unter solchen aufgeregten Zeitumständen die Soldaten etwas liebreicher behandeln, sonst möchten sie ihres Handwerks überdrüssig werden.
3) Wir haben auf dem Marsche nach Schleswig- Holstein aus unseren eigenen Mitteln zehren müssen und sind der Meinung, daß der badische Staat dieses seinen Soldaten nicht auflegt, und wünschen zu wissen, wo unsere Verpflegungsgelder geblieben sind; wir bitten deshalb um Aufklärung.
Uebrigens haben die Herrn Offiziere das Vertrauen, welches wir zu ihnen gehabt haben, jetzt durch ihr Betragen gegen uns verloren
Die Soldaten
vom 4. badischen Regimente.
Diese Anfrage hat natürlich einen unangenehmen Eindruck auf die Offiziere gemacht ‒ es werden strenge Untersuchungen angestellt nach den Verfassern und ist denselben Zuchthausstrafe in Aussicht gestellt.
Es scheint jetzt wirklich, als wolle man sich rüsten gegen einen Angriff der Dänen, in Kiel sind bereits aus den Niederlanden mehrere Kanonen schweren Kalibers angekommen. Hier hat sich auch schon ein Korps Freiwilliger gebildet, fast lauter Arbeiter ‒ kaum vernehmen dieses die Bourgois, so erlassen sie sogleich einen langen Aufruf zum selben Zwecke.
Unter den Unterzeichnern desselben steht auch der Advokat Hedde, von der sogenannten Linken der fortgelaufenen Landesversammlung; diese Herrn verbinden sich also jetzt offen mit der Bourgoisie gegen das Volk. O ihr armen Advokaten!
Die Feigheit des Herrn Hedde hat sich dem Volke zu deutlich gezeigt, als daß es noch Vertrauen zu ihm hegen könnte. Warum hat derselbe in der Landesversammlung nicht für die Volksbewaffnung gesprochen? warum nicht zu Gunsten der edlen Jünglinge unserer Armee, welche im Zuchthaus und auf der Festung sitzen? Diese liberalen Komödianten haben ihre Rolle ausgespielt. Hoffentlich wird unsere aristokratische Regierung sich jetzt bald dankbar gegen den neuen Verbündeten Hedde zeigen und ihn zum Lohn seiner Heldenthaten zum Eisenbahndirektor mit Gehalt kreiren.
Während Bourgois und Advokaten, als getreue Handlanger der Reaktion, gegen das Volk intriguiren, ist die Aufregung und Erbitterung desselben im Zunehmen. ‒ Der Frühling naht und mit ihm wird auch wohl der Kampf bei uns anbrechen ‒ und dann wehe jenen Herren.
Vorgestern kamen einige Kisten mit Zündhütchen von Hamburg auf dem Bahnhof in Altona an um nach Kopenhagen gesandt zu werden. Als die Bürger dieses erfuhren, verlangten sie sogleich die Beschlagnahme derselben. Die Behörden mußten sich dem Verlangen fügen und nahmen die Kisten in Verwahrung. Es gehört die Frechheit eines Hamburger Kaufmanns, dazu um es zu wagen, so offen ‒ kurz vor Ausbruch des Krieges dem Feinde Schießbedarf über Schleswig- Holstein zuzusenden. Wir erwarten nun, daß die Zündhütchen nicht wieder frei gegeben werden.
Ungarn.
@xml:id#ar228_013_c
@typejArticle
@facs1254
Edition: [Friedrich Engels: Windischgrätz – Juden und Südslawen, vorgesehen für: MEGA2, I/8. ]
[ * ]
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
@xml:id#ar228_015
@typejArticle
@facs1254
Agram, 11. Febr.
Die in meinen letzten Briefen ausgesprochene Vermuthung, daß Stratimirovich die Veranlassung zur Belagerung von Karlowic gegeben habe, wird nun durch direkte Nachrichten von dort bestätigt. Eine Volksversammlung, in welcher sich jener zum Wojwoden ausrufen lassen wollte, wurde von der Militärautorität aufgelöst, und Hauptmann Biga hatte über Auftrag des Generals Todorovich, dessen Ordre vom Patriarchen mitunterfertigt war, den Belagerungszustand proclamirt; das Centralcomité, an dessen Spitze Stratimirovich als Vicepräsident während der Abwesenheit des Patriarchen gestanden, wurde verabschiedet und eine provisorische Verwaltung für die Wojwodowina vom Todorovich eingesetzt, die natürlich unter dem Schutze der Bajonette gouverniren wird.
@xml:id#ar228_015a
@typejArticle
@facs1254
Von der österreichischen Gränze, 12. Febr.,
schreibt man der „L. Z.“: Die Festung Essegg ist von den Kroaten genommen. Graf Casimir Batthiany, der sich auf das Aeußerste mühte, sie zu halten, machte zuletzt einen Versuch, dieselbe in die Luft zu sprengen. Daran gehindert, gab er sich vor der Einnahme selbst den Tod.
Schweiz.
@xml:id#ar228_016
@typejArticle
@facs1254
Wallis.
Nach dem „Courier du Valais“ ist am 14. d. M. die offizielle Anzeige von der Auflösung der Schweizerregimenter in römischen Diensten hier eingetroffen. Die Pensionen werden der Kapitulation gemäß bezahlt und die Reihen der Nationalarmee stehen den Soldaten und Offizieren offen, welche ferner dienen wollen. Den Andern steht es frei nach der Schweiz zurückzukehren.
Französische Republik.
@xml:id#ar228_017
@typejArticle
@facs1254
Paris, 17. Febr.
Das Ministerium fährt in seinem Wechsel des Beamtenpersonals fort. Der heutige Moniteur bringt uns wieder einige Dutzende neuer Souspräfekte und Präfekturräthe.
‒ Die Nationalversammlung hatte heute das Vergnügen, nach langer Pause eine ellenlange Rede des Exgrafen Montalembert über die beste Bildung der Wahlkollegien anzuhören.
‒ Gestern Abend war großer Hofball im Elysée Bourbon. Wir erfuhren bei dieser Gelegenheit, daß der jüngst erst von der Bannmeile (Montmartre) zum Obersten der 2. Legion gewählte Napoleon Bonaparte, Sohn Jerome's, ganz bestimmt als Gesandter nach Madrid gehe. Lesseps werde als Generalkonsul nach Alexandrien versetzt und Adolph Barrot nach Brasilien geschickt. Ob der Hof in Madrid unter den gegenwärtigen revolutionären Zuständen den Napoleoniden mit offenen Armen empfangen dürfte, bleibt dahin gestellt. Harcourt jun. wird ihn als Sekretär begleiten.
‒ Die Rue de Poitiers entwickelt eine außerordentliche Thätigkeit. Sie versammelte sich gestern sehr zahlreich, um über die Frage zu berathen: welchen Gang sie bei dem bevorstehenden Wahlkampfe für die legislative Versammlung zu beobachten? Ehe sie in die Debatte trat, wurde die Vorfrage gestellt, ob es nicht gerathen, die Sitzung geheim zu halten? Dieser Antrag ging durch und es soll von heute an ein dichter Schleier über den ferneren Operationen des konservativen Repräsentantenklubs ruhen.
‒ Je näher wir dem Ende der Nationalversammlung (der Marrastinischen Republik) rücken, desto thätiger wird das Treiben aller Parteien. Die päbstlich- demokratische Partei hat einen Centralausschuß unter dem Titel Comité Napoléonien Catholique; die Cavaignacisten ein Comité unter dem Titel: République modérrée, und wie die Rue de Poitiers ihren Ausschuß taufen wird, wollen wir in den nächsten Tagen berichten.
‒ Unter den Redaktoren der „Reforme“ ist ein zweiter De la Haudde entdeckt worden, der monatlich 200 Franken dafür bezog: daß er die Pläne derjenigen Bergpartei verrieth, die noch zu diesem weit verbreiteten Blatt hält und als Sammelplatz für die große Verschwörung vom 29. Januar galt!
Dieser La Haudde Nr. 2 besorgte, heißt es, den deutschen Theil der Reform.
‒ In Chateauroux, das unsere Leser von den Szenen in Busancais her kennen, ist der Maire und der ganze Gemeinderath abgesetzt worden, weil sie gegen den Willen des Präfekten das Pflanzen von Freiheitsbäumen mit rothen Mützen gestattet hatten und sich nicht mehr Conseil Municipal, sondern Conseil Républicain nennen wollten.
In Limoges durchzog das Volk unter dem Absingen des Ca ira! und der Marseillaise die Straßen und rief: Es lebe die rothe Republik! Es lebe die Gouillotine! Nieder mit den Kapitalisten! Nieder mit den Reaktionären!
In Lyon ist nicht nur die Mobilgarde sondern auch die ganze Bürgerwehr aufgelöst. Minister Faucher wird dieserhalb übermorgen in der Kammer zur Rede gestellt werden.
In Marseille und Aix greifen Sozialismus und Kommunismus dergestalt um sich, daß der Generalprokurator von Aix dem Pariser Kassationshofe erklärt hat, er dürfe ohne Gefahr des öffentlichen Friedens die Marseiller Juni- Insurgenten vor dem zuständigen Assisenhofe des Bouches- du- Rhone- Departements nicht richten lassen, er schlage ihm deshalb vor, sie vor die Assisen des Dromedepartements zu schicken. „Es gibt ganze Dörfer (heißt es im Bericht des Generalstaatsanwalts) welche in der letzten Präsidentenwahl auch nicht Eine Stimme dem Napoleon gaben, sondern für Ledrü- Rollin votirten. Dicht bei Aix sind die Dörfer ganz roth. Lambese z. B. und Andere würden in die Stadt dringen und die zu Richtenden befreien.“ Dieser Bericht wird von dem jetzigen Präfekten bestätigt.
Der Kassationshof hält heute (17.) sowohl über diesen Gegenstand als über die Rekursgesuche der Maigefangenen in Vincennes Sitzung.
Aus Lyon erfährt man, daß das kommunistische Blatt „Peuple Souverain“ in der Bugeaud'schen Angelegenheit zu 1 Monat Gefängniß, 500 Franken Kosten und 1000 Franken Ehrengelder an Bugeaud verurtheilt worden ist.
Im Fraternitätssaale, Rue Martel 9 tritt übermorgen eine große Volksjury zusammen, vor welcher mehrere Winkelzüge der [1255] Reaktion an's helle Tageslicht gezogen werden sollen. Diese Volksjustiz soll sehr feierlich vor sich gehen. Die Democratie pacifique enthält hierüber das Nähere.
@xml:id#ar228_018
@typejArticle
@facs1255
Paris, 19. Febr.
Auf dem Marsfelde findet so eben eine große Parade statt. Auch sind dort wie auf dem Concordiaplatze bereits die Zimmerleute mit dem Aufschlagen der Gerüste beschäftigt, die zur Revolutionsfeier am 24. Febr. dienen sollen.
‒ Die Gerichte instruiren immer noch Tag und Nacht über das Vorhandensein des großen Kommunisten- Complots vom 29. Januar. Die strenge Haft ist zwar gehoben von den zahlreichen Gefangenen, aber die Furcht des Ministeriums vor dem Gespenst des Kommunismus, als dessen erstes Stadium der Constitutionnel heute den Sozialismus wiederholt nennt, ist eher im Steigen als im Abnehmen. So hat die Staatsanwaltschaft auf das Gerücht hin: heute Abend würde im Fraternitätssaale der Rue Martel eine große Assiffensitzung zur Schlichtung mehrerer Ehrensachen zusammentreten, Befehl gegeben, das ganze Stadtviertel, in welchem jener Saal liegt, militärisch zu besetzen. Um diesen Pomp zu verhindern, erklären die sozialistischen Chefs in den Morgenblättern, daß jene Assiffensitzung nicht statt finde. So wird dem General Changarnier jede Gelegenheit genommen, als Anker des Vaterlandes neue Lorbeeren um seine Schläfe zu winden. Dieses Schauspiel ist sehr ergötzlich.
‒ Die Tuilerien, deren große Säle seit Mitte Januars in Casernen umgewandelt worden, sind wieder leer. Das Militär ist anderweitig einquartirt worden. „Le Credit“ schlägt vor, die Soldaten in eine Arbeiter- Armee umzuschaffen, und sonstige fromme Wünsche.
‒ Für die Pariser Journale gibt es nur zwei wichtige Tagesfragen:
1. der Sozialismus, der nach dem heutigen Constitutionnel wie die Cholera um sich greife und dem durch die nächsten Wahlen der Hals gebrochen werden müsse.
2. die italienische Frage. Letztere wird namentlich von der Girardinschen „Presse“ ausgebeutet, die für russisches und sardisches Gold den Franzosen die Nothwendigkeit der Herstellung eines lombardisch- venetianischen Königreichs, Wiedereinsetzung des Pabstes, Rückkehr des patriotischen Leopold nach Florenz u. s. w. vordemonstrirt. In seiner heutigen Predigt sagt der Verfasser:
„....Wie jedes Menschenwerk, glauben auch wir die Wiener Verträge einer Aenderung fähig, und wir wünschen sie sogar. Aber die jetzige Epoche ist so revolutionär, daß man mit nicht genug Ruhe und Reife an diese Revision schreiten könnte. Zerhiebe man diese Verträge mit dem Schwerte, so zerrisse man mit ihnen die letzten internationalen Banden, welche die Völker noch zusammenhalten, und statt einer allgemeinen Verbrüderung würde man einen allgemeinen Sturz der Rechtsherrschaft herbeiführen, der nur die Gewalt als Grundgesetz folgen dürfte. Es gäbe einen allgemeinen Völkerkrieg ‒ la guerre des races. Europa zählt 250 Millionen Einwohner; 76 Millionen (38 Millionen französischer, 22 Millionen italienischer und 16 Millionen spanischer Zunge) romanischen Ursprungs; 60 Millionen Deutsche und 65 Millionen Slaven. Man frage die Geschichte, und man wird sehen, daß in allen Augenblicken großer Gefahr die Deutschen mit den Slaven stets gemeinschaftliche Sache gegen die Romanen (Franzosen, Italiener und Spanier) machten. Die heilige Allianz ist der letzte Beweis für diese Behauptung.“
‒ Im Ministerium des Innern sind Depeschen aus Perpignau eingelaufen, die von einem neuen mißlungenen Versuch des Obersten Ametler: in Catalonien die Republik zu proklamiren sprechen.
(Morgen Näheres.)
‒ Vor einigen Tagen behauptete die bonapartisirte Union monarchique: Cavaignac mache in aller Stille Propaganda im Heere u. s. w. Diese Anklage führte heute den berühmten Diktator auf die Bühne der Nationalversammlung.
Nationalversammlung. (Sitzung vom 17. Februar. Anfang 1 1/4 Uhr.) Präsident [unleserlicher Text].
Malbois stellt den Antrag, die Urlaubsbewilligungen so viel als möglich zu erschweren, da es sonst leicht kommen könnte, daß das Haus nicht mehr beschlußfähig wäre. (Unterstützt!)
An der Tagesordnung ist Ducour's Antrag auf bessere Stellung der Militärärzte.
Ducour, der bekannte Expräfekt von Paris ruft der Versammlung das Dekret vom 3. Mai 1848 ins Gedächtniß zurück, das den Militärärzten eine angemessenere Stellung verspricht, bisher aber nicht erfüllt wurde. Die franz. Militärärzte theilen alle Gefahren der Armee- Offiziere, nehmen aber eine untergeordnetere Stellung als sie ein. Dies sei eine Ungerechtigkeit, der die Republik abhelfen müsse. Der Kostenpunkt dürfe nicht hindern.
Ambert, Berichterstatter des Kriegsausschusses, hebt die Schwierigkeiten hervor, die eine Aenderung der Organisation des Medizinal- Korps mit sich führe und stellt sie als alleinigen Grund der Verschleppung des Gegenstandes hin. Der Ausschuß sei daher der Ansicht, vorläufig noch die Oraanisatiou des Gesetzes von Rivose, Jahr III beizubehalten.
Martin (Straßburg) unterstützt die Anfertigung eines neuen Reglements.
Charras, die rechte Hand Cavaignac's, desgleichen.
Rullières, Kriegsminister, erklärt, daß er den Gegenstand geprüft habe; er finde ihn aber vorläufig unausführbar. Diese Ansicht habe auch wahrscheinlich seinen Vorgänger, General Lamoricière vermocht, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Er verspricht, später einen Gesetzentwurf vorzulegen.
Ducour: Es scheint als ob der Kostenpunkt den Minister zurückschrecke.
Die ganze Seche beläuft sich auf kaum 800,000 Frk. Dies sei also kein Grund, nicht Gerechtigkeit zu üben.
Charencey und Baraguay d'Hilliers sind der Maaßregel auch nicht geneigt.
Lamoricière erklärt, er hätte das Dekret vom 3. Mai 1848 ausführen wollen. Allein dasselbe berühre die ganze militärische Rangleiter, das Pensionswesen und biete da Schwierigkeiten in Menge. Die Lage der Aerzte müsse aber gebessert werde, deshalb schlage er folgende motivirte Tagesordnung vor:
„Die Nationalversammlung ladet den Kriegsminister, dessen Erklärung sie angehört, ein: das Reglement, die Militärärzte betreffend, ohne Vorzug dem Staatsrath Behufs Einleitung weiterer Schritte zuzustellen.
Dieser Vorschlag geht mit großem Mehr durch.
Die Versammlung geht nun zum Wahlgesetz über. Artikel 3, die Erklusion betreffend, war auf Veranlassung des Berges noch einmal an die Kommission zurückgewiesen worden. Die letztere hat ihn dahin geändert:
„Dennoch erstreckt sich der Ausschluß vom Wahlrecht nicht auf politische Verurtheilte, es würde denn dieser Ausschluß speziell im Urtheil ausgesprochen.“
Gent findet dies noch ungenügend;
Billault empfiehlt jedoch die neue Fassung.
Die Versammlung nimmt den Zusatz an und kehrt zum Artikel 22 zurück (Wahl Kollegien) wo sie die Debatte gestern Abend abbrach.
Montalembert, Vorkämpfer der Decentralisation spricht, wie gewöhnlich eine Stunde.
Oscar Lafayette unterstützt den Entwurf des Ausschusses.
Montalemberts Rede hatte vorzüglich zum Zweck, die Wahlzirkel so eng als möglich zu ziehen und in jeder Gemeinde votiren zu lassen. Auf dem platten Lande sagte er, da seien die wahren Arbeiter nicht in den Städten. Der Ackerbauer der sei der wahre Repräsentant des Friedens, der Freiheit und der Produktion, während die Städte die Anarchie und den Wucher darstellten u. s. w., u. s. w. Er sei daher um so mehr erstaunt, den Enkel des großen Generals (Lafayette) jetzt unter den Vertheidigern jenes Paragraphen zu sehen, die dem eigentlichen Volke, dem Landbauer die Theilnahme an der Ausübung seines politischen Rechts erschwerten, indem sie ihn nöthigten, seine Arbeit zu verlassen und sich in die Kantonshauptstadt zu begeben. Er (der Redner) sei offen und hätte nimmer mehr eine solche Hypokrisie von dem Abkömmling des großen Generals erwartet....
Oscar Lafayette (heftig): Dieser Angriff verlangt eine Erklärung. Er werfe den Ausdruck Hypokrisie von sich, ein solcher Vorwurf dürfe ihn nicht treffen. (Beifallssturm)
Montalembert: Ich frage die Nationalversammlung ob sie nicht in den Worten, mit denen der Vorredner den Wahlgesetzentwurf vor mir unterstützte, einen auf mich bezogenen persönlichen Angriff erblickt (die Versammlung erhebt sich, um in Masse zu protestiren.)
Im Augenblick, wo die Debatte über Artikel 24 fortgesetzt werden soll und Montalembert von der Bühne steigt, erhebt sich ein fürchterlicher Tumult auf dem Berge (äußerster linker Flügel) Denjoy, der bekannte Tumultuant, nährt sich nämlich dem Grafen Montalembert und sagt ihm: „Sie bedürfen keiner Rechtfertigung! Sie besitzen die Sympathieen aller honetten Leute. Darauf erwiedert Arago: Ob er (Denjoy) auch dieses an den Courrier de la Gironde und Bordeaux schicken werde? Denjoy wird wüthend. Die beiden stürmen zum Saale hinaus. Ihre Freunde hinter ihnen her. In einem Nebensaale stellen sie sich zur Rede. Wir hören: die Sache ist ausgeglichen.
Eine große Agitation herrscht im Saale. Niemand leiht der Debatte über die Artikel 25 und 26 Aufmerksamkeit. Ein Skrutin über ein Anhängsel Dufournels zum Artikel 26 weist dasselbe mit 380 gegen 365 an den Ausschuß. Die Versammlung trennt sich um 6 Uhr in großer Gährung.
National-Versammlung. Sitzung vom 18. Februar. Anfang 1 1/2 Uhr. Präsident Marrast. Das Protokoll wird vor ziemlich leeren Bänken verlesen.
Fould überreicht eine Petition, worin der Pariser Handelstand die Regierung ersucht, die verheißenen Handelsverträge mit Rio Janeiro und den Laplatastaaten möglichst bald abzuschließen, damit die Ausfuhr gewinne. (An die Petitions- Kommission.)
Donatier Marquis trägt darauf an, die dritte Berathung über Steuerhöhung auf milde Stiftungen und geistliche Güter (main-morte) auf die Tagesordnung sofort zu setzen. (Beifall.)
Marrast: In diesem Falle müssen die öffentlichen Sitzungen schon Mittags beginnen. (Ja, Ja.)
Fould entgegnet, daß das Wichtigste vor Allem das Wahlgesetz sei.
Man solle es keinen Augenblick aufhalten. (Murren vom Berge.)
Die Versammlung nimmt das Wahlgesetz (2. Delibration) vor. Sie war bis Artikel 20 gedrungen, der von der Bildung der Wahlbezirke handelt und zu welchem Morhery den Zusatz stellt:
„Kein Kanton darf in Unterbezirke getheilt werden, bevor nicht der Kantons-Confeil amtlich darauf antrug“
Die Kommission schlägt dagegen vor:
„Die Kantonalräthe sind vorher über Bildung von Unterbezirken zu konsultiren.“
Mothery meint. das heiße seinen Satz nur umdrehen. Er tritt der Fassung bei,
Dieser Anhang zu Artikel 26 wird mit 477 gegen [unleserlicher Text] Stimmen angenommen.
Hier wird die Debatte unterbrochen.
Pelletier erhält das Wort, um den Minister des Innern zur Rede zu stellen, warum die im Juli d. J. aufgelöste Bürgerwehr in Lyon noch nicht wiederhergestellt worden sei; es sei diese Wiederherstellung in jenem Auflösungsdekrete ausdrücklich versprochen worden. Warum hält das Ministerium nicht Wort?
Faucher, Minister des Innern, erklärt, daß der die betreffenden Akten durchgelesen und folgenden Thatbestand gefunden habe: Nach dem Februar wurden allen Bürgern Waffen überliefert. Waffen in den Händen des Proletariats seien aber gefährlich (Lärm.) Lyon sei eine gewerbreiche Stadt und es hätten sich dort immer zwei Klassen einander gegenüber gestanden; hierin liege der Grund, weshalb seine Vorgänger schon Bedenken getragen, Waffen in Hände zu geben, die keine Confiance inspiriren. Er (Faucher) und der Lyoner Präfekt theilen dieselben Bedenken und er halte es darum gerade jetzt für höchst gefährlich, einer solchen Bevölkerung Waffen in die Hand zu geben. (Beifall zur Rechten, Lärm zur Linken.)
Chanay: Die Nationalgarde von Lyon erwies der Republik große Dienste. (Oh, Oh.) Sie kann ihr deren noch erweisen. (Oh, Oh rechts, Ja, Ja links.) Kein Motiv darf also ihre Reorganisation aufhalten. Jeder Verzug ist ein Hohn auf die patriotischen Gefühle jener braven Bevölkerung.
Ferouilhat unterstützt im Namen der Mehrzahl der Lyoner Stadtbürger (Oh, Oh links) die Bedenken des Ministers. Das Arbeitervolk in Lyon sei wegen seines kommunistischen Geistes bekannt. (Lärm.) Er (der Redner) könne sich also nur den Behörden beigesellen.
Doutre protestirt energisch gegen solche Verläumdung des Geistes des Lyoner Arbeitervolkes. In einer Republik müsse gleiche Berechtigung herrschen u. s. w. u. s. w.
Pelletier und Lagrange treten in demselben Sinne auf. Doch die Versammlung läßt die Interpellation fallen und kehrt nach Erledigung des Malbois'schen Antrages hinsichtlich der Urlaube zum Wahlgesetz zurück.
Artikel 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34 und 35 rollen rasch hintereinander.
Cavaignac unterbricht hier die Debatte: Ich habe, beginnt er unter tiefem Stillschweigen, Interpellationen an den Kriegsminister rücksichtlich eines persönlichen Faktums zu richten, das, wenn es gegründet wäre, mich vor ein Kriegsgericht stellen müßte. Das Journal „Union“ hat nämlich vor mehreren Tagen einen Artikel veröffentlicht, der mich angeklagt, im Heere revolutionäre Propaganda zu machen. (Cavaignac liest jenen Artikel, den wir schon vor mehreren Tagen nach dem National erwähnten.)
Ich habe ‒ fügt Cavaignac bei ‒ wegen dieses Artikels bereits Klage erhoben und die Gerichte werden den Verfasser verfolgen. Doch das genügt nicht. Wenn ich der General Changarnier wäre und an der Spitze aller Militärkräfte von Paris zu stehen die Ehre hätte, so würde ich ein Verbrechen zu begehen glauben, wenn ich einem ähnlichen Auftreten eines Blatts nicht fest und öffentlich entgegenträte. ‒
Faucher, Minister des Innern, der nur Carliersche Spionenberichte und keine Zeitungen zu lesen scheint, erklärt, unterbrechend, alles Ernstes, daß er nicht die geringste Kenntniß des in Rede stehenden Artikels habe, (ungeachtet er der Gegenstand aller Journale war).
Cavaignac fortfahrend: In diesem Falle schlage ich die Verschiebung der Debatte auf morgen vor, damit sich der Minister unterrichten könne. (Es geschah.)
Faucher (lebhaft): Ich will sogleich antworten. Ich billige jenen Artikel durchaus nicht; im Gegentheile mißbillige ich ihn. Der General Cavaignac hat dem Lande, der Gesellschaft zu große Dienste erwiesen, um den Verdacht Raum zu geben, daß er einen aufrührischen Geist habe in der Armee verbreiten wollen.
Changarnier besteigt die Bühne. Er stößt alle Solidarität mit der Redaktion und dem Geiste jenes Artikels von sich. Er ruft den General Cavaignac ihre gemeinschaftlichen Dienstjahre in Algerien zurück und verliert sich in die gröbsten Schmeicheleien. (Beifall rechts. Gelächter links.)
Das Incidenz ist erledigt, sagt Marrast, und die Versammlung kehrt zum Wahlgesetz zurück. Die Artikel von 36 bis 49 geben zu keiner ähnlichen Debatte Veranlassung.
Plötzlich wendet sich das Blatt. Marrast frägt die Versammlung, ob sie morgen Sitzung halten oder ihre Tagesordnung ändern wolle? Namentlich wegen des Erbschaftsstempelgesetzes.
Die Versammlung entscheidet, daß sie morgen sitzen werde.
Inmitten der Debatte über die Tagesordnung erscheint Ledrü- Rollin auf der Bühne. Ich benachrichtige hiermit (sagt er) das Ministerium, daß ich rücksichtlich Italiens morgen Interpellationen an dasselbe richten werde.
Lacrosse, Staatsbauten- Minister, erwidert, daß er bedaure, daß Ledrü- Rollin sich nicht früher gemeldet habe, wo Barrot und Druys de Luys noch anwesend gewesen seien. Er widersetze sich im Namen des Cabinets den Interpellationen, da die Lage der Dinge zu gefährlich.
Briver (vom Berge): Sie sprechen wie ein monarchischer Minister! Diese Aeußerung ruft einigen Tumult hervor.
Marrast ruft Briver zur Ordnung. Lacrosse wird sehr zornig und die Scene burlest.
Ledru Rollin verwahrt sich sein Recht auf Interpellation für morgen. Also auf Morgen. Die Versammlung geht um 6 1/2 Uhr auseinander.
Belgien.
@xml:id#ar228_019
@typejArticle
@facs1255
Brüssel, 18. Febr.
Belgien begründet immer mehr die Ansicht, welche die „Neue Rheinische Zeitung“ über den Musterstaat den Deutschen eröffnet hat. Freiheit und Fremdenschutz und demokratische Constitution sind Worte, womit unsere Hodys sich schmücken, um Unbefangene in die Polizeizellen zu liefern. Während man groß that vor Europa in den vergangenen Septemberfesten und den Artikel der Constitution unter die Lampen schrieb, während vor dem Ständehause die Inschrift prangte, Gastfreundschaft und Schutz für alle Fremde, beschlossen die Minister einstimmig, daß kein politischer Flüchtling in Belgein geduldet werde, es versteht sich von selbst, daß Windischgrätz, Brandenburg und Jellachich ausgenommen sind und sich derselben Freundschaftlichkeit zu erfreuen gehabt hätten, welche die Minister Louis Philipps gefunden haben. Herr Guizot ist mehremal mit einem falschen Passe hiergewesen, die Journale haben davon gesprochen, die Polizei hat es nicht geläugnet; Demokraten aber dürfen sich dergleichen nicht einfallen lassen.
Der Referendar von Hochstetter, compromittirt wegen Ausführung der Steuerverweigerungsbeschlüsse und besonders gravirt wegen angeblicher Aufreizung zum Abbrechen der Potsdamer Eisenbahn, kam hier vor 14 Tagen mit einem falschen Passe an, wurde arretirt und vor das Corrections- Gericht gestellt. Da derselbe aber nachweislich von dem Passe keinen Gebrauch gemacht, wurde er freigesprochen. So weit würden wir gegen die ganze Sache wenig einzuwenden haben, jedoch selbst ein preußischer Unterthan ließe sich nicht träumen, was nach dieser Freisprechung das demokratische Gouvernement Belgiens thut. Zunächst führt man den Freigesprochenen wieder ins Gefängniß zurück, weil das öffentliche Ministerium sich noch nicht entschieden habe, ob es in der Sache appelliren wolle. Zur Entscheidung giebt nun unser freisinniges Gesetz dem Ministerium „zwei Monate“ Zeit, also das Recht, einen Staatsbürger zwei Monate im Gefängniß zu halten, eben weil er freigesprochen war. Dem Advokaten unser's Freundes gelang es jedoch binnen 3 Tagen eine Erklärung zu erhalten, daß man nicht appelliren wolle. Nach beschränktem Unterthanenverstande, mußte man voraussetzen, daß damit die Sache zu Ende und Hochstetter frei war. Gott bewahre! den gerichtlich Befreiten hatte Hr. Hody polizeilich reklamirt, Herr Hody wird ihn expulsiren lassen, er giebt ihm nicht einmal die Zeit in sein Quartier zur Stadt zu gehen, um seine Sachen einzupacken und mit sich zu nehmen. Ob Herr Hochstetter nun morgen ob übermorgen, ob in 8 Tagen zur Reise gezwungen werden wird, hängt von der Gnade Herrn Hody's ab. Die Advokaten waren gestern wenigstens 5mal auf dem Büreau des Herrn Hody, heute 6mal an seinem Hause; der Allsehende ist unsichtbar, blos um später sagen zu können, es sei'n Mißverständnisse vorgefallen, es thäte ihm die Sache ‒ nachdem sie vorbei ‒ sehr leid! Doch muß ich hinzufügen wie diese „Belgischen- Hospitalite“ practisch ausgeführt wird.
Morgen, übermorgen oder wenn es Herrn Hody belieben wird, wird man den Ref. Hochstetter auspacken, mit Bettlern, Landstreichern und andern Ungeziefer tragenden Bewohnern des glücklichen Belgiens in ein Wagen-Gefängniß sperren und zur Gränze bringen; vorher jedoch erklärt ihm die Polizei höflich, daß wenn er zwei Gensdarmen bezahlen und sich von diesen begleiten lassen wolle, er auch in den öffentlichen Reisewagen Platz nehmen könne. Es ist dies eine kleine Ausgabe von resp. 45- 85 Frc, die ein Reisender ja wohl für die belgische Hospitalität entrichten kann.
Es soll uns nur wundern, ob Hochstetter nicht einen Theil seiner Effekten einbüßen oder ihm ein Tribut an die Gefängnißwärter, wie dieß dem Dr. Wilhelmi passirte, abgepreßt werden wird. Wie Ihre Zeitung schon einmal bemerkte, hat man bisher kein anderes Rettungsmittel gegen den Pauperismus des Musterstaats entdeckt als die Ausplünderung der politischen Flüchtlinge.
Großbritannin.
@xml:id#ar228_020
@typejArticle
@facs1255
[ * ] London, 16. Februar.
Das Oberhaus bot auch in seiner gestrigen Sitzung nichts Interessantes, mit Ausnahme des Kampfes zwischen Stanley und Carl Grey, indem jener das neulich von der Regierung in Betreff der zur Deportation Verurtheilten angenommene Verfahren heftig angriff, dieser aber vertheidigte. Die Details sind für das nicht-englische Bublikum ohne Wichtigkeit.
Das Unterhaus kam gestern zwar um 4 Uhr zusammen, wurde aber bald nachher ausgezählt. Die Herren hatten keine Lust zu Geschäften, deshalb schlichen sich sehr bald eine Menge fort, so daß beim Auszählen blos die sehr unbeschlußfähige Zahl von 24 Mitgliedern anwesend war.
Die verschiedenen Projekte, den Umweg um das Kap Horn durch einen Weg über den schmalen Theil des Kontinents von Mittelamerika zu ersparen, nehmen auch hier die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch und es wird in den Kreisen der City über die 3 verschiedenen Routen, die in Vorschlag gebracht worden, lebhaft debattirt. Hierbei verdient erwähnt zu werden, daß die Reise zu Wasser zwischen den beiden Ozeanen, dem Atlantischen und dem Stillen, bereits gemacht worden. Schon 1783 überredete ein Mönch die Indianer, einen kurzen Kanal zu stechen zwischen dem Fluß Atrato, der in den Golf von Darien mündet, und dem Fluß San Juan, der ungefähr unter'm 4ten Grade nördlicher Breite in den Stillen Ozean sich ergießt. Noch jetzt gehen in der nassen Jahreszeit Boote von einem Ozean zum andern und wir erwähnen dies nur als Thatsache, nicht als hätte dies für den Welthandel eine besondere Wichtigkeit. Dazu bedarf es eines Weges in größerem Maaßstabe. Binnen Kurzem wird er jedenfalls zu Stande kommen, obgleich es noch nicht ganz feststeht, welche von den 3 vorgeschlagenen Routen den Vorzug erhalten wird.
Schweden.
@xml:id#ar228_021
@typejArticle
@facs1255
Stockholm, 9. Febr.
Alle an der Gränze Schwedens in Helsingborg ankommenden ausländischen Geschäftsreisenden werden dort von der Behörde gezwungen, eine Kriegssteuer von acht und einem halben Thaler schwed. Banco zu erlegen.
Türkei.
@xml:id#ar228_022
@typejArticle
@facs1255
Constantinopel, 31. Januar.
Ist einem Gerücht Glauben beizumessen, so wird in diesem Augenblicke hier eine wichtige Frage in den diplomatischen Kreisen und in dem großherrlichen Ministerrathe verhandelt. Rußland soll nämlich um die Erlaubniß nachgesucht haben, seine Flotte des Schwarzen Meeres durch die Dardanellen nach dem Mittelmeere durchzuführen, wobei auf die italienischen, namentlich neapolitanischen Verhältnisse hingewiesen wird. Es ist nicht möglich gewesen, über die Wahrheit des Gerüchts und über die desfalls etwa gefaßten Beschlüsse irgend etwas Zuverlässiges zu erfahren. Es kann aber an der etwanigen Bewilligung der Erlaubniß nicht gezweifelt werden, denn der Einfluß Rußlands ist hier eher im Steigen als im Fallen.
Italien.
@xml:id#ar228_023
@typejArticle
@facs1255
Rom, 9. Febr.
Diese Nacht um 2 Uhr verkündete das Geläute aller Glocken die wirklich erfolgte Einsetzung der Republik. Sie war nach einer langen, anfangs stürmischen Sitzung der Constituante durchgesetzt worden, welcher Masi nach der Niederlage des Ministeriums die Permanenz zu sichern gewußt hatte.
@xml:id#ar228_023a_c
@typejArticle
@facs1255
Edition: [Karl Marx/Friedrich Engels: Die Proklamation der Republik in Rom, vorgesehen für: MEGA2, I/8. ]
Florenz, 9. Febr.
Der Inhalt dieses Artikels kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht angezeigt werden.
@xml:id#ar228_024
@typejArticle
@facs1255
[ * ] Civita Becchia.
Die neapolitanische Regierung bereitet gegen Rom eine Expedition von 15,000 Mann vor, aus Neapolitanern und Spaniern bestehend. Man wird sie gebührend empfangen.
@xml:id#ar228_025
@typejArticle
@facs1255
Florenz, 12. Februar.
Ein Dekret der provisorischen Regierung d. d. vom 10. Februar lößt die beiden bisherigen Kammern (Senat und Deputirten) auf und proklamirt den Grundsatz der Volkssouveränität mit einer Kammer. Toskana wird künftig nur eine Kammer von 120 Glieder zählen, welche aus allgemeinem Stimmrecht direkt gewählt werden.
Aus Livorno ist eine Legion von Freiwilligen (meist Bürgersöhne) in Florenz unter großem Jubel der Bevölkerung eingerückt. Sie leistet abwechselnd den Dienst der Ehrenvache der provisorischen Regierung und dient zum Schutze der entstehenden italienischen Republik:
‒ Die Römische Republik hat eine Zuschrift an das toscanische Volk erlassen, um es aufzufordern, mit ihr gemeinschaftlich zu handeln.
Die Besatzung in der Citadelle von Florenz machte Miene, die Republik nicht anzuerkennen. Sie ist daher entwaffnet und zum Theil entlassen worden. Die Mehrzahl soll hinterher wieder um Dienste gebettelt haben.
@xml:id#ar228_026
@typejArticle
@facs1255
Turin, 15. Febr.
General Chanowsky ist an Bava's Stelle zum Obergeneral des sardinischen Heeres ernannt worden.
[Redakteur en chef: Karl Marx ]
[Anzeigen]
@typejAn
@facs1255
Oeffentliche Sitzung des Gemeinderathes vom 22. Februar 1849.
Tagesordnung.
Die noch unerledigten Gegenstände der früheren Tagesordnungen.
Berathung der Marktordnung
Ableitung des Wassers aus der Stärke- Fabrik von Flimm und Riessen in den Kanal der Lungengasse.
Errichtung der Turnhalle.
Gesuch einiger Bürger um Ermäßigung der Grundsteuer.
Köln, den 19. Februar 1849
Der kommiss. Ober- Bürgermeister,
Graeff.
@typejAn
@facs1255
Bekanntmachung.
Der am 12 d. M. Abends mit der Köln-Siegener [unleserlicher Text] von hier abgesandte Briefbeutel nach Neustadt CI. B., in welchem sich
ein frankirter Brief von Köln nach Eckenhagen
ein 4 1/2 Loth schwerer Dienstbrief von Köln nach
Neustadt, ein Brief von Koblenz nach Neustadt
und verschiedene Zeitungen
befanden, ist unterwegs verloren gegangen, wovon die unbekannten Absender der Briefe hiedurch in Kenntniß gesetzt werden.
Köln, den 19. Februar 1849
Der Ober-Post-Direktor,
Rehfeldt.
@typejAn
@facs1255
Verkaufs- Anzeige.
Am Samstag den 24. Februar curr., Mittags zwölf Uhr, sollen durch den Unterzeichneten auf dem Waidmarkte hierselbst Tische, Stühle, Schränke, Kommoden, 1 Pendel- Uhr, 1 Ofen etc., öffentlich dem Meistbietenden gegen baare Zahlung verkauft werden.
Köln, den 20. Februar 1849.
Der Gerichtsvollzieher,
Fülles.
@typejAn
@facs1255
Verkaufs- Anzeige.
Am Samstag den 24. Februar curr., Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Waidmarkte hierselbst
a) vier Ohm 1846er Moselwein
und b) eine halbe Ohm Rum
öffentlich dem Letztbietenden gegen baare Zahlung verkauft werden.
Köln, den 20. Februar 1849.
Der Gerichtsvollzieher,
Fülles.
@typejAn
@facs1255
Gasthofs- Empfehlung.
Dem geehrten Militär- und andern Publikum hiermit die ergebene Anzeige, daß ich das Hotel St. Agatha für meine eigene Rechnung unter der Firma: „Hotel Schubert“ übernommen habe. Dasselbe ist im Innern neu meublirt und des starken Besuches wegen um viele Zimmer vermehrt worden. Durch prompte Bedienung, einfache Speisen und reine Getränke, so wie Bequemlichkeiten aller Art, werde ich den weltbekannten Ruf dieses Hauses zu bewahren wissen. Für Konservation ist bestens gesorgt, da stets Reisende aus allen Gegenden durch die hierzu eigends von dem Taufpathen und besondern Protektor genannten Hotels, Herrn Schubert, angestellten Kommissionaire Enge und Fischer, bekannt durch ihre Thätigkeit bei den alljährlich hier abgehaltenen Frühjahrs- und Herbst- Messen, herangezogen werden. Auch für musikalische Unterhaltung ist durch permanentes Engagement der so sehr beliebten Kammersängerinnen Fräulein Ratte, Maus und Wanze, unter Leitung des Herrn Floh, Sorge getragen. Um den Fremden die Ausgabe für Parfümerien zu ersparen, ist die in der civilisirten Welt bisher unbekannte Art und Weise Zimmer mit balsamischen Düften zu versehen, eingerichtet worden. Es sind überhaupt keine Kosten meinerseits gespart, jedem einzelnen der fünf Sinne des Gastes seinen Genuß zu verschaffen.
Ganz besonders habe ich in dieser anarchischen Zeit für die Sicherheit der mich Besuchenden gesorgt, indem an jeder Zimmerthür zwei starke eiserne Riegel angebracht sind, deren Vorschieben meinem treuen Portier Wicht persönlich übertragen ist; außerdem sind Tag und Nacht bewaffnete Wächter in der Nähe.
Gespeist wird zu jeder beliebigen Zeit, und ist es durchaus nicht meine Schuld, wenn einer meiner Gäste 48 Stunden Nichts bekommen sollte.
Um jeden Konflikt mit den Behörden der Krone zu vermeiden, bemerke ich schließlich, daß nur solche Gäste aufgenommen werden, die mit anständiger Begleitung und richtigen Pässen versehen sind, was durch genannten Portier untersucht wird; bei demselben bitte ich auch vorher sich zu erkundigen, ob Zimmer vakant sind, weil sonst bei einem Andrange von Gästen ich wegen Mangels an Raum genöthigt wäre solche zurückzuweisen.
Engels.
@typejAn
@facs1255
Gerichtlicher Verkauf.
Am 23. Februar 1849, Vormittags 10 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Waidmarkte zu Köln, Ofen, Tische, Stühle, Sopha's, Spiegel etc., gegen baare Zahlung öffentlich meistbietend verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher,
Simons.
@typejAn
@facs1255
Gerichtlicher Verkauf.
Am 24. Februar 1849, Vormittags 10 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Altenmarkte zu Köln, Tische, Stühle, Oefen, Schränke, ein Pferd, mehrere Fuder Bier, Branntwein und Essig, Malz, Hopfen, leere Fässer etc., gegen baare Zahlung öffentlich verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher,
Simons
@typejAn
@facs1255
Gerichtlicher Verkauf.
Am 26. Februar 1849, Vormittags 10 Uhr, wird der Unterzeichnete auf dem Altenmarkte zu Köln, mehrere Stücke Wollentuch gegen baare Zahlung öffentlich meistbietend verkaufen.
Der Gerichtsvollzieher,
Simons.
@typejAn
@facs1255
Herr Staats- Prokurator, warum wird Leopold Funk nicht arretirt und in Untersuchung gezogen, da bereits George Rüns von Oberaussem 14 Tage in Untersuchung sitzt, und ist auch auf flüchtigem Fuß geschossen; was man an seinem Körper wahrnehmen kann.
Mehrere aus Oberausem.
@typejAn
@facs1255
Worringen.
Anfrage hiesiger Demokraten an den Herrn
Ober- Prokurator.
Welch' ein Ungeheuer aus der Heulerschaft hat Ihnen angegeben, daß zu Worringen ein armer Frachtführer, wie Sie in Nr. 31 der Kölnischen Zeitung sagen, bestohlen worden sei? ‒ Es ist allgemein bekannt, daß hier in Worringen nie ein Straßenraub verübt worden ist, denn hier ist der Hauptsitz der Demokratie des Landkreises Köln, sie hätten daher leicht erwiedern können ‒ ein Demokrat kann keinen armen Fuhrmann, der froh ist, daß er seiner Familie Brod schafft, geplündert haben! ‒ Fragen Sie gefälligst die Fuhrleute selbst, wo der Diebstahl geschehen, und veröffentlichen Sie dann gütigst deren Aussage, damit die Welt sieht, daß nur die Demokratie das Wohl aller Menschenklassen will. ‒ Diese Anfrage kömmt drum so spät, weil wir dachten, hiesiger Vorstand wäre verpflichtet gewesen für Worringen das Wort zu nehmen.
Die Regierung hat zwei dummen, aber kniftigen dunkel schwarz- weißen Bauern, die sich weder um die Menschheit, noch um den Staat verdient gemacht, (allenfalls nur den Anträger gespielt) drei Empfangstellen gegeben, die wenigstens jährlich Thlr. 2000 eintragen. ‒ Könnten hievon nicht 6 ‒ sogar adlige Familien anständig leben? ‒ Landrathus schmarozius bei drickesen Drickes ‒ das gienge wohl, aber er jeid nit.
@typejAn
@facs1255
In der Kölner Tante hat's mal geheißen ‒ in der zweiten Kammer bricht der Brand aus ‒ die erste kömmt dann um zu löschen, der König stülpt seine Krone über beide Kammern, und so sind die Landesvertreter weg. ‒ In Fühlingen bei Worringen ist aber der Brand in der ersten Kammer ausgebrochen, und wenn die zweite Kammer zum löschen gerufen worden wäre, so wäre ohne Ueberstülpen der Krone die erste wie Spreu, auseinander geflogen, denn die zweite Kammere löschen nischt.
@typejAn
@facs1255
Wahlmänner von Mülheim!
Wem des Vaterlandes Wohl am Herzen liegt, der wähle: den Herrn H. Rolshoven zu Iddelsfeld oder: den Paffrather Schuhmacher.
[K.]
@typejAn
@facs1255
„Neue Rheinische Zeitung.“
Die Herren Aktionäre werden hiermit auf Grund der §§. 43 und 44 des Statuts zu einer außerordentlichen General- Versammlung auf Donnerstag den 22. Februar, Abends 8 Uhr, im Freischützen bei Hamspohn, Hochstraß, eingeladen.
Köln, den 16. Februar 1849.
@typeimprint
@facs1255
Die Geranten. Der „Neuen Rheinischen Zeitung.“
@typejAn
@facs1255
Annonce.
Das neu hergestellte und auf's Eleganteste, im ersten Stock mit einem Divan und 3 Billards versehene
Café Suisse
dem Theater de la Monnaie gegenüber, empfiehlt der Eigenthümer desselben um so mehr allen resp. deutschen Reisenden, da in demselben außer den französischen, englischen, belgischen und holländischen Journalen, auch noch folgende deutsche Blätter, in keinem sonstigen hiesigen Kaffehause vorräthig, zu finden sind:
Die Neue Rheinische Zeitung.
Weser Zeitung.
Zeitungs- Halle.
Frankfurter Journal
und Kladderadatsch.
Brüssel, 23. Januar 1849.
@typejAn
@facs1255
Ich wohne jetzt Hochstraße Nr. 43
nahe beim Augustinerplatz.
Dr. Leuffen,
prakt. Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer.
@typejAn
@facs1255
Samstag den 24. Februar 7 1/2 Uhr wird zur Feier der vorigjährigen französischen Revolution ein großes
Bankett
im Dickopf- (Eiser'scheu) Saal
gehalten.
Eintrittskarten sind zu 2 1/2 Sgr.
im Freischütz bei Hamspohn,
bei Gebr. Josty,
im Dickopf'schen Lokale,
im Kranz bei Simons,
bei Legermann, Follerstraße zu haben.
Die Lieder werden am Eingang gratis vertheilt.
Die Eintrittskarte ist gut für ein Glas Bier.
@typejAn
@facs1255
Ein grauer glatthäriger Hühnerhund, braun behangen, ist entlaufen, wer denselben Buttermarkt Nr. 44 zurückbringt, erhält eine Belohnung.
@typejAn
@facs1255
Volksthümliche Wahlen.
Die Wahlmänner für volksthümliche Wahlen, laden wir zu einer Besprechung auf Donnerstag den 22. d., dem Vortage der Wahl, in das Lokal des Herrn Hansen, Aulgasse in Siegburg, freundlichst ein.
Am Tage der Wahl den 23. d. , wird ebenfalls eine Vorversammlung, Morgens 8 Uhr stattfinden.
Bonn, den 20. Februar 1849.
Das Central- Comite für volksthümliche Wahlen,
E. Hagen. A. Ungar. F Kamm
@typejAn
@facs1255
Puppentheater.
Zur Extra- Vorstellung:
Wir drei um's Geld, und das
war recht.
@typejAn
@facs1255
Brieftasche verloren.
Am Sonntag Nachmittag auf dem Wege von der Schildergasse, Hochstraße, Obenmarspforten, Glasstraße, Höhle, Bolzengasse nach der Friedrich- Wilhelmstraße. Wer solche dem Eigenthümer wiederbringt, dessen Name in der Brieftasche ersichtlich ist, erhält von demselben 1 Thlr. Belohnung.
@typejAn
@facs1255
Im Verlage von Emil Baensch in Magdeburg erschien so eben:
Die Vorwürfe, welche der Preußischen National-Versammlung gemacht sind, so wie die Stellung ihrer Mitglieder zu der Verfassung vom 5. und den Wahlgesetzen vom 6. Dezember 1848, beleuchtet vom Justiz- Kommissarius F. F. Weichsel, welcher als Abgeordneter den Berathungen in Berlin ununterbrochen beiwohnte. 8. Geheftet.
7 1/2 Sgr.
Vorräthig in der ganzen Rheinprovinz und Westphalen. In Köln bei:
Adolph Bädeker, Hochstraße 134A.
@typejAn
@facs1255
1846er Scharzhofberger.
Die kölnische Zeitung Nr. 42, 1. Beilage enthält eine Anzeige der dortigen Firma Peltzer et Comp, welche unterstellen läßt, daß genanntes Haus die gesammte Creszens meiner 1846er Scharzhofberger Weine an sich gebracht habe.
Ich finde mich dadurch zu der Erklärung veranlaßt, daß ich dem Herrn Peltzer nur 7 Fuder überlassen habe, und daß der mir noch verbleibende größere Rest jedenfalls mit obigem den Namen
König der Weine
zutheilen würdig ist.
Kaufliebhabern stehet die Probe hier an den Fässern stets zu Diensten.
Trier, den 19. Februar 1849.
Joseph Koch.
@typejAn
@facs1255
Für eine Tapetenfabrik in Münster wird ein junger Mann gesucht, der mit diesem Artikel vertraut, auch Reisen besorgen kann.
Das Nähere auf frankirte Briefe unter Lit. M. durch die Expedition dieser Ztg.
@typeimprint
@facs1255
Der Gerant Korff. Druck von J. W. Dietz, unter Hutmacher 17.