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Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 237. Köln, Sonntag, den 4. März. 1849.
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Vierteljähriger Abonnementspreis in Köln 1 Thlr.7 1/2 Sgr., bei allen preußischen Postanstalten 1 Thlr. 17 Sgr. — Im Auslande wende man sich: in Belgien an die betreffenden Postanstalten; in London an W. Thomas, 21 Catherine-Street, Strand; in Paris an W. Thomas, 38 Rue Vivienne, und an A. Havas, 3 Rue Jean Jacques Reusseau.
Insertionen werden mit 18 Pf. die Petitzeile oder deren Raum berechnet.
Auskunft, Annahme und Abgabe chiffrirter Briefe gratis.
Nur frankirte Briefe werden angenommen.
Expedition Unter Hutmacher Nro. 17.
Zweite Ausgabe.
Deutschland.
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[ 109 ] Düsseldorf, 3. März.
In seinem Zorn hat der Herr Berlin mit einem Wrangel, einem Hinckeldey gestraft; uns aber mit einem Mirbach, einem Ammon, einem Faldern.
Die „freisinnige“ oktroyirte Verfassung, welche alle „Errungenschaften“ sichert und „garantirt“, sie muß nur recht verstanden, recht ausgeführt werden. Mirbach denkt, Faldern führt aus, und Ammon — nun, Ammon hat alle Cabinetsordres und Verordnungen vom 15ten Jahrhundert an auswendig gelernt, und weiß sie zur rechten Zeit auszuführen, um die ungesetzlichsten Handlungen der Polizei zu gesetzlichen zu machen. Ob diese vermoderten Verordnungen seitdem aufgehoben sind, wer kann es ihm beweisen, ob sie in geradem Widerspruche mit allen jetzt geltenden Gesetzen und sogar mit der oktroyirten Verfassung stehen, was scheert es ihn?
Nichts natürlicher, als daß diesen Herren das Versammlungsrecht sehr im Wege steht. — Was bleibt da für so energische, thätige Männer übrig, als das Versammlungsrecht da, wo es sie in ihrer „väterlichen Sorge für die Ruhe der Stadt“ genirt, auf irgend eine Weise zu unterdrücken? — Es konnte uns daher durchaus nicht wundern, daß gestern Abend die Polizei ohne weiteres gewaltsam in das Lokal des „Volksklubs“ drang. Man war darauf vorbereitet, und machte daher den eindringenden Kommissar darauf aufmerksam, daß hier eine geschlossene Gesellschaft sei, und daß er, wenn er herein wolle, vorerst eine Karte lösen und seine Waffen ablegen müsse. Wolle er dies nicht, so möge er draußen bleiben, da er kein Recht habe, in eine geschlossene Gesellschaft zu dringen. — Zum Beweise, daß hier kein öffentliches Lokal sei, wurde ihm der zwischen dem Vorstand und dem Hausbesitzer abgeschlossene Miethvertrag vorgelegt; man erinnerte ihn an den Paragraphen der Verfassung, wonach die Bürger sich nur ohne Waffen versammeln dürfen, und worin durchaus keine Ausnahme für Beamte der Polizei gemacht ist. Umsonst! Der Mann antwortete ganz richtig: „Meine Herren, Sie können mich ja nachher verklagen.“ Freilich, er stützte sich einerseits auf eine für eventuelle Fälle in der nächsten Straße aufgestellte Compagnie Jäger und auf die ihn begleitenden Gensd'armen und Polizisten, andererseits auf die, noch nicht „aufgehobenen“ Verordnungen, welche Hr. Ammon so glücklich den eben vorliegenden Fällen anzupassen versteht. Natürlich hielt der Vorstand es nicht für angemessen, unter Bewachung eines halben Dutzend Polizisten die Sitzung zu eröffnen. Unterdessen war der Unwille der Anwesenden immer größer und drohender geworden, und ich kann Sie versichern, daß die Häscherbande nicht mit heiler Haut davon gekommen wäre, wenn der Vorstand nicht energisch die Ruhe aufrecht erhalten hätte. Letzterer wird natürlich die Beamten der Polizei wegen Ueberschreitung ihrer Amtsbefugnisse belangen. Aber das Schicksal dieser Klage liegt in den paar Worten des Polizeikommissars: „Meine Herren, Sie können mich ja nachher verklagen.“ Hinter ihm steht ja der Wächter des Gesetzes, Herr v. Ammon, stellvertretender Oberprokurator. Wir geben diesem jedoch den wohlmeinenden Rath, die Geduld des Volksklubs und seines Vorstandes nicht zu sehr auf die Probe zu setzen; letzterer möchte es bald müde werden, die Häscher vor dem gerechten Unwillen des Volks zu schützen.
Sie werden sich wundern, daß solche Dinge hier vorkommen können, daß die Behörden der hiesigen Bürgerschaft gegenüber, die als so demokratisch bekannt ist, solchen Muth haben. — Die Errklärung ist leicht. Die hiesige offizielle demokratische Partei, die Partei des Hrn. Wesendonk, ist ganz einverstanden mit den Maßregeln der Polizei, wenn sie auf den Volksklub angewandt werden. Es ist die Partei, die sich unter allen Umständen möglich erhalten will. Das demokratische in ihrer Tendenz löst sich auf in eine geringe Quantität Philantropismus. Zum Beweis nur folgendes: Diese Partei will jetzt einen Verein bilden. Man will sich aber nicht kompromittiren, um nach den gerade eintretenden Verhältnissen immer den Mantel nach dem Winde hängen zu können. Das kann dieser Verein nur, wenn er nicht öffentlich eine bestimmte Tendenz ausspricht, an der er nachher doch festhalten müßte. Man wird ihn also: „Politischer (?!) Verein“ nennen. Und das sind Demokraten! Der Zweck dieses Vereins ist folgendermaßen angegeben: a) die Förderung der demokratischen Grundlage (die berühmte „allerbreiteste“?) im Staate. b) Die Einheit Deutschland's (ist das ein guter Einfall von Hrn. Wesendonk?). Und das sind Demokraten? In dem Entwurf zum Statut sind außerdem folgende Bestimmungen: „die Aufnahme neuer Mitglieder geschieht durch den Vorstand. Findet dieser Bedenken (!), so hat er den Angemeldeten einer Ballotage (!!) zu unterwerfen, bei welcher die absolute Majorität der anwesenden Vereinsmitglieder entscheidet.“ Ferner:„Jedes Mitglied zahlt monatlich praenumerando 2 1/2 Sgr. an den Kassirer“!!! Das heißt, dieser Verein, der die demokratische Grundlage im Staate fördern soll, will unter seinen Mitgliedern keine Arbeiter haben. Jeder Düsseldorfer weiß, daß die hiesigen Arbeiter, die fast keine Beschäftigung haben, nicht im Stande sind, diesen Beitrag zu zahlen! Und das sind Demokraten? Es wird Ihnen jetzt klar sein, was diese Herren unter Förderung der „demokratischen Grundlage“ verstehen. Der Entwurf zum Statut ist mitunterzeichnet von Bloem und Euler, den Häuptern der hiesigen offiziellen demokratischen Partei, den Mitgliedern der ehemaligen Linken der nach Hause geschickten Vereinbarer.
Wundern Sie sich noch, daß die hiesigen Beamten in der angegebenen Weise aufzutreten wagen?
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[ 215 ] Kreuznach, 2. März.
Am 25. Februar wurde hier auf Veranlassung des demokratischen Vereins der Jahrestag der franz. Revolution gefeiert. Gegen eine Karte zu 6 Sgr., wofür Speisen und Trank verabreicht wurden, war der Eintritt gestattet. Leider mußten viele Demokraten, der Beschränktheit des Raumes wegen, den Genuß entbehren, der Feier beiwohnen zu können.
Der erste Toast galt der „permanenten Revolution,“ permanent bis dahin, daß die Sache des Volks siegreich dastehe. Dann spielte ein Musikchor die Marseillaise. Nun folgten Toaste auf die Arbeiter, die politischen Gefangenen, die römische Republik, die Ungarn und Kossuth und m. A., unter beständiger Abwechselung von Musik und Gesang.
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[ # ] Berlin, 2. März.
Der Abg. Peltzer (aus Remscheid) beginnt wieder seine alten Gemeinheiten. Heute bestritt er bei dem Abg. Arntz, welcher mit ihm in der Nationalversammlung tagte, die Qualifikation eines Preußen, weil derselbe sich als politischer Flüchtling zehn Jahre lang im Auslande aufgehalten habe. Die Deduktion, welche sich sowohl auf den Code civil als ein preußisches Machwerk bezog, ist zu bornirt, um sie hier anführen zu können. Bei der Verfolgung der Demagogen fand es Arntz gerathen, in Brüssel mehrere Jahre die Advokatur auszuüben, und derselbe übernahm später auf 3 Jahre an der dortigen Universität eine Professur. Selbst die ganze Rechte erhob sich gegen den berüchtigten Peltzer, der sich nun bitter beklagte, daß ihn die eigene Partei im Stiche gelassen habe. Zum Ueberflusse setze ich noch hinzu, daß Arntz sich nicht entfernte, um sich im Auslande bleibend niederzulassen, sondern blos um der Verfolgung zu entgehen. Die genannte Universität ist ferner keine Staats-, sondern eine städtische Anstalt. Endlich kehrte Arntz 1841, nachdem die politischen Flüchtlinge amnestirt waren, in den diesseitigen Staat zurück.
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[ 216 ]Berlin, 2. März.
So wie in der Erde oft zufällig Knochen und Gerippe von Unthieren gefunden werden, so liefern die Wahlakten der II. Kammer nicht minder überraschende Reste der bureaukratischen Zeit. Z. B. wohlrubrizirte Conduiten-Listen über die Abgeordneten, welche alle zu beseitigen, selbst dem scharfen Auge eines Manteufelchen, wie einzelne Aktenstöße beweisen, nicht gelungen ist. Dahin gehört auch eine schöne Korrespondenz des Landrathes von Korschenbahr an seinen Kollegen von Rohrscheidt, welche also lautet:
„Ew. Hochwohlgeboren beehre ich mich die Anlage ergebenst zu überreichen, woraus Hochdieselben geneigtest entnehmen werden, daß die angefochtene Wahl, die an sich eine gute zu nennen, da Scholz Krebs ein ganz gesinnungstüchtiger Mann ist, in durchaus legaler Form vollzogen worden ist. Die Kosten betragen zehn Silbergroschen, welche meines Erachtens dem falschen Denuncianten, der ein unruhiger Kopf ist, zu Last fallen dürften. Strehlen, 4. Februar 1849.“
Ob die Beschwerde des „unruhigen Kopfes“ eine grundlose war, darüber ist von der Kammer noch nicht entschieden worden.
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[ X ]Berlin, 2. März.
Die Kattundrucker, welche bekanntlich schon im vorigen Sommer in so heftige Differenzen mit den Fabrikherren geriethen, daß mehrere Male die lebhaftesten Besorgnisse für die Fabriken entstanden und die Bürgerwehr zum Schutz derselben ausrücken mußte, sind gegenwärtig von Neuem aufständig geworden. Nach einer drohenden Sprache, welche von ihnen in den letzten Wochen in einer Zeitungs-Polemik mit den Fabrikherren geführt wurde, begannen sie sich gestern vor der Goldschmith'schen Fabrik zusammenzurotten und mit Zerschlagen der Pressen zu drohen. Der Grund ihrer Unzufriedenheit soll folgender sein: Schon durch die Arbeitseinstellungen im vorigen Jahre wurden viele Kattundrucker brodlos und die Fabrikherren verstanden sich deßhalb dahin, diese Arbeiter unter sich zu vertheilen und ihnen einen täglichen Lohn von 10 Sgr. zu gewähren, auch wenn sie nur wenig, leicht oder gar nicht beschäftigt würden. Mit jenem Abkommen wurden die Arbeiter ruhig erhalten. Die Fabrikherren kündigten aber dasselbe zum 1. März, während die Arbeiter der Ansicht waren, ein ständiges Recht auf 10 Sgr. erworben zu haben. So entstand Unzufriedenheit und Tumult. Es mußten gestern zwei Compagnieen von den Garde-Schützen ausrücken um die, sich vor den Fabriken zusammen rottirten Arbeiter zu verjagen. Dieselben stellten sich in starken Haufen auf und wollten weder dem vorrückenden Militär, noch dem Hornsignale weichen, erst als vor ihren Augen scharf geladen und zum Anschlagen commandirt wurde, zogen sie sich zurück, traten aber tausend Schritt weiter abermals zusammen, und konnten erst nach und nach durch Wiederholung des vorigen Manövers auseinander getrieben werden. Ein Blutvergießen ist dabei glücklicher Weise nicht vorgekommen, jedoch sind mehrere Verhaftungen erfolgt. Das Militär in der nächstgelegenen Caserne ist mit Sack und Pack consignirt worden, um in jeder Minute ausrücken zu können.
Die hiesigen Zimmerleute hielten gestern Abend in einem Lokal der Dorotheenstraße eine stark besuchte Versammlung, in welcher es zu lebhaften Debatten über eine Mittheilung kam, daß der nach den Märztagen erhöhte Arbeitslohn wieder auf den frühern geringeren Satz reduzirt werden sollte. Man beschloß endlich, wenn dies mit Ende der Woche eintreten würde, sammt und sonders die Arbeit einzustellen. Es verlautet auch in andern Gewerken, daß die frühern Lohnerhöhungen zurückgezogen werden sollen, worüber nicht unbedeutende Aufregungen kund werden.
Wir haben bereits erwähnt, daß bei dem Buchhändler Löwenherz in Folge einer Haussuchung mißliebige Drucksachen mit Beschlag belegt wurden. Gestern hat nun der General Wrangel auch den Laden schließen lassen. Ebenso ist jetzt auch die Steindruckerei des Buchhändlers Reichhardt geschlossen, nachdem die Buchdruckerei früher geschlossen war. Reichhardt remonstrirte gegen die letztere Maßregel persönlich bei Herrn v. Wrangel, und zwar in etwas pikanter Weise; er erreichte aber nur, daß auch die Steindruckerei geschlossen ward. Eine kleine Broschüre vom Herrn R. erzählt diese Vorgänge. Auch gegen den Buchhändler A. Hoffmann, den Verleger des Kladderadatsch, schwebt wieder ein Prozeß wegen Verkaufs des verbotenen „blauen Montags.“ Leider pflegen Polizeiangehörige solche Ankäufe zum Behuf der Denunziation selbst zu machen oder machen zu lassen.
Eine große Anzahl demokratischer Wahlmänner hielt gestern Abend im Schützenhause aus Veranlassung des glücklichen Ausganges der Nachwahlen zur zweiten Kammer eine festliche Sitzung. Der Abg. Jung hielt die Festrede, in welcher er Bruno Bauer zu der nöthig gewordenen Neuwahl nach Frankf. empfahl und zugleich erklärte, daß er jede noch etwa anderswo auf ihn fallende Wahl annehmen werde, um dem bekannten Kritiker hier den Platz zu räumen. Ziegler ist gestern sofort nach seiner erfolgten Wahl nach Brandenburg abgereist. Für Löw aus Kalbe hatte sich der Freihandelsverein sehr interessirt und hofft noch immer ihn irgend wo anders durchzubringen. — Die Börse war in Folge der demokratischen Wahlen gestern noch flauer als sonst, und die Bourgeoisie ist durchweg sehr ungehalten.
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[ * ] Berlin, 2. März.
In der Parteiversammlung der Rechten wurde gestern Abend der Antrag gestellt, die Abgeordneten, welche bei der Steuerverweigerung sich betheiligt hätten, nach §. 5 der oktroyirten Geschäftsordnung auszuschließen. Dieser Antrag wurde zwar sehr lebhaft unterstützt durch Kleist-Netzow und Consorten, doch ging man leider zur Tagesordnung über.
Bei den heute stattgefundenen Nachwahlen zur ersten Kammer wurden hier G.-Rath Dietrici, Stadtsyndicus Möwes und Stadtrath Keibel gewählt.
Die zweite Kammer beschäftigte sich heute mit der Prüfung der Wahlprotokolle. Es wurden etwa 100 Wahlen für gültig erklärt und keine beanstandet.
Der Abg. Groneweg aus Westphalen, dessen Wahl in der Abtheilung für gültig erklärt wurde, sitzt noch zu Münster im Zuchthause. Schneider aus Köln wird deshalb den dringlichen Antrag stellen, sogleich Groneweg's Freilassung anzuordnen.
Selbst bei den geringfügigen Gelegenheiten, durch welche sich die Mitglieder des Ministeriums veranlaßt sahen, das Wort zu ergreifen, zeigten sie ihre vollkommen parlamentarische Unfähigkeit. Sogar Manteuffel, der große Redner des ersten Vereinigten, sprach sehr ungeschickt und gereizt, als er von Bucher u. A. scharf angegriffen wurde.
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Berlin, 2. März.
An den Magistrat ist Seitens des Kriegsministeriums die Forderung gestellt, Ersatz für 200,000 Patronen zu leisten, welche am 16. Oktober v. J. bei dem Arbeiteraufstande an die Bürgerwehr — jedes Bataillon erhielt 2500 Stück — verabreicht wurden. Der Magistrat ist jetzt im Begriff, diese Patronen, so weit dieselben nicht verschossen sind, zu ermitteln, um die Erstattung in natura zu bewirken, da der Werth sich auf die nicht ganz unbeträchtliche Summe von circa 10 Thlr. pro 1000 Stück beläuft.
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Creutzburg.
Denken Sie sich, auch unser Wahlmänner-Verein ist sofort in Oppeln denunzirt worden, als „politischer Klub,“ der sich im Belagerungszustande gebildet habe! — Bereits vor 8 Tagen kam in Folge dessen von Oppeln ein Citissime an den Magistrat zur Berichterstattung darüber, und es sollen besonders 5 Fragen (wahrscheinlich über die Persönlichkeiten) darin zur Beantwortung vorgelegt worden sein. Die Sache kann vielleicht noch interessant werden; denn wenn — wie leicht möglich — der Verein verboten werden sollte, so beabsichtigen dessen Glieder allsogleich in Berlin Beschwerde zu führen.
Wie wir hören, soll von den bei dem in Neu-Karmunkau am 19. d. stattgehabten Krawall verwundeten 2 Frauen die eine Tags darauf abortirt haben. Das gepfändete Vieh ist hier bereits öffentlich versteigert worden. Die Familien und Anverwandten der abgeführten Aufsässigen befinden sich in großer Angst um dieselben. — Von einem Aufhören des Belagerungszustandes verlautet nun nichts mehr, vielmehr scheint derselbe jetzt eher strenger gehandhabt werden zu sollen.
[(Telegr.)]
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München, 27. Febr.
Das neueste Gerücht, welches unsere Stadt durchläuft, ist, daß Herr Stockinger als Minister des Innern berufen, und mit der Neubildung des Gesammtministeriums beauftragt sei. Hr. Heintz, heißt es weiter, würde unter diesen Verhältnissen Minister der Justiz verbleiben.
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[ 12 ]Nürnberg, 1. März.
Gehen diese Menschen her und verbreiten bis nach München hinauf das Gerücht, in Nürnberg wolle man die Republik proklamiren. Was gab Veranlassung dazu? Der politische Verein, der die Demokratie am lautersten erstrebt, veranstaltete am Jahrestag der französischen Februarrevolution ein demokratisches Bankett und lud dazu die gleichgesinnten Vereine ein. Dieses sehr zahlreich besuchte Bankett hatte zwar in aller Ruhe und Ordnung stattgefunden, nichtsdestoweniger kam der Präsident der Kreisregierung von Mittelfranken gefahren und auch andere Leute liefen daher, um zu sehen, ob denn wirklich die Republik sich zeigen werde und wie sie wohl aussehe. Die Republik zeigte sich aber nirgends, in Wahrheit wurde jedoch allen Ernstes davon gesprochen, daß, wenn die hirnverbrannten, vom Pfaffenvolk bearbeiteten Altbaiern so fortmachen, die Kluft zwischen den Franken und Pfälzern endlich so weit werden möchte, daß eine Trennung auf jedem möglichen Wege ernstlich gefordert wird. Unter den Franken, namentlich unter dem Landvolke, herrscht eine so aufgeregte Stimmung, daß man sich nur einen Begriff davon machen kann, wenn man in der Nähe oder vielmehr mitten unter dieser Bewegung sich befindet. Gestern kam wieder Artillerieverstärkung hier an und es soll deren noch mehr folgen, auch hat die Stadtkommandantschaft die runden Thürme an unseren [1312] Thoren, die im 16. Jahrhundert zur bessern Befestigung der Stadt in den Kriegen mit dem Markgrafen von Ansbach aufgeführt wurden, gemiethet, um sie beliebig zu militärischen Zwecken zu verwenden. An die Ortsvorstände auf dem Lande ist vom hiesigen Landgerichte die Aufforderung ergangen, im Falle Emissáre in die Dörfer kommen sollten, das Landvolk zum Zuzug nach Nürnberg aufzuregen, wenn dort der Belagerungszustand erklärt würde, dieselben zu ergreifen und dem Landgerichte einzuliefern. So wird eine Nachricht um die andere in den Wirbel herumgejagt und die Reaktion reibt sich die Hände. Und wer gehört zu dieser Reaktion? Meistens ehemalige Burschenschaftler, die in ihrer Jugend mit so vielem christlich- germanischem Feuer das „Freiheit, die ich meine“ gesungen, und nun bei der praktischen Lösung der Freiheitsfrage zurückschrecken wie vor einem Gespenste. So macht es Gagern, der Reichsministerpräsident und weiland Burschenschafter, so machen es noch viele hundert Andere ihm nach. Der Zeitgeist hat vergebens an ihre Thüre gepocht, sie verstehen seine Mahnungen nicht.
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@facs1312
[ !!! ] Frankfurt, 2. März.
National-Versammlung.
Tagesordnung: Fortsetzung des Wahlgesetzes.
Simson präsidirt. Er theilt mit, daß zu den deutschen Regierungs-Vereinbarungsnoten noch einige aus Baiern, Oldenburg, Lübeck u. s. w. eingegangen sind.
Der berühmte Finanzminister (ohne Finanzen) v. Bekkerath beantwortet eine Interpellation wegen der Nichtbezahlung der Einquartierungsgelder für die Reichstruppen in Beckenheim (bei Frankfurt) In einer verwickelten Auseinandersetzung sucht er zu beweisen, daß die Schuld nicht an der Reichskasse, sondern am Bockenheimer Magistrat liegt, der die Rechnungen (!) erst (!) im Februar eingereicht hat. Deshalb ist bis zum März nichts bezahlt worden, aber jetzt wird in kurzer Frist (auch nichts) gezahlt werden.
Zimmermann von Spandau will über diese Erklärung seine Unzufriedenheit ausdrücken, wird aber von den Centren ausgelacht und kommt nicht zum Worte.
Die Tagesordnung führt zum Wahlgesetz, und die letzten drei Paragraphen, 15, 16 und 17 werden ohne Diskussion angenommen wie folgt:
§ 15.
„Stellvertreter der Abgeordneten sind nicht zu wählen.“
§16.
„Die Wahlen sind im Umfange des ganzen Reichs an einem und demselben Tage vorzunehmen, den die Reichsregierung bestimmt.
„Die Wahlen, welche später erforderlich werden, sind von den Regierungen der Einzelstaaten auszuschreiben.“
§ 17.
„Die Wahlkreise und Wahlbezirke, die Wahldirektoren und das Wahlverfahren, in so weit dieses nicht durch das gegenwärtige Gesetz festgestellt worden ist, werden von den Regierungen der Einzelstaaten bestimmt“
Anlage A.: Reichswahlmatrikel.
„Zum Zweck der Wahlen der Abgeordneten zum Volkshaus werden zusammengelegt:
1. Liechtenstein mit Oestreich.
2 .....................
3. Schaumburg-Lippe mit Hessen-Kassel.
4. Hohenzollern-Hechingen mit Hohenzollern-Sigmaringen.
5. Reuß ältere Linie mit Reuß jüngere Linie.
6. Anhalt-Köthen mit Anhalt-Bernburg.
7. Lauenburg mit Schleswig-Holstein.
8. Lübeck mit Mecklenburg-Schwerin.
Zu § 17 wird eine Einschaltung von Zell angenommen, hinter die Worte, festgestellt worden ist,“ wird noch gesetzt: „oder durch Anordnung der Reichsgewalt noch festgestellt werden wird.“
Hierauf geht man zur Reichswahlmatrikel.
Venedey macht eine Einwendung zu Gunsten Hessen-Homburgs.
Die Reichswahlmatrikel erleidet folgende Aenderungen:
Statt Nr. 2 heißt es nach einem Amendement Venedey's:
„Hessen-Homburg v. d. H. mit dem Großherzogthum Hessen. —
Das Hessen-Homburgische Oberamt Meisenheim auf dem linken Rheinufer mit Rheinbaiern.“
Als Nr. 9 ein Zusatz von Eulmann:
„Der auf der linken Rheinseite gelegene Theil des Großherzogthums Oldenburg mit Rheinpreußen.“
Als Nr. 10:
„Pyrmont mit Preußen.“
Dagegen fällt Nr. 8 weg; Lübeck wählt selbstständig.
Reichsgesetz
über die Tagegelder und Reisegelder der Abgeordneten zum Reichstage.
„Die Mitglieder des Staatenhauses und des Volkshauses erhalten ein Tagegeld von 7 Gulden rheinisch und eine Reisekostenentschädigung von 1 Gulden für die Meile, sowohl der Hinreise als der Rückreise.“
Es liegen zu diesem Gesetz mehrere Amendements vor. — Z.B. beantragt Herr v. Linde: „gar keine Diäten!“
Schulze von Darmstadt (äußerste Linke) erläutert folgendes Amendement:
„In Betracht, daß in allen Zweigen des öffentlichen Dienstes die äußerste Sparsamkeit nothwendig ist, damit es den Reichsbehörden nicht an Mitteln fehle, zur Verbesserung der Lage der ärmern Klassen des deutschen Volkes, sowie zu der dringend gebotenen Solderhöhung der Unteroffiziere und Soldaten des deutschen Heeres, deren „Tagegelder“ nur wenige Batzen betragen — möge eine hohe Nationalversammlung: „die für die Mitglieder des Volkshauses und Staatenhauses beantragten 7 Gulden auf höchstens 5 Gulden rhein. herabsetzen.“
Schlöffel stellt folgendes Amendement:
„In Erwägung, daß der Beruf eines Volksvertreters ein ehrenvoller ist;
„Daß er demnach nicht als Gegenstand der Spekulation ausgebeutet werden dürfe;
„Daß dies aber geschehen würde, wenn auch ferner hochgestellte und hochbesoldete Staatsbeamte neben den Diäten als Abgeordnete noch den unverdienten hohen Gehalt als Staatsbeamte für die Zeit in Empfang nehmen, in welcher dieselben nicht amtlich fungiren;
„Daß es Angesichts der überall herrschenden Noth ein schweres Unrecht sey, unverdienten Sold aus der Staatskasse zu beziehen, in welche die mit Anstrengung gezahlten und abgepfändeten Steuern fließen;
„Daß Diejenigen, welche im Weinberge des Herrn essen, ohne zu arbeiten, unnütze Knechte sind;
„Daß Cumulirung von Gehalten längst als das schreiendste Unrecht erkannt worden ist, bei dessen Abstellung vorzugsweise von den Volksvertretern mit gutem Beispiele vorangegangen werden müsse;
„In fernerer Erwägung, daß diese Maaßregel durch die in allen deutschen Staaten herrschende Finanznoth dringend geboten ist: beantrage ich bei dem „Reichsgesetz über die Tagegelder und Reisegelder der Abgeordneten zum Reichstag“ folgenden Zusatz:
„Staatsbeamte haben bei Annahme der auf sie gefallenen Abgeordneten-Wahl, während der Dauer der Sitzungsperiode, keinen Anspruch auf Amtsgehalt.
Unterstützt von: Würth aus Sigmaringen. Werner aus Oberkirch. Schmitt aus Kaiserslautern. Simon von Trier. Schütz. Damm Grubert. Wiesner. Fehrenbach Demel. Berger. Wesendonck. Reichard. Reinhard. Reichenbach. Kuenzer. Meyer aus Liegnitz. Fröbel. Hartmann. Köhler Zimmermann“
Von Raumer aus Berlin will sich auch mit 5 fl 15 kr. begnügen. (s'ist die Möglichkeit!)
Venedey wünscht 7 Gulden; — er würde zwar für's Geld weder etwas thun noch etwas lassen, und es verlohnte sich kaum der Mühe von ein paar Gulden mehr oder weniger zu sprechen, aber ein Volksvertreter müsse anständig leben, und dazu seien 7 Gulden nicht zuviel.
Zimmermann (Stuttgart): Das Herabsetzen der Diäten gehe von den Reaktionären aus; ein Vertreter müsse frei gestellt sein. Die Diäten zu erhöhen, sei im Sinne der Freiheit.
Bei der Abstimmung wurde der Ausschußantrag (s. oben) angenommen.
Dazu ein Amendement von Wiesner:
„und genießen Portofreiheit für alle an sie gelangenden oder von ihnen ausgehenden Korrespondenzen und Drucksachen.“
Der Schöffelsche Antrag ward verworfen.
Hierauf wird über das ganze Reichswahlgesetz in der angenommenen Fassung namentlich abgestimmt und dasselbe (mit Vorbehalt der zweiten Lesung) und zwar mit 256 Stimmen gegen 194 angenommen.
Dagegen stimmten u. A.: Plathner, Radowitz, Nauwerk aus Berlin, Richter aus Danzig, Riesser, Rüder (Oldenburg), Scheller, Schneer, Schubert (Königsberg), Schwetschke (Lichtfreund aus Halle), Sepp, Stavenhagen, Stengel, Tellkampf, Teichert, Waiz, Wernher von Nierstein, Wiedemann, Bassermann, Beckerath, die beiden Beseler's, der Ritter von Boddien, von Breuuing, Bürgers, Dahlmann, Degenkolb, Deiters, Detmold, Droysen, Esmarch, Fallati, Fischer aus Jena, Fuchs, von Gersdorf, von der Golz, Grävell, Heym, Hergenhahn, Jordan aus Marburg, Kahlert, Graf Keller, Laube, Lette, von Linde, Löwe aus Posen, von Maltzahn, Mathy, Robert von Mohl, Arndt Bonn, Jordan Berlin, Soiron.
Sie sehen, daß dagegen fast alle die liberalen „Preußen“ stimmten und das Ministerium. — Zweierlei folgt daraus: 1) daß der Liberalismus der Preußen noch erbärmlicher ist als der östreichische; 2) daß das sagen: Reichsministerium die 177. Niederlage erlitten hat.
Edel aus Würzburg stellt hierauf den dringlichen Antrag:
„dem Verfassungsausschuß aufzutragen, den Rest der Grundrechte zur 2. Lesung des baldigsten vorzubereiten“
Der Antrag wird von der Linken als dringlich erkannt. Edel erhält das Wort zur Begründung des Antrags, und benützt die Gelegenheit, um fast eine Stunde über Oestreich und den nothwendigen Verband mit demselben, und über die Regierungsnoten zu sprechen. „Möge die östreichische Regierung aller Sünden schuldig sein, das östreichische Volk verdient, daß wir noch warten mit der 2. Lesung der Verfassung.“ (Langer Beifall links und linkes Centrum.)
Riesser erklärt sich im Namen des Ausschusses einverstanden mit Edel's Antrag, und bemerkt schließlich, er möchte nur wünschen, daß es den Freunden des Herrn Edel in Baiern auch so Ernst sei mit der Publizirung der Grundrechte in Baiern. (Bravo.)
Edel's Antrag wird angenommen.
Vogt beantragt dringlich:
„die 2. Lesung des Wahlgesetzes solle auch bis nächste Woche vom Verfassungsausschuß so vorbereitet werden daß sie alsbald erfolgen könne“.
Die Dringlichkeit des Antrages wird abgelehnt mit 228 gegen 211 Stimmen.
Culmann und Genossen bringen denselben Antrag mit einer kleinen Abänderung.
Die Dringlichkeit abgelehnt. — Sitzung um halb 1 Uhr geschlossen.
Nächste Sitzung Montag. — Tagesordnung: Präsidentenwahl und Berathung über einige versauerte Berichte.
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[ 15 ] Schleswig-Holstein, 2. März.
Wie ich Ihnen schon früher berichtet, hat das Reichsministerium bei der hiesigen gemeinsamen Regierung angefragt, auf wie lange Zeit das Land 80,000 Mann Truppen ernähren könne und die Antwort erhalten, daß dasselbe dazu sieben Monate lang im Stande sei. Eine schöne Aussicht für unser Volk! aber eine noch bessere steht uns jetzt bevor.
Der dänische General Oxholm ist nach Frankfurt gereist, um den Waffenstillstand zu kündigen — so verkünden es die hiesigen Blätter — er hat ihn auch gekündigt, aber nur zum Schein — denn in der Wirklichkeit ist der Friede geschlossen. Der Augustenburger Pferdezüchter wird Herzog von Holstein werden — Schleswig wird davon getrennt und erhält unter dänischer Oberhoheit eine Scheinselbstständigkeit! Um diesen verrätherischen Frieden ins Werk setzen zu können, wird vom Wiederausbruch des Krieges mit Dänemark geschrieen und um denselben mit allem Nachdruck führen zu können, sind 80,000 Mann Reichstruppen erforderlich. Der wahre Grund, warum diese Soldaten ins Land gezogen werden, ist aber die Furcht vor der Stimmung des Volkes und namentlich der unserer Armee. Um das Volk wenigstens theilweise für die Idee eines Pferdeherzogs zu gewinnen, reist der große Feldherr, der bekannte Held bei der Freischaarenmetzelei, der Prinz von Noer — verkleidet im Lande herum und hält bei verschlossenen Thüren Berathungen mit den Landleuten und wendet alle Kniffe und Ränke an, dieselben zu Gunsten seines Bruders zu stimmen. Sobald die Reichsgensdarmen im Lande sich festgesetzt haben, soll unsere aus etwa 20,000 Mann bestehende Armee dasselbe verlassen und nach dem südlichen Deutschland marschiren. Dieses ist der Plan der Reaktion, dazu hat die aristokratische Landesregierung bereitwillig ihre Hülfe angeboten, und zwei ihrer würdigsten Handlanger, die Grafen Reventlow-Forve und Bloem-Salzau nach Kopenhagen gesandt, um die näheren Verabredungen zur Ausführung der nichtswürdigen Intrigue zu verabreden.
Was kann und wird nun das verschacherte und verrathene Volk thun? Die Waffen und die Organisirung der Volkswehr, so dringend von ihm gefordert — hat die edle Landesversammlung, diese feigen Grützköpfe — verweigert. Der pfiffige Olshausen hat doch eine feine Nase — er hat schon früher diese Streiche der Reaktion gerochen und sich davon gemacht — nach Frankfurt. Hätte dieser elende Feigling sein Correspondenzblatt nicht an einen Reaktionär verkauft, so könnte jetzt das Volk schnell über den beabsichtigten Verrath aufgeklärt werden; so wie auch schon früher all die schlechten Streiche von Beseler an bis jetzt auf Olshausen dem Volke klar vor Augen gelegt wären. Aber das befürchtete dieser Bramarbas hinterm Theetisch — darum verschacherte er das einzige Volksorgan an einen Reaktionär.
Ungarn.
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Edition: [Friedrich Engels: Vom ungarischen Kriegsschauplatz, vorgesehen für: MEGA2, I/9. ]
[ * ]
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Italien.
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[ 103 ] Von der italienischen Grenze, 24. Febr.
Ich beeile mich Ihnen von der jungen Republik Toskana weitre erfreuliche Nachrichten zu geben. Wahrlich, ächte Revolutionärs, diese Italiener, und fern von der Schwachherzigkeit unseres kleinen märzlichen Revolutionsanfangs. Die provisorische Regierung hat sich veranlaßt gesehen der reaktionären Geistlichkeit ein wenig auf die Finger zu klopfen. Mit dürren Worten wird ihnen in einer Proklamation angerathen, sich der volksfeindlichen Machinationen zu enthalten. Sie möchten bei ihrem himmlischen Handwerk verbleiben.
In einem zweiten Dekret steigt die provisorische Regierung hinter den perfiden Adel, der die nämlichen Kunststückchen wiederholen will, wie der weiland Coblentzer französische Adel, und sich in Masse entfernt. Unverzügliche Rückkehr wird ihnen anbefohlen, da das Volk ihrer Abwesenheit die Erregung eines Bürgerkrieges zuschreibe. Den Zuwiderhandelnden ist zur Strafe ihres Ungehorsams für jeden Tag der Abwesenheit eine Geldsteuer auferlegt.
Der Exgroßherzog Leopold hat sich an Bord des englischen Dampfboots „Bulldogg“ begeben.
Turin ist ebenfalls in einer Krise begriffen. Diese Stadt, bevölkert von Hoflakaien, Schmarotzern, Adeligen und Privilegirten ist durch den Zurücktritt des Verräthers Gioberti in ein ganz unkonstitutionelles, ruhe- und ordnungswidriges Benehmen gerathen. Soldaten und aristokratische Nationalgarden durchlaufen die Straßen und agitiren für Gioberti. Hoffentlich wird ihnen das Volk das Maul stopfen und an den Verräthern Rache nehmen. Uebrigens ist es in Turin nur eine Stimme, daß Radetzky'sche Bestechung fortwährend die piemontesischen Generale und Diplomaten dem Wiederbeginn des Kriegs abgeneigt zu machen sucht. Ebenso schreibt man dem östreichischen Geld einen großen Antheil an dieser Contrerevolution zu.
In Mailand werden mehrere hundert Schweizer von Oestreichern einexerziert. Es lebe die Neutralität der Schweiz! —
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@facs1312
[ * ]Livorno, 23. Febr.
Guerrazzi, der als Kommissär das unter Apice's Befehl gegen Laugier entsandte Corps begleitete, hat an den hiesigen Gouverneur folgenden Bericht eingesandt:
„Bei meiner Ankunft in Lucca beschloß ich, den Verräther Laugier sofort auf 3 verschiedenen Punkten anzugreifen: 1) auf der Seeseite an der Küste von Viareggia, wohin ich die Livornesen schickte. Zugleich gab ich dem Dämpfer „Giglio“ Befehl, sie zu unterstützen. Die Pisaner ließ ich im Thal von Serchio als Reserve; 2) vom Berge Chiesa, wohin sich der Major Petracchi mit gewohntem Eifer verfügte. Er dehnte sich bis Macellarino aus; 3) auf der Straße von S. Quirico nach Camajore hin, wo Laugier seine meisten Streitkräfte versammelt hatte und wo er auch 3 Geschütze besaß.
Die Truppen hatten Befehl erhalten, ihre Gewehre nicht zu laden, sondern Oelzweige an diesen wie an ihren Kasketten zu tragen. Für den Fall des Widerstandes sollten sie vorgehen und fragen, ob wegen der Verrätherei Eines Menschen sich Brüder gegenseitig ermorden sollen?
Ich habe übrigens die Freude, Ihnen mitzutheilen, daß die von Laugier verführten Toskaner auf die Nachricht, daß ich mit General Apice von San Quirico her anrücke, alsbald ihre Absicht erklärten, sich nicht gegen ihre Mitbürger zu schlagen. Sie zogen sich auf Montemagno zurück, wo Laugier eine Kanone hatte; mehrere Kompagnien auf Camajore und nachher, den letzten Berichten zufolge, auf Piétra-Santa.
Wir hielten in Camajore um 5 1/2 Uhr Abends, unter dem Geläute der Glocken und dem Beifallsruf der herbeigeströmten Land- [1313] bevölkerung unsern Einzug. Das Volk rief: Es lebe die provisorische Regierung! Es lebe Italien! Es lebe die Freiheit! Die Munizipalität empfing uns mit Herzlichkeit und überreichte uns eine Glückwunsch-Adresse. Ich habe hier die beruhigende Nachricht erhalten, daß Petracchi ebenfalls mit seiner Kolonne in Folge der gleichen Gemüthsstimmung unserer dortigen toskanischen Brüder in Viareggia eingerückt ist.
Ueber die Bewegungen der Piemontesen habe ich nichts Neues erfahren. Ich habe bloß einen Freund von Gioberti sowohl als mir nach Zarzana gesandt, um zu hören, ob die Piemontesen den Auftrag hätten, die Freiheit in Toskana zu unterdrücken. Bei einer bejahenden Antwort sollte er mir's sofort zu wissen thun; im entgegengesetzten Falle seine Reise nach Turin fortsetzen. Ich habe diesen Freund nicht wieder gesehen, was mich glauben läßt, daß die piemontesische Intervention nur eine Erfindung (?) des Verräthers Laugier war. Sollten die Piemontesen wider das Völkerrecht und gegen ihr eignes Interesse die Gränze überschreiten: so würden wir ihnen mit Oelzweigen an unsern Waffen entgegengehen und wir sind sicher, daß wir sie gegen den gemeinsamen fremden Feind zur Vertheidigung des gemeinsamen Vaterlandes mit uns führen würden.
Ich glaube, diese Nachrichten werden allen edlen Herzen zur Freude gereichen. In der Hoffnung, Ihnen bald noch bessere zu senden, bin ich etc.
Camajore, 22. Februar.
[ Guerrazzi. ]
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@facs1313
[ * ] Genua, 24. Febr.
Laugier's Flucht auf piemontesisches Gebiet wird vom „Corriere mercantile“ bestätigt. Dieser nachäfferische Windischgrätz wurde von seinen Truppen bis auf etwa 30 Mann verlassen, mit denen er die piemontesische Gränze überschritt. In Florenz gab's am 21. d. eine große Aufregung, da reaktionäre Agenten einige Ortschaften der Umgegend aufzureizen versucht hatten und auf den nahen Bergen Feuerzeichen erblickt wurden. Der Plan der Freiheitsfeinde scheiterte aber gänzlich an der Wachsamkeit der Florentiner. Aehnliches kam in Pistoja vor. Die provisorische Regierung hat darauf folgendes Dekret erlassen:
„Volk von Florenz!
Die Signale einer reaktionären Bewegung zeigten sich gestern auf den nahen Hügeln; allein in deinen Augen, o Volk von Florenz, glänzte eine andere Flamme, die heilige Flamme der Freiheit! Indem Du Dich von freien Stücken mit Entschlossenheit und Einmüthigkeit gegen dieses Attentat der Fremden erhobst, zeigtest Du, welcher Gefahr sich diejenigen aussetzten, die Dich zum Mitschuldigen ihrer finstern Pläne machen wollten... Um den Charakter dieses reaktionären Versuchs zu bezeichnen, genügt es zu bemerken, daß man rief: Es leben die Oestreicher! Der gemeinschaftliche Feind Italiens möchte durch solche Mittel sich den Weg zu der von ihm so lange ersehnten Invasion anbahnen u. s. w.“
Dieses Dekret ist datirt Florenz, 22. Febr. und unterzeichnet: Manzoni, Montanelli. Am nämlichen Tage setzte die Regierung eine Militärkommission nieder, um summarisch über alle Attentate gegen die Ordnung, die Clubs, gegen Personen und Eigenthum abzuurtheilen. Das Urtheil muß jedesmal binnen 24 Stunden vollstreckt sein. Ein anderes Dekret befiehlt allen Hausbesitzern, die Florenz ohne hinreichende Gründe verlassen haben, binnen 3 Tagen zurückzukehren, oder, so lange ihre Abwesenheit dauert, eine tägliche, ihrem Vermögen angemessene Steuer zu entrichten.
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@facs1313
[ * ] Turin, 24. Febr.
Es hat sich herausgestellt, daß nicht 40,000 sondern nur 7000 aufgestachelte Bürger für Wiedereinsetzung des modernen Jesuiten Gioberti petitionirten.
Die jüngst von hier abgereisten Römischen und Florentinischen Delegirten werden wieder hierher zurückkehren.
Um und in Mailand scheint es stark zu gähren. Wenigstens sah sich Radetzki genöthigt, in der nächsten Umgegend starke Truppenabtheilungen zusammenzuziehen. So ist El Durino militärisch besetzt und in Belagerungszustand erklärt worden.
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@facs1313
[ * ] Rom, 20. Febr.
Nusconi, Minister des Aeußern, las die jüngste Protestation des Pabstes, d. d. Gaëta 14. Febr., auf welche die Rede zufällig gekommen war, vor, und die ganze Nationalversammlung rief einstimmig: „Es lebe die Republik!“ Das ist die einzige Antwort, die dieser Protestation zu Theil wurde. Auf Nusconi's Antrag wird dieses „Lügendokument“ (wie es in der Constituante genannt wurde) zum Beweise, wie man es verachtet, in der amtlichen Gazetta wörtlich erscheinen.
Zwischen Ferrara und Bologna sind die in Folge der österreichischen Ueberrumpelung gehemmten Verbindungen wieder frei geworden. Die Entrüstung, welche dieser Ueberfall hervorruft, steigert den Haß der Landbewohner bis zur Wuth gegen die Kroaten.
Polen.
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@facs1313
Krakau, 24. Februar.
Es wurden gestern 5 Bauern, von Gensd'armen geleitet, durch die Stadt geführt, ich weiß nicht, waren es Rekrutirungspflichtige aus dem Bezirke, oder wie einige sagen, aus Galizien, die sich hieher geflüchtet, oder waren es Diebe, wie andere vermuthen; genug, zwei von ihnen waren mit Ketten belegt, die andern mit Stricken an einander gebunden, und auf ihren Ruf: „man will uns zum Militär nehmen“, sammelte sich gleich ein Haufe Handwerker, Bauern und junge Leute um sie herum, warfen sich über die Gensd'armen, entwaffneten einen um den andern und schlugen sie blutig; 3 Bauern wurden die Stricke abgeschnitten, und entkamen, die beiden andern wurden von einer herbeieilenden Patrouille zuerst auf die Hauptwache und hierauf Abends auf einer Fuhre nach dem Schloß geführt. — Trübe erwarten wir, was uns die nächste Woche bringt.
[(C. Bl. a. B.)]
Schweiz.
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@facs1313
[ 217 ] Bern, 28. Febr.
Der Neutralitätsrath in Bern vervollkommnet sich täglich mehr. Von Anerkennung der römischen Republik keine Rede! Das neueste Bundesblatt enthält unter dem Verzeichniß der auswärtigen Diplomaten noch den prangenden Titel des Gesandten Sr. apostolischen Heiligkeit.
Donaufürstenthümer.
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@facs1313
Von der bosnischen Gränze. In Travnik sind gegen 30,000 Mann türkischer Truppen versammelt; Einige wollen wissen, diese Zusammenziehung sei durch die Annäherung russischer Kolonnen veranlaßt worden; die meisten Vermuthungen deuten auf eine Absicht gegen Serbien selbst, deren Ausführung im nächsten Monat erfolgen soll. In Bosnien sollen gegen 25,000 Rajas konskribirt worden sein, die sich auf den ersten Befehl in Travnik zu versammeln hätten, jedoch nur mit 2 Pistolen der Mann bewaffnet, dagegen muß Jeder mit einer Schaufel versehen sein. — Letzter Tage sollen von Konstantinopel her bedeutende Munitionstransporte in Travnik angelangt sein, über deren Verwendung der Vesir eben jetzt berathen läßt.
[(Oest. C.)]
Französische Republik.
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@facs1313
Paris, 2. März.
Der Moniteur, unter allen Regierungen seit vierzig Jahren, ausschließlich das Organ trockener Thatsachen, wird von dem jetzigen Kabinet als Hauptgeschütz benützt, um den Sozialismus oder die rothen Republikaner zu vernichten.
So enthält er heute nicht weniger als zwei volle Spalten, die in einem akademischen Blatt viel besseren Platz finden. Man höre:
„Die sozialistische Partei befand sich am Vorabend der schrecklichen Junitage in ihrer ganzen Stärke. Sie wagte es, der Staatsgesellschaft eine Schlacht zu liefern. Im Januar 1849 nahm sie, schon durch eine erste Niederlage geschwächt, zu der Waffe wühlerischer Minoritäten — zu Komplotten ihre Zuflucht. Heute (2. März) hat sie auch dieses Stadium schon überschritten und es bleibt ihr nur noch übrig, zu den Systemen der Agitation und Beunruhigung zu greifen. Sie arbeitet daran, die Ruhe des Landes durch äußere Demonstrationen zu stören, da sie daran verzweifelt, das Land je wieder regieren, erobern oder überrumpeln zu können. Wir führten neulich schon mehrere Thatsachen an, welche diese Propaganda des im Sterben liegenden Sozialismus an's Tageslicht zogen. Wir fahren heute damit fort. — Solche Thatsachen an die Tageshelle ziehen, heißt sie ächten.“
Nach dieser Einleitung erzählt der Moniteur die Maskerade, die am 24. Februar zu Ehren der Revolutionsfeier in Clermont-Ferrand, Saint Céré, Langeac und in einigen andern rothen Dörfern stattfanden.
— Ein zweiter Artikel des Moniteur ist gegen Ledru-Rollin's Rede am vorigen Sonntagsbankette gerichtet, in welcher der Chef der Bergpartei gesagt hatte, daß das Ministerium die Pariser Besatzung häufig aus dem Grunde wechsele, um sie gegen die Pest des Kommunismus zu schützen. Es werde sich aber irren, denn auf diese Weise würde die Pest aus dem Herzen Frankreichs in seine übrigen Glieder getrieben. Der Moniteur erwidert darauf, daß die übrigen Glieder das Ungeheuer des Sozialismus zurückstoßen. Frankreich sei nicht sozialistisch.
— Auf Ansuchen mehrerer Handelskammern läßt das Ministerium mehrere Faktoreien in Californien behufs der Deponirung franz. Waaren anlegen.
— Im Ministerium werden große Anstalten — nicht zur Intervention in Italien, sondern für einen großen Ball getroffen, den Madame Drouin de Lhuys zu Ehren des Präsidenten Bonaparte gibt.
Auch im Elysée Bourbon ist für den 26. März ein großer Maskenball angesagt. Dort hängt der Himmel voller Freuden! Uebrigens geht das Gerücht: Changarnier habe diesen Vormittag dem Bonaparte die Epistel einer Verschwörung gegen sein Leben mitgetheilt und ihn gewarnt, heute Abend nicht wie gewöhnlich zu Madame Howard zu gehen, weil man ihm auflauere. Wir geben diese Gerüchte eben wie wir sie hören wieder, ohne sie zu verbürgen.
— In der heutigen Nationalversammlungs-Sitzung erlitt das Ministerium bei der Staatsrathsdebatte eine neue Niederlage.
— Gestern hatten sich etwa 200 Studenten zu ihrem gewöhnlichen Monatsbankett im Saale der vereinigten Köche an der Barriere du Maine versammelt; als ein Polizei- Commissarius erschien, der dem Gesetze von 1790 gemäß dem Bankett als Protokollführer beizuwohnen erklärte. Man erwiderte ihm, daß die 1848er Verfassung über dem Gesetz von 1799 stehe und wies ihn zurück. Der Polizei- Commissarius ging ab und das Bankett schritt vor sich. Inmitten der Reden, an denen die Deputirten Pierre Leroux etc. Theil nahmen, stürzte derselbe Polizeikommissarius an der Spitze eines ganzen Heeres von Polizeiagenten in den Saal und sprengte die Gesellschaft, die sich durch keine Gewaltthätigkeiten entehren wollte, auseinander.
Die „Revolution“ enthält heute eine Protestation gegen jenen Einbruch in die Vereinsrechte.
National-Versammlung. Sitzung vom 2. März. Anfang 1 1/4 Uhr. Präsident Marrast.
Das Protokoll wird verlesen.
Auf den Bänken cirkuliren viele Journale, namentlich Moniteur und Revolution, wegen der Artikel gegen die Sozialisten und Ledru-Rollin, eben so wegen der Auseinandersprengung des Studentenbanketts an der Barriere.
Man diskutirt lebhaft.
Demians, Brea, Chapot bitten um Urlaub. (Bewilligt).
Emil Leroux legt seinen Ausschußbericht über den Antrag nieder, keinen Urlaub mehr ohne genaue Prüfung durch einen Ausschuß von 15 Gliedern zu bewilligen. (Beifall).
An der Tagesordnung ist die Staatsrathsdebatte (dritte Deliberation), die gestern Abend bis Artikel 47 vorrückte, der von den contentiösen Angelegenheiten, von den Streitigkeiten der Beamten oder Behörden unter einander, kurz von den Kompetenzkonflikten zwischen Höher- und Niedriggestellten handelt und wofür von Parieu gestern Abend eine neue Fassung vorgeschlagen wurde.
Martin (Straßburg) bekämpft diese neue Fassung, indem sie dem Ministerium Gelegenheit verschafft, die ihm mißliebigen streitigen Fälle an sich zu ziehen und sich somit zum Richter und Ankläger zugleich aufzuwerfen.
Barrot (Justizminister) unterstützt die neue Fassung, um sich das Revindikationsrecht zu sichern.
Isambert folgt ihm auf der Bühne und ruft dem Minister trotz seiner schwachen Stimme mit vieler Energie zu, daß er die Gebräuche der Monarchie wieder herzustellen trachte. Er wolle aus dem Staatsrath wieder die alte Maschine machen.
Barrot bekämpft ihn wiederholt, und sagt, der Staatsrath dürfe kein politischer Körper werden.
Combarel de Leyval erklärt diesen Grundsatz exorbitant und ruft einen fürchterlichen Lärm hervor.
Bechard, Last#yrie und Faucher (Minister des Innern) treten in die Arena. Die Debatte nimmt einen wichtigen Charakter an.
Endlich schlägt Vivien folgende motivirte Tagesordnung vor:
„In Betracht, daß bei den Fällen, welche in den Artikeln 65 bis 80 des Staatsrathsgesetzes bezeichnet sind, das Gutachten des Staatsrathes und der Regierung eingeholt werden müsse, geht die National-Versammlung zur Tagesordnung über.“
Boulatignier schlägt eine unwesentliche Aenderung vor. Diese begründete Tagesordnung geht mit bedeutender Mehrheit durch. (Großes Aufsehen im Saale).
Die Versammlung geht zu Artikel 60 u. s. w. über.
Dabeaux stellt zu Artikel 61 den Antrag:
„Die nächste legislative Kammer hat in der vorgeschriebenen gesetzlichen Form zur Ernennung der Totalität der Glieder des Staatsraths laut Artikel 10, 11 und 12 des gegenwärtigen Gesetzes zu schreiten.“
Er entwickelt seinen Antrag. Die jetzige Constituante, sagt er, werde sich doch keine größeren Rechte anmaßen wollen, als die frühere, welche den Entschluß faßte, daß keines ihrer Glieder in die nächste Legislatur gewählt werden könne u. s. w.
Dieser Antrag wird mit 454 gegen 289 Stimmen verworfen.
Hier unterbricht Martin Bernard die Debatte.
Martin Bernard (vom Berge): Es hat gestern, beginnt er, eine so schreiende Verletzung des durch die Verfassung garantirten Vereinsrechts an der Barriere du Maine stattgefunden, daß ich hiermit um die Erlaubniß bitte, mir einen Tag zu bestimmen, an welchem ich den Minister des Inneren hierüber zur Rede stellen kann. (Morgen! Morgen!)
Die Versammlung nimmt die Debatte wieder auf.
Base, Derode, Lherbette und Andere stellen verschiedene Anträge rücksichtlich des Modus und der Zahl der zu ernennenden Glieder des Staatsrathes.
Derode will sie nicht durchs Loos, sondern serienweise von drei zu drei Jahren durch Wahllisten geschaffen haben.
Dieser Antrag wird mit 431 gegen 317 Stimmen verworfen. Die Sitzung wird um 6 Uhr geschlossen.
Großbritannin.
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@facs1313
[ * ] London, 2. März.
In der gestrigen Sitzung des Unterhauses war nur ein Antrag Lord Ashley's von Bedeutung. Der philantropische Lord schlug nämlich eine Kommission vor, welche sich damit zu beschäftigen habe, in wie weit es praktisch und möglich sei, zu dicht bevölkerte Gemeinden in der Weise zu theilen, daß auf jede neue Abtheilung nicht mehr als 4000 Seelen kämen. Neue Taxen und Angriffe auf langbestende Rechte, glaubte Lord Ashley zur Durchführung seines Planes nicht nothwenig, wenigstens so lange nicht, als die Mittel der Kirche noch nicht erschöpft seien. Das Haus beschäftigte sich mit diesem Antrage fast den ganzen Abend lang, indem eine Menge unbedeutender Redner dafür und dagegen das Wort ergriffen.
[Redakteur en chef: Karl Marx. ]
[Leserbrief]
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@facs1313
Creuznach, den 2. März 1849.
Vor einigen Tagen starb hier ein sehr eifriges Mitglied des hiesigen demokratischen Vereins. Mit großer Bereitwilligkeit erklärte der Verein, für die arme Mutter des Verstorbenen das Begräbniß zu besorgen, konnte aber leider nichts weiter über diese durch Pfaffen bearbeitete arme Frau vermögen, als daß sie erlaubte, die Leiche zu tragen und mit Trauermusik zu begleiten.
Dnr Zug bewegte sich in schönster Harmonie nach dem Grabe. Die Feier wurde aber gestört, indem ein „schwarzer“ Mann einen grellen Mißton in sie zu bringen wußte.
Nachdem der Mann des Friedens sein salbungsvolles, Erbarmen flehendes Gebet mit geschlossenen Augen hergesagt hatte, erging er sich in einer Kritik des Lebenswandels des Verstorbenen und bezeichnete ihn als ein verblendetes Opfer der Verführung und der Leidenschaften. In salbungsvollem Schwung fuhr er über die Führer und Verführer des Volkes her, geiferte und ereiferte sich über die Demokratie, alles in Anwendung auf den Verstorbenen.
So ehren diese unduldsamen Feiglinge die Todten, und wer nicht in ih Horn bläst, wer nicht zu ihrer folgsamen Heerde, hierorts „die Hutbumm-rler“ genannt, gehört, der verfällt ihrer Schmähung, der wird mit ihrem schmutzigen Koth beworfen, selbst noch an dem Orte, wo nach ihrer stets mit Salbung genannten Lehre alle Feindschaft aufhören soll. So vergißt ein sogenannter christlicher Seelsorger in seiner Leidenschaft den ersten Grundsatz der christlichen Lehre.
Und dies an einem Orte, wo eine Erwiderung durch strenge Strafgesetze geahndet wird und der Geiferer daher geschützt ist.
Schon bei den ersten Worten der unduldsamen Rede verließen sämmtliche Demokraten, aus denen der Trauerzug fast ganz allein bestand, das Grab ihres Freundes und überließen das Salbadern dem Ohrenschmause einiger alten Weiber.
Dagegen erließ der Vorstand des Vereins unmittelbar darauf eine Einladung zu einer des Verstorbenen würdigeren Todesfeier auf Sonntag im Vereinslokal.
Für die Nacht wurden nun die Wachen verdoppelt, gemischte Patrouillen von Militär und Bürgerwehr durchzogen mit Geräusch die Umgebung der Wohnung des „Dieners des Herrn“. Schleppsäbel rasselten auf dem Straßenpflaster, das Militär, mit der Kugel im Laufe und haarscharf geschliffener Klinge, die ganze hohe Polizei, die Feldhüter mit eingerechnet, Alles war auf den Beinen, um die gesalbten Ohren des Seelenhirten vor der Melodie einer Katzenmusik zu bewahren.
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@facs1313
Motto: Langsam wächst der Strom, bis er die Ufer überschreitet und überfluthet Alles!
Zur Beherzigung des Tabaks- und Cigarren-Fabrikanten J. J. Claasen Wilhelm Sohn und eines unpartheiischen Gewerbegerichts! Tritt den Arbeiter, welcher Dir das Brod verdient, nicht mit Füßen und gieb ihm sein Recht!
Herr J. J. Claasen Wilhelm Sohn, Tabak- und Cigarren-Fabrikant, wohnhaft Trankgasse in Köln, gab seinen Cigarrenarbeitern täglich 3 1/2 Pfd. nasses Kentuckdeckgut, woraus sie ihm 700 Cigarren liefern sollten. Jeder, der auch nur Wickelmacher gewesen, wird wissen, daß dies rein unmöglich ist; trotzdem wollte dieser kleine Despot es möglich gemacht haben, er trotzte auf seine Oberherrschaft, und es sollte geschehen. Was that dieser Mensch, er gab nicht mehr und um 3 Uhr Nachmittags hatten seine Arbeiter nichts mehr zu thun und mußten zu seinem Vergnügen bis 7 Uhr Abends in der Fabrik bleiben und müßig gehen.
Hr. Claasen und sein Meister hätten sich nun leicht von ihrem Irrthume überzeugen können, verstanden aber leider beide nichts von der Arbeit. Um über ihre Unwissenheit und Abscheulichkeiten nicht den geringsten Zweifel zu lassen, wollte Despot Claasen auch noch das nach seiner Meinung zu viel verbrauchte Deckgut den armen Arbeitern in Abrechnung bringen. Durch diese ungerechte Handlungen, ebenso durch zu schwachen Verdienst bewogen, fanden sich die Arbeiter genöthigt, Despot Claasen zu erklären, daß sie die Arbeit einstellen müßten, wenn er diese Verhältnisse nicht ändere. Doch vergebliche Mühe! Armer Arbeiter, kannst du nicht durch Association das Kapital der Mächtigen unterdrücken, so wirst du nie zu Ansehen gelangen, man wird dich immer nur als Sclave, nicht als Mensch betrachten. Zur Sache! Despot Claasen änderte nichts und 6 Cigarrenarbeiter nahmen ihre Entlassung. Despot Claasen mußte aber durch das Gewerbegericht dazu gezwungen werden, daß er den Arbeitern ihre Atteste ausstellte. Jetzt sollte man glauben, die Sache sei beendigt; beim Abholen der Atteste zieht Atleth Claasen seinen Rock aus, um an seinen Arbeitern nach russischer Manier seine Menschenwürde zu bekunden. Nach Verlauf von 8 Tagen kehrt einer der Ausgeschiedenen Pater peceavi sagend zurück und erklärte, er sei verführt worden, worauf er vom Triumphator wieder Arbeit erhielt. Doch 10 Arbeiter, welche geblieben, weil sie den vollen Tag Arbeit und besser Verdienst hatten, wollten diesen zurückgekehrten Meineidigen nicht mehr in ihrer Mitte haben, weil er seine Kameraden verläumdet hatte, indem er der erste gewesen, welcher die Andern zum Einstellen der Arbeit aufgefordert hatte. Diese 10 Arbeiter forderten den Triumphator Claasen auf, er möchte den Verläumder allein arbeiten lassen oder sie kündigten ihm alle die Arbeit auf. Despot Claasen gebot ihnen unverzüglich mit Ev. Heiden (so ist der Name des reuigen Sünders) zu arbeiten, widrigenfalls er sie ohne 14 tägige Kündigung entlassen würde. Die Arbeiter klagten deshalb beim Gewerbegericht und es wurde beschlossen, daß der Ev. Heiden in einem besondern Zimmer arbeiten sollte. Triumphator Claasen mußte sein Ehrenwort abgeben, daß er dieses thun wolle. Doch Groll und beleidigter Stolz, daß das Gewerbegericht über ihn, den gewaltigen Renegaten (er ist ein ausgekniffener Holländer) Macht habe, bewog ihn, schon am 2. Januar dem Ev. Heiden seinen alten Platz wieder unter den übrigen Arbeitern anzuweisen. Als die 10 Arbeiter, welche festern Charakter hatten, als der Renegat Claasen, sahen, daß an ein Uebereinkommen nicht zu denken war, verließen sie ihre Arbeit. Zweiter Abschnitt!
Rechtsprechen eines Gewerbegerichts, welches von den Märzereignissen nicht erschüttert wurde und auf seinem „gesetzlich angestammten Rechtsboden“ aus X Zeiten unerschütterlich fest hält.
Die Eltern der beiden Wickelmacher Funk und Lichtenberg klagten beim Gewerbegericht, daß Despot Claasen ihnen nicht die 14 Tage gekündigt habe, doch trotz der klaren Thatsache wurde Claasen nicht verurtheilt, die Leute zu zahlen. Aber das Schönste vom Ganzen ist, daß dieses hochweise Gewerbegericht schon früher erklärt hatte, der Wickelmacher stände nicht im Dienste des Cigarrenarbeiters, sondern im Dienste des Fabrikherrn. Das Gesetz besagt ausdrücklich, daß kein Arbeiter ohne vorher 14 Tage gekündigt zu haben, die Arbeit verlassen darf, ebenso darf kein Meister oder Fabrikherr einen Arbeiter ohne 14 tägige Kündigung fortschicken. Hatten nun die Gewerbe-Verständigen an dem Abend Verstand zu viel oder fehlte es an demselben?
Vielleicht hatten die Herrn Tabaks-Fabrikanten Scheber und Sömer, welche mit als Gewerbverständige saßen, ein wenig vorgearbeitet! wir wissen es nicht, aber Funk und Lichtenberg wurden mit ihrer Klage abgewiesen und ihnen bemerkt, sie möchten, wenn sie die 14 Tage bezahlt wollten haben, ihre Cigarrenarbeiter belangen lassen. Funk klagte nun gegen Erven, Erven ließ Scheber und Sömer als Partei recussiren. Die Herrn Gewerbeverständigen im unbegreiflichen Widerspruche mit ihrem frühern Urtheile, wiesen auch jetzt Funk mit seiner Klage ab. Wundere man sich nicht über solche empörende Ungerechtigkeiten. Der Grund liegt hier vor.
Nur Fabrikherrn und Meister, aber keine Gesellen sitzen hier zu Rath, und urtheilen über schutzlose Arbeiter; was Wunder, wenn diese Menschen ihren frühern Standpunkt vergessen, wo sie vielleicht selbst über ihre Meister geklagt haben, wo sie vielleicht selbst im strengsten Winter ohne Arbeit, halb baarfuß das Felleisen mit Stroh, statt mit Kleidungsstücken, angefüllt, über die Landstraßen sich geschleppt und von einer Thür zur andern gefochten haben. Gerechtigkeit! wo hast du dich versteckt? Der 2 Mal Abgewiesene fragte nun, woran er sich wenden solle, um zu seinem Rechte zu gelangen; man wieß ihn an Herrn Bredt, Zuckerfabrikbesitzer, auf dem Katharinen-Graben. Funk wandte sich an diesen Mann und erhielt nicht nur seine 14 Tage vergütet, sondern 8 Sgr. für seine Mühe. Lichtenberg, welcher dieses erfuhr, und dieselben Ansprüche hatte, erschien in einer Woche 4 Mal beim Secretär Bremmer um zu klagen, wurde aber abgewiesen und ihm bemerkt, Funk habe dieses der Güte des Herrn Bredt zu verdanken. Sollte Herr Bredt so gütig sein, dies wäre zu wünschen, doch schwerlich! Die einfache Sache ist die, die Gewerbeverständigen wußten sich nicht anders aus der Schlinge zu ziehen. Wir begreifen aber die Willkür des Secretärs Bremmer nicht, welcher für seine Mühe doch bezahlt wird und gar kein Recht hat, Jemanden abzuweisen. Die Aufforderung an den Gewerberath ergeht deshalb, für die Bezahlung des v. Lichtenberg zu sorgen, indem wir von jeder Ungerechtigkeit völlig überzeugt sind und Mittel in Händen haben, seiner Ungerechtigkeit öffentlich zu rügen. Die Revolution von 1848 ist an dem Gewerbegericht spurlos vorübergegangen, die von 1849 wird auch diesen Augiasstall zu reinigen haben. Thue Recht und scheue Niemand, Gewerberath!
[1314]
[Anzeigen]
Handelsnachrichten.
gap: insignificant
Getreide und Oelpreise zu Köln.
gap: insignificant
@typejAn
@facs1314
Schifffahrts-Anzeige.
Köln, 3. März 1849.
In Ladung.
Nach Ruhrort bis Emmerich Wlm. Pesch. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr A. Meyer. Nach Andernach und Neuwied Jos. Krämer u. H. Schumacher. Nach Koblenz, der Mosel, der Saar und Luxemburg Jac. Tillmann. Nach der Mosel, der Saar und nach Trier Joh. Castor. Nach Mainz Ph. Kimpel. Nach dem Niedermain Fr. Schulz. Nach dem Mittel- und Obermain Seb. Seelig. Nach Heilbronn G. Goob. Nach Worms und Mannheim X Sommer.
Ferner: Nach Rotterdam Capt. Willemsen, Köln Nr. 6.
Nach Amsterdam Capt. Scholten, Köln Nr. 8.
Rheinhöhe: 12′ 2″. Köln. Pegel.
@typejAn
@facs1314
Bekanntmachung über das nächtliche Durchlassen der Rheinischen Schlepp-Dampfschiffe durch die Schiffbrücke zu Köln.
Vom 1. März d. J. ab wird den Schlepp-Dampfschiffen des Nachts die Brücke geöffnet, und zwar:
  • 1) nach einer (bis des Abends 6 Uhr) vorhergegangenen schriftlichen Anzeige an den Brükkenmeister;
  • 2) für die zu Thal kommenden Schiffe, nachdem solche von der Altenburg an bis zum Bayenthurme drei Signalschüsse abgegeben haben;
  • 3) für die zu Berg kommenden Schiffe nach zweimaligem Läuten mit der Glocke;
  • 4) so lange die beiden rothen Signal-Laternen ‒ welche die statt gefundene Oeffnung der Brücke bezeichnen ‒ nicht aufgezogen, darf ein zu Thal kommendes Schlepp-Dampfschiff sich der Brücke nur so weit nähern, daß es immer noch im Stande ist, im Behinderungsfalle oberhalb der Brücke mit Sicherheit wenden und landen zu können;
  • 5) kein Schleppschiff darf bei der Thalfahrt ein Anhängeschiff mit sich führen;
  • 6) nur bis zu einem Wasserstande von + 10′ am hiesigen Regierungs-Pegel kann die Brücke für die Thalfahrt geöffnet werden; dagegen für die Bergfahrt bis + 14′ a. M.;
  • 7) für die Thalfahrt wird gewöhnlich das 1., 2. und 3. Joch, für die Bergfahrt das 2. und 3. Joch, zunächst der kölner Landbrücke zum Durchlaß geöffnet.
Wenn den vorstehend sub 1 bis incl. 7 bemerkten Bestimmungen zuwidergehandelt wird, so hat die betreffende Schleppschifffahrts-Gesellschaft allen dadurch möglicher Weise entstehenden Schaden an der Brücke zu ersetzen.
Köln, den 27. Februar 1849.
K. Komandantur. K. Regierung.
@typejAn
@facs1314
Bekanntmachung.
Die Anlieferung der Faschinen und Pfähle, welche zu den Wasserbauten am Rheine, im Regierungsbezirk Köln, besonders an den rechtseitigen Ufern oberhalb Lülsdorf und bei Wiesdorf im laufenden Jahre gebraucht werden, soll im Wege der Submission verdungen werden. Die Bedingungen sind bei der königl. Steuerkasse zu Königswinter und beim Unterschriebenen einzusehen.
Die versiegelten, gehörig bezeichneten Offerten werden bis zum 15. März c., Vormittags 11 Uhr, vom Unterschriebenen am Hof Nr. 33 in Köln angenommen, zu welcher Zeit sie eröffnet werden. Nachgebote bleiben unbeachtet.
Köln, den 27. Februar 1849.
Der königl. Wasserbau-Inspektor, Schwedler.
@typejAn
@facs1314
Bekanntmachung.
Die Anlieferung der in den Jahren 1849, 1850 und 1851 zu den Rheinwasserbauten im Regierungsbezirk Köln erforderlichen Basaltsteine soll im Wege der Submission verdungen werden. Die der Lieferung zum Grunde zu legenden Bedingungen sind bei der königl. Steuerkasse zu Königswinter und beim Unterschriebenen einzusehen.
Die versiegelten, gehörig bezeichneten Offerten werden bis zum 14. März c., Vormittags 11 Uhr, vom Unterschriebenen angenommen und zur angegebenen Zeit eröffnet werden. Nachgebote bleiben unberücksichtigt.
Köln, den 27. Februar 1849.
Der Wasserbau-Inspektor, Schwedler, am Hof Nr. 33.
@typejAn
@facs1314
Bekanntmachung.
Sämmtliche Fabrikherren hiesiger Stadt und der Bürgermeistereien Deuz, Rondorf, Longerich und Müngersdorf, sowie alle innerhalb dieses Sprengels ihr Gewerbe treibenden Handwerker, welche wenigstens acht Thaler Gewerbesteuer jährlich entrichten, imgleichen alle in diesem Sprengel beschäftigten Werkmeister werden hiermit benachrichtigt, daß am Donnerstag, 15. März dieses Jahres, Morgens 10 Uhr, in dem großen Saale des hiesigen Rathhauses behufs der theilweisen Erneuerung der Mitglieder des Königlichen Gewerbgerichts hierselbst zur Wahl
  • 1) Eines Mitgliedes unter den Professionisten oder Werkmeistern ohne Rücksicht auf's Gewerbe,
  • 2) eines Mitgliedes unter den Werkmeistern, Webern und Färbern oder Druckern der Seiden-, Baumwollen- und Leinen-Manufakturen und Spinnereien,
  • 3) eines Mitgliedes unter den Modearbeitern, Schneidern, Kürschnern, Handschuh-, Hut-, Kappen-, Schuh- und Stiefelmachern, Haararbeitern, Band- und Seidenwebern,
  • 4) eines Mitgliedes unter den Fabrikherren der Stärke-, Tapeten-, Nadel-, Porzellan-, Wagen-, Metallrohr-, Maschinen-, Neusilber-, Siegellack- und Buntpapierfabriken, sowie der Eisengießereien,
  • 5) eines Mitgliedes unter den Fabrikherren der Tabakfabriken,
  • 6) eines Stellvertreters unter den Fabrikherren ohne Rücksicht auf's Gewerbe,
  • 7) eines Stellvertreters unter den Professionisten oder Werkmeistern ohne Rücksicht auf das Gewerbe

geschritten werden soll.
Die Eingangs bezeichneten Stimmberechtigten werden daher eingeladen, an gesagtem Tage und Stunde zur Wahl sich einzufinden, vorher aber in das auf dem Rathhause hierselbst offen liegende Register sich einschreiben zu lassen und über die Entrichtung der Gewerbsteuer in der oben angegebenen Höhe oder über ihre Eigenschaft als Werkmeister sich auszuweisen.
Köln, am 17. Februar 1849.
Der kommiss. Ober-Bürgermeister, Graeff.
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Einladung für die hiesigen Einwohner, welche mindestens zwanzig Thaler Gewerbsteuer für das laufende Jahr zu entrichten haben, zu der von der Königlichen Regierung angeordneten, alljährlich Statt findenden Erneuerungswahl der Mitglieder und Stellvertreter der Königlichen Handelskammer, welche am Dienstag den 13. März d. J., Morgens neun Uhr, in dem großen Saale des Rathhauses, unter dem Vorsitze des Unterzeichneten Statt haben wird.
Köln, den 15. Februar 1849.
Der komm. Ober-Bürgermeister, Graeff.
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Aus der Königlichen Handelskammer werden austreten die im Jahr 1846 gewählten
MitgliederStellvertreter
Herren:
Ignatz Seydlitz.Jakob Bel.
Franz Hagen.Math. Schmitz.
L. T. Rautenstrauch.Julius Nacken.
Wilh. Meurer.Gerh. Küchen.
Wilh. Joest.Peter vom Rath.
Pet. Jos. Weiler.
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So eben erschien bei Metzler in Stuttgart:
Allgemeine Deutsche Wechselordnung.
Mit ausführl. Sachregister über alle Bestimmungen dieses Gesetzes, so wie einer alphabet. Belehrung über die im Gesetze und im Wechselverkehr überhaupt vorkommenden technischen Ausdrücke und Alles, was in Wechselgeschäften berücksichtigt werden muß. Für Kaufleute, Rechtsgelehrte, Geschäftsmänner, Beamte u. Gewerbtreibende aller Art bearbeitet von Carl Courtin, Professor.
88 Seiten. gr. 8. Geh. 10 Sgr
Vorräthig in Köln bei Adolph Bädeker, Boisserée DuMont-Schauberg, Eisen'sche Buchh., Lengfeld, J. G. Schmitz; in Coblenz bei K. Bädeker, in Elberfeld bei Jul. Bädeker, in Essen bei G. D. Bädeker, Rotterdam bei A. Bädeker.
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Geldsacks-Brutalität.
Eine der größten Abscheulichkeiten ist das schnelle Fahren der Luxuswagen in den engen Straßen dieser Stadt. Am 26. d. M., Abends 7 Uhr, war Einsonder Zeuge wie eine Karosse in solcher Eile durch die Hochstraße in der Richtung nach Fettenhennen fuhr, daß ein alter Mann ihr nicht ausweichen konnte. Es war an einer gut erhellten Stelle, und der Kutscher mußte genau unterscheiden können, was sich vor den Pferden befinde. Gleichwohl wurden die Pferde so angetrieben, daß der Mann von der Brust des rechten Pferdes getroffen, über den Rinnstein und mit dem Kopf gegen die Wand eines Hauses geschleudert wurde. Ohne sich im entferntesten um das zu kümmern, was er angerichtet, brauste der Staatswagen weiter. Wäre ein armer Droschkenführer der Thäter gewesen, so wäre ohne Zweifel ein Handlanger des öffentlichen Ministerii bei der Hand gewesen und das Weitere hätte sich vor dem Polizeigerichte gefunden.
Einstweilen dür'te es zweckmäßig sein, die Eigenthümer der Fuhrwerke, welche so schonungslos darauf losfahren, jedesmal zu veröffentlichen, an unbekannten Wagen aber die Scheiben einzuwerfen.
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Unterzeichnete empfiehlt sich einem geehrten Publikum in Anfertigung von Matratzen und Federbetten, in chemischer Reinigung der Bettfedern und Pferdehaaren, Neuwaschen der Bettzeuge und gestickter Bettdecken, wie in allen in dieses Fach einschlagenden Arbeiten Durch reelle und prompte Bedienung werde ich mich Allen bestens zu empfehlen suchen.
Kath. Nettesheim.
Sachsenhausen Nr. 9.
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Billard.
Die Eröffnung meines Billards nebst guten Speisen und Getränken, empfehle ich allen früheren Bekannten und jetzigen Billard-Liebhabern bestens.
P. Shupp, Buttermarkt Nr. 46 zum „Vater Rhein.“
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S Man hat sich gemeldet.
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Der Central-Verein für Auswanderung in Cöln und Düsseldorf.
Konstituirt unter dem Schutze und mit Genehmigung der hohen Staats-Regierung übernimmt die Beförderung von Auswanderer über Bremen nach allen überseeischen Häfen von bestimmten Sammelplätzen zu fast normirten Preisen.
Prospektus, Informationen sowie Preis-Verzeichniß sind in unseren Geschäfts-Lokalen Köln, Friedrich-Wilhelmstraße Nr. 6-8.
Düsseldorf, Hohestraße Nr. 914, sowie auf unseren sämmtlichen Agenturen unentgeltlich entgegen zu nehmen.
Chr. Fremery. Joh. Ad. Roeder. L. Spiegelthal.
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Regelmäßige Packetschiffahrt von Antwerpen nach New-York, New-Orleans, Galveston, (Texas und Californien.
Am 5. und 20. jeden Monats.
Ueber die billigst gestellten Ueberfahrtspreise und Frachten ertheilt nähere Auskunft das Handlungshaus C. A. Lindgens in Köln, dasselbe wird mit den Passagieren Verträge abschließen, über die zu empfangenden Gelder quittiren, und ihnen feste Plätze auf dem zuerst von Antwerpen abfahrenden Schiffe zu sichern.
Antwerpen, 5. Februar 1849.
Gustav Merz.
Mit Bezug auf obige Anzeige kann ich den Passagieren nach Nordamerika eine möglichst rasche und billige Beförderung zusichern, und dürfen sich dieselben der besten Verpflegung und humansten Behandlung während der Seereise auf den vorzüglichsten schnellsegelnden amerikanischen Schiffen versichert halten. Um jede nur mögliche Täuschung oder Bevortheilung zu entfernen, sollen etwaige Beschwerden in ein dazu bestimmtes Klagebuch niedergeschrieben werden.
Die Abfahrt ist pünktlich an den oben bestimmten Tagen, und belieben sich die Passagiere zur Reservirung ihrer Plätze zeitig bei mir zu melden.
Auf gefällige portofreie Anfragen bin ich erbötig, jede zu wünschende Auskunft zu ertheilen.
Köln, den 10. Februar 1849. C. A. Lindgens.
Spedition, Incasso undLager von Lithographiesteinen.
Weichserhof, zwischen der Weber und Follerstraße.
Um den Auswanderern desfallsige Anfragen zu erleichtern, werden in der ganzen Rheinprovinz, Bergischen, Westphalen und Münsterlande, Agenten gesucht.
Portofreie Anfragen bei C. A. Lindgens.
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Für Passagiere u. Auswanderer nach New-York.
Die Schiffe der Hamburg-Amerik.-Paketfahrt-Aktien-Gesellschaft unter der Direktion der Häuser Ad. Godeffroy, H. J. Merk et Cp. und F. Laeisz in Hamburg werden unfehlbar an folgenden Tagen von Hamburg expedirt:
1. Das Schiff RheinKapt. Ehlersam 24. März 1849.
2. Das Schiff DeutschlandKapt. Hanckeram 21. April 1849.
3. Das Schiff NordamerikaKapt. Rathjeam 19. Mai 1849.
4. Das Schiff ElbeKapt. Heitmannam 23. Juni 1849.
Ueber obige neuen, dreimastigen, gekupferten Schiffe, welche durch hohes, luftiges Zwischendeck und elegant eingerichtete Kajüten sich auszeichnen, so wie über die billigst gestellten Ueberfahrts-Preise und Bedingungen ertheilt nähere Auskunft der Schiffsmakler August Bolten, Wm. Millers, Nachfolger in Hamburg, und Franz Carl Mainone in Cöln, Haupt-Agent für die Rhein-Provinz.
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Kohlenniederlage von der Zeche Helena & Amalia bei Essen im Köln-Mindener Eisenbahnhofe zu Deutz.
Von diesem neuerrichteten Lager werden nur Kohlen von der Zeche Helena & Amalia, zu den nachstehend verzeichneten sehr billigen Preisen abegeben:
Bestes schweres grobes Fettgeriß, pro Waggon franco Deutz16 Thlr. 10 Sgr.
In Partieen von wenigstens 7 bis 10 Waggons monatlich15 Thlr. 25 Sgr.
pro Malter zu15 Thlr. 20 Sgr.
per Scheffel zu15 Thlr. 5 Sgr.
Fettstückkohlen pro Waggon 80 Berggang franco Deutz25 Thlr. 15 Sgr.
Fettstückkohlen pro Waage á 146 Pfd. zu25 Thlr. 12 Sgr.
Frisch gebrannter Coaks pro Waggon 80 Centner25 Thlr. 15 Sgr.
Frisch gebrannter Coaks pro Centner à 110 Pfd.25 Thlr. 10 Sgr.
Gegen baare Zahlung im Bahnhofe zu empfangen.
Bestellungen in Köln werden von Wilhelm Schnitzler, Telegraphenstraße Nr. 5 und J. J. Badorf, Gereonsdriesch Nr. 9 entgegen genommen.
Bahnhof Deutz im Februar.
K. Mintrop, Faktor.
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VAN EETEN & Cmp. in Antwerpen.
Nachfolger des Herrn JULES VAN EETEN.
Bureau zur Beförderung Auswanderer nach Amerika.
Regelmässige Schifffahrt zwischen Antwerpen und New-York für Passagiere und Güter, durch schöne, gekupferte und kupferfeste gut seegelnde Dreimast-Schiffe, deren Namen zur Zeit werden angezeigt werden.
Die Abfahrten von Antwerpen sind auf den 1., 10. und 20. jeden Monats bestimmt, und nehmen vom 1. März 1849 Anfang
Diese Gesellschaft übernimmt den Transport der Auswanderer nach Amerika mit oder ohne Beköstigung für jede oben erwähnte Abfahrt während 1849, liefert Contrakte für alle Plätze im Inneren der Vereinigten Staaten per Eisenbahn und Dampfschiffe, und expedirt ebenfalls Schiffe nach Baltimore, New-Orleans, Galveston, Rio-Grande, Rio-Janeiro etc. und zwar unter den vortheilhaftesten Bedingungen u. zu den billigst möglichsten Preisen.
Nähere Nachricht ertheilen auf frankirte Anfragen die Herren VAN EETEN et Comp. in Antwerpen, und alle Agenten dieser Gesellschaft in Deutschland.
Antwerpen, den 27. December 1848.
VAN EETEN et Comp
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Taubenfutter.
Ein Partiechen Wicken werden billig verkauft. St. Agatha Nr. 33 an der Schildergasse.
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Ein Dienstmädchen, die einer kleinen Haushaltung vorzustehen weiß, findet Stelle.
Columbastraße 1 A.
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Einige wohlerfahrene Kleidermacher-Gehülfen finden Beschäftigung bei I. H. Schulz & Comp.
Columbastraße 1 A.
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Meine Versetzung von Bensberg an das Königliche Landgericht dahier, zeige ich hiermit ergebenst an.
Köln, den 3. März 1849.
W. Pickart, Gerichtsvollzieher, Schwalbengasse Nr. 9, in der Nähe des Appellhofplatzes.
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Obstbäume und Pflanzen sind in großer Auswahl, so wie auch 15,000 Stück kanadische Pappeln in meiner Baumschule vorräthig und billig zu kaufen.
Reusrath zwischen Opladen und Langenfeld.
Theodor Pohlig.
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Alfred Topf, Kunst- und Handelsgärtner in Erfurt, beehrt sich hiermit, das Erscheinen seines Katalogs für 1849 über Erfurter Gemüse- und Blumen-Saamen, Sträucher und Pflanzen ergebenst anzuzeigen.
Der Katalog enthält außer der reichsten Auswahl aller Gattungen Saamen das Werthvollste und Neueste von Obstsorten, Ziersträuchern, Coniferen, Rosen, Kamellien etc. etc.; er wird auf franco Verlangen frankirt zugesandt.
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Ein Lithograph, der im Schriftfach Vorzügliches leistet und ein Steindrucker, der in allen Manieren dieser Kunst, besonders im Kreidedruck geübt ist, finden unter portofreiem Einsenden ihrer Proben an Unterzeichneten ein gutes Engagement.
Kassel, den 28. Februar 1849.
Georg Koch, Lithograph.
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Konzessionirtes Boudeville-Theater.
Sonntag den 4. März 1849:
Abonnement Suspendu.
Nur die an der Kassa gelösten Billets sind gültig.
Zum Erstenmale Börsenglück oder Einmalhunderttausend Thaler.
Vaudeville in drei Abtheilungen von David Kalisch.
Entree 10 Sgr. wofür Getränke verabreicht werden.
Kinder unter 12 Jahren zahlen die Hälfte. Um dem vielseitigen Wunsche zu entsprechen ist von heute an auch ein Sperrsitz eröffnet.
Kassa-Eröffnung 6 Uhr. Anfang 7 Uhr.
Franz Stollwerk.
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Zu vermiethen und gleich zu beziehen für einzelne Herren zwei meublirte Zimmer straßenwärts, am Hof Nro. 11 und 13.
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Der Gerant Korff.
Druck von J. W. Dietz, unter Hutmacher 17.