Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente.
Fernröhre, nicht gut ausgeführt werden konnte, und daß endlich dadurch diese neuen optischen Instrumente an Schärfe und Licht- stärke sehr gewinnen, weil die Lichtstrahlen, nach ihrem Durchgange durch die zweite Objectivlinse, sich unter viel größeren Winkeln als bisher zu dem Bilde vereinigen, und dadurch dem Bilde selbst mehr Präcision und eine schärfere Begränzung geben.
Auch die frühere Idee Eulers, statt der Gläser besondere Flüssigkeiten zu wählen, hat man in den neueren Zeiten auszu- führen gesucht. Blair und Brewster i. J. 1813 in London, Gi- rard 1822 in Wien, Barlow 1828 und nahe um dieselbe Zeit auch Rogers in Edinburg haben solche Versuche angestellt, die, nach den darüber erhaltenen Nachrichten, sehr glücklich ausgefallen sind. Zu diesen aplanatischen Fernröhren, wie man sie nennt, hat Brewster das ätherische Oel von Cassia und Sassafras, später aber vorzugsweise Schwefelalkohol (sulfuret of carbon) vorge- schlagen, welchen letzteren auch Barlow anwendet. Girard soll Terpentinöl, Marx in Göttingen Kreosot zu den aplanatischen Objectiven gebraucht haben. In Barlow's erstem Fernrohre dieser Art hat das vordere Objectiv von Kronglas 6 Zoll Durchmesser und 4 Fuß Brennweite -- die Flüssigkeitslinse steht von jenem 24 Zoll ab -- und hat einen Durchmesser von bloß 3 Zoll. Ein spä- teres von demselben Künstler verfertigtes hat eine Oeffnung der ersten Linse von 7 4/5 Zoll, in einer Entfernung von 40 Zoll von der zweiten. Dieses Fernrohr, das in seiner ganzen Länge 8,7 Fuß hat, soll so viel leisten als ein gutes achromatisches von 18 Fuß Länge. Beide, die dialytischen sowohl als die aplanatischen Fern- röhre, die im Grunde auf demselben Prinzip, auf der Trennung der beiden Objectivlinsen beruhen, sind noch als in ihrer ersten Entstehung zu betrachten, und man darf der Hoffnung Raum geben, daß durch sie eine neue Epoche in der Geschichte unserer Fernröhre begründet werden wird.
§. 15. (Anwendung der Fernröhre bei den Meßinstrumenten.) Nur wenige Jahre nach der Erfindung der Fernröhre wurden dieselben, wie zu erwarten war, schon auf den Himmel angewen- det. Der berühmte Galilei hatte, wie man sagt, auf eine unbe- stimmte Nachricht von dieser Erfindung, die Zusammensetzung des Fernrohrs errathen, und mit dem ersten von ihm verfertigten
Littrow's Himmel u. s. Wunder. III. 18
Beſchreibung und Gebrauch der aſtronom. Inſtrumente.
Fernröhre, nicht gut ausgeführt werden konnte, und daß endlich dadurch dieſe neuen optiſchen Inſtrumente an Schärfe und Licht- ſtärke ſehr gewinnen, weil die Lichtſtrahlen, nach ihrem Durchgange durch die zweite Objectivlinſe, ſich unter viel größeren Winkeln als bisher zu dem Bilde vereinigen, und dadurch dem Bilde ſelbſt mehr Präciſion und eine ſchärfere Begränzung geben.
Auch die frühere Idee Eulers, ſtatt der Gläſer beſondere Flüſſigkeiten zu wählen, hat man in den neueren Zeiten auszu- führen geſucht. Blair und Brewſter i. J. 1813 in London, Gi- rard 1822 in Wien, Barlow 1828 und nahe um dieſelbe Zeit auch Rogers in Edinburg haben ſolche Verſuche angeſtellt, die, nach den darüber erhaltenen Nachrichten, ſehr glücklich ausgefallen ſind. Zu dieſen aplanatiſchen Fernröhren, wie man ſie nennt, hat Brewſter das ätheriſche Oel von Caſſia und Saſſafras, ſpäter aber vorzugsweiſe Schwefelalkohol (sulfuret of carbon) vorge- ſchlagen, welchen letzteren auch Barlow anwendet. Girard ſoll Terpentinöl, Marx in Göttingen Kreoſot zu den aplanatiſchen Objectiven gebraucht haben. In Barlow’s erſtem Fernrohre dieſer Art hat das vordere Objectiv von Kronglas 6 Zoll Durchmeſſer und 4 Fuß Brennweite — die Flüſſigkeitslinſe ſteht von jenem 24 Zoll ab — und hat einen Durchmeſſer von bloß 3 Zoll. Ein ſpä- teres von demſelben Künſtler verfertigtes hat eine Oeffnung der erſten Linſe von 7⅘ Zoll, in einer Entfernung von 40 Zoll von der zweiten. Dieſes Fernrohr, das in ſeiner ganzen Länge 8,7 Fuß hat, ſoll ſo viel leiſten als ein gutes achromatiſches von 18 Fuß Länge. Beide, die dialytiſchen ſowohl als die aplanatiſchen Fern- röhre, die im Grunde auf demſelben Prinzip, auf der Trennung der beiden Objectivlinſen beruhen, ſind noch als in ihrer erſten Entſtehung zu betrachten, und man darf der Hoffnung Raum geben, daß durch ſie eine neue Epoche in der Geſchichte unſerer Fernröhre begründet werden wird.
§. 15. (Anwendung der Fernröhre bei den Meßinſtrumenten.) Nur wenige Jahre nach der Erfindung der Fernröhre wurden dieſelben, wie zu erwarten war, ſchon auf den Himmel angewen- det. Der berühmte Galilei hatte, wie man ſagt, auf eine unbe- ſtimmte Nachricht von dieſer Erfindung, die Zuſammenſetzung des Fernrohrs errathen, und mit dem erſten von ihm verfertigten
Littrow’s Himmel u. ſ. Wunder. III. 18
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><divn="3"><p><pbfacs="#f0285"n="273"/><fwplace="top"type="header">Beſchreibung und Gebrauch der aſtronom. Inſtrumente.</fw><lb/>
Fernröhre, nicht gut ausgeführt werden konnte, und daß endlich<lb/>
dadurch dieſe neuen optiſchen Inſtrumente an Schärfe und Licht-<lb/>ſtärke ſehr gewinnen, weil die Lichtſtrahlen, nach ihrem Durchgange<lb/>
durch die zweite Objectivlinſe, ſich unter viel größeren Winkeln<lb/>
als bisher zu dem Bilde vereinigen, und dadurch dem Bilde<lb/>ſelbſt mehr Präciſion und eine ſchärfere Begränzung geben.</p><lb/><p>Auch die frühere Idee Eulers, ſtatt der Gläſer beſondere<lb/>
Flüſſigkeiten zu wählen, hat man in den neueren Zeiten auszu-<lb/>
führen geſucht. Blair und Brewſter i. J. 1813 in London, Gi-<lb/>
rard 1822 in Wien, Barlow 1828 und nahe um dieſelbe Zeit auch<lb/>
Rogers in Edinburg haben ſolche Verſuche angeſtellt, die, nach den<lb/>
darüber erhaltenen Nachrichten, ſehr glücklich ausgefallen ſind.<lb/>
Zu dieſen <hirendition="#g">aplanatiſchen</hi> Fernröhren, wie man ſie nennt, hat<lb/>
Brewſter das ätheriſche Oel von Caſſia und Saſſafras, ſpäter<lb/>
aber vorzugsweiſe Schwefelalkohol (<hirendition="#aq">sulfuret of carbon</hi>) vorge-<lb/>ſchlagen, welchen letzteren auch Barlow anwendet. Girard ſoll<lb/>
Terpentinöl, Marx in Göttingen Kreoſot zu den aplanatiſchen<lb/>
Objectiven gebraucht haben. In Barlow’s erſtem Fernrohre dieſer<lb/>
Art hat das vordere Objectiv von Kronglas 6 Zoll Durchmeſſer<lb/>
und 4 Fuß Brennweite — die Flüſſigkeitslinſe ſteht von jenem<lb/>
24 Zoll ab — und hat einen Durchmeſſer von bloß 3 Zoll. Ein ſpä-<lb/>
teres von demſelben Künſtler verfertigtes hat eine Oeffnung der<lb/>
erſten Linſe von 7⅘ Zoll, in einer Entfernung von 40 Zoll von<lb/>
der zweiten. Dieſes Fernrohr, das in ſeiner ganzen Länge 8,<hirendition="#sub">7</hi> Fuß<lb/>
hat, ſoll ſo viel leiſten als ein gutes achromatiſches von 18 Fuß<lb/>
Länge. Beide, die dialytiſchen ſowohl als die aplanatiſchen Fern-<lb/>
röhre, die im Grunde auf demſelben Prinzip, auf der Trennung<lb/>
der beiden Objectivlinſen beruhen, ſind noch als in ihrer erſten<lb/>
Entſtehung zu betrachten, und man darf der Hoffnung Raum<lb/>
geben, daß durch ſie eine neue Epoche in der Geſchichte unſerer<lb/>
Fernröhre begründet werden wird.</p><lb/><p>§. 15. (Anwendung der Fernröhre bei den Meßinſtrumenten.)<lb/>
Nur wenige Jahre nach der Erfindung der Fernröhre wurden<lb/>
dieſelben, wie zu erwarten war, ſchon auf den Himmel angewen-<lb/>
det. Der berühmte Galilei hatte, wie man ſagt, auf eine unbe-<lb/>ſtimmte Nachricht von dieſer Erfindung, die Zuſammenſetzung des<lb/>
Fernrohrs errathen, und mit dem erſten von ihm verfertigten<lb/><fwplace="bottom"type="sig"><hirendition="#g">Littrow’s</hi> Himmel u. ſ. Wunder. <hirendition="#aq">III.</hi> 18</fw><lb/></p></div></div></div></body></text></TEI>
[273/0285]
Beſchreibung und Gebrauch der aſtronom. Inſtrumente.
Fernröhre, nicht gut ausgeführt werden konnte, und daß endlich
dadurch dieſe neuen optiſchen Inſtrumente an Schärfe und Licht-
ſtärke ſehr gewinnen, weil die Lichtſtrahlen, nach ihrem Durchgange
durch die zweite Objectivlinſe, ſich unter viel größeren Winkeln
als bisher zu dem Bilde vereinigen, und dadurch dem Bilde
ſelbſt mehr Präciſion und eine ſchärfere Begränzung geben.
Auch die frühere Idee Eulers, ſtatt der Gläſer beſondere
Flüſſigkeiten zu wählen, hat man in den neueren Zeiten auszu-
führen geſucht. Blair und Brewſter i. J. 1813 in London, Gi-
rard 1822 in Wien, Barlow 1828 und nahe um dieſelbe Zeit auch
Rogers in Edinburg haben ſolche Verſuche angeſtellt, die, nach den
darüber erhaltenen Nachrichten, ſehr glücklich ausgefallen ſind.
Zu dieſen aplanatiſchen Fernröhren, wie man ſie nennt, hat
Brewſter das ätheriſche Oel von Caſſia und Saſſafras, ſpäter
aber vorzugsweiſe Schwefelalkohol (sulfuret of carbon) vorge-
ſchlagen, welchen letzteren auch Barlow anwendet. Girard ſoll
Terpentinöl, Marx in Göttingen Kreoſot zu den aplanatiſchen
Objectiven gebraucht haben. In Barlow’s erſtem Fernrohre dieſer
Art hat das vordere Objectiv von Kronglas 6 Zoll Durchmeſſer
und 4 Fuß Brennweite — die Flüſſigkeitslinſe ſteht von jenem
24 Zoll ab — und hat einen Durchmeſſer von bloß 3 Zoll. Ein ſpä-
teres von demſelben Künſtler verfertigtes hat eine Oeffnung der
erſten Linſe von 7⅘ Zoll, in einer Entfernung von 40 Zoll von
der zweiten. Dieſes Fernrohr, das in ſeiner ganzen Länge 8,7 Fuß
hat, ſoll ſo viel leiſten als ein gutes achromatiſches von 18 Fuß
Länge. Beide, die dialytiſchen ſowohl als die aplanatiſchen Fern-
röhre, die im Grunde auf demſelben Prinzip, auf der Trennung
der beiden Objectivlinſen beruhen, ſind noch als in ihrer erſten
Entſtehung zu betrachten, und man darf der Hoffnung Raum
geben, daß durch ſie eine neue Epoche in der Geſchichte unſerer
Fernröhre begründet werden wird.
§. 15. (Anwendung der Fernröhre bei den Meßinſtrumenten.)
Nur wenige Jahre nach der Erfindung der Fernröhre wurden
dieſelben, wie zu erwarten war, ſchon auf den Himmel angewen-
det. Der berühmte Galilei hatte, wie man ſagt, auf eine unbe-
ſtimmte Nachricht von dieſer Erfindung, die Zuſammenſetzung des
Fernrohrs errathen, und mit dem erſten von ihm verfertigten
Littrow’s Himmel u. ſ. Wunder. III. 18
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 3. Stuttgart, 1836, S. 273. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem03_1836/285>, abgerufen am 26.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.