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Schkopp, Wilhelm Christoph von: Heu! Coclidem zedlicensem. Breslau, 1669.

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Rom/ ließ seine Thränen fliessen/ da jhm die Nachricht
geward/ daß Scipio Africanus gestorben/ lieff alle
Gassen auff und nieder/ und schrye:

Accurrite Cives, nam Moenia Civi-
tatis vestrae corruere!

Laufft zu jhr Bürger/ dann durch den Fall
Scipionis haben eure Stadt-Mauren Schaden
gelidten!
Jch borge diese Worte/ und sage: Trettet
herzu jhr beyde löbliche Fürstenthümer! betrachtet die
Stelle/ da der unvergleichliche Herr von ZEDLITZ
in der Landes-Stube gesessen! consideriret seine Fuß-
Steigen/ welche er zu dem gemeinen Nutzen gantz
freudig gemachet! admiriret die mera Judicia, so er
so caute, so treu biß seine Clepsydra außgelauffen/ ge-
fället/ und führet auch Leid und grosses Klagen über
diesen Fall/ wie über den untergang eines Josiae. Von
dem Diogene lieset man/ wie selbiger sey ersuchet wor-
den in seinem Alter/ das hin und her Rollen in seinem
Fasse abzuschaffen/ darüber er sehr gelächelt/ fürge-
bend/ daß/ da er numehro alt geworden/ perseveri-
r
en/ und keinem Philosopho Ursache geben wolte/ zu
sagen/ daß er bey seinen Canis zu philosophiren auff-
gehöret/ und sein Gemüth verändert hätte: Nun
wer weiß nicht/ wie der vortreffliche Herr von ZED-
LITZ
dem Lande seine Treu zu erweisen/ bey seinen
Canis nicht auffgehört/ sondern sich lange Zeit ad Pub-

lica

Rom/ ließ ſeine Thraͤnen flieſſen/ da jhm die Nachricht
geward/ daß Scipio Africanus geſtorben/ lieff alle
Gaſſen auff und nieder/ und ſchrye:

Accurrite Cives, nam Mœnia Civi-
tatis veſtræ corruere!

Laufft zu jhr Buͤrger/ dann durch den Fall
Scipionis haben eure Stadt-Mauren Schaden
gelidten!
Jch borge dieſe Worte/ und ſage: Trettet
herzu jhr beyde loͤbliche Fuͤrſtenthuͤmer! betrachtet die
Stelle/ da der unvergleichliche Herꝛ von ZEDLITZ
in der Landes-Stube geſeſſen! conſideriret ſeine Fuß-
Steigen/ welche er zu dem gemeinen Nutzen gantz
freudig gemachet! admiriret die mera Judicia, ſo er
ſo cautè, ſo treu biß ſeine Clepſydra außgelauffen/ ge-
faͤllet/ und fuͤhret auch Leid und groſſes Klagen uͤber
dieſen Fall/ wie uͤber den untergang eines Joſiæ. Von
dem Diogene lieſet man/ wie ſelbiger ſey erſuchet wor-
den in ſeinem Alter/ das hin und her Rollen in ſeinem
Faſſe abzuſchaffen/ daruͤber er ſehr gelaͤchelt/ fuͤrge-
bend/ daß/ da er numehro alt geworden/ perſeveri-
r
en/ und keinem Philoſopho Urſache geben wolte/ zu
ſagen/ daß er bey ſeinen Canis zu philoſophiren auff-
gehoͤret/ und ſein Gemuͤth veraͤndert haͤtte: Nun
wer weiß nicht/ wie der vortreffliche Herꝛ von ZED-
LITZ
dem Lande ſeine Treu zu erweiſen/ bey ſeinen
Canis nicht auffgehoͤrt/ ſondern ſich lange Zeit ad Pub-

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Zitationshilfe: Schkopp, Wilhelm Christoph von: Heu! Coclidem zedlicensem. Breslau, 1669, S. [4]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/354495/4>, abgerufen am 04.07.2022.